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    <title>Fotomenschen - Gerda Taro</title>
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    <description>Posts tagged &#x27;Gerda Taro&#x27; on Fotomenschen.</description>
    <language>de-DE</language>
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            <title>Leicht angeschmolzene Negative</title>
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            <description>Robert Capa hieß eigentlich Endre Friedmann und als Gründungsmitglied von Magnum Photos und bedeutendsten Kriegsfotograf des letzten Jahrhunders hinterließ er tiefe Spuren im Medium.</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p><a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> hieß eigentlich Endre Friedmann und als Gründungsmitglied von Magnum Photos und bedeutendsten <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotograf</a> des letzten Jahrhunders hinterließ er tiefe Spuren im Medium. In dieser Folge geht es um sein Leben und darum warum die Geschichte seines berühmtesten Fotos so nicht gewesen sein kann.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Capa" target="_blank">Robert Capa</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gerda_Taro" target="_blank">Gerda Taro</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Neptune" target="_blank">D-Day</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/The_Magnificent_Eleven" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Magnificent Eleven</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210620190512/https://petapixel.com/2019/02/16/debunking-the-myths-of-robert-capa-on-d-day/" target="_blank">Debunking the Myths of Robert Capa on D-Day</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Soldat_James_Ryan" target="_blank">Der Soldat James Ryan</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" "/posts/die-kleine-blonde.html" target="_blank">Fotomenschen #7 &#8211; Dirk kleine Blonde</a> (Podcast)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://herstorypod.de/podcast/gerda-taro-die-erste-kriegsreporterin/" target="_blank">HerStory &#8211; Gerda Taro</a> (Podcast)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/kriegsfotograf-robert-capa-berlin-in-der-stunde-null-a-b086849b-3d5c-4c9d-bbb6-fd53be455736" target="_blank">Kriegsfotograf Robert Capa</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/last-man-to-die-raetsel-um-kriegsfotografie-von-robert-capa-a-951037.html" target="_blank">Das Rätsel des unbekannten Soldaten</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210603162820/http://100photos.time.com/photos/robert-capa-falling-soldier" target="_blank">The falling soldier</a> (Time &#8211; 100 Fotos)</li></ul>

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<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>Von Anfang an schicken mir meine Hörerinnen und Hörer für den Fotomenschenpodcast Themenvorschläge und manchmal sind das Vorschläge für berühmte <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen. Und ein Name kam da überdurchschnittlich oft.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>(<a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> wird von mindestens 5 verschiedenen Stimmen gesagt)</p>

<p>Ja, oder eigentlich Endre Friedmann. Und der ist eine schillernde Figur. Ein Mann, der unser Verständnis davon, was <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportagefotografie</a> und <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografie</a> sind, wie kaum ein anderer geprägt hat. Und warum das so ist und was auch vielleicht nicht ganz so ist, wie es immer erzählt wird, das will ich mir heute anschauen.</p>

<p>Wenige Fotografen sind so ikonisch wie <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a>. Und das hat natürlich eine ganze Reihe von Gründen. Ganz vorne ist da das Genre, das sich Robert gewählt hat. Er wurde bekannt für seine <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografie</a>. Das war längst nicht das einzige Genre, in dem Robert Capa unterwegs war, allerdings muss man zugeben: Für seine Reisereportagen oder die Fotostrecken über Kinder interessieren sich einfach wesentlich weniger Leute als für die berühmten Kriegsfotos aus dem Indochinakonflikt, dem Zweiten Weltkrieg oder dem Spanischen Bürgerkrieg.</p>

<p>Dann kommt noch der Look, den Robert Capas Bilder haben. Er ist nicht der einzige, der diesen Look prägt, aber er ist einer der ersten. Und der Look ist von Technik getrieben. Die kleinen Messsucherkameras von Leica, Contax und anderen haben gerade ihre Blütezeit. Messsucherkameras im Vergleich zu allem, was man vorher hatte, sind klein, kompakt und können schnell und einfach überall hin mitgenommen werden. Und dadurch wird die Fotografie viel weniger geplant. Fotografie passiert jetzt. Im Geschehen. Und anders als mit den Kloppern, die Kameras vorher waren, sind die jetzt in Mode kommenden, kleinen Messsucherkameras so unauffällig, dass die Fotografierten oft gar nicht bemerken, dass sie festgehalten wurden.</p>

<p>Das ganze fällt zusammen mit dem Aufkommen von immer schneller belichtbarem Film. Und der Blütezeit der Fotomagazine. Life, Time, wie sie alle heißen. Diese Magazine spielen eine Rolle, die später das Fernsehen haben wird. Sie sind das Fenster in die Welt für die Menschen. Und so geben Bildmagazine Unsummen aus, um die besten Fotostrecken, die besten Bildessays drucken zu können.</p>

<p>Dritter technischer Baustein sind die verwendeten Objektive. Kleine Kameras verlangen nach kleinen Objektiven. Und deswegen sind die Objektive an Messsucherkameras eher weitwinklig. Und wer weit weg vom Geschehen ist, macht dann weniger eindrucksvolle Bilder. Robert Capa kann man alles vorwerfen, aber nicht, dass er nicht nah genug herangegangen wäre. Es gibt ein berühmtes Zitat von ihm, ist das Foto nicht gut genug, warst du nicht nah genug dran.</p>

<p>Und seinen Bildern sieht man diese Philosophie an. Robert Capa trug seine Messsucherkameras in Kriegsgebiete und machte dann Fotos aus der Nähe, mitten in Kriegshandlungen. Das sind Aufnahmen, wie man sie zum Teil damals nie gesehen hatte. Bilder, die intensiv, emotional und dynamisch sind. Die uns aufrütteln. Bis heute. Diese Art der Fotografie ist zu der Zeit Robert Capas Mode und zieht sich quer durch alle Genres. So zieht ein Henri Cartier-Bresson durch Paris und hält mit ganz ähnlichen Methoden die Absurditäten des Alltags fest.</p>

<p>Und dann ist die Berühmtheit Robert Capas natürlich auch noch ein Ergebnis von hervorragender Vermarktung. Und die Vermarktung nahm Robert Capa selbst in die Hand. 1947 gründet er zusammen mit 6 anderen <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen die ikonische Pressebildargentur Magnum Photos und macht damit einige der talentiertesten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen der damaligen Zeit unabhängig von den großen Bildmagazinen. Besagter Henri Cartier-Bresson ist zum Beispiel eines der Gründungsmitglieder und Robert Capa wird später auch Director von Magnum Photos sein und damit alle Hebel in der Hand halten, um sein eigenes Image in der Öffentlichkeit auszugestalten. Ungewöhnlich mutig, außerhalb der Fotografie allerdings wenig diszipliniert, ein bisschen augenzwinkernd, gerne mal einen über den Durst trinkend, spontan draufgängerisch, also genau die Art Mann, die sich spontan und freiwillig zu Kriegseinsätzen meldet, um der Welt Fotos über diese Erfahrung zu schicken.</p>

<p>Über diesen Mythos ist der echte Robert Capa kaum noch wiederzuerkennen. Und das liegt unter anderem auch daran, dass praktisch alles Biografische, was über Robert Capa bekannt ist, aus seiner eigenen Feder oder von Mitgliedern der von seiner eigenen Familie gegründeten Stiftungen und Unternehmen stammt. Man muss also oft seine Bilder für sich sprechen lassen und das sind dann dynamische Aufnahmen mit großartigem Gespür für Komposition, einem Anspruch für Authentizität und dem Bedürfnis, Menschen darzustellen.</p>

<p>Robert Capa kommt als Endre Friedmann 1918 in Ungarn auf die Welt. Endre ist politisch sensibel und als Aktivist an politischen Protesten in Ungarn beteiligt und muss deswegen im Sommer 1931 das Land verlassen. In Berlin will er Journalismus studieren und bessert sich seine Finanzen bei der Bildagentur Dephot als Assistent auf. Dort lernt er das Handwerk, das er dann als er nochmal, diesmal vor dem Hitlerregime fliehen muss, in Paris zum Einsatz bringt, um sich dort seinen Lebensunterhalt zu verdienen.</p>

<p>Paris ist zu der Zeit ein Schmelztiegel der Intelligenzija. In Europa wird damals aus Sicht der Intellektuellen der Welt ein großer Kampf ausgetragen, Faschismus gegen Freiheit, und so kommen Aktivisten, Journalisten und Künstler von überall her nach Europa. In Paris kennt Endre dann Gerta Pohorylle kennen. Auch sie ist Flüchtling aus Deutschland und versucht, sich in Paris mit Schreibarbeiten und Vermittlungsarbeiten über Wasser zu halten. Die beiden haben einen überlappenden Freundeskreis und durch ihre Arbeit bei einer Bildagentur kann Gerta Endre helfen, Aufträge zu ergattern. Die beiden werden ein Paar und Endre bringt Gerta bei, zu fotografieren.</p>

<p>Die Pariser der 30er Jahre sind nicht gerade begeistert von so vielen Fremden in der Stadt und Gerta und Endre merken das an den Preisen, die sie erzielen können. Und so hat Gerta eine Idee. Sie schlägt vor, in Zukunft die Fotografie der beiden unter einem Künstlernamen zu vermarkten. Sie würde als Agentin des berühmten amerikanischen Fotografen Robert Capa auftreten. Und die beiden sind hochgradig erfolgreich.</p>

<p>Schon der Anfang Robert Capas Karriere ist also ein einziger Mythos. Eine große Geschichte mit einer großen, tragischen Liebe. In Folge 7 mit dem Titel &#8222;Die kleine Blonde&#8220; habe ich diese Geschichte schon mal etwas ausführlicher erzählt. Sie endet leider damit, dass Gerta bei den Kriegshandlungen, die sie dokumentiert, ums Leben kommt. Und wer weiß, welchen Weg Robert eingeschlagen hätte, wenn das nicht passiert wäre.</p>

<p>Aus dieser Zeit, dem Spanischen Bürgerkrieg, gibt es ein Foto, das heute in Rückschau eines der berühmtesten Bilder von Robert Capa ist. Der gefallene Soldat. Es zeigt angeblich einen Soldaten in dem Augenblick, in dem eine Kugel sein Herz trifft. Und schon um dieses Bild dreht sich eine Kontroverse. Es ist nicht klar, ob es überhaupt den Tod eines Soldaten zeigt, ob es nicht bei einer Übung statt in Kampfhandlung aufgenommen wurde und auch der Ort, an dem es angeblich gemacht wurde, wurde immer wieder mal infrage gestellt und obendrein gibt es auch noch Menschen, die Zweifel anmelden, ob dieses Bild nicht eigentlich von jemand anders als Robert gemacht wurde.</p>

<p>Für mich spielt das alles eigentlich gar keine Rolle. Denn die Tatsache bleibt, dass dieses Bild bis heute die Menschen beschäftigt, bis heute die Gemüter erhitzt. Und es einen Krieg vermenschlicht, der bis dahin sehr abstrakt und weit entfernt war.</p>

<p>Am Ende des spanischen Bürgerkriegs ist Robert Capa ein berühmter Kriegsfotograf. Aber Kriege ist nicht das einzige, das er fotografiert. Zwar zieht er erstmal vom spanischen Bürgerkrieg weiter nach China, wo die Japaner gerade damit beschäftigt sind, das Reich zu überfallen, aber er macht auch eine <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a> über Waisenkinder, eine andere über die Tour de France und eine Reihe von Fotoessays über die Arbeiterklasse in Belgien.</p>

<p>Inzwischen hat es ihn nach England verschlagen. Dort arbeitet er als Korrespondent für Life Magazine und für diverse andere große Publikationen. Und da ist er auch, als die Alliierten endgültig in den Zweiten Weltkrieg eintreten. D-Day. Die berühmte Landung an der Normandie. Life Magazine schickt den damals berühmtesten Kriegsfotografen seiner Zeit los, Robert Capa. Vielleicht hat er sich auch freiwillig gemeldet. Sicher ist: Wer da die ersten Fotos liefern kann, hat es geschafft. Der Strand, an dem die Truppen landen würden, trug den Codenamen &#8222;Omaha Beach&#8220; und die Deutschen erwarteten diesen Angriff. Sie hatten den gesamten Küstenabschnitt befestigt. Überall waren Bunker, im Wasser waren riesige Stahlungetüme, um zu verhindern, dass man direkt anlanden konnte, das ganze Ding war eine Todesfalle.</p>

<p>Robert Capa hatte mindestens zwei, wahrscheinlich sogar mehr Kameras dabei. Er landete mit den Truppen an. In einem der ganz regulären Truppentransporter. Und für die Geschehnisse, die ich jetzt gleich kurz beschreiben werde, gibt es im Wesentlichen zwei Quellen: Nämlich einmal Robert Capa selbst, der 1947 eine kurze Biografie namens &#8222;Slightly out of focus&#8220; herausgibt und da drin eben genau diesen Tag beschreibt und John Morris, der als Bildeditor bei Life an diesem Tag dafür zuständig ist, die Bilder von Robert Capa entgegenzunehmen, zu entwickeln und von London in die USA zu schicken, damit sie in der nächsten Ausgabe von Life Magazine zusammen mit einer <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a> erscheinen können.</p>

<p>Es ist der 6. Juni 1944. Das Wetter ist nicht ideal, sagen wir mal so. Es herrscht hoher Seegang und macht die Anlandung der Truppen zusätzlich schwer. Wer den Film &#8222;Der Soldat James Ryan&#8220; gesehen hat und dort die Einstiegsszene, der kann sich wahrscheinlich ganz gut vorstellen, wie das gewesen sein muss. Die alliierten Truppen dringen so weit sie können an den Strandabschnitt vor, während im Hinterland ein Luftangriff für Verwirrung sorgen soll. Je nachdem, an welchem Strandabschnitt man da in dieser ersten Welle landet, hat man mit viel oder mit sehr viel Gegenfeuer zu kämpfen. Und die ersten Soldaten, die es nach vorne schaffen, haben einen Auftrag, nämlich die Stahlbarrieren wegzusprengen, die da im Weg liegen.</p>

<p>Robert Capa ist bei dieser allerersten Welle mit dabei. Kurz, bevor sich das Tor zum Strand öffnet, befreit er seine Contax 2 Kameras von ihrem Wasserschutz und fängt an, Fotos zu machen. Das Tor öffnet sich und er fotografiert darauf los. Ein hinter ihm stehender Soldat vermutet in ihm einen Kameraden mit plötzlicher Panikattacke und stößt ihn beherzt ins Wasser. Robert Capa schafft aber, seine Kamera über Wasser zu halten und ans Ufer zu kommen, wobei er immer wieder fotografiert. Zusammen mit einigen anderen nimmt er Deckung. Er knipst von beiden Kameras beide Filme voll. Als er seine Kamera nachladen will, zittern seine Hände so stark, dass er dazu nicht in der Lage ist und er macht sich auf den Weg zu dem Schiff, das ihn wieder zurückbringen soll.</p>

<p>90 Minuten wird er an dem Strand verbracht haben und auf dem Weg zurück entstehen Aufnahmen von Sanitätern, die verwundete Soldaten versorgen.</p>

<p>Wieder in London müssen die Fotos so schnell wie möglich ins Büro von Life Magazine kommen. Capa schickt 4 Rollen Film los an das Büro von Life in London. Der Bildeditor John Morris kaut sich schon die Nägel nach diesen Bildern ab. Die Welt wartet auf die Reportage mit den Fotos von der Landung in der Normandie. Und die Zeit drängte, denn die Bilder konnten nicht in London bleiben, sondern mussten noch in die USA verschickt werden. Der Kurier braucht so ein bisschen und so wird es 6 Uhr abends, bevor die Filme im Labor ankommen.</p>

<p>John Morris macht Druck. Er muss die Bilder ja auch noch sehen und auswählen, er möchte Kontaktabzuge haben, das Labor soll sich beeilen. Er selbst erzählt das so:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;So I told the dark room to rush, rush development so can have contacts for editing.&#8220;</p>

<p>Er hat Stress gemacht. Schnell solls gehen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;A few minutes later, an almost hysterical young lad named Dennis Banks came rushing into my office, saying: &#8218;John, the films are ruined!'&#8220;</p>

<p>Wenige Minuten später stürmt ein praktisch hysterischer Laborassistent namens Dennis Banks in John Morris Büro und schreit: &#8222;Die Filme sind ruiniert! Sie sind ruiniert!&#8220;</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;I said, &#8218;what do you mean&#8216;, he said, you were in such a hurry that I put them in the locker to dry, which was normal, but closed the doors and there was too much heat and the emultion ran&#8220;</p>

<p>Die Filme wären zum Trocknen in ein Trockengerät gepackt worden, sagt er, und er hatte die Tür geschlossen, versehentlich, und die Hitze war zu hoch eingestellt und daraufhin sind die Filme geschmolzen. Morris stürmt los. Die vielleicht wichtigsten Fotos seiner Karriere ruiniert? Er findet noch eine Rolle mit verwertbaren Fotos. 11 Bilder sind da drauf. Und diese Bilder sind dann die Bilder, die Life Magazine dann später drucken wird. Bilder, die wegen der Hitze etwas verwaschen und körniger aussehen und deswegen, da ist sich irgendwie jeder einig, auch dynamischer wirken.</p>

<p>Es sei ja ein Zettel mit dabei gewesen mit ein paar Notizen für die Aufnahmen und die sind dann die Grundlage für das Life Magazine, entsprechende Bildunterschriften zu drucken. Da ist ein Bild, in dem sich Soldaten vor feindlichem Feuer hinter den Stahlbarrikaden verbarrikadieren. Oder ein anderes Bild, in dem man einen Soldaten ans Ufer schwimmen sieht. Alle sind sich einig, dass Robert Capa unglaublichen Mut bewiesen hat, indem er vor diesen Soldaten geschwommen ist, um dieses Bild zu machen und schnell ist auch der Soldat identifiziert, der da drauf angeblich zu sehen ist.</p>

<p>Und ist das nicht eine großartige Geschichte? Das ist ziemlich genau die Geschichte, wie ich sie bisher immer wieder gehört und gelesen habe. Ich habe mir hier mal den Spaß gegönnt, loszuziehen und alle Bücher zusammenzutragen, in denen Fotos von der Normandie zusammen mit dieser Geschichte abgedruckt sind. Und ich habe inzwischen 6 Versionen von dieser Geschichte hier in meiner kleinen Minibibliothek gefunden. Plus die Variante von Robert Capa selbst in &#8222;Slightly out of Focus&#8220;, die ich als Hörbuch habe und die Interviews von John Morris. Hammer. Nur sehr wahrscheinlich so nicht ganz richtig.</p>

<p>Über 70 Jahre lang wird diese Geschichte so erzählt. Und nie ist jemandem etwas sehr offensichtliches aufgefallen: Wie viel Hitze eigentlich notwendig ist, um Filme zu schmelzen. Aber bevor wir dazu kommen; fangen wir doch mal ganz von vorne an. Wie viele Ungereimtheiten tauchen in dieser Geschichte auf, wenn man sie sich genau anschaut?</p>

<p>Der Fotograf, Autor und Journalist A. D. Coleman hat sich vorgenommen, diesen Mythos mal auf Herz und Nieren zu prüfen und hat darüber eine ganze Reihe an Artikeln geschrieben. Es fängt damit an, dass er die Beobachtung aufstellt, dass diese Geschichte ausschließlich von Leuten erzählt wird, die keine Dunkelkammererfahrung haben. Es stellen sich nämlich ein paar Fragen. Das geht schon damit los, dass John Morris behauptet, dass die gesamte Entwicklung- und Trockenaktion wenige Minuten gedauert hätte. Es geht aber dann mit dem angeblichen Unfall gleich weiter. Da sei es ja so gewesen, dass diese Trockenkammer aus Versehen geschlossen worden sei und dann zu heiß wurde, da tauchen mehrere Fragen auf:</p>

<p>Frage Nummer eins: Ja, solche Kammern sind eigentlich immer geschlossen, weil Filme, die feucht sind, Staub anziehen. Und genau das gilt es zu verhindern. Und dann ist es auch so, dass diese Kammern jetzt nicht gerade astronomisch heiß werden, denn es geht ja nur darum, Feuchtigkeit zu trocknen. Da ist keine Herdplatte darin. Ich habe hier übrigens obendrein noch ein kleines Experiment gemacht und Kodakfilm auch eine glühende Herdplatte gelegt und ich kann sagen: Die angeblich so behandelten Filme, die ja dann gar kein Bild mehr gezeigt haben sollen, na ja, das kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Weil Film schmilzt zwar und verzieht sich auch, aber ich konnte hier auf meinen Negativen nach wie vor Bilder sehen. Und zwar ordentlich. Gut, in den 40er Jahren waren die Filme vielleicht anfälliger, was weiß denn ich, aber ich glaube auch, dass meine Ceranherdplatte etwas heißer ist als das Heizelement, das üblicherweise zum Trocknen von feuchtem Film verwendet wird. Also wie heiß soll das denn bitte da drin gewesen sein, dass in wenigen Minuten 4 Rollen Film ruiniert sind?</p>

<p>An anderer Stelle wird dann auch gesagt, dass die Emulsion sich zusammengezogen hätte und deswegen sieht man an den Negativen, dass die Stanzungen mit in den belichteten Teil hereinragen. Das wäre so ein Beweis für die Hitze, die da gewirkt hat. Stimmt auch nicht. Kontakts 2 Kameras waren dafür bekannt, dass die ausgeleuchtete Kammer etwas in den Rand hineinragte, das heißt, Fotos, die mit diesen Kameras gemacht wurden, sahen eigentlich immer so aus.</p>

<p>Von da ausgehend stellte sich Coleman die Frage, was eigentlich noch seltsam an dieser Geschichte sein könnte. Und da tauchen auch mehrere Dinge auf. Die erste Frage, die einem in den Sinn kommt, ist: Warum genau wurden die Filme eigentlich per Kurier verschickt? Wenn Robert Capa doch nach London zurückkehrte, warum hat er diese Filme nicht selbst zum Entwickeln gebracht? Und wie kann es eigentlich sein, dass es Filme von vor der Landung und nach der Landung gibt, die völlig unproblematisch entwickelt worden waren? Nur die Rollen von der Landung selbst sollen ein Problem gehabt haben?</p>

<p>Und mit diesen Fragen im Kopf hat sich dann Coleman mit den Fotos näher auseinandergesetzt und versucht, den Ort zu identifizieren, an dem Robert Capa an Land gegangen ist. Seiner eigenen Schilderungen nach ist er praktisch mitten im Kampfgeschehen angelandet, gleich um 6:30. Und das kann nach Coleman eigentlich nicht sein. Es gibt mindestens ein Bild, auf dem kann man anhand sichtbarer Erkennungsmarken identifizieren, wer auf dem Foto abgebildet ist. Und die Soldaten, die dort abgebildet sind, sind weder um 6:30 angelandet, noch war es der hart umkämpfte Strandabschnitt, den Robert Capa angeblich besucht haben will. Stattdessen war es ein eher ruhiger Abschnitt. Also, ruhiger, nicht unbedingt ungefährlich, aber doch nicht so hart umkämpft wie die anderen Bereiche. Und die Leute, die angeblich laut Life Magazine Bildunterschrift hinter einem Stahlgerüst in Deckung gehen, sind auch keine Soldaten, die dort in Deckung gehen, sondern Soldaten mit dem Auftrag, diese Stahlgerüste wegzusprengen, das heißt, die sind da absichtlich und bringen Sprengladungen an. Damit ist natürlich auch der einzelne Soldat, den Robert Capa in dem berühmtesten dieser 11 Fotos aufgenommen hat und von dem man glaubte, zu wissen, wer es ist, jemand ganz anderes gewesen.</p>

<p>Fassen wir also zusammen: Es sieht so aus, als wäre Robert Capa später als angegeben und an einer anderen Stelle als behauptet zur action an Omaha Beach zugestoßen. Da war die erste Welle schon vorbei. Da waren die größten Kampfhandlungen wahrscheinlich schon erledigt. Und obendrein war es ein Stück vom Strand, an dem weniger Gegenfeuer zu erwarten war. Den Dunkelkammerunfall hat es womöglich so nie gegeben.</p>

<p>Stellt sich nur die Frage, warum John Morris das denn behauptet, da hilft es, zu wissen, dass John Morris selber eigentlich keine Ahnung hat, was so ein Fotolabor alles macht. Also entweder ist irgendein Unfall passiert und er gibt es falsch wieder, oder womöglich hat Robert Capa nie 4 Rollen Film produziert, sondern einfach nur 10 Mal abgedrückt und danach in Panik das Schiff zurückgenommen und deswegen hat John Morris einen Mythos erfunden. Vielleicht war es auch ganz anders. Die Unternehmen aber, die an dem Mythos, dem Ruhm und natürlich auch dem finanziellen Wert des Mythos Robert Capa arbeite, also Magnum Photos oder auch das international Center of Photography oder die Capa Stiftung, die haben alle kein Interesse daran, dabei zu helfen, diese Fragen abschließend aufzuklären. Denn dieser Mythos wird jedes Mal, wenn D-Day in ein rundes Jubiläum geht, aufs neue wieder und wieder erzählt.</p>

<p>Und diese Bilder sind eindrücklich. Und ähnlich wie vorhin bei dem Bild des gefallenen spanischen Soldaten denke ich mir auch hier: Es ist eigentlich egal. Klar, mit journalistischer oder dokumentarischer Ethik hat diese Anekdote wahrscheinlich nicht viel zu tun. Aber die Wahrheit ist: Diese Soldaten, die in diesen Aufnahmen gezeigt werden, haben ihr Leben an Omaha Beach riskiert. Capa hat sein Leben dort riskiert, auch wenn er es vielleicht nicht ganz so sehr riskiert hat, wie der Mythos uns glauben machen will.</p>

<p>Die Bilder sind eindrücklich, auch heute noch. Sie sind übrigens auch unscharf. Nehmt das, ihr Schärfefanatiker da draußen! Und ob die Unschärfe nun, wie er selbst in seiner Biografie schreibt, durch seine zitternden Hände zustande gekommen ist oder durch einen Laborunfall, ist doch eigentlich auch völlig egal.</p>

<p>Was bleibt, ist allerdings trotzdem die Feststellung: An Robert Capa ist praktisch nichts echt. Der Name ist erfunden, der Spanische Soldat kommt mit einer Menge Fragezeichen daher, die D-Day Fotos sind anders entstanden, als uns erzählt wird und für mich werfen sich damit Fragen auf, wie wer war Robert Capa eigentlich wirklich und wie oft schauen wir uns Bilder an, von denen wir glauben, zu wissen, was sie zeigen, die mit der Wirklichkeit nicht ganz so viel zu tun haben, oder anders formuliert: Was schauen wir uns beim Blick auf die Fotos vom D-Day an? Unsere eigenen Überzeugungen, Robert Capas Bildgestaltung oder ein Abbild der Wirklichkeit?</p>

<p>Robert Capas Werk ist sehr real. Es sind großartige Aufnahmen aus den verschiedensten Kontexten und er ist für mich ein gutes Beispiel, wie Fotografinnen und Fotografen manchmal auf ein oder zwei Dinge reduziert werden.</p>

<p>Nach dem Krieg wird Robert Capa amerikanischer Staatsbürger. 1947 kommen seine Kriegsmemoiren &#8222;Slightly out of focus&#8220;, eine Anspielung auf die zitternden Hände, die seiner Aussage nach für die Unschärfe in den D-Day Fotos verantwortlich war, auf den Markt und wird ein Bestseller. Er gründet Magnum Photos und lässt es erstmal etwas ruhiger angehen. Reisebücher, Sozialreportagen und dazwischen immer wieder wichtige Fotoessays. Er besucht Israel, wo er die dortige Unabhängigkeitsbewegung und dann die Flüchtlingsströme dokumentiert.</p>

<p>Er ist in Japan, um dort eine Reportage über Kinder zu machen, als ihm von Life Magazine ein Auftrag angetragen wird: Er soll einspringen. Ein Fotograf war ausgefallen, der in Indochina den dort herrschenden Krieg dokumentieren sollte und Capa wurde gefragt, ob er nicht dafür verfügbar wäre. Es ist sein letztes Assignment. Bei dem Versuch, eine Gruppe Soldaten beim Vormarsch zu fotografieren, tritt er auf eine Landmine.</p>

<p>Das war nun also meine Folge zu den D-Day Fotos von Robert Capa. Und in vielerlei Hinsicht ist diese Episode eine Art Fortsetzung von Folge 7, &#8222;Die kleine Blonde&#8220;, in der ich die Geschichte von <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a> erzählt habe, ohne die uns der Name Robert Capa nie untergekommen wäre. Der Mann ist ein Mythos und die Figur, die wir mit Robert Capa verbinden, existiert so nicht. Und die Geschichten, die an seinen Bildern hängen, zum Teil auch nicht.&nbsp;</p>

<p>Was bleibt, ist ein Bildstil, den Robert Capa geprägt hat. Eine Branche, die er nicht zuletzt durch die Gründung von Magnum Photos uneinholbar verändert hat. Politische Bewegungen, die er zum Teil mit seinen fantastischen Fotografien ausgelöst hat. Und ein Talent für Fotos, die uns bis heute berühren können. &#8222;Ist es nicht gut genug, bist du nicht nah genug dran&#8220;. Das ist das berühmte Zitat von ihm. An ihn selbst kommt man allerdings nur sehr sehr schwer.&nbsp;</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sat, 17 Apr 2021 13:45:42 GMT</pubDate>
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            <title>HerStory - Frauen und Fotografie</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/herstory-frauen-und-fotografie.html</link>
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            <description>In dieser Sonderfolge habe ich Jasmin vom Podcast HerStory zu Gast.</description>
            <content:encoded><![CDATA[

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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>In dieser Sonderfolge habe ich Jasmin vom Podcast <a rel="noreferrer noopener" href="https://herstorypod.de/" target="_blank">HerStory</a> zu Gast. Wir unterhalten uns über großartige Frauen in der Geschichte der Fotografie, machen uns Gedanken darüber ob sich deren Wirken in Phasen einteilen lässt und spüren der Frage nach ob Frauen anders fotografieren als Männer.</p>

<p>Erwähnte <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a>:</p>

<ul><li><a "/posts/der-welt-zum-geschenk.html">Anna Atkins</a> (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Atkins" target="_blank">Wikipedia</a>|Bilder)</li><li>Julia Margaret Cameron (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Julia_Margaret_Cameron" target="_blank">Wikipedia</a>|<a rel="noreferrer noopener" href="https://dimbola.co.uk/" target="_blank">Web</a>|Bilder)</li><li>Bertha Wehnert-Beckmann (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bertha_Wehnert-Beckmann" target="_blank">Wikipedia</a>)</li><li>Letizia Battaglia (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Letizia_Battaglia" target="_blank">Wikipedia</a>|<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/mafia-fotografin-letizia-battaglia-wenn-ich-meine-bilder-sehe-wird-mir-uebel-1463716.html" target="_blank">Web</a>|Bilder)</li><li>Anna Moneymaker (<a rel="noreferrer noopener" href="http://www.annamoneymaker.com/" target="_blank">Web</a>|Bilder)</li><li><a "/posts/die-kleine-blonde.html">Gerda Taro</a> (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gerda_Taro" target="_blank">Wikipedia</a>|<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.icp.org/browse/archive/constituents/gerda-taro?all/all/all/all/0" target="_blank">Web</a>|<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.icp.org/browse/archive/collections/gerda-taro-september-26-2007-january-6-2008" target="_blank">Bilder</a>)</li><li><a "/posts/die-beste-fotografin-der-welt.html">Margaret Bourke-White</a> (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Margaret_Bourke-White" target="_blank">Wikipedia</a>|<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/margaret-bourke-white-in-berlin-in-schwindelnder-hoehe-vor-grausigem-abgrund-12034877.html" target="_blank">Web</a>)</li><li>Anita Augspurg (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Anita_Augspurg" target="_blank">Wikipedia</a>|<a rel="noreferrer noopener" href="https://frauenmediaturm.de/historische-frauenbewegung/anita-augspurg-1857-1943/" target="_blank">Web</a>)</li><li>Dorothea Lange (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dorothea_Lange" target="_blank">Wikipedia</a>|<a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210608152448/http://100photos.time.com/photos/dorothea-lange-migrant-mother" target="_blank">Migrant Mother</a>)</li></ul>

<p>Buchempfehlung (kein Affiliate-Link): </p>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/3791383531" target="_blank" rel="noopener">Meisterinnen des Lichts: Große Fotografinnen aus zwei Jahrhunderten</a></p>

<p>Mehr starke Frauengeschichten? <a rel="noreferrer noopener" href="https://herstorypod.de/" target="_blank">Auf zum HerStory Podcast</a>! Außerdem kann man Jasmin auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://norden.social/@herstorypod" target="_blank">Mastodon</a>, Twitter, <a rel="noreferrer noopener" href="https://jasminloerchner.de/" target="_blank">ihrem Blog</a> und Instagram finden. </p>

<figure><a href="https://herstorypod.de/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/b3dd396a-23f6-4282-b5f1-dfb1766fd6b7-1024x1024.jpg" alt="Ein Marmorbüste steht neben dunklen Bücherregalen voller alter Bücher, über denen der Titel „HISTORY HER STORY“ in roter Schrift platziert ist." /></a></figure>

<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>[Intro] Willkommen beim Fotomenschen Podcast! Du hörst die Stimme von Dirk Primbs und normalerweise würde ich an dieser Stelle die Geschichte, die nach dem Jingle folgt, kurz anteasern. Heute ist es aber anders, denn das hier ist eine Sonderfolge, eine Folge, in der der Bogen etwas weiter größer sein wird. Und vor allem eine Folge, in der ich nicht alleine vor dem Mikro sitzen werde.</p>

<p>Ich freue mich riesig über die Gesprächspartnerin, die ich heute hier am Mikro begrüßen darf. Ich bin ja wie gesagt nicht alleine in dieser Folge, sondern ich habe mir Verstärkung geholt. Ich wollte nämlich schon etwas länger mal über die Rolle von Frauen in der Fotografie sprechen. Und mit wem kann man sich da besser drüber austauschen als mit einer Podcasterin, deren Podcast sich mit den Geschichten von beeindruckenden Frauen auseinandersetzt.</p>

<p>Wer diesem Podcast und vielleicht auch den dazugehörigen Social Media Kanälen schon ein bisschen folgt, wird sich es denken können; die Rede ist natürlich vom HerStory Pod, und ich freue mich eben ganz besonders, die Stimme und Macherin dieses Podcasts hier zu begrüßen. Magst du uns vielleicht selber noch ein bisschen Kontext geben?</p>

<p>[Jasmin] Ich bin Jasmin, ich bin Journalistin, hauptberuflich, und beschäftige mich da eigentlich mit Wirtschaft, Politik und auch vielen Geschichtsthemen und habe eben Geschichte schon immer so als ein Steckenpferd gehabt und habe daraus eben dann letztes Jahr die endgültige Entscheidung getroffen, nachdem ich schon länger darauf herumgedacht hatte, fiel dann endlich mal der Hammer, dass ich gesagt hab, so, jetzt mache ich damit auch mal etwas in der Freizeit und daraus ist dann HerStory entstanden, weil sich da eben meine Geschichtsliebe sehr überschnitten hat mit einem Thema, das mir wirklich immer häufiger begegnet, eben, wie sichtbar sind Frauen, nicht nur heute, sondern wirklich auch in der Geschichte und ja, die Rolle, die Frauen heute in der Gesellschaft haben und die Sichtbarkeit, die sie bekommen oder nicht bekommen, glaube ich, hängt auch viel damit zusammen, wie das historisch schon gelaufen ist und deswegen schaue ich da eben auf Frauen in der Geschichte und springe da nach Möglichkeit quer durch die Zeiten und quer durch die Kontinente und ja, knöpfe mir jede alle zwei Wochen eine neue Frau vor, die ich dann vorstelle.</p>

<p>[Dirk] Genau, und das hat auch uns beide so ein bisschen zusammengebracht, weil HerStory ist natürlich ein, ich würde jetzt mal sagen, verwandtes Format, weil es da eben auch um die Geschichten von Menschen geht und, wie ich von dir ja weiß, immer wieder auch mal gerne um die Geschichten von <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a>, denn die sind in diesem gesamten Bild, spielen die eine besondere Rolle, weil ich irgendwann den Eindruck hatte, Männer werden überbetont in der Geschichte der Fotografie, also es ist sehr, sehr einfach, sehr viele männliche Geschichten zu finden und es ist nicht der Mangel an <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> oder Fotopionierinnen, sondern es ist eher eine Darstellungsfrage, so kam es mir vor und so kamen wir dann zusammen.</p>

<p>[Jasmin] Und ich glaube, weshalb du bei mir mit dem Podcast auch so, mit Fotomenschen auch so ins Schwarze getroffen hast, war, dass ich ja auch eine langjährige Liebe zur analogen Fotografie schon pflege und eben auch selbst immer wieder mal die Kamera in die Hand nehme. Als ich dann irgendwann Fotomenschen entdeckt habe, dachte ich so, ach, schön, weil ich nämlich auch, ich habe null Interesse daran, dass mir jemand die neuste Sony erklärt, das brauche ich nicht, weil ich mit digitaler Fotografie, mich damit wirklich auch wahnsinnig wenig beschäftige, muss ich sagen, ich finde, die analoge Technik, die hat für mich viel mehr Reiz, das ist immer eine Diskussion für sich alleine und die Geschichten dahinter, die finde ich unheimlich spannend. Also auch die männlichen Geschichten, ich blende die da nicht aus und ich finde, du hast da eben, du hast da nicht nur so eine Herangehensweise, dass du sagst, ich guck mir jetzt nur Fotografinnen und Fotografen an, sondern du guckst ja auch hinter die Geschichte von bestimmten Fotos und Formaten als solchen und da findest du immer einen schönen neuen Blick auf das Thema und deswegen, ja, so bin ich dann hängengeblieben bei deinem Podcast und dann hast du ja auch schon mal über <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a> gesprochen, die ich ja vor kurzem auch als Episode hatte, und da haben wir uns beide, glaube ich, gleichzeitig einen Keks gefreut, dass wir eine Fotografin da so somatisieren konnten. Genau.</p>

<p>[Dirk] Ja, das, also ich, weil du es gerade auch so schön erwähnt hast, ganz am Anfang wurden mir regelmäßig berühmte Fotografinnen und Fotografen vorgeschlagen, als Themen, und ich versuche immer, so ein bisschen wählerisch zu sein, welche Leute ich reinnehme, weil, nur weil jemand Fotograf war und vielleicht damit erfolgreich war, ist die Person noch nicht wirklich interessant. Ich brauche zwei Sachen: Einmal muss die Person natürlich interessant sein in dem Kontext der Fotografie aber gleichzeitig müssen diese Geschichten auch in irgendeiner Form für mich findbar und verwertbar sein, da muss ich sagen, da sind natürlich so Figuren wie <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a> atemberaubend. Also ich weiß noch, als ich die entdeckt habe und deren Leben versucht habe, zu erfassen, war ich bis ins Mark beeindruckt, was für eine Person ich da gefunden habe, eine Anfang 20-jährige, die wirklich bis heute Nachwirkungen hat, ohne, dass man ihren Namen so richtig kennt. Das war der 2. Aspekt, der mich dabei so überrascht hat, dass zwar irgendwie von 5 Fotografen, die mir vorgeschlagen werden, ist einer immer <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a>, warum auch immer scheint der einen Namen wie Donnerheil zu haben, und alleine dann festzustellen; ohne <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a> kein <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> und im Grunde fand ich ihre Geschichte fast noch interessanter, hätte die nicht so abrupt geendet, wäre die wahrscheinlich auch noch facettenreicher geworden. Und das ist das Thema, wegen dem wir uns auch zusammengefunden haben, ich habe das Gefühl, die Geschichten von Frauen in dem Medium fühlen sich ein bisschen anders an, als das, was mir über Männer aufgedrängt wird und da dachte ich halt, hast du vielleicht einen Expertenblick drauf.</p>

<p>[Jasmin] Na ja, ich bringe vielleicht ein bisschen mehr geschichtlichen Blick auf verschiedene Epochen, sodass man bestimmte Sachen vielleicht ein bisschen einordnen kann oder denen noch ein bisschen Kontext geben kann und wir haben ja neulich dazu schonmal, bevor wir auf Aufnahme gedrückt haben, haben wir ja mal ganz kurz geschnackt und sind bei dem Thema ja an so einer Art, ich will es nicht Kategorisierung nennen, vielleicht so Gruppierungen kamen uns irgendwie in den Sinn, wie man die Frauen so ein bisschen zusammenfassen kann, also das fand ich eigentlich ganz schlau, diese Idee kam damals von dir und vielleicht kannst du mal kurz sagen, was so dein Ausgangsgedanke war, wie du die gruppiert hast.</p>

<p>[Dirk] Ich habe versucht, eine Beobachtung in eine Art Struktur zu fassen, und zwar die, dass am Anfang der Fotografie scheinen mir sehr viele sehr privilegierte Menschen mit einem ausgeprägten Technikfimmel zu stehen. Also gerne auch mal Adelige, Menschen, die Freizeitreichtum haben, also die Möglichkeit, sich auszuleben und nicht davor zurückschrecken, ja dann doch ein sehr technisches Verfahren am Anfang nutzbar zu machen. Und bei dem Blick in die Bücher, die ich so habe und die Geschichten, die ich so habe, fiel mir auf, dass die Männer wie die Frauen da sehr ähnlich herangehen, also es sind eigentlich oft sehr wissenschaftlich ausgebildete Frauen, auch Frauen, die, würde ich sagen, für das klassische weibliche Rollenmodell, dass man im Kopf hat, manchmal, überraschen, also ich habe hier zum Beispiel ein Buch von einer Countess aus Irland, die ihrem Mann dabei geholfen hat, das größte Teleskop Irlands zu bauen und unter anderem die Schweißarbeiten übernommen hat und dann in ihrer Freizeit auch noch fotografiert hat. Und das ist halt so eine Rolle, in der diese Frauen waren, die überrascht, aber die erstmal dadurch auffällig ist, dass sie chronisch unterreportet wird, das heißt, ich habe eine Menge Ehepaare gehabt, wo beide fotografiert haben, aber nur der Mann irgendwie in den Geschichten auftauchte und in den Berichten auftauchte und deswegen habe ich so vorgeschlagen, die erste Phase, die Pionierphase dieser Zeit, da sind sehr viele technisch etablierte Frauen und deren Beschäftigung mit der Fotografie wird eigentlich gar nicht groß bewertet, sie wird nur nicht berichtet, also das findet einfach irgendwie statt und findet aber keinen Niederschlag in den verschiedenen Werken, die ich gefunden habe. Das geht so weit, dass manche Fotografien auch falsch zugeschrieben werden. Das war so der erste große Block.</p>

<p>Und dann fällt mir so auf, so rund um die Jahrhundertwende, also vom 19. ins 20. Jahrhundert passieren 2 Sachen, das eine; die Fotografie wird so eine Alltagsbeschäftigung für viele, also es ist die Zeit der <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie, die im Prinzip Werbung damit macht, dass es so einfach ist, dass jeder fotografieren kann, und damit fangen die Leute an, in ihrer Freizeit zu fotografieren und die Brownie wird zum Beispiel auch gezielt an Frauen vermarktet. Da kommt so ein Frauenbild mit, dass technische Sachen nichts für Frauen sind, &#8222;you press the button, we do the rest&#8220; war der Slogan der Brownie und das war so eine Freizeitbeschäftigung für Frauen wie Fahrrad fahren, also sowas, was nicht, ich mache jetzt auch hier keinen Witz, sondern Fahrrad fahren galt als so eine liederliche Freizeitbeschäftigung, wenn man so gar nichts anderes zu tun hat, und Fotografieren war so in einer Reihe damit, dass man gesagt hat, da kann man doch wenigstens die Kinder noch irgendwie fotografieren und Hobby braucht ja jede, und in der Zeit tauchen Frauengestalten in der Fotografie auf, wo ich den Eindruck habe, die lehnen sich gegen die Gesellschaft auf und nehmen sich, was ihr recht ist.</p>

<p>Die moderne Frau darf natürlich auch geschäftlich aktiv sein, aber immer dann, wenn die Frauen das dann gemacht haben, haben die in entsetzte Männergesichter geguckt und die Fotografinnen, die mir dann begegnen, sind eben Frauen wie <a "/posts/die-beste-fotografin-der-welt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="14" title="Die beste Fotografin der Welt">Margaret Bourke-White</a> zum Beispiel oder, ja, auch Gerda Taro fällt in dieses Feld, die dann manchmal auch gleich ins Extrem gehen, Kriegsreporterinnen sind oder Reportagereporterin, <a "/posts/die-beste-fotografin-der-welt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="14" title="Die beste Fotografin der Welt">Margaret Bourke-White</a>, die die einzige Fotografin on Staff im Fortune Magazine und Life Magazine war, die zum Teil bewundert wurden, dafür, dass sie etwas gemacht haben, in Anführungsstrichen, die &#8222;normale Frau&#8220; macht sowas ja nicht und das ist so eine Zeit, die scheint so eine Weile lang anzuhalten, also es gibt mehrere Jahrzehnte, wo Fotografinnen gleichzeitig ein politisches Statement damit machen, dass sie professionelle Fotografinnen sind, so wirkte das zumindest auf mich.</p>

<p>Und das fasert dann jetzt dann zum Ende des 20. Jahrhunderts in eine dritte Phase aus, wo die mehr oder weniger in demselben Umfeld unterwegs sind, also ich habe jetzt letztens zum Beispiel Statistiken gesehen; eigentlich gibt es genauso viele Fotografinnen wie Fotografen, aber es gibt halt dann ganze Branchen, in denen anscheinend Frauen unterrepräsentiert sind. Aber sie sind auf Augenhöhe, also es würde niemand mehr auf die Idee kommen, zu hinterfragen, warum eine Frau als <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografin</a> unterwegs ist, oder dass eine Frau Wildlife fotografieren kann und deswegen scheint es mir so zu sein, dass die Fotografinnen, die mir jetzt begegnen, sind dann mehr an dem Medium selbst interessiert. Also es ist weniger das politische Statement im Vordergrund, sondern mehr das, was sie damit machen, wie sie sich ausdrücken.</p>

<p>Ja, und das waren so die drei großen Bögen, die wir diskutiert haben. Jetzt die Frage: Wie sehr hast du das wiedergefunden, als du dich auf die Folge so ein bisschen mit vorbereitet hast?</p>

<p>[Jasmin] Also ich glaube, gerade bei so den ersten beiden Gruppen würde ich schon d&#8217;accord gehen, bei denen, je länger ich auf der dritten Gruppe herumgedacht habe, also, wir haben auch ursprünglich, als wir das erste Mal gesprochen haben, habe ich mir so ein paar Keywords aufgeschrieben und die erste Gruppe war so ein bisschen so die Early Adopters, also sozusagen die Pioniere, die dann wirklich mit dieser Technik die Pionierarbeit leisten, als zweite Gruppe hatte ich dann die Unabhängigen, die in die Emanzipation gehen und wie du sagst, das politische Statement und die dritte, da habe ich mir als Keyword aufgeschrieben, ich weiß gar nicht mehr warum; Künstlerinnen, also weil sie eben mit dem Medium experimentieren, sich künstlerischer damit ausdrücken und das dritte Medium finde ich, je länger man, oder die dritte Gruppe, je länger ich auf der herumdenke, umso mehr zerfasert die für mich so ein bisschen, weil eben zum Beispiel sowas wie wie kriegt man Kriegsfotografinnen in die Gruppe von, also dann kann man es nicht mehr Künstlerin nennen, dann muss man wirklich sagen, da trifft es wahrscheinlich besser, was du gesagt hast, das sind die Frauen, die das Medium, die versuchen, zu zeigen, was man mit diesem Medium alles machen kann und damit kann ich eben sowohl in der [?] sitzen und Wildlifefotografie machen als auch in Kosovo die Konflikte und die kriegerischen Auseinandersetzungen fotografieren.</p>

<p>Diese frühen Frauen, die sich mit der Technik auseinandersetzen und die oft im Gespann eines Ehepaars da, die auch aktive Rollen übernehmen, das hängt halt glaube ich auch ganz viel damit zusammen, wie natürlich das gesellschaftliche Rollenbild in dieser Zeit ist. Also die Frau ist dem Mann in der Ehe untergeordnet in so ziemlich allen Gesellschaften, gerade im europäischen Rahmen, in dieser Zeit, das ist ja auch eine Zeit, in der Frauen nicht mal das Wahlrecht haben, solche Geschichten, insofern glaube ich ist es schon im damaligen Rahmen so, dass man die Frau aus dieser Betrachtung ganz oft in so eine Assistentinnenrolle drängt. Was da aber auch mit reinspielt, wenn du sagst: &#8222;privilegiert&#8220;, ich glaube, da hängt natürlich auch mit zusammen, dass die Technik an sich ja damals auch nicht so einfach zum einen zu bekommen ist und zum anderen zum handlen, also die ganz frühen Fotografieverfahren, da sprechen wir ja noch von Nassplattenverfahren und solchen Geschichten, die sind irgendwie klobig und da brauchst du Chemie und da brauchst du eben auch eine gewisse, ich sage mal, eine gewisse chemische Grundbildung, um diese Platten überhaupt vorzubereiten und dann entwickeln zu können, sprich, ich sage mal eine einfache Bauersfrau hätte dann natürlich zum einen nicht die Grundbildung für, sozusagen, zum anderen die Materialien nicht und zum Dritten die Zeit auch gar nicht, also eine Frau, die damit beschäftigt ist, einfach ein ganz normales Leben zu führen, ihre Kinder zu erziehen, es sind ja damals auch noch alles noch wesentlich größere Familien als die heute oft ein-Kind-Familie, die haben ja noch ganz, ganz andere Sorgen, sozusagen, als überhaupt genügend Freizeit zu haben, sich so einer Beschäftigung anzunehmen und insofern glaube ich, dass eben, dass wir deshalb auf diese Frauen stoßen, die, ja, in ihren Häusern oder Appartements eigene Dunkelkammern sogar haben können und eben wirklich das in so einem, wie du schon sagst, &#8222;privilegierten Rahmen&#8220; zu betreiben, wobei ich da auch &#8222;privilegiert&#8220; ausdrücklich nicht als Abwertung verstehen würde, sondern das sind einfach die Frauen, die in der Zeit die Möglichkeit haben, sich mit diesem Medium auseinanderzusetzen. Und da entstehen auch schon wirklich ganz spannende Sachen, also da ist ja zum einen die, die kennst du ja glaube ich auch, die <a "/tags/anna-atkins.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="3" title="Anna Atkins">Anna Atkins</a>, die ja wirklich mit der Fotografie jetzt nicht, die sagt nicht, ich setze jetzt hier meinen Mann, mein Kind, wen auch immer vor die Kamera, sondern die nutzt das Verfahren, um damit ein botanisches Buch zu produzieren und das sind ganz, ganz faszinierende Aufnahmen, die die da macht und dann gibt es aber auch schon relativ früh diese Frauen, zum Beispiel die Julia Margaret Cameron, die ja diese sehr inszenierten Bilder macht und, also die inszeniert Frauen und die hat auch manchmal so kleinere Gruppenbilder wie Mann mit Kind oder Mann, Frau, Kind, die in sehr romantischen Posen inszeniert werden, die zeigt auch häufig Kinder in so Engelsposen, so richtig mit Engelsflügelchen und solchen Geschichten, also die nimmt zum einen dieses Medium, ich müsste jetzt mal, ich weiß gar nicht, ob du das aus dem Kopf weißt, ob das auch noch Nassplattenfotografie ist?</p>

<p>[Dirk] Ja, ja. Gerade Julia Margaret Cameron wurde am Anfang auch belächelt, weil die speziell am Anfang auch die Technik so lala im Griff hatte, die war ja schon deutlich über 40, als sie von einer ihrer Töchter ihre erste Kamera geschenkt bekommt und sich da Hals über Kopf hereingestürzt hat und gerade so am Anfang war das technisch auch alles nicht so einwandfrei, auch mal gerne daraufgekleckst und so, aber trotz allem ein recht aufwändiges Verfahren und mit privilegiert meinte ich übrigens etwas, das gilt auch für die Pioniere in der Männerwelt der damaligen Zeit, also mal ganz generell kann man 2 Sachen beobachten; die ersten Fotografinnen und Fotografen sind in aller Regel hochgebildet und haben die Zeit und das Geld, sich damit zu beschäftigen, das heißt, das sind entweder Menschen aus einem wissenschaftlichen Umfeld oder Familien aus einem adeligen Umfeld, die überhaupt auch nur den Luxus haben, sich fotografisch betätigen zu können, und deswegen wahrscheinlich auch oft diese Ehepaarsituation, also der eine bringt das nach Hause, die andere nimmt es auf, manchmal ist es auch so, dass die Männer aufgehört haben und die Frauen dann weitergemacht haben, auch das sieht man hin und wieder, aber mit Privileg meinte ich tatsächlich auch einfach die Freiheit zu haben und die Ausbildung zu haben, auch das ist ja damals nicht selbstverständlich, wie du sagst, so als Bäuerin hast du wahrscheinlich keine mathematische Grundausbildung gehabt, wie es jetzt, oder wissenschaftliche Grundausbildung, wie es eine</p>

<p><a "/tags/anna-atkins.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="3" title="Anna Atkins">Anna Atkins</a> von sich behaupten konnte, die Korrespondenz mit jemandem wie John Herschel geführt hat, der einer der Geistesgrößen der damaligen Zeit überhaupt war, das ist ein sehr enger Kreis von Menschen gewesen am Anfang, die kannten sich auch, zwei Drittel von denen kannten sich alle untereinander, also es ist gerade so am Anfang hast du das Gefühl, es ist so eine Gruppe, aus der das alles entsteht.</p>

<p>[Jasmin] So eine Clique, ja?</p>

<p>[Dirk] Ja genau.</p>

<p>[Jasmin] Ja, und ich glaube im Übrigen, das kann man ja auch übertragen auf beinahe jedes Feld, wo es eine technologische Neuerung gibt, dass nur ein Teil der Gesellschaft in der Lage ist, sich damit auseinanderzusetzen, weil sie zum einen die Mittel und zum anderen die Zeit dafür haben und es sind eben oft die, die den akademischen Hintergrund haben oder eben den adeligen Hintergrund, der ihnen die entsprechenden Freiheiten verschafft. Genau. Und da hast du völlig recht, das trifft natürlich auf die Männer genauso zu, insofern da, zumindest was das den wirtschaftlichen Hintergrund, sage ich mal, anbelangt und den gesellschaftlichen Hintergrund, da sind die eigentlich sehr gleich in dieser Gruppe und wen ich aber unbedingt noch erwähnen wollte, weil da hatte ich gestern so einen Moment, da wollte ich wieder, als ich gestern nochmal vorbereitet habe, das war wieder einer meiner Momente, wo ich am liebsten auf die Tischplatte gehauen hätte und gesagt hätte: &#8222;Warum kenne ich die nicht&#8220;, jetzt bin ich gespannt, ob du von ihr schonmal gehört hast, Bertha Wehnert-Beckmann, sagt dir die was?</p>

<p>[Dirk] Ne. Erzähl mehr.</p>

<p>[Jasmin] Das ist die erste Berufsfotografin Deutschlands, und da denke ich mir wieder: &#8222;Warum kennen wir die eigentlich nicht?&#8220;, also die hat halt ein eigenes Fotolabor eröffnet, die hat ursprünglich auch mit ihrem Mann, meine ich, gearbeitet, und sie haben <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> betrieben und 1845 haben die ihr Fotoatelier in Leipzig eröffnet. Der Mann ist dann relativ kurz danach verstorben und sie ist dann in die USA gegangen, hat sich dort noch so ein Stück weit weitergebildet und war da eben auch tätig und hat da so Leute wie Millard Fillmore vor die Linse bekommen, also US-Präsident, hat aber auch so die Promis der Zeit vor dem Objektiv gehabt, zum Beispiel die damals sehr berühmte Opernsängerin Jenny Lind, die hat ihr wohl auch Modell gesessen und dann kam sie aus den USA wieder nach Leipzig zurück und hat dort eben dann alleine ihr Atelier wiedereröffnet und geführt und das war dann das erfolgreichste Atelier, eigentlich, in Leipzig, also das war da die erste Adresse, wenn man Fotos braucht, dann ging man zu Bertha Wehnert-Beckmann, und da denke ich mir auch so, warum kennen wir die heute nicht? Also, wir haben die im eigenen Land, das ist hier also eine Pionierin und wenn da hörende aus Leipzig zuhören und am Ende sagen, ja Moment, wir haben doch hier den Bertha Wehnert-Beckmann-Platz oder sonstige Bereiche, zumindest in Leipzig, in denen an sie erinnert wird, dann würde ich mich da sehr darüber freuen, aber insgesamt finde ich so im gesamtdeutschen Rahmen und auch im fotografischen Rahmen, ich beschäftige mich jetzt nicht erst seit gestern mit Fotografie und trotzdem ist sie mir gestern dann erst untergekommen und das finde ich überraschend. Das ist aber auch ein Mal mehr&#8230; Ich finde es auf der einen Seite überraschend, dass ich sie erst jetzt finde, anderseits überrascht es mich gar nicht. Muss ich aus sagen, also weil es eben oft so ist, wie du eingangs gesagt hast: Die Frauen werden einfach nicht reportraitiert. Also die werden dann mehr oder minder… Also inwiefern das absichtlich passiert, dieses Vergessen, das ist auch so eine Frage, auf der man rumdenken müsste, weil ich habe ja gesagt, durch diese Zeit werden Frauen durch eine bestimmte Linse betrachtet, in einem bestimmten Rollenbild, was damals einfach nicht hinterfragt wird, und deswegen ist es wesentlich leichter, diese Frauen dann zu vergessen. Einfach, weil es auch damals schon den Zeitgenossen nicht auffällt: Ja Moment, eigentlich, die Frau ist doch als eigenständige Künstlerin, als eigenständige Fotografin irgendwie auch erwähnenswert, das ist nicht nur die Frau, die dem hier irgendwie die Chemie gereicht hat, sondern die hat da auch eigene Leistung vollbracht.</p>

<p>Und ja, die zweite Gruppe, die finde ich auch total spannend, also die Frauen, die sich dann diese Profession wählen, um sich damit zu emanzipieren, und da gibt es einfach auch ein sehr schönes, deutsches Beispiel, das ist die Frauenrechtlerin Anita Augspurg, die damals in München mit ihrer damaligen Lebensgefährtin Sophia Goudstikker ein Atelier führte und das ist damals das Atelier in München, das Atelier Elvira und da entstehen im Prinzip alle wichtigen Fotos der Frauenbewegung. Also das an und für sich sagt schon ganz, ganz viel darüber aus, wo die Fotografie in dieser Zeit steht. Und 1887 ist das, als sie dieses Atelier haben und die Sophia Goudstikker, die ist mit dem, was sie tut ebenso gut, dass sie Hoffotografin in Bayern wird, also das ist eben hier nicht mal nur so eine Frau, der man eben die <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie gibt und sagt, ja hier, musst nur noch ein Knöpfchen drücken und dann musst du dir keine Gedanken machen, sondern die weiß ganz genau, wie es läuft, ich finde, so eine Marketingstrategie, ich habe im Hauptberuf gerade eine Story gemacht, darüber, wie Frauen von Unternehmen betrachtet werden und wie Unternehmen für Frauen Marketing machen, und sowas, wo man dann irgendwie sagt, du musst nur noch auf ein Knöpfchen drücken, dich um nichts anderes mehr kümmern, weil verstehst du eh nicht, da sitze ich ja gleich auf der Palme, also…</p>

<p>[Dirk] Ich meine, das ist ja vor allen Dingen auch wirklich, also, was mir halt auch so aufgefallen ist, gerade in dieser Periode, die Frauenfiguren, die ich da gefunden habe, die fotografisch tätig sind, sind auch überwiegend dann bis ins Mark beeindruckend. Also, ich finde es sehr entlarvend, dass es dann auch wirklich die Geschichten, die man findet, immer solche Frauen sind. Nehmen wir mal, vorhin, <a "/posts/die-beste-fotografin-der-welt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="14" title="Die beste Fotografin der Welt">Margaret Bourke-White</a>, von der ich es hatte, die hat ihren Zugang zur Fotografie gefunden, indem sie angefangen hat, Industriebauten zu fotografieren, die ist in Stahlwerke gegangen und hat da fotografiert, in einer Zeit, in der die Kameratechnik das eigentlich nicht hergegeben hat, und dann hat sie angefangen, Phosphorraketen da drin zu zünden, damit sie das Licht hinbekommt, sie ist mit ihrem Equipment in dem Stahlwerk herumgeklettert, zu einer Zeit, als das Gerücht herumging, Frauen werden Ohnmächtig, wenn sie so großer Hitze ausgesetzt werden, ist die da mit ihrem doch sehr technischen Material unterwegs gewesen und hat Fotos geschaffen, die ihr danach alle Türen geöffnet haben. Also, eine <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie hat die wahrscheinlich noch nicht mal in die Hand genommen, die hat einen technischen Sachverstand an den Tag gelegt, der damals auf der Höhe der Zeit war. Und dasselbe gilt für viele von diesen Frauen und das, bei mir, als ich mich dann irgendwann damit beschäftigt habe, kam dann irgendwann die Frage auf: Haben wir nur noch die Frauen durch diesen Filter, durch diesen Wahrnehmungsfilter gelassen, die dann so oben auf dem Olymp waren, dass das praktisch nicht mehr ignorierbar war, was sie da abgeliefert haben, das war so die eine Frage, und die zweite Frage: Gab es vielleicht in der Masse an Fotografen und Fotografinnen einfach auch immer noch dasselbe Spektrum, aber in Rückschau, weil diese ganzen geschichtlichen Berichte, die entstehen ja in Rückschau und werden ja von anderen geschrieben als den Zeitgenossen, also einer Margaret Cameron der war wahrscheinlich egal, ob man ihr jetzt ihren Werken, ach ne, der war es ja gerade nicht egal, die wollte Fotografie als Kunst etablieren, aber sagen wir mal, eine <a "/tags/anna-atkins.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="3" title="Anna Atkins">Anna Atkins</a> war es egal, ob die Leute später mal sagen: Das war die Frau, die das erste Fotobuch gemacht hat, aber diesen Frauen war es wahrscheinlich nicht egal. Die haben versucht, sozusagen für diese Sichtbarkeit sich nach vorne zu kämpfen und in Rückschau frage ich mich, ob es diese Phasen überhaupt wirklich auch gab oder ob das Phasen sind, die dadurch entstehen, dass die Gesellschaft sich in ihrem Blick auf die Akteure verändert hat und dann immer andere Sachen festgehalten haben.</p>

<p>[Jasmin] Ja, ich glaube, ein Stück weit hast du da schon recht, weil das natürlich auch eine Frage ist, die man mit Blick auf Geschichte und Geschichtsschreibung generell stellen kann, also für jeden Akteur, nicht nur für Fotografinnen und Fotografen, sondern wirklich für jede und jeden, wie sich der Blick auf Ereignisse und Personen im Laufe der Zeit verändert, wann immer wir als Gesellschaft einen Wandel durchmachen und für neue Dinge sensibilisiert werden, gehen wir zurück und gucken uns Ereignisse und Personen der Vergangenheit an und gucken; gibt es da eigentlich eine ganz neue Dimension, die wir bisher noch nicht wahrgenommen haben, und dann wird Geschichte auch, im Idealfall wird Geschichte vollständiger wahrgenommen, im schlechtesten Fall wird sie ein Stück weit umgeschrieben, weil man anfängt, umzudeuten. Also ich glaube, ich würde mir da jetzt nicht anmaßen, da ein Urteil fällen zu wollen, ob wir bestimmte Fotografinnen und Fotografen vielleicht anders sehen sollten, anders sehen müssten, ich würde aber sagen, dass die Gefahr besteht, dass wir eben durch bestimmte Linsen gucken, durch bestimmte Brillen gucken und nach bestimmten Dingen suchen und dann Figuren so ein bisschen überfrachten, im schlimmsten Fall. Weil ich glaube schon, dass du recht hast: So eine Anna Atkins, die war von der Technik begeistert und die wollte mit dieser Technik etwas machen, was ihr persönlich wichtig war, die hat sich damit aber nicht zur Pionierin für alle Frauen erklärt. Das war dann in dieser 2. Gruppe in den Frauen dann so ein bisschen anders, also Anita Augspurg und Sophia Goudstikker, Anita Augspurg hat am Ende auch über diesen Beruf als Fotografin quasi ein Handbuch geschrieben und die Idee dahinter war, Frauen zu zeigen, Frauen waren ja damals wirklich eigentlich nur auf den Lehrerinnenberuf beschränkt, das war so die einzige Profession, die ihnen offenstand, in der sie wirklich Geld verdienen konnten, und abgesehen davon war es mit Emanzipation halt noch ziemlich Essig. Und die Anita Augspurg hat dann dieses Handbuch geschrieben, hat den Beruf auch nicht beschönt, also so, wie sie die Fotografie beschreibt, mit den Chemikalien und so weiter, was man da noch so, eben so &#8222;auf sich nehmen muss&#8220;, in Anführungsstrichen, sie beschönigt das nicht, das klingt jetzt auch nicht unbedingt immer so einladend, diesen Beruf jetzt zu ergreifen, aber sie sagt trotzdem: Das hier ist ein Feld, in dem ihr, seht her, wir haben es geschafft, ihr könnt das auch und das ist zumindest ein neues Feld, ein weiteres Feld, das ihr euch erschließen könnt, damit ihr eben nicht immer nur die Lehrerin sein müsst, und da schwingt dann auch schon die Idee mit, oft war es ja so, die Frauen haben erst so ein Lehrerinnenberuf ergriffen und wenn sie dann geheiratet haben, dann war Schluss mit Berufstätigkeit, dann fiel man wieder in dieses Hausfrauen- und Muttermuster zurück, oder in dieses Muster wurden sie zurückgedrängt und ja, Anita Augspurg, die hat ja, die hat sich in sowas halt nie hereindrängen lassen und hat ihr Leben sowieso, also die hat ja Frauen geliebt, die hat ihr Leben auf allen Ebenen anders gelebt, als das die Gesellschaft es damals von ihr erwartet hat, und ist damit für uns heute und für die Frauenbewegungen eine der wichtigsten Figuren geworden und hat da wahnsinnig viel Pionierarbeit geleistet. Also bei ihr, glaube ich, die kann man mit Blick darauf vielleicht gar nicht überfrachten oder im Gegenteil, man muss ihr da wirklich wahnsinnig viel Respekt zollen und auch Sophia Goudstikker, und ja, also ich glaube, so bei der einen oder anderen Frau ist die Frage, gilt für Männer da auch genauso, ist die Frage aber durchaus berechtigt: Fangen wir da vielleicht wirklich an, das so ein bisschen durch eine, in Anführungsstrichen, &#8222;Rosa Brille&#8220; zu sehen, weil wir bestimmte Dinge sehen wollen, suchen wir nach bestimmten Dingen, die uns in unserer heutigen Überzeugung bestätigen und dann legen wir einen Fokus darauf und übersehen vielleicht andere Dinge und nimmt man dadurch das Werk einer Fotografin nicht vollständig wahr, tut man ihr damit vielleicht Unrecht.</p>

<p>[Dirk] Mir fiel das zum Beispiel bei Gerda Taro auch auf: Es gibt unglaublich viele verschiedene Lesarten, wie man das denn jetzt nun beurteilt. Also, ich habe jetzt zum Beispiel das Narrativ gehört, Gerda Taro wäre eigentlich mindestens so gut wie <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a>, wenn nicht besser gewesen, Robert Capa wäre praktisch auf der Ebene eines mittel talentierten Landstreichers gewesen, wenn sie ihn nicht neu erfunden hätte und ihm mal gesagt hätte, er solle sich mal die Haare kämmen und ansonsten hat dann Robert Capa ihr Werk einfach in seinem aufgehen lassen und da wird es jetzt mal lange notwendig, dass man mal Gerda die Bühne gibt, die sie verdient hat. Das Gegenmodell ist: Zu der Zeit war das normal, dass man, wenn man als Team unterwegs war unter Umständen alles in einen Pool geworfen hat und der, der die besten Preise aufrufen konnte, dessen Name wurde dann da herangehängt und das war zu der Zeit unter Umständen dann halt einer der Männer und Robert Capa war der coolstklingende Name. Da wird so das kollaborative Element herausgenommen. Es wird so getan, als wenn Gerda Taro gar keine Wahl gehabt hätte. Ich hatte dann auch immer das Gefühl, man hat in dieser Erzählung mehr darüber erfahren, was die Leute, die diese Erzählungen vorangetrieben haben eigentlich dachten als darüber, was sie wirklich war, weil wenn ich mir so angucke, welche Geschichten ich so gefunden habe, ist die von Gerda Taro ja fast noch die respektvollste, weil es ja immerhin ein Center of Photography gibt, in der die Nachfahren von Robert Capa versuchen, ihr immer noch einen Namen zu geben, wo es Leute gibt, die werden dafür bezahlt, die Bilder von Gerda Taro zu identifizieren und separat auszustellen, da gab es andere Beispiele, wo das längst nicht so lief. Und ich habe immer das Gefühl, es kommt immer darauf an, welches Etikett die Leute heranhängen wollen, wie die Geschichte erzählt wird.</p>

<p>[Jasmin] Da würde ich dir recht geben und da finde ich auch, dass Gerda Taro dann ein sehr gutes Beispiel ist, weil, da hast du vollkommen recht, es ist da sehr leicht, da in so eine Art Übersprungshandlung zu fallen, also, wenn man eben heute behauptet, dass Robert Capa einfach ihre Bilder als seine Bilder ausgegeben hat, dann ist das schlichtweg falsch. Also es gab damals eine Abmachung zwischen den beiden und, wie du schon sagtest, Capa hat sein Profil zeitlich relativ kurz irgendwie ein, eineinhalb Jahre vor Taros Bekanntheit angefangen, aufzubauen und ja, sie hat ihm dabei geholfen, seine Bilder zu verkaufen, hat ihm da dann ein paar Tipps gegeben, aber man könnte jetzt nicht behaupten, es würde Robert Capa heute nicht geben (oder es hätte ihn nie gegeben), wäre Gerda Taro nicht dagewesen. Das würde ich nicht behaupten, weil die Bildsprache, die hat er ja alleine entwickelt, also klar, er hat sich mit Gerda Taro ausgetauscht, später, als die sich dann kannten, aber hat schon fotografiert, er war ja schon vorher in Berlin, bevor er nach Paris kam und Gerda Taro auch getroffen hat, er war auch schon ein Weilchen in der Fotografie unterwegs und hat diese Bildsprache in Frankreich mitentwickelt, kurz bevor die dann eben nach Spanien gegangen sind, um da den Spanischen Bürgerkrieg zu dokumentieren und da tut man dann ihm auch wieder ein bisschen Unrecht, wenn man dann sagt, ja ne, also Gerda, ohne die starke Frau dahinter, hätte er es ja nie geschafft, also das finde ich halt mittlerweile auch nicht mehr das richtige Framing, dann zu sagen, hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau, ne, erstens steht die nicht dahinter, sondern wenn dann steht die daneben und zweitens ist es halt nicht immer so einfach. Und in diesem Fall war es halt auch so, das sagen eben auch Zeitgenossen, dass die, die hatten eben eine Partnerschaft, nicht nur romantisch, sondern im Business haben die sich wirklich als Partner verstanden und weil eben Capa damals eben schon den Namen hatte und da irgendwie 150 Fr schon pro Bild irgendwie aufrufen konnte, was wesentlich mehr war, als die Konkurrenz und Gerda Taro zu diesem Zeitpunkt noch keine Aufnahme veröffentlicht hatte, haben die gesagt, wir verkaufen das unter dem Namen, für den wir mehr Geld bekommen, ist ja logisch, weil die mussten sich ihr Equipment und so weiter finanzieren, also du hast da völlig recht, es gibt auch manchmal einen Blick darauf, wie Leute etwas dann umdeuten wollen, weil man dann so eine Art Übersprungshandlung hat, weil man dann denkt, ach Mensch, die Frau ist irgendwie so lange ignoriert worden, dann müssen wir sie jetzt mit allen Mitteln nach vorne holen, und damit tut man aber Gerda Taro dann auch wieder Unrecht, also da blendet man auch wieder Teile ihres Selbstverständnisses aus, ihrer Persönlichkeit und auch ihrer Partnerschaft und ihrer Beziehung mit Capa. Das passiert aber, glaube ich, immer wieder und das ist relativ leicht, da hereinzufallen, weil man, ich glaube, wenn man so eine Frau entdeckt, dann ist man auch schnell so fasziniert und so begeistert, dass man denkt, Mensch, ich muss jetzt der ganzen Welt von der Frau erzählen und dann besteht immer die Versuchung, dass man vielleicht das eine oder andere erstmal ausblendet oder erstmal übergeht und eben versucht, das so ein bisschen in so ein Narrativ zu drängen. Und das ist eine Versuchung, der man immer widerstehen muss, finde ich, was aber nicht immer leicht ist, also es ist ein Balanceakt, definitiv.</p>

<p>[Dirk] Was mir da auch aufgefallen ist, es ist rund um die Zeit, in der Gerda Taro oder auch Margaret Bourke-White oder so unterwegs sind, ist es leichter, hochpolitische Frauen zu finden, die fotografieren. Also es gibt da eine ganze Reihe von Frauen, mir fällt da noch Tina Modotti ein, zum Beispiel, die zum Teil auch einen aktiven revolutionären Background haben. Also, die sozusagen Profirevolutionärinnen sind, die nicht nur jetzt versuchen, der Frauenbewegung zu dienen, sondern die sich auch im Kontext der gesellschaftlichen Umwälzungen der damaligen Zeit verstehen, und die die Fotografie wählen, weil die Fotografie ein, ich glaube, wir können uns davon heute gar keine Vorstellung mehr machen, wir haben die Fotografie so allgegenwärtig, dass wir sie ein Stück weit schon entmachtet haben, aber zu der damaligen Zeit war das richtige Foto immer noch ein unglaublich mächtiges Werkzeug, um deiner Sache Aufmerksamkeit zu verschaffen. Das war ja auch mit ein Antrieb, warum Gerda Taro fotografiert hat, aber eben nicht nur. Also, es gab eine ganze Reihe von Fotografinnen, die ich gefunden habe, die ganz eindeutig die Fotografie gewählt haben, weil es eine der mächtigsten Ausdrucksformen war, die sie finden konnten, und, weil man, vielleicht kommen wir da ja auch noch darauf, das ist so einen Verdacht, der da aufkommt, weil man Fotos zunächst mal auch nicht unbedingt sofort ansieht, wer sie gemacht hat und vielleicht dann eben auch neutraler darauf blickt, als wenn man zunächst mal mit der schaffenden Person ein Urteil verbindet, das war so ein Verdacht, der sich dann bei mir irgendwann einstellte, dass ich mir gedacht habe, wenn so ein Bild in einem Magazin abgedruckt wird, Bildmagazine waren ja zu der Zeit noch ein Riesen Verbreitungskanal, dann war es sekundär, ob das eine Fotografin oder ein Mann war, es ging erstmal um das Bild und das Bild hatte unter Umständen eine unglaubliche, gewaltige Wirkung und ja, also mir schien das so eine Hochzeit zu sein, gerade so die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts scheint so eine Menge von diesen Fotografinnen hervorgebracht zu haben.</p>

<p>[Jasmin] Ja. Ich glaube, da ist etwas dran, weil, was du gerade ansprichst, das ist natürlich ein Unterschied, also nicht jede Frau will zum Beispiel in einem schreibenden Beruf gehen und will dann einen Kommentar schreiben oder ein Meinungsstück oder einen Essay, in dem sie zu bestimmten Dingen aufruft, sage ich mal, ob das jetzt für bestimmte Rechte protestieren, für bestimmte Frauenrechte protestieren, oder sich gegen den <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> aussprechen ist. Und da ist natürlich ein Foto, also gerade, wenn es um sowas wie <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> geht, ein Medium, das sofort auf dem Punkt ist, sofort in your face, wenn du das Magazin aufschlägst und du siehst eben das Foto von einer flüchtenden Mutter, wo sich ein Kind an den Rockzipfel klammert, oder von Bombenopfern, die in den Trümmern liegen, das ist so viel schneller und hat eine so starke Wirkung, da musst du nicht 50 Worte schreiben oder 5 Zeilen, um eine Szene zu beschreiben, sondern jeder hat sie direkt vor Augen. Du hast dann eben nicht den Namen einer Frau über einem Meinungsstück stehen, in dem sie sagt, Krieg ist scheiße, sondern du hast ein Foto, das du als allererstes siehst, das diese Meinung, diese Aussage sofort transportiert. Und den Fotocredit, heutzutage liest den schon kaum noch jemand, glaube ich, und wie viele den damals wahrgenommen haben, ist eben auch die Frage. Und das kann für die eine oder andere Frau auch, kann ich mir vorstellen, einer der Gründe gewesen sein, warum sie sich in diesem Medium so wohlgefühlt haben, weil man da eben wirklich seine Meinung mir bestimmter Bildsprache, mit bestimmten Motiven ausdrücken konnte, eine Message ausdrücken konnte, unabhängig davon, ob man jetzt Frau oder Mann ist. Und ich finde das einen sehr interessanten Gedanken, ob Frauen das damals aktiv so für sich gewählt haben, wie bewusst ihnen das war, oder ob das so eine Art side effect war. Das verbindet sich jetzt wieder schön mit der Frage, auf der wir gerade herumgedacht haben: Gucken wir durch die Brille heute und sagen ah ja, die haben sich da ein Medium gewählt, weil sie damit eben so schön unabhängig sein konnten und ganz andere Nachrichten oder ihre Stimme ganz anders hörbar, oder in dem Fall, sichtbar machen konnten, oder ging es denen damals wirklich einfach nur darum, zu sagen, ich will hier Zeugin sein, bei Gerda Taro, glaube ich, war das eigentlich eher ihre Motivation, sie wollte Zeugin sein, sie wollte, dass diese Fotos jah ausdrücken, was in diesem Kampf gegen den Faschismus aus dem Spiel steht, ich glaube aber nicht, dass es für sie eine Rolle gespielt hat, ich bin jetzt hier eine Frau, von der dieses Foto dann veröffentlicht wird.</p>

<p>[Dirk] Wir reden ja jetzt im Moment auch praktisch per Definition von Frauen, die Karrierefotografinnen waren, in irgendeiner Form, also Journalistinnen oder Modefotografie oder künstlerische Fotografie auf einem sehr professionellen Level betrieben haben. Wenn wir jetzt mal kurz zu der Zeit der Brownie zurückgehen, die ja an Frauen vermarktet wurde, angenommen, die waren erfolgreich damit, dass sie die Kodak Brownie in die Hände von überwiegend Frauen gegeben haben, weil was es ja definitiv in der Zeit gab, war ein explosionsartiger Anstieg der Privatfotografie, also wir hatten gerade so den Rollfilm entwickelt, es gab soetwas wie die Brownie, plötzlich konnte man sozusagen beim Geburtstag des kleinen Zwuckels nebenher fotografieren und das hat die Bildsprache radikal verändert. Kurz danach kommen dann Reportagekameras wie die Leica, die so etwas wie Kriegsfotografie auch noch einmal auf den Kopf gestellt haben, und wenn ich jetzt mal kurz die Annahme treffe, dass der Einfluss, über den wir die Bildsprache entwickelt haben, die wir heute kennen, also diese Alltagsfotografie; Schnappschüsse, Familienfotos, die ja auch wie so eine Pendelbewegung ja auch mit der journalistischen Fotografie Hand in Hand gehen, also der eine Stil informiert über den anderen Stil, also man versucht, im Privatleben so Fotos zu machen, die so aussehen, als könnte man sie in einem Magazin drucken und die Magazine versuchen, so Fotos zu machen, dass der Normalsterbliche die Bildsprache versteht, wenn ich also kurz mal die Annahme treffe, die Brownie wäre unglaublich erfolgreich, was sie ja war, und zwar auch darin, dass es hauptsächlich Frauen waren, die damit fotografiert haben, könnte man natürlich sagen, es gibt so diesen unsichtbaren Einfluss, dass die ganze Bildsprache, die dann damals entstand, dann dominiert wurde von Frauen, die Fotos gemacht haben aber damit kein Geld verdienen wollten, sich damit nie einen Namen damit gemacht haben, aber diesen kollektiven Bildschatz nach vorne getragen haben, den wir eigentlich alle mit uns herumtragen, also wir können ja nicht unbeeinflusst ein Foto angucken, also wenn du durch deinen Instagram Feed das allererste Mal auf Instagram stoßen würdest und da hereinschauen würdest, schaust du ja mit einer Vorprägung darauf und die sitzt nun mal auf 200 Jahren Bildsprache, die sitzt auf mehr als 200 Jahren, Fototechnisch gesehen jetzt mal, so gesehen, wir reden ja jetzt nur von diesem ganz kleinen Subset der Leute, die tatsächlich so weit nach vorne gegangen sind, dass sie damit Geld verdienen wollten, eine Aussage treffen wollten und dann ja, vielleicht versucht haben, politisch aktiv zu sein mithilfe von Bildern.</p>

<p>[Jasmin] Ja, und das ist natürlich ein Bereich der Fotografinnen, der noch völlig unterbeleuchtet ist, weil man da ja in Privatarchive steigen müsste und in Familienboxen kramen, sozusagen, wenn die Fotos noch so weit zurückreichen, dass man sieht; wer hat damals die Fotos gemacht, war das der Ehemann oder war das die Ehefrau und welche Fotos sind da entstanden, aber ich glaube das wäre auch ein totaler Schatz, sich da mal wirklich hereinzugraben und zu gucken: Was ist die Bildsprache?</p>

<p>[Dirk] Da drängt sich ja sofort dann die Frage auf: Würde man den Unterschied sehen? Mal angenommen, du bekommst den Fotoschatz von Familie Müller in die Hand und du kriegst die vor dir auf den Tisch geschüttet, könntest du anhand der Fotos erkennen; welche hat die Frau Müller und welche hat der Herr Müller geschossen?</p>

<p>[Jasmin] Ich glaube, vielleicht wenn man schummelt? Wenn man guckt: Wer ist auf den Fotos, wer fehlt, aber davon abgesehen: Das ist eine total spannende Frage und ich weiß nicht, ob man die abschließend beantworten kann. Ich glaube, zum Teil könnte man Annahmen treffen, weil zum Beispiel gerade wieder in der ersten Gruppe der Frauen werden ja am Anfang auch oft bestimmte Stile der Fotografie begrenzt, wo man sagt, hier, du kannst schöne Stillleben fotografieren, du kannst ein schönes <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a> machen von Familienangehörigen, also bestimmte Stile, Reportagen und so weiter, die werden Frauen erst mal ein Stück weit verschlossen. Aber gibt es den, wenn man jetzt mal herauszoomt, gibt es den weiblichen Blick?</p>

<p>[Dirk] Das ist auch so eine Dauerdiskussion, gerade im Moment auch, also fotografieren Frauen anders als Männer und fotografieren sie andere Dinge als Männer?</p>

<p>[Jasmin] Ja, es gibt so einen Fotoband, der vor kurzem herauskam, wo, ich habe vergessen wie der heißt, es ging irgendwie so in die Richtung &#8222;der weibliche Blick&#8220;, und da gibt es vorne einen Essay darin, ich glaube &#8222;Frauen fotografieren Frauen&#8220;, der hat so einen relativ simplen Namen, man weiß aber sofort, in welche Richtung es geht und im Essay vorne darin wird unter anderem auf ein Bild von Hillary Clinton eingegangen, die gerade irgendwie am Tisch sitzt und die hat, glaube ich, ein Dokument in der Hand, an dem sie ganz konzentriert arbeitet und dann wird da irgendwie ein Vergleich gezogen mit Madonna und dem Kind, wo ich denke, uff, jetzt gehen wir auf eine Ebene, wo ich einfach nicht mehr folgen kann, wo wir wieder, da kommen wir auch wieder auf die vorherige Frage zurück, will man Dinge krampfhaft in gewisser Weise durch eine Brille sehen, also, es wird ja gerne behauptet, der weibliche Blick komme mit mehr Empathie, man sehe mehr das Menschliche, oder Frau sehe mehr das Menschliche, taste sich eben näher an die menschlichen Geschichten heran und zeige da vielleicht auch mehr Zärtlichkeiten in den Fotos und ich finde, bei manchen Beispielen, auf die man da so stößt, würde ich einfach nicht d&#8217;accord gehen, also was Leuten zum Beispiel ganz häufig einfällt, ist Dorothea Lange mit migrant mother. Es ist natürlich ganz einfach zu sagen, ja, Dorothea Lange hat eben hier diese Mutter, der die Depression in dieser Zeit ins Gesicht geschrieben steht und Dorothea Lange hat dieses Foto gemacht und dieses Foto konnte nur eine Frau machen, da bin ich mir nicht so sicher. Klar, sie hat diesen Blick dafür gehabt, sie hat die Frau ausgewählt, hat sich ihr genähert, hat mit ihr gesprochen, hat dann dieses Foto gemacht, nichtsdestotrotz, da vergisst man aber auch: Dorothea Lange war in einer ganzen Gruppe von Fotografinnen, die damals von der Regierung losgeschickt wurden, um diese Zeit zu dokumentieren und da gab es eben nicht nur Dorothea Lange, sondern da gibt es ganz viele andere Fotografinnen und Fotografen, die ähnliche Fotos machen und Dokumentation betrieben haben und es ist nun eben so, dass das Foto von Dorothea Lange sehr einprägsam ist, es ist ja auch ein besonderes Foto, es ist sehr bewegend, aber ich würde mich glaube ich nicht auf die Aussage versteifen wollen, dass dieses Foto nur eine Frau machen könnte. &#8222;Der weibliche Blick&#8220;… Ich finde das eine ganz spannende Frage und ich finde auch, da fällt man eben schnell wieder in so ein Muster, dass man dann eben auch bestimmte Dinge der Frau zuschreibt, wo ich sage, ich weiß auch nicht, ob ich mit diesen Rollenbildern, mit diesen Idealen so einhergehe und so d&#8217;accord gehe. Ne, nicht nur eine Frau kann ein sensibles Bild machen und kann einen Frauenkörper ehrlich und ungeschönt abbilden, das kann auch ein männlicher Fotograf, also ich weiß nicht, ob du bei dieser Frage zu einem Schluss gekommen bist oder überhaupt zu einem Schluss kommen kannst?</p>

<p>[Dirk] Ich glaube nicht, dass man zu einem Schluss kommen kann, aber ich habe Gedanken dazu. Also es gibt ja im Film den Begriff des Male Gaze. Gemeint ist eine Kameraführung, die praktisch eine Frau objektiviert. Also der Klassiker, den man heute immer weniger sieht, aber der natürlich in gerade speziell so Filmen aus den 70er / 80ern fällt mir das ganz, ganz deutlich auf. Der Klassiker: Wenn die Kamera der Frau, die vorbeiläuft, hinterherfährt und praktisch von den Füßen unten von den Schuhen an über den Hintern hoch zum Rücken schwenkt, das ist ein Standard Kameramove gewesen und das ist ein Beispiel gewesen, würde ich sagen, für den typischen sexistischen männlichen Blick im Film, also wo man einfach da die Frau zu einem Objekt macht und sie eben entsprechend darstellt. Und ich glaube, dieses Konzept kann man umdrehen und ich kann mir vorstellen; so im Grunde gibt es solche Prägungen in beide Richtungen, also ich vermute mal, die Menge an Männern, die glauben, wenn ich eine Frau nackt in Schwarz Weiß auf einem Fabrikboden fotografiere, habe ich Kunst geschaffen, die ist größer als das Äquivalent bei Frauen, aber es gibt diese Gruppe in beiden Lagern, ja, also es ist mal so ganz grundsätzlich und dann kannst du natürlich so eine Schicht darauflegen und kannst sagen, wir leben in einer männlich geprägten, sexistischen Gesellschaft, entsprechend positionieren, verkaufen, vertreiben sich bestimmte Bilder mehr und ich kann mir vorstellen, dass wir deswegen diesen Male Gaze öfter finden, aber, und das ist jetzt ein großes Aber, unabhängig davon, ob eine Frau oder ein Mann hinter dieser Kamera steht. Ich glaube, das ist so ein ganz grundsätzliches Missverständnis, dass Menschen gerne glauben, wenn sie Teil einer Gruppe sind, schließt es aus, dass sie gegen diese Gruppe handeln, also nach dem Muster: Wenn ich eine schwarze Hautfarbe habe, kann ich nicht Rassist sein. Blödsinn. Genauso wenig sind Frauen vom Sexismus frei, nur weil sie selber Frau sind und auf sexistische Männer deuten können, was es aber ,glaube ich, schon gibt, ist, ich glaube Frauen haben Zugang zu anderen Situationen und Gesellschaftsbereichen als Männer. Also wenn du als Frau in bestimmten Situationen bist, hast du vielleicht mit einer anderen Interaktion zu tun als Mann und ich kann mir vorstellen, dass das zu anderen Bildern führt. Also so gesehen: Ich glaube, es ist weniger der Verdienst des Geschlechts, dass es einen Unterschied gibt, ich glaube, eine Frau bedient die Kamera exakt genauso wie ein Mann und wenn eine Frau in derselben Situation ist, macht sie dieselben Fotos. Ich glaube, deine gesellschaftliche Prägung, dein Aufwachsen, deine Bildung, welche Vorlieben du vom Motiv her hast, haben einen viel größeren Einfluss darauf, als jetzt die Tatsache, ob du Brüste hast oder nicht. Das wäre mein Verdacht. Aber es ist natürlich eine glühende Diskussion, wo Leute auch mit sehr viel mehr akademischem Wissen darüber diskutieren als ich und sich da auf beiden Seiten dieser Diskussion wiederfinden, also gerade im journalistischen Bereich gibt es ja auch eine Inklusionsdebatte, im Moment, um einfach auch darauf hinzuweisen, dass, gerade bei Black Lives Matter, glaube ich, war das sehr ausgeprägt, dass man festgestellt hat: Dadurch, dass der Beruf des <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalisten</a> sehr männlich geprägt ist und obendrein auch sehr weiß geprägt ist, haben sehr viele weiße Männer die Black Lives Matter Proteste begleitet und dann war so im Prinzip so ein bisschen&#8230; Das geht noch über das Bild, glaube ich, hinaus, das geht dann einerseits darum: Hätten vielleicht schwarze oder Frauen das anders fotografiert ist vielleicht die eine Frage, aber die andere Frage ist: Sollten nicht die Betroffenen die Stimme haben und das Recht haben, selber ihre eigene Bildsprache zu benutzen, um darüber zu berichten, das ist sozusagen noch eine viel größere Schicht darüber, die über das eigentliche Foto da noch ein Stück weit hinausgeht, also eher so die Frage, die Worte an sich sind vielleicht nicht unterschiedlich, aber wer sollte denn das Recht haben, sie auszuwählen und auf Papier zu bringen und ich glaube, das ist so da eine Diskussion, die führenswert ist, immer dann, wenn man es auf das technische oder auf das Bild selber reduziert, springt das meiner Meinung nach zu kurz, also ich glaube einfach, verantwortungsvolle Männer machen genauso gute, empfindsame und auf den Punkt treffende Fotos wie Frauen und trotzdem sollte vielleicht manchmal die Frau die Kamera in die Hand gedrückt bekommen und den Auftrag, einfach, weil sie einen anderen Zugang vielleicht hat oder andere Auswahl treffen würde.</p>

<p>[Jasmin] Und ich glaube, um da noch kurz an deine Punkte anzuknüpfen, ich glaube, also was du sagst, in bestimmten Situationen haben Frauen jetzt auch wieder zwei Dinge, also zum einen haben sie vielleicht Zugang zu Situationen, zu denen Männer keinen Zugang hätten und gleichzeitig gibt es natürlich auch Situationen, in denen Frauen vom Zugang ausgeschlossen sind. Und das finden wir zum Teil dann in anderen Kulturen, weil es auch mit Religion zu tun hat, da könnte eine Frau in bestimmten männlichen Gruppen nicht fotografieren, aber sie kann zum Beispiel mit betenden Frauen fotografieren und hat da Zugang, den ein männlicher Fotograf nicht hätte. Aber ich glaube, du hast völlig recht: Eine Frau bedient eine Kamera genau so wie ein Mann sie bedient und das finde ich auch eine wahnsinnig spannende Beobachtung, an der meiner Meinung nach viel daran steckt, wir sind alle geprägt und sozialisiert von der Geburt an in der Gesellschaft, in der wir uns bewegen, wir können uns über die kritische Gedanken machen, aber natürlich gibt es immer irgendwelche Dinge, die uns gar nicht bewusst sind, wie die uns prägen, wenn wir auf die Welt schauen, wenn wir uns in dieser Welt täglich bewegen und das gilt dann auch, wenn ich meine Kamera vors Auge hebe und bestimmte Dinge, bestimmte Situationen damit abbilde und da kann ich als Frau genau so in eingefahrene Muster fallen und die so ein Stück weit bedienen, wie ein Mann das tun kann. Aber das heißt eben nicht, dass Frauen auch immer mal etwas aufbrechen können, also mir fallen zum Schluss auch noch zwei Namen noch ein, die ich einmal noch droppen würde, das wäre einmal die Letizia Battaglia, die in Italien auch einen Fotojob seit Jahrzehnten macht, den man bei Frauen vielleicht nicht unbedingt sehen will, die hat nämlich ganz lange die Mafia fotografiert und, also nicht die Mafia selbst, sondern die Auswirkungen der Mafia, also die hat eben auch genau solche schockierenden Bilder aufgenommen mit Mafiatoten in irgendwelchen kleinen italienischen Lokalen oder in den Straßen, wie man die oft von männlichen Fotografen kennt, und dann, weil du News angesprochen hast, was ich auch total spannend finde, ist, dass eine der, was mir immer wieder auffällt, wenn ich in der New York Times bin und mir da die Newsfotografie anschaue, gerade auch alles, was rund um Washington, Capitol und so weiter und sofort ist, der Name, auf den ich immer wieder stoße, ist, das scheint quasi eine von deren Hauptfotografinnen zu sein, das ist Anna Moneymaker, was ich einen wunderschönen Nachnamen finde, wo ich mich frage, ob das ein Pseudonym ist, aber ich finde es super und der kommt mir ganz, ganz oft unter und da ist mal eine Frau ganz weit vorne mit dabei und ist eben auch in deren Newsfotografie ganz vorne mit dabei und in dem Zusammenhang fällt mir auch noch ein, dass bei diesen Capitol Riots, da haben ja am Ende auch wieder über den AP Fotografen gesprochen, der in der Kammer geblieben ist und dort die Fotos gemacht hat. Letzten Endes gab es auch Frauen, die draußen mitten in dieser Horde mit ihren Fotoapparaten standen und sich in dieser Horde, in dieser gewaltbereiten Horde bewegt haben, auch offen als Presse gekennzeichnet, also wirklich unter psychischer Gefahr und die das genauso auf sich genommen haben, wie die männlichen Kollegen, die an diesem Tag reportiert haben, also das möchte ich nochmal als Wort zum Sonntag zum Schluss loslassen.</p>

<p>[Dirk] Ja, absolut. Eine Erkenntnis, glaube ich, die man herausnehmen kann, ist, im Grunde ist Fotografie tatsächlich eine sehr demokratische Tätigkeit, die offensichtlich von beiden Geschlechtern ausgeübt werden, wir haben da eine unterschiedliche Wahrnehmung darauf und sie bekommen unterschiedlichen Zugang zu manchen lukrativen Sparten der Fotografie, das, finde ich, ist auch ziemlich offensichtlich, wenn man sich so die Verteilung anguckt, aber im Grunde ist es auch eine Praxis, die in aller unserer Hände ist. Also ich finde halt auch die Tatsache, dass inzwischen jeder und jede eine Kamera in der Hand hält, ganz regelmäßig, mehrmals am Tag, ist ein sehr demokratisierender Faktor.</p>

<p>[Jasmin] Ja, absolut, da würde ich dir zustimmen.</p>

<p>[Dirk] In jedem Fall, wir werden es nicht abschließend bearbeiten können, aber das hat einen Riesen Spaß gemacht, Jasmin. Und das war ja nur an der Oberfläche kratzen. Vielen lieben Dank!</p>

<p>[Jasmin] Ja, absolut. Also, ich danke dir, ich fand es auch total spannend, den Austausch von Gedanken da zu dem Thema mal zu haben und man könnte noch so wahnsinnig viele weitere Frauen nennen, über die sprechen und sich mit ihrem Werk beschäftigen, da müssen wir, glaube ich, vielleicht irgendwann nochmal eine Anschlussfolge machen, ein Anschlussgespräch vereinbaren.</p>

<p>[Dirk] Vielleicht auch mal an einzelnen Persönlichkeiten. Also ich finde, wir haben jetzt eine wirklich schöne Liste von Frauen, deren Arbeit es wirklich wert ist, sich genauer anzuschauen, zusammengetragen und vielleicht konnten wir ja auch den Blick auf eben zum Beispiel die Pressefotografin Frau Moneymaker oder auch ähnliche Beispiele, die es bei uns sicherlich auch in unserer Alltagspresse gibt, ein bisschen schärfen, dann würde ich sagen, drücken wir jetzt mal aufs Knöpfchen. Vielen lieben Dank dir!</p>

<p>[Jasmin] Genau. Ganz lieben Dank für die Einladung, es war ja deine Idee, ich finde, eine grandiose Idee, die sehr viel Spaß gemacht hat, also das können wir sehr gerne wiederholen.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Fri, 19 Feb 2021 19:38:12 GMT</pubDate>
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            <title>Die kleine Blonde</title>
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            <description>Die spanischen Soldaten nannten sie &quot;die kleine Blonde&quot; und meinten das mit tiefem Respekt, denn die gerade mal 1,5m große Gerda Taro lief nur mit einer Leica bewaffnet an vorderster Front neben...</description>
            <content:encoded><![CDATA[

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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Die spanischen Soldaten nannten sie &#8222;die kleine Blonde&#8220; und meinten das mit tiefem Respekt, denn die gerade mal 1,50m große <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a> lief nur mit einer Leica bewaffnet an vorderster Front neben ihnen her in der unerschütterlichen Überzeugung mit ihrer Kamera die Welt verändern zu können. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gerda_Taro" target="_blank">Gerda Taro</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.zeit.de/2014/05/gerda-taro-kriegsfotografin" target="_blank">Das Auge der Freiheit</a> (Die Zeit)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://utheses.univie.ac.at/detail/24430" target="_blank">Diplomarbeit Universität Wien, &#8222;Pressefotografie im Spanischen Bürgerkrieg&#8220;</a> (PDF)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nzz.ch/augenzeuge_des_krieges-ld.520202" target="_blank">&#8222;Augenzeuge des Krieges&#8220; &#8211; Robert Capa &amp; der mexikanische Koffer</a> (NZZ)</li><li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Spanischer_B%C3%BCrgerkrieg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Spanische Bürgerkrieg</a> (Wikipedia)</li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.magnumphotos.com/newsroom/politics/gerda-taro-first-woman-war-photographer-to-die-in-the-field/" target="_blank">Gerda Taro, first woman war photographer to die in the field</a> (Magnum)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.newsweek.com/who-gerda-taro-facts-and-quotes-about-war-photographer-celebrated-google-1051114" target="_blank">Who Is Gerda Taro? Facts and Quotes About the War Photographer Celebrated in a Google Doodle</a> (Newsweek)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20201109032403/https://petapixel.com/2018/01/19/man-finds-deathbed-photo-war-photographer-gerda-taro/" target="_blank">Man finds deathbed photo of war photographer Gerda Taro</a> (Petapixel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20220419133731/https://www.icp.org/exhibitions/the-mexican-suitcase-traveling-exhibition" target="_blank">International Center of Photography &#8211; The Mexican Suitcase</a></li></ul>

<div><figure class="aligncenter"><img decoding="async" src="https://i1.wp.com/www.die-anstifter.de/wp-content/uploads/2020/07/Taro-100.jpg?resize=200%2C300&amp;ssl=1" alt="Image result for gerda taro"/></figure></div>

<p>Videos (falls im Podcatcher nicht sichtbar, auf <a "/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://fotomenschen.net</a>): </p>

<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=R8_CQsr7ydU" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf YouTube ansehen</a></p>
<div class="yt-facade" data-yt="y66AVpNbj6s" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_y66AVpNbj6s.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="KympSgVknO4" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_KympSgVknO4.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="JL5IDvlFLOQ" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_JL5IDvlFLOQ.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="Yxv6an_Lx6k" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_Yxv6an_Lx6k.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<p>Bücher:</p>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/3827013984" target="_blank" rel="noopener">Das Mädchen mit der Leica: Roman</a></p>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/3894454660" target="_blank" rel="noopener">Gerda Taro, Fotoreporterin: Mit Robert Capa im Spanischen Bürgerkrieg. Die Biografie</a></p>

<p>Dokumentation:</p>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/B0716M58FF" target="_blank" rel="noopener">The Mexican Suitcase</a></p>

<p>Episodenbild: Von Anonym &#8211; icp.org, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4236537</p>

<hr/>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Der Spanische Bürgerkrieg von 1936 bis 39 war eine Art Generalprobe für den Zweiten Weltkrieg. Es war der erste Großkonflikt, bei dem auch Fotografen mit tragbaren Kleinbildkameras teilnahmen. Diese Kameras waren ein relativ neues Phänomen. 1914 bringt Leica die erste Kamera dieser Art auf den Markt und die neue Möglichkeit, gleichzeitig am Geschehen teilhaben zu können und es trotzdem festzuhalten, revolutioniert buchstäblich die Fotografie. Neugegründete Nachrichtenmagazine wies Time-Magazin sorgen außerdem dafür, dass die von <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalisten</a> geschossenen Fotos Essays ein Millionenpublikum finden. Es ist auch die Zeit, in der der Faschismus sich überall in Europa ausbreitet und besonders natürlich auch durch das Wirken der Nazis in eine Menge Menschen, insbesondere jene jüdischer Abstammung innerhalb Europas auf der Flucht. Und besonders Intellektuelle und Künstler zieht es natürlich in Europas Hauptstädte und da zuallererst Paris. Es ist dieses Paris, indem man zu der Zeit Picasso, Ernest Hemingway, Willy Brandt und so manchen anderen damals oder heute großen Namen antreffen kann. In Paris findet man zu der Zeit auch eine Menge Schriftsteller, Journalisten und Fotografen.</p>

<p>Oder anders formuliert: Es gibt eine Unmenge an Menschen, die versuchen, mit einer Schreibmaschine oder einer Kamera irgendwie über Wasser zu bleiben.</p>

<p>Eine von ihnen war die 23 jährige Gerta Pohorylle, die war wie viele deutsche Juden vor den Nazis auf der Flucht, hatte sie doch in Leipzig Flugblätter gegen die Partei Hitlers verteilt und war dort mit den Behörden in Konflikt geraten. Und bevor man sie dann endgültig festsetzte, hatte sie sich nach Frankreich abgesetzt. Die blonde Gerda sah so ein bisschen aus wie Natalie Portman, sprach drei Sprachen fließend und war gleichzeitig Charmebolzen und Energiebündel. Sie erledigte Schreibarbeiten für französische Medienhäuser und Fotoagentur und lernte über diese Arbeit und den damit kommenden Bekanntenkreis den Fotografen Endre Ernő Friedmann kennen. Wie Gerta war er wegen den Nazis aus Deutschland weggegangen. Wie sie war er ein mit20er und auch ihm sagt man ein gewinnendes Wesen und unglaublich viel Charme nach. Gerda und Endre teilen bald Tisch und Bett miteinander und versuchen ihr Glück gemeinsam. Er als Pressefotograf, sie als seine Agentin. Das Problem nur Auch wenn die Franzosen nicht so radikal wie die Deutschen zu der Zeit waren, waren sie trotzdem der vielen Migranten und Flüchtlinge einigermaßen überdrüssig. Und wenn man versuchte, ohne Aufenthaltsgenehmigung mit einem fremdartig klingenden Namen gute Aufträge zu ergattern oder ordentliche Preise zu erzielen, da hatte man es schwer. Und so hatte Gerda damals zwei großartige Ideen. Der erste Gedanke Zwei Fotografen produzieren mehr Bilder als einer. Endre hatte ihr inzwischen beigebracht, mit seiner Leica zu fotografieren. Und Gerda war Feuer und Flamme. Sie hatte die Fotografie schon immer gemocht. Selber zu fotografieren hieß damals übrigens nicht nur Fotos zu machen, sondern besonders für die mit wenig Geld. Hieß das auch im eigenen Labor zu entwickeln. Oder besser gesagt im eigenen Badezimmer. Der zweite Gedanke hatte mit den niedrigen Honoraren zu tun. Damals gab es nämlich eine Zweiklassengesellschaft. Die Fotografen, deren Namen man kannte, machten weit mehr Geld als die namenlose Heerscharen Pressefotografen, die irgendwie versuchten, von der Hand im Mund zu leben. Und zur letzteren gehörte Gerda Andres. Es war einfach auch sehr offensichtlich, dass sie gar keine andere Wahl hatten, als Fotos für niedrige Preise zu verkaufen. Ein wohlklingender Name musste also her. Und so beschloss Gerda, dass sie sich als Agentin für den amerikanischen Star Fotograf <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> ausgeben würde.</p>

<p>[Einspieler:]</p>

<p>“Friedmann klingt zu jüdisch, also wird aus Endré Friedmann, <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> in Anlehnung an den Hollywood-Regisseur Frank Capra. Und aus Gerta Pohorylle wird <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a>, eine Verneigung vor Greta Garbo. Die beiden glauben fest, dass ihre neuen Namen der Schlüssel zur Verwirklichung ihrer Träume sind. Gerda weiß mittlerweile genau, was die Fotoagenturen wollen. Sie ist bereit, alles für ihren Geliebten zu tun.”</p>

<p>Dieser Teil der Geschichte wird übrigens gerne mal falsch erzählt. Da wird behauptet, Gerda hätte praktisch Endres umgestaltet zu <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> Das mag später mal dann so der Fall gewesen sein, aber am Anfang war die Idee tatsächlich die, dass beide Fotos schießen und dann als angebliches Werk von Robert Capa vermarktet würden. Und die Rechnung ging auf schon die Honorare der ersten Aufträge für Robert Capa waren dreimal so hoch wie alles, was Endres und Gerd vorher einfahren konnten. Das ging auch eine ganze Weile gut aber natürlich passierte dann, was passieren musste. Der ganze Schwindel flog auf. Und das war auch der Moment, in dem Endre endgültig zu Robert Capa wurde. Gerta und Endre waren talentierte Fotografen und deswegen hatte sich Robert Capa inzwischen einen ordentlichen Namen gemacht. Die Aufträge kamen also auch weiterhin rein. Inzwischen war das Jahr 1933 und die Welt hielt den Atem an. Als der spanische General Franco beschloss, die demokratisch gewählte Regierung in Spanien mit einem Militärputsch abzusetzen. Und es war damals weit mehr als einfach nur eine Regierung, die zu kippen drohte. Der Spanische Bürgerkrieg wurde gesehen als der Vormarsch des Faschismus. Die intellektuelle Elite in Europa ging davon aus, dass, wenn Franco erfolgreich sein würde, nichts mehr den Faschismus aufhalten könnte. Und viele von ihnen beschlossen deswegen nach Spanien zu reisen, einmal um das spanische Volk zu unterstützen. Es war ja tatsächlich so, dass die Bürger Spaniens sich gegen den Faschismus zur Wehr setzten oder wenigstens doch zu dokumentieren. Und auch Gerda und Robert machten sich auf den Weg. Wir machen uns da heute glaube ich, gar keine Vorstellung mehr, von wie mächtig damals Fotografie gewesen sein muss. Foto Magazine wie das Time Magazine waren gerade erst gegründet worden. Die Menschen waren noch nicht von endlosen Fotos und Videos abgestumpft. Vom <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> hatte man gelesen und gehört. Ganz selten mal was davon gesehen.</p>

<p>Gleichzeitig fand in Spanien Unglaubliches statt. Hitlers Luftwaffe bombardierte Städte, um Franco zu unterstützen und es wurde auf das Verbissenste gekämpft. Im Ersten Weltkrieg gab es Millionen Opfer, aber das waren alles Soldaten. Im Spanischen Bürgerkrieg gab es über eine halbe Million Tote und die meisten davon Zivilisten. Und zwischen ihnen: Journalisten, Künstler, Intellektuelle und eben auch Fotografen. Es ist diese Zeit, wo sich Gerda und Robert einen Ruf wie Donnerhall erarbeiten. Sie gehen dahin, wo der Kampf wirklich tobt, an die Front. Sie laufen mit den Soldaten über die Schlachtfelder. Sie fotografieren nicht nur aus der Ferne das Geschehen, sondern von mittendrin. Von Robert Capa ist ein Zitat überliefert: “If you pictures and good enough,, you aren’t close enough.”- Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran.&nbsp;</p>

<p>Und damit meint er nicht nur physikalisch nah genug, sondern auch emotional nah genug. Und Gerta ist fast noch besser in dieser Disziplin als Robert. Ein blondes, ein Meter fünfzig großes Persönchen, dem spanische Soldaten Respekt zollen für ihren Mut. Auch hier fotografieren sie beide unter dem Namen Robert Capa. Die Bilder werden gemeinsam vermarktet. Ihr Ziel ist es, mit den Fotos die Öffentlichkeit aufzurütteln. Das Schicksal der Spanier bekannt zu machen und unter Umständen den Verlauf des Krieges zu beeinflussen. Sie machen Fotos, wie sie die Welt noch nie gesehen hat. Es gibt mindestens drei große Kunstwerke, die man auf den Spanischen Bürgerkrieg zurückführen kann. Ernest Hemingway schreibt nach den Eindrücken des Spanischen Bürgerkriegs den Roman “Wem die Stunde schlägt”. Picasso, geprägt von der Bombardierung der Stadt Guernica, erschafft ein Gemälde, das schon bei der ersten Ausstellung ein Millionenpublikum anzieht und als eine der großen Anti-Kriegsikonen der Menschheit beschrieben wird. Und Robert Capa hält einen spanischen Milizionär in der Sekunde, in der er erschossen wird, fest und wird mit diesem Bild weltberühmt.</p>

<p>Um dieses Bild sollte später noch viel gestritten werden. Und ich glaube, das verdient mal eine eigene Episode. Tatsache aber ist auch hier fotografierten Endre und Gerta gemeinsam. Und beide fotografieren längst nicht mehr, um damit Geld zu verdienen, sondern sind eigentlich Aktivisten in diesem <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a>. Gerda sagt einmal:” Wenn du mal daran denkst, wie viele Menschen wir kennen, die in diesem Krieg gestorben sind, dann ist es unsolidarisch, noch am Leben zu sein.” Ihre Bilder Strecken sind gefragt und unter dem Namen Robert Capa wird ein Fotoessay nach dem anderen veröffentlicht. Und auch Gerda kennt man zu der Zeit durchaus. Sie ist nicht nur eine von wenigen Krieg&#8217;s Fotografen. Sie ist die einzige <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografin</a>. Und mit ihren zu dem Zeitpunkt gerade mal knapp 27 Jahren nötigt ihr Mut jedem Respekt ab. Sie war auch längst nicht immer mit Robert gemeinsam unterwegs. Manche Einsätze bestritten die beiden auch getrennt voneinander allein. So auch im Juli 1937.</p>

<p>[Einspieler:]</p>

<p>“The News tells that Franco is preparing a major offensive and he intends it to be his decisive blow. He believes his attack will end this savage spanish war.”</p>

<p>Sie waren an die brunete Front geeilt, wo eine Offensive der republikanischen Armee gegen die Nationalisten tobte. Sie fotografierte diese Offensive, unter anderem auch die verheerenden Luftangriffe der deutschen Legion Condor. Wie immer ist sie ganz vorne mit dabei. Als die Situation brenzlig wird, beschließt sie, mit einem Rotkreuz Fahrzeug aus der Gefahrenzone zu fahren. Sie darf sich hinten auf ein Trittbrett stellen und zusammen mit einem Kollegen versucht sie, in Sicherheit zu kommen. Es ist dieser Moment, in dem sich ein weiterer Luftangriff von Legion Condor ankündigt. Der LKW kommt ins Schlingern. Gerda fällt von dem Trittbrett und wird von einem republikanischen Panzer überrollt. Sie kommt schwerverletzt ins Krankenhaus, wird dort noch notoperiert und stirbt aber in der Nacht. Ihre letzten Worte sind überliefert, als “wo sie meine Kameras”. Die waren freilich tatsächlich verschollen. Aber die Fotos, die sie an den Tagen und an diesem Tag geschossen hatte, die wurden tatsächlich wenige Tage später veröffentlicht. Und so war <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a> nicht nur die erste Kriegsfotografin überhaupt, sondern auch gleichzeitig die erste <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a>, die im Krieg im Einsatz ums Leben kam. Gerade drei Jahre vorher hatte Endre Friedmann ihr das Fotografieren und Entwickeln von Bildern beigebracht und ihr damit das Werkzeug in die Hand gedrückt, mit dem sie die Kriegsfotografie und <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalismus</a> für immer verändern sollte. Robert Capa erfuhr von ihrem Tod im Wartezimmer eines Zahnarztes aus der Zeitung. Und so wie ihr Tod Nachrichtenwert hatte, war auch ihre Beerdigung alles andere als gewöhnlich.</p>

<p>[Einspieler:]</p>

<p>“Gerda wird nach Paris überführt und an ihrem Geburtstag auf dem Pierre Lachaise beigesetzt. Sie ist 27 Jahre alt geworden. Der Trauerzug wird zu einer gigantischen Demonstration gegen den Faschismus.”</p>

<p>Robert Capa sollte ab da nicht mehr aufhören, Kriege zu fotografieren. Den spanischen Bürgerkrieg fotografierte er bis zu seinem Ende. Und später sollte er uns die berühmtesten Fotos des Zweiten Weltkriegs überhaupt, die verwaschenen, verwackelten Bilder von der Landung in der Normandie bescheren. Fotos übrigens, für die er beinahe gestorben wäre. Aber auch die Geschichte, will ich zu einem anderen Anlass erzählen. Wir bleiben noch ein bisschen länger bei Gerda. Die hatte nämlich zusammen mit Robert und zusammen mit einem Fotografen, den wir als Jim kennen, nämlich David Seymour, tausende von Fotos im Spanischen Bürgerkrieg geschossen. Und als Robert und Jim zum Ende des Kriegs hin überstürzt das Land verlassen mussten, packten die diese negative ,4500 an der Zahl, in drei Boxen und gaben sie in die Hände eines befreundeten Generals zur Aufbewahrung. Und wie das mit Kriegen so ist, schließlich fing ja dann auch der Zweite Weltkrieg an. Sie sorgen für Verwirrungen und Dinge gehen verloren. Und so waren auch diese drei Boxen komplett verschollen. Unter ihnen Aufnahmen wie die von dem Tag, an dem der gefallene Soldat fotografiert wurde und unzählige andere Ereignisse. Mexiko hatte damals großzügig Spanier auf der Flucht aufgenommen und ihnen die Möglichkeit gegeben, komplett überzusiedeln. Und das war ein Angebot, das viele Spanier angenommen hatten. Heute ist es so, dass praktisch jeder Spanier und eine große Zahl Mexikaner Familiengeschichte mit dem Spanischen Bürgerkrieg verbindet. Wie wir jedenfalls heute wissen traten auch diese drei Boxen, die zur Aufbewahrung abgegeben worden waren, eine Reise nach Mexiko an und waren dann dort einfach weiter verschollen, lagen auf einem Dachboden, bis sie 2007 endlich wieder auftauchten. Robert Capas Bruder hatte das International Center for Photography gegründet, dass sich unter anderem damit beschäftigt, das Erbe von Gerda Taro und Robert Capa zu verwalten. Freilich kennt Gerda kaum jemand, jeder hingegen kennt Robert Capa. Taros Biografin sagt, das hat im wesentlichen drei Gründe, Erstens sie ist eine Frau, Zweitens sie war Jüdin, Drittens sie starb und die Bilder die sie mit Robert gemeinsam veröffentlicht hatte ließen sich nichtmehr unbedingt zweifelsfrei zuordnen.</p>

<p>Das kam damals sowieso öfter vor. Insbesondere natürlich auch, wenn Negative zusammengeworfen werden oder verschütt gehen. Das Mexican Suitcase, wie man die drei Boxen, die 2007 auftauchten, inzwischen nennt, hat da allerdings wirklich Licht ins Dunkel gebracht. Denn viele von den Negativen lassen sich nun Gerda oder Robert Capa zuordnen. Die beiden haben auch relativ oft dieselben Szenen fotografiert und so ist es nochmal ein zusätzlicher Informationsgewinn. Die Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven beobachten zu können. Das International Center Photography hat sich jetzt zur Aufgabe gemacht, die Fotos in dem Mexican Suitcase regelmäßig auszustellen. Und natürlich sind da dann Gerdas Bilder, soweit man sie zuordnen kann, eindeutig gekennzeichnet. Über 80 Jahre nach ihrem Tod, für Robert Capa war Gerda Taro die Liebe seines Lebens. Gerda Taro sollte die einzige längere Beziehung, die er eingehen würde, bleiben. Und auch er sollte Jahrzehnte später im Einsatz sterben. In Indochina fotografierte er den Vietnamkrieg und stirbt durch eine Antipersonenmine, als er versucht, mit seiner Kamera in der Hand näher an die Szene, die er fotografieren wollte, zu kommen.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 20 Sep 2020 18:59:00 GMT</pubDate>
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