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    <title>Fotomenschen - Esoterik</title>
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    <description>Posts tagged &#x27;Esoterik&#x27; on Fotomenschen.</description>
    <language>de-DE</language>
    <lastBuildDate>Sun, 20 Jun 2021 12:41:52 GMT</lastBuildDate>
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            <title>Gedanken auf Polaroid</title>
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            <description>Zwischen 1965 und 1975 kommt es zu einer Blüte der Esoterik. Uri Geller verbiegt vor laufender Kameras Löffel und in Chicago fotografiert der arbeitslose Alkoholiker Ted Serios tausende Male seine...</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Zwischen 1965 und 1975 kommt es zu einer Blüte der Esoterik. Uri Geller verbiegt vor laufender Kameras Löffel und in Chicago fotografiert der arbeitslose Alkoholiker Ted Serios tausende Male seine Gedanken auf Polaroid. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ted_Serios" target="_blank">Ted Serios</a> (Englisch, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://library.umbc.edu/speccoll/findingaids/coll023.php" target="_blank">Jule Eisenbud collection on Ted Serios and thoughtographic photography</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.zeit.de/1974/17/es-spukt-immer-noch" target="_blank">Es spukt immer noch…</a> (Zeit Online)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.weirdhistorian.com/ted-serios-the-man-who-could-print-photos-from-his-mind/" target="_blank">Weird Historian &#8211; Ted Serios, the Man Who Could Print Photos From His Mind</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20241210160302/https://www.chronicle.com/article/psychic-projections-were-a-hoax/" target="_blank">‘Psychic Projections’ Were a Hoax </a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.skepdic.com/thoughtography.html" target="_blank">The Sceptics Dictionary &#8211; Thoughtography</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20240205104507/http://hoaxes.org/photo_database/image/thoughtography/" target="_blank">Hoaxes.org &#8211; Thoughtography</a></li></ul>

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<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p><a "/posts/fabelhafte-feen-fotos.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="24" title="Fabelhafte Feen-Fotos">Feenfotografie</a>, <a "/posts/der-seltsame-fall-von-william-mumler-geisterfotograf.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="11" title="Der seltsame Fall des William Mumler, Geisterfotograf">Geisterfotografie</a>, <a "/posts/koronafotografiegeschwurbel.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="58" title="Koronafotografiegeschwurbel">Aurafotografie</a>: Die Welt der Fotografie erstreckt sich weit über das hinaus, was wir sehen können und da finde ich, müssen wir heute dringend auch einmal über Gedankenfotografie sprechen.</p>

<p>Keine Sorge, keine Sorge, der Dirk ist jetzt nicht unter die Schwurbler gegangen, ich halte alles, was ich jetzt dann gleich erzählen werde, für liebevoll aufbereiteten Humbug, trotzdem sehr verblüffenden Humbug und Humbug, der immerhin mehrere Bücher inspirierte und auch heute noch wissenschaftlich untersucht wird. Dabei geht es um eine ziemlich steile Behauptung, nämlich, dass es Menschen geben könnte, die durch die Kraft ihrer Gedanken Fotos entstehen lassen können.</p>

<p>Der Erste, der diese Behauptung aufgestellt hat, war ein Mann namens Ted Serios. Ted schlug sich in dem Chicago der 60er Jahre, seiner Heimatstadt, als ein sogenannter Bellhopper durch. Bellhopper, das sind Pagen, die auf Zuruf Gepäck tragen und einfache Hilfsarbeiten erledigen. Und Ted war gerade arbeitslos, als er zum Ende der 60er Jahre hin Schlagzeilen in der Lokalpresse macht, mit der Behauptung, er könnte seine Gedanken fotografieren.</p>

<p>Ein Psychiater aus Denver, Jule Eisenbud, wird auf ihn aufmerksam und beschließt, das ganze zu untersuchen. Und schon nach den ersten Sitzungen ist Jule überzeugt, hier einer echten Sensation auf der Spur zu sein und fängt an, zum Teil sehr ausführlich geplante Experimente aufzusetzen. Wobei, ich bin mir sicher: Das, was man da Experiment nannte, ist vielleicht nicht das, was heute ein wissenschaftliches Gremium akzeptieren würde.</p>

<p>Drei Jahre lang wird auf jeden Fall in hunderten Sitzungen diese Fähigkeit von Ted Serios unter die Lupe genommen. Es gibt Videoaufzeichnungen davon, und was da abgeht, ist schon einigermaßen bizarr. In den Videoaufzeichnungen, die man noch findet, sieht man eine Gruppe von Männern um Ted Serios herumgruppiert. Ted Serios trinkt ein Bier, einen Schnaps nach dem anderen, geht dann immer wieder auf eine bereitgehaltene Polaroidkamera zu, macht ein konzentriertes Gesicht und schreit manchmal, zuckt manchmal und brüllt: &#8222;NOW!&#8220;. Das ist dann halt immer der Moment, indem der jeweilige Kamerahalter auslöst.</p>

<p>Die auf Polaroid gemachten Aufnahmen werden natürlich dann auch sofort gesichtet und manchmal zeigen die dann irgendetwas. Hin und wieder sind sie einfach nur schwarz, hin und wieder sind sie einfach nur weiß, manchmal aber tauchen da dann Bilder auf. Ted währenddessen trinkt weiter, raucht wie ein Schlot, flucht zwischendurch, macht dumme Witze, zieht sich auch gerne mal halb aus, und wären da nicht die Bilder, die von anwesenden Wissenschaftlern detailliert beschrieben und dokumentiert werden, könnte man das Ganze auch für eine bizarre Ein-Mann-Orgie halten.</p>

<p>1985 beschreibt Jule Eisenbud das Ganze in einer Fernsehsendung namens &#8222;The world of strange powers&#8220; so:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Eisenbud: &#8222;When he was hot, when he was in the groove, what happened, was that first, he would start by alternating whities and blackies. Blackies is total obstruction of the light, no light getting in, whities is total overexposure, which shouldn&#8217;t have been. Then, the pictures would start getting darker and darker and darker, and then he would start to imprint parts of the people or scenes.&#8220;</p>

<p>Sprecher: &#8222;Like this church in germany where Ted had never been.&#8220;</p>

<p>Ja, also Jule Eisenbud beschreibt hier, was passierte, wenn Ted erstmal so richtig in Schwung war, also auch gut angetrunken in den meisten Fällen, da würden dann nämlich plötzlich komplett über- und unterbelichtete Polaroids auftauchen und dann irgendwann plötzlich auch noch einzelne Bilder, auf denen man Dinge erkennen kann. Manchmal schärfer, manchmal weniger scharf, manchmal auch abwechselnd, jedenfalls verblüffend, denn das waren dann zum Teil Fotos, die Ted auf Aufforderung produzierte oder Bilder von Orten, an denen er wie gesagt noch nie gewesen war und manchmal auch Fotos, die zumindest in Teilen verändert zu sein schienen. Also wo dann vielleicht mal Schriftzüge falsch waren oder ähnliches.</p>

<p>Jule Eisenbud erklärt: Das ist ähnlich wie in Träumen. Da verdrehen wir ja auch einzelne Details und so ist es eben bei diesen Thaughtographies, wie er es nennt, eben auch der Fall.</p>

<p>Eisenbud verbringt knapp drei Jahre mit Ted und macht Versuch über Versuch über Versuch und schreibt zum Schluss seine Erkenntnisse in ein Buch. &#8222;The world of Ted Serios: &#8222;thoughtographic&#8220; studies of an extraordinary mind&#8220;. Das Buch kommt raus und die Medien sind fasziniert.</p>

<p>Irgendwie war es anscheinend in der Luft zu der Zeit. Es sind jetzt inzwischen die 70er und Uri Geller verbiegt vor laufender Kamera Löffel. Warum soll dann nicht ein Amerikaner seine Gedanken auf Polaroid bannen können?&nbsp;</p>

<p>Hören wir nochmal kurz in eine diesmal auf Deutsch übersetzte Doku rein:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;Wir haben als Ziel die Darstellung eines prähistorischen Menschen gesetzt. Um Ted in Stimmung zu bringen, brachte man den Schädel und verschiedene Instrumente eines echten Urmenschen in das Versuchszimmer. Stunden vergehen. Wir knipsen hunderte von Bildern, kein Resultat. Wir werden ungeduldig. Da geschieht etwas Unerwartetes: um 18:25 entsteht ein pechschwarzes Bild. Normalerweise wäre das unmöglich, da der Raum hell erleuchtet ist. Nach einer Reihe von schwarzen Bildern zieht sich Ted bis zum Gürtel aus. Er hat bereits zwölf Flaschen Bier getrunken, flucht ununterbrochen und schwitzt. Um 19:14 zeigt sich das erste Resultat: der Oberkörper eines nackten, langhaarigen Menschen vor dem Hintergrund einer Felswand. &#8222;</p>

<p>Richtig gehört: Man musste schon Geduld mitbringen, wenn man einer Ted Serios Session beiwohnen wollte. Mehrere Stunden lang sah man ihm im Wesentlichen dabei zu, wie er sich systematisch betrank. Zwölf Flaschen Bier &#8211; Da kann ich wahrscheinlich auch Fotos auf Polaroid entstehen lassen.</p>

<p>Aber wie hat er das denn nun gemacht? Kurz nach Veröffentlichung von Eisenbuds Buch schreibt das etablierte Fotomagazin &#8222;Popular Photography&#8220; einen ausführlichen Artikel über die Fotografie von Ted Serios. Eins fällt nämlich sofort auf: Ted fotografiert meistens mit einer kleinen Plastik- oder Papierrolle, die er in der Hand hält. Er nennt es sein &#8222;gizmo&#8220;. Er hält diese Rolle vor die Kamera, während ausgelöst wird. Und genau in diesem Ding vermuten seither alle den eigentlichen Trick. Denn in dieser Rolle lässt sich natürlich unter Umständen ein Bild unterbringen und wenn man diese Rolle dann nah genug an die Kamera hält, ja, dann entstehen da unter Umständen genau die Bildeindrücke.</p>

<p>Es gibt Fotografen, die das mit einer ähnlichen Konstruktion nachmachen. Freilich können die nicht erklären, wie Ted Serios mit zwölf Bier im Kasten in der Lage sein soll, zum Teil zehn bis fünfzehn anwesende Beobachter hinters Licht zu führen und die Fotos in diesen Rollen gegebenenfalls auszutauschen oder verschwinden zu lassen. Aber wenn wir mal kurz für den Moment annehmen, dass das Fotografieren von Gedanken eigentlich ausgeschlossen ist, dann muss es fast irgendsoetwas sein, denn die Kameras berührte er in der Regel nicht. Also außer eben mit diesem Röllchen. Und weil Ted Serios ja weder an den Kameras noch später in der Dunkelkammer Veränderungen vornehmen konnte, musste es unter Umständen ja irgendwie an diesem Röllchen passiert sein.</p>

<p>Der Artikel kommt raus und Ted-Serios-Fotografien gelten als debunked. Eisenbuds Bücher liegen plötzlich wie Blei in den Regalen. Nur noch in den Spezialabteilungen für Esoterik kann man diese Bücher kaufen. Er veröffentlicht einen Gegenartikel und ruft eine Challenge aus: Wer solche Fotos produzieren kann, möge sich melden. Man sei bereit für einen fairen Wettkampf.</p>

<p>Als der bekannte Illusionist und Schwurbeldebunker James Randi sich melden will, werden ihm Bedingungen diktiert, die er nicht einhalten kann. Er soll sich in einen faradayschen Käfig setzen, nackt, und dabei betrinken. Und wenn er das macht und solche Fotos produzieren kann, dann gilt die Herausforderung als gewonnen. James überlegt kurz, &#8222;&#8230;vor laufender Kamera nackt in einem faradayschen Käfig betrinken..&#8220;, und lehnt dann dankend ab.</p>

<p>Seither spaltet sich die Welt in zwei Lager: Die einen, die behaupten, James Randi hätte Ted Serios debunked und die andere Hälfte, die sagt, das habe er nie auch nur versucht. Und ich glaube, die Wahrheit liegt irgendwie so in der Mitte. Ich vermute mal, James Randi hätte solche Fotos produzieren können, er hatte nur wenig Lust, sich nackt in einem Käfig vor Kameras abfilmen zu lassen, während er das macht.</p>

<p>Irgendwann kommt es dann zur letzten Aufnahme von Ted Serios. Bei einer der Experimentalsessions taucht ein Bild auf, das einen fallenden Vorhang zeigt. Und das soll das letzte Bild sein, das Ted Serios erzeugen kann. Es gibt noch mehrere Sitzungen, in denen aber hin und wieder auch mal Blackies und Whities produziert, aber Fotos, Fotos seiner Gedanken produziert er nicht mehr. Auch nicht, wenn er zwölf Bier getrunken hat.</p>

<p>Und hier endet auch die öffentliche Geschichte von Ted Serios. Er verschwindet so schnell, wie er aufgetaucht ist. Die Welt interessiert sich deutlich weniger für ihn, jetzt, wo er keine Photographs mehr produziert. Eisenbud und er halten noch weiter Kontakt, Eisenbud wird noch eine weitere Ausgabe seines Buches schreiben, jetzt mit einem zusätzlichen Kapitel, in dem er auf die Vorwürfe des Betruges eingeht.</p>

<p>Die Fotos werden gesammelt, einer Universitätsbibliothek gespendet und es wird weiterhin an diesen Bildern geforscht, wobei das Ganze allgemein auf das Feld der Parapsychologie und philosophischen Studien beschränkt bleibt. Denn auch, wenn Ted Serios davon träumte, eventuell Fernaufklärung für die US-Army machen zu können oder für die NASA Fotos von der Oberfläche des Mondes Ganymede zu produzieren, eine Behauptung, die Eisenbud versuchte, mit Astronomen zu beweisen, ja, selbst, wenn das ein ernsthaftes Ziel gewesen war, dann sind die Ergebnisse trotzdem zu unscharf, zu ungenau und angenehmerweise damit auch schwer beweisbar.</p>

<p>Und irgendwann hatte er dann vermutlich keine Lust mehr, vor laufender Kamera Besäufnisse zu veranstalten und &#8222;verlor&#8220; seine Fähigkeit.</p>

<p>Der ganze Spuk endet also ungefähr 1969. Eisenbud und Serios halten noch weiterhin Kontakt bis zu Eisenbuds Tod 1999, dem sieben Jahre später, am 30. Dezember 2006 dann auch Ted Serios nachfolgt.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 20 Jun 2021 12:41:52 GMT</pubDate>
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            <title>Koronafotografiegeschwurbel</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/koronafotografiegeschwurbel.html</link>
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            <description>Niemand weiß ob es vielleicht doch einen &quot;Energiekörper&quot;, also eine sogenannte Aura gibt.</description>
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<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Niemand weiß ob es vielleicht doch einen &#8222;Energiekörper&#8220;, also eine sogenannte Aura gibt. Allerdings wissen wir mit einiger Sicherheit dass die üblichen Verfahren zur &#8222;Aurafotografie&#8220; nicht geeignet sind um den eigenen Astralleib zu dokumentieren&#8230;</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kirlianfotografie" target="_blank">Kirlianfotografie</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Energiek%C3%B6rper" target="_blank">Energiekörper </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Semyon_Kirlian" target="_blank">Semyon Kirlian</a> (Wikipedia)Kir</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritistische_Fotografie" target="_blank">Spiritistische Fotografie</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20200901022652/http://www.indian-skeptic.org/html/is_v02/2-9-9.htm" target="_blank">The Kirlian Technique: Controlling the wild cards</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.pixolum.com/blog/fotografie/kirlianfotografie" target="_blank">Was ist Kirlianfotografie? So fotografierst du eine Aura!</a> (Pixolum)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.wired.com/2011/02/aura-portraits/" target="_blank">Aura Portraits Make Good Art, Bad Science</a> (Wired)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.auraphoto.com/" target="_blank">Auraphoto &#8211; Instant film aura photography system</a></li><li><a href="https://www.theringer.com/2018/11/15/tech/aura-photography-instagram-auracam6000-christina-lonsdale-new-age" target="_blank" rel="noreferrer noopener">How Aura Photography Invaded Instagram</a></li></ul>

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<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>Haben Menschen eine Aura? Kann man die fotografieren? Das sind Fragen, denen wir heute nachgehen und vorher ein Wort der Warnung: bloß nicht auf YouTube zu dem Thema recherchieren.</p>

<p>Das erste Mal in einer Dunkelkammer stehen und dabei sehen, wie ein Foto Wirklichkeit wird - das ist ein magischer Moment. Zumindest nennen viele <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen diesen Augenblick als den Moment, in dem sie beschlossen haben: Fotografie wird ihre Leidenschaft.<br>Und diese Faszination war schon immer Teil der Fotografie. Es ist ein Verfahren, um unsichtbares sichtbar zu machen. Selbst, wenn wir ein direktes Abbild der Umgebung aufnehmen, ist es dann doch die Vision des Fotografen, die wir sichtbar machen.<br>Fotos sind immer dann am besten, wenn sie etwas zeigen, was wir nicht erwarten. Also einen Blickwinkel, den wir so noch nie gesehen haben, eine Farbgebung, die uns überrascht oder Dinge, die man mit bloßem Auge tatsächlich gar nicht wahrnehmen kann, wie zum Beispiel bei der Makrofotografie oder Infrarotfotografie oder Röntgenfotografie. Fotografie kann also dafür herhalten, um zu verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Um Goethe kurz zu zitieren.</p>

<p>Und schon ganz früh beginnen <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen damit, eben auch die spirituelle Seite der Welt mit der Hilfe der Fotografie zu erforschen. In Episode 5 erzählte ich davon, wie angebliche Fotos von Feen die Welt begeisterten. In Episode 28 ging es um den Trend der <a "/posts/der-seltsame-fall-von-william-mumler-geisterfotograf.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="11" title="Der seltsame Fall des William Mumler, Geisterfotograf">Geisterfotografie</a>. Beides basiert auf einer jahrhundertealten Idee, dass wir nämlich eine sichtbare und eine unsichtbare Welt haben, dass wir Menschen einen Körper und einen Geist haben. Dass wir von Energien umgeben sind, die uns und andere beeinflussen können. Und ist nicht auch Strom zum Beispiel so ein Ding? Man sieht es nicht, aber spüren kann man es und die Auswirkungen sind überall beobachtbar.<br>Und es sind genau diese Alltagsbeobachtungen und dieser jahrhundertealte Glaube, der dafür sorgen, dass Menschen nicht mal zucken, wenn man ihnen sagt, dass man ihre Aura fotografieren kann. Und es gibt dafür auch Gerätschaften. Die findet man in den Praxen von Heilpraktikern, esoterischen Medien und ganz besonders häufig auf Esoterikmessen.</p>

<p>Vor ein paar Jahren habe ich mir den Spaß mal gegönnt. In München war Esoterikmesse und ich hatte Zeit, also bin ich da vorbeigelaufen. Und schon am Eingang war eine Bude, wo man für gerade mal 30 € seine Aura fotografieren und für weitere 20 dann auch ausdeuten lassen konnte. Das Gerät sah, na ja, so ein bisschen kastig aus: Ein blauer, großer Kasten mit einem Spiegel und man konnte an den ausgestellten Beispielen sehen, dass die Ergebnisse dann doch recht bunt aussahen. Menschen mit umgebenden, bunten Wolken, so würde ich das jetzt mal beschreiben.<br>Und an der Bude war Andrang. Im Fließbandverfahren ließen sich da Menschen ablichten und dann einen Termin zur Beratung zum Aura lesen zuteilen. Das Verfahren selbst, so klärte ein Plakat auf, ließ sich auf Nikola Tesla höchstselbst und ein russisches Ehepaar zurückführen. Die Theorie außen herum, also Deutungen und so weiter, war dann ein Mischmasch aus New Age Chakrenlehre und alter indischer Weisheit und neumodischem Schwurbelblabla, um Leuten Kohle aus der Nase zu ziehen.</p>

<p>Doch was hat es mit dem Ganzen auf sich? Fangen wir mal von vorne an. Nikola Tesla war tatsächlich einer der Urväter (unfreiwilligerweise) der Aurafotografie, denn seine Arbeit legt einen Grundstein. Denn er hat mit Hochspannung experimentiert. Und das ist vielleicht das Erste, was wir hier vielleicht mal festhalten müssen: Aurafotografie fotografiert eigentlich keine Aura, sondern Aurafotografie fotografiert Entladungen, die durch Hochspannungen entstehen.<br>Der Fachbegriff dazu ist Kirlianfotografie, benannt nach ihren Entdeckern Semjon Kirlian und seiner Frau Walentina Kirlian. Semjon war Elektriker in Russland. Es lässt sich nicht wirklich viel über ihn herausfinden, aber man weiß, dass er in seiner Jugend einen Vortrag von Nikola Tesla besucht haben soll und davon sehr beeindruckt zurückkam. Er war außerdem sehr talentiert: relativ schnell hatte er sich den Ruf erarbeitet, praktisch alles Elektrische reparieren zu können.<br>1939 war der Patient ein medizinisches Gerät. Was es genau war, das er repariert hat, konnte ich leider nicht herausfinden, aber es muss ein Gerät gewesen sein, in dem sowohl Hochspannung als auch Filmmaterial zu finden war, denn bei dieser Reparatur entdeckte Kirlian durch Zufall, dass Hochspannung auf Filmmaterial Spuren hinterließ. Das sieht großartig aus und Kirlian fängt an, mit verschiedensten Materialien und Verfahren zu experimentieren. Das Ganze wird unter verschiedenen Namen bekannt: Elektrofotografie ist noch das beschreibendste, mein persönlicher Favorit ist Koronafotografie, denn die Entladungen, die festgehalten werden, sind sogenannte Koronaentladungen.</p>

<p>Es ist dann Kirlian selbst und seine Frau, die nahelegen, dass hier aber eigentlich außerdem die Aura lebendiger Wesen sichtbar gemacht werden kann. Er fotografiert Hände, Blätter und die Ergebnisse sehen auch wirklich faszinierend aus. Er macht verschiedene Experimente, zum Beispiel fotografiert er Pflanzen, während sie verwelken. Und dokumentiert so, dass nach und nach die Korona schwächer zu werden scheint, die Aura also verblasst.<br>Newager nehmen das als eindeutiges Zeichen, dass hier das Lebendige an diesem Blatt verblasst. Nur leider, also, wenn man es jetzt mal ganz genau nimmt, lässt sich das nicht wirklich halten. Denn legt man einen Schraubenschlüssel auf ein entsprechendes Gerät, stellt man fest: Der hat auch eine Aura. Und die variiert je nach Feuchtigkeit des Trägers, des Schraubenschlüssels und der Umgebungsluft. Es ist ja also ganz naheliegend: Eine verwelkende Pflanze verliert Feuchtigkeit und damit verändert sich natürlich auch der Entladungskranz, den man beobachten kann.<br>Trotzdem ist Kirlians Verfahren ein Hit, auch wenn sich wissenschaftlich bisher kein Zusammenhang zwischen zum Beispiel Krankheiten und den Fotos herstellen ließ, hindert das die einschlägige Szene nicht daran, entsprechende Gerätschaften zu konstruieren und alle möglichen Thesen aufzustellen, wie denn die allgemeine Chakrenlehre zum Beispiel mit den beobachteten Koronaentladungen zusammenhängen könnte.</p>

<p>Allerdings hat Kirlians Verfahren immer noch einen Schönheitsfehler. Man kann zum Beispiel nur sehr schwer einen ganzen Menschen fotografieren. Da war dringend technische Innovation notwendig. Vielleicht noch gepaart mit Geschäftssinn. Und wo lässt sich mehr Innovation und Geschäftssinn finden als im Silicon Valley der 70er und 80er Jahre?<br>Damals wurden buchstäblich dutzende Unternehmen in Garagen gegründet. Und mehr als nur einmal wusste man von den Gründern, dass sie sowohl der Esoterik als auch Drogenexperimenten einigermaßen zugeneigt waren. Apple zum Beispiel. 1976. Und Steve Jobs, na ja, der hat schon das eine oder andere Stöffchen mal ausprobiert, sagen wir es mal so.</p>

<p>Steve Jobs hat jetzt nichts mit unserer Geschichte zu tun, aber die Zeit und der Ort stimmen. Es ist nämlich diese Dekade, in dem der Kalifornier Guy Coggins anfängt, sich für die Aurafotografie nach Kirlian zu interessieren. Und sofort erkennt, dass es hier einen Markt geben muss. Amerikaner haben ja mittlere Namen und Guy A. Coggins heißt tatsächlich mit Mittelnamen Aura. Also &#8222;Aura&#8220;: Manche Zufälle sind einfach zu bizarr.<br>Aber egal. Guy konstruiert ein Kamerasystem, Auracam 3000, das im Prinzip eine Doppelbelichtung auf Polaroidband ist. Das erste Bild zeigt da einfach den Menschen vor der Kamera und das zweite Bild wandelt die aufgenommenen Werte über die Elektroden in Farbwerte um, die dann innerhalb der Kamera auf das Polaroid darauf belichtet werden, mehrere Sekunden lang in der Regel. Und so ergibt sich ein Mensch in einer Farbwolke. Diese Farbwolke wird hinterher analysiert und gedeutet und zeigt angeblich die Aura.<br>Das System, inzwischen weiterentwickelt als Auracam 6000 auf dem Markt, lässt sich für schlappe 10000 Dollar erwerben und hat den Scham eines antiken Nadeldruckerumschaltgeräts. Inzwischen gibt es Teile des Systems auch voll digital, das heißt, man kann nur die Sensoren kaufen und mit der passenden Software WinAura dann am Computer eine Aura berechnen lassen. Oh, und inzwischen, man geht ja mit der Zeit, hat Guy auch ein Unternehmen gegründet, um Aura in Virtual-Realitysystemen analysieren zu können.</p>

<p>Die ganze Szene blüht und gedeiht. Es gibt eine riesige Menge an Seminaren, die buchbar sind. Es gibt Podcasts, es gibt YouTube Kanäle, Aurafotografie ist der Hit. Und sie zeigt nichts anderes als hübsch anzusehende Entladungen oder einen künstlich im Computer oder Gerät erzeugtes Farbspektrum. Damit man halt so ein bisschen esoterischer aussieht.<br>Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Aurafotografie tatsächlich keinerlei Energiekörper fotografiert. Denn fotografiert man ein Blatt zum Beispiel im Vakuum, gibt es plötzlich keine Entladungen mehr. Die brauchen nämlich diesen Träger außen rum, die feuchte Luft, über die eben kleine Blitze springen können. Es ist also leider kein Energiekörper, der fotografiert wird und es hat vermutlich auch nichts mit den Chakren oder was Schwurbler sonst noch so alles heranziehen zu tun, es ist einfach nur ein fotografisches Phänomen.<br>Und als solches lohnt sich es vielleicht, mit einer der Selbstbauanleitungen im Netz mal herumzuexperimentieren, um zum Beispiel Münzen oder Blätter oder was auch immer auch mal selbst festzuhalten. Mit einer handelsüblichen Kamera. Ganz ohne Geister-Eso-Schwurbelklimbim. Einfach so, weil es gut aussieht.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 02 May 2021 12:20:26 GMT</pubDate>
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