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    <title>Fotomenschen - Surrealismus</title>
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    <description>Posts tagged &#x27;Surrealismus&#x27; on Fotomenschen.</description>
    <language>de-DE</language>
    <lastBuildDate>Wed, 01 Jun 2022 15:59:44 GMT</lastBuildDate>
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            <title>Lee Miller - Eine Frau, viele Leben</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/lee-miller-eine-frau-viele-leben.html</link>
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            <description>Lee Miller hatte ein Leben das atemlos macht: Befreundet mit dem who is who der Surrealisten-Szene des 20.</description>
            <content:encoded><![CDATA[

<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Lee Miller hatte ein Leben das atemlos macht: Befreundet mit dem who is who der Surrealisten-Szene des 20. Jahrhunderst, berühmtes Fashionmodel, erfolgreiche Fashionfotografin, Journalistin, Kriegskorrespondentin, Sterneköchin und Weltbürgerin sind nur einige ihrer Rollen. </p>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lee_Miller" target="_blank">Lee Miller</a> (Wikipedia)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pseudo-Solarisation" target="_blank">Pseudo-Solarisation</a> (Wikipedia)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/fotostrecke/lee-miller-kriegsberichterstatterin-in-hitlers-badewanne-fotostrecke-126109.html" target="_blank">Kriegsberichterstatterin Lee Miller &#8211; Die Schöne und der Krieg</a> (Spiegel)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/lee-miller-model-partyloewin-fotografin-und-kriegskorrespondentin-a-1031017.html" target="_blank">Lee Miller: Model, Partylöwin, Fotografin und Kriegskorrespondentin</a> (Spiegel)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.imdb.com/title/tt12281602/" target="_blank">Lee Miller &#8211; A Life on the Front Line</a> (IMDb)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20220930164210/https://kwerfeldein.de/2013/09/02/blickfang-hitlers-badewanne/" target="_blank">kwerfeldein &#8211; Hitlers Badewanne</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.deutschlandfunk.de/lee-miller-ein-supermodel-als-kriegsfotografin-100.html" target="_blank">Ein Supermodel als Kriegsfotografin</a> (Deutschlandfunk)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/geschichte/article214733286/Kriegsfotografin-Lee-Miller-Fotos-aus-dem-KZ-Buchenwald.html" target="_blank">Lee Miller &#8211; Fotos aus dem KZ Buchenwald</a> (Welt)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-lee-miller-100.html" target="_blank">WDR Zeitzeichen &#8211; 21.7.1977 &#8211; Kriegsfotografin Lee Miller stirbt in Chiddingly</a></li>
</ul>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/B09Q3FGPYJ" target="_blank" rel="noopener">The Lives of Lee Miller (English Edition)</a></p>

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<pre>Episodenbild: U.S. Army Official Photograph - http://astro.temple.edu/~gurwin/hist.0690syb2005.html, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=77888314</pre>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Tänzerin, Model, Werbefotografin, Journalistin, Kriegsreporterin, Sterneköchin.<br>Lee Miller hat eine Biografie, die mich völlig atemlos zurückgelassen hat.<br>Und ihr habt sie mir gleich mehrfach empfohlen.<br>Ich grüße jetzt hier mal stellvertretend Silke, deren E-Mail ich vor kurzem in meiner<br>Inbox fand, und Boris, der mich beide auf das erste Foto, das ich von Lee Miller je<br>gesehen habe, hinwies, das den Titel &#8222;Die Dame in Hitlers Badewanne&#8220; trägt.<br>Lee Miller heißt eigentlich Elizabeth Miller, später dann Lady Elizabeth Penrose, und wird<br>1907 im Bundesstaat New York geboren.<br>Ihr Vater war ein Ingenieur, ihre Mutter eine Krankenschwester und sie hatte zwei Geschwister.<br>Schon die kleine Lee war eher umtriebig und schwer zu bändigen, aber ihr Vater unterstützte<br>das.<br>Und so wurden mit den Geschwistern Seifenkisten gebaut und Rennen gefahren, Dinge erklommen<br>und Gerätschaften ausprobiert.<br>Und wie um die Zeit nicht ganz unüblich, besonders für einen Ingenieurshaushalt, wurde<br>durchaus auch schon fotografiert.<br>Der Vater war begeisterter Amateurfotograf und so konnte die kleine Lee schon sehr früh<br>erste Gehversuche mit damals üblichem Gerät, wie zum Beispiel der <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie, machen.<br>Der Vater war ambitionierter Fotoamateur und entdeckte seine ungewöhnlich hübsche Tochter<br>früh als Fotomodell.<br>Er fotografiert Porträts und Akte und Lee steht für beides Modell.<br>Schon früh prägt sich bei Lee jedenfalls Interesse für die schönen Künstler heraus<br>und sie überlegt eventuell Tänzerin werden zu wollen.<br>Ihre Schulzeit jedenfalls war mühsam.<br>Sie wird über die Jahre aus praktisch jeder Schule geworfen, in der ihre Eltern sie eintragen.<br>Mit 18 zieht sie nach Paris und studiert Bühnenbildnerei, Kostümdesign und Bühnenbeleuchtung und kehrt<br>1926 nach New York zurück.<br>Diesmal zieht sie nach Manhattan.<br>Hier will sie Malerei und Zeichnung studieren.<br>Als sie eines Tages auf dem Heimweg war und gedankenlos auf die Straße geht, wird sie<br>beinahe von einem LKW überfahren.<br>In letzter Sekunde reißt sie einen Passant, der sie beobachtet hat, auf den Gehweg zurück<br>und Lee, die zu Tode erschrocken ist, sinkt erstmal ohnmächtig in seine Arme.<br>Und diese Anekdote ist wirklich folgenreich, denn der Mann, der sie da vor dem sicheren<br>Tod gerettet hatte, war niemand anderes als Condé Nast, dem Herausgeber von Zeitungen<br>wie Vogue, The New Yorker oder Vanity Fair.<br>Der hält jetzt also plötzlich eine elegant gekleidete, fließend französisch sprechende,<br>wunderschöne junge Dame in den Armen und sieht in ihr das perfekte Gesicht für das<br>nächste Titelblatt der Vogue.<br>Denn zu der Zeit wurde nach dem perfekten, modernen Mädchen gesucht als Titelfigur für<br>Magazine wie Vogue.<br>Und Lee Miller entsprach dieser Idee bis aufs Haar.<br>Und deswegen startet Lee ihre Modelkarriere mit einem Knall, mit einem Titelbild auf der<br>Vogue.<br>Die nächsten zwei Jahre machen sie dann zu einem der meisten gesuchten Models in ganz<br>New York.<br>Und sie arbeitet mit allem, was Rang und Namen hat.<br>Es kommt zu mir klar, als der Fotograf Edward Steichen eine Aufnahme Millers verwendet,<br>um eine Werbekampagne für Damenbinden zu bebildern.<br>Das beendet ihre Karriere als Fashionmodel, allerdings hatte sie darauf inzwischen sowieso<br>immer weniger Lust gehabt und nach Gelegenheiten gesucht, um auf Reisen zu gehen.<br>Die bot sich, als ihr einen Fashiondesigner anbot, in seinem Auftrag nach Paris zu reisen<br>und Designskizzen von Renaissance-Gemälden zu fertigen.<br>Also die Kleidung zu skizzieren, die man dort sieht.<br>In Paris passieren mehrere Dinge.<br>Erstens, Lee Miller war in Sekunden von dieser Aufgabe zu Tode gelangweilt.<br>Schon ihr ganzes Leben lang war sie bekannt dafür, dass sie sich zu nichts hinreißen<br>ließ, wenn es ihr keinen Spaß bereitete.<br>Und Renaissance-Gemälde abmalen gehörte eindeutig in diese Kategorie.<br>Außerdem war Lee Miller ein Partygirl.<br>Innerhalb kürzester Zeit netzwerkt sie sich einmal kreuz und quer durch die künstlerische<br>Szene Paris.<br>Sie war ungebunden, sie war trinkfest, sie war sexuell aufgeschlossen und sah umwerfend<br>aus.<br>Also macht sie das, was ihr als Tochter ihres Vaters als erstes in den Sinn kommt.<br>Sie besorgt sich eine Kamera und statt die Kleidungsstücke abzuzeichnen, macht sie einfach<br>Fotos davon.<br>Und was mit dem Abfotografieren von Gemälden anfängt, hört dann erstmal nicht mehr auf.<br>Sie fotografiert die Menschen um sich herum und experimentiert mit der Fotografie als<br>künstlerischer Ausdruck, als surreales Medium.<br>Wir haben das Jahr 1929.<br>Lee Miller beschließt jetzt, ernsthaft ihr Glück als <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> zu suchen.<br>Alles, was ihr fehlt, ist ein Lehrer, der ihr die Techniken der künstlerischen Fotografie<br>nahe bringen kann.<br>In Paris wird sie auch schnell fündig.<br>Der berühmte Fotograf und Künstler Man Ray wäre der perfekte Lehrmeister.<br>Sie sucht seinen Kontakt und bietet sich ihm als Model an.<br>Er will eigentlich keine Studenten aufnehmen, aber Lee war noch nie gut darin, &#8222;Nein&#8220;<br>als Antwort zu akzeptieren.<br>Der Widerstand kann auch nicht lange angedauert haben, denn sie zieht relativ schnell praktisch<br>bei ihm ein, wird eines seiner häufigsten Models, eine Mitarbeiterin in seiner Dunkelkammer<br>und in seinem Studio allgemein, seine Muse und seine Liebhaberin.<br>Die beiden arbeiten in der Zeit so eng zusammen, dass bei einer Menge Aufnahmen gar nicht ganz<br>klar ist, ob das nun Aufnahmen von Lee Miller oder von Man Ray waren.<br>Die Fotografien, die sie schaffen, sind sehr künstlerisch und surreal.<br>Und das liegt unter anderem auch an der ausgefeilten Verfremdung, die in der Dunkelkammer stattfindet.<br>Es wird mit vielen Techniken experimentiert und eine der wichtigsten, stilprägendsten<br>Techniken, die die beiden perfektionieren, ist die sogenannte Solarisation.<br>Ich werde das jetzt hier nicht detailliert ausführen, aber es ist so eine Art gezielte<br>Überbelichtung.<br>Bilder, die auf die Art entstehen, sehen sehr prägnant und eigentümlich aus, sehr kontrastreich.<br>Und in den 60er Jahren wird es ein sehr weit verbreiteter und beliebter künstlerischer<br>Bildeffekt.<br>Für die Surrealisten, zu denen Lee Miller und Man Ray ja damals gehörten, war an diesem<br>Effekt besonders wichtig, dass er praktisch durch einen Zufall entstand und dass die Ergebnisse<br>nur sehr vage kontrollierbar waren.<br>Über den Freundeskreis von Man Ray und die Partys, die auch dort reichlich stattfanden,<br>lernt Lee Miller jedenfalls das Who is Who der damaligen Künstlerszene kennen.<br>Leute wie Jean Cocteau oder eben auch Pablo Picasso gehen ein und aus und zählen zu ihren<br>Freunden.<br>Über die Jahre fertigt Pablo Picasso sechs Gemälde von Lee Miller an und wird wieder<br>und wieder von ihr fotografiert.<br>So produktiv ihre Zusammenarbeit mit Man Ray auch ist, schnell hat sie das Bedürfnis,<br>ein eigenes Studio aufzubauen und wird in kürzester Zeit zu einer etablierten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a><br>in Paris.<br>Ein Faktor mag hier auch gewesen sein, dass es zwischen Man Ray und Lee Miller auch reichlich<br>und regelmäßig krachte.<br>Denn Man Ray, der eigentlich ja offene Beziehungen und freie Liebe propagierte, hatte so seine<br>Probleme, dass die schöne Lee sich nicht in einer monogamen Beziehung einsperren ließ.<br>Und so zofften die beiden sich regelmäßig, bis es irgendwann einfach auch mal zu viel<br>war.<br>1932 ist ihr die Szene in Paris ganz allgemein zu langweilig geworden.<br>Sie kehrt wieder nach Manhattan zurück und beschließt, den Erfolg des Fotostudios in<br>Paris in New York zu wiederholen.<br>Erfolgreich, innerhalb kürzester Zeit ist sie eine der gefragtesten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> der<br>Stadt.<br>Und nach nur drei Monaten zurück hat sie ihre erste große Ausstellung, in der es nur um<br>ihre Arbeiten geht.<br>Aber auch ihr zweites erfolgreiches Fotostudio hält sie nicht lange.<br>Als sie den Ägypter Aziz Bey kennenlernt und sich in ihn verliebt, beschließt sie<br>kurzerhand, ihr Leben in New York zu beenden und mit ihm nach Ägypten zu ziehen.<br>Die beiden heiraten und für Li beginnt eine Zeit, in der sie offiziell weder als Fotografe<br>noch sonst irgendwie professionell tätig ist.<br>Ihr Alltag besteht aus Reisen und Expeditionen in die Wüste und das Umland Ägyptens oder<br>aus Partys.<br>Nach wie vor ist Li trinkfest.<br>Sie gilt als fantastische Gastgeberin, wenn auch ein bisschen launisch, immer zwischen<br>glücklich und depressiv hin und her schwankend.<br>Die Fotografien, die sie in der Zeit fertig gehören, mit zu ihren künstlerischsten.<br>1937 war sie dann endgültig das Leben in Ägypten leid.<br>Eine Ausstellung brachte sie nach Paris, wo sie den Maler und Kurator Roland Penrose kennenlernte.<br>Was zunächst eine Kollaboration war, wurde schnell eine Affäre und so zog sie mit Billigung<br>ihres Ehemanns nach London in ein gemeinsames Apartment.<br>Und hier ist Li, als die Deutschen damit beginnen, London zu bombardieren.<br>Roland war einer der Freiwilligen, der während den Bombenangriffen der Deutschen die Stadt<br>patrouillierte und nach Brandherden Ausschau hielt und Li begleitete ihn.<br>Und die Lebensgefahr, die andere vielleicht dazu gebracht hätte, sich zu vergriechen,<br>war für sie wie ein Lebenselixier.<br>Ihr war sofort klar, sie wollte dahin, wo die Action war.<br>Die Gefahr nicht meiden, sondern die Gefahr suchen.<br>Freunde und Familie war entsetzt.<br>Aber wie schon bei Man Ray, ließ Li sich nicht von einem einmal gefassten Plan und<br>einer Entscheidung abbringen.<br>Sie begann damit, praktisch täglich bei Vogue anzufragen, ob die nicht Verwendung für eine<br>Kriegskorrespondentin hätten.<br>Und beginnt damit auf eigene Faust die Bombenangriffe während dem sogenannten Blitz zu dokumentieren.<br>Es sind ihre Fotos und ihre Hartnäckigkeit, die er dann letztlich eine Akkreditierung<br>als offizielle <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografin</a> für die Condé Nast Publishing Group einbringt.<br>Es gab einige Frauen, die für die US Army fotografierten, aber es waren nicht viele.<br>Und Action zu sehen war fast ausgeschlossen, denn die US Army hatte ganz grundsätzlich<br>die Regel, dass Frauen nicht in Kriegshandlungen geschickt wurden.<br>Und so fotografiert sie zunächst die Soldaten, die im Einsatz am D-Day gewesen waren und<br>jetzt in einem Übergangslazarett auf ihren Abtransport warteten.<br>Sie lernt den Time-Live-Fotografen David E.<br>Sherman kennen, der auch für eine Weile dann ihr Lebensgefährte werden soll, und beschließt,<br>dass sie dahin will, wo gekämpft wird.<br>Zur Not wird sie hintrampen.<br>Und genau diesen Plan setzen die beiden dann auch in die Tat um.<br>Nicht lange und Lee hat sich einen Ruf bei den Soldaten als mindestens so kampferprobt<br>und kampffest wie ihre Kameraden eingehandelt.<br>Und so wird ihr forsches Vorgehen von der Armee geduldet.<br>Sie und Sherman sind es dann auch, die zum Beispiel den ersten Einsatz von Napaim in<br>Europa dokumentieren.<br>Sie dokumentiert die Befreiung von Paris oder die Einnahme von Adolf Hitlers Berghof auf<br>dem Obersalzberg im Berchtesgaden.<br>Ihre Fotos entwickelt sie selbst in der Badewanne.<br>Und besonders die US-Vogue widmet ihr große Artikelstrecken, deren Bilder sie beisteuert<br>und deren Text sie komplett verfasst.<br>Und jetzt kommen wir zu dem Foto, das ich in der Einleitung erwähnt habe.<br>Es ist der 30.<br>April 1945.<br>Lee Miller und David Sherman sind in München.<br>Die Stadt ist praktisch dem Erdbodengeich gemacht.<br>Aber es gibt ein Haus, in dem noch fließendes, warmes Wasser ist.<br>Und so beschließen die beiden, dort ein Bad zu nehmen.<br>Als sie das Haus betreten, finden sie auch heraus, warum es das einzige Haus weit und<br>breit mit fließendem, warmen Wasser und Strom ist.<br>Denn es handelt sich um ein Privathaus von Adolf Hitler persönlich.<br>Und so beschließen die beiden nicht nur ein Bad zu nehmen, sondern dieses Bad auch fotografisch<br>zu dokumentieren.<br>Die Aufnahme zeigt Lee Miller in der Badewanne sitzend.<br>Es gibt ein analoges zweites Bild, in dem David Sherman auch ein Bad nimmt.<br>Auf den ersten Blick könnte man diese Aufnahme für einen Schnappschuss halten.<br>Aber auf den zweiten Blick wird klar, dass Lee Miller ihre Fotos als die Künstlerin,<br>die sie war, gezielt komponiert hat.<br>Und dieses Bild ist keine Ausnahme.<br>So steht zum Beispiel ein Foto Adolf Hitlers mit an der Badewanne.<br>Das bekannteste Bild des Diktators.<br>Aber noch viel wichtiger, direkt vor der Badewanne hat sie ihre US-Army-Stiefel abgestellt.<br>Und diese Kombi aus dem per Foto anwesenden Führer und den abgestellten US-Boots machen<br>aus diesem Foto eben mehr als nur einen Schnappschuss.<br>Das ist ein Foto, das nur Sieger machen können.<br>Es dokumentiert eine Machtumkehr.<br>Die Aufnahme von David Sherman zeigt außerdem noch den Duschkopf über ihm.<br>Sherman selbst ist Jude und der Duschkopf steht symbolisch für die als Gemeinschaftsduschen<br>getarnten Gaskammern der Nazis.<br>Und die hatte Lee Miller inklusive der Gräuel, die in den KZs zu sehen waren, nur zu Genüge<br>dokumentiert.<br>Sie ist vor Ort, als die KZs Buchenwald und Dachau befreit werden.<br>Während diesen Befreiungsaktionen sind ja einige Fotografinnen und Fotografen mit dabei<br>und dokumentieren.<br>Aber die meisten versuchen sich vor dem Grauen zu schützen und halten Abstand.<br>Lee geht mit ihrer Rolleiflex-Kamera ganz nah ran und macht Fotos, die sich ins Gehirn<br>brennen.<br>Lee macht diese Fotos, um die Deutschen zum Hinschauen zu zwingen und den Amerikanern<br>zu zeigen, dass sie das Richtige getan haben, als sie sich in den <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> eingemischt haben.<br>Als der <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> vorbei ist, kehrt Lee nach England zurück.<br>Ihr Lebensgefährte aus der Anfangszeit des Krieges, Roland Penrose, hatte seinen Wehrdienst<br>überlebt und die beiden nehmen den Faden da auf, wo er durch die Kriegsgeschehnisse<br>abgetrennt worden war.<br>Sie ziehen aufs Land, erst in ein Cottage, dann in eine Farm.<br>Roland Penrose hatte sich immer vorgestellt, wie es denn sein würde, als Farmer unabhängig<br>von anderen zu sein.<br>Hatte allerdings keinerlei Begabung oder Wissen in dem Bereich.<br>Außerdem ist er ja zunächst mal Galerist, Kunstsammler und Kurator und gibt diesen Beruf<br>auch nicht auf.<br>Und so wird aus der Farm weniger ein Agrarbetrieb, als eher eine Art Künstlerkolonie mit Menschen,<br>die außerdem noch wissen, wie man einen Garten anlegt.<br>Die beiden heiraten und 1947 wird der Sohn Anthony geboren.<br>Die zieht sich komplett aus dem <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Bildjournalismus</a> zurück.<br>Sie fotografiert zwar hin und wieder, aber nicht mehr in offizieller Funktion.<br>Überhaupt hatten die Kriegsjahre tiefe Spuren bei ihr hinterlassen.<br>Sie hatte schon immer eine Tendenz zur Depression und Schwierigkeiten mit Leistungsdruck umzugehen.<br>Beides bekämpfte sie oft mit Alkohol und Partys und in den ersten Jahren nach dem Krieg<br>wird es ein Strudel, der sie zu verschlingen droht.<br>Was hilft, ist ihr Freundeskreis.<br>Inklusive ihrer ehemaligen Liebhaber.<br>Man Ray oder Aziz kommen regelmäßig vorbei.<br>Pablo Picasso geht in dem Haushalt ein und aus.<br>Und immer wenn Besuch da ist oder wenn Lee eine Party schmeißen kann,<br>blüht Lee auf und zeigt ihr charmantes Gewinnendes selbst.<br>Und es ist diese Zeit, in der Lee ein weiteres Mal beschließt, sich neu zu erfinden<br>und eine neue Leidenschaft entdeckt, nämlich das Kochen.<br>Ab jetzt dokumentiert sie mit ihren Reisen keine Kriegshandlungen mehr<br>oder fotografiert mit künstlerischem Anspruch.<br>Ab jetzt sind ihre Reisen dafür da, neue Rezepte zu lernen, neue Zutaten kennenzulernen,<br>Kochbücher zu kaufen, Gerichte zu testen.<br>Sie beschäftigt sich mit ihrem Kräutergarten mit geradezu religiösem Eifer<br>und die vielen Besucherinnen und Besucher freuen sich über regelmäßige Gelage und originelle Speisepläne.<br>Als sie mit ihren eigenen Gerichten anfängt, an Wettbewerben teilzunehmen,<br>ist sie wieder auf Titelseiten zu sehen.<br>Diesmal als Köchin.<br>Und sie gewinnt Preise für ihre Gerichte.<br>Anthony und Lee haben in der Zeit eine komplizierte Beziehung.<br>Aber später schreibt er in der Biografie über seine berühmte Mutter,<br>dass es diese Zeit als Köchin war, die sie vor dem endgültigen Absinken in Alkoholismus und Depression bewahrt hat.<br>Als Erwachsenes selbst heiratet und mit seiner jungen Frau in die Nähe zieht,<br>normalisiert sich die Beziehung der Mutter und des Sohnes.<br>Es wird freundlich respektvoll.<br>Was aber beim Lesen der Biografie wirklich faszinierend ist,<br>er selbst kannte seine Mutter gar nicht als Fotografin.<br>Er kannte seine Mutter als seine Mutter und als Köchin.<br>Und so schreibt er, dass er völlig überrascht davon war, wie viele Leben seine Mutter gelebt hat.<br>Ein Leben als Supermodel, bekannt über die Grenzen New Yorks hinaus.<br>Ein Leben als surreale Künstlerin, die mit Man Ray zusammen,<br>einem der berühmtesten Vertreter des Genres, stilprägend war.<br>Ein Leben als Unternehmerin und Fotografin in der Werbebranche,<br>mit mehreren nacheinander gegründeten erfolgreichen Fotostudios.<br>Ein Leben als Kriegsreporterin und als Journalistin.<br>Eine Frau, die die ganze Welt ausführlich bereist hat und der ein Leben in Ägypten,<br>in Saus und Braus nicht genug war, sondern die dann regelrechte Expeditionen in die Wüste organisiert hat.<br>Eine Frau, die mit Picasso eng befreundet war und sechsmal von ihm gemalt wurde.<br>Eine Frau, die immer ihrem Herz und ihrer Leidenschaft folgte<br>und damit für viele andere, die ihr nachfolgten, auch den Weg freigeräumt hat.<br>Lee stirbt am 21. Juni 1977 an Krebs.<br>Ihre Asche wird über dem Kräutergarten der Farm ausgestreut.<br>Und die Farm existiert bis heute.<br>Ihr Sohn Anthony hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihren Nachlass zu verwalten.<br>Und die Farm und das Anwesen ist das Kernstück.<br>Sie ist umgeben von einem Skulpturengarten und enthält einige Räume, die im Originalzustand belassen wurden.<br>Hier lagert Lee&#8217;s komplettes Bildarchiv und die beeindruckende Kunstsammlung des Ehepaars.<br>Da gehören natürlich Werke von Picasso dazu, aber auch Bilder von Miró, Man Ray natürlich, Max Ernst und andere.<br>Was bleibt, ist die Geschichte einer faszinierenden Frau.<br>Einer Frau, der es offensichtlich nicht gereicht hat, sich mit nur einem Lebensweg zu begnügen.<br>[Musik]<br>FotoMenschen<br>[Musik]<br>Leute, was für ein Ritt.<br>Ich habe jetzt 17 Minuten lang versucht, den Überblick über Lee Millers Leben zu geben<br>und dabei viele, viele Anekdoten ausgelassen.<br>Ihr Sohn Anthony hat eine ganz großartige Biografie mit vielen Originalzitaten aus Briefen<br>und anderen Dokumenten zusammengestellt.<br>Und ich habe auf YouTube einen einstündigen Vortrag von ihm gefunden, der das zusammenfasst,<br>den ich euch natürlich wie immer verlinken werde.<br>Ihre Fotografie und ihre Texte sind faszinierend.<br>Die Geschichte ihrer Beziehungen, besonders die spektakuläre Beziehung, die sie mit Man Ray zusammen hatte<br>und deren gemeinsames Werk.<br>Jedes einzelne Kapitel dieses Lebens könnte Bücherregale füllen.<br>Und deswegen hier nochmal der Aufruf, surft doch bei FotoMenschen.net vorbei.<br>Ich packe in die Notizen zur Sendung, wie immer, Hinweise auf Startpunkte, also Artikel, Videos, Bücher etc.<br>Wer schon mal da ist, kann ja gerne einen Kommentar hinterlassen.<br>Ich freue mich immer über Rückmeldung.<br>Und wer mir auf Social Media folgen will, wird auf FotoMenschen.net auch da fündig.<br>Da sind die Links zum Twitter-Kanal, zum Mastodon-Kanal, zu meiner Pixel-Fat-Fotosammlung etc. etc.<br>Ich finde übrigens, von all diesen Kanälen ist vermutlich der Mastodon-Kanal der reichhaltigste,<br>aber wählt einfach selbst.<br>Ansonsten, wer jetzt mehr Lust auf Geschichts-Inhalte oder auf Wissenschaftsinhalte hat,<br>da noch in eigener Sache Hinweis auf die zwei Netzwerke, in denen der Foto-Menschen-Podcast auch mitgeht ist,<br>nämlich einmal geschichtspodcast.de und wissenschaftspodcast.de.<br>Da gibt es mehr großartigen Podcast-Content, als ihr hören könnt.<br>Auch diese Links natürlich in der Webseite.<br>Und jetzt bleibt gesund, passt auf euch auf, danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Wed, 01 Jun 2022 15:59:44 GMT</pubDate>
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            <title>Fliegende Katzen im Wasserschwall</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/fliegende-katzen-im-wasserschwall.html</link>
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            <description>Philippe Halsman schaffte es 101 mal mit seinen Fotografien auf das Titelblatt des Time Magazines und wurde berühmt durch Portraits springender Prominenter, surreale Fotografien und seine...</description>
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<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Philippe Halsman schaffte es 101 mal mit seinen Fotografien auf das Titelblatt des Time Magazines und wurde berühmt durch Portraits springender Prominenter, surreale Fotografien und seine Kollaboration mit dem Surrealisten Salvador Dali. </p>

<figure><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/8b/Salvador_Dali_A_%28Dali_Atomicus%29_09633u.jpg/1920px-Salvador_Dali_A_%28Dali_Atomicus%29_09633u.jpg" alt="Ein Mann spritzt Wasser in eine Gruppe von Katzen, die im Spritzwasser springen, während verschiedene Stühle und ein Tisch im Hintergrund sichtbar sind."/></figure>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Philippe_Halsman" target="_blank">Philippe Halsman</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Leda_Atomica" target="_blank">Leda Atomica</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.wikiart.org/en/philippe-halsman/voluptas-mors-1951" target="_blank">In Voluptas Mors</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.huffpost.com/entry/dali-in-voluptas-mors_n_4373479?guccounter=1" target="_blank">Behind the scenes of In Voluptas Mors</a> (Huff. Post)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20230730014356/https://verbicidemagazine.com/2013/11/10/silence-of-the-lambs-skull-film-dali-photo/" target="_blank">Silence of the lamps and In Voluptas Mors</a></li><li><a href="https://photofocus.com/inspiration/on-photography-philippe-halsman-jumpology/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Philippe Halsman&#8217;s Jumpology</a></li></ul>

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<p>Transkript</p>

<p>Ein Eimer Wasser, ein Stuhl, drei Katzen und ein springender Maler sind die Zutaten für eins meiner absoluten Lieblingsbilder. Und ein guter Grund, um über das Werk eines Fotografen zu sprechen, dessen Arbeit sich anschauen sollte, wer wirklich originelle Portraits machen möchte.</p>

<p>Philippe Halsman wurde am 2. Mai 1906 als Sohn einer Rektorin und eines Zahnarztes in Riga in Litauen geboren. Wie es sich für eine wohlhabende jüdische Familie gehört, genießt er eine umfassende Ausbildung, zu der mehrere Sprachen, Verständnis für Kunst und Reisen ins europäische Nachbarland gehören. Er hat gute Noten und freie Auswahl, welche Uni er denn nun besuchen möchte und er entscheidet sich für ein Elektroingenieursstudium an der TU Dresden. Als er da 1924 sein Studium aufnimmt, hat er schon solide Kenntnisse in der Fotografie. Er begann 1921, mit der Kamera seines Vaters Freunde und Familie zu fotografieren. Und während er in Dresden studiert, verdient er sich als Fotograf ein kleines Zubrot.</p>

<p>Es ist das Jahr 1928, als sein Leben eine dramatische Wendung nimmt: Bei einer gemeinsamen Wanderung in den Alpen kommt sein Vater tragisch ums Leben und Philippe wird dafür vor Gericht gestellt und mit einer Teilschuld zwei Jahre in das Gefängnis gesteckt. Das ist eine Geschichte, in der zum ersten Mal deutlich wird, welchen illustren Bekanntenkreis die Familie Halsman und Philippe Halsman speziell zu der Zeit schon hatte: Das sind Leute wie <a "/tags/albert-einstein.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="2" title="Einstein">Albert Einstein</a> und Thomas Mann, die sich für seine Freilassung stark machen und erreichen, dass er 1931 nach Paris zu seiner Familie reisen kann.</p>

<p>Paris ist es auch, wo er dann sein erstes, wirklich ernsthaft betriebenes Fotostudio eröffnet, 1932 in Montparnasse. Und es war von Anfang an die <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portraitfotografie</a>, die es ihm angetan hatte. Dabei ging es ihm nicht nur darum, Menschen abzulichten, er strebte an, etwas über die Psychologie, über das innerste des Portraitierten darzustellen. Dafür sei es wichtig, schreibt er später, dass das Bild absolut technisch einwandfrei ist. Es muss scharf bis ins Detail sein und so kamen die kleinen Reportagekameras, die damals zunehmend in Mode kamen, nie für ihn infrage.</p>

<p>Er fotografierte im Groß- und Mittelformat. Er ging sogar so weit, dass er seine eigene Kamera konzeptionierte und sich eigens anfertigen ließ. Das ist übrigens etwas, das liest man hauptsächlich von den Fotografen des 19. Jahrhunderts, denn damals hat mancher sich eine Kamera selbst gebaut, weil es die nun Mal nicht von der Stange zu kaufen gab. Die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen, die das im 20. Jahrhundert noch machen, tun das nicht, weil es grundsätzlich nicht genügend Auswahl am Markt gäbe, sondern, weil sie Anforderungen haben, die mit dieser Auswahl nicht abgedeckt werden können.</p>

<p>Philippe Halsman wird über seine Karriere hinweg mehrere Kameras konstruieren und die sind selbstverständlich heute teure Sammlerstücke.</p>

<p>Aber zurück zu seinen Fotografien: Er erarbeitet sich schnell den Ruf, einer der besten Portraitfotografen Frankreichs zu sein und Magazine wie die Vogue beauftragen ihn, damit Titelbilder und Fotostrecken zu produzieren. Seine Bilder unterscheiden sich deutlich von dem, was damals fotografisch üblich war. Zum Beispiel war die Mode damals ein leicht weicher Fokus auf dem Bild und das Spiel mit Unschärfe, während Philipe Halsmans Bilder von Vorne bis Hinten detailreich und knackscharf fotografiert waren.</p>

<p>Als Hitler seinen Vormarsch in Europa begann, bemühte sich Philippe Halsman um Visa für sich und seine Familie und bekam die zunächst auch für seine Frau und seine Kinder. Als Hitler Frankreich überfiel, stand seins noch aus und so floh er in den Süden von Paris und tauchte zunächst unter. Wieder sind es seine Freunde; Thomas Mann, <a "/tags/albert-einstein.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="2" title="Einstein">Albert Einstein</a> und First Lady Eleanor Roosevelt, die ihm ein Notfallvisum beschaffen und die Ausreise in die USA ermöglichen.</p>

<p>Dort setzt er seine fotografische Arbeit fort, was ihm ultimativ einen Auftrag für das Live Magazine einbringt. Das Live Magazine wird ihn Zeit seines Lebens begleiten. Er wird 1979 als Rekordhalter sterben: 101 Mal Titelblatt des Time Magazines.</p>

<p>Und darunter sind Bilder, die wir vermutlich alle wiedererkennen. Und das liegt unter anderem daran, dass seine Portraits in der Regel überraschen. Da haben die Portraitierten Posen, die wir so noch nie gesehen haben oder Accessoires wurden fotografiert, die wir nicht in einem <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a> erwarten würden, oder Philippe Halsman spielt mit Technik.</p>

<p>Er war ein Meister der Beleuchtung und der Trickfotografie. In einer Zeit, in der es kein <a "/posts/die-geschichte-der-bildmanipulation.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="55" title="Photoshop">Photoshop</a> gab, in der die meisten Tricks in Kamera stattfinden mussten.</p>

<p>Und jetzt zu dem Bild mit den Katzen und dem Wasser und dem Maler. Die Rede ist von einem Bild, das den Titel &#8222;Dalí Atomicus&#8220; trägt und das vielleicht berühmteste <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a> des Malers Salvador Dalí ist.</p>

<p>Dalí und Halsman verbindet zu dem Zeitpunkt, als dieses Foto gemacht wird, schon eine jahrelange Freundschaft. Dalí ist Maler, Halsman ist Fotograf. Dalí interessiert sich nicht fürs Fotografieren und Halsman hat kein Interesse daran, Maler zu sein. Aber beide zusammen werden über Jahre hinweg eine produktive Kollaboration pflegen, die zu mehreren Büchern und herausragenden Fotografien führt.</p>

<p>Die Bildidee stammt aus einem Gemälde von Salvador Dalí, &#8222;Leda Atomica&#8220;. Leda ist die mythologische Königin von Sparta und das Bild zeigt sie mit einem Schwan auf einem Podest, das in der Luft schwebt. Die Gegenstände, die man in der Luft sieht, schweben alle. Und das war die Kernidee, mit der Philippe und Salvador spielten, als sie dann das Gemälde &#8222;Dalí Atomicus&#8220; planten. Wer das Bild nicht kennt: Ich packe eine Kopie davon in die Notizen zur Sendung. Und es ist wirklich wert, sich das kurz anzuschauen.</p>

<p>Ich versuche, es trotzdem mal zu beschreiben: In dem Bild sieht man mehrere schwebende Gegenstände, drei fliegende Katzen, einen frei in der Luft stehenden Schwall Wasser und einen schwebenden Salvador Dalí, der an einer schwebenden Leinwand malt. Das einzige, was sich berührt, sind die Katzen und das Wasser.</p>

<p>Und das Bild entstand in über acht Stunden und in mehr als 26 Aufnahmen. Seine Tochter beschreibt das Ganze so:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;My father took invisible wires and hung the aisle, the little stool and the picture of Leda Atomica&#8217;s and my mother held the chair.&#8220;</p>

<p>Ja, wir befinden uns in einem Studio in New York. Und nicht nur war Dalí und drei Assistenten, sondern die ganze Familie damit beschäftigt, dieses Bild zu erzeugen. Verschiedene Möbelstücke waren mit dünnen Drähten, also &#8222;invisible wire&#8220;, so aufgehangen, dass sie in der Fotografie so aussehen würden, als ob sie frei schwebten. Von der Seite her war ein Stuhl, der ins Bild ragte und dann war die Idee, dass von Links her ein Schwall Wasser durchs Bild geht, während von Rechts drei Katzen ins Bild fliegen und Salvador Dalí musste natürlich springen,</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>&#8222;Philippe would count to four: &#8218;one, two, three&#8216; and the assistants threw the cats and the water and on &#8218;four&#8216; Dalí jumped.&#8220;</p>

<p>Die Assistenten waren für das Werfen der Katzen und das Wasser zuständig. Halsman würde zählen: &#8222;Eins, zwei, drei&#8220;, Wasser und Katzen wurden geworfen und auf &#8222;vier&#8220; sprang Dalí in die Höhe.</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>&#8222;My job at the time was to catch the cats and take to the bathroom and dry them off with a big towel. My father would run upstairs, where the dark room was, developed the film, printed, run downstairs, and he said: not good, bad composition, this was wrong, that was wrong, it took 26 tries to do this.&#8220;</p>

<p>Halsman drückte ab und während seine Assistenten und seine Familie sich damit beschäftigten, die garantiert nicht begeisterten Katzen zu fangen und wieder zu trocknen und den Boden zu reinigen, rannte Philippe schnell in die Dunkelkammer, entwickelte das Bild, betrachtete das Ergebnis und kam zurück, mit weiteren Instruktionen.</p>

<p>Es gibt ein ganz fantastisches Buch, das heißt Magnum Contact Sheets, in dem man die komplette Serie, die von Philippe Halsman für dieses Bild gemacht wurde, abgebildet ist, mit den Notizen. Und da sieht man mal den Stuhl, der leider das Gesicht von Salvador Dalí verdeckt. Oder die Katzen, die den Wasserstrahl verfehlen. Oder der Wasserstrahl, der leider Dalí und nicht die Katzen trifft, und so weiter.</p>

<p>Mindestens 26, vielleicht auch 28 Versuche waren notwendig, bis das finale Bild, das berühmt werden sollte, im Kasten war. &#8222;Dalí Atomicus&#8220;. Die armen Katzen.</p>

<p>Philippe und Salvador Dalí haben nicht nur dieses originelle Portrait von ihm gemacht, sondern es gibt eine ganze Bandbreite von Salvador-Dalí-Portraits aus Philippes Kamera. In einer Fotoreihe, die er &#8222;Dalí&#8217;s Mustache&#8220; nannte und für die er auch einen Bildband herausgab, fotografiert er 36 Mal Portraits von Salvador Dalís Bart. Und jedes sieht ganz grundsätzlich anders aus. Und ja, auch wenn man immer Salvador Dalí sieht, geht es ganz eindeutig um diesen Bart.</p>

<p>Dann gab es auch noch ein Bild, das einen handfesten Skandal auslöste und nicht weniger ikonisch ist. Das Bild ist lateinisch &#8222;Voluptas Mors&#8220; betitelt und das übersetzt sich grob in das Wort &#8222;Todesvergnügen&#8220; oder &#8222;Vergnügen des Todes&#8220;. Und es zeigt einen in Frack und Zylinder posierenden Salvador Dalí im Vordergrund und einen aus nackten Frauen geformten Totenschädel im Hintergrund. Speziell dieser Totenschädel ist so ikonisch, dass er auch diverse Male kopiert wurde oder weitere Verwendung gefunden hat. Zum Beispiel in dem Filmposter vom &#8222;Schweigen der Lämmer&#8220;. Wer sich die Totenkopfmotte dort ansieht, wird feststellen, dass die Designer als Totenkopf genau diese 7 nackten Frauen aus &#8222;Voluptas Mors&#8220; genommen haben.</p>

<p>Philippe Halsman war auf jeden Fall ein origineller Fotograf. Seine Bilder überraschen unter anderem auch deswegen, weil er oft Menschen fotografierte, die schon viele tausende Male fotografiert worden waren. Er tourt während seiner Karriere um die Welt und fotografiert das Who&#8217;s who der damaligen Gesellschaft. Es gibt berühmte Portraits von <a "/tags/albert-einstein.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="2" title="Einstein">Albert Einstein</a>, von Thomas Mann, von Churchill, der Windsource und die meisten seiner Aufnahmen haben das gewisse Etwas.</p>

<p>In seinen Portraitsitzungen hatte er außerdem ein kleines Ritual: Wenn die Arbeit nämlich getan war, bat er seine Models, kurz nochmal für ihn in die Luft zu springen. Halsmans &#8222;jumping portraits&#8220; begründen nicht nur einen Trend, der sich bis heute fortsetzt, sie sind auch eine Bildreihe, die immer noch sehenswert ist. Oder wer hat schonmal den Duke und die Duchess von Windsor in die Höhe springen sehen? Und auch ein weiteres ikonisches Portrait stammt aus dieser Reihe, nämlich Marylin Monroe, die mit Enthusiasmus und Begeisterung im vollen Schwung in die Höhe springt.</p>

<p>Diese Portraits sind faszinierend und ja, sie sind anders. Und Philippe Halsman erklärt das so, dass man beim Springen nicht mehr daran denken kann, wie man für die Kamera aussehen möchte. Man ist mit Springen beschäftigt. Und da kommt dann eben ein kleines Stück vom wahren Selbst zum Vorschein, das man in dem Augenblick fotografieren kann. So behauptet Philippe. Und wir? Wir glauben ihm das jetzt einfach so.</p>]]></content:encoded>
            <pubDate>Fri, 08 Jan 2021 16:24:41 GMT</pubDate>
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