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    <title>Fotomenschen - Alfred Eisenstaedt</title>
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    <description>Posts tagged &#x27;Alfred Eisenstaedt&#x27; on Fotomenschen.</description>
    <language>de-DE</language>
    <lastBuildDate>Sat, 28 Aug 2021 13:31:51 GMT</lastBuildDate>
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            <title>Eisenstaedts Ode an die Freude</title>
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            <description>Der Fotojournalist Alfred Eisenstaedt hat über 2500 Fotoreportagen produziert, war 90 mal für Titelbilder des Life Magazins verantwortlich und machte einige der berühmtesten Fotografien des 20.</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Der <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalist</a> <a "/tags/alfred-eisenstaedt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="31" title="Alfred Eisenstaedt">Alfred Eisenstaedt</a> hat über 2500 Fotoreportagen produziert, war 90 mal für Titelbilder des Life Magazins verantwortlich und machte einige der berühmtesten Fotografien des 20. Jahrhunderts. Umso schöner dass einige seiner ikonischsten Aufnahmen pure Freude zeigen, wie zum Beispiel das Bild &#8222;Drum Major&#8220; aus dem Jahr 1950. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://newsfeed.time.com/2013/08/21/the-happiest-photo-ever-made/" target="_blank">The Happiest Photo Ever Made</a></li><li>Ode to Joy</li><li>Drum Major (Wikipedia &#8211; <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Drum_major_(marching_band)" target="_blank">Englisch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tambourmajor" target="_blank">Deutsch</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210610073836/http://digitaljournalist.org/issue9911/friend.htm" target="_blank">Eisenstaedt&#8217;s Ode to Joy</a></li><li><a "/posts/gewollte-romantik.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fotomenschen Folge 56 &#8211; Gewollte Romantik</a></li></ul>

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<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Von dem Bild, über das ich heute sprechen möchte, wird manchmal behauptet, es sei das fröhlichste Foto, das jemals gemacht worden wäre. Der Fotograf <a "/tags/alfred-eisenstaedt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="31" title="Alfred Eisenstaedt">Alfred Eisenstaedt</a> selbst nannte es einfach &#8222;Drum Major&#8220;. Weil es einen Drum Major zeigt. Unter anderem.</p>

<p>Andere betiteln das Bild &#8222;Ode to Joy&#8220;, also &#8222;Ode an die Freude&#8220;.</p>

<p><a "/tags/alfred-eisenstaedt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="31" title="Alfred Eisenstaedt">Alfred Eisenstaedt</a> sind wir hier im Podcast schon mal begegnet, nämlich in Folge 34, &#8222;Gewollte Romantik&#8220;. Denn er ist der Fotograf, der am Time Square das berühmte Foto eines eine Krankenschwester küssenden Seemanns machte.&nbsp;</p>

<p>Eisenstaedt war der Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie. Er war 14, als er seine erste Kamera, eine Eastman <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Faltkamera, geschenkt bekam. Das war im Jahr 1912. Am Anfang sah es so aus, als würde Alfred in die Fußstapfen seines Vaters treten und auch eine kaufmännische Laufbahn einschlagen, aber er hörte auch nie auf, in seiner Freizeit zu fotografieren und reichte seine Aufnahmen auch bei diversen Magazinen und Zeitungen ein. Er war 16, als er die ersten Aufnahmen verkaufte und ab da war eigentlich klar, dass er freier Fotograf werden würde.</p>

<p>Es ist das Berlin der 20er Jahre, in dem er sich dann seinen Namen macht. Zu der Zeit werden mehr und mehr Illustrierten gegründet und Alfred Eisenstaedt hat ein Händchen dafür, Fotos zu machen, die kleine Geschichten zu erzählen scheinen. Genau die Art Material, die in diesen Illustrierten reißend Absatz finden. Er selbst sieht sich als dokumentarischer Fotograf. Neben allgemeinen Alltagsszenen fotografiert er auch berühmte Persönlichkeiten seiner Zeit. Er macht Portraits von Marlene Dietrich, George Bernard Shaw, Richard Strauss oder auch von Diktatoren wie Mussolini oder Hitler.&nbsp;</p>

<p>Als die Lage in Nazideutschland zu gefährlich für ihn wird, immigriert er in die USA, tritt einer Stelle bei Associated Press an und wird dort relativ schnell zum Starreporter. Er ist quirlig, umtriebig, hat ein ständig wachsendes, sehr durchmischtes Portfolio und findet im Handumdrehen Aufträge bei so Namen wie Vogue oder Life Magazine. 90 Mal macht er Titelblätter für das Life Magazine und ist damit einer der ganz großen Fotografen der Branche.&nbsp;</p>

<p>Er reist um die Welt. Er macht Kriegsreportagen, fotografiert berühmte Persönlichkeiten wie zum Beispiel John F. Kennedy im Alltag und das Material ist gefragt. Eisenstaedt ist der Autor von über 2500 Bildreportagen. Er ist ein Profi, der seine Kamera gefühlt permanent in der Hand hält.&nbsp;</p>

<p>Je mehr man fotografiert und je mehr man rumkommt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass einzigartige und interessante Aufnahmen entstehen und da ist natürlich Alfred Eisenstaedt auch keine Ausnahme. Er hat viele sehr berühmte, sehr ikonische und auch sehr schöne Aufnahmen gemacht, aber das meiner Meinung nach beste Bild in seinem Portfolio, da lehne ich mich jetzt mal aus dem Fenster, entsteht in Michigan im Herbst des Jahres 1950. Alfred Eisenstaedt ist zu der Zeit on assignment. Es geht um eine landesweit berühmte Marschkapelle, die Michigan University Marching Band.&nbsp;</p>

<p>Marching Bands oder Marschkapellen sind eigentlich eine Einrichtung, die das britische Militär erfunden hat und die dann in Europa in verschiedenen Militäreinheiten üblich waren. Der Grundgedanke war, Trommler auf dem Kampffeld zu haben, die dann Kommandos geben konnten und so den kämpfenden Einheiten Orientierung verschaffen. Zu Trommeln kamen Trompeten und Glockenspiele und zack, war sie geboren, die militärische Marschkapelle, heutzutage meistens zu irgendwelchen Ehrenanlässen eingesetzt.&nbsp;</p>

<p>In den USA spaltete sich dann aber aus dem militärisch geprägten Kapellen ein weiterer Trend ab und Universitäten formten ihre eigenen Marschkapellen. Deren Aufgaben sind dann nicht mehr militärisch, was die aber regelmäßig machen, ist zum Beispiel bei ja auch von Universitäten dominierten Sportveranstaltungen das Publikum anzuheizen, ähnlich wie die Cheerleader.&nbsp;</p>

<p>Die Idee dieser Marching Bands ist dann, in großen Gruppen musizierend nach einer vorgegebenen Choreografie zu marschieren. Da werden Formationen abgegangen, da werden Buchstaben abmarschiert und der Dirigent und Anführer ist der sogenannte Drum Major. Der oder die Drum Major hat dann üblicherweise einen großen, länglichen Pelzhut auf und einen metallischen Stab in der Hand, um damit zu dirigieren. Das Ganze ist natürlich einigermaßen akrobatisch, das heißt, dieser Stab wird durch die Luft gewirbelt und geworfen, gefangen, gedreht und natürlich hüpft, springt oder dreht sich auch der oder die Drum Major dabei. Auftritte von Marching Bands folgen vorgegeben Choreografien und vom Drum Major werden ausladende, dramatische Schritte und Sprünge erwartet.&nbsp;</p>

<p>An jenem Herbsttag 1950 jedenfalls fotografiert Alfred Eisenstaedt all das, was man so zu sehen erwartet, wenn man das Training einer berühmten Marching Band besucht. Am nächsten Morgen, erfährt er, trainieren speziell die Drum Major und das will er natürlich aufnehmen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;Another picture will be remembered when I&#8217;m in heaven is that picture I took at the University of Michigan. I had to do a story on the brass band and I wanted to photograph the drum major rehersing in the morning.&#8220;</p>

<p>Er haftet sich speziell an die Fersen des Head Drum Major und folgt ihm kreuz und quer über den Rasen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;When I run after and I photographed it and while I was running, all the boys from the faculties paraded with him.&#8220;</p>

<p>Er ist in vollständiger Drum Major Uniform, inklusive dem pelzigen Hut und er übt den hohen, dramatischen Schritt wieder und wieder. An der Seite der Wiese spielen einige Kinder und werden auch auf den Drum Major aufmerksam. Sie sind schätzungsweise acht bis zwölf Jahre alt und finden lustig, was sie sehen. Und beginnen, ihn nachzuahmen. Als er bei seiner Runde wieder mal näher an ihnen vorbeikommt, beschließen sie, ihm einfach nachzulaufen und nachzumachen. Und als Alfred Eisenstaedt seine Kamera hochhebt und abdrückt, ist der Drum Major im vollen Ausfallschritt mit sieben Kindern, die in unterschiedlichen lachenden, fröhlichen Posen hinter ihm herlaufen zu sehen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;People think this was a posed picture. This was never posed, not posed at all. This is a natural picture. People imitated me later, but this was not posed.&#8220;</p>

<p>Das ist ein Bild, bei dem zumindest ich sofort grinsen muss. Und es war dann dieses Bild, das aus einer im Magazin geplanten <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a> die Titelstory machte.&nbsp;</p>

<p>Drum Major machen viel mehr als einfach nur akrobatische Schritte und ein Orchester zu dirigieren, sie sind außerdem Verbindungsglied zwischen den Musikern und der Leitung der Universität oder ihrer Einheit, sie sind oft Public-Relation-Person, sie erarbeiten Choreographien, es ist eine anspruchsvolle Position, auf die man echt stolz sein kann.&nbsp;</p>

<p>Natürlich gibt es Marschkapellen und auch die Rolle des Drum Majors auch bei uns, aber ich wäre dann trotzdem relativ überrascht, wenn ich zu Beginn eines Fußballspiels ein mehrere Dutzend Personen großes Orchester auf dem Spielfeld auflaufen sehen würde. Und ich wäre noch verdutzter, wenn die dirigierende Figur plötzlich irgendwelche Sprünge macht oder übertrieben große Schritte. Aber es ist cool, anzuschauen und ohne Frage macht es Spaß, den Drum Major dabei zuzusehen, wie sie ihre Mannen und Frauen anfeuern.&nbsp;</p>

<p>Und das Foto von Alfred Eisenstaedt fängt das wie kein anderes perfekt ein. Das Foto zeigt keinen Drum Major und Kinder, es zeigt Freude. Und auch das finde ich bemerkenswert. Alfred Eisenstaedt hat sein ganzes Leben lang fotografiert und er hat viele ikonische Bilder geschaffen, aber die Bilder, die am meisten herausstehen, zeigen Momente der Freude.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sat, 28 Aug 2021 13:31:51 GMT</pubDate>
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            <title>Gewollte Romantik</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/gewollte-romantik.html</link>
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            <description>In der heutigen Folge spreche ich über die Geschichten hinter zwei berühmten Küssen. Der eine steht für das Ende des 2. Weltkriegs, der andere für Paris als die Stadt der Liebe.</description>
            <content:encoded><![CDATA[

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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>In der heutigen Folge spreche ich über die Geschichten hinter zwei berühmten Küssen. Der eine steht für das Ende des 2. Weltkriegs, der andere für Paris als die Stadt der Liebe. Beide wurden auf Millionen Postkarten und Poster gedruckt und sind bis heute diskutierte Motive. Beide werfen Fragen auf die noch heute gelten und beide zeigen nicht das was viele zu sehen glauben&#8230; </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Greta_Zimmer_Friedman" target="_blank">Greta Zimmer Friedman</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Eisenstaedt" target="_blank">Alfred Eisenstaedt</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/V-J_Day_in_Times_Square" target="_blank">V-J Day in Times Square</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/V-J_Day_in_Times_Square" target="_blank">V-J Day in Times Square</a> (Englische Wikipedia, ausführlicher als der dt. Beitrag)</li><li><a href="https://www.hercampus.com/school/kutztown/not-so-romantic-side-v-j-day-photograph/">The Not so Romantic Side of the V-J Day Photograph</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/valentinstag-beruehmte-kuesse-kriegsende-1945-in-new-york-a-1252820.html" target="_blank">&#8222;Das war kein romantischer Moment&#8220;</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article158074916/Diese-Frau-gab-den-beruehmtesten-Kuss-der-Welt.html" target="_blank">Diese Frau gab den berühmtesten Kuss der Welt</a> (Welt)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Doisneau" target="_blank">Robert Doisneau</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Kuss_vor_dem_H%C3%B4tel_de_Ville" target="_blank">Der Kuss vor dem Hôtel de Ville</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/kultur/article160260220/Das-beruehmteste-Foto-der-Welt.html" target="_blank">Das berühmteste Foto der Welt</a> (Welt)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bbc.com/culture/article/20170213-the-iconic-photo-that-symbolises-love" target="_blank">One of history&#8217;s most romantic photographs was staged</a> (BBC)</li><li>Dirks Gespräch mit Erik vom Podcast “Studio Kreativkommune” (<a rel="noreferrer noopener" href="https://fyyd.de/episode/6527019" target="_blank">Link zur Episode auf Fyyd</a>)</li><li><a href="https://web.archive.org/web/20250428153637/https://kwerfeldein.de/2021/03/25/kurz-erklaert-fotogeschichte/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kurz erklärt &#8211; Muss ich mich mit Fotogeschichte beschäftigen?</a> (Kwerfeldein)</li></ul>

<p><a href="https://www.amazon.com/dp/1612510787" target="_blank" rel="noopener">The Kissing Sailor: The Mystery Behind the Photo that Ended World War II</a></p>

<p><a href="https://www.amazon.com/dp/3822816124" target="_blank" rel="noopener">Doisneau</a></p>

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<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>Wir haben den 14. August 1945 und es lag schon in der Luft, das Kriegsende. Den ganzen Tag schon machten Gerüchte die Runde, die Japaner hätten aufgegeben, eine Kapitulation wäre unterzeichnet worden, Verhandlungen würden gerade stattfinden und dann ist es endlich so weit. (Audio wird eingespielt) Präsident Harry Truman. (Audio läuft weiter) Das war es nun, das Ende des zweiten Weltkriegs, die Nachricht verbreitete sich in Windeseile und die Amerikaner waren im Freudentaumel. </p>

<p>(Audio wird eingespielt) </p>

<p>In allen Städten stürmen die Leute spontan auf die Straße und feiern, Paraden bilden sich. Aber die mit Abstand größte Feier im Land ist in New York City. Über zwei Millionen Menschen sind auf der Straße, eine von ihnen ist die Zahnarzthelferin Greta Zimmer Friedmann. Die 25-jährige Österreicherin ist zu dem Zeitpunkt zehn Jahre in den USA. Sie war 15, als ihre Eltern beschlossen hatten, dass die Situation in Österreich für eine jüdische Familie zu gefährlich würde und sie und ihre Schwester deswegen in die neue Welt verschifften. Sie blieben zurück und wurden dann von den Nazis gefangengenommen und ermordet. Greta hat das Gerücht gehört, dass das Kriegsende kurz bevorstand und sie nutzte ihre Pause, um zum nahegelegenen Times Square zu gehen, wenn denn Kriegsende war, würde ja dort gefeiert werden. Sie ist gerade auf den Times Square gegangen, da wird so aus heiterem Himmel von einem Seemann gepackt, der sie nach hinten lehnt und ihr einen festen Kuss auf die Lippe drückt. Und die Szene wird festgehalten, der damals schon bekannte Fotograf <a "/tags/alfred-eisenstaedt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="31" title="Alfred Eisenstaedt">Alfred Eisenstaedt</a> hat den Auftrag für das Life Magazine, die New Yorker beim Feiern festzuhalten. Und er und sein Kollege Victor Jorgensen sind am Times Square unterwegs und fotografieren was das Zeug hält. </p>

<p>Alfred hatte den Auftrag am Times Square zu fotografieren und er sah schnell einen Mann, der von einem Kino aus auf ihn zulief und jede Frau in seinem Web packte und küsste.  Alfred rannte durch die Menge, seine Kamera hatte eine Festbrennweite, er konnte also nicht zoomen. Blende und Verschlusszeit hatte er fix eingestellt und er verließ sich ganz auf sein Unterbewusstsein, ihm zu sagen, wo er draufhalten musste. Das war der Moment, indem er aus dem Augenwinkel etwas Weißes sah. Es ist ein bemerkenswertes Foto, es wird als eines von 14 Aufnahmen küssender Soldaten im Life Magazine abgedruckt werden, um die feiernden Soldaten darzustellen. Aber keiner dieser vielen Küsse sieht so gut aus. Da ist zum einen dieser Kontrast aus der schwarzen Uniform und dem weißen Kleid. Aber auch die Pose, ich kann mir stundenlang ansehen, wie sie dasteht, es ist die perfekte Kuss Pose. Das Foto wird zu einer Sensation, Postkarten, Poster, eines der meistreproduzierten Bilder aller Zeiten. Man kann New York nicht besuchen, ohne diesem Bild nicht irgendwo zu begegnen und es wird zum Symbolbild für das ende des zweiten Weltkriegs schlechthin. </p>

<p>Wie so oft bei ikonischen Bildern, dauert es seine Zeit, bis alle erkennen, was für eine besondere Aufnahme das ist. Und <a "/tags/alfred-eisenstaedt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="31" title="Alfred Eisenstaedt">Alfred Eisenstaedt</a> hat natürlich nie mit diesem Paar gesprochen, er weiß also nicht wer auf dem Bild ist. In den Achtzigern versucht Life Magazine dann herauszufinden, wer die Menschen hinter der Aufnahme sind und startet einen Aufruf und das Pärchen meldet sich. Aber nicht nur dieses eine Pärchen. 30 Jahre lang kommt ein Paar nach dem anderen und behauptet, dieses küssende Pärchen zu sein. Final geklärt wurde das Ganze dann aber erst 2007, da kommt nämlich das Buch &#8222;The kissing Sailor&#8220; auf den Markt. Geschrieben von Lawrence Verria, erzählte es nicht nur die Geschichte dieser Aufnahme, sondern auch die Geschichte der Personen im Bild. Da gibt es nämlich eine Person, die mitfotografiert wurde, die oft vergessen wird, die hier nun auch erwähnt werden soll. Das Bild zeigt ja so einige Menschen und eine sticht besonders heraus: Links hinter dem Seemann steht eine junge Frau und grinst von Ohr zu Ohr. Und diese Frau ist die Freundin des Seemanns, mit der war er nämlich zuvor noch im Kino gewesen. Die Kinovorstellung war unterbrochen worden, als die Meldung der Kapitulation Japans ihre Runde machte. Der Seemann knutschte sich also nicht alleine quer über den Times Square, sondern hinter ihm stand seine Freundin und spätere Ehefrau. Aber hat die das nicht gestört, dass ihr Mann sich quer über den Times Square knutschte? Nein, sie sah es gelassen. </p>

<p>Da er nicht besonders wählerisch war, sondern praktisch alle geküsst hat, kann ich mir vorstellen, warum sie das gelassen sieht. Egal, sie hat ihn jedenfalls geheiratet. 69 Jahre waren die beide verheiratet. Aber vielleicht hat es Greta gestört, lassen wir die auch mal zu Wort kommen. (Audio wird eingespielt #00:06:44#) Ja dieser Tight-Grip, das fiel mir von Anfang an diesem Foto auf. Sie scheint entspannt in seinen Armen zu liegen, aber wenn man seinen linken Arm genau ansieht, hat er sie praktisch in einer Art Schraubstock gefangen, sie hatte gar keine Wahl, sie konnte nicht weg. Und was da alle so weglachen, und was heute ein ach wie romantisches Bild ist, ist natürlich auch Ausdruck einer Kultur, in der Männer sich sowas einfach rausnehmen konnten. So schön die Pose und die Komposition auch ist, dieser Griff, mit dem er sie fixiert, macht das Bild für mich unangenehm. Es zeigt eben nicht, was viele Menschen glauben. Ja, es geht um Freude, aber es geht nicht um Romantik, es geht nicht um Liebe. Und dieser Kuss? Schwierig. Aber der Kuss ist jetzt auch eine hervorragende Überleitung, denn ich habe zwei Bilder versprochen. </p>

<p>Da gehen wir jetzt in die fünfziger Jahre und wir wechseln den Kontinent, wir besuchen Paris. Und durch die Straßen läuft ein zu dem Zeitpunkt schon bekannter Fotograf, <a "/tags/robert-doisneau.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="32" title="Robert Doisneau">Robert Doisneau</a>. Und er knipst und knipst und knipst. Vor ihm ein Pärchen, es schlendert durch die Stadt. Die beiden jungen Menschen flirten heftig miteinander, sie fasst sich in die Haare, die beiden lachen viel, halten Händchen, küssen sich und turteln. Für das Paris der fünfziger Jahre eine durchaus ganz normale Szene. Während man in den USA selbst in New York noch zu prüde ist, um auch nur in der Öffentlichkeit zu küssen, außer es ist gerade der zweite Weltkrieg zu Ende gegangen, ist in Paris gefühlt praktisch alles erlaubt. Und deswegen hat das Life Magazine <a "/tags/robert-doisneau.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="32" title="Robert Doisneau">Robert Doisneau</a> damit beauftragt, eine Artikelstrecke zu bebildern, in der es um diese Entspanntheit, diese Freiheit des Leben in Frankreich gehen soll. Und Robert ist berühmt dafür, dass er ein ganz besonderes Auge hat, seine Bilder sind oft witzig, originell, gefühlvoll und er wird verglichen mit einem anderen ganz großen, Henri Cartier-Bresson. Henri und Albert sind praktisch die Väter dieses Genres. </p>

<p>Und die Vorstellung, die wir von Paris haben, stammt aus der Kamera dieser beiden Männer. An diese März oder vielleicht war es auch ein Apriltag, fotografiert Robert im Auftrag des Life Magazines turtelnde Pärchen. Und unser Pärchen biegt in die Rue du Tivoli, die Straße, in der auch das Pariser Rathaus, das Hotel de Ville zu sehen ist und küsst sich im Vorbeigehen an Straßencafés fast beiläufig. Wie schon Eisenstaedt, hat Doisneau erstmal keine Ahnung, was für einen Treffer er hier gelandet hat. Es ist für ihn ein Bild von vielen, und sieht dieses Pärchen, das sich fast beiläufig küsst, leichte Bewegungsunschärfe im Bild, die Passanten interessiert das offensichtlich rein gar nicht und man erkennt im Hintergrund das Pariser Rathaus, das Hotel de Ville. Das Bild wurde im Life Magazine veröffentlicht, zusammen mit diversen anderen und für Robert war es eins seiner 450.000 Fotografien, also nichts weiter Spektakuläres. Unsere Geschichte nimmt den Faden erst 30 Jahre später wieder auf. Robert wird gebucht, um eine Serie mit Postkarten zu bebildern und sein Publisher schlägt vor, dieses Foto für eine Postkarte und für Poster zu benutzen. Und diesmal war es eben nicht einfach nur irgendein Bild, die Aufnahme wurde zu einem globalen Phänomen, sie traf einen Nerv. Millionenfach wird das Fach auf Postkarten verschickt, Poster werden überall zum Verkauf angeboten. </p>

<p>Was bis dahin vielleicht nur irgendein Schnappschuss gewesen mag, wird urplötzlich zum großen Geschäft. Und mit dem Geschäft gibt es dann mehr und mehr Menschen, die gerne mitverdienen wollen. In den Fünfzigern gab es in Frankreich schon etwas, das in den USA bis heute noch nicht existiert, das Recht am eigenen Bild. Man darf zwar aus künstlerischen Motiven heraus im öffentlichen Raum fotografieren, sobald aber Bilder verkauft werden und dafür Geld fließt, sollte man besser abgesichert sein. Und es dauerte auch gar nicht lange, bis die ersten Forderungen auftauchen. Mehr und mehr Paare behaupten von sich, auf dieser Aufnahme zu sein und verlangen Lizenzgebühren. Als Robert vor Gericht gezerrt wird, ist der Moment für Robert gekommen, ein Eingeständnis zu machen. Diese Aufnahme, der Kuss vor dem Rathaus, war nämlich nicht so spontan, wie er aussah. Robert war Profi, bei Aufnahmen wie diesen, wo er für eine Magazinstrecke gebucht war, ging er lieber auf Nummer sicher. Statt sich dem Risiko auszusetzen, dass er von irgendwelchen Leuten vor Gericht gezogen werden konnte, verpflichtete er lieber Freunde und Bekannte, für ihn Modell zu stehen. Wobei Modellstehen darf man das eigentlich nicht nennen, er gab keinerlei Anweisungen. </p>

<p>Die Pärchen schlenderten einfach durch die Stadt und er fotografierte sie. Da half es dann, wenn die sich sowieso mochten. Als er also vor Gericht stand, musste er das einräumen und fing sich damit gleich das ein, was wir heute einen Shitstorm nennen würden. Denn die meisten wollten doch so gerne glaube, dass da eine spontane Liebesbekundung festgehalten worden war. Egal wie romantisch der Kuss aussieht, wenn er nicht echt ist, dann ist er doch nur noch halb so viel Wert, oder? Trotzdem hätte jetzt ja wenigstens der Rechtsstreit vorbei sein können. Aber zu früh gefreut, denn das Modell auf dem Bild, Francois Bornet, behauptete, er hätte sie nie bezahlt, er hätte sie also um ihr rechtmäßiges Honorar betrogen. Und so hatte er zwar den einen Prozess erfolgreich abgewendet, doch gleich den nächsten am Hals. Auch diese Geschichte bekam allerdings ein Happy End. Denn irgendwann war Robert in der Lage eine Rechnung zu produzieren, mit der er nachweisen konnte, dass er sehr wohl bezahlt hatte. Außerdem wissen wir seit dieser Anekdote, dass wir uns eigentlich um sonst aufgeregt haben. Zwar war das Pärchen gebucht für diesen Kurs, aber die beiden waren wirklich ein Paar und der Kuss war auch echt, es gab ja wie gesagt keinerlei Anweisungen. </p>

<p>Im Grunde haben sie ihr Geld beim Spazierengehen und Turteln verdient. Neun Monate hielt diese Beziehung und dann trennten sich die zwei. Und auch für Francois gab es ein Happy End, zwar hatte sie den Rechtsstreit verloren, aber auf der Publicity-Welle reitend, beschloss sie dann ihren Originaldruck des Bildes noch mit Stempel und Unterschrift von <a "/tags/robert-doisneau.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="32" title="Robert Doisneau">Robert Doisneau</a> zu verkaufen. Und dieses Bild wurde für den dreifachen Schätzpreis verkauft und brachte ihr 155.000 Euro ein. Nicht schlecht für einmal spazieren gehen und knutschen. Was haben beide Bilder gemeinsam, außer dass sie jeweils einen Kuss zeigen, ikonisch sind und millionenfach als Sinnbild für Romantik, Leidenschaft und Liebe in irgendwelchen Teenager Zimmern hängen? Genau, sie haben gemeinsam, dass sie nicht zeigen, was wir zeigen, das sie glauben. Fotografie funktioniert nicht ohne Kontext. Und beide Aufnahmen haben Probleme, mit denen auch heutige Fotografen immer noch zu kämpfen haben. Robert Doisneau versuche mit dem Bild keine journalistische Ethik aufrecht zu erhalten, trotzdem würden Straßenfotografen heute die Nase rümpfen, weil er seine Aufnahme gestellt hatte. Das Recht am eigenen Bild, auch das wird in beiden Aufnahmen verhandelt, wenn auch auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Und die Frage, was die dargestellte Handlung in der Aufnahme denn wirklich bedeutet, sowohl in der Zeit, in der die Aufnahme entstand als auch in der Zeit, in der wir sie uns anschauen. Der Soldat, der knutschend durch die Menge zieht, heute absolut unakzeptables Verhalten, damals etwas was man weggelächelt hat. Passanten fotografieren und damit Geld verdienen, etwas das schon in den Fünfzigern so problematisch war, dass Profis wie Robert lieber mit Models gearbeitet haben als mit spontanen Begegnungen. Und dann noch die Frage, ob Bilder eigentlich wirklich Geschichten erzählen können, oder wir uns das nicht vielleicht doch einfach nur einbilden.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sat, 27 Mar 2021 17:34:12 GMT</pubDate>
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