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    <title>Fotomenschen - Edward Steichen</title>
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    <description>Posts tagged &#x27;Edward Steichen&#x27; on Fotomenschen.</description>
    <language>de-DE</language>
    <lastBuildDate>Sat, 20 Aug 2022 13:09:04 GMT</lastBuildDate>
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            <title>Die menschliche Familie</title>
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            <description>Edward Steichen wird als der einflussreichste Fotograf des 20. Jahrhunderts bezeichnet.</description>
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<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Edward Steichen wird als der einflussreichste Fotograf des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Er war nicht nur durch seine eigene Fotografie stilprägend und erfolgreich sondern besonders als Direktor der fotografischen Abteilung des Museum of Modern Art in New York richtungsweisend. Er prägte die Karrieren unzählicher Fotograf:innen und kuratierte einige der berühmtesten Ausstellungen seiner Zeit. Eine dieser Ausstellungen, The Family of Man, ist bis heute unerreicht. </p>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Steichen#Direktor_am_Museum_of_Modern_Art" target="_blank">Edward Steichen</a> (Wikipedia)</li>

<li>The Family of Man (Wikipedia <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/The_Family_of_Man#:~:text=Steichen%20himself%20supplied%20five%20photos,original%201955%20MoMA%20checklist)%3A" target="_blank">Englisch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Family_of_Man" target="_blank">Deutsch</a>)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.edwardsteichen.com/" target="_blank">The Estate of Edward Steichen</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/fotofestival-zwischen-alltag-und-wahnsinn-die-menschheit-a-785803.html" target="_blank">Zwischen Alltag und Wahnsinn: die Menschheit</a> (Spiegel)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://luxembourg.public.lu/de/gesellschaft-und-kultur/kuenstlerisches-schaffen/edward-steichen.html" target="_blank">Steichen Collection Luxembourg</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.thefamilyofman.education/de/historischer-zusammenhang/edward-steichen-vom-mann-seiner-zeit-zum-zeitlosen-kunstler" target="_blank">Edward Steichen, vom Mann seiner Zeit zum zeitlosen Künstler</a></li>

<li><a href="https://steichencollections.lu/de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weltdokumentenerbe UNESCO &#8211; Steichen Collections</a></li>
</ul>

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<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Edward Steichen gilt als der einflussreichste Fotograf des 20. Jahrhunderts.<br>Er hat das meistverkaufte Fotobuch aller Zeiten herausgebracht,<br>einen Ausstellungskatalog der meistbesuchten Ausstellungen aller Zeiten.<br>Er hat einen einzigen Film als Regisseur verantwortet, der dann auch gleich noch einen Oscar gewonnen hat<br>und mehr als nur eine Karriere in der Fotografie hinter sich gebracht.<br>Dabei war Fotografie noch nicht mal das einzige, was er in seinem Leben gemacht hat.<br>Edward Steichen wird am 27. März 1879 in Luxemburg geboren.<br>Da war er allerdings nur kurze Zeit, denn seine Eltern mussten aus wirtschaftlichen Gründen das Land verlassen<br>und beschlossen, in die USA zu emigrieren.<br>Er war 15, als er sich seine erste Boxkamera kaufte.<br>Und das erste Foto, das er je geschossen hat, ist eine Aufnahme seiner Schwester.<br>Die Kamera würde ihn sein Leben lang begleiten, aber zunächst dachte er eigentlich,<br>er würde entweder Drucker oder Maler werden.<br>Er macht eine Ausbildung zum Lithografen und beschließt, Kunst in Paris zu studieren.<br>Kurz bevor er aufbricht, hält er sich noch in New York auf<br>und lernt dort den schon erfolgreichen und einflussreichen Fotografen Alfred Stieglitz kennen.<br>Damals wie heute wurde die Frage, ob Fotografie denn eigentlich Kunst sein könnte, heiß diskutiert<br>und es gab eine Bewegung unter Fotografen, Bilder zu schaffen, die wie Gemälde aussahen.<br>Wem das jetzt bekannt vorkommt, ja, das ist nicht das erste Mal, dass der sogenannte Piktorialismus aufkommt.<br>Schon die ersten großen <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen versuchten, in ihren Gemälden der Malerei nachzueifern.<br>Stieglitz, Steichen und Zeitgenossen, also die neuen Piktorialisten,<br>sahen sich dabei in Konkurrenz zu einer anderen Schule der Fotografie.<br>Es gab nämlich auch die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen, die darauf pochten,<br>dass Bilder scharf und adäquate Abbildungen der Realität sein mussten.<br>Während also Fotografen wie Ansel Adams damit beschäftigt waren,<br>möglichst scharf und präzise kalkulierte Bilder zu produzieren,<br>wackelten Piktorialisten gezielt am Stativ, um dem Bild eine gewisse Unschärfe zu geben<br>oder entwickelten eigene Druckverfahren, um dem Bild eine malerische oder zeichnerische Anmutung zu geben.<br>Edward Steichen reiste dann auch tatsächlich nach Europa weiter und tritt sein Studium in Paris an.<br>Er lernt das Who is Who der französischen Kunstszene kennen<br>und schmiedet mehrere einflussreiche, lebenslange Freundschaften.<br>Außerdem wird er so eine Art früher Jet-Setter.<br>Immer wieder besteigt er Dampfschiffe, um den Atlantik zu überqueren<br>und trägt so zum regen Austausch zwischen der europäischen und der amerikanischen Kunstszene bei.<br>1903 stellt ihm die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> Gertrude Käsebier Clara Emma Smith vor,<br>eine junge Sängerin, die er heiratet und mit der er mehrere Kinder hat.<br>Edward Steichen verdient seinen Lebensunterhalt bereits mit Auftragsarbeiten jeglicher Art,<br>sowohl in der Malerei als auch in der Fotografie.<br>Seine Kontakte und frühen Fotografen von berühmten Künstlern in Paris<br>helfen ihm dabei, neue Aufträge an Land zu ziehen.<br>Und er hat sich bereits etabliert als jemand mit einem ungewöhnlichen Blick<br>und ist bekannt dafür, dass er eine ungewöhnliche Bandbreite an fotografischen Fähigkeiten besitzt.<br>So macht er Porträts, Stillleben, Auftragsarbeiten für die Industrie<br>und gilt als einer der frühesten Vertreter der Fashion-Fotografie.<br>Als der Erste Weltkrieg ausbricht, sehen sich die Steichens gezwungen, wieder in die USA zu emigrieren.<br>Er meldet sich freiwillig zum Militärdienst.<br>Als der etablierte Fotograf, der er ist, bekommt er den Auftrag,<br>eine fotografische Abteilung aufzubauen und die technischen Verfahren zu standardisieren.<br>Er entwickelt besonders kleine, leicht aufzubauende Dunkelkammern,<br>standardisiert die Filmformate, die die französischen, britischen und amerikanischen Einheiten verwenden,<br>hilft dabei, die Kameratechnik zu perfektionieren, die für Luftaufnahmen und Aufklärung verwendet wird<br>und legt technologische Grundsteine, die bis heute gelten.<br>Aus dem <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> zurückgekehrt und inzwischen geschieden,<br>konzentriert sich Steichen auf seine fotografische Laufbahn.<br>Er heiratet ein zweites Mal.<br>Diese Ehe mit Dana Despero Glover wird 34 Jahre lang bis zu ihrem Tod halten<br>und seine glücklichste Beziehung sein.<br>1926 macht er internationale Schlagzeilen,<br>als er sich mit den amerikanischen Behörden um die Definition eines Kunstwerks streitet.<br>Gegenstand des Streits war eine Skulptur &#8222;Bird in Space&#8220;, die er von einem Freund gekauft hatte.<br>Die Zollbehörden sahen darin eher eine Art Küchenutensil<br>und weigerten sich, den Gegenstand als Kunst anzuerkennen.<br>Eine Diskussion, die sie schließlich vor Gericht mit Edward Steichen fortführen mussten<br>und die Steichen für sich entschied.<br>Der Nebeneffekt dabei war, dass Edward Steichen damit die Definition von Kunst<br>nach amerikanischem Recht grundlegend verändert hatte.<br>Es ging also nicht nur ums Prinzip, sondern auch wieder um die grundlegende Frage,<br>was ist Kunst?<br>Inzwischen hatte Steichen schon mehrere Ausstellungen organisiert.<br>Sowohl Malerei als auch Fotografie war sein Thema und ging ineinander über.<br>Als Teil der Fotovereinigung &#8222;Foto Secession&#8220;,<br>Mitarbeiter bei Stieglitz&#8216; einflussreichen &#8222;Camera Works&#8220; Magazins,<br>als etablierter Kunstsammler und Künstler hatte er inzwischen so einiges an Autorität.<br>Es sind diese Jahre, wo er anfängt, mit der einflussreichen Contenast-Gruppe zusammenzuarbeiten.<br>Auf der einen Seite produziert er Werbefotografie,<br>auf der anderen Seite wird er von Contenast beauftragt, Fashionfotografie zu machen.<br>Und es sind diese Jahre, die ihn zum bestbezahlten Fotografen der Welt aufsteigen lassen.<br>Er prägt und verändert den Stil der damaligen Zeit<br>und inzwischen sind seine Fotos auch immer seltener piktorialistische Fotos<br>und immer öfter abstrakte, aber scharfe und realistisch abgebildete Aufnahmen.<br>Wenn er nicht fotografierte oder malte,<br>war er mit seiner Schwester beschäftigt, neue Pflanzenarten zu züchten.<br>Beide teilten eine Leidenschaft für die Botanik und hatten damit begonnen,<br>insbesondere Rittersporn-Varianten zu züchten, die es bisher so nie gegeben hatte.<br>Edward Steichen und seine Schwester sind aber mehr als Hobbygenetiker.<br>Ihre Pflanzen, so sind sie überzeugt, sind nicht weniger als lebende Kunstwerke.<br>Und so organisiert Edward Steichen 1936 in Zusammenarbeit mit dem Museum of Modern Art<br>eine Ausstellung rund um den Rittersporn, eine Pflanzenart, die sie besonders oft züchteten.<br>Und diese Ausstellung war ein Erfolgstreffer.<br>Das Museum sah Rekordbesucherzahlen.<br>Menschen waren enthusiastisch. Sowohl Museumsgänger, Züchter oder Hobbygärtner<br>hatten ihre Freude an der sehr ausgefeilten und künstlerischen Präsentation dieser Pflanzen.<br>Tag für Tag wurde LKW-weise Pflanzmaterial zum MoMA angefahren.<br>Und Edward beschäftigte sich nach dem Kuratieren dieser Ausstellung dann außerdem mit der Dokumentation<br>und machte eindrückliche, wunderschöne Aufnahmen dieser Pflanzen.<br>1941 kommt es zum Angriff auf Pearl Harbor. Edward Steichen ist zu diesem Zeitpunkt 62 Jahre alt.<br>Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, sich wieder freiwillig für den Militärdienst zu melden.<br>Eigentlich ist er zu alt, aber Edward Steichen hat Kontakte.<br>Und so beauftragt ihn die US Navy, eine fotografische Einheit aufzubauen.<br>Ein Auftrag, den er nur zu gerne annimmt.<br>Er baut diese fotografische Einheit auf und nimmt auch an Kriegshandlungen teil.<br>Gleichzeitig findet er aber die Zeit, zwei Ausstellungen militärischer Aufnahmen zu machen.<br>Antikriegsaufnahmen. Er will die Horror des Krieges zeigen und damit Menschen aufrütteln.<br>Außerdem dreht er noch auf dem Flugzeugträger, dem er zugewiesen wurde, einen Dokumentationsfilm.<br>Den einzigen Film, den er je verantwortet hat.<br>Und diese Dokumentation bekommt auch prompt dann im darauf folgenden Jahr einen Oscar verliehen.<br>Als der <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> vorbei und Edward Steichen wieder zurück in den USA war, war er 67 Jahre.<br>Viele würden in so einem Alter wahrscheinlich an die Rente denken.<br>Für Edward Steichen beginnt jetzt aber eine Zeit, die die erfolgreichste und krönende seines Lebens sein würde.<br>Er bekommt das Amt des Direktors für die fotografische Abteilung im MoMA angetragen.<br>Ein Posten, den vor ihm überhaupt nur eine Person bisher gehabt hatte.<br>In dieser Rolle war man nicht nur verantwortlich für fotografische Ausstellungen, sondern auch Kurator des Museums.<br>Und es ist diese Rolle, in der Edward Steichen einige der berühmtesten Fotografen und Fotografen dieser Zeit mit verewigt.<br>Namen wie Robert Frank, Deanne Arbus, Dorothea Lange, Lee Miller oder Stephen Shore.<br>Er kuratiert 44 Ausstellungen während seiner Amtszeit.<br>Alle für sich genommen Erfolge, aber eine, mit der er sich selbst, der Fotografie,<br>Dutzenden Fotografen und Fotografen und der Menschheit selbst ein Denkmal setzt.<br>Hören wir ihm kurz zu, was er selbst dazu sagt.<br>Ich hatte das Gefühl, oder eher die Hoffnung, dass wenn die Menschen wirklich sahen,<br>was die Kriegssituation in all ihrer Bestialität und Brutalität war,<br>dass das ein Deterrent sein könnte, dass die Menschen aufwachen.<br>Hier bezieht er sich auf seine Anti-Kriegsausstellungen, die er noch während dem Zweiten Weltkrieg gemacht hatte.<br>Er hatte die Hoffnung gehabt, dass die Menschen von Kriegsbildern abgeschreckt würden,<br>dass sie sehen würden, wie unmenschlich und grausam <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> ist und dadurch davon überzeugt werden würden,<br>dass Krieg mit allen Mitteln verhindert werden müsste.<br>Aber die Leute, so sagt er, kamen zu der Ausstellung, fanden die auch toll, sahen die aufmerksam an.<br>Manchmal sah man jemanden mit Tränen in den Augen.<br>Und dann verließen sie die Ausstellung und vergaßen alles, was sie dort gesehen hatten.<br>Und die Grundlage für das, hat mich plötzlich aufgepragt,<br>war, dass die Idee von einem negativen Standpunkt herangehoben wurde.<br>Und von einem negativen Standpunkt her, tut nichts gut.<br>Also habe ich, als ich darüber nachdenkte, gesagt,<br>jetzt, wechseln wir von dem positiven Standpunkt her,<br>ich muss zeigen, wie wunderbar das Leben ist und wie Menschen weltweit ähnlich sind.<br>Und das hat in der &#8222;Familie von Menschen&#8220;-Exhibition erfolgt.<br>Und als er darüber nachdachte, kam er zu dem Ergebnis,<br>dass das Hauptproblem war, dass Ausstellungen mit Kriegsfotografie das Thema negativ angehen.<br>Und nichts, sagt er, das man negativ angeht, hat jemals was Gutes hervorgebracht.<br>Und so wollte er eine Ausstellung machen, die genau andersherum funktioniert.<br>Er wollte den Menschen zeigen, was allen Menschen gemeinsam ist,<br>wie schön die Menschheit ist, wie wundervoll Leben ist.<br>Und das war der Startgedanke seiner wichtigsten, größten und berühmtesten Ausstellung.<br>Der Titel &#8222;The Family of Man&#8220;.<br>Los übersetzt könnte man sagen &#8222;Die menschliche Familie&#8220;.<br>Aus moderner Sicht hätte man den Titel vielleicht anders gewählt.<br>Aber &#8222;Man&#8220; war damals in den 50ern einfach nur Synonym für Menschheit.<br>Edward Steichen jedenfalls beginnt mit der Arbeit an dieser Ausstellung,<br>indem er zunächst mal mehrere hundert Aufnahmen von verschiedensten Künstlern einkauft.<br>Gleichzeitig bittet er eine Freundin, Dorothea Lange, einen Aufruf in die Welt zu schicken.<br>Es wurde eingeladen, Fotos einzureichen, die in eine von 32 Kategorien passten und zum Thema der Ausstellung.<br>Und der Aufruf wurde überall auf der Welt vernommen und beantwortet.<br>Über zwei Millionen Fotografien wurden eingereicht.<br>In den folgenden drei Jahren wurde diese unglaubliche Menge an Material gesichtet<br>und auf knapp 1000 Aufnahmen runtergedampft und dann in einem zweiten Durchlauf auf 503 Aufnahmen reduziert.<br>503 ist übrigens immer noch für eine fotografische Ausstellung eine gewaltige Zahl.<br>Normalerweise versucht man da deutlich drunter zu bleiben.<br>Die Aufnahmen kamen tatsächlich aus der ganzen Welt.<br>Allerdings war es trotzdem so, dass ein Großteil der 273 Fotografinnen und Fotografen<br>einen eher westlichen Blick auf die Welt gehabt haben dürften.<br>Allein 70 stammten aus Europa und 163 waren aus den USA.<br>Viele waren allerdings weit gereist.<br>Es wurde also wirklich versucht, die gesamte Welt und auch fremde Kulturen abzubilden.<br>Trotzdem kann man bis heute dieser Ausstellung vorwerfen,<br>dass sie einige eher konservative Perspektiven auf die Welt einnahm<br>und den Bias, der in dieser Fotograf:innen-Auswahl schon drinsteckt, natürlich nicht ganz abschütteln kann.<br>Als die Bilder dann erstmal ausgewählt waren, ging es an das Ausstellungsdesign.<br>Und auch das war damals groundbreaking, also noch nie da gewesen.<br>Die Bilder waren in den unterschiedlichsten Größen, manche ganz klein, manche riesengroß gedruckt<br>und konnten an der Decke, hoch an der Wand, niedrig an der Wand oder auch am Boden zu finden sein.<br>Begleitet wurden die Bilder von Ausschnitten aus Zitaten oder kurzen Gedichten.<br>Und die letzte Aufnahme zeigt, nachdem man durch die gesamte Bandbreite der menschlichen Erfahrungen gegangen ist<br>und oft auch sehr schöne Alltags-Szenen gesehen hat, einen Atompilz als abschließende Mahnung,<br>dass die Menschheit es in der Hand hat, die schützenswerte Existenz und Erfahrung des menschlichen Lebens zu zerstören oder zu bewahren.<br>Dadurch wird auch klar, in welcher Zeit diese Ausstellung stattfand.<br>Es war der Kalte Krieg und die ständige Bedrohung eines möglichen nuklearen Konflikts war natürlich allen präsent.<br>Die Ausstellung blieb auch nicht aufs MoMA in New York begrenzt, sondern ging auf Tournee.<br>Sie war schon in MoMA eine Sensation und die Tournee verstärkte das noch.<br>69 Mal wurde in 37 Ländern &#8222;The Family of Man&#8220; ausgestellt<br>und mehrere Ableger-Ausstellungen mit Einzelthemen daraus wurden ebenfalls kuratiert.<br>Bis heute ist es die meistbesuchte und meistbeachteteste Fotoausstellung aller Zeiten.<br>Über 10 Millionen Menschen haben diese Ausstellung gesehen.<br>Wie es für solche Ausstellungen üblich ist, produzierte Edward Steichen natürlich auch den dazugehörigen Ausstellungskatalog.<br>Ein großformatiges Taschenbuch, in dem man die ausgestellten Bilder nachschlagen konnte.<br>Für viele dürfte das das erste Buch gewesen sein, das sie gekauft haben,<br>das sich fast ausschließlich mit Fotografie befasst und kaum Text enthält.<br>Über 4 Millionen Mal ist der Ausstellungskatalog von &#8222;The Family of Man&#8220; inzwischen verkauft worden<br>und damit das meistverkaufte Fotobuch aller Zeiten.<br>Blättert man das Buch durch oder besucht die Ausstellung, wird man auch viele Bilder wiedererkennen.<br>Manche der Fotografinnen und Fotografen, die beitrugen, waren zu dem Zeitpunkt bereits selbst weltberühmt.<br>Aber für viele markiert diese Ausstellung auch den Startpunkt einer fotografischen Karriere.<br>In jedem Fall ist es so, dass man natürlich Namen wie Henri Cartier-Bresson oder Robert Duranon<br>oder <a "/posts/die-beste-fotografin-der-welt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="14" title="Die beste Fotografin der Welt">Margaret Bourke-White</a>, Dianne Arbus, Lee Miller, Robert Frank, <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a>, Edward Weston,<br>Dorothea Lange, Andreas Feininger, Ansel Adams, Irving Penn, Eve Arnold, Richard Avedon oder Gary Winogrand<br>aus der späteren Fotogeschichte nicht mehr wegdenken kann.<br>Es ist diese Ausstellung jedenfalls, die Edward Steichen endgültig in den Geschichtsbüchern der Fotografie unsterblich macht.<br>Man kann sie übrigens bis heute besichtigen.<br>Nach seinem Tod wurde sie nach Luxemburg überführt, wo sie bis heute in Dauerausstellungen besichtigt werden kann.<br>Und auch den Katalog &#8222;The Family of Man&#8220; kann man nach wie vor bestellen.<br>Ich habe ein Exemplar hier und es lohnt sich absolut.<br>Die Bilder sehen dabei erstaunlich modern aus.<br>Viele haben nichts von ihrer Wirkmächtigkeit verloren.<br>Es sind eben Bilder von überall auf der Welt und allen möglichen Situationen, die wir alle wiederkennen.<br>Freude, Trauer, Liebe, Wut, Momente der Stille, Momente der Ehrfurcht.<br>Wir erkennen die Menschen, wir erkennen die Situationen.<br>Und auch wenn so eine Ausstellung heute wahrscheinlich etwas diverser kuratiert werden würde,<br>erreichen diese Bilder meiner Meinung nach immer noch, was sich Edward Steichen erhofft hatte.<br>Eben daran zu erinnern, dass wir Menschen mehr gemeinsam haben als uns trennt.<br>Und deswegen ist diese Ausstellung auch zu Recht im UNESCO-Weltdokumentenerbe verewigt.<br>1960 und 81-jährig heiratet Edward Steichen die 26-jährige Joanna Taub.<br>Zwei Jahre später setzt es sich endgültig zur Ruhe.<br>Eine Ausstellung über die Great Depression ist seine letzte große fotografische Arbeit.<br>Er zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück und beschäftigt sich mit Fotografie, Malerei und seinen Pflanzen.<br>So genießt er seinen Lebensabend und stirbt mit 94 Jahren am 25. März 1973.<br>Edward Steichen war einer dieser Fotografen, der mehr als nur eine Karriere gehabt hat<br>und dabei so viel Einfluss aufs Medium ausgeübt hat, dass man wahrscheinlich gar nicht anders kann,<br>als ihn nicht mehr wahrzunehmen, weil er einfach omnipräsent ist.<br>Er hat mehrere große Moden der Fotografie mitgemacht und mitgestaltet<br>und ließ sich weder auf ein Genre noch auf eine bestimmte Tätigkeit festlegen.<br>Er war Maler, er war Fotograf, er war Kurator, er war Aussteller, er war Sammler, er war Botaniker,<br>Herausgeber, Publizist und hat dabei aber nie aus den Augen verloren, wen er versucht zu erreichen.<br>Und er behielt einen ganz pragmatischen Blick auf seine Kunst.<br>Mit dem Vorwurf konfrontiert, dass der Kommerz in seiner Arbeit ja vielleicht auch die Kunst in den Hintergrund gedrängt hätte,<br>hat er zum Beispiel Folgendes zu sagen.<br>Ich kenne keine Kunst, die nicht oder nicht kommerziell war.<br>Michelangelo sollte auf seinem Todesfelsen schon einmal beschweren,<br>dass er nie die Möglichkeit hatte, das zu tun, was er wollte.<br>Es gab immer Popen und Potentaten, die ihm Anrufe und Verpflichtungen für das, was sie wollte, gegeben haben.<br>Aber er hat eine gute Arbeit gemacht, um dieses Geld zu füllen.<br>Er kennt keine Kunst, die nicht wenigstens in Teilen kommerzialisiert ist, sagt er.<br>Und als Beispiel bringt er Michelangelo, der sich nämlich auf seinem Sterbebett beschwert hat,<br>dass er in seinem ganzen Leben fremdgesteuert worden war.<br>Immer gab es irgendwelche Päpste oder Herrscher, die von ihm irgendwelche Aufträge erfüllt haben wollten.<br>Aber, so sagt Edward Steichen, am Ende hat er das doch wirklich ganz gut gemeistert, Kunst und Kommerz zu verbinden.<br>Ein Fotograf macht nie wirklich Fotos, außer er wird davon bewegt,<br>er wird davon begeistert oder er ist sehr interessiert.<br>Und was die richtige Kunst ausmacht, so sagt er, hat mehr mit der inneren Einstellung zu tun.<br>Ein Fotograf macht kein richtiges Bild, wenn er nicht wirklich interessiert ist an dem Objekt, das er fotografiert.<br>Ein Bildnehmer und ein &#8222;Buttonpusher&#8220;, wie ich ihn auch nennen würde,<br>er schießt einfach an Dinge, die er von anderen gesehen hat.<br>Ein Fotograf establicht eine Beziehung, eine intime Beziehung zwischen sich und dem, was er fotografiert,<br>ob es ein Kern der Beine ist, ein Landschaft oder ein Gras der Garbe.<br>Knipser hingegen, die fotografieren eigentlich nur Dinge, die sie von anderen schon mal gesehen haben.<br>Das ist ihnen eigentlich egal.<br>Aber ein Fotograf, so sagt er, der fotografiert, womit er eine intime Beziehung aufbauen kann.<br>Und dabei ist es ganz egal, ob es eine Dose Bohnen oder ein Star von Weltrang wie Greta Garbo ist.<br>Das war also Episode 85 des Foto-Menschen-Podcasts zu einem der einflussreichsten Fotografen aller Zeiten.<br>Und gleichzeitig einem Mann, den wahrscheinlich nur Foto-Enthusiasten kennen und selbst bei denen nicht alle.<br>Wenn euch der Podcast gefallen hat und ihr das Foto-Menschen-Projekt unterstützen wollt,<br>dann tut mir doch einen Gefallen und erzählt einfach weiter, dass es den Podcast gibt.<br>Ich podcaste nicht kommerziell, ich möchte also kein Geld, ich werde hier auch keine Werbung machen,<br>aber ich freue mich über Rückmeldung und über steigende Hörer:innenzahlen.<br>Rückmeldung ist ein gutes Stichwort.<br>Ihr erreicht mich natürlich auf Social Media.<br>Ich glaube, ich bin ja ganz allgemein relativ einfach zu finden,<br>aber am leichtesten im Zusammenhang mit dem Foto-Menschen-Podcast geht es natürlich auf Twitter oder Mastodon unter dem Handel Foto-Menschen.<br>Die Webseite foto-menschen.net enthält alle Links, Videos, Artikel etc., die ich zur Recherche für diese Folge benutzt habe<br>und viele, viele Episoden inzwischen mit Transkripts, sodass man auch ganz hervorragend durch die vergangenen 84 Folgen stöbern kann.<br>Und wer mag, darf mir da gerne einen Kommentar unter der Episode lassen.<br>Ich freue mich darüber immer ganz besonders.<br>E-Mail gibt es natürlich auch, mail@foto-menschen.net.<br>So viele Wege mich zu erreichen.<br>Und jetzt vielen Dank für eure Zeit, fürs Zuhören.<br>Bleibt gesund und bis zum nächsten Mal.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sat, 20 Aug 2022 13:09:04 GMT</pubDate>
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            <title>Die Geschichte der Bildmanipulation</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/die-geschichte-der-bildmanipulation.html</link>
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            <description>Es gibt Diskussionen die sind so alt wie die Fotografie selbst.</description>
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<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Es gibt Diskussionen die sind so alt wie die Fotografie selbst. Manche glauben mit der Diskussion um Bildmanipulation hätten wir ein neues Thema für uns entdeckt dabei haben schon die vielgelobten &#8222;alten Meister&#8220; manipuliert was das Zeug hält.</p>

<p><strong>Nachtrag</strong>: In der ersten Fassung der Folge behaupte ich noch fälschlicherweise Lenin hätte Bilder manipuliert. Es war natürlich richtigerweise Stalin derjenige der politische Gegner entfernen ließ. Danke an <a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210517062108/https://twitter.com/rote_Fee/status/1394176064545562626" target="_blank">Sylvie</a> für den Hinweis!</p>

<ul><li><a href="https://www.spiegel.de/fotostrecke/fruehe-bildmanipulationen-fotostrecke-119928.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lincolns Kopf und Calhouns Körper &#8211; 30 Beispiele manipulierter historischer Aufnahmen</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210603162846/http://100photos.time.com/photos/abraham-lincoln-mathew-brady" target="_blank">100 Photos &#8211; Abraham Lincoln photographed by Mathew Brady</a> (Time)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.digitaljournal.com/entertainment/fake-photo-of-ulysses-s-grant-has-fooled-people-for-a-century/article/448098" target="_blank">Fake photo of Ulysses S. Grant has fooled people for a century</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Steichen" target="_blank">Edward Steichen</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210819135231/https://petapixel.com/2013/09/12/marked-photographs-show-iconic-prints-edited-darkroom/" target="_blank">Marked Up Photographs Show How Iconic Prints Were Edited in the Darkroom</a> (PetaPixel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20230609181635/https://vernetztebildmedien.wordpress.com/2016/08/25/kriegsbilder-eine-geschichte-der-bildmanipulation/" target="_blank">Kriegsbilder - eine Geschichte der Bildmanipulation?</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20211005104029/https://www.intellectualtakeout.org/blog/stalin-erased-his-enemies-history-literally/" target="_blank">Stalin Erased His Enemies From History (Literally)</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/245223/bilder-und-historische-wahrheit/" target="_blank">Bilder und &#8222;historische Wahrheit&#8220;</a> (BPB)</li><li>Geschichte der Bildbearbeitung (kwerfeldein)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Knoll_(Informatiker)" target="_blank">Thomas Knoll</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/John_Knoll" target="_blank">John Knoll</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://1stwebdesigner.com/history-of-adobe-photoshop/" target="_blank">The Interesting History of Adobe Photoshop</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Adobe_Photoshop" target="_blank">Adobe Photoshop</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://studio.kreativkommune.org/040-die-out-of-cam-jpeg-fotografie/" target="_blank">Studio Kreativkommune Folge #40 &#8211; die &#8222;out of cam&#8220; jpeg Fotografie</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://analogeangelegenheiten.de/" target="_blank">Erik Schlicksbier &#8211; Analoge Angelegenheiten</a></li></ul>

<hr/>

<div><figure class="aligncenter"><a href="https://www.loc.gov/pictures/item/2003654314/"><img decoding="async" src="https://tile.loc.gov/storage-services/service/pnp/pga/02300/02353r.jpg" alt="Abraham Lincoln"/></a></figure></div>

<div><figure class="aligncenter"><a href="https://www.loc.gov/pictures/item/2003679757/"><img decoding="async" src="https://tile.loc.gov/storage-services/service/pnp/pga/02400/02499r.jpg" alt="John C. Calhoun"/></a><figcaption><br><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.loc.gov/pictures/item/2007681056/" target="_blank"><img decoding="async" src="https://tile.loc.gov/storage-services/service/pnp/ppmsca/15800/15886r.jpg" alt="General Grant at City Point"></a></figcaption></figure></div>

<div class="yt-facade" data-yt="d_Ar5ZPuKUM" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_d_Ar5ZPuKUM.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<div class="yt-facade" data-yt="Tda7jCwvSzg" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_Tda7jCwvSzg.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<div class="yt-facade" data-yt="t0uTQrQ3hW0" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_t0uTQrQ3hW0.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p><strong>Die Geschichte der Bildmanipulation</strong></p>

<p>Heute beschäftigen wir uns mit einem Thema, das so alt wie die Fotografie selbst ist. Trotzdem haben wir anscheinend immer wieder das Gefühl, das Thema komplett neu für uns zu entdecken. (Musik) Fotomenschen. Es gibt Themen in der Fotografie, über die seit jeher gestritten wird. Kann Fotografie zum Beispiel Kunst sein, wo sie doch nur festhält, was sowieso schon da ist? Nummer zwei: Ist das Manipulieren von Bildern, sei es mit Ausschnitt oder Bildbearbeitung, Irreführung des Betrachters oder legitimes Ausdrucksmittel? Nummer drei: Entsteht Fotografie im Kopf der <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a>, in der Nachbearbeitung, bei ihrer Verwendung oder vielleicht sogar erst im Kopf der Betrachtenden?&nbsp;</p>

<p>Man könnte gerade weitermachen. Wer momentan die aktuellen Nachrichten rund um das Medium verfolgt, dem wird nicht entgangen sein, dass es einen Trend zur Bildnachbearbeitung gibt. Bilder, die ursprünglich mal in schwarz weiß aufgenommen wurden, werden nach koloriert. <a "/posts/pflaumen-kaese-papageienpopel.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="57" title="Lächeln">Lächeln</a> werden in eigentlich ernst schauende Gesichter montiert. Die Software wird kurz gesagt immer intelligenter. Kann man Bildern denn dann überhaupt noch so wie früher vertrauen? Schauen wir uns dieses früher mal ein bisschen näher an.&nbsp;</p>

<p>Die Königin der Bildbearbeitungsprogramme ist ganz eindeutig Photoshop. Photoshops Geschichte beginnt 1988. Da war ich knapp 12 Jahre alt. Der Doktorand Thomas Knoll war damals wahrscheinlich ein bisschen älter. Er beschäftigte sich für sein Studium mit bildverarbeitenden Systemen. Sein Bruder arbeitete in der Zeit bei Industrial light and magic. Das war die von George Lucas gegründete Special Effects Firma.&nbsp;</p>

<p>[Einspieler] I just started in ILM and I should be working (?over) a year. A few months later I was visiting Tom, who was PHD candidate at the university Mishigen. His thesis work was on vision systems. He has written all his image processing tools. It actually was kind of striking, how similar what Tom had written was, to what I had seen on the (?Pixar). When I got the (?Dem or the Pixar) it seemed so exciting. It was something I really wanted to have, but it was very expensive and exclusive.</p>

<p>John führte bei Industrial Light and Magic mit modernster Hardware und Software kleine, dafür aber sehr teure Änderungen am Filmmaterial durch.</p>

<p>[Einspieler] Then Tom was doing this work on his thesis on a (?Mac and tosh plus), a computer, that I had. Suddenly it seemed like it is worth in reach, that I can have a computer of my own, which can do the same sorts of things.</p>

<p>Sein Bruder Thomas hatte für sein Studium mit handelsüblicher Standard Hardware kleine Tools zur Bildbearbeitung. Das war unter anderem ein Produkt, das er Display nannte. Es war in der Lage, Graustufen Bilder auf einem monochromen, also schwarz weiß Monitor, darzustellen. Diese ersten Gehversuche sah John und war tief beeindruckt. Da musste keine zehntausende Euro teure Hardware werkeln. Man konnte alles mit Technik von der Stange machen. Er belaberte seinen Bruder, aus dieser kleinen Sammlung von Utilities ein Bildbearbeitungswerkzeug zu machen.&nbsp;</p>

<p>Es sollte Image Pro heißen. Den Namen hatte leider schon jemand anders reserviert. Die zweite Wahl war dann Photoshop. Photoshop 007 kam 1988 raus und erregte von Anfang an Aufmerksamkeit, da es Dinge konnte, die andere Software bis dahin nicht konnte. Die damals noch junge Firma Adobe sieht das Potential in der Lösung und kauft die Rechte an Photoshop. Das war wahrscheinlich der Tag, an dem Tom und John beide zu Millionären wurden. 34,5 Millionen US Dollar hat diese Lizenz gekostet. Am 01. Februar 1990, drei Tage vor meinem vierzehnten Geburtstag, kommt Photoshop Version 1.0 für den Mac raus. Das hat damals 300 Dollar gekostet. Verglichen mit der heutigen Plattform konnte es nichts. Verglichen mit dem bisher existierenden, war die Werkzeug Palette von Photoshop revolutionär.&nbsp;</p>

<p>Noch im selben Jahr kamen bis heute verwendete Erweiterungen wie ein Stift Tool, um in der Software nicht nur zu manipulieren, sondern direkt malen zu können. Pfade, Unterstützung für Druckfarben kamen. Ab jetzt ging es Schlag um Schlag. Photoshop wurde für jedes Genre der Bildbearbeitung so wichtig, dass es aus dem heutigen Werkzeugkasten professioneller Fotografen, Mediengestalter, Designer jeglicher Art, absolut nicht mehr wegzudenken ist. Photoshop ist für uns so wichtig, dass die Brüder John and Tom Knoll 2019 mit dem Oscar dafür ausgezeichnet werden. Der Oscar wird nämlich von der Academy für Motion Pictures and Science verliehen. In dieser Science Sparte waren die beiden die Gewinner. Man könnte 1988 also als den Startpunkt für die moderne Bildmanipulation festlegen, wären da nicht schon seit Jahrzehnten andere Meister am Werk. <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen waren sich schon immer bewusst, dass sie die Wirklichkeit darstellen.&nbsp;</p>

<p>Dass sie manipulierend eingreifen, wie das Bild im Endeffekt aussehen würde, hing sehr von der Wahl der Mittel ab, mit denen fotografiert wurde. Welche Chemikalien wurden verwendet, um den negativ Träger zu bearbeiten? Womit wurde belichtet und entwickelt? Welche Objektive kamen zum Einsatz? Welchen Bildwinkel wählte man? Man konnte all das auch als Manipulation verstehen. 1903 schreibt Edward (?Steichen), der einer der großen einflussreichen Gestalten der Fotogeschichte ist, dass Fotografien von Anfang bis Ende nur als Fake verstanden werden können. Every photograph is a fake from start to finish. Steichens große Leidenschaft galt der Fotografie als Kunst. Er organisierte Ausstellungen und war Herausgeber eines der einflussreichsten Fotomagazine aller Zeiten Camera Works, ganz zu schweigen von seinen eigenen Arbeiten.&nbsp;</p>

<p>Er war in der Bearbeitung seiner Bilder nicht zimperlich. Viele ziehen eine Linie zwischen Fotos, wie sie in der Kamera entstanden sind und später veränderten Bildern. Wenden wir uns erstmal der späteren Veränderung zu. In der digitalen Welt ist das ganz eindeutig voneinander getrennt. Ich mache das Foto in der Kamera. Wenn ich da ein J Pack erzeugt habe, bin ich schon fertig. Ich kann diese Datei weitergeben. Eine moderne Digitalkamera ist natürlich nichts anderes, als ein Computer. Eigentlich hat diese Kamera schon basierend auf den vorgenommenen Einstellungen diese Bilddaten irgendwie manipuliert und verändert. Vielleicht habe ich da auch schon Entscheidungen getroffen, die verändernden Charakter haben. Nehmen wir das alles mal auf die Seite. Das Bild ist dann tatsächlich als Produkt fertig.&nbsp;</p>

<p><a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen posten das dann gerne mit dem Hashtag SOOC oder OOC für straight out of camera auf Instagram und co und brüsten sich damit, dass sie das Gerät technisch gemeistert haben und dass sie in erster Linie auf Licht und Farbe und weniger auf Veränderung in Software geachtet haben. Diese Unterscheidung gab es so früher nicht. Mit dem fotografierten Bild war ich mit Nichten fertig. Damit hätte ich gar nichts anfangen können. Das Bild musste als nächsten Arbeitsschritt entwickelt und gedruckt werden. Das was wir heute manchmal als J Pack rumreichen, war damals das ausbelichtete Bild. Zwischen der Aufnahme in der Kamera und dem fertig in der Hand zu haltenden Bild waren eine Unzahl von Arbeitsschritten. Erstmal musste der Film entwickelt werden.&nbsp;</p>

<p>Schon die Wahl der Chemikalien, die Temperatur der Flüssigkeiten, die Dauer in den verschiedenen Bädern hatte Einfluss darauf, wie körnig, hell, dunkel, scharf, unscharf das Bild war. Das war also schon eine kreative Entscheidung. Hatte man dann den Film fertig entwickelt, kam der nächste Arbeitsschritt: Das Ausbelichten auf Fotopapier. Auch hier ist die Frage, welches Fotopapier, wie lange, welche Teile des Negativs dürfen wie lange ausbelichtet werden? Es ist diese Phase, in der Meister der Fotografie wie der berühmte Landschaftsfotograf Ansel Adams ihre wahre Meisterschaft zeigen. Er hat nicht einfach das Negativ wie es in der Kamera war genommen und einfach platt durchbelichtet. Ansel Adams entwickelte es zur Kunstform, mithilfe sogenannter Abwedeln und Nachbelichten Teile der Bilder aufzuhellen und abzudunkeln.&nbsp;</p>

<p>Ansel Adams‘ Kunst entstand in der Dunkelkammer, wenn er seine Prints fertigte. Sie entstand durch gekonnte Bildmanipulation. Wenigstens haben sie nichts hinzugefügt oder weggenommen, könnte man einwerfen. Man will naja antworten. Tatsächlich hatten schon die allerersten Landschaftsfotografen damit zu kämpfen, dass ihr eingesetztes Medium nicht in der Lage war, gleichzeitig helle Himmelsstrukturen und dunkle Landschaftsstrukturen abzubilden. Die Fotografen behalfen sich damals durch das machen mehrerer Aufnahmen. Es war eine Aufnahme des Himmels, eine Aufnahme der Landschaft. Diese wurden in der Dunkelkammer übereinandergelegt. Wer in der Fotowelt zuhause ist und in letzter Zeit eine Software namens Lumina gesehen hat, oder sich über die neuen Möglichkeiten von Photoshop, Himmel künstlich in Bilder reinzumontieren gefreut hat, der kann sich da erinnert fühlen. Das ist eigentlich genau das gleiche, nur statt mithilfe von Software handgemacht.&nbsp;</p>

<p>Die Fähigkeit, Bilder ineinanderzumontieren endete natürlich nicht bei Himmel und Landschaft. Es gibt Fotos, von denen tatsächlich erst jetzt entdeckt wurde, dass sie eigentlich Fotomontagen waren. Ein prominentes Beispiel ist der Bürgerkriegsgeneral Ulysses Grant. Ein Foto zeigt ihn angeblich, wie er 1865 auf einem Pferd seine Truppen inspiziert. Über ein Jahrhundert lang glaubte man, diese Aufnahme stamme von dem berühmten Bürgerkriegsfotografen Mathey Brady, zu dem wir gleich kommen. Der hatte nach seinem Tod seine Negative seinem Neffen (?Elsy Handy) vermacht. Der hatte begonnen, Drucke davon zu fertigen und neu zu verkaufen, wie auch diesen Druck von Julissus Grand. Heute wissen wir, dass dieser Druck so nie als Aufnahme gemacht wurde, sondern eigentlich eine Montage aus drei verschiedenen Aufnahmen ist. Es gibt die Szene im Bürgerkriegslager. Es gibt eine Aufnahme vom Pferd und den Oberkörper Grands, der draufmontiert wurde. Das hat irgendwie niemand bemerkt. Dieses Foto gibt es bis heute ohne einen weiteren Hinweis auf Manipulation. Menschen glauben, dass es so gewesen sein könnte. Man könnte sagen, dass er wahrscheinlich irgendwann mal Truppen inspiziert hat. Vermutlich hat es so ähnlich ausgesehen und überhaupt: wen interessiert es?&nbsp;</p>

<p>Ist es aber überhaupt noch Fotografie? Die Frage behalten wir im Hinterkopf und gehen nochmal zurück.&nbsp;</p>

<p>Mathew Brady ist Bürgerkriegsfotograf, der ein Fotostudio in New York am Broadway betrieb. Wir haben Februar 1860, als in diesem Studio eines der berühmtesten Porträts des späteren US Präsidenten <a "/tags/abraham-lincoln.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="56" title="Abraham Lincoln">Abraham Lincoln</a> entsteht. <a "/tags/abraham-lincoln.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="56" title="Abraham Lincoln">Abraham Lincoln</a> wird zu Protokoll geben, dass er seine Präsidentschaft Matthew Brady verdankt. Nicht mehr und nicht weniger. Zu der Zeit befand sich <a "/tags/abraham-lincoln.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="56" title="Abraham Lincoln">Abraham Lincoln</a> im Wahlkampf. Das Gerücht hatte um sich gegriffen, er sei hässlich wie die Nacht, klein, gebeugt, gedrungen, lange Finger wie ein Gnom. Damit gab es eine Menge negative Presse und negative Berichterstattung über sein angeblich furchtbares Äußeres, statt sich mit der Frage zu beschäftigen, ob er die junge Nation anführen könnte. Abraham Lincoln wusste, der einzige Weg, das zu ändern, wäre ein Gegenbeispiel zu schaffen und ein visuelles Mittel zu finden, das Volk vom Gegenteil zu überzeugen. Mathew Brady war der Mann, dem er dann sein Vertrauen schenkte. Brady schritt zur Tat. Er kürzte die Finger, sorgte dafür, dass das Bild aufrechter wirkte, verlängerte den Hals, glättete einige der Spuren in Abraham Lincolns Gesicht.&nbsp;</p>

<p>Es war allgemein ein hervorragendes Porträt, von dem ab da Zeichnungen und Prints gefertigt wurden. Es trat eindeutig den Gegenbeweis an, dass Abraham Lincoln gar nicht so hässlich war. Dieses Porträt ist interessanterweise nicht die einzige frontale Bildmanipulation, die wir kennen. Es gibt ein anderes berühmtes Bild, wo Abraham Lincoln neben einem Tisch steht. Es stammt auch aus den 1860ern und wurde von einem anderen Fotografen gefertigt. In dem Fall wurde Lincolns Kopf auf den Körper des US Politikers John Calhoun montiert. Letzterer sah sehr aufrecht und herrschaftlich aus. Lincoln wollte wohl auch so aussehen. Durch die gesamte Geschichte der Fotografie wurden Fotos mal mehr, mal weniger, verändert. Wir können gar nicht fotografieren, ohne die Wirklichkeit anzupassen.&nbsp;</p>

<p>Jede Fotografie ist mindestens eine Interpretation der Wirklichkeit. Im Grunde manipulieren wir Licht, Schatten, Ausschnitt und manchmal noch viel mehr, um ein Ergebnis zu erzeugen, das wir gut finden. Wir montieren heute <a "/posts/pflaumen-kaese-papageienpopel.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="57" title="Lächeln">Lächeln</a> in Gesichter, ändern Farben oder stempeln störende Elemente aus Bildern raus. Das konnten gekonnte Bildbearbeiter seit über 100 Jahren ohne weiteres in der Dunkelkammer nachbilden. Ein populäres Beispiel ist die Bildmanipulation, die im Auftrag Stalins stattfand, der notorisch bekannt dafür war, dass er frühere Weggefährten, die später zu seinen politischen Gegnern wurden aus historischen Fotografien entfernen ließ. Wenn es hieß, man müsse Schulbücher neu drucken, dann wurden einfach Schulbücher neu gedruckt. Wann ist sowas gut und wann unredlich? Ich persönlich glaube, dass die Linie beim Zweck der Fotografie verläuft.&nbsp;</p>

<p>Ist der Anspruch ein journalistischer, sind weniger Veränderungen akzeptabel, als wenn wir versuchen, eine künstlerische Aussage zu treffen. Qualitativ gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen einem Bild, in schwarz weiß umzuwandeln oder komplette Bildelemente aus anderen Aufnahmen einzufügen oder zu entfernen. Man konnte Fotografien jedenfalls noch nie vertrauen. Sie fühlen sich so verdammt echt an. Verändern konnte man sie aber schon immer. (Musik) Fotomenschen. Im 20. Jahrhundert galt es manchen Fotografen als verwerflich, Bilder zuzuschneiden. Um zu zeigen, dass die Bilder nicht zugeschnitten waren, druckten sie die Bilder inklusive der Stanzungen außenrum, sodass man sehen konnte, dass das Negativ unangetastet war.&nbsp;</p>

<p>Nachbelichten und abwedeln war nicht so schlimm und vor allen Dingen unvermeidlich, da man so oder so in die Dunkelkammer musste, in der eben nochmal interpretiert wurde, wie das Bild aussehen würde. Heute sind wir stolz, wenn wir straight out of camera Bilder produziert haben, solange wir es nicht ausdrucken wollen und solange uns egal ist, wie die Bilder auf unterschiedlich kalibrierten Monitoren aussehen und solange uns egal ist, dass Plattformen wie Instagram oder Facebook unterschiedliche Farbdarstellungen wählen. Aber dann ist es straight out of camera. Es ist im ernst cool.&nbsp;</p>

<p>Es ist eine Errungenschaft. So wie früher beim Film einlegen, können wir heute einen Stil in der Kamera wählen. Anders als früher beim Film müssen wir nicht mehr belichten. Wir müssen nicht mehr ausdrucken. Wenn wir wollen können wir an der Stelle fertig sein. Lieben Dank. Schaut euch an dieser Stelle Erik Schlicksbier an, der nicht nur den großartigen Podcast Studio Kreativ Kommune, sondern inzwischen auch einen weiteren Podcast Analoge Angelegenheiten macht und mich zu dieser Folge überhaupt erst inspiriert hat. Ich möchte Jürgen für eine super nette Apple Podcast Rezension und Hören statt Lesen für eine Rezension auf Podcast Adict danken. Ich freue mich immer, wenn ich von euch ein nettes Feedback bekomme, sei es im Blog auf Fotomenschen.net oder in einer der vielen Plattformen, wo man Sterne Wertungen oder Review Texte hinterlassen kann. Das ist super cool. Wer diesen Podcast gut findet und unterstützen möchte, erzählt anderen, dass es ihn gibt. Empfehlt den Podcast, besprecht den Podcast und lasst mich wissen, wenn ihr irgendwelche Themenwünsche habt. Bis bald.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 16 May 2021 15:04:44 GMT</pubDate>
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