<?xml version="1.0" encoding="UTF-8" ?>
<rss version="2.0" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd">
<channel>
    <title>Fotomenschen - Erfinder</title>
    <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/index.html</link>
    <description>Posts tagged &#x27;Erfinder&#x27; on Fotomenschen.</description>
    <language>de-DE</language>
    <lastBuildDate>Sun, 13 Dec 2020 15:50:15 GMT</lastBuildDate>
    <atom:link href="https://fotomenschen.kopfstim.me/feeds/erfinder.xml" rel="self" type="application/rss+xml" />
        <item>
            <title>Tierische Luftüberwachung</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/tierische-luftueberwachung.html</link>
            <guid isPermaLink="true">https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/tierische-luftueberwachung.html</guid>
            <description>Julius Neubronner war ein Frankfurter Apotheker und liebte Fotografie. Anfang des 20. Jahrhunderts wird er berühmt durch seine einzigartigen Luftaufnahmen...</description>
            <content:encoded><![CDATA[

<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Julius Neubronner war ein Frankfurter Apotheker und liebte Fotografie. Anfang des 20. Jahrhunderts wird er berühmt durch seine einzigartigen Luftaufnahmen&#8230;</p>

<p>Themenpate:</p>

<figure><div>
https://twitter.com/panchromaholic/status/1302610788553830400
</div></figure>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Brieftaubenfotografie" target="_blank">Brieftaubenfotografie </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Neubronner" target="_blank">Julius Neubronner</a> (wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://artsandculture.google.com/story/uQXBawGRQxy5LQ" target="_blank">Julius Neubronner and his flying photographers</a> (Google Arts &amp; Culture)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://publicdomainreview.org/collection/dr-julius-neubronner-s-miniature-pigeon-camera" target="_blank">Julius Neubronner&#8217;s miniature pidgeon camera &amp; photography collection</a></li></ul>

<figure><img decoding="async" src="https://the-public-domain-review.imgix.net/collections/dr-julius-neubronner-s-miniature-pigeon-camera/43712736175_bd187efce3_h.jpg?w=600" alt="Pigeon aerial photo9"/></figure>

<figure><img decoding="async" src="https://the-public-domain-review.imgix.net/collections/dr-julius-neubronner-s-miniature-pigeon-camera/43903178774_6533ca58f2_h.jpg?w=600" alt="Pigeon aerial photo10"/></figure>

<figure><img decoding="async" src="https://the-public-domain-review.imgix.net/collections/dr-julius-neubronner-s-miniature-pigeon-camera/Julius_Neubronner_with_pigeon_and_camera_1914.jpg?fit=max&amp;w=1200&amp;h=850" alt=""/></figure>

<figure><img decoding="async" src="https://the-public-domain-review.imgix.net/collections/dr-julius-neubronner-s-miniature-pigeon-camera/43712732775_2c4b4d7b61.jpg?w=600" alt="Pigeon aerial photo11"/></figure>

<p>Hier folgen noch ein paar Videos. Wer die nicht sieht schaut einfach bei https://fotomenschen.net vorbei:</p>

<div class="yt-facade" data-yt="dKv1bBdXhK8" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_dKv1bBdXhK8.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="z5n_s4Hl1uo" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_z5n_s4Hl1uo.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="CwpxiRDUtkI" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_CwpxiRDUtkI.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>Heute beschäftigen wir uns mit Luftaufnahmen. Ein guter Freund von mir macht das als Hobby: Aufnahmen von atemberaubender Schönheit. Und wenn der arbeitet, klingt das ungefähr so: [Drohne ist zu hören]. Das hat zugegebenermaßen den akustischen Scham eines Zahnarztbesuchs aber so klingen moderne Drohnen nun mal. Mit der heutigen Episode werden wir uns aber in eine Zeit begeben, in der klang das noch so: [Taubengegurre, Gegacker und Metallteile sind zu hören].</p>

<p>Die heutige Episode handelt hauptsächlich in meiner Wahlheimat: im schönen Frankfurt. Und im Umland Frankfurts. Und handelt am Anfang des 20. Jahrhunderts. Und das ist eine Zeit, in der in Frankfurt eine Menge in Bewegung ist. Frankfurt war damals schon wie heute eine Bankenmetropole und ist Hochtechnologiestandort. 1909 zum Beispiel wird in Frankfurt die erste Fluggesellschaft der Welt gegründet.</p>

<p>Und auch fotografisch war Frankfurt auch von Anfang an ganz weit vorne mit dabei. Daguerres Vorstellung der <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> hatte eine Begeisterung ungeahnten Ausmaßes ausgelöst und in Frankfurt eröffnete ein Portraitstudio nach dem anderen und Privatleute kauften oder bauten sich Kameras, mit denen sie ihre eigenen Experimente durchführen konnten. Inzwischen fotografierte man auf Papier oder auf Glasplatte und die Belichtungszeiten waren deutlich kürzer geworden.</p>

<p>Einer der vielen begeisterten Frankfurter Fotohobbyisten war Julius Neubronner. Er stammte aus einer Apothekerfamilie, die eine Apotheke im Stadtteil Kronberg betrieb. Die Mutter stammte aus einer Schauspielerfamilie, der Vater hatte Kontakte zu dem bekannten Maler Anton Burger und alles in allem war die Familie Neubronner dann doch recht gut vernetzt, könnte man sagen.</p>

<p>In diese Familie wird Julius jedenfalls am 8. Februar 1852 geboren. Noch als Teenager entdeckt er seine Faszination für die damals noch sehr junge Fotografie. Er findet eine Kamera, die damals sein Vater noch von Hand gebaut hatte, schafft es aber nicht, damit irgendwelche Bilder zu produzieren. Letztlich pumpt er sich von einer Dienstmagd das Geld, um die erste wirklich funktionierende Kamera zu erstehen. Das Problem war nur: Seine Eltern wussten davon nichts und als die Arbeitgeber der Dienstmagd kündigten, musste Julius plötzlich einen nicht unerheblichen Geldbetrag aufbringen. Das Ganze wird damals Gegenstand eines Gerichtsverfahrens.</p>

<p>Man kann also sagen, das Erste, womit Julius so richtig aktenkundig wird, ist seine Leidenschaft für die Fotografie. Er schlägt trotzdem zunächst mal eine Apothekerlaufbahn ein.</p>

<p>Als Kaiser Friedrich III. im Dreikaiserjahr 1888 stirbt, beschließt seine Witwe, in der Nachbarschaft von Kronberg ein Witwenschloss zu errichten. Und Julius hatte nun ganz schlagartig den Rang eines Hofapothekers. Es ermöglicht ihm unter anderem, eine zweite Niederlassung näher an diesem Witwenschloss zu errichten, wodurch seine Apotheke nicht nur für die Versorgung der Kaiserin verantwortlich war, sondern sich auch noch um das eben so in der Nähe liegende Lungensanatorium Falkenstein kümmerte.</p>

<p>Seine Kunden jedenfalls hatten meist wenig Geduld, manche Dinge waren ja auch mal dringend, und deswegen begann Neubronner, auch mit Brieftauben zu experimentieren. In 75g-Häppchen lieferten die Zutaten aus dem entfernten Frankfurt an, oder Bestellungen, die er dann vorbereiten konnte, noch bevor der Bote zur Abholung eintraf. Es war so ungefähr 1903, als ihm zum ersten Mal der Gedanke kam, dass man ja mit Brieftauben nicht nur Medikamente, Rezeptbestellungen oder Zutaten schicken könnte, sondern vielleicht auch eine Kamera, wenn sie denn nur klein genug wäre.</p>

<p>Gesagt, getan. Julius Neubronner war sowieso film- und fotoenthusiastisch. Zwischen 1902 und 1920 nahm er unter anderem dutzende Filme auf. Er konnte also gut einschätzen, was technisch machbar war. Das Problem bei der Fotografie via Brieftaube war das Gewicht der Materialien. Jetzt sind Kameras nicht unbedingt superschwer. Wenn man sie aufs Wesentliche reduziert und leichte Materialien wählt, kommt man unter 100g. Das Problem wird dann eher ein mechanisches: Wie bringt man einen Zeitauslöser unter und findet sich ein Weg, mit dem man vielleicht mehr als eine Aufnahme machen kann?</p>

<p>Neubronner war auch nicht der Erste, der Tauben mit Film in die Luft schickt. Rund um 1870, zum deutsch-französischen <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a>, transportiert beispielsweise die Pariser Taubenpost pro Flug bis zu 50000 auf Mikrofilm belichtete Telegramme. Und 1889 sitzt der Chef des Ballon-Korps (ja, sowas gabs), Alexander von Kowanko, mit einer Kamera und einer eigens dafür gebauten Dunkelkammer in einem Ballon, um damit Luftaufnahmen zu machen, die er dann an Ort und Stelle entwickelte und fixierte, um sie dann anschließend per Brieftaube zu Boden zu schicken.</p>

<p>Um die Jahrhundertwende gab es also diverse Versuche, Luftaufnahmen zu machen. Es gab Menschen, die aus Ballons fotografierten, es gab Luftschiffe, und Männer wie George Lawrence konstruierten Drachen, von denen aus sie ihre Aufnahmen machen konnten. Aber jedes dieser Verfahren hatte seine eigenen Nachteile: Entweder waren sie sehr aufwändig (wer hat schon ein <a "/posts/feuerball-und-bleiballon.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="35" title="Feuerball und Bleiballon">Luftschiff</a> zu Hand) oder sehr langsam (z.B. Ballons) oder je nach Anwendungsfall auch zu auffällig. Wer Militäraufklärung betreiben möchte, will vielleicht nicht mit einem <a "/posts/feuerball-und-bleiballon.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="35" title="Feuerball und Bleiballon">Zeppelin</a> über dem Schlachtfeld herumfliegen.</p>

<p>Kurz gesagt: Julius Neubronner versucht, alle Vorteile auf ein System zu bringen, indem er Brieftauben trainiert, ein Gewicht bis zu 75g zu tragen und eine Kamera konstruiert, die genau diese 75g auch einhält. Brieftauben haben übrigens gar keine Lust, 75g Gewicht herumtragen. Auch, wenn man sie darauf trainiert hat. Und das hat fotografisch einen Vorteil, denn das bedeutet, eine Brieftaube macht nicht viele Umwege, sondern fliegt ihren heimatlichen Taubenschlag direkt an.</p>

<p>1903 hatte er die Idee, 1907 hatte er ein erstes Patent eingereicht. Das kaiserliche Patentamt hielt seine Idee erst mal für Humbug und für undurchführbar, aber als er dann 1908 Bilder vorweisen konnte wurde ihm sein Patent genehmigt.</p>

<p>1909 nimmt Neubrunner dann an der internationalen fotografischen Ausstellung in Dresden teil und kurz danach auch noch bei der ersten internationalen Luftschifffahrtsausstellung in Frankfurt, wo er dann seine Taubenfotografie vorführte. Die Tauben kamen an, mit ihren Fotos im Gepäck und Neubronner entwickelte und druckte sie an Ort und Stelle, sodass Besucher sich Postkarten mit den Luftbildern mitnehmen konnten.</p>

<p>Wer sich mit Brieftauben auskennt, der weiß, da gibt es ein Problem. Die wechseln ihren Taubenschlag nicht mal eben so. Im Grunde wollen die immer wieder an denselben Ort. Und die sind da ganz schön festgelegt. Neubronner versuchte, dieses Problem mit einem mobilen Taubenschlag in den Griff zu bekommen. Und der sieht auch auf Fotos einigermaßen bizarr aus. Nämlich wie eine Kutsche mit einem Teil, der fest montiert ist, in dem sich die Dunkelkammer befindet, und einem per Hebebühne in die Luft abhebbaren Teil, der dann den Taubenschlag enthält.</p>

<p>Das heißt, Neubronner hatte richtig erkannt: wenn die Tauben immer an denselben Ort zurückfliegen, dann werden vielleicht die Luftaufnahmen relativ langweilig und eintönig. Man muss also den Taubenschlag bewegen können. Und dieser bewegliche Taubenschlag, der war ein wichtiger Bestandteil seiner Brieftaubenfotografie.</p>

<p>Im Ersten Weltkrieg gab es dann auch Experimente, ob man nicht die Luftaufklärung via Brieftaube damit durchführen konnte. Weil Brieftauben haben auch noch den Vorteil, dass sie von Schlachtgetöse relativ unbeeindruckt sind.</p>

<p>Neubronner konstruierte nicht nur diesen Taubenschlag, sondern baut auch gleich mehrere verschiedene Kameraarten. Machte das erste patentierte Modell gerade mal zwei Bilder, kamen dann Modelle dazu, die bis zu 12 Aufnahmen machten. Und mein persönlicher Favorit ist eine Kamera, mit der sich Stereoaufnahmen produzieren ließen. Also 3D-Bilder aus der Perspektive einer fliegenden Brieftaube.</p>

<p>Die weitere Entwicklung wurde durch den Ersten Weltkrieg erst mal verlangsamt und gestoppt. Man versuchte, die Brieftaubenfotografie zur Luftaufklärung zu nutzen, scheiterte aber an diesem mobilen-Taubenschlagproblem. Und so waren Brieftauben auch im Ersten Weltkrieg hauptsächlich für die Kommunikation und weniger für die Aufklärung im Einsatz.</p>

<p>Das war aber noch nicht das Ende dieses Genres. 1930 experimentiert das deutsche Militär wieder mit Brieftauben. Diesmal versucht man, das Problem mit dem Taubenschlag anders in den Griff zu bekommen: Man trainiert Schäferhunde. Die sollen eben nah an das Zielgebiet laufen und dort die Tauben mit ihren Kameras fliegen lassen. So richtig erfolgreich war auch dieses Experiment nicht. Aber wie so oft: die Experimente mit der Brieftaubenfotografie, die gehen bis in die Neuzeit. 1970 hat anscheinend die CIA noch Experimente mit aus Flugzeugen ausgesetzten Tauben durchgeführt.</p>

<p>Und heute, in Zeiten der GoPro, ist das natürlich völlig banal, einer Taube irgendeine kleine Actionkamera umzuhängen und sich dann an den Luftaufnahmen zu erfreuen, aber es macht auch niemand mehr, denn eine kleine, ferngesteuerte Quadcopterdrohne ist einfach viel, viel effizienter und dann eben auch noch kontrollierbar.</p>

<p>Julius Neubronner ist trotzdem ein Pionier der <a "/tags/luftfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="22" title="Luftfotografie">Luftfotografie</a> und ausgestopfte Exemplare seiner Tauben samt Modellen der Kameras findet man in den verschiedensten Museen, nicht zuletzt im online begehbaren CIA-Museum oder zum Beispiel im Schweizer Fotoapperatemuseum, die außerdem noch ein Archiv von c.a. 1000 Aufnahmen aus der Zeit haben.</p>

<p>Auf YouTube findet man keine Taubenaufnahmen. Aber man findet die Amateurvideos, die Neubronner gemacht hat. Da kann man ihm beim Spielen mit seinen Enkeln oder beim Spaziergang mit seiner Familie oder beim Zaubern mithilfe von Fototricktechnik beobachten. Denn eigentlich war Neubronner ein Fotonerd. Filme und Fotos waren eine Leidenschaft. Und der ging er bis zu seinem Tod nach.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 13 Dec 2020 15:50:15 GMT</pubDate>
            <enclosure url="https://fotomenschen.kopfstim.me/audio/fm19_brieftaubenfotografie.mp3" length="10871942" type="audio/mpeg" />
            <itunes:duration>11:49</itunes:duration>
        </item>
        <item>
            <title>Fliegende Pferde und entschuldbarer Totschlag</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/fliegende-pferde-und-entschuldbarer-totschlag.html</link>
            <guid isPermaLink="true">https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/fliegende-pferde-und-entschuldbarer-totschlag.html</guid>
            <description>Eadweard Muybridge war nicht nur talentierter Entertainer, Weltreisender, Buchhändler, Fotograf und freigesprochener Mörder sondern auch der Mann der uns Hochgeschwindigkeitsaufnahmen und Bewegtbild...</description>
            <content:encoded><![CDATA[

<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Eadweard Muybridge war nicht nur talentierter Entertainer, Weltreisender, Buchhändler, Fotograf und freigesprochener Mörder sondern auch der Mann der uns Hochgeschwindigkeitsaufnahmen und Bewegtbild brachte.</p>

<ul><li>Eadweard Muybridge (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eadweard_Muybridge#Vortragsreisen_durch_Europa_und_Animal_Locomotion" target="_blank">Wikipedia</a>)</li><li>Leland Stanford (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Leland_Stanford" target="_blank">Wikipedia</a>)</li><li>Category:Eadweard Muybridge animations (<a rel="noreferrer noopener" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Eadweard_Muybridge_animations" target="_blank">Wikipedia</a>)</li><li>Eadward Muybridge Left Foot Hop (<a href="https://www.fotohits.de/themen/report/serie-ein-bild-und-seine-geschichte/eadweard-muybridge/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Deutsch, fotohits.de</a>)</li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://artsandculture.google.com/entity/eadweard-muybridge/m0gc57" target="_blank">Eadweard Muybridge at Google Arts &amp; Cultur</a>e</li><li>How Eadweard Muybridge Gave Us the Moving Image (<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.artsy.net/article/artsy-editorial-eadweard-muybridge-moving-image" target="_blank">artsy.net</a>)</li><li>Mastering Motion (<a rel="noreferrer noopener" href="https://blog.artsper.com/en/" target="_blank">widewalls.ch</a>)</li><li>Wer war Eadweard Muybridge? (kwerfeldein)</li></ul>

<p>(Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

<div class="yt-facade" data-yt="kVCKHwkZt_g" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_kVCKHwkZt_g.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="wNU7sXkZmSw" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_wNU7sXkZmSw.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="5Awo-P3t4Ho" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_5Awo-P3t4Ho.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="7VAds0GH_8E" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_7VAds0GH_8E.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/1512116955" target="_blank" rel="noopener">Murder in Motion: The Strange Life of Photographer (and Murderer) Eadweard Muybridge</a></p>

<div><figure class="aligncenter"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e6/Muybridge_horse_gallop_animated.gif" alt="Datei:Muybridge horse gallop animated.gif"/></figure></div>

<p class="has-small-font-size">Image Source: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.loc.gov/photos/?q=Eadweard+Muybridge" target="_blank">Library of Congress</a><br>Music: CC-BY-NC, <a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20221205110240/http://dig.ccmixter.org/files/mindmapthat/56281" target="_blank">Countryside Summer Joyride by Kara Square</a><br>Sound Effects: <a rel="noreferrer noopener" href="https://freesound.org/people/vero.marengere/sounds/450325/" target="_blank">Gallopp</a>, CC0, by very.marengere / <a rel="noreferrer noopener" href="https://freesound.org/people/InspectorJ/sounds/352513/" target="_blank">Destruction</a>, CC-BY, by InspectorJ</p>

<hr/>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Heute geht es um fliegende Pferde. Und um den letzten Fall, in dem in Kalifornien ein geständiger Mörder trotz seiner Tat freigesprochen wurde.</p>

<p>Wir befinden uns im Kalifornien der 1850er Jahre. Der Goldrausch tobt durch das Land. Und das ursprünglich mal ziemlich provinzielle San Francisco war innerhalb von gerade mal 10 Jahren von knapp 400 auf über 55000 Einwohner angewachsen.</p>

<p>Und wer zu der Zeit an die Westküste der Vereinigten Staaten zog, der wollte ins Nirgendwo. Ans Ende der Welt. Dort, wo noch wirklich der Wilde Westen herrschte. Man wollte sein Glück finden, vielleicht mit ein bisschen Glück Gold. Auf jeden Fall sein Glück in die eigenen Hände nehmen.&nbsp;</p>

<p>Und hier treffen wir den Buchhändler Eadweard Muybridge, oder wie er eigentlich mal bei seiner Geburt im Londoner Vorort Kingston hieß, Edward James Muggeridge. Er war mit c.a. 21 Jahren nach Amerika ausgewandert. Bei seinem ersten Stopp in New York lernt er einen Porträtfotografen kennen, der ihm die <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> und andere Verfahren nahebringt und sich dann auf den Weg an die Westküste macht.&nbsp;</p>

<p>Muybridge folgt ihm dann zwei Jahre später, wo besagter Freund inzwischen ein Porträtstudio betreibt, und Muybridge eröffnet eine Buchhandlung, in der er dann unter anderem auch Porträts oder Landschaftsbilder verkauft. Die Geschäfte laufen gut und so holt er seine zwei Brüder nach. Die sollen sich um seine Geschäfte kümmern, während er sich auf dem Weg nach Europa macht, um dort Bücher einzukaufen. Er macht sich auf den Weg, verpasst aber leider sein Schiff und fasst den Plan, per Kutsche nach St. Louis zu reisen und dann mit der Eisenbahn zurück nach New York, von wo aus er dann in die alte Welt übersetzen könnte.&nbsp;</p>

<p>Und es ist genau diese Strecke, auf der dann ein folgenschwerer Unfall passiert. Eben noch saß er in einem Pferdewaggon und das nächste, was er weiß, ist, dass er neben dem zerbrochenen Gefährt auf der Straße wach wird, mit einer schweren Kopfverletzung. Er kam tatsächlich gerade noch so mit dem Leben davon und er hat monatelang damit zu kämpfen, dass er Schwindelanfälle hat und doppelt sieht.</p>

<p>Trotzdem beendet er wenige Wochen später seine Überfahrt nach London, wo er sich dann auch in ärztliche Behandlung begibt. Es ist ein Arzt, der ihm empfiehlt, möglichst viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Das sei gesund und therapeutisch. Und weil Edward nicht einfach nur in der Botanik unterwegs sein will, sucht er sich ein Hobby.&nbsp;</p>

<p>Und das ist die Landschaftsfotografie. Er hat die Grundlagen der Fotografie vermutlich von seinem Freund in New York vermittelt bekommen aber jetzt studiert er das Medium ausgiebig und wird in dieser Zeit in London zu einem voll ausgebildeten, fähigen und kompetenten Landschaftsfotograf.&nbsp;</p>

<p>Man muss sich ja vor Augen halten, dass Fotografen in der damaligen Zeit, wir sprechen von den 1870er Jahren, nicht nur Fotografie beherrschen mussten, sondern eigentlich Künstler, Techniker, Bastler und Chemiker in einem sein mussten. Man hat damals überwiegend auf sogenannte Wetplates fotografiert, das heißt, man hatte Glasplatten dabei, die mit einer chemischen Lösung bestrichen wurden, um die Silberpartikel aufzubringen, dann in einer Kamera belichtet wurden und dann innerhalb von wenigen Minuten auch durch entsprechende chemikalische Bäder entwickelt und fixiert werden mussten.</p>

<p>Das heißt, Fotografen bauten nicht nur ihre eigenen Kameras und ihre eigenen Objektive, sie hatten auch immer ihr eigenes Entwicklungslabor zur Hand.</p>

<p>Als Muybridge jedenfalls 1867 nach San Francisco zurückkehrt, beherrscht er Fotografie und sein Equipment gut genug, um sich als Fotograf selbstständig zu machen. Und es ist eine Zeit, in der sieht man in der Geschichte der Fotografie zwei große Trends. In Europa werden große Prachtbauten und Straßenzüge fotografiert.&nbsp;</p>

<p>Und in den USA? Da entdeckt man die Wunder der Natur. Bisher hauptsächlich von Malern dargestellt, ziehen Fotografen los, um die Landschaften der Sierra Nevada und die Landschaften des späteren Yosemite Nationalparks zu dokumentieren. Diese Landschaften sind überwiegend unerschlossen und die Technik ist unhandlich, wie eben schon beschrieben. Man reist praktisch mit seinem eigenen Chemielabor.&nbsp;</p>

<p>Und Muybridge fotografiert die gesamte Küste. Im Auftrag der unterschiedlichsten Institutionen fotografiert er nicht nur Landschaftswunder, sondern auch Schiffe, Leuchttürme, die Küstenlandschaft ganz allgemein und macht sich sogar durch Stereoskopien, also 3D Ansichten der Landschaften einen Namen.&nbsp;</p>

<p>Stereoskopien waren damals der große Hit. Sie wurden in riesigen Stückzahlen produziert und waren so wie heutzutage vielleicht Fernsehen und Filme überall zu finden.&nbsp;</p>

<p>Muybridge wurde durch seine Stereoskopien so bekannt, dass er den Auftrag erhielt, an eine Expedition nach Alaska teilzunehmen, was ihn zu der Selbstvermarktung als offizieller Fotograf der US-Regierung oder als Leiter fotografische Untersuchungen der Pazifikküste brachte. Ja, Bescheidenheit war jetzt nicht so unbedingt seine große Stärke.&nbsp;</p>

<p>Überhaupt hatte Muybridge ein Talent zur Selbstvermarktung. Muybridge war jedenfalls viel unterwegs. Hätte man ihn in der Zeit jedoch gefragt, wo seine Heimat oder sein Wohnort wäre, hätte er jederzeit San Francisco angegeben.</p>

<p>Und da ist es auch Anfang der 70er Jahre, dass er in einem Fotostudio zwei schicksalhafte Begegnungen hat. Einmal lernte dort die 21-jährige Flora Downs kennen, die in erster Ehe unglücklich verheiratet ist. Er bezahlt ihre Scheidung und heiratet sie. Vier Jahre später sollten die beiden einen Sohn bekommen. Außerdem begegnet er in diesem Jahr dem Eisenbahnunternehmer und Politiker Leland Stanford. Ja, das ist der Stanford, von dem die berühmte Universität ihren Namen hat und der unter anderem auch Gouverneur von Kalifornien war.&nbsp;</p>

<p>Stanford ist Pferdenah und deswegen nimmt er aktiv an einer zu der damaligen Zeit hochkochenden Diskussion unter Pferdemenschen teil. Der Frage nämlich, ob Pferde, wenn sie im vollen Galopp sind, zu irgendeinem Zeitpunkt alle vier Hufe in der Luft haben. Zu der Zeit gab es die feste Annahme, ja fast schon Überzeugung, dass das der Fall wäre. Aber beweisen oder sehen konnte das freilich niemand. Denn Pferde im Galopp sind so schnell unterwegs, dass man keine Chance hat, das mit bloßem Auge wahrzunehmen. Aber vielleicht könnte man die ja irgendwie fotografieren.&nbsp;</p>

<p>Und so gab Stanford den Auftrag an Muybridge genau das zu versuchen. Für die damalige Zeit hatte das gleich mehrere Schwierigkeiten. Erstens musste man die Belichtungszeit von Minuten auf Millisekunden drücken, also, das Papier, auf das belichtet wurde, möglichst empfindlich machen, zweitens musste man im richtigen Moment auslösen und drittens durfte die Belichtung natürlich auch nicht mehr als Millisekunden möglich sein. Ein Hochgeschwindigkeitsverschluss musste also konstruiert werden.</p>

<p>Muybridge schritt mithilfe der Ingenieure aus Stanfords Eisenbahnunternehmen zur Tat, konstruierte den ersten elektronischen Zentralverschluss überhaupt und schoss ein leider heute verlorenes Bild von Stanfords Rennpferd Occident, in dem tatsächlich verwaschen, aber immerhin zweifelsfrei zu sehen war, dass alle vier Hufe in der Luft waren. Es wird übrigens behauptet, dass Stanford damit eine Wette entschieden hat und es um 25000 Dollar ging. Die Behauptung wird hin und wieder als urban myth, auf jeden Fall als nicht beweisbar beschrieben.&nbsp;</p>

<p>Muybridge jedenfalls ging in dieser Aufgabenstellung auf. Er wollte nicht nur Pferde in der Luft, sondern den gesamten Bewegungsablauf festhalten. Er verbrachte jede freie Minute mit dieser Aufgabe.&nbsp;</p>

<p>Seine junge Frau freilich, die hatte dafür wenig Sinn. Sie ging ins Theater, in Konzerte, nahm am gesellschaftlichen Leben teil und fand kreative Verwendung für muybridges Geld. Dem war das einerlei, aber ihm entging auch nicht, dass seine Frau gerne flirtete und dass es diverse Verehrer gab. Einer, der ihm schon vorher unangenehm aufgefallen war und den er in seine Schranken verweisen musste, war der Minenangestellte Harry Larkyns.&nbsp;</p>

<p>Als er kurz nach der Geburt seines Sohnes Florado Helios ein Bild von seinem Sohn, auf dem hinten mit der Handschrift seiner Frau &#8222;Little Harry&#8220; geschrieben stand, fand, kam ihm allerdings Zweifel an seiner Vaterschaft. Er wendet sich an die Hebamme seiner Frau, die gleichzeitig eine Vertraute war, und stellt sie zur Rede. Und wie so oft erfährt er da Dinge, die er eigentlich gar nicht erfahren wollte. Sie bestätigte die Affäre und Muybridge nahm seinen Revolver und machte sich auf den Weg zu Larkyns.</p>

<p>Das war ein Trip, der wahrscheinlich mehrere Stunden gedauert hatte. Er musste erst eine Fähre, dann einen Zug und dann eine Kutsche nehmen. Auf dem Weg zu Larkyns reinigte er den Revolver und gab mehrere Testschüsse ab. Es darf also davon ausgegangen werden, dass er in vollem Bewusstsein seine Tat plante.&nbsp;</p>

<p>Muybridge fand Larkyns beim nächtlichen Kartenspiel und sagte dann wohl, er hätte was von seiner Frau auszurichten, bevor er ihn erschoss. Er ließ sich dann widerstandslos abführen und gab bei seiner Festnahme ein umfassendes Geständnis ab.&nbsp;</p>

<p>Muybridge saß vier Monate in Untersuchungshaft, bevor er vor Gericht gestellt wurde. Seine Frau hatte zwischenzeitlich die Scheidung eingereicht und war der Meinung, dass die Höchststrafe angemessen wäre. In Kalifornien gab es auf Mord zu der damaligen Zeit nur eine angemessene Strafe, nämlich Tod durch Hängen.&nbsp;</p>

<p>Einer seiner Verteidiger versuchte, ihn vor dem Strang zu bewahren, indem er ihn als mental instabil darstellte. Als Nachwirkungen des Unfalls sei er verwirrt, sei er manchmal gewalttätig, aufbrausend. Und auch wenn von Muybridge bekannt war, dass er all das sein konnte, war sein Auftreten vor Gericht allerdings so eloquent, dass kein Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit herrschen konnte. Überhaupt wäre eine Verurteilung wegen geistiger Unzurechnungsfähigkeit nicht unbedingt besser gewesen. Das hatte damals dazu geführt, dass er in ein sogenanntes Irrenhaus gesteckt worden wäre. Lebenslang in so einer Anstalt eingesperrt zu sein, war damals wahrscheinlich ein ähnlich dramatisches Schicksal wie dem Tod ins Auge zu sehen. Muybridges Aussichten sahen also wirklich, wirklich schwarz aus. Entweder Exekution oder lebenslang Irrenhaus.</p>

<p>Es kam zu einem Schlussplädoyer, was in der Zeitung der damaligen Zeit, dem San Francisco Chronicle, als eines der eloquentesten, das man je in Kalifornien gehört hat, beschrieben worden ist. Und wie wir alle aus einschlägigen Filmen und Romanen wissen, muss man ja in den USA in so einem Fall vor allen Dingen die Jury überzeugen.&nbsp;</p>

<p>Und das gelang in diesem Fall. Die Jury wählte den dritten Weg. Statt Todesstrafe wegen Mordes oder Wegsperren wegen Unzulänglichkeit entschied man sich für sogenannten entschuldbaren Totschlag. Oder in anderen Worten: Man war der Meinung, dass Muybridge schon recht hatte, dass er den Liebhaber seiner Frau über den Haufen geschossen hat.</p>

<p>Damit geht Muybridge als der letzte Fall in die kalifornische Geschichte ein, indem jemand trotz zugegebenen und zweifelsfrei festgestellten Mordes freigesprochen wurde. Muybridge ist also wieder auf freiem Fuß, aber in seinem Leben ist jetzt erst einmal der Wurm drin. Seine junge Frau stirbt wenige Monate später, sein Sohn, von dem er nicht sicher weiß, ob es überhaupt sein Sohn ist, kommt ins Waisenhaus, für das er die Kosten trägt und er verkauft sein Geschäft und macht sich auf den Weg nach Zentralamerika, um dort die Plantagenarbeiten zu fotografieren.&nbsp;</p>

<p>Die Fotos aus dieser Zeit haben eine sehr beunruhigende Bildsprache. Manche davon sehen richtig gruselig aus, auch wenn an den Motiven selber erst einmal nichts auszusetzen ist. Er versteht sein Handwerk, er weiß, wie man fotografiert. Aber die Erlebnisse stecken noch in seinen Knochen. Und das sieht man auch seinen Bildern an.</p>

<p>Er fotografiert im Auftrag der Pacific Mail Steamship Company. Seit die erste transkontinentale Eisenbahnverbindung eröffnet wurde, hatten die Sorge, dass ihr Handelsmonopol fallen könnte und sie nutzten die Fotografien als Marketingkampagne.&nbsp;</p>

<p>Muybridge findet sich neu und veröffentlicht über 400 Fotos unter dem Namen Eduardo Santiago Muybridge und vermarktet die nach seiner Rückkehr nach San Francisco ausgiebig. Sie sind so gut, dass sie ihm mehrere Ehrungen und unter anderem eine Goldmedaille einbringen.&nbsp;</p>

<p>Er knüpft also an vorherige Erfolge an. Es sieht gut aus in seinem Leben und in seinen Geschäften. Zeit, wieder zu den Pferden zurückzukehren. Er war ja unzufrieden mit dem Ergebnis. Ein verwaschenes Bild, auf dem ein Pferd mit vier Hufen in der Luft abgebildet war, war nicht genau das, was er gerne produziert hätte. Was er nämlich machen wollte, waren Serienaufnahmen, mehrere scharfe, einzelne Aufnahmen, auf denen man die verschiedenen Stadien des Bewegungsablaufs eindeutig und klar sehen kann.&nbsp;</p>

<p>Auch Stanford ist weiterhin an Board. Auf seinem Gelände wird eine eigens dafür angelegte Anlage konstruiert. Der Boden und die Rückwand, an der vorbeigaloppiert werden soll, wird extra hell getüncht, damit möglichst viel Licht Richtung Kamera geworfen werden kann. Außerdem wird ein Serienauslöser konstruiert. In den Weg gespannte Schnüre lösen insgesamt 24 Kameras nacheinander aus. Und die Rechnung geht auf. Muybridge macht mehrere Testläufe und als er sicher ist, dass es funktionieren wird, lädt er am 15. Juni 1878 eine Reihe von Journalisten ein, vor deren Augen er erfolgreich ein Pferd im Galopp fotografiert. Die versammelten Augenzeugen sind hin und weg.</p>

<p>Sie vergleichen Muybridges Leistung mit der Erfindung des Telefons. Und auch, wenn uns das heute bizarr erscheint. Eigentlich muss man sich nur mal vor Augen halten, wie wenig man damals tatsächlich über diesen Bewegungsablauf wusste. Man wusste also, die Pferde hatten die Hufe alle vier in der Luft. Aber man wusste nicht, wie genau dieser Bewegungsablauf aussah.&nbsp;</p>

<p>Muybridge würde später in seinem Leben Vorträge halten, in denen er berühmte Kunstwerke zeigte und die Fehler in den dort dargestellten Bewegungsabläufen beschrieb. Damit hat er sich vermutlich nicht nur Freunde gemacht aber man konnte auch nicht abstreiten, dass er recht hatte. Seine Erfindung der Hochgeschwindigkeitsserienaufnahme hatte eine Analyse überhaupt erst möglich gemacht.&nbsp;</p>

<p>Muybridge nahm diese Aufnahmen und reiste damit durch die Welt. Er war immer schon ein hervorragender Entertainer und wusste, wie man sich selbst vermarktet. Und so beschrieb er vor jedem Publikum, das sich dafür interessierte, seine Erkenntnisse.&nbsp;</p>

<p>Damit diese Darstellung besser zur Geltung kam, entwickelte er ein Gerät, mit dem sich der Bewegungsablauf wie eine Animation an die Wand projizieren ließ. Das sogenannte Zoopraxiscope. Und es war noch nicht einmal nur gezeichnet, sondern das waren fotografierte Bewegungsabläufe. Es ist keine Übertreibung, Muybridge deswegen als den Vater des modernen Films zu bezeichnen. Stopmotionfilme und Tricktechnik.&nbsp;</p>

<p>Die Herausforderung war, das Muybridge nicht der einzige mit Geschäftssinn war. Er hatte ja mit Stanford gepartnert und Stanford gab in dieser Zeit dann Bücher heraus, in denen er sich vollumfänglich Credit für diese Fotos gab. Und damit wurde Muybridge in Zweifel gezogen. Plötzlich glaubte man nicht mehr, dass die Bilder wirklich von ihm waren. Dieser Stanford schien ja auch glaubwürdig machen zu können, dass er die Bilder geschaffen hätte. Zur Hilfe kommt eine Universität, die University of Pennsylvania. Die beauftragen Muybridge nämlich mit Bewegungsstudien.&nbsp;</p>

<p>Muybridge hatte bisher eigentlich nicht wissenschaftlich gearbeitet. Er war irgendwie ein Zwischending zwischen Fotograf, Bastler und Künstler. Aber eigentlich war er in erster Linie Entertainer. Er wusste einfach, was sich gut vermarkten ließ und hatte weder im Sinn, gezielte Studien zu machen noch wissenschaftlichen Anspruch. Die University of Pennsylvania wollte das ändern.&nbsp;</p>

<p>Sie beauftragten Muybridge mit Bewegungsstudien vor einem definierten Hintergrund mit definierten Abläufen. Muybridge fotografierte also seine Bewegungsabläufe jetzt mit einem sorgfältig konstruierten Apparat vor einem Raster in einem eigens konstruierten Studio. Innerhalb von zwei Jahren entstanden so über 20000 Aufnahmen: Tiere im Laufen, Menschen beim Sport, Alltagshandlungen vor der Kamera, am Anfang meistens eher selbst und dann die verschiedensten Models, immer öfter auch gutaussehende nackte junge Damen, deren einzelne Bewegungsschritte er dann als einzelne Drucke nebeneinander und untereinander wie an einem Raster anordnete.&nbsp;</p>

<p>Es ist die Anekdote mit dem fliegenden Pferd und die Tatsache, dass er ein geständiger Mörder mit Freispruch war, für die er am bekanntesten ist, aber den meisten Einfluss auf die Fotogeschichte und den Grundstein für das, was wir heute Film und Tricktechnik nennen, die hat er dargelegt.&nbsp;</p>

<p>Er lernte in der Zeit übrigens auch Edison kennen und Edison sollte später dann mal behaupten, er hätte das Bewegtbild erfunden, eine Behauptung, in der sich natürlich schon wieder Geschichte wiederholt hat, Muybridge als der eigentliche Urheber musste zusehen, wie jemand anders seine Lorbeeren abgriff. Er selbst nahm es gelassen.&nbsp;</p>

<p>Berühmt für verschiedenste fotografische Disziplinen kehrte er nach Europa zurück, wo er unter anderem auf der Weltausstellung in Paris eine ganze Halle hatte, in der er seine verschiedensten fotografischen Arbeiten ausstellen konnte. Und letztlich dann in seinen Heimatort Kingston, wo er dann 1906 an Prostatakrebs stirbt. Uns bleibt der elektronische Verschluss, das bewegte Bild, Bewegungsstudien ganz allgemein, Panoramafotografie und die auch heute immer noch sehr beeindruckenden Landschaftsaufnahmen des Pacific Northwest.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 27 Sep 2020 18:15:15 GMT</pubDate>
            <enclosure url="https://fotomenschen.kopfstim.me/audio/fm08-Eadweard_Muybridge.mp3" length="17508887" type="audio/mpeg" />
            <itunes:duration>20:41</itunes:duration>
        </item>
        <item>
            <title>Flashlight Lawrence</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/flashlight-lawrence.html</link>
            <guid isPermaLink="true">https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/flashlight-lawrence.html</guid>
            <description>Schon mal per Blitzfoto ein Haus gesprengt?</description>
            <content:encoded><![CDATA[

<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Was bedeutet es wenn man versucht sich auf das &#8222;Fotografisch Unmögliche&#8220; zu spezialisieren? 1900 hieß das Luftaufnahmen, riesige Panoramen und künstliche Fotobeleuchtung. </p>

<p>George Lawrence war zu Lebzeiten berühmt weil er durch scheinbare Unmöglichkeiten nicht aufzuhalten war. Heute kennt ihn kaum noch jemand.</p>

<p>Weitere Informationen</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/George_R._Lawrence" target="_blank">George R. Lawrence</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.loc.gov/collections/panoramic-photographs/?q=George+R.+Lawrence" target="_blank">Sammlung der Bilder von Lawrence in der US Library of Congress</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20240413025045/https://www.jstor.org/stable/40193519" target="_blank">&#8222;Photography Genius: George R. Lawrence &amp; &#8222;The Hitherto Impossible&#8220;</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/George_R._Lawrence#/media/Datei:San_Francisco_in_ruin_edit2.jpg" target="_blank">San Francisco in ruins</a> (Wikimedia Commons)</li><li><a href="https://www.spiegel.de/geschichte/george-r-lawrence-fotograf-mit-riesenkamera-a-951044.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Mann mit der Riesenkamera</a> (Spiegel)</li></ul>

<p style="font-size:10px">Picture credit: By George Raymond Lawrence &#8211; Historic photo via <a rel="noreferrer noopener" href="http://www.fotoart.gr/istoria/onephotoonestory/giantcamera.htm" target="_blank">http://www.fotoart.gr/istoria/onephotoonestory/giantcamera.htm</a>, Public Domain, <a rel="noreferrer noopener" href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7654197" target="_blank">https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7654197</a></p>

<p class="has-large-font-size"><strong>Transkript</strong></p>

<p>Manchmal begegnen mir Geschichten von Menschen, da wünschte ich, ich hätte eine Zeitmaschine, nicht um sie besuchen zu können, sondern um sie in die heutige Zeit holen zu können. Und sei es nur, um ihnen kurz zu zeigen, was aus ihren Ideen geworden ist. George Lawrence ist so ein Mensch. Die zwei Absätze, die die Wikipedia über George zu berichten hat, werden ihm noch nicht mal im Ansatz gerecht. Da ist so viel weggelassen, ich könnte mehrere Folgen daraus machen. Und hätte ich ihn erfolgreich ins Jahr 2020 gebracht, ich würde ihm die Panoramafunktion in modernen Smartphones, kleine portable Blitzgeräte und Drohnen mit montierten Kameras zeigen. Ich weiß, das würde ihm gefallen, denn genau das waren die Themen, mit denen er rund um 1900 weltweit berühmt geworden war.</p>

<p>Angenommen, wir gehen durch die Straßen einer durchschnittlichen Stadt. Köln, Berlin, München, und kommen an einem Fotogeschäft vorbei, und in diesem Geschäft hängt ein Plakat, auf dem steht, das fotografisch Unmögliche ist unsere Spezialität. Was würde ich mir darunter vorstellen? Es gibt doch bestimmt auch heute noch Dinge, die sind fotografisch unmöglich, oder? Im 20. Jahrhundert, als George R Lawrence genau diesen claim in die Auslage seines Geschäfts hing, da gabs auf jeden Fall einige Dinge, die waren fotografisch unmöglich. Fotografie war zu den Zeiten eine Industrie und trotzdem gab es deutlich spürbare Grenzen. Dinge die eben unmöglich waren. Und wenn etwas unmöglich ist, dann war es für George eine Herausforderung, nicht unbedingt eine harte Grenze.<br>Das hat er schon als sehr junger Mann unter Beweis gestellt, als er als Teenager zum Beispiel einen Telegraphensystem entwarf oder für seine Eltern eine automatische Waschmaschine konstruierte. Zum Fotografieren hatte er dann später, während er mit seiner ersten Frau in Chicago versuchte, in einer Wagenfabrik erfolgreich zu sein, eher zufällig gefunden. Er hatte Portraits von Fotografien abgezeichnet, und das so erfolgreich getan, dass er mit einem Fotografen zusammen ein Portraitstudio eröffnet hatte. Der stieg irgendwann aus und George wollte zu neuen Ufern aufbrechen. Das fotografisch Unmögliche eben machen.</p>

<p>Und fotografisch vielleicht nicht unmöglich, aber doch sehr real mit Grenzen versehen war zu der Zeit die Arbeit mit künstlichem Licht. Wir reden immer noch von einer Zeit, in der die Belichtungszeiten für Kameras noch relativ lang waren, und je heller man es haben könnte, desto besser. Wer also in geschlossenen Räumen zum Beispiel eine Veranstaltung fotografieren wollte, hatte ein Problem.<br>Man experimentierte auch schon seit knapp 15 Jahren mit verschiedenen explosiven Stoffen, um ein Blitzlicht zu erzeugen. Das kennt man auch aus diversen Filmen, da steht dann ein Fotograf mit deiner Platte, auf der Magnesium abgebrannt wird. Das sah in der Tat so aus, das Problem nur: Magnesium explodiert und produziert dabei eine unglaubliche Menge Rauch. In geschlossenen Räumen eine Blitzleiste zündete, hatte hinterher den gesamten Raum eingenebelt. Und deswegen war die Benutzung von solchen Blitzpulvern in geschlossenen Räumen auch feuerpolizeilich verboten.</p>

<p>Ja, das fotografisch unmögliche: Blitzlichtfotografie. George Lawrence experimentierte also. Nicht nur mit verschiedenen Pulvern, sondern auch mit verschiedenen Konstruktionen. Er konstruierte Blitztürme, Blitzplatten, verschiedene Pulver, sengte sich Schnurrbart und Augenbrauen ab und schaffte es mit einem Blitzlicht ein Gebäude zu sprengen. Wer kann es heute schon noch von sich behaupten, Iphonefotografie mit Blitz, Pah.<br>Und auch wenn man sich über den Weg lustig machen konnte, zum Schluss hatte George Lawrence den Vorläufer moderner Blitzgeräte in der Hand. Eine Schirmkonstruktion, die direkt nach Zünden des Pulvers den Rauch einfing und damit verhinderte, dass der gesamte Raum vernebelt wurde, Pulver, das einigermaßen sicher zu handhaben war, Gerätschaften, die man fernzünden konnte, all diese Entwicklungen machten ihn zum de facto Experten für künstliche Beleuchtung und schaffte es durch Demonstration seiner technischen Möglichkeiten, dass die feuerpolizeilich geltenden Beschränkungen für ihn in verschiedensten Städten der USA aufgehoben wurden und dadurch wurde er natürlich auch zum de facto Fotograf großer politischer oder gesellschaftlicher Ereignisse, die für die Presse oder auch zur Erinnerung fotografiert werden sollten.<br>Die Auftragsbücher füllten sich und Flashlight Lawrence, wie er damals manchmal genannt wurde, hatte bewiesen, dass er das fotografisch unmögliche möglich machen konnte. Und ab hier war das unmögliche dann häufig die Größe der Szenerie. Mehr und mehr Aufträge für größere und größere Veranstaltungen kamen rein, und so beschäftigte sich George mit Panoramafotografie.</p>

<p>Panoramas sind ja eigentlich Serienbilder. Man dreht die Kamera und macht mehrere nebeneinander liegende oder überlappende Aufnahmen und kombiniert die hinterher. Wenn man heute einfach nur sein Handy in die Höhe hält und irgendwie dreht und hinterher vertraut, dass moderne Computertechnik entsprechend die Einzelbilder zu einem großen Gesamtwerk kombinieren kann, war das damals zu Goerges Zeiten etwas aufwändiger.<br>Die Einzelbilder mussten zueinander passen, und zwar schon zum Zeitpunkt der Aufnahme. Und deswegen waren Panoramen, speziell mit Menschen darin, sehr, sehr, aufwändig. Es durfte sich ja niemand bewegen, sonst würden die Einzelbilder ja unangenehm auffallen.<br>George nun konstruierte Kameras, die mehrere Einzelbilder gleichzeitig aufnehmen konnten, und damit hatte er schon die nächste Mauer durchbrochen: er machte das Unmögliche möglich. Er konnte Panoramen, auch Indoorpanoramen mit Blitzlicht in einem Schuss aufnehmen.<br>The US Library of Congress lässt sich ein Archiv von Aufnahmen aus der damaligen Zeit abrufen und die Bilder sind schon toll. Das muss man einfach Mal neidlos anerkennen.</p>

<p>George war also international anerkannter Experte für künstliche Beleuchtung und für Panoramen. Oder, wie es der fotografische Laie vielleicht nennen würde: Wirklich große Aufnahmen. Und genau dieser Ruf landete ihm dann den Auftrag, für den er bis Heute bekannt ist. Es war nämlich so, dass die Betreiber der chicago and alton railroad einen neuen Zug gekauft hatten, und den sozusagen als den Höhepunkt des bis dahin möglichen Zugdesigns ansahen. Die Waggons waren symmetrisch, die Lok hatte die selbe Höhe und grundsätzliche Form wie die Waggons, der Zug war elegant und präzise, ein wirklicher Meilenstein damaligem Zugindustriedesigns.<br>Und das sollte entsprechend auch dokumentiert werden. Eine einzige Aufnahme sollte es werden, eine Aufnahme, auf die dieser gesamte Zug in seiner gesamten Länge passen sollte. Und das war natürlich auch in Zeiten von Panoramafotografie eine nahezu unmögliche Aufgabe, denn bei Panoramen kann man doch noch irgendwie sehen, dass das Einzelbilder sind. Und wenn die auch nur ein bisschen zeitlich versetzt sind. Naja, dann ist vielleicht doch die Bewegung schon zu viel dem Bild.<br>Eine Aufnahme sollte es also werden. Es musste eine Kamera her, die in der Lage war, einen gesamten Zug in einem Take zu fotografieren. Ja. Challenge accepted würde George heute wahrscheinlich sagen. Er nahm den Auftrag an.<br>Acht Monate dauerte die Arbeit an einer eigens zu diesem Zweck konstruierten Kamera. Die Kamera war über 600 Kilogramm schwer, ein massives Biest mit eigens dafür geschliffenen Objektivlinsen, größere Linsen als man bis dahin je in einer Kamera verbaut hatte.<br>Die fotografischen Platten, also die “Filme”, wenn man so möchte, waren eigens für diese Kamera konstruiert und angefertigt worden, und die mussten damals an Ort und Stelle vorbereitet und nach erfolgter Belichtung auch fixiert werden, das heißt, die Kamera allein, mit der war es nicht getan. George musste sozusagen mit seinem kompletten Studio reisen und entsprechendem Personal.<br>Ein ganzes Team war damit beschäftigt, diese Fotos zu machen. Zweieinhalb Minuten dauerte damals dann jede Belichtung. Der Zug parkte 6 Meilen außerhalb von Chicago, das Wetter war schön, der Himmel war klar, allerdings blies der Wind, aber es ist dann doch alles glatt gegangen.</p>

<p>Zu der Zeit war auch gerade Weltausstellung in Paris, 1900 eben, und diese riesengroßen Bilder waren technische Meisterwerke. Wunderwerke geradezu und deswegen wurden drei Drucke dieses Fotos zu Ausstellung geschickt. Und zunächst mal gab es dann Wirbel, dann die Organisatoren glaubten nicht, dass dieses Bild in einem Rutsch aufgenommen worden war. Sie glaubten, dass es ein clever nachretuschiertes Panorama herkömmlicher Machart gewesen wäre, und sie schickten eine Delegation, um die Kamera in Augenschein zu nehmen, bevor die das Bild tatsächlich für die Ausstellung zuließen.</p>

<p>Wenn man weltbekannt für die größte Kamera der Welt, der anerkannte Experte für Blitzlichtfotografie oder überhaupt künstliche Beleuchtung und weltberühmt für seine riesigen Panoramen ist, was kann man dann wohl noch als nächstes angehen, um die Grenzen der Fotografie zu durchbrechen? Klar! Es ist 1901. Warum machen wir das Ganze nicht einfach aus der Luft?<br>Wir sind in der Zeit, in der die Gebrüder Wright gerade damit angefangen haben, Flugzeuge zu bauen. Sie konstruierten ihren ersten Doppeldecker 1899. Luftaufnahmen gab es kaum und wenn, waren die mit Heißluftballons aufgenommen und waren garantiert keine Panoramen und waren auch, naja, beeindruckend für die damalige Zeit schon, aber nicht für heutige Betrachter.<br>George änderte das. In seinem ersten Experimenten, freilich, flog er noch nicht. Er baute Teleskoptürme. Von denen kann man zwar eine tolle Perspektive einfangen, aber die damalige Zeit war so luftverschmutzt, dass man auch auf einem 60 Meter hohen Turm nicht wirklich die Art Bild machen konnte, die George vorschwebte.<br>Es war also relativ schnell klar: er muss wirklich in die Luft. Und nur, um es nochmal in Erinnerung zu rufen: die Kameras zu dieser Zeit waren keine kleinen, handlichen Knipsen, sondern relativ großes Gerät. 20 Kilogramm waren durchaus möglich.</p>

<p>George konstruierte also einen Luftballon, um damit aufzusteigen. Er füllte ihn mit Gas und am 20. Juni 1901 unternahm er den ersten Versuch, über Chicago das Gelände einer Fabrik zu fotografieren. Den Ballon hatte er statt mit einem Korb mit einer Holzplatte versehen, damit er dort stabil stehen konnte, der Plan war, 1000 Fuß, so ungefähr 330 Meter, aufzusteigen und von dort aus zu fotografieren.<br>Über eine Stunde war George 300 Meter in der Luft, allerdings war es windig und so trieb der Ballon nach und nach ab. George beschloss also, sicherheitshalber zu landen und schaffte das auch fast. Auf halber Strecke löste sich dann das Ankerseil, er trieb richtung Lake Michigan, die Plattform löste sich und stürzte samt Fotograf, Platten und Kameraequipment rund 70 Meter ab, bevor ein Telegraf mitsamt Leitungen den Sturz bremste.<br>George blieb unverletzt, aber alle seine Aufnahmen waren ruiniert, die Kamera war auch nicht mehr wirklich gut zu gebrauchen.</p>

<p>Jeder Andere hätte da an der Stelle die Idee mit der <a "/tags/luftfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="22" title="Luftfotografie">Luftfotografie</a> vielleicht aufgegeben. Nicht so George. Das erste, was er machte, als er wieder zurück am Arbeitsplatz war, war, einen neuen Ballon zu bestellen.<br>Ballons allerdings blieben auch weiterhin nicht Georges Freunde, bei einem weiteren Auftrag, wo er versuchte, Minnesota aus der Luft zu fotografieren, stürzte er wieder fast ab, als er in eine Windhose geriet, und das überzeugte ihn davon, dass Ballons vielleicht nicht das Mittel der Wahl sind.<br>Drachen. Drachen sind eigentlich viel, viel besser, dachte er sich. Es hatte schon Experimente von einem anderen Fotografen gegeben, Kameras mit einem Drachen in die Luft zu hieven, aber noch niemand hatte versucht, Panoramen mit Drachen aus der Luft aufzunehmen. Wie gesagt, mehr als 20 Kilo pro Kamera. George konstruierte also einen Fernauslösemechanismus, um eine an einer Drachenaufhängung hängende Kamera vom Boden aus auslösen zu können und er konstruierte sozusagen eine Art Seriendrachen, an den mehrere Kameras hängen können, sodass Panoramaaufnahmen aus der Luft möglich wurden.<br>Bis zu 17 Kameras konnte er in der Luft halten, meistens waren es eher so um die 10. Das muss man sich mal überlegen. 17 Kameras. Mehr als 20 Kilo pro Kamera. Wie viel Gewicht der in die Luft gehievt hat, um Aufnahmen zu machen. Und heute beschweren sich Leute, wenn Drohnen mehr als 500 Gramm auf die Waage bringen.</p>

<p>Die Geschichte über Luftaufnahmen über Drachen war so erfolgreich, dass der damalige US Präsident Roosevelt in Auftrag gab, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob solche Luftaufnahmen nicht auch für das Militär interessant wären. Es gab dann auch mal eine Übung, bei der George das Kommando über eine ganze Flotte der Navy hatte, mit dem Auftrag, Luftaufnahmen für militärische Zwecke zu erproben. Ja. Kann man mal machen.<br>Die berühmteste Luftaufnahme machte George allerdings kurz nach dem berühmten, großen Erdbeben, das San Francisco dem Erdboden gleich machte. Er hatte von dem Erdbeben über die Zeitungen erfahren und sich sofort mit seinem Team und seinem Material auf den Weg gebracht. Die Stadt war förmlich überrannt von Fotografen, aber die hatten alle das Problem, dass ihre Aufnahmen im Wesentlichen auf Höhe der Straße, von einem der wenigen Gebäude aus oder gegenüberliegend einer der Hügel auf der anderen Seite der Bay gemacht werden mussten. George hingegen mietete sich ein Boot und ließ seine Drachen aufsteigen und machte ein Panorama, das einen Großteil San Franciscos einfing und auch heute einfach mal sprachlos macht. Da stand praktisch nichts mehr. Dieses Bild machte ihn wieder mal weltberühmt.<br>Auch hier gab es übrigens wieder Leute, die behaupteten, sein Bild müsste fake sein. Die Detailtiefe seiner Aufnahmen, die Breite seiner Panoramen und vor allem die Position aus der er Aufnahm war damals eben wirklich unmöglich. Undenkbar. Aber George lud seine Kritiker einfach immer ein und erklärte ihnen die Konstruktion seiner selbst gefertigten Kameras, zeigte ihnen, wie er sie starten ließ und jedes Mal mussten die Leute zugestehen, dass er wirklich das unmögliche möglich gemacht hatte.<br>Und mit all diesen Erfahrungen, was bleibt da noch übrig? Natürlich. Afrika.</p>

<p>[Einspieler]<br>(Es spielt The Lion King &#8211; The Circle of life)</p>

<p>Ahem. Tschuldigung. Es ging aber tatsächlich darum, Tierherden zu fotografieren; Löwen, Elefanten, Zebras, das ganze Programm. Und wo wäre das nicht besser zu machen als aus einem Heißluftballon heraus über den Tieren schwebend, sodass die nicht davonlaufen?<br>Außerdem konstruierte George auch ganz herkömmliche Blitzlichtfallen. Die Idee war also die Kamera auf den Boden stellen, Blitzlicht dazu aufzubauen und sobald ein zum Beispiel Löwe ein eigens drapiertes Beutetier findet und darauf zuläuft, löst das ganze aus und fotografiert ihn.<br>Das Problem nur: Die Tiere liefen dann nicht weg, sondern griffen die Anlagen an. Und so musste George frustriert zusehen, wie dein sündhaft teures Equipment immer wieder von Tieren niedergetrampelt wurde. Das war also nur so semi erfolgreich.<br>Luftaufnahmen hatte er dann aber auch irgendwann gemacht. Und auch hier müssen wir mal kurz innehalten, um uns überlegen, was das bedeutete. Über 12000 Kilo Fotoequipment nach Afrika transportieren, ein Team von über 80 Leuten, monatelang reisen und fotografieren. Das war eine Mammutaufgabe.<br>Und er selbst hätte es wahrscheinlich auch nicht erfolgreich genannt. Er hatte zwar zum Schluss einige sehr originelle Aufnahmen im Kasten, aber im Grunde war das ganze eine Aneinanderreihung von Frustrationen. Jedenfalls blieb seine Afrikaexpedition das letzte große fotografische Abenteuer, das George Lawrence in Angriff nahm.</p>

<p>Als er aus Afrika zurückkam, war er dann wahrscheinlich auch erstmal mit deinem Privatleben beschäftigt, er trennte sich von seiner damaligen Frau und gründete, damals immerhin schon über 50, mit der knapp über 20-jährigen Claire Antoinette seine zweite Familie. Fotografie hinge wer zwar nicht ganz an den Nagel, aber er betrieb es dann nicht mehr als sein Hauptgeschäft. Stattdessen beschäftigte sich George Lawrence für den Rest seiner Karriere mit Flugtechnik.<br>Und George Lawrence macht nunmal keine halben Sachen. Über 100 Patente sprechen da eine klare Sprache. Ein Flugboot, das er mit deinem Partner konstruierte, war wahrscheinlich auch seiner damaligen Zeit ein kleines Bisschen voraus. Oder die Flugzeugklimaanlage, für die er ein Patent anmeldete.</p>

<p>So oder so, bekannt laut Wikipedia ist er einfach nur für eine der vielen Dinge, die George Lawrence in deinem Leben geschaffen hat. Die große Kamera. Und ich finde, das ist ein bisschen dünn.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Tue, 18 Aug 2020 16:33:29 GMT</pubDate>
            <enclosure url="https://fotomenschen.kopfstim.me/audio/fm02-Flashlight_Lawrence.mp3" length="16797920" type="audio/mpeg" />
            <itunes:duration>18:52</itunes:duration>
        </item>
</channel>
</rss>