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    <title>Fotomenschen - Pressefoto</title>
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    <description>Posts tagged &#x27;Pressefoto&#x27; on Fotomenschen.</description>
    <language>de-DE</language>
    <lastBuildDate>Fri, 07 Jan 2022 17:38:52 GMT</lastBuildDate>
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            <title>Ein Aasgeier, zwei Opfer</title>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Seit es technisch möglich wurde unterwegs zu fotografieren gehören Fotos aus Krisengebieten und von Menschen in Not zu den Grundpfeilern der Fotografie und oft wird behauptet diese Bilder hätten die Macht die Öffentlichkeit aufzurütteln und die Welt zu verändern. Genau davon handelt diese Folge&#8230; </p>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Pulitzer" target="_blank">Joseph Pulitzer</a> (Wikipedia)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pulitzer-Preis" target="_blank">Pulitzer-Preis</a> (Wikipedia)</li>

<li>History of The Pulitzer Prizes</li>

<li><a href="https://web.archive.org/web/20250508140907/https://www.pulitzer.org/prize-winners-by-category/217" target="_blank" rel="noreferrer noopener">List of Pulitzer Winners in the category &#8222;Feature Photography&#8220;</a></li>
</ul>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kevin_Carter" target="_blank">Kevin Carter</a> (Wikipedia)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20131228175359/http://content.time.com/time/magazine/article/0,9171,165071,00.html" target="_blank">The Life and Death of Kevin Carter</a> (Time Magazine via Web Archive)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://ny-photography-diary.com/sebastiao-salgado-by-nerris-markogiannis/" target="_blank">Aesthetics and Ideology of Sebastiao Salgado</a></li>
</ul>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nytimes.com/2001/07/13/arts/photography-review-can-suffering-be-too-beautiful.html" target="_blank">NYT &#8211; PHOTOGRAPHY REVIEW; Can Suffering Be Too Beautiful?</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.amazon.de/Regarding-Pain-Others-Susan-Sontag/dp/0141012374" target="_blank">Susan Sonntag &#8211; Regarding the Pain of Others</a> (Amazon)</li>
</ul>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.worldpressphoto.org/collection/photo-contest" target="_blank">World Press Photo &#8211; Winners from 1955 on</a></li>

<li><a href="https://www.welthungerhilfe.de/spenden-sudan/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Welthungerhilfe &#8211; Sudan</a></li>
</ul>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.fr.de/kultur/koennen-rechtfertigen-11630320.html" target="_blank">Wie können sie das rechtfertigen?</a> (Frankfurter Rundschau)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.deutschlandfunk.de/fotojournalismus-tv-doku-ueber-den-bang-bang-club-100.html" target="_blank">Fotojournalismus &#8211; TV-Doku über den „Bang Bang Club“</a> (Kevin Carter &amp; Freunde)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.rolfnobel.de/essays/2011/06/der-traum-vom-grossen-bild/" target="_blank">DER TRAUM VOM GROSSEN BILD &#8211; WARUM ES JUNGE FOTOGRAFEN IN KRIEGE ZIEHT</a></li>
</ul>

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<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=RFaSa28ahrM" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf YouTube ansehen</a></p>
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<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Wenn man sich für Fotografie interessiert, kommt man um Kriegsfotos nicht herum. Und ein Grund, warum diese Aufnahmen so wirkmächtig zu sein scheinen, liegt in der Psychologie der Menschen begründet. Wir können gar nicht anders. Es gibt zwei Themen, die uns wie nichts Anderes in ihren Bann schlagen, wann immer sie uns begegnen: Nacktheit und die Darstellung von Leiden.</p>

<p>Und so wandeln wahnsinnig viele Kriegsfotografien auf einem schmalen Grat zwischen Aktivismus und Gewaltpornografie. Und wir als Betrachterinnen und Betrachter können uns anscheinend nicht ganz entscheiden, ob wir Menschen, die solche Fotos aus den Kriegsgebieten zujubeln und gratulieren sollen oder sie aufs Übelste dafür kritisieren, dass sie Geld aus den Leiden Andere zu machen scheinen. Während wir also Fotograf/-innen wie Lee Miller, <a "/posts/die-beste-fotografin-der-welt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="14" title="Die beste Fotografin der Welt">Margaret Bourke-White</a> oder <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> als Helden des Genres verehren, wurden Fotografen wie Sebastiao Salgado oder auch Steve McCurry dafür beschimpft und kritisiert, dass ihre Bilder zu schön wären, zu ästhetisch. Salgado antwortete darauf, dass eine ästhetisch schöne ansprechende Darstellung der Menschen in seinen Aufnahmen diesen Menschen ihre Würde gibt. Aber man könnte jetzt auch sagen, dass die Bilder dadurch unter Umständen auch wirklich erst für den Kunstbetrieb interessant wurden. Salgado, der jahrzehntelang in Ländern von Ruanda bis zum Kosovo das Leiden von Menschen fotografiert hat, macht Aufnahmen, die man fast nicht mehr ignorieren kann, sie sind so schön, dass man fast hinschauen muss und das dargestellte Leiden und Elend ist so schmerzhaft, dass es kaum auszuhalten ist. Das wiederum, so würde mancher argumentieren, sorgt dafür, dass wir nicht ignorieren können, welche Missstände irgendwo stattfinden.</p>

<p>Fotografie rüttelt auf, macht aufmerksam, weißt darauf hin, klagt an. Aber dann, ja dann, ändert sich oft gar nichts. Jahrzentelang bereiste Salgado Afrika und dokumentierte Leiden in bürgerkriegsgebeutelten Ländern. Und hat sich etwas geändert?</p>

<p>Steve McCurry fotografierte Flüchtlinge in Afghanistan. Und das berühmte Bild, dass angeblich den Vietnamkrieg zu beenden half, das wurde gemacht, da waren die amerikanischen Truppen eigentlich schon am Abziehen. Aber in dieser ganzen Argumentation steckt natürlich ein Denkfehler, das einzige Bild, das ändert wahrscheinlich nichts, aber in Summe und über Zeit ändert sich natürlich sehr wohl der Blick der Menschen auf ein Thema. Und sich diese Möglichkeit offenzuhalten, das war die große Leidenschaft des Verlegers und Journalisten Joseph Pulitzer.</p>

<p>Er war 1847 in Ungarn geboren und mit 17 wollte er eins: aus Ungarn weg. Er bewarb sich bei der österreichischen, der französischen und bei der britischen Armee und keine von denen wollte ihn haben, er wurde jedes Mal als untauglich eingestuft. Aber wie so oft Beharrlichkeit hilft und so schaffte er es 1864 in ein US-Bataillon akzeptiert zu werden und über Boston in die USA einzureisen. Er diente in einem deutschsprachigen Bataillon im amerikanischen Bürgerkrieg. Als der vorbei war, wollte er in den USA Fuß fassen, weil er aber hauptsächlich Deutsch und Französisch sprach und nur sehr wenig Englisch, war das zunächst schwieriger als gedacht. Aber Pulitzer hatte ein Ziel und so paukte er nicht nur Englisch, sondern begann Jura zu studieren. Als er 1867 amerikanischer Staatsbürger wurde, hatte r seinen Abschluss und sprach und schrieb exzellentes Englisch. 1868 kam er nach Missouri und trat dort eine Stelle bei einer deutschsprachigen Zeitung an. 1871 war er schon Herausgeber und Miteigentümer und 1873 zog er weiter. Und so wie diese ersten Jahre als Journalist ging es ab jetzt weiter, es war eine Serie von <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a>-Berufen, Redakteurposten, Teilhaben an Zeitungen und Gründungen von Zeitungen. Von Anfang an machte sich Josef Pulitzer einen Namen als ein akribischer Rechercheur. Seine Artikel prangerten Missstände an und gingen dahin, wo es wehtat. Seine Artikel waren sensationell recherchiert und waren vor allen Dingen auch skandalträchtig. Und Pulitzer machte vor niemandem Halt, als er 1909 einen Bestechungsskandal rund um den Panamakanal aufdeckte, wo es unter anderem um die Zahlung von 40Mio. US.Dollar unter dem US-Präsidenten Theodor Roosevelt ging. Wurde er von Roosevelt und <a "/tags/j-p-morgan.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="44" title="J.P. Morgan">J.P. Morgan</a> direkt verklagt. Ein Prozess, der Pulitzer noch berühmter machte als er ohnehin schon war, denn er ging siegreich hervor und wurde damit zu einem Helden der Pressefreiheit.</p>

<p>Diese Art von Journalismus, diesen an der Sensation kratzenden, aber hervorragend recherchierten investigativem Journalismus nennt man ungefähr Yellow Press, ein Begriff, der auch aus der Geschichte Joseph Pulitzers stammt. Als der nämlich 1895, die ersten Zeitungen im Vierfarbdruck verlegte, entschied er sich für das Abdrucken eines Comic-Strips, in dem ein Junge mit einem gelben Shirt die Hauptrolle spielte. Nicht klang und die Zeitungen, die sich von Pulitzers Stil inspirieren ließen, wurden schlicht Yellow Press genannt. Ein Begriff, der bis heute überlebt hat.</p>

<p>Und noch etwas geht auf Joseph Pulitzer zurück, die Gründung der ersten Journalistenschule in den USA. Als erfolgreicher Verleger träumte er davon, den Nachwuchs gezielt ausbilden zu lassen, ethische Standards, professionelle Praktiken, die wollte er vermitteln. Und so versuchte er 1892 mit einer Geldspende in Höhe von 2 Mio. US-Dollar, die Gründung einer Journalistenschule voranzutreiben, weil diese Spende allerdings nicht akzeptiert wurde, schrieb er sie kurzerhand als Stiftung in sein Testament. Nach seinem Tot, so verfügte er, solle eine &#8222;School of Journalism&#8220; gegründet werden und das restliche Geld dann zur Stiftung eines journalistischen Preises verwendet werden. Ein Jahr nach seinem Tod 1912 wird diese Idee Wirklichkeit, die Columbia Universität gründet eine journalistische Fakultät und seit 1917 wird jährlich der Pulitzer-Preis verliehen. Ging es bei dem Preis hauptsächlich um reine journalistische Berichterstattung, wurde bald deutlich, dass es mehrere Kategorien geben müsste. Insgesamt wird der Preis, inzwischen jährlich in 23 Kategorien verliehen, 15 davon sind journalistisch geprägte Kategorien, wie z.B. Audioreportage, Kommentar oder Breaking News Reporting. 7 Kategorien fallen in den Bereich Literatur, Theater und Musik und dann gibt es noch einen Sonderpreis. Alles in allem hat der Pulitzer inzwischen ein Prestige, dass man mit den Oscarverleihungen in der Filmbranche vergleichen kann. Es gehört ein Preisgeld in jede Kategorie und das Prestige, dass mit dem Gewinn eines Pulitzer-Preises einhergeht, sorgt normalerweise für ganz gute Karriereaussichten.</p>

<p>Jetzt war es natürlich so, dass in der Berichterstattung auch damals als Pulitzer seine ersten Schritte als Journalist machte, Fotografie eine wichtige Rolle spielte. Trotzdem dauerte es bis 1968, bevor der Pulitzer-Preis eine eigene Kategorie für Fotografie bekam. Damit ist der Pulitzer 13 Jahre später dran als der &#8222;world press photo award&#8220;, aber lieber spät als nie.</p>

<p>Beide Preise haben auf jeden Fall gemeinsam, dass sie durchzogen sind von Fotografien, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Beide haben gemeinsam, dass viele der Preisträger aus den Rängen von Agenturen wie &#8222;associated press&#8220; oder Reuters kommen. Und oft kommen bei den Preisträgerinnen und Preisträgern all die Konflikte, die ich am Anfang beschrieben habe, in einem Moment, in einem Preis, in einer <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a>, einem Foto zusammen. So wie 1993, als Kevin Carter ein bis heute oft geteiltes und immer wieder verbreitetes Foto macht.</p>

<p>Carter war ein junger Kerl, der sein Leben mehr schlecht als Recht im Griff hatte. Südafrika war zu der Zeit in turbulentes Land, die Apartheid lag in ihren letzten Zügen. Und es war diese turbulente Umgebung, in der sich Kevin Carter und zwei seiner Freunde versuchten durch Reportagen aus dem zum Teil recht gewalttätigen und turbulenten Nachtleben von Städten wie z.B. Johannisburg, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Es waren einfach junge Kerle, die dahin gingen, wo die Action war. Selbst dem Nachtleben und den Drogen nicht ganz abgeneigt, kamen sie mehr als einmal selbst auch nur knapp mit dem Leben davon. Allerdings in den Neunzigern achtete die Welt etwas mehr auf die Geschichten, die aus Südafrika kamen, besonders wenn es um den Machtkampf zwischen der herrschenden &#8222;Freedom Party&#8220; und Nelson Mandelas ANC ging.1991 war es dann einer von Kevins Freunden, der für das Foto eines erstochenen Parteiunterstützers einen ersten Pulitzerpreis der Fotografie gewann. Und Carter sah das jetzt als eines seiner Ziele an, den Pulitzer gewinnen, dann würde er es geschafft haben. Und damit war auch klar, dramatische Bilder müssten her. 1993 beschließt er deswegen mit einem Kollegen zusammen in den Sudan zu reisen, um dort die von Rebellentruppen ausgelöste Hungersnot zu dokumentieren. Er muss sich bei seinem regulären Job dafür Urlaub nehmen und reist auf eigene Kasse in das Land. Die Hoffnung: die Fotos würden sich als interessant genug herausstellen, um bei den verschiedenen Nachrichtenagenturen auf Resonanz zu stoßen und wer weiß, vielleicht ist es ja sogar Pulitzer-Preis Material. Jetzt hatte Carter zwar Erfahrungen darin, wie man auch durchaus gewalttätige Szenerien dokumentiert, aber in ein Bürgerkriegsgebiet und mit einer Hungersnot zu reisen und dort zu fotografieren ist dann doch noch einmal eine völlig andere Hausnummer. Jetzt finden solche journalistischen Fotoreisen nicht vollkommen losgelöst von Infrastruktur ab, es ist also nicht so, dass der heldenhafte Fotograf seinen Rucksack schultert und alleine ins Kriegsgebiet wandert, sondern in aller Regel sind das organisierte Reisen, die zu bestimmten Anlässen stattfinden. Zum Beispiel, wenn die UN Hilfsgüter in ein Land einfliegen oder so. Und selten sind die Fotografen alleine unterwegs, sondern meistens in einer Gruppe mit organisierter An- und Abreise. So auch hier, Kevin Carter und Kollegen werden von einem kleinen Flugzeug zu einer Hilfsmittelverteilstation gebracht. Das Flugzeug landet, alle springen mit Kamera im Anschlag aus der Maschine und Kevin Carter, der sich vieles ausgemalt hatte, aber noch nie vor Ort gesehen hatte, war tief schockiert von den Bildern, die er sah. Routiniert fängt er an zu fotografieren, wie auch seine Kollegen. Allerdings versucht er relativ schnell von den doch relativ hart anzuschauenden Szenen, der vom Hungertod bedrohten Menschen wegzukommen. Auf der Suche nach einfacheren Motiven geht er in Richtung des Busches, als er ein Geräusch hört. Ein leises Wimmern und da macht er das Foto, dass ihm den Pulitzer-Preis einbringen sollte, ein Mädchen war nämlich auf dem Weg zu der Essensverteilung gestolpert und gefallen, es ist so ausgehungert, es hat praktisch keine Kraft mehr sich groß aufzurichten und zu bewegen.</p>

<p>Und die Szene, die Kevin hier festhält, wird Menschen rund um den Erdball entsetzen, denn keine drei Meter von dem Mädchen entfernt, sitzt ein Aasgeier am Boden und beobachtet das Kind. Furchtbar und ohne Kontext schwierig, denn was das Bild natürlich nicht zeigt ist, ob andere Menschen in der Nähe waren, ob denn eine Gefahr für das Mädchen bestand, ob es sich wenig später aufgerichtet hat, ob irgendjemand den Vogel verscheucht hatte. Das Bild selbst zeigt die Szene, wie sie sich in dem Moment für Kevin Carter darstellt, ein kraftloses Kind am Boden und ein Aasgeier, der darauf wartet Beute zu machen. Harter Stoff, Kevin Carter, der sich gerne mit Image des harten Kerls umgibt, hat in Wirklichkeit eine jahrelange Geschichte von depressiven Schüben und Drogenmissbrauch hinter sich, dieser Anblick und diese Szenerie, die er nicht nur in diesem Moment aufgenommen hatte, schlägt bei ihm ein wie eine Bombe. Er selbst beschreibt die Szene so, dass das Mädchen am Boden lag und der Vogel eine Weile dort sitzen blieb. Er hatte direkt ein Foto gemacht, wartete aber noch eine Weile, ob der Vogel vielleicht die Flügel ausbreiten würde. Später, als ihm der Vorwurf gemacht wurde, er hätte an seinen eigenen Vorteil gedacht, statt dem Kind zu helfen, verteidigte er sich damit, dass er sagte, erstens habe er ja später dann den Vogel verscheucht und zweitens wäre das Kind dann ja auch wieder aufgestanden und weitergelaufen. Und überhaupt ist der Beruf eines Kriegsreporters ja nicht unbedingt überall Erste-Hilfe zu leisten, sondern zu dokumentieren, was er sieht, um Menschen davon zu berichten und womöglich dazu zu bringen, den Menschen, die da in Not sind, zu Hilfe zu eilen. Ja, aber trotzdem fanden, die von der Aufnahme schockierten Betrachtenden, dass Carter mehr hätte tun müssen, statt einfach nur ein Foto zu machen.</p>

<p>Ganz egal wie wir jetzt dazu stehen, Kevin jedenfalls packt seine Kamera, seine Filme, besteigt das Flugzeug und fliegt wieder nach Hause. Diese Fotogelegenheiten dauern dann auch nicht Stunden oder tagelang, die sind dann doch eher überschaubar in ihrem Zeitaufwand. Carter entwickelt die Filme und verkauft die Aufnahmen an entsprechende Agenturen und wie es der Zufall so will, die New York Times beschließt, genau diese Aufnahme für eine Artikelstrecke über den Sudan zu verwenden und kauft die Aufnahme. Und das Foto macht Eindruck, so viel Eindruck, dass eine unüberschaubare Anzahl Zeitungen weltweit genau dieses Bild aufnehmen und ebenfalls abdrucken.</p>

<p>14 Monate nachdem er diesen Moment im Busch dokumentiert hatte, wird sein Traum vom Pulitzer deswegen Wirklichkeit und das muss sich für ihn sehr seltsam angefühlt haben, denn gerade als er die Nachricht erhält, dass er für den Pulitzerpreis nach New York eingeladen wurde, ist der Rest seines Lebens in Trümmern, der Trip in den Sudan hat ihn so heruntergezogen, dass er verstärkt zu Drogen griff, seine Stelle bei einer lokalen Zeitung verlor und kurz vor der Nachricht des Pulitzerpreisgewinns von seiner Freundin verlassen worden war. Er war also praktisch Mittel- und Obdachlos, aber es sah fast so aus als wenn, sozusagen in letzter Sekunde der Pulitzer-Preis zur Rettung gekommen wäre. Er steigt also ins Flugzeug, fliegt nach New York und lässt dort die Sau raus. Er ist ein gutaussehender junger Mann und genießt es im Mittelpunkt des Interesses zu stehen, der Nimbus des Starfotografen, gepaart mit seinem Auftreten macht ihn zum Star der New Yorker Szene, für ein zwei Wochen. Und dann brach die weltweite Kritik über ihn herein. Es ist ein Ding, ob man so ein Foto veröffentlicht hat und dafür dann Kritik einsteckt, aber kaum, dass er den Pulitzer-Preis gewonnen hat, schaltet die weltweite Empörung in eine neue Stufe. Und als er wieder daheim ist, wird die gesamte Situation irgendwann zu viel für ihn, Freunde versuchen ihn noch dazu zu überreden sich professionelle Hilfe zu holen. Aber Appelle kommen zu spät, es ist nichts Kevins erster Versuch sich das Leben zu nehmen, aber dieses Mal ist er erfolgreich. Zwei Monate nachdem er der Star des New Yorker Journalisten-Nachtlebens war, setzt er seinem Leben ein Ende.</p>

<p>Und uns sollte diese Geschichte sehr, sehr nachdenklich machen, denn wir urteilen schon enorm schnell, auf Basis von Fotos, deren Kontext wir nicht kennen und deren Macherinnen und Macher uns vollkommen unbekannt sind. Und gleichzeitig feiern wir die Menschen, die uns diese Bilder bringen. Im Sudan herrscht immer noch Hungersnot, 13,4 Mio. Menschen sind jetzt während ich hier aufnehme am 7.1.2022 im Sudan auf humanitäre Hilfe angewiesen und es herrscht immer noch Bürgerkrieg. Und deswegen fliegen wieder und wieder Fotografierende und Journalisten ins Land, um uns aufzurütteln, in der Hoffnung, dass Pulitzer und so viele andere nach ihm recht haben und sich die Welt vielleicht doch ein klein bisschen ändern lässt, wenn man Geschichten erzählt.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Fri, 07 Jan 2022 17:38:52 GMT</pubDate>
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            <title>Der fallende Mann</title>
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            <description>Der Terroranschlag vom 11. September 2001 ist vermutlich der meistfotografierte Anschlag aller Zeiten und es gibt eine Unmenge ikonischer Aufnahmen dieses Tages.</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Der Terroranschlag vom 11. September 2001 ist vermutlich der meistfotografierte Anschlag aller Zeiten und es gibt eine Unmenge ikonischer Aufnahmen dieses Tages. Aber ein Bild sticht heraus und war zur Zeit seiner Veröffentlichung so kontrovers dass es danach mehrere Jahre im Giftschrank der Presseagenturen verschwand.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Drew_(Fotograf)" target="_blank">Richard Drew</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Terroranschl%C3%A4ge_am_11._September_2001" target="_blank">Terroranschläge am 11. September 2001</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210521210811/http://digitaljournalist.org/issue0110/drew.htm" target="_blank">Richard Drew</a> (The Digital Journalist)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Falling_Man" target="_blank">The Falling Man</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.esquire.com/news-politics/a48031/the-falling-man-tom-junod/" target="_blank">The Falling Man &#8211; an unforgettable story.</a> (Esquire)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://bhphotopodcast.libsyn.com/size/5/?search=richard+drew" target="_blank">Richard Drew Interviews i</a><a href="https://bhphotopodcast.libsyn.com/size/5/?search=richard+drew" target="_blank" rel="noreferrer noopener">m</a><a rel="noreferrer noopener" href="https://bhphotopodcast.libsyn.com/size/5/?search=richard+drew" target="_blank"> B&amp;H Photography Podcast</a></li></ul>

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<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Wenn ich gerade hier so sitze und in dieses Mikrofon spreche, sehe ich bequem das Display meines Telefons. Es zeigt mir das aktuelle Datum, es ist der 11. September 2021 &#8211; 20 Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center. Das Datum ist natürlich offensichtlich etwas Besonderes: Überall laufen gerade Dokus und die meisten von uns wissen ganz genau, wo sie waren, als sie von den Anschlägen erfahren haben. Ich bin da keine Ausnahme, ganz besonders deswegen nicht, weil ich näher an diesen Türmen war, als mir lieb war, ich war nämlich in Queens. In Sichtweite der zu dem Zeitpunkt schon brennenden Türme.</p>

<p>Aber ich verkneife mir jetzt mal, hier im Podcast darüber zu sprechen, was ich an dem Tag erlebt hab. Erstaunlicherweise habe ich auch keine Fotos davon in meinem Archiv. Ich habe nicht fotografiert. Stattdessen möchte ich allgemein über die Fotografie vom 11. September und speziell über ein ganz besonderes Bild sprechen: Eine Aufnahme, die so kontrovers war, dass sich Bildredakteure nach ihrer Veröffentlichung dafür entschuldigten und mehrere Jahre lang stillschweigend die Absprache trafen, dieses Bild nicht mehr einzusetzen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>(Tagesschau Intro)</p>

<p>&#8222;Kurz vor neun Uhr Ortszeit in New York: Ein US-Passagierflugzeug stürzt auf einen der Türme des World Trade Centers. Wenig später rast eine zweite Maschine in den anderen Turm. Beide Gebäude stürzen kurze Zeit später nacheinander in sich zusammen. Gegen zehn Uhr stürzt ein Flugzeug auf das Gelände des Pentagon in Washington. Das Verteidigungsministerium geht teilweise in Flammen auf.&#8220;</p>

<p>Ich kann jetzt natürlich eine Menge Plattitüden absondern. Ich kann erklären, wie diese Anschläge selbstverständlich die Welt verändert haben. Die größten Anschläge auf amerikanischem Boden. Die Amerikaner waren auf ihrem eigenen Grund und Boden angegriffen worden, das war etwas, das ihnen bis dahin komplett erspart geblieben war. Und die Bilder haben sich in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt. Wir haben gar keine Schwierigkeiten, uns an das World Trade Center als Gebäude zu erinnern und wir haben natürlich Bilder von den rauchenden oder den einstürzenden Türmen vor Augen. Dann ist da natürlich noch diese Aufnahme von dem schräg stehenden metallischen Fassadenstück, vor dem die Feuerwehrleute wie kleine Miniaturfiguren aussehen. Es gibt Bilder von den rauchenden Türmen in der Skyline aus Entfernung oder Aufnahmen von Menschen, die vor den plötzlich durch die Straßen rauschenden dunklen Rauch- und Staubwolken davonrennen.</p>

<p>Ich glaube, man kann auch davon ausgehen, dass die Anschläge vom 11. September zu den best dokumentierten Anschlägen unserer Zeit gehören. Das liegt unter anderem auch an der Stadt, in der die stattfanden: New York. Zu jedem gegebenen Zeitpunkt tobt in New York das Leben und zu jedem gegebenen Zeitpunkt ist New York voll mit Pressefotografen und Journalisten, nicht zuletzt auch, weil die großen Fotoagenturen natürlich Büros und Hauptquartiere in dieser Stadt haben. Als das erste Flugzeug den ersten Tower trifft, greifen in der ganzen Stadt hunderte von professionellen <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen zu ihrem Equipment und stürmen auf die Straße, wenn sie nicht sowieso schon in Sichtweite auf die Anschläge sind.</p>

<p>Vor einigen Wochen kam hier bei mir ein Päckchen an. Ich hatte bei einer Aktion mitgemacht, bei der Holger Dankelmann, seines Zeichens Podcaster und Fotograf, Fotobildbände in einer Art Kettenbrief rumschickte. Die Idee war, ein Päckchen mit Bildbänden zu bekommen, dort dann einzelne Bücher rauszunehmen, dafür andere Bücher beizusteuern und es wieder zum nächsten Empfänger auf die Reise zu schicken. Als das Paket bei mir ankam, enthielt es unter anderem einen Bildband der Fotoagentur Magnum, in der die Magnumfotografinnen und -fotografen ihre Aufnahmen vom 11. September zusammengetragen hatten. Und dann waren natürlich noch Unmengen von Touristen in der Stadt, die auch alle fotografierten.</p>

<p>2001 war eine Zeit im Umbruch. Nicht alle fotografierten auf Film. Manche hatten schon digitale Kameras, zumindest, wenn sie Fotografen bei Bildagenturen wie Associated Press waren. Generell gab es aber noch beides: Film und Digital existierte nebeneinander. Der Fotograf Richard Drew war einer der Digitalpioniere. An diesem Morgen hatte er von Associated Press den Auftrag bekommen, im Rahmen der auch gerade stattfindenden Fashion Week ein Fashion-Event zu dokumentieren.&nbsp;</p>

<p>Das Ganze hatte gerade angefangen, er hatte die ersten Fotos gemacht, als die Telefone anfingen zu klingeln und er von seinem Büro kontaktiert wurde, mit der Nachricht, es hätte einen Terroranschlag in der Stadt gegeben und es gäbe jetzt eine Änderung seiner Pläne, er soll nämlich los und die Ereignisse dokumentieren. Er nimmt also die Fashion Week Karte aus der Kamera, steckt die nächste Karte ein und macht sich auf den Weg zum World Trade Center.</p>

<p>Richard Drew war ein Veteran. Er war zu dem Zeitpunkt über 50 Jahre alt und man kannte ihn als einer von vier Fotografen, die bei der Ermordung Robert Kennedys zufällig fort gewesen waren. Er war außerdem Pulitzer-Preisträger und seit seinen 20ern immer als Pressefotograf unterwegs. So jemand fragt nicht, ob er etwas fotografieren soll, so jemand macht sich auf den Weg, um mit seiner Kamera History in the Making zu dokumentieren.</p>

<p>Ich habe verschiedene Interviews von <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen zu dem Ereignis gehört. Sie alle sagen in etwa dasselbe. Es sind nämlich Momente wie diese, für die sie <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen geworden sind. Ereignisse, die dokumentiert werden müssen, die geradezu danach schreien, dokumentiert zu werden. Da gibt es die, die sich auf die Menschen am Boden konzentrieren und die Emotionen und die Gefühle einfangen. Da gibt es diejenigen, die auf die Türme draufhalten oder die Rettungskräfte bei ihrer Arbeit fotografieren.</p>

<p>Richard stellt fest, dass er sowieso schon sehr nah am Geschehen ist und macht sich auf den Weg Richtung Türme. Dabei fotografiert er alles, was ihm vor die Kamera kommt. Er schlängelt sich durch die Straßen Manhattans immer näher an das World Trade Center heran und vermeidet dabei besonders, die Einsatzkräfte zu blockieren oder in die Arme der Polizei zu laufen, aus Angst heraus, er könnte dann abgewiesen und weggeschickt werden. Und er kommt ziemlich nah an die Gebäude heran, er hat einen unverstellten Blick auf die Gebäude. Was ihm beinahe das Leben kostet, als der erste Turm anfängt, in sich zusammenzustürzen.</p>

<p>Es ist ein zufällig auch in der Nähe stehender Passant, der die Gefahr schneller erkennt als Richard, ihn packt und in eine Seitenstraße zieht. Richard läuft zunächst ein Stück weg vom Ort des Geschehens, aber nur, um in einem Bogen wieder an den Sicherheitskräften vorbei in die Nähe der Türme zu gehen. Er rechnet damit, dass auch der zweite Turm in sich zusammenstürzen wird.</p>

<p>Und er nimmt seinen Auftrag ernst. Er ist als <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalist</a> vor Ort und hat die Verpflichtung, die Ereignisse festzuhalten. Als Polizisten in seine Richtung laufen, versteckt er sich geistesgegenwärtig zwischen Büschen und läuft, kaum, dass sie an ihm vorbei waren, weiter Richtung Terroranschlag. Er ist so weit weg von den Türmen, dass er nicht sehen kann, was am Boden geschieht. Es ist mindestens eine Häuserfront zwischen ihm und dem Geschehen, aber er hat freien Blick auf die World Trade Center Türme.</p>

<p>Und da spielen sich schreckliche Szenen ab. Es gibt Videoaufnahmen und Fotografien von Menschen, die aus den Türmen springen oder herausgerissen werden, das weiß man nicht so genau. Durch die Brände, die in den Hochhäusern herrschen, mag es zum Teil stürmische Verhältnisse geben. Oder die Menschen werden von kleineren Explosionen und Druckwellen aus den Fenstern gedrückt. Manche sehen vielleicht auch die Ereignisse kommen und denken sich, dass ein selbstbestimmter Sprung besser ist, als abzuwarten, was passiert.</p>

<p>Richard fotografiert auch hier. Mit Serienbildaufnahmen. Und es ist eine solche Aufnahme aus einer Fotoreihe bestehend aus neun Bildern um 9:41 Uhr und 15 Sekunden, die bis heute als sein berühmtestes Bild gilt. Es ist eine ungewöhnlich ruhige Aufnahme. Sie zeigt die Fassade des World Trade Centers, gleichmäßige, nach oben ziehende Linien, und einen Menschen, der parallel zu ihr Richtung Boden fällt. Man sieht nicht den Boden, man sieht nicht, woher dieser Mensch kommt, man sieht, dass er erstaunlich ruhig zu sein scheint. Später gibt es Versuche, herauszufinden, wer dieser Mann war, und man glaubt, im Wesentlichen auf zwei mögliche Personen eingegrenzt zu haben, wer auf diesem Bild eventuell zu sehen ist.</p>

<p>Die Aufnahme wird von der New York Times auf Seite sieben gedruckt, andere große Tageszeitungen am nächsten Tag veröffentlichen vollflächige Abdrucke dieses Bildes auf der Rückseite ihrer Zeitungen. Und sie alle ernten einen Aufschrei der Empörung. Dieses Bild zeigt schließlich jemanden im Augenblick des Todes, jemanden, der fällt, jemanden, der dem sicheren Ende entgegenfällt, die letzten Sekunden. Es gibt das Gerücht, dass Menschen, die aus so großer Höhe abstürzen, während dem Sturz wahrscheinlich das Bewusstsein verlieren oder sterben, aber das weiß niemand. Auch die Vorstellung, dass die Person eventuell selbstbestimmt gesprungen ist, ist kontrovers. Man hat ja zwei Personen als mögliche Identität identifiziert und einer davon stammt aus einer hochreligiösen Familie, einer Familie also, die es unvorstellbar findet, dass der Familienvater eventuell den Freitod gewählt haben soll. Eine Todsünde nach streng religiösen Ansichten.</p>

<p>Und der Aufschrei ist auch noch aus anderen Gründen wirklich seltsam. Wir reden hier immerhin von amerikanischem <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Bildjournalismus</a>. Das sind dieselben Zeitungen, die überhaupt gar kein Problem damit haben, zerbombte Städte in anderen Ländern abzudrucken und durch deren Arbeit Bilder wie zum Beispiel das berühmte &#8222;<a "/posts/das-ultimative-anti-kriegs-bild.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="51" title="Nick Út">Napalm Girl</a>&#8220; weltbekannt wurden. All diese Bilder sind selbstverständlich im allgemeinen Interesse. Kaum, dass das Bild aber jemanden zeigt, der eventuell ein Nachbar gewesen sein könnte, kaum, dass das Bild eine Aufnahme zeigt, in die sich die Betrachterinnen und Betrachter hineinversetzen können und sich die Frage stellen können, wie sie in einer ähnlichen Situation gehandelt hätten, kaum, dass es jemanden von uns zeigt, bricht das Bild angeblich mit ethischen Konventionen.</p>

<p>Und wenn man darüber nachdenkt, wird noch etwas anderes auffällig. Es gibt nämlich vom 11. September keine Bilder von Opfern. Direkt am Ort der Einsturzstelle wird das natürlich damit erklärt, dass die unter Tonnen von Material vergraben sind und zum Teil einfach auch nicht mehr sichtbar, aber das sind ja auch nicht die einzigen Opfer. Wir machen uns keine Vorstellung davon, wie viele Opfer es auch am Boden gegeben hat. Herabstürzende Bauteile, die in Autos eingeschlagen sind. Umstehende Gebäude, deren Fronten eingedrückt wurden. Menschen, denen Dinge während dem Chaos um diese Terrorstelle herum etwas zugestoßen ist. Und da ist es schon interessant, dass eine ganze Reihe professioneller Fotografinnen und Fotografen Ground Zero Fotos gemacht haben und trotzdem kaum entsprechend explizites Material zu sehen ist.</p>

<p>Aber es gibt diese Videos und es gibt dieses eine Bild, &#8222;The Falling Man&#8220;. Seit diesem Foto wird Richard Drew praktisch zu jedem größeren Jubiläum von 9/11 zu Interviews gebeten und er erzählt immer wieder, wie es zu diesem Bild kam. Die neun Fotos, die er gemacht hat, von denen acht chaotisch aussehen und dieses eine Bild zeigt jemanden in einer vermeintlich völlig ruhigen Position. Ein Foto, das die Menschen nachdenklich machte und aufwühlt und wegen seiner Einfachheit so beeindruckend ist.</p>

<p>Im 9/11 Memorial, der Gedenkstätte also, wurde dem fallenden Menschen ein eigener Raum gewidmet. Dort werden Fotos und Videos von ihnen gezeigt und um die zu sehen, muss man den Kopf in den Nacken legen, sodass man ähnlich steht, wie man gestanden hätte, wenn man diese Aufnahmen selbst gemacht hätte. Ein sehr eigentümliches Gefühl und ein Gedanke, der mich aufwühlt. Während ich mir ein völlig ruhiges und scheinbar gewaltloses Bild ansehe.</p>

<p>Die Bilddokumentation vom 11. September ist faszinierend, besonders, wenn man sie mit dem vergleicht, was wir von anderen Krisenherden und Kriegs- oder Terrorschauplätzen kennen. Da wird, finde ich, sehr schnell deutlich, dass in den meisten Krisen die Dokumentierenden, also die Fotografinnen und Fotografen, unbeteiligt sind. Und dass sich die Perspektive und die Fotografien dramatisch ändern, sobald die Menschen direkt betroffen sind. Vielleicht gilt das aber auch nur für die einzigartigen Umstände beim 11. September, bei dem die Leute nicht nur direkt betroffen waren, sondern auch die Umstände an sich ausgesprochen ungewöhnlich waren. Vielleicht stimmt ja, was Richard Drew in einem Interview gesagt hat, dass es deswegen so wenig Bilder von Opfern gab, weil es so wenig sichtbare Opfer gab.</p>

<p>Umso interessanter finde ich dann eben auch die Aufregung um dieses Bild, &#8222;The Falling Man&#8220;. Bis heute wird kontrovers diskutiert, ob das Bild überhaupt veröffentlicht werden sollte. Und es ist gerade wegen seiner Einfachheit auch ein aufwühlendes Bild. Aufwühlender als viele der ikonischen und manchmal auch viel dramatischeren Aufnahmen, die man sonst so vom 11. September 2001 sehen kann.</p>

<p>Interessant ist an dem Bild aber auch, dass es zwar von einem Profi gemacht wurde, aber im Grunde ohne bestimmte Planung. Er selbst sagt, er hat einfach draufgehalten. Er hat die Kamera in Richtung der Türme gehalten und der Rest passierte über die Serienbildfunktion seiner Kamera und den Zufall, durch den er ein Bild in genau dem richtigen Moment eingefangen hatte. Die acht anderen Bilder zeigen dieselbe Person, aber nie in einer derartigen Komposition. Nie so ruhig, nie so vermeintlich schwebend vor der Fassade, nie so in Einklang mit den stürzenden Linien. Er sagt in einem Interview, da war kein &#8222;Decisive Moment&#8220; im Spiel. Wegen seinem Job war er vor Ort. Durch sein Training hat er seine Kamera benutzt. Aber nichts an dem, wie er die Kamera benutzt hat, war in irgendeiner Form besonders.</p>

<p>Und die Kontroverse, die sah er gelassen. Er war nie im Kreuzfeuer. Der Ärger richtete sich auf die Bildredakteure, die sein Bild für Zeitungen ausgewählt hatten. Und Richard sagt, er versteht das schon irgendwie. Die Tatsache, dass die Menschen sich selbst in diese Situation denken konnten, ändert einfach, wie sie diese Bilder wahrgenommen haben. Ich frage mich allerdings seitdem, ob sie das eigentlich sollten, ob wir da nicht ganz offensichtlich mit zweierlei Maß messen.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sat, 11 Sep 2021 15:33:36 GMT</pubDate>
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            <title>Farbfilmpflicht</title>
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            <description>Pressefotografen hatten jahrzehntelang die Wahl ob sie Ereignisse in Farbe oder Schwarz-Weiß festhielten.</description>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Pressefotografen hatten jahrzehntelang die Wahl ob sie Ereignisse in Farbe oder Schwarz-Weiß festhielten. Bestand die Wahrscheinlichkeit eines Titelbildes wurde in Farbe, in allen anderen Fällen monochrom fotografiert um Kosten zu sparen. Das alles änderte sich am 22. Januar 1987.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210902133053/https://petapixel.com/2016/12/23/day-made-ap-photographers-switch-100-color-film/" target="_blank">The Day That Made AP Photographers Switch to 100% Color Film</a></li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.pennlive.com/editorials/2010/10/filmmaker_on_dwyer_guilty_as_c.html" target="_blank">Filmmaker on Dwyer: Guilty as charged?</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://dwyermovie.com/" target="_blank">Dokumentation &#8211; Budd Dwyer, an honest man.</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.upi.com/Archives/1987/01/23/Treasurer-may-have-saved-pension-for-wife/9732538376400/" target="_blank">Treasurer may have saved pension for wife</a></li><li>R. Budd Dwyer (Wikipedia &#8211; <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/R._Budd_Dwyer" target="_blank">Englisch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Budd_Dwyer" target="_blank">Deutsch</a>)</li></ul>

<ul><li>Paul Vathis (Wikipedia, <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Paul_Vathis" target="_blank">Englisch</a>)</li><li><a href="https://www.worldpressphoto.org/collection/photo-contest/1988/paul-vathis/4">Paul Vathis &#8211; World Press Photo</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20121019144131/https:/old.post-gazette.com/obituaries/20021211vathisobit4p4.asp" target="_blank">Paul Vathis Nachruf</a> (web.archive.org)</li></ul>

<ul><li>Wilt Chamberlain&#8217;s 100-point game (Wikipedia, <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Wilt_Chamberlain%27s_100-point_game" target="_blank">Englisch</a>)</li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.ap.org/" target="_blank">Associated Press</a></li><li>Associated Press (Wikipedia, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Associated_Press" target="_blank">Deutsch</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://alphauniverse.com/stories/why-the-associated-press-just-switched-to-sony/" target="_blank">Why The Associated Press Just Switched To Sony</a></li><li>How Digital Technology has Changed Photojournalism</li><li><a href="https://newsroom.gettyimages.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Getty Images and Visual China Group Partner in Exclusive Global Distribution Partnership for Extensive Visual Content Collection of Corbis Images</a></li></ul>

<ul><li><a "/tags/farbfilm.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="28" title="Farbfilm">Farbfilm</a> (Wikipedia, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Farbfilm" target="_blank">Deutsch</a>)</li><li><a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Kodachrome (Wikipedia, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kodak_Kodachrome" target="_blank">Deutsch</a>)</li><li>Farbfotografie (Wikipedia, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Farbfotografie" target="_blank">Deutsch</a>)</li></ul>

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<p>Episodenbild: Von DerFalkVonFreyburg &#8211; Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4895560</p>

<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>Unser kollektives Bildgedächtnis wird von der Pressefotografie dominiert. Und die eindrücklichsten sind oft die schmerzhaftesten Bilder. Tank Man. <a "/posts/das-ultimative-anti-kriegs-bild.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="51" title="Nick Út">Napalm Girl</a>. Das Hindenburgdesaster. Oder auch die neueren Fotos des versuchten Sturms auf das Capitol. Sie alle haben gemeinsam, dass sie Pressefotos sind und dass man sie über Bildagenturen wie &#8222;Associated Press&#8220; einkaufen kann.</p>

<p>Alles, was wir über die Welt wissen, wissen wir aus den Medien. Und die Medien bekommen ihre Bilder und Geschichten von um die Welt verteilten Nachrichtenagenturen. Die größte aller weltweiten Nachrichtenagenturen ist die &#8222;Associated Press&#8220;, deren Geschichte schon im Mai 1848 beginnt. Damals ging es weniger um Fotografie als um den zu der Zeit gerade stattfindenden <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> zwischen USA und Mexiko. Man wollte schlicht nicht für jede Zeitung eigene Reporter runterschicken und so verständigte man sich darauf, weniger Journalisten loszuschicken und dafür dann deren Geschichten in mehreren Zeitungen gleichzeitig zu verwenden.<br>In den 1880ern dann begann der Siegeszug der Fotografie in den Zeitungen. Und mit dem Bedarf an Fotografie stieg natürlich auch die Menge an <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen, die ihren Lebensunterhalt mit Pressefotografie bestritten. Pressefotografie ist nicht besonders glamourös: Die meiste Zeit verbringt man in Pressekonferenzen. Oder man wird auf organisierte Reisen hin zu Krisengebieten geschickt. Natürlich gibt es die Stars der Szene, die auf eigene Faust unterwegs sind, die aber dann meistens einen ganzen Tross von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschäftigen. Und in solchen Fällen ist es natürlich oft so, dass die Nachrichtenagenturen, bei denen sie unter Vertrag sind, für die entsprechenden Ressourcen sorgen.</p>

<p>Es ist natürlich diese Wiederverwendung von Bildern, die Fotos dann auch ikonisch machen können. Wenn ein Bild erstmal auf hunderten von Titelseiten und auf tausenden von Nachrichtenportalen zu sehen ist, dann gibt es kein entkommen mehr, wir erinnern uns daran. Und ein Stück weit erklärt das auch, warum immer noch verhältnismäßig wenige private Aufnahmen ikonisch werden.<br>Es ist einfach selten, dass die großen Ereignisse stattfinden, ohne, dass wenigstens eine Pressefotografin mit im Raum ist. Und wenn der oder die dann auf den Auslöser drückt, dann wird das Bild, das da geschossen wurde, nicht nur vermutlich mit besserem Equipment fotografiert als das durchschnittliche Handyfoto. Viel wichtiger ist, dass es gleich im Anschluss in ein weltweites Netzwerk gekippt wird und so wesentlich mehr Verbreitung findet.<br>Associated Press ist als Genossenschaft organisiert, man ist also Mitglied. Es gibt über 1400 Mitgliedsorganisationen, die DPA ist ein Beispiel dafür. Und diese Mitgliedsorganisationen, die beschäftigen zum Teil in Festanstellung, zum Teil als freie Mitarbeiter eine Heerschar von <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen. Damit steigt natürlich dramatisch die Chance, dass bei wichtigen Ereignissen auch die richtigen Menschen vor Ort sind, um diese zu dokumentieren.</p>

<p>Zumindest für die fest angestellten Profis gilt ein Regelwerk von Associated Press, wie die Fotos beschaffen sein müssen. Und zum Teil wird auch das Equipment gestellt. Zurzeit zum Beispiel fotografieren <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen, die bei AP unter Vertrag sind, mit Equipment von Sony. Ganz besonders Sportfotografie wird mit den Sony Alpha Kameras gemacht und garantiert sozusagen damit Sony ikonische Fotos, die sie dann wiederum in ihren Kampagnen verwenden können. Win Win.<br>Aber neben dem einzusetzenden Equipment gab es immer auch schon ganz praktische Guidelines. So dürfen AP-Fotos nur minimal bearbeitet werden. Am Kontrast zupfen oder ein bisschen zuschneiden, meinetwegen. Aber Elemente wegstempeln geht schon nicht mehr.<br>Heutzutage müssen Fotos digital und in ausreichender Auflösung und in Farbe vorliegen. Wer sich also an den alten Meistern orientiert und mit einer Messsucherkamera Fotos auf körnigem Schwarz-Weiß festhält, wird die bei Associated Press und Co. nur noch loswerden, wenn durch irgendeinen Zufall das eigene Bild das einzige verfügbare Foto von einem wichtigen Moment war.</p>

<p>Allerdings passiert auch das öfter, als man denkt. Also, dass nur ein Fotograf, eine Fotografin zufällig vor Ort ist und das einzige verfügbare Foto macht. Selbst in einer Welt, in der wir alle mit Digitalkameras in Form von Smartphones ausgestattet sind, gewinnt dann im Zweifel der professionelle Instinkt und das gekonnte Bedienen der Technik die Oberhand, sollte man als <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalist</a> zufällig gerade vor Ort sein.<br>Und so erklärt sich auch, warum die Branchenpreise, zum Beispiel der Pulitzer-Preis oder der World Press Photo Award erstaunlicherweise oft mit One-Hit Wonders gefüllt sind. Also einzelnen Bildern, die absolut ikonisch sind, für die man dann eine Fotografin oder einen Fotografen als Urheber ausmacht, von denen ist wenig weiteres Material zu geben scheint. Die haben natürlich trotzdem tausende, zehntausende, manche hunderttausende Fotos produziert, aber halt als Pressefotografen für die Presseagentur und weniger in Form von Fotobüchern oder Prints oder irgendwelchen anderen Veröffentlichungen. Heute möchte ich die Geschichte von einem dieser Fotografen erzählen; Paul Vathis.</p>

<p>Der Sohn griechischer US-Immigranten verbringt den Großteil seines Lebens in seinem Geburtsstaat Pennsylvania in den USA. 56 Jahre lang war er Fotograf für AP. Und wer ihn als Mitglied des Pressepools irgendwo bei einem Auftrag treffen würde, hätte wahrscheinlich nicht gedacht, dass er es mit einem Pulitzer-Preisträger zu tun hatte. Paul war ein guter Fotograf, aber keiner, der Fotobildbände produzierte. Aber Paul hatte ein Händchen dafür, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, oder, falls er durch den Zufall an den richtigen Ort gebracht wurde, zumindest immer eine Kamera parat zu haben.<br>So war er zum Beispiel am 2. März 1962 der einzige Pressefotograf und der einzige mit einer professionellen Kamera, als sich abzeichnete, dass das Basketballspiel, zu dem er mit seinem Sohn gegangen war, ein Rekordspiel werden würde. Der Spieler Wilt Chamberlain setzte damals nicht nur einen der ganz großen Sportrekorde in der Geschichte des Basketballs, sondern verschaffte damit der NBA endgültig den Durchbruch gegenüber den damals noch dominanten Collage Sport Leagues. Ja, und Paul war nicht nur der einzige Pressevertreter vor Ort, er war auch der einzige, der eine Kamera dabei hatte und so nutzte er die Gelegenheit, die einzigen Pressefotos von dem Event zu produzieren.<br>Das Bild, für das er dann später den Pulitzer-Preis gewinnen sollte, war ein anderes Foto. Als Pressefotograf ist er in Camp David und er macht eine Aufnahme von einem nachdenklich ins Gespräch vertieften Präsidenten Kennedy und ehemaligen Präsidenten Eisenhower, die die gerade noch frischen Ereignisse der Invasion in der Schweinebucht diskutieren. Fotografisch gibt das Bild nicht viel her. Aber die Ereignisse sind natürlich explosiv und so ist dieses Gespräch auf Augenhöhe zwischen Präsident und ehemaligen Präsidenten natürlich etwas Besonderes.</p>

<p>Das Bild ist schwarz-weiß, wie fast alle Pressefotos aus der damaligen Zeit. Und das ist ganz interessant, denn auch unsere Erinnerungen an die Epochen, die da festgehalten wurden, sind oft von Schwarzweißfotos geprägt, und das, obwohl seit den 60er Jahren eigentlich Farbfilme die meistverkauften Filme sind.<br>Die ersten Farbfilme tauchen sogar noch viel früher auf. Am Ende des 19. Jahrhunderts, in den 1890er Jahren, gibt es die ersten ernsthaften Experimente, Farbfilme zu produzieren und Farbaufnahmen werden gefertigt. Die waren natürlich weit von jeglicher Serienreife entfernt. An die kam man dann 1912 bis 1915 näher. Und 1935 wird der legendäre und später marktführende Kodachromefilm auf den Markt gebracht.<br><a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> hat zunächst die Filmbranche im Blick, schnell wird aber auch klar, dass der Markt der Kleinbildfotografie ein ebenso lukrativer ist. Die Filme lassen sich teurer verkaufen, die Entwicklung ist aufwändiger und kostet mehr Geld und somit sind auch die Margen höher. Ab 1960 ist der Großteil des verkauften Filmmaterials Farbe. Das liegt aber daran, dass die meisten Fotografien im privaten Umfeld gemacht werden.</p>

<p>Pressefotografen hingegen halten ja Ereignisse fest. Und es gilt als ausgemacht, dass man dafür eigentlich normalerweise keine Farbe braucht. Tageszeitungen werden immer noch monochrom gedruckt und selbst Magazine drucken nicht jede Seite in Farbe, sondern wechseln das gerne auch einmal ab.<br>Und so gibt Associated Press die Vorgabe aus, dass Fotos in schwarz-weiß gemacht werden, außer es besteht die Annahme, es könnte sich um Titelseitenmaterial handeln. Wenn es diesen Verdacht gibt, also, dass es eventuell zu wirklich spektakulären Bildern kommen könnte, dann haben die Profis mehr als eine Kamera dabei und in irgendeiner der Kameras befindet sich dann auch ein <a "/tags/farbfilm.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="28" title="Farbfilm">Farbfilm</a>. Solche Gelegenheiten sind aber im Alltag der meisten Pressefotografinnen und -Fotografen eher selten, denn wenn man der Pressekonferenz des lokalen Kaninchenzüchtervereins beiwohnt, wird man vermutlich keine Titelseite fotografieren. Und viele entscheiden deswegen noch bevor sie überhaupt losfahren, welches Filmmaterial sie einpacken.</p>

<p>Lokalkonferenz von einem Provinzpolitiker? Aah, vielleicht doch eher schwarz-weiß. So oder so ähnlich dachten sich das Paul und seine Kolleg<em>innen wohl am 22. Januar 1987, als sie sich auf dem Weg zur Pressekonferenz des damaligen Treasurers, Senatoren und Lokalpolitikers in Pennsylvania Budd Dwyer machten. Budd Dwyer war in einen Bestechungsskandal verwickelt. Er hätte, so der Vorwurf, einen großen staatlichen Vertrag im Tausch gegen einen 300000 Dollar Kickback an ein Unternehmen aus Kalifornien vergeben. Das Ganze zieht sich über Monate hin. Es kommt zu einer ganzen Reihe von Rechtsverfahren. Und Rechtsverfahren in den USA sind teuer, insbesondere, wenn man als Staatsbediensteter wie Dwyer gerade mal 58000 Dollar im Jahr verdient. Dwyer bietet irgendwann an, einen Lügendetektortest zu machen, aber unter der Bedingung, dass ein negatives Testergebnis bitte zum Ende des Verfahrens führen sollte, eine Bedingung, die abgelehnt wird. Er wird von einem lokalen Gericht schuldig gesprochen, ein Urteil, das er anfechtet. Am 23. Januar 1987 steht eine finale Entscheidung an und so erwarten alle, dass Dwyer in der Pressekonferenz am 22., also am Vortag, seinen Rücktritt als Treasurer erklären wird. Und sowas ist sicherlich interessant für die Lokalpresse, aber Titelseitenmaterial ist es nicht. Und deswegen packt niemand Farbfilme ein. Alle Fotograf</em>innen, auch Paul, laden ihre Kameras mit Schwarzweißfilmen.</p>

<p>Dwyer hält eine Rede, 30 Minuten lang, in der er unter anderem nochmal versucht, darzustellen, dass er sich keinerlei schuldbewusst ist, dass er das Opfer einer Schmutzkampagne ist, einer Kampagne, gegenüber der er sich wehrlos ausgeliefert sieht, eine Kampagne, die ihn zu ruinieren droht. Sein Staff und die anwesenden Journalisten sind sich sicher: Jeden Augenblick wird der angekündigte Rücktritt kommen.<br>Aber das ist der Moment, in dem das Ganze eine drastische Wendung nimmt. Dwyer greift zu einem Umschlag, aus dem er eine 357er Magnum herauszieht, das ist ein massiver Revolver. Die Leute im Raum erkennen, was er zu tun versucht und reden auf ihn ein. Dwyer sagt noch, dass die, denen das jetzt gleich zu schockierend sein wird, doch bitte schnell den Raum verlassen mögen, und es soll ihm bitte niemand zu nahe kommen, er will niemanden verletzen. Aber es ist klar, dass, wenn er nicht schnell handelt, irgendjemand auf ihn draufspringen und ihm die Waffe abnehmen wird. Und deswegen nimmt er den Revolver, steckt ihn sich in den Mund und drückt ab. Er ist sofort tot.</p>

<p>So viel also zu einer langweiligen Pressekonferenz, die kein Titelseitenmaterial wird. Genau das Gegenteil ist der Fall. In den USA ist dieser Selbstmord auf jeder Titelseite. Das Bild, das auf den Titelseiten auftaucht, ist das Schwarzweißfoto von Paul Vathis. Es zeigt Budd Dwyer mit entschlossenem Gesichtsausdruck und dem Revolver in der Hand, Sekundenbruchteile, bevor er sich den Lauf in den Mund steckt. Paul war zufällig am richtigen Ort gestanden und hatte die Kamera sowieso gerade auf ihn gerichtet. Und so hält er den Moment ohne Wiederkehr fest.<br>Es gab eine Farbfilmaufnahme dieses ganzen Moments, und zwar war eine Nachrichtenkamera mit im Raum für die lokale TV-Station. Die hatte aber nicht nur einen ungünstigeren Winkel, sondern auch schlechtere Bildqualität und so konnte man das Bild nicht für Printmedien, für Magazine und Zeitungen verwenden.</p>

<p>Trotzdem liefen diese Aufnahmen natürlich in den folgenden Wochen kreuz und quer durch die USA. Die TV-Sender spalteten sich in zwei Lager. Die Mehrzahl der Stationen entschied sich aktiv dagegen, den Schuss zu zeigen, aber natürlich gab es auch die TV-Stationen, die der Versuchung nicht widerstehen konnten, das Video in all seinen Details abzuspielen. Und so kam es in den USA gleich auch noch zu einer Medienethikdebatte, zusätzlich zu der Frage, ob Budd Dwyer durch seinen Selbstmord nun bewiesen hat, wie unschuldig er gewesen war oder wie schuldig er denn nun sein musste. Schuldig war dann auch der Urteilsspruch der nachfolgenden Verhandlungen.<br>Allerdings blieb auch ein ziemlich fader Geschmack und einiges an Fragen zurück, denn es tauchte der Verdacht auf, dass Budd Dwyer den öffentlichen Freitod gewählt hatte, um seiner Familie den finanziellen Ruin zu ersparen. Die schon aufgehäuften Verfahrenskosten waren weit mehr als er sich eigentlich leisten konnte und hätte er abgewartet, bis er endgültig schuldig gesprochen war, ein Urteil, das als sicher galt, dann hätte er jegliche Pensionsansprüche verloren. Zu der Zeit die höchsten Pensionsansprüche, die jemals in der Geschichte von Pennsylvania ausgezahlt worden waren, über 1,3 Millionen US-Dollar. Weil Budd Dwyer noch vor dem Schuldspruch aus dem Leben geschieden war, konnte seine Witwe diese Pensionskosten geltend machen und damit den finanziellen Ruin abwenden.</p>

<p>Bis heute gibt es Leute, die Zweifel an dem Schuldspruch anmelden und der Überzeugung sind, Budd Dwyer wäre eigentlich unschuldig gewesen. Die TV-Stationen gaben sich zum Teil neue Regeln in solchen Fällen. Schockierende Ereignisse wie der Freitod vor der Kamera sollten einfach nicht mehr ungefiltert ausgestrahlt werden dürfen. Und Paul Vathis war ein weiteres Mal zum Pulitzer-Preis nominiert.<br>Gewonnen hat er ihn damals nicht, aber er war der letzte Associated Press Photographer, der ein schwarz-weißes Pressebild zum Pulitzer einreichte. Denn AP gab sich mit dem Ereignis rund um Budd Dwyer neue Regeln: Egal, ob es teurer in der Entwicklung und in der Anschaffung sein würde, ab jetzt mussten Pressefotos in Farbe sein.</p>

<p>1990 dann begann nach und nach der Siegeszug der Digitalkameras. Der war am Anfang noch gemächlich, aber eben auch von Anfang an in Farbe. Die erste Digitalkamera, die für Journalistische Zwecke verwendet wurde, war in Kooperation zwischen <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> und Associated Press. 0,8 Megapixel hatte diese Kamera. Als dann rund um das Jahr 2000 die ersten digitalen Spiegelreflexkameras mit über 6 Megapixeln auf dem Markt waren, war es um die Filmkameras nach und nach geschehen &#8211; 2010 waren analoge Kameras zumindest in Pressekonferenzen komplett verschwunden. Und das ist vielleicht eine dieser wichtigen Unterscheidungen: Es gibt nach wie vor Pressefotos, die auf Film gemacht werden. Das sind aber dann keine zeitkritischen Aufträge. Und meistens sind es dann auch die Fotografinnen und Fotografen, die schon immer mit Film gearbeitet haben und schon seit ein paar Jahrzehnten im Geschäft sind.<br>Ganz allgemein hätte sich dann heute außerdem auch die Lage komplett gedreht: Die billigsten Filme und die niedrigsten Laborkosten hätten heute Farbfilme. Es sind die Schwarzweißfilme, die inzwischen zur Ausnahme werden, die von Hand anstatt automatisiert entwickelt werden müssen. Und drum mag es so sein, dass schwarz-weiß unser ikonisches Pressefotogedächtnis geprägt hat. Aber moderne Bilder, die sind nur dann noch in schwarz-weiß, wenn die Fotografinnen und Fotografen das aus künstlerischen Gründen aktiv so entschieden haben.</p>

<p>Unser kollektives Bildgedächtnis wird geprägt von Bildagenturen. Associated Press ist die größte Nachrichtenagentur der Welt und damit eine der wichtigsten Bildlieferanten. Und zusammen mit Getty und Corbis dominieren sie, welche Bilder wir sehen und welche Nachrichten wir lesen. Kleiner Infoschnipsel dazu am Rande: Corbis und Getty Images, die zwei größten reinen Bildagenturen der Welt, gehören einer chinesischen Investorengruppe. Im Grunde bekommen wir also die Bilderflut um uns herum mehr oder weniger aus ein bis zwei Händen. Und ich finde, das sollte uns, egal ob jetzt Farbe oder schwarz-weiß, wirklich zu denken geben.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 27 Jun 2021 15:15:58 GMT</pubDate>
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        </item>
        <item>
            <title>Mehr als nur Politikerfotos</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/mehr-als-nur-politikerfotos.html</link>
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            <description>Der offizielle Fotograf des amerikanischen Präsidenten hat einen echten Knochenjob und macht Fotos wie sie kein Staatschef sonst veröffentlicht...</description>
            <content:encoded><![CDATA[

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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Der offizielle Fotograf des amerikanischen Präsidenten hat einen echten Knochenjob und macht Fotos wie sie kein Staatschef sonst bekommt. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://time.com/5927198/capitol-trump-rioters-photography/" target="_blank">Inside the Capitol: A Photographer’s View of American Exceptionalism Under Siege</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bbc.com/news/in-pictures-55577824" target="_blank">Capitol riot: Five startling images from the siege</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pressesprecher_des_Wei%C3%9Fen_Hauses" target="_blank">Pressesprecher des Weißen Hauses</a> (DE, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Chief_Official_White_House_Photographer" target="_blank">Chief Official White House Photographer</a> (EN, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Yoichi_Okamoto" target="_blank">Yoichi Okamoto</a> &#8211; LBJ&#8217;s Photographer (EN, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cecil_W._Stoughton" target="_blank">Cecil W. Stoughton</a> &#8211; Kennedy&#8217;s Photographer (DE, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shealah_Craighead" target="_blank">Shealah Craighead</a> &#8211; Trump&#8217;s <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> (DE, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pete_Souza" target="_blank">Pete Souza</a> &#8211; Obama&#8217;s Fotograf (DE, Wikipedia)</li></ul>

<hr/>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.hollywoodreporter.com/news/politics-news/biden-names-white-house-photographer-press-secretary-4116974/" target="_blank">Biden Names White House Photographer, Deputy Press Secretary</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theatlantic.com/technology/archive/2013/02/the-oldest-known-photographs-of-a-us-president/272872/" target="_blank">The Oldest Known Photographs of a U.S. President</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.archives.gov/press/press-kits/picturing-the-century.html" target="_blank">&#8222;Picturing the Century: 100 Years of Photography from the National Archives&#8220;: Part I and Part II</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210801021838/https://www.cheatsheet.com/culture/the-most-iconic-photos-of-american-presidents-taken-in-the-last-century.html/" target="_blank">The Most Iconic Photos of American Presidents Taken in the Last Century</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.businessinsider.com/lyndon-johnson-played-terrifying-prank-with-his-amphicar-2014-8?r=DE&amp;IR=T" target="_blank">Lyndon Johnson Liked Taking His Advisors Out For Joyrides That Ended With This Terrifying Prank</a></li></ul>

<hr/>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Biskup" target="_blank">Daniel Biskup, &#8222;KanzlerInnen-Fotograf&#8220;</a> (Wikipedia)</li><li>President Lyndon Johnson howls with his dog while his grandson looks on, 1968</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.adamschultzphotography.com/" target="_blank">Adam Schulz &#8211; Biden&#8217;s Presidential Photographer</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://jescodenzel.com/" target="_blank">Jesco Denzel, &#8222;Kanzlerinnenfotograf&#8220;</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_R._M%C3%BCller" target="_blank">Konrad R. Müller (fotografierte alle Kanzler von Adenauer bis Merkel)</a></li></ul>

<hr/>

<ul><li>Instagram &#8211; Adam Schulz (Biden)</li><li>Instagram &#8211; Shealah Craighead (Trump)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/p/CK6r0pAFu1q/" target="_blank">Instagram &#8211; Pete Souza (Obama)</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20191212171034/https://www.instagram.com/whitehouse/?hl=en" target="_blank">Instagram &#8211; The White House</a></li></ul>

<hr/>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://herstorypod.de/podcast/gerda-taro-die-erste-kriegsreporterin/" target="_blank">HerStory &#8211; Der Podcast über starke Frauen der Geschichte &#8211; Gerda Taro</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://podcast.jugendrecht.org/" target="_blank">Scheiße gebaut? Der Jugendrechtspodcast</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://pavido.ninja/" target="_blank">Pavido inside</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://studio.kreativkommune.org/podcast/" target="_blank">Studio Kreativkommune</a></li></ul>

<figure><img decoding="async" src="https://i1.wp.com/www.presidentialpetmuseum.com/wp-content/uploads/2013/07/yuki-howling-with-johnson.jpg?fit=2000%2C1362&amp;ssl=1" alt="Image result for lbj howling"/><figcaption><img decoding="async" src="https://i.insider.com/53fceb6669beddac758b4569?width=1100&amp;format=jpeg&amp;auto=webp" alt="Image result for lbj amphibious car"></figcaption></figure>

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<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=zeVkHt2c6eY" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf YouTube ansehen</a></p>
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<div class="yt-facade" data-yt="2e5gNwN8VBc" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_2e5gNwN8VBc.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<p>Episodenbild: By Pete Souza &#8211; White House Flickr Account, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18890184</p>

<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>Als es in den letzten Tagen der Trump-Präsidentschaft zum Sturm aufs Kapitol kam, wurden wir mit Fotos dieses Ereignisses praktisch überschwemmt. Aber obwohl tausende von Handyaufnahmen und Videos von diesem Ereignis existieren müssen, waren die Bilder, die wir gesehen haben, von herausragender Qualität.</p>

<p>Ich fand das wirklich auffällig. Da war ein geschulter Blick und professionelles Equipment am Werk. Eine kurze Recherche bringt dann zum Vorschein: Es waren Pressefotografen, die diese Bilder gemacht haben. Dass das Profis waren, erkennt man auch an der unglaublichen Nähe, aus der viele dieser Aufnahmen entstanden sind. Da waren Menschen am Werk, die darauf trainiert waren, für den Moment bereit zu sein, die ihre Technik aus dem Schlaf beherrscht haben und die den richtigen Augenblick nicht nur sofort erkennen, sondern ihn auch mit schlafwandlerischer Sicherheit in Millisekunden festhalten zu wissen.</p>

<p>Pressefotografen haben den Auftrag, Geschichte zu dokumentieren. Ihre Bilder sollen darstellen, was passiert ist, wie es sich angefühlt hat, dabei zu sein und manchmal werden die Fragen, die solche Bilder beantworten, erst lange nach den Ereignissen gestellt.</p>

<p>An wenigen Orten ist die Ereignisdichte so hoch wie im Schlepptau des amerikanischen Präsidenten, weshalb der auch auf Schritt und Tritt von Kameras umgeben ist. Da sieht man manchmal Szenen, die ich auch schon immer bizarr fand. Zwei Staatschefs treffen sich zum Beispiel, sitzen sich gegenüber, die Presse wird ins Oval Office gelassen. Und 30 <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen machen in schneller Abfolge ungefähr dieselben 20 Bilder. Nicht nur, dass die alle dasselbe Bild machen, es hat auch noch denselben Aufbau wie buchstäblich hunderttausende vor ihnen. Nicht, dass die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen da viel Wahl hätten: Ihnen wurde genau zugewiesen, von wo aus sie fotografieren dürfen.</p>

<p>Mit einer Ausnahme. Eine Person mit Kamera bewegt sich völlig frei kreuz und quer durch den Raum und macht Fotos, ganz wie es ihr beliebt. Als die Presse den Raum verlassen muss, bleibt sie zurück und fotografiert weiter. Wenn das weiße Haus wenige Stunden später eine offizielle Pressemitteilung herausgibt und Fotos dazupackt, werden diese Bilder anders aussehen als alle anderen Aufnahmen von diesem Tag. Und nicht nur das: Es werden auch noch Aufnahmen dabei sein, bei denen war gar keine Presse anwesend. Manchmal sind sogar ganz private Schnappschüsse dabei. Schnappschüsse, die es erlauben, der Präsidentenfamilie sozusagen bei ihrem Alltag über die Schulter zu schauen.</p>

<p>Da gibt es also jemanden mit ungebremsten Zugang. Jemand, der oder die jeden Schritt des Präsidenten fotografieren darf und festhält. Das ist der Fotojournalistentraum schlechthin. Und den schauen wir uns heute mal ein bisschen genauer an.</p>

<p>Die Tatsache, dass eine Behörde wie das weiße Haus, denn nichts anderes ist das weiße Haus, eine offizielle Abteilung für Fotografie unterhält, ist jetzt nicht besonders überraschend, finde ich. Sowas gibt es tatsächlich in praktisch jeder Behörde und auch das Kanzleramt unterhält einen Bereich für Presse, in dem natürlich auch ein paar Fotografinnen und Fotografen angestellt sind.</p>

<p>Deren Aufgabenfelder sind vielseitig. Zum Beispiel ist es in öffentlichem Interesse, dass die Arbeit der Staatslenker und Staatslenkerinnen dokumentiert wird. Wichtige Meetings, wichtige Ereignisse sollen festgehalten werden. Und da ist es natürlich oft praktisch, nicht auf die externe Presse angewiesen zu sein. Einmal kann man so eine konsistente Qualität sicherstellen und dann sind natürlich gut gemachte Fotografien eine hervorragende Methode, um das eigene Image zu kontrollieren. Ganz zu schweigen von Gelegenheiten, bei denen es einfach nicht praktikabel ist, einen Pressecore einzuladen bzw. die Ereignisse sich vielleicht auch mal überschlagen und man froh ist, überhaupt einen Profi mit Kamera zur Hand zu haben.</p>

<p>Auch der Chief Official White House Photographer hat natürlich all diese Aufgaben und diese Motivation. Warum sein Job dann doch ein anderer ist, wird allerdings auch schnell klar, wenn man sich anschaut, wie unterschiedlich die Amerikaner im Vergleich zu uns das Amt ihres Staatschefs sehen. Im Grunde wählen die nicht den Präsidenten. Die wählen die First Family. Die ziehen dann mit ihrem ganzen Hausstand in das weiße Haus ein.</p>

<p>Und im Grunde arbeitet auch die ganze Familie dann im Auftrag des Landes mit. So hat die First Lady in der Regel ein eigenes Büro, einen eigenen Staff und einen eigenen Bereich im weißen Haus, in dem ihre Mitarbeiter arbeiten.</p>

<p>Beim Einzug in das weiße Haus legt der Präsident all jene Positionen neu fest, die über reine Logistik hinausgehen. Es mag also sein, dass Gärtner, Koch und Bedienstetenpersonal von vorherigen Administrationen berichten können. Aber alle Rollen mit einer Außenwirkung oder Entscheidungsgewalt werden vom Präsidenten neu besetzt.</p>

<p>1929 ernennt der 31. Präsident, Herbert Hoover, zum ersten Mal einen offiziellen Pressesprecher. Dessen Aufgabe war, der Öffentlichkeit die Politik des weißen Hauses nahezubringen und bei Ereignissen zu briefen. Offizielle Fotografie überließ man damals noch Militärfotografen oder eben journalistisch aktiven Pressefotografen.</p>

<p>Es dauerte noch über 30 Jahre und 4 weitere Präsidenten, bis mit John F. Kennedy der erste wirklich medienaffine Präsident im weißen Haus einzieht. Er ist der Erste, der sich und seine Familie offensiv in den Medien inszeniert und damit auch der Erste, der den Sinn hinter einem vom weißen Haus angestellten Fotografen erkennt und den ersten offiziellen White House Photographer anstellt.</p>

<p>Diese neu beschaffene Rolle ist Teil des Pressecores und der Fotograf Cecil W. Stoughton hat in vielerlei Hinsicht die Aufgabe, diese Rolle komplett neu zu erfinden. Das war gar nicht so einfach, denn Kennedy wollte sich zwar inszenieren, aber dabei nicht unbegrenzten Zugang geben. Stoughtons berühmtestes Bild ist daher auch ironischerweise kein Foto von Kennedy, sondern der Moment, in dem Lyndon B. Johnson an Board von Air Force one nach dem Tod Kennedys seinen Amtseid ablegt.</p>

<p>Lyndon B. Johnson hat zu dem Zeitpunkt schon einen Lieblingsfotografen: Yoichi Okamoto ist ein New Yorker Fotograf und hat Lyndon B. Johnson als Vizepräsident schon bei mehreren Gelegenheiten fotografiert und durch seine ungewöhnliche Bildkomposition beeindruckt. Als Lyndon B. Johnson Präsident wird, fragt er ihn, ob er nicht sein persönlicher Fotograf werden möchte und ihn begleiten will, Okamoto sagt zu, aber unter der Bedingung, unbegrenzten Zugang zu bekommen. Und es ist dieser unbegrenzte Zugang, der Okamoto eigentlich zum ersten echten Chief White House Photographer macht.</p>

<p>Ich hatte ein echtes Problem, in Deutschland ein Äquivalent zu finden. Es gibt eine unüberschaubare Anzahl von Kanzlerinnen und Kanzlerfotografen, es gibt natürlich auch offiziell beim Presseamt eingestellte Fotografinnen und Fotografen, aber niemand folgt der Kanzlerin auf Schritt und Tritt. Fotografen im Kanzleramt haben da im Wesentlichen einen Job zu tun. Die sind nicht persönliche Fotografen der Kanzlerin, sondern sie sind angestellte der Pressestelle. Und werden wahrscheinlich auch nicht ausgetauscht, sollte ein neuer Kanzler einziehen im Kanzleramt.</p>

<p>Im White House arbeiten bis zu 12 offizielle Fotografen. Deren Aufgaben sind vielseitig; zu jedem gegebenen Zeitpunkt finden im Weißen Haus diverse Veranstaltungen parallel statt. Da hat vielleicht die First Lady eine Reception und der Präsident trifft einen Staatschef. Gleichzeitig gibt es vielleicht eine Gruppe, die ins weiße Haus eingeladen wurde und sich im Rosegarden trifft, und so weiter. Da gibt es Händeschütteln zu fotografieren, es gibt persönliche Erinnerungsaufnahmen, es gibt offizielle Pressefotos, die gemacht werden. Das Weiße Haus produziert tausende von Fotos täglich.</p>

<p>All diese Aufgaben werden von der Pressestelle koordiniert. Ein Fotograf hat dann immer die Aufgabe, beim Präsidenten zu sein. Und meistens ist das immer derselbe Fotograf. Denn wenn man die ganze Zeit ungebremst anwesend sein darf, egal wie heikel die Gespräche, die geführt werden, da braucht es eine ganz besondere Vertrauensbeziehung, eine Beziehung, die man dann eben auch in den Bildern sehen kann.</p>

<p>Wie wichtig die Arbeit des Chief White House Photographers ist, sieht man auch an der Menge an Fotos, die produziert werden. Kennedys Fotograf macht in etwas mehr als 3 Jahren knapp 8000 Aufnahmen. Pete Souza, der Fotograf, der Obama durch 2 Amtszeiten hindurch begleitete, fügte dem Nationalarchiv über 2000000 Aufnahmen hinzu. In einer durchschnittlichen Woche wurden 8000 Bilder direkt aus dem Alltag des Präsidenten gemacht. In ereignisreichen Wochen konnte diese Zahl allerdings auch auf über 20000 anschwellen.</p>

<p>Souza fotografiert die Obamas händchenhaltend genauso, wie Barack Obama bei der Schneeballschlacht mit seinen Kindern, bei Reden, Wahlkampfveranstaltungen, hitzigen Diskussionen im Oval Office oder bei Meetings mit Politikern im Roosevelt Room. Er ist so allgegenwärtig, dass ihn niemand mehr beachtet. 150 Mal fliegt er mit Airforce One. Er fotografiert Obama, kurz bevor er seinen Amtseid ablegt und fotografiert ihn, als er am letzten Tag das Oval Office verlässt.</p>

<p>Natürlich sind nicht alle Bilder so glamourös, wie diese herausragenden Meilensteine. 5% der Fotos sind einfach Greetingshots. Egal, wohin der Präsident kommt, irgendwer begrüßt ihn. Und Gruppenfotos oder Handeschüttelfotos sind von unschätzbarem Wert für die Leute, die auf diesen Bildern sind.</p>

<p>Und alle Aufnahmen gehen direkt ins Nationalarchiv. Sie sind als Zeitdokumente von unschätzbarem Wert. Fotografen im Kanzleramt, Fotografen im weißen Haus, Fotografen in jeder Behörde sind sich ihrer Verantwortung bewusst, ein Archiv für die Nachwelt zu produzieren. Das ist mehr als einfach nur Pressefotografie. Man ist in einer Position, in der man history in the making festhalten darf. Es ist eine ungewöhnliche Art der Fotografie, denn es geht oft nicht in erster Linie um die Personen auf den Bildern, ganz egal, wie berühmt sie auch sein mögen, sondern es geht um die Gründe, die sie zusammenbringen. Außer natürlich die Person auf dem Bild ist der Präsident selbst.</p>

<p>Und da haben wir noch einen Unterschied zwischen Kanzlerfotografien und den Aufnahmen des amerikanischen Präsidenten. Denn von letzterem ist immer auch noch der Versuch dabei, die Menschen hinter dem Amt zu zeigen.</p>

<p>So gibt es von Lyndon B. Johnson Fotos, wie er im Oval Office mit seinem Hund zusammen heult. Das hat er wohl öfters mal gemacht. Beim ersten Mal ist der Secret Service, so geht die Anekdote, wohl mit gezogenen Waffen ins Oval Office gestürmt.</p>

<p>Von Kennedy gibt es Aufnahmen, wie er mit seinen Kindern spielt.</p>

<p>Aufnahmen, die ein Echo in Obamas Bildern finden, wenn der mit dem zum Teil sehr jungen Nachwuchs seiner Staffer spielt.</p>

<p>Und es gibt zum Teil wirklich bizarre Aufnahmen. Zum Beispiel habe ich ein Bild gefunden, wo George W. Bush anlässig des traditionellen Ostereiersuchens im Garten des weißen Hauses einen Menschen im Hasenkostüm umarmt. Es gibt auch ein Bild, wo man Obama und einen Hasenkopf von hinten sieht, das Obama mit den Worten &#8222;Die vier berühmtesten Ohren Washingtons&#8220; kommentierte.</p>

<p>Oder das Foto von Lyndon B. Johnson in einem schwimmfähigen Cabrio. Richtig gehört: LBJ besaß nämlich eines der wenigen in Serie produzierten Amphibienfahrzeuge. Das Ding sah im Wesentlichen aus wie ein Cabrio, also wie ein ganz normales Auto. Besuchte man nun Lyndon B. Johnson auf seiner privaten Ranch, konnte es passieren, von ihm zu einer Spritztour eingeladen zu werden. Um die Ranch zu besichtigen, zum Beispiel. Auf dem Gelände gab es einen Hügel, an dessen Ufer ein kleiner See angelegt war. LBJ würde also mit diesem Auto auf der einen Seite auf den Hügel hochfahren und auf der anderen Seite dann panisch behaupten, die Bremsen hätten versagt und dann ungebremst auf den See zufahren. Es soll Kabinettsmitglieder gegeben haben, die dann aus dem Auto gesprungen sind. Aus Angst, sie könnten vom untergehenden Auto mit heruntergezogen werden.</p>

<p>Ich finde jedenfalls die Vorstellung schön, dass ein Präsident solche Streiche spielt und ich finde es auch lustig, dass der Streich durchaus auch andersrum laufen kann. Pete Souza:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;Christmas at the White House is pretty fun. And this last year, for some reason, they put 4 snowmen in the rosegarden.&#8220;</p>

<p>Das Weiße Haus dekoriert natürlich zu besonderen Anlässen und Weihnachten ist so ein Anlass. Und Pete erzählt, dass beim letzten Weihnachtsfest während Obamas Amtszeit irgendwer auf die Idee gekommen war, 4 riesengroße Schneemänner in den Garten des Weißen Hauses zu stellen.</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>&#8222;It never snowed all december.&#8220;</p>

<p>Tja, geschneit hat es aber nicht.</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>&#8222;Every day the president would walk from the White House residence along the promenade and there would be the 4 snowmen. So Brian Mosteller and I, Brian was the director of oval office operations, he and I had this great idea that every day, we&#8217;d move the snowman one foot closer to the oval office.&#8220;</p>

<p>Also Pete und der Director of Oval Office Operations beschließen, diese Schneemänner jeden Tag Stück für Stück näher an das Oval Office zu bewegen.</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>&#8222;So, the day we decided we want do this, we went out there after he&#8217;d gone home for tonight and realized that they&#8217;re too heavy to pick up.&#8220;</p>

<p>Aber die waren zu schwer.</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>&#8222;So Brian, being the resourceful guy that he is, the day before we went to Hawaii for Christmas vacation he got the White House grounds Crew to help him move all 4 of the snowmen so each of them was peeking out of a different window of the Oval Office.&#8220;</p>

<p>Ja, ich schätze mal, es hat Vorteile, wenn man Director of Oval Office Operations ist. Sie gehen also her und bewegen diese 4 Schneemänner am letzten Arbeitstag des Präsidenten, bevor der nach Hawaii in den Urlaub fliegt, so ans Oval, dass durch jedes Fenster ein Schneemann schaut.</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>&#8222;My job that day was, when the president walked over from the residence, was to distract him, so he wouldn&#8217;t look in the rose garden like he did earlier on in the morning. Which is because he would see that the snowmen were missing. So, remember that picturer of him, dancing with [?]? So he walks over, I distract him, he doesn&#8217;t see that the snowmen are missing and he&#8217;s standing right where he&#8217;s dancing in that photo, talking to [?] before he walked into the Oval Office. And then he looked, just glancing into the Oval Office and there was this guy, looking right at him and he just started cracking up. So we pranked him pretty good.&#8220;</p>

<p>Pete hat während Obamas Amtszeit eine ganze Reihe wirklich sehr schöner Aufnahmen gemacht. Und die zeigen das Menschliche in diesem Amt. Und es sind Reportagefotos. Und Fotos, die ich so von deutschen Politikern bisher noch nicht gesehen habe. Schon gar nicht von Kanzlern oder Kanzlerinnen. Aber das ist vielleicht auch der Unterschied zwischen jemandem, der angestellter Fotograf für offizielle Gelegenheiten ist und den Auftrag, einen Menschen, ein Leben und sein Wirken zu dokumentieren.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sat, 06 Feb 2021 17:56:39 GMT</pubDate>
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            <title>Revolutionär, Minister, Popikone?</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/revolutionaer-minister-popikone.html</link>
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            <description>Das berühmteste Bild des 20. Jahrhunderts ist das Portraits eines kubanischen Revolutionärs... Das sagt eigentlich alles über diese Zeit.</description>
            <content:encoded><![CDATA[

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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Che Guevara ist ein Held der Linken und gilt vielen als das Sinnbild der Entschlossenheit. Er war im Laufe seines Lebens ein Taugenichts, wurde dann Revolutionär, später dann wichtigster Minister in der Regierung Kubas, schließlich wieder Revolutionär und war unter anderem für seinen Versuch bekannt den dritten Weltkrieg anzuzetteln um dadurch eine sozialistische Weltrevolution zu ermöglichen&#8230; Kein einfacher Mensch und ein Bild, das inzwischen ein Eigenleben entwickelt hat.</p>

<ul><li>Guerrillero Heroico (Wikipedia &#8211; <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Guerrillero_Heroico" target="_blank">in deutsch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Guerrillero_Heroico" target="_blank">in englisch</a>)</li><li>Alberto Korda (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alberto_Korda" target="_blank">Wikipedia</a>)</li><li>Che Guevara (Wikipedia &#8211; <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Che_Guevara" target="_blank">in deutsch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Che_Guevara" target="_blank">in englisch</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kubanische_Revolution" target="_blank">Kubanische Revolution</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20090406013036/http://www.tagesschau.de/ausland/cheguevara32.html" target="_blank">&#8222;Ein Schnappschuss für die Ewigkeit&#8220;</a> (Tagesschau)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/68er-Bewegung" target="_blank">Die 68er Bewegung</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fokustheorie" target="_blank">Fokustheorie </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.koenau.de/2018/10/breshnew-che-und-honecker-die-rolex.html" target="_blank">&#8222;Breshnew, Che und Honecker: Die Rolex-Revolutionäre&#8220;</a> (koenau.de)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://parasolphotography.wordpress.com/2012/04/19/che-guevara-the-photographer/" target="_blank">Che Guevara the&nbsp;photographer</a></li></ul>

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<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://salford-repository.worktribe.com/#page=303" target="_blank">The Retrospective Iconicity of ‘Guerrillero Heroico’</a><br>In Che Guevara: Revolutionary and Icon, Hannah Charlton makes this observation:<br>Walk through any major metropolis around the globe and it is likely that you will come across an image of Che Guevara…this single image of a face may be the most reproduced image in the history of photography. It has been endlessly mutated, transformed and morphed- and as such tells the history of the last forty years of visual, popular culture (qtd in Ziff, 2006:1)</li></ul>

<p>Bild: Von Alberto Korda &#8211; Museo Che Guevara, Havana Cuba, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6816940</p>

<hr/>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>“Natürlich ist es immer Glück”, sagte Henri Cartier-Bresson, einer der berühmtesten Fotografen des 20. Jahrhunderts, bekannt für seine spontanen Schnappschüsse im öffentlichen Straßenleben von Paris, New York oder wo immer er sich gerade aufhielt. Er glaubte an den sogenannten decisive Moment, den Augenblick, in dem alles zusammentrifft und der Fotograf nur noch festhalten muss, was sich ihm und seiner Kamera bietet. Und genau so schoss auch Alberto Díaz Gutiérrez am 5. März 1960 das berühmteste Foto des 20.Jahrhunderts.</p>

<p>Orientieren wir uns erst einmal. 1960, was war das für eine Zeit? Wir befinden uns mitten im Vietnamkrieg. Der dauerte nämlich von 1955 bis 75. Das heißt, es war absolut noch kein Ende in Sicht. Und dieses andere berühmte Bild, das von Nick Ut, dem Mädchen, das vor einem Napalmangriff davonläuft, von dem immer wieder mal behauptet wird, es hätte zum Ende des Vietnamkriegs beigetragen, ja, dieses Bild wurde noch gar nicht geschossen. In den USA ist Dwight D. Eisenhower Präsident und Richard Nixon sein Vize. Ja, und Deutschland wird von Konrad Adenauer regiert. Wir befinden uns in der Nachkriegszeit und der große Konflikt, der die Ängste der Menschen dominiert, ist der Kalte <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a>.&nbsp;</p>

<p>Und wir leben in revolutionären Zeiten. Im Jahr 1959 hatte die kubanische Revolution erfolgreich das Regime von Batista niedergeschlagen und es gab den Verdacht, dass es sich eigentlich um eine marxistische Revolution gehandelt haben könnte. Und wenn es eine Bedrohung gab, vor der die Amerikaner zu der Zeit wirklich, wirklich Angst hatten, dann war es der Vormarsch der Sowjetunion. Die USA hatten ein Waffenembargo über Kuba verhängt und die CIA Zentrale in Miami war mit praktisch nichts anderem mehr beschäftigt als Agenten nach Kuba einzuschleusen und dort Anschläge zu verüben. Und es ist genau diese Gemengelage, die zu den folgenden Ereignissen führen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>4. März 1960. La Cubre, ein französischer Frachter, explodiert im Hafen von Havanna.</p>

<p>Das Schiff war in einem der Docks im alten Havanna vertäut worden, direkt hinter der Altstadt in der Bucht. Und es flog in die Luft. Es gab zwei Explosionen. Über 100 Leute wurden getötet. Niemand wusste wirklich, wie viele. Sie waren unkenntlich verbrannt.</p>

<p>Die kubanische Regierung war sich sofort sicher. Das war ein Anschlag der Amerikaner. Das ist ein Vorwurf, der bis heute zwar immer noch plausibel erscheint, aber tatsächlich nie bewiesen wurde.&nbsp;</p>

<p>Die Explosion hat in der Nähe der Stützpunkte der revolutionären Medienanstalten stattgefunden. Es gab also sofort eine direkte Übertragung in alle Welt und das prominente Personal der kubanischen Revolution war natürlich auch sofort vor Ort. Wobei damals außerhalb Kubas tatsächlich eigentlich nur Fidel Castro so richtig bekannt war.&nbsp;</p>

<p>Und der ließ sofort Staatstrauer anordnen, noch gleich am 5. März und eine große Kundgebung ansetzen. Eingeleitet von einem Trauermarsch, einer Bestattungszeremonie und dann einer Rede mitten in Havanna, die in alle Welt übertragen werden sollte. Fidel Castro war schon damals berühmt für seine Reden und auch berühmt dafür, dass die unglaublich lang waren. Zwischen Kuba und den USA tobte er Medienkrieg und natürlich war das auch eine der ganz großen Gelegenheiten, um diesen Medienkrieg weiter voranzutreiben. Fotografen, Kameraleute, Pressemenschen aus aller Welt waren vor Ort.&nbsp;</p>

<p>Und Prominenz war anwesend. Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir waren zufällig in der Stadt auf Einladung der Regierung und waren damit natürlich auch prominente Teilnehmer dieser Kundgebung.&nbsp;</p>

<p>Unter all diesem Medienrummel gab es einen Fotografen, der war besonders, der genoss das Vertrauen und die Freundschaft Fidel Castros. Er arbeitete für eine revolutionäre Tageszeitung in Kuba, aber im Grunde war er so etwas wie der Privatfotograf von Fidel. Wo immer Castro war, war auch dieser Fotograf. Sein Name, Alberto Díaz Gutiérrez oder wie er eigentlich bekannt geworden war, Korda. Und Korda hatte praktisch freien Zugang. Ihn kannte jeder, eigentlich als Fashionfotograf gestartet war Korda sozusagen der Starfotograf der kubanischen Revolution.&nbsp;</p>

<p>Er selbst hat es in einem Interview mal so formuliert: Er hätte mit der Fotografie begonnen, um schöne Frauen kennenzulernen und hat dann eine wunderschöne Revolution gefunden. Und die hatte nun mal ihre Stars, auch wenn man außerhalb von Kuba eigentlich nur Fidel wirklich kannte.&nbsp;</p>

<p>Aber es gab natürlich auch die lokalen Stars, die Revolutionsführer, die Kommandanten, die auch die Regierung stellten und allen voran mit am bekanntesten auf Kuba war Ernesto Che Guevara.</p>

<p>Am nächsten Tag marschierten Che Fidel, Raúl Sartre und Simone de Beauvoir, die gerade in Havanna waren und auch teilnahmen, die Straße an den Docks entlang, hielten sich an den Händen und wurden dabei fotografiert.</p>

<p>Che war nicht nur einer der bekanntesten Mitglieder der Regierung, sondern auch eins der mächtigsten. Er führte das Industrieministerium und die Landesbank und war schlicht und ergreifend damit betraut, die kubanische Wirtschaft zu verstaatlichen.&nbsp;</p>

<p>Und dann gab es diesen Moment, als sie an einer Bühne stoppten und zur Menschenmenge sprachen, die sich versammelt hatte.</p>

<p>Korda war ein fantastischer Fotograf, der aus der Welt der Werbefotografie kam. Er schoss einige Fotos von der Bühne, als er ganz plötzlich fühlte, das waren seine eigenen Worte, er fühlte, dass er ganz unerwartet das Bild von Che vor seiner Linse hatte. In der reflexartigen Reaktion eines Fotografen drückte er unverzüglich ab und schoss das Foto.</p>

<p>Ihn durchfuhr eine Art Schauer und er erstarrte. Das Bild, das er aufgenommen hatte, ist dieses unglaublich berühmte Bild von Che, auf dem er aussieht, als würde er in die Geschichte selbst schauen. Mit diesem Blick des unbeirrbar Revolutionären, der über die Gegenwart hinaus sieht. Es wirkt wie das Bild eines Heiligen. Man sieht Macht, Energie, Entschlossenheit und zur gleichen Zeit große physische Schönheit wie bei einer prophetischen Verkündigung.&nbsp;</p>

<p>Da war sie nun, die Aufnahme, die später weltberühmt werden sollte. Zu dem Zeitpunkt freilich war sie das noch nicht. Das Bild war einigermaßen unscharf und es gab prominentere Fotografierte, die bei derselben Kundgebung eben auch anwesend gewesen waren. Das Bild wird freilich trotzdem in der lokalen Presse verwendet. Der Siegeszug um die Welt, den die Aufnahme später antreten sollte, der war nicht einmal im Ansatz absehbar. Guerillero Heroico, wie Korda sein Bild genannt hatte, zeigte zu der Zeit schlicht und ergreifend einfach nur einen Minister auf Kuba, der zugegebenermaßen charismatischer als viele andere war und vielleicht auch einen etwas ungewöhnlichen Lebenslauf vorweisen konnte, aber so spannend zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich auch noch nicht war.&nbsp;</p>

<p>Und das ist jetzt, glaube ich, ein ganz guter Moment, um einfach mal ganz kurz zu beschreiben, wer Che eigentlich war. Che ist eigentlich nur ein Spitzname. Sein eigentlicher Name war Ernesto Guevara und er war ein Argentinier. Dort hatte er als Sohn einer bürgerlichen, gut gestellten Familie Medizin studiert, dieses Studium auch abgeschlossen, und hatte sich relativ früh der kubanischen Revolution unter der Leitung Fidel Castros angeschlossen.&nbsp;</p>

<p>Wofür er wirklich bekannt war waren mehrere Eigenschaften. Einmal war Che Guevara jemand, der sehr meinungsstark war. Er hatte eine Vision, er hatte eine konkrete Vorstellung davon, wie Dinge zu sein haben, und er verfolgte sie mit aller Energie, die ihm zur Verfügung stand. Es wird ihm nachgesagt, dass er als Anführer der Revolutionäre unglaublich charismatisch gewesen sei. Die Leute wären an seinen Lippen gehangen und ihm praktisch blind gefolgt. Da mag es auch eine Rolle gespielt haben, dass sehr, sehr viele der Soldaten in seinen Kampfgruppen wohl unglaublich jung gewesen sein sollen. Junge Teenager, oder wenn man es mal so formulieren will, Kindersoldaten.&nbsp;</p>

<p>Che war jedenfalls bekannt dafür, dass er mit einem an Selbstmord grenzenden Mut immer ganz nach vorne rannte und in erster Reihe mitkämpfte. Genauso war er allerdings auch bekannt dafür, dass er launisch sein konnte und gnadenlos war. Liest man Beschreibungen seines Lebens von Fans durch, dann erkennt man, dass er praktisch schon mit zehn schwere Literatur gelesen hat und brillant war.&nbsp;</p>

<p>Liest man dieselben Beschreibungen von Menschen, die ihn kritischer sehen, dann tauchen Anekdoten auf, wie z.B. dass er dafür bekannt war, nur einmal in der Woche seine Kleidung zu wechseln und sich nur sehr, sehr selten zu waschen. Und wenn man seine Taten während der Revolution und danach ansieht, dann kann man eigentlich gar nicht anders, als festzustellen, dass Che Guevara viel, viel Blut an den Händen hatte. Während der Revolution exekutierte er Verräter zum Teil selbst. Nach der Revolution war er dafür zuständig, die Prozesse, die oft auch in Todesurteile mündeten, von Handlangern des Battistaregimes zu überblicken. Und da dann eben auch die Exekution anzuordnen.&nbsp;</p>

<p>Und in seinen Schriften kann man nachlesen, dass er fest davon überzeugt war, dass ein dritter Weltkrieg notwendig war, um die sozialistische Revolution weltweit voranzutreiben. So Kleinigkeiten wie dass er Russland besuchte und da ein Blumenkranz am Grab Stalins niederlegte, unterstreichen dieses Bild tatsächlich einfach nur noch.</p>

<p>Gleichzeitig sei Che Guevara aber ein durch und durch ethischer Mensch gewesen und er war eben wild entschlossen zu tun, was notwendig war. Er hatte die Theorie, dass es nur sehr wenige Menschen brauchte, um ein Land in eine erfolgreiche (was immer da erfolgreich heißt) Revolution zu stürzen.&nbsp;</p>

<p>Und so legte er irgendwann alle seine Ämter auf Kuba nieder und setzte sich ab, um im Kongo genau diese Sache voranzutreiben. Richtig verstanden, im Kongo.&nbsp;</p>

<p>Das Problem freilich war, dass Che Guevara zu dem Zeitpunkt dann schon allmählich bekannt wie ein bunter Hund war und in die Geheimdienste der Welt auf Schritt und Tritt folgten. Deswegen konnte er im Kongo viel weniger an vorderster Front kämpfen, wie er sich das vielleicht ausgemalt haben könnte, sondern musste sich im Hintergrund halten. Und da war dann wohl eher so eine Art Revolutionsconsultant.&nbsp;</p>

<p>Überhaupt war im Kongo die Revolution noch viel unorganisierter, als die auf Kuba schon gewesen war. Und in seinen Tagebüchern notiert er deswegen auch das ein oder andere an Beobachtungen, was man heute vielleicht mal als rassistisch oder zumindest doch sehr abfällig bezeichnen könnte.&nbsp;</p>

<p>Der Kongo war aber nicht der einzige Stopp für Che Guevara. Später dann versuchte er, genau das Gleiche auch nochmal in Bolivien zu erreichen.&nbsp;</p>

<p>Auch dort ging es ihm darum, eine Revolution in Bolivien auszulösen. Und sowohl im Kongo als auch in Bolivien war die größere Idee, dass sobald diese Länder erst erstmal in der Revolution untergegangen wären, der Kampf sich auf die benachbarten Länder und schließlich auf den ganzen Kontinent ausdehnen würde. Von ihm ist der Satz überliefert, dass er nicht nur ein Vietnam, sondern zwei, drei, fünf, viele Vietnams anzetteln möchte, sodass zum Schluss sozusagen die sozialistische Weltrevolution als Dritter Weltkrieg daherkäme.&nbsp;</p>

<p>Es ist auch bekannt, dass er die Stationierung von Atomwaffen auf Kuba sehr begrüßte und hoffte, mit Hilfe dieser Atomwaffen den <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> in die USA tragen zu können. Er soll rasend gewesen sein, als sich diese Pläne letztlich zerschlagen haben.&nbsp;</p>

<p>Bolivien jedenfalls sollte Sheets letzter Revolutionsversuch bleiben. Er wird gefasst und im Land hingerichtet. Kleines, süffisantes Detail: an seinem Arm trug er eine Rolex.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Am 9. Oktober 1967, einen Tag nach seiner Festnahme, wird er erschossen. Sein Leichnam wird zur Schau gestellt. Die Presse verewigt ihn Christus gleich. Um Fingerabdrücke zu erstellen, werden Che Guevara die Hände amputiert und eingewickelt in die Tageszeitung an die CIA verschickt. Wie eine Siegestrophäe.&nbsp;</p>

<p>Wait. What?</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>Wahrer Sieger aber ist der Mythos.&nbsp;</p>

<p>Er wurde zum Symbol des revolutionären Kampfes weltweit, und das war absolut wahr. In den USA. In Frankreich. Das war überall wahr.</p>

<p>Und jetzt kommen zwei Ereignisse zusammen. Einmal war es so, dass ein findiger Geschäftsmann, nämlich der kommunistische italienische Verleger Giacomo Feltrinelli, auf der Suche nach einem guten Bild von Che Guevara war, in Erwartung, dass mit dem Ende der Revolution in Bolivien unter Umständen eine schöne Gelegenheit auftauchen könnte, Geld mit so einem Bild zu verdienen.&nbsp;</p>

<p>Er wollte also ein Symbolbild. Ja, und er stößt auf Korda, dessen Aufnahme, und lässt sich von Korda die Aufnahme übergeben. Korda hat damals keinen Vertrag oder Ähnliches mit ihm abgeschlossen, hat ihm einfach das Bild gegeben. Und Feltrinelli reist mit diesem Bild im Gepäck ab.&nbsp;</p>

<p>Und kaum dass bekannt war, dass Che Guevara hingerichtet worden war, nutzt er dieses Bild, um Geld damit zu verdienen. Ein anderer Mann, der versucht, die Ereignisse für sich zu nutzen, ist Fidel Castro. Der sucht nach einer Möglichkeit, seinen Mitstreiter zu ehren, aber auch die mediale Schlacht damit weiter voranzutreiben und stößt auf dieselbe Aufnahme.&nbsp;</p>

<p>Zu der Zeit war Che schon ein globales Symbol für den Widerstand. Die Jugend sah ihn als einen Guerillakämpfer, der als ihr Idol herhalten kann. Jemand unangepasstes mit festen Überzeugungen bereit, zum Äußersten zu gehen, um für diese Überzeugungen zu kämpfen. Dieses Bild von Che Guevara plus die Ereignisse, die zu seinem Tod führen, sind die perfekte Mischung.</p>

<p>Und so sieht man kurz nach seinem Tod die Aufnahme, die Korda berühmt machen sollte. Überall. Auf Demonstrationen, auf T-Shirts, auf Magazinen, auf Plakatwänden, als Graffiti, schlicht allgegenwärtig.&nbsp;</p>

<p>Feltrinelli wurde reich mit diesem Bild. Korda hatte keinen Vertrag und hat keinen Cent an Lizenzgebühren eingenommen und nimmt das allerdings mit sozialistischer Gelassenheit. Allein die Tatsache, dass Che vor allerlei kommerzielle Karren gespannt wurde, gefiel ihm nicht immer. So behauptete Daimler Benz, revolutionäre Technik einzusetzen und machte Che Guevara zu einem Kampagnengesicht.&nbsp;</p>

<p>Ich selbst weiß sogar, wann ich Che zum ersten Mal gesehen habe. Also genau dieses Bild, Guerillero Heroico. Das prangte nämlich als Aufkleber auf meinem allerersten Auto. Das hatte da nicht ich hingeklebt, sondern das war schon so, als ich das Auto gebraucht kaufte. Und ich fand es nett, sah gut aus und ließ es da ohne wirklich zu wissen, wen ich denn da als Konterfei durch die Gegend fuhr und auch heute hab ich ein Chebildnis hier im Haus.</p>

<p>Naja, nicht ganz Che, sondern John Bellucci, genauso dargestellt wie das berühmte Bild des berühmten Revolutionsführers und ich amüsiere mich über die Ironie, die da drinsteckt.</p>

<p>Jedenfalls ist dieses Bild tatsächlich unsterblich. Selbst wenn die Leute, die das Konterfei von Ernesto Che Guevara durch die Gegend tragen, längst nicht mehr wissen, wofür dieser Mann kämpfte und wofür er stand und welche Ideen er vertrat. Ich habe Artikel gefunden von 2019, wo es ein Skandal gab, dass der Fanclub der Eintracht Frankfurt Che Guevara Flaggen im Stadion geschwenkt hat. Man kann in keine moderne Stadt laufen ohne nicht irgendwo ein Graffiti von Che zu sehen und es gibt kaum eine Demonstration linksorientierter Aktivisten, bei denen Che Guevara nicht als Frontfigur herhalten muss.</p>

<p>Wer sich aber mit dem man näher beschäftigt, stellt fest, die Wahrheit ist kompliziert. Mir fiel auf jeden Fall auf, dass auf den allermeisten Aufnahmen ein lächelnder Che zu sehen ist. Auch bei den TV-Auftritten wirkt er immer latent amüsiert. Es könnte sowieso nichts erschüttern. Und als hätte er alles schon mal irgendwie gehört. Und irgendwie strotzt die Geschichte von Che und die Geschichte von Korda und die Geschichte diese Aufnahme nur so vor Ironie.&nbsp;</p>

<p>Korda, der 2001 an Herzschlag in Paris stirbt, laut seiner Tochter mit einer 22 jährigen Prostituierten im Zimmer, der hätte sich nicht denken können, damals, bei dieser Kundgebung, dass er das berühmteste Foto des 20. Jahrhunderts geschossen hatte. Und Che würde sich sicher sehr, sehr wundern, wenn er noch am Leben wäre. Dass sein Bild, ausgerechnet sein Bild, nicht nur das Logo der Linken und Revolutionäre geworden ist oder ganz Kuba pflastert, sondern gleichzeitig eine Ikone des kapitalistischen Westens, mit dem sich jeder vom Punk bis zum Nazi schmückt, aber trotzdem keines der Ziele, für die Che gekämpft hat und zum Schluss auch starb, näher an die Umsetzung gekommen ist. Speziell das heutige Kuba würde Che glaube ich sehr sehr verwundern.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Sun, 13 Sep 2020 16:47:03 GMT</pubDate>
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