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    <title>Fotomenschen - Fashion</title>
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    <description>Posts tagged &#x27;Fashion&#x27; on Fotomenschen.</description>
    <language>de-DE</language>
    <lastBuildDate>Sat, 20 Aug 2022 13:09:04 GMT</lastBuildDate>
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            <title>Die menschliche Familie</title>
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            <description>Edward Steichen wird als der einflussreichste Fotograf des 20. Jahrhunderts bezeichnet.</description>
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<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Edward Steichen wird als der einflussreichste Fotograf des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Er war nicht nur durch seine eigene Fotografie stilprägend und erfolgreich sondern besonders als Direktor der fotografischen Abteilung des Museum of Modern Art in New York richtungsweisend. Er prägte die Karrieren unzählicher Fotograf:innen und kuratierte einige der berühmtesten Ausstellungen seiner Zeit. Eine dieser Ausstellungen, The Family of Man, ist bis heute unerreicht. </p>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Steichen#Direktor_am_Museum_of_Modern_Art" target="_blank">Edward Steichen</a> (Wikipedia)</li>

<li>The Family of Man (Wikipedia <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/The_Family_of_Man#:~:text=Steichen%20himself%20supplied%20five%20photos,original%201955%20MoMA%20checklist)%3A" target="_blank">Englisch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Family_of_Man" target="_blank">Deutsch</a>)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.edwardsteichen.com/" target="_blank">The Estate of Edward Steichen</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/fotofestival-zwischen-alltag-und-wahnsinn-die-menschheit-a-785803.html" target="_blank">Zwischen Alltag und Wahnsinn: die Menschheit</a> (Spiegel)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://luxembourg.public.lu/de/gesellschaft-und-kultur/kuenstlerisches-schaffen/edward-steichen.html" target="_blank">Steichen Collection Luxembourg</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.thefamilyofman.education/de/historischer-zusammenhang/edward-steichen-vom-mann-seiner-zeit-zum-zeitlosen-kunstler" target="_blank">Edward Steichen, vom Mann seiner Zeit zum zeitlosen Künstler</a></li>

<li><a href="https://steichencollections.lu/de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weltdokumentenerbe UNESCO &#8211; Steichen Collections</a></li>
</ul>

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<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Edward Steichen gilt als der einflussreichste Fotograf des 20. Jahrhunderts.<br>Er hat das meistverkaufte Fotobuch aller Zeiten herausgebracht,<br>einen Ausstellungskatalog der meistbesuchten Ausstellungen aller Zeiten.<br>Er hat einen einzigen Film als Regisseur verantwortet, der dann auch gleich noch einen Oscar gewonnen hat<br>und mehr als nur eine Karriere in der Fotografie hinter sich gebracht.<br>Dabei war Fotografie noch nicht mal das einzige, was er in seinem Leben gemacht hat.<br>Edward Steichen wird am 27. März 1879 in Luxemburg geboren.<br>Da war er allerdings nur kurze Zeit, denn seine Eltern mussten aus wirtschaftlichen Gründen das Land verlassen<br>und beschlossen, in die USA zu emigrieren.<br>Er war 15, als er sich seine erste Boxkamera kaufte.<br>Und das erste Foto, das er je geschossen hat, ist eine Aufnahme seiner Schwester.<br>Die Kamera würde ihn sein Leben lang begleiten, aber zunächst dachte er eigentlich,<br>er würde entweder Drucker oder Maler werden.<br>Er macht eine Ausbildung zum Lithografen und beschließt, Kunst in Paris zu studieren.<br>Kurz bevor er aufbricht, hält er sich noch in New York auf<br>und lernt dort den schon erfolgreichen und einflussreichen Fotografen Alfred Stieglitz kennen.<br>Damals wie heute wurde die Frage, ob Fotografie denn eigentlich Kunst sein könnte, heiß diskutiert<br>und es gab eine Bewegung unter Fotografen, Bilder zu schaffen, die wie Gemälde aussahen.<br>Wem das jetzt bekannt vorkommt, ja, das ist nicht das erste Mal, dass der sogenannte Piktorialismus aufkommt.<br>Schon die ersten großen <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen versuchten, in ihren Gemälden der Malerei nachzueifern.<br>Stieglitz, Steichen und Zeitgenossen, also die neuen Piktorialisten,<br>sahen sich dabei in Konkurrenz zu einer anderen Schule der Fotografie.<br>Es gab nämlich auch die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen, die darauf pochten,<br>dass Bilder scharf und adäquate Abbildungen der Realität sein mussten.<br>Während also Fotografen wie Ansel Adams damit beschäftigt waren,<br>möglichst scharf und präzise kalkulierte Bilder zu produzieren,<br>wackelten Piktorialisten gezielt am Stativ, um dem Bild eine gewisse Unschärfe zu geben<br>oder entwickelten eigene Druckverfahren, um dem Bild eine malerische oder zeichnerische Anmutung zu geben.<br>Edward Steichen reiste dann auch tatsächlich nach Europa weiter und tritt sein Studium in Paris an.<br>Er lernt das Who is Who der französischen Kunstszene kennen<br>und schmiedet mehrere einflussreiche, lebenslange Freundschaften.<br>Außerdem wird er so eine Art früher Jet-Setter.<br>Immer wieder besteigt er Dampfschiffe, um den Atlantik zu überqueren<br>und trägt so zum regen Austausch zwischen der europäischen und der amerikanischen Kunstszene bei.<br>1903 stellt ihm die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> Gertrude Käsebier Clara Emma Smith vor,<br>eine junge Sängerin, die er heiratet und mit der er mehrere Kinder hat.<br>Edward Steichen verdient seinen Lebensunterhalt bereits mit Auftragsarbeiten jeglicher Art,<br>sowohl in der Malerei als auch in der Fotografie.<br>Seine Kontakte und frühen Fotografen von berühmten Künstlern in Paris<br>helfen ihm dabei, neue Aufträge an Land zu ziehen.<br>Und er hat sich bereits etabliert als jemand mit einem ungewöhnlichen Blick<br>und ist bekannt dafür, dass er eine ungewöhnliche Bandbreite an fotografischen Fähigkeiten besitzt.<br>So macht er Porträts, Stillleben, Auftragsarbeiten für die Industrie<br>und gilt als einer der frühesten Vertreter der Fashion-Fotografie.<br>Als der Erste Weltkrieg ausbricht, sehen sich die Steichens gezwungen, wieder in die USA zu emigrieren.<br>Er meldet sich freiwillig zum Militärdienst.<br>Als der etablierte Fotograf, der er ist, bekommt er den Auftrag,<br>eine fotografische Abteilung aufzubauen und die technischen Verfahren zu standardisieren.<br>Er entwickelt besonders kleine, leicht aufzubauende Dunkelkammern,<br>standardisiert die Filmformate, die die französischen, britischen und amerikanischen Einheiten verwenden,<br>hilft dabei, die Kameratechnik zu perfektionieren, die für Luftaufnahmen und Aufklärung verwendet wird<br>und legt technologische Grundsteine, die bis heute gelten.<br>Aus dem <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> zurückgekehrt und inzwischen geschieden,<br>konzentriert sich Steichen auf seine fotografische Laufbahn.<br>Er heiratet ein zweites Mal.<br>Diese Ehe mit Dana Despero Glover wird 34 Jahre lang bis zu ihrem Tod halten<br>und seine glücklichste Beziehung sein.<br>1926 macht er internationale Schlagzeilen,<br>als er sich mit den amerikanischen Behörden um die Definition eines Kunstwerks streitet.<br>Gegenstand des Streits war eine Skulptur &#8222;Bird in Space&#8220;, die er von einem Freund gekauft hatte.<br>Die Zollbehörden sahen darin eher eine Art Küchenutensil<br>und weigerten sich, den Gegenstand als Kunst anzuerkennen.<br>Eine Diskussion, die sie schließlich vor Gericht mit Edward Steichen fortführen mussten<br>und die Steichen für sich entschied.<br>Der Nebeneffekt dabei war, dass Edward Steichen damit die Definition von Kunst<br>nach amerikanischem Recht grundlegend verändert hatte.<br>Es ging also nicht nur ums Prinzip, sondern auch wieder um die grundlegende Frage,<br>was ist Kunst?<br>Inzwischen hatte Steichen schon mehrere Ausstellungen organisiert.<br>Sowohl Malerei als auch Fotografie war sein Thema und ging ineinander über.<br>Als Teil der Fotovereinigung &#8222;Foto Secession&#8220;,<br>Mitarbeiter bei Stieglitz&#8216; einflussreichen &#8222;Camera Works&#8220; Magazins,<br>als etablierter Kunstsammler und Künstler hatte er inzwischen so einiges an Autorität.<br>Es sind diese Jahre, wo er anfängt, mit der einflussreichen Contenast-Gruppe zusammenzuarbeiten.<br>Auf der einen Seite produziert er Werbefotografie,<br>auf der anderen Seite wird er von Contenast beauftragt, Fashionfotografie zu machen.<br>Und es sind diese Jahre, die ihn zum bestbezahlten Fotografen der Welt aufsteigen lassen.<br>Er prägt und verändert den Stil der damaligen Zeit<br>und inzwischen sind seine Fotos auch immer seltener piktorialistische Fotos<br>und immer öfter abstrakte, aber scharfe und realistisch abgebildete Aufnahmen.<br>Wenn er nicht fotografierte oder malte,<br>war er mit seiner Schwester beschäftigt, neue Pflanzenarten zu züchten.<br>Beide teilten eine Leidenschaft für die Botanik und hatten damit begonnen,<br>insbesondere Rittersporn-Varianten zu züchten, die es bisher so nie gegeben hatte.<br>Edward Steichen und seine Schwester sind aber mehr als Hobbygenetiker.<br>Ihre Pflanzen, so sind sie überzeugt, sind nicht weniger als lebende Kunstwerke.<br>Und so organisiert Edward Steichen 1936 in Zusammenarbeit mit dem Museum of Modern Art<br>eine Ausstellung rund um den Rittersporn, eine Pflanzenart, die sie besonders oft züchteten.<br>Und diese Ausstellung war ein Erfolgstreffer.<br>Das Museum sah Rekordbesucherzahlen.<br>Menschen waren enthusiastisch. Sowohl Museumsgänger, Züchter oder Hobbygärtner<br>hatten ihre Freude an der sehr ausgefeilten und künstlerischen Präsentation dieser Pflanzen.<br>Tag für Tag wurde LKW-weise Pflanzmaterial zum MoMA angefahren.<br>Und Edward beschäftigte sich nach dem Kuratieren dieser Ausstellung dann außerdem mit der Dokumentation<br>und machte eindrückliche, wunderschöne Aufnahmen dieser Pflanzen.<br>1941 kommt es zum Angriff auf Pearl Harbor. Edward Steichen ist zu diesem Zeitpunkt 62 Jahre alt.<br>Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, sich wieder freiwillig für den Militärdienst zu melden.<br>Eigentlich ist er zu alt, aber Edward Steichen hat Kontakte.<br>Und so beauftragt ihn die US Navy, eine fotografische Einheit aufzubauen.<br>Ein Auftrag, den er nur zu gerne annimmt.<br>Er baut diese fotografische Einheit auf und nimmt auch an Kriegshandlungen teil.<br>Gleichzeitig findet er aber die Zeit, zwei Ausstellungen militärischer Aufnahmen zu machen.<br>Antikriegsaufnahmen. Er will die Horror des Krieges zeigen und damit Menschen aufrütteln.<br>Außerdem dreht er noch auf dem Flugzeugträger, dem er zugewiesen wurde, einen Dokumentationsfilm.<br>Den einzigen Film, den er je verantwortet hat.<br>Und diese Dokumentation bekommt auch prompt dann im darauf folgenden Jahr einen Oscar verliehen.<br>Als der <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> vorbei und Edward Steichen wieder zurück in den USA war, war er 67 Jahre.<br>Viele würden in so einem Alter wahrscheinlich an die Rente denken.<br>Für Edward Steichen beginnt jetzt aber eine Zeit, die die erfolgreichste und krönende seines Lebens sein würde.<br>Er bekommt das Amt des Direktors für die fotografische Abteilung im MoMA angetragen.<br>Ein Posten, den vor ihm überhaupt nur eine Person bisher gehabt hatte.<br>In dieser Rolle war man nicht nur verantwortlich für fotografische Ausstellungen, sondern auch Kurator des Museums.<br>Und es ist diese Rolle, in der Edward Steichen einige der berühmtesten Fotografen und Fotografen dieser Zeit mit verewigt.<br>Namen wie Robert Frank, Deanne Arbus, Dorothea Lange, Lee Miller oder Stephen Shore.<br>Er kuratiert 44 Ausstellungen während seiner Amtszeit.<br>Alle für sich genommen Erfolge, aber eine, mit der er sich selbst, der Fotografie,<br>Dutzenden Fotografen und Fotografen und der Menschheit selbst ein Denkmal setzt.<br>Hören wir ihm kurz zu, was er selbst dazu sagt.<br>Ich hatte das Gefühl, oder eher die Hoffnung, dass wenn die Menschen wirklich sahen,<br>was die Kriegssituation in all ihrer Bestialität und Brutalität war,<br>dass das ein Deterrent sein könnte, dass die Menschen aufwachen.<br>Hier bezieht er sich auf seine Anti-Kriegsausstellungen, die er noch während dem Zweiten Weltkrieg gemacht hatte.<br>Er hatte die Hoffnung gehabt, dass die Menschen von Kriegsbildern abgeschreckt würden,<br>dass sie sehen würden, wie unmenschlich und grausam <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> ist und dadurch davon überzeugt werden würden,<br>dass Krieg mit allen Mitteln verhindert werden müsste.<br>Aber die Leute, so sagt er, kamen zu der Ausstellung, fanden die auch toll, sahen die aufmerksam an.<br>Manchmal sah man jemanden mit Tränen in den Augen.<br>Und dann verließen sie die Ausstellung und vergaßen alles, was sie dort gesehen hatten.<br>Und die Grundlage für das, hat mich plötzlich aufgepragt,<br>war, dass die Idee von einem negativen Standpunkt herangehoben wurde.<br>Und von einem negativen Standpunkt her, tut nichts gut.<br>Also habe ich, als ich darüber nachdenkte, gesagt,<br>jetzt, wechseln wir von dem positiven Standpunkt her,<br>ich muss zeigen, wie wunderbar das Leben ist und wie Menschen weltweit ähnlich sind.<br>Und das hat in der &#8222;Familie von Menschen&#8220;-Exhibition erfolgt.<br>Und als er darüber nachdachte, kam er zu dem Ergebnis,<br>dass das Hauptproblem war, dass Ausstellungen mit Kriegsfotografie das Thema negativ angehen.<br>Und nichts, sagt er, das man negativ angeht, hat jemals was Gutes hervorgebracht.<br>Und so wollte er eine Ausstellung machen, die genau andersherum funktioniert.<br>Er wollte den Menschen zeigen, was allen Menschen gemeinsam ist,<br>wie schön die Menschheit ist, wie wundervoll Leben ist.<br>Und das war der Startgedanke seiner wichtigsten, größten und berühmtesten Ausstellung.<br>Der Titel &#8222;The Family of Man&#8220;.<br>Los übersetzt könnte man sagen &#8222;Die menschliche Familie&#8220;.<br>Aus moderner Sicht hätte man den Titel vielleicht anders gewählt.<br>Aber &#8222;Man&#8220; war damals in den 50ern einfach nur Synonym für Menschheit.<br>Edward Steichen jedenfalls beginnt mit der Arbeit an dieser Ausstellung,<br>indem er zunächst mal mehrere hundert Aufnahmen von verschiedensten Künstlern einkauft.<br>Gleichzeitig bittet er eine Freundin, Dorothea Lange, einen Aufruf in die Welt zu schicken.<br>Es wurde eingeladen, Fotos einzureichen, die in eine von 32 Kategorien passten und zum Thema der Ausstellung.<br>Und der Aufruf wurde überall auf der Welt vernommen und beantwortet.<br>Über zwei Millionen Fotografien wurden eingereicht.<br>In den folgenden drei Jahren wurde diese unglaubliche Menge an Material gesichtet<br>und auf knapp 1000 Aufnahmen runtergedampft und dann in einem zweiten Durchlauf auf 503 Aufnahmen reduziert.<br>503 ist übrigens immer noch für eine fotografische Ausstellung eine gewaltige Zahl.<br>Normalerweise versucht man da deutlich drunter zu bleiben.<br>Die Aufnahmen kamen tatsächlich aus der ganzen Welt.<br>Allerdings war es trotzdem so, dass ein Großteil der 273 Fotografinnen und Fotografen<br>einen eher westlichen Blick auf die Welt gehabt haben dürften.<br>Allein 70 stammten aus Europa und 163 waren aus den USA.<br>Viele waren allerdings weit gereist.<br>Es wurde also wirklich versucht, die gesamte Welt und auch fremde Kulturen abzubilden.<br>Trotzdem kann man bis heute dieser Ausstellung vorwerfen,<br>dass sie einige eher konservative Perspektiven auf die Welt einnahm<br>und den Bias, der in dieser Fotograf:innen-Auswahl schon drinsteckt, natürlich nicht ganz abschütteln kann.<br>Als die Bilder dann erstmal ausgewählt waren, ging es an das Ausstellungsdesign.<br>Und auch das war damals groundbreaking, also noch nie da gewesen.<br>Die Bilder waren in den unterschiedlichsten Größen, manche ganz klein, manche riesengroß gedruckt<br>und konnten an der Decke, hoch an der Wand, niedrig an der Wand oder auch am Boden zu finden sein.<br>Begleitet wurden die Bilder von Ausschnitten aus Zitaten oder kurzen Gedichten.<br>Und die letzte Aufnahme zeigt, nachdem man durch die gesamte Bandbreite der menschlichen Erfahrungen gegangen ist<br>und oft auch sehr schöne Alltags-Szenen gesehen hat, einen Atompilz als abschließende Mahnung,<br>dass die Menschheit es in der Hand hat, die schützenswerte Existenz und Erfahrung des menschlichen Lebens zu zerstören oder zu bewahren.<br>Dadurch wird auch klar, in welcher Zeit diese Ausstellung stattfand.<br>Es war der Kalte Krieg und die ständige Bedrohung eines möglichen nuklearen Konflikts war natürlich allen präsent.<br>Die Ausstellung blieb auch nicht aufs MoMA in New York begrenzt, sondern ging auf Tournee.<br>Sie war schon in MoMA eine Sensation und die Tournee verstärkte das noch.<br>69 Mal wurde in 37 Ländern &#8222;The Family of Man&#8220; ausgestellt<br>und mehrere Ableger-Ausstellungen mit Einzelthemen daraus wurden ebenfalls kuratiert.<br>Bis heute ist es die meistbesuchte und meistbeachteteste Fotoausstellung aller Zeiten.<br>Über 10 Millionen Menschen haben diese Ausstellung gesehen.<br>Wie es für solche Ausstellungen üblich ist, produzierte Edward Steichen natürlich auch den dazugehörigen Ausstellungskatalog.<br>Ein großformatiges Taschenbuch, in dem man die ausgestellten Bilder nachschlagen konnte.<br>Für viele dürfte das das erste Buch gewesen sein, das sie gekauft haben,<br>das sich fast ausschließlich mit Fotografie befasst und kaum Text enthält.<br>Über 4 Millionen Mal ist der Ausstellungskatalog von &#8222;The Family of Man&#8220; inzwischen verkauft worden<br>und damit das meistverkaufte Fotobuch aller Zeiten.<br>Blättert man das Buch durch oder besucht die Ausstellung, wird man auch viele Bilder wiedererkennen.<br>Manche der Fotografinnen und Fotografen, die beitrugen, waren zu dem Zeitpunkt bereits selbst weltberühmt.<br>Aber für viele markiert diese Ausstellung auch den Startpunkt einer fotografischen Karriere.<br>In jedem Fall ist es so, dass man natürlich Namen wie Henri Cartier-Bresson oder Robert Duranon<br>oder <a "/posts/die-beste-fotografin-der-welt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="14" title="Die beste Fotografin der Welt">Margaret Bourke-White</a>, Dianne Arbus, Lee Miller, Robert Frank, <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a>, Edward Weston,<br>Dorothea Lange, Andreas Feininger, Ansel Adams, Irving Penn, Eve Arnold, Richard Avedon oder Gary Winogrand<br>aus der späteren Fotogeschichte nicht mehr wegdenken kann.<br>Es ist diese Ausstellung jedenfalls, die Edward Steichen endgültig in den Geschichtsbüchern der Fotografie unsterblich macht.<br>Man kann sie übrigens bis heute besichtigen.<br>Nach seinem Tod wurde sie nach Luxemburg überführt, wo sie bis heute in Dauerausstellungen besichtigt werden kann.<br>Und auch den Katalog &#8222;The Family of Man&#8220; kann man nach wie vor bestellen.<br>Ich habe ein Exemplar hier und es lohnt sich absolut.<br>Die Bilder sehen dabei erstaunlich modern aus.<br>Viele haben nichts von ihrer Wirkmächtigkeit verloren.<br>Es sind eben Bilder von überall auf der Welt und allen möglichen Situationen, die wir alle wiederkennen.<br>Freude, Trauer, Liebe, Wut, Momente der Stille, Momente der Ehrfurcht.<br>Wir erkennen die Menschen, wir erkennen die Situationen.<br>Und auch wenn so eine Ausstellung heute wahrscheinlich etwas diverser kuratiert werden würde,<br>erreichen diese Bilder meiner Meinung nach immer noch, was sich Edward Steichen erhofft hatte.<br>Eben daran zu erinnern, dass wir Menschen mehr gemeinsam haben als uns trennt.<br>Und deswegen ist diese Ausstellung auch zu Recht im UNESCO-Weltdokumentenerbe verewigt.<br>1960 und 81-jährig heiratet Edward Steichen die 26-jährige Joanna Taub.<br>Zwei Jahre später setzt es sich endgültig zur Ruhe.<br>Eine Ausstellung über die Great Depression ist seine letzte große fotografische Arbeit.<br>Er zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück und beschäftigt sich mit Fotografie, Malerei und seinen Pflanzen.<br>So genießt er seinen Lebensabend und stirbt mit 94 Jahren am 25. März 1973.<br>Edward Steichen war einer dieser Fotografen, der mehr als nur eine Karriere gehabt hat<br>und dabei so viel Einfluss aufs Medium ausgeübt hat, dass man wahrscheinlich gar nicht anders kann,<br>als ihn nicht mehr wahrzunehmen, weil er einfach omnipräsent ist.<br>Er hat mehrere große Moden der Fotografie mitgemacht und mitgestaltet<br>und ließ sich weder auf ein Genre noch auf eine bestimmte Tätigkeit festlegen.<br>Er war Maler, er war Fotograf, er war Kurator, er war Aussteller, er war Sammler, er war Botaniker,<br>Herausgeber, Publizist und hat dabei aber nie aus den Augen verloren, wen er versucht zu erreichen.<br>Und er behielt einen ganz pragmatischen Blick auf seine Kunst.<br>Mit dem Vorwurf konfrontiert, dass der Kommerz in seiner Arbeit ja vielleicht auch die Kunst in den Hintergrund gedrängt hätte,<br>hat er zum Beispiel Folgendes zu sagen.<br>Ich kenne keine Kunst, die nicht oder nicht kommerziell war.<br>Michelangelo sollte auf seinem Todesfelsen schon einmal beschweren,<br>dass er nie die Möglichkeit hatte, das zu tun, was er wollte.<br>Es gab immer Popen und Potentaten, die ihm Anrufe und Verpflichtungen für das, was sie wollte, gegeben haben.<br>Aber er hat eine gute Arbeit gemacht, um dieses Geld zu füllen.<br>Er kennt keine Kunst, die nicht wenigstens in Teilen kommerzialisiert ist, sagt er.<br>Und als Beispiel bringt er Michelangelo, der sich nämlich auf seinem Sterbebett beschwert hat,<br>dass er in seinem ganzen Leben fremdgesteuert worden war.<br>Immer gab es irgendwelche Päpste oder Herrscher, die von ihm irgendwelche Aufträge erfüllt haben wollten.<br>Aber, so sagt Edward Steichen, am Ende hat er das doch wirklich ganz gut gemeistert, Kunst und Kommerz zu verbinden.<br>Ein Fotograf macht nie wirklich Fotos, außer er wird davon bewegt,<br>er wird davon begeistert oder er ist sehr interessiert.<br>Und was die richtige Kunst ausmacht, so sagt er, hat mehr mit der inneren Einstellung zu tun.<br>Ein Fotograf macht kein richtiges Bild, wenn er nicht wirklich interessiert ist an dem Objekt, das er fotografiert.<br>Ein Bildnehmer und ein &#8222;Buttonpusher&#8220;, wie ich ihn auch nennen würde,<br>er schießt einfach an Dinge, die er von anderen gesehen hat.<br>Ein Fotograf establicht eine Beziehung, eine intime Beziehung zwischen sich und dem, was er fotografiert,<br>ob es ein Kern der Beine ist, ein Landschaft oder ein Gras der Garbe.<br>Knipser hingegen, die fotografieren eigentlich nur Dinge, die sie von anderen schon mal gesehen haben.<br>Das ist ihnen eigentlich egal.<br>Aber ein Fotograf, so sagt er, der fotografiert, womit er eine intime Beziehung aufbauen kann.<br>Und dabei ist es ganz egal, ob es eine Dose Bohnen oder ein Star von Weltrang wie Greta Garbo ist.<br>Das war also Episode 85 des Foto-Menschen-Podcasts zu einem der einflussreichsten Fotografen aller Zeiten.<br>Und gleichzeitig einem Mann, den wahrscheinlich nur Foto-Enthusiasten kennen und selbst bei denen nicht alle.<br>Wenn euch der Podcast gefallen hat und ihr das Foto-Menschen-Projekt unterstützen wollt,<br>dann tut mir doch einen Gefallen und erzählt einfach weiter, dass es den Podcast gibt.<br>Ich podcaste nicht kommerziell, ich möchte also kein Geld, ich werde hier auch keine Werbung machen,<br>aber ich freue mich über Rückmeldung und über steigende Hörer:innenzahlen.<br>Rückmeldung ist ein gutes Stichwort.<br>Ihr erreicht mich natürlich auf Social Media.<br>Ich glaube, ich bin ja ganz allgemein relativ einfach zu finden,<br>aber am leichtesten im Zusammenhang mit dem Foto-Menschen-Podcast geht es natürlich auf Twitter oder Mastodon unter dem Handel Foto-Menschen.<br>Die Webseite foto-menschen.net enthält alle Links, Videos, Artikel etc., die ich zur Recherche für diese Folge benutzt habe<br>und viele, viele Episoden inzwischen mit Transkripts, sodass man auch ganz hervorragend durch die vergangenen 84 Folgen stöbern kann.<br>Und wer mag, darf mir da gerne einen Kommentar unter der Episode lassen.<br>Ich freue mich darüber immer ganz besonders.<br>E-Mail gibt es natürlich auch, mail@foto-menschen.net.<br>So viele Wege mich zu erreichen.<br>Und jetzt vielen Dank für eure Zeit, fürs Zuhören.<br>Bleibt gesund und bis zum nächsten Mal.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sat, 20 Aug 2022 13:09:04 GMT</pubDate>
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            <title>Die Schöne und das Biest?</title>
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            <description>1981 waren der Fotograf Richard Avedon und die Schauspielerin Nastassja Kinski auf den Höhepunkten ihrer Karrieren und trafen sich zu einem Fotoshooting in dem eine berühmtesten Aufnahme entstand die...</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>1981 waren der Fotograf Richard Avedon und die Schauspielerin Nastassja Kinski auf den Höhepunkten ihrer Karrieren und trafen sich zu einem Fotoshooting in dem eine berühmtesten Aufnahme entstand die bis heute immer wieder nachgeahmt wird. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://magazine.artland.com/stories-of-iconic-artworks-nastassja-kinski-the-serpent/" target="_blank">Stories of Iconic Artworks: Nastassja Kinski &amp; the Serpent, Beauty and The Beast</a> (Artland)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Avedon" target="_blank">Richard Avedon</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nastassja_Kinski" target="_blank">Nastassja Kinski</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.independent.co.uk/life-style/interview-nastassja-kinski-still-a-daddy-s-girl-1241160.html" target="_blank">Interview: Nastassja Kinski &#8211; Still a Daddy&#8217;s Girl</a> (Independent)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/kultur/kino/article108564873/Seine-Frau-und-ich-schreiben-uns-regelmaessig.html" target="_blank">Kinski über Polanski &#8211; ”Seine Frau und ich schreiben uns regelmäßig”</a> (Welt)</li><li><a href="https://nastassja.kinski.us/nastassja-and-the-serpent/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nastassja and the Serpent</a> (nastassja.kinski.us)</li></ul>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="674" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/s-l1600-1024x674.jpg" alt="Eine Frau liegt mit zwei Schlangen, die über ihren Körper drapiert sind." /></figure>

<div class="yt-facade" data-yt="OlPCeufl6_I" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_OlPCeufl6_I.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>Eigentlich wollte Richard Avedon Poet werden. Zumindest versuchte er das zu studieren an der Columbia University. Geboren und aufgewachsen in New York hatte er durch seine Eltern schon früh Zugang zur Modeindustrie und er war 12 als er zum ersten Mal eine Kamera in die Hand gedrückt bekam. Schriftsteller wollte er eigentlich auch werden, auf jeden Fall etwas mit Kunst. Naja, von all diesen Disziplinen wissen wir ja heute, wurde es letztlich die Fotografie, und zwar speziell die Modefotografie.</p>

<p>Mitte des 20. Jahrhunderts, waren die Bildstrecken in großen Magazinen mit eine der Haupteinnahmequellen für Fotograf/-innen. Entertainment und Mode waren große Geschäftszweige und wer es schaffte sich entweder in Werbefotografie, in Modefotografie oder in dem großen Feld der <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a> zu etablieren konnte gutes Geld verdienen.</p>

<p>Richard Avedon entschied sich früh für Mode, Magazine wie Vogue, Harper&#8217;s bazaar oder Life beauftragten ihn und es dauerte nicht lange und er fotografierte Stars und Sternchen. Seine Models waren lebhafter, dynamischer als der damals überwiegende Stil, der in den Magazinen gepflegt wurde.</p>

<p>Er versuchte seinen Models nahezukommen, etwas Wahres, ein Stückchen ihrer Seele zu fotografieren und Richard Avedon war der Überzeugung, dass das geht. Dadurch wurden aus seinen Bildern allerdings Kunstwerke, es ging nicht nur noch um den Verkauf von Mode oder Accessoires oder um das Darstellen von Sternchen, sondern er versuchte einzigartige Motive zu schaffen. Diese Ideen trugen ihn über 5 Jahrzehnte Fotografie hinweg, Richard Avedon hatte Marylin Monroe und Hilary Clinton vor der Kamera. Und es entstanden viele berühmte Fotos. Für die Episode heute geht es mir um ein Foto, dass er 1981 machte. Avedon war von Vogue beauftragt worden, eine der heißesten Starletts der damaligen Zeit zu fotografieren: Nastassja Kinski. Die hatte mit ihren damals gerade mal 21 Jahren schon eine recht illustre Karriere und diverse Skandale hinter sich. Mit nur 13 Jahren hat sie ihre erste große Rolle in einem Film von Wim Wenders und macht Schlagzeilen, denn in diesem Film ist sie, als 13-jährige, oben ohne zu sehen.</p>

<p>Was sie dann zwei Jahre später mit 15 in einem anderen Film durch eine komplette Nacktszene noch übertraf. Es muss auch dieses Jahr gewesen sein als sie Roman Polanski auf einer Party kennenlernt. Der rät ihr sich mit Method Acting zu beschäftigen, einer Schauspieltechnik, bei der man sich komplett in die Rolle fallen lässt und versucht diese auch im Alltag relativ intensiv weiter zu leben. Es kam das Gerücht auf, dass der damals 45 jährige Roman Polanski mit der gerade 15 Jahre alten Nastassja Kinski eine Liebesbeziehung anfing, eine Behauptung, die zu dem, was wir über Roman Polanski zu wissen glauben passt, die aber von beiden immer wieder bestritten wird.</p>

<p>Nastassja Kinski jedenfalls reitet die Welle, sie ist nicht nur ein auftseigender Star in Hollywood und räumt einen Preis nach dem anderen ab, sie ist auch der feuchte Männertraum ihrer Generation. &#8222;Sex sells&#8220; denkt sie sich, &#8222;Sex sells&#8220; denken sich die Männer um sie herum und so wird sie gnadenlos von einer sexualisierten Industrie ausgenutzt, wobei die Grenze zwischen Ausnutzen und einer von ihr aktiv mit voran getriebenen Sexualisierung schwer zu ziehen ist.</p>

<p>Sie ist jedenfalls auf dem Höhepunkt ihrer Modeling, Schauspiel und ihrer Sexsymbol Karriere als sie eben 1981 auf Richard Avedon trifft. Sie hatten zwei Stunden geplant und in diesen zwei Stunden mussten originelle Fotos entstehen und nach allem über diesen Fotoshoot hört und liest muss es erstmal ziemlich öde gewesen sein. Richard Avedon hat natürlich Ressourcen, die andere nicht haben und so gab es anscheinend einen ganzen Zoo von verschiedenen Tieren, die er für diesen Fotoshoot bereitgehalten habe. Sie würde, so die Idee, mit Modeaccessoires und eben diesen verschiedenen Tieren posieren und dabei idealerweise nackt sein.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;We brought in all kinds of animals, like monkeys, two snakes and a papagei and you know theses big birds and all of that.&#8220;</p>

<p>Und keins dieser Bilder schien wirklich so richtig erfolgreich zu sein, irgendwann schlug Nastassja dann vor, dass eine der am Set anwesenden Schlangen, eine Boa constrictor, doch vielleicht das ideale Tier für den Fotoshoot wäre. Und eine Boa constrictor ist eine gewaltige Schlange, bis zu 3,60m wird die lang. Nastassja Kinski legte sich also nackt auf den Betongboden und die Schlange wurde ihr auf den Körper drapiert, außer einem meiner Meinung nach ziemlich hässlichem Armreif hat sie nichts an. Auf dem Bild ist eine brillante Komposition zu sehen, die Schlange schlängelt sich an ihren Beinen über ihren Scharm hinweg bis zu ihrem Ohr und Richard Avedon schaffte es genau die Millisekunde festzuhalten, in der die Schlang in Nastassja Kinskis Ohr zu züngeln scheint.</p>

<p>Sie schaut dabei völlig ruhig in die Kamera.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;Did it frighten you to be engolved in the Snake, to be wrapped up &#8211; No, no &#8211; didn&#8217;t frighten you? &#8211; No, I think it was more frightened than I was, she was very afraid of every movement my body did, so as soon as I did a movement she would do a movement and we would keep on moving and we would never, you know, sort of get to each other. &#8222;</p>

<p>Auf die Frage, ob sie Angst gehabt hätte sagt Nastassja Kinski: &#8222;Ne, eigentlich garnicht&#8220;, sie ist der Meinung, die Schlange hatte eigentlich mehr Angst vor ihr als umgekehrt, immer wenn sie sich bewegte oder irgendwas an dem Set sich veränderte, schien die Schlange zu erschrecken und zuckte sich oder bewegte sich, anders als der Bildaufbau es eigentlich nahelegen würde. Und so bastelte man mit dem Tier an dem Set herum, bis es eben genau diesen einen perfekten Augenblick gab und ein Foto schuf, von dem alle, die den Abzug sahen, sofort wussten, das ist ein Winner.</p>

<p>Vogue kaufte das Bild, es wurden Poster gedruckt und das Motiv ging um die Welt, Nastassja Kinski war sowieso schon Sexsymbol, ab jetzt hing sie als nackte Schönheit mit Schlange in den Teenagerzimmern der Welt. Und natürlich kommt hier viel zusammen, da ist einmal ihr wirklich ruhiger und kontrollierter Blick, die Erotik, die dieses Bild ausstrahlt, die Assoziation mit der Schöpfungsgeschichte, mit der Schlange, die Eva verführt, sie züngelt ihr ja ins Ohr. Und dann kommt noch dazu, dass Schlangen, besonders diese, die sich um Frauenkörper winden, ein Jahrtausende altes Fruchtbarkeitssymbol sind.</p>

<p>Das Foto wird jedenfalls so ikonisch, dass es danach immer wieder zitiert und nachgeahmt wird, so ließ sich beispielsweise Jennifer Lawrence von dem Fotografen Patrick Demarchelier mit einer Boa Constrictor liegend, nur mit einem Armband bekleidet fotografieren.</p>

<p>Und mal ganz ehrlich Leute, irgendwie ist es doch bizarr, oder? Ich meine wie stelle ich mir die Planung für so einen Fotoshoot vor: &#8222;Ja also wir dachten wir machen einen künstlerischen Akt, einen Akt der die Unabhängigkeit und die kraftvolle Selbstbestimmung unseres Models betont. Sie wird nackt auf dem Bauch liegen und die Kamera und damit den Betrachter direkt fixieren und für den künstlerischen Ausdruck dachten wir, bringen wir noch eine animalische, erotisierende Komponente ins Bild, wie wäre es, wenn eine Boa constrictor über ihren Körper schlängelt? [ Einspieler Applaus]</p>

<p>Allerdings muss ich zugeben, gerade wenn ich diese beiden Fotos, die ich heute erwähnt habe, also die Aufnahme von Nastassja Kinski und die von Jennifer Lawrence vergleiche, wird schon klar, warum &#8222;Nastassja Kinski and the serpent&#8220; von Richard Avedon die berühmtere Aufnahme ist.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 30 Jan 2022 16:22:07 GMT</pubDate>
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        <item>
            <title>Laufsteggeschichten</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/laufsteggeschichten.html</link>
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            <description>Powerfrauen beherrschen die Fashionbranche. Schon immer.</description>
            <content:encoded><![CDATA[

<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Ohne Fotografie keine Modebranche, ohne Models keine Mode, ohne Business keine Models? Heute besuchen wir die Anfänge einer Branche mit Milliardenumsätzen&#8230; </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lucy_Christiana_Duff_Gordon" target="_blank">Lady Duff-Gordon, die Erfinderin des Catwalks und erste internationale Modeschöpferin der Geschichte</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Virginia_Oldoini" target="_blank">Virginia Oldioni, die Erfinderin der Fashion Photography</a> (Wikipedia)</li><li>Die Geschichte der Fashionweek (welt-der-mo.de)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://eluxemagazine.com/culture/articles/the-history-of-runway-fashion/#:~:text=Although%20the%20modern%20catwalk%20originated,the%20exclusive%20with%20the%20mass" target="_blank">History of Runway Fashion</a> (Eluxe Magazine)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.factinate.com/people/facts-countess-castiglione/" target="_blank">50 Glamorous Facts About The Countess Of Castiglione, The First Model</a> (Factinate.com)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.vice.com/en/article/the-scandalous-narcissistic-19th-century-countess-castiglione/" target="_blank">The Scandalous, Narcissistic 19th-Century Countess Who Became Her Own&nbsp;Muse</a> (Vice)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.metmuseum.org/essays/the-countess-da-castiglione" target="_blank">The Countess da Castiglione</a> (Biografie auf der Webseite d. Metropolitain Museum of Art)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Germany%E2%80%99s_Next_Topmodel" target="_blank">Germany&#8217;s next top model </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Heidi_Klum" target="_blank">Heidi Klum</a> (Wikipedia)</li><li>Librivox Audiobuch <a rel="noreferrer noopener" href="https://librivox.org/letters-from-egypt-by-lady-lucie-duff-gordon/" target="_blank">&#8222;Letters from Egypt by Lady Lucie Duff-Gordon&#8220;</a></li></ul>

<p>(Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

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<p class="has-small-font-size">Bildquelle: Von Arnold Genthe &#8211; Dieses Bild ist unter der digitalen ID agc.7a15137 in der Abteilung für Drucke und Fotografien der US-amerikanischen Library of Congress abrufbar.Diese Markierung zeigt nicht den Urheberrechtsstatus des zugehörigen Werks an. Es ist in jedem Falle zusätzlich eine normale Lizenzvorlage erforderlich. Siehe Commons:Lizenzen für weitere Informationen., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1748122</p>

<p class="has-large-font-size"><strong>Transkript</strong></p>

<p>Es ist schwer zu ignorieren, wenn man Fotomenschen spricht, dass es eine ganze Branche gibt, die im Grunde nichts anderes macht, als Fotografie zu produzieren.</p>

<p>Na, schon eine Ahnung? Genau: Mir geht es heute um die Modebranche, eine Branche, mit der ich persönlich so gar nichts am Hut habe und eine Branche, die auch ein Fotogenre hervorgebracht hat, die Fashion Fotografie, mit der ich zumindest nicht viel anfangen kann. In Sachen Fotografie schränke ich das so ein bisschen ein, weil es gibt natürlich Modefotos, die nichts anderes sind als Studiofotografie mit Konzept. Aber das ist mir für heute auch erstmal egal.</p>

<p>Wir reden nämlich gar nicht über die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen in der Modebranche, sondern über alle anderen, die da irgendwo damit beschäftigt sind, Bilder für die Massen zu produzieren. Nichts anderes ist die Modebranche meiner Meinung nach: im Grunde arbeitet da eine Heerschar von Menschen an genau einem Ziel: Bilder zu produzieren von Mode, um Menschen dazu zu bringen, auch in der nächsten Modesaison Geld für Lifestyle auszugeben. Denn Mode erstreckt sich ja nicht nur auf Kleidung, sondern auf so viel mehr.</p>

<p>Am unteren Ende der Skala haben wir da natürlich den Fließbandbetrieb, mit dem praktisch Katalogbilder für Webseiten produziert werden, und am oberen Ende der Skala haben wir dann die Stars und Sternchen und das Celebritypersonal, das Veranstaltungen wie die Fashionweek bestückt. Und irgendwann zu diesem Personal zu gehören, das ist der Traum vieler. Wer möchte nicht einen Job haben, der einen regelmäßig um die Welt jetten lässt, mit den Reichen und Superreichen zusammenbringt und dabei auch noch Geld wie blöd verdienen.</p>

<p>Das ist der Traum, den die Fernsehshow Germany&#8217;s next Topmodel vermarktet. Heidi Klum und ihre Mädchen.</p>

<p>Da wird regelmäßig gecastet, es werden peinliche Spielchen gemacht und im Endeffekt die Wichtigkeit der Fotografie nur noch weiter betont. Wir sehen in jeder Folge diverse Fotoshootings und weiter im Rennen ist nur, wer von der Moderatorin Heidi Klum ein Foto überreicht bekommt.</p>

<p>GNTM ist dabei eine wirklich interessante Konstruktion. da ist nicht nur Heidi Klum als Moderatorin und als Hauptjurorin unterwegs, nein, auch der späteren Modelvertrag der identifizierten Talente wird von der Heidi Klum Model Agency vertrieben und Heidi betreibt nicht nur diese eine Sendung, sondern sie hat noch drei andere Sendungen nach ganz ähnlicher Machart, wo sie als Moderatorin und als Jurorin teilnimmt und eben auch kräftig mitverdient. Man könnte sagen, die einzige die sich mit Germany&#8217;s next Topmodel ihren Traum verwirklicht ist Heidi Klum, aber das mal nur so am Rande erwähnt.</p>

<p>Na und, möchte jetzt einwerfen, vielleicht ist der Deal ja trotzdem fair, weil für die teilnehmenden Mädels ist ja die Karriere trotzdem möglich. Vielleicht werden die ja alle Supermodels. Vielleicht sollte man GNTM mehr als so eine Art, naja, Talentschmiede sehen.</p>

<p>Fragen wir doch mal jemanden, der das wissen muss: Karl Lagerfeld, seines Zeichens Designer und Star der Szene. Karl. Wie ist denn das?</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Moderator: “Ich zeige Ihnen eine junge Dame, ein Foto einer jungen Dame, und Sie sagen mir freundlicherweise, ob diese Dame, mal sehen, wo wir es kriegen, da kriegen wir es eingeblendet, ganz klein, da oben können Sie es ein bisschen größer sehen, ob diese Dame Chancen hätte im internationalen Modelbusiness.”</p>

<p>Karl: ”Das kann man aus solchem, nicht sehr gutem Bild nicht unbedingt sagen.”</p>

<p>Moderator: ”Das ist die Siegerin der letzten Staffel von Germany&#8217;s next Topmodel”</p>

<p>Karl: “Erst mal muss sie sich bewegen, damit man sehen kann, was ihre Figur ist, wie sie damit umgeht, und das Gesicht und ist sie gut geschminkt, ist sie gut frisiert, ist sie nicht billig geschminkt, wissen Sie, bei so Wettbewerben, das ist halt, nun wirklich, das hat mit richtiger Mode nichts zu tun. Wissen Sie, das gehört in der Mode und auch für die Musik, das sind Berufe, das ist nicht, weil sie sagen, ich möchte das werden, dass sie es werden, das ist eine Sache, die total auf Ungerechtigkeit basiert ist. Sie können nicht sagen, oder eine Mutter sagt: ‘Meine Tochter soll die neue Claudia Schiffer werden’. Ne! Das gibt es nicht. Der Wille genügt da nicht. Wenn da etwas ist, wo ein Potential ist, kann das passieren, aber das ist ein ziemlich seltener Fall.”</p>

<p>Moderator: “Und Mode ist ungerecht, sagen Sie? Heißt das nur für die Models oder heißt das, dass Mode auch ungerecht ist für die&#8230; “</p>

<p>Karl: “Nein nein nein nein. (&#8230;) Sie können nicht sagen, ich werde jetzt Designer und das muss klappen und wenn das nicht klappt ist die Welt schuld und nicht Sie, das ist etwas, wo man keine Regeln kennt, wo man was bringen muss und das ist etwas, was jedem logischen Konzept entgeht.”</p>

<p>Moderator: “Aber dass Sie einer der größten Stars dieser Branche sind, das ist gerecht.”</p>

<p>Karl: “Ja gut äh, die haben sich an mich gewöhnt.”</p>

<p>(Gelächter aus dem Publikum)</p>

<p>Halten wir also fest: es ist sicherlich kein Zufall, dass Heidi erfolgreich ist mit dem Konzept. Und ja, Heidi hat es vielleicht auch ein bisschen mit ihrem Staat als Modelgesicht zu tun gehabt, aber danach wahrscheinlich einfach nur mit dem wirtschaftlichen Buisnesstalent ihrer Familie und ihr selbst. Die TeilnehmerInnen, die sind dann einfach mal Schwungmasse.</p>

<p>Gesichter, hübsche Gesichter zugegeben, die vor Kameras posieren.</p>

<p>Aber war das eigentlich schon immer so? Die Frage stellte ich mir und hab mal angefangen in der Geschichte des Genres zu graben. Irgendwann muss es ja das erste Model vor der Kamera gegeben haben. Und irgendjemand muss ja auch diesen unsäglichen Laufsteg erfunden haben, über den seit Jahrzehnten irgendwelche mehr oder weniger prominenten Modeidole staksen. Allein dass man so ein Ding Catwalk nennt im Englischen finde ich schon eine echte Zumutung, aber da bin ich vielleicht auch Kind meiner Zeit.</p>

<p>Es wird schwer zu datieren sein, wer zum ersten Mal auf die Idee gekommen ist, Frauen in neue Kleidung zu stecken, um sie vor potenziellen Käuferinnen und Käufern herumlaufen zu lassen. Die Idee, die muss ja Jahrhunderte alt sein. Man weiß aber erstaunlicherweise relativ genau, wer das wahrscheinlich zum ersten Mal professionalisiert und in eine Form gebracht hat, die wir heute wiedererkennen würden.</p>

<p>Um diese Person zu treffen, müssen wir nach London und zwar ungefähr in das Jahr 1890. Es ist zu der Zeit als das Modeatelier ‘the Maison Lucile’ die feine Gesellschaft Großbritanniens im Sturm erobert. La maison lucille war spezialisiert auf romantische und feminine Mode.</p>

<p>Ihre Besitzerin war die alleinerziehende Lucy Christiana Sutherland. Gerade frisch nach erster Ehe geschieden, hatte sie eine Schneiderei eröffnet, um sich und ihre Tochter versorgen zu können.</p>

<p>Und Luciles Mode war fantasievoll und manchmal gewagt. Beispielsweise wird die Erfindung des geschlitzten Rocks auf sie zurückgeführt.</p>

<p>Um ihre Kollektionen an die Frau und den Mann zu bringen, hatte Lucile relativ früh damit begonnen, Modeschauen zu organisieren, also zwanglose treffen, bei denen sie Getränke und Snacks reichte und sich die zukünftigen Kundinnen und Kunden in die jeweiligen Stücke anschauen konnten. Und weil es einfach viel, viel besser ist, wenn jemand diese Stücke auch vorführt und damit anschaulich macht, wie gut man darin aussehen könnte, war Lucile dann auch tatsächlich die erste, die einen Catwalk konstruierte, professionelle Models anheuerte und ihre Mode direkt vorführen ließ.</p>

<p>Ihre Models rekrutierte Lucille unter Tänzerinnen. Einige davon waren tatsächlich für ihren Tanz bekannt, sie waren also schon Celebrities oder Prominenz, bevor sie über den Catwalk von Lucille stapften.</p>

<p>Sie hatte inzwischen ihren zweiten Ehemann kennengelernt, Sir Cosmo Edmund Duff-Gordon the fifth, der seinerzeit dann dafür sorgte, dass Lucille ordentlich finanziert war und nach und nach in die gesamte High Society der damaligen Zeit eingeführt wurde. Das und die Tatsache, dass die Tänzermodels natürlich auch die Mode von Lucy trugen, sorgte dafür, dass Lady Duff-Gordon, wie sie jetzt hieß, in aller Munde war und ihre Mode sich praktisch wie von selbst verkaufte.</p>

<p>So war sie nicht nur eine der ersten Modedesignerinnen und die Erfinderin des Catwalks, sondern baut ihr Modeimperium weiter aus und war auch das erste Modelabel, das Niederlassungen in London, Paris, New York und Chicago eröffnete.</p>

<p>Man kann mit Fug und Recht sagen, dass Lady Duff-Gordon eine echte Powerfrau war und damals in höchsten Kreisen verkehrte.</p>

<p>Da schlug sich auch nieder, dass sie selbstverständlich 1912 als First Class Passagierin an der Jungfernfahrt der Titanic nach New York teilnahm. Sie wurde gerettet, kam zurück und baute ihr Imperium weiter aus.</p>

<p>Auf sie geht zurück, dass bei diesen Modenschauen dann auch Musik und Tanz mit integriert wurde und ganz allgemein aus dieser Verkaufsveranstaltung eigentlich fast schon sowas wie eine Art Modetheaterstück wurde. Wie gesagt, eine echte Powerfrau.</p>

<p>Interessant ist, dass zu der damaligen Zeit Fotografie bei diesen Veranstaltungen noch keine große Rolle gespielt zu haben scheint. Es gibt zwar Aufnahmen von einzelnen dieser Models, es gibt auch ein paar Filme, die man im Netz dazu findet, aber für Lucy war einfach viel, viel wichtiger, dass die Käufer im Raum waren und nicht, dass das Ganze gefilmt und verteilt wurde.</p>

<p>Fashionfotografie und Mode verkaufen waren damals noch zwei verschiedene Dinge: Wenn man sich schon fotografieren ließ und vielleicht sogar hauptsächlich des Äußeren willen, dann war das damals in erster Linie eine Inszenierung. Und um die Anfänge dieser Idee zu beobachten, müssen wir uns von London verabschieden und nach Paris reisen.</p>

<p>Und da treffen wir dann die Konkubine Napoleons des dritten, Virginia Oldoini. Wie der Name schon nahelegt ist sie Italienerin, genau genommen Contessa di Castiglione.</p>

<p>Und Virginia war skandalträchtig. Schon ihre Ankunft in Paris war ein Skandal. Sie sah atemberaubend aus und war praktisch sofort die gespiele Napoleons des 3. und am königlichen Hof. Das gefiel jetzt ihrem damaligen Ehemann nicht so wirklich. Virginia freilich war das egal.</p>

<p>Virginia war damals der Star am Hof. Sie sprach vier Sprachen fließend und ist überliefert als eine unglaublich charmante und energiegeladene Gastgeberin. Außerdem war sie bekannt für ihre extravagante Kleidung. Einmal kam sie gekleidet als Queen of hearts. Jedes Mal kam sie auf jeden Fall anders gekleidet und ihre Kleidung, ja über die, sprach man. Und ahmte sie nach.</p>

<p>Während ihrer Affäre mit Napoleon dem dritten war sie außerdem auch des Öfteren, naja, will ich mal sagen, Geheimdiplomatin in Charme-Offensive, wurde sie doch regelmäßig an andere Königshöfe eingeladen oder auch mal für, naja, sagen wir mal, besondere Verhandlungen losgeschickt. Es gab diverse Konflikte in Europa und der eine oder andere, so sagt man, ist vielleicht auch durch ihr Wirken im Hintergrund anders ausgegangen.</p>

<p>Damals jedenfalls, wir reden von der Mitte des 19. Jahrhunderts, hatte natürlich jeder kaiserliche und königliche Hof, der was auf sich hielt, einen Hoffotografen: da macht er Hof Napoleons III natürlich auch keine Ausnahme. Und die schönste Frau am Hof, die saß natürlich auch irgendwann vor der Kamera.</p>

<p>1856 saß sie für den Hoffotografen Pierre-Louis Pierson Modell und das war der Anfang einer Leidenschaft, die sie bis zu ihrem Tod verfolgen sollte. Mit Pierson machte sie über 400 Porträts und interessant ist an diesen Bildern, dass überliefert ist, dass sie die treibende Kraft hinter diesen Aufnahmen ist. Das heißt der Fotograf, der hat einfach nur die Aufgabe, den technischen Teil im Griff zu haben. Und er darf natürlich die Kulisse aufstellen. Sie ist die Regisseurin. Sie ist diejenige, die die Kleidung auswählt, die Szenerie beschreibt, die Bildidee beschreibt und dirigiert. Und sie ist bekannt als absolute Perfektionistin. Aufnahmen wurden so oft wiederholt bis auch das kleinste Detail sitzt.</p>

<p>Und manche der Aufnahmen waren für die damalige Zeit auch frivol. So gibt es Aufnahmen ihrer nackten Füße. Auf Bildern wo ihre nackten Füße also vom Knie abwärts zu sehen sind, ja, da sieht man dann meistens ihren Kopf nicht. Das ist ja fast schon Pornografie!</p>

<p>Über die Jahre werden ihre Aufnahmen dann immer dunkler und skurriler. So lässt sie sich durchaus auch mal in einem Sarg fotografieren oder in Trauerkleidung. Es sind jedenfalls dramatische, gestellte und manchmal auch Konzeptfotografien, die damals entstehen.</p>

<p>Und sie sind für die Zeit ungewöhnlich. Es geht um das Äußere, um die Inszenierung, um die Kleidung, die sie trägt oder eben nicht trägt, um die Person, die sie darstellt und wie die am besten Szene zu setzen ist. Und so ist sie als Erfinderin der Fashion Fotografie in die Geschichte eingegangen.</p>

<p>Interessant finde ich ja das Fashion Photography und die Fotografie von Mode während Modenschauen zwei sich ergänzende aber dann doch unterschiedliche Disziplinen zu sein scheinen. Man kann natürlich Fashion Fotograf sein und sich überhaupt gar nicht für Models auf dem Laufsteg interessieren. Und umgekehrt.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Karl Lagerfeld: “Ja, wissen Sie, Heidi Klum, ich kenn sie nicht. Ich finde, dass die deutsche Vogue tolle Bilder von ihr gemacht hat, so gut kann ich sie mir gar nicht vorstellen. Dieser junge Fotograf, wie heißt er, Francesco Carrozzini, hat unglaublich tolle Bilder von dieser Heidi Klum gemacht, die ich nicht kenne. Auch Claudia kennt die auch nicht. Die war nie in Paris, die kennen wir nicht.”</p>

<p>Die war nie in Paris, die kennen wir nicht. Damit bezieht sich Karl Lagerfeld auf eine der Big Four. Mit Big Four sind die vier großen Fashion Weeks gemeint: New York, Paris, London und Mailand. Und, Heidi? Naja, die ist eben nie über eine dieser vier Laufstege gelaufen und schon gar nicht über den in Paris. Sie macht halt “nur” Werbung. Aber zumindest laut Joop hat sie was es braucht.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Joop: Nacher, in diesem Modelberuf, ist fast keiner schön genug, um die große Karriere zu machen. Guck mal: Heidi musste schon so schön sein, wie sie ist, um so weit zu kommen.</p>

<p>Das, glaube ich, ist ein Irrtum. Mit Schönheit hat es nur am Rande was zu tun. Vielleicht war das mal ein Türöffner für Heidi, aber dann, dann ist es Geschäftssinn und Durchhaltevermögen, das für Heidi, für Lucille oder auch für Virginia den Unterschied gemacht hat. Und Heidi, was sagst du dazu?</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Heidi: “Ich habe heute leider kein Foto für dich.”</p>

<p>Na Gott sei Dank.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sat, 29 Aug 2020 18:00:51 GMT</pubDate>
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            <title>Lebe Deinen Traum...</title>
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            <description>Mark Reay ist Model, Schauspieler und Fotograf in New York und lebt ein überraschendes Doppelleben.</description>
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<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Mark Reay ist Model, Schauspieler und Fotograf in New York und lebt ein überraschendes Doppelleben.</p>

<p>Notizen zur Sendung: </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/vermischtes/article145026868/Das-geheime-Doppelleben-des-obdachlosen-Models.html" target="_blank">Das geheime Doppelleben des obdachlosen Models</a> (Welt)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.imdb.com/title/tt4164462/" target="_blank">Homme Less Documentary</a> (IMDB)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theguardian.com/fashion/2015/aug/06/homeless-model-mark-reay-odd-double-life-never-been-lonely" target="_blank">The fashion photographer who was homeless for six years</a> (The Guardian)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20201022211931/http://www.markreay.net/index.html" target="_blank">Mark&#8217;s Webseite</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.imdb.com/name/nm4788482/" target="_blank">Mark auf IMDB</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://vimeo.com/ondemand/hommeless" target="_blank">&#8222;Homme Less&#8220; komplett auf Vimeo on Demand</a></li></ul>

<p>(Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

<p><a href="https://player.vimeo.com/video/96111593?dnt=1&amp;app_id=122963" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf Vimeo ansehen</a></p>

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<ul><li>Weitere Hörempfehlung &#8211; &#8222;<a href="https://fyyd.de/podcast/unter-freiem-himmel-obdachlos-in-berlin/0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Unter freiem Himmel</a>&#8222;:</li></ul>

<p class="has-text-align-center">
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                podcastData1N = {"title":"Unter freiem Himmel","subtitle":"Obdachlos in Berlin","description":"","cover":"https:\/\/images.podigee.com\/1400x,s6FkCdfU1I_TRwslfkQSl_RXrtrpWF2OqDcZggMInSqQ=\/https:\/\/cdn.podigee.com\/uploads\/u6755\/8f4a7f94-c182-4af4-b18b-2031fe2233a9.jpg","feeds":[{"type":"audio","format":"mp3","url":"https:\/\/unterfreiemhimmel.podigee.io\/feed\/aac","variant":"high","directory-url-itunes":"https:\/\/itunes.apple.com\/podcast\/id1494688746"}]}
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<p class="has-small-font-size">Episodenbild: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.homme-less.com" target="_blank">homme-less.com </a></p>

<p class="has-large-font-size"><strong>Transkript</strong></p>

<p>Vor einigen Monaten hab ich einen Podcast entdeckt, der auch eine absolute Hörempfehlung ist, namens unter freiem Himmel. Dort erzählt ein ehemals Obdachloser, wie leicht es auch in Deutschland ist, die Obdachlosigkeit zu geraten. Da spricht er freilich von Obdachlosen, wie wir sie alle kennen. Menschen, denen man schon von weitem ansieht, dass sie Probleme haben. Was aber, wenn es noch eine weitere Art von Obdachlosigkeit gäbe? Was, wenn jemand oberflächlich gesehen alles im Griff zu haben scheint, Beruf, teure Elektronik, einen gepflegten Anzug trägt, aber nachts dann unter freiem Himmel schlafen muss?</p>

<p>Der österreichische Dokumentarfilmer Thomas Wirthensohn hat 2014 mit dem Film “Homme less” eine Dokumentation veröffentlicht, die genauso einen Fall beschreibt; er folgt zwei Jahre lang Mark Reay, einem Mann, der aussieht wie George Clooney und in New York versucht, mit Schauspielerei, Modelling und Fotografie durchzukommen.</p>

<p>Nun ganz im Ernst: Man sieht Mark Reay nicht an, dass er auf der Straße lebt. Das ist ihm auch wichtig. Von dem wenigen Geld, was er im Monat zur Verfügung hat, investiert er 120 Dollar Monat für Monat für seine Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Das sichert ihm nicht nur einen Platz im Spind, wo er seine Habseligkeiten unterbringen kann, es sorgt auch dafür, dass er sich regelmäßig im Warmen körperlich betätigen kann. Das hält ihn gesund und außerdem gibt es im Fitnessstudio natürlich Duschen und die Möglichkeit, Sachen zu waschen, sodass Mark auch tagsüber immer aussieht, wie aus dem Ei gepellt.</p>

<p>Und Mark ist ein gutes Beispiel für die Art von Geschichten, die wir uns gerne gegenseitig erzählen. Wäre er erfolgreich, wäre er das klassische Beispiel für eine inspirierende Stargeschichte. Der Mann, der schon früh wusste, dass er Fotograf und Schauspieler werden wollte. Den nichts aufhielt. Der dranblieb. Der früh dann schon aufbrach, um Europa als Backpacker zu bereisen, dort dann erste Modeljobs annahm und fotografieren begann und dann den großen Durchbruch erlebte und jetzt als Millionär in Kalifornien lebt.</p>

<p>Naja, dieser letzte Teil, der hat halt nie stattgefunden. Mark modelte zum Beispiel für Brands wie Versace, aber wer nicht als Kampagnengesicht gebucht wird, der verdient tatsächlich in der Branche wenig mehr als die Spesen. Dafür hat er dann einen relativ teuren Lifestyle mit Menschen, die wesentlich mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen.</p>

<p>Aber besonders am Anfang ging das schon. Er kam immer so bei plus minus null raus. Das war auch die Zeit, in der Mark anfing, die Schauspielschule zu besuchen, in seine Karriere zu investieren, erste Rollen als Extra bei irgendwelchen Produktionen annehmen konnte und anfing zu fotografieren. Das war eigentlich in erster Linie ein Hobby. Zwar hatte er Zugriff auch Models und war natürlich auch immer wieder Mal auf Veranstaltungen, auf denen es interessant ist, zu fotografieren, aber im Wesentlichen hatte er Spaß an der Kamera, bis er irgendwann mal auf die Idee kam, und das scheint eine sehr amerikanische Idee sein; damit muss man doch auch irgendwie Geld verdienen können.</p>

<p>Mark überlegte sich einige coole Fotoprojekte: Dinge, von denen er glaubte, damit könnte der große Durchbruch in Reichweite kommen, und eine der Ideen, die er hatte, war, nach Südfrankreich zu reisen, dorthin, wo die reichen und Superreichen Urlaub machen und seine Dienste als privater Fotograf anzubieten. Die Idee wäre sozusagen, die Superreichen nehmen ihn mit auf einen ihrer Urlaubstrips und er würde für die Urlaubserinnerungen sorgen.</p>

<p>Klingt großartig, muss ich sagen. Praktisch Luxusurlaub und gleichzeitig dem Hobby Fotografie nachgehen, was könnte da nur schiefgehen. Naja, so ziemlich alles.</p>

<p>Als Mark seine Ersparnisse endgültig verbraucht hatte, war dann in der Nähe von Saint-Tropez das Ende seiner Finanzen erreicht und da schlief er dann zum ersten Mal unter freiem Himmel.</p>

<p>Damals hat er auch entdeckt, dass das Äußere einen riesen Unterschied macht: solange er darauf achtet, dass er ordentlich aussieht, konnte immer noch am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Manchmal kaufte er sich billigen Roséwein im Supermarkt, schlich sich dann mit dem Wein in der Tasche in eine der fancy Bars in Saint-Tropez, klaute sich ein Glas vom Tresen, setzte sich einfach an irgendeinen Tisch und trank dann Wein mit den Reichen und Superreichen, ohne dass irgendjemand jemals auf die Idee gekommen wäre, er gehörte da irgendwie nicht hin.</p>

<p>Und das ist natürlich auch ein Rezept dem er in New York folgt: Sein Äußeres ist schon wichtig. Und sieht ja einem Anzug niemand an, dass er auf der öffentlichen Herrentoilette gewaschen wurde.</p>

<p>Lassen wir es uns doch mal kurz von ihm selbst erzählen:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Mark: “Like, I’m really in touch with the… Kinda the basics of life and uh… I mean but I also like the finer things. I mean, these shoes, I think they’re really beautiful and they look like money, but I got them for just under 200 bucks. But at least I give the impression like I’m doing okay, I’m well off and uh.. You know… I am doing okay, I’m physically fit and most of the time I’m happy, uh…&nbsp; (sighs)&nbsp; Most of the time.“</p>

<p>Das Absurde ist ja, wenn man sich diese Dokumentation ansieht; Mark hat ja durchaus Einkommen. Er fotografiert für ein Magazin als Staff Photographer auf Veranstaltungen wie der Fashion Week, er wird eingeladen zu allen möglichen sozialen Ereignissen, manchmal als Fotograf, manchmal als Teilnehmer, weil man ihn halt kennt, er fotografiert Models auf der Straße, er fotografiert für Stock Agencies, er selbst hat immer wieder Engagements als Schauspieler und modelt auch durchaus selber noch. Aber die 30000 $, die da im Jahr so grob für ihn zusammenkommen, reichen nun mal nicht, um sich in New York tatsächlich auch ein Dach überm Kopf zu gönnen und es ist anscheinend diese Karriere, die in da dann festhält.</p>

<p>Vermutlich hat er das Gefühl, er kann einfach nichts anderes oder er will einfach nichts anderes, er will einen Lebensstil pflegen können, der ihn in der Stadt bleiben lässt und er möchte fotografieren, schauspielern und modeln. Das ist irgendwie auch eine sehr, sehr amerikanische Idee, dieses pursue your dreams. Da kommt er dann später auch mal selber darauf.</p>

<p>Wenn er dann müde genug ist, vom Bilder editieren bei Starbucks, fotografieren auf der Straße oder bei den verschiedenen Terminen, die er einzuhalten hat, ja, dann versucht er, sich zu seinem Schlafplatz durchzuschlagen. Ein Freund gab ihm mal einen Wohnungsschlüssel, um, während er im Urlaub war, seine Wohnung zu benutzen und diesen Schlüssel hat er noch. Und diesen Schlüssel benutzt er nicht, um bei dem Freund in der Wohnung zu schlafen, sondern, in dem Mietshaus aufs Dach zu kommen. Dort hat er sich eine Ecke zurechtgelegt, in der er unter einer Plane Nacht für Nacht schläft.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Mark: “So I’m a little nervous right now because I’m about to enter my friend’s building.” (he quietly walks into the building. He waits for a little while and listens.) (whispers) “I don’t hear any footsteps so that’s good. So the thing is I have a key to this building because it’s my friend’s place and he gave me a key to use to get into his apartment when he’s away on long trips to… “ (he opens a door) “Here comes the money” (he walks faster and opens the door to the rooftop) “I hate when that happens, when I’m on the fourth floor and I hear someone leaving, then I have to run down all these steps and then I have to climb back up again.. “</p>

<p>Über sechs Jahre hat er da oben gelebt, bevor dieser Dokumentarfilm in die Kinos kam. Und dieses Leben, ich weiß gar nicht, ich würde ihn so viel fragen wollen.</p>

<p>Eine Frage, die ich ihm stellen wollen würde, ist, ob ihn Optimismus, also der unverbesserliche Glaube, dass es irgendwann mal funktionieren muss, bei diesem Leben gehalten hat, oder Verzweiflung. Also konnte er nicht anders oder hatte das Gefühl nicht anders zu können oder wollte er nicht anders. Ich meine im Film kommt er manchmal tatsächlich auch recht depressiv rüber, wobei da auch viel Zweckoptimismus mitschwingt.</p>

<p>Wir werden einfach auch von unserer Umgebung dahin gedrängt, selber Verantwortung für uns zu übernehmen. Wir sind die Schmiede unseres Glücks. Wenn alles super funktioniert, dann haben wir natürlich dafür gesorgt, dass es funktioniert. Wenn es schiefgeht, ja, dann haben wir es auch irgendwie selbst versaut. Folge deinen Träumen. Bleib einfach dran. Zusammen mit dieser unerschütterlichen Annahme, es muss immer alles irgendwie auch in Geld verwandelbar sein.</p>

<p>Ich bin ja leidenschaftlicher Podcaster und leidenschaftlicher Fotograf und bei beiden wurde ich immer wieder mal gefragt, ob ich damit nicht auch Geld verdiene oder wenn ich schon nicht Geld verdiene irgendwann mal Geld verdienen will. Nein will ich nicht, aber ich habe natürlich auch eine Luxussituation. Ich habe ein geregeltes Einkommen. Ich verdiene Geld. Ich kann es mir leisten, als Liebhaberei in Mikrofone zu sprechen und meine Kameras spazieren zu tragen.</p>

<p>Für Mark ist es sicherlich nicht so einfach. Da ist sein ehemaliges Hobby die vielleicht einzige Möglichkeit, hin und wieder mal ein bisschen Geld zu verdienen oder zu versuchen, seinen Traum wahr werden zu lassen.</p>

<p>Hier noch ein letztes Mal Mark im Originalton. Vielleicht eine der Stellen, die mir am stärksten in Erinnerung geblieben sind.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Mark: “You know, Joseph Campbell I’m a big fan of and he talks about [Unterständlich]<strong> </strong>and how to live your life better and his mantra for living well is ‘follow your bliss and when you do that, if you’re on the right path, unseen hands will open closed doors for you’. So, I follow my bliss, several, you know, professions and those unseen hands have yet to open the lucrative doors. And being a little cynical, I am, I kind of amended his phrase. ‘Follow your bliss but be prepared to live your nightmare’.”</p>

<p>Ja. Joseph Campbells Originalzitat war geringfügig anders. Ich glaube die Idee ist ähnlich, Joseph Campbell sagte nämlich &#8222;Wenn du auf den richtigen Weg bist, werden dir unsichtbare Hände zu Hilfe kommen”.</p>

<p>Und das ist natürlich 1A Survival Bias. Wir interessieren uns nicht für die Leute, die es nicht schaffen, wir konzentrieren uns auf die, die es schaffen. Und natürlich hat ein Joseph Campbell immer das Gefühl gehabt, auf dem richtigen Weg zu sein und für ihn haben sich durch unsichtbare Hilfe Türen geöffnet.</p>

<p>Und das bezieht sich auf alle Aspekte im Leben. Für jeden weltbekannten Musiker gibt es tausende und abertausende, die vielleicht sogar bessere Musiker wären aber nicht bekannt geworden sind, denen des Leben irgendwelche Steine in den Weg gelegt hat.</p>

<p>Dieser Spruch stimmt vielleicht einfach gar nicht. Vielleicht stimmt dieser Spruch nur für die, die es durch irgendwelche absurden Zufälle nach oben geschafft haben und dann in Rückschau das Gefühl haben, alles lief wie am Schnürchen.</p>

<p>Mark hat nicht sehr viel online über sich. Ich habe nach der Dokumentation mal geguckt, was ich noch alles finden kann, ich habe ein paar Interviews gefunden, die jetzt allerdings im jüngsten Fall schon mehr als drei Jahre alt sind, aber zumindest damals schien Mark von dem Dach runter zu sein. Der Film hat seiner Geschichte natürlich eine gewisse Aufmerksamkeit gegeben und ich glaube, dass das wahrscheinlich endlich auch mal eine dieser unsichtbaren Hände waren, die ihm geholfen haben.</p>

<p>Und mich lässt das ganze eben mit einer Frage zurück: sind solche Geschichten amerikanische Geschichten oder gibt es das bei uns vielleicht auch? Kann man eventuell auf der Straße Menschen begegnen, die ganz normal und vielleicht sogar fröhlich aussehen, deren Leben aber unter freiem Himmel stattfindet, weil sie sich kein Dach über dem Kopf leisten können? Und dann noch diese andere Frage: warum glauben wir eigentlich, es müsste alles immer irgendwie auch zu Geld machbar sein?</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Mon, 24 Aug 2020 08:57:39 GMT</pubDate>
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