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    <title>Fotomenschen</title>
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    <itunes:author>Dirk Primbs</itunes:author>
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            <title>Ein Gruß aus dem Off</title>
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            <pubDate>Thu, 16 Mar 2023 18:27:15 GMT</pubDate>
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<p>Der Fotomenschen Podcast pausiert auf unbestimmte Zeit. </p>]]></content:encoded>
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            <title>Das Woodstock Pärchen</title>
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            <pubDate>Sun, 27 Nov 2022 16:40:32 GMT</pubDate>
            <description>1969 fand das berühmte Woodstock Festival statt, ein Höhe- und irgendwie auch der Endpunkt der Hippiebewegung der 60er Jahre. 1970 kommt das dazugehörige Album auf den Markt.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera 1969 fand das berühmte Woodstock Festival statt, ein Höhe- und irgendwie auch der Endpunkt der Hippiebewegung der 60er Jahre. 1970 kommt das dazugehörige Album auf den Markt. Auf dem Cover ein Foto des Life und Magnum Fotografen Burk Uzzle, das zu einer Bildikone werden sollte und das Paar seither begleitet. A Woodstock Moment - 40 Years Later (Smithonian Mag) Meet The Couple On The Iconic Woodstock Album Cover - Still Together After 50 Years Burk Uzzle (Wikipedia) Burk Uzzle’s Webseite Google Bildersuche – Fotos des Woodstock Festivals 5 Woodstock Photographers on the Images That Moved Them Most (Time) Summer of Love (Wikipedia) Woodstock Festival (Wikipedia) Hippie (Wikipedia) Music credit: Where the Moon Shines Bright by Kara Square (c) copyright 2020 Licensed under a Creative Commons Attribution (3.0) license. http://dig.ccmixter.org/files/mindmapthat/62227 Ft: Mr_Yesterday, Stefan Kartenberg Transkript Die 60er Jahre waren in den USA eine turbulente Zeit. Es ist die Zeit des Vietnamkriegs. Es ist die Zeit der politischen Morde an Martin Luther King, John F. Kennedy oder Malcolm X. Und es ist die Zeit der Hippie-Bewegung. 1967 gipfelt die in San Francisco im sogenannten „Summer of Love“. Und 1969 auf der anderen Seite des Kontinents, im Bundesstaat New York, im berühmtesten Musikfestival aller Zeiten, Woodstock. (Musik) (Kamera Klick) (Musik) Foto Menschen. (Musik) (Kamera Klick) (Musik) Die Hippie-Bewegung nahm ihren Anfang in San Francisco und in der Bay Area. Es war eine Jugendbewegung. Mitglieder der Hippie-Bewegung lehnten Konsum ab, lehnten das Mittelstandsgebaren, das sie in ihrer Umgebung sahen, ab. Sie wollten keine Gewalt mehr unterstützen. Sie wollten mit Designer-Drogen experimentieren, dabei Musik hören und im Einklang mit Umwelt und Nachbarn leben. Aus heutiges Sicht würde ich ja fast sagen, die waren ihrer Zeit ganz schön voraus. Den Anfang nimmt diese Bewegung jedenfalls in den 60er Jahren. Und auch wenn man die Bartek-Klamotten, die Drogen, die freie Liebe und den Musikgeschmack belächelt, ist nicht wegzuleugnen, dass die Hippie-Bewegung den Anfang der Friedensbewegung in den USA markiert, die sexuelle Revolution voranbringt, Umweltschutz, Antirassismus und andere Themen auf die Agenda hebt und bis heute nachwirkt. Und wie immer, wenn eine Bewegung auftaucht, die erfolgreich ist, wird sie sehr schnell auch kommerziell. Modelabel entdecken den Klamottenstil, Plattenlabels entdecken den Musikstil, Veranstalter entdecken die Zielgruppe. Wenn das Summer of Love 1967 in San Francisco als der Höhepunkt der Bewegung gilt, dann ist unzweifelhaft das Woodstock Festival 1969 eine Art Endpunkt und Kommerzialisierungshöhepunkt. [Musik] Man hatte vor, ein Hippie-Festival zu veranstalten im Bundesstaat New York. Veranstaltungsort sollte ursprünglich die kleine Ortschaft Woodstock werden. Man entschied sich aber um und das Festival fand dann tatsächlich in einem 70 Kilometer entfernten Ort statt, auf einer hügeligen Wiesnlandschaft in der Nähe des New Yorker Orts Bethel. Oder Bietel? Als Zeitpunkt wurde der 15. bis 17. August festgelegt und es sollten 32 Bands auftreten, darunter auch einige, die inzwischen schon einen Namen von Weltrang hatten. Das Publikum wurde auf so circa 150.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer geschätzt. Und für 150.000 war man wohl auch vorbereitet. Nicht hingegen für die 400.000, die dann tatsächlich zum Festival anreisten. [Unverständliches Gespräch] Das Festival hatte noch gar nicht angefangen, da waren in der Umgebung des Veranstaltungsorts sämtliche Straßen verstopft. Den Hippies war es einerlei, die fuhren, soweit sie nur vorwärts fahren konnten und wenn der Weg dann von einer Blechlawine verstopft war, ließen sie ihr Auto einfach stehen und gingen den Rest zu Fuß. Es herrschte also schon Chaos, bevor überhaupt das erste Musikstück gespielt wurde. Die Medien riefen dazu auf, nicht mit dem Auto anzureisen, am bes</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>1969 fand das berühmte Woodstock Festival statt, ein Höhe- und irgendwie auch der Endpunkt der Hippiebewegung der 60er Jahre. 1970 kommt das dazugehörige Album auf den Markt. Auf dem Cover ein Foto des Life und Magnum Fotografen Burk Uzzle, das zu einer Bildikone werden sollte und das Paar seither begleitet. </p>

<ul>
<li>A Woodstock Moment - 40 Years Later (Smithonian Mag)</li>

<li><a href="https://allthatsinteresting.com/woodstock-album-couple-nick-bobbi-ercoline" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Meet The Couple On The Iconic Woodstock Album Cover - Still Together After 50 Years</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Burk_Uzzle" target="_blank">Burk Uzzle</a> (Wikipedia)</li>

<li><a href="https://www.burkuzzle.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Burk Uzzle&#8217;s Webseite</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.google.com/search?q=woodstock+photography&amp;sxsrf=ALiCzsZPW8tnwyc9zPDvNBgJGWTD5ydwrw:1669560397404&amp;source=lnms&amp;tbm=isch&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwiW_KuTzc77AhXIhf0HHTgcB14Q_AUoAXoECAEQAw&amp;biw=1604&amp;bih=1299&amp;dpr=1" target="_blank">Google Bildersuche &#8211; Fotos des Woodstock Festivals</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://time.com/5650211/woodstock-photographers-recall-favorite-photos/" target="_blank">5 Woodstock Photographers on the Images That Moved Them Most</a> (Time)</li>

<li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Summer_of_Love" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Summer of Love</a> (Wikipedia)</li>

<li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Woodstock-Festival" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Woodstock Festival</a> (Wikipedia)</li>

<li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hippie" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hippie</a> (Wikipedia)</li>
</ul>

<div class="yt-facade" data-yt="WehjMZcQqPA" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_WehjMZcQqPA.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<p>Music credit: Where the Moon Shines Bright by Kara Square (c) copyright 2020 Licensed under a Creative Commons Attribution (3.0) license. http://dig.ccmixter.org/files/mindmapthat/62227 Ft: Mr_Yesterday, Stefan Kartenberg</p>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Die 60er Jahre waren in den USA eine turbulente Zeit.<br>Es ist die Zeit des Vietnamkriegs.<br>Es ist die Zeit der politischen Morde an Martin Luther King, John F. Kennedy oder Malcolm X.<br>Und es ist die Zeit der Hippie-Bewegung.<br>1967 gipfelt die in San Francisco im sogenannten &#8222;Summer of Love&#8220;.<br>Und 1969 auf der anderen Seite des Kontinents, im Bundesstaat New York,<br>im berühmtesten Musikfestival aller Zeiten, Woodstock.<br>(Musik)<br>(Kamera Klick)<br>(Musik)<br>Foto Menschen.<br>(Musik)<br>(Kamera Klick)<br>(Musik)<br>Die Hippie-Bewegung nahm ihren Anfang in San Francisco und in der Bay Area.<br>Es war eine Jugendbewegung.<br>Mitglieder der Hippie-Bewegung lehnten Konsum ab,<br>lehnten das Mittelstandsgebaren, das sie in ihrer Umgebung sahen, ab.<br>Sie wollten keine Gewalt mehr unterstützen.<br>Sie wollten mit Designer-Drogen experimentieren, dabei Musik hören<br>und im Einklang mit Umwelt und Nachbarn leben.<br>Aus heutiges Sicht würde ich ja fast sagen, die waren ihrer Zeit ganz schön voraus.<br>Den Anfang nimmt diese Bewegung jedenfalls in den 60er Jahren.<br>Und auch wenn man die Bartek-Klamotten, die Drogen, die freie Liebe und den Musikgeschmack belächelt,<br>ist nicht wegzuleugnen, dass die Hippie-Bewegung den Anfang der Friedensbewegung in den USA markiert,<br>die sexuelle Revolution voranbringt,<br>Umweltschutz, Antirassismus und andere Themen auf die Agenda hebt und bis heute nachwirkt.<br>Und wie immer, wenn eine Bewegung auftaucht, die erfolgreich ist,<br>wird sie sehr schnell auch kommerziell.<br>Modelabel entdecken den Klamottenstil, Plattenlabels entdecken den Musikstil,<br>Veranstalter entdecken die Zielgruppe.<br>Wenn das Summer of Love 1967 in San Francisco als der Höhepunkt der Bewegung gilt,<br>dann ist unzweifelhaft das Woodstock Festival 1969 eine Art Endpunkt und Kommerzialisierungshöhepunkt.<br>[Musik]<br>Man hatte vor, ein Hippie-Festival zu veranstalten im Bundesstaat New York.<br>Veranstaltungsort sollte ursprünglich die kleine Ortschaft Woodstock werden.<br>Man entschied sich aber um und das Festival fand dann tatsächlich in einem 70 Kilometer entfernten Ort statt,<br>auf einer hügeligen Wiesnlandschaft in der Nähe des New Yorker Orts Bethel.<br>Oder Bietel?<br>Als Zeitpunkt wurde der 15. bis 17. August festgelegt und es sollten 32 Bands auftreten,<br>darunter auch einige, die inzwischen schon einen Namen von Weltrang hatten.<br>Das Publikum wurde auf so circa 150.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer geschätzt.<br>Und für 150.000 war man wohl auch vorbereitet.<br>Nicht hingegen für die 400.000, die dann tatsächlich zum Festival anreisten.<br>[Unverständliches Gespräch]<br>Das Festival hatte noch gar nicht angefangen, da waren in der Umgebung des Veranstaltungsorts sämtliche Straßen verstopft.<br>Den Hippies war es einerlei, die fuhren, soweit sie nur vorwärts fahren konnten<br>und wenn der Weg dann von einer Blechlawine verstopft war, ließen sie ihr Auto einfach stehen und gingen den Rest zu Fuß.<br>Es herrschte also schon Chaos, bevor überhaupt das erste Musikstück gespielt wurde.<br>Die Medien riefen dazu auf, nicht mit dem Auto anzureisen, am besten überhaupt gar nicht anzureisen.<br>Speziell wenn man jung ist und feiern möchte, gäbe es doch auch so viele Alternativen.<br>Das Festival war rundheraus überfordert. Es gab nicht genug Wasser, es gab nicht genug Essen.<br>Ob überhaupt der Platz reichen würde, war ebenso unklar.<br>Und definitiv gab es nicht genügend sanitäre Anlagen oder An- und Abfahrtsstraßen.<br>Der Student Nick Erkelein hört all das im Radio und denkt sich, im Grunde verpasse ich hier gerade was.<br>Es scheint ein Ereignis zu sein, das es so nur einmal geben wird.<br>Ihm gegenüber sitzt seine Freundin Bobbi Kelly. Zehn Wochen sind die beiden zu dem Zeitpunkt zusammen.<br>Er schaut sie an und sagt, wollen wir da eigentlich auch hin?<br>Die Musik ist cool und anscheinend gibt es da was zu verpassen.<br>Die beiden sind selbst eigentlich keine Hippies oder in der Counterculture.<br>Aber gute Musik und junge Leute um sich rum, freie Liebe und Drogen, in einer Gegend, in der sonst jetzt auch nicht so viel los ist.<br>Gesagt, getan, ein paar Freunde werden zusammen getrommelt und es wird sich auf den Weg gemacht.<br><em>Musik</em><br><em>Musik</em><br>Nicht lange, und sie kamen am Ende der Autoschlange an und stellten wie die anderen Hippies ihr Fahrzeug einfach am Straßenrand ab.<br>Und machten sich auf den Weg. Unterwegs sammelten sie eine Decke auf, die einfach da so rum lag, um eine Unterlage zu haben am Festival.<br>Dort angekommen waren die Eindrücke dann überwältigend.<br>Von dem Ort aus, an dem sie saßen, konnte man Dampfschwaden oder Rauchschwaden aufsteigen sehen.<br><em>Musik</em><br>Es war heiß und es war nass. Die Menschen waren also schwitzend und feucht.<br>Und deswegen konnte man auch nicht so genau sagen, war das Rauch von Haschisch oder Lagerfeuern oder einfach nur verdampfender Schweiß oder allgemeine Feuchtigkeit.<br>Und es war verfüllt mit tollen Geräuschen, außer nur der Künstler.<br>Und Geräusche.<br>Und Geräusche natürlich.<br>Jeden Geruch, den man sich erinnern kann. Wir waren alle zusammen. Wenn ihr etwas trinken wollt, dann würden sie es euch übergeben.<br>Wenn ihr etwas essen wollt, wenn sie es hatten, dann würden sie es euch übergeben.<br>Die Orte waren so eng aufeinander, dass daran nicht zu denken war, einfach irgendwo hinzugehen, um sich etwas zu besorgen.<br>Wenn man etwas trinken oder essen wollte, dann wurde es einem durchgereicht.<br>Zumindest, wenn es noch etwas gab.<br>Allerdings war Essen schon am ersten Tag aus.<br>Die Woodstock-Organisation war tatsächlich nicht darauf vorbereitet gewesen, 400.000 Menschen versorgen zu müssen.<br>Hinter den Kulissen wurde wild vor sich hin improvisiert.<br>Währenddessen wurde das Festival zu einem Medienereignis.<br>Nachrichtenredaktionen erwarteten das Schlimmste an diesem Festival.<br>Randalierende Jugendliche, Sex, Drug, Rock&#8217;n&#8217;Roll.<br>Deswegen schickten alle ihre Reporter, um an dem Festival teilzunehmen.<br>Viele auch mit entsprechenden Anweisungen, was sie aufzunehmen hatten.<br>Wenn sie denn schon keine randalierenden Jugendlichen finden würden, dann sollten sie doch wenigstens Fotos von den Musikern aufnehmen.<br>Manche Reporter wurden von ihren Redaktionen mit Helikoptern eingeflogen.<br>Andere mussten sich auf denselben Weg machen, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.<br>Einer der anwesenden Fotografen war der damals schon 31-jährige Burke Assel.<br>Er war eigentlich angestellt beim Life Magazine und war Magnum-Fotograf.<br>Später würde er eine Weile lang Vice-President von Magnum sein.<br>Aber am Woodstock-Festival nahm er völlig privat teil.<br>Er hatte einen Auftrag abgelehnt, denn er hasste es, im Auftrag irgendwo fotografieren zu sein.<br>Viel lieber fotografierte er auf eigene Faust und verkaufte anschließend seine Bilder.<br>Für Woodstock hatte er sich in der Nähe einen Zeltplatz gesucht.<br>Also in der Nähe des Festivals, aber weit genug weg, dass er nicht mittendrin übernachten muss.<br>Trotzdem ließ er sich nicht nehmen, auf dem Festival herumzustromern und mit seinen zwei Leicas fotografieren zu gehen.<br>In einem Interview beschreibt er später, dass seine Kollegen alle vorne an der Bühne rumhängen mussten,<br>denn dorthin hatte man sie hinbeordert, um wenigstens Fotos von den Künstlern zu machen.<br>Er hingegen lief zwischen den Menschen herum und war fasziniert.<br>Das Festival war zwar ganz eindeutig völlig überlastet, aber trotzdem blieb alles friedlich.<br>Die Bedingungen waren zum Teil furchtbar.<br>Die Wiesen versanken im Matsch, es hatte einen Regensturm gegeben.<br>Und trotzdem waren die Teilnehmer anscheinend glücklich und zufrieden.<br>Wenn man einmal den Blick über die Menschenmenge streifen ließ,<br>sah man Menschen beim Musizieren genauso wie beim Liebemachen.<br>Hitzig diskutierende Leute genauso wie fasziniert dem Geschehen auf der Bühne Zuhörenden.<br>Am Sonntagmorgen war Berg sehr früh auf den Beinen, um Fotos zu machen.<br>Die Dämmerung kroch gerade über den Hügel.<br>Trotzdem gab es schon Musik zu hören.<br>Jefferson Airplane spielte. &#8222;Bringing up the dawn&#8220; sangen sie.<br>Auf dem Hügel lagen die meisten, viele noch schlafend.<br>Und als er sich so umsieht, stehen direkt vor ihm Nick und seine Freundin Bobby auf.<br>Sie küssen sich, Nick hat die Decke, die sie aufgesammelt hatten, um die Schultern gelegt.<br>Er nimmt seine Freundin in den Arm und sie lehnt sich in seine Arme.<br>Es ist dieser Moment, den Berg mehrmals aufnimmt. Ein paar Mal schwarz-weiß und ein, zwei Mal auch in Farbe.<br>Nick und Bobby bekommen davon überhaupt gar nichts mit.<br>Ein Freund von ihnen hatte einen Stab dabei, an dem ein Plastikschmetterling war. Der ist mit im Bild.<br>Ein anderer Freund von ihnen, der gerade aus Vietnam zurückgekehrt war, liegt hinter ihnen und schläft noch.<br><em>Musik</em><br>Am nächsten Morgen machen sich Nick, Bobby, Burke und alle anderen auf dem Weg wieder nach Hause.<br>Woodstock ist vorbei. Es war klar, dass es alle Grenzen gesprengt hatte.<br>Aber es war noch nicht klar, was für ein nachhaltender Einfluss von diesem Festival ausgehen sollte.<br>Was am Weißen See passiert ist, dass Hunderttausende Kinder eine rurale Resort-Area besiegt haben,<br>die sie völlig unvorbereitet zu befassen.<br>Zwischen Adelten, die ihre jungen Lebensstile resenzen und verneinen.<br>Und dass irgendwie, durch die Natur der alten Fashion, der Kindheit und der Liebe,<br>beide Gruppen in Harmonie und gutem Humor zusammengekommen sind.<br>Ja, man war überrascht davon, dass nicht mehr passiert ist.<br>Nick und Bobby waren wieder daheim. Und Woodstock ist schnell eine Erinnerung.<br>Als 1970 dann das dazugehörige Album, der Soundtrack, herauskommt,<br>kaufen Freunde von ihnen das Album und laden sie ein, sich das gemeinsam anzuhören.<br>Der Hallo ist groß, denn das Coverfoto zeigt nichts anderes als den Moment,<br>in dem das Pärchen aufgestanden war und sich umarmt hatte.<br>Sie erkennen das sofort an der Decke, an dem Schmetterling und an dem Freund, der hinter ihnen liegt.<br>Was ihnen nicht klar ist, ist, dass dieses Bild ab jetzt ikonisch für Woodstock stehen soll.<br>Es ist das Woodstock Couple.<br>Sie bekommen auch nichts davon mit, dass über die nächsten Jahre alle möglichen Pärchen behaupten werden,<br>dass sie es sind, die auf diesem Bild dargestellt werden.<br>Sie freuen sich einfach, dass sie auf diesem Cover zu sehen sind,<br>besorgen sich einen größeren Abzug dieses Fotos, rahmen sich das Bild und hängen es sich in die Wohnung.<br>Die haben sie nämlich bald, die gemeinsame Wohnung.<br>Aus der, während Woodstock gerade mal zehn Wochen alten Beziehung, wird nämlich nach zwei Jahren eine Ehe.<br>Und als 20 Jahre später das Live-Magazin das Pärchen anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von Woodstock aufspürt,<br>haben sie zwei Kinder und sind nach wie vor glücklich verheiratet.<br>Das ist auch der Moment, in dem sie und auch der Fotograf Burke Ussel erzählen,<br>wie sie sich jeweils an den Moment des Bildes erinnern oder auch nicht erinnern.<br>Burke Ussel hat sein ganzes Leben lang fotografiert.<br>Wie gesagt, er wird Präsident von Magnum Fotos werden.<br>Aber er sagt, keines seiner Fotos wird so oft nachgefragt wie dieses einigermaßen unscheinbare Foto eines Pärchens auf diesem Festival.<br>Und für Nick und Bobby bleibt es natürlich ein ganz besonderer Moment.<br>Ein Moment, der auch 50 Jahre später für das Ehepaar nichts von seiner Magie eingebüßt hat.<br>[Musik]<br>[Musik]<br>[Musik]<br>[Musik]<br>[Musik]<br>[Musik]<br>[Musik]<br>Foto Menschen<br>Themenpart in der heutigen Folge ist Meo, Ada, Mesopotheim.<br>Danke für den Hinweis auf dieses Liebespaar, das zum ikonischen Woodstock-Couple wurde<br>und nach über 50 Jahren immer noch glaubwürdig in die Kamera sagen kann, dass sie so verliebt wie am ersten Tag sind.<br>Wer das Bild jetzt gerne sehen möchte oder mehr über Woodstock, die Hippie-Bewegung oder speziell über Nick und Bobby erfahren möchte,<br>wird in den Notizen zur Sendung oder auf Kopfstimme.net fündig.<br>Was man da auch finden kann, ist übrigens der Link zu meinem Buch.<br>Ja, ich habe ein Buch zum Podcast geschrieben.<br>&#8222;30x Fotogeschichten&#8220; &#8211; ein Lesebuch für Fotograf*innen mit oder ohne Kamera.<br>Ansonsten freue ich mich über Rückmeldungen zu dieser Episode oder zu irgendeiner anderen oder zu Themenwünschen.<br>Man kann mich ganz gut erreichen, entweder auf der Webseite, einfach die Kommentarfunktion benutzen,<br>indem man mich zum Beispiel auf Masterdome besucht. Den Link findet ihr auch hier auf fotomenschen.net, wie immer.<br>Und jetzt lieben Dank fürs Zuhören, passt auf euch auf und bis bald.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Schneeflocken für die Ewigkeit</title>
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            <pubDate>Sat, 15 Oct 2022 13:36:16 GMT</pubDate>
            <description>Wilson Bentley galt jahrelang als der erste Mensch der eine Schneeflocke fotografiert hat.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Wilson Bentley galt jahrelang als der erste Mensch der eine Schneeflocke fotografiert hat. Auch wenn wir heute wissen, dass ein anderer Mann (Johann Flögel) schneller gewesean war, so war es doch Bentley der über 40 Jahre hinweg dranblieb und uns 5831 einzigartige Aufnahmen hinterlies. Wilson Bentley (Wikipedia – englisch , deutsch ) Eiskalt abgelichtet (Spiegel) Der Schneemann (Süddeutsche Zeitung) Wem gehört die erste Foto-Flocke? (shz) Johann Heinrich Ludwig Flögel (Wikipedia) Wer war der Schneeflockenfotograf Wilson Bentley? (kwerfeldein) Transkript Ich glaube es ist keine Übertreibung, wenn man Wilson Bentley als etwas schrullig bezeichnet. Allerdings, ich würde sagen, die gute Art von schrullig. 40 Jahre lang beschäftigte er sich mit einem Foto-Hobby und machte seine Sache so gut, dass er bis heute den Standard setzt. Wilson Bentley wird am 9. Februar 1865 in Vermont in eine Farmerfamilie geboren. Er wird später selbst Farmer und bleibt sein gesamtes Leben am elterlichen Hof. Als Farmer. An dem kleinen Wilson fällt von Anfang an sein ungewöhnlich großer Wissensdurst auf. Er wird zu Hause von seiner Mutter, einer ehemaligen Lehrerin, unterrichtet und die fördert sein umfassendes Interesse an allem, was in der Natur um ihn herum vor sich geht. Besonders fasziniert ihn dabei ihr Mikroskop. Blätter, Insekten, einfach alles was man unter dieses Mikroskop legen kann, wird von Wilson ausführlich studiert. In Vermont sind die Winter sehr lang. Schnee fällt gerne schon im September und auch im Mai kann es durchaus noch kalt und eisig draußen werden. Und so ist es dann auch kein Wunder, dass Wilson Bentley irgendwann anfängt auch Schneekristalle unter das Mikrofon zu buxieren. Die haben es allerdings in sich. Erstens fallen die ja nicht unbedingt immer einzeln, zweitens verdunsten die sehr schnell, also selbst wenn es nicht warm ist auf der Unterlage auf die sie fallen und drittens reicht dann oft schon ein Atemhauch um sie komplett in Wasser zu verwandeln. Für all diese Probleme findet Wilson Bentley Lösungen. Während also alle anderen Familienmitglieder sich am liebsten im Haus beim Feuer aufhalten, steht er mit einer Holzplatte, die mit schwarzem Samt überzogen ist, im Hof und fängt Schneeflocken. Mit einer Feder separiert er die einzelnen Kristalle und wenn die mit dem bloßen Auge interessant aussehen, rennt er schnell in eine Scheune, wo das Mikroskop aufgebaut ist und versucht sie genau anzusehen und dabei abzuzeichnen. Schnell stellt er fest, dass keine zwei Schneeflocken gleich sind und das liegt daran, weil sie sich beim Fall zur Erde bilden und die genauen Bedingungen, also Temperatur, Luftfeuchtigkeit und so weiter, sind nicht vorhersagbar und variieren stark genug, dass die fertigen Kristalle nahezu unendlich variantenreich sind. Außerdem stellt er schnell fest, dass selbst unter Idealbedingungen die Schneekristalle so schnell verdunsten, dass er sie nicht abzeichnen kann. Es ist die Mitte der 1880er Jahre, das heißt die Fotografie ist inzwischen überall auf der Welt angekommen. Und Wilson ist klar, wenn er die Vergänglichkeit der Schneekristalle schon nicht schnell genug zeichnen kann, dann muss er sie eben fotografieren. Und er beginnt damit seiner Familie mit dem Wunsch nach einer damals sündhaft teuren Balkenkamera in den Ohren zu liegen. Sein Vater hält das Ganze für ein Hirngespinst, die Ausgabe ist eigentlich viel zu groß für seine Familie, aber die Mutter möchte das Interesse ihres Sohnes unterstützen. Und so beginnen die Eltern zu sparen. Als Wilson 17 wird, ist es dann soweit. Eine Balkenkamera zum Geburtstag. Wilson ist aus dem Häuschen vor Freude und macht sich sofort ans Werk und scheitert erstmal monatelang damit, mit dieser Kamera brauchbare Ergebnisse zu produzieren. Heute würden wir ja erstmal online gehen, vielleicht auf YouTube nach Anleitungen suchen. Und falls wir damit nicht weiterkommen, vielleicht gleichgesinnte Um</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p><a "/posts/das-u-boot-von-loch-ness.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="30" title="Das U-Boot von Loch Ness">Wilson</a> Bentley galt jahrelang als der erste Mensch der eine Schneeflocke fotografiert hat. Auch wenn wir heute wissen, dass ein anderer Mann (Johann Flögel) schneller gewesean war, so war es doch Bentley der über 40 Jahre hinweg dranblieb und uns 5831 einzigartige Aufnahmen hinterlies. </p>

<ul>
<li><a "/posts/das-u-boot-von-loch-ness.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="30" title="Das U-Boot von Loch Ness">Wilson</a> Bentley (Wikipedia &#8211; <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Wilson_Bentley" target="_blank">englisch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wilson_Bentley" target="_blank">deutsch</a>)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/schneeflocken-fotograf-wilson-bentley-a-951004.html" target="_blank">Eiskalt abgelichtet</a> (Spiegel)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/wissen/wilson-bentley-der-schneeflockenfotograf-e290185/?reduced=true" target="_blank">Der Schneemann</a> (Süddeutsche Zeitung)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20130621194841/https://www.shz.de/nachrichten/schleswig-holstein/artikeldetail/artikel/wem-gehoert-die-erste-foto-flocke.html" target="_blank">Wem gehört die erste Foto-Flocke?</a> (shz)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Heinrich_Ludwig_Fl%C3%B6gel" target="_blank">Johann Heinrich Ludwig Flögel</a> (Wikipedia)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250218183628/https://kwerfeldein.de/2021/11/11/wilson-bentley/" target="_blank">Wer war der Schneeflockenfotograf Wilson Bentley?</a> (kwerfeldein)</li>
</ul>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Ich glaube es ist keine Übertreibung, wenn man <a "/posts/das-u-boot-von-loch-ness.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="30" title="Das U-Boot von Loch Ness">Wilson</a> Bentley als etwas schrullig bezeichnet.<br>Allerdings, ich würde sagen, die gute Art von schrullig.<br>40 Jahre lang beschäftigte er sich mit einem Foto-Hobby und machte seine Sache so gut,<br>dass er bis heute den Standard setzt.<br>Wilson Bentley wird am 9. Februar 1865 in Vermont in eine Farmerfamilie geboren.<br>Er wird später selbst Farmer und bleibt sein gesamtes Leben am elterlichen Hof.<br>Als Farmer.<br>An dem kleinen Wilson fällt von Anfang an sein ungewöhnlich großer Wissensdurst auf.<br>Er wird zu Hause von seiner Mutter, einer ehemaligen Lehrerin, unterrichtet und die<br>fördert sein umfassendes Interesse an allem, was in der Natur um ihn herum vor sich geht.<br>Besonders fasziniert ihn dabei ihr Mikroskop.<br>Blätter, Insekten, einfach alles was man unter dieses Mikroskop legen kann, wird von<br>Wilson ausführlich studiert.<br>In Vermont sind die Winter sehr lang.<br>Schnee fällt gerne schon im September und auch im Mai kann es durchaus noch kalt und<br>eisig draußen werden.<br>Und so ist es dann auch kein Wunder, dass Wilson Bentley irgendwann anfängt auch Schneekristalle<br>unter das Mikrofon zu buxieren.<br>Die haben es allerdings in sich.<br>Erstens fallen die ja nicht unbedingt immer einzeln, zweitens verdunsten die sehr schnell,<br>also selbst wenn es nicht warm ist auf der Unterlage auf die sie fallen und drittens<br>reicht dann oft schon ein Atemhauch um sie komplett in Wasser zu verwandeln.<br>Für all diese Probleme findet Wilson Bentley Lösungen.<br>Während also alle anderen Familienmitglieder sich am liebsten im Haus beim Feuer aufhalten,<br>steht er mit einer Holzplatte, die mit schwarzem Samt überzogen ist, im Hof und fängt Schneeflocken.<br>Mit einer Feder separiert er die einzelnen Kristalle und wenn die mit dem bloßen Auge<br>interessant aussehen, rennt er schnell in eine Scheune, wo das Mikroskop aufgebaut ist<br>und versucht sie genau anzusehen und dabei abzuzeichnen.<br>Schnell stellt er fest, dass keine zwei Schneeflocken gleich sind und das liegt daran, weil sie<br>sich beim Fall zur Erde bilden und die genauen Bedingungen, also Temperatur, Luftfeuchtigkeit<br>und so weiter, sind nicht vorhersagbar und variieren stark genug, dass die fertigen Kristalle<br>nahezu unendlich variantenreich sind.<br>Außerdem stellt er schnell fest, dass selbst unter Idealbedingungen die Schneekristalle<br>so schnell verdunsten, dass er sie nicht abzeichnen kann.<br>Es ist die Mitte der 1880er Jahre, das heißt die Fotografie ist inzwischen überall auf<br>der Welt angekommen.<br>Und Wilson ist klar, wenn er die Vergänglichkeit der Schneekristalle schon nicht schnell genug<br>zeichnen kann, dann muss er sie eben fotografieren.<br>Und er beginnt damit seiner Familie mit dem Wunsch nach einer damals sündhaft teuren<br>Balkenkamera in den Ohren zu liegen.<br>Sein Vater hält das Ganze für ein Hirngespinst, die Ausgabe ist eigentlich viel zu groß für<br>seine Familie, aber die Mutter möchte das Interesse ihres Sohnes unterstützen.<br>Und so beginnen die Eltern zu sparen.<br>Als Wilson 17 wird, ist es dann soweit.<br>Eine Balkenkamera zum Geburtstag.<br>Wilson ist aus dem Häuschen vor Freude und macht sich sofort ans Werk und scheitert erstmal<br>monatelang damit, mit dieser Kamera brauchbare Ergebnisse zu produzieren.<br>Heute würden wir ja erstmal online gehen, vielleicht auf YouTube nach Anleitungen suchen.<br>Und falls wir damit nicht weiterkommen, vielleicht gleichgesinnte Umgebungen befragen.<br>Für Wilson war die Situation da deutlich schwieriger.<br>Nicht nur gab es keinerlei Anleitungen, besonders auch nicht für den Anwendungsfall, der ihm<br>vorschwebte, er war außerdem in Vermont auch auf dem Land, also mitten im Nirgendwo.<br>Es gab keine Kameraklubs und keine anderen <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen, die er hätte<br>befragen können.<br>Er musste sich sein Wissen selbst erarbeiten.<br>Und dafür brauchte er so knapp zwei Jahre.<br>Am 15.<br>Januar 1885 ist es dann soweit.<br>Wilson Bentley fotografiert zum ersten Mal erfolgreich eine Schneeflocke.<br>Jahrelang galt das übrigens als das erste Schneeflockenbild überhaupt.<br>Inzwischen wissen wir, dass so knapp sieben Jahre vor ihm ein deutscher Wissenschaftler<br>namens Johann Flögel den ersten Schneekristall festgehalten hat.<br>Allerdings hat sich Johann Flögel längst nicht so sehr für Schneeflocken begeistert<br>wie Wilson.<br>Der nutzt nämlich ab jetzt jeden Tag, an dem Schnee vom Himmel fällt, um zu versuchen,<br>wenigstens ein paar Schneekristalle festzuhalten.<br>Der Ablauf ist wie damals mit dem Mikroskop.<br>Mit einem schwarzen Brett draußen stehen die Schneeflocken, einfangen, dann mit einer Feder<br>die Kristalle separieren und wenn es ein besonders schöner Kristall ist, schnell in die Scheune,<br>wo der ganze Apparat schon aufgebaut ist und bereit ist, um ein Foto zu machen.<br>Als er einmal die Technik raus hatte, war die Technik an sich nicht mehr das Problem.<br>Was man aber seinen Schneeflocken ansieht, ist, dass er völlig fasziniert und verliebt<br>geradezu in die Schönheit der Strukturen war.<br>In den ersten Jahren hat er im Jahr etwa 10 bis 12 Schneeflocken, die er auf die Art festhält.<br>Aber über die Jahre wird seine Technik immer ausgefeilter und 40 Jahre später fotografiert<br>er 60 am Tag.<br>Richtig gehört, 40 Jahre lang fotografiert er Schneekristalle.<br>Insgesamt hinterlässt er uns 5381 einzigartige Aufnahmen.<br>Er fotografiert mit extrem kleiner Blende und belichtet ca. 100 Sekunden lang.<br>Fotografisch beschränkt sich Wilson fast ausschließlich auf seine Schneeflocken, aber<br>auch an Tagen, an denen kein Schnee fällt, ist er nicht untätig.<br>Er beobachtet und dokumentiert alle Wetterphänomene, die einem so einfallen können.<br>Er vermisst akribisch die Größe von Regentropfen bei bestimmten Wetterlagen und gilt als ein<br>Pionier der Meteorologie.<br>Das alles nur als Hobby.<br>Denn hauptsächlich ist er für den Hof seiner Eltern zuständig und kümmert sich nach dem<br>Tod seines Vaters um die nach und nach immer kränker werdende Mutter.<br>Wenn die Zeit es erlaubt, spielt er Klarinette und Klavier oder befasst sich mit seinen Aufzeichnungen.<br>Eine Frau hat er nicht.<br>13 Jahre lang geht er schon diesem Hobby nach, als sich ein Wissenschaftler bei ihm meldet<br>und sich zum ersten Mal für seine Aufnahmen interessiert.<br>Er kauft ihm ein paar der Flockenfotos für ein Seminar an der University of Vermont ab<br>und ist so begeistert, dass er ihn dazu animiert, einen Artikel in der Fachpresse zu schreiben.<br>Er hilft ihm auch, diesen Artikel zu schreiben und zu platzieren.<br>Die Aufnahmen faszinieren und andere Magazine greifen sie auch auf.<br>Für einen kurzen Moment reisen diese Aufnahmen um die Welt und werden wieder und wieder abgedruckt.<br>Viel mehr Interesse erregen sie allerdings nicht.<br>Die Fachwelt interessiert sich nicht für ihn und seine Arbeit, denn er ist ja selbst<br>kein Akademiker.<br>Und außerdem sind seine Texte viel zu sehr davon geprägt, wie sehr er die Schönheit<br>seiner Schneekristalle oder auch der Wetterbeobachtungen liebt.<br>Sie sind also irgendwie nicht sachlich genug.<br>Trotzdem kann er immerhin Magazine wie National Geographic oder das New York Times Magazine<br>zu seinen Publishern zählen.<br>Als diese Welle allerdings abebbt, kommen die nächsten Anfragen aus eher ungewöhnlicher<br>Ecke.<br>Juweliere und Textilindustrie haben seine Schneeflockenmuster entdeckt und wollen die Rechte an einzelnen<br>dieser Designs haben, damit sie sie weiterverarbeiten können.<br>Wilson Bentley war es überwiegend einerlei.<br>Er war ja eh nicht auf Ruhm und Ehre aus, sondern einfach nur fasziniert von diesem<br>Hobby und der Leidenschaft für die Schönheit der Natur.<br>Speziell der Natur, die er im Wetter und eben in Regen und Schnee erkannte.<br>Und seine über 5800 Schneekristallfotos waren derartig hochwertig und professionell in Szene<br>gesetzt, dass es über 100 Jahre dauerte, bis irgendjemand anders auch nur versucht es ihm<br>nachzumachen.<br>Da hilft es natürlich auch, dass er seine Schneekristalle 1931 in einem Buch &#8222;Snow<br>Crystals&#8220; veröffentlicht und damit sein Lebenswerk hinterließ.<br>Gerade noch rechtzeitig, denn gerade mal einen Monat später zieht sich der damals 66-Jährige<br>eine Lungenentzündung zu, an der er dann auch stirbt.<br>Was Wilson Bentley gemacht hat, können wir heute fast schon gar nicht mehr.<br>Nämlich einfach nur aus eigener Faszination und ausschließlich für sich selbst.<br>Nicht zum Veröffentlichen, nicht für den Applaus anderer fotografieren.<br>40 Jahre lang hat er das gemacht.<br>Immer mit derselben Kamera, die ihm mit 17 geschenkt worden war.<br>5831 Schneekristalle, die wir auch heute noch als Buch kaufen und bestaunen können.<br>FotoMenschen.<br>Das war sie also, die Geschichte des ersten Schneekristallfotografen der Welt.<br>Vielleicht auch des einzigen, der so viele Kristalle fotografiert hat.<br>Wer mehr von Wilson Bentley und seiner Geschichte lesen oder auch die Schneekristallfotos bestaunen<br>möchte, einfach auf der Webseite fotomenschen.net den Links in den Notizen zur Sendung folgen.<br>Da wird man umfassend fündig.<br>Und wer schon da ist, wie immer, ich sag&#8217;s gern nochmal, ich freu mich über Feedback,<br>ich freu mich über Kommentare, ich freu mich über 5-Sterne-Rezensionen auf iTunes oder<br>einer anderen Podcast-Plattform oder Kommentare im Blog oder Themenhinweise.<br>Jede Art von Rückmeldung ist mir willkommen.<br>Außerdem hab ich noch einen kleinen Hinweis in eigener Sache.<br>Ich hab nämlich ein Buch zum Podcast geschrieben.<br>Und das hab ich komfortablerweise in den Notizen zur Sendung oder auf der Webseite verlinkt.<br>Ja, und vielleicht ist es ja für euch auch was.<br>Und damit vielen lieben Dank fürs Zuhören, passt auf euch auf und bis bald.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Letizia Battaglia, die Frau die die Mafia schoss</title>
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            <pubDate>Sun, 02 Oct 2022 15:05:34 GMT</pubDate>
            <description>Leticia Battaglia träumte davon zu schreiben, entdeckte aber mit beinahe 40 wie viel effektiver sie sich mit einer Kamera ausdrücken konnte.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Leticia Battaglia träumte davon zu schreiben, entdeckte aber mit beinahe 40 wie viel effektiver sie sich mit einer Kamera ausdrücken konnte. Sie wird zu einer Reporterin in Sizilien zu einer Zeit zu der die Mafia die Region fest im Griff hat und dokumentiert unerschrocken deren blutige Verbrechen. The Photographer Who Fought the Sicilian Mafia for Five Decades (Petapixel) Letizia Battaglia (Wikipedia) Sie schoss die Mafia (Süddeutsche Zeitung) Mit der Kamera gegen die Mafia (FAZ) Eine Liebesaffäre zwischen Frau und Kamera (Deutschlandfunk Kultur) Shooting the Mafia (IMDB) Dieses Video auf YouTube ansehen Bild: Von Tato Grasso – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7123757 Transkript Eigentlich wäre sie gerne Autorin geworden. Ihre Eltern hatten für sie eine eher traditionelle Lebensweise vorgesehen. Das sollte alles anders kommen, als sie mit beinahe 40 Jahren zum ersten Mal entdeckte, dass eigentlich die Fotografie das Medium war, über das sie sich am besten ausdrücken konnte. Foto Menschen Letizia wuchs bis zu ihrem achten Lebensjahr in Triest auf, obwohl sie eigentlich in Palermo in Sizilien geboren worden war. Ihre Eltern hatten aus beruflichen Gründen die Stadt gewechselt und die kleine Letizia war ein freiheitsliebendes Kind, ein wenig aufsässig vielleicht. Als die Eltern beschließen wieder nach Palermo zurückzukehren, ändert sich ihr Leben dramatisch, denn in Palermo herrscht zu der Zeit eine sehr konservative Moral vor. Und in Palermo der 40er Jahre lässt man Mädchen nicht alleine auf die Straße. Die kleine Letizia wird in eine Klosterschule gesteckt und ansonsten daheim im Wesentlichen eingesperrt. Ein Zustand, den sie als unhaltbar empfindet. Um daraus auszubrechen, gibt es nur ein Mittel. Eine vorteilhafte Heirat. Und genau diesen Weg schlägt Letizia mit gerade mal 16 Jahren ein. Der Erbe einer regionalen Kaffee-Röster-Familie hatte sich in sie verliebt und sie nutzte die Gelegenheit, um mit Hilfe einer Hochzeit aus dem elterlichen Gefängnis auszubrechen. Mit 17 ist sie dann zum ersten Mal schwanger und in schneller Folge bekommt sie drei Mädchen. Was allerdings auch schnell klar wird, ist, dass sie das eine Gefängnis gegen ein anderes getauscht hat. Denn in der traditionellen Gesellschaft von Palermo können Frauen nichts entscheiden, auch nicht zum Beispiel ein Studium anzufangen. Und so konzentriert sie sich auf ihre Kinder und ihre Familie und führt 17 Jahre lang eine überwiegend unglückliche Ehe. Irgendwann wird es alles zu viel. Sie hat einen Nervenzusammenbruch und die Ärzte raten ihr, ihr Leben von Grund auf neu zu überdenken. Sie verlässt ihren Mann, nimmt ihre Kinder mit und muss ab jetzt ohne den Rückhalt einer wohlhabenden Familie für sich selbst sorgen und ihren eigenen Unterhalt verdienen. Seit Jugendjahren hatte sie den Traum, Journalistin oder Autorin zu werden. Und so beginnt sie, ihre Dienste als Journalistin an verschiedene Zeitungen zu verkaufen. Eine der Zeitungen, der sie ihre Dienste anbot, war die linke Tageszeitung Lora. Als sie anfragte, herrschte gerade akuter Personalmangel und man konnte eigentlich alles brauchen. Autoren, Fotografen, Büropersonal, am besten jemand, der oder die alles auf einmal machen könnte. Und Letizia war nicht besonders wählerisch und nahm deswegen eine Stelle als Kulturkorrespondentin an. Weil Fotos gebraucht wurden, griff sie schließlich zur Kamera und ihre ersten Fotos waren schlecht. Aber sie wurden besser bezahlt und gleichzeitig entdeckte sie, dass es ihr leichter fiel, mit Fotos auszudrücken, was sie empfand, als mit Artikeln. Ihr Aufstieg bei Lora ist erstaunlich schnell. Drei Jahre nachdem sie bei Lora in Mailand als kleine Reporterin angefangen hat, wird sie von der Zeitung als Leiterin der fotografischen Abteilung zurück nach Palermo geschickt. Sie ist frisch geschieden, hat einen 19 Jahre jüngeren Liebhaber und hat ihre Liebe zum Fotosj</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Leticia Battaglia träumte davon zu schreiben, entdeckte aber mit beinahe 40 wie viel effektiver sie sich mit einer Kamera ausdrücken konnte. Sie wird zu einer Reporterin in Sizilien zu einer Zeit zu der die Mafia die Region fest im Griff hat und dokumentiert unerschrocken deren blutige Verbrechen. </p>

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<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://petapixel.com/2022/05/07/the-photographer-who-fought-the-sicilian-mafia-for-five-decades/" target="_blank">The Photographer Who Fought the Sicilian Mafia for Five Decades</a> (Petapixel)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Letizia_Battaglia" target="_blank">Letizia Battaglia</a> (Wikipedia)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.sueddeutsche.de/medien/letizia-battaglia-fotografie-sizilien-mafia-cosa-nostra-1.5567382" target="_blank">Sie schoss die Mafia</a> (Süddeutsche Zeitung)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/zum-tod-von-letizia-battaglia-mit-der-kamera-gegen-die-mafia-17961595.html" target="_blank">Mit der Kamera gegen die Mafia</a> (FAZ)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/neu-im-heimkino-shooting-the-mafia-von-kim-longinotto-eine-100.html" target="_blank">Eine Liebesaffäre zwischen Frau und Kamera</a> (Deutschlandfunk Kultur)</li>

<li><a href="https://www.imdb.com/title/tt9358256/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Shooting the Mafia</a> (IMDB)</li>
</ul>

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<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=s265i_G43Tg" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf YouTube ansehen</a></p>
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<p>Bild: Von Tato Grasso &#8211; Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7123757</p>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Eigentlich wäre sie gerne Autorin geworden.<br>Ihre Eltern hatten für sie eine eher traditionelle Lebensweise vorgesehen.<br>Das sollte alles anders kommen, als sie mit beinahe 40 Jahren zum ersten Mal<br>entdeckte, dass eigentlich die Fotografie<br>das Medium war, über das sie sich am besten ausdrücken konnte.<br>Foto Menschen<br>Letizia wuchs bis zu ihrem achten Lebensjahr in Triest auf, obwohl sie<br>eigentlich in Palermo in Sizilien geboren worden war.<br>Ihre Eltern hatten aus beruflichen Gründen die Stadt gewechselt<br>und die kleine Letizia war ein freiheitsliebendes Kind, ein wenig<br>aufsässig vielleicht.<br>Als die Eltern beschließen wieder nach Palermo zurückzukehren, ändert sich ihr<br>Leben dramatisch, denn in Palermo herrscht zu der Zeit eine sehr<br>konservative Moral vor.<br>Und in Palermo der 40er Jahre lässt man Mädchen nicht alleine auf die Straße.<br>Die kleine Letizia wird in eine Klosterschule gesteckt und ansonsten<br>daheim im Wesentlichen eingesperrt.<br>Ein Zustand, den sie als unhaltbar empfindet.<br>Um daraus auszubrechen, gibt es nur ein Mittel.<br>Eine vorteilhafte Heirat.<br>Und genau diesen Weg schlägt Letizia mit gerade mal 16 Jahren ein.<br>Der Erbe einer regionalen Kaffee-Röster-Familie hatte sich in sie<br>verliebt und sie nutzte die Gelegenheit, um mit Hilfe einer Hochzeit aus dem<br>elterlichen Gefängnis auszubrechen.<br>Mit 17 ist sie dann zum ersten Mal schwanger und in schneller Folge bekommt<br>sie drei Mädchen.<br>Was allerdings auch schnell klar wird, ist, dass sie das eine Gefängnis gegen ein<br>anderes getauscht hat.<br>Denn in der traditionellen Gesellschaft von Palermo können Frauen nichts<br>entscheiden, auch nicht zum Beispiel ein Studium anzufangen.<br>Und so konzentriert sie sich auf ihre Kinder und ihre Familie und führt 17<br>Jahre lang eine überwiegend unglückliche Ehe.<br>Irgendwann wird es alles zu viel.<br>Sie hat einen Nervenzusammenbruch und die Ärzte raten ihr, ihr Leben von Grund<br>auf neu zu überdenken.<br>Sie verlässt ihren Mann, nimmt ihre Kinder mit und muss ab jetzt ohne den<br>Rückhalt einer wohlhabenden Familie für sich selbst sorgen und ihren eigenen<br>Unterhalt verdienen.<br>Seit Jugendjahren hatte sie den Traum, Journalistin oder Autorin zu werden.<br>Und so beginnt sie, ihre Dienste als Journalistin an verschiedene Zeitungen zu<br>verkaufen.<br>Eine der Zeitungen, der sie ihre Dienste anbot, war die linke Tageszeitung<br>Lora. Als sie anfragte, herrschte gerade akuter Personalmangel und man konnte<br>eigentlich alles brauchen.<br>Autoren, Fotografen, Büropersonal, am besten jemand, der oder die alles auf<br>einmal machen könnte.<br>Und Letizia war nicht besonders wählerisch und nahm deswegen eine Stelle als<br>Kulturkorrespondentin an.<br>Weil Fotos gebraucht wurden, griff sie schließlich zur Kamera und ihre ersten<br>Fotos waren schlecht.<br>Aber sie wurden besser bezahlt und gleichzeitig entdeckte sie, dass es ihr<br>leichter fiel, mit Fotos auszudrücken, was sie empfand, als mit Artikeln.<br>Ihr Aufstieg bei Lora ist erstaunlich schnell.<br>Drei Jahre nachdem sie bei Lora in Mailand als kleine Reporterin angefangen<br>hat, wird sie von der Zeitung als Leiterin der fotografischen Abteilung<br>zurück nach Palermo geschickt.<br>Sie ist frisch geschieden, hat einen 19 Jahre jüngeren Liebhaber und hat ihre<br>Liebe zum Fotosjournalismus entdeckt.<br>Italien allgemein, aber ganz besonders Sizilien, ist zu der Zeit fest in der<br>Hand von kriminellen Banden und Familienclans, der Cosa Nostra. Und in<br>Palermo brechen zu dieser Zeit blutige Mafia-Kriege um die Vorherrschaft<br>verschiedener Familien aus.<br>Letizia ist kaum in der Stadt angekommen, da sieht sie ihren ersten<br>Mafiamord. Unser Bild von der Mafia ist ja stark von Filmen geprägt.<br>Wir unterstellen der Mafia eine Art Kodex.<br>Sie sind ein Familienverband, der auf gegenseitiger Loyalität beruht.<br>Und wir haben natürlich Vorstellungen davon, mit welchen Geschäftsfeldern die<br>Mafia wohl ihr Geld verdient.<br>Drogenhandel, Prostitution, Glücksspiel, Schutzgelderpressung und all das stimmt.<br>Allerdings war die Mafia in den 70ern und 80ern und wahrscheinlich bis heute<br>auch in allen anderen Geschäftsfeldern aktiv, in denen man Geld verdienen konnte.<br>Sie betrieben illegale Schlachtereien genauso, wie sie den Umsatz mit<br>Textilien kontrollierten.<br>Alles von Bäckereien über Restaurantbetrieb bis hin zu<br>Friedhofsgärtnereien war fest in der Hand der Mafia.<br>80 Prozent aller selbstständigen Unternehmer in Sizilien zahlten<br>Schutzgeld oder anderweitige Abgaben an die Mafia.<br>Das Ganze hatte Ausmaße angenommen, dass die eigentlich stillschweigende<br>normale Bevölkerung anfing, sich gegen die Unterdrückung durch die<br>kriminellen Familien zu wehren.<br>Korrupte Politiker und Mafia-Funktionäre hatten einfach schon zu lange zu viel<br>Geld aus den Menschen herausgepresst.<br>Und so tauchten nach und nach einzelne Figuren auf, die es sich zur Aufgabe<br>gemacht hatten, die Mafia-Machenschaften aufzudecken und die Mafiosi,<br>die für die Straftaten verantwortlich waren, hinter Gitter zu bringen.<br>Und so wurde über die Jahre aus einem Kampf um die Vorherrschaft der Mafia<br>in bestimmten Regionen Siziliens auch noch ein <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> gegen die Behörden und<br>öffentlichen Stellen, die sich nicht korrumpieren ließen.<br>Und Letizia Bataglia immer zwischendrin.<br>Anfang der 80er-Jahre kam es zu Hunderten von Mafia-Morden.<br>Und als lokale Reporterin ist sie immer vor Ort.<br>Manches Mal, so berichtet sie später, sogar mehr oder weniger durch Zufall.<br>Gerade eben in der Nachbarschaft gewesen,<br>plötzlich im Polizeifunk von einem Mord erfahren.<br>Und die Mafia hat nichts mit ehrenwerter Familie zu tun.<br>Sie machen nicht halt vor Kindern, Frauen, alten Menschen,<br>Leuten, die nur zufällig gerade Zeuge eines Verbrechens wurden.<br>Sie töten auf offener Straße mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln.<br>Autobomben gehen genauso hoch, wie plötzliche Messerattacken stattfinden<br>oder Erschießungskommandos, die ihre Opfer auf offener Straße<br>manchmal am helllichten Tag hinrichten.<br>Letizias Fotografien machen die brutale Realität der Mafia-Clans unignorierbar.<br>Diese Bilder haben einfach nichts mit der Vorstellung,<br>die wir aus Hollywoodfilmen mitbekommen haben, zu tun.<br>Aber obwohl diese Aufnahmen Tatortfotos sind und Reportagefotos,<br>haben Letizias Fotos inzwischen auch noch einen hohen ästhetischen Wert.<br>Sie sind packend.<br>Sie zeigen eben nicht nur das Opfer,<br>sondern auch die Angehörigen, die Menschen, die die Opfer gefunden haben.<br>Sie zeigen eben auch, was die Mafia in der Bevölkerung anrichtet,<br>in der Gesellschaft.<br>Und Letizia beschränkt sich nicht darauf,<br>mit ihren Aufnahmen regelmäßig Titelseiten zu dekorieren,<br>sondern organisiert Ausstellungen.<br>Und nicht nur irgendwelche Ausstellungen,<br>die dann doch nur Fotofans entdecken würden.<br>Nein, sie fährt mit ihren Fotos in die Fußgängerzonen<br>der großen Mafia-Hochburgen und organisiert Pop-up-Ausstellungen.<br>So steht sie zum Beispiel eines Tages mitten in der Innenstadt von Corleone<br>und hat eine spontane Ausstellung organisiert<br>mit Bildern von Tatorten von Mafia-Anschlägen.<br>Sie gibt außerdem Interviews in der Lokalpresse<br>und erklärt, was sie mit diesen Bildern beabsichtigt.<br>Und sagt ganz offen, dass sie vor Angst kaum Luft bekommt.<br>Denn während sie diese Ausstellung macht,<br>weiß sie, dass um sie herum Mitglieder des lokalen Mafia-Clans sind.<br>Sie weiß, dass nicht nur normale Menschen ihre Bilder sehen,<br>sondern eben auch Täter, Auftraggeber.<br>Menschen, die bekannt dafür sind, dass sie auch mal Rache üben an anderen,<br>die ihnen in irgendeiner Form als problematisch erscheinen.<br>Trotzdem lässt sie sich nicht beirren.<br>Sie wird immer wieder bedroht.<br>Sie wird bespuckt.<br>Ihre Kamera wird ihr weggenommen und auf den Boden geworfen.<br>Aber zum Glück passiert ihr nichts Schlimmeres.<br>Ihre Bilder aber machen es unmöglich zu ignorieren,<br>was da vor aller Augen regelmäßig stattfindet.<br>Und es beginnt ein Umdenken in Politik und Öffentlichkeit.<br>1983 beginnt dann etwas, das man heute als Palermo Spring bezeichnet.<br>Eine Kerngruppe von unkomprimentierten Polizeibeamten,<br>Juristen und Anklägern macht sich zusammen<br>und beginnt, die Mafia-Strukturen aufzuklären<br>und ihre Mitglieder festzunehmen.<br>1986 kommt es zu einem spektakulären Verfahren,<br>bei dem über 450 Angeklagte nach und nach verurteilt werden.<br>Und auch die Öffentlichkeit begann, sich immer öfter gegen die Mafia zu stellen.<br>Letizia möchte Teil dieser Bewegung sein und möchte die Zukunft mitgestalten<br>und beginnt so in der lokalen Politik in Palermo aktiv mitzugestalten<br>und für eine Weile sogar im Stadtparlament zu kandidieren.<br>Es sah tatsächlich so aus, als würde man dem Mafia-Problem Schritt für Schritt Herr werden.<br>In ihrer offiziellen Position im Stadtparlament<br>ist Letizia für Plätze und historische Sehenswürdigkeiten zuständig<br>und beginnt damit, die Mafia auch aus dem öffentlichen Stadtbild herauszudrängen.<br>Derweil gehen die Anklagen und juristischen Verfahren weiter.<br>Ein Richter tut sich dabei besonders hervor.<br>Giovanni Falcone hatte mehr Mafia-Bosse hinter Gitter gebracht als jeder andere Jurist.<br>Seit Jahren kämpfte er nun schon gegen die Cosa Nostra<br>und es war ihm und seinem Umfeld klar, dass er auf deren Todeslisten ganz oben stand.<br>Trotzdem schien er unantastbar zu sein.<br>Jahrelang entging er Anschlag um Anschlag bis zum 24. Mai 1992.<br>Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau.<br>Bei einem Bombenanschlag auf Sizilien ist eine der Schlüsselfiguren im Kampf gegen die Mafia,<br>Richter Giovanni Falcone, ums Leben gekommen.<br>Mehrere Begleitpersonen, darunter seine Frau, wurden ebenfalls getötet.<br>Das Fahrzeug des Richters und Begleitwagen der Leibwächter<br>wurden durch mehrere hundert Kilogramm Sprengstoff zerfetzt.<br>Der Sprengstoff war in einem Autobahntunnel nahe Palermo ferngezündet worden,<br>als die Kolonne vorbeifuhr.<br>Die Mafia nannte diese Anschläge auf hohe Würden Träger des Staates &#8222;Strategie der Massaker&#8220;.<br>Beamte, die ihren Machenschaften und ihren Funktionären gefährlich werden konnten,<br>sollten so in Angst sein, dass sie es nicht wagen würden,<br>Gesetze zu verschärfen oder der Mafia anderweitig zu Leibe zu rücken.<br>Also wenige Monate nach dem Anschlag auf Falcone,<br>ein seiner Weggefährten und Nachfolger, nämlich den Richter Paolo Borsellino,<br>zusammen mit einigen seiner Leibwächtern töteten, war das Maß allerdings voll.<br>Die Öffentlichkeit hatte endgültig genug.<br>Es kam zu derart wütenden Protesten, dass die Mafia sich gezwungen sah,<br>sich zurückzuziehen und sie tauchte in den Untergrund ab.<br>Es wurde nach und nach ruhig.<br>Natürlich gab es immer noch Auftragsmorde.<br>Natürlich gab es immer noch mächtige Mafia-Bosse.<br>Aber anders als in den offenen Klankriegen, die auf den Straßen Palermos<br>oder anderer sizilianischer Städte ausgeführt wurden,<br>sorgte man jetzt für eine gewisse Spurenlosigkeit.<br>Menschen verschwanden einfach.<br>Die Tage, an denen mit Bombenattentaten oder Maschinengewehrfeuer<br>auf offener Straße Politiker ermordet wurden, waren anscheinend erst mal vorbei.<br>Letizia lässt aber keinen Zweifel daran, dass das Problem nach wie vor existiert<br>und nach wie vor genauso omnipräsent ist wie zu der Zeit, zu der sie über 600.000<br>Fotografien der Gewalttaten und der Menschen, die von der Mafia betroffen waren, gemacht hatte.<br>Und es sind ihre Bilder und die Ausstellungen, die sie organisiert und die Projekte,<br>die sie vorantreiben, die gleichermaßen dafür sorgen, dass ihre Heimat sich von der Mafia<br>frei macht und gleichzeitig dem Vergessen entgegenwirken.<br>Und die Bilder sind beeindruckend, nicht nur als Zeitzeugnisse,<br>sondern auch wegen der bemerkenswerten Bildsprache und dem Gespür für den richtigen Moment.<br>Alle ihre Bilder sind schwarz-weiß, alle ihre Bilder halten Momente fest,<br>die wir in unserem Alltag zum Glück nicht sehen müssen.<br>Gefragt, welche Situationen sie denn als die gefährlichsten in Erinnerung behalten hat,<br>sagt sie, die Mafia-Beerdigung.<br>Es waren diese Beerdigungen, bei denen alle Beteiligten wussten, wer sie war<br>und sie absolut unerwünscht war.<br>Gleichzeitig war sie bei solchen Gelegenheiten zu sichtbar, zu öffentlich.<br>Aber jedes Mal, wenn sie den Auslöser drückte, bei jedem Foto, das sie von den trauernden<br>Mafia-Familienangehörigen machte, war ihr klar, dass sie sich selbst in tödliche Gefahr begab.<br>Trotzdem ist alles gut gegangen.<br>Sie stirbt am 13. April 2022 nicht durch die Hand eines Mafia-Killers oder durch eine Autobombe,<br>sondern in Folgen von Krebs.<br>Ihre Bilder leben weiter, ihr Leben inspirierte Tausende.<br>Und eine ihrer Töchter ist in ihre Fußstapfen getreten und ist inzwischen selbst eine bekannte <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalistin</a>.<br>Letizia Pataglia hatte eine Mission.<br>Sie hatte einen Grund, warum sie fotografierte.<br>Und dieser Grund gab ihr dann auch eine fotografische Stimme.<br>Noch zu Lebzeiten wurde sie vielfach geehrt und es ist ihre Furchtlosigkeit, die Tausende<br>von Menschen inspirierte und viele in ihre Fußstapfen treten ließ.<br>Wer mehr über Letizia Pataglias Fotografie und ihr Leben erfahren möchte, wird wie immer<br>in den Notizen zur Sendung fündig.<br>Einfach auf fotomenschen.net vorbeisurfen.<br>Und wer dann da schon mal ist, ich freue mich immer über Kommentare, Feedback, Themenwünsche.<br>Apropos Themenwünsche.<br>Diese Folge hat einen Themenpaten, nämlich Jürgen Libertus, der angesichts von Letizia<br>Pataglias Tod einen Mail an mich geschrieben hat und mich darauf hingewiesen hat, dass<br>diese Geschichte doch wirklich auch einmal erzählt werden müsste.<br>Lieben Dank für den Themenvorschlag und lieben Dank an alle fürs Zuhören.<br>Passt auf euch auf und bis bald.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Eine kleine Geschichte der (N)Aktfotografie</title>
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            <pubDate>Tue, 30 Aug 2022 16:31:21 GMT</pubDate>
            <description>Am Liebsten fotografieren wir Menschen, besonders wenn sie nackt sind, auch wenn das nicht immer legal war...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Am Liebsten fotografieren wir Menschen, besonders wenn sie nackt sind, auch wenn das nicht immer legal war… Brief history of nude photography (1939-1969) Körperverständnis im Wandel der Zeit Aktfotografie (Wikipedia) The human body is often seen through a male lens. 30 female photographers present a different view (CNN) History of the Pin-Up The History of Nudity (Harpers Bazaar) Laid bare: a history of the nude in photography - in pictures (The Guardian ) Buch: Die Geschichte der Aktfotografie (Uzzani, Giovanna) Buch: The Naked and the Nude: History of Nude Photography. (Lewinski, Jorge) Buch: 1000 Nudes. Eine Geschichte der erotischen Fotografie 1839-1939 Verwandte Fotomenschen Folgen: Das erste Playmate (Die Geschichte des Playboy ) Der erste Fotofälscher der Geschichte? (Hippolyte Bayard Kunst und Können (Oscar Gustave Rejlander) Titelbild: Frank Eugene – http://www.photoeye.com/gallery/emailnewsletter/eugene.html, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4321827 Transkript Wenn man sich mit der Geschichte der Fotografie beschäftigt, ist eins sehr sehr auffällig. Wir Menschen stellen uns am allerliebsten selbst dar. Und von allen Möglichkeiten menschliche Körper darzustellen, scheint uns der Akt ganz besonders zu gefallen. Und es ist natürlich ein Trend, den die Fotografie nicht erfunden hat. Schon in der Malerei gab es reichlich Aktdarstellungen. Aber die Fotografie hobt es natürlich noch mal auf ein ganz neues Level. Foto Menschen Schon über die Malerei konnten sich sensible Geister natürlich hervorragend aufregen. Aber die Fotografie hatte ja eine Eigenschaft, nämlich dass sie festhielt, was wirklich vor der Kamera stattgefunden hatte. Und das bedeutete, für ein Foto eines nackten Menschen hatte sich tatsächlich ein Mensch ausziehen müssen. Bei dem ersten fotografischen Verfahren, der 1839 vorgestellten „Da Gherotepie“, dauerte es manchmal noch mehrere Minuten, um ein Bild perfekt zu belichten. Da musste man schon wirklich stillhalten. Trotzdem kennen wir schon aus dem Jahr 1840 ein Foto, auf dem jemand teilweise nackt zu sehen ist. Es handelt sich um die berühmte Protestnote, die der Fotopionier Hippolyte Bayard an die Französische Akademie der Wissenschaften geschickt hatte. Die hatte nämlich beim Vorstellen des weltersten fotografischen Verfahrens seinem Konkurrenten Louis Da Gher den Vortritt gelassen. Und der hatte nicht nur eine Rente und Ruhm abgeräumt, sondern dem Ganzen auch noch seinen Namen aufgedrückt. Auch Bayard hatte ein fotografisches Verfahren entwickelt und damit sogar Ausstellungen bestritten. Und so beschloss er, sich selbst als Ertrunkenen zu fotografieren und auf der Rückseite seinem Protest in Worte zu fassen. Was aus heutiger Sicht einigermaßen bizarr und melodramatisch klingt, war für die Zeitgenossen damals vermutlich etwas weniger over the top. Vor allen Dingen wussten die mit der Bildsprache etwas anzufangen. Bayard hatte sich halb entkleidet und auf eine Bahre gelegt. Um sich rum einige charakteristische Gegenstände. Damit am Ende er nach wie es ausgesehen hätte, hätte man ihn aus der Seine gefischt und als Unbekannten im Leichenschauhaus ausgestellt. Dieses Bild markiert also das erste gestellte Foto, aber für den Zweck der heutigen Episode auch den ersten Halbakt. Und noch dazu ein männlicher Halbakt. Und damit ist diese Aufnahme etwas sehr besonderes, denn durchs gesamte 19. Jahrhundert hinweg sind nicht nur männliche Akte sehr selten, sondern insbesondere auch Aktaufnahmen, in denen man sowohl den Fotografen als auch das Modell auf dem Bild kennt. Die ältesten Aktaufnahmen, die wir überhaupt noch haben, sind acht Jahre jünger als diese Aufnahme von Ippolit Bayard. Und, und das ist auffällig für die gesamte Geschichte der Aktfotografie, sie sind fast ausschließlich weibliche Aktaufnahmen. Aber natürlich gibt es gute Gründe, warum diese Aufnahmen in der Frühzeit der Fotografie sehr, sehr</itunes:summary>
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<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Am Liebsten fotografieren wir Menschen, besonders wenn sie nackt sind, auch wenn das nicht immer legal war&#8230; </p>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.all-about-photo.com/photo-articles/photo-article/1033/a-brief-history-of-nude-photography-1939-1969" target="_blank">Brief history of nude photography (1939-1969)</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://newsv2.orf.at/stories/2011320/2011288/" target="_blank">Körperverständnis im Wandel der Zeit</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aktfotografie" target="_blank">Aktfotografie (Wikipedia)</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://edition.cnn.com/style/article/nude-exhibition-fotografiska/index.html" target="_blank">The human body is often seen through a male lens. 30 female photographers present a different view (CNN)</a></li>

<li>History of the Pin-Up</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.harpersbazaar.com/culture/features/g7160/history-of-nudity/" target="_blank">The History of Nudity (Harpers Bazaar)</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theguardian.com/artanddesign/gallery/2014/jun/26/history-of-nude-photography-in-pictures" target="_blank">Laid bare: a history of the nude in photography - in pictures (The Guardian</a><a href="https://www.theguardian.com/artanddesign/gallery/2014/jun/26/history-of-nude-photography-in-pictures" target="_blank" rel="noreferrer noopener">)</a></li>
</ul>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.zvab.com/9788887090864/Geschichte-Aktfotografie-8887090866/plp" target="_blank">Buch: Die Geschichte der Aktfotografie (Uzzani, Giovanna)</a></li>

<li><a href="https://www.zvab.com/buecher/suchen?cm_sp=snippet-_-srp1-_-title7">Buch: The Naked and the Nude: History of Nude Photography. (Lewinski, Jorge)</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.taschen.com/de/books/sex/05423/1000-nudes-eine-geschichte-der-erotischen-fotografie-1839-1939/" target="_blank">Buch: 1000 Nudes. Eine Geschichte der erotischen Fotografie 1839-1939</a></li>
</ul>

<p>Verwandte Fotomenschen Folgen: </p>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" "/posts/das-erste-playmate.html" target="_blank">Das erste Playmate</a> (Die Geschichte des <a "/posts/das-erste-playmate.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="53" title="Playboy">Playboy</a>)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" "/posts/der-erste-fotofaelscher-der-geschichte.html" target="_blank">Der erste Fotofälscher der Geschichte?</a> (Hippolyte Bayard</li>

<li><a "/posts/kommt-kunst-von-koennen.html">Kunst und Können</a> (Oscar Gustave Rejlander)</li>
</ul>

<p>Titelbild: Frank Eugene &#8211; http://www.photoeye.com/gallery/emailnewsletter/eugene.html, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4321827</p>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Wenn man sich mit der Geschichte der Fotografie beschäftigt, ist eins sehr sehr auffällig.<br>Wir Menschen stellen uns am allerliebsten selbst dar. Und von allen Möglichkeiten<br>menschliche Körper darzustellen, scheint uns der Akt ganz besonders zu gefallen.<br>Und es ist natürlich ein Trend, den die Fotografie nicht erfunden hat.<br>Schon in der Malerei gab es reichlich Aktdarstellungen.<br>Aber die Fotografie hobt es natürlich noch mal auf ein ganz neues Level.<br>Foto Menschen<br>Schon über die Malerei konnten sich sensible Geister natürlich hervorragend aufregen.<br>Aber die Fotografie hatte ja eine Eigenschaft, nämlich dass sie festhielt,<br>was wirklich vor der Kamera stattgefunden hatte. Und das bedeutete, für ein Foto eines<br>nackten Menschen hatte sich tatsächlich ein Mensch ausziehen müssen.<br>Bei dem ersten fotografischen Verfahren, der 1839 vorgestellten &#8222;Da Gherotepie&#8220;,<br>dauerte es manchmal noch mehrere Minuten, um ein Bild perfekt zu belichten.<br>Da musste man schon wirklich stillhalten. Trotzdem kennen wir schon aus dem Jahr 1840<br>ein Foto, auf dem jemand teilweise nackt zu sehen ist.<br>Es handelt sich um die berühmte Protestnote, die der Fotopionier Hippolyte Bayard an die<br>Französische Akademie der Wissenschaften geschickt hatte.<br>Die hatte nämlich beim Vorstellen des weltersten fotografischen Verfahrens<br>seinem Konkurrenten Louis Da Gher den Vortritt gelassen.<br>Und der hatte nicht nur eine Rente und Ruhm abgeräumt,<br>sondern dem Ganzen auch noch seinen Namen aufgedrückt.<br>Auch Bayard hatte ein fotografisches Verfahren entwickelt und damit sogar Ausstellungen<br>bestritten. Und so beschloss er, sich selbst als Ertrunkenen zu fotografieren<br>und auf der Rückseite seinem Protest in Worte zu fassen.<br>Was aus heutiger Sicht einigermaßen bizarr und melodramatisch klingt,<br>war für die Zeitgenossen damals vermutlich etwas weniger over the top.<br>Vor allen Dingen wussten die mit der Bildsprache etwas anzufangen.<br>Bayard hatte sich halb entkleidet und auf eine Bahre gelegt.<br>Um sich rum einige charakteristische Gegenstände.<br>Damit am Ende er nach wie es ausgesehen hätte, hätte man ihn aus der Seine gefischt<br>und als Unbekannten im Leichenschauhaus ausgestellt.<br>Dieses Bild markiert also das erste gestellte Foto,<br>aber für den Zweck der heutigen Episode auch den ersten Halbakt.<br>Und noch dazu ein männlicher Halbakt.<br>Und damit ist diese Aufnahme etwas sehr besonderes,<br>denn durchs gesamte 19. Jahrhundert hinweg sind nicht nur männliche Akte sehr selten,<br>sondern insbesondere auch Aktaufnahmen,<br>in denen man sowohl den Fotografen als auch das Modell auf dem Bild kennt.<br>Die ältesten Aktaufnahmen, die wir überhaupt noch haben,<br>sind acht Jahre jünger als diese Aufnahme von Ippolit Bayard.<br>Und, und das ist auffällig für die gesamte Geschichte der Aktfotografie,<br>sie sind fast ausschließlich weibliche Aktaufnahmen.<br>Aber natürlich gibt es gute Gründe, warum diese Aufnahmen in der Frühzeit der Fotografie sehr, sehr selten sind.<br>Die lange Belichtungszeit ist sicherlich ein Grund.<br>Ein anderer ist, dass das Verfahren, die Dagerotepie, Einzelstücke produziert.<br>Teure Einzelstücke.<br>Wenn man für eine einzelne Aufnahme in etwa den Gegenwert von einem Wochenlohn hinlegen muss<br>und dabei dann auch noch in Gefahr gerät, gegen das Gesetz zu verstoßen,<br>überlegt man sich das vermutlich mehrmals.<br>Und so waren frühe Aktaufnahmen auf Dagerotepien nur etwas für sehr wohlhabende Menschen<br>und entsprechend selten.<br>Zu Mitte des 19. Jahrhunderts tauchen dann die ersten, auch professionelleren Fotostudios auf,<br>die Aktstudien und Aktfotografie betreiben.<br>Das liegt unter anderem daran, weil ein neues Verfahren aufgekommen ist.<br>Das Collodion-Nassplattenverfahren.<br>Statt wie bei der Dagerotepie Einzelstücke zu produzieren, kann man jetzt ein Negativ haben,<br>von dem sich beliebig viele Positive fertigen lassen.<br>Wir sind im viktorianischen Zeitalter.<br>Und deswegen ist die Rechtslage in Sachen Aktfotografie in England, aber auch in Frankreich, schwierig.<br>Aber man hat ein Schlupfloch gefunden, einen legitimen Zweck, um Akte zu fotografieren.<br>Und dieses Schlupfloch hat viel mit der bis dato führenden visuellen Kunst der Malerei zu tun.<br>Als die Dagerotepie aufkam, hatten viele ja noch das Ende der Malerei angekündigt.<br>Andere hatten aber sofort das Potenzial erkannt.<br>Wollte man vor der Entwicklung der Fotografie Menschen malen, dann war man auf Modelle angewiesen.<br>Menschen, die bezahlt werden wollten dafür, dass sie stundenlang, ohne sich zu bewegen,<br>für den Maler posierten.<br>Das war teuer.<br>Wie viel einfacher war es dagegen, sich eine Fotografie anfertigen zu lassen<br>und die als Vorlage für ein Gemälde zu nutzen.<br>Und so entstand sehr schnell eine lukrative Einkommensquelle für Fotostudios.<br>Vorlagen für Maler fotografieren.<br>Im Kontext unserer Nacktfotografien waren das sogenannte Akademien, also Studien.<br>Die fotografierten Modelle waren nach wie vor entweder Prostituierte oder zumindest Menschen,<br>die auf das Geld wirklich angewiesen waren.<br>Und man fotografierte sie in mehr oder weniger klassischen Posen.<br>Gerne auch aus verschiedenen Perspektiven, aus verschiedenen Distanzen.<br>Und so entstehen ganze Bildreihen, die zu dem Zweck vermarktet wurden,<br>den Malern als Vorlage zu dienen.<br>Es gab eigene Magazine in Frankreich und in Großbritannien, die man abonnieren konnte,<br>in denen nichts anderes als Akte in verschiedensten Situationen abgedruckt wurden.<br>Um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, gab es mehrere Regeln, die einzuhalten waren.<br>So durften natürlich keine Genitalien zu sehen sein.<br>Und ganz besonders schamhaar galt es zu vermeiden oder zu retuschieren.<br>Während einerseits all diese Regeln existierten und Menschen sehr wohl zu hohen Strafen,<br>manchmal auch Gefängnis verurteilt werden konnten, wenn sie dagegen verstießen,<br>war das gleichzeitig die Zeit, in der große Ausstellungen gemacht wurden,<br>mit zum Teil Tausenden von Aktfotos.<br>Edward Muybridge machte zu der Zeit seine Bewegungsstudien.<br>Und Gustav Reiländer erstaunte die Welt mit einem Werk namens &#8222;Two Ways of Life&#8220;,<br>in dem nicht weniger als sieben Akte zu sehen waren.<br>Und er verkaufte dieses Bild ausgerechnet an Queen Victoria.<br>Es ist auch eine Zeit, in der beispielsweise Nacktbaden in Großbritannien oder Frankreich<br>völlig normal und legitim war.<br>Kurz, es war eine Zeit der Widersprüche.<br>In der Öffentlichkeit hingegen war man eindeutiger Meinung.<br>Nacktfotografie war Schmuddelkram.<br>Und damit sind wir ja bei einer Frage, die man sich durchaus stellen kann,<br>wenn man sich damit beschäftigt.<br>Zu welchen Zwecken wird denn Aktfotografie eigentlich gemacht?<br>Die Akademies haben wir ja schon erwähnt, Vorlagen, die also für Maler erzeugt wurden.<br>Die gingen natürlich je nach Pose und je nach Detailgrad fließend in reine erotische Fotografie über.<br>Fotos, bei denen die Erotik im Vordergrund stand, die Schamhaare oder gar sexuelle Akte zeigten,<br>waren zum Teil mit sehr hohen Strafen belegt, was einfach nur hieß,<br>dass man die unter der Ladentheke verkaufen musste.<br>Und dieser Verkauf unter der Ladentheke nahm zum Teil gewaltige Ausmaße an.<br>So gibt es einen gerichtskundigen Fall, in dem 1874 ein Mann festgenommen wurde,<br>nachdem man in seinem Haus über 130.000 obszöne Fotos gefunden hatte.<br>Er hatte ein regelrechtes Familienunternehmen gegründet.<br>Seine Frau, seine erwachsenen Söhne, deren Familien waren alle damit beschäftigt,<br>erotische Fotografie zu produzieren.<br>Und die gab es nicht nur als einzelne Aufnahmen, sondern auch als Stereoskope,<br>also als 3D-Aufnahmen, für die es eigene Betrachtungsgeräte gab.<br>Wir haben also die Akademien, wir haben die erotische Fotografie<br>und dann gab es auch schon sehr früh den dritten großen Bereich,<br>nämlich Fotografie aus ästhetischen oder künstlerischen Gründen.<br>Den könnte man noch unterteilen.<br>Mal eben die Fotografie, in der der menschliche Körper als ästhetische Form abgebildet wird<br>und dann die Fotografie, in der die Nacktheit als Metapher oder als Inhalt<br>selbst zur Bildaussage beiträgt.<br>Reiländer beispielsweise konnte man nicht vorwerfen,<br>dass er die Fotos aus pornografischen Gründen gemacht hatte.<br>Er wollte ein klassisches Gemälde nachempfinden.<br>Andere bekannte Fotografen aus der Zeit, Lewis Carroll zum Beispiel,<br>hatten sich auf die damals im viktorianischen Zeitalter sehr beliebten Kindergemälde spezialisiert<br>und er fotografierte regelmäßig Akte von kleinen Mädchen und kleinen Jungs.<br>Er ist bis heute in dem Verdacht, eventuell auch pädophile Neigungen gehabt zu haben.<br>Allerdings muss man festhalten, dass Lewis Carroll immer mit Wissen der Eltern,<br>oft auch in ihrer Gegenwart fotografierte.<br>Und rechtlich gesehen war das, was er da tat, auch erlaubt.<br>Im England des 19. Jahrhunderts galten Mädchen ab dem 13. Lebensjahr als konsensfähig.<br>Erst 1885 hob man das Alter auf 16 an.<br>Trotzdem darf man annehmen, dass auch Lewis Carroll sich seiner Sache nicht ganz sicher war<br>und durchaus schuldig fühlte, so viele Nacktfotos von Kindern produziert zu haben.<br>Denn in seinem Testament verfügte er, dass seine Negative zerstört werden sollten.<br>Irgendwann war aber auch diese Mode, Kinder nackt zu fotografieren, wieder vorbei.<br>Die schienen sowieso in erster Linie ein angelsächsisches Phänomen gewesen zu sein.<br>Brich außerhalb Englands gibt es kaum Beispiele für <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen,<br>die ein ähnlich großes Werk an Akten von Mädchen und Jungs hinterlassen hätten.<br>Inzwischen befinden wir uns am Ende des 19. Jahrhunderts.<br>Und man kann die 1880er und 1890er Jahre als Durchbruchjahre für die Fotografie festhalten.<br>Und die Akzeptanz als Kunstform steigt zunehmend.<br>Und mit dieser Akzeptanz gibt es auch immer mehr <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen,<br>die sich künstlerisch mit dem Akt auseinandersetzen.<br>Etablierte Fotografen wie zum Beispiel Alfred Stieglitz fertigen ganz selbstverständlich Aktstudien an<br>und veröffentlichen die auch.<br>Es ist die zweite Blüte des sogenannten Piktorialismus,<br>also einer Phase, in der Fotografie versucht, ähnlich wie Malerei auszusehen.<br>Und so entstehen Aufnahmen, in denen Frauen dank gezielter Unschärfen fast schon träumerisch aussehen.<br>Auffällig auch in dieser Zeit, meistens sind es Frauen, die fotografiert werden.<br>Und außerdem schauen sie meist von der Kamera weg, nicht in die Kamera hinein.<br>Manches Mal scheint es Absicht des Fotografen zu sein,<br>die Nacktheit an sich losgelöst von der Person darstellen zu wollen.<br>Ziemlich oft drängt sich aber der Verdacht auf,<br>dass entweder der Fotograf oder das Model Bedenken hatten, in einem Bild erkennbar zu sein.<br>Als in Europa der Zweite Weltkrieg ausbricht,<br>lässt sich bei den <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen ein sehr interessanter Shift beobachten.<br>Fast alle, die bis dahin als Piktorialisten eher unscharfe,<br>mit Metaphern durchtränkte künstlerische Motive fotografiert haben,<br>schwenken hin zu einem neuen Realismus.<br>Bilder sind jetzt scharf.<br>Es ist die Hochzeit des Fotosjournalismus.<br>Und auch unter den künstlerischen Fotografen geht es in erster Linie darum,<br>sich mit dem Medium auszudrücken, nicht mehr darum, ein anderes Medium nachahmen zu können.<br>Und die hauptsächlich künstlerische Fotografie wird geprägt von vielen Surrealisten,<br>wie zum Beispiel Man Ray oder der frühen Lee Miller.<br>Die Surrealisten drücken sich ja in erster Linie selbst aus,<br>versuchen ihr Innenleben aufs Medium zu bringen.<br>Und sie waren besessen von Sexualität.<br>Und so entstehen in dieser Zeit eine große Zahl zum Teil sehr expliziter Akte,<br>die aber auch oft erkennbar nicht für erotisches Vergnügen gedacht sind.<br>Nacktheit wird oft als Nacktheit an sich dargestellt.<br>Es geht um die Darstellung von Verwundbarkeit<br>oder auch um die Abwertung der dargestellten Figuren.<br>Der Weg, über den Fotografie hauptsächlich verbreitet wird, sind Magazine und Bücher.<br>Das ist ein Trend, der sich in den 20er und 30er Jahren aufgebaut hatte<br>und der in den 40er Jahren zu gleich mehreren Trends führt, die bis heute Geltung haben.<br>So fängt man in Hollywood beispielsweise an,<br>aus der frühen Fashion-Fotografie die Glamour-Fotografie zu entwickeln.<br>Es geht im Endeffekt darum, die Stars und Sternchen<br>möglichst glamourös und beeindruckend abzulichten.<br>Die ersten sechs Symbole tauchen auf<br>und mit ihnen natürlich die dazu passenden Bilderwelten.<br>Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt das Ganze einen regelrechten Boom.<br>Man spricht oft von den sogenannten &#8222;permissive years&#8220;.<br>In anderen Worten, fast alles geht und fast alles wird ausprobiert.<br>Die einzige harte Grenze, die bis zu den 60ern hält, ist Schamhaar in der Fotografie.<br>Das ist ein Tabu, von dem ich mir auch gar nicht so sicher bin, ob es eigentlich schon gefallen ist.<br>Denn man sieht schon sehr, sehr selten Schamhaar, auch in zeitgenössischer Aktfotografie.<br>1951 markiert einen weiteren Meilenstein,<br>nämlich die erste farbige Aktfotografie in einem amerikanischen Hochglanzmagazin.<br>Die &#8222;Vogue&#8220; hatte sich ein Bild des Fotografen Norman Parkinson gegriffen und es veröffentlicht.<br>Farbe im Hochglanzmagazin-Format.<br>Es ist praktisch die Geburtsstunde des <a "/posts/das-erste-playmate.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="53" title="Playboy">Playboy</a>.<br>1953 kommt die erste <a "/posts/das-erste-playmate.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="53" title="Playboy">Playboy</a>-Ausgabe auf den Markt,<br>mit einem skandalträchtigen Poster in der Mitte.<br>Marilyn Monroe, ein damals schon einigermaßen bekanntes Hollywood-Sternchen,<br>hatte sich Jahre zuvor für einen Kalender und unter zugesicherter Anonymität fotografieren lassen.<br>Hugh Hefner hatte das Bild und die Veröffentlichungsrechte gekauft<br>und beschlossen, Marilyn in den Centerfold zu packen.<br>Die Innovation im Playboy war nicht, dass es ein Magazin mit Nacktbildern in Farbe gab.<br>Das gab es zu der Zeit schon mehrfach.<br>Die Innovation war, dass solche Magazine in den USA aus gesetzlichen Gründen<br>sehr schwer vertreibbar waren und Hugh Hefner hatte die Idee gehabt,<br>ein Abo-Modell aufzusetzen und den Leuten die Magazine einfach nach Hause zu schicken.<br>Eine Idee, die, wie wir heute wissen, spektakulär erfolgreich war<br>und Playboys Erfolg auf Jahrzehnte hinweg zementierte.<br>Ja, und wo stehen wir jetzt heute mit der Aktfotografie?<br>Ich glaube, ganz allgemein haben sich gar nicht so viele Dinge geändert.<br>Wie vorhin schon mal erwähnt, Schamhaar sieht man auch heute fast nicht mehr.<br>Was verschwunden ist, sind die Akademien.<br>Eigentlich kommt es nur noch selten vor, dass zu dem Zweck,<br>eine Malvorlage zu haben, fotografiert wird.<br>Aus den Erotikfotos unserer Vorfahren entstanden eine ganze Reihe von Genres.<br>Eigentlich kann man festhalten, für nahezu jedes große Genre gibt es eine Variante,<br>in der es um Erotik geht und eine Variante, die ins Pornografische abgleitet.<br>So als Beispiel Fashionfotografie, in der es im Wesentlichen darum geht,<br>Kleidung und Stil zu transportieren, wurde in Hollywood relativ schnell zur Glamour-Fotografie,<br>in denen eben mehr oder weniger berühmte Stars und Sternchen abgelichtet wurden.<br>Und aus der Glamour-Fotografie entwickelte sich dann eine spezielle Geschmacksrichtung von Pin-Ups.<br>Und Pin-Ups konnten mal mehr, mal weniger bekleidet sein,<br>aber flirteten ganz grundsätzlich mit den Betrachtenden und unter Umständen auch sehr eindeutig.<br>In der künstlerischen Fotografie kann man grob zwei Richtungen festmachen.<br>Die einen fotografieren den nackten Körper einfach aus ästhetischen Gründen,<br>weil er gut aussieht sozusagen.<br>Je nach individuellen Vorlieben der fotografierenden Person<br>kann es dann mal mehr, mal weniger suggestiv und mal mehr, mal weniger nackt oder erotisch werden.<br>Aber herausgehoben wird eben die ästhetische Qualität des Aktes.<br>Fotos von nackt Tanzenden fallen in diese Kategorie.<br>Oder sinnliche Aktaufnahmen, die eine gewisse intime Aufnahmesituation nahe legen sollen.<br>Und dann gibt es noch diejenigen, die Akte fotografieren, um ihre Formen zu studieren.<br>Das sind dann manchmal auch nur Teilaufnahmen von nackten Körpern oder stark stilisierte Aufnahmen.<br>Da geht es dann oft um das Spiel von Licht und Schatten oder den Kontrast zwischen den weichen Kurven<br>einer nackten Frau und dem harten Gestein, vor das sie posiert wurde.<br>Oder Menschen werden in spektakulär absurde Positionen gezwängt,<br>in denen es dann oft mehr um Geometrie als um die eigentliche Nacktheit geht.<br>Damals wie heute ist es außerdem auffällig, dass es meistens Frauen sind.<br>Jetzt kann man da viele Gründe für vermuten.<br>Ein Grund ist sicherlich, dass es auch sehr viele männliche Fotografen sind,<br>die uns diese Werke bescheren und viele von denen als heteros einfach lieber Frauen ansehen als Männer.<br>Allerdings hilft es da nicht, dass auch aktfotografierende Frauen gerne auf weibliche Models zurückgreifen.<br>Imogen Cunningham oder Ruth Bernard sind Beispiele von fantastischem Können<br>und einer Vorliebe für den weiblichen Körper.<br>Vielleicht, so behauptet ein mancher, ist der weibliche Körper einfach attraktiver zu fotografieren.<br>Und das, meine Lieben, halte ich persönlich ja einfach für eine gesellschaftliche Prägung.<br>Wir sind in einer patriarchisch geprägten Gesellschaft aufgewachsen.<br>In anderen Worten, wir sind es irgendwie alle gewohnt,<br>dass wir es eher den Männern als den Frauen recht machen.<br>[Musik]<br>Fotomenschen<br>Ich muss ja ein Geständnis machen.<br>Ich kann mit den meisten Aktfotos genau gar nichts anfangen.<br>Für mich fallen die nämlich oft in eine von zwei Schubladen.<br>Schublade 1 betitel ich jetzt mal mit &#8222;zu wenig Aussage im Bild&#8220;.<br>Das scheint ein unglaublich verbreitetes Phänomen zu sein.<br>Es gibt eine wahnsinnige Menge an Fotos von attraktiven Menschen.<br>Mit mal mehr, mal weniger Kleidung, die mal mehr, mal weniger erotisch aussehen sollen,<br>in denen mir eigentlich in erster Linie nichts anderes als ein nackter Mensch gezeigt wird.<br>Wo ich mir die Frage stelle, was ist die Aussage des Bildes?<br>Die zweite mentale Schublade betitel ich mal mit &#8222;demonstrativ künstlerisch&#8220;.<br>Frauen haben im Namen der Fotografie schon die absurdesten Verrenkungen hingelegt.<br>Es wurden Detailaufnahmen ihres Körpers gemacht, nur um zu zeigen,<br>dass die Rundung ihres Ellenbogens so ähnlich ist wie die Rundung ihrer Brust.<br>Und eigentlich, wenn ich ganz ehrlich bin, fehlt es auch da oft einfach mal an der Bildaussage.<br>Und in beiden Fällen kann man zusammenfassen, was mich langweilt ist,<br>wenn die Nacktheit der eigentliche Bildgegenstand ist.<br>Zum Glück gibt es auch hier Ausnahmen, aber das ist vielleicht irgendwann mal Gegenstand einer anderen Foto-Menschen-Folge.<br>Wer jetzt weiter in das Thema eintauchen möchte, ich habe wie immer Links, Videos,<br>Empfehlungen für Bücher und so weiter in den Notizen zur Sendung hinterlegt.<br>Einfach auf fotomenschen.net vorbeisurfen, da ist dann alles zum Nachlesen und Nachverfolgen bereit.<br>Und wer dann da schon mal ist, ich freue mich über Feedback zur Sendung.<br>Die Kommentarfunktion ist unglaublich einfach zu bedienen.<br>Oder falls jemand hier zuhört, der zufällig bei Apple Podcasts seine Podcasts hört,<br>da kann man Kommentare mit einer Fünf-Sterne-Wertung kombinieren.<br>Auch etwas, über das ich mich sehr freue.<br>Ansonsten ist und bleibt es hier ein nicht kommerzielles Projekt.<br>Wer mich trotzdem unterstützen möchte, tut es am besten durch Weiterempfehlungen,<br>insbesondere auf den eigenen Social-Media-Kanälen.<br>Podcasts werden durch Mund-zu-Mund-Propaganda gefunden und dieser Podcast ist da sicherlich keine Ausnahme.<br>Auf jeden Fall lieben Dank fürs Zuhören.</p>]]></content:encoded>
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            <pubDate>Sat, 20 Aug 2022 13:09:04 GMT</pubDate>
            <description>Edward Steichen wird als der einflussreichste Fotograf des 20. Jahrhunderts bezeichnet.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Edward Steichen wird als der einflussreichste Fotograf des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Er war nicht nur durch seine eigene Fotografie stilprägend und erfolgreich sondern besonders als Direktor der fotografischen Abteilung des Museum of Modern Art in New York richtungsweisend. Er prägte die Karrieren unzählicher Fotograf:innen und kuratierte einige der berühmtesten Ausstellungen seiner Zeit. Eine dieser Ausstellungen, The Family of Man, ist bis heute unerreicht. Edward Steichen (Wikipedia) The Family of Man (Wikipedia Englisch , Deutsch ) The Estate of Edward Steichen Zwischen Alltag und Wahnsinn: die Menschheit (Spiegel) Steichen Collection Luxembourg Edward Steichen, vom Mann seiner Zeit zum zeitlosen Künstler Weltdokumentenerbe UNESCO – Steichen Collections Transkript Edward Steichen gilt als der einflussreichste Fotograf des 20. Jahrhunderts. Er hat das meistverkaufte Fotobuch aller Zeiten herausgebracht, einen Ausstellungskatalog der meistbesuchten Ausstellungen aller Zeiten. Er hat einen einzigen Film als Regisseur verantwortet, der dann auch gleich noch einen Oscar gewonnen hat und mehr als nur eine Karriere in der Fotografie hinter sich gebracht. Dabei war Fotografie noch nicht mal das einzige, was er in seinem Leben gemacht hat. Edward Steichen wird am 27. März 1879 in Luxemburg geboren. Da war er allerdings nur kurze Zeit, denn seine Eltern mussten aus wirtschaftlichen Gründen das Land verlassen und beschlossen, in die USA zu emigrieren. Er war 15, als er sich seine erste Boxkamera kaufte. Und das erste Foto, das er je geschossen hat, ist eine Aufnahme seiner Schwester. Die Kamera würde ihn sein Leben lang begleiten, aber zunächst dachte er eigentlich, er würde entweder Drucker oder Maler werden. Er macht eine Ausbildung zum Lithografen und beschließt, Kunst in Paris zu studieren. Kurz bevor er aufbricht, hält er sich noch in New York auf und lernt dort den schon erfolgreichen und einflussreichen Fotografen Alfred Stieglitz kennen. Damals wie heute wurde die Frage, ob Fotografie denn eigentlich Kunst sein könnte, heiß diskutiert und es gab eine Bewegung unter Fotografen, Bilder zu schaffen, die wie Gemälde aussahen. Wem das jetzt bekannt vorkommt, ja, das ist nicht das erste Mal, dass der sogenannte Piktorialismus aufkommt. Schon die ersten großen Fotografinnen und Fotografen versuchten, in ihren Gemälden der Malerei nachzueifern. Stieglitz, Steichen und Zeitgenossen, also die neuen Piktorialisten, sahen sich dabei in Konkurrenz zu einer anderen Schule der Fotografie. Es gab nämlich auch die Fotografinnen und Fotografen, die darauf pochten, dass Bilder scharf und adäquate Abbildungen der Realität sein mussten. Während also Fotografen wie Ansel Adams damit beschäftigt waren, möglichst scharf und präzise kalkulierte Bilder zu produzieren, wackelten Piktorialisten gezielt am Stativ, um dem Bild eine gewisse Unschärfe zu geben oder entwickelten eigene Druckverfahren, um dem Bild eine malerische oder zeichnerische Anmutung zu geben. Edward Steichen reiste dann auch tatsächlich nach Europa weiter und tritt sein Studium in Paris an. Er lernt das Who is Who der französischen Kunstszene kennen und schmiedet mehrere einflussreiche, lebenslange Freundschaften. Außerdem wird er so eine Art früher Jet-Setter. Immer wieder besteigt er Dampfschiffe, um den Atlantik zu überqueren und trägt so zum regen Austausch zwischen der europäischen und der amerikanischen Kunstszene bei. 1903 stellt ihm die Fotografin Gertrude Käsebier Clara Emma Smith vor, eine junge Sängerin, die er heiratet und mit der er mehrere Kinder hat. Edward Steichen verdient seinen Lebensunterhalt bereits mit Auftragsarbeiten jeglicher Art, sowohl in der Malerei als auch in der Fotografie. Seine Kontakte und frühen Fotografen von berühmten Künstlern in Paris helfen ihm dabei, neue Aufträge an Land zu ziehen. Und er hat sich bereits etabliert als jemand mit einem ungewöhnlichen Blick und</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Edward Steichen wird als der einflussreichste Fotograf des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Er war nicht nur durch seine eigene Fotografie stilprägend und erfolgreich sondern besonders als Direktor der fotografischen Abteilung des Museum of Modern Art in New York richtungsweisend. Er prägte die Karrieren unzählicher Fotograf:innen und kuratierte einige der berühmtesten Ausstellungen seiner Zeit. Eine dieser Ausstellungen, The Family of Man, ist bis heute unerreicht. </p>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Steichen#Direktor_am_Museum_of_Modern_Art" target="_blank">Edward Steichen</a> (Wikipedia)</li>

<li>The Family of Man (Wikipedia <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/The_Family_of_Man#:~:text=Steichen%20himself%20supplied%20five%20photos,original%201955%20MoMA%20checklist)%3A" target="_blank">Englisch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Family_of_Man" target="_blank">Deutsch</a>)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.edwardsteichen.com/" target="_blank">The Estate of Edward Steichen</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/fotofestival-zwischen-alltag-und-wahnsinn-die-menschheit-a-785803.html" target="_blank">Zwischen Alltag und Wahnsinn: die Menschheit</a> (Spiegel)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://luxembourg.public.lu/de/gesellschaft-und-kultur/kuenstlerisches-schaffen/edward-steichen.html" target="_blank">Steichen Collection Luxembourg</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.thefamilyofman.education/de/historischer-zusammenhang/edward-steichen-vom-mann-seiner-zeit-zum-zeitlosen-kunstler" target="_blank">Edward Steichen, vom Mann seiner Zeit zum zeitlosen Künstler</a></li>

<li><a href="https://steichencollections.lu/de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weltdokumentenerbe UNESCO &#8211; Steichen Collections</a></li>
</ul>

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<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Edward Steichen gilt als der einflussreichste Fotograf des 20. Jahrhunderts.<br>Er hat das meistverkaufte Fotobuch aller Zeiten herausgebracht,<br>einen Ausstellungskatalog der meistbesuchten Ausstellungen aller Zeiten.<br>Er hat einen einzigen Film als Regisseur verantwortet, der dann auch gleich noch einen Oscar gewonnen hat<br>und mehr als nur eine Karriere in der Fotografie hinter sich gebracht.<br>Dabei war Fotografie noch nicht mal das einzige, was er in seinem Leben gemacht hat.<br>Edward Steichen wird am 27. März 1879 in Luxemburg geboren.<br>Da war er allerdings nur kurze Zeit, denn seine Eltern mussten aus wirtschaftlichen Gründen das Land verlassen<br>und beschlossen, in die USA zu emigrieren.<br>Er war 15, als er sich seine erste Boxkamera kaufte.<br>Und das erste Foto, das er je geschossen hat, ist eine Aufnahme seiner Schwester.<br>Die Kamera würde ihn sein Leben lang begleiten, aber zunächst dachte er eigentlich,<br>er würde entweder Drucker oder Maler werden.<br>Er macht eine Ausbildung zum Lithografen und beschließt, Kunst in Paris zu studieren.<br>Kurz bevor er aufbricht, hält er sich noch in New York auf<br>und lernt dort den schon erfolgreichen und einflussreichen Fotografen Alfred Stieglitz kennen.<br>Damals wie heute wurde die Frage, ob Fotografie denn eigentlich Kunst sein könnte, heiß diskutiert<br>und es gab eine Bewegung unter Fotografen, Bilder zu schaffen, die wie Gemälde aussahen.<br>Wem das jetzt bekannt vorkommt, ja, das ist nicht das erste Mal, dass der sogenannte Piktorialismus aufkommt.<br>Schon die ersten großen <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen versuchten, in ihren Gemälden der Malerei nachzueifern.<br>Stieglitz, Steichen und Zeitgenossen, also die neuen Piktorialisten,<br>sahen sich dabei in Konkurrenz zu einer anderen Schule der Fotografie.<br>Es gab nämlich auch die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen, die darauf pochten,<br>dass Bilder scharf und adäquate Abbildungen der Realität sein mussten.<br>Während also Fotografen wie Ansel Adams damit beschäftigt waren,<br>möglichst scharf und präzise kalkulierte Bilder zu produzieren,<br>wackelten Piktorialisten gezielt am Stativ, um dem Bild eine gewisse Unschärfe zu geben<br>oder entwickelten eigene Druckverfahren, um dem Bild eine malerische oder zeichnerische Anmutung zu geben.<br>Edward Steichen reiste dann auch tatsächlich nach Europa weiter und tritt sein Studium in Paris an.<br>Er lernt das Who is Who der französischen Kunstszene kennen<br>und schmiedet mehrere einflussreiche, lebenslange Freundschaften.<br>Außerdem wird er so eine Art früher Jet-Setter.<br>Immer wieder besteigt er Dampfschiffe, um den Atlantik zu überqueren<br>und trägt so zum regen Austausch zwischen der europäischen und der amerikanischen Kunstszene bei.<br>1903 stellt ihm die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> Gertrude Käsebier Clara Emma Smith vor,<br>eine junge Sängerin, die er heiratet und mit der er mehrere Kinder hat.<br>Edward Steichen verdient seinen Lebensunterhalt bereits mit Auftragsarbeiten jeglicher Art,<br>sowohl in der Malerei als auch in der Fotografie.<br>Seine Kontakte und frühen Fotografen von berühmten Künstlern in Paris<br>helfen ihm dabei, neue Aufträge an Land zu ziehen.<br>Und er hat sich bereits etabliert als jemand mit einem ungewöhnlichen Blick<br>und ist bekannt dafür, dass er eine ungewöhnliche Bandbreite an fotografischen Fähigkeiten besitzt.<br>So macht er Porträts, Stillleben, Auftragsarbeiten für die Industrie<br>und gilt als einer der frühesten Vertreter der Fashion-Fotografie.<br>Als der Erste Weltkrieg ausbricht, sehen sich die Steichens gezwungen, wieder in die USA zu emigrieren.<br>Er meldet sich freiwillig zum Militärdienst.<br>Als der etablierte Fotograf, der er ist, bekommt er den Auftrag,<br>eine fotografische Abteilung aufzubauen und die technischen Verfahren zu standardisieren.<br>Er entwickelt besonders kleine, leicht aufzubauende Dunkelkammern,<br>standardisiert die Filmformate, die die französischen, britischen und amerikanischen Einheiten verwenden,<br>hilft dabei, die Kameratechnik zu perfektionieren, die für Luftaufnahmen und Aufklärung verwendet wird<br>und legt technologische Grundsteine, die bis heute gelten.<br>Aus dem <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> zurückgekehrt und inzwischen geschieden,<br>konzentriert sich Steichen auf seine fotografische Laufbahn.<br>Er heiratet ein zweites Mal.<br>Diese Ehe mit Dana Despero Glover wird 34 Jahre lang bis zu ihrem Tod halten<br>und seine glücklichste Beziehung sein.<br>1926 macht er internationale Schlagzeilen,<br>als er sich mit den amerikanischen Behörden um die Definition eines Kunstwerks streitet.<br>Gegenstand des Streits war eine Skulptur &#8222;Bird in Space&#8220;, die er von einem Freund gekauft hatte.<br>Die Zollbehörden sahen darin eher eine Art Küchenutensil<br>und weigerten sich, den Gegenstand als Kunst anzuerkennen.<br>Eine Diskussion, die sie schließlich vor Gericht mit Edward Steichen fortführen mussten<br>und die Steichen für sich entschied.<br>Der Nebeneffekt dabei war, dass Edward Steichen damit die Definition von Kunst<br>nach amerikanischem Recht grundlegend verändert hatte.<br>Es ging also nicht nur ums Prinzip, sondern auch wieder um die grundlegende Frage,<br>was ist Kunst?<br>Inzwischen hatte Steichen schon mehrere Ausstellungen organisiert.<br>Sowohl Malerei als auch Fotografie war sein Thema und ging ineinander über.<br>Als Teil der Fotovereinigung &#8222;Foto Secession&#8220;,<br>Mitarbeiter bei Stieglitz&#8216; einflussreichen &#8222;Camera Works&#8220; Magazins,<br>als etablierter Kunstsammler und Künstler hatte er inzwischen so einiges an Autorität.<br>Es sind diese Jahre, wo er anfängt, mit der einflussreichen Contenast-Gruppe zusammenzuarbeiten.<br>Auf der einen Seite produziert er Werbefotografie,<br>auf der anderen Seite wird er von Contenast beauftragt, Fashionfotografie zu machen.<br>Und es sind diese Jahre, die ihn zum bestbezahlten Fotografen der Welt aufsteigen lassen.<br>Er prägt und verändert den Stil der damaligen Zeit<br>und inzwischen sind seine Fotos auch immer seltener piktorialistische Fotos<br>und immer öfter abstrakte, aber scharfe und realistisch abgebildete Aufnahmen.<br>Wenn er nicht fotografierte oder malte,<br>war er mit seiner Schwester beschäftigt, neue Pflanzenarten zu züchten.<br>Beide teilten eine Leidenschaft für die Botanik und hatten damit begonnen,<br>insbesondere Rittersporn-Varianten zu züchten, die es bisher so nie gegeben hatte.<br>Edward Steichen und seine Schwester sind aber mehr als Hobbygenetiker.<br>Ihre Pflanzen, so sind sie überzeugt, sind nicht weniger als lebende Kunstwerke.<br>Und so organisiert Edward Steichen 1936 in Zusammenarbeit mit dem Museum of Modern Art<br>eine Ausstellung rund um den Rittersporn, eine Pflanzenart, die sie besonders oft züchteten.<br>Und diese Ausstellung war ein Erfolgstreffer.<br>Das Museum sah Rekordbesucherzahlen.<br>Menschen waren enthusiastisch. Sowohl Museumsgänger, Züchter oder Hobbygärtner<br>hatten ihre Freude an der sehr ausgefeilten und künstlerischen Präsentation dieser Pflanzen.<br>Tag für Tag wurde LKW-weise Pflanzmaterial zum MoMA angefahren.<br>Und Edward beschäftigte sich nach dem Kuratieren dieser Ausstellung dann außerdem mit der Dokumentation<br>und machte eindrückliche, wunderschöne Aufnahmen dieser Pflanzen.<br>1941 kommt es zum Angriff auf Pearl Harbor. Edward Steichen ist zu diesem Zeitpunkt 62 Jahre alt.<br>Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, sich wieder freiwillig für den Militärdienst zu melden.<br>Eigentlich ist er zu alt, aber Edward Steichen hat Kontakte.<br>Und so beauftragt ihn die US Navy, eine fotografische Einheit aufzubauen.<br>Ein Auftrag, den er nur zu gerne annimmt.<br>Er baut diese fotografische Einheit auf und nimmt auch an Kriegshandlungen teil.<br>Gleichzeitig findet er aber die Zeit, zwei Ausstellungen militärischer Aufnahmen zu machen.<br>Antikriegsaufnahmen. Er will die Horror des Krieges zeigen und damit Menschen aufrütteln.<br>Außerdem dreht er noch auf dem Flugzeugträger, dem er zugewiesen wurde, einen Dokumentationsfilm.<br>Den einzigen Film, den er je verantwortet hat.<br>Und diese Dokumentation bekommt auch prompt dann im darauf folgenden Jahr einen Oscar verliehen.<br>Als der <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> vorbei und Edward Steichen wieder zurück in den USA war, war er 67 Jahre.<br>Viele würden in so einem Alter wahrscheinlich an die Rente denken.<br>Für Edward Steichen beginnt jetzt aber eine Zeit, die die erfolgreichste und krönende seines Lebens sein würde.<br>Er bekommt das Amt des Direktors für die fotografische Abteilung im MoMA angetragen.<br>Ein Posten, den vor ihm überhaupt nur eine Person bisher gehabt hatte.<br>In dieser Rolle war man nicht nur verantwortlich für fotografische Ausstellungen, sondern auch Kurator des Museums.<br>Und es ist diese Rolle, in der Edward Steichen einige der berühmtesten Fotografen und Fotografen dieser Zeit mit verewigt.<br>Namen wie Robert Frank, Deanne Arbus, Dorothea Lange, Lee Miller oder Stephen Shore.<br>Er kuratiert 44 Ausstellungen während seiner Amtszeit.<br>Alle für sich genommen Erfolge, aber eine, mit der er sich selbst, der Fotografie,<br>Dutzenden Fotografen und Fotografen und der Menschheit selbst ein Denkmal setzt.<br>Hören wir ihm kurz zu, was er selbst dazu sagt.<br>Ich hatte das Gefühl, oder eher die Hoffnung, dass wenn die Menschen wirklich sahen,<br>was die Kriegssituation in all ihrer Bestialität und Brutalität war,<br>dass das ein Deterrent sein könnte, dass die Menschen aufwachen.<br>Hier bezieht er sich auf seine Anti-Kriegsausstellungen, die er noch während dem Zweiten Weltkrieg gemacht hatte.<br>Er hatte die Hoffnung gehabt, dass die Menschen von Kriegsbildern abgeschreckt würden,<br>dass sie sehen würden, wie unmenschlich und grausam <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> ist und dadurch davon überzeugt werden würden,<br>dass Krieg mit allen Mitteln verhindert werden müsste.<br>Aber die Leute, so sagt er, kamen zu der Ausstellung, fanden die auch toll, sahen die aufmerksam an.<br>Manchmal sah man jemanden mit Tränen in den Augen.<br>Und dann verließen sie die Ausstellung und vergaßen alles, was sie dort gesehen hatten.<br>Und die Grundlage für das, hat mich plötzlich aufgepragt,<br>war, dass die Idee von einem negativen Standpunkt herangehoben wurde.<br>Und von einem negativen Standpunkt her, tut nichts gut.<br>Also habe ich, als ich darüber nachdenkte, gesagt,<br>jetzt, wechseln wir von dem positiven Standpunkt her,<br>ich muss zeigen, wie wunderbar das Leben ist und wie Menschen weltweit ähnlich sind.<br>Und das hat in der &#8222;Familie von Menschen&#8220;-Exhibition erfolgt.<br>Und als er darüber nachdachte, kam er zu dem Ergebnis,<br>dass das Hauptproblem war, dass Ausstellungen mit Kriegsfotografie das Thema negativ angehen.<br>Und nichts, sagt er, das man negativ angeht, hat jemals was Gutes hervorgebracht.<br>Und so wollte er eine Ausstellung machen, die genau andersherum funktioniert.<br>Er wollte den Menschen zeigen, was allen Menschen gemeinsam ist,<br>wie schön die Menschheit ist, wie wundervoll Leben ist.<br>Und das war der Startgedanke seiner wichtigsten, größten und berühmtesten Ausstellung.<br>Der Titel &#8222;The Family of Man&#8220;.<br>Los übersetzt könnte man sagen &#8222;Die menschliche Familie&#8220;.<br>Aus moderner Sicht hätte man den Titel vielleicht anders gewählt.<br>Aber &#8222;Man&#8220; war damals in den 50ern einfach nur Synonym für Menschheit.<br>Edward Steichen jedenfalls beginnt mit der Arbeit an dieser Ausstellung,<br>indem er zunächst mal mehrere hundert Aufnahmen von verschiedensten Künstlern einkauft.<br>Gleichzeitig bittet er eine Freundin, Dorothea Lange, einen Aufruf in die Welt zu schicken.<br>Es wurde eingeladen, Fotos einzureichen, die in eine von 32 Kategorien passten und zum Thema der Ausstellung.<br>Und der Aufruf wurde überall auf der Welt vernommen und beantwortet.<br>Über zwei Millionen Fotografien wurden eingereicht.<br>In den folgenden drei Jahren wurde diese unglaubliche Menge an Material gesichtet<br>und auf knapp 1000 Aufnahmen runtergedampft und dann in einem zweiten Durchlauf auf 503 Aufnahmen reduziert.<br>503 ist übrigens immer noch für eine fotografische Ausstellung eine gewaltige Zahl.<br>Normalerweise versucht man da deutlich drunter zu bleiben.<br>Die Aufnahmen kamen tatsächlich aus der ganzen Welt.<br>Allerdings war es trotzdem so, dass ein Großteil der 273 Fotografinnen und Fotografen<br>einen eher westlichen Blick auf die Welt gehabt haben dürften.<br>Allein 70 stammten aus Europa und 163 waren aus den USA.<br>Viele waren allerdings weit gereist.<br>Es wurde also wirklich versucht, die gesamte Welt und auch fremde Kulturen abzubilden.<br>Trotzdem kann man bis heute dieser Ausstellung vorwerfen,<br>dass sie einige eher konservative Perspektiven auf die Welt einnahm<br>und den Bias, der in dieser Fotograf:innen-Auswahl schon drinsteckt, natürlich nicht ganz abschütteln kann.<br>Als die Bilder dann erstmal ausgewählt waren, ging es an das Ausstellungsdesign.<br>Und auch das war damals groundbreaking, also noch nie da gewesen.<br>Die Bilder waren in den unterschiedlichsten Größen, manche ganz klein, manche riesengroß gedruckt<br>und konnten an der Decke, hoch an der Wand, niedrig an der Wand oder auch am Boden zu finden sein.<br>Begleitet wurden die Bilder von Ausschnitten aus Zitaten oder kurzen Gedichten.<br>Und die letzte Aufnahme zeigt, nachdem man durch die gesamte Bandbreite der menschlichen Erfahrungen gegangen ist<br>und oft auch sehr schöne Alltags-Szenen gesehen hat, einen Atompilz als abschließende Mahnung,<br>dass die Menschheit es in der Hand hat, die schützenswerte Existenz und Erfahrung des menschlichen Lebens zu zerstören oder zu bewahren.<br>Dadurch wird auch klar, in welcher Zeit diese Ausstellung stattfand.<br>Es war der Kalte Krieg und die ständige Bedrohung eines möglichen nuklearen Konflikts war natürlich allen präsent.<br>Die Ausstellung blieb auch nicht aufs MoMA in New York begrenzt, sondern ging auf Tournee.<br>Sie war schon in MoMA eine Sensation und die Tournee verstärkte das noch.<br>69 Mal wurde in 37 Ländern &#8222;The Family of Man&#8220; ausgestellt<br>und mehrere Ableger-Ausstellungen mit Einzelthemen daraus wurden ebenfalls kuratiert.<br>Bis heute ist es die meistbesuchte und meistbeachteteste Fotoausstellung aller Zeiten.<br>Über 10 Millionen Menschen haben diese Ausstellung gesehen.<br>Wie es für solche Ausstellungen üblich ist, produzierte Edward Steichen natürlich auch den dazugehörigen Ausstellungskatalog.<br>Ein großformatiges Taschenbuch, in dem man die ausgestellten Bilder nachschlagen konnte.<br>Für viele dürfte das das erste Buch gewesen sein, das sie gekauft haben,<br>das sich fast ausschließlich mit Fotografie befasst und kaum Text enthält.<br>Über 4 Millionen Mal ist der Ausstellungskatalog von &#8222;The Family of Man&#8220; inzwischen verkauft worden<br>und damit das meistverkaufte Fotobuch aller Zeiten.<br>Blättert man das Buch durch oder besucht die Ausstellung, wird man auch viele Bilder wiedererkennen.<br>Manche der Fotografinnen und Fotografen, die beitrugen, waren zu dem Zeitpunkt bereits selbst weltberühmt.<br>Aber für viele markiert diese Ausstellung auch den Startpunkt einer fotografischen Karriere.<br>In jedem Fall ist es so, dass man natürlich Namen wie Henri Cartier-Bresson oder Robert Duranon<br>oder <a "/posts/die-beste-fotografin-der-welt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="14" title="Die beste Fotografin der Welt">Margaret Bourke-White</a>, Dianne Arbus, Lee Miller, Robert Frank, <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a>, Edward Weston,<br>Dorothea Lange, Andreas Feininger, Ansel Adams, Irving Penn, Eve Arnold, Richard Avedon oder Gary Winogrand<br>aus der späteren Fotogeschichte nicht mehr wegdenken kann.<br>Es ist diese Ausstellung jedenfalls, die Edward Steichen endgültig in den Geschichtsbüchern der Fotografie unsterblich macht.<br>Man kann sie übrigens bis heute besichtigen.<br>Nach seinem Tod wurde sie nach Luxemburg überführt, wo sie bis heute in Dauerausstellungen besichtigt werden kann.<br>Und auch den Katalog &#8222;The Family of Man&#8220; kann man nach wie vor bestellen.<br>Ich habe ein Exemplar hier und es lohnt sich absolut.<br>Die Bilder sehen dabei erstaunlich modern aus.<br>Viele haben nichts von ihrer Wirkmächtigkeit verloren.<br>Es sind eben Bilder von überall auf der Welt und allen möglichen Situationen, die wir alle wiederkennen.<br>Freude, Trauer, Liebe, Wut, Momente der Stille, Momente der Ehrfurcht.<br>Wir erkennen die Menschen, wir erkennen die Situationen.<br>Und auch wenn so eine Ausstellung heute wahrscheinlich etwas diverser kuratiert werden würde,<br>erreichen diese Bilder meiner Meinung nach immer noch, was sich Edward Steichen erhofft hatte.<br>Eben daran zu erinnern, dass wir Menschen mehr gemeinsam haben als uns trennt.<br>Und deswegen ist diese Ausstellung auch zu Recht im UNESCO-Weltdokumentenerbe verewigt.<br>1960 und 81-jährig heiratet Edward Steichen die 26-jährige Joanna Taub.<br>Zwei Jahre später setzt es sich endgültig zur Ruhe.<br>Eine Ausstellung über die Great Depression ist seine letzte große fotografische Arbeit.<br>Er zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück und beschäftigt sich mit Fotografie, Malerei und seinen Pflanzen.<br>So genießt er seinen Lebensabend und stirbt mit 94 Jahren am 25. März 1973.<br>Edward Steichen war einer dieser Fotografen, der mehr als nur eine Karriere gehabt hat<br>und dabei so viel Einfluss aufs Medium ausgeübt hat, dass man wahrscheinlich gar nicht anders kann,<br>als ihn nicht mehr wahrzunehmen, weil er einfach omnipräsent ist.<br>Er hat mehrere große Moden der Fotografie mitgemacht und mitgestaltet<br>und ließ sich weder auf ein Genre noch auf eine bestimmte Tätigkeit festlegen.<br>Er war Maler, er war Fotograf, er war Kurator, er war Aussteller, er war Sammler, er war Botaniker,<br>Herausgeber, Publizist und hat dabei aber nie aus den Augen verloren, wen er versucht zu erreichen.<br>Und er behielt einen ganz pragmatischen Blick auf seine Kunst.<br>Mit dem Vorwurf konfrontiert, dass der Kommerz in seiner Arbeit ja vielleicht auch die Kunst in den Hintergrund gedrängt hätte,<br>hat er zum Beispiel Folgendes zu sagen.<br>Ich kenne keine Kunst, die nicht oder nicht kommerziell war.<br>Michelangelo sollte auf seinem Todesfelsen schon einmal beschweren,<br>dass er nie die Möglichkeit hatte, das zu tun, was er wollte.<br>Es gab immer Popen und Potentaten, die ihm Anrufe und Verpflichtungen für das, was sie wollte, gegeben haben.<br>Aber er hat eine gute Arbeit gemacht, um dieses Geld zu füllen.<br>Er kennt keine Kunst, die nicht wenigstens in Teilen kommerzialisiert ist, sagt er.<br>Und als Beispiel bringt er Michelangelo, der sich nämlich auf seinem Sterbebett beschwert hat,<br>dass er in seinem ganzen Leben fremdgesteuert worden war.<br>Immer gab es irgendwelche Päpste oder Herrscher, die von ihm irgendwelche Aufträge erfüllt haben wollten.<br>Aber, so sagt Edward Steichen, am Ende hat er das doch wirklich ganz gut gemeistert, Kunst und Kommerz zu verbinden.<br>Ein Fotograf macht nie wirklich Fotos, außer er wird davon bewegt,<br>er wird davon begeistert oder er ist sehr interessiert.<br>Und was die richtige Kunst ausmacht, so sagt er, hat mehr mit der inneren Einstellung zu tun.<br>Ein Fotograf macht kein richtiges Bild, wenn er nicht wirklich interessiert ist an dem Objekt, das er fotografiert.<br>Ein Bildnehmer und ein &#8222;Buttonpusher&#8220;, wie ich ihn auch nennen würde,<br>er schießt einfach an Dinge, die er von anderen gesehen hat.<br>Ein Fotograf establicht eine Beziehung, eine intime Beziehung zwischen sich und dem, was er fotografiert,<br>ob es ein Kern der Beine ist, ein Landschaft oder ein Gras der Garbe.<br>Knipser hingegen, die fotografieren eigentlich nur Dinge, die sie von anderen schon mal gesehen haben.<br>Das ist ihnen eigentlich egal.<br>Aber ein Fotograf, so sagt er, der fotografiert, womit er eine intime Beziehung aufbauen kann.<br>Und dabei ist es ganz egal, ob es eine Dose Bohnen oder ein Star von Weltrang wie Greta Garbo ist.<br>Das war also Episode 85 des Foto-Menschen-Podcasts zu einem der einflussreichsten Fotografen aller Zeiten.<br>Und gleichzeitig einem Mann, den wahrscheinlich nur Foto-Enthusiasten kennen und selbst bei denen nicht alle.<br>Wenn euch der Podcast gefallen hat und ihr das Foto-Menschen-Projekt unterstützen wollt,<br>dann tut mir doch einen Gefallen und erzählt einfach weiter, dass es den Podcast gibt.<br>Ich podcaste nicht kommerziell, ich möchte also kein Geld, ich werde hier auch keine Werbung machen,<br>aber ich freue mich über Rückmeldung und über steigende Hörer:innenzahlen.<br>Rückmeldung ist ein gutes Stichwort.<br>Ihr erreicht mich natürlich auf Social Media.<br>Ich glaube, ich bin ja ganz allgemein relativ einfach zu finden,<br>aber am leichtesten im Zusammenhang mit dem Foto-Menschen-Podcast geht es natürlich auf Twitter oder Mastodon unter dem Handel Foto-Menschen.<br>Die Webseite foto-menschen.net enthält alle Links, Videos, Artikel etc., die ich zur Recherche für diese Folge benutzt habe<br>und viele, viele Episoden inzwischen mit Transkripts, sodass man auch ganz hervorragend durch die vergangenen 84 Folgen stöbern kann.<br>Und wer mag, darf mir da gerne einen Kommentar unter der Episode lassen.<br>Ich freue mich darüber immer ganz besonders.<br>E-Mail gibt es natürlich auch, mail@foto-menschen.net.<br>So viele Wege mich zu erreichen.<br>Und jetzt vielen Dank für eure Zeit, fürs Zuhören.<br>Bleibt gesund und bis zum nächsten Mal.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Fakt trifft Fiktion - The Book of Veles</title>
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            <pubDate>Mon, 04 Jul 2022 16:15:27 GMT</pubDate>
            <description>Eine wahre Geschichte über eine Fake Reportage über einen echten Ort aber mit Fake Akteuren und einem aus echten Texten generierten Fake Essay...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Eine wahre Geschichte über eine Fake Reportage über einen echten Ort aber mit Fake Akteuren und einem aus echten Texten generierten Fake Essay… Jonas Bendiksen (Wikipedia) Veles, Nordmazedonien (Wikipedia) Veles, Gottheit (Wikipedia) The Book of Veles: How Jonas Bendiksen Hoodwinked the Photography Industry (Magnum Photos) The Book of Veles (World Press Photo) The Book of Veles (Jonas Bendiksen’s Webseite) Warum ein Fotojournalist seine Bilder fälschte (Süddeutsche, Paywall) Do these photos look real to you? Your answer could be cause for concern. And that’s terrifying. (Washington Post) The Book of Veles: It’s not a photojournalism masterpiece, it’s a masterpiece of fake news Transkript Als sich der Norweger Jonas Bendix 1996 mit gerade mal 19 Jahren bei der Londoner Niederlassung der Fotoagentur Magnum um eine Praktikumsstelle bewarb, rechnete er wahrscheinlich nicht damit, später einmal selbst zu diesem erlauchten Fotoklub zu gehören. Und er hätte es wahrscheinlich auch nicht für möglich gehalten, dass ausgerechnet er es sein würde, der diesen Tempel des Fotojournalismus mit einer von vorne bis hinten zusammengefakten Fotostory testen würde. Foto Menschen Für die heutige Geschichte gehen wir ins Jahr 2017. In den USA regiert Donald J. Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Und worüber regt er sich am meisten auf? Genau, über das hier. Natürlich in seinem Fall war alles Fake News, was ihn kritisierte oder ihm nicht zustimmte. Aber allgemein an Fake News mangelte es jetzt in der Zeit wirklich gar nicht. Es fiel genau in Trumps Amtszeit, dass die Welt zusehen musste, wie die Produktion und Verbreitung von Falschmeldungen geradezu industrielle Ausmaße annahmen. Die Masche war dabei denkbar einfach. Man nahm echte Nachrichten von echten Nachrichtenwebsiten, verkürzte die, schrieb die zum Teil um, packte irgendwelche zufällig ausgewählten Fotos dazu, klatschte das Ganze auf eine Webseite mit ähnlichem Design und verteilte Links auf diese Meldungen im Internet. Je besser die Meldungen ausgewählt waren und den Nerv der sowieso schon aufgeregten Twitter- und Facebook-Community trafen, umso mehr Besucher kamen vorbei, umso mehr Werbeeinnahmen ließen sich erzielen, umso mehr wurden diese Meldungen weiterverbreitet. Oftmals mit viel mehr Reichweite als die Originalmeldungen. Als man versuchte herauszufinden, woher diese Seiten überwiegend kamen, kristallisierte sich ein überraschendes Epizentrum heraus. Die Stadt Veles in Nordmazedonien. In der osteuropäischen Stadt hatten sich anscheinend gleich mehrere Gruppen dazu entschlossen, das lukrative Feld der Fake-News-Verteilung für sich zu beackern. Und Jonas Bendixen verfolgt mit einiger Faszination die Artikel, die über diese Stadt geschrieben werden. Sogar Obama erwähnte die Stadt. Da sitzen ein paar Teenager in Nordmazedonien, in einer Stadt, in der es nicht viel anderes zu tun gibt, als sich im Internet nach Einkommensquellen umzuschauen und beschließen, Artikel zu veröffentlichen und Werbeeinnahmen zu generieren, und sind plötzlich ein Thema für die amerikanische Politprominenz und zwingen die großen Tech-Konzerne, ihre Vorgehensweise zu ändern. Das wiederum fasziniert Jonas Bendixen. Und der beginnt zu recherchieren. Und wie das so oft ist, wenn man erstmal anfängt, einer Geschichte hinterher zu recherchieren, dann wird das Internet auch schnell mal zum Rabbit Hole. Im Falle der Stadt Veles entdeckt Jonas, dass es eine „slawische Gottheit“ desselben Namens gibt. Und das ist nicht irgendein Gott, das ist einer der wichtigsten Götter der slawischen Mythologie. Er ist Gott der Fruchtbarkeit und der Magie, Herrscher über das Totenreich, Gott der Erde und wird als gehörnte und bärtige Schlange dargestellt. Außerdem, und das war jetzt der Teil, der Bendixen faszinierte, war es auch der Gott des Chaos und der Täuschung. Er konnte seine Gestalt verändern und spielte eine ganz ähnliche Rolle, die man </itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Eine wahre Geschichte über eine Fake <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a> über einen echten Ort aber mit Fake Akteuren und einem aus echten Texten generierten Fake Essay&#8230; </p>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jonas_Bendiksen" target="_blank">Jonas Bendiksen</a> (Wikipedia)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Veles_(Nordmazedonien)" target="_blank">Veles, Nordmazedonien</a> (Wikipedia)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Veles_(Gott)" target="_blank">Veles, Gottheit</a> (Wikipedia)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.magnumphotos.com/arts-culture/society-arts-culture/book-veles-jonas-bendiksen-hoodwinked-photography-industry/" target="_blank">The Book of Veles: How Jonas Bendiksen Hoodwinked the Photography Industry</a> (Magnum Photos)</li>

<li><a href="https://www.worldpressphoto.org/collection/photo-contest/2022/Jonas-Bendiksen/1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Book of Veles</a> (World Press Photo)</li>
</ul>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.jonasbendiksen.com/books/the-book-of-veles" target="_blank">The Book of Veles</a> (Jonas Bendiksen&#8217;s Webseite)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.sueddeutsche.de/medien/fotojournalismus-jonas-bendiksen-veles-fakenews-visa-pour-l-image-1.5443762?reduced=true&amp;utm_source=headtopics&amp;utm_medium=news&amp;utm_campaign=2021-10-20" target="_blank">Warum ein Fotojournalist seine Bilder fälschte</a> (Süddeutsche, Paywall)</li>

<li><a href="https://www.washingtonpost.com/photography/2021/10/15/jonas-bendiksen-book-veles/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Do these photos look real to you? Your answer could be cause for concern. And that’s terrifying. </a>(Washington Post)</li>

<li><a href="https://judithbenhamou.com/the-book-of-veles-its-not-a-photojournalism-masterpiece-its-a-masterpiece-of-fake-news/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Book of Veles: It’s not a photojournalism masterpiece, it’s a masterpiece of fake news</a></li>
</ul>

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<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Als sich der Norweger Jonas Bendix 1996 mit gerade mal 19 Jahren bei der Londoner Niederlassung<br>der Fotoagentur Magnum um eine Praktikumsstelle bewarb, rechnete er wahrscheinlich nicht damit,<br>später einmal selbst zu diesem erlauchten Fotoklub zu gehören.<br>Und er hätte es wahrscheinlich auch nicht für möglich gehalten, dass ausgerechnet<br>er es sein würde, der diesen Tempel des <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalismus</a> mit einer von vorne bis hinten zusammengefakten<br>Fotostory testen würde.<br>Foto Menschen<br>Für die heutige Geschichte gehen wir ins Jahr 2017.<br>In den USA regiert Donald J.<br>Trump als 45.<br>Präsident der Vereinigten Staaten.<br>Und worüber regt er sich am meisten auf?<br>Genau, über das hier.<br>Natürlich in seinem Fall war alles Fake News, was ihn kritisierte oder ihm nicht zustimmte.<br>Aber allgemein an Fake News mangelte es jetzt in der Zeit wirklich gar nicht.<br>Es fiel genau in Trumps Amtszeit, dass die Welt zusehen musste, wie die Produktion und<br>Verbreitung von Falschmeldungen geradezu industrielle Ausmaße annahmen.<br>Die Masche war dabei denkbar einfach.<br>Man nahm echte Nachrichten von echten Nachrichtenwebsiten, verkürzte die, schrieb die zum Teil um, packte<br>irgendwelche zufällig ausgewählten Fotos dazu, klatschte das Ganze auf eine Webseite<br>mit ähnlichem Design und verteilte Links auf diese Meldungen im Internet.<br>Je besser die Meldungen ausgewählt waren und den Nerv der sowieso schon aufgeregten<br>Twitter- und Facebook-Community trafen, umso mehr Besucher kamen vorbei, umso mehr Werbeeinnahmen<br>ließen sich erzielen, umso mehr wurden diese Meldungen weiterverbreitet.<br>Oftmals mit viel mehr Reichweite als die Originalmeldungen.<br>Als man versuchte herauszufinden, woher diese Seiten überwiegend kamen, kristallisierte<br>sich ein überraschendes Epizentrum heraus.<br>Die Stadt Veles in Nordmazedonien.<br>In der osteuropäischen Stadt hatten sich anscheinend gleich mehrere Gruppen dazu entschlossen,<br>das lukrative Feld der Fake-News-Verteilung für sich zu beackern.<br>Und Jonas Bendixen verfolgt mit einiger Faszination die Artikel, die über diese Stadt geschrieben<br>werden.<br>Sogar Obama erwähnte die Stadt.<br>Da sitzen ein paar Teenager in Nordmazedonien, in einer Stadt, in der es nicht viel anderes<br>zu tun gibt, als sich im Internet nach Einkommensquellen umzuschauen und beschließen, Artikel zu veröffentlichen<br>und Werbeeinnahmen zu generieren, und sind plötzlich ein Thema für die amerikanische<br>Politprominenz und zwingen die großen Tech-Konzerne, ihre Vorgehensweise zu ändern.<br>Das wiederum fasziniert Jonas Bendixen.<br>Und der beginnt zu recherchieren.<br>Und wie das so oft ist, wenn man erstmal anfängt, einer Geschichte hinterher zu recherchieren,<br>dann wird das Internet auch schnell mal zum Rabbit Hole.<br>Im Falle der Stadt Veles entdeckt Jonas, dass es eine &#8222;slawische Gottheit&#8220; desselben<br>Namens gibt.<br>Und das ist nicht irgendein Gott, das ist einer der wichtigsten Götter der slawischen<br>Mythologie.<br>Er ist Gott der Fruchtbarkeit und der Magie, Herrscher über das Totenreich, Gott der Erde<br>und wird als gehörnte und bärtige Schlange dargestellt.<br>Außerdem, und das war jetzt der Teil, der Bendixen faszinierte, war es auch der Gott<br>des Chaos und der Täuschung.<br>Er konnte seine Gestalt verändern und spielte eine ganz ähnliche Rolle, die man von dem<br>nordischen Gott Loki kennt.<br>Wir haben also eine Stadt, in der Fake News verbreitet wird, mit dem Namen eines Gottes,<br>dessen Mythologie zu nennenswerten Teilen daraus besteht, dass er Leute täuscht.<br>Jonas Bendixen recherchiert weiter und er entdeckt Berichte von einem antiken Manuskript,<br>in dem die Geschichte des Gottes Veles aufgezeichnet worden sein soll.<br>Sie wird 1919 von einem russischen Armeeoffizier entdeckt, der das aber weder lesen noch übersetzen<br>kann und sich deswegen an einen russischen Wissenschaftler wendet, der den kompletten<br>Text ins moderne Russische überträgt.<br>Bis heute glauben viele, dass dieser Text einer der ältesten Texte der slawischen Welt<br>überhaupt ist und besonders in Esoteriker-Kreisen oder auch in slawisch-nationalistischen Kreisen<br>ist der Text praktisch heilig.<br>Gäbe es da nicht dieses kleine Problem, dass der Stand der modernen Forschung davon ausgeht,<br>dass der komplette Text von dem russischen Wissenschaftler und dem russischen Offizier<br>gefälscht worden war?<br>1973 wird das Ganze von einem Studenten der Ohio State University übersetzt.<br>Der hatte von den Zweifeln an dem Text damals noch keine Kenntnis und nahm das alles ernst.<br>Als seine Übersetzung herauskam, war die durchzogen mit Fußnoten und Hinweisen auf<br>die Relevanz des Textes.<br>Der Student hatte alle möglichen Querverbindungen entdeckt und ihm war nicht aufgefallen, dass<br>der Text eigentlich eine Fälschung war.<br>Der Gott der Täuschung, eine Stadt, die Fake News produziert, ein gefälschtes Manuskript<br>eines angeblich antiken Textes, das für bare Münze genommen wurde.<br>Jonas Benediktsen beschloss, daraus ein Fotoprojekt zu machen.<br>Wie lange, fragte er sich, wird es wohl dauern, bis fotojournalistische Projekte auftauchen,<br>die keine Grundlage in der Realität haben?<br>Wir leben im Zeitalter von Deepfakes und computergenerierten Grafiken.<br>Und so beschließt er, genau diese fotojournalistische Arbeit zu machen und zu testen, wie lange<br>es denn dauern wird, bis jemand Verdacht schöpft.<br>Jonas Benediktsen ist Fotograf und kein CGI-Artist, also musste er sich Kenntnisse aneignen.<br>Er wollte wissen, wie kann er denn fotorealistisch computergenerierte Grafiken in eine fotografische<br>Szene montieren?<br>Wo lernt man sowas am besten?<br>Klar, auf YouTube.<br>Er schaute Tutorials für Software, die die Filmindustrie oder die Computerspieleindustrie<br>jeden Tag verwenden und experimentierte mit ersten Bildern.<br>Für diese Software gibt es meistens Online-Marktplätze, auf denen man Modelle kaufen kann.<br>Und so kaufte er Modelle für Menschen und verbrachte so einiges an Zeit damit, die anzupassen<br>und zu kleiden.<br>In einem Interview sagt er scherzhaft, er hat sich deutlich mehr Zeit mit der Kleidung<br>seiner Avatare für sein Foto-Projekt beschäftigt, als er jemals in seine eigene Kleidung investiert<br>hat.<br>Als nächstes dann buchte er Flüge nach Veles.<br>Er wollte eine glaubwürdige Fotoreportage über diesen Ort fertigen und deswegen beschloss<br>er, dass die Hintergründe tatsächlich aus Veles sein müssten.<br>Zum ersten Mal in seiner Laufbahn als Fotograf kam es ihm beim Fotografieren eben gerade nicht<br>drauf an, Menschen anzutreffen.<br>Aber er wollte eine Optik erzeugen, die aussah, als hätte er eines seiner typischen Projekte<br>gemacht.<br>Als hätte er einigermaßen ordentlichen Zugang und ein paar Wochen Zeit gehabt und sich wirklich<br>den Menschen vor Ort genähert.<br>Er machte zwei solche Trips, den letzten gerade mal eine Woche, bevor es weltweit zu Lockdowns<br>wegen dem Coronavirus kam.<br>Ja und jetzt, daheim, hat er alle Zeit der Welt, um sein Projekt fertig zu machen.<br>Sein nächster Schritt, aus diesem Fotomaterial wollte er ein Buch fertigen.<br>Und in einem Buch, da muss natürlich auch Text stehen.<br>Und auch hier wählt er einen ungewöhnlichen Weg.<br>Er findet online ein frei trainierbares System zur Generierung von Text.<br>Die Idee solcher Systeme ist, dass man ihnen Trainingsmaterial gibt, das dem angestrebten<br>Zieltext entspricht.<br>Will ich also Produktbeschreibungen haben, müssen Produktbeschreibungen rein.<br>Will ich Gedichte haben, die wie Shakespeare klingen, naja, dann füttern wir doch mal Shakespeare.<br>Jonas Bendixen nimmt jetzt die Artikel, die über Veles weltweit geschrieben worden waren<br>und führt sie diesem Bot zu.<br>Um denen dann einen Text für das Buch über Veles verfassen zu lassen.<br>Auf die Art erzeugt er einen 5000 Worte langen Essay, den er nur aus den Ausgaben dieses<br>Bots zusammen kopiert.<br>Ganz ähnlich geht er vor, um Zitate für die angeblich in seinen Fotos zu sehenden<br>Leute zu erzeugen.<br>Es gab ja eine Menge echter Zitate aus den anderen Artikeln und die wirft er ebenfalls<br>in die AI und lässt sich neue Zitate erzeugen.<br>All das kombiniert er und lässt es aussehen, als wäre es eine authentische Jonas Bendixen<br>Arbeit und produziert ein Buch.<br>Der Titel &#8222;The Book of Veles&#8220;, derselbe Titel, den das angebliche Manuskript trug.<br>Dabei geht er davon aus, dass es garantiert nicht lang dauern wird, bis die Ungereimtheiten<br>in seinen Bildern auftauchen werden.<br>Es ist ja nicht so, dass er nicht genügend Hinweise in seinen Bildern versteckt hätte.<br>Beispielsweise scheint die Stadt Veles eine ungewöhnlich hohe Bärenpopulation zu haben.<br>Und der Bär tauchte da auch nicht von ungefähr auf, denn der Bär war die Lieblingsgestalt<br>des Gottes Veles, des Gottes der Täuschung.<br>Aber selbst wenn einem der Bär entgangen war, gab es noch genügend andere Hinweise,<br>die Jonas zuversichtlich machten, dass dieses Buch den Test der Profis nicht lange würde<br>standhalten können.<br>Für den Fall der Fälle hatte er seinen Verleger auf jeden Fall schon mal informiert und er<br>hat sich selber als Regel gesetzt, die Presse daran zu hindern, seine Arbeiten zu veröffentlichen.<br>Er wartete und wartete, amüsierte sich über Komplimente für den Essay in dem Buch, lehnte<br>Anfragen der Presse ab und beschloss dann, noch einen draufzulegen.<br>Er reichte seine Arbeit bei dem angesehenen <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalismus</a>-Festival Visar pour Limage<br>in Frankreich ein.<br>Und die akzeptierten die Arbeit nicht nur, sondern baten ihn, im Programm einen Vortrag<br>über seine Arbeit zu halten.<br>Als weitere Wochen ins Land zogen, ohne dass irgendjemand seine Arbeit ernsthaft in Frage<br>stellte, beschloss er, selbst an seinem Ruf zu sägen.<br>Aber passend zu dem Projekt konnte er das natürlich nicht einfach selbst veröffentlichen.<br>Er wollte demontiert werden.<br>Und so kaufte er sich einen künstlich gealterten Social Media Avatar.<br>Für ca.<br>40 Dollar, sagt er.<br>Eine junge Dame, die angeblich aus Nordmazedonien stammte, mit dem klangvollen Namen Chloe Miskin.<br>Sie hatte eine Twitter Präsenz, ein Facebook-Profil.<br>Alles was ihr fehlte, waren die richtigen Kontakte.<br>Und an denen begann Jonas jetzt für ein paar Wochen zu arbeiten.<br>Nicht lange und Chloe war mit über 600 Leuten aus der fotojournalistischen Szene befreundet.<br>Der Plan?<br>Chloe sollte ihn demontieren.<br>Der richtige Zeitpunkt?<br>Kurz nach seinem Vortrag auf dem Festival.<br>Er hielt also seinen Vortrag und kurz darauf fing Chloe an, sich über die Qualität seiner<br>Arbeit aufzuregen.<br>Er hätte Leute gekauft, die in den Bildern zu sehen waren, schrieb sie auf Facebook.<br>Jonas ging davon aus, dass wenn jemand erstmal anfängt, öffentlich Zweifel zu äußern,<br>schon irgendjemand die Arbeit genauer unter die Lupe nehmen würde.<br>Umso erstaunlicher, dass Chloe nicht ernst genommen wurde und sich sogar einzelne damit<br>Beschäftigten Chloe zu widersprechen und mit ihr zu streiten.<br>Vielleicht ist Facebook nicht das richtige Social Network, denkt sich Jonas und lässt<br>Chloe auf Twitter los.<br>Und endlich steigt jemand auf den Verdacht ein.<br>Ein Twitter Nutzer bemerkt, dass Kleidung in den Fotos anscheinend mehrfach verwendet<br>wurde.<br>Und diesem ersten Verdacht folgen da natürlich andere und bieten Jonas damit endlich die<br>Möglichkeit, offen über sein Projekt und die wahren Hintergründe zu sprechen.<br>Monate nach Veröffentlichung.<br>Was machen wir jetzt aus dieser ganzen Geschichte?<br>Ich find&#8217;s spannend festzustellen, dass die Menschen zwar einerseits aufgewachsen sind<br>mit dem Wissen darum, dass es <a "/posts/die-geschichte-der-bildmanipulation.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="55" title="Photoshop">Photoshop</a> gibt und dass Fotos nicht immer das zeigen, was<br>sie vorgeben zu zeigen.<br>Und gleichzeitig wollen wir immer noch auf Teufel komm raus glauben, dass Bilder die<br>Wahrheit und die Realität zeigen.<br>Es ist irgendwie auch tragisch, dass wir in über 180 Jahren Fotogeschichte immer noch<br>nicht gelernt haben, zwischen Fakt und Fiktion zu unterscheiden.<br>Und dabei sind wir ja jetzt am Anfang einer nicht aufzuhaltenen Entwicklung.<br>Jonas Bendixen hat uns vor Augen geführt, wie einfach es eigentlich ist.<br>Denn er ist weder Computerspezialist noch Computergrafik-Nerd.<br>Er hat sich mit Hilfe von YouTube ein paar frei erhältliche Softwareprodukte erklären<br>lassen und danach Bilder produziert, die die weltweite Community der <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalisten</a> für<br>bare Münze genommen hat.<br>Er ließ ein Essay von Künstlicher Intelligenz schreiben und Leser*innen hielten das für<br>authentisch.<br>Was lernen wir daraus?<br>Wir müssen kritischer werden.<br>Wir dürfen Bildern nicht einfach pauschal vertrauen.<br>Und außerdem lerne ich daraus, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis wir um uns rum<br>Texte und Medienprodukte haben, die verdammt authentisch aussehen werden.<br>Foto Menschen<br>Ich habe mir eine signierte Fassung dieses Buchs bestellt.<br>Denn ich finde die Geschichte und den Prozess hinter &#8222;The Book of Veles&#8220; durch und durch<br>faszinierend.<br>Außerdem gefallen mir die Fotos, die ich bisher davon gesehen habe.<br>Jonas Bendixen sagt selbst, dass er für diese Fotos im Prinzip neu lernen musste, wie ein<br>typisches Jonas Bendixen-Foto aussieht.<br>Immerhin musste er im Computer Lichtsituationen nachbilden und sich überlegen, wie hätte<br>er denn Menschen fotografiert in Veles, wenn er sie denn angetroffen hätte.<br>Ich glaube, dass es ein Buch, das Geschichte geschrieben hat.<br>Außerdem enthält es schöne Fotografie.<br>Aber das ist vielleicht mal eine Diskussion für einen anderen Tag, warum ich glaube,<br>dass auch solche Montagen durchaus fotografische Werke sind.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Lee Miller - Eine Frau, viele Leben</title>
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            <pubDate>Wed, 01 Jun 2022 15:59:44 GMT</pubDate>
            <description>Lee Miller hatte ein Leben das atemlos macht: Befreundet mit dem who is who der Surrealisten-Szene des 20.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Lee Miller hatte ein Leben das atemlos macht: Befreundet mit dem who is who der Surrealisten-Szene des 20. Jahrhunderst, berühmtes Fashionmodel, erfolgreiche Fashionfotografin, Journalistin, Kriegskorrespondentin, Sterneköchin und Weltbürgerin sind nur einige ihrer Rollen. Lee Miller (Wikipedia) Pseudo-Solarisation (Wikipedia) Kriegsberichterstatterin Lee Miller – Die Schöne und der Krieg (Spiegel) Lee Miller: Model, Partylöwin, Fotografin und Kriegskorrespondentin (Spiegel) Lee Miller – A Life on the Front Line (IMDb) kwerfeldein – Hitlers Badewanne Ein Supermodel als Kriegsfotografin (Deutschlandfunk) Lee Miller – Fotos aus dem KZ Buchenwald (Welt) WDR Zeitzeichen – 21.7.1977 – Kriegsfotografin Lee Miller stirbt in Chiddingly The Lives of Lee Miller (English Edition) Episodenbild: U.S. Army Official Photograph - http://astro.temple.edu/~gurwin/hist.0690syb2005.html, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=77888314 Transkript Tänzerin, Model, Werbefotografin, Journalistin, Kriegsreporterin, Sterneköchin. Lee Miller hat eine Biografie, die mich völlig atemlos zurückgelassen hat. Und ihr habt sie mir gleich mehrfach empfohlen. Ich grüße jetzt hier mal stellvertretend Silke, deren E-Mail ich vor kurzem in meiner Inbox fand, und Boris, der mich beide auf das erste Foto, das ich von Lee Miller je gesehen habe, hinwies, das den Titel „Die Dame in Hitlers Badewanne“ trägt. Lee Miller heißt eigentlich Elizabeth Miller, später dann Lady Elizabeth Penrose, und wird 1907 im Bundesstaat New York geboren. Ihr Vater war ein Ingenieur, ihre Mutter eine Krankenschwester und sie hatte zwei Geschwister. Schon die kleine Lee war eher umtriebig und schwer zu bändigen, aber ihr Vater unterstützte das. Und so wurden mit den Geschwistern Seifenkisten gebaut und Rennen gefahren, Dinge erklommen und Gerätschaften ausprobiert. Und wie um die Zeit nicht ganz unüblich, besonders für einen Ingenieurshaushalt, wurde durchaus auch schon fotografiert. Der Vater war begeisterter Amateurfotograf und so konnte die kleine Lee schon sehr früh erste Gehversuche mit damals üblichem Gerät, wie zum Beispiel der Kodak Brownie, machen. Der Vater war ambitionierter Fotoamateur und entdeckte seine ungewöhnlich hübsche Tochter früh als Fotomodell. Er fotografiert Porträts und Akte und Lee steht für beides Modell. Schon früh prägt sich bei Lee jedenfalls Interesse für die schönen Künstler heraus und sie überlegt eventuell Tänzerin werden zu wollen. Ihre Schulzeit jedenfalls war mühsam. Sie wird über die Jahre aus praktisch jeder Schule geworfen, in der ihre Eltern sie eintragen. Mit 18 zieht sie nach Paris und studiert Bühnenbildnerei, Kostümdesign und Bühnenbeleuchtung und kehrt 1926 nach New York zurück. Diesmal zieht sie nach Manhattan. Hier will sie Malerei und Zeichnung studieren. Als sie eines Tages auf dem Heimweg war und gedankenlos auf die Straße geht, wird sie beinahe von einem LKW überfahren. In letzter Sekunde reißt sie einen Passant, der sie beobachtet hat, auf den Gehweg zurück und Lee, die zu Tode erschrocken ist, sinkt erstmal ohnmächtig in seine Arme. Und diese Anekdote ist wirklich folgenreich, denn der Mann, der sie da vor dem sicheren Tod gerettet hatte, war niemand anderes als Condé Nast, dem Herausgeber von Zeitungen wie Vogue, The New Yorker oder Vanity Fair. Der hält jetzt also plötzlich eine elegant gekleidete, fließend französisch sprechende, wunderschöne junge Dame in den Armen und sieht in ihr das perfekte Gesicht für das nächste Titelblatt der Vogue. Denn zu der Zeit wurde nach dem perfekten, modernen Mädchen gesucht als Titelfigur für Magazine wie Vogue. Und Lee Miller entsprach dieser Idee bis aufs Haar. Und deswegen startet Lee ihre Modelkarriere mit einem Knall, mit einem Titelbild auf der Vogue. Die nächsten zwei Jahre machen sie dann zu einem der meisten gesuchten Models in ganz New York. Und sie arbeitet mit allem, was Rang und Namen </itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Lee Miller hatte ein Leben das atemlos macht: Befreundet mit dem who is who der Surrealisten-Szene des 20. Jahrhunderst, berühmtes Fashionmodel, erfolgreiche Fashionfotografin, Journalistin, Kriegskorrespondentin, Sterneköchin und Weltbürgerin sind nur einige ihrer Rollen. </p>

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<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lee_Miller" target="_blank">Lee Miller</a> (Wikipedia)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pseudo-Solarisation" target="_blank">Pseudo-Solarisation</a> (Wikipedia)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/fotostrecke/lee-miller-kriegsberichterstatterin-in-hitlers-badewanne-fotostrecke-126109.html" target="_blank">Kriegsberichterstatterin Lee Miller &#8211; Die Schöne und der Krieg</a> (Spiegel)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/lee-miller-model-partyloewin-fotografin-und-kriegskorrespondentin-a-1031017.html" target="_blank">Lee Miller: Model, Partylöwin, Fotografin und Kriegskorrespondentin</a> (Spiegel)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.imdb.com/title/tt12281602/" target="_blank">Lee Miller &#8211; A Life on the Front Line</a> (IMDb)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20220930164210/https://kwerfeldein.de/2013/09/02/blickfang-hitlers-badewanne/" target="_blank">kwerfeldein &#8211; Hitlers Badewanne</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.deutschlandfunk.de/lee-miller-ein-supermodel-als-kriegsfotografin-100.html" target="_blank">Ein Supermodel als Kriegsfotografin</a> (Deutschlandfunk)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/geschichte/article214733286/Kriegsfotografin-Lee-Miller-Fotos-aus-dem-KZ-Buchenwald.html" target="_blank">Lee Miller &#8211; Fotos aus dem KZ Buchenwald</a> (Welt)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-lee-miller-100.html" target="_blank">WDR Zeitzeichen &#8211; 21.7.1977 &#8211; Kriegsfotografin Lee Miller stirbt in Chiddingly</a></li>
</ul>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/B09Q3FGPYJ" target="_blank" rel="noopener">The Lives of Lee Miller (English Edition)</a></p>

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<pre>Episodenbild: U.S. Army Official Photograph - http://astro.temple.edu/~gurwin/hist.0690syb2005.html, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=77888314</pre>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Tänzerin, Model, Werbefotografin, Journalistin, Kriegsreporterin, Sterneköchin.<br>Lee Miller hat eine Biografie, die mich völlig atemlos zurückgelassen hat.<br>Und ihr habt sie mir gleich mehrfach empfohlen.<br>Ich grüße jetzt hier mal stellvertretend Silke, deren E-Mail ich vor kurzem in meiner<br>Inbox fand, und Boris, der mich beide auf das erste Foto, das ich von Lee Miller je<br>gesehen habe, hinwies, das den Titel &#8222;Die Dame in Hitlers Badewanne&#8220; trägt.<br>Lee Miller heißt eigentlich Elizabeth Miller, später dann Lady Elizabeth Penrose, und wird<br>1907 im Bundesstaat New York geboren.<br>Ihr Vater war ein Ingenieur, ihre Mutter eine Krankenschwester und sie hatte zwei Geschwister.<br>Schon die kleine Lee war eher umtriebig und schwer zu bändigen, aber ihr Vater unterstützte<br>das.<br>Und so wurden mit den Geschwistern Seifenkisten gebaut und Rennen gefahren, Dinge erklommen<br>und Gerätschaften ausprobiert.<br>Und wie um die Zeit nicht ganz unüblich, besonders für einen Ingenieurshaushalt, wurde<br>durchaus auch schon fotografiert.<br>Der Vater war begeisterter Amateurfotograf und so konnte die kleine Lee schon sehr früh<br>erste Gehversuche mit damals üblichem Gerät, wie zum Beispiel der <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie, machen.<br>Der Vater war ambitionierter Fotoamateur und entdeckte seine ungewöhnlich hübsche Tochter<br>früh als Fotomodell.<br>Er fotografiert Porträts und Akte und Lee steht für beides Modell.<br>Schon früh prägt sich bei Lee jedenfalls Interesse für die schönen Künstler heraus<br>und sie überlegt eventuell Tänzerin werden zu wollen.<br>Ihre Schulzeit jedenfalls war mühsam.<br>Sie wird über die Jahre aus praktisch jeder Schule geworfen, in der ihre Eltern sie eintragen.<br>Mit 18 zieht sie nach Paris und studiert Bühnenbildnerei, Kostümdesign und Bühnenbeleuchtung und kehrt<br>1926 nach New York zurück.<br>Diesmal zieht sie nach Manhattan.<br>Hier will sie Malerei und Zeichnung studieren.<br>Als sie eines Tages auf dem Heimweg war und gedankenlos auf die Straße geht, wird sie<br>beinahe von einem LKW überfahren.<br>In letzter Sekunde reißt sie einen Passant, der sie beobachtet hat, auf den Gehweg zurück<br>und Lee, die zu Tode erschrocken ist, sinkt erstmal ohnmächtig in seine Arme.<br>Und diese Anekdote ist wirklich folgenreich, denn der Mann, der sie da vor dem sicheren<br>Tod gerettet hatte, war niemand anderes als Condé Nast, dem Herausgeber von Zeitungen<br>wie Vogue, The New Yorker oder Vanity Fair.<br>Der hält jetzt also plötzlich eine elegant gekleidete, fließend französisch sprechende,<br>wunderschöne junge Dame in den Armen und sieht in ihr das perfekte Gesicht für das<br>nächste Titelblatt der Vogue.<br>Denn zu der Zeit wurde nach dem perfekten, modernen Mädchen gesucht als Titelfigur für<br>Magazine wie Vogue.<br>Und Lee Miller entsprach dieser Idee bis aufs Haar.<br>Und deswegen startet Lee ihre Modelkarriere mit einem Knall, mit einem Titelbild auf der<br>Vogue.<br>Die nächsten zwei Jahre machen sie dann zu einem der meisten gesuchten Models in ganz<br>New York.<br>Und sie arbeitet mit allem, was Rang und Namen hat.<br>Es kommt zu mir klar, als der Fotograf Edward Steichen eine Aufnahme Millers verwendet,<br>um eine Werbekampagne für Damenbinden zu bebildern.<br>Das beendet ihre Karriere als Fashionmodel, allerdings hatte sie darauf inzwischen sowieso<br>immer weniger Lust gehabt und nach Gelegenheiten gesucht, um auf Reisen zu gehen.<br>Die bot sich, als ihr einen Fashiondesigner anbot, in seinem Auftrag nach Paris zu reisen<br>und Designskizzen von Renaissance-Gemälden zu fertigen.<br>Also die Kleidung zu skizzieren, die man dort sieht.<br>In Paris passieren mehrere Dinge.<br>Erstens, Lee Miller war in Sekunden von dieser Aufgabe zu Tode gelangweilt.<br>Schon ihr ganzes Leben lang war sie bekannt dafür, dass sie sich zu nichts hinreißen<br>ließ, wenn es ihr keinen Spaß bereitete.<br>Und Renaissance-Gemälde abmalen gehörte eindeutig in diese Kategorie.<br>Außerdem war Lee Miller ein Partygirl.<br>Innerhalb kürzester Zeit netzwerkt sie sich einmal kreuz und quer durch die künstlerische<br>Szene Paris.<br>Sie war ungebunden, sie war trinkfest, sie war sexuell aufgeschlossen und sah umwerfend<br>aus.<br>Also macht sie das, was ihr als Tochter ihres Vaters als erstes in den Sinn kommt.<br>Sie besorgt sich eine Kamera und statt die Kleidungsstücke abzuzeichnen, macht sie einfach<br>Fotos davon.<br>Und was mit dem Abfotografieren von Gemälden anfängt, hört dann erstmal nicht mehr auf.<br>Sie fotografiert die Menschen um sich herum und experimentiert mit der Fotografie als<br>künstlerischer Ausdruck, als surreales Medium.<br>Wir haben das Jahr 1929.<br>Lee Miller beschließt jetzt, ernsthaft ihr Glück als <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> zu suchen.<br>Alles, was ihr fehlt, ist ein Lehrer, der ihr die Techniken der künstlerischen Fotografie<br>nahe bringen kann.<br>In Paris wird sie auch schnell fündig.<br>Der berühmte Fotograf und Künstler Man Ray wäre der perfekte Lehrmeister.<br>Sie sucht seinen Kontakt und bietet sich ihm als Model an.<br>Er will eigentlich keine Studenten aufnehmen, aber Lee war noch nie gut darin, &#8222;Nein&#8220;<br>als Antwort zu akzeptieren.<br>Der Widerstand kann auch nicht lange angedauert haben, denn sie zieht relativ schnell praktisch<br>bei ihm ein, wird eines seiner häufigsten Models, eine Mitarbeiterin in seiner Dunkelkammer<br>und in seinem Studio allgemein, seine Muse und seine Liebhaberin.<br>Die beiden arbeiten in der Zeit so eng zusammen, dass bei einer Menge Aufnahmen gar nicht ganz<br>klar ist, ob das nun Aufnahmen von Lee Miller oder von Man Ray waren.<br>Die Fotografien, die sie schaffen, sind sehr künstlerisch und surreal.<br>Und das liegt unter anderem auch an der ausgefeilten Verfremdung, die in der Dunkelkammer stattfindet.<br>Es wird mit vielen Techniken experimentiert und eine der wichtigsten, stilprägendsten<br>Techniken, die die beiden perfektionieren, ist die sogenannte Solarisation.<br>Ich werde das jetzt hier nicht detailliert ausführen, aber es ist so eine Art gezielte<br>Überbelichtung.<br>Bilder, die auf die Art entstehen, sehen sehr prägnant und eigentümlich aus, sehr kontrastreich.<br>Und in den 60er Jahren wird es ein sehr weit verbreiteter und beliebter künstlerischer<br>Bildeffekt.<br>Für die Surrealisten, zu denen Lee Miller und Man Ray ja damals gehörten, war an diesem<br>Effekt besonders wichtig, dass er praktisch durch einen Zufall entstand und dass die Ergebnisse<br>nur sehr vage kontrollierbar waren.<br>Über den Freundeskreis von Man Ray und die Partys, die auch dort reichlich stattfanden,<br>lernt Lee Miller jedenfalls das Who is Who der damaligen Künstlerszene kennen.<br>Leute wie Jean Cocteau oder eben auch Pablo Picasso gehen ein und aus und zählen zu ihren<br>Freunden.<br>Über die Jahre fertigt Pablo Picasso sechs Gemälde von Lee Miller an und wird wieder<br>und wieder von ihr fotografiert.<br>So produktiv ihre Zusammenarbeit mit Man Ray auch ist, schnell hat sie das Bedürfnis,<br>ein eigenes Studio aufzubauen und wird in kürzester Zeit zu einer etablierten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a><br>in Paris.<br>Ein Faktor mag hier auch gewesen sein, dass es zwischen Man Ray und Lee Miller auch reichlich<br>und regelmäßig krachte.<br>Denn Man Ray, der eigentlich ja offene Beziehungen und freie Liebe propagierte, hatte so seine<br>Probleme, dass die schöne Lee sich nicht in einer monogamen Beziehung einsperren ließ.<br>Und so zofften die beiden sich regelmäßig, bis es irgendwann einfach auch mal zu viel<br>war.<br>1932 ist ihr die Szene in Paris ganz allgemein zu langweilig geworden.<br>Sie kehrt wieder nach Manhattan zurück und beschließt, den Erfolg des Fotostudios in<br>Paris in New York zu wiederholen.<br>Erfolgreich, innerhalb kürzester Zeit ist sie eine der gefragtesten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> der<br>Stadt.<br>Und nach nur drei Monaten zurück hat sie ihre erste große Ausstellung, in der es nur um<br>ihre Arbeiten geht.<br>Aber auch ihr zweites erfolgreiches Fotostudio hält sie nicht lange.<br>Als sie den Ägypter Aziz Bey kennenlernt und sich in ihn verliebt, beschließt sie<br>kurzerhand, ihr Leben in New York zu beenden und mit ihm nach Ägypten zu ziehen.<br>Die beiden heiraten und für Li beginnt eine Zeit, in der sie offiziell weder als Fotografe<br>noch sonst irgendwie professionell tätig ist.<br>Ihr Alltag besteht aus Reisen und Expeditionen in die Wüste und das Umland Ägyptens oder<br>aus Partys.<br>Nach wie vor ist Li trinkfest.<br>Sie gilt als fantastische Gastgeberin, wenn auch ein bisschen launisch, immer zwischen<br>glücklich und depressiv hin und her schwankend.<br>Die Fotografien, die sie in der Zeit fertig gehören, mit zu ihren künstlerischsten.<br>1937 war sie dann endgültig das Leben in Ägypten leid.<br>Eine Ausstellung brachte sie nach Paris, wo sie den Maler und Kurator Roland Penrose kennenlernte.<br>Was zunächst eine Kollaboration war, wurde schnell eine Affäre und so zog sie mit Billigung<br>ihres Ehemanns nach London in ein gemeinsames Apartment.<br>Und hier ist Li, als die Deutschen damit beginnen, London zu bombardieren.<br>Roland war einer der Freiwilligen, der während den Bombenangriffen der Deutschen die Stadt<br>patrouillierte und nach Brandherden Ausschau hielt und Li begleitete ihn.<br>Und die Lebensgefahr, die andere vielleicht dazu gebracht hätte, sich zu vergriechen,<br>war für sie wie ein Lebenselixier.<br>Ihr war sofort klar, sie wollte dahin, wo die Action war.<br>Die Gefahr nicht meiden, sondern die Gefahr suchen.<br>Freunde und Familie war entsetzt.<br>Aber wie schon bei Man Ray, ließ Li sich nicht von einem einmal gefassten Plan und<br>einer Entscheidung abbringen.<br>Sie begann damit, praktisch täglich bei Vogue anzufragen, ob die nicht Verwendung für eine<br>Kriegskorrespondentin hätten.<br>Und beginnt damit auf eigene Faust die Bombenangriffe während dem sogenannten Blitz zu dokumentieren.<br>Es sind ihre Fotos und ihre Hartnäckigkeit, die er dann letztlich eine Akkreditierung<br>als offizielle <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografin</a> für die Condé Nast Publishing Group einbringt.<br>Es gab einige Frauen, die für die US Army fotografierten, aber es waren nicht viele.<br>Und Action zu sehen war fast ausgeschlossen, denn die US Army hatte ganz grundsätzlich<br>die Regel, dass Frauen nicht in Kriegshandlungen geschickt wurden.<br>Und so fotografiert sie zunächst die Soldaten, die im Einsatz am D-Day gewesen waren und<br>jetzt in einem Übergangslazarett auf ihren Abtransport warteten.<br>Sie lernt den Time-Live-Fotografen David E.<br>Sherman kennen, der auch für eine Weile dann ihr Lebensgefährte werden soll, und beschließt,<br>dass sie dahin will, wo gekämpft wird.<br>Zur Not wird sie hintrampen.<br>Und genau diesen Plan setzen die beiden dann auch in die Tat um.<br>Nicht lange und Lee hat sich einen Ruf bei den Soldaten als mindestens so kampferprobt<br>und kampffest wie ihre Kameraden eingehandelt.<br>Und so wird ihr forsches Vorgehen von der Armee geduldet.<br>Sie und Sherman sind es dann auch, die zum Beispiel den ersten Einsatz von Napaim in<br>Europa dokumentieren.<br>Sie dokumentiert die Befreiung von Paris oder die Einnahme von Adolf Hitlers Berghof auf<br>dem Obersalzberg im Berchtesgaden.<br>Ihre Fotos entwickelt sie selbst in der Badewanne.<br>Und besonders die US-Vogue widmet ihr große Artikelstrecken, deren Bilder sie beisteuert<br>und deren Text sie komplett verfasst.<br>Und jetzt kommen wir zu dem Foto, das ich in der Einleitung erwähnt habe.<br>Es ist der 30.<br>April 1945.<br>Lee Miller und David Sherman sind in München.<br>Die Stadt ist praktisch dem Erdbodengeich gemacht.<br>Aber es gibt ein Haus, in dem noch fließendes, warmes Wasser ist.<br>Und so beschließen die beiden, dort ein Bad zu nehmen.<br>Als sie das Haus betreten, finden sie auch heraus, warum es das einzige Haus weit und<br>breit mit fließendem, warmen Wasser und Strom ist.<br>Denn es handelt sich um ein Privathaus von Adolf Hitler persönlich.<br>Und so beschließen die beiden nicht nur ein Bad zu nehmen, sondern dieses Bad auch fotografisch<br>zu dokumentieren.<br>Die Aufnahme zeigt Lee Miller in der Badewanne sitzend.<br>Es gibt ein analoges zweites Bild, in dem David Sherman auch ein Bad nimmt.<br>Auf den ersten Blick könnte man diese Aufnahme für einen Schnappschuss halten.<br>Aber auf den zweiten Blick wird klar, dass Lee Miller ihre Fotos als die Künstlerin,<br>die sie war, gezielt komponiert hat.<br>Und dieses Bild ist keine Ausnahme.<br>So steht zum Beispiel ein Foto Adolf Hitlers mit an der Badewanne.<br>Das bekannteste Bild des Diktators.<br>Aber noch viel wichtiger, direkt vor der Badewanne hat sie ihre US-Army-Stiefel abgestellt.<br>Und diese Kombi aus dem per Foto anwesenden Führer und den abgestellten US-Boots machen<br>aus diesem Foto eben mehr als nur einen Schnappschuss.<br>Das ist ein Foto, das nur Sieger machen können.<br>Es dokumentiert eine Machtumkehr.<br>Die Aufnahme von David Sherman zeigt außerdem noch den Duschkopf über ihm.<br>Sherman selbst ist Jude und der Duschkopf steht symbolisch für die als Gemeinschaftsduschen<br>getarnten Gaskammern der Nazis.<br>Und die hatte Lee Miller inklusive der Gräuel, die in den KZs zu sehen waren, nur zu Genüge<br>dokumentiert.<br>Sie ist vor Ort, als die KZs Buchenwald und Dachau befreit werden.<br>Während diesen Befreiungsaktionen sind ja einige Fotografinnen und Fotografen mit dabei<br>und dokumentieren.<br>Aber die meisten versuchen sich vor dem Grauen zu schützen und halten Abstand.<br>Lee geht mit ihrer Rolleiflex-Kamera ganz nah ran und macht Fotos, die sich ins Gehirn<br>brennen.<br>Lee macht diese Fotos, um die Deutschen zum Hinschauen zu zwingen und den Amerikanern<br>zu zeigen, dass sie das Richtige getan haben, als sie sich in den <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> eingemischt haben.<br>Als der <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> vorbei ist, kehrt Lee nach England zurück.<br>Ihr Lebensgefährte aus der Anfangszeit des Krieges, Roland Penrose, hatte seinen Wehrdienst<br>überlebt und die beiden nehmen den Faden da auf, wo er durch die Kriegsgeschehnisse<br>abgetrennt worden war.<br>Sie ziehen aufs Land, erst in ein Cottage, dann in eine Farm.<br>Roland Penrose hatte sich immer vorgestellt, wie es denn sein würde, als Farmer unabhängig<br>von anderen zu sein.<br>Hatte allerdings keinerlei Begabung oder Wissen in dem Bereich.<br>Außerdem ist er ja zunächst mal Galerist, Kunstsammler und Kurator und gibt diesen Beruf<br>auch nicht auf.<br>Und so wird aus der Farm weniger ein Agrarbetrieb, als eher eine Art Künstlerkolonie mit Menschen,<br>die außerdem noch wissen, wie man einen Garten anlegt.<br>Die beiden heiraten und 1947 wird der Sohn Anthony geboren.<br>Die zieht sich komplett aus dem <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Bildjournalismus</a> zurück.<br>Sie fotografiert zwar hin und wieder, aber nicht mehr in offizieller Funktion.<br>Überhaupt hatten die Kriegsjahre tiefe Spuren bei ihr hinterlassen.<br>Sie hatte schon immer eine Tendenz zur Depression und Schwierigkeiten mit Leistungsdruck umzugehen.<br>Beides bekämpfte sie oft mit Alkohol und Partys und in den ersten Jahren nach dem Krieg<br>wird es ein Strudel, der sie zu verschlingen droht.<br>Was hilft, ist ihr Freundeskreis.<br>Inklusive ihrer ehemaligen Liebhaber.<br>Man Ray oder Aziz kommen regelmäßig vorbei.<br>Pablo Picasso geht in dem Haushalt ein und aus.<br>Und immer wenn Besuch da ist oder wenn Lee eine Party schmeißen kann,<br>blüht Lee auf und zeigt ihr charmantes Gewinnendes selbst.<br>Und es ist diese Zeit, in der Lee ein weiteres Mal beschließt, sich neu zu erfinden<br>und eine neue Leidenschaft entdeckt, nämlich das Kochen.<br>Ab jetzt dokumentiert sie mit ihren Reisen keine Kriegshandlungen mehr<br>oder fotografiert mit künstlerischem Anspruch.<br>Ab jetzt sind ihre Reisen dafür da, neue Rezepte zu lernen, neue Zutaten kennenzulernen,<br>Kochbücher zu kaufen, Gerichte zu testen.<br>Sie beschäftigt sich mit ihrem Kräutergarten mit geradezu religiösem Eifer<br>und die vielen Besucherinnen und Besucher freuen sich über regelmäßige Gelage und originelle Speisepläne.<br>Als sie mit ihren eigenen Gerichten anfängt, an Wettbewerben teilzunehmen,<br>ist sie wieder auf Titelseiten zu sehen.<br>Diesmal als Köchin.<br>Und sie gewinnt Preise für ihre Gerichte.<br>Anthony und Lee haben in der Zeit eine komplizierte Beziehung.<br>Aber später schreibt er in der Biografie über seine berühmte Mutter,<br>dass es diese Zeit als Köchin war, die sie vor dem endgültigen Absinken in Alkoholismus und Depression bewahrt hat.<br>Als Erwachsenes selbst heiratet und mit seiner jungen Frau in die Nähe zieht,<br>normalisiert sich die Beziehung der Mutter und des Sohnes.<br>Es wird freundlich respektvoll.<br>Was aber beim Lesen der Biografie wirklich faszinierend ist,<br>er selbst kannte seine Mutter gar nicht als Fotografin.<br>Er kannte seine Mutter als seine Mutter und als Köchin.<br>Und so schreibt er, dass er völlig überrascht davon war, wie viele Leben seine Mutter gelebt hat.<br>Ein Leben als Supermodel, bekannt über die Grenzen New Yorks hinaus.<br>Ein Leben als surreale Künstlerin, die mit Man Ray zusammen,<br>einem der berühmtesten Vertreter des Genres, stilprägend war.<br>Ein Leben als Unternehmerin und Fotografin in der Werbebranche,<br>mit mehreren nacheinander gegründeten erfolgreichen Fotostudios.<br>Ein Leben als Kriegsreporterin und als Journalistin.<br>Eine Frau, die die ganze Welt ausführlich bereist hat und der ein Leben in Ägypten,<br>in Saus und Braus nicht genug war, sondern die dann regelrechte Expeditionen in die Wüste organisiert hat.<br>Eine Frau, die mit Picasso eng befreundet war und sechsmal von ihm gemalt wurde.<br>Eine Frau, die immer ihrem Herz und ihrer Leidenschaft folgte<br>und damit für viele andere, die ihr nachfolgten, auch den Weg freigeräumt hat.<br>Lee stirbt am 21. Juni 1977 an Krebs.<br>Ihre Asche wird über dem Kräutergarten der Farm ausgestreut.<br>Und die Farm existiert bis heute.<br>Ihr Sohn Anthony hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihren Nachlass zu verwalten.<br>Und die Farm und das Anwesen ist das Kernstück.<br>Sie ist umgeben von einem Skulpturengarten und enthält einige Räume, die im Originalzustand belassen wurden.<br>Hier lagert Lee&#8217;s komplettes Bildarchiv und die beeindruckende Kunstsammlung des Ehepaars.<br>Da gehören natürlich Werke von Picasso dazu, aber auch Bilder von Miró, Man Ray natürlich, Max Ernst und andere.<br>Was bleibt, ist die Geschichte einer faszinierenden Frau.<br>Einer Frau, der es offensichtlich nicht gereicht hat, sich mit nur einem Lebensweg zu begnügen.<br>[Musik]<br>FotoMenschen<br>[Musik]<br>Leute, was für ein Ritt.<br>Ich habe jetzt 17 Minuten lang versucht, den Überblick über Lee Millers Leben zu geben<br>und dabei viele, viele Anekdoten ausgelassen.<br>Ihr Sohn Anthony hat eine ganz großartige Biografie mit vielen Originalzitaten aus Briefen<br>und anderen Dokumenten zusammengestellt.<br>Und ich habe auf YouTube einen einstündigen Vortrag von ihm gefunden, der das zusammenfasst,<br>den ich euch natürlich wie immer verlinken werde.<br>Ihre Fotografie und ihre Texte sind faszinierend.<br>Die Geschichte ihrer Beziehungen, besonders die spektakuläre Beziehung, die sie mit Man Ray zusammen hatte<br>und deren gemeinsames Werk.<br>Jedes einzelne Kapitel dieses Lebens könnte Bücherregale füllen.<br>Und deswegen hier nochmal der Aufruf, surft doch bei FotoMenschen.net vorbei.<br>Ich packe in die Notizen zur Sendung, wie immer, Hinweise auf Startpunkte, also Artikel, Videos, Bücher etc.<br>Wer schon mal da ist, kann ja gerne einen Kommentar hinterlassen.<br>Ich freue mich immer über Rückmeldung.<br>Und wer mir auf Social Media folgen will, wird auf FotoMenschen.net auch da fündig.<br>Da sind die Links zum Twitter-Kanal, zum Mastodon-Kanal, zu meiner Pixel-Fat-Fotosammlung etc. etc.<br>Ich finde übrigens, von all diesen Kanälen ist vermutlich der Mastodon-Kanal der reichhaltigste,<br>aber wählt einfach selbst.<br>Ansonsten, wer jetzt mehr Lust auf Geschichts-Inhalte oder auf Wissenschaftsinhalte hat,<br>da noch in eigener Sache Hinweis auf die zwei Netzwerke, in denen der Foto-Menschen-Podcast auch mitgeht ist,<br>nämlich einmal geschichtspodcast.de und wissenschaftspodcast.de.<br>Da gibt es mehr großartigen Podcast-Content, als ihr hören könnt.<br>Auch diese Links natürlich in der Webseite.<br>Und jetzt bleibt gesund, passt auf euch auf, danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Wer ist Erika Mustermann?</title>
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            <pubDate>Sun, 08 May 2022 13:48:31 GMT</pubDate>
            <description>Schon 1978 tauche eine gewisse Renate Mustermann auf Beispieldrucken und Kampagnen der Bundesdruckerei auf aber erst die 1982 auftauchende Erika wurde zu einer regelrechten Kultfigur.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Schon 1978 tauche eine gewisse Renate Mustermann auf Beispieldrucken und Kampagnen der Bundesdruckerei auf aber erst die 1982 auftauchende Erika wurde zu einer regelrechten Kultfigur. Mustermann (Wikipedia) Spiegel Geschichte – Wer ist Erika Mustermann? WeLT Kultur – Die kleine Kulturgeschichte des Passfotos Erika Mustermann, geboren in Damaskus (Süddeutsche Zeitung) Deutschlandfunk Nova – Die reale Erika Mustermann Geschichtspodcasts.de Fotomenschen – Mug Shots a la Bertillon Fotomenschen auf Mastodon: https://photog.social/@fotomenschen Transkript Der Zwang Reisepapiere haben zu müssen ist eine verhältnismäßig moderne Erfindung. Früher konnte man sich einfach so bewegen, allerdings war das mit Risiken verbunden und um die einzugrenzen, begann man schon früh Leuten, die in wichtigen Missionen unterwegs waren Geleitscheine mitzugeben. In solchen Geleitscheinen verlangten dann Fürsten oder andere Menschen, die im Zweifel viel Einfluss geltend machen konnten, dass dem Träger dieses Schreibens freies Geleit und Sicherheit gegeben werden sollte. Das war immer noch keine Garantie, Reisen war immer noch eine gefährliche Geschichte, aber man wollte sich halt nicht mit einem König anlegen, der ja potenziell über Armeen verfügte und damit stieg die Wahrscheinlichkeit, dass man bei Vorzeigen solcher Unterlagen auch auf den Schutz und das Geleit in fremden Ländern hoffen konnte. Die Person, die diesen Geleitschein ausstellte, wies sich durch ein Siegel aus. Und damit man jetzt den Träger identifizieren konnte und sicherstellen konnte, dass man diesen nicht einfach nur gestohlen hatte und damit unterwegs war, gab es in so einem Schreiben einen Absatz, in dem der Träger beschrieben wurde. Welche Haarfarbe, groß – klein, besondere Merkmale, wie z.B. Narben oder Tätowierungen etc. Das ist die Vorstufe zu modernen Reisepapieren. Sich nicht mit den Ausstellern des Schreibens anlegen zu wollen, sorgte für die Sicherheit, die Beschreibung sorgte dafür, dass man den Träger erkannte. 1839 lernte die Welt nun, wie man fotografierte oder wie es damals noch hieß: Daguerreotypien erstellte. Und wenige Jahre später wurde es dann auch möglich schnell genug zu belichten, dass man Menschen belichten konnte. Plötzlich war etwas in Reichweite, was bisher nur Adeligen vorbehalten war, nämlich ein Abbild von sich selbst machen zu lassen, ganz normale durchschnittliche Menschen konnten zu einem Daguerreotypist gehen und ein Bild von sich fertigen lassen und diese Bilder konnte man verschenken. Das war trotzdem immer noch relativ teuer, weil Daguerreotypien Einzelstücke waren und aus Silber aber schon das nächste sich durchsetzende Verfahren konnte dann Bilder auf Papier produzieren und beliebig oft vervielfältigt werden. Und damit kam nicht nur die Idee auf, Fotos von sich zu machen und zu verschenken, sondern eine regelrechte Mode. Menschen hatten sogenannte Cartes de Visites, also Visitenkarten. Das waren kleine Portraits auf der Rückseite, mit etwas Text ergänzte, die man an Besucher und Bekanntschaften weiterreichte. Und da dauerte es natürlich nicht lang, da fing man an diese Cartes de Visites auf zum Beispiel Passierscheine zu kleben. Natürlich waren diese Bilder von unterschiedlicher Qualität, die Menschen versuchten gut auszusehen und posierten für diese Fotos, mal waren es Oberkörperportraits mal Ganzkörperportraits und Retusche gehörte selbstverständlich zum Standardrepertoire damaliger Portraitfotograf/-innen. Will heißen es war manchmal ein Glücksspiel, ob man die Person auf der Cartes de Visites auch wirklich erkennen würde, wenn man sie auf der Straße antraf. Das änderte sich mit dem Aufkommen der biometrischen Fotografie. Hörerinnen und Hörer des Fotomenschen Podcast erinnern sich vielleicht noch an Alphonse Bertillon, der 1882 als Erster ein detailliertes System entwarf, mit dem biometrische Fotografien für den Polizeigebrauch festhalten konnte, er überzeugte dama</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Schon 1978 tauche eine gewisse Renate Mustermann auf Beispieldrucken und Kampagnen der Bundesdruckerei auf aber erst die 1982 auftauchende Erika wurde zu einer regelrechten Kultfigur.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mustermann" target="_blank">Mustermann</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/passbild-phantom-a-947533.html" target="_blank">Spiegel Geschichte &#8211; Wer ist Erika Mustermann?</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/kultur/article8736199/Die-kleine-Kulturgeschichte-des-Passfotos.html" target="_blank"> WeLT Kultur &#8211; Die kleine Kulturgeschichte des Passfotos</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.sueddeutsche.de/politik/passbild-aus-damaskus-1.2776534" target="_blank">Erika Mustermann, geboren in Damaskus</a> (Süddeutsche Zeitung)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/durchschnitt-die-reale-erika-mustermann" target="_blank">Deutschlandfunk Nova &#8211; Die reale Erika Mustermann</a></li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://geschichtspodcasts.de/not-found/404" target="_blank">Geschichtspodcasts.de</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" "/posts/mug-shots-a-la-bertillon.html" target="_blank">Fotomenschen &#8211; Mug Shots a la Bertillon</a></li></ul>

<ul><li>Fotomenschen auf Mastodon: <a href="https://photog.social/@fotomenschen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://photog.social/@fotomenschen</a></li></ul>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Der Zwang Reisepapiere haben zu müssen ist eine verhältnismäßig moderne Erfindung. Früher konnte man sich einfach so bewegen, allerdings war das mit Risiken verbunden und um die einzugrenzen, begann man schon früh Leuten, die in wichtigen Missionen unterwegs waren Geleitscheine mitzugeben. In solchen Geleitscheinen verlangten dann Fürsten oder andere Menschen, die im Zweifel viel Einfluss geltend machen konnten, dass dem Träger dieses Schreibens freies Geleit und Sicherheit gegeben werden sollte.</p>

<p>Das war immer noch keine Garantie, Reisen war immer noch eine gefährliche Geschichte, aber man wollte sich halt nicht mit einem König anlegen, der ja potenziell über Armeen verfügte und damit stieg die Wahrscheinlichkeit, dass man bei Vorzeigen solcher Unterlagen auch auf den Schutz und das Geleit in fremden Ländern hoffen konnte. Die Person, die diesen Geleitschein ausstellte, wies sich durch ein Siegel aus. Und damit man jetzt den Träger identifizieren konnte und sicherstellen konnte, dass man diesen nicht einfach nur gestohlen hatte und damit unterwegs war, gab es in so einem Schreiben einen Absatz, in dem der Träger beschrieben wurde. Welche Haarfarbe, groß &#8211; klein, besondere Merkmale, wie z.B. Narben oder Tätowierungen etc. Das ist die Vorstufe zu modernen Reisepapieren.</p>

<p>Sich nicht mit den Ausstellern des Schreibens anlegen zu wollen, sorgte für die Sicherheit, die Beschreibung sorgte dafür, dass man den Träger erkannte.</p>

<p>1839 lernte die Welt nun, wie man fotografierte oder wie es damals noch hieß: Daguerreotypien erstellte. Und wenige Jahre später wurde es dann auch möglich schnell genug zu belichten, dass man Menschen belichten konnte. Plötzlich war etwas in Reichweite, was bisher nur Adeligen vorbehalten war, nämlich ein Abbild von sich selbst machen zu lassen, ganz normale durchschnittliche Menschen konnten zu einem Daguerreotypist gehen und ein Bild von sich fertigen lassen und diese Bilder konnte man verschenken. Das war trotzdem immer noch relativ teuer, weil Daguerreotypien Einzelstücke waren und aus Silber aber schon das nächste sich durchsetzende Verfahren konnte dann Bilder auf Papier produzieren und beliebig oft vervielfältigt werden. Und damit kam nicht nur die Idee auf, Fotos von sich zu machen und zu verschenken, sondern eine regelrechte Mode. Menschen hatten sogenannte Cartes de Visites, also Visitenkarten. Das waren kleine Portraits auf der Rückseite, mit etwas Text ergänzte, die man an Besucher und Bekanntschaften weiterreichte. Und da dauerte es natürlich nicht lang, da fing man an diese Cartes de Visites auf zum Beispiel Passierscheine zu kleben. Natürlich waren diese Bilder von unterschiedlicher Qualität, die Menschen versuchten gut auszusehen und posierten für diese Fotos, mal waren es Oberkörperportraits mal Ganzkörperportraits und Retusche gehörte selbstverständlich zum Standardrepertoire damaliger Portraitfotograf/-innen. Will heißen es war manchmal ein Glücksspiel, ob man die Person auf der Cartes de Visites auch wirklich erkennen würde, wenn man sie auf der Straße antraf.</p>

<p>Das änderte sich mit dem Aufkommen der biometrischen Fotografie. Hörerinnen und Hörer des Fotomenschen Podcast erinnern sich vielleicht noch an Alphonse Bertillon, der 1882 als Erster ein detailliertes System entwarf, mit dem biometrische Fotografien für den Polizeigebrauch festhalten konnte, er überzeugte damals durch seine Ermittlungserfolge und zeigte damit anschaulich, dass es sinnvoll war zu standardisieren, wenn man für etwas anderes als Selbstdarstellung fotografierte. Und das war so einleuchtend, dass rund um den Erdball Regierungen damit begannen, ihren Bürgern entsprechende Ausweispapiere auszuhändigen und zu verlangen, dass da ein Foto einzukleben sei. In Deutschland war es 1885 soweit, sicherlich nicht überall, sicherlich nicht zu jedem Zweck, aber mehr und mehr wurden Bestimmungen erlassen, die solche Fotografien in Ausweispapieren verpflichtend machten. Als die Nazis in Deutschland an die Macht kamen, war der mit Bild versehene Personalausweis schon sehr verbreitet, aber verpflichtend war er nicht, das änderten die Nazis. Am 10. September 1939 erscheint das Reichsgesetzblatt zur Verordnung über den Pass und Sichtvermerkszwangs, sowie über den Ausweiszwang, ab jetzt war es Pflicht. Und natürlich gab es von Anfang an Vorgaben, wie diese Bilder auszusehen hatten. Und natürlich hielten moderne Reiseunterlagen mit der Entwicklung Schritt, waren die am Anfang buchstäblich Reisepapiere, also aus Papier, beschloss man in den 80ger Jahren des letzten Jahrhunderts, dass Plastik das wesentlich robustere Material war. Und so erteilte die damalige Bundesregierung der Bundesdruckerei den Auftrag einen neuen Perso aufzulegen, der sollte in Plastik eingeschweißt sein und damit wesentlich widerstandsfähiger werden. Die Druckerei erarbeitete ein Konzept und begann damit, die Öffentlichkeit zu informieren.</p>

<p>Um das gute Stück zeigen zu können, wurde ein Muster erzeugt, ein Beispielausweis. Und der musste natürlich irgendjemanden zeigen und das war die Geburtsstunde von Erika Mustermann. Laut ihren Unterlagen ist sie am 12.09.45 in München geboren, Deutsch und ist wohl verheiratet, denn ihr Geburtsname ist Gabler, ca. 1,60m groß, grüne Augen, blonde Haare. Die Idee eine fiktive Person für Beispieldrucke zu verwenden war nicht neu, es gab schon seit ungefähr fünf Jahren eine Renate Mustermann, aber irgendwie hatte Renate es nie geschafft, die Fantasie der Deutschen so anzuregen, wie Erika. Die Bundesdruckerei begann ihre Kampagne und mit ihr die Boulevardpresse ihre Recherche, wer sich denn hinter Erika Mustermann verbarg.</p>

<p>Ergebnis der Recherchen: Es war wohl eine Mitarbeiterin der Bundesdruckerei und auch Folgemodels wurden so rekrutiert. Als 1997 die Passfotos farbig wurden, gab es eine neue Erika Mustermann, und auch 2001 als Hologramme eingeführt wurden und 2005 als der Perso im Scheckkartenformat ausgegeben wurde, hatten wir jeweils neue Erikas auf den Mustern. Keine dieser Erikas reichte aber an den Erfolg dieser allerersten Erika Mustermann heran, die Bundesdruckerei wurde mit Fanpost geflutet, Männer machten Erika einen Heiratsantrag, es gab Interviewanfragen und der Name an sich wurde natürlich auch übernommen. Suchte man danach findet man diverse Kampagnen, die mal mit mal über Erika Mustermann informieren, z.B. hat das Bundesministerium mit dem Titel &#8222;Erika hat nen neuen&#8220; in damaligen sozialen Netzwerken wie beispielsweise StudiVZ und SchülerVZ über den neuen Perso informiert.</p>

<p>Und natürlich blieb es nicht bei Erika Mustermann, es gibt das männliche äquivalent: Max Mustermann, 2010 behauptete die TAZ der Adoptivvater von Erika Mustermann hieße Franz Xaver Gabler. Auf den Mustern des EU-Führerscheins gibt es eine Anne Mustermann oder im Kinderreisepass kann man einen Leon Mustermann finden.</p>

<p>Wer jetzt auf die Suche nach Leuten, die wirklich Mustermann heißen geht, wird feststellen, die gibts, allerdings keine Erika Mustermann. Man findet einen Eintrag Erika Mustermann im Augsburger Telefonbuch, der verweist aber auf eine ehemalige Aussteigerkommune, die den Namen irgendwanneinmal eingetragen hat, um sich die An- und Abmelderei ihrer wechselnden Mitglieder zu sparen. Aber einen Max Mustermann, den gibts es tatsächlich, aber nur einen.</p>

<p>Den hatten seine Eltern Max getauft, noch bevor Max Mustermann der de facto Standard unter den männlichen Musterfiguren war und er behauptet, er mag seinen Namen, auch wenn er praktisch bei allen Telefonaten, bei denen er sich vorstellt, im Verdacht steht, seinen gegenüber gerade verarschen zu wollen. Die aktuelle Erika ist übrigens seit 2010 unverändert auf offiziellen Musterdrucken zu sehen. Ich bin ja mal gespannt, ob sich da nicht auch demnächst wieder mal eine neue Mitarbeiterin der Bundesdruckerei vor die Kamera stellen darf. Ist ja langsam schon wieder überfällig.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Der Fotograf der Fotografen</title>
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            <pubDate>Sun, 24 Apr 2022 19:24:18 GMT</pubDate>
            <description>Henri Cartier-Bresson wird von manchen als der größte Fotograf des 20. Jahrhunderts bezeichnet, einen Titel den er fast schon ärgerlich zurückweist... Er selbst sah sich nicht einmal als Fotograf.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Henri Cartier-Bresson wird von manchen als der größte Fotograf des 20. Jahrhunderts bezeichnet, einen Titel den er fast schon ärgerlich zurückweist… Er selbst sah sich nicht einmal als Fotograf. Henri Cartier-Bresson (Wikipedia) André Lhote (Wikipedia) Martine Franck (Wikipedia) Magnum Photos (Wikipedia) Humanist photography (Wikipedia) Mit kahl rasiertem Schädel (Der Tagesspiegel) Behind the Gare Saint Lazare by Henri Cartier Bresson (1932) (about photography blog) MAGNUM – Fifty Years at the Front Line of History (kostenlos auf Archive.Org einsehbar) Die Beziehung zwischen Auge und Herz (Spiegel) Pinterest HCB Titelbild: By Martine Franck / Magnum Photos / Fondation HCB – http://www.henricartierbresson.org/en/hcb/, Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=33722890</itunes:summary>
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<p>Henri Cartier-Bresson wird von manchen als der größte Fotograf des 20. Jahrhunderts bezeichnet, einen Titel den er fast schon ärgerlich zurückweist&#8230; Er selbst sah sich nicht einmal als Fotograf. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Henri_Cartier-Bresson" target="_blank">Henri Cartier-Bresson</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Andr%C3%A9_Lhote" target="_blank">André Lhote</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Martine_Franck" target="_blank">Martine Franck</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Magnum_Photos" target="_blank">Magnum Photos</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Humanist_photography" target="_blank">Humanist photography</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.tagesspiegel.de/kultur/mit-kahl-rasiertem-schadel-1686988.html" target="_blank">Mit kahl rasiertem Schädel</a> (Der Tagesspiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://aboutphotography.blog/blog/2019/9/30/behind-the-gare-saint-lazare-by-henri-cartier-bresson-1932" target="_blank">Behind the Gare Saint Lazare by Henri Cartier Bresson (1932)</a> (about photography blog)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://archive.org/details/magnumfiftyyears0000mill_x9h2" target="_blank">MAGNUM &#8211; Fifty Years at the Front Line of History</a> (kostenlos auf Archive.Org einsehbar)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/fotostrecke/fotografie-legende-cartier-bresson-die-beziehung-zwischen-auge-und-herz-fotostrecke-803.html" target="_blank">Die Beziehung zwischen Auge und Herz</a> (Spiegel)</li><li><a href="https://de.pinterest.com/tracyene/henri-cartier-bresson/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pinterest HCB</a></li></ul>

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<p>Titelbild: By Martine Franck / Magnum Photos / Fondation HCB &#8211; http://www.henricartierbresson.org/en/hcb/, Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=33722890</p>]]></content:encoded>
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            <title>Der Einarmige Fotopoet</title>
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            <pubDate>Sun, 03 Apr 2022 16:09:59 GMT</pubDate>
            <description>Josef Sudek verlor in jungen Jahren als Soldat im ersten Weltkrieg einen Arm.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Josef Sudek verlor in jungen Jahren als Soldat im ersten Weltkrieg einen Arm. Vom Fotografieren hielt ihn das jedoch nicht ab und aus ihm wurde statt einem Buchbinder einer der beeindruckendsten Meister des Lichts der Geschichte. Josef Sudek (Wikipedia) Die Romantik des Lichts (Prager Sezession) Tschechien (Wikipedia) Veitsdom (Wikipedia) IfA Tonwoche Nr. 446 vom 22.3.1939 Josef Sudek (2001, Ian Jeffrey) (Buch auf Archive.org) Josef Sudek : poet of Prague : a photographer’s life (Biografie von Anna Farova, Buch auf Archive.org) Pinterest Pinboard mit 32 Bildern von Josef Sudek #HiStorytelling ( https://geschichtspodcasts.de ) Bildquelle: By Miloň Novotný – Alena Novotná, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48260238 Musik: Public Domain, https://musopen.org/music/25719-ma-vlast-vltava-the-moldau/</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Josef Sudek verlor in jungen Jahren als Soldat im ersten Weltkrieg einen Arm. Vom Fotografieren hielt ihn das jedoch nicht ab und aus ihm wurde statt einem Buchbinder einer der beeindruckendsten Meister des Lichts der Geschichte. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Sudek" target="_blank">Josef Sudek</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="http://prager-sezession.de/josef-sudek/" target="_blank">Die Romantik des Lichts</a> (Prager Sezession)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschechien" target="_blank">Tschechien </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Veitsdom" target="_blank">Veitsdom </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://archive.org/details/1939-03-22-UfA-Tonwoche-Nr.446" target="_blank">IfA Tonwoche Nr. 446 vom 22.3.1939</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://archive.org/details/josefsudek00jeff" target="_blank">Josef Sudek (2001, Ian Jeffrey)</a> (Buch auf Archive.org)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://archive.org/details/josefsudekpoetof0000sude" target="_blank">Josef Sudek : poet of Prague : a photographer&#8217;s life</a> (Biografie von Anna Farova, Buch auf Archive.org)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.pinterest.com/tedforbes/josef-sudek/" target="_blank">Pinterest Pinboard mit 32 Bildern von Josef Sudek</a></li></ul>

<ul><li>#HiStorytelling (<a href="https://geschichtspodcasts.de/not-found/404" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://geschichtspodcasts.de</a>) </li></ul>

<div class="yt-facade" data-yt="oe5p3n65R7M" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_oe5p3n65R7M.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="OZG7eqoVKQY" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_OZG7eqoVKQY.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="K-7FrqGnn9Y" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_K-7FrqGnn9Y.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<p>Bildquelle: By Miloň Novotný &#8211; Alena Novotná, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48260238</p>

<p>Musik: Public Domain, https://musopen.org/music/25719-ma-vlast-vltava-the-moldau/</p>]]></content:encoded>
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        </item>
        <item>
            <title>Fotomenschen meets Herstory: Dorothea Lange, Fotografin der Großen Depression</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/fotomenschen-meets-herstory-dorothea-lange-fotografin-der-grossen-depression.html</link>
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            <pubDate>Mon, 14 Mar 2022 09:38:31 GMT</pubDate>
            <description>Dorothea Lange hatte bereits eine erfolgreiche Karriere als Studiofotografin als sie anfängt die von den Umwälzungen der Weltwirtschaftskrise betroffenen Menschen zu fotografieren und schließlich im...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Dorothea Lange hatte bereits eine erfolgreiche Karriere als Studiofotografin als sie anfängt die von den Umwälzungen der Weltwirtschaftskrise betroffenen Menschen zu fotografieren und schließlich im Auftrag der Farm Security Administration die USA bereist und dokumentarisch fotografiert. Ihr Foto „Migrant Mother“ gilt bis heute als das Foto mit dem höchsten Wiedererkennungswert aus der Zeit. Diese Folge ist ein Crossover mit dem Podcast Herstory: Starke Frauen der Geschichte , alle Abomöglichkeiten zum Beispiel hier . Dorothea Lange (Wikipedia) Dorothea Lange Digital Archive (at Oakland Museum of California) Dorothea Lange’s Yakima Valley Photographs Florence Owens Thompson aka „Migrant Mother“ (Wikipedia) Dust Bowl (Wikipedia) Farm Security Administration (Wikipedia) Documenting America, 1935-1943: The Farm Security Administration/Office of War Information Photo Collection (Library of Congress) Fotografin Dorothea Lange Die Wirklichkeit zu Sinnbildern verdichtet (Deutschlandfunk) Spiegel Fotograllerie – Wie Kinder unter der Großen Depression litten Internierung japanischstämmiger Amerikaner (Wikipedia) US-Japanerin: „Das will niemand hören“ (Deutschlandfunk) Ansel Adams’s Photographs of Japanese-American Internment at Manzanar (Library of Congress) Ansel Adams (Wikipedia) Imogen Cunningham (Wikipedia) Marion Post Wolcott (Wikipedia) Dorothea Lange and the Afterlife of Photographs (Aperture) Spiegel – Great Depression: Das Fanal von 1929 Buchhinweise: Dorothea Lange: A Life Beyond Limits The Worst Hard Time: The Untold Story of Those Who Survived the Great American Dust Bowl New Deal Photography. USA 1935 - 1943</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<div><figure class="alignright size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/b3dd396a-23f6-4282-b5f1-dfb1766fd6b7-1024x1024.jpg" alt="Eine Büste eines Mannes steht neben dunklen Bücherregalen voller alter Bücher und trägt den Titel „History Her Story“." width="309" height="309" /></figure></div>

<p>Dorothea Lange hatte bereits eine erfolgreiche Karriere als Studiofotografin als sie anfängt die von den Umwälzungen der Weltwirtschaftskrise betroffenen Menschen zu fotografieren und schließlich im Auftrag der Farm Security Administration die USA bereist und dokumentarisch fotografiert. Ihr Foto &#8222;Migrant Mother&#8220; gilt bis heute als das Foto mit dem höchsten Wiedererkennungswert aus der Zeit. </p>

<p>Diese Folge ist ein Crossover mit dem Podcast <a href="https://herstorypod.de/">Herstory: Starke Frauen der Geschichte</a>, alle <a href="https://fyyd.de/podcast/herstory-starke-frauen-der-geschichte/0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Abomöglichkeiten zum Beispiel hier</a>. </p>

<div><figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Dorothea_Lange_atop_automobile_in_California_restored_cropped-704x1024.jpg" alt="Eine Frau mit dunklem Haar sitzt auf einem Fahrzeug und hält mehrere braune Ordner." width="284" height="413" /></figure></div>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dorothea_Lange" target="_blank">Dorothea Lange</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://dorothealange.museumca.org/" target="_blank">Dorothea Lange Digital Archive</a> (at Oakland Museum of California)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://depts.washington.edu/depress/Dorothea_Lange_collection.shtml" target="_blank">Dorothea Lange&#8217;s Yakima Valley Photographs</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Florence_Owens_Thompson" target="_blank">Florence Owens Thompson aka &#8222;Migrant Mother&#8220;</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dust_Bowl" target="_blank">Dust Bowl</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Farm_Security_Administration" target="_blank">Farm Security Administration</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.loc.gov/search/?fa=partof:journeys+and+crossings" target="_blank">Documenting America, 1935-1943: The Farm Security Administration/Office of War Information Photo Collection</a> (Library of Congress)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.deutschlandfunk.de/fotografin-dorothea-lange-die-wirklichkeit-zu-sinnbildern-100.html" target="_blank">Fotografin Dorothea Lange Die Wirklichkeit zu Sinnbildern verdichtet</a> (Deutschlandfunk)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/fotostrecke/wirtschaftskrise-in-den-usa-die-kinder-der-depression-fotostrecke-138051.html" target="_blank">Spiegel Fotograllerie &#8211; Wie Kinder unter der Großen Depression litten</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Internierung_japanischst%C3%A4mmiger_Amerikaner" target="_blank">Internierung japanischstämmiger Amerikaner</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.dw.com/de/us-japanerin-das-will-niemand-h%C3%B6ren/a-19291777" target="_blank">US-Japanerin: &#8222;Das will niemand hören&#8220;</a> (Deutschlandfunk)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.loc.gov/pictures/collection/manz/" target="_blank">Ansel Adams&#8217;s Photographs of Japanese-American Internment at Manzanar</a> (Library of Congress)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ansel_Adams" target="_blank">Ansel Adams</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Imogen_Cunningham" target="_blank">Imogen Cunningham</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Marion_Post_Wolcott" target="_blank">Marion Post Wolcott</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://aperture.org/editorial/dorothea-lange-moma-exhibition/" target="_blank">Dorothea Lange and the Afterlife of Photographs</a> (Aperture)</li><li><a href="https://www.spiegel.de/geschichte/grosse-depression-a-948424.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Spiegel &#8211; Great Depression: Das Fanal von 1929</a></li></ul>

<p>Buchhinweise:</p>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/039333905X" target="_blank" rel="noopener">Dorothea Lange: A Life Beyond Limits</a></p>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/0618773479" target="_blank" rel="noopener">The Worst Hard Time: The Untold Story of Those Who Survived the Great American Dust Bowl</a></p>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/3836537117" target="_blank" rel="noopener">New Deal Photography. USA 1935 - 1943</a></p>

<figure>
<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1280" height="1251" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/1280px-Farmer_walking_in_dust_storm_Cimarron_County_Oklahoma2.jpg" alt="Mehrere Personen stehen vor einem baufälligen Holzgebäude auf einer staubigen, offenen Ebene unter einem grauen Himmel." /></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="730" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Dust-storm-Texas-1935.png" alt="Mehrere hölzerne Gebäude stehen auf einem Feld und sind teilweise von dichtem Rauch oder Nebel verdeckt." /></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="700" height="525" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Wea01422.jpg" alt="Schwarz-Weiß-Foto eines Staubsturms, der auf Spearman, Texas, zukommt, mit Strommasten im Vordergrund und dem Datum 14. April 1935 am unteren Rand."/></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1920" height="1440" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/1920px-Dust_Bowl_-_Dallas_South_Dakota_1936.jpg" alt="Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme verstreuten landwirtschaftlichen Schrotts, darunter Wagenräder, auf einer ariden Ebene mit alten Holzhäusern im Hintergrund unter einem hellen Himmel." /></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1920" height="1429" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Dust_bowl_Texas_Panhandle_TX_fsa.8b27276_edit.jpg" alt="Die Straße erstreckt sich unter einem sehr dunklen Himmel; rechts verläuft ein Zaun und in der Ferne sind zwei Fahrzeuge zu erkennen." /></figure>
</figure>

<figure>
<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="814" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Migrant_agricultural_workers_family_Nipomo_California_ppmsca03054u-1024x814.jpg" alt="Fünf Personen sitzen in einem großen Zelt, das auf einer Wiese vor einer Reihe von Bäumen aufgebaut ist." /></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="741" height="578" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Additional_image_from_Migrant_Mother_series_from_Oakland_Museum_Collection_01.jpg" alt="Ein großes Zelt aus Segeltuch steht auf einem offenen Feld und beherbergt mehrere Personen, die in der Nähe gestapelter Holzkisten sitzen."/></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="791" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/1024px-Migrant_Mother_sequence_by_Dorothea_Lange_8b29525u-791x1024.jpg" alt="Eine Frau sitzt neben einem Zeltvorhang und hält einen Säugling, während ein älteres Kind hinter ihr steht; im Vordergrund befindet sich eine Kiste mit einem flachen Teller." /></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="796" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Migrant_Mother_alternative_version_LOC_fsa.8b29523-1024x796.jpg" alt="Eine Frau hält ein Baby, während ein älteres Kind neben ihr unter einem Unterstand steht." /></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="783" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Additional_image_from_Migrant_Mother_series_from_Oakland_Museum_Collection_02.jpg" alt="Zwei Frauen und ein Baby stehen vor einem Zelt; die links stehende Frau lächelt, während die andere eine Säugling trägt." /></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="600" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Migrant_Mother_1936_2.jpg" alt="Eine Frau sitzt vor einem Zelt und hält zwei Babys, eines an der Brust und das andere in einem Tuch auf ihrem Schoß." /></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="788" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Lange-MigrantMother02-1-788x1024.jpg" alt="Ein Schwarz-Weiß-Porträt zeigt drei Frauen, von denen die zentrale Figur mit der Hand das Kinn stützt und direkt in die Kamera blickt." /></figure>
</figure>]]></content:encoded>
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        <item>
            <title>Der Flug des Adlers</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/der-flug-des-adlers.html</link>
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            <pubDate>Sun, 20 Feb 2022 14:48:24 GMT</pubDate>
            <description>Schon die ersten Fotograf:innen waren fasziniert von der Idee Aufnahmen aus luftiger Höhe zu fertigen und so dauerte es nicht lange bis verwegene Zeitgenossen sich auf allerlei selbstkonstruiertes...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Schon die ersten Fotograf:innen waren fasziniert von der Idee Aufnahmen aus luftiger Höhe zu fertigen und so dauerte es nicht lange bis verwegene Zeitgenossen sich auf allerlei selbstkonstruiertes Fluggerät verließen um ihre Kameraausrüstungen in die Höhe zu hieven. James Wallace Black (Wikipedia) Boston, as the Eagle and the Wild Goose See It Balloonist Takes First Aerial Photograph Flight of the Giant (Smithonian) Nadar, Gaspard-Félix Tournachon (Wikipedia) Wer war Nadar? (kwerfeldein) Zweiter Aufstieg von Le Géant Salomon August Andrée (Wikipedia) Andrées Polarexpedition von 1897 (Wikipedia) Nils Strindberg (Wikipedia) Der Flug des Adlers, Film (Wikipedia) Die Expedition. Eine Liebesgeschichte: Wie ich das Rätsel einer Polartragödie löste Der Flug des Adlers / The Flight of the Eagle ( Ingenjör Andr es luftfärd ) [ Schwedische Import ] (Blu-Ray)</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Schon die ersten Fotograf:innen waren fasziniert von der Idee Aufnahmen aus luftiger Höhe zu fertigen und so dauerte es nicht lange bis verwegene Zeitgenossen sich auf allerlei selbstkonstruiertes Fluggerät verließen um ihre Kameraausrüstungen in die Höhe zu hieven. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/James_Wallace_Black" target="_blank">James Wallace Black</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.metmuseum.org/art/collection/search/283189" target="_blank">Boston, as the Eagle and the Wild Goose See It</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.massmoments.org/moment-details/balloonist-takes-first-aerial-photograph.html" target="_blank">Balloonist Takes First Aerial Photograph</a></li></ul>

<div><figure class="aligncenter"><img decoding="async" src="https://collectionapi.metmuseum.org/api/collection/v1/iiif/283189/604165/main-image" alt="Boston, as the Eagle and the Wild Goose See It, James Wallace Black (American, Francestown, New Hampshire 1825 - 1896 Cambridge, Massachusetts), Albumen silver print from glass negative "/></figure></div>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20241227115725/https://www.smithsonianmag.com/air-space-magazine/flight-of-the-giant-586517/" target="_blank">Flight of the Giant</a> (Smithonian)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nadar" target="_blank">Nadar, Gaspard-Félix Tournachon</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250319125659/https://kwerfeldein.de/2021/05/21/nadar/" target="_blank">Wer war Nadar?</a> (kwerfeldein)</li></ul>

<div><figure class="aligncenter"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/78/Daumier-nadar.jpg" alt="Ein Mann fliegt in einem Heißluftballon mit der Aufschrift „Photographie Nadar“, über einer städtischen Szene, die ebenfalls diese Beschriftung trägt."/></figure></div>

<figure><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9c/Paris_Instantan%C3%A9_-_Paris%2C_Champs_de_Mars%2C_Seconde_ascension_du_ballon_Le_G%C3%A9ant_de_Nadar.jpg" alt="Zwei Heißluftballons schweben über einer großen Menschenmenge auf einem offenen Platz, hinter dem die Silhouette von Gebäuden zu sehen ist."/><figcaption>Zweiter Aufstieg von Le Géant</figcaption></figure>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Salomon_August_Andr%C3%A9e" target="_blank">Salomon August Andrée</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Andr%C3%A9es_Polarexpedition_von_1897" target="_blank">Andrées Polarexpedition von 1897</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nils_Strindberg" target="_blank">Nils Strindberg</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Flug_des_Adlers" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Flug des Adlers, Film</a> (Wikipedia)</li></ul>

<figure>
<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="756" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Andrees_Station4-1024x756.jpg" alt="Ein großes, kuppelförmiges Gebäude im Bau steht in einer verschneiten Berglandschaft, wobei mehrere Personen am Fundament arbeiten und Flaggen wehen." /></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="550" height="381" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Balloon.hangar2.jpg" alt="Ein großer Innenraum mit einem gewölbten Dach, das von Seilen gestützt wird, zeigt im Vordergrund Reihen weißer Säcke und einige stehende Personen."/></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="353" height="287" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Eagle.moving.north_.png" alt="Ein großer, dunkler Ballon schwebt über einer Wasseroberfläche, wobei unten die Befestigungseile und ein Korb zu sehen sind."/></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="626" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Eagle-crashed-1024x626.jpg" alt="Eine große, kugelförmige Struktur dominiert die schneebedeckte Landschaft und ist durch gespannte Seile mit kleineren Gebäuden verbunden, bei denen mehrere Personen stehen." /></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="679" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Polar.bear_-1024x679.jpg" alt="Zwei Männer in Winterkleidung stehen auf Schnee und blicken zu einem liegend ruhenden Hund." /></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="710" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/S._A._Andrees_North_Pole_expedition_crew_1896-710x1024.png" alt="Drei Männer in dunklen Anzügen sind in einem Innenraum posiert, wobei einer links steht und zwei an einem Tisch in der Mitte und rechts sitzen." /></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="450" height="359" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Strindberg.sled_.jpg" alt="Ein körniges Schwarz-Weiß-Foto zeigt einen stehenden Mann links neben einem großen, abgedeckten Objekt auf dem Boden."/></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="272" height="366" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Svea.png" alt="Eine große, reflektierende schwarze Kugel dominiert den Mittelgrund vor einer Außenansicht mit niedrigen Gebäuden und verstreutem Schutt."/></figure>
</figure>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/3442754976" target="_blank" rel="noopener">Die Expedition. Eine Liebesgeschichte: Wie ich das Rätsel einer Polartragödie löste</a></p>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/B07T873WXF" target="_blank" rel="noopener">Der Flug des Adlers / The Flight of the Eagle ( Ingenjör Andr es luftfärd ) [ Schwedische Import ] (Blu-Ray)</a></p>]]></content:encoded>
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        </item>
        <item>
            <title>Die Schöne und das Biest?</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/die-schoene-und-das-biest.html</link>
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            <pubDate>Sun, 30 Jan 2022 16:22:07 GMT</pubDate>
            <description>1981 waren der Fotograf Richard Avedon und die Schauspielerin Nastassja Kinski auf den Höhepunkten ihrer Karrieren und trafen sich zu einem Fotoshooting in dem eine berühmtesten Aufnahme entstand die...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera 1981 waren der Fotograf Richard Avedon und die Schauspielerin Nastassja Kinski auf den Höhepunkten ihrer Karrieren und trafen sich zu einem Fotoshooting in dem eine berühmtesten Aufnahme entstand die bis heute immer wieder nachgeahmt wird. Stories of Iconic Artworks: Nastassja Kinski &amp; the Serpent, Beauty and The Beast (Artland) Richard Avedon (Wikipedia) Nastassja Kinski (Wikipedia) Interview: Nastassja Kinski – Still a Daddy’s Girl (Independent) Kinski über Polanski – ”Seine Frau und ich schreiben uns regelmäßig” (Welt) Nastassja and the Serpent (nastassja.kinski.us) Transkript Eigentlich wollte Richard Avedon Poet werden. Zumindest versuchte er das zu studieren an der Columbia University. Geboren und aufgewachsen in New York hatte er durch seine Eltern schon früh Zugang zur Modeindustrie und er war 12 als er zum ersten Mal eine Kamera in die Hand gedrückt bekam. Schriftsteller wollte er eigentlich auch werden, auf jeden Fall etwas mit Kunst. Naja, von all diesen Disziplinen wissen wir ja heute, wurde es letztlich die Fotografie, und zwar speziell die Modefotografie. Mitte des 20. Jahrhunderts, waren die Bildstrecken in großen Magazinen mit eine der Haupteinnahmequellen für Fotograf/-innen. Entertainment und Mode waren große Geschäftszweige und wer es schaffte sich entweder in Werbefotografie, in Modefotografie oder in dem großen Feld der Reportage zu etablieren konnte gutes Geld verdienen. Richard Avedon entschied sich früh für Mode, Magazine wie Vogue, Harper’s bazaar oder Life beauftragten ihn und es dauerte nicht lange und er fotografierte Stars und Sternchen. Seine Models waren lebhafter, dynamischer als der damals überwiegende Stil, der in den Magazinen gepflegt wurde. Er versuchte seinen Models nahezukommen, etwas Wahres, ein Stückchen ihrer Seele zu fotografieren und Richard Avedon war der Überzeugung, dass das geht. Dadurch wurden aus seinen Bildern allerdings Kunstwerke, es ging nicht nur noch um den Verkauf von Mode oder Accessoires oder um das Darstellen von Sternchen, sondern er versuchte einzigartige Motive zu schaffen. Diese Ideen trugen ihn über 5 Jahrzehnte Fotografie hinweg, Richard Avedon hatte Marylin Monroe und Hilary Clinton vor der Kamera. Und es entstanden viele berühmte Fotos. Für die Episode heute geht es mir um ein Foto, dass er 1981 machte. Avedon war von Vogue beauftragt worden, eine der heißesten Starletts der damaligen Zeit zu fotografieren: Nastassja Kinski. Die hatte mit ihren damals gerade mal 21 Jahren schon eine recht illustre Karriere und diverse Skandale hinter sich. Mit nur 13 Jahren hat sie ihre erste große Rolle in einem Film von Wim Wenders und macht Schlagzeilen, denn in diesem Film ist sie, als 13-jährige, oben ohne zu sehen. Was sie dann zwei Jahre später mit 15 in einem anderen Film durch eine komplette Nacktszene noch übertraf. Es muss auch dieses Jahr gewesen sein als sie Roman Polanski auf einer Party kennenlernt. Der rät ihr sich mit Method Acting zu beschäftigen, einer Schauspieltechnik, bei der man sich komplett in die Rolle fallen lässt und versucht diese auch im Alltag relativ intensiv weiter zu leben. Es kam das Gerücht auf, dass der damals 45 jährige Roman Polanski mit der gerade 15 Jahre alten Nastassja Kinski eine Liebesbeziehung anfing, eine Behauptung, die zu dem, was wir über Roman Polanski zu wissen glauben passt, die aber von beiden immer wieder bestritten wird. Nastassja Kinski jedenfalls reitet die Welle, sie ist nicht nur ein auftseigender Star in Hollywood und räumt einen Preis nach dem anderen ab, sie ist auch der feuchte Männertraum ihrer Generation. „Sex sells“ denkt sie sich, „Sex sells“ denken sich die Männer um sie herum und so wird sie gnadenlos von einer sexualisierten Industrie ausgenutzt, wobei die Grenze zwischen Ausnutzen und einer von ihr aktiv mit voran getriebenen Sexualisierung schwer zu ziehen ist. Sie ist jedenfalls auf dem Höhepunkt ihrer Modeling, Schauspiel </itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>1981 waren der Fotograf Richard Avedon und die Schauspielerin Nastassja Kinski auf den Höhepunkten ihrer Karrieren und trafen sich zu einem Fotoshooting in dem eine berühmtesten Aufnahme entstand die bis heute immer wieder nachgeahmt wird. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://magazine.artland.com/stories-of-iconic-artworks-nastassja-kinski-the-serpent/" target="_blank">Stories of Iconic Artworks: Nastassja Kinski &amp; the Serpent, Beauty and The Beast</a> (Artland)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Avedon" target="_blank">Richard Avedon</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nastassja_Kinski" target="_blank">Nastassja Kinski</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.independent.co.uk/life-style/interview-nastassja-kinski-still-a-daddy-s-girl-1241160.html" target="_blank">Interview: Nastassja Kinski &#8211; Still a Daddy&#8217;s Girl</a> (Independent)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/kultur/kino/article108564873/Seine-Frau-und-ich-schreiben-uns-regelmaessig.html" target="_blank">Kinski über Polanski &#8211; ”Seine Frau und ich schreiben uns regelmäßig”</a> (Welt)</li><li><a href="https://nastassja.kinski.us/nastassja-and-the-serpent/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nastassja and the Serpent</a> (nastassja.kinski.us)</li></ul>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="674" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/s-l1600-1024x674.jpg" alt="Eine Frau liegt mit zwei Schlangen, die über ihren Körper drapiert sind." /></figure>

<div class="yt-facade" data-yt="OlPCeufl6_I" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_OlPCeufl6_I.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<p>Transkript</p>

<p>Eigentlich wollte Richard Avedon Poet werden. Zumindest versuchte er das zu studieren an der Columbia University. Geboren und aufgewachsen in New York hatte er durch seine Eltern schon früh Zugang zur Modeindustrie und er war 12 als er zum ersten Mal eine Kamera in die Hand gedrückt bekam. Schriftsteller wollte er eigentlich auch werden, auf jeden Fall etwas mit Kunst. Naja, von all diesen Disziplinen wissen wir ja heute, wurde es letztlich die Fotografie, und zwar speziell die Modefotografie.</p>

<p>Mitte des 20. Jahrhunderts, waren die Bildstrecken in großen Magazinen mit eine der Haupteinnahmequellen für Fotograf/-innen. Entertainment und Mode waren große Geschäftszweige und wer es schaffte sich entweder in Werbefotografie, in Modefotografie oder in dem großen Feld der <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a> zu etablieren konnte gutes Geld verdienen.</p>

<p>Richard Avedon entschied sich früh für Mode, Magazine wie Vogue, Harper&#8217;s bazaar oder Life beauftragten ihn und es dauerte nicht lange und er fotografierte Stars und Sternchen. Seine Models waren lebhafter, dynamischer als der damals überwiegende Stil, der in den Magazinen gepflegt wurde.</p>

<p>Er versuchte seinen Models nahezukommen, etwas Wahres, ein Stückchen ihrer Seele zu fotografieren und Richard Avedon war der Überzeugung, dass das geht. Dadurch wurden aus seinen Bildern allerdings Kunstwerke, es ging nicht nur noch um den Verkauf von Mode oder Accessoires oder um das Darstellen von Sternchen, sondern er versuchte einzigartige Motive zu schaffen. Diese Ideen trugen ihn über 5 Jahrzehnte Fotografie hinweg, Richard Avedon hatte Marylin Monroe und Hilary Clinton vor der Kamera. Und es entstanden viele berühmte Fotos. Für die Episode heute geht es mir um ein Foto, dass er 1981 machte. Avedon war von Vogue beauftragt worden, eine der heißesten Starletts der damaligen Zeit zu fotografieren: Nastassja Kinski. Die hatte mit ihren damals gerade mal 21 Jahren schon eine recht illustre Karriere und diverse Skandale hinter sich. Mit nur 13 Jahren hat sie ihre erste große Rolle in einem Film von Wim Wenders und macht Schlagzeilen, denn in diesem Film ist sie, als 13-jährige, oben ohne zu sehen.</p>

<p>Was sie dann zwei Jahre später mit 15 in einem anderen Film durch eine komplette Nacktszene noch übertraf. Es muss auch dieses Jahr gewesen sein als sie Roman Polanski auf einer Party kennenlernt. Der rät ihr sich mit Method Acting zu beschäftigen, einer Schauspieltechnik, bei der man sich komplett in die Rolle fallen lässt und versucht diese auch im Alltag relativ intensiv weiter zu leben. Es kam das Gerücht auf, dass der damals 45 jährige Roman Polanski mit der gerade 15 Jahre alten Nastassja Kinski eine Liebesbeziehung anfing, eine Behauptung, die zu dem, was wir über Roman Polanski zu wissen glauben passt, die aber von beiden immer wieder bestritten wird.</p>

<p>Nastassja Kinski jedenfalls reitet die Welle, sie ist nicht nur ein auftseigender Star in Hollywood und räumt einen Preis nach dem anderen ab, sie ist auch der feuchte Männertraum ihrer Generation. &#8222;Sex sells&#8220; denkt sie sich, &#8222;Sex sells&#8220; denken sich die Männer um sie herum und so wird sie gnadenlos von einer sexualisierten Industrie ausgenutzt, wobei die Grenze zwischen Ausnutzen und einer von ihr aktiv mit voran getriebenen Sexualisierung schwer zu ziehen ist.</p>

<p>Sie ist jedenfalls auf dem Höhepunkt ihrer Modeling, Schauspiel und ihrer Sexsymbol Karriere als sie eben 1981 auf Richard Avedon trifft. Sie hatten zwei Stunden geplant und in diesen zwei Stunden mussten originelle Fotos entstehen und nach allem über diesen Fotoshoot hört und liest muss es erstmal ziemlich öde gewesen sein. Richard Avedon hat natürlich Ressourcen, die andere nicht haben und so gab es anscheinend einen ganzen Zoo von verschiedenen Tieren, die er für diesen Fotoshoot bereitgehalten habe. Sie würde, so die Idee, mit Modeaccessoires und eben diesen verschiedenen Tieren posieren und dabei idealerweise nackt sein.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;We brought in all kinds of animals, like monkeys, two snakes and a papagei and you know theses big birds and all of that.&#8220;</p>

<p>Und keins dieser Bilder schien wirklich so richtig erfolgreich zu sein, irgendwann schlug Nastassja dann vor, dass eine der am Set anwesenden Schlangen, eine Boa constrictor, doch vielleicht das ideale Tier für den Fotoshoot wäre. Und eine Boa constrictor ist eine gewaltige Schlange, bis zu 3,60m wird die lang. Nastassja Kinski legte sich also nackt auf den Betongboden und die Schlange wurde ihr auf den Körper drapiert, außer einem meiner Meinung nach ziemlich hässlichem Armreif hat sie nichts an. Auf dem Bild ist eine brillante Komposition zu sehen, die Schlange schlängelt sich an ihren Beinen über ihren Scharm hinweg bis zu ihrem Ohr und Richard Avedon schaffte es genau die Millisekunde festzuhalten, in der die Schlang in Nastassja Kinskis Ohr zu züngeln scheint.</p>

<p>Sie schaut dabei völlig ruhig in die Kamera.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;Did it frighten you to be engolved in the Snake, to be wrapped up &#8211; No, no &#8211; didn&#8217;t frighten you? &#8211; No, I think it was more frightened than I was, she was very afraid of every movement my body did, so as soon as I did a movement she would do a movement and we would keep on moving and we would never, you know, sort of get to each other. &#8222;</p>

<p>Auf die Frage, ob sie Angst gehabt hätte sagt Nastassja Kinski: &#8222;Ne, eigentlich garnicht&#8220;, sie ist der Meinung, die Schlange hatte eigentlich mehr Angst vor ihr als umgekehrt, immer wenn sie sich bewegte oder irgendwas an dem Set sich veränderte, schien die Schlange zu erschrecken und zuckte sich oder bewegte sich, anders als der Bildaufbau es eigentlich nahelegen würde. Und so bastelte man mit dem Tier an dem Set herum, bis es eben genau diesen einen perfekten Augenblick gab und ein Foto schuf, von dem alle, die den Abzug sahen, sofort wussten, das ist ein Winner.</p>

<p>Vogue kaufte das Bild, es wurden Poster gedruckt und das Motiv ging um die Welt, Nastassja Kinski war sowieso schon Sexsymbol, ab jetzt hing sie als nackte Schönheit mit Schlange in den Teenagerzimmern der Welt. Und natürlich kommt hier viel zusammen, da ist einmal ihr wirklich ruhiger und kontrollierter Blick, die Erotik, die dieses Bild ausstrahlt, die Assoziation mit der Schöpfungsgeschichte, mit der Schlange, die Eva verführt, sie züngelt ihr ja ins Ohr. Und dann kommt noch dazu, dass Schlangen, besonders diese, die sich um Frauenkörper winden, ein Jahrtausende altes Fruchtbarkeitssymbol sind.</p>

<p>Das Foto wird jedenfalls so ikonisch, dass es danach immer wieder zitiert und nachgeahmt wird, so ließ sich beispielsweise Jennifer Lawrence von dem Fotografen Patrick Demarchelier mit einer Boa Constrictor liegend, nur mit einem Armband bekleidet fotografieren.</p>

<p>Und mal ganz ehrlich Leute, irgendwie ist es doch bizarr, oder? Ich meine wie stelle ich mir die Planung für so einen Fotoshoot vor: &#8222;Ja also wir dachten wir machen einen künstlerischen Akt, einen Akt der die Unabhängigkeit und die kraftvolle Selbstbestimmung unseres Models betont. Sie wird nackt auf dem Bauch liegen und die Kamera und damit den Betrachter direkt fixieren und für den künstlerischen Ausdruck dachten wir, bringen wir noch eine animalische, erotisierende Komponente ins Bild, wie wäre es, wenn eine Boa constrictor über ihren Körper schlängelt? [ Einspieler Applaus]</p>

<p>Allerdings muss ich zugeben, gerade wenn ich diese beiden Fotos, die ich heute erwähnt habe, also die Aufnahme von Nastassja Kinski und die von Jennifer Lawrence vergleiche, wird schon klar, warum &#8222;Nastassja Kinski and the serpent&#8220; von Richard Avedon die berühmtere Aufnahme ist.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Der Junge mit der Handgranate</title>
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            <pubDate>Sun, 23 Jan 2022 16:49:57 GMT</pubDate>
            <description>Diane Arbus war eine Ausnahme-Fotografin. Ihre Arbeiten werden immer noch wissentlich und unwissentlich in Filmen und fotografischen Arbeiten zitiert und brachen mit den Konventionen ihrer Zeit.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Diane Arbus war eine Ausnahme- Fotografin . Ihre Arbeiten werden immer noch wissentlich und unwissentlich in Filmen und fotografischen Arbeiten zitiert und brachen mit den Konventionen ihrer Zeit. So wie ihr berühmtestes Foto „The boy with the toy grenade“ Diane Arbus (Wikipedia) Child with Toy Hand Grenade in Central Park (Wikipedia) Child with a toy hand grenade in Central Park, N.Y.C. (The Met) Where Are Those Precious Mistakes? (Der Greif) Colin Wood, Diane Arbus’s ‘Child With A Toy Hand Grenade,’ Looks Back Revisiting Diane Arbus’s Most Famous Photo on Her 94th Birthday Was Diane Arbus the Most Radical Photographer of the 20th Century? (The Cut) In the Picture – A new biography of Diane Arbus (The New Yorker) Diane Arbus – The Artstory Howard Schatz – Kink Matt Groening (Wikipedia) Themenpatin: Petrina Engelke – @PetrinaEngelke, @moments_ny, Podcast „Notizen aus Amerika“ – Webseite , FYYD Diane Arbus Transkript Ich finde es immer wieder faszinierend: Kaum jemand kennt Fotografinnen und Fotografen, aber alle werden von ihren Arbeiten beeinflusst. Mein Beispiel heute ist eine Fotografin aus den 60ern, die im Wesentlichen Fotonerds kennen. Aber so unterschiedliche Werke wie Stanley Kubricks „Shining“ oder „Die Simpsons“ würden ohne ihre Arbeit anders aussehen, ganz egal, ob wir sie nun kennen oder nicht. Die Fotografin Diane Arbus hat ihre Kindheit während der Weltwirtschaftskrise verbracht und wuchs dann während dem Vietnamkrieg und der sexuellen Revolution in New York auf. Und ihr Start ins Leben war ein privilegierter. Ihre Eltern gehörten der New Yorker Upper Class an und hatten einen Department Store in der privilegierten 5th Avenue in New York. In Privatschulen ausgebildet und aufgezogen von Kindermädchen blieb sie weitgehend von den schweren Folgen der Weltwirtschaftskrise verschont. Mit 13 lernt sie Allan kennen, einen Mann, fünf Jahre älter als sie, der die Schule hingeschmissen hat und in der Werbeabteilung des Pelzladens ihres Vaters arbeitete. Die Beiden heiraten mit 18 und es dauert nicht lange und sie eröffnen ein gemeinsames Fotostudio, eine Leidenschaft, die Allan in die Beziehung mitbrachte. Er brachte ihr bei, wie man mit einer Kamera umging, wie man Film entwickelt und es dauerte nicht lange und das Paar etablierte sich als Fashionfotografen in New York. Zehn Jahre lang betrieben sie ein Studio zusammen. Obwohl das Studio erfolgreich war und die beiden auch gut zusammenarbeiteten, war schnell klar, dass Diane etwas anderes wollte, als für immer Studiofotografin zu sein. Wenn sie also nicht gerade damit beschäftigt war, Kleidung an Models zu pinnen, Konzepte für Werbekampagnen auszuarbeiten oder Familien im Studio zu portraitieren, lief sie mit ihrer Nikon Kamera durch die Stadt und fotografierte, was ihr so vor die Linse kam. Eines Tages kam sie mit einer frisch belichteten Rolle Film nach Hause und bat ihren Mann, den bevorzugt zu entwickeln. Die Negative, die da herauskamen, nummerierte sie mit einem Marker mit der Nummer 1. Hier startet eine Nummerierung, die sie bis zum Ende ihres Lebens durchhalten wird. Sie ist Mitte 30, als sie diesen ersten Film nummeriert. Es ist der Moment, in dem sie beschließt, eine andere Fotografin zu werden, in dem sie beschließt, Künstlerin sein zu wollen und nicht Auftragsfotografin. Es ist der Start von etwas Neuem. Am Anfang läuft Diane durch die Stadt und fotografiert, was man so in der Stadt sieht. Sie macht die klassischen Streetfotos, die viele von uns machen. Friseure durch die Glasscheibe hindurch, Familienszenen im Park, sie streift mit ihrer Kamera durch die Straßen und alles, was ihr Auge festhält, wird fotografiert. Sie entwickelt sich in eine andere Richtung als ihr Ehemann. Sie wird künstlerischer. Sie wünscht sich mehr Freiheit, mehr Unabhängigkeit. Es sind die 60er und die Arbus’s leben sowieso ein sehr offenes Modell der Beziehung und ihr Ehemann Allan unterstützt sie in ihre</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Diane Arbus war eine Ausnahme-<a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a>. Ihre Arbeiten werden immer noch wissentlich und unwissentlich in Filmen und fotografischen Arbeiten zitiert und brachen mit den Konventionen ihrer Zeit. So wie ihr berühmtestes Foto &#8222;The boy with the toy grenade&#8220;</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Diane_Arbus" target="_blank">Diane Arbus</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Child_with_Toy_Hand_Grenade_in_Central_Park" target="_blank">Child with Toy Hand Grenade in Central Park</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.metmuseum.org/art/collection/search/284712" target="_blank">Child with a toy hand grenade in Central Park, N.Y.C.</a> (The Met)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210707081211/https://dergreif-online.de/artist-blog/where-are-those-precious-mistakes/" target="_blank">Where Are Those Precious Mistakes?</a> (Der Greif)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.fatherly.com/love-money/child-toy-hand-grenade-colin-wood-diane-arbus" target="_blank">Colin Wood, Diane Arbus’s ‘Child With A Toy Hand Grenade,’ Looks Back</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20240909060715/https://news.artnet.com/market/diane-arbus-birthday-890000" target="_blank">Revisiting Diane Arbus’s Most Famous Photo on Her 94th Birthday</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.thecut.com/2016/07/diane-arbus-c-v-r.html" target="_blank">Was Diane Arbus the Most Radical Photographer of the 20th Century?</a> (The Cut)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.newyorker.com/magazine/2016/06/06/diane-arbus-portrait-of-a-photographer" target="_blank">In the Picture &#8211; A new biography of Diane Arbus</a> (The New Yorker)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theartstory.org/artist/arbus-diane/" target="_blank">Diane Arbus</a> &#8211; The Artstory</li><li>Howard Schatz &#8211; Kink</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Matt_Groening" target="_blank">Matt Groening</a> (Wikipedia)</li></ul>

<p>Themenpatin: </p>

<ul><li>Petrina Engelke &#8211; @PetrinaEngelke, @moments_ny, Podcast &#8222;Notizen aus Amerika&#8220; &#8211; <a href="https://notizenausamerika.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Webseite</a>, <a href="https://fyyd.de/podcast/notizen-aus-amerika/0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">FYYD</a></li></ul>

<div><figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="660" height="811" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/image-2.png" alt="Zwei Porträts einer blonden Frau und ein Screenshot eines Profilbereichs, der die Meldung „There are no items to show in this view.“ anzeigt."/></figure></div>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/2732446009" target="_blank" rel="noopener">Diane Arbus</a></p>

<div><figure class="aligncenter"><img decoding="async" src="https://2.img-dpreview.com/files/p/TS560x560~forums/60923724/4493d58a1411413c80758cbe05750068" alt=""/></figure></div>

<div class="yt-facade" data-yt="sbsrJTjV8BI" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_sbsrJTjV8BI.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<div class="yt-facade" data-yt="CMbI7DmLCNI" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_CMbI7DmLCNI.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Ich finde es immer wieder faszinierend: Kaum jemand kennt <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen, aber alle werden von ihren Arbeiten beeinflusst. Mein Beispiel heute ist eine <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> aus den 60ern, die im Wesentlichen Fotonerds kennen. Aber so unterschiedliche Werke wie Stanley Kubricks &#8222;Shining&#8220; oder &#8222;Die Simpsons&#8220; würden ohne ihre Arbeit anders aussehen, ganz egal, ob wir sie nun kennen oder nicht.</p>

<p>Die Fotografin Diane Arbus hat ihre Kindheit während der Weltwirtschaftskrise verbracht und wuchs dann während dem Vietnamkrieg und der sexuellen Revolution in New York auf. Und ihr Start ins Leben war ein privilegierter. Ihre Eltern gehörten der New Yorker Upper Class an und hatten einen Department Store in der privilegierten 5th Avenue in New York. In Privatschulen ausgebildet und aufgezogen von Kindermädchen blieb sie weitgehend von den schweren Folgen der Weltwirtschaftskrise verschont.</p>

<p>Mit 13 lernt sie Allan kennen, einen Mann, fünf Jahre älter als sie, der die Schule hingeschmissen hat und in der Werbeabteilung des Pelzladens ihres Vaters arbeitete. Die Beiden heiraten mit 18 und es dauert nicht lange und sie eröffnen ein gemeinsames Fotostudio, eine Leidenschaft, die Allan in die Beziehung mitbrachte. Er brachte ihr bei, wie man mit einer Kamera umging, wie man Film entwickelt und es dauerte nicht lange und das Paar etablierte sich als Fashionfotografen in New York. Zehn Jahre lang betrieben sie ein Studio zusammen.</p>

<p>Obwohl das Studio erfolgreich war und die beiden auch gut zusammenarbeiteten, war schnell klar, dass Diane etwas anderes wollte, als für immer Studiofotografin zu sein. Wenn sie also nicht gerade damit beschäftigt war, Kleidung an Models zu pinnen, Konzepte für Werbekampagnen auszuarbeiten oder Familien im Studio zu portraitieren, lief sie mit ihrer Nikon Kamera durch die Stadt und fotografierte, was ihr so vor die Linse kam.</p>

<p>Eines Tages kam sie mit einer frisch belichteten Rolle Film nach Hause und bat ihren Mann, den bevorzugt zu entwickeln. Die Negative, die da herauskamen, nummerierte sie mit einem Marker mit der Nummer 1. Hier startet eine Nummerierung, die sie bis zum Ende ihres Lebens durchhalten wird. Sie ist Mitte 30, als sie diesen ersten Film nummeriert. Es ist der Moment, in dem sie beschließt, eine andere Fotografin zu werden, in dem sie beschließt, Künstlerin sein zu wollen und nicht Auftragsfotografin. Es ist der Start von etwas Neuem.</p>

<p>Am Anfang läuft Diane durch die Stadt und fotografiert, was man so in der Stadt sieht. Sie macht die klassischen Streetfotos, die viele von uns machen. Friseure durch die Glasscheibe hindurch, Familienszenen im Park, sie streift mit ihrer Kamera durch die Straßen und alles, was ihr Auge festhält, wird fotografiert. Sie entwickelt sich in eine andere Richtung als ihr Ehemann. Sie wird künstlerischer. Sie wünscht sich mehr Freiheit, mehr Unabhängigkeit.</p>

<p>Es sind die 60er und die Arbus&#8217;s leben sowieso ein sehr offenes Modell der Beziehung und ihr Ehemann Allan unterstützt sie in ihrem Wunsch, unabhängiger zu sein. Er hilft ihr, ein anderes Studio in New York zu finden und hilft ihr beim Umzug. Um die Kinder kümmern sie sich gemeinsam. War die Kindheit von Diane im Wesentlichen von der Distanz zu ihren Eltern geprägt, war es Diane und Allan wichtig, ihren Kindern nah zu sein. Er kam oft vorbei, sie verbrachte viel Zeit mit ihnen und so gingen rund elf Jahre ins Land, bevor das Paar sich auch ganz offiziell, getrieben von einer neuen Partnerin Allans, die nicht ganz so polyamourös gestimmt waren wie die beiden, wirklich scheiden ließen.</p>

<p>Es ist rund um die Zeit, als man eine Veränderung in ihrer Arbeit feststellen kann. Irgendwann entdeckt Diane, dass sie Fremde ansprechen kann, dass sie mit ihnen arbeiten kann, dass er sie posieren kann. Und aus der Schnappschussfotografie, die ihre frühen Arbeiten als unabhängige Fotografin prägt, werden plötzlich Fotos, die, ja, manchmal diesen Schnappschusscharakter haben, in denen aber die Motive ganz eindeutig wissen, dass sie fotografiert werden. Sie sind präsent. Sie schauen oft in die Kamera.</p>

<p>Und Dianes Stil ist für die damalige Zeit ungewöhnlich, ja wahrscheinlich sogar schockierend. Sie pfeift auf etablierte gestalterische Regeln. Ihre Fotos sind selten kompositorische Meisterwerke. Rule of Thirds, Layers, Linien, ach was, Hauptsache, das Motiv ist stark genug. Dafür sucht sie gezielt Menschen, die so selten fotografiert werden. Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Menschen mit mentalen Beeinträchtigungen. Nudisten. Groß- und Kleinwüchsige. Oder Mitglieder der New Yorker Unterwelt. Oder Subkulturen wie zum Beispiel die nach und nach aufkeimende Travestiebewegung. Diane hat keine Scheu vor diesen Menschen und sie fotografiert sie und setzt sie in Szene und ist dabei auch nicht zimperlich. Sie versucht, Fotos zu machen, denen man ansieht, dass sie den Menschen, die sie portraitiert, näher gekommen ist, dass sie etwas über die Menschen weiß, das sie dem Betrachtenden zeigen kann.</p>

<p>Diane ist der Meinung, dass unser Äußeres nicht uns gehört, unser Äußeres spricht eine Sprache, die unsere Umwelt entziffern darf. Und so ist sie auch nicht zimperlich, wenn sie die Leute fotografiert.</p>

<p>Und wenn es nötig ist, um ein Foto zu bekommen, lügt sie auch. &#8222;Nein, nein, das sind nur Kopfportraits, die ich hier mache&#8220;, sagt sie und fotografiert in Wirklichkeit die berühmte Feministin und Philosophin Ti-Grace Atkinson oben ohne. Genauso wenig konnte man sich darauf verlassen, wenn Diane sagte: &#8222;Nein, nein, die Bilder werden nie veröffentlicht werden.&#8220;.</p>

<p>Aus heutiger Sicht ist Diane Arbus ethisch tatsächlich auf sehr glattem Eis unterwegs. Gleichzeitig schafft sie aber auch, mit ihren Fotos, gerade besonders auch den Fotos von benachteiligten Menschen, eine Bildsprache zu etablieren, die es vorher so nicht gab. Sie definiert Schönheit in der Fotografie völlig neu. Ihre Models haben eine Würde und eine Schönheit, die von innen strahlt. Sie selbst sagt: &#8222;Viele von uns verbringen ihre Lebenszeit damit, sich vor Traumas zu schützen. Wir verstecken uns vor Schmerz. Wir laufen weg von dem Unglück.&#8220; Die Menschen, die Diane fotografiert, wurden oft mit ihren Traumas schon geboren. &#8222;Eigentlich&#8220;, sagt sie, &#8222;sind das die wahren Aristokraten; die Menschen, die das schon gemeistert haben, was viele von uns auf Teufel komm raus vermeiden wollen.&#8220;</p>

<p>Diane Arbus hat das Glück, relativ früh in der Kunstszene New Yorks aufzufallen. 1959, im Rahmen einer Ausstellung, lernt sie den Art Director Marvin Israel kennen. Er ist ein Jahr jünger als sie, selber Maler und verheiratet. Die Beiden werden trotzdem ein Paar, eine Beziehung, die bis zu ihrem Tod halten wird. Israels Frau scheint nichts dagegen zu haben. Wie gesagt, es ist die Zeit der sexuellen Revolution. In New Yorker Künstlerkreisen sieht man das nicht mehr so eng.</p>

<p>Über ihren Freund lernt sie unter anderem auch Fotografen wie Richard Avedon kennen und es sind diese Einflüsse, die ihre Arbeit immer einprägsamer werden lassen. Sie arbeitet an verschiedenen Serien und macht in der Zeit mehrere Fotos, die bis heute Wiedererkennungswert haben. Früh fing sie zum Beispiel an, sich besonders für Zwillinge und Drillinge zu interessieren. Und eines ihrer berühmtesten Bilder zeigt zwei Zwillingsmädchen, die Händchen haltend nebeneinander stehen, direkt in die Kamera schauen und trotz dieser symmetrischen Pose und dem ähnlichen Äußeren einfach sehr, sehr unterschiedlich aussehen.</p>

<p>Stanley Kubrick, der Diane Arbus auch persönlich kannte, wird dieses Bild später zitieren, in seinem berühmten Film &#8222;The Shining&#8220;. Der Film spielt in einem verwunschenen Hotel. Ein Familienvater, gespielt von Jack Nicholson, lässt sich mit seiner Familie dort über den Winter als eine Art Hausmeister in Residence einschneien und wie es sich für so ein Horrorhotel gehört, nimmt das Schicksal ab hier seinen Lauf. Der kleine Danny, der Sohn der Familie, fährt mit einem Dreirad durch die Gänge des Hotels und begegnet dort plötzlich zwei Händchen haltenden Mädchen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;Hello, Danny. Come and play with us.&#8220;</p>

<p>Und die sehen schon sehr von Arbus’ Bild inspiriert aus.</p>

<p>Ein anderes eher bekanntes Bild von ihr trägt den Titel &#8222;Jewish Giant&#8220;. Eigentlich zeigt es ein Familienfoto. Ein Sohn besucht seine Eltern, nur, dass der Sohn derart riesig ist, dass seine Eltern im Größenvergleich wie Zwerge wirken und er sich nur gebeugt im Wohnzimmer aufhalten kann. Alle stehen in diesem Bild, was es noch dramatischer aussehen lässt. Der Giant in dem Bild heißt Eddie Carmel und leidet an Gigantismus, einer Wachstumsstörung.</p>

<p>Und was an dem Bild ganz besonders auffällig ist und für unsere heutigen Augen gar nicht mehr besonders wirkt, ist, wie verhältnismäßig schlampig das Bild eigentlich gemacht ist. Wir wissen, dass alle in diesem Bild sich der Fotografin im Raum bewusst waren. Vermutlich hatte Diane gefragt und sie hatte wohl die Erlaubnis, ein Foto der Familie zu machen. Und sie blitzt in den Raum. Sie hätte also alle Zeit der Welt gehabt, sich Gedanken über die Komposition zu machen oder das Licht zu planen. Die Tatsache, dass das Foto fast schon schnappschussartig aussieht, eine monströse Vignette im Bild ist und das Foto zum Teil überblitzt ist, muss man dann tatsächlich als Absicht interpretieren. Das war kein kurzer, spontaner Schnappschuss und Diane wusste nach jahrzehntelanger fotografischer Arbeit sehr wohl, was sie tat.</p>

<p>Und so muteten die Bilder, die Diane schoss, der damaligen Gesellschaft nicht nur Fotomotive zu, die so noch nie zu sehen waren, sie markiert auch den Start einer völlig neuen Ästhetik. Und beides sind Effekte, die ab jetzt oft und gerne kopiert werden. Diese absichtliche Schlampigkeit im Bildaufbau, die interpretieren wir heute als Candid, als Schnappschussfotografie. Und ungewöhnliche Models sucht man sich heute auch viel regelmäßiger, als es damals üblich war.</p>

<p>Ich habe mir vor Kurzem einen Bildband mit Auszügen aus dem Lebenswerk des berühmten amerikanischen Fotografen Howard Schatz gekauft und einer seiner langjährigen Fotoserien portraitiert die San Francisco Kink, Gay and Pride Scene, Menschen also, die gerade deswegen, weil sie anders aussehen, eine ganz besondere Faszination ausstrahlen. Und da gibt es durchaus Parallelen zu Diane Arbus&#8216; Werk, die Fotos von Travestiekünstlern und Nudisten gemacht hat.</p>

<p>Aber selbst, wenn Diane einfach &#8222;nur&#8220;, in Anführungsstrichen, Streetfotos gemacht hat, war ihr Auge für die ungewöhnliche Situation oder das ungewöhnliche Motiv wirklich bemerkenswert. Und das bringt uns zu ihrem vielleicht berühmtesten Foto, dem Bild, das alle paar Jahre wieder eine Schlagzeile macht, wenn ein Originaldruck für mal fünfhundert- , mal siebenhundert tausend Dollar weiterverkauft wird. Es zeigt einen Jungen im Central Park in New York, ungefähr sieben Jahre alt. Er schaut uns an, mit weit und leicht irre aufgerissenen Augen und einem zur Grimasse verzogenen Gesicht. Man weiß nicht so genau, macht sich der Junge vielleicht ein bisschen lustig und albert für die Kamera herum oder ist da etwas Irres in dem Blick, vielleicht auch etwas Traurigkeit? Einer seiner Hosenträger ist heruntergerutscht. Vielleicht ist er ja auch herumgelaufen. Seine linke Hand scheint etwas Unsichtbares festzuhalten. Sie ist zu einer offenen Klaue verkrampft. Und in seiner rechten Hand hält er eine Handgranate.</p>

<p>Es ist ein bemerkenswertes und ein verstörendes Foto. In dem Bild gibt es keine erkennbare Symmetrie, man vermutet fast, Diane Arbus hätte das Bild im Vorbeigehen geschossen. Spontan eben. Das Bild jedenfalls ist bemerkenswert und es fällt auf den Boden der gerade tobenden Kontroverse rund um den Vietnamkrieg.</p>

<p>Und es zeigt den New Yorker Jungen Colin Wood. Der wird später erzählen, dass er sich eigentlich nicht mehr daran erinnert, wie Diane Arbus dieses Foto von ihm gemacht hat. Er hat allerdings eindeutig gewusst, dass er fotografiert wird, denn es gibt den kompletten Kontaktabzug, also die Reihe von Fotos, die vor diesem Bild und kurz nach diesem Bild entstanden sind und daran kann man sehen, dass Colin mit Diane Arbus wie ein typischer Siebenjähriger, sagen wir mal, zusammengearbeitet hat. Am Anfang ist er anscheinend noch etwas verlegen. Da kam eine junge Frau auf ihn zu und hat ihn gefragt, ob sie ihn fotografieren darf und er posed so ein bisschen und albert so ein bisschen herum für die Kamera. Er probiert sich aus, läuft herum und Diane positioniert sich in verschiedenen Winkeln zu ihm. Und irgendwann macht er eben dieses goofige Gesicht. Diese Handgranate in der einen Hand, dieser irre Gesichtsausdruck, diese zur Klaue geformte andere Hand ist für einen kleinen Augenblick zu sehen und Diane drückt in diesem Moment ab.</p>

<p>Das Foto wird zu einer Ikone der amerikanischen Antikriegsbewegung. Aber auch die Anarchisten drucken es gerne auf ihre Plakate. In einem 17-jährigen Teenager aus Portland, Oregon, Matt Groening, steckt beides so ein bisschen. Er demonstriert zu der Zeit. Vielleicht hat er auch sogar mal ein Plakat mit dem Jungen und der Spielzeughandgranate herumgetragen, gesehen hat er es auf jeden Fall. Matt jedenfalls wird uns später mit einer Popkulturikone beschenken.</p>

<p>[Einspieler &#8211; das &#8222;The Simpsons&#8220; Intro]</p>

<p>Und die Figur des Bart Simpson, sagt er später, basiert auf dem, was er in dieser Figur, in diesem Jungen mit der Granate gesehen hat. Eine gewisse Aufmüpfigkeit, eine Herkunft, die er da vermutete und so inspiriert der junge Colin Wood, der mit 7 Jahren und einer Spielzeughandgranate von Diane Arbus festgehalten wird, eine der ikonischsten Figuren der modernen Popkultur.</p>

<p>Er erinnert sich, dass seine Kindheit zu der Zeit eher weniger spaßig war. Sein Vater befand sich mal wieder in einer Scheidung und der junge Colin lief einigermaßen unbetreut in New York durch die Gegend. Allerdings jetzt nicht verwahrlost oder so. Sein Vater war ein erfolgreicher Tennisspieler, öfters in den Top Ten in der Weltrangliste. Aber in der Jugend von Colin eben auch mehr mit sich selbst als mit seinem Sohn beschäftigt.</p>

<p>Er war jetzt nicht gerade begeistert davon, dass sein Sohn sich plötzlich auf einem Foto der Antikriegsbewegung wiederfand und Colin erinnert sich auch, dass Schulkameraden das Bild gefunden hatten und es in der Schule aushingen. Alles Ereignisse, auf die er auch gut hätte verzichten können. Trotzdem hat ihn das Foto nicht weiter beeinflusst, sagt er.</p>

<p>Nach der vierten und letzten Scheidung seines Vaters und seinem erfolgreichen Schulabschluss gründen die Beiden gemeinsam ein Unternehmen. Sie bauen Tennisplätze überall auf der Welt. Und sie sind erfolgreich. Nicht ganz so der Lebenslauf, den man sich von einem Jungen erwartet, dessen Foto für eine Weile in einer Ausstellung für unterprivilegierte Amerikaner zu sehen ist und auf Antikriegsdemonstrationen herumgetragen wird.</p>

<p>Aber irgendwie auch nicht ganz ungewöhnlich für ein Foto von Diane Arbus. Sie ließ sich von diesem Moment überraschen. Wen interessiert da schon der Rest? Parallel arbeitet sie weiter an ihrer fotografischen Karriere. Sie landet relativ schnell Aufträge bei großen Magazinen. Die waren zu der Zeit durchaus experimentierfreudig und so darf sie Fotostrecken gestalten, die eher ungewöhnlich sind.</p>

<p>Mit jedem Auftrag öffnen sich dann weitere Türen. Magazine wie &#8222;The Esquire&#8220;, &#8222;Harper&#8217;s BAZAAR&#8220;, aber auch Kunden wie der New York Times, Sports Illustrated, Herold Tribune, Diane Arbus ist schnell gefragt und kommt rum. Schnell hat sie einen Ruf als Fotografin, deren Bilder eher exzentrisch wirken. Selbst, wenn sie bekannte Persönlichkeiten oder Mitglieder der High Society fotografiert, sind ihre Fotos ungewöhnlich. Magazine schießen sich darauf ein und so werden bestimmte Aufträge gar nicht mehr an sie herangetragen. Klassische Politikerfotos? Naja, ist ja nicht wirklich etwas für Diane.</p>

<p>Parallel zu ihren Auftragsarbeiten bemüht sich Diane auch immer um Unterstützung für freie Aufträge. Es gibt verschiedene Institutionen, die Stipendien für besonders interessante Arbeiten herausgeben, so zum Beispiel die Guggenheimstiftung. Von da ergeben sich auch verschiedene Reportageaufträge, die mal privat, mal öffentlich finanziert werden. Als sich die Magazinbranche allerdings im Umbruch befindet, gehen auch ihre Aufträge zurück und sie fängt an, zu lehren und bei Ausstellungen mitzuwirken.</p>

<p>Während dieser ganzen Zeit leidet Diane unter massiven depressiven Schüben. Schon ihre Mutter kämpfte mit Depressionen und Diane hatte besonders nach einer Hepatitiserkrankung 1966 immer wiederkehrende zum Teil heftige Schübe. Sie suchte sich auch Hilfe und war in Behandlung, aber 1971 wurde ihr dann alles zu viel. Sie stellt ihren Terminkalender auf die Treppe, schreibt in ihr Notizbuch &#8222;Letztes Abendmahl&#8220;, bevor sie Schlafmittel nimmt und sich die Pulsadern auftrennt.</p>

<p>Seither wird ihre Arbeit wieder und wieder neu entdeckt. 1972, also ein Jahr nach ihrem Tod, ist sie die erste amerikanische Fotografin überhaupt, die auf der Biennale in Venedig ausgestellt wird. Es geht eine Monografie von ihr um die Welt, das Museum of Modern Art macht eine Diane Arbus Retrospektive und einige ihrer fotografischen Ideen prägen bis heute die Fotografie.</p>]]></content:encoded>
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            <pubDate>Sun, 16 Jan 2022 18:49:20 GMT</pubDate>
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            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Es ist DAS Hochhausbaustellenfoto schlechthin und trotzdem weiß man erstaunlich wenig über die abgebildeten Menschen und war bis vor kurzem auch nicht sicher wer dieses Bild gemacht hatte. Charles Clyde Ebbets Kurzbiografie, offizielle Webseite Charles Clyde Ebbets (Wikipedia, englisch) Charles C. Ebbets and His Famous ‚Lunchtime Atop a Skyscraper‘ Photo (History Daily) Mittagspause auf einem Wolkenkratzer (Wikipedia) Rockefeller Center (Wikipedia) 10 Fascinating Facts About Lunch Atop A Skyscraper (MentalFloss) How a Galway Pub Led to a Skyscraper (NYTimes, Paywall) Early skyscrapers (Wikipedia) Great Depression (Wikipedia) Dieses Video auf YouTube ansehen Transkript Welche Fotos fallen uns ein, wenn wir an berühmte Fotografien aus New York denken? Vielleicht ein Bild vom Empire State Building oder eine Aufnahme des Flatiron Gebäudes oder vielleicht ein Foto vom Time Square. Ohne Frage spielt die Architektur New York Citys in Fotos aus New York eine der Hauptrollen. Ist ja auch kein Wunder, die Architektur New York Citys ist ja auch atemberaubend. Dabei entstanden die ersten ikonischen Wolkenkratzer New Yorks Anfang des 20. Jahrhunderts. Und sie waren Wunderwerke der Technik und Ingenieurskunst. Gebäude wie das Empire State Building wurden mit einem Anlegemast für Luftschiffe konstruiert. Und die Hochhäuser lieferten sich Rennen, wer das höhere Dach, die höhere Antenne konstruieren könnte. Und Hochhäuser waren fantastisch genug, dass Zeitungen immer wieder über die Bauarbeiten berichteten. Die meisten dieser Gebäude waren als Investitionsobjekte gedacht und wurden während der Bauzeit nach und nach untervermietet. Und deswegen hatten die Bauherren in aller Regel ein lebendiges Interesse daran, die Gebäude im Gespräch zu halten. Und deswegen wurden gerade Projekte wie der Bau des Empire State Building oder wie des Chrysler Building von eigene PR-Teams begleitet. Fotostrecken wurden erarbeitet, die Presse wurde mit Informationen gefüttert, je öfter man sich ins Gespräch bringen konnte, desto besser. Fotografisch war es gleichzeitig eine Zeit, in der Industriefotografie und Werbefotografie ihre ersten Erfolge feierte. Margaret Bourke-White hatte sich einen Namen gemacht, indem sie gewaltige Industrieanlagen wie zum Beispiel Staudämme oder Stahlgießereien fotografiert hatte. Und bekam nun den Auftrag den Bau des Chrysler Buildings zu dokumentieren. Ein Luis Hine eigentlich ein Fotograf, der sich mit den Arbeitern am Boden und deren Armut und Zwänge beschäftigte, bekam den Auftrag, die Arbeiten am Empire State Building zu dokumentieren. Und beide schufen Bilder, die einen auch heute noch schwindlig werden lassen. Es ist eine Zeit, in der der Blick von Hochhausdächern hinein in die Straßenschluchten New Yorks ikonisch wird. In den USA sind Boomjahre und es ist diese Zeit, in der sich Charles Ebbet einen Namen macht. Seine erste Kamera bekommt er als er acht Jahre alt ist. Eine Kodak Brownie, eine Kamera also, die in erster Linie super einfach zu bedienen ist. Und zum ersten Mal Fotografie für alle verfügbar machte. Finanziell ging es den Ebbets nicht allzu gut und so musste Charles seine Schule nach der zehnten Klasse abbrechen und einen Weg finden Geld zu verdienen. Sein Vater hatte beruflich mit Zeitungen zu tun und so beschloss auch Charles sich, als Reporter zu verdingen. Das war auch grob die Zeit, in der ihm der Gedanke kam, dass er auch seine Kamera benutzen könnte, um damit Geld zu verdienen. Aber allgemein kann man sagen, hat Charles so manches ausprobiert. Er zog von Alabama nach Florida und dort versuchte er sich eine Weile als Schauspieler aber das war eigentlich das harmloseste seiner Hobbys, denn außerdem machte er sich einen Namen als sogenannter „Wingwalker“. Als jemand, der bei Flugschauen aussteigt aus dem Flugzeug und auf der Tragfläche herumturnt, er fuhr Autorennen, für eine Weile war er Wrestler, er jagte und wenn die Kohle mal wi</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Es ist DAS Hochhausbaustellenfoto schlechthin und trotzdem weiß man erstaunlich wenig über die abgebildeten Menschen und war bis vor kurzem auch nicht sicher wer dieses Bild gemacht hatte. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.ebbetsphoto-graphics.com/#/page/about-the-artist/" target="_blank">Charles Clyde Ebbets Kurzbiografie, offizielle Webseite</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Clyde_Ebbets" target="_blank">Charles Clyde Ebbets</a> (Wikipedia, englisch)</li><li>Charles C. Ebbets and His Famous &#8218;Lunchtime Atop a Skyscraper&#8216; Photo (History Daily)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mittagspause_auf_einem_Wolkenkratzer" target="_blank">Mittagspause auf einem Wolkenkratzer</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rockefeller_Center" target="_blank">Rockefeller Center</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.mentalfloss.com/article/502243/10-fascinating-facts-about-lunch-atop-skyscraper" target="_blank">10 Fascinating Facts About Lunch Atop A Skyscraper</a> (MentalFloss)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nytimes.com/2012/11/11/movies/lunch-atop-a-skyscraper-uncovered.html" target="_blank">How a Galway Pub Led to a Skyscraper</a> (NYTimes, Paywall)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Early_skyscrapers" target="_blank">Early skyscrapers</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Great_Depression" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Great Depression</a> (Wikipedia)</li></ul>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Welche Fotos fallen uns ein, wenn wir an berühmte Fotografien aus New York denken?</p>

<p>Vielleicht ein Bild vom Empire State Building oder eine Aufnahme des Flatiron Gebäudes oder vielleicht ein Foto vom Time Square. Ohne Frage spielt die Architektur New York Citys in Fotos aus New York eine der Hauptrollen. Ist ja auch kein Wunder, die Architektur New York Citys ist ja auch atemberaubend. Dabei entstanden die ersten ikonischen Wolkenkratzer New Yorks Anfang des 20. Jahrhunderts. Und sie waren Wunderwerke der Technik und Ingenieurskunst. Gebäude wie das Empire State Building wurden mit einem Anlegemast für Luftschiffe konstruiert. Und die Hochhäuser lieferten sich Rennen, wer das höhere Dach, die höhere Antenne konstruieren könnte. Und Hochhäuser waren fantastisch genug, dass Zeitungen immer wieder über die Bauarbeiten berichteten.</p>

<p>Die meisten dieser Gebäude waren als Investitionsobjekte gedacht und wurden während der Bauzeit nach und nach untervermietet. Und deswegen hatten die Bauherren in aller Regel ein lebendiges Interesse daran, die Gebäude im Gespräch zu halten.</p>

<p>Und deswegen wurden gerade Projekte wie der Bau des Empire State Building oder wie des Chrysler Building von eigene PR-Teams begleitet. Fotostrecken wurden erarbeitet, die Presse wurde mit Informationen gefüttert, je öfter man sich ins Gespräch bringen konnte, desto besser.</p>

<p>Fotografisch war es gleichzeitig eine Zeit, in der Industriefotografie und Werbefotografie ihre ersten Erfolge feierte. <a "/posts/die-beste-fotografin-der-welt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="14" title="Die beste Fotografin der Welt">Margaret Bourke-White</a> hatte sich einen Namen gemacht, indem sie gewaltige Industrieanlagen wie zum Beispiel Staudämme oder Stahlgießereien fotografiert hatte.</p>

<p>Und bekam nun den Auftrag den Bau des Chrysler Buildings zu dokumentieren. Ein Luis Hine eigentlich ein Fotograf, der sich mit den Arbeitern am Boden und deren Armut und Zwänge beschäftigte, bekam den Auftrag, die Arbeiten am Empire State Building zu dokumentieren. Und beide schufen Bilder, die einen auch heute noch schwindlig werden lassen. Es ist eine Zeit, in der der Blick von Hochhausdächern hinein in die Straßenschluchten New Yorks ikonisch wird. In den USA sind Boomjahre und es ist diese Zeit, in der sich Charles Ebbet einen Namen macht. Seine erste Kamera bekommt er als er acht Jahre alt ist. Eine <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie, eine Kamera also, die in erster Linie super einfach zu bedienen ist. Und zum ersten Mal Fotografie für alle verfügbar machte. Finanziell ging es den Ebbets nicht allzu gut und so musste Charles seine Schule nach der zehnten Klasse abbrechen und einen Weg finden Geld zu verdienen. Sein Vater hatte beruflich mit Zeitungen zu tun und so beschloss auch Charles sich, als Reporter zu verdingen.</p>

<p>Das war auch grob die Zeit, in der ihm der Gedanke kam, dass er auch seine Kamera benutzen könnte, um damit Geld zu verdienen. Aber allgemein kann man sagen, hat Charles so manches ausprobiert. Er zog von Alabama nach Florida und dort versuchte er sich eine Weile als Schauspieler aber das war eigentlich das harmloseste seiner Hobbys, denn außerdem machte er sich einen Namen als sogenannter &#8222;Wingwalker&#8220;. Als jemand, der bei Flugschauen aussteigt aus dem Flugzeug und auf der Tragfläche herumturnt, er fuhr Autorennen, für eine Weile war er Wrestler, er jagte und wenn die Kohle mal wieder eng war, dann stieg er in den Ring und erboxte sich Preisgelder. All diese Hobbys dokumentierte er routiniert mit seiner Kamera und machte sich einen Namen, als einer der in der Lage war ungewöhnliche Fotografien zu produzieren.</p>

<p>Und einige seiner Projekte sorgten dafür, dass Zeitungen im ganzen Land seine Fotostrecken veröffentlichten, unter anderem auch die New York Times.</p>

<p>Wir haben die Dreißigerjahre, die Weltwirtschaftskrise hat die USA fest im Griff und das betrifft natürlich auch die Bauprojekte in den Großstädten. In New York hatte die New York Opera einen ehrgeizigen Plan. Sie wollten einen Gebäudekomplex schaffen, in dem Hochkultur endlich ein angemessenes Zuhause finden würde. Und sie hatten einen begeisterten Unterstützer: John Rockefeller. Nach dem schwarzen Freitag wurden aber drastische Einsparungen nötig und dadurch wurde schnell klar, dass die Oper dieses Projekt nicht mehr würde finanzieren können. Eine Alternative musste also her. Wie schon vorher das Empire State Building oder das Chrysler Building würde man nun Hochhäuser bauen, die nach und nach an finanzkräftige Unternehmen vermietet werden sollten. Die 19 Gebäude, die zum Rockefeller Center gehörten, wurden zum Teil umgewidmet, Shopping, Büroflächen, Kulturangebote, hochpreisige Mietangebote, all das wurde in dem Gebäudekomplex zusammengebracht. Jetzt war es nur noch notwendig passende Mieter zu finden, eine Publicity Strategie musste her und es brauchte jemanden, der großartige Fotografie rund um dieses Projekt schaffen könnte.</p>

<p>Ein Team wurde zusammengestellt, insgesamt vier Fotografen würden den Bau begleiten. Und die Leitung dieses Teams und die Auswahl der Bilder wurde Charles Ebbet übergeben. Es wurden noch Investoren gesucht und so begleitet Charles mehrere Monate lang insbesondere den Bau des höchsten Gebäude des Komplexes. Des sogenannten RCA-Buildings. Es ist eine Zeit, in der in New York viele verschiedene Aspekte zusammenkommen. Die USA sind Einwanderungsland und besonders in New York versuchen viele ihr Glück, es ist die Great Depression, also die Weltwirtschaftskrise, aber in den Städten und den Großbauprojekten sehen viele noch eine Chance Geld zu verdienen. Und tatsächlich kann man als Arbeiter recht einfach bei den großen Hochhausprojekten anheuern. Es ist ein Cliché, dass besonders bei den Hochhausbaustellen eine große Anzahl der Arbeiter von den amerikanischen Ureinwohnern rekrutiert wurde, die wären nämlich besonders schwindelfrei, so heißt es. In Wirklichkeit fand man auf den Baustellen aber alle möglichen Nationalitäten. Besonders Italiener und Iren waren zu der Zeit in größere Zahl in New York eingetroffen und stellten dann eben die Arbeiter. Wer also schwindelfrei genug war und bereit war den Sturz in den Tod zu riskieren, konnte relativ schnell ein recht gutes Gehalt haben und noch dazu einer Arbeit nachgehen, die im ganzen Land positiv gesehen wurde. Die Arbeiter in den Hochhäusern arbeiteten am Fortschritt mit. Und Charles und sein Team schufen Bildstrecken, die diese Arbeiter feierten. So auch am 20. September 1932, das Wetter ist großartig, man hat freie Sicht über den Central Park, die Sonne scheint und es ist hell genug, dass man auch mit den Kameras, die damals üblich waren, hervorragend fotografieren konnte. Gearbeitet wird mit sogenannten Reportagekameras, das sind, für heutige Verhältnisse, recht große, für damalige Verhältnisse aber sehr kompakte Kameras, die auf Glasplatten belichteten. Auf denen war eine trockene Emulsion aufgebracht und man musste nach jeder Belichtung die Glasplatte entfernen und durch die nächste unbelichtete Glasplatte ersetzen. Das Verbrauchsmaterial trugen die Fotografen in einer Ledertasche über die Schulter geworfen. Und so turnten sie wie die Bauarbeiter auf Stahlträgern in zum Teil schwindelerregender Höhe herum und gaben Anweisungen. Das Ziel war originelle Fotos zu machen. Und so lies man Bauarbeiter so tun als, wenn sie auf Stahlträgern schlafen würden oder ließ sie mit einer amerikanischen Flagge so stehen, dass es aussah als würden sie auf das Empire State Building eine Flagge aufsetzen. Und dann schießen sie das ikonische Foto schlechthin.</p>

<p>Am zweiten Oktober wird der &#8222;New York Herald Tribune&#8220; das Foto unter der Schlagzeile &#8222;Lunch atop a Skyscraper&#8220; veröffentlichen. Es zeigt den Blick Richtung Central Park, ein Stahlträger geht in der Mitte durchs Bild, als Betrachtende können wir nur erahnen, wie tief es wohl unter diesem Stahlträger in den Abgrund gehen mag. Und auf diesem Stahlträger sitzen elf Arbeiter und machen Brotzeit, bzw. halten Brotzeitgegenstände in den Händen. Nur ein einziger Arbeiter schaut direkt in die Kamera und beim schrägen Blick auf die Häuserschluchten unterhalb der Baustelle kann einem wirklich schwindelig werden. Das Foto ist erfolgreich, so erfolgreich, dass es bis heute hunderte Male nachgeahmt wurde.</p>

<p>New York kann man nicht besuchen, ohne diesem Bild nicht an allen möglichen Stellen zu begegnen und es wird weltweit wiedererkannt. Es ist eines der Bilder mit dem höchsten Wiedererkennungswert überhaupt. Allerdings wissen die Wenigsten, wer dieses Foto aufgenommen hat und wo es überhaupt gemacht wurde. Selbst Amerikaner geben auf Nachfrage an, dass das Bild auf dem Empire State Building geschossen wurde. Und irgendwann zog im Internet das Gerücht ein, dass Lewis Hine, der Fotograf am Empire State Building begleitet hatte, der Urheber dieses Foto gewesen sei. Da half es jetzt auch nicht, dass jahrelang vollkommen unklar war, wer das Bild gemacht hat. Alle Fotografen, die an dieser Baustelle tätig waren, hätten theoretisch diese Aufnahme machen können. Es gibt Bilder von diesem Tag, die Charles Ebbets zum Beispiel bei der Arbeit zeigen, wo er allein auf irgendeinem Stahlträger herum balanciert, während er seine Kamera bedient. Überhaupt sah man Fotografien damals seltener als Kunstwerke an und öfter als ein technisches Produkt. Die Fotografen waren also eher Operateure fotografischer Maschinen, als Künstler oder Urheber eines besonders schützenswertem Werkes.</p>

<p>Die Arbeiter waren damals sowieso egal und so steht auf dem Originalglasnegativ, das übrigens auch schon ziemlich mitgenommen ist, weder eine Liste der Namen der abgebildeten Personen, noch der Name des Fotografen. Das Bild selbst war auch nicht von Anfang an so ikonisch, sonst hätte man sich vielleicht noch die Mühe gemacht. Erst Jahrzehnte später wurde das Bild zu einem Standard-Postkartenmotiv. Und ab jetzt gönnten sich die New Yorker Zeitungen auch alle paar Jahre mal den Spaß, nach den Personen auf dem Foto zu fanden. Unzählige Kandidaten meldeten sich, hätten die alle recht und ihre Onkel, Väter, Großväter wären tatsächlich die Personen auf dem Stahlträger in dem Bild, dann wären da nicht elf, sondern wahrscheinlich hundert Leute gesessen.</p>

<p>Es ist eine Dokumentation aus dem Jahr 2003, die das Ganze nochmal aufarbeitet und gezielt auf die Suche geht. Sie finden nicht nur zwei der elf Männer und können sie eindeutig identifizieren, sondern schaffen es auch in Zusammenarbeit mit den Nachkommen von Charles Ebbets, zweifelsfrei nachzuweisen, dass er tatsächlich der Fotograf dieser ikonischen Aufnahme war. Es darf aber bezweifelt werden, dass Ebbets selbst dieses Foto als sein Wichtigstes beschrieben hätte. Für ihn war dieser Einsatz am Rockefeller Center sowieso nur ein zehnmonatiger Teil seiner viel länger dauernden Karriere. 1933 zog er wieder von New York zurück nach Florida und beschäftigte sich dort mit der Natur und den Ureinwohnern in den Everglades. Er wird erst &#8222;Official-Associated-Press-Photograph&#8220; in der Region und gründet dann später die &#8222;Miami-Press-Photographers-Association&#8220; und wird deren erster Präsident.</p>

<p>Als Pressefotograf reist Ebbets um die Welt und fotografiert die verschiedensten Ereignisse, kehrt aber immer wieder in die Everglades zurück, um dort zu fotografieren. Eine Rückenverletzung bewahrt in davor im 2.Weltkrieg als Soldat eingezogen zu werden, weil er aber einen Pilotenschein hatte, setzte ihn die US-Airforce als Fotograf in den Ausbildungszentren in Florida und Südamerika ein. ALs der Zweite Weltkrieg endet, kehrt Ebbets wieder zu seinem Zivilleben zurück und wird Cheffotograf der City oft Miami. Ja, das gibt es als Position. Fotografisch wird er jetzt auch ruhiger. Er fotografiert die Tiere und Landschaften der Everglades bevor er mit 72 Jahren 1978 an Krebs erkrankt und stirbt.</p>

<p>Sein Nachlass und sein Bildarchiv verwaltet seine Tochter und so kann man inzwischen online eine ganze Reihe seiner Werke sehen.</p>

<p>Das Bild &#8222;Lunch atop a Skyscraper&#8220; gehört der Bildagentur Corbis und die bröckeligen Originalnegative sind schon lange nichtmehr dafür geeignet, um von diesem Foto korrekte Abzüge zu machen.</p>

<p>Und trotzdem ist es irgendwie schön, dass dieses Foto die Arbeiter feiert, die Gebäude wie das Rockefeller Center überhaupt erst möglich gemacht haben. Und dass es 25-jährige Abenteurer waren, die mit ihren Kameras ikonische Bilder geschaffen haben, die danach um die Welt gegangen sind. Da ist es dann auch fast schon wieder verzeihbar, dass dieses Foto zusätzlich noch mit der Perspektive spielt. Und der Stahlträger vermutlich gar nicht 200 Meter in luftiger Höhe, sondern eher eineinhalb Meter über einem geschlossenem Stockwerk war.</p>

<p>Insbesondere, wenn man weiß, dass es sehr wohl auch die Bilder gibt, in denen die Leute wirklich über dem Abgrund waren.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Ein Aasgeier, zwei Opfer</title>
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            <pubDate>Fri, 07 Jan 2022 17:38:52 GMT</pubDate>
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            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Seit es technisch möglich wurde unterwegs zu fotografieren gehören Fotos aus Krisengebieten und von Menschen in Not zu den Grundpfeilern der Fotografie und oft wird behauptet diese Bilder hätten die Macht die Öffentlichkeit aufzurütteln und die Welt zu verändern. Genau davon handelt diese Folge… Joseph Pulitzer (Wikipedia) Pulitzer-Preis (Wikipedia) History of The Pulitzer Prizes List of Pulitzer Winners in the category „Feature Photography“ Kevin Carter (Wikipedia) The Life and Death of Kevin Carter (Time Magazine via Web Archive) Aesthetics and Ideology of Sebastiao Salgado NYT – PHOTOGRAPHY REVIEW; Can Suffering Be Too Beautiful? Susan Sonntag – Regarding the Pain of Others (Amazon) World Press Photo – Winners from 1955 on Welthungerhilfe – Sudan Wie können sie das rechtfertigen? (Frankfurter Rundschau) Fotojournalismus – TV-Doku über den „Bang Bang Club“ (Kevin Carter &amp; Freunde) DER TRAUM VOM GROSSEN BILD – WARUM ES JUNGE FOTOGRAFEN IN KRIEGE ZIEHT Dieses Video auf YouTube ansehen Transkript Wenn man sich für Fotografie interessiert, kommt man um Kriegsfotos nicht herum. Und ein Grund, warum diese Aufnahmen so wirkmächtig zu sein scheinen, liegt in der Psychologie der Menschen begründet. Wir können gar nicht anders. Es gibt zwei Themen, die uns wie nichts Anderes in ihren Bann schlagen, wann immer sie uns begegnen: Nacktheit und die Darstellung von Leiden. Und so wandeln wahnsinnig viele Kriegsfotografien auf einem schmalen Grat zwischen Aktivismus und Gewaltpornografie. Und wir als Betrachterinnen und Betrachter können uns anscheinend nicht ganz entscheiden, ob wir Menschen, die solche Fotos aus den Kriegsgebieten zujubeln und gratulieren sollen oder sie aufs Übelste dafür kritisieren, dass sie Geld aus den Leiden Andere zu machen scheinen. Während wir also Fotograf/-innen wie Lee Miller, Margaret Bourke-White oder Robert Capa als Helden des Genres verehren, wurden Fotografen wie Sebastiao Salgado oder auch Steve McCurry dafür beschimpft und kritisiert, dass ihre Bilder zu schön wären, zu ästhetisch. Salgado antwortete darauf, dass eine ästhetisch schöne ansprechende Darstellung der Menschen in seinen Aufnahmen diesen Menschen ihre Würde gibt. Aber man könnte jetzt auch sagen, dass die Bilder dadurch unter Umständen auch wirklich erst für den Kunstbetrieb interessant wurden. Salgado, der jahrzehntelang in Ländern von Ruanda bis zum Kosovo das Leiden von Menschen fotografiert hat, macht Aufnahmen, die man fast nicht mehr ignorieren kann, sie sind so schön, dass man fast hinschauen muss und das dargestellte Leiden und Elend ist so schmerzhaft, dass es kaum auszuhalten ist. Das wiederum, so würde mancher argumentieren, sorgt dafür, dass wir nicht ignorieren können, welche Missstände irgendwo stattfinden. Fotografie rüttelt auf, macht aufmerksam, weißt darauf hin, klagt an. Aber dann, ja dann, ändert sich oft gar nichts. Jahrzentelang bereiste Salgado Afrika und dokumentierte Leiden in bürgerkriegsgebeutelten Ländern. Und hat sich etwas geändert? Steve McCurry fotografierte Flüchtlinge in Afghanistan. Und das berühmte Bild, dass angeblich den Vietnamkrieg zu beenden half, das wurde gemacht, da waren die amerikanischen Truppen eigentlich schon am Abziehen. Aber in dieser ganzen Argumentation steckt natürlich ein Denkfehler, das einzige Bild, das ändert wahrscheinlich nichts, aber in Summe und über Zeit ändert sich natürlich sehr wohl der Blick der Menschen auf ein Thema. Und sich diese Möglichkeit offenzuhalten, das war die große Leidenschaft des Verlegers und Journalisten Joseph Pulitzer. Er war 1847 in Ungarn geboren und mit 17 wollte er eins: aus Ungarn weg. Er bewarb sich bei der österreichischen, der französischen und bei der britischen Armee und keine von denen wollte ihn haben, er wurde jedes Mal als untauglich eingestuft. Aber wie so oft Beharrlichkeit hilft und so schaffte er es 1864 in ein US-Bataillon akzeptiert zu werden und über Bost</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Seit es technisch möglich wurde unterwegs zu fotografieren gehören Fotos aus Krisengebieten und von Menschen in Not zu den Grundpfeilern der Fotografie und oft wird behauptet diese Bilder hätten die Macht die Öffentlichkeit aufzurütteln und die Welt zu verändern. Genau davon handelt diese Folge&#8230; </p>

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<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Pulitzer" target="_blank">Joseph Pulitzer</a> (Wikipedia)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pulitzer-Preis" target="_blank">Pulitzer-Preis</a> (Wikipedia)</li>

<li>History of The Pulitzer Prizes</li>

<li><a href="https://web.archive.org/web/20250508140907/https://www.pulitzer.org/prize-winners-by-category/217" target="_blank" rel="noreferrer noopener">List of Pulitzer Winners in the category &#8222;Feature Photography&#8220;</a></li>
</ul>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kevin_Carter" target="_blank">Kevin Carter</a> (Wikipedia)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20131228175359/http://content.time.com/time/magazine/article/0,9171,165071,00.html" target="_blank">The Life and Death of Kevin Carter</a> (Time Magazine via Web Archive)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://ny-photography-diary.com/sebastiao-salgado-by-nerris-markogiannis/" target="_blank">Aesthetics and Ideology of Sebastiao Salgado</a></li>
</ul>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nytimes.com/2001/07/13/arts/photography-review-can-suffering-be-too-beautiful.html" target="_blank">NYT &#8211; PHOTOGRAPHY REVIEW; Can Suffering Be Too Beautiful?</a></li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.amazon.de/Regarding-Pain-Others-Susan-Sontag/dp/0141012374" target="_blank">Susan Sonntag &#8211; Regarding the Pain of Others</a> (Amazon)</li>
</ul>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.worldpressphoto.org/collection/photo-contest" target="_blank">World Press Photo &#8211; Winners from 1955 on</a></li>

<li><a href="https://www.welthungerhilfe.de/spenden-sudan/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Welthungerhilfe &#8211; Sudan</a></li>
</ul>

<ul>
<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.fr.de/kultur/koennen-rechtfertigen-11630320.html" target="_blank">Wie können sie das rechtfertigen?</a> (Frankfurter Rundschau)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.deutschlandfunk.de/fotojournalismus-tv-doku-ueber-den-bang-bang-club-100.html" target="_blank">Fotojournalismus &#8211; TV-Doku über den „Bang Bang Club“</a> (Kevin Carter &amp; Freunde)</li>

<li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.rolfnobel.de/essays/2011/06/der-traum-vom-grossen-bild/" target="_blank">DER TRAUM VOM GROSSEN BILD &#8211; WARUM ES JUNGE FOTOGRAFEN IN KRIEGE ZIEHT</a></li>
</ul>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Wenn man sich für Fotografie interessiert, kommt man um Kriegsfotos nicht herum. Und ein Grund, warum diese Aufnahmen so wirkmächtig zu sein scheinen, liegt in der Psychologie der Menschen begründet. Wir können gar nicht anders. Es gibt zwei Themen, die uns wie nichts Anderes in ihren Bann schlagen, wann immer sie uns begegnen: Nacktheit und die Darstellung von Leiden.</p>

<p>Und so wandeln wahnsinnig viele Kriegsfotografien auf einem schmalen Grat zwischen Aktivismus und Gewaltpornografie. Und wir als Betrachterinnen und Betrachter können uns anscheinend nicht ganz entscheiden, ob wir Menschen, die solche Fotos aus den Kriegsgebieten zujubeln und gratulieren sollen oder sie aufs Übelste dafür kritisieren, dass sie Geld aus den Leiden Andere zu machen scheinen. Während wir also Fotograf/-innen wie Lee Miller, <a "/posts/die-beste-fotografin-der-welt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="14" title="Die beste Fotografin der Welt">Margaret Bourke-White</a> oder <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> als Helden des Genres verehren, wurden Fotografen wie Sebastiao Salgado oder auch Steve McCurry dafür beschimpft und kritisiert, dass ihre Bilder zu schön wären, zu ästhetisch. Salgado antwortete darauf, dass eine ästhetisch schöne ansprechende Darstellung der Menschen in seinen Aufnahmen diesen Menschen ihre Würde gibt. Aber man könnte jetzt auch sagen, dass die Bilder dadurch unter Umständen auch wirklich erst für den Kunstbetrieb interessant wurden. Salgado, der jahrzehntelang in Ländern von Ruanda bis zum Kosovo das Leiden von Menschen fotografiert hat, macht Aufnahmen, die man fast nicht mehr ignorieren kann, sie sind so schön, dass man fast hinschauen muss und das dargestellte Leiden und Elend ist so schmerzhaft, dass es kaum auszuhalten ist. Das wiederum, so würde mancher argumentieren, sorgt dafür, dass wir nicht ignorieren können, welche Missstände irgendwo stattfinden.</p>

<p>Fotografie rüttelt auf, macht aufmerksam, weißt darauf hin, klagt an. Aber dann, ja dann, ändert sich oft gar nichts. Jahrzentelang bereiste Salgado Afrika und dokumentierte Leiden in bürgerkriegsgebeutelten Ländern. Und hat sich etwas geändert?</p>

<p>Steve McCurry fotografierte Flüchtlinge in Afghanistan. Und das berühmte Bild, dass angeblich den Vietnamkrieg zu beenden half, das wurde gemacht, da waren die amerikanischen Truppen eigentlich schon am Abziehen. Aber in dieser ganzen Argumentation steckt natürlich ein Denkfehler, das einzige Bild, das ändert wahrscheinlich nichts, aber in Summe und über Zeit ändert sich natürlich sehr wohl der Blick der Menschen auf ein Thema. Und sich diese Möglichkeit offenzuhalten, das war die große Leidenschaft des Verlegers und Journalisten Joseph Pulitzer.</p>

<p>Er war 1847 in Ungarn geboren und mit 17 wollte er eins: aus Ungarn weg. Er bewarb sich bei der österreichischen, der französischen und bei der britischen Armee und keine von denen wollte ihn haben, er wurde jedes Mal als untauglich eingestuft. Aber wie so oft Beharrlichkeit hilft und so schaffte er es 1864 in ein US-Bataillon akzeptiert zu werden und über Boston in die USA einzureisen. Er diente in einem deutschsprachigen Bataillon im amerikanischen Bürgerkrieg. Als der vorbei war, wollte er in den USA Fuß fassen, weil er aber hauptsächlich Deutsch und Französisch sprach und nur sehr wenig Englisch, war das zunächst schwieriger als gedacht. Aber Pulitzer hatte ein Ziel und so paukte er nicht nur Englisch, sondern begann Jura zu studieren. Als er 1867 amerikanischer Staatsbürger wurde, hatte r seinen Abschluss und sprach und schrieb exzellentes Englisch. 1868 kam er nach Missouri und trat dort eine Stelle bei einer deutschsprachigen Zeitung an. 1871 war er schon Herausgeber und Miteigentümer und 1873 zog er weiter. Und so wie diese ersten Jahre als Journalist ging es ab jetzt weiter, es war eine Serie von <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a>-Berufen, Redakteurposten, Teilhaben an Zeitungen und Gründungen von Zeitungen. Von Anfang an machte sich Josef Pulitzer einen Namen als ein akribischer Rechercheur. Seine Artikel prangerten Missstände an und gingen dahin, wo es wehtat. Seine Artikel waren sensationell recherchiert und waren vor allen Dingen auch skandalträchtig. Und Pulitzer machte vor niemandem Halt, als er 1909 einen Bestechungsskandal rund um den Panamakanal aufdeckte, wo es unter anderem um die Zahlung von 40Mio. US.Dollar unter dem US-Präsidenten Theodor Roosevelt ging. Wurde er von Roosevelt und <a "/tags/j-p-morgan.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="44" title="J.P. Morgan">J.P. Morgan</a> direkt verklagt. Ein Prozess, der Pulitzer noch berühmter machte als er ohnehin schon war, denn er ging siegreich hervor und wurde damit zu einem Helden der Pressefreiheit.</p>

<p>Diese Art von Journalismus, diesen an der Sensation kratzenden, aber hervorragend recherchierten investigativem Journalismus nennt man ungefähr Yellow Press, ein Begriff, der auch aus der Geschichte Joseph Pulitzers stammt. Als der nämlich 1895, die ersten Zeitungen im Vierfarbdruck verlegte, entschied er sich für das Abdrucken eines Comic-Strips, in dem ein Junge mit einem gelben Shirt die Hauptrolle spielte. Nicht klang und die Zeitungen, die sich von Pulitzers Stil inspirieren ließen, wurden schlicht Yellow Press genannt. Ein Begriff, der bis heute überlebt hat.</p>

<p>Und noch etwas geht auf Joseph Pulitzer zurück, die Gründung der ersten Journalistenschule in den USA. Als erfolgreicher Verleger träumte er davon, den Nachwuchs gezielt ausbilden zu lassen, ethische Standards, professionelle Praktiken, die wollte er vermitteln. Und so versuchte er 1892 mit einer Geldspende in Höhe von 2 Mio. US-Dollar, die Gründung einer Journalistenschule voranzutreiben, weil diese Spende allerdings nicht akzeptiert wurde, schrieb er sie kurzerhand als Stiftung in sein Testament. Nach seinem Tot, so verfügte er, solle eine &#8222;School of Journalism&#8220; gegründet werden und das restliche Geld dann zur Stiftung eines journalistischen Preises verwendet werden. Ein Jahr nach seinem Tod 1912 wird diese Idee Wirklichkeit, die Columbia Universität gründet eine journalistische Fakultät und seit 1917 wird jährlich der Pulitzer-Preis verliehen. Ging es bei dem Preis hauptsächlich um reine journalistische Berichterstattung, wurde bald deutlich, dass es mehrere Kategorien geben müsste. Insgesamt wird der Preis, inzwischen jährlich in 23 Kategorien verliehen, 15 davon sind journalistisch geprägte Kategorien, wie z.B. Audioreportage, Kommentar oder Breaking News Reporting. 7 Kategorien fallen in den Bereich Literatur, Theater und Musik und dann gibt es noch einen Sonderpreis. Alles in allem hat der Pulitzer inzwischen ein Prestige, dass man mit den Oscarverleihungen in der Filmbranche vergleichen kann. Es gehört ein Preisgeld in jede Kategorie und das Prestige, dass mit dem Gewinn eines Pulitzer-Preises einhergeht, sorgt normalerweise für ganz gute Karriereaussichten.</p>

<p>Jetzt war es natürlich so, dass in der Berichterstattung auch damals als Pulitzer seine ersten Schritte als Journalist machte, Fotografie eine wichtige Rolle spielte. Trotzdem dauerte es bis 1968, bevor der Pulitzer-Preis eine eigene Kategorie für Fotografie bekam. Damit ist der Pulitzer 13 Jahre später dran als der &#8222;world press photo award&#8220;, aber lieber spät als nie.</p>

<p>Beide Preise haben auf jeden Fall gemeinsam, dass sie durchzogen sind von Fotografien, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Beide haben gemeinsam, dass viele der Preisträger aus den Rängen von Agenturen wie &#8222;associated press&#8220; oder Reuters kommen. Und oft kommen bei den Preisträgerinnen und Preisträgern all die Konflikte, die ich am Anfang beschrieben habe, in einem Moment, in einem Preis, in einer <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a>, einem Foto zusammen. So wie 1993, als Kevin Carter ein bis heute oft geteiltes und immer wieder verbreitetes Foto macht.</p>

<p>Carter war ein junger Kerl, der sein Leben mehr schlecht als Recht im Griff hatte. Südafrika war zu der Zeit in turbulentes Land, die Apartheid lag in ihren letzten Zügen. Und es war diese turbulente Umgebung, in der sich Kevin Carter und zwei seiner Freunde versuchten durch Reportagen aus dem zum Teil recht gewalttätigen und turbulenten Nachtleben von Städten wie z.B. Johannisburg, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Es waren einfach junge Kerle, die dahin gingen, wo die Action war. Selbst dem Nachtleben und den Drogen nicht ganz abgeneigt, kamen sie mehr als einmal selbst auch nur knapp mit dem Leben davon. Allerdings in den Neunzigern achtete die Welt etwas mehr auf die Geschichten, die aus Südafrika kamen, besonders wenn es um den Machtkampf zwischen der herrschenden &#8222;Freedom Party&#8220; und Nelson Mandelas ANC ging.1991 war es dann einer von Kevins Freunden, der für das Foto eines erstochenen Parteiunterstützers einen ersten Pulitzerpreis der Fotografie gewann. Und Carter sah das jetzt als eines seiner Ziele an, den Pulitzer gewinnen, dann würde er es geschafft haben. Und damit war auch klar, dramatische Bilder müssten her. 1993 beschließt er deswegen mit einem Kollegen zusammen in den Sudan zu reisen, um dort die von Rebellentruppen ausgelöste Hungersnot zu dokumentieren. Er muss sich bei seinem regulären Job dafür Urlaub nehmen und reist auf eigene Kasse in das Land. Die Hoffnung: die Fotos würden sich als interessant genug herausstellen, um bei den verschiedenen Nachrichtenagenturen auf Resonanz zu stoßen und wer weiß, vielleicht ist es ja sogar Pulitzer-Preis Material. Jetzt hatte Carter zwar Erfahrungen darin, wie man auch durchaus gewalttätige Szenerien dokumentiert, aber in ein Bürgerkriegsgebiet und mit einer Hungersnot zu reisen und dort zu fotografieren ist dann doch noch einmal eine völlig andere Hausnummer. Jetzt finden solche journalistischen Fotoreisen nicht vollkommen losgelöst von Infrastruktur ab, es ist also nicht so, dass der heldenhafte Fotograf seinen Rucksack schultert und alleine ins Kriegsgebiet wandert, sondern in aller Regel sind das organisierte Reisen, die zu bestimmten Anlässen stattfinden. Zum Beispiel, wenn die UN Hilfsgüter in ein Land einfliegen oder so. Und selten sind die Fotografen alleine unterwegs, sondern meistens in einer Gruppe mit organisierter An- und Abreise. So auch hier, Kevin Carter und Kollegen werden von einem kleinen Flugzeug zu einer Hilfsmittelverteilstation gebracht. Das Flugzeug landet, alle springen mit Kamera im Anschlag aus der Maschine und Kevin Carter, der sich vieles ausgemalt hatte, aber noch nie vor Ort gesehen hatte, war tief schockiert von den Bildern, die er sah. Routiniert fängt er an zu fotografieren, wie auch seine Kollegen. Allerdings versucht er relativ schnell von den doch relativ hart anzuschauenden Szenen, der vom Hungertod bedrohten Menschen wegzukommen. Auf der Suche nach einfacheren Motiven geht er in Richtung des Busches, als er ein Geräusch hört. Ein leises Wimmern und da macht er das Foto, dass ihm den Pulitzer-Preis einbringen sollte, ein Mädchen war nämlich auf dem Weg zu der Essensverteilung gestolpert und gefallen, es ist so ausgehungert, es hat praktisch keine Kraft mehr sich groß aufzurichten und zu bewegen.</p>

<p>Und die Szene, die Kevin hier festhält, wird Menschen rund um den Erdball entsetzen, denn keine drei Meter von dem Mädchen entfernt, sitzt ein Aasgeier am Boden und beobachtet das Kind. Furchtbar und ohne Kontext schwierig, denn was das Bild natürlich nicht zeigt ist, ob andere Menschen in der Nähe waren, ob denn eine Gefahr für das Mädchen bestand, ob es sich wenig später aufgerichtet hat, ob irgendjemand den Vogel verscheucht hatte. Das Bild selbst zeigt die Szene, wie sie sich in dem Moment für Kevin Carter darstellt, ein kraftloses Kind am Boden und ein Aasgeier, der darauf wartet Beute zu machen. Harter Stoff, Kevin Carter, der sich gerne mit Image des harten Kerls umgibt, hat in Wirklichkeit eine jahrelange Geschichte von depressiven Schüben und Drogenmissbrauch hinter sich, dieser Anblick und diese Szenerie, die er nicht nur in diesem Moment aufgenommen hatte, schlägt bei ihm ein wie eine Bombe. Er selbst beschreibt die Szene so, dass das Mädchen am Boden lag und der Vogel eine Weile dort sitzen blieb. Er hatte direkt ein Foto gemacht, wartete aber noch eine Weile, ob der Vogel vielleicht die Flügel ausbreiten würde. Später, als ihm der Vorwurf gemacht wurde, er hätte an seinen eigenen Vorteil gedacht, statt dem Kind zu helfen, verteidigte er sich damit, dass er sagte, erstens habe er ja später dann den Vogel verscheucht und zweitens wäre das Kind dann ja auch wieder aufgestanden und weitergelaufen. Und überhaupt ist der Beruf eines Kriegsreporters ja nicht unbedingt überall Erste-Hilfe zu leisten, sondern zu dokumentieren, was er sieht, um Menschen davon zu berichten und womöglich dazu zu bringen, den Menschen, die da in Not sind, zu Hilfe zu eilen. Ja, aber trotzdem fanden, die von der Aufnahme schockierten Betrachtenden, dass Carter mehr hätte tun müssen, statt einfach nur ein Foto zu machen.</p>

<p>Ganz egal wie wir jetzt dazu stehen, Kevin jedenfalls packt seine Kamera, seine Filme, besteigt das Flugzeug und fliegt wieder nach Hause. Diese Fotogelegenheiten dauern dann auch nicht Stunden oder tagelang, die sind dann doch eher überschaubar in ihrem Zeitaufwand. Carter entwickelt die Filme und verkauft die Aufnahmen an entsprechende Agenturen und wie es der Zufall so will, die New York Times beschließt, genau diese Aufnahme für eine Artikelstrecke über den Sudan zu verwenden und kauft die Aufnahme. Und das Foto macht Eindruck, so viel Eindruck, dass eine unüberschaubare Anzahl Zeitungen weltweit genau dieses Bild aufnehmen und ebenfalls abdrucken.</p>

<p>14 Monate nachdem er diesen Moment im Busch dokumentiert hatte, wird sein Traum vom Pulitzer deswegen Wirklichkeit und das muss sich für ihn sehr seltsam angefühlt haben, denn gerade als er die Nachricht erhält, dass er für den Pulitzerpreis nach New York eingeladen wurde, ist der Rest seines Lebens in Trümmern, der Trip in den Sudan hat ihn so heruntergezogen, dass er verstärkt zu Drogen griff, seine Stelle bei einer lokalen Zeitung verlor und kurz vor der Nachricht des Pulitzerpreisgewinns von seiner Freundin verlassen worden war. Er war also praktisch Mittel- und Obdachlos, aber es sah fast so aus als wenn, sozusagen in letzter Sekunde der Pulitzer-Preis zur Rettung gekommen wäre. Er steigt also ins Flugzeug, fliegt nach New York und lässt dort die Sau raus. Er ist ein gutaussehender junger Mann und genießt es im Mittelpunkt des Interesses zu stehen, der Nimbus des Starfotografen, gepaart mit seinem Auftreten macht ihn zum Star der New Yorker Szene, für ein zwei Wochen. Und dann brach die weltweite Kritik über ihn herein. Es ist ein Ding, ob man so ein Foto veröffentlicht hat und dafür dann Kritik einsteckt, aber kaum, dass er den Pulitzer-Preis gewonnen hat, schaltet die weltweite Empörung in eine neue Stufe. Und als er wieder daheim ist, wird die gesamte Situation irgendwann zu viel für ihn, Freunde versuchen ihn noch dazu zu überreden sich professionelle Hilfe zu holen. Aber Appelle kommen zu spät, es ist nichts Kevins erster Versuch sich das Leben zu nehmen, aber dieses Mal ist er erfolgreich. Zwei Monate nachdem er der Star des New Yorker Journalisten-Nachtlebens war, setzt er seinem Leben ein Ende.</p>

<p>Und uns sollte diese Geschichte sehr, sehr nachdenklich machen, denn wir urteilen schon enorm schnell, auf Basis von Fotos, deren Kontext wir nicht kennen und deren Macherinnen und Macher uns vollkommen unbekannt sind. Und gleichzeitig feiern wir die Menschen, die uns diese Bilder bringen. Im Sudan herrscht immer noch Hungersnot, 13,4 Mio. Menschen sind jetzt während ich hier aufnehme am 7.1.2022 im Sudan auf humanitäre Hilfe angewiesen und es herrscht immer noch Bürgerkrieg. Und deswegen fliegen wieder und wieder Fotografierende und Journalisten ins Land, um uns aufzurütteln, in der Hoffnung, dass Pulitzer und so viele andere nach ihm recht haben und sich die Welt vielleicht doch ein klein bisschen ändern lässt, wenn man Geschichten erzählt.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Eisberginspiration</title>
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            <pubDate>Fri, 24 Dec 2021 07:00:00 GMT</pubDate>
            <description>Der Welt berühmteste Eisberg existiert gar nicht.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Der Welt berühmteste Eisberg existiert gar nicht. Ralph Clevenger’s Webseite Creating a Timeless Masterpiece - with Ralph Clevenger (Podcast) The Iceberg Stock Photo That Has Earned Over $900K The World’s Most Inspirational Iceberg Is a Fake Google Bildersuche Eisberg (Wikipedia) Nils Pooker auf Twitter Dieses Video auf Vimeo ansehen Transkript Ralph Clevenger ist der Fotograf, der den ikonischsten Eisberg der Welt fotografierte. Und er war zu der Zeit schon etabliert. National Geographic gehörte zu seinen Klienten, Naturfotografie war seine Spezialität. Er studierte zunächst Zoologie, verlor sein Herz dann aber an die Fotografie und studierte deswegen ein weiteres Mal am „Brooks Institut of Photography“, wo er später dann auch über 30 Jahre lang zum Lehrkörper zählte. Er hat jedenfalls viel in der Branche gearbeitet. Er hat Lehrbücher geschrieben und Fotos für verschiedenste Magazine und Veröffentlichungen produziert. Aber keines war so erfolgreich wie dieses eine Eisbergfoto, um das es heute geht. Wer es noch nicht gemacht hat, sollte es vielleicht jetzt kurz mal tun, „Eisberg“, „tip of Iceberg“ oder „Spitze des Eisbergs“ in die Google Bildersuche tippen und dann das ikonischste aller ikonischen Eisbergfotos vor sich sehen. Das Besondere an diesem Bild ist nicht, dass es mit Analogfilm gemacht wurde 1998, wir hatten ja nix damals. Das Besondere ist auch nicht diese knallige Farbe und dass wir als Stockphoto die Wahl zwischen Eisberg links, recht, Mitte haben. Nein, das Besondere an diesem Bild ist, dass es diesen Eisberg so nie gegeben hat. Den kann man so nämlich gar nicht fotografieren, auch mit modernen Mitteln nicht. Eisberge, so wissen wir, haben den Großteil ihrer Masse unter Wasser und so haben wir dieses Bild vor Auge, wenn wir an Eisberge denken. Aber fotografieren kann man einen Eisberg so nicht. Das Wasser ist einfach nicht klar genug, damit wir den Berg in seiner Gänze so festhalten könnten. Das war auch Ralph Clevenger klar, als er die Idee zum Bild hatte. Photoshop muss damals in der Version zwei oder drei gewesen sein. Jedenfalls wusste Ralph, welchen Bildeindruck er erzeugen würde und die einzige Aufgabe bestand dann darin, die richtigen Bestandteile zusammenzufügen, der Himmel und das Wasser stammen aus Kalifornien. Dann ist da die Spitze des Eisbergs, die übers Wasser ragt, die fotografierte er in der Antarktis. Und dann ist da noch der Teil unter Wasser. Ja und der Teil war auch ein richtiger Eisberg, allerdings einer aus Alaska und der war nicht unter Wasser im Original, sondern eine andere Eisbergspitze über Wasser. Ralph erzählt in Interviews, dass der auch wirklich so authentisch blau strahlte, was dann später die Arbeit in Photoshop erheblich leichter machte. Die Teile wurden also auf Slidefilm fotografiert und danach digitalisiert,um dann bearbeitet zu werden. Insgesamt war das Bild über 18 Megabyte groß, was für damalige Verhältnisse geradezu monströs war. Erzeugt wurde das Bild in drei Varianten, Hochkant Eisberg mittig, Querformat Eisberg mittig und Querformat Eisberg links. So konnte man dieses Foto ideal mit Text kombinieren, als Titelbild oder als Magazin-Spread verwenden, denn von Anfang an war klar, dass dieses Foto als ein Stockphoto verkauft werden würde. Und deswegen wurde es auch sofort entsprechend vermarktet. Von Tag 1 weg gab es Käufer für dieses Bild, denn das Bild hatte eine ganz besondere Eigenschaft, es war nicht nur originell, zu der Zeit gab es solche Fotos noch nicht. Heute sehen praktisch alle Eisbergfotos so aus wie dieses ikonische Bild. Aber damals war das eine vollständig neue Idee. Gleichzeitig konnte man diese Metapher für alles Mögliche verwenden. Und so fanden sich Käufer quer durch alle Industrien. Bis heute wird dieses Foto immer und immer wieder in Werbekampagnen verwendet. Und für Ralph Clevenger heißt das, die Ausbildungskosten seiner Kinder sind von einem Eisbergfoto finanziert worde</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Der Welt berühmteste Eisberg existiert gar nicht.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://ralphclevenger.com/" target="_blank">Ralph Clevenger&#8217;s</a><a href="https://ralphclevenger.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> </a><a rel="noreferrer noopener" href="https://ralphclevenger.com/" target="_blank">Webseite</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://thisweekinphoto.com/ralph-clevenger/" target="_blank">Creating a Timeless Masterpiece - with Ralph Clevenger</a> (Podcast)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://petapixel.com/2015/09/24/the-iceberg-stock-photo-that-has-earned-over-900k/" target="_blank">The Iceberg Stock Photo That Has Earned Over $900K</a></li><li>The World’s Most Inspirational Iceberg Is a Fake</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.google.com/search?q=iceberg&amp;tbm=isch&amp;ved=2ahUKEwihhI-ypOv0AhXGPOwKHa2uC-sQ2-cCegQIABAA&amp;oq=iceberg&amp;gs_lcp=CgNpbWcQAzIHCCMQ7wMQJzIFCAAQgAQyBQgAEIAEMgUIABCABDIFCAAQgAQyBQgAEIAEMgUIABCABDIFCAAQgAQyBQgAEIAEMgUIABCABDoICAAQgAQQsQM6BAgAEEM6CAgAELEDEIMBOgcIABCxAxBDUPIJWPARYJETaABwAHgAgAFKiAGaBJIBATiYAQCgAQGqAQtnd3Mtd2l6LWltZ8ABAQ&amp;sclient=img&amp;ei=yr68YaH3N8b5sAet3a7YDg&amp;bih=1363&amp;biw=1604#imgrc=cE-2VhYyQaOQiM" target="_blank">Google Bildersuche</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eisberg" target="_blank">Eisberg</a> (Wikipedia)</li><li>Nils Pooker auf Twitter</li></ul>

<p><a href="https://player.vimeo.com/video/121316716?dnt=1&amp;app_id=122963" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf Vimeo ansehen</a></p>

<div class="yt-facade" data-yt="2NeyTEO_JP0" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_2NeyTEO_JP0.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Ralph Clevenger ist der Fotograf, der den ikonischsten Eisberg der Welt fotografierte. Und er war zu der Zeit schon etabliert. National Geographic gehörte zu seinen Klienten, Naturfotografie war seine Spezialität. Er studierte zunächst Zoologie, verlor sein Herz dann aber an die Fotografie und studierte deswegen ein weiteres Mal am &#8222;Brooks Institut of Photography&#8220;, wo er später dann auch über 30 Jahre lang zum Lehrkörper zählte.<br><br>Er hat jedenfalls viel in der Branche gearbeitet. Er hat Lehrbücher geschrieben und Fotos für verschiedenste Magazine und Veröffentlichungen produziert.<br><br>Aber keines war so erfolgreich wie dieses eine Eisbergfoto, um das es heute geht. Wer es noch nicht gemacht hat, sollte es vielleicht jetzt kurz mal tun, &#8222;Eisberg&#8220;, &#8222;tip of Iceberg&#8220; oder &#8222;Spitze des Eisbergs&#8220; in die Google Bildersuche tippen und dann das ikonischste aller ikonischen Eisbergfotos vor sich sehen.<br><br>Das Besondere an diesem Bild ist nicht, dass es mit Analogfilm gemacht wurde 1998, wir hatten ja nix damals. Das Besondere ist auch nicht diese knallige Farbe und dass wir als Stockphoto die Wahl zwischen Eisberg links, recht, Mitte haben. Nein, das Besondere an diesem Bild ist, dass es diesen Eisberg so nie gegeben hat. Den kann man so nämlich gar nicht fotografieren, auch mit modernen Mitteln nicht.<br><br>Eisberge, so wissen wir, haben den Großteil ihrer Masse unter Wasser und so haben wir dieses Bild vor Auge, wenn wir an Eisberge denken. Aber fotografieren kann man einen Eisberg so nicht. Das Wasser ist einfach nicht klar genug, damit wir den Berg in seiner Gänze so festhalten könnten.<br><br>Das war auch Ralph Clevenger klar, als er die Idee zum Bild hatte. <a "/posts/die-geschichte-der-bildmanipulation.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="55" title="Photoshop">Photoshop</a> muss damals in der Version zwei oder drei gewesen sein.<br><br>Jedenfalls wusste Ralph, welchen Bildeindruck er erzeugen würde und die einzige Aufgabe bestand dann darin, die richtigen Bestandteile zusammenzufügen, der Himmel und das Wasser stammen aus Kalifornien. Dann ist da die Spitze des Eisbergs, die übers Wasser ragt, die fotografierte er in der Antarktis. Und dann ist da noch der Teil unter Wasser. Ja und der Teil war auch ein richtiger Eisberg, allerdings einer aus Alaska und der war nicht unter Wasser im Original, sondern eine andere Eisbergspitze über Wasser.<br><br>Ralph erzählt in Interviews, dass der auch wirklich so authentisch blau strahlte, was dann später die Arbeit in <a "/posts/die-geschichte-der-bildmanipulation.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="55" title="Photoshop">Photoshop</a> erheblich leichter machte.<br><br>Die Teile wurden also auf Slidefilm fotografiert und danach digitalisiert,um dann bearbeitet zu werden. Insgesamt war das Bild über 18 Megabyte groß, was für damalige Verhältnisse geradezu monströs war. Erzeugt wurde das Bild in drei Varianten, Hochkant Eisberg mittig, Querformat Eisberg mittig und Querformat Eisberg links. So konnte man dieses Foto ideal mit Text kombinieren, als Titelbild oder als Magazin-Spread verwenden, denn von Anfang an war klar, dass dieses Foto als ein Stockphoto verkauft werden würde. Und deswegen wurde es auch sofort entsprechend vermarktet. Von Tag 1 weg gab es Käufer für dieses Bild, denn das Bild hatte eine ganz besondere Eigenschaft, es war nicht nur originell, zu der Zeit gab es solche Fotos noch nicht. Heute sehen praktisch alle Eisbergfotos so aus wie dieses ikonische Bild. Aber damals war das eine vollständig neue Idee. Gleichzeitig konnte man diese Metapher für alles Mögliche verwenden. Und so fanden sich Käufer quer durch alle Industrien. Bis heute wird dieses Foto immer und immer wieder in Werbekampagnen verwendet.<br><br>Und für Ralph Clevenger heißt das, die Ausbildungskosten seiner Kinder sind von einem Eisbergfoto finanziert worden, denn von der über eine Million Euro, die dieses Bild bis jetzt eingespielt hat, hat er so rund 40% verdient.<br><br>Nicht schlecht als Einnahme von einer Fotoidee.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Pixelige Babyfotos</title>
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            <pubDate>Fri, 17 Dec 2021 16:03:10 GMT</pubDate>
            <description>Ja, auch den Pixel gab es nicht schon immer. Er wurde 1957 erfunden und hat einen 3 Monate alten Paten :-)</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Ja, auch den Pixel gab es nicht schon immer. Er wurde 1957 erfunden und hat einen 3 Monate alten Paten 🙂 Russell Kirsch (Wikipedia) Russell Kirsch, computer scientist who scanned the first digital image, dies at 91 Smithsonian Computer Oral History Collection, 1969-1973, 1977 – Russell Kirsch Der Mensch, der die Welt verpixelte (Welt) RUSSELL KIRSCH: PIXEL PIONEER AND THE FATHER OF DIGITAL IMAGING Dieses Video auf Vimeo ansehen Transkript Es gibt ja so einige Listen, die hundert angeblich einflussreiche Fotos zeigen und auf jeder dieser Listen sind Babyfotos zu sehen. Und besonders spannend ist, dass die meisten Babyfotos etwas mit technischer Entwicklung zu tun haben. Das Baby, um das es heute geht, hieß Walden Kirsch. Unglaublich süß und der ganze Stolz seines 27-jährigen Vaters Russel Kirsch. Der machte, was Väter, wenn sie stolz auf ihre neugeborenes Baby sind, so tun, er brachte nämlich ein Foto seines Sohnes mit zur Arbeit. Es ist das Jahr 1957 und angestellt ist er als Computertechniker beim National Bureau of Standards und ist einer der wenigen, die an dem bis dahin ersten und einzigen programmierbaren Computer in den Vereinigten Staaten arbeiten dürfen. Das Ding füllte einen ganzen Raum aus und hieß „Standard Electronic Automatic Computer“ oder „SEAC“ und wurde für so nützliche Dinge benutzt wie Berechnungen zum Bau der Atombombe durchzuführen. Aber Russell, ganz Techniker, hatte andere Vorstellungen, was so ein Computer noch alles leisten könnte und so fragt er sich, was wäre eigentlich, wenn Computer die Welt so wahrnehmen könnten wie wir? Damals waren Computer ja in erster Linie zum Berechnen da. Es gab noch keine Computergrafik. Und so musste Russell zuerst etwas erfinden, das wir heute als selbstverständlich wahrnehmen. Er musste sich überlegen, wie genau er Bilder in den Computer bekommt und was denn die kleinstmögliche Einheit wäre. Er entwarf also ein Gerät, mit dem man Bilder theoretisch abtasten könnte. Er konstruierte einen Prototypen und beschloss, das Foto, das in seiner Brieftasche war, als Beispielfoto zu nutzen. Das Bild war jetzt für seine Zwecke ein bisschen arg groß und deswegen schnitt er einen kleinen Teil davon aus, das Gesicht seines Sohnes. Und dieses Bild nutzte er dann, um mit seinem neu konstruierten Handscanner, wie wir es heute nennen würden, eine Abtastung vorzunehmen. 176 x 176 Punkte war diese Abtastung groß und Russell Kirsch wurde damit zum Erfinder des Pixels. Ja, genau das Ding, von dem wir heute in millionenfacher Ausführung als Megapixel sprechen, musste damals erst mal ausgedacht werden. Der Handscanner, den er sich ausgedacht hatte, tastete das Bild zwar in 176 x 176 Pixeln ab, aber jeder dieser Pixel konnte nur einen von zwei Werten annehmen, weiß oder schwarz, eins oder null. Abhängig von der justierten Empfindlichkeit der Abtastung konnte man ein Bild jedoch mehrmals abtasten und so auch Graustufen herausrechnen. Und das Bild war eine sofortige Sensation. Es wies für ganze Teams von Forschern die Richtung. Die NASA wusste sofort Anwendungsfälle für diese Technologie. Natürlich auch das Militär, wie soll es auch anders sein. Die Erfindung des Pixels und dieses allererste gescannte digitale Foto sind die Urahnen für die gesamte moderne Bildverarbeitung. Satellitenfotografie, CT-Scans, Strichcodes, moderne Fertigungsstraßen, Displays, Kameras, Projektoren, die Liste ist endlos. Russell Kirsch, der von seiner Familie als Bastler beschrieben wurde, beschäftigte sich sein gesamtes restliches Leben dann mit der weiteren Computerentwicklung. War es am Anfang oft Hardware, an der er herumschraubte, wurde es dann schnell die algorithmische Seite der Dinge. Zusammen mit seiner Frau, die Kunsthistorikerin war, analysierte er mithilfe von Computertechnik historische Gemälde, forschte an AIs, die das menschliche Gehirn nachzuahmen versuchen und erfreute sich daran, eine Entwicklung beobachten zu dürfen, die v</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Ja, auch den Pixel gab es nicht schon immer. Er wurde 1957 erfunden und hat einen 3 Monate alten Paten 🙂 </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Russell_Kirsch#cite_note-two-9" target="_blank">Russell Kirsch</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.washingtonpost.com/local/obituaries/russell-kirsch-computer-scientist-who-scanned-first-digital-image-dies-at-91/2020/08/13/a234a22c-dccd-11ea-b205-ff838e15a9a6_story.html" target="_blank">Russell Kirsch, computer scientist who scanned the first digital image, dies at 91</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20211213214822/https://amhistory.si.edu/archives/AC0196_kirs701008.pdf" target="_blank">Smithsonian Computer Oral History Collection, 1969-1973, 1977 &#8211; Russell Kirsch</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/wissenschaft/article213565930/Computer-Pionier-gestorben-Der-Mensch-der-die-Welt-verpixelte.html" target="_blank">Der Mensch, der die Welt verpixelte</a> (Welt)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://hackaday.com/2020/08/20/russell-kirsch-pixel-pioneer-and-the-father-of-digital-imaging/" target="_blank">RUSSELL KIRSCH: PIXEL PIONEER AND THE FATHER OF DIGITAL IMAGING</a></li></ul>

<div><figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="394" height="480" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/394px-NBSFirstScanImage.jpg" alt="Schwarzweißporträt eines kleinen Kindes im Profil, das direkt vor der Kamera blickt."/></figure></div>

<figure><img decoding="async" src="https://hackaday.com/wp-content/uploads/2020/08/NIST-SEAC.jpg?w=800" alt="Zwei Männer sitzen an Tischen vor einem großen Bedienfeld, das viele rechteckige Indikatoren und Schalter aufweist."/></figure>

<p><a href="https://player.vimeo.com/video/22179638?dnt=1&amp;app_id=122963" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf Vimeo ansehen</a></p>

<div class="yt-facade" data-yt="lF0TA9O3Dc8" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_lF0TA9O3Dc8.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Es gibt ja so einige Listen, die hundert angeblich einflussreiche Fotos zeigen und auf jeder dieser Listen sind Babyfotos zu sehen.</p>

<p>Und besonders spannend ist, dass die meisten Babyfotos etwas mit technischer Entwicklung zu tun haben. Das Baby, um das es heute geht, hieß Walden Kirsch. Unglaublich süß und der ganze Stolz seines 27-jährigen Vaters Russel Kirsch. Der machte, was Väter, wenn sie stolz auf ihre neugeborenes Baby sind, so tun, er brachte nämlich ein Foto seines Sohnes mit zur Arbeit.</p>

<p>Es ist das Jahr 1957 und angestellt ist er als Computertechniker beim National Bureau of Standards und ist einer der wenigen, die an dem bis dahin ersten und einzigen programmierbaren Computer in den Vereinigten Staaten arbeiten dürfen. Das Ding füllte einen ganzen Raum aus und hieß &#8222;Standard Electronic Automatic Computer&#8220; oder &#8222;SEAC&#8220; und wurde für so nützliche Dinge benutzt wie Berechnungen zum Bau der Atombombe durchzuführen.</p>

<p>Aber Russell, ganz Techniker, hatte andere Vorstellungen, was so ein Computer noch alles leisten könnte und so fragt er sich, was wäre eigentlich, wenn Computer die Welt so wahrnehmen könnten wie wir? Damals waren Computer ja in erster Linie zum Berechnen da. Es gab noch keine Computergrafik. Und so musste Russell zuerst etwas erfinden, das wir heute als selbstverständlich wahrnehmen. Er musste sich überlegen, wie genau er Bilder in den Computer bekommt und was denn die kleinstmögliche Einheit wäre.</p>

<p>Er entwarf also ein Gerät, mit dem man Bilder theoretisch abtasten könnte. Er konstruierte einen Prototypen und beschloss, das Foto, das in seiner Brieftasche war, als Beispielfoto zu nutzen. Das Bild war jetzt für seine Zwecke ein bisschen arg groß und deswegen schnitt er einen kleinen Teil davon aus, das Gesicht seines Sohnes. Und dieses Bild nutzte er dann, um mit seinem neu konstruierten Handscanner, wie wir es heute nennen würden, eine Abtastung vorzunehmen.</p>

<p>176 x 176 Punkte war diese Abtastung groß und Russell Kirsch wurde damit zum Erfinder des Pixels. Ja, genau das Ding, von dem wir heute in millionenfacher Ausführung als Megapixel sprechen, musste damals erst mal ausgedacht werden. Der Handscanner, den er sich ausgedacht hatte, tastete das Bild zwar in 176 x 176 Pixeln ab, aber jeder dieser Pixel konnte nur einen von zwei Werten annehmen, weiß oder schwarz, eins oder null. Abhängig von der justierten Empfindlichkeit der Abtastung konnte man ein Bild jedoch mehrmals abtasten und so auch Graustufen herausrechnen.</p>

<p>Und das Bild war eine sofortige Sensation. Es wies für ganze Teams von Forschern die Richtung. Die NASA wusste sofort Anwendungsfälle für diese Technologie. Natürlich auch das Militär, wie soll es auch anders sein. Die Erfindung des Pixels und dieses allererste gescannte digitale Foto sind die Urahnen für die gesamte moderne Bildverarbeitung. Satellitenfotografie, CT-Scans, Strichcodes, moderne Fertigungsstraßen, Displays, Kameras, Projektoren, die Liste ist endlos.</p>

<p>Russell Kirsch, der von seiner Familie als Bastler beschrieben wurde, beschäftigte sich sein gesamtes restliches Leben dann mit der weiteren Computerentwicklung. War es am Anfang oft Hardware, an der er herumschraubte, wurde es dann schnell die algorithmische Seite der Dinge. Zusammen mit seiner Frau, die Kunsthistorikerin war, analysierte er mithilfe von Computertechnik historische Gemälde, forschte an AIs, die das menschliche Gehirn nachzuahmen versuchen und erfreute sich daran, eine Entwicklung beobachten zu dürfen, die von einem selbst zusammengebauten Gerät, das im Prinzip gerade mal hell und dunkel unterscheiden konnte, führte zu einer Welt, in der wir abertausende Babyfotos in unserer Hosentasche spazieren tragen können.</p>

<p>Wir machen uns glaube ich gar keine Vorstellung davon, wie einzigartig so eine Entdeckung ist. Wir nehmen das einfach selbstverständlich hin, natürlich wurde irgendwann der Pixel entwickelt. Trotzdem muss erstmal jemand darauf kommen und das erste Gerät bauen, das das dann auch umsetzt.</p>

<p>Russell Kirsch blieb sein Leben lang bescheidener Techniker und Computerwissenschaftler. Er war fasziniert von der Technologie und überzeugt davon, dass sie unser aller Leben besser machen würde. Im hohen Alter erkrankt er dann an Demenz, schrieb aber bis zuletzt Gedichte und nahm am Leben Teil, bis er dann im August 2020 im Alter von 91 Jahren starb.</p>]]></content:encoded>
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        </item>
        <item>
            <title>Zensierter Zensurprotest</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/zensierter-zensurprotest.html</link>
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            <pubDate>Fri, 10 Dec 2021 17:17:09 GMT</pubDate>
            <description>Der erfolgreiche Hollywood-Portraitfotograf Whitey Schafer hätte sich vermutlich nicht träumen lassen, dass sein berühmtestes Foto letztlich eine scherzhaft gemeinte Satireaufnahme sein würde.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Der erfolgreiche Hollywood-Portraitfotograf Whitey Schafer hätte sich vermutlich nicht träumen lassen, dass sein berühmtestes Foto letztlich eine scherzhaft gemeinte Satireaufnahme sein würde. Adolph Whitey Schafer (Wikipedia) Hinweis-Tweet von @Ragemus “Thou Shalt Not”: A 1940 Photo Satirically Mocks Every Vice &amp; Sin Censored by the Hays Movie Censorship Code Motion Picture Production Code Hays Code (Wikipedia) Hollywood (Wikipedia) Roscoe Arbuckle (Wikipedia) Mary Mallory / Hollywood Heights - A. L. “Whitey” Schafer Simplifies Portraits Transkript Hollywood war nicht immer das Zentrum der Filmindustrie, zwar gab es einige Pioniere des Bewegtfilms in Kalifornien, aber dass ausgerechnet Hollywood irgendwann einmal das Epizentrum der westlichen Kinokultur werden sollte, war längst nicht ausgemacht. Eigentlich fing das Ganze mit einer Filmcrew an, die 1910 aus New York anreiste, um einen Film in Los Angeles zu drehen. Weil es beim ersten Versuch schon ziemlich gut geklappt hat, blieb man mehrere Monate und stellte gleich mehrere Filme fertig. Und weil auch das so gut funktionierte, wurde gleich das erste Filmstudio Hollywoods gegründet. Schon 1915 wurden dann die Mehrheit aller amerikanischen Filme in Los Angeles und Umgebung produziert. Und es gab nicht nur eins, sondern gleich mehrere Filmstudios. Es waren die „Roaring Twenties“, es ging hoch her. Die Welt befand sich im Aufbruch und Partystimmung herrschte natürlich in Hollywood. Und so wundert es auch gar nicht, dass es relativ schnell zu ziemlich handfesten Skandalen kommt. Immer mit den wichtigsten Zutaten handfester Hollywoodskandale: Sex, Drogen, Gewalt. 1921 dann ist es endgültig das Maß voll. Der berühmte Stummfilmstar Roscoe Arbuckle wird beschuldigt ein Filmsternchen grausam vergewaltigt und umgebracht zu haben. Arbuckle kennen nicht mehr viele, aber damals war er auf Augenhöhe mit einem Buster Keaton oder Charlie Chaplin. Ihm wird der Prozess gemacht und er wird freigesprochen, allerdings ist seine Karriere danach beendet und Hollywood gilt endgültig als Sündenpfuhl. Die Presse bekommt sich gar nicht mehr ein und schreit nach Konsequenzen, Hollywood, so der Tenor, verdirbt unsere Bevölkerung. Die Menschen werden moralisch korrumpiert, indem sie sich Sex, Gewalt und Drogen auf der Leinwand anschauen. Aber Druck und Kritik kamen nicht nur von den Medien, sondern auch von Kirchen und Behörden. In den Zwanzigern und Dreißigern gab es zum Teil über hundert gleichzeitig laufende Verfahren in verschiedenen Bundesstaaten, alle mit dem Ziel Filme zu zensieren, Lizenzsysteme einzuführen, die Kontrolle über das, was Kinos spielen durften, erlaubten und dergleichen mehr. Irgendwann wurde das ganze zum Thema für den amerikanischen Kongress und es drohte ein Zensurgesetz. Um das abzuwenden, stimmte man 1922 zu, die „motion pictures producers and distributors association“ zu gründen. Und sich als Filmindustrie, sozusagen freiwillig, einer gewissen Selbstzensur zu unterwerfen. Vorsitzender dieser neuen Zensurbehörde wurde ein Mann namens Hays und der nahm nun den Auftrag an, einen moralischen Code für die Filmindustrie zu entwerfen. Das Ergebnis war der sogenannte „Production Code“ oder wie er umgangssprachlich auch oft genannt wurde: der sogenannte „Hays Code“. Er sollte sicherstellen, dass das Publikum durch einen Film nicht korrumpiert werden würde, also moralisch beeinträchtigt. Und dazu gab es eine ganze Reihe von Vorschriften: z.B. durfte man in Filmen die Polizei nicht nachteilig darstellen oder das Brechen von Gesetzen positiv darstellen, Sex war natürlich auch verboten. Insbesondere Sex zwischen Schwarzen und Weißen, dafür gab es einen eigenen Paragrafen im Hays Code. Ähnliches mit der Sklaverei, die konnte man zwar zeigen, wenn es der Plot denn vorschrieb, aber bitte nur mit „People of Color“, white slavery verdiente auch einen eigenen Eintrag. Überhaupt gab es so einige Gummiparagrafen in d</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Der erfolgreiche Hollywood-Portraitfotograf Whitey Schafer hätte sich vermutlich nicht träumen lassen, dass sein berühmtestes Foto letztlich eine scherzhaft gemeinte Satireaufnahme sein würde.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Whitey_Schafer" target="_blank">Adolph Whitey Schafer</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20211004045132/https://twitter.com/Ragemus/status/1444887875565375495" target="_blank">Hinweis-Tweet von @Ragemus</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.openculture.com/2019/09/thou-shalt-not.html" target="_blank">“Thou Shalt Not”: A 1940 Photo Satirically Mocks Every Vice &amp; Sin Censored by the Hays Movie Censorship Code</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.moviehousememories.com/motion-picture-production-code-of-1930/" target="_blank">Motion Picture Production Code</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hays_Code" target="_blank">Hays Code</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hollywood" target="_blank">Hollywood</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Roscoe_Arbuckle" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Roscoe Arbuckle</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://ladailymirror.com/2013/11/04/mary-mallory-hollywood-heights-mdash-a-l-whitey-schafer-simplifies-portraits/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mary Mallory / Hollywood Heights - A. L. “Whitey” Schafer Simplifies Portraits</a></li></ul>

<figure>
<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="227" height="307" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Whitey_Schafer_-_May_1936_-_Motion_Picture_Studio_Insider.jpg" alt="Schwarz-Weiß-Porträt eines Mannes mittleren Alters in Anzug, der leicht zur Seite blickt und lächelt."/></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="754" height="960" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Thou_Shalt_Not_-_Whitey_Schafer_-_1940.jpg" alt="Eine Frau in einem dunklen Kleid sitzt neben einem kleinen Tisch und hält eine Pistole, während ein Mann auf dem Boden liegt; das Bild enthält außerdem einen Textblock mit englischen Buchstaben."/></figure>
</figure>

<div class="yt-facade" data-yt="HXZGKhpv8eg" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_HXZGKhpv8eg.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="Qt_Ebdzijkw" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_Qt_Ebdzijkw.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Hollywood war nicht immer das Zentrum der Filmindustrie, zwar gab es einige Pioniere des Bewegtfilms in Kalifornien, aber dass ausgerechnet Hollywood irgendwann einmal das Epizentrum der westlichen Kinokultur werden sollte, war längst nicht ausgemacht.</p>

<p>Eigentlich fing das Ganze mit einer Filmcrew an, die 1910 aus New York anreiste, um einen Film in Los Angeles zu drehen. Weil es beim ersten Versuch schon ziemlich gut geklappt hat, blieb man mehrere Monate und stellte gleich mehrere Filme fertig. Und weil auch das so gut funktionierte, wurde gleich das erste Filmstudio Hollywoods gegründet. Schon 1915 wurden dann die Mehrheit aller amerikanischen Filme in Los Angeles und Umgebung produziert. Und es gab nicht nur eins, sondern gleich mehrere Filmstudios.</p>

<p>Es waren die &#8222;Roaring Twenties&#8220;, es ging hoch her. Die Welt befand sich im Aufbruch und Partystimmung herrschte natürlich in Hollywood. Und so wundert es auch gar nicht, dass es relativ schnell zu ziemlich handfesten Skandalen kommt.</p>

<p>Immer mit den wichtigsten Zutaten handfester Hollywoodskandale: Sex, Drogen, Gewalt. 1921 dann ist es endgültig das Maß voll. Der berühmte Stummfilmstar Roscoe Arbuckle wird beschuldigt ein Filmsternchen grausam vergewaltigt und umgebracht zu haben.</p>

<p>Arbuckle kennen nicht mehr viele, aber damals war er auf Augenhöhe mit einem Buster Keaton oder Charlie Chaplin. Ihm wird der Prozess gemacht und er wird freigesprochen, allerdings ist seine Karriere danach beendet und Hollywood gilt endgültig als Sündenpfuhl.</p>

<p>Die Presse bekommt sich gar nicht mehr ein und schreit nach Konsequenzen, Hollywood, so der Tenor, verdirbt unsere Bevölkerung. Die Menschen werden moralisch korrumpiert, indem sie sich Sex, Gewalt und Drogen auf der Leinwand anschauen.</p>

<p>Aber Druck und Kritik kamen nicht nur von den Medien, sondern auch von Kirchen und Behörden. In den Zwanzigern und Dreißigern gab es zum Teil über hundert gleichzeitig laufende Verfahren in verschiedenen Bundesstaaten, alle mit dem Ziel Filme zu zensieren, Lizenzsysteme einzuführen, die Kontrolle über das, was Kinos spielen durften, erlaubten und dergleichen mehr.</p>

<p>Irgendwann wurde das ganze zum Thema für den amerikanischen Kongress und es drohte ein Zensurgesetz. Um das abzuwenden, stimmte man 1922 zu, die &#8222;motion pictures producers and distributors association&#8220; zu gründen. Und sich als Filmindustrie, sozusagen freiwillig, einer gewissen Selbstzensur zu unterwerfen.</p>

<p>Vorsitzender dieser neuen Zensurbehörde wurde ein Mann namens Hays und der nahm nun den Auftrag an, einen moralischen Code für die Filmindustrie zu entwerfen. Das Ergebnis war der sogenannte &#8222;Production Code&#8220; oder wie er umgangssprachlich auch oft genannt wurde: der sogenannte &#8222;Hays Code&#8220;.</p>

<p>Er sollte sicherstellen, dass das Publikum durch einen Film nicht korrumpiert werden würde, also moralisch beeinträchtigt. Und dazu gab es eine ganze Reihe von Vorschriften: z.B. durfte man in Filmen die Polizei nicht nachteilig darstellen oder das Brechen von Gesetzen positiv darstellen, Sex war natürlich auch verboten. Insbesondere Sex zwischen Schwarzen und Weißen, dafür gab es einen eigenen Paragrafen im Hays Code. Ähnliches mit der Sklaverei, die konnte man zwar zeigen, wenn es der Plot denn vorschrieb, aber bitte nur mit &#8222;People of Color&#8220;, white slavery verdiente auch einen eigenen Eintrag.</p>

<p>Überhaupt gab es so einige Gummiparagrafen in dem Ding. So fanden sich Einträge, die Obszönitäten zum Beispiel dem guten Geschmack unterordnen, ähnliches gilt natürlich für Tanz und Kostüme. Es versteht sich von selbst, dass unzüchtige Kleidung natürlich verboten war. Dabei versteht sich von selbst, dass es für Frauen natürlich viel leichter war sich unzüchtig zu kleiden als für Männer.</p>

<p>Auf jeden Fall gab es so einiges an Regeln und die Filmindustrie ordnete sich dem Ganzen bereitwillig unter, denn es war big business.</p>

<p>Und lieber ordnete man sich unter und hatte seine Ruhe, als sich dem Wohl und Wehe auszusetzen. Rechtssicherheit war wichtiger, als die Freiheit der Kunst. Die von Hays geleitete Behörde war von jetzt an zuständig, die Produktionsfirmen an die Einhaltung des Codes zu erinnern und ab 1934 wurde das ganze auch von einem entsprechenden Gesetzeswerk unterlegt. Es gab also Geldstrafen, wenn man gegen den Code verstieß, es gab Fristen und Melderechte und so weiter. Und während sich die Industrie damit arrangierte und in der Zeit tatsächlich auch eine ganze Reihe berühmter Filme entstehen lässt, schütteln natürlich auch viele Kreative der damaligen Zeit, Regisseure, Fotografen, Filmemacher einfach nur angesichts der Absurditäten des Hays Code den Kopf.</p>

<p>Und das bringt uns heute zu einem Mann, auf den mich der Ralph auf Twitter hingewiesen hat. Nämlich der Fotograf Adolph L. &#8222;Whitey&#8220; Schafer, Whitey war sein Spitzname, wegen seinen blonden Haaren und sein Fimmel für Seitenschals war legendär.</p>

<p>365 solle er einen besessen haben, für jeden Tag im Jahr einen. Aber heute geht es nicht um seine Haare und auch nicht um seine Schals. Whitey kam eigentlich aus dem Bundesstaat Utah, war aber in Kalifornien aufgewachsen und begann 1921 als Fotograf für verschiedene Filmstudios zu arbeiten.</p>

<p>Er fotografierte die aufstrebenden Hollywoodsternchen genauso wie die etablierten Stars der Szene. Er produzierte Glamour-Shots und Pin-up Kalender, besonders wenn es darum ging, nicht mehr ganz so züchtige von den attraktiven jungen Frauen Hollywoods zu machen, war Whitey schnell eine gesetzte Größe. Er hatte seine eigenen Tricks und Hausmittelchen, z.B. eine eigens entwickelte Creme, mit der Lichteffekte auf dem Körper seiner Modells malte.</p>

<p>Und angesichts all dieser dann doch nicht mehr ganz so züchtigen Fotoaufträge fand Whitey den Hays Code einfach nur bizarr, unnötig und einen Angriff auf die Meinungsfreiheit. Als &#8222;Director of Photopraphy&#8220; in verschiedensten Produktion und angestellter Fotograf für Studios wie Columbia oder Paramount Pictures, organisierte er auch regelmäßig Bildergalerien, produzierte Ausstellungen und nahm auch selbst regelmäßig an fotografischen Wettbewerben teil. Er war damals eine etablierte Größe der Szene und schrieb Bücher und Artikel über Porträtfotografie. Und natürlich war er auch bei der jährlich stattfindenden Ausstellung der &#8222;academie of Motion pictures, Arts and sciences&#8220;, ja der Akademie, die auch den Oscar verleiht, mit eigenen Werken vertreten. 1941 jedenfalls beschließt er das ganze aufzulockern und ein satirisches Bild einzureichen.</p>

<p>Dampft man nämlich den Hays Code auf das absolut Essenzielle zusammen, dann ergeben sich knapp zehn Kardinalfehler, die es zu vermeiden gilt. Und Whitey beschließt ein Foto zu machen, das gegen all diese zehn Fehler verstößt und es bei der Galerie zur Ausstellung einzureichen. Das Foto trägt den Titel &#8222;thou shalt not&#8220; und zeigt eine blonde Frau, die raucht, in Unterwäsche über einem offensichtlich erschossenen Polizisten steht, mit einem Revolver auf ihn zielt, während am Tisch im Hintergrund Alkohol zu sehen ist, Spielkarten im Vordergrund liegen und ein automatisches Gewehr im Bild ist.</p>

<p>Um dem Betrachter klarzumachen, worum es in dem Bild geht, stehen die Verstöße auch noch in einer Liste zu lesen. Kollegen, Studiofunktionäre, Regisseure, eigentlich finden das Bild alle großartig, außer natürlich den Leuten, wegen denen der Hays Code überhaupt existiert. Und so wird damit gedroht ihn zu verklagen, er soll dieselbe Strafe zahlen müssen, die Filmstudios zahlen müssen, wenn sie in Filmen gegen diese Auflagen verstoßen. Und das Foto soll natürlich nirgends gedruckt werden, denn es verstößt ja gegen die Zensurvorgaben.</p>

<p>Tatsächlich wird das Bild auch aus dem Wettbewerb zurückgezogen, allerdings sind die 18 Drucke, die Whitey für den Wettbewerb eingereicht hat nicht mehr aufzufinden, die haben sich die Juroren und Ausrichter des Wettbewerbs direkt alle unter den Nagel gerissen.</p>

<p>Überhaupt ist dieses Bild so beliebt, dass es an allen möglichen Stellen in Hollywood auftaucht und ab jetzt kennt jeder diese Aufnahmen. Nicht zuletzt auch wegen dem Skandal und Theater, dass darum veranstaltet wurde. Und es ist ein ziemlich cooles Bild, zunächst hatten allerdings die Zensoren Erfolg. Zwar entging Whitey Schafer der Strafe, aber, die Hollywood Studios waren trotzdem gezwungen, das Bild aus dem Verkehr zu ziehen und durften es nicht veröffentlichen. Es sollte mehrere Jahrzehnte dauern, bis das Bild zum ersten Mal öffentlich gezeigt wurde. Inoffiziell hat es da längst die Runde gemacht und viele kannten es natürlich.</p>

<p>Und das finde ich auch irgendwie ganz nett an der Geschichte, dass Whitey Schafer mit einem Bild berühmt wurde, dass er nicht verkaufen durfte und dass sich tierisch gegen Zensur wandte und diese Zensur genau dazu führte, dass das Bild gerade noch ikonischer wurde. Für eine Weile muss er sich trotzdem Sorgen machen, ob seine berufliche Tätigkeit ab jetzt in Gefahr ist, denn dieser ganze Zensurskandal hatte auch viel böses Blut produziert. Seine Arbeit sprach aber für sich und so wurde er auch weiterhin in gut bezahlten Jobs von Hollywood engagiert und hinterließ eine beachtliche Menge hervorragender Porträtaufnahmen. Sein Tod kam plötzlich und unerwartet, er starb mit 48 Jahren bei einer Explosion auf einer Yacht.<br>Und wäre es nicht zu diesem Unfall gekommen, dann hätte er wenig später miterleben dürfen, wie der Hays Code Vergangenheit wurde.</p>

<p>Es war nämlich so, dass sich nur die Amerikaner derart selbst zensierten, die Europäer hatten keinen Hays Code und die hatten auch keine moralischen Bedenken in ihren Filmen zu zeigen, was immer ihnen in den Sinn kam. Und das amerikanische Publikum wiederum freute sich über die Abwechslung. Mit der zunehmenden Öffnung der Märkte wurde es also schwerer, eine Form der Zensur durchzuhalten, die im Grunde die einheimische Industrie benachteiligte. Und so löste man sich von diesem Code. Ja und modernen Produktionen aus Hollywood kann man jetzt nun wirklich nicht vorwerfen, dass sie auf Gewalt, Sex oder die Verunglimpfung des Gesetzes verzichten würden.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Kunstprofessor auf Abwegen</title>
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            <pubDate>Sat, 04 Dec 2021 19:11:20 GMT</pubDate>
            <description>Es gibt in der Geschichte der Fotografie viele Maler und Erfinder, Samuel Morse war einer von ihnen und brachte den USA neben dem nach ihm benannten Code auch die Fotografie.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Es gibt in der Geschichte der Fotografie viele Maler und Erfinder, Samuel Morse war einer von ihnen und brachte den USA neben dem nach ihm benannten Code auch die Fotografie. Samuel Morse (Wikipedia) Samuel F. B. Morse Papers at the Library of Congress, 1793 to 1919 Samuel Morse and the Quest for the Daguerreotype Portrait Morse Daguerreotype Camera The Inventor of the Telegraph Was Also America’s First Photographer Samuel F. B. Morse visits with Daguerre , 9 March 1839 New York and the Dawn of Photography: Mathew Brady, Samuel Morse and the Daguerreotype Craze Dieses Video auf YouTube ansehen Transkript Sein ganzes Leben versuchte Samuel F. B. Morse, mit seiner Malerei Fuß zu fassen, und später dann mit Fotografie, und doch ging er in die Geschichte ein als der Erfinder des Morsecodes. Ich finde es schon auffällig, ganz besonders am Anfang der Geschichte der Fotografie sind die Hauptfiguren, die einem so begegnen, meistens mehrfach talentiert und in ganz vielen verschiedenen Bereichen unterwegs. Samuel F. B. Morse ist da tatsächlich ein ganz typischer Vertreter. Geboren wird er im Jahr 1791 als Sohn eines calvinistischen Geistlichen. Es geht der Familie Morse gut und so kommt der Sohn in den Genuss einer privilegierten Ausbildung. Während er im College von Yale, der heutigen Yale University, sein Studium absolviert, hört er erste Vorlesungen über Elektrizität. Samuel schwebt eine Karriere als Künstler vor und so ist es auch kein Wunder, dass er sich schon während des Studiums ein Zubrot über Portraitmalerei verdient. Diese ersten Gemälde sind meistens Miniaturen, allerdings hat der junge Samuel auch schon große Gemälde in neoklassizistischem Stil gemalt. „The landing of the pilgrims“ stellt zum Beispiel dar, wie die ersten Siedler Amerika erreichen. Keine dieser Bilder sind besonders einträglich, aber sie erregen genug Aufmerksamkeit, dass er einen Maler kennenlernt, der ihm anbietet, gemeinsam nach England zu gehen und dort Malerei zu studieren. Es ist auch hier in England, wo Samuel Morse unter anderem in die Royal Academy aufgenommen wird und vollständig in die Kunst eines Raphael und eines Michelangelo versinkt. Schnell geht ihm aber auf, dass große, komplexe, klassizistische Gemälde nichts sind, womit man sich wirklich ordentlich seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Portraitmalerei ist da wesentlich einträglicher. Er lässt seine Familie in Amerika also wissen, dass er demnächst heimkehren wird und ein Portraitstudio eröffnen wird, ein Studio, in dem er mit Portraits so viel Geld verdienen wird, dass er in Zukunft zwischen England und USA hin- und herpendeln können wird. Und er bekommt auch ein paar Aufträge, alles in allem aber nicht besonders lohnend. Sein wie angekündigt in New York eröffnetes Portraitstudio ermöglicht ihm kaum, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber immerhin sind die Arbeiten gut genug, dass ihn die University of New York City zum Professor beruft. Tagsüber lehrt er in den Bereichen Skulptur und Literatur, aber Kunst und Design ist natürlich damals auch ganz nah an der technischen Revolution, die stattfand. Und so experimentiert Morse mit ein paar anderen seiner Freunde mit verschiedenen elektrischen Apparaturen. Es sind diese Jahre, in einer Professur, in New York, die er dafür nutzt, dann auch den Telegrafen zu entwickeln. 1840 bekommt er dann dafür ein Patent. Wer jetzt glaubt, ab hier war er ein gemachter Mann, der irrt. Man wusste damals noch nicht wirklich, was man mit dem Telegrafen anfangen soll. Es gab ja auch kein ausgebautes Telegrafennetz oder auch nur Stromnetz zu der Zeit. Als Professor war sein Einkommen auch nicht gerade großzügig und so versuchte Morse, offizielle Fördermittel zu bekommen. Weil sich das allerdings übermäßig lang hinzog, beschloss Morse, mit seiner Erfindung in Europa sein Glück zu versuchen und reiste damit nach England. Dort hatte man die Entwicklung des Telegrafen mit riesigem In</itunes:summary>
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<p>Es gibt in der Geschichte der Fotografie viele Maler und Erfinder, Samuel Morse war einer von ihnen und brachte den USA neben dem nach ihm benannten Code auch die Fotografie. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_F._B._Morse" target="_blank">Samuel Morse</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.loc.gov/collections/samuel-morse-papers/about-this-collection/" target="_blank">Samuel F. B. Morse Papers at the Library of Congress, 1793 to 1919</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://thereader.mitpress.mit.edu/samuel-morse-quest-for-daguerreotype-portrait/" target="_blank">Samuel Morse and the Quest for the Daguerreotype Portrait</a></li><li>Morse Daguerreotype Camera</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250423214256/https://www.smithsonianmag.com/smart-news/inventor-telegraph-was-also-americas-first-photographer-180961683/" target="_blank">The Inventor of the Telegraph Was Also America’s First Photographer</a></li><li>Samuel F. B. Morse visits with <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a>, 9 March 1839</li><li><a href="https://www.boweryboyshistory.com/2017/11/new-york-dawn-photography-mathew-brady-samuel-morse-daguerreotype-craze.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">New York and the Dawn of Photography: Mathew Brady, Samuel Morse and the Daguerreotype Craze</a></li></ul>

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<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=3cXk1ShWH0Y" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf YouTube ansehen</a></p>
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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Sein ganzes Leben versuchte Samuel F. B. Morse, mit seiner Malerei Fuß zu fassen, und später dann mit Fotografie, und doch ging er in die Geschichte ein als der Erfinder des Morsecodes.</p>

<p>Ich finde es schon auffällig, ganz besonders am Anfang der Geschichte der Fotografie sind die Hauptfiguren, die einem so begegnen, meistens mehrfach talentiert und in ganz vielen verschiedenen Bereichen unterwegs. Samuel F. B. Morse ist da tatsächlich ein ganz typischer Vertreter.</p>

<p>Geboren wird er im Jahr 1791 als Sohn eines calvinistischen Geistlichen. Es geht der Familie Morse gut und so kommt der Sohn in den Genuss einer privilegierten Ausbildung. Während er im College von Yale, der heutigen Yale University, sein Studium absolviert, hört er erste Vorlesungen über Elektrizität. Samuel schwebt eine Karriere als Künstler vor und so ist es auch kein Wunder, dass er sich schon während des Studiums ein Zubrot über Portraitmalerei verdient. Diese ersten Gemälde sind meistens Miniaturen, allerdings hat der junge Samuel auch schon große Gemälde in neoklassizistischem Stil gemalt. &#8222;The landing of the pilgrims&#8220; stellt zum Beispiel dar, wie die ersten Siedler Amerika erreichen. Keine dieser Bilder sind besonders einträglich, aber sie erregen genug Aufmerksamkeit, dass er einen Maler kennenlernt, der ihm anbietet, gemeinsam nach England zu gehen und dort Malerei zu studieren.</p>

<p>Es ist auch hier in England, wo Samuel Morse unter anderem in die Royal Academy aufgenommen wird und vollständig in die Kunst eines Raphael und eines Michelangelo versinkt. Schnell geht ihm aber auf, dass große, komplexe, klassizistische Gemälde nichts sind, womit man sich wirklich ordentlich seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Portraitmalerei ist da wesentlich einträglicher. Er lässt seine Familie in Amerika also wissen, dass er demnächst heimkehren wird und ein Portraitstudio eröffnen wird, ein Studio, in dem er mit Portraits so viel Geld verdienen wird, dass er in Zukunft zwischen England und USA hin- und herpendeln können wird.&nbsp;</p>

<p>Und er bekommt auch ein paar Aufträge, alles in allem aber nicht besonders lohnend. Sein wie angekündigt in New York eröffnetes Portraitstudio ermöglicht ihm kaum, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber immerhin sind die Arbeiten gut genug, dass ihn die University of New York City zum Professor beruft. Tagsüber lehrt er in den Bereichen Skulptur und Literatur, aber Kunst und Design ist natürlich damals auch ganz nah an der technischen Revolution, die stattfand. Und so experimentiert Morse mit ein paar anderen seiner Freunde mit verschiedenen elektrischen Apparaturen. Es sind diese Jahre, in einer Professur, in New York, die er dafür nutzt, dann auch den Telegrafen zu entwickeln. 1840 bekommt er dann dafür ein Patent.&nbsp;</p>

<p>Wer jetzt glaubt, ab hier war er ein gemachter Mann, der irrt. Man wusste damals noch nicht wirklich, was man mit dem Telegrafen anfangen soll. Es gab ja auch kein ausgebautes Telegrafennetz oder auch nur Stromnetz zu der Zeit. Als Professor war sein Einkommen auch nicht gerade großzügig und so versuchte Morse, offizielle Fördermittel zu bekommen. Weil sich das allerdings übermäßig lang hinzog, beschloss Morse, mit seiner Erfindung in Europa sein Glück zu versuchen und reiste damit nach England.&nbsp;</p>

<p>Dort hatte man die Entwicklung des Telegrafen mit riesigem Interesse verfolgt und war fleißig am Überlegen, wie man diese Technologie ausnützen könnte. Es gab damals nur eine einzige Technologie, die ähnlich viel Aufmerksamkeit auf sich zog. Die gerade 1839 der Welt vorgestellte <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a>.</p>

<p>Morse hatte selbst als Maler und Künstler schon mit verschiedenen fotografischen Techniken experimentiert und so nutzte er seinen Trip nach Europa nicht nur für die Suche nach Investoren für sein Telegrafensystem, sondern auch, um Louis <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> zu treffen. Und er war begeistert von dem, was er dort sehen durfte. Als erster Amerikaner überhaupt beschrieb er den Prozess und was er dabei gesehen hatte und als er nach Amerika zurückgekommen war, wurde er der erste Amerikaner, der erfolgreich Daguerreotypien anfertigte.&nbsp;</p>

<p>Der Prozess war noch langsam und umständlich und so begann Morse, von Anfang an den Prozess Schritt für Schritt zu verbessern. Er eröffnete das erste Daguerreotypiestudio der neuen Welt und nach wenigen Monaten experimentieren konnte er die ersten Innenraumbilder mit weniger als fünf Sekunden Verschlusszeit produzieren. Als Professor, Künstler und Erfinder hatte Morse ein sehr ausgesuchtes Netzwerk und so profitierte seine Fotografie von den Linsenberechnungen eines John Draper und er sorgte dafür, dass Louis Daguerre Ehrenmitglied der Akademie für Design und Wissenschaften in den USA wurde.&nbsp;</p>

<p>Samuel Morse machte Riesenfortschritte und im Jahr 1840/41 galt er als der führende und beste Daguerreotypist der Vereinigten Staaten. Jedoch bei aller Begeisterung hatte die Daguerreotypie auch einen gewaltigen Nachteil: Es war eine brandneue Technologie. Zwar war die gefragt, aber so richtig hatte noch niemand herausgefunden, wie man damit ernsthaft und ausreichend Geld verdienen können würde. Auch Morse sah es eher als eine Art unterstützende Technik für Portraitmaler. Man konnte quasi Skizzen damit fertigen, so die Idee. Und deswegen hörte er auch nie auf, die Technologie des Telegrafen weiter zu bewerben und zu verfolgen.&nbsp;</p>

<p>Inzwischen hatte in Großbritannien einiges an Versuchen stattgefunden und Großbritannien schickte sich an, erste Telegrafenleitungen zu errichten. Und so wurde auch der amerikanische Kongress aktiver. Neben verschiedenen Möglichkeiten, die Telegrafentechnologie einzusetzen, bekam er Mittel für Experimente bewilligt und so kam es 1842 zu den ersten Experimenten für die Übertragung von Signalen unter Wasser. Und 1843 endlich zur Bewilligung von damals 30000 US-Dollar, um den Bau einer 60 km langen Telegrafenleitungen von Baltimore nach Washington DC. zu unterstützen.</p>

<p>Ich fand es beim Nachlesen einigermaßen faszinierend, festzustellen, dass bis hier hin Morses Finanzen eigentlich immer ein Problem waren. Nicht, dass er auf besonders großem Fuß gelebt hätte, aber weder seine Professur, noch seine Malerei, noch sein Daguerreotypiestudio, noch, bis hier hin, die Entwicklung der ersten Telegrafengeräte in den USA hatten genug Geld abgeworfen, um ihm ein entspanntes, stressfreies Leben zu ermöglichen. Dazu mag auch seine Familiensituation beigetragen haben: 1818, im Alter von 27 Jahren, heiratet Morse die sieben Jahre jüngere Lucretia Pickering Walker. Mit ihr hat er drei gemeinsame Kinder, allerdings stirbt sie im Alter von 26 Jahren bei der Geburt des dritten Kindes und die drei Kinder wachsen ab jetzt bei Verwandten auf und sind bereits erwachsen, als Morse Mitte der 40er Jahre von einem Gericht Lizenzgebühren für die inzwischen reichlich eingesetzte Telegrafentechnologie zugesprochen bekommt. Es ist nicht das letzte Mal, dass er dafür vor Gericht ziehen muss, aber ab jetzt ist im Grunde seine finanzielle Zukunft einigermaßen gesichert.</p>

<p>Auf der Hochzeit seines Sohnes Charles lernt Samuel Morse dann die damals 26-jährige Brautjungfer Sarah Elizabeth Griswold kennen. Von Geburt an taub und mehrere Monate jünger als seine Tochter, ganz zu schweigen davon, dass es 30 Jahre Altersunterschied zwischen ihr und ihm gab, dürfte die Beziehung durchaus für Tratsch und Aufregung gesorgt haben, was aber die beiden nicht daran hindert, zu heiraten, auf einen gemeinsamen Landsitz zu ziehen und im Folgenden weitere vier Kinder zu zeugen.</p>

<p>Morse bleibt weiterhin in Yale aktiv. Er erhält die Ehrendoktorwürde und wird aus aller Welt mit Ehrungen überschüttet. Daguerreotypie und Malerei betreibt er weiter, allerdings nur noch als Hobby. Er schließt die Portraitstudios in New York und betreibt seine Kunst nur noch für sich und seine Familie. Allerdings ist er ein anerkannter Mentor und gilt als der Begründer der Daguerreotypie in den USA und steht damit am Anfang einer absoluten Erfolgsgeschichte. Denn während in Europa die Kollodium-<a "/tags/kollodium-nassplatte.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="10" title="Kollodium Nassplatte">Nassplatte</a> und Papiernegative das Mittel der Wahl werden, bleibt die Daguerreotypie in den USA noch auf mehrere Jahrzehnte die kommerziell erfolgreichste Technologie.</p>

<p>Und Morse kann sich ab jetzt aussuchen, womit er seine Zeit verbringen möchte. 1865 gründet er zum Beispiel eine Eliteuniversität, ab 1866 bis 68 lebt er mit seiner Familie in Frankreich und ist offizieller Vertreter der USA bei der Pariser Weltausstellung. Hätte man zu der Zeit Zeitgenossen gefragt, hätten sie ihn inzwischen schon als Vater der Telegrafie identifiziert.&nbsp;</p>

<p>Wie wichtig dieses Thema inzwischen für die Weltgemeinschaft geworden war, wird auch durch die vielen Ehrungen, die ihm gerade auch aus Europa zuteilwurden, deutlich. Neben verschiedenen Ritterorden und allgemeinen Ehrungen gipfelt das Ganze in einer Konferenz im Jahr 1859. Da kamen auf Einladung Kaiser Napoleons des dritten die Länder Frankreich, Russland, Schweden, Belgien, Holland, Österreich, Sardinien, die Toskana, die Türkei und der heilige Stuhl zusammen, um darüber zu beraten, wie man Professor Morse im Namen ihrer vereinten Regierungen ihre Dankbarkeit ausdrücken könnte. Man verständigte sich darauf, ihm die damals spektakuläre Summe von 400000 Franc zukommen zu lassen, als Honorar., zusätzlich zu all den Ehrungen.</p>

<p>Samuel Morse war umtriebig und vielseitig interessiert und damit passt er ganz hervorragend in die damalige Zeit. Seine Arbeit als Fotograf hatte viele der ersten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen in den USA beeinflusst und einige Namen hatten wir auch hier im Podcast schon erwähnt. So arbeitete er zum Beispiel mit John William Draper zusammen, der Mann, der für eines der ersten Fotos des Mondes überhaupt verantwortlich ist. Und Mathew Brady, einer der großen Fotografen der amerikanischen Bürgerkriegszeit, war ein persönlicher Vertrauter von Samuel Morse. Er selbst sah sich zur Zeit seines Lebens eigentlich zuerst als Künstler, dann als Professor, dann als Fotograf und erst als Letztes als Erfinder. Trotzdem ist es natürlich die Erfindung des Telegrafen, mit der er die Welt am nachhaltigsten verändert hat.</p>]]></content:encoded>
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            <pubDate>Mon, 29 Nov 2021 18:45:19 GMT</pubDate>
            <description>Es gibt Projekte die erstrecken sich über mehrere Dekaden, diese Folge stellt drei dieser Projekte vor.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Es gibt Projekte die erstrecken sich über mehrere Dekaden, diese Folge stellt drei dieser Projekte vor. Herlinde Koelbl – Angela Merkel Angela Merkel – Portraits 1991-2021 »Es ist frappierend, wie sich ihre Körpersprache gewandelt hat« (Spiegel, Paywall) Spuren ihrer Macht „Nicht eitel zu sein, das ist Merkels Stärke“ 30 Jahre Merkel – Herlinde Koelbl und ihr Fotoprojekt (Videobeitrag, BR Mediathek) NICHOLAS NIXON: THE BROWN SISTERS, 1975 - 2020 (Pinakothek der Moderne) The Extraordinary Portraits of the Brown Sisters Nicholas Nixon on 40 Years of Portraits, Seducing Your Subject, and a Good Death Forty Portraits in Forty Years (NYTimes, Paywall) Nicholas Nixon (Wikipedia) Weihnachten bei den Wagners (Spiegel) Deutsche Geschichte im Spiegel von Weihnachtsfotos „Deutsche Weihnacht. Ein Familienalbum 1900-1945“ Transkript Wir denken nicht oft daran, aber Fotografie kann nicht nur den winzig kleinen Augenblick einfangen, sondern auch lange Zeiträume. Besonders, wenn es sich um ein Fotoritual handelt, also ein regelmäßig wiederkehrendes Foto, das wir machen. Es gibt ja sogar Apps, die uns darin unterstützen jeden Tag ein Selfie zu machen. Aber schon lange bevor wir die Kamera hauptsächlich auf uns selber gerichtet haben, gab es natürlich auch schon Fotografinnen und Fotografen, die zum Teil über Jahrzehnte hinweg immer wieder dasselbe Motiv festhielten. Es gibt natürlich viele Fotografen und Fotografinnen , die über Jahrzehnte hinweg fotografieren. Natürlich gibt es auch große Fotoprojekte, die wirklich lange laufen. Wirklich spannend finde ich aber ganz besonders die Projekte, die eigentlich versuchen, der Zeit beim Vergehen zuzusehen. Am ehesten begegnet uns das tatsächlich noch bei lang-laufenden Portraitserien großer Politiker. So kam jetzt, passend zum Ende der Amtszeit Angela Merkels, ein Portraitband heraus, in dem Herlinde Koelbl von 1991 bis 2021 gesammelte Portraits von Angela Merkel zusammengefasst hatte. In solchen Portraitreihen glauben wir dann natürlich auch die Last der Macht zu erkennen, wir sehen die Person auf dem Bild älter und älter werden. Grübchen und Furchen, die eigentlich schon immer da waren, vertiefen sich, neue kommen hinzu. Und es ist ein wirklich faszinierender Blick. Eine der berühmtesten Langzeit-Portraitserien, die es derzeit gibt, die auch immer noch läuft ist das Projekt:“The Brown Sisters“. Es ist das bekannteste Projekt des Fotografen Nicholas Nixon. Seit 1975 verabreden sich nämlich jedes Jahr er, seine Frau und deren drei Schwestern zu einer Portraitsitzung. Das alles fing ursprünglich mal als eine spontane Idee am Rande einer Familienfeier an. Nixon hatte seine Großformatkamera da und schlug vor doch ein Portrait der vier Schwestern zu machen. Die Jüngste war damals noch ein Teenager, die Älteste Mitte 20. Und er stellte sie auf und fotografierte sie. Und wären sie dieses Foto machten, kam die Idee auf, vielleicht einfach jedes Jahr wieder eine neue Version dieser Aufnahmen zu machen. Regeln waren schnell gefunden: Sie würden immer in derselben Reihenfolge stehen, sie würden sich treffen, egal wie sie zu dem Zeitpunkt zueinander stehen würden. Mehrere Fotos sollten gemacht werden und Nicholas Nixon würde jedes Mal das seiner Meinung nach beste Bild auswählen, das würde dann das kanonische Foto von dem jeweiligen Jahr werden. 1975, ich nehme das ja gerade im November 2021 auf und zu dem Zeitpunkt sind es immerhin schon 46 Jahre, die dieses Projekt jedes Jahr erweitert wurde. Und es ist spannend sich diese Portraitreihe anzuschauen. Man kann sehen, wie die vier Frauen sich mal näher, mal weniger nah zu sein scheinen. Man meint Charakter wahrnehmen zu können, unterschiedliche Stimmungen. Spielt man diese Bilder wie in einem Video hintereinander ab, kann man den vier Frauen natürlich in Zeitraffer beim Altern zusehen. Offen ist momentan noch, wann das Projekt enden wird. Wird es enden, wenn eine der Schwestern sti</itunes:summary>
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<p>Es gibt Projekte die erstrecken sich über mehrere Dekaden, diese Folge stellt drei dieser Projekte vor. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.herlindekoelbl.de/politicians.php" target="_blank">Herlinde Koelbl &#8211; Angela Merkel</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.taschen.com/de/books/photography/05379/herlinde-koelbl-angela-merkel-portraits-1991-2021/" target="_blank">Angela Merkel &#8211; Portraits 1991-2021</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/stil/herlinde-koelbl-ueber-angela-merkel-es-ist-frappierend-wie-sich-ihre-koerpersprache-gewandelt-hat-a-9cb2116f-5552-4ee3-820e-1e7d5058baa2" target="_blank">»Es ist frappierend, wie sich ihre Körpersprache gewandelt hat«</a> (Spiegel, Paywall)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20220525155942/https://www.weltkunst.de/kunstwissen/2021/11/herlinde-koelbl-angela-merkel-taschen-spuren-ihrer-macht" target="_blank">Spuren ihrer Macht</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.br.de/nachrichten/kultur,QXAPqxI" target="_blank">&#8222;Nicht eitel zu sein, das ist Merkels Stärke&#8220;</a></li><li><a href="https://www.ardmediathek.de/br" target="_blank" rel="noreferrer noopener">30 Jahre Merkel &#8211; Herlinde Koelbl und ihr Fotoprojekt</a> (Videobeitrag, BR Mediathek)</li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20230323085729/https://pinakothek.de/ausstellungen/nicholas-nixon-brown-sisters-1975-2020" target="_blank">NICHOLAS NIXON: THE BROWN SISTERS, 1975 - 2020</a> (Pinakothek der Moderne)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://artsandculture.google.com/story/hAWxddPLBQrELQ" target="_blank">The Extraordinary Portraits of the Brown Sisters</a></li><li>Nicholas Nixon on 40 Years of Portraits, Seducing Your Subject, and a Good Death</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nytimes.com/interactive/2014/10/03/magazine/01-brown-sisters-forty-years.html?mtrref=undefined&amp;gwh=53E5601D790F642C1D7EB507328EAC63&amp;gwt=pay&amp;assetType=PAYWALL" target="_blank">Forty Portraits in Forty Years</a> (NYTimes, Paywall)</li><li><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Nicholas_Nixon" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nicholas Nixon</a> (Wikipedia)</li></ul>

<ul><li><a href="https://www.spiegel.de/fotostrecke/weihnachten-mit-anna-und-richard-wagner-fotostrecke-107693.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weihnachten bei den Wagners</a> (Spiegel)</li><li>Deutsche Geschichte im Spiegel von Weihnachtsfotos</li><li><a href="https://visual-history.de/2016/12/23/weihnachten-bei-wagners/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Deutsche Weihnacht. Ein Familienalbum 1900-1945“</a></li></ul>

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<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Wir denken nicht oft daran, aber Fotografie kann nicht nur den winzig kleinen Augenblick einfangen, sondern auch lange Zeiträume. Besonders, wenn es sich um ein Fotoritual handelt, also ein regelmäßig wiederkehrendes Foto, das wir machen. Es gibt ja sogar Apps, die uns darin unterstützen jeden Tag ein Selfie zu machen.</p>

<p>Aber schon lange bevor wir die Kamera hauptsächlich auf uns selber gerichtet haben, gab es natürlich auch schon <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen, die zum Teil über Jahrzehnte hinweg immer wieder dasselbe Motiv festhielten.</p>

<p>Es gibt natürlich viele Fotografen und <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a>, die über Jahrzehnte hinweg fotografieren. Natürlich gibt es auch große Fotoprojekte, die wirklich lange laufen. Wirklich spannend finde ich aber ganz besonders die Projekte, die eigentlich versuchen, der Zeit beim Vergehen zuzusehen.</p>

<p>Am ehesten begegnet uns das tatsächlich noch bei lang-laufenden Portraitserien großer Politiker. So kam jetzt, passend zum Ende der Amtszeit Angela Merkels, ein Portraitband heraus, in dem Herlinde Koelbl von 1991 bis 2021 gesammelte Portraits von Angela Merkel zusammengefasst hatte. In solchen Portraitreihen glauben wir dann natürlich auch die Last der Macht zu erkennen, wir sehen die Person auf dem Bild älter und älter werden. Grübchen und Furchen, die eigentlich schon immer da waren, vertiefen sich, neue kommen hinzu. Und es ist ein wirklich faszinierender Blick.</p>

<p>Eine der berühmtesten Langzeit-Portraitserien, die es derzeit gibt, die auch immer noch läuft ist das Projekt:&#8220;The Brown Sisters&#8220;. Es ist das bekannteste Projekt des Fotografen Nicholas Nixon. Seit 1975 verabreden sich nämlich jedes Jahr er, seine Frau und deren drei Schwestern zu einer Portraitsitzung. Das alles fing ursprünglich mal als eine spontane Idee am Rande einer Familienfeier an. Nixon hatte seine Großformatkamera da und schlug vor doch ein <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a> der vier Schwestern zu machen. Die Jüngste war damals noch ein Teenager, die Älteste Mitte 20. Und er stellte sie auf und fotografierte sie.</p>

<p>Und wären sie dieses Foto machten, kam die Idee auf, vielleicht einfach jedes Jahr wieder eine neue Version dieser Aufnahmen zu machen. Regeln waren schnell gefunden: Sie würden immer in derselben Reihenfolge stehen, sie würden sich treffen, egal wie sie zu dem Zeitpunkt zueinander stehen würden. Mehrere Fotos sollten gemacht werden und Nicholas Nixon würde jedes Mal das seiner Meinung nach beste Bild auswählen, das würde dann das kanonische Foto von dem jeweiligen Jahr werden.</p>

<p>1975, ich nehme das ja gerade im November 2021 auf und zu dem Zeitpunkt sind es immerhin schon 46 Jahre, die dieses Projekt jedes Jahr erweitert wurde. Und es ist spannend sich diese Portraitreihe anzuschauen. Man kann sehen, wie die vier Frauen sich mal näher, mal weniger nah zu sein scheinen. Man meint Charakter wahrnehmen zu können, unterschiedliche Stimmungen. Spielt man diese Bilder wie in einem Video hintereinander ab, kann man den vier Frauen natürlich in Zeitraffer beim Altern zusehen.</p>

<p>Offen ist momentan noch, wann das Projekt enden wird. Wird es enden, wenn eine der Schwestern stirbt? Wird es enden, wenn die letzte Schwester stirbt? Wird es enden, wenn der Fotograf stirbt? Oder wird es enden, weil irgendwann doch keiner mehr Lust hat das Projekt weiterzuführen. All diese Fragen sind offen, aber seit bestimmt schon 15 Jahren tourt das Projekt immer wieder durch verschiedene Ausstellungen und ist zum Beispiel fester Bestandteil der Sammlung der Pinakothek der Moderne in München.</p>

<p>Die hatten erst dieses Jahr wieder eine aktualisierte Version dieser Bildreihe ausgestellt, inklusive dem Foto von 2020. Wie es sich für das Corona Jahr gehörte da mit 4 Screenshots, vier Schwestern, wie sie in eine Computerkamera schauen.</p>

<p>Spannend ist auch, dass praktisch nichts über die vier Frauen bekannt ist. Es geht nicht um die Biografie der Frauen, es geht nicht darum, was sie beruflich machen. Wir erfahren Namen und grobes Alter. Recherchiert man etwas findet man raus, dass Bebe, die Frau von Nicholas Nixon, eine Sozialarbeiterin in einer Krebsstation in Boston ist.</p>

<p>Menschen, die mit dem Tod ringen gehören, also gewissermaßen zu seinem und ihrem Alltag und spiegeln sich auch in der restlichen Arbeit von Nicholas Nixon wider.</p>

<p>Gerade andere Arbeiten, wo er beispielsweise Menschen mit Aids fotografiert oder Fotos von Krebskranken am Ende ihres Lebens macht. Es ist das Vergehen der Zeit, der besondere Moment auf den alles zusteuert der ihn interessiert. Er selbst sagt in Interviews er selbst ist inzwischen in einem Alter, und das Projekt ist in einem Alter, indem er das Ende fast schon sehen kann, irgendwann wird jetzt dann mal der Moment kommen, indem die Frage auftaucht, wie das Projekt weitergehen soll.</p>

<p>Thematisch etwas anders gelagert ist dann noch ein drittes Langzeitprojekt, das ich für heute mitgebracht habe. Es ist ein Projekt, das zum Fotobestand des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf in Berlin gehört und ein wirklich ganz besonderer Schatz dieses Museum ist. Wie bei den Brown Sister weiß man auch hier über die Menschen auf den Fotos dieser Bildersammlung reichlich wenig. Alles fing mit dem Plan für eine Weihnachtsfotoausstellung an, das Museum wollte gerne zeigen, wie die Deutschen Weihnachten gefeiert haben über die Jahrzehnte hinweg.</p>

<p>Und so wurde ein Ausruf veröffentlicht, mit der Bitte, man möge doch private Fotosammlungen einreichen. Die Berliner sammelten also und es kamen viele Fotos zusammen, aber auch ein ganz besonderer Schatz. Eine Sammlung von knapp 250 Fotos nämlich, sie zeigen das Ehepaar Anna und Richard Wagner, er Bahnbearbeiter, sie Hausfrau. Und Richard Wagner war begeisterter Fotoamateur, er besaß eine relativ teure Kamera, mit der man sogar dreidimensionale Bilder, sog. Stereoskopien aufnehmen konnte. Und er nutzte diese Kamera, um Urlaube, Ausflüge, aber ganz besonders wichtig, jedes Jahr das Weihnachtsfest zu dokumentieren. Und es sind diese jährlichen Fotos des Weihnachtsfestes, die als Ausstellung inzwischen um die ganze Welt gereist sind. Das Projekt setzt im Jahr 1900 ein, damals wohnen die Wagner als unvermähltes Ehepaar in Essen und posieren 1900 zum ersten Mal für ein mit Selbstauslöser produzierten Schnappschuss vor dem Weihnachtsbaum. Die Hauskatze Mietz ist auch dabei und ein Gruß wird unter das Foto geschrieben und an die Verwandtschaft geschickt.</p>

<p>Besonders am Anfang sind die Wagners auch noch recht verspielt, da werden Szenen nachgestellt, wie zum Beispiel Richard auf Zehenspitzen in die Stube schleicht, während Anna mit einem Nudelholz auf ihren Ehemann wartet. Oder die gutmütige Mietz hält als Model her. Irgendwann ziehen die Wagners nach Berlin und Richard scheint erfolgreich zu sein, die Geschenke werden teurer, die Ausstattung in der Wohnung wird gediegener.</p>

<p>Auch die Geschichte lässt sich an den Fotos ablesen. Anfangs hängt noch ein <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a> von Kaiser Wilhelm 2. in der Wohnung. Zu Beginn des 1. Weltkriegs ist auf dem Gartentisch unter anderem eine Karte der Truppenbewegungen. Man ist also anfangs auch, typisch für die damalige Zeit, euphorisch mit bei der Sache. Die Begeisterung dürfte sich dann allerdings bald gelegt haben, 1917 posiert das Ehepaar mit dicken Wintermänteln. Es ist Kohlemangel in Europa und die Menschen frieren. Auch die Geschenke, die nach und nach auftauchen sind spannend, so gibt es zum Beispiel 1927 für die Frau des Hauses einen Staubsauger und am Baum brennen zum ersten Mal keine Wachskerzen, sondern elektrische Kerzen. Irgendwann ist dann natürlich auch der Eintritt in den Zweiten Weltkrieg und hier kann man natürlich dann zusehen wie die Umstände an dem Ehepaar nagen, besonders Anna nimmt rapide ab. 1942 gibt es dann das letzte Weihnachtsbild, Anna sieht dort schon sehr mager aus, sie stirbt dann drei Jahre später im Alter von 71 an Unterernährung, ihr Mann Richard folgt ihr dann 5 Jahre später im Alter von 77.</p>

<p>All diese drei Projekte haben gemeinsam, dass wir die Menschen, die sie zeigen nach und nach kennenlernen dürfen. Wir dürfen ihnen über die Jahre hinweg folgen, wir können dabei zusehen, wie die Zeit sich in ihre Gesichter eingräbt. Wenn wir wie bei den Weihnachtsfotos der Familie Wagner auch noch eine Umgebung, die im Wesentlichen immer dieselbe ist, sehen, dann werden die Unterschiede besonders auffällig. Was liegt unter dem Weihnachtsbaum? Wie groß ist der Weihnachtsbaum? Was haben die Wagners an? Sind sie verspielt und stellen eine Szene nach oder sitzen sie formell für das Foto? Oder bei den Browns ist das eben, da beobachten wir nicht nur den Verlauf der Zeit in den Gesichtern, sondern wir dürfen auch noch dabei zusehen, wie die Personen zueinander stehen: Näher, weiter, schauen sie sich an oder schauen sie weg.</p>

<p>Oder wir studieren eine Person wie Angela Merkel, bei der wir natürlich darüber nachdenken können, wie die Ereignisse, die wir ja alle kennen, jeweils in diesen Bildern zu sehen sind. Wie hält sie sich? Sieht sie nachdenklich aus?</p>

<p>Wenn wir solche Bildserien studieren denken wir immer auch über uns selber nach, wir studieren wie sich die Personen auf den Fotos verändern, wie sich die Umgebung der Fotos verändert und fragen uns welche dieser Veränderungen man in ähnlichen Fotoserien bei uns eigentlich auch sehen könnte.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Die Leica-Story</title>
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            <pubDate>Fri, 19 Nov 2021 14:46:45 GMT</pubDate>
            <description>Unsere Fotografie wäre anders hätte es im Mikrosopie-Unternehmen Leitz nicht einen Filmenthusiasten gegeben der die erste Kleinbildkamera der Geschichte entwickelt...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Unsere Fotografie wäre anders hätte es im Mikrosopie-Unternehmen Leitz nicht einen Filmenthusiasten gegeben der die erste Kleinbildkamera der Geschichte entwickelt… Leica (Wikipedia) Oskar Barnack (Wikipedia) Eine kurze Geschichte von Leica Wilhelm Schack – Lions Leica Freedom Train: How the Leitz Family Saved Jews in the Holocaust Plötzlich sah die Welt ganz anders aus Leica: Geschichte einer Kultmarke Die Ur-Leica von 1914 Dieses Video auf Vimeo ansehen Transkript Es ist ein wieder und wieder in der Szene wiederholtes Klischee, dass heutige Kameras ohne Ausnahme in der Lage sind, großartige Fotografie zu erzeugen. Die sogenannten großen Meisterinnen und Meister hatten alle mit Equipment zu kämpfen, das wesentlich eingeschränkter war als alles, was man heute so hat. Und trotzdem sind nicht alle Kameras gleich. Die Hersteller von Kamerasystemen investieren viel Zeit, Mühe und Geld, um sich ihre Nische ganz besonders deutlich herauszuarbeiten. Manche sind da erfolgreicher als andere und manchmal hilft es, wenn man für sich in Anspruch nehmen kann, die Welt der Fotografie komplett revolutioniert zu haben. Optische Instrumente sind faszinierend. Optische Instrumente sorgen für Erkenntnis. Wir können die Welt um uns herum durch Teleskope, Mikroskope und Kameras wahrnehmen und verstehen lernen. Die Königin der optischen Disziplinen ist zum Ende des 19. Jahrhunderts die Mikroskopie. Lebensmitteltechnik, Baustoffe, Medizin, Chemie, Physik, allerorten wird durch speziell geschliffenes Glas das Unsichtbare sichtbar gemacht. Und die besten und teuersten Mikroskope, oder doch zumindest die Linsen dieser Mikroskope, kommen aus einem kleinen deutschen Städtchen namens Wetzlar. Dort hatte nämlich der Unternehmer Ernst Leitz I 1869 das zu dem Zeitpunkt 20 Jahre alte optische Institut gekauft und daraus die Leitzwerke Wetzlar gegründet. Und zur Jahrhundertwende war das Familienunternehmen fest etabliert als Markt- und Qualitätsführer weltweit. Leitz sah den Erfolg auch als eine Verantwortung an. Es ist ja eine Zeit der weitreichenden Umbrüche und die Industrialisierung sorgt nicht überall für schöne Bilder. Aber Leitz sieht sich eben nicht nur als erfolgreicher Unternehmer, sondern nimmt die Verantwortung, die er seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber hat, sehr, sehr ernst. Wer sich für sein Unternehmen entscheidet, sollte dort ein Leben lang eine Laufbahn einschlagen können. Und so herrschen in den Leitzwerken schon früh Arbeitsbedingungen, von denen man damals oft nur träumen konnte. Als eines der ersten Unternehmen überhaupt in Deutschland führen die Leitzwerke zum Beispiel den 8-Stunden-Arbeitstag ein. Es gibt eine Betriebsrente und eine Betriebskrankenversicherung. Das Unternehmen kümmert sich um Fortbildungen, es kümmert sich um die Angehörigen seiner Mitarbeiter und erreicht damit das, was wahrscheinlich ein nützlicher Nebeneffekt in der Kalkulation Leitzs gewesen sein mag, nämlich die besten Mitarbeiter, die der Markt hergab, für das Unternehmen zu begeistern. Als Hersteller von Linsen und optischen Systemen beobachtet man bei Leitz natürlich die Entwicklungen auf dem Kameramann. Kameras zu der damaligen Zeit waren relativ unhandliche Geräte. Große Boxen, zum Teil mehrere Kilogramm schwer, meist umständlich und aufwändig zu bedienen und auch nicht unbedingt dafür geeignet, um die Art von Präzision hervorzubringen, die man bei den Leitzwerken anstrebte. Bewegtbild war auf dem Vormarsch und so gab es auch bei Leitz eine Abteilung, die sich mit der Entwicklung von Technologien im Filmumfeld beschäftigte. Der Leiter dieser Abteilung war nicht nur ein Erfinder und Ingenieur, sondern außerdem auch noch Filmenthusiast. Er filmte in seiner Freizeit. Allerdings war das ein einigermaßen kostspieliges Hobby. Der damals übliche 35mm-Kinofilm war nicht so kontrolliert produziert, wie wir das heute gewohnt sind. Wie lichtempfindlich das Material, das man g</itunes:summary>
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<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Unsere Fotografie wäre anders hätte es im Mikrosopie-Unternehmen Leitz nicht einen Filmenthusiasten gegeben der die erste Kleinbildkamera der Geschichte entwickelt&#8230; </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Leica_Camera" target="_blank">Leica</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Barnack" target="_blank">Oskar Barnack</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20230927011522/https://de.independent-photo.com/news/a-brief-history-of-leica/" target="_blank">Eine kurze Geschichte von Leica</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.artnet.com:443/artists/wilhelm-schack/lions-frankfurt-am-main-ra7hHmHKwBBUSiiVfVhbEg2" target="_blank">Wilhelm Schack &#8211; Lions</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://petapixel.com/2021/11/17/leica-freedom-train-how-the-leitz-family-saved-jews-in-the-holocaust/" target="_blank">Leica Freedom Train: How the Leitz Family Saved Jews in the Holocaust</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/leica-erste-kleinbildkamera-1925-ploetzlich-sah-die-welt-ganz-anders-aus-a-00000000-0002-0001-0000-000168895819" target="_blank">Plötzlich sah die Welt ganz anders aus</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.wiwo.de/bilder/nachrichten-leica-geschichte-einer-kultmarke/4706330.html" target="_blank">Leica: Geschichte einer Kultmarke</a></li><li><a href="https://www.foto-museum-uhingen.de/herzst%C3%BCcke-unserer-sammlung/die-ur-leica-von-1914/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Ur-Leica von 1914</a></li></ul>

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<p><a href="https://player.vimeo.com/video/232439739?dnt=1&amp;app_id=122963" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf Vimeo ansehen</a></p>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Es ist ein wieder und wieder in der Szene wiederholtes Klischee, dass heutige Kameras ohne Ausnahme in der Lage sind, großartige Fotografie zu erzeugen. Die sogenannten großen Meisterinnen und Meister hatten alle mit Equipment zu kämpfen, das wesentlich eingeschränkter war als alles, was man heute so hat. Und trotzdem sind nicht alle Kameras gleich. Die Hersteller von Kamerasystemen investieren viel Zeit, Mühe und Geld, um sich ihre Nische ganz besonders deutlich herauszuarbeiten. Manche sind da erfolgreicher als andere und manchmal hilft es, wenn man für sich in Anspruch nehmen kann, die Welt der Fotografie komplett revolutioniert zu haben.</p>

<p>Optische Instrumente sind faszinierend. Optische Instrumente sorgen für Erkenntnis. Wir können die Welt um uns herum durch Teleskope, Mikroskope und Kameras wahrnehmen und verstehen lernen. Die Königin der optischen Disziplinen ist zum Ende des 19. Jahrhunderts die Mikroskopie. Lebensmitteltechnik, Baustoffe, Medizin, Chemie, Physik, allerorten wird durch speziell geschliffenes Glas das Unsichtbare sichtbar gemacht.</p>

<p>Und die besten und teuersten Mikroskope, oder doch zumindest die Linsen dieser Mikroskope, kommen aus einem kleinen deutschen Städtchen namens Wetzlar. Dort hatte nämlich der Unternehmer Ernst Leitz I 1869 das zu dem Zeitpunkt 20 Jahre alte optische Institut gekauft und daraus die Leitzwerke Wetzlar gegründet. Und zur Jahrhundertwende war das Familienunternehmen fest etabliert als Markt- und Qualitätsführer weltweit.</p>

<p>Leitz sah den Erfolg auch als eine Verantwortung an. Es ist ja eine Zeit der weitreichenden Umbrüche und die Industrialisierung sorgt nicht überall für schöne Bilder. Aber Leitz sieht sich eben nicht nur als erfolgreicher Unternehmer, sondern nimmt die Verantwortung, die er seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber hat, sehr, sehr ernst. Wer sich für sein Unternehmen entscheidet, sollte dort ein Leben lang eine Laufbahn einschlagen können. Und so herrschen in den Leitzwerken schon früh Arbeitsbedingungen, von denen man damals oft nur träumen konnte. Als eines der ersten Unternehmen überhaupt in Deutschland führen die Leitzwerke zum Beispiel den 8-Stunden-Arbeitstag ein. Es gibt eine Betriebsrente und eine Betriebskrankenversicherung. Das Unternehmen kümmert sich um Fortbildungen, es kümmert sich um die Angehörigen seiner Mitarbeiter und erreicht damit das, was wahrscheinlich ein nützlicher Nebeneffekt in der Kalkulation Leitzs gewesen sein mag, nämlich die besten Mitarbeiter, die der Markt hergab, für das Unternehmen zu begeistern.</p>

<p>Als Hersteller von Linsen und optischen Systemen beobachtet man bei Leitz natürlich die Entwicklungen auf dem Kameramann. Kameras zu der damaligen Zeit waren relativ unhandliche Geräte. Große Boxen, zum Teil mehrere Kilogramm schwer, meist umständlich und aufwändig zu bedienen und auch nicht unbedingt dafür geeignet, um die Art von Präzision hervorzubringen, die man bei den Leitzwerken anstrebte.</p>

<p>Bewegtbild war auf dem Vormarsch und so gab es auch bei Leitz eine Abteilung, die sich mit der Entwicklung von Technologien im Filmumfeld beschäftigte. Der Leiter dieser Abteilung war nicht nur ein Erfinder und Ingenieur, sondern außerdem auch noch Filmenthusiast. Er filmte in seiner Freizeit.</p>

<p>Allerdings war das ein einigermaßen kostspieliges Hobby. Der damals übliche 35mm-Kinofilm war nicht so kontrolliert produziert, wie wir das heute gewohnt sind. Wie lichtempfindlich das Material, das man gerade eingelegt hatte, war, musste man durch Ausprobieren herausbekommen und das war eine einigermaßen verschwenderische Praxis.</p>

<p>Und Oskar Barnack suchte jetzt nach Wegen, wie er diese Kosten senken konnte. Er konstruierte also ein kleines Gerät, um Teile dieses 35mm-Films testweise belichten zu können. Was er damit allerdings auch gebaut hatte, und das muss ihm sofort klar gewesen sein, war eine Schnappschusskamera. Eine Kamera also, die Fotos machte, und zwar in einer für damalige Verhältnisse geradezu absurd kleinen Filmgröße.</p>

<p>Rund um die Jahrhundertwende war es nämlich noch nicht üblich, dass Fotos vergrößert wurden. Die allermeisten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen belichteten ihre Bilder in der Zielgröße, das heißt, sollte die Aufnahme größer werden, musste eine größere Kamera her. Barnack jetzt hatte eine Kamera konstruiert, in der auf einer mini kleinen Negativfläche belichtet wurde und damit war automatisch auch eine Notwendigkeit entstanden, diese Bilder zu vergrößern.</p>

<p>Dafür konnte man die kleine Urleica genannte Konstruktion aber zum Beispiel auf Wanderungen mitnehmen. Klar, es gab schon lange Menschen, die Kameras auf Wanderungen mitgenommen haben, aber es ist halt schon ein Unterschied, ob du einen 10 Kilogramm schweren Holzkasten plus Chemikalien mit dir herumträgst oder eine kleine Kamera in die Tasche steckst.</p>

<p>Die Konstruktion dieser kleinen Kameras war keine offizielle Aufgabe, die Oscar Barnack für Leitz erledigte, sondern eher so eine Art Hobbyprojekt. Dennoch zeigte Leitz von Zeit zu Zeit seine Fortschritte und der stand dem Projekt wohlwollend bis gleichgültig gegenüber. Denn es gab ja einige Probleme, die man aus damaliger Sicht eigentlich gar nicht lösen konnte oder wollte.</p>

<p>Zum Beispiel eben die Frage der Filmvergrößerung. Diese Kamera konnte doch nie im Leben die richtige Qualität liefern, die man brauchte, um wirklich damit zu fotografieren. Außerdem gab es ja auch noch das Problem, wie man den Film dort einlegt und wo man den herbekommt. 35 mm Film war ja für Bewegtfilm gedacht und nicht für Fotografie. Und so musste man sich einen Weg ausdenken, wie man den Film in die richtigen Formate bringt und in die Kamera bekommt. Auch die Entwicklung des Rollfilms war zu der Zeit zwar schon im vollen Gange und natürlich auch bekannt, aber eben auch ein Novum.</p>

<p>Und so entstehen rund um 1914 ein paar Prototypen der heute sogenannten Urleica, von denen es noch zwei erhaltene Exemplare gibt, gleichzeitig die teuersten Kameras der Welt, wenn man so eine Kamera nämlich haben möchte, muss man nicht nur Leica davon überzeugen, dass sie einem das Gerät abtreten, nein, man sollte auch mindestens mal zwei Millionen auf der hohen Kante haben.</p>

<p>Aber zurück zu Barnack und den Leitzwerken. Die Werke, aus denen eben dann später Leica werden würde. Noch ist das Hauptgeschäft die Mikroskopie. Aber Leitz möchte die Werke gerne ausbauen und die Weltwirtschaftskrise macht das schwierig. Also beschließt er, in eine neue Sparte zu investieren. Aus der Urleica soll eine Produktreihe entstehen. Es werden dafür Objektive aufgelegt, es werden Patente angemeldet und natürlich reicht das nicht, denn für so ein Novum braucht es auch entsprechendes Zubehör, also eine Dunkelkammerausrüstung, mit der man die Fotos nicht nur entwickeln, sondern auch gleich vergrößern kann.</p>

<p>Allein das Ding mit der Vergrößerung: Die Fachwelt sieht mit einem gewissen Naserümpfen auf diese kleinen Kameras herab. Und da entsteht eine wirklich spannende Dynamik, denn diese Kameras erobern die Welt der Fotografie im Sturm.</p>

<p>Wenn man heute Analogfotografinnen- und fotografen davon reden hört, dass sie so gerne mit dieser Technik fotografieren, weil es so entschleunigend ist, dann ist das auch vor dem Hintergrund witzig, dass die Leica damals eine nie geahnte Geschwindigkeit und Hektik in den Alltag der <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen brachte. Es ist ein kleines, unauffälliges Gerät. Die Filme sind inzwischen kontrollierbarer und lichtempfindlicher geworden, die Leitz Kamerawerke, die dann später eben Leica heißen werden, konstruieren lichtstarke Objektive, die in der Lage sind, auch bei wenig Licht auch brauchbare Ergebnisse zu produzieren.</p>

<p>Und die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen sind wie im Rausch. Es ist die Zeit eines Henri Cartier-Bressons, einer <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a>, aber die Profis, die weisen darauf hin, dass man ja mit so einem kleinen Negativ eigentlich keine Qualität erzeugen kann. Außerdem, was soll denn dieses ganze Gehetze? Da kann man doch nicht ordentlich komponieren.</p>

<p>Die Leica erobert sich also ihre Nische, nämlich die <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportagefotografie</a>. Den Bereich der Fotografie eben, wo es nicht so ganz auf die Details ankommt, wo das Bild auch gerne so ein bisschen grobkörniger und kontrastreicher sein darf, und wer es sich leisten kann, benutzt sie natürlich auch als eine Art Schnappschusskamera.</p>

<p>Natürlich weiß man bei den Leitz Kamerawerken, dass die Kamera durchaus in der Lage ist, sehr hochwertige Ergebnisse zu produzieren, aber die Welt der Fotografie glaubt das nicht so ganz. Bis zu einem denkenswerten Tag im Jahr 1932, als nämlich der Fotograf Wilhelm Schack mit einer Leica in den Frankfurter Zoo geht und dort zwei liegende Löwen fotografiert und dieses wirklich bemerkenswerte Bild hinterher auf eine Größe von 60&#215;80 cm vergrößert.</p>

<p>Und damit in der Fachwelt ein für alle Mal demonstriert, dass auch verhältnismäßig kleine Negative dazu in der Lage sind, hochauflösende, detailreiche, beeindruckende Fotografien zu erzeugen. Leica war endgültig im Markt angekommen und hatte sich an die Qualitätsspitze einer Bewegung gestellt. Weltweit wurde die Kamera Synonym für großartige Fotografie. Und weltweit wurde die Kamera Synonym für kompromisslose Fertigungsqualität. Bis heute werden Leicakameras überwiegend im Handarbeit gefertigt und bis heute kann man Kameras aus der gesamten Leicageschichte in den Werken restaurieren, reparieren und warten lassen. Und Kameras mit 70 Jahren und mehr auf dem Buckel, die immer noch problemlos funktionieren, sobald ein Leicatechniker liebevoll Hand angelegt hat, sind keine Seltenheit.</p>

<p>Wir sind also in den 30er Jahren. Es ist die Zeit der Weimarer Republik. Und der Enkel des Unternehmensgründers Ernst Leitz II leitet inzwischen die Leicawerke und ist aktives Parteimitglied in einer progressiven linken Partei. Die Nazis sind auf dem Vormarsch und die Nazis sind Ernst Leitz ein Gräuel. Trotzdem, wissen wir natürlich, der Vormarsch der Nazis lässt sich nicht aufhalten und so ändert sich für die Menschen in Wetzlar natürlich genauso der Alltag wie für alle anderen.</p>

<p>Ernst Leitz hat dabei mehr Vorausschau als die Meisten. Der Unternehmer ist hervorragend vernetzt und sein Vermögen, genauso wie den Respekt, den er weltweit genießt, schützt ihn und seine Familie vor dem direkten Durchgriff der Hitlerpartei. Und Ernst Leitz, wie vielen anderen in der Zeit, ist auch völlig bewusst, wie gefährlich die Lage für Juden in Deutschland zu werden droht.</p>

<p>Aber an der Spitze eines Unternehmens mit weltweit verteilten Niederlassungen gibt es Dinge, die man tun kann und so beginnt Leica damit, bevorzugt Juden auszubilden und, sobald sie einen ausreichenden Kenntnisstand haben, in ihre ausländischen Niederlassungen zu verschicken. Zu den Arrangements gehört ganz selbstverständlich, dass die Familie mitreisen kann. Bevorzugte Ziele waren Großbritannien und die Vereinigten Staaten; Länder, die zwar in einem gewissen Rahmen Hilfsprogramme unterhielten, aber auch Länder, die unter der Last der Flüchtlinge beschlossen hatten, ihre Grenzen zu schließen und hohe Anforderungen an Einreisewillige zu stellen. So war es zum Beispiel notwendig, eine Anstellung zu haben, um ins Land reisen zu dürfen.</p>

<p>Die Firma Leitz bot das ihren Mitarbeitern. Sie kamen als hoch qualifizierte Feinmechaniker oder optische Experten in zum Beispiel New York an, bekamen dort dann eine Leica überreicht, weniger, damit sie damit fotografieren, als eher eine Art Vermögensanlage, die sie sich auf die Seite legten, um im Falle des Falles Geld auftreiben zu können und traten eine mehrmonatige Stelle in der Leicaniederlassung vor Ort an. Oft wussten sie zu dem Zeitpunkt auch schon, dass es eine befristete Stelle sein würde, gerade lange genug, damit sie eben in den USA aus eigener Kraft Fuß fassen konnten.</p>

<p>Die Familie Leitz hat da nie einen großen Hehl drum gemacht und es existiert auch keine ausführliche Dokumentation, aber man schätzt, dass es mehrere hundert Familien gibt, die ihr Überleben der Familie Leitz verdanken. Irgendwann bricht der <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> aus und auch die Leicawerke müssen sich dem Naziregime unterordnen und jetzt kriegswichtige Güter produzieren. Zielerfassungssysteme, Militärferngläser und so weiter. In den Werken sind jetzt immer weniger Fachkräfte und immer mehr Zwangsarbeiter eingesetzt und obwohl er jetzt selbst keine Juden mehr retten und verschicken kann, fängt Ernst Leitz damit an, im Hintergrund andere Aktivisten zu unterstützen. So kennen sich zum Beispiel Schindler und Leitz persönlich und es fließen Hilfsgelder, die Schindler seine Aktivitäten ermöglichen.</p>

<p>1942 haben dann die Nazis erst mal genug von den Aktivitäten, die sie ja schon etwas länger beobachten, und schicken die Gestapo bei Familie Leitz vorbei, um den Familienpatriarchen, damals schon über 70 Jahre alt, in Haft zu nehmen. In dem Wissen, dass er diese Haft wahrscheinlich nicht überleben würde, stellt sich seine Tochter in den Weg und nimmt alle Vorwürfe auf sich. Die Familienmutter wird danach in Haft genommen und mehrere Monate lang von der Gestapo verhört. Der Vorwurf: Übertriebene Humanität und Beihilfe zur Flucht von Gastarbeitern aus dem Osten und Juden. Ernst Leitz setzt sein Vermögen ein und schmiert den Apparat und schafft es dann auch, dass seine Tochter nach mehreren Monaten Haft auf freien Fuß gesetzt wird und glimpflich davonkommt.</p>

<p>Als der <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> vorbei ist, ist Leica in der Hand der Alliierten und wagt einen Neustart. Leica wird auch da erstmal seinem Namen und Ruf gerecht. Weiterhin werden Kameras und Mikroskope gebaut, die ihresgleichen in Sachen Qualität und Innovation suchen. In den 80ern entwickelt Leica ein Ultraschallmikroskop, das bis dahin nie geahnte Detailauflösungen ermöglicht. Und in der Fotografie entwickelt Leica Innovationen wie das erste Autofokussystem überhaupt und experimentiert mit Digitaltechnik zu einer Zeit, als überhaupt noch gar keine Rede von Digitaltechnik in der Fotografie war. Man beschließt allerdings, dass es bei einer Leica eben weniger darauf ankommt, immer hinter der neuesten Entwicklung hinterherzujagen als auf die kompromisslose Qualität. Und das ist etwas, das bis heute Leica anhängt.</p>

<p>Die Firmengeschichte war dann trotzdem erstmal turbulent. Leica hat ein Auf und Ab aus verschiedenen Umfirmungen hinter sich und Leitz gab irgendwann mal die Kontrolle ab, sodass die Familie Leitz zwar mit der Geschichte von Leica verbunden ist, aber nicht mehr Besitzer des Unternehmens sind.</p>

<p>Viel hätte auch gar nicht gefehlt und es gäbe keine Leica mehr. 2004 steht das Unternehmen nämlich endgültig vor dem Aus. Als die Pleite droht, kommt die Rettung in Gestalt des Österreichers Andreas Kaufmann. Er kauft sich die Aktienmehrheit und investiert. Heute ist Leica eigentlich gar kein einzelnes Unternehmen mehr, sondern es gibt drei verschiedene Unternehmen. Kamera, Objektive und Zubehör kommt von der Leica Kameratechnik in Solms. In der Schweiz sitzt die Leica Geosystems und in Wetzlar, wo alles begann, ist Leica Microsystems und baut immer noch Mikroskope.</p>

<p>Die Kameramarke Leica ist immer wieder mal kontrovers diskutiert. Viele finden ihre Technik zu teuer, andere beklagen den Mangel an Innovation und diesen Gruppen stehen dann natürlich jene gegenüber, die den Preis völlig angemessen finden und feiern, dass Leica ihrer Meinung nach sich auf genau die wesentlichen Funktionalitäten und eben nicht mehr konzentriert.</p>

<p>Egal, wie man Leica jetzt gegenübersteht: Unstrittig ist, dass die Fotografie heute so aussieht, wie sie aussieht, weil Oscar Barnack irgendwann mal ein kleines Gerät konstruierte, um damit Film zu testen. Seither verdanken wir Leica eine bestimmte Bildsprache, ganze Genres und tausende und abertausende ikonischer Bilder, die aus der Hand von Fotografinnen und Fotografen gemacht wurden, die ihre Leicakameras heiß und innig liebten. Viele von ihnen jüdischer Herkunft und viele von ihnen auf ewig dankbar für das, was die Familie Leitz für sie getan hat.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Versteckte Mütter</title>
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            <pubDate>Mon, 15 Nov 2021 18:43:32 GMT</pubDate>
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            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Babies hassen es von ihren Müttern getrennt zu sein. Darum darf man sich bei fast jedem Baby- Portrait sicher sein: Irgendwo ist die Mama, manchmal vielleicht sogar als Stuhl getarnt… Eerie Hidden Mothers in Vintage Photos (Petapixel) The lady vanishes: Victorian photography’s hidden mothers (Guardian) Erasing the matron: Palmer Museum’s ‘Hidden Mother’ collection displays haunting edited photographs In pictures: The Hidden Mother She’s behind you: The ‚hidden mothers‘ on the late-19th century equivalent of the selfie The Hidden Mother kwerfeldein diskutiert: Neugeborenenfotos Anne Geddes – offizielle Webseite Anne Geddes (Wikipedia) Anne Geddes: Hey, Baby, wer ist am süßesten? Bewegende Fotos: Anne Geddes zeigt Kinder, die eine Meningitis überlebten „Small World“ - süße Babybilder von Anne Geddes Anne Geddes Was Once the Queen of Baby Photography. Now, She’s Hit Hard Times - and Is Asking for Your Help Transkript Seit ich mit diesem Podcast angefangen habe, begegne ich immer wieder Genres, von denen ich nicht gewusst habe, dass sie jemals existierten oder existieren. So zum Beispiel die Hidden Mother Photography. Als die Menschheit mit der Fotografie begann, war das noch eine zeitaufwändige Prozedur. Manchmal mussten mehrere Minuten Belichtungen ausgehalten werden und deswegen dauerte es auch ein Weilchen, bis die ersten Portraitstudios ernsthaft ihre Dienste anbieten konnten. Und die waren nach wie vor aufwändig. Ganz am Anfang musste man bei strahlendem Sonnenschein auftauchen und wurde dann unter freiem Himmel fotografiert, oder man befand sich minutenlang unbeweglich eingespannt in einer Halteapparatur in einer Art Glasgewächshaus und schwitzte vor sich hin, auf jeden Fall war das Portraitieren von Menschen am Anfang kein Spaß, vor allem für die portraitierten nicht. Gleichzeitig fotografierten wir aber auch schon immer, was wir besonders liebten. Und was lieben wir mehr, als unsere Kinder und Kätzchen? Kätzchen und Kinder, besonders die jungen, lassen sich am besten dann fotografieren, wenn sie engelsgleich schlafen. Aber das tun die jetzt nicht immer und vielleicht auch nicht lang genug, insbesondere dann, wenn sie in einer ungewohnten Umgebung sind, mit ungewohnten Geräuschen und Gerüchen und wenn das Schatzelchen denn jetzt nun aufwachte, war es auch gleich nicht mehr fotogen, denn, wenn die Mama nicht irgendwo in der Nähe war, gab es halt Randale. Eine Lösung musste also her. Wenn man denn nicht sowieso gleich im Familienkreis fotografieren wollte, sondern vielleicht auch nur das Baby aufs Bild bannen, dann musste die Mama irgendwo in der Nähe sein. Konnte man Erwachsene noch einfach in irgendwelche Metallgestänge einspannen, sodass sie bewegungslos blieben, konnte die Mama natürlich unter Umständen ganz anders auf das Kleinchen einwirken. Wollte man aber ein Bild, wo da nur das Kind ist, dann muss die Mama wie der Stuhl aussehen. Oder wie der Vorhang hinter dem Kind. Und genau das ist die Geburtsstunde des Genres, das man „Hidden Mother Photography“ nennt, ein Genre, dem wir ohne das Internet eigentlich nie begegnet wären. Denn da kam es im Jahr 2010 zu einem regelrechten Boom. Es hatte schon eine ganze Weile verschiedene Sammler gegeben, die Daguerreotypien von Babys und Kleinkindern mit verdeckten Erwachsenen im Hintergrund gesammelt haben. Als das Internet genügend verbreitet war, fingen die an, ihre Sammlungen zu digitalisieren und online zu stellen. Flickr legte ein Album dafür an und verschiedene Museen wurden darauf aufmerksam und begannen Ausstellungen zu organisieren. Heute kennen wir einige tausend Daguerreotypien mit Kleinkindern und Babys und mal mehr, mal weniger kunstvoll versteckten Müttern. Und in unserer heutigen Hochgeschwindigkeitsdigitalfotografiewelt amüsieren wir uns auch einigermaßen darüber. Denn das Baby muss ja nicht lange stillhalten, damit wir ein schönes Foto machen können. Das Genre an sich gibt es also in</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Babies hassen es von ihren Müttern getrennt zu sein. Darum darf man sich bei fast jedem Baby-<a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a> sicher sein: Irgendwo ist die Mama, manchmal vielleicht sogar als Stuhl getarnt&#8230;</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://petapixel.com/2011/12/12/eerie-hidden-mothers-in-vintage-photos/" target="_blank">Eerie Hidden Mothers in Vintage Photos</a> (Petapixel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theguardian.com/artanddesign/2013/dec/02/hidden-mothers-victorian-photography" target="_blank">The lady vanishes: Victorian photography&#8217;s hidden mothers</a> (Guardian)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.centredaily.com/entertainment/this-weekend/article42901287.html" target="_blank">Erasing the matron: Palmer Museum’s ‘Hidden Mother’ collection displays haunting edited photographs</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bbc.com/news/in-pictures-25000664" target="_blank">In pictures: The Hidden Mother</a></li><li><a href="https://www.independent.co.uk/arts-entertainment/art/features/she-s-behind-you-the-hidden-mothers-on-the-late19th-century-equivalent-of-the-selfie-8969908.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">She&#8217;s behind you: The &#8218;hidden mothers&#8216; on the late-19th century equivalent of the selfie</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.domusweb.it/en/art/2013/06/17/the_hidden_mother.html" target="_blank">The Hidden Mother</a></li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250429090516/https://kwerfeldein.de/2014/01/04/kwerfeldein-diskutiert-neugeborenenfotos/" target="_blank">kwerfeldein diskutiert: Neugeborenenfotos</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.annegeddesphotography.com/" target="_blank">Anne Geddes &#8211; offizielle Webseite</a></li><li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Anne_Geddes" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Anne Geddes</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://kurier.at/leben/anne-geddes-hey-baby-wer-ist-am-suessesten/257.745.761" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Anne Geddes: Hey, Baby, wer ist am süßesten?</a></li><li><a href="https://www.t-online.de/gesundheit/kindergesundheit/id_69112276/anne-geddes-zeigt-kinder-die-eine-meningitis-ueberlebten.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewegende Fotos: Anne Geddes zeigt Kinder, die eine Meningitis überlebten</a></li><li><a href="https://www.stern.de/kultur/buecher/anne-geddes--suesse-babybilder-zum-muttertag-7436382.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Small World&#8220; - süße Babybilder von Anne Geddes</a></li><li><a href="https://web.archive.org/web/20250207154630/https://news.artnet.com/art-world/anne-geddes-profile-1849401" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Anne Geddes Was Once the Queen of Baby Photography. Now, She’s Hit Hard Times - and Is Asking for Your Help</a></li></ul>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Seit ich mit diesem Podcast angefangen habe, begegne ich immer wieder Genres, von denen ich nicht gewusst habe, dass sie jemals existierten oder existieren. So zum Beispiel die Hidden Mother Photography.</p>

<p>Als die Menschheit mit der Fotografie begann, war das noch eine zeitaufwändige Prozedur. Manchmal mussten mehrere Minuten Belichtungen ausgehalten werden und deswegen dauerte es auch ein Weilchen, bis die ersten Portraitstudios ernsthaft ihre Dienste anbieten konnten.</p>

<p>Und die waren nach wie vor aufwändig. Ganz am Anfang musste man bei strahlendem Sonnenschein auftauchen und wurde dann unter freiem Himmel fotografiert, oder man befand sich minutenlang unbeweglich eingespannt in einer Halteapparatur in einer Art Glasgewächshaus und schwitzte vor sich hin, auf jeden Fall war das Portraitieren von Menschen am Anfang kein Spaß, vor allem für die portraitierten nicht.</p>

<p>Gleichzeitig fotografierten wir aber auch schon immer, was wir besonders liebten. Und was lieben wir mehr, als unsere Kinder und Kätzchen? Kätzchen und Kinder, besonders die jungen, lassen sich am besten dann fotografieren, wenn sie engelsgleich schlafen. Aber das tun die jetzt nicht immer und vielleicht auch nicht lang genug, insbesondere dann, wenn sie in einer ungewohnten Umgebung sind, mit ungewohnten Geräuschen und Gerüchen und wenn das Schatzelchen denn jetzt nun aufwachte, war es auch gleich nicht mehr fotogen, denn, wenn die Mama nicht irgendwo in der Nähe war, gab es halt Randale.</p>

<p>Eine Lösung musste also her. Wenn man denn nicht sowieso gleich im Familienkreis fotografieren wollte, sondern vielleicht auch nur das Baby aufs Bild bannen, dann musste die Mama irgendwo in der Nähe sein. Konnte man Erwachsene noch einfach in irgendwelche Metallgestänge einspannen, sodass sie bewegungslos blieben, konnte die Mama natürlich unter Umständen ganz anders auf das Kleinchen einwirken. Wollte man aber ein Bild, wo da nur das Kind ist, dann muss die Mama wie der Stuhl aussehen. Oder wie der Vorhang hinter dem Kind.</p>

<p>Und genau das ist die Geburtsstunde des Genres, das man &#8222;Hidden Mother Photography&#8220; nennt, ein Genre, dem wir ohne das Internet eigentlich nie begegnet wären. Denn da kam es im Jahr 2010 zu einem regelrechten Boom. Es hatte schon eine ganze Weile verschiedene Sammler gegeben, die Daguerreotypien von Babys und Kleinkindern mit verdeckten Erwachsenen im Hintergrund gesammelt haben. Als das Internet genügend verbreitet war, fingen die an, ihre Sammlungen zu digitalisieren und online zu stellen. Flickr legte ein Album dafür an und verschiedene Museen wurden darauf aufmerksam und begannen Ausstellungen zu organisieren.</p>

<p>Heute kennen wir einige tausend Daguerreotypien mit Kleinkindern und Babys und mal mehr, mal weniger kunstvoll versteckten Müttern. Und in unserer heutigen Hochgeschwindigkeitsdigitalfotografiewelt amüsieren wir uns auch einigermaßen darüber. Denn das Baby muss ja nicht lange stillhalten, damit wir ein schönes Foto machen können.</p>

<p>Das Genre an sich gibt es also in abgewandelter Form auch heute noch. Zwar muss die Mama sich nicht mehr als Stuhl oder Vorhang tarnen lassen, sondern steht entweder außerhalb des Bildbereichs oder wird nachträglich mit <a "/posts/die-geschichte-der-bildmanipulation.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="55" title="Photoshop">Photoshop</a> entfernt, aber ganz allgemein gehen wir immer noch erstaunliche Wege, um zu verhindern, dass die Mutter mit im Bild ist.</p>

<p>Jetzt ist ja während ich das aufnehme gerade wieder kurz vor Weihnachten und die Läden sind voll mit Kalendern und Grußkarten. Und je süßer wir werden wollen, desto kindlicher wird das Ganze. Und da begegnen wir einer der berühmtesten und erfolgreichsten Fotokünstlerinnen der Welt. Und einer Persönlichkeit, bei der ich mir ehrlich gesagt gar nicht sicher war, ob ich darüber reden möchte, weil ich diese Fotos so unerträglich kitschig finde, ihr aber damit, wie ich inzwischen weiß, wahrscheinlich einfach mal Unrecht getan habe.</p>

<p>Die Rede ist von Anne Geddes. Ich beklage ja gerne, dass <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen irgendwie nicht zur Allgemeinbildung gehören zu scheinen. Aber ich glaube, mich aus dem Fenster lehnen zu können und zu behaupten, Anne Geddes ist da eine Ausnahme der Regel. Sie ist überdurchschnittlich bekannt. Und wer den Namen nicht kennt, kennt zumindest ihre Fotos. Ein Baby, das als Sonnenblume verkleidet ist, zwei schlafende Zwillinge, die in einem Bastkörbchen auf einer rosa Wolke zu schweben scheinen, es sind tatsächlich Säuglingsbilder, mit denen Anne Geddes berühmt wurde und durch die sie ihren Namen gemacht hat.</p>

<p>Mit der Fotografie hatte die Australierin ungefähr im Alter von 25 Jahren begonnen. Sie hatte sich aus einer Laune heraus die Familienkamera, damals eine Pentax, gegriffen und damit zu fotografieren begonnen. Als sie geheiratet hatte und mit ihrem Mann nach Hongkong gezogen war, wollte sie zum Familieneinkommen beitragen und hatte Freude an der Fotografie gefunden und so beschloss sie, ein Portraitstudio zu eröffnen.</p>

<p>Zehn Jahre lang machte Anne Geddes all das, was man in einem Portraitstudio so macht. Bewerbungsfotos, Familienbilder, Pärchenfotos und immer wieder auch mal Bilder von kleinen Kindern. Und jede Fotosituation und jedes Alter hat natürlich dann seine ganz eigenen Herausforderungen. Schnell hat sie dabei dann auch entdeckt, dass sie eine Faszination für gerade das Neugeborene oder sehr junge Leben hatte. Grenzenloses Potenzial steckt da drin.</p>

<p>Zehn Jahre sind eine lange Zeit und irgendwann wird auch die originellste Portraitfotografin etwas gelangweilt von der täglichen Routine. So ging es auch Anne Geddes und so fing sie an, mindestens einmal im Monat ein Foto nur für ihren eigenen Gebrauch zu machen. Und sie beschloss, einen Kalender zu produzieren. Sie überlegte sich ein Fantasythema und begann, Fotos zu produzieren, die in dieses Thema passen.</p>

<p>Der Kalender war dann schnell produziert und als es dann auf das Jahresende zuging, verkaufte sie ihn in ihrem Studio und hatte einen enormen Erfolg damit. Die Motive, so unglaublich kitschig sie auch waren, schlagen eine emotionale Note an. Viele Menschen lieben Fotos von Neugeborenen, besonders, wenn sie auf so eine interessante Art und Weise dargestellt werden.</p>

<p>Wir haben ja heute das Gefühl, dass das zum Standardrepertoire gehört, also Babys in irgendwelche super kitschigen Accessoires zu stecken. Aber als Anne Geddes damit anfing, war das eine komplett neue, frische Idee. Kleine Feenkostümchen, Flügelchen, Babys als Schmetterling, eieiei. Aber so, wie viele Menschen Bilder von roten Sonnenuntergängen lieben, sind eben Babyfotos auch Evergreens.</p>

<p>Und so kombinierte Anne Geddes etwas, das sie liebte, mit etwas, das offensichtlich kommerziell Erfolg hatte. Und heute, gut 30 Jahre später, ist sie eine der meistverkauften <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> der Welt. Über 18 Millionen Bücher, über 13 Millionen Kalender, eine der wenigen Fotografen, die überhaupt jemals auf der Bestsellerliste der New York Times gelandet sind, sehr zu ihrer Überraschung, übrigens, eine Kooperation mit Celine Dion und immer öfter stellt sie ihre Kunst inzwischen auch in wohltätige Dienste.</p>

<p>Wer übrigens bei Anne Geddes diese quietschbunten, kitschigen Fotos als Erstes im Kopf hat, möge mal auf ihrer Website vorbeisurfen. Inzwischen sind da eine Menge Schwarzweißbilder zu sehen und allgemein, muss ich zugeben, sind die Bilder geschmackvoller, als ich zunächst aus Erinnerung der ganzen Kalender, die ich über die Jahre wahrgenommen habe, gedacht hätte.</p>

<p>Und all diese Fotos, für die Anne Geddes berühmt geworden ist, sind natürlich ohne Mutter. Hidden Mother Photography, sozusagen. Und wie schon bei anderen Genres ist es ja so, dass wir als, sagen wir mal, Orthonomalfotograf*innen ja auch oft nachahmen, was wir gesehen haben und was uns gefallen hat. Und deswegen gibt es nicht nur die 13 Millionen Kalender, die Anne Geddes höchstselbst herausgegeben hat, mit solchen Motiven, sondern ungezählte privat fotografierte Kalender, die ganz ähnlich oder zumindest davon inspiriert sind. So funktioniert halt Popkultur und gerade bei der Fotografie finde ich das großartig.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Knochen und Klebstreifen</title>
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            <pubDate>Sun, 07 Nov 2021 15:43:12 GMT</pubDate>
            <description>Fotografie ist nicht auf Licht als Werkzeug beschränkt sondern ist auch mit anderen Strahlen möglich. Das bekannteste Beispiel dieser Kategorie ist die Röntgenstrahlung...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Fotografie ist nicht auf Licht als Werkzeug beschränkt sondern ist auch mit anderen Strahlen möglich. Das bekannteste Beispiel dieser Kategorie ist die Röntgenstrahlung… Lebensgeschichte Wilhelm C. Röntgen (Röntgenmuseum) Wilhelm Conrad Röntgen (Wikipedia) Durchleuchtung (Wikipedia) Kathodenstrahlröhre (Wikipedia) Röntgenfotografie (kwerfeldein) Kurze Geschichte des Röntgen „Ich habe meinen Tod gesehen“ (Spiegel) Zeigen Fotos, wie die Natur wirklich ist? (Stuttgarter Zeitung) Röntgen selbstgemacht: Strahlung von der Kleberolle Erfinder, Wissenschaftler, Foto-Pionier: Wilhelm Conrad Röntgen (Bildband) Bone Music (X-Ray Audio) Wilhelm Conrad Röntgen: Photographien/Photographs Inside In: X-Rays of Nature&#x27;s Hidden World X-Ray. Die Schönheit des Verborgenen https://youtu.be/EkMlw6-aywI Transkript Vielleicht geht es ja euch auch so, bei dem Namen Wilhelm Conrad Röntgen denke ich zuerst an die Deutsche Bahn und den gleichnamigen ICE. Und danach an den Zahnarzt. Denn der Zahnarzt ist der Ort, an dem wahrscheinlich jeder und jede von uns schonmal geröntgt wurden. Aber erst, seit ich an dieser Episode gearbeitet habe, denke ich außerdem noch an Tesastreifen, Schallplatten und Schuhgeschäfte. Als Fotograf hat mich schon immer fasziniert, dass ich mit Fotografie Dinge sichtbar machen kann, die man mit bloßem Auge nicht sehen kann. Ich mag zum Beispiel Langzeitaufnahmen mit Lichtspuren sehr gerne, ich mache gerne Verwischungen in meinen Aufnahmen. Und ich hatte mal eine Kamera, die so umgebaut worden war, dass man damit Infrarotaufnahmen machen konnte. Jetzt heißt das Ganze ja Zeichnen mit Licht, Fotografie, und trotzdem gibt es natürlich auch noch Verfahren, die technisch gesehen gar nicht mit Licht funktionieren. Beispielsweise in der Episode über das Elektronenrastermikroskop wurde schnell klar, dass das Ergebnis schon auch irgendwie fotografisch ist, und das, obwohl Licht gar keine Rolle spielt. Und ganz ähnlich ist es mit den Strahlen, die wir heute verwenden, wenn wir in Körper schauen wollen. Ohne die zu öffnen, wohlgemerkt. Bilder mit Röntgenstrahlen aufzunehmen hat viele Parallelen zur Fotografie. Oft wurden die Filme von denselben Herstellern erzeugt, die auch für normale Kamerasysteme Filme produzierten und in beiden Techniken entstehen Aufnahmen, die einen gewissen 3D Effekt, Schattenwurf etc. zeigen. Für die Medizin- und Bautechnik war die Entdeckung der Röntgenstrahlung eine der ganz großen Augenblicke des 19. Jahrhunderts. Es gibt eine schier unendliche Menge an Erkenntnissen, die wir allein solchen bildgebenden Verfahren zu verdanken haben. Und dabei begann das alles mit einem Zufall. Es ist der 8. November 1895. Wilhelm Conrad Röntgen war Professor am Lehrstuhl für Physik an der Universität Würzburg und interessierte sich unter anderem für Kathodenstrahlen und sogenannte Lumineszenzeffekte, also dem Aufleuchten von bestimmten Stoffen, sobald sie von solchen Strahlen getroffen werden. Er räumt sein Labor auf und will noch ein letztes Experiment machen. Rund um seine Strahlenquelle richtet er mehrere Sichtbarrieren auf; er möchte ganz gezielt auf einen Gegenstand leuchten. Er beginnt mit dem Experiment und dabei fällt ihm auf, dass andere Objekte, die eigentlich abgeschattet sein sollten, trotzdem aufleuchten. Irgendeine unsichtbare Strahlung schien also durch die Sichtschutzblenden hindurch zu leuchten. Eine Strahlung, die man selbst nicht sehen konnte. Eine neuartige Strahlung. Der 50-jährige Wilhelm Conrad Röntgen ist begeistert und fasziniert und nennt diese neue Strahlung X-Strahlen. Im Englischen nennen wir die ja immer noch X-ray, obwohl schon ein Jahr später der Begriff der Röntgenstrahlung ganz offiziell ihm zu Ehren eingeführt wird. Es war auch nicht von Ungefähr, dass Röntgen anfing, mit Filmmaterial und Belichtungstechniken zu experimentieren, war er doch nicht nur Physiker und Honorarprofessor, sondern außerdem noch leidenschaftlic</itunes:summary>
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<p>Fotografie ist nicht auf Licht als Werkzeug beschränkt sondern ist auch mit anderen Strahlen möglich. Das bekannteste Beispiel dieser Kategorie ist die Röntgenstrahlung&#8230; </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://roentgenmuseum.de/lebensgeschichte-wilhelm-conrad-roentgen/" target="_blank">Lebensgeschichte Wilhelm C. Röntgen</a> (Röntgenmuseum)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Conrad_R%C3%B6ntgen" target="_blank">Wilhelm Conrad Röntgen</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Durchleuchtung" target="_blank">Durchleuchtung</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kathodenstrahlr%C3%B6hre" target="_blank">Kathodenstrahlröhre </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250427104339/https://kwerfeldein.de/2013/02/01/rontgenfotografie/" target="_blank">Röntgenfotografie</a> (kwerfeldein)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.radiologie24.ch/radiologie-mediathek/geschichte-der-radiologie/kurze-geschichte-des-roentgen" target="_blank">Kurze Geschichte des Röntgen</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/wilhelm-conrad-roentgen-das-leiden-der-strahlen-pioniere-a-1061130.html" target="_blank">&#8222;Ich habe meinen Tod gesehen&#8220;</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.wissenschaftsgeschichte-zeigen-fotos-wie-die-natur-wirklich-ist.0ef88527-327d-4160-9f50-da9cb4379c9a.html" target="_blank">Zeigen Fotos, wie die Natur wirklich ist?</a> (Stuttgarter Zeitung)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.netzwelt.de/news/78797-roentgen-selbstgemacht-strahlung-kleberolle.html" target="_blank">Röntgen selbstgemacht: Strahlung von der Kleberolle</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.roentgen-geburtshaus.de/de-DE/3467/bildband-roentgen/" target="_blank">Erfinder, Wissenschaftler, Foto-Pionier: Wilhelm Conrad Röntgen</a> (Bildband)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.x-rayaudio.com/" target="_blank">Bone Music</a> (X-Ray Audio)</li></ul>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/3943886638" target="_blank" rel="noopener">Wilhelm Conrad Röntgen: Photographien/Photographs</a></p>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/1771646799" target="_blank" rel="noopener">Inside In: X-Rays of Nature&#x27;s Hidden World</a></p>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/3899104633" target="_blank" rel="noopener">X-Ray. Die Schönheit des Verborgenen</a></p>

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<p><a href="https://youtu.be/EkMlw6-aywI">https://youtu.be/EkMlw6-aywI</a></p>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Vielleicht geht es ja euch auch so, bei dem Namen Wilhelm Conrad Röntgen denke ich zuerst an die Deutsche Bahn und den gleichnamigen ICE. Und danach an den Zahnarzt. Denn der Zahnarzt ist der Ort, an dem wahrscheinlich jeder und jede von uns schonmal geröntgt wurden. Aber erst, seit ich an dieser Episode gearbeitet habe, denke ich außerdem noch an Tesastreifen, Schallplatten und Schuhgeschäfte.</p>

<p>Als Fotograf hat mich schon immer fasziniert, dass ich mit Fotografie Dinge sichtbar machen kann, die man mit bloßem Auge nicht sehen kann. Ich mag zum Beispiel Langzeitaufnahmen mit Lichtspuren sehr gerne, ich mache gerne Verwischungen in meinen Aufnahmen. Und ich hatte mal eine Kamera, die so umgebaut worden war, dass man damit Infrarotaufnahmen machen konnte.</p>

<p>Jetzt heißt das Ganze ja Zeichnen mit Licht, Fotografie, und trotzdem gibt es natürlich auch noch Verfahren, die technisch gesehen gar nicht mit Licht funktionieren. Beispielsweise in der Episode über das Elektronenrastermikroskop wurde schnell klar, dass das Ergebnis schon auch irgendwie fotografisch ist, und das, obwohl Licht gar keine Rolle spielt. Und ganz ähnlich ist es mit den Strahlen, die wir heute verwenden, wenn wir in Körper schauen wollen. Ohne die zu öffnen, wohlgemerkt.</p>

<p>Bilder mit Röntgenstrahlen aufzunehmen hat viele Parallelen zur Fotografie. Oft wurden die Filme von denselben Herstellern erzeugt, die auch für normale Kamerasysteme Filme produzierten und in beiden Techniken entstehen Aufnahmen, die einen gewissen 3D Effekt, Schattenwurf etc. zeigen.</p>

<p>Für die Medizin- und Bautechnik war die Entdeckung der Röntgenstrahlung eine der ganz großen Augenblicke des 19. Jahrhunderts. Es gibt eine schier unendliche Menge an Erkenntnissen, die wir allein solchen bildgebenden Verfahren zu verdanken haben. Und dabei begann das alles mit einem Zufall.</p>

<p>Es ist der 8. November 1895. Wilhelm Conrad Röntgen war Professor am Lehrstuhl für Physik an der Universität Würzburg und interessierte sich unter anderem für Kathodenstrahlen und sogenannte Lumineszenzeffekte, also dem Aufleuchten von bestimmten Stoffen, sobald sie von solchen Strahlen getroffen werden. Er räumt sein Labor auf und will noch ein letztes Experiment machen.</p>

<p>Rund um seine Strahlenquelle richtet er mehrere Sichtbarrieren auf; er möchte ganz gezielt auf einen Gegenstand leuchten. Er beginnt mit dem Experiment und dabei fällt ihm auf, dass andere Objekte, die eigentlich abgeschattet sein sollten, trotzdem aufleuchten. Irgendeine unsichtbare Strahlung schien also durch die Sichtschutzblenden hindurch zu leuchten. Eine Strahlung, die man selbst nicht sehen konnte. Eine neuartige Strahlung.</p>

<p>Der 50-jährige Wilhelm Conrad Röntgen ist begeistert und fasziniert und nennt diese neue Strahlung X-Strahlen. Im Englischen nennen wir die ja immer noch X-ray, obwohl schon ein Jahr später der Begriff der Röntgenstrahlung ganz offiziell ihm zu Ehren eingeführt wird.</p>

<p>Es war auch nicht von Ungefähr, dass Röntgen anfing, mit Filmmaterial und Belichtungstechniken zu experimentieren, war er doch nicht nur Physiker und Honorarprofessor, sondern außerdem noch leidenschaftlicher Freizeitfotograf. Und so war es für Wilhelm Conrad Röntgen wohl kein sonderlich weiter Weg von der Erkenntnis, dass irgendeine unsichtbare Strahlenquelle in der Lage war, feste Körper zu durchdringen zu dem Versuch, dieselben Strahlen mit handelsüblichem Filmmaterial festzuhalten.</p>

<p>Die Strahlen selbst entdeckte er am 8. November 1895. Das erste Foto dieser Strahlen macht er dann am 22. Dezember, und zwar von der Hand seiner Frau Anna Bertha. Er entwickelt den Film und zeigt ihr die Aufnahme der Knochen. Und ihre Reaktion macht deutlich, was für ein Umbruch diese Entdeckung gewesen sein muss. &#8222;Ich habe meinen Tod gesehen&#8220;, soll sie gesagt haben. Knochen zu sehen war damals ja untrennbar mit dem Tod verbunden und plötzlich war man in der Lage, von lebenden Menschen solche Bilder zu machen. Diese erste Aufnahme am 22. Dezember 1895 gilt jedenfalls als die Geburtsstunde der Radiologie.</p>

<p>Röntgen war wohlhabend und deswegen sah er komplett davon ab, seine Technologie in irgendeiner Form sichern zu lassen. Gleichzeitig war er als Wissenschaftler natürlich sehr gewissenhaft in der Beschreibung des Versuchsaufbaus und der Versuchsaufbau war unglaublich leicht nachzuahmen.</p>

<p>Und so tritt die Radiologie eine beispiellose Welle der Begeisterung los. Während die einen aus wissenschaftlicher Neugierde heraus alles und jeden röntgen, der oder die bei drei nicht auf dem Baum sind, entdecken andere das Potential der Röntgentechnologie als Unterhaltung. Es dauert nicht lang und es gibt auch Apparate, in denen man in Echtzeit Röntgenlaufnahmen sehen kann. Auf praktisch jedem Jahrmarkt der damaligen Zeit konnte man vor solchen Geräten stehen und sich in den Körper gucken lassen. Schuhgeschäfte hatten solche Geräte. Mit denen konnte man zum Beispiel kontrollieren, ob die gerade gekauften Schuhe den Kinderchen auch wirklich passen würden. Oder nochmal überdenken, ob die modischen, engen, hochhackigen Schuhe vielleicht wirklich so eine gute Investition waren, angesichts der Verkrümmungen, die man in dem Röntgenbild sofort sehen konnte.</p>

<p>Der berühmte Unternehmer Edison, ja, derselbe Edison, der später angeblich die Glühbirne erfunden hat und außerdem untrennbar mit der Geschichte des Bewegfilms verbunden ist, sah in der Röntgentechnologie ungeahnte Möglichkeiten. Er wollte Röntgenapparate für den Heimgebrauch bis hin zu Röntgenapparaten als Spielzeug entwickeln.</p>

<p>Aber nicht nur Edison arbeitet an der Vermarktung der Röntgentechnologie, Namen wie <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> in den USA oder Ilford in England, beide Hersteller vor allem auch von Filmmaterialien und Labortechnik, sind untrennbar mit der Entwicklung dieses Mediums verknüpft. Und zeigen, wie nah die Technologie von Anfang an an der Fotografie war.</p>

<p>Mit zunehmendem Einsatz entdeckt man auch relativ schnell, dass die Röntgenstrahlung sich auf Tumorgewebe und Gewebe ganz allgemein auszuwirken scheint. Noch sind die Forscher noch einigermaßen arglos, aber es werden schon 1896 erste Dokumentationen von Strahlenschäden, aber auch von Behandlungsmöglichkeiten zum Beispiel in der Krebstherapie veröffentlicht. Trotzdem überwiegt immer noch die Begeisterung, gerade auch, als 1901 Wilhelm Conrad Röntgen als der erste Forscher überhaupt den ersten jemals vergebenen Nobelpreis der schwedischen Akademie der Wissenschaften entgegennimmt.</p>

<p>Es wird 1903, bis die Veröffentlichungen einen etwas alarmierenden Ton anschlagen. Die Forscherinnen und Forscher, die an Röntgenstrahlengeräten arbeiteten, begannen, Verbrennungserscheinungen zu beschreiben, Haarausfall, Gewebeverknotungen und Geschwulste, die sich bildeten. Aber es ist der damals Mitte 30-jährige Assistent von Thomas Alva Edison, Clarence Madison Dally, der als der erste Röntgenstrahlenverursachte Tod in die Geschichte eingeht. Besonders die linke Hand, mit der man bei den Geräten der damaligen Zeit häufig den Fokus justierte, mit dem er unzählige Experimente durchführte, begann bei ihm nicht nur, Verbrennungserscheinungen zu zeigen, sondern eben auch Krebsgeschwüre zu entwickeln. Dally war aber so besessen von seiner Arbeit, dass er anfing, einfach immer, wenn die eine Hand gerade entzündet war, die andere zu nutzen. Das Ganze eskalierte, die Tumore waren natürlich irgendwann dann auch nicht mehr gutartig und so kam es zu einer ganzen Reihe von Amputationen, in mehreren Schritten verlor er den gesamten linken und zwei Drittel des rechten Arms und starb dann vier Jahre später.</p>

<p>Für Edison, dem oft nachgesagt wurde, einigermaßen gewissenlos an dem eigenen Geschäftsinteresse interessiert zu sein, markierte das Ende seiner Arbeit mit Röntgenstrahlung. In einem Interview gibt er zum Protokoll, dass er vor Röntgenstrahlen warnt und dass er Angst vor ihren Wirkungen hat und dass man wahrscheinlich noch vieles herausfinden wird, was ihnen jetzt bisher noch nicht bewusst war.</p>

<p>Um die 150 Forscherinnen und Forscher dieser damaligen ersten Röntgen-Sturm-und-Drang-Zeit sind dokumentiert als Opfer dieser neuen Technologie. Es sind jedoch auch ihre Erkenntnisse, die es später möglich machen, die Technologie sicher einzusetzen.</p>

<p>Natürlich war der Einsatz dieser neuen bildgebenden Verfahren nicht nur auf Technik und Medizin beschränkt. Von Anfang an gab es auch Menschen, die rein aus ästhetischem oder künstlerischem Antrieb heraus Fotos mit dieser Technik machten. Wie sehen Gegenstände oder Lebewesen aus, wenn sie von Röntgenstrahlen durchdrungen werden? Wie lassen sich damit Bildkompositionen erreichen, die interessant sind? Und weil es gar nicht schwer ist, Bilder zu finden, die eben nicht technisch oder medizinisch sind, kann man ja auf die Idee kommen, nach Röntgengeräten für den Privatgebrauch zu suchen.</p>

<p>Stellt sich heraus, natürlich gibt es einen Gebrauchtmarkt für zum Beispiel von Zahnarztpraxen abgelegte alte Röntgenapparaturen. Aber nicht nur das. Es gibt eine ganze Reihe von einfachen Wegen, wie man sich selber Röntgenapparaturen bauen kann. Und ein Projekt, auf das ich dann gestoßen bin, faszinierte mich besonders. Denn es nützt ein Phänomen aus, von dem ich bisher gar nicht wusste, dass es existiert. Alles, was man dafür braucht, ist Klebstreifen. Und vermutlich würden auch andere Gegenstände gehen, aber bei Klebstreifen lässt sich das ganz besonders leicht nachbauen.</p>

<p>Es ist nämlich so, dass Klebstreifen, der voneinander abgerollt wird, ganz leichte Lichtentladungen erzeugt. Das ist ein bekanntes und lange dokumentiertes Phänomen verschiedenster Stoffe. Auch Zuckerwürfel, die zerdrückt werden, erzeugen leichte Lichtentladungen. Und jawoll, ich habe wahrscheinlich in meinem Leben schon Kilometer Klebstreifen abgerollt und ich weiß nicht wie viele Zuckerwürfel zerdrückt und nie ist mir das in den Sinn gekommen, geschweige denn aufgefallen. Sind auch keine besonders hellen Lichtentladungen.</p>

<p>Allerdings strahlen diese Entladungen in verschiedenen Spektren. Und so kam eine Forschergruppe auf die Idee, diese Klebrollen in eine Apparatur ähnlich wie ein Tonband einzuspannen, also zwei Rollen zu haben, die eine Rolle rollt auf, die andere rollt ab, und das Ganze in eine Vakuumkammer zu packen, um die verschiedenen von der Luft verursachten Streueffekte zu verhindern, und darauf dann zum Beispiel einen Finger zu legen und einen Röntgenempfindlichen Film darüber zu belichten. Stellt sich heraus, mit einer schnell genug abgerollten Klebstreifenrolle lässt sich eine Röntgenapparatur konstruieren. Die Strahlendosis, die da abgegeben wird, ist zwar absolut ungefährlich und in einem minimalen Bereich, aber sie reicht, um zum Beispiel einen Finger röntgen zu können. Hammer.</p>

<p>Das Video, das ich in die Notizen zur Sendung packe, zeigt, wie die Forscher das mit einem handelsüblichen Film, wie er zum Beispiel von Zahnärzten verwendet wird, um Zähne zu röntgen, vorführen. Sie hoffen, daraus eventuell Geräte konstruieren zu können, die zum Beispiel in Drittweltländern eingesetzt werden könnten. Denn dort sind eigentlich immer die Geräte das Problem, nicht die röntgenempfindlichen Filme.</p>

<p>Apropos Röntgenempfindliche Filme: Da begegnete ich dann einem anderen Thema. Einer Geschichte aus der ehemaligen UDSSR. Dort war nämlich während des Kalten Krieges bis ins Detail geregelt, welche Medien die Bürger konsumieren durften und welche nicht. Besonders westliche Musik war meist bis ins letzte Fitzelchen zensiert und in der Regel verboten. Aber, wie wir schon seit Jurassic Park wissen, Natur findet immer einen Weg. Und in dem Fall Natur in Gestalt von echten Jazz- und Rockfans. Die sahen nämlich gar nicht ein, sich vorschreiben zu lassen, welche Musik sie denn nun hören durften und welche nicht und begannen damit, Schallplatten aus dem Westen illegal zu importieren und dann zu vervielfältigen.</p>

<p>Jetzt war das Medium, auf dem im allgemeinen Schallplatten produziert wurden, Vinyl, recht knapp und schon gar nicht für Privatleute verfügbar. Und so begab man sich auf die Suche nach einem alternativen Medium. Und da schließt sich jetzt der Kreis zur Röntgenfotografie, denn in der Sowjetunion bildete sich eine Subkultur, in der Schallplatten auf die abgelegten Röntgenaufnahmen von Krankenhäusern gepresst wurden. Im Ergebnis ist das eine faszinierende Mischung aus Fotografie, Musik, Untergrundkultur und Zeitgeschichte, denn den Schallplatten sah man immer noch an, dass sie Röntgenaufnahmen waren. Gleichzeitig konnte man sie auf einen Schallplattenspieler legen und zum Beispiel Jazzmusik aus den USA hören, in dem Wissen, dass die eigene Schallplatte nicht nur ein Unikat, sondern auch noch gleichzeitig ein Aufbegehren gegen den Staat war. Ein Aufbegehren, das möglich wurde durch die Omnipräsenz der Röntgentechnologie, der Verfügbarkeit von Filmmaterialien und der Findigkeit der Sowjetbürger, die sich gegen eine unterdrückende Zensur auflehnten.</p>

<p>Wilhelm Röntgen hat über 60 Arbeiten veröffentlicht in einem mehrere Jahrzehnte umfassenden wissenschaftlichen Leben. Aber die Entdeckung der unsichtbaren X-Strahlen war ganz ohne Zweifel die Krönung seines Lebens und seiner Laufbahn. Noch heute wird heute Röntgentechnologie eingesetzt, um das Wissen der Menschheit zu vergrößern und heute wie damals beschäftigen sich Künstlerinnen und Künstler damit. Darum finden sich heute in den Notizen zur Sendung nicht nur weiterführende Links für diejenigen, die sich mehr mit der Geschichte von Röntgen oder der Technologie beschäftigen wollen, sondern auch Hinweise auf Bildbände und Menschen, die das Verfahren als Medium benutzen.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Knopflochfotografie</title>
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            <pubDate>Sat, 30 Oct 2021 21:05:45 GMT</pubDate>
            <description>In den 1890ern kam eine Spionagekamera in den Handel mit der man Menschen durch ein Knopfloch fotografieren konnte.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera In den 1890ern kam eine Spionagekamera in den Handel mit der man Menschen durch ein Knopfloch fotografieren konnte. Der damals 19jährige Carl Størmer dokumentierte damit jahrelang die Menschen in Oslo und wird dadurch zum ersten Paparazzo Norwegens. Carl Størmer (Wikipedia deutsch , englisch ) Carl Størmer Captured Candid Expressions With His Victorian Era Spy Camera Famous people in Norway in 1890 from spy camera of 19 year old paparazzi Alle ausgestellten Spy-Fotos – Serie fotografert av professor Carl Størmer (Fredrik Carl Mülertz Størmer) (1874-1957). Student Hides Spy Camera in Clothing to Take Candid Photos in 1890s, Here’s What He Captured Petapixel – The 19-Year-Old Who Shot Spy Camera Street Photos in the 1890s Transkript Wenn man aufgefordert wird, sich eine Kamera aus dem 19. Jahrhundert vorzustellen, taucht vor unserem geistigen Auge sehr wahrscheinlich entweder ein großer hölzener Kasten mit Objektiv vorne dran oder eine Art ausziehbare Ziehharmonika-Kamera mit Balgen auf. Und damit wär man auch nicht ganz falsch. Allerdings gibt es auch schon damals erste Versuche Kameras zu miniaturisieren und ein ganz besonders gelungenes Exemplar ist die sogenannte „Vest-Spy-Camera“. Eine Kamera, die man unter der Weste tragen kann, deren Objektiv wie ein Knopf durch ein Knopfloch hindurchgesteckt werden kann. Eigentlich wäre man ja nicht ganz falsch gelegen, wenn man mit großem Gerät gerechnet hätte, denn die Leica wird noch eine ganze Weile auf sich warten lassen und vor der Leica sind die meisten Straßenfotografen mit verhältnismäßig großem Gerät unterwegs. Sogenannte Reporterkameras sind das, was man heute schon als Großformat bezeichnet. Der Profi fotografiert auch oft noch auf Glas aber Kodak hat den Markt auch schon so weit revolutioniert, dass es inzwischen auch trockene Negative auf Papier gibt, als Rollfilm. Unsere Spionagekamera, die wird mit Papierfilm gefüllt, sie sieht aus wie ein runder Flachmann und hat an einem Ende eine Schnur, diese Schnur verwendet man zum Auslösen. Und laut einer Anzeige aus der damaligen Zeit ist die Spionagekamera das perfekte Weihnachtsgeschenk für Damen und Herren jeglichen Alters. Als Bürger des 21. Jahrhunderts bekommt man da natürlich sofort Schnappatmung, denn wer bei uns mit einer Kamera erkennbar Leute fotografiert wird sehr wahrscheinlich relativ schnell darauf angesprochen, dass er ja eigentlich auch erstmal um Erlaubnis fragen müsste. Wer heutzutage heimlich fotografieren will macht das sozusagen ganz offensichtlich, mit dem Handy. Denn ein IPhone in der Öffentlichkeit hochgehoben interessiert keinen Menschen, ob man damit nun fotografiert oder eine SMS verschickt weiß sowieso niemand und kratzt auch nicht. Wer aber Ende des 19. Jahrhunderts eine Kamera in der Öffentlichkeit aufstellte, war natürlich unglaublich auffällig und die Leute der damaligen Zeit gaben sich Mühe möglichst seriös auf Fotografien auszusehen. Und deswegen gibt es zwar aus der Zeit Straßenfotografien aber kaum Schnappschüsse, kaum normale Mimik, kaum Alltagshandlungen. Kaum steht da irgendwo eine Kamera wird seriös geschaut. Und es ist genau dieser Umstand, warum Bilder, wo das dann mal nicht der Fall ist, so dramatisch rausstechen. Wie zum Beispiel die Fotosammlung von Carl Størmer. Oder wie er vollständig heißt: Fredrik Carl Mülertz Størmer. Er war 1874 als Sohn eines Apothekers auf die Welt gekommen und als er sich 1890 diese Spionagekamera für unter die Weste leistete, war er eigentlich Mathematikstudent. Zu der Zeit studierte er gerade in Oslo oder Christiana, wie die Stadt damals hieß. Und er war fasziniert von der Fotografie an sich. Und so begann er mit dieser Westenkamera, durch die Straßen von Oslo zu streifen und Fotos zu machen. Rund 500 Aufnahmen entstanden damals und es ist faszinierend, diesen Blick in den Alltag Dänemarks des 19. Jahrhunderts zu bekommen. Frauen in üppigen, wallenden Gewändern und Hüten, die l</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>In den 1890ern kam eine Spionagekamera in den Handel mit der man Menschen durch ein Knopfloch fotografieren konnte. Der damals 19jährige Carl Størmer dokumentierte damit jahrelang die Menschen in Oslo und wird dadurch zum ersten Paparazzo Norwegens. </p>

<ul><li>Carl Størmer (Wikipedia <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_St%C3%B8rmer" target="_blank">deutsch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Carl_St%C3%B8rmer" target="_blank">englisch</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://racingnelliebly.com/weirdscience/carl-stormer-victorian-era-spy-camera/" target="_blank">Carl Størmer Captured Candid Expressions With His Victorian Era Spy Camera</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250325061325/https://www.tnp.no/norway/culture/famous-people-norway-1890-spy-camera-19-year-old-paparazzi/" target="_blank">Famous people in Norway in 1890 from spy camera of 19 year old paparazzi</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://digitaltmuseum.no/011013321284/serie-fotografert-av-professor-carl-stormer-fredrik-carl-mulertz-stormer" target="_blank">Alle ausgestellten Spy-Fotos &#8211; Serie fotografert av professor Carl Størmer (Fredrik Carl Mülertz Størmer) (1874-1957).</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.techeblog.com/student-hides-spy-camera-in-clothing-to-take-candid-photos-in-1890s-heres-what-he-captured/" target="_blank">Student Hides Spy Camera in Clothing to Take Candid Photos in 1890s, Here’s What He Captured</a></li><li><a href="https://petapixel.com/2018/01/04/19-year-old-shot-spy-camera-street-photos-1890s/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Petapixel &#8211; The 19-Year-Old Who Shot Spy Camera Street Photos in the 1890s</a></li></ul>

<figure><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="426" height="500" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/2-spy-cam1.jpg" alt="Ein rundes, messingfarbenes Gerät mit einem zentralen Gehäuse und mehreren kleinen Bedienelementen."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="400" height="400" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/2-open-camera1.jpg" alt="Ein antikes, verziertes Kastenmechanismus aus dunklem Holz und Messing, der auf einer einfachen, runden Metallablage ruht." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="502" height="243" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/3-Photos-by-Carl-Stormer1.jpg" alt="Eine Collage aus mehreren runden Schwarz-Weiß-Fotografien auf einem hellen Hintergrund, die verschiedene Szenen mit Menschen und Gebäuden zeigen."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="500" height="482" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/2-angry-man-approaches1.jpg" alt="Ein Mann in Anzug und Hut posiert draußen vor einem Gebäude mit sichtbaren Geländern."/></figure></li></ul></figure>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Wenn man aufgefordert wird, sich eine Kamera aus dem 19. Jahrhundert vorzustellen, taucht vor unserem geistigen Auge sehr wahrscheinlich entweder ein großer hölzener Kasten mit Objektiv vorne dran oder eine Art ausziehbare Ziehharmonika-Kamera mit Balgen auf. Und damit wär man auch nicht ganz falsch.</p>

<p>Allerdings gibt es auch schon damals erste Versuche Kameras zu miniaturisieren und ein ganz besonders gelungenes Exemplar ist die sogenannte &#8222;Vest-Spy-Camera&#8220;. Eine Kamera, die man unter der Weste tragen kann, deren Objektiv wie ein Knopf durch ein Knopfloch hindurchgesteckt werden kann.&nbsp;</p>

<p>Eigentlich wäre man ja nicht ganz falsch gelegen, wenn man mit großem Gerät gerechnet hätte, denn die Leica wird noch eine ganze Weile auf sich warten lassen und vor der Leica sind die meisten Straßenfotografen mit verhältnismäßig großem Gerät unterwegs. Sogenannte Reporterkameras sind das, was man heute schon als Großformat bezeichnet. Der Profi fotografiert auch oft noch auf Glas aber <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> hat den Markt auch schon so weit revolutioniert, dass es inzwischen auch trockene Negative auf Papier gibt, als Rollfilm. Unsere Spionagekamera, die wird mit Papierfilm gefüllt, sie sieht aus wie ein runder Flachmann und hat an einem Ende eine Schnur, diese Schnur verwendet man zum Auslösen. Und laut einer Anzeige aus der damaligen Zeit ist die Spionagekamera das perfekte Weihnachtsgeschenk für Damen und Herren jeglichen Alters.</p>

<p>Als Bürger des 21. Jahrhunderts bekommt man da natürlich sofort Schnappatmung, denn wer bei uns mit einer Kamera erkennbar Leute fotografiert wird sehr wahrscheinlich relativ schnell darauf angesprochen, dass er ja eigentlich auch erstmal um Erlaubnis fragen müsste. Wer heutzutage heimlich fotografieren will macht das sozusagen ganz offensichtlich, mit dem Handy. Denn ein IPhone in der Öffentlichkeit hochgehoben interessiert keinen Menschen, ob man damit nun fotografiert oder eine SMS verschickt weiß sowieso niemand und kratzt auch nicht.</p>

<p>Wer aber Ende des 19. Jahrhunderts eine Kamera in der Öffentlichkeit aufstellte, war natürlich unglaublich auffällig und die Leute der damaligen Zeit gaben sich Mühe möglichst seriös auf Fotografien auszusehen. Und deswegen gibt es zwar aus der Zeit Straßenfotografien aber kaum Schnappschüsse, kaum normale Mimik, kaum Alltagshandlungen. Kaum steht da irgendwo eine Kamera wird seriös geschaut.</p>

<p>Und es ist genau dieser Umstand, warum Bilder, wo das dann mal nicht der Fall ist, so dramatisch rausstechen. Wie zum Beispiel die Fotosammlung von Carl Størmer. Oder wie er vollständig heißt: Fredrik Carl Mülertz Størmer. Er war 1874 als Sohn eines Apothekers auf die Welt gekommen und als er sich 1890 diese Spionagekamera für unter die Weste leistete, war er eigentlich Mathematikstudent. Zu der Zeit studierte er gerade in Oslo oder Christiana, wie die Stadt damals hieß. Und er war fasziniert von der Fotografie an sich.&nbsp;</p>

<p>Und so begann er mit dieser Westenkamera, durch die Straßen von Oslo zu streifen und Fotos zu machen. Rund 500 Aufnahmen entstanden damals und es ist faszinierend, diesen Blick in den Alltag Dänemarks des 19. Jahrhunderts zu bekommen. Frauen in üppigen, wallenden Gewändern und Hüten, die lachend die Straße entlanglaufen.</p>

<p>Männer, die mit zum Gruß ausgestreckter Hand und strahlendem Grinsen auf ihn zulaufen. Und Katzen, mindestens zwei Katzen hat er auch festgehalten. Und Katzen sahen irgendwie schon immer gleich aus.&nbsp;</p>

<p>Auf seinen Streifzügen durch Oslo begegnen ihm hin und wieder auch mal Prominente und auch die fotografiert er natürlich. Als er dann im Alter von 70 Jahren, viel, viel später eine Fotoausstellung mit diesen Spie-Cam-Fotos organisiert, sind die natürlich auch ganz besondere Publikumsmagnete. In den Berichten rund um diese Fotoausstellung wird er augenzwinkernd als Norwegens erster Paparazzi bezeichnet. Aber im Verhältnis zu welchen Maßnahmen die heutzutage greifen, waren Carls Bilder natürlich einigermaßen harmlos.</p>

<p>Ja und die Entwicklung entsprechender Kameratechnik ist natürlich auch nicht stehen geblieben. Wir haben heute Kameras, die sind so klein, dass man sie kaum noch sehen kann. Und es gibt Kameras, die man als Schmuckstück tragen kann, die auf Sprachkommandos reagieren oder auf leichte Berührung und dann in Full-Hd ihre Umgebung aufnehmen können. Keine der Kameras, die ich so gefunden habe machen besonders schöne oder gute Aufnahmen aber mit der Qualität, die die Westenkamera von 1890 hatte können die natürlich locker mithalten. Vermarktet werden die oft entweder als Sicherheitstechnologie, also Überwachungskamera für den Ernstfall, oder als Notizgerät, wenn ich also in meinem Alltag irgendwas festhalten möchte, ein Sprachmemo, eine kurze Videoaufnahme von irgendwas, dass ich spannend finde und ähnliches.</p>

<p>Ich habe auch spontan an Google-Glass denken müssen, das war eine Art Brillengestell mit einem Display vor unserem Auge, in dem man aktuelle Nachrichten sehen konnte oder eben auch per Augenzwinkern eine Kamera auslösen. Bei meinen Experimenten hat dieses Ding nie so richtig kontrolliert ausgelöst, sondern hat mal mein normales Zwinkern als Aufforderung verstanden und dann wieder ein &#8222;auch-wenn-es-sehr-deutlich-war-Zwinkern&#8220; einfach mal ignoriert aber die bedenken die damals Datenschützer hatten waren natürlich, dass man in der Öffentlichkeit unbeobachtet Fotografieren oder &#8222;Videofonieren&#8220; könnte. Und so gab es damals den aufgeregten Slogan:&#8220;Don&#8217;t be a Glasshole&#8220; und Datenschützer gingen auf die Barrikaden.&nbsp;</p>

<p>Tja. Und auch wenn es die Technologien natürlich nach wie vor gibt, so richtig durchgesetzt, auch als Werkzeug für die Straßenfotografien da draußen, hat sich das nicht. Es ist wie so oft, die die wirklich Schindluder mit solchem Kram treiben wollen, die lassen sich sowieso nicht abhalten. Aber ich schweife ab.&nbsp;</p>

<p>Carl jedenfalls machte nicht nur diese <a "/tags/straßenfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="34" title="Street">Street</a>-Fotos in Oslo mit seiner Spycam sondern blieb der Fotografie sein ganzes Leben lang treu. Er wird Professor für Mathematik an der Universität in Oslo und interessiert sich dann außerdem auch noch ganz besonders für Astrophysik, speziell für Phänomene, wie die Aurora-Borealis, also die Nordlichter. Auch die dokumentiert er mit der damals gängigen Kameratechnik und so gibt es von ihm nicht nur per Spycam aufgenommene <a "/tags/straßenfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="34" title="Street">Straßenfotografie</a>, sondern auch Aufnahmen der Nordlichter über Norwegen. Trotzdem hätte er sich selber wahrscheinlich nicht als Fotograf bezeichnet und außer dieser einen Ausstellung dieser Westenkamerabilder veröffentlichte er jetzt eigentlich keine Fotografien weiter.&nbsp;</p>

<p>Die Bilder werfen auch eine interessante Frage auf finde ich. Zwar gibt es diesen Empörungsreflex, weil er ja versteckt und heimlich fotografiert hat, voyeuristisch geradezu. Auf der anderen Seite hat er das ja eigentlich erstmal nur für sich getan und nicht weiter veröffentlicht, d.h. bis zu dieser&nbsp; Ausstellung 50 Jahre später, waren diese Aufnahmen rein in seinem Privatbesitz. Und das ist ja jetzt schon was anderes als die direkten Instagramuploads, die man heute manchmal so hat.&nbsp;</p>

<p>Etwas besonderes wurde es dann eben dadurch, dass es Aufnahmen waren, die man sonst so aus der Zeit überhaupt so gut wie nie zu sehen bekam. Ganz egal also, ob verboten oder nicht, unlauter oder nicht. Allein dieser Blick in die Vergangenheit, dieser unverstellte Blick in die Straßen von Oslo, ist aus heutiger Sicht spannend.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Der erste Fotofälscher der Geschichte?</title>
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            <pubDate>Sat, 23 Oct 2021 19:11:07 GMT</pubDate>
            <description>Hippolyte Bayard ging in die Fotogeschichte ein, aber anders als er es verdient gehabt hätte.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Hippolyte Bayard ging in die Fotogeschichte ein, aber anders als er es verdient gehabt hätte. Hippolyte Bayard (Wikipedia) François Arago (Wikipedia) Louis Daguerre (Wikipedia) Joseph Nicéphore Niépce (Wikipedia) Biography: 19th Century Inventor of photography Hippolyte Bayard Siehe auch hier im Podcast: Einmal Selfie und zurück. Der Welt zum Geschenk… Hippolyte Bayard. Ein verkannter Erfinder und Meister der Photographie. (Bd. 8) Transkript 3 Männer, so lernt man im Geschichtsunterricht, stehen allgemein am Anfang der Fotografie: Joseph Nicéphore Niépce, Louis Daguerre und Henry Fox Talbot. Aber eigentlich gab es da noch einen vierten Mann, er hatte ein fotografisches Verfahren ungefähr zur selben Zeit wie Daguerre entwickelt, er hat die erste fotografische Ausstellung der Welt veranstaltet und war womöglich sogar ein bisschen früher dran. Und trotzdem kennen wir ihn nur noch als den ersten Fotofälscher der Geschichte. Louis Daguerre stellte am 19 August 1839 vor der französischen Akademie der Wissenschaften sein ganz bescheiden Daguerreotypie genanntes Verfahren vor, dass Frankreich dann der Welt zum Geschenk machte. Ein Mann namens Niépce hatte zuvor mit Daguerre zusammengearbeitet und auch er hatte ein Verfahren entwickelt, dass man heute als Anfang der Fotografie bezeichnen würde. Und dann war da noch in Großbritannien ein Mann namens Henry Talbot, der ebenfalls ein fotografisches Verfahren entwickelte. All diese Verfahren entstanden ungefähr zur selben Zeit und alle drei kombinierten mehrere Methoden miteinander, die die Menschheit zum Teil schon seit Jahrtausenden kannte. Nämlich die Kamera Obscura, die dunkle Kammer, in der sich Bilder projizieren ließen und lichtempfindliche Chemikalien, die wir auch schon etwas länger kannten und die Möglichkeit Bilder zu fixieren, also den Prozess der Veränderung durch Sonneneinstrahlung aufzuhalten. Und alle drei Männer profitierten von dieser Erfindung. Gut. Niépce war selbst schon tot zum Zeitpunkt als Daguerre sein Verfahren vorstellte aber seine Nachkommen profitierten davon, denn ihnen wurde eine Ehrenrente zugesprochen. Daguerre selbst hatte nach dieser Erfindung ausgesorgt, die französische Regierung kaufte sich das Recht diese Technologie der Welt zum Geschenk zu machen und das war ein lohnendes Geschäft. Außerdem hatte Daguerre dafür gesorgt, dass zwar die Welt dieses Geschenk bekam aber Großbritannien gehört ja irgendwie nicht ganz zur französischen Welt und deswegen kostete das Verfahren dort nach wie vor Lizenzgebühren. Ein praktisches Zusatzeinkommen. Ein Beispiel dem Henry Fox Talbot folgte und ebenfalls Gebühren verlangte und außerdem gleich noch ein Unternehmen aufbaute mit dem er sich um Drucke und Entwicklung von Bildern kümmerte. Es lohnte sich also sehr einer der Väter der Fotografie zu sein und das war den beteiligten Männern auch bewusst. Die Entwicklung an sich war eine technische und wissenschaftliche Errungenschaft. Und gerade in Frankreich stand Wissenschaft hoch im Kurs. Daguerre war Geschäftsmann und er war hervorragend vernetzt. Da wundert es auch gar nicht, dass er sofort wusste, wem er seine neue Entwicklung zeigen musste. Er machte also eine Auswahl von Aufnahmen und begann, sowohl sein Verfahren als auch diese Aufnahmen einem kleinen Kreis von hochrangigen Politikern und Wissenschaftlern zu zeigen. Und er machte auch keinen Hehl daraus, dass er sich auf der Suche nach einem entsprechenden Finanzierungsmodell befand. Einer seiner Bekannten war der damals weltbekannte Wissenschaftler Dominique Francois Arago. Seit 1830 leitete Arago die französische Sternenwarte und er war bekannt für sein Interesse an Magnetismus und optischen Gesetzen, damit war er auch ein natürlicher Ansprechpartner für Daguerre. Und ihm war sofort klar, welche enorme Bandbreite die Anwendungsmöglichkeiten dieser neuen Technologie, die Daguerre ihm anschaulich vorführte haben würde. Arago versprach a</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Hippolyte Bayard ging in die Fotogeschichte ein, aber anders als er es verdient gehabt hätte.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hippolyte_Bayard" target="_blank">Hippolyte Bayard</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fran%C3%A7ois_Arago" target="_blank">François Arago</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Daguerre" target="_blank">Louis Daguerre</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Nic%C3%A9phore_Ni%C3%A9pce" target="_blank">Joseph Nicéphore Niépce</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://monovisions.com/hippolyte-bayard-biography-19th-century-inventor-of-photography/" target="_blank">Biography: 19th Century Inventor of photography Hippolyte Bayard</a></li></ul>

<p>Siehe auch hier im Podcast:</p>

<ul><li><a "/posts/fotomenschen-eine-einfuehrung.html">Einmal Selfie und zurück.</a></li><li><a "/posts/der-welt-zum-geschenk.html">Der Welt zum Geschenk…</a></li></ul>

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<p><a href="https://www.amazon.de/dp/3765802042" target="_blank" rel="noopener">Hippolyte Bayard. Ein verkannter Erfinder und Meister der Photographie. (Bd. 8)</a></p>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>3 Männer, so lernt man im Geschichtsunterricht, stehen allgemein am Anfang der Fotografie:&nbsp;Joseph Nicéphore Niépce, Louis <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> und Henry Fox Talbot.&nbsp;</p>

<p>Aber eigentlich gab es da noch einen vierten Mann, er hatte ein fotografisches Verfahren ungefähr zur selben Zeit wie <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> entwickelt, er hat die erste fotografische Ausstellung der Welt veranstaltet und war womöglich sogar ein bisschen früher dran. Und trotzdem kennen wir ihn nur noch als den ersten Fotofälscher der Geschichte.</p>

<p>Louis Daguerre stellte am 19 August 1839 vor der französischen Akademie der Wissenschaften sein ganz bescheiden <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> genanntes Verfahren vor, dass Frankreich dann der Welt zum Geschenk machte. Ein Mann namens&nbsp;Niépce hatte zuvor mit Daguerre zusammengearbeitet und auch er hatte ein Verfahren entwickelt, dass man heute als Anfang der Fotografie bezeichnen würde. Und dann war da noch in Großbritannien ein Mann namens Henry Talbot, der ebenfalls ein fotografisches Verfahren entwickelte.</p>

<p>All diese Verfahren&nbsp; entstanden ungefähr zur selben Zeit und alle drei kombinierten mehrere Methoden miteinander, die die Menschheit zum Teil schon seit Jahrtausenden kannte.</p>

<p>Nämlich die Kamera Obscura, die dunkle Kammer, in der sich Bilder projizieren ließen und lichtempfindliche Chemikalien, die wir auch schon etwas länger kannten und die Möglichkeit Bilder zu fixieren, also den Prozess der Veränderung durch Sonneneinstrahlung aufzuhalten.</p>

<p>Und alle drei Männer profitierten von dieser Erfindung. Gut.&nbsp;Niépce war selbst schon tot zum Zeitpunkt als Daguerre sein Verfahren vorstellte aber seine Nachkommen profitierten davon, denn ihnen wurde eine Ehrenrente zugesprochen. Daguerre selbst hatte nach dieser Erfindung ausgesorgt, die französische Regierung kaufte sich das Recht diese Technologie der Welt zum Geschenk zu machen und das war ein lohnendes Geschäft. Außerdem hatte Daguerre dafür gesorgt, dass zwar die Welt dieses Geschenk bekam aber Großbritannien gehört ja irgendwie nicht ganz zur französischen Welt und deswegen kostete das Verfahren dort nach wie vor Lizenzgebühren. Ein praktisches Zusatzeinkommen. Ein Beispiel dem Henry Fox Talbot folgte und ebenfalls Gebühren verlangte und außerdem gleich noch ein Unternehmen aufbaute mit dem er sich um Drucke und Entwicklung von Bildern kümmerte.&nbsp;</p>

<p>Es lohnte sich also sehr einer der Väter der Fotografie zu sein und das war den beteiligten Männern auch bewusst. Die Entwicklung an sich war eine technische und wissenschaftliche Errungenschaft. Und gerade in Frankreich stand Wissenschaft hoch im Kurs. Daguerre war Geschäftsmann und er war hervorragend vernetzt. Da wundert es auch gar nicht, dass er sofort wusste, wem er seine neue Entwicklung zeigen musste. Er machte also eine Auswahl von Aufnahmen und begann, sowohl sein Verfahren als auch diese Aufnahmen einem kleinen Kreis von hochrangigen Politikern und Wissenschaftlern zu zeigen. Und er machte auch keinen Hehl daraus, dass er sich auf der Suche nach einem entsprechenden&nbsp; Finanzierungsmodell befand.</p>

<p>Einer seiner Bekannten war der damals weltbekannte Wissenschaftler Dominique Francois&nbsp;Arago. Seit 1830 leitete Arago die französische Sternenwarte und er war bekannt für sein Interesse an Magnetismus und optischen Gesetzen, damit war er auch ein natürlicher Ansprechpartner für Daguerre. Und ihm war sofort klar, welche enorme Bandbreite die Anwendungsmöglichkeiten dieser neuen Technologie, die&nbsp; Daguerre ihm anschaulich vorführte haben würde. Arago versprach also zu vermitteln. Die Idee: Der französische Staat würde diese Technologie lizensieren und der Welt verfügbar machen. Er, also Arago, und natürlich die Väter dieser Technologie würden entlohnt werden. Und genauso lief das dann auch. Daguerre bekam vom französischen Staat eine monatliche Rente von 6000 Franc zugeschrieben. Das entspricht heute über 12000 Euro im Monat und sein Mitentwickler&nbsp;Niépce&nbsp;war zwar nichtmehr am Leben, aber dessen Enkelsohn bekam dann an seiner Stelle eine lebenslange Rente von 4000 Franc, also ungefähr 8000 Euro im Monat. Fürstlich. Und Summen, die einen dritten, nämlich Hyppolite Bayard, rasend machten.</p>

<p>Denn auch er hatte ein fotografisches Verfahren entwickelt, und auch er war bei Arago vorstellig geworden und hatte darum geworben sein Verfahren der Akademie der Wissenschaften vorstellen zu dürfen. Und Arago hatte mit Verweis auf ein anderes Verfahren abgelehnt. Pikanterweise war zu der Zeit eigentlich Bayard im Vorteil, denn Bayard hatte sein Verfahren schon durchgehend beschrieben und er konnte Fotos nicht auf Metall mit Quecksilber entwickeln, sondern er hatte ein Verfahren erarbeitet, mit dem sich Fotografien auf Papier festhalten ließen.&nbsp;</p>

<p>All das passiert im Mai 1839, Arago wusste zwar von Daguerres angeblichen erfolgen, aber er hatte noch keine Beschreibung des Prozesses und noch keine Vorführung gesehen. Allerdings kannten sich die Männer schon länger und Arago hatte seinen Einfluss bereits für Daguerre geltend gemacht. Es sei das überlegene Verfahren. Während also Francois Arago Vorbereitungen trifft um Daguerre vor der französischen Akademie der Wissenschaften auftreten zu lassen, versucht Bayard Fakten zu schaffen. Sein Verfahren nennt er &#8222;photogenic Drawings&#8220; und erzeugt 30 Bilder, die er dann in der weltersten Fotoausstellung am 24 Juni 1839 der staunenden Pariser Öffentlichkeit vorführt.&nbsp;</p>

<p>Daguerre selbst wird sein Verfahren erst einen Monat später amtlich beglaubigt bekommen, während Bayard schon Ausstellungen bestückt. Aber hier zeigt es sich was es wert ist, wenn man mit den richtigen Männern bekannt ist. Arago lässt sich nicht beirren und am 19 August stellt dann Daguerre hochoffiziell sein Verfahren der Akademie der Wissenschaften vor und bekommt ein Patent zugestellt. Mit der Unterstützung der Akademie und dem französischem Staat wird die Patentschrift in kürzester Zeit in 8 Sprachen übersetzt und in der Welt verteilt.&nbsp;</p>

<p>Bayard war gescheitert. Und das muss besonders bitter gewesen sein, weil für&nbsp;Hyppolite Bayard die Entwicklung dieses Verfahrens die Krönung einer Lebensreise gewesen war. Als kleiner&nbsp; Junge war er schon davon fasziniert gewesen, dass sein Vater mit einer lichtdichten Schablone ein Logo auf Obst aufbringen konnte. Deckt man nämlich bestimmte Stellen von Äpfeln oder Pfirsichen ab, dann reifen die an dieser Stelle etwas weniger und haben deswegen einen &#8222;Aufdruck&#8220; auf der Schale. Und ab jetzt versuchte Bayard diesen Mechanismus zu ergründen.</p>

<p>Wie Daguerre war auch er eigentlich Maler und er galt als vielseitig begabt. Aber anders als Daguerre war die Malerei für ihn kein Geschäft, sondern reine Freizeitbetätigung, seinen Lebensunterhalt verdiente er als Finanzbeamter und Justiziar. Aber in seiner Freizeit beschäftigte er sich mit Chemie, Physik und Malerei. Und die verschiedensten Möglichkeiten Zeichnungen durch Licht anzufertigen hatten es ihm ganz besonders angetan. Und so gehen auf sein Konto gleich eine ganze Reihe von ganz verschiedenen fotografischen Verfahren. Er kannte eine Möglichkeit Papier lichtempfindlich zu machen und trotzdem trocken zu transportieren und zu lagern. Er kannte Möglichkeiten Bilder als positiv zu erzeugen, also direkt fertig auf Papier,&nbsp; experimentierte aber auch mit Alternativen, bei denen ein negativ erzeugt wurde, was besonders nützlich war um daraus Vervielfältigungen zu erstellen.&nbsp;</p>

<p>Spannenderweise verschwindet auch Daguerre aus unserer Wahrnehmung, kaum dass ihm dieser eine große Triumph zu Teil geworden war, während Bayard ein ganzes Leben lang Fotografie machen wird. Aber ich greife vor.</p>

<p>Wir sind immernoch im Jahr 1839, obwohl Bayard eigentlich schneller gewesen war und obwohl die Pariser Öffentlichkeit seine Werke schon bestaunt hatte, als Daguerre noch nichtmal ein Patent angemeldet hatte, geht er also leer aus. Er nimmt mehrere Folgeanläufe um die Akademie der Wissenschaften zu Überzeugen, dass auch er eine Zuwendung verdient hat aber er beißt auf Granit. Also entscheidet er sich zu einem radikalen Schritt und macht etwas für&nbsp; das er bis heute bekannt ist, er setzt sich in sein Studio und macht ein Selbstportrait. Und auch das ist eine Pionierleistung, soweit wir wissen ist es das erste <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a> überhaupt oder zumindest das erste Selbstportrait dass erhalten geblieben ist. Daguerre kann für sich beanspruchen das erste Bild eines Menschen gemacht zu haben, es gibt eine Aufnahme aus einem Dachfenster heraus wo man einen Schuhputzer erkennen kann. Einfach weil der immer am selben Fleck gestanden war.&nbsp;</p>

<p>Bayard nun setzt sich ganz absichtlich vor die Kamera und inszeniert sich als eine Wasserleiche, links neben ihm sieht man einen großen Strohhut, den man wiedererkennen konnte, wenn man seine Werke bisher schon gesehen hatte. Rechts von ihm steht eine Statue. Er schickt dieses Bild an die Akademie der Wissenschaften, auf der Rückseite ist folgender Text zu lesen:&nbsp;</p>

<p>&#8222;Die Leiche des Mannes, die Sie umseitig sehen, ist diejenige des Herrn Bayard.</p>

<p>Die Akademie, der König und Alldiejenigen, die diese Bilder gesehen haben waren von Bewunderung erfüllt, wie sie selber sie gegenwärtig bewundern, obwohl er selbst sie mangelhaft fand.&nbsp;Das hat ihm viel Ehre aber keinen Pfennig eingebracht, die Regierung, die Herrn Daguerre viel zu viel gegeben hatte, erklärte nichts für Herrn Bayard tun zu können. Da hat der Unglückliche sich ertränkt. Hyppolite Bayard, 18 Oktober 1840.&#8220;</p>

<p>Das Bild wirkt aus heutiger Sicht einigermaßen bizarr, allerdings war es mehrere Dinge gleichzeitig: Es war eine Protestnote und es war ein künstlerisches Statement. Man konnte sicherlich darüber streiten ob ein Foto auf Metall wie bei Daguerres Verfahren oder auf Papier beeindruckender aussah. Und trotzdem war diese Aufnahme in vielerlei Hinsicht bemerkenswert, nicht nur, dass sie einen Menschen zeigte, nicht nur, dass es ein Selbstbildnis war. Es war auch die erste inszenierte Aufnahme überhaupt. Die Zeitgenossen wussten auch sofort worauf sich Bayard mit dieser Aufnahme bezog.&nbsp;</p>

<p>Im 19. Jahrhundert gab es in einer Stadt wie Paris regelmäßig die Situation, dass Menschen tot aufgefunden wurden ohne, dass man wusste wer die Person denn nun war. Diese Menschen brachte man dann in ein öffentlich einsehbares Leichenschauhaus, dort wurden sie halb aufgerichtet aufgebahrt&nbsp; und ihre Kleidung sowie Gegenstände, die aufgefunden worden waren, richtete man um sie herum gut sichtbar an. Die Hoffnung war, dass Menschen vermisst wurden und unter Umständen durch die Gegenstände oder den Leichnam selbst eine Identifizierung möglich wurde.</p>

<p>Bayards Aufnahme ahmt das nach: Der Hut, die Statuen sind Gegenstände für die er bekannt war.&nbsp; Er ist im wesentlichen unbekleidet, ein Tuch bedeckt seine Scharm, das wars aber schon. Da er sich viel draußen aufhielt, besonders in seinem Garten um seine Aufnahmen zu fertigen, waren seine Hände und sein Gesicht dunkler als der Rest seines Körpers. In der Aufnahme unterstreicht es sogar noch den Eindruck einer Wasserleiche.</p>

<p>Es ist jedenfalls diese Aufnahme, die ihm dann einen Platz in den Geschichtsbüchern sichert, ob er selber über diesen Platz so glücklich wäre darf bezweifelt werden, denn wir reden nicht von dem ersten Selbstbildnis, wir reden nicht von der ersten Aufnahme mit allegorischen Stilmitteln, wir reden nicht davon, dass er derjenige Gewesen war, der die erste Fotoausstellung gemacht hatte. Nein. In die Geschichte geht er ein als der erste Fotofälscher.</p>

<p>Aber wenigstens lässt er sich seine Begeisterung für die Fotografie nicht nehmen, er wird weiterhin den Rest seines Lebens fotografieren. Viele seiner Stillleben und auch Selbstbildnissen und Gruppenaufnahmen sind von einer Originalität, die die damalige Malerei hinter sich lassen.</p>

<p>1851 gründet er eine der ersten Fotovereinigungen überhaupt: die &#8222;Société&nbsp;</p>

<p>héliographique&#8220;, auf Deutsch die heliographische Gesellschaft.&nbsp;</p>

<p>Im gleichen Jahr wird er zusammen mit vier anderen Fotografen damit beauftragt Frankreichs historische Gebäude zu dokumentieren. Im Auftrag dieser sogenannten mission&nbsp;héliographique machte er einige seiner besten und bis heute bekanntesten Arbeiten.&nbsp;</p>

<p>1854 wird die&nbsp;Société héliographique umbenannt und die dann neu gegründete fotografische Gesellschaft&nbsp; ernennt ihn zum Justiziar und Generalsekretär. Bis heute wird sein Nachlass von diesem ersten Fotoverein verwaltet.</p>]]></content:encoded>
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            <pubDate>Sat, 16 Oct 2021 14:35:36 GMT</pubDate>
            <description>1984 fotografiert Steve McCurry in einem Flüchtlingscamp ein Foto der damals ca. 13jährigen Sharbat Gula und schuf damit das bis heute erfolgreichste National Geographic Cover.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera 1984 fotografiert Steve McCurry in einem Flüchtlingscamp ein Foto der damals ca. 13jährigen Sharbat Gula und schuf damit das bis heute erfolgreichste National Geographic Cover. Das Bild erreicht als „Afghan Girl“ weltweiten Kultstatus und sorgte später nachdem man Sharbat Jahrzehnte später ausfindig gemacht hatte für ihre Sicherheit. Sharbat Gula (Wikipedia) Afghan Girl (Wikipedia) Steve McCurry (Wikipedia) Steve McCurry’s Webseite Podcast Interview: Unfolding Maps – A Life of Photography NPR – How One Photographer Captured A Piercing Gaze That Shook The World Eyes of the Afghan Girl: A Critical Take on the ‘Steve McCurry Scandal’ This is the disturbing story behind the iconic “AFGHAN GIRL” photo National Geographic – A Life Revealed Spiegel: Polizei nimmt „Mädchen mit den grünen Augen“ fest Spiegel: Das Mädchen mit den grünen Augen kehrt zurück Kwerfeldein: Rezension: „Afghanistan“ von Steve McCurry Spiegel Interview mit Steve McCurry Credits: Episodenbild: Steve McCurry for National Geographic Battle Sound Effects: Freesound.org, DudeAwesome Transkript Unsere heutige Geschichte fängt Anfang der 80er an, irgendwo in Afghanistan. Die kleine Sharbat schaut in den Himmel. Sie hört Helikopter auf ihr Dorf zufliegen. Es sind sowjetische Militärhubschrauber, die direkt mit einem Angriff beginnen, einen Angriff, der das Dorf komplett überrascht. Sharbats Eltern kommen bei dem Angriff ums Leben. Der Rest ihrer Familie befindet sich ab jetzt zusammen mit ihr auf der Flucht. Zu Fuß über die verschneiten Berge Pakistans schaffen sie es zu einem Flüchtlingscamp an der Pakistanisch-Afghanischen Grenze. Und das ist der Ort, an dem eins der ikonischsten Fotos des 20. Jahrhunderts geschossen werden wird. Es gibt einen zweiten Menschen, der für unsere Geschichte heute wichtig ist. Und das ist ein berühmter Fotograf, Steve MCCurry, der zu der Zeit, als Sharbat vor den Angriffen der Sowjets fliehen musste, schon über 30 Jahre alt war. Eigentlich wollte Steve ursprünglich mal Filmemacher werden, studierte dann aber darstellende Künste. Durch einen Nebenjob bei einem Zeitungsverlag kam er dann zur Fotografie. Steve hatte noch nicht viel von der Welt gesehen und er wollte ein bisschen herumkommen und so entschloss er sich zu einer Reise nach Indien. Und da entdeckte er natürlich auch schnell, dass seine Bilder sich durchaus verkaufen ließen. Mal verkaufte er an journalistische Medien wie Zeitungen zum Beispiel, mal ging es eher um die Bebilderung von Reisemagazinen. Er bereiste die ganze Region und so verschlug ihn es auch irgendwann nach Pakistan und in Pakistan hörte er dann zum ersten Mal von dem Krieg in Afghanistan. Er freundete sich mit afghanischen Rebellen an und überzeugte sie davon, ihn als Afghane verkleidet in von Rebellen kontrolliertes Gebiet zu schmuggeln. Im Westen wusste man zu der Zeit wenig über den Konflikt in Afghanistan. Das Geschehen war weit weg, die Menschen hatten kein Gesicht. Steve MCCurry war erschüttert, aber er war als Fotograf gekommen, er hatte Filme und Kameras dabei. Und so beendete er diese erste Reihe mit unzähligen belichteten Filmen, die er, damit er sie außer Landes schmuggeln konnte, in seinen Turban und seine Unterwäsche einnähte. Und es sind diese Fotos, die seine Karriere erst so richtig ins Rollen brachten. Renommierte Zeitungen wie die New York Times und Time Magazine veröffentlichten Bilder von ihm und er gewann im selben Jahr die Robert-Capa-Goldmedal, einen Preis, der für herausragende Fotoreportage vergeben wird. Und ganz im Stil dieses ersten Erfolgs geht es für Steve MCCurry weiter. Er bleibt nicht nur in der Region, sondern er begleitet mit seiner Kamera die Menschen in den bewaffneten Konflikten im Mittleren Osten, in Indien, als Iran und Irak im Krieg sind, ist Steve MCCurry dabei, der Bürgerkrieg in Kambodscha, der Bürgerkrieg in Libanon, der Golfkrieg oder der Afghanische Bürgerkrieg, Steve MCCurry ist dabei un</itunes:summary>
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<p>1984 fotografiert Steve McCurry in einem Flüchtlingscamp ein Foto der damals ca. 13jährigen Sharbat Gula und schuf damit das bis heute erfolgreichste National Geographic Cover. Das Bild erreicht als &#8222;Afghan Girl&#8220; weltweiten Kultstatus und sorgte später nachdem man Sharbat Jahrzehnte später ausfindig gemacht hatte für ihre Sicherheit.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sharbat_Gula" target="_blank">Sharbat Gula</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Afghan_Girl#:~:text=Afghan%20Girl%20is%20a%201984,1985%20cover%20of%20National%20Geographic" target="_blank">Afghan Girl</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Steve_McCurry" target="_blank">Steve McCurry</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.stevemccurry.com/" target="_blank">Steve McCurry&#8217;s Webseite</a></li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://shows.acast.com/bb90e2e3-2995-416d-840e-44ec3ab41f6a/episodes/d8fceaad-84fb-47e1-9ed2-d617b96e6e5b" target="_blank">Podcast Interview: Unfolding Maps &#8211; A Life of Photography</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.npr.org/2015/07/26/425659961/how-one-photographer-captured-a-piercing-gaze-that-shook-the-world" target="_blank">NPR &#8211; How One Photographer Captured A Piercing Gaze That Shook The World</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://petapixel.com/2016/06/07/eyes-afghan-girl-critical-take-steve-mccurry-scandal/" target="_blank">Eyes of the Afghan Girl: A Critical Take on the ‘Steve McCurry Scandal’</a></li><li>This is the disturbing story behind the iconic “AFGHAN GIRL” photo</li><li><a href="https://www.nationalgeographic.com/magazine/article/afghan-girl-revealed" target="_blank" rel="noreferrer noopener">National Geographic &#8211; A Life Revealed</a></li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/panorama/pakistan-afghanisches-maedchen-mit-den-gruenen-augen-in-haft-a-1118338.html" target="_blank">Spiegel: Polizei nimmt &#8222;Mädchen mit den grünen Augen&#8220; fest</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/panorama/afghanistan-das-maedchen-mit-den-gruenen-augen-kehrt-zurueck-a-1119782.html" target="_blank">Spiegel: Das Mädchen mit den grünen Augen kehrt zurück</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20221005022800/https://kwerfeldein.de/2017/08/14/rezension-afghanistan-steve-mccurry/" target="_blank">Kwerfeldein: Rezension: „Afghanistan“ von Steve McCurry</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/reise/steve-mccurry-der-weltberuehmte-fotograf-ueber-reisen-und-kindheit-a-0fd8b3fc-ddaa-4ca2-8cf9-c4908d362804" target="_blank">Spiegel Interview mit Steve McCurry</a></li></ul>

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<p class="has-small-font-size">Credits: </p>

<ul class="has-small-font-size"><li>Episodenbild: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nationalgeographic.com/magazine/article/afghan-girl-revealed" target="_blank">Steve McCurry for National Geographic</a></li><li>Battle Sound Effects: <a rel="noreferrer noopener" href="https://freesound.org/people/DudeAwesome/sounds/385846/" target="_blank">Freesound.org, DudeAwesome</a> </li></ul>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Unsere heutige Geschichte fängt Anfang der 80er an, irgendwo in Afghanistan. Die kleine Sharbat schaut in den Himmel. Sie hört Helikopter auf ihr Dorf zufliegen. Es sind sowjetische Militärhubschrauber, die direkt mit einem Angriff beginnen, einen Angriff, der das Dorf komplett überrascht. Sharbats Eltern kommen bei dem Angriff ums Leben. Der Rest ihrer Familie befindet sich ab jetzt zusammen mit ihr auf der Flucht.</p>

<p>Zu Fuß über die verschneiten Berge Pakistans schaffen sie es zu einem Flüchtlingscamp an der Pakistanisch-Afghanischen Grenze. Und das ist der Ort, an dem eins der ikonischsten Fotos des 20. Jahrhunderts geschossen werden wird.</p>

<p>Es gibt einen zweiten Menschen, der für unsere Geschichte heute wichtig ist. Und das ist ein berühmter Fotograf, Steve MCCurry, der zu der Zeit, als Sharbat vor den Angriffen der Sowjets fliehen musste, schon über 30 Jahre alt war. Eigentlich wollte Steve ursprünglich mal Filmemacher werden, studierte dann aber darstellende Künste. Durch einen Nebenjob bei einem Zeitungsverlag kam er dann zur Fotografie.</p>

<p>Steve hatte noch nicht viel von der Welt gesehen und er wollte ein bisschen herumkommen und so entschloss er sich zu einer Reise nach Indien. Und da entdeckte er natürlich auch schnell, dass seine Bilder sich durchaus verkaufen ließen. Mal verkaufte er an journalistische Medien wie Zeitungen zum Beispiel, mal ging es eher um die Bebilderung von Reisemagazinen. Er bereiste die ganze Region und so verschlug ihn es auch irgendwann nach Pakistan und in Pakistan hörte er dann zum ersten Mal von dem <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> in Afghanistan.</p>

<p>Er freundete sich mit afghanischen Rebellen an und überzeugte sie davon, ihn als Afghane verkleidet in von Rebellen kontrolliertes Gebiet zu schmuggeln. Im Westen wusste man zu der Zeit wenig über den Konflikt in Afghanistan. Das Geschehen war weit weg, die Menschen hatten kein Gesicht. Steve MCCurry war erschüttert, aber er war als Fotograf gekommen, er hatte Filme und Kameras dabei. Und so beendete er diese erste Reihe mit unzähligen belichteten Filmen, die er, damit er sie außer Landes schmuggeln konnte, in seinen Turban und seine Unterwäsche einnähte.</p>

<p>Und es sind diese Fotos, die seine Karriere erst so richtig ins Rollen brachten. Renommierte Zeitungen wie die New York Times und Time Magazine veröffentlichten Bilder von ihm und er gewann im selben Jahr die Robert-Capa-Goldmedal, einen Preis, der für herausragende Fotoreportage vergeben wird.</p>

<p>Und ganz im Stil dieses ersten Erfolgs geht es für Steve MCCurry weiter. Er bleibt nicht nur in der Region, sondern er begleitet mit seiner Kamera die Menschen in den bewaffneten Konflikten im Mittleren Osten, in Indien, als Iran und Irak im <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> sind, ist Steve MCCurry dabei, der Bürgerkrieg in Kambodscha, der Bürgerkrieg in Libanon, der Golfkrieg oder der Afghanische Bürgerkrieg, Steve MCCurry ist dabei und portraitiert und hält fest.</p>

<p>Sieht man sich sein Werk an, stellt man zwei Sachen fest: Erstens geht es Steve MCCurry nie in erster Linie um die Situation, sondern immer um die Menschen, die er darin festhält. Der Großteil seiner Bilder und alle seine erfolgreichen Bilder sind im Grunde Portraits. Manche davon Gruppenportraits, manche davon mit mehr Kontext, viele davon zeigen natürlich auch die Umgebung, aber es geht immer um die Menschen, die er festhält.</p>

<p>Das nächste, was auffällt, ist, dass Steve MCCurry ein Meister der Farbfotografie ist. Und zwar ein Meister der Reduktion in der Farbfotografie. Steve MCCurry hat nicht nur ein Auge für die besonderen Gesichter, die besonderen Szenen, die herausstechenden Situationen, er geht außerdem mit Farbe so virtuos um, dass seine Bilder einen ganz eigenen Look haben. Bei seinen besten Fotos sieht es fast so aus, als wären in dem Bild eigentlich nur noch zwei bis drei Farben vorhanden.</p>

<p>Steve MCCurry wird auch immer mal wieder vorgeworfen, dass seine Fotografien sehr stereotypische Szenen zeigen. Die Menschen aus Indien in Steve MCCurrys Bildern sehen wirklich so aus, wie sich westliche Menschen Leute in Indien nun mal vorstellen: Sonnengegerbte, dunkle Haut, bunte Turbane, erdfarben. Und trotzdem ist Steve darauf auch nicht begrenzt. Immer wieder mal fotografiert er auch einfach nur Landschaften und Tiere. So wird er 2015 zum Beispiel dafür engagiert, für Microsoft ein ganz offizielles Windows 10 Hintergrundbild zu machen und 2019 kommt ein Buch heraus, das man beim Taschen Verlag kaufen kann, in dem er seine Lieblingstierbilder veröffentlicht hatte.</p>

<p>Aber eigentlich sind es die Bilder von Menschen, für die er berühmt ist, und es gibt ein Bild, das ihn wahrscheinlich wie kein anderes in seinem mehrere hunderttausend Fotografien umfassendes Portfolio definiert. Und da sind wir jetzt wieder angekommen bei Sharbat. Irgendwann 1984 begibt es sich nämlich, dass Steve MCCurry im Auftrag von National Geographic Fotos in den Flüchtlingscamps von Pakistan macht. Er läuft durch die Zeltstadt und kommt an einer Schule vorbei. Naja, &#8222;Schule&#8220; ist so ein großes Wort, an einem etwas größerem Zelt, in dem Mädchen unterrichtet werden. Es ist gerade kein Unterricht, die Kinder tollen herum und Steve fällt ein Mädchen sofort wegen seiner durchdringenden Augen auf: Sharbat. Er redet mit der Lehrerin, die selbst eine Kriegsversehrte ist, ihr fehlt ein Bein, sie kann nur mit Krücken laufen. Steve wird von den Menschen, die das Flüchtlingslager betreiben, als eine Chance gesehen, die Weltöffentlichkeit auf die Zustände aufmerksam zu machen und so stimmt die Lehrerin dabei zu, ihm dabei zu helfen, die Mädchen zu fotografieren.</p>

<p>Er hat es eigentlich nur auf dieses eine Kind abgesehen, wegen diesen Augen, aber er möchte natürlich auch, dass das Kind sich wohlfühlt vor seiner Kamera. Es ist ungewöhnlich, als ein westlicher Mann überhaupt in so einer Umgebung unterwegs sein zu dürfen und Mädchen zu fotografieren ist noch viel ungewöhnlicher. Und so hält sich Steve eine Weile lang in dem Zelt auf und fotografiert verschiedene Kinder der Klasse. In einem Interview später sagt er, er wollte auch eine Situation schaffen, in der sich alle Beteiligten wohlfühlen und in der sich das Mädchen, das ihm aufgefallen war, fast schon ausgeschlossen fühlen würde, wenn sie nicht auch fotografiert wird.</p>

<p>Schließlich kommt sie an die Reihe. Sie ist scheu. Sie ist schon in der Pubertät und für Mädchen in der Pubertät geziemt es sich nicht, ihr Gesicht vor Männern zu zeigen, ganz besonders nicht vor westlichen Männern. Und so hält sie ihren Schal vor ihr Gesicht. Steve macht verschiedene Fotos, so um die acht bis zehn, und positioniert sie an unterschiedlichen Stellen in dem Zelt. Die Lehrerin hilft ihm beim Übersetzen und posieren des Mädchens. In den meisten dieser Bilder sieht sie mehr oder weniger unbeholfen aus, unsicher, aber es gibt zwei Aufnahmen, in denen sie plötzlich sehr konzentriert in die Kamera blickt. In einer dieser zwei Aufnahmen hält sie den Schal vor den Mund, in der anderen Aufnahme blickt sie seitlich direkt in die Kamera.</p>

<p>Steve MCCurry reist wieder ab, die Filme werden dem Büro zur Entwicklung übergeben und setzt sich wenige Tage später mit seinem Redakteur bei National Geographic hin, um Bilder auszuwählen. Schnell ist klar, dass dieses Mädchen ein potenzielles Coverbild ist. Wenn man wie Steve on Assignment ist, weiß man nicht, dass man jetzt unter Umständen gerade für ein Cover fotografiert, man macht einfach Fotos. Und die Entscheidung, ob irgendetwas auf dem Cover landet oder nicht, wird dann von der Redaktion und den Bildeditoren getroffen.</p>

<p>Im Falle von Steves Bildern war auf jeden Fall schnell klar, dass eines seiner Fotos von diesem Flüchtlingscamp ein Kandidat für ein Coverbild sein würde, allerdings gibt es zuerst Unsicherheit, ob dieses Bild überhaupt geeignet sein würde. Es ist ein sehr eindrucksvolles Bild, ein sehr durchdringender Blick. Vielleicht, so die Sorge, ist das Bild zu frontal für die Leser von National Geographic. Aber das Bild, wo das Mädchen den Schal vor den Mund hält, das ist doch vielleicht geeignet.</p>

<p>Steve ist überzeugt davon, dass das Bild, wo man das Gesicht komplett sieht, das stärkere Bild ist, und so ertrotzt er sich, dass der Bildeditor beide Fotos vorgelegt bekommen soll. Der wiederum schaut sich die beiden Bilder an und ist sofort sicher: Das Foto, das wir heute als &#8222;Afghan Girl&#8220; kennen, kommt auf das Cover von National Geographic.</p>

<p>Und stellt sich schnell als National Geographics erfolgreichstes Cover heraus. Das Bild wird sofort ikonisch. Reproduktionen dieser Aufnahme gibt es auf der ganzen Welt und es ist das einzige Coverbild, das der National Geographic in seiner Geschichte dreimal als Titelbild verwendet. Es zeigt Sharbat, wie sie vor dem grünen Zelt ihres Schulzelts steht und mit ihren eindringlich grünen Augen ernst in die Kamera schaut.</p>

<p>Viel wurde darüber geschrieben, warum dieses Bild diese Wirkung entfaltet. Es ist auffällig, wie Steve MCCurry hier die Farben reduziert hat. Im Grunde ist dieses gesamte Bild eine Mischung aus Braun- und Grüntönen. Ihr Überwurf ist löchrig, der hat Brandflecken von ihrer Flucht. Der ernste Gesichtsausdruck, die durchdringenden Augen, die tiefgrün, aber mit einem dunklen Rand versehen sind, es ist ein Bild, das man stundenlang anschauen kann.</p>

<p>Ich habe oft gelesen, dass dieses Bild den Menschen die Situation der Flüchtlinge vor Augen geführt haben soll, ich weiß nicht, ob das wirklich stimmt. Denn es ist außerdem ein sehr ästhetisches <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a>. Klar, ihr Überwurf hat Löcher, klar, sie ist leicht dreckig im Gesicht, aber nichts an diesem Bild deutet auf das Elend hin, das in diesem Flüchtlingscamp herrschen muss. Ja, sie sieht ernst aus, aber eigentlich ist das zunächst mal eine wirklich schöne Aufnahme, in der man sich verlieren kann.</p>

<p>Die Aufnahme bekommt nochmal Extraschub, als nach den Anschlägen am 11. September die Bush-Administration sich für Rechte von Frauen in Afghanistan stark macht und dieses Bild als eine ikonische Darstellung dieser geknechteten und unterdrückten Frauen herhält. Für Steve MCCurry muss schnell klar gewesen sein, dass dieses Bild dein Ausnahmefoto ist. Regelmäßig wird er dazu interviewt. Immer wieder wird er gefragt, wer ist dieses Mädchen. Hätte er gewusst, welchen Wirbel diese Aufnahme erzeugen würde, er hätte sich Details geben lassen. So aber war er aus dem Flüchtlingscamp abgereist, ohne zu wissen, wie das Mädchen heißt, wie alt es wirklich war, welche Geschichte es hinter sich hatte, außer, dass es eine von den vielen Flüchtlingsmädchen ohne Eltern war.</p>

<p>Und so begann er in den 90ern, nach diesem Mädchen zu suchen. Den Namen herauszufinden. Und das ist wirklich schwierig in einem Land und einer Kultur, in dem Frauen sich normalerweise vollverschleiert zeigen oder gar nicht in die Öffentlichkeit gehen und in einem Milieu, in dem Papiere und Registrierungen nicht unbedingt gerade verbreitet sind. Und deswegen findet er das Mädchen auch nicht.</p>

<p>Man muss dazu auch verstehen, dass diese Aufnahme, so ikonisch sie sein mag, eigentlich nur in unserem Kulturkreis so verbreitet ist. Klar gibt es Menschen in Afghanistan und in Pakistan, die diese Aufnahme auch gesehen haben, aber nur im westlichen Kulturkreis ist die Aufnahme derart berühmt geworden, dass sie buchstäblich jedes Kind kennt. In Afghanistan und Pakistan kann man sein Leben leben, ohne diesem Bild je große Beachtung geschenkt zu haben.</p>

<p>Trotzdem vergeht, so sagt Steve MCCurry in verschiedenen Interviews, keine Woche, ohne, dass jemand nach der Identität dieses Mädchens fragt. Und deswegen erklärt sich National Geographic im Jahr 2002 bereit, eine Expedition auszustatten und nach diesem Mädchen systematisch zu suchen. Das Ganze wird von einem Kamerateam begleitet und soll eine Dokumentation werden.</p>

<p>Und diesmal ist man erfolgreich. Die damals etwas über 30 Jahre alte Sharbat wird erfolgreich aufgespürt und dann zum zweiten Mal in ihrem Leben von Steve MCCurry fotografiert. Oder überhaupt zum zweiten Mal fotografiert. Sie hat immer noch diesen durchdringenden Blick.</p>

<p>Durch diese Begegnung wissen wir jetzt auch etwas mehr über ihre Geschichte. Sie hat wohl irgendwo zwischen ihrem 13. und 16. Lebensjahr geheiratet und kehrte dann 1992 in das Dorf zurück, aus dem sie als kleines Mädchen geflohen war. Ihr Leben war nicht unbedingt gerade einfacher gewesen, nachdem sie das Flüchtlingslager verlassen hatte. Sie bekommt fünf Kinder, eins davon stirbt noch als Baby, und drei davon sind Mädchen und so sagt Sharbat im Interview mit dem National Geographic Team, dass sie wirklich hofft, ihren Kindern eine Ausbildung ermöglichen zu können.</p>

<p>2012 dann stirbt ihr Mann und hinterlässt sie als Witwe. Zu dem Zeitpunkt war sie wieder nach Pakistan zurückgekehrt und hier ist es auch, wo sie dann 2015 und 2016 Probleme mit den dortigen Behörden bekommt. Ihre Dokumente stellen sich als teilweise unecht heraus und so wird sie festgenommen. Und hier ist auch der Moment gekommen, in dem es wirklich praktisch ist, als Afghan Girl durch Steve MCCurry für immer ikonisiert worden zu sein. Amnesty International protestiert medienwirksam und öffentlich und so entscheidet sich der damalige Präsident Afghanistans, Aschraf Ghani, Sharbat nach Kabul einzuladen und dort ganz offiziell nicht nur einzubürgern, sondern zu ehren. Sie bekommt in der Hauptstadt eine 280 m² große Residenz zugeteilt und die Regierung verspricht, sie finanziell zu unterstützen.</p>

<p>Und das ist der letzte Stand, den wir von Sharbat haben. Zum Zeitpunkt der Aufnahme haben ja die Taliban gerade wieder die Regierung übernommen und so weiß man im Moment leider nicht, wie es Sharbat Gula im Augenblick geht. Ist sie immer noch in der Unterkunft, wird sie immer noch vom Staat finanziell unterstützt, das ist im Moment unklar. Ich nehme aber mal an, so wie in der Vergangenheit ist es auch jetzt so, dass Steve MCCurry regelmäßig nach Sharbat Gula gefragt wird und deswegen auch ein Interesse daran haben wird, diesen Kontakt vielleicht immer wieder mal zu halten.</p>

<p>Und auch National Geographic ist, seit sie erfolgreich aufgespürt wurde, immer mit ihr in Kontakt geblieben. Es wurde ein Fund in ihrem Namen aufgelegt, um afghanische Kinder zu unterstützen und man unterstützte sie finanziell, als sie eine Pilgerfahrt nach Mekka unternehmen wollte, übernahm National Geographic die Kosten, als medizinische Behandlungen notwendig wurden für Familienmitglieder, wurde auch das vom National Geographic bezahlt.</p>

<p>Gleichzeitig reißen allerdings auch kontroverse Diskussionen rund um Steve MCCurry und auch speziell diese Aufnahme anscheinend nicht ab. Wir sind heute sensibler in manchen Situationen als frühere Generationen von <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen es waren. Steve MCCurry war manchmal unterwegs in einem Spannungsfeld zwischen Journalismus und künstlerischer Fotografie. Magazine wie der National Geographic waren sicherlich nicht mit journalistischem Anspruch unterwegs und so war Steve MCCurry unter anderem auch dafür bekannt, dass er Fotos durchaus auch dirigierte. Anders, als es Journalisten erwarten würden, posierte er also auch mal seine Models, so also zum Beispiel das Afghan Girl. Das allein wird schon immer wieder mal angeprangert.</p>

<p>Während seiner Karriere hat Steve MCCurry mehrere hunderttausend Fotos gemacht und da er nicht nur im Auftrag von Zeitungen und Magazinen unterwegs war, sondern sich auch durch die berühmte Pressefotoagentur Magnum vertreten ließ, kam es irgendwann zu Problemen mit Fotos, die nachträglich bearbeitet waren. Steve MCCurry hat eigentlich nie den grundsätzlichen Sinn und die Bildaussage verändert, aber Bilder, die im journalistischen Kontext verwendet werden, dürfen nun mal nicht, um ästhetische Bedürfnisse zu befriedigen, stark bearbeitet worden sein. Und manche von Steve MCCurrys Bildern waren durchaus deutlich bearbeitet worden. Da wurden Bildelemente weggestempelt, Farben verändert, und so kam es in den 2010ern zu einer etwas größeren Kontroverse rund um seine Aufnahmen.</p>

<p>Und wenn man schon mal dabei ist, kann man natürlich auch gleich weitermachen und über die Rolle von westlichen Fotografen, gerne auch weißen, männlichen westlichen Fotografen in Krisengebieten und in Flüchtlingscamps reden. Hatte nicht Steve, so der Vorwurf, hier eine Machtposition ausgenutzt? Das ist eine Frage, der sich alle Krisenfotografinnen und -fotografen heutzutage stellen müssen. Sie reisen in Regionen der Welt, in denen entsetzliches stattfindet, machen da dann Fotos und verkaufen diese Fotos. Und wenn sie dann nicht im Kontext von journalistischer Berichterstattung, sondern zum Beispiel in Bildbänden oder in Ausstellungen erscheinen, kann man argumentieren, dass sie ja auf dem Elend dieser Menschen aufbauend ihren Lebensunterhalt verdienen.</p>

<p>Das Gegenargument freilich ist dann, dass solche Fotos Menschen auch aufmerksam machen auf Zustände, Menschen dazu bringen, Mitgefühl zu haben. Von dem Foto &#8222;Afghan Girl&#8220; wird behauptet, dass es überhaupt erst dafür gesorgt hat, dass Menschen sich für den Konflikt in Afghanistan interessiert haben.</p>

<p>Aber es ist eine kontroverse Diskussion, unter anderem auch deswegen, weil ja bekannt ist, dass Mädchen sich normalerweise eben nicht unverschleiert einem westlichen oder überhaupt einem fremden Mann zeigen, Steve MCCurry aber dafür gesorgt hat, dass dieses Foto, das ein unverschleiertes Mädchen zeigt, weltberühmt wurde. Er hat da gewissermaßen einen Tabubruch begangen, einen Tabubruch, den wir vielleicht als hinnehmbar empfinden, der aber im dortigen Kulturkreis problematisch ist. Er macht sich einer Anmaßung schuldig.</p>

<p>Obendrein hat Sharbat ja niemand gefragt, ob sie damit einverstanden ist. Das ist ja ein Thema, das ich auch schon in der Folge zum <a "/posts/das-ultimative-anti-kriegs-bild.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="51" title="Nick Út">Napalm Girl</a> angesprochen habe. Kaum, dass ein Foto nicht nur gemacht und veröffentlicht wurde, sondern von der Weltgemeinschaft als ikonisch wahrgenommen wird, verlieren die Menschen auf den Bildern anscheinend alle Rechte an dieser Aufnahme. Sharbat Gula, also zumindest die 13-jährige Sharbat Gula gehört jetzt irgendwie uns allen, ob es ihr nun passt oder nicht. Und klar hat das auch Vorteile für sie, aber in unserer heutigen Zeit haben wir verändert, wie wir über die Frage der Zustimmung nachdenken. War es vor wenigen Jahrzehnten noch völlig in Ordnung, einfach Wildfremde zu fotografieren und deren Portraits zu veröffentlichen, egal, ob sie wollten, oder nicht, ist das heute an immer engere moralische und ethische Grenzen geknüpft. Wo man persönlich jetzt da die Linie ziehen möchte, bleibt jetzt jedem selbst überlassen.</p>

<p>Steve MCCurry selbst hat sich im Rahmen dessen, was damals üblich war, verantwortungsvoll und freundlich bewegt. Klar hat er Menschen posiert, klar wusste er auch, wie er sich bewegen muss, um die Bilder zu bekommen, die er gerne bekommen wollte, aber er hat uns auch eindrückliche Werke geschenkt und auf verschiedensten Wegen versucht, auch wieder etwas zurückzugeben. Im Falle von Sharbat ist es hoffentlich so, dass ihr Status als Fotoikone sie auch jetzt in der neuen Situation in Afghanistan beschützt.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Arbeitende Kinder</title>
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            <pubDate>Sat, 09 Oct 2021 15:44:06 GMT</pubDate>
            <description>Lewis W. Hine fotografierte über Jahrzehnte hinweg Kinderarbeit in den USA und gehört zu den wenigen Fotografen die wahrscheinlich durch ihre Fotografien Gesetzgeber zum Handeln brachten.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Lewis W. Hine fotografierte über Jahrzehnte hinweg Kinderarbeit in den USA und gehört zu den wenigen Fotografen die wahrscheinlich durch ihre Fotografien Gesetzgeber zum Handeln brachten. Lewis W. Hine (Wikipedia English , Deutsch ) Ellis Island (Wikipedia) Sadie Pfeifer, 48 inches high LEWIS WICKES HINE: FOTOGRAF DER VERLORENEN KINDHEIT 26.09.1874 – Geburtstag des Fotografen Lewis W. Hine (WDR Beitrag) Buch: Lewis W. Hine. America at Work (Hardcover, Taschen, 16€) „Alle haben geraucht“ (Die Zeit) Dieser Fotograf beendete das Elend der Kinderarbeit in den USA Unicef – Kinderarbeit weltweit: Die 7 wichtigsten Fragen und Antworten Unicef Foto des Jahres aktiv gegen kinderarbeit Tranksript Als die Industrialisierung in Ländern wie den USA ankam, brauchte sie vor allen Dingen eins: billige Arbeitskräfte. Und die billigsten Arbeitskräfte, das sind die Kinder armer Familien. Sie sind billig, sie sind schnell, sie trauen sich nicht, zu streiken und es gibt viele. Kein Wunder, dass die Land auf, Land ab im Einsatz sind. Sie sind Minenarbeiter, Fabrikarbeiter, helfen bei Ernten, laufen als Botenjunge und Zeitungskinder durch die Straßen. Und die Menschen, die nicht zu den Armen gehören, schauen sich das an und finden nichts dabei, denn sie wissen ja nichts über die Bedingungen, bei denen diese Kinder arbeiten. Ein Zustand, der sich dank der Fotografien eines bemerkenswerten Mannes ändern sollte: Lewis Wickes Hine. Ich habe so einige Stunden diese Woche damit zugebracht, mich durch Lewis Hines Bilder zu blättern. Es gibt vom Taschenverlag ein Buch, in dem sein Gesamtwerk abgebildet ist. Geboren wird er im Jahr 1874 in Wisconsin. Als sein Vater stirbt, als er gerade mal 16 war, wird es notwendig, dass er zum Familieneinkommen beiträgt, und so fängt Lewis zu Arbeiten an. Ob da vielleicht sogar schon ein Grundstein für sein späteres Werk gelegt wird, kann man nur spekulieren, aber in jedem Fall weiß man, dass Lewis von Anfang an viel mit der arbeitenden Bevölkerung zu tun hatte, mit Menschen, die nicht immer gut gestellt waren. Es ist das Jahr 1900, als er ein Pädagogikstudium in Chicago beginnt und wenige Jahre später an der Ethical Culture School in New York eine Anstellung als Lehrkraft antritt. Hier findet Lewis Hine auch zur Fotografie, damals noch im Kollodium-Nassplatten-Verfahren, und beginnt irgendwann schließlich auch Fotokurse zu geben. An seiner Schule sind viele Einwanderer eingeschrieben, hauptsächlich osteuropäischer oder jüdischer Abstammung. Ein Großteil der Einwanderer in der damaligen Zeit kommen durch New York. Und alle mussten Station auf Ellis Island machen, einer kleinen Insel im Hudson River, auf dem die Einwanderungsbehörden der USA sämtliche Formalitäten erledigen. Alle Migranten, die zu der Zeit von der Seite in die USA einreisen, müssen durch diese Insel. Und Lewis beschließt, daraus ein Fotoprojekt zu machen. Es entstehen die ersten eindrücklichen Aufnahmen von Einwanderern, Menschen, die sich den Formalitäten unterwerfen, die dort Treppen hochsteigen und in Warteräumen sitzen. Das, was Lewis Hine schon damals macht, hat heute einen Namen, nämlich Sozialreportage, aber zu der Zeit gab es das kaum. Niemand machte sich die Mühe, Menschen dabei zu fotografieren, wie sie ihrem Alltag nachgingen. Und schon gar nicht, wenn diese Menschen im Grunde benachteiligte, oft arme Leute aus anderen Ländern sind. Lewis spricht auch mit seinen Fotomotiven, er macht Notizen. Und so wissen wir oft nicht nur, welche Szene eine Aufnahme zeigt, sondern haben auch Details zu einzelnen der Menschen, die darauf abgebildet sind. Name, Alter, woher sie kommen, was sie machen. Je mehr Lewis fotografiert, desto mehr beginnt er auch, sich für die theoretische Seite seiner Leidenschaft zu interessieren. Er fängt an, Artikel in Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Das Themenspektrum ist weit: Mal geht es um die Wirkung von Fotografien, mal schreibt er über die </itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Lewis W. Hine fotografierte über Jahrzehnte hinweg Kinderarbeit in den USA und gehört zu den wenigen Fotografen die wahrscheinlich durch ihre Fotografien Gesetzgeber zum Handeln brachten. </p>

<div><figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="220" height="317" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/220px-Lewis_Hine_selfportrait1.jpg" alt="Porträt eines Mannes mittleren Alters mit heller Frisur, der eine Brille und einen dunklen Anzug trägt."/></figure></div>

<ul><li>Lewis W. Hine (Wikipedia <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Lewis_Hine" target="_blank">English</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lewis_Hine" target="_blank">Deutsch</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ellis_Island" target="_blank">Ellis Island</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://artmuseum.princeton.edu/collections/objects/12552" target="_blank">Sadie Pfeifer, 48 inches high</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://news.fotocommunity.de/" target="_blank">LEWIS WICKES HINE: FOTOGRAF DER VERLORENEN KINDHEIT</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/hine-100.html" target="_blank">26.09.1874 &#8211; Geburtstag des Fotografen Lewis W. Hine</a> (WDR Beitrag)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.taschen.com/de/books/photography/43917/lewis-w-hine-america-at-work/" target="_blank">Buch: Lewis W. Hine. America at Work (Hardcover, Taschen, 16€)</a></li><li><a href="https://www.zeit.de/arbeit/2018-11/america-at-work-lewis-w-hine-sozialdokumentation-fs?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Alle haben geraucht&#8220; (Die Zeit)</a></li><li><a href="https://www.stern.de/panorama/wissen/die-bilder-von-lewis-hine-klagen-das-elend-der-kinderarbeit-an-8370578.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dieser Fotograf beendete das Elend der Kinderarbeit in den USA</a></li></ul>

<figure><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="560" height="690" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Brooklyn_Museum_-_Climbing_into_the_Promised_Land_Ellis_Island_-_Lewis_Wickes_Hine1.jpg" alt="Eine Gruppe von Menschen in historischer Kleidung versammelt sich drinnen, wobei einige Körbe und Kisten tragen."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="757" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/1920px-Child_laborer1-1024x757.jpg" alt="Ein junges Mädchen steht in einem Gang zwischen zwei langen Reihen von Textilmaschinen in einer Fabrikhalle." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="976" height="689" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Pennsylvania_coal_breakers_Breaker_Boys_19121.jpg" alt="In einer schwach beleuchteten Industriewerkstatt sitzen zahlreiche Arbeiter an langen Tischen und verrichten dort manuelle Tätigkeiten." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="804" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/1920px-ChildLabor19101-1024x804.jpg" alt="Eine Frau mit einem hellen Kopftuch trägt einen rechteckigen Kasten auf einem schmalen Weg durch eine offene Landschaft." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="694" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/1920px-Midnight_at_the_glassworks2b1-1024x694.jpg" alt="Drei Arbeiter posieren zwischen großen Rohren und industriellen Maschinen in einem dunklen Fabrikinneren." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="720" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Little_Lottie_a_regular_oyster_shucker_in_Alabama_Canning_Co._She_speaks_no_English._Note_the_condition_of_her_shoes..._-_NARA_-_523398-1024x720.jpg" alt="Mehrere Frauen arbeiten in einer Werkstatt und bearbeiten Waren mit kleinen Schalen auf einem Holztisch." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="735" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/1024px-Lewis_Hine_Power_house_mechanic_working_on_steam_pump1-735x1024.jpg" alt="Ein Arbeiter kniet und arbeitet mit einem Werkzeug an der großen, verschraubten Flanschplatte einer industriellen Maschine." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="820" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/1920px-Old_timer_structural_worker21-1024x820.jpg" alt="Ein Mann steht auf einem Metallgerüst und blickt über eine ausgedehnte Großstadt-Skyline mit vielen Wolkenkratzern." /></figure></li></ul></figure>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/-/kinderarbeit-fragen-und-antworten/275272" target="_blank">Unicef &#8211; Kinderarbeit weltweit: Die 7 wichtigsten Fragen und Antworten</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/foto-des-jahres/wettbewerb-2019" target="_blank">Unicef Foto des Jahres</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/?pk_source=GoogleAds&amp;pk_campaign=cpc&amp;pk_kwd=kinder%20arbeit" target="_blank">aktiv gegen kinderarbeit</a></li></ul>

<div class="yt-facade" data-yt="ddiOJLuu2mo" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_ddiOJLuu2mo.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<hr/>

<p><strong>Tranksript</strong></p>

<p>Als die Industrialisierung in Ländern wie den USA ankam, brauchte sie vor allen Dingen eins: billige Arbeitskräfte. Und die billigsten Arbeitskräfte, das sind die Kinder armer Familien. Sie sind billig, sie sind schnell, sie trauen sich nicht, zu streiken und es gibt viele. Kein Wunder, dass die Land auf, Land ab im Einsatz sind. Sie sind Minenarbeiter, Fabrikarbeiter, helfen bei Ernten, laufen als Botenjunge und Zeitungskinder durch die Straßen.</p>

<p>Und die Menschen, die nicht zu den Armen gehören, schauen sich das an und finden nichts dabei, denn sie wissen ja nichts über die Bedingungen, bei denen diese Kinder arbeiten. Ein Zustand, der sich dank der Fotografien eines bemerkenswerten Mannes ändern sollte: Lewis Wickes Hine.</p>

<p>Ich habe so einige Stunden diese Woche damit zugebracht, mich durch Lewis Hines Bilder zu blättern. Es gibt vom Taschenverlag ein Buch, in dem sein Gesamtwerk abgebildet ist. Geboren wird er im Jahr 1874 in Wisconsin. Als sein Vater stirbt, als er gerade mal 16 war, wird es notwendig, dass er zum Familieneinkommen beiträgt, und so fängt Lewis zu Arbeiten an. Ob da vielleicht sogar schon ein Grundstein für sein späteres Werk gelegt wird, kann man nur spekulieren, aber in jedem Fall weiß man, dass Lewis von Anfang an viel mit der arbeitenden Bevölkerung zu tun hatte, mit Menschen, die nicht immer gut gestellt waren.</p>

<p>Es ist das Jahr 1900, als er ein Pädagogikstudium in Chicago beginnt und wenige Jahre später an der Ethical Culture School in New York eine Anstellung als Lehrkraft antritt. Hier findet Lewis Hine auch zur Fotografie, damals noch im Kollodium-Nassplatten-Verfahren, und beginnt irgendwann schließlich auch Fotokurse zu geben.</p>

<p>An seiner Schule sind viele Einwanderer eingeschrieben, hauptsächlich osteuropäischer oder jüdischer Abstammung. Ein Großteil der Einwanderer in der damaligen Zeit kommen durch New York. Und alle mussten Station auf Ellis Island machen, einer kleinen Insel im Hudson River, auf dem die Einwanderungsbehörden der USA sämtliche Formalitäten erledigen. Alle Migranten, die zu der Zeit von der Seite in die USA einreisen, müssen durch diese Insel.</p>

<p>Und Lewis beschließt, daraus ein Fotoprojekt zu machen. Es entstehen die ersten eindrücklichen Aufnahmen von Einwanderern, Menschen, die sich den Formalitäten unterwerfen, die dort Treppen hochsteigen und in Warteräumen sitzen.</p>

<p>Das, was Lewis Hine schon damals macht, hat heute einen Namen, nämlich Sozialreportage, aber zu der Zeit gab es das kaum. Niemand machte sich die Mühe, Menschen dabei zu fotografieren, wie sie ihrem Alltag nachgingen. Und schon gar nicht, wenn diese Menschen im Grunde benachteiligte, oft arme Leute aus anderen Ländern sind. Lewis spricht auch mit seinen Fotomotiven, er macht Notizen. Und so wissen wir oft nicht nur, welche Szene eine Aufnahme zeigt, sondern haben auch Details zu einzelnen der Menschen, die darauf abgebildet sind. Name, Alter, woher sie kommen, was sie machen.</p>

<p>Je mehr Lewis fotografiert, desto mehr beginnt er auch, sich für die theoretische Seite seiner Leidenschaft zu interessieren. Er fängt an, Artikel in Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Das Themenspektrum ist weit: Mal geht es um die Wirkung von Fotografien, mal schreibt er über die pädagogischen Ideen in seiner Arbeit. Und dann wieder äußert er sich zu den sozialen Bedingungen, die er antrifft.</p>

<p>Es ist diese Zeit, in der er auch den Soziologen Paul Kellogg kennenlernt. Er ist Herausgeber der Zeitschrift namens &#8222;The Survey&#8220; und Lewis Hine wird in den folgenden 30 Jahren Bilder in diesem Magazin veröffentlichen. Zu der Zeit, als die zwei Männer sich kennenlernen, arbeitet Kellogg gerade an einer Studie, in der er sich mit den Zuständen in der aufstrebenden Industriestadt Pittsburgh beschäftigt und Lewis Hine soll die Fotografien zu diesem Projekt beisteuern. Kellogg geht es darum, die wirtschaftlichen Faktoren mit der Politik seiner Zeit durch Reportageelemente zu verbinden und da sind natürlich Fotografien einzigartig mächtig.</p>

<p>Hine fährt also durch die Industrieanlagen Pittsburghs und macht Fotos von den Arbeitern und ihren Familien und wer zu der Zeit in Fabriken fotografiert, konnte gar nicht anders, als auch Kinder beim Arbeiten zu sehen. Und auch die fotografiert Hine.</p>

<p>Jetzt ist es nicht so, dass Hine als erster Kinderarbeit entdeckt hat. Tatsächlich hat zu der Zeit die USA ein immer deutlicher werdendes Kinderarbeitsproblem. Im Jahr 1910 sind über 2 Millionen Kinder unter 15 Jahren nicht in der Schule, sondern im Beruf. Die Arbeiten sind oft anstrengend und nicht selten auch gefährlich und so kommt es auch immer wieder auch zu bedauerlichen Unfällen. Es gibt kaum eine Gesetzeslage, die die Kinder schützen würde. Und es gibt nur wenige, die für diesen Schutz kämpfen.</p>

<p>Es ist dieses Klima, in dem das National Child Labor Committee gegründet wird, eine Non-Profit-Organisation, die sich für entsprechende Gesetzgebung einsetzen will und die Macht der Bilder erkennt. Hine hat sich zu der Zeit bereits einen Namen mit seinen Fotografien für die Studie und seinem Projekt auf Ellis Island gemacht und so beschließt das NCLC, einen offiziellen Fotografen anzustellen und wendet sich an ihn. Er sagt zu und die nächsten Jahrzehnte wird Hine kreuz und quer durch die USA reisen und Kinder fotografieren. Und diese Bilder werden in &#8222;The Survey&#8220;, in Publikationen der NCLC oder auch in Vorträgen und anderen Publikationen von Lewis Hine selbst veröffentlicht.</p>

<p>Nach und nach greifen auch immer öfter Zeitungen auf Bilder von Lewis Hine zurück. Und als US-Politiker anfangen, erste Gesetzesinitiativen auf den Weg zu bringen, sind es die Bilder von Lewis Hine, die letztlich den Ausschlag geben. Er hat ganze Serien von Aufnahmen, wo kleine Kinder, manchmal nur vier oder fünf Jahre alt, an gigantischen Maschinen arbeiten, wo Kinder zwischen sieben und zwölf in Minen arbeiten, Bilder von Kindern, die ihre Hände in Maschinen gebracht haben und seitdem invalide sind, Fotografien von Zeitungsjungen, die von drei Uhr Nachts bis Abends um elf Zeitungen verkaufen und dafür zehn Cent am Tag verdienen.</p>

<p>Und Lewis hat nicht nur diese Bilder, er hat auch immer ein paar Zeilen dazu. Er weiß, wer auf dem Bild ist. Lewis schreibt auf, welches Alter die Kinder angeben und welches Alter er schätzt. Inzwischen weiß er, auf welcher Höhe ungefähr jeder Knopf auf seinem Mantel ist und er kann durch Abzählen der Knöpfe grob schätzen, wie groß die Kinder sind und eine grobe Altersangabe machen.</p>

<p>In manchen Fabriken ist er natürlich nicht willkommen. Die Vorarbeiter sehen es nicht gerne, dass ein Fotograf auftaucht. Und so findet er alle möglichen Wege, um sich seine Fotos zu besorgen. Manchmal gibt er sich als Vertreter für Bibeln aus und sagt, er hat eine Kamera dabei, damit er seine Kundinnen und Kunden beim Bibellesen fotografieren kann, besonders Kinder mit Bibeln wären ihm sehr recht. Oder er stellt sich mit seiner Kamera einfach vor die Fabrik und fotografiert die Kinder beim Kommen und Gehen.</p>

<p>Lewis Hine macht tausende solcher Aufnahmen. Aber das berühmteste seiner Bilder zeigt die kleine Sadie Pfeifer. Sie ist eines von vielen kleinen Kindern, die in einer Baumwollspinnerei die Maschinen bedienen.</p>

<p>Was ich sehr interessant fand, war, beim Durchblättern von Lewis Hines Werk, dass er anders als seine Zeitgenossen zu fotografieren schien. Seine Bilder haben meistens einen sehr präzisen Bildaufbau. Ich schätze, daran erkennt man unter anderem auch den Fotolehrer. Aber der Bildaufbau bei Lewis Hine ist im Grunde immer der Gleiche. Je nach Bildmotiv sind zum Beispiel Kinder auf der rechten Seite vor einer an ihm vorbeilaufenden großen Maschine abgebildet, immer ungefähr in derselben Position. Oder kleine Kinder stehen in der Mitte der Aufnahme und schauen direkt in die Kamera, die Kamera ganz offensichtlich leicht unterhalb ihrer Augenlinie, sodass man nach oben schauen muss. Lewis begibt sich grob auf Augenhöhe seiner fotografierten Kinder und dadurch werden die Betrachterinnen und Betrachter dazu gezwungen, sich mit dem Motiv zu identifizieren. Außerdem arbeitet Lewis Hine mit selektiver Schärfe. Die Schärfe liegt präzise auf dem Kind.</p>

<p>Der Hintergrund und der Vordergrund verschwimmen in aller Regel leicht in der Unschärfe. Man sieht eine gewaltige Maschine mit einem Streifen Schärfe dran und ein arbeitendes oder Pause machendes Kind. So lassen sich diese Aufnahmen kombinieren, nebeneinander stellen, es ist eine schier endlose Aneinanderreihung von Bildern, die den industriellen Komplex in den USA noch mächtiger aussehen lassen.</p>

<p>Und seine Bilder beeindrucken. Es gibt ja ungefähr zu der Zeit noch einen anderen großen sozialen Fotografien, nämlich Jacob Riis. Die beiden Männer kannten sich sogar. Während Jacob sich mit den Lebensbedingungen der Menschen in New York und in den USA allgemein beschäftigte, ging es Lewis in erster Linie um die Arbeitsbedingungen. Und seine Arbeit zeigt Wirkung. Nach und nach werden entsprechende Forderungen aufgestellt und Gesetzesentwürfe veröffentlicht. Riis ist zu der Zeit der Chef der NCLC Ausstellungsabteilung und macht bis zu elf Fotoausstellungen im Jahr. Und die Ausstellungen touren zum Teil bis zu 60 Städte.</p>

<p>Im Jahr 1912 gründet die US-Regierung das US Children&#8217;s Bureau, 1916 bis 1918 werden dann endlich Gesetze verabschiedet, die Kinder schützen sollen. Allerdings greifen diese Gesetze in die Autonomie der US-Bundesstaaten ein und so kommt es schnell zu Klagen, woraufhin das oberste Gericht der USA diese Gesetze zunächst wieder annulliert.</p>

<p>Ultimativ dauert es bis in die 30er, bis die USA ordentliche Kinderschutzgesetze verabschieden. Und der Hintergrund ist damals auch ein zynischer: Die Weltwirtschaftskrise schlägt zu. Und die ersten, die durch die Weltwirtschaftskrise ihre Arbeit verlieren und nicht mehr gebraucht werden, sind die Kinder der Armen, dicht gefolgt von den Armen selbst. Und in einer Wirtschaft, in der es sowieso nicht genügend Arbeit gibt, um alle zu beschäftigen, ja, da hat sich das mit der Kinderarbeit auch erstmal erledigt. Und dieser Moment wird dann vom Gesetzgeber auch genutzt. Als die Weltwirtschaftskrise vorbei ist, gibt es in den USA ordentliche Kinderschutzgesetze, auch auf Bundesebene.</p>

<p>Und Lewis Hine kann von sich behaupten, einen nicht unwesentlichen Anteil an dieser gesamten Bewegung gehabt zu haben. Und das galt natürlich insbesondere deswegen, weil Lewis Hine einen fotografischen Stil und ein Thema gewählt hatte, das so noch nie dagewesen war und die Menschen aufrüttelte. Eltern sahen Kindern in die Augen, die unter entsetzlichen Bedingungen schuften mussten und da war es einfach sehr klar, dass eine Schule ein besserer Ort für ein Kind ist. Die so bebilderten Kampagnen rannten dann offene Türen ein.</p>

<p>Und so blieb es auch bei Lewis Hine nicht bei den Bildern von Kinderarbeitern, nach mehreren Jahren Fotografie mit sozialem Auftrag fand er ein neues Schaffensfeld: Er wurde vom Roten Kreuz angestellt und nach Europa geschickt. Dort fotografierte er die Bemühungen des Roten Kreuzes, also zum Beispiel in Kriegslazaretten. Und auch hier richtet er seine Kamera auf den Alltag und auf die einfachen Leute, Krankenschwestern, Veteranen, die Familien der verletzten Soldaten, die Kriegsweisen.</p>

<p>Und was man hier auch nach und nach sieht, ist, dass Hine seinen Blickwinkel verändert. Aus Fotografien, die auf soziale Missstände hinweisen, werden Bilder der Arbeiterklasse.</p>

<p>Als er dann in die USA zurückkehrt, ist das sein Haupttätigkeitsfeld. Wieder reist er durch die USA und wieder fotografiert er hauptsächlich die einfachen Menschen, aber jetzt die Arbeiter und jetzt auch oft mit einem deutlich positiverem Blick. Seine Bilder werden regelmäßig in Firmenzeitungen abgedruckt oder für Werbekampagnen gekauft. Und irgendwann bekommt er den Auftrag, das im Bau befindliche Empire State Building als offizieller Baustellenfotograf zu begleiten.</p>

<p>Und hier bringt er alles zusammen, was er in den Jahrzehnten zuvor an Kenntnissen zusammengetragen hatte. Er ist an den Arbeitern interessiert. Im Stil sehen die Bilder sehr vertraut aus. Ich hab ähnliches von <a "/posts/die-beste-fotografin-der-welt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="14" title="Die beste Fotografin der Welt">Margaret Bourke-White</a> gesehen, oder auch Bilder wie &#8222;Lunch atop a Skyscraper&#8220;, wo ein Stahlträger mit darauf sitzenden Arbeitern abgebildet ist, sehen sehr ähnlich aus wie Aufnahmen, die Lewis Hine hinterlassen hat. Männer, die auf Stahlträgern in schwindelnder Höhe balancieren. In diesen Aufnahmen gibt es keine Missstände anzuprangern. Hine nutzt seine Ästhetik, um den einfachen Mann bei der Arbeit zu feiern. Und diesem Thema bleibt er dann auch bis zum Ende seines Lebens treu.</p>

<p>Nach dem Empire State Building gibt es jetzt keine großen Aufträge mehr, aber Hein fotografiert bis zu seinem Lebensende weiter, meistens Portraits. Und weil er nicht besonders geschäftstüchtig ist, geht ihm nach und nach auch das Geld aus. Als seine Frau stirbt, ist er fast mittellos, zieht bei seinen Kindern ein und beschäftigt sich bis zu seinem Tod mit Schreiben und Fotografieren. Und geriet dann erstmal in Vergessenheit.</p>

<p>So richtig berühmt war er sowieso nie geworden. Seine Arbeit war immer im Schatten anderer Frontfiguren gestanden und so dauert es fast bis in die 70er, bis eine groß angelegte Ausstellung sein Werk nochmal der Öffentlichkeit vorstellt und damit sehr deutlich macht, wie viel Einfluss seine Arbeit auf die Bildarbeit der damaligen Zeit hatte. Die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen, die parallel zu ihm oder kurz nach ihm kamen, kannten seine Fotografien ja sehr wohl. Seine Bilder waren Inspirationsquelle, seine Essays waren gelesen worden und so erkennt man seinen Einfluss bis heute. Und bis heute gibt es auch <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen, die sich mit denselben Themen beschäftigen. Da gibt es Bildbände, in denen einfache Arbeiter portraitiert werden und es gibt Bücher, die sich mit Kinderarbeit beschäftigen.</p>

<p>Wir haben jetzt gerade, während ich aufnehme, das Jahr 2021 und laut der UNICEF ist dieses Jahr zum ersten Mal wieder mal ein Jahr, in dem die Kinderarbeit global zugenommen hat. 160 Millionen Kinder unter 14 Jahren arbeiten weltweit unter Bedingungen, unter denen Kinder nicht arbeiten sollten. Und damals wie heute gibt es Menschen, die darauf aufmerksam machen und versuchen, mit Fotografien aufzurütteln. Leider ist unsere Welt viel, viel zynischer geworden und deswegen reicht schon lang keine fotografische Arbeit mehr aus, um Regierungen zum Handeln zu bewegen. Was aber nicht heißt, dass es das nicht weiterhin wert ist. Lewis Hine hätte gesagt, es ist es immer wert, dem Menschen zu zeigen, was sonst viel zu einfach wegzuignorieren ist. Und ich finde: Da hat er Recht.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Weltraumfotografie</title>
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            <pubDate>Sat, 02 Oct 2021 10:54:57 GMT</pubDate>
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            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Als die Menschheit sich auf den Weg ins All machte spielte die Fotografie nur eine untergeordnete Rolle. In dieser Episode erzähle ich wie sich das veränderte… Walter Schirra (Wikipedia) Die US Weltraumprogramme Mercury , Gemini und Apollo (Wikipedia-Links) Michael Collins (Wikipedia) Hasselblad (Wikipedia), Hasselblad Webseite Das Foto das John Glenn als sein wichtigstes bezeichnete. Geschossen am 20.02.1962 aus dem Fenster der Mercury 6 Kapsel Friendship 7 The camera that went to the moon and changed how we see it Remaking the First Hasselblad in Space Mondlandung (Wikipedia) Donald Pettit (Wikipedia) How NASA turns astronauts into photographers Spheres of Earth – An introduction to making observations of Earth (NASA Kursmaterial) Fotomenschen Episode „Einmal Mond und zurück“ Project Apollo Photo Archive auf Flickr Offizielle NASA Bildergallerien Transkript Als die ersten Astronauten sich anschickten, die Erde zu umrunden oder sich Richtung Mond aufzumachen, da war Fotografie kein Thema. Das können wir uns heute, wo der Anblick der Erde aus dem Weltraum so vertraut ist, eigentlich gar nicht mehr vorstellen. Es ist das Jahr 1961. Der damalige US-Präsident John F. Kennedy spricht zum Kongress und kündigt an, dass die USA vor dem Ende der der Dekade den ersten Menschen auf dem Mond landen werden. Eine Mission, mit der er dann auch durch die Nation tourt und die Menschen begeistert. Ein nennenswerter Teil seines Rufs als visionärer Präsident beruht wahrscheinlich auf dieser Idee. [Einspieler] „But why, some say, the moon? Why choose this as our goal? And they may well ask, why climb the highest mountain? Why, 35 years ago, fly the atlantic?“ Das gibt eine schöne Perspektive. 35 Jahre vorher war tatsächlich zum ersten Mal mit einem Flugzeug der Atlantik überquert worden. Es sind diese Reden, die unter anderem das starten, was man heute als den Wettlauf in den Weltraum oder im Englischen „The Space Race“ beschreibt. [Einspieler] „… we go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy but because they are hard.“ Und die Amerikaner werfen alle ihre Ressourcen auf das Problem. Am 5. Mai 1961 ist Alan B. Shepard Jr. der erste Amerikaner, der in einer „Freedom 7“ genannten Blechbüchse die Erde umkreist. Diese Kapsel hatte noch nicht mal Fenster, durch die man hätte fotografieren können. Fotografie war auch nicht die Priorität bei diesem Flug, denn es ging eigentlich nur darum, zu zeigen, dass man einen Menschen lebendig in den Orbit und wieder zurückbringen kann. Wobei, den Orbit hat man noch nicht mal angesteuert. Es war gerade mal so Weltall und war tatsächlich auch nur ein Flug von einigen Minuten. Am 20. Februar 1962 macht dann John H. Glenn Jr. den ersten vollen Orbit. Dreimal durfte er die Erde umkreisen und die Kapsel hatte Fenster. Und so überlegte sich John Glenn, eine Kamera mitzunehmen. Er überlegte, ob er sich seine private Leica mit einpacken sollte, entschied sich aber dann doch für eine kompakte Minolta, die war einfach kleiner und leichter. Und mit der machte er einige Farbfotos aus dem Weltall. Und so ging dann die Mercury 7-Mission als die Mission ein, von der ein Astronaut aus die ersten Fotografien aus dem All machte. Spannend finde ich daran, dass zu dem Zeitpunkt das Mercury-Programm immerhin schon 4 Jahre alt war, die Idee, zu fotografieren, aber eine Privatidee war. Klar hatten wir inzwischen schon Satellitenfotos vom Mond und von der Erde, aber die spielten in etwa die Rolle einer Temperaturmessung. Nach Mercury 7 kommt natürlich Mercury 8. Und diesmal war ein Mann namens Walter Schirra für die Mission mit eingeplant. Der hatte die Bilder der vergangenen Mission gesehen und meinte, das muss doch besser gehen. Bisher war ja mit einer Kompaktkamera fotografiert worden und so wurde ihm der Rat gegeben, sich nach einem Mittelformatsystem umzusehen. Walter Schirra setzte sich also ins Auto und fuhr in Hou</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Als die Menschheit sich auf den Weg ins All machte spielte die Fotografie nur eine untergeordnete Rolle. In dieser Episode erzähle ich wie sich das veränderte&#8230;</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Schirra" target="_blank">Walter Schirra</a> (Wikipedia)</li><li>Die US Weltraumprogramme <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mercury-Programm" target="_blank">Mercury</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gemini-Programm" target="_blank">Gemini</a> und <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Apollo-Programm" target="_blank">Apollo</a> (Wikipedia-Links)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Collins_(Astronaut)" target="_blank">Michael Collins</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hasselblad" target="_blank">Hasselblad</a> (Wikipedia), <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.hasselblad.com/de-de/" target="_blank">Hasselblad Webseite</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://time.com/4558781/john-glenn-influential-photo/" target="_blank">Das Foto das John Glenn als sein wichtigstes bezeichnete. </a>Geschossen am 20.02.1962 aus dem Fenster der Mercury 6 Kapsel Friendship 7</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bpr.org/2019-07-13/the-camera-that-went-to-the-moon-and-changed-how-we-see-it#stream/0" target="_blank">The camera that went to the moon and changed how we see it</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spacecamera.co/articles/500c" target="_blank">Remaking the First Hasselblad in Space</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mondlandung" target="_blank">Mondlandung </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Donald_Pettit" target="_blank">Donald Pettit</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.washingtonpost.com/news/morning-mix/wp/2016/04/05/how-nasa-turns-astronauts-into-photographers/" target="_blank">How NASA turns astronauts into photographers</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://ntrs.nasa.gov/api/citations/20100017766/downloads/20100017766.pdf" target="_blank">Spheres of Earth &#8211; An introduction to making observations of Earth</a> (NASA Kursmaterial)</li><li><a rel="noreferrer noopener" "/posts/einmal-mond-und-zurueck.html" target="_blank">Fotomenschen Episode &#8222;Einmal Mond und zurück&#8220;</a></li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.flickr.com/photos/projectapolloarchive/albums" target="_blank">Project Apollo Photo Archive auf Flickr</a></li><li><a href="https://www.nasa.gov/images/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Offizielle NASA Bildergallerien</a></li></ul>

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<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Als die ersten Astronauten sich anschickten, die Erde zu umrunden oder sich Richtung Mond aufzumachen, da war Fotografie kein Thema. Das können wir uns heute, wo der Anblick der Erde aus dem Weltraum so vertraut ist, eigentlich gar nicht mehr vorstellen.</p>

<p>Es ist das Jahr 1961. Der damalige US-Präsident John F. Kennedy spricht zum Kongress und kündigt an, dass die USA vor dem Ende der der Dekade den ersten Menschen auf dem Mond landen werden. Eine Mission, mit der er dann auch durch die Nation tourt und die Menschen begeistert. Ein nennenswerter Teil seines Rufs als visionärer Präsident beruht wahrscheinlich auf dieser Idee.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;But why, some say, the moon? Why choose this as our goal? And they may well ask, why climb the highest mountain? Why, 35 years ago, fly the atlantic?&#8220;</p>

<p>Das gibt eine schöne Perspektive. 35 Jahre vorher war tatsächlich zum ersten Mal mit einem Flugzeug der Atlantik überquert worden. Es sind diese Reden, die unter anderem das starten, was man heute als den Wettlauf in den Weltraum oder im Englischen &#8222;The Space Race&#8220; beschreibt.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;&#8230; we go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy but because they are hard.&#8220;</p>

<p>Und die Amerikaner werfen alle ihre Ressourcen auf das Problem. Am 5. Mai 1961 ist Alan B. Shepard Jr. der erste Amerikaner, der in einer &#8222;Freedom 7&#8220; genannten Blechbüchse die Erde umkreist. Diese Kapsel hatte noch nicht mal Fenster, durch die man hätte fotografieren können. Fotografie war auch nicht die Priorität bei diesem Flug, denn es ging eigentlich nur darum, zu zeigen, dass man einen Menschen lebendig in den Orbit und wieder zurückbringen kann. Wobei, den Orbit hat man noch nicht mal angesteuert. Es war gerade mal so Weltall und war tatsächlich auch nur ein Flug von einigen Minuten.&nbsp;</p>

<p>Am 20. Februar 1962 macht dann John H. Glenn Jr. den ersten vollen Orbit. Dreimal durfte er die Erde umkreisen und die Kapsel hatte Fenster. Und so überlegte sich John Glenn, eine Kamera mitzunehmen. Er überlegte, ob er sich seine private Leica mit einpacken sollte, entschied sich aber dann doch für eine kompakte Minolta, die war einfach kleiner und leichter. Und mit der machte er einige Farbfotos aus dem Weltall.</p>

<p>Und so ging dann die Mercury 7-Mission als die Mission ein, von der ein Astronaut aus die ersten Fotografien aus dem All machte. Spannend finde ich daran, dass zu dem Zeitpunkt das Mercury-Programm immerhin schon 4 Jahre alt war, die Idee, zu fotografieren, aber eine Privatidee war. Klar hatten wir inzwischen schon Satellitenfotos vom Mond und von der Erde, aber die spielten in etwa die Rolle einer Temperaturmessung.</p>

<p>Nach Mercury 7 kommt natürlich Mercury 8. Und diesmal war ein Mann namens Walter Schirra für die Mission mit eingeplant. Der hatte die Bilder der vergangenen Mission gesehen und meinte, das muss doch besser gehen. Bisher war ja mit einer Kompaktkamera fotografiert worden und so wurde ihm der Rat gegeben, sich nach einem Mittelformatsystem umzusehen. Walter Schirra setzte sich also ins Auto und fuhr in Houston in ein Kamerageschäft und ließ sich beraten.&nbsp;</p>

<p>Und das System, für das er sich damals entschied, ist bis heute untrennbar mit dem amerikanischen Space Program verbunden. Er kaufte nämlich eine Hasselblad. Die Kamera sollte auch nicht nur innerhalb der Kapsel betrieben werden können, sondern sie sollte auch von Astronauten in Raumanzügen auf Spacewalks oder dann später auf dem Mond eingesetzt werden können. Und so machte man sich daran, zusammen mit dem Techniker Roland &#8222;Red&#8220; Williams die Kamera zu modifizieren, damit sie im Weltall tatsächlich funktionieren kann.</p>

<p>Eine der ersten Dinge, die modifiziert wurden, war die Farbe. Die Originalkamera hatte eine Menge Chrom außenherum und luxuriöses Leder. Und beides konnte man nicht brauchen. Das Leder würde im Vakuum ausgasen und das Chrom würde reflektieren. Also runter mit dem Leder und das Chrom wurde schwarz angemalt. Eigentlich auch ganz witzig in dem Kontext, dass heutige Hasselbladkameras gerne mal in &#8222;Space Grey&#8220; verkauft werden. Und &#8222;Space Grey&#8220; waren die Kameras nicht, sondern schwarz.&nbsp;</p>

<p>Neben Farbe und Belederung gab es aber auch einige funktionale Änderungen. Man kann mit Raumanzughandschuhen nun mal keine kleinen Knöpfe drücken und man kann es auch nicht brauchen, dass man eventuell im Weltall aus Versehen hinten den Film entfernt. Und dann war es auch so, dass auch eine Kamera ein Gewicht hat und es Mechanismen gibt, die man erstens sowieso nicht wirklich braucht und zweitens unnötig als Gewichtsverschwendung empfand. Und so hatten die Hasselblads, die dann später mit dem Apollo-Programm zum Mond fliegen sollten, weder einen Spiegel, noch einen Viewfinder. Wenn man einen Astronautenhelm auf hat, kann man sich sowieso kaum auf einen Viewfinder konzentrieren und deswegen wurde dieser gesamte Mechanismus entfernt und die Astronauten hatten die Aufgabe, die Kamera einfach grob in die richtige Richtung zu halten und auszulösen.&nbsp;</p>

<p>Außerdem kann man bei einer Kamera im Weltraum bestimmte Bestandteile überhaupt gar nicht gebrauchen, zum Beispiel würden Fette und Öle wegkochen oder ausdampfen. Und wenn man den Film dann schon nur innerhalb der Kapsel wechseln kann, dann wäre es natürlich auch schick, wenn die Kammer größer wäre und der Film mehr Fotos aufnehmen könnte. Entsprechende Modifikationen gab es dann natürlich auch, zusammen mit später dann auch einem motorisierten Weitertransport. Mussten also die ersten Astronauten noch kurbeln, nachdem sie fotografiert hatten, war dann später eine Automatik am Werk.</p>

<p>Walter Schirra also flog mit dieser ersten modifizierten Hasselblad ins Weltall und machte Aufnahmen. Und die waren jetzt nicht perfekt fokussiert und zum Glück ist Film tolerant als Medium und deswegen funktionierte auch das Schätzen von Belichtungszeiten ganz gut, aber erst mit der Nachfolgemission, mit Mercury 9 hatte man dann einige der Kinderkrankheiten so ausgemerzt, dass die Bilder derart detailliert und scharf wurden, dass der NASA aufging, eventuell eine eigene fotografische Abteilung zu gründen.&nbsp;</p>

<p>Mercury 8 und Mercury 9 brachten tatsächlich einige hundert Bilder mit zurück und ab jetzt gehörte Fotografie zum Training der Astronauten. Also die Bedienung von Kameras.&nbsp;</p>

<p>Nach Mercury kam das Gemini-Programm. Hier ging es dann schon eher ans Eingemachte. Das Ziel des Gemini-Programmes war, herauszufinden, wie sich Langzeitaufenthalte im Weltall auf Menschen auswirkt, außerdem perfektionierte man den Wiedereintritt in die Atmosphäre und arbeitete an den verschiedenen Möglichkeiten, im Weltraum verschiedenste Objekte aneinander andocken zu lassen. Gemini hat zehn bemannte Flüge absolviert. Und Walter Schirra war einer der Crewmitglieder. Überhaupt ist Walter Schirra der einzige Astronaut, der von sich behaupten kann, bei allen drei Raummissionen, Mercury, Gemini und Apollo, Crewmitglied gewesen zu sein.&nbsp;</p>

<p>Für Gemini jedenfalls wollte man detailliertere Fotos der Erdoberfläche machen und deswegen entschied man sich, anstatt der bisher verwendeten 80mm-Zeiss-Optik, was in etwa einer sogenannten &#8222;Normalbrennweite&#8220; entspricht, konnten die Astronauten jetzt auch noch auf ein Teleobjektiv zurückgreifen. Und wenig später gab es dann auch noch extra ein Weitwinkelobjektiv. Alle Optiken jeweils von Zeiss, alle Kameras jeweils von Hasselblad.&nbsp;</p>

<p>Gelegentlich fotografierten die Astronauten sich jetzt auch gegenseitig. Von innerhalb der Kapsel durchs Fenster den ersten Amerikanischen Space Walk zum Beispiel. Und der Astronaut Michael Collins darf für sich beanspruchen, das erste Indoorselfie im Weltall geschossen zu haben. Außerdem hat er den ersten schwedischen Satteliten ausgesetzt, als er nämlich bei Gemini 10 einen Space Walk machen durfte und die Kamera mitnahm, verlor er die dann auch prompt und wahrscheinlich verglühte die, aber irgendwie gefällt mir auch die Vorstellung, dass da vielleicht eine Hasselblad immer noch durchs Weltall trudelt.</p>

<p>1966 dann ist Buzz Aldrin zum ersten Mal auf einem Space Walk und er hat auch eine Hasselblad dabei. Und er ist dann auch der Erste, der diese Kamera dafür benutzt, um sich selbst bei einem Space Walk zu fotografieren. Das erste Selfie in Space, und zwar outdoors, die Erde im Hintergrund, und begründet damit heute eine Tradition unter Astronautinnen und Astronauten. Buzz Aldrin erinnerte auch immer gerne daran, dass er diese Tradition gestartet hätte, eventuell ist das aber auch Ausdruck der Selfie Culture, ist ja auch egal, jedenfalls begründet das auch die Diskussion darüber, was denn das erste Selfie in Space gewesen wäre. War es dann doch Michael Collins innerhalb der Kapsel oder Buzz Aldrin außerhalb der Kapsel? Schwer zu entscheidende Frage.&nbsp;</p>

<p>Aber wir wissen natürlich, alles bis jetzt war natürlich Vorgeplänkel für den eigentlichen Run zum Mond. Mit Apollo 11 ist es dann endlich soweit.</p>

<p>[Einspieler: Startsequenz von Apollo 11]</p>

<p>Für Hasselblad markiert das Apollo-Programm den Moment, in dem sie ganz offiziell mit der NASA zusammengearbeitet haben. Bis hier hin waren ja im Laden Kameras gekauft worden und dann von der NASA selbst modifiziert. Aber mit Gemini war einfach sehr klar geworden, dass Fotografie ein essenzieller Bestandteil der NASA-Programme werden würde, es wurde eine eigene Abteilung gegründet und es wurde ganz offiziell mit Hasselblad und mit Zeiss, den zwei großen Herstellern, mit denen bisher gearbeitet wurde, Verbindung aufgenommen und zusammengearbeitet. Alle berühmten Mondfotos, die wir heute so kennen, inklusive der berühmten Aufnahme &#8222;Earth Rise&#8220; vom Astronauten Bill Anders, über die wir auch schon mal gesprochen haben, wurden mit solchen offiziell modifizierten Hasselbladkameras gemacht.&nbsp;</p>

<p>Und schnell wurde auch klar, dass einige der Anpassungen, die im Orbit der Erde essenziell gewesen waren, auf dem Mond anders aussehen mussten. Beispielsweise herrschte dort eine deutlich größere Hitzeeinstrahlung. Die Kamera durfte nicht mehr schwarz sein. Sie musste jetzt doch wieder silbern werden. Ein Polfilter wurde vorne angebracht, ein Motor, der den Film weitertransportierte. Und alles, was Plastik an dieser Kamera war, musste mit Metall ersetzt werden. Letztendlich musste die Kamera präzise funktionieren, und das, obwohl sie mal -150°C im Schatten und im nächsten Moment 120°C in der Sonne aushalten musste. Interessante Herausforderung.&nbsp;</p>

<p>Zum Mond reisende Kameras gab es in zwei Varianten. Eine Variante, die innerhalb der Kapsel verwendet wurde und eine Variante außerhalb der Kapsel. Die Kameras außerhalb der Kapsel hatten außerdem noch dieses charakteristische Kreuzgrid. Das hatte den Sinn, dass man sofort auf dem Bild sehen konnte, wo die Mitte war und mit Hilfe der Kreuze sehr genaue Messungen anfertigen konnte.&nbsp;</p>

<p>Die Kameras wurden manuell bedient. Es gab da keine Belichtungsautomatik. Um den Astronauten dabei zu helfen, gab es bei jeder Kamera einen Aufkleber, in dem im Prinzip die sogenannte Sunny-16-Rule erklärt war. Im Grunde gab es Basiseinstellungen für die Situation im Schatten, in der Sonne, Richtung Erde. Weder waren die Astronauten Fotografen, noch konnte man mit Raumanzügen filigrane Einstellungen tätigen. Deswegen war es alles sehr, sehr grundlegend. Die meisten Aufnahmen wurden dann mit Blende 11-16 gemacht und es hing dann sehr von der Optik ab, wo denn dann der Schärfebereich war.&nbsp;</p>

<p>Ihre Prämiere auf dem Mond hatte die Kamera, die Hasselblad konstruiert hatte, dann mit Apollo 11, am 20. Juli 1969, in der Hand des ersten Manns auf dem Mond, Neil Armstrong.&nbsp;</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;&#8230; it&#8217;s one small step for man, but a leap for mankind.&#8220;</p>

<p>Das hatte einen ganz interessanten Nebeneffekt. Dadurch, dass diese Kamera am Commander der Mission hing, nämlich Neil, und nicht an dem mit ihm mitfliegenden Buzz Aldrin, gibt es Unmengen von Fotos von Buzz auf der Mondfläche, aber praktisch keine von Neil. Diese Auslassung fiel der NASA dann auf, als sie entsprechende Pressemitteilungen zusammenstellten, denn sie hatten eigentlich kein gutes Bild von Neils Schritt auf dem Mond, nur einen Kamera-Videomitschnitt, aus dem man ein Bild herausisolieren konnte. Um ein Foto von Neil auf dem Mond zu bekommen, musste man dann auf ein von Buzz Aldrin gemachtes Bild innerhalb der Kapsel zurückgreifen. Denn es gab sowieso ganz allgemein nur sehr, sehr wenige Bilder von ihm. All das zeigt eigentlich nur, wie wenig wichtig den NASA-Technikern war, dass die Menschen der Mission fotografiert werden und dass unsere Astronauten eigentlich keine Fotografen waren.&nbsp;</p>

<p>Auf dem Mond wurde dann reichlich fotografiert. Wir kennen ja heute im Wesentlichen die Highlights. Dank dem eingeblendeten Grid lassen die sich auch ganz hervorragend geradestellen und wie bei jedem guten Editing gibt es eine Menge Bilder, die nie an das Auge der Öffentlichkeit gekommen sind, weil sie einfach nicht gelungen sind. Schief in den Boden fotografiert, unscharf, über-/unterbelichtet, gab es alles bei der Mission. Aber die Bilder, die von den Apollo-Missionen zurück gekommen sind, die sind bis heute tief beeindruckend, was ihre Schärfe und ihr Detailreichtum angeht.&nbsp;</p>

<p>Die Kameras, die diese Aufnahmen gemacht haben, interessanterweise, liegen nach wie vor an der Landestelle von Apollo 11. Irgendwann in den nächsten Jahrzehnten, wenn wir wieder Menschen auf dem Mond landen werden, werden diese Kameras wahrscheinlich eingesammelt und wieder zurückgebracht werden. Die NASA war nämlich wirklich nervös, ob die Menge Sprit in der Kapsel ausreichen würde, die Männer wieder zurückzubringen. Und so instruierte man sie, zwar Mondgestein mitzubringen, die Kameras aber an der Landestelle zurückzulassen.&nbsp;</p>

<p>Man betrat also die Kapsel und machte sich wieder auf den Weg in den Mondorbit. Der dort alleine kreisende Michael Collins nimmt die Kamera, die er hat und macht ein Foto des zurückkehrenden Landers mit der Erde im Hintergrund. Und das ist irgendwie eine ganz nette Überlegung, darüber nachzudenken, dass er dadurch ein Foto alles zu dem Zeitpunkt lebenden und toten Menschen gemacht hat, außer sich selbst.&nbsp;</p>

<p>Aus heutiger Sicht, wo wir ja im wesentlichen vielleicht ein paar dutzend Bilder gesehen haben und kennen, haben wir immer das Gefühl, aus der Zeit gibt es gar nicht so viel Bildmaterial und jedes Bild, das wir da kennen, ist ikonisch. Ich rechne damit, dass da demnächst eine massive Bilderflut einsetzen wird. Waren es während den Mercury-, Gemini- und Apollo-Missionen einige tausend Bilder, die gemacht wurden, wird beim nächsten Mondlandeereignis eine Flut über uns hereinbrechen, die ohne Worte sein wird.&nbsp;</p>

<p>Und dabei hat die NASA ganz allgemein eine Menge Bilder gemacht. Zwischen 1962 und 2010 wurden insgesamt über 900000 Fotografien veröffentlicht. Die NASA betreibt ein öffentlich zugängliches Flickrset, man kann auf der Website Bilder anschauen, und immer öfter sind diese Aufnahmen nicht nur wissenschaftlich interessant, sondern auch künstlerisch spannend aufgenommen. Der Astronaut Donald Pettit zum Beispiel stellt sich gerne mal selbst als Fotograf und Astronaut vor und hat wunderschöne Aufnahmen mit Langzeitbelichtungen, Sternenläufen und allen möglichen Effekten gemacht. Scott Kelly, der schon als Foto-Nut bekannt war, noch bevor er ein Jahr lang im Weltraum in der International Space Station war, hat in dem ersten halben Jahr weitere 100000 Fotos dem Archiv hinzugefügt. Wir sind also eine fotografierende Spezies, wir alle sind Fotomenschen, unsere Astronautinnen und Astronauten sind da keine Ausnahme und ich persönlich finde ja, Fotos aus dem Weltraum werden einfach auch nicht alt.</p>

<p>Inzwischen ist es längst nicht nur Hasselblad, die im Weltraum aktiv sind. An Board der ISS wird verwendet, was immer gerade sinnvoll ist. Wo Menschen sind, sind einfach Kameras auch nicht mehr fern. Es ist durch ihre Optiken, durch die wir mitreisen. In den Weltraum, auf den Mond, auf den Mars, und ich freue mich schon darauf, zu sehen, wie das noch alles weitergeht.</p>

<p>(Walter Schirra, Michael Collins, &#8222;Red&#8220; Williams, Neil Armstrong, Buzz Aldrin, Scott Kelly, Donald Pettit, so viele Menschen, alle dadurch vereint, dass sie fotografiert haben, was wenige mit ihren eigenen Augen sehen durften.)</p>]]></content:encoded>
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            <title>Schärfe ist nicht alles</title>
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            <pubDate>Fri, 24 Sep 2021 18:01:24 GMT</pubDate>
            <description>Julia Margaret Cameron ist die vielleicht berühmteste Fotografin des viktorianischen Zeitalters.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Julia Margaret Cameron ist die vielleicht berühmteste Fotografin des viktorianischen Zeitalters. Sie war erst im Alter von 48 zur Fotografie gekommen und erlangte innerhalb von 16 Jahren durch ihren einzigartigen Bildstil Berühmtheit. Julia Margaret Cameron (Wikipedia) Julia Margaret Cameron (The Met) Complete Photographs (PDF, 321MB) Transkript Oft wird ja mal von den Vätern der Fotografie gesprochen und dabei gerne übersehen, dass von Anfang an Frauen genauso fasziniert von der neuen Technik waren wie ihre männlichen Zeitgenossen. Verstärkt wird das Ganze noch dadurch, dass es überwiegend männliche Fotografen sind, von denen wir auch heute noch wissen. Nicht nur war es für Frauen oft schwerer als für Männer, mit der Fotografie einen Lebensunterhalt zu bestreiten, es war auch deutlich schwerer, in entsprechenden Kreisen Anerkennung zu finden und zum Beispiel Ausstellungen zu organisieren oder gar veröffentlicht zu werden. Trotzdem gibt es natürlich ein paar Namen, die man finden kann. Und in der Liste all dieser großartigen Fotografinnen sticht eine ganz besonders heraus: Julia Margaret Cameron. Ich finde das gar nicht so einfach, mit modernen Augen auf die Bilder von Julia Margaret Cameron zu blicken. Sie gehört der Gruppe der sogenannten „frühen Piktorialisten“ an, das heißt, ihre Bilder versuchen, einfach nur mehr zu sein als eine Aufzeichnung der Welt. Oft tragen ihre Bilder zusätzliche Bedeutung, arbeiten also mit Allegorien oder Szenen aus Opern, Gedichten oder christlicher Mythologie. Und ganz allgemein versucht Julia, in ihren Bildern eine gewisse malerische Qualität zum Ausdruck zu bringen. Während viele ihrer Zeitgenossen darauf hin optimieren, möglichst präzise, scharfe Portraits zu machen, gilt für ihre Bilder oft das Gegenteil. Sie ist bekannt dafür, dass sie Bilder absichtlich unscharf macht, den Fokus verstellt, Bewegungsunschärfe zulässt, und so weiter. Ihre Bilder sind also von Anfang an keine wissenschaftliche Dokumentation, sondern als Kunst gemeint. Und ihr wird auch von Anfang an vorgeworfen, was man auch heute noch Menschen vorwirft, die Fotos absichtlich unscharf machen, dass sie ihr Handwerk nämlich nicht verstünde, dass es weniger mit Absicht als mit Unfähigkeit zu tun hätte. Ich erinnere mich jedenfalls daran, dass ich verschiedenen Portraits von Julia Margaret Cameron relativ früh begegnet bin. Da beschäftigte ich mich eigentlich noch gar nicht mit der Geschichte der Fotografie. Bilder waren mir begegnet als Beispiele klassischer Fotografie, oder mir war zum Beispiel auch das Portrait von Sir John Herschel, einem berühmten Astronomen der damaligen Zeit, schon mehrmals untergekommen. Ihre Bilder sind oft wirklich schön beleuchtet und der Sepiaton, in den die meisten ihrer Drucke getaucht sind, erzeugt sofort dieses nostalgische Gefühl. Und dann ist da die Unschärfe. Und mit der tu ich persönlich mich wirklich schwer. Es mag ja vielleicht noch sein, dass Julia Margaret Cameron in der Lage gewesen wäre, präzise, scharfe Bilder zu machen, aber beim Blättern durch ihr Gesamtwerk fällt schon auf, dass sie das weit seltener versucht hat, als andere Fotografinnen und Fotografen aus der Zeit. Und das will ich jetzt vielleicht einfach mal als Stilmittel akzeptieren, allerdings sorgt das für mich zumindest auch dafür, dass ich viele ihrer Bilder einfach nicht genießen kann. Ich schaue die mir an und wünschte, sie wären schärfer. Was ich aber rundheraus bewundern kann, ist, dass Julia Margaret Cameron damals eine einzigartige Fotografin war und eine Fotografin, die sich in kürzester Zeit einen Namen gemacht hatte. Egal, ob man ihre Werke jetzt nun furchtbar oder großartig fand, man konnte Julia Margaret Cameron, kaum, dass sie einmal angefangen hatte, zu arbeiten, eigentlich nicht mehr ignorieren, wenn man zu der damals doch schon recht aktiven fotografischen Szene gehörte. Und dabei ist besonders interessant, dass Julia Margaret </itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Julia Margaret Cameron ist die vielleicht berühmteste <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> des viktorianischen Zeitalters. Sie war erst im Alter von 48 zur Fotografie gekommen und erlangte innerhalb von 16 Jahren durch ihren einzigartigen Bildstil Berühmtheit. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Julia_Margaret_Cameron" target="_blank">Julia Margaret Cameron</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.metmuseum.org/essays/julia-margaret-cameron-1815-1879" target="_blank">Julia Margaret Cameron</a> (The Met)</li><li><a href="https://www.getty.edu/publications/virtuallibrary/0892366818.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Complete Photographs</a> (PDF, 321MB)</li></ul>

<figure><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/brave_2021-09-24_19-54-41-800x1024.jpg" alt="Sepiafarbenes Porträt eines jungen Mädchens, das mit verschränkten Armen liegt und von großen Engelsflügeln umrahmt wird." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="819" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/The_Kiss_of_Peace_by_Julia_Margaret_Cameron1-819x1024.jpg" alt="Zwei Frauen mit langem Haar sind in einem Sepia-Tonporträt eng zusammengehalten, wobei die Frau rechts leicht aufblickt und die andere Frau sich zu ihr neigt." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="773" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/brave_2021-09-24_19-51-24-773x1024.png" alt="Schwarz-Weiß-Porträt einer jungen Frau mit gewelltem Haar, die vor einem dunklen Hintergrund dramatisch beleuchtet ist." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="796" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/brave_2021-09-24_19-50-44-796x1024.png" alt="Porträt eines älteren Mannes mit zerzaustem weißem Haar und dunkler Kleidung, der direkt in die Kamera blickt." /></figure></li></ul></figure>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Oft wird ja mal von den Vätern der Fotografie gesprochen und dabei gerne übersehen, dass von Anfang an Frauen genauso fasziniert von der neuen Technik waren wie ihre männlichen Zeitgenossen. Verstärkt wird das Ganze noch dadurch, dass es überwiegend männliche Fotografen sind, von denen wir auch heute noch wissen. Nicht nur war es für Frauen oft schwerer als für Männer, mit der Fotografie einen Lebensunterhalt zu bestreiten, es war auch deutlich schwerer, in entsprechenden Kreisen Anerkennung zu finden und zum Beispiel Ausstellungen zu organisieren oder gar veröffentlicht zu werden. Trotzdem gibt es natürlich ein paar Namen, die man finden kann. Und in der Liste all dieser großartigen <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> sticht eine ganz besonders heraus: Julia Margaret Cameron.&nbsp;</p>

<p>Ich finde das gar nicht so einfach, mit modernen Augen auf die Bilder von Julia Margaret Cameron zu blicken. Sie gehört der Gruppe der sogenannten &#8222;frühen Piktorialisten&#8220; an, das heißt, ihre Bilder versuchen, einfach nur mehr zu sein als eine Aufzeichnung der Welt. Oft tragen ihre Bilder zusätzliche Bedeutung, arbeiten also mit Allegorien oder Szenen aus Opern, Gedichten oder christlicher Mythologie.&nbsp;</p>

<p>Und ganz allgemein versucht Julia, in ihren Bildern eine gewisse malerische Qualität zum Ausdruck zu bringen. Während viele ihrer Zeitgenossen darauf hin optimieren, möglichst präzise, scharfe Portraits zu machen, gilt für ihre Bilder oft das Gegenteil. Sie ist bekannt dafür, dass sie Bilder absichtlich unscharf macht, den Fokus verstellt, Bewegungsunschärfe zulässt, und so weiter. Ihre Bilder sind also von Anfang an keine wissenschaftliche Dokumentation, sondern als Kunst gemeint. Und ihr wird auch von Anfang an vorgeworfen, was man auch heute noch Menschen vorwirft, die Fotos absichtlich unscharf machen, dass sie ihr Handwerk nämlich nicht verstünde, dass es weniger mit Absicht als mit Unfähigkeit zu tun hätte.&nbsp;</p>

<p>Ich erinnere mich jedenfalls daran, dass ich verschiedenen Portraits von Julia Margaret Cameron relativ früh begegnet bin. Da beschäftigte ich mich eigentlich noch gar nicht mit der Geschichte der Fotografie. Bilder waren mir begegnet als Beispiele klassischer Fotografie, oder mir war zum Beispiel auch das <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a> von Sir John Herschel, einem berühmten Astronomen der damaligen Zeit, schon mehrmals untergekommen. Ihre Bilder sind oft wirklich schön beleuchtet und der Sepiaton, in den die meisten ihrer Drucke getaucht sind, erzeugt sofort dieses nostalgische Gefühl.&nbsp;</p>

<p>Und dann ist da die Unschärfe. Und mit der tu ich persönlich mich wirklich schwer. Es mag ja vielleicht noch sein, dass Julia Margaret Cameron in der Lage gewesen wäre, präzise, scharfe Bilder zu machen, aber beim Blättern durch ihr Gesamtwerk fällt schon auf, dass sie das weit seltener versucht hat, als andere <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen aus der Zeit. Und das will ich jetzt vielleicht einfach mal als Stilmittel akzeptieren, allerdings sorgt das für mich zumindest auch dafür, dass ich viele ihrer Bilder einfach nicht genießen kann. Ich schaue die mir an und wünschte, sie wären schärfer.&nbsp;</p>

<p>Was ich aber rundheraus bewundern kann, ist, dass Julia Margaret Cameron damals eine einzigartige Fotografin war und eine Fotografin, die sich in kürzester Zeit einen Namen gemacht hatte. Egal, ob man ihre Werke jetzt nun furchtbar oder großartig fand, man konnte Julia Margaret Cameron, kaum, dass sie einmal angefangen hatte, zu arbeiten, eigentlich nicht mehr ignorieren, wenn man zu der damals doch schon recht aktiven fotografischen Szene gehörte. Und dabei ist besonders interessant, dass Julia Margaret Cameron eigentlich sehr spät überhaupt erst mit der Fotografie anfing. Nämlich schon 48. Aber kaum, dass sie für dieses Medium Feuer gefangen hatte, brannte die Flamme lichterloh. Über 1200 Negative sind von ihr noch erhalten. In den gerade mal 16 Jahren, die sie fotografiert hat, ist das eine bemerkenswerte Menge.&nbsp;</p>

<p>Geboren wird Julia im Jahr 1815 in Kalkutta. Indien ist damals noch englische Kolonie und Julia wird als eine von zehn Geschwistern geboren. Ihr Vater war Brite, ihre Mutter Französin, die Mutter war allerdings zum Teil auch indischer Abstammung und so hatten alle Kinder der Familie einen verhältnismäßig dunklen Hautton, dunkle Augen und dunkle Haare.&nbsp;</p>

<p>Julias Familie war das, was man privilegiert nennen könnte. Als Angestellter der Regierung kam ihr Vater weit in der Welt rum und manche Reisen waren in der damaligen Zeit tatsächlich einigermaßen üblich, so hatten britische Angestellte in Indien oft unter dem Klima zu leiden und fingen sich allerlei unangenehme Krankheiten ein. Um die dann auszukurieren, zog man auch gerne nach ein paar Jahren Dienst in Indien mit der gesamten Familie nach Südafrika. So auch Julias Familie. Und hier in Südafrika trifft die damals 21-jährige Julia ihren späteren 20 Jahre älteren Ehemann, Charles Hay Cameron. Charles war zu der Zeit schon ein leitender Beamter in der britischen Kolonialverwaltung und so traf man sich nicht nur in Südafrika, sondern auch bei der Rückkehr nach Kalkutta wieder und zwei Jahre später kam es dann auch zu Hochzeit.&nbsp;</p>

<p>Es ist aber nicht nur ihr späterer Ehemann, den Julia zu der Zeit in Südafrika trifft. Sie lernt außerdem den wahrscheinlich berühmtesten Wissenschaftler der damaligen Zeit, Sir John Herschel kennen und freundet sich mit ihm an. Sie wird ihn später ihren Lehrer und Hohepriester nennen. Und Sir John Herschel ist unter anderem eine der wichtigsten Figuren in der Entwicklung der Fotografie. Er ist fasziniert von den lichtempfindlichen Eigenschaften verschiedenster Chemikalien und forscht an Mitteln und Wegen, wie er die Aufnahmen des Sternenhimmels festhalten könnte. Und so inspiriert Herschel später auch zum Beispiel Henry Fox Talbot und inspiriert <a "/tags/anna-atkins.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="3" title="Anna Atkins">Anna Atkins</a>, von der wir auch schon in diesem Podcast erzählt haben, dazu, der Welt erstes fotografisches Buch zu machen.&nbsp;</p>

<p>Überhaupt, finde ich, ist es sehr auffällig, dass die Welt damals fotografisch gesehen recht klein war. Die ersten Pioniere und Pionierinnen dieses noch ganz jungen Mediums schienen sich alle untereinander zu kennen. Als sich die beiden Sir John Herschel und Julia Margaret Cameron kennenlernen, existiert die Fotografie noch gar nicht. In Frankreich forscht Louis <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> an einer Möglichkeit, Bilder permanent zu fixieren und in Großbritannien ist Henry Fox Talbot daran, beide sind aber noch mehrere Jahre vom Durchbruch entfernt.</p>

<p>Julia und ihr Mann jedenfalls ziehen wieder zurück nach Kalkutta und die Dinge stehen hervorragend. Der neu berufene Gouverneur Indiens verzichtet darauf, seine Frau mitzubringen und Julia, die sowieso kein Problem hat, in den gehobenen Gesellschaftsschichten der damaligen britischen Kolonien frei zu navigieren, wird mit gerade mal 30 Jahren zur offiziellen Hostess des Gouverneurs. Fünf Jahre lang wird sie also in seinem Auftrag Feste planen, Besuch empfangen, wichtige Gäste unterhalten und damit eine Unmenge von Persönlichkeiten kennenlernen, die sie auch später noch weiter begleiten werden.&nbsp;</p>

<p>Weil es ihrem Mann Charles allerdings im indischen Klima zunehmend schlechter geht, beschließt das Paar, nach England zurückzukehren. Was in Indien funktioniert hat, funktioniert natürlich auch in London und so dauert es nicht lang, bis Julia Margaret Cameron mit der gebildeten Elite in London nicht nur befreundet ist, sondern sich ständig mit ihnen trifft. Tea parties, offizielle Veranstaltungen, man kennt sich, man begegnet sich.&nbsp;</p>

<p>Der Lebensunterhalt der Camerons kommt damals unter anderem von Rücklagen ihres Mannes Charles, aus der Rente, die er sich erarbeitet hatte und aus einer Kaffeeplantage auf Sri Lanka. Und als Gutsbesitzer auf Sri Lanka muss man natürlich hin und wieder mal seine Ländereien besuchen, dort eventuell anstehenden Verpflichtungen nachkommen und so war Charles relativ oft unterwegs.&nbsp;</p>

<p>Es war wieder mal so eine Gelegenheit und gleichzeitig Julias 48er Geburtstag, als eine ihrer Töchter dachte, es wäre doch ganz gut, ihrer Mutter zum Geburtstag ein wenig Ablenkung zu schenken. Es darf angenommen werden, dass diese Idee nicht aus der leeren Luft entstand. Julia hatte sich wohl schon mal von Freunden zeigen lassen, wie diese faszinierende neue Technologie funktionierte. Sie hatte ja mitbekommen, wie die Fotografie erfunden und veröffentlicht wurde. Immerhin war sie schon 24, als <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> seine nach ihm benannte <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> der französischen Akademie der Wissenschaften vorstellte. Und durch Herschel bekam sie natürlich auch die großen Sprünge mit, die Henry Fox Talbot dann machte. Außerdem kannte Julia Margaret Cameron Fotografen wie Oscar Rejlander oder Lewis Carroll und hatte sich vermutlich besonders von Rejlander zeigen lassen, wie man denn Negative richtig druckt.&nbsp;</p>

<p>Aber egal wie, so genau überliefert ist das alles nicht, fest steht nur, ihre Tochter dachte, eine Kamera wäre genau das richtige Hobby für ihre Mutter. Und wir reden da natürlich immer noch von einem Verfahren, wo auf sogenannten &#8222;Wet Plates&#8220; fotografiert wurde, also Glasnegative, die man sich selber anfertigte, indem man eine bestimmte Chemikalie auf Glas strich, um dann das noch nasse Negativ in einer Kamera zu belichten und noch bevor es getrocknet ist, entsprechend zu fixieren und zu bearbeiten.&nbsp;</p>

<p>Und meine Herren, was war die Tochter richtig gelegen. Ihre Mutter war Feuer und Flamme. Ein Glasgewächshaus, das eigentlich als Hühnerstall benutzt wurde, wurde ausgeräumt und wurde Julias offizielles Fotostudio. Und ab hier waren weder Bedienstete, noch Verwandte, noch Freunde vor ihrer Kamera sicher. Julia hatte ein sehr erlesenes Netzwerk und diverse zur Viktorianischen Zeit in Großbritannien berühmten Maler oder Poeten saßen irgendwann mal Modell für sie.&nbsp;</p>

<p>Und sie machte Fotos, die sonst keiner so machte. Die Malerei im Viktorianischen Zeitalter war von den sogenannten Präraffaeliten geprägt. Das war eine Gruppe britischer Maler, die zur damaligen Zeit die Renaissancemalerei Italiens wiederentdeckt hatte. Die Gemälde waren kräftig koloriert, hatten viele Details und vor allen Dingen auch viel Symbolik. Und Julia nahm diesen Stil auf und versuchte, entsprechend zu fotografieren.</p>

<p>Es dauerte nicht lange und sie hatte den Ruf der ungeduldigen Perfektionistin. Besonders oft mussten Teenager und Kinder in ihrer Umgebung darunter leiden, denn Spaß hat es sicher nicht gemacht, mehrere Minuten lang in einer Position auszuhalten, damit die Frau Mama oder die Herrin des Hauses ihr Bild in den Kasten bekommt. In relativ vielen ihrer Bilder sind Teenager oder Kinder zu sehen und ich finde es irgendwie witzig, dass die eigentlich irgendwie immer genervt aussehen. Ich versuche, mir dann auszumalen, wie diese Fotositzungen wohl abgelaufen sein müssen.</p>

<p>Fängt Julia am Anfang noch aus Leidenschaft und als Hobby mit der Fotografie an, reicht ihr das schnell nicht mehr. Sie nutzt ihr Netzwerk, um Ausstellungen zu organisieren und ihre Bilder werden verglichen und diskutiert. Julia Margaret Cameron dürfte die erste Fotografin sein, die das, was wir heute &#8222;Close Ups&#8220; nennen, gemacht hat. Manche ihrer Portraits sind aus nächster Nähe aufgenommen worden, man kann jedes Detail im Bild sehen, also, in den scharfen Teilen des Bildes. Und das ist für die damalige Zeit alleine schon ungewöhnlich genug. Allegorien in Bildern, auch das ist nicht besonders häufig, und absichtliche Unschärfe, ja, das gab es praktisch nie. Und trotzdem stellt Julia aus und trotzdem macht sie sich einen Namen und trotzdem ist sie zur damaligen Zeit in kürzester Zeit eine berühmte und etablierte Fotografin.&nbsp;</p>

<p>Sie nimmt diverse Aufträge an, illustriert Gedichte, aber so richtig kommerziell wird ihre Fotografie nie. Und das, obwohl ihre Familie so ganz allmählich in finanzielle Nöte gerät. Es ist schwer zu sagen, ob sie vielleicht die Hoffnung hatte, mit der Fotografie letztlich irgendwann ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, denn 1875, auf dem Höhepunkt von Julias Karriere, beschließen sie und Charles relativ plötzlich, ihr Zuhause in England zu verlassen und zurück nach Sri Lanka zu reisen. Dort wird sie nur noch sehr, sehr wenig fotografieren und vier Jahre später dann auch sterben.&nbsp;</p>

<p>Es ist das Jahr 1879, als sie stirbt, und angeblich war &#8222;beauty&#8220;, das englische Wort für Schönheit, das letzte Wort, was sie gesagt haben soll. Ein recht passendes letztes Wort für eine Frau, die ihr ganzes Leben versucht hat, Schönheit festzuhalten und mit Fotografie auszudrücken.</p>

<p>Wenn man sich mit der Geschichte der Fotografie beschäftigt, führt um Julia Margaret Cameron einfach kein Weg außen herum. Sie hat nicht nur das &#8222;Close Up&#8220; und die künstlerisch inspirierte Fotografie mit erfunden, einige der berühmtesten Portraits der damaligen Zeit stammen aus ihrer Kamera. Und es war ihre Leidenschaft für Kunst, Schönheit und die Fotografie, die der Fotografie als Kunstform den Weg geebnet hat.</p>]]></content:encoded>
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            <pubDate>Sat, 18 Sep 2021 13:11:38 GMT</pubDate>
            <description>Am 13. September 1962 wollte der Fotograf Jim Meads eigentlich ein Familienfoto mit Kampfjet aufnehmen, schoss dann aber ein legendäres Bild mit dem niemand hätte rechnen können.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Am 13. September 1962 wollte der Fotograf Jim Meads eigentlich ein Familienfoto mit Kampfjet aufnehmen, schoss dann aber ein legendäres Bild mit dem niemand hätte rechnen können. Dieser Mann hat nie vergessen, was er hier sah The Story Behind an Unbelievable Photograph Punktlandung (Spiegel Geschichte) Zeitungsbericht im Eugene Register-Guard Transkript Einer der besten Ratschläge, den man Fotografinnen und Fotografen geben kann, ist, die Kamera immer dabei und bereitzuhaben, denn man weiß eigentlich nie, wann sich die Gelegenheit zu einem spektakulären Foto ergibt. Als Jim Meads am 13. September 1962 mit seinen zweijährigen und dreijährigen Söhnen unterwegs war, hatte er die Kamera allerdings nicht zufällig dabei, sondern hatte die Absicht, ein spektakuläres Familienfoto zu machen. Der Brite wohnte in der Nähe eines Flughafens der Airforce und die arbeitete zu der Zeit an einem Hochgeschwindigkeitskampfjet. Sein Nachbar war der Pilot Bob Sowray und der hatte ihm gesteckt, dass er am darauffolgenden Tag eine dieser Wundermaschinen testfliegen durfte. Und die English Electric Lightning F1 war ein big deal, das war zu der Zeit die einzige Kampfmaschine in Großbritannien, die schneller als Mach 2 fliegen konnte, also zweifache Schallgeschwindigkeit beherrschte. Außerdem konnte dieses Kampfflugzeug praktisch vertikal starten, sobald sie also eine gewisse Flughöhe erreicht hatte, konnte sie die Nase in den Himmel drehen und wie eine Rakete an Höhe gewinnen. Jim Meads wusste also, diese Maschine würde am darauffolgenden Tag in seiner Nachbarschaft starten und landen und da wollte er ein Familienfoto mit seinen zwei Jungs, die damals zwei und drei waren, machen. Kleinkinder, die mit offenem Mund ein landendes Kampfflugzeug bestaunen, wenn man das richtig macht, stelle ich mir das süß vor. Er stapft an jenem 19. September 1962 also mit Kamera und Kindern querfeldein, um möglichst nah an das Flugfeld zu kommen. Es war inzwischen zu ein paar Änderungen gekommen und es war nicht mehr sein Nachbar, der am Steuer dieses Flugzeugs sitzen würde, sondern ein hoch respektierter, berühmter Testpilot, der einen Vorführflug mit dieser Maschine jetzt nun machen sollte. Während sich der Testpilot auf dem Startlandefeld bereitmacht und Jim mit seinen Kindern über den Acker stapft, mäht ein dritter, Mick Sutterby, zu dem Zeitpunkt 23 Jahre alt, die Wiese, über die Jim versucht, in die Nähe der Startlandebahn zu kommen. Er hatte einen Hilfsjob angenommen und hatte den Auftrag, die Wiesen rund um den Flughafen zu mähen. Und die Familie, die da über diese Wiese stapfte, die war nicht nur im Weg, sondern Mick wusste auch: Die hatten da eigentlich nichts verloren. Also nahm Mick sich vor, die Familie zu verscheuchen, sobald er in die Nähe kam. Er hielt sowieso gerade mit seinem Traktor in die Richtung, passte also. Während er das so dachte, hob hinter ihm die Lightning ab und Jim, der Fotograf, machte sich bereit fürs Foto. Es war ein Prototyp, eine von gerade mal 20 Maschinen, die zu der Zeit in Großbritannien getestet wurde. Trotzdem rechnete der Testpilot George Aird eigentlich nicht mit Problemen. Er hatte gerade seine ersten Vorführmanöver abgeschlossen und wollte mit dem Flieger zur Landung ansetzen, als aus seiner leckenden Treibstoffleitung austretendes Kerosin Feuer fing und relativ schnell die Steuersysteme verbrannte. George hoffte, dass er den Flieger trotzdem noch herunterbringen könnte. Er war in 30 Metern Höhe, als er endgültig die Kontrolle über die Maschine verlor und sie sich erst in die Höhe und dann mit der Nase Richtung Boden richtete. 30 Meter Höhe, 200 Stundenkilometer, die Nase auf den Boden gerichtet, ganz schlechte Kombination für einen Kampfpiloten. George Aird war trainiert und er reagierte genau richtig: Er zog sofort den Schleudersitz. Jim war zu der Zeit eigentlich schon ready. Er hatte seine Kinder drapiert, er hatte die Kamera im Anschlag, al</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Am 13. September 1962 wollte der Fotograf Jim Meads eigentlich ein Familienfoto mit Kampfjet aufnehmen, schoss dann aber ein legendäres Bild mit dem niemand hätte rechnen können. </p>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Einer der besten Ratschläge, den man <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen geben kann, ist, die Kamera immer dabei und bereitzuhaben, denn man weiß eigentlich nie, wann sich die Gelegenheit zu einem spektakulären Foto ergibt.</p>

<p>Als Jim Meads am 13. September 1962 mit seinen zweijährigen und dreijährigen Söhnen unterwegs war, hatte er die Kamera allerdings nicht zufällig dabei, sondern hatte die Absicht, ein spektakuläres Familienfoto zu machen. Der Brite wohnte in der Nähe eines Flughafens der Airforce und die arbeitete zu der Zeit an einem Hochgeschwindigkeitskampfjet. Sein Nachbar war der Pilot Bob Sowray und der hatte ihm gesteckt, dass er am darauffolgenden Tag eine dieser Wundermaschinen testfliegen durfte.</p>

<p>Und die English Electric Lightning F1 war ein big deal, das war zu der Zeit die einzige Kampfmaschine in Großbritannien, die schneller als Mach 2 fliegen konnte, also zweifache Schallgeschwindigkeit beherrschte. Außerdem konnte dieses Kampfflugzeug praktisch vertikal starten, sobald sie also eine gewisse Flughöhe erreicht hatte, konnte sie die Nase in den Himmel drehen und wie eine Rakete an Höhe gewinnen.</p>

<p>Jim Meads wusste also, diese Maschine würde am darauffolgenden Tag in seiner Nachbarschaft starten und landen und da wollte er ein Familienfoto mit seinen zwei Jungs, die damals zwei und drei waren, machen. Kleinkinder, die mit offenem Mund ein landendes Kampfflugzeug bestaunen, wenn man das richtig macht, stelle ich mir das süß vor.</p>

<p>Er stapft an jenem 19. September 1962 also mit Kamera und Kindern querfeldein, um möglichst nah an das Flugfeld zu kommen. Es war inzwischen zu ein paar Änderungen gekommen und es war nicht mehr sein Nachbar, der am Steuer dieses Flugzeugs sitzen würde, sondern ein hoch respektierter, berühmter Testpilot, der einen Vorführflug mit dieser Maschine jetzt nun machen sollte.</p>

<p>Während sich der Testpilot auf dem Startlandefeld bereitmacht und Jim mit seinen Kindern über den Acker stapft, mäht ein dritter, Mick Sutterby, zu dem Zeitpunkt 23 Jahre alt, die Wiese, über die Jim versucht, in die Nähe der Startlandebahn zu kommen. Er hatte einen Hilfsjob angenommen und hatte den Auftrag, die Wiesen rund um den Flughafen zu mähen. Und die Familie, die da über diese Wiese stapfte, die war nicht nur im Weg, sondern Mick wusste auch: Die hatten da eigentlich nichts verloren. Also nahm Mick sich vor, die Familie zu verscheuchen, sobald er in die Nähe kam. Er hielt sowieso gerade mit seinem Traktor in die Richtung, passte also.</p>

<p>Während er das so dachte, hob hinter ihm die Lightning ab und Jim, der Fotograf, machte sich bereit fürs Foto. Es war ein Prototyp, eine von gerade mal 20 Maschinen, die zu der Zeit in Großbritannien getestet wurde. Trotzdem rechnete der Testpilot George Aird eigentlich nicht mit Problemen. Er hatte gerade seine ersten Vorführmanöver abgeschlossen und wollte mit dem Flieger zur Landung ansetzen, als aus seiner leckenden Treibstoffleitung austretendes Kerosin Feuer fing und relativ schnell die Steuersysteme verbrannte. George hoffte, dass er den Flieger trotzdem noch herunterbringen könnte.</p>

<p>Er war in 30 Metern Höhe, als er endgültig die Kontrolle über die Maschine verlor und sie sich erst in die Höhe und dann mit der Nase Richtung Boden richtete. 30 Meter Höhe, 200 Stundenkilometer, die Nase auf den Boden gerichtet, ganz schlechte Kombination für einen Kampfpiloten. George Aird war trainiert und er reagierte genau richtig: Er zog sofort den Schleudersitz.</p>

<p>Jim war zu der Zeit eigentlich schon ready. Er hatte seine Kinder drapiert, er hatte die Kamera im Anschlag, als er sah, dass irgendwas schiefgeht. Allerdings bemerkte er auch, dass Mick Sutterby mit seinem Traktor auf sein Bild zufuhr und eigentlich schon im Begriff war, die Komposition zu ruinieren.</p>

<p>Und dann geht alles ganz schnell. Die Maschine beginnt, seltsam zu klingen und zu rauchen, geht in Trudeln über und als Mick das auf seinem Traktor hört, richtet er sich auf, sieht sich um und blickt auf eine unglaubliche Szene.</p>

<p>Jim hingegen hatte die Kamera sowieso schon in der Hand. Sein Bild zeigt einen direkt auf den Boden zusteuernden Kampfjet, den ungefähr in 30 Metern Höhe gerade aus der Maschine geschleuderten Kampfpiloten, einen Traktor und den auf dem Traktor entsetzt zum Flieger schauenden Mick.</p>

<p>Was für eine Aufnahme. Mick erzählt später, dass es gar nicht zu einer Explosion gekommen war, als die Maschine auf dem Boden aufschlug, es hat nur ein lautes &#8222;Wuff!&#8220; gemacht und dann war es um die Maschine geschehen.</p>

<p>George Aird hatte auch Glück. Eigentlich war die Höhe nicht mehr ausreichend, um sicher auszusteigen. Er durchschlug das Dach eines Gewächshauses, wurde beim Aufprall bewusstlos und wachte dann durch die einsetzende Sprinkleranlage auf. Er hatte zwar zwei gebrochene Beine, aber die würden heilen. Er sagt später, dass er zuerst gedacht hat, er wäre im Himmel, denn aus seiner Perspektive war er von lauter Pflanzen umgeben und blickte in den Himmel, aus dem es irgendwie nass zu regnen schien, denn die Sprinkleranlage hatte gerade eingesetzt.</p>

<p>Und Jim hatte ein sensationelles Foto geschossen, zwar ohne seine Söhne, aber dafür mit einem abstürzenden Kampfjet, Sekunden vor dem Aufprall, und dem, was Fotograf*innen &#8222;Foreground Interest&#8220; nennen würden, also dem Traktor mit dem verdutzt zurückschauenden Mick im Bild. Alles Zufall, Glück, aber eine großartige Komposition und ein toller Schnappschuss.</p>

<p>Den Jim dann erstmal niemandem zeigen durfte. Die British Army konfisziert das Bild, zumindest so lange, wie der Absturz untersucht wird, hat er niemandem davon zu erzählen und dieses Bild auch niemandem sonst zu zeigen.</p>

<p>Als er das Bild letztlich dann zurückbekommt, versucht er, es an die Presse zu verkaufen. Die Zeitung &#8222;Daily Mail&#8220; lehnt den Kauf des Bildes ab, das wäre ja wohl offensichtlich eine Bildmanipulation, das kann niemals echt sein. Aber Jim lässt sich nicht entmutigen und fragt andere Zeitungen an und schließlich kauft der &#8222;Daily Mirror&#8220; für knapp umgerechnet 22000 Euro die Rechte an dem Bild.</p>

<p>Das war also ein Familienschnappschuss, der sich durchaus gelohnt hat. Und ich vermute mal, Jim hat dieser Aufnahme einen Ehrenplatz in seinem Familienalbum eingeräumt.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Der fallende Mann</title>
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            <pubDate>Sat, 11 Sep 2021 15:33:36 GMT</pubDate>
            <description>Der Terroranschlag vom 11. September 2001 ist vermutlich der meistfotografierte Anschlag aller Zeiten und es gibt eine Unmenge ikonischer Aufnahmen dieses Tages.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Der Terroranschlag vom 11. September 2001 ist vermutlich der meistfotografierte Anschlag aller Zeiten und es gibt eine Unmenge ikonischer Aufnahmen dieses Tages. Aber ein Bild sticht heraus und war zur Zeit seiner Veröffentlichung so kontrovers dass es danach mehrere Jahre im Giftschrank der Presseagenturen verschwand. Richard Drew (Wikipedia) Terroranschläge am 11. September 2001 (Wikipedia) Richard Drew (The Digital Journalist) The Falling Man (Wikipedia) The Falling Man – an unforgettable story. (Esquire) Richard Drew Interviews i m B&amp;H Photography Podcast Transkript Wenn ich gerade hier so sitze und in dieses Mikrofon spreche, sehe ich bequem das Display meines Telefons. Es zeigt mir das aktuelle Datum, es ist der 11. September 2021 – 20 Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center. Das Datum ist natürlich offensichtlich etwas Besonderes: Überall laufen gerade Dokus und die meisten von uns wissen ganz genau, wo sie waren, als sie von den Anschlägen erfahren haben. Ich bin da keine Ausnahme, ganz besonders deswegen nicht, weil ich näher an diesen Türmen war, als mir lieb war, ich war nämlich in Queens. In Sichtweite der zu dem Zeitpunkt schon brennenden Türme. Aber ich verkneife mir jetzt mal, hier im Podcast darüber zu sprechen, was ich an dem Tag erlebt hab. Erstaunlicherweise habe ich auch keine Fotos davon in meinem Archiv. Ich habe nicht fotografiert. Stattdessen möchte ich allgemein über die Fotografie vom 11. September und speziell über ein ganz besonderes Bild sprechen: Eine Aufnahme, die so kontrovers war, dass sich Bildredakteure nach ihrer Veröffentlichung dafür entschuldigten und mehrere Jahre lang stillschweigend die Absprache trafen, dieses Bild nicht mehr einzusetzen. [Einspieler] (Tagesschau Intro) „Kurz vor neun Uhr Ortszeit in New York: Ein US-Passagierflugzeug stürzt auf einen der Türme des World Trade Centers. Wenig später rast eine zweite Maschine in den anderen Turm. Beide Gebäude stürzen kurze Zeit später nacheinander in sich zusammen. Gegen zehn Uhr stürzt ein Flugzeug auf das Gelände des Pentagon in Washington. Das Verteidigungsministerium geht teilweise in Flammen auf.“ Ich kann jetzt natürlich eine Menge Plattitüden absondern. Ich kann erklären, wie diese Anschläge selbstverständlich die Welt verändert haben. Die größten Anschläge auf amerikanischem Boden. Die Amerikaner waren auf ihrem eigenen Grund und Boden angegriffen worden, das war etwas, das ihnen bis dahin komplett erspart geblieben war. Und die Bilder haben sich in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt. Wir haben gar keine Schwierigkeiten, uns an das World Trade Center als Gebäude zu erinnern und wir haben natürlich Bilder von den rauchenden oder den einstürzenden Türmen vor Augen. Dann ist da natürlich noch diese Aufnahme von dem schräg stehenden metallischen Fassadenstück, vor dem die Feuerwehrleute wie kleine Miniaturfiguren aussehen. Es gibt Bilder von den rauchenden Türmen in der Skyline aus Entfernung oder Aufnahmen von Menschen, die vor den plötzlich durch die Straßen rauschenden dunklen Rauch- und Staubwolken davonrennen. Ich glaube, man kann auch davon ausgehen, dass die Anschläge vom 11. September zu den best dokumentierten Anschlägen unserer Zeit gehören. Das liegt unter anderem auch an der Stadt, in der die stattfanden: New York. Zu jedem gegebenen Zeitpunkt tobt in New York das Leben und zu jedem gegebenen Zeitpunkt ist New York voll mit Pressefotografen und Journalisten, nicht zuletzt auch, weil die großen Fotoagenturen natürlich Büros und Hauptquartiere in dieser Stadt haben. Als das erste Flugzeug den ersten Tower trifft, greifen in der ganzen Stadt hunderte von professionellen Fotografinnen und Fotografen zu ihrem Equipment und stürmen auf die Straße, wenn sie nicht sowieso schon in Sichtweite auf die Anschläge sind. Vor einigen Wochen kam hier bei mir ein Päckchen an. Ich hatte bei einer Aktion mitgemacht, bei der Holger Dankelma</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Der Terroranschlag vom 11. September 2001 ist vermutlich der meistfotografierte Anschlag aller Zeiten und es gibt eine Unmenge ikonischer Aufnahmen dieses Tages. Aber ein Bild sticht heraus und war zur Zeit seiner Veröffentlichung so kontrovers dass es danach mehrere Jahre im Giftschrank der Presseagenturen verschwand.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Drew_(Fotograf)" target="_blank">Richard Drew</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Terroranschl%C3%A4ge_am_11._September_2001" target="_blank">Terroranschläge am 11. September 2001</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210521210811/http://digitaljournalist.org/issue0110/drew.htm" target="_blank">Richard Drew</a> (The Digital Journalist)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_Falling_Man" target="_blank">The Falling Man</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.esquire.com/news-politics/a48031/the-falling-man-tom-junod/" target="_blank">The Falling Man &#8211; an unforgettable story.</a> (Esquire)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://bhphotopodcast.libsyn.com/size/5/?search=richard+drew" target="_blank">Richard Drew Interviews i</a><a href="https://bhphotopodcast.libsyn.com/size/5/?search=richard+drew" target="_blank" rel="noreferrer noopener">m</a><a rel="noreferrer noopener" href="https://bhphotopodcast.libsyn.com/size/5/?search=richard+drew" target="_blank"> B&amp;H Photography Podcast</a></li></ul>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Wenn ich gerade hier so sitze und in dieses Mikrofon spreche, sehe ich bequem das Display meines Telefons. Es zeigt mir das aktuelle Datum, es ist der 11. September 2021 &#8211; 20 Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center. Das Datum ist natürlich offensichtlich etwas Besonderes: Überall laufen gerade Dokus und die meisten von uns wissen ganz genau, wo sie waren, als sie von den Anschlägen erfahren haben. Ich bin da keine Ausnahme, ganz besonders deswegen nicht, weil ich näher an diesen Türmen war, als mir lieb war, ich war nämlich in Queens. In Sichtweite der zu dem Zeitpunkt schon brennenden Türme.</p>

<p>Aber ich verkneife mir jetzt mal, hier im Podcast darüber zu sprechen, was ich an dem Tag erlebt hab. Erstaunlicherweise habe ich auch keine Fotos davon in meinem Archiv. Ich habe nicht fotografiert. Stattdessen möchte ich allgemein über die Fotografie vom 11. September und speziell über ein ganz besonderes Bild sprechen: Eine Aufnahme, die so kontrovers war, dass sich Bildredakteure nach ihrer Veröffentlichung dafür entschuldigten und mehrere Jahre lang stillschweigend die Absprache trafen, dieses Bild nicht mehr einzusetzen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>(Tagesschau Intro)</p>

<p>&#8222;Kurz vor neun Uhr Ortszeit in New York: Ein US-Passagierflugzeug stürzt auf einen der Türme des World Trade Centers. Wenig später rast eine zweite Maschine in den anderen Turm. Beide Gebäude stürzen kurze Zeit später nacheinander in sich zusammen. Gegen zehn Uhr stürzt ein Flugzeug auf das Gelände des Pentagon in Washington. Das Verteidigungsministerium geht teilweise in Flammen auf.&#8220;</p>

<p>Ich kann jetzt natürlich eine Menge Plattitüden absondern. Ich kann erklären, wie diese Anschläge selbstverständlich die Welt verändert haben. Die größten Anschläge auf amerikanischem Boden. Die Amerikaner waren auf ihrem eigenen Grund und Boden angegriffen worden, das war etwas, das ihnen bis dahin komplett erspart geblieben war. Und die Bilder haben sich in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt. Wir haben gar keine Schwierigkeiten, uns an das World Trade Center als Gebäude zu erinnern und wir haben natürlich Bilder von den rauchenden oder den einstürzenden Türmen vor Augen. Dann ist da natürlich noch diese Aufnahme von dem schräg stehenden metallischen Fassadenstück, vor dem die Feuerwehrleute wie kleine Miniaturfiguren aussehen. Es gibt Bilder von den rauchenden Türmen in der Skyline aus Entfernung oder Aufnahmen von Menschen, die vor den plötzlich durch die Straßen rauschenden dunklen Rauch- und Staubwolken davonrennen.</p>

<p>Ich glaube, man kann auch davon ausgehen, dass die Anschläge vom 11. September zu den best dokumentierten Anschlägen unserer Zeit gehören. Das liegt unter anderem auch an der Stadt, in der die stattfanden: New York. Zu jedem gegebenen Zeitpunkt tobt in New York das Leben und zu jedem gegebenen Zeitpunkt ist New York voll mit Pressefotografen und Journalisten, nicht zuletzt auch, weil die großen Fotoagenturen natürlich Büros und Hauptquartiere in dieser Stadt haben. Als das erste Flugzeug den ersten Tower trifft, greifen in der ganzen Stadt hunderte von professionellen <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen zu ihrem Equipment und stürmen auf die Straße, wenn sie nicht sowieso schon in Sichtweite auf die Anschläge sind.</p>

<p>Vor einigen Wochen kam hier bei mir ein Päckchen an. Ich hatte bei einer Aktion mitgemacht, bei der Holger Dankelmann, seines Zeichens Podcaster und Fotograf, Fotobildbände in einer Art Kettenbrief rumschickte. Die Idee war, ein Päckchen mit Bildbänden zu bekommen, dort dann einzelne Bücher rauszunehmen, dafür andere Bücher beizusteuern und es wieder zum nächsten Empfänger auf die Reise zu schicken. Als das Paket bei mir ankam, enthielt es unter anderem einen Bildband der Fotoagentur Magnum, in der die Magnumfotografinnen und -fotografen ihre Aufnahmen vom 11. September zusammengetragen hatten. Und dann waren natürlich noch Unmengen von Touristen in der Stadt, die auch alle fotografierten.</p>

<p>2001 war eine Zeit im Umbruch. Nicht alle fotografierten auf Film. Manche hatten schon digitale Kameras, zumindest, wenn sie Fotografen bei Bildagenturen wie Associated Press waren. Generell gab es aber noch beides: Film und Digital existierte nebeneinander. Der Fotograf Richard Drew war einer der Digitalpioniere. An diesem Morgen hatte er von Associated Press den Auftrag bekommen, im Rahmen der auch gerade stattfindenden Fashion Week ein Fashion-Event zu dokumentieren.&nbsp;</p>

<p>Das Ganze hatte gerade angefangen, er hatte die ersten Fotos gemacht, als die Telefone anfingen zu klingeln und er von seinem Büro kontaktiert wurde, mit der Nachricht, es hätte einen Terroranschlag in der Stadt gegeben und es gäbe jetzt eine Änderung seiner Pläne, er soll nämlich los und die Ereignisse dokumentieren. Er nimmt also die Fashion Week Karte aus der Kamera, steckt die nächste Karte ein und macht sich auf den Weg zum World Trade Center.</p>

<p>Richard Drew war ein Veteran. Er war zu dem Zeitpunkt über 50 Jahre alt und man kannte ihn als einer von vier Fotografen, die bei der Ermordung Robert Kennedys zufällig fort gewesen waren. Er war außerdem Pulitzer-Preisträger und seit seinen 20ern immer als Pressefotograf unterwegs. So jemand fragt nicht, ob er etwas fotografieren soll, so jemand macht sich auf den Weg, um mit seiner Kamera History in the Making zu dokumentieren.</p>

<p>Ich habe verschiedene Interviews von <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen zu dem Ereignis gehört. Sie alle sagen in etwa dasselbe. Es sind nämlich Momente wie diese, für die sie <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen geworden sind. Ereignisse, die dokumentiert werden müssen, die geradezu danach schreien, dokumentiert zu werden. Da gibt es die, die sich auf die Menschen am Boden konzentrieren und die Emotionen und die Gefühle einfangen. Da gibt es diejenigen, die auf die Türme draufhalten oder die Rettungskräfte bei ihrer Arbeit fotografieren.</p>

<p>Richard stellt fest, dass er sowieso schon sehr nah am Geschehen ist und macht sich auf den Weg Richtung Türme. Dabei fotografiert er alles, was ihm vor die Kamera kommt. Er schlängelt sich durch die Straßen Manhattans immer näher an das World Trade Center heran und vermeidet dabei besonders, die Einsatzkräfte zu blockieren oder in die Arme der Polizei zu laufen, aus Angst heraus, er könnte dann abgewiesen und weggeschickt werden. Und er kommt ziemlich nah an die Gebäude heran, er hat einen unverstellten Blick auf die Gebäude. Was ihm beinahe das Leben kostet, als der erste Turm anfängt, in sich zusammenzustürzen.</p>

<p>Es ist ein zufällig auch in der Nähe stehender Passant, der die Gefahr schneller erkennt als Richard, ihn packt und in eine Seitenstraße zieht. Richard läuft zunächst ein Stück weg vom Ort des Geschehens, aber nur, um in einem Bogen wieder an den Sicherheitskräften vorbei in die Nähe der Türme zu gehen. Er rechnet damit, dass auch der zweite Turm in sich zusammenstürzen wird.</p>

<p>Und er nimmt seinen Auftrag ernst. Er ist als <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalist</a> vor Ort und hat die Verpflichtung, die Ereignisse festzuhalten. Als Polizisten in seine Richtung laufen, versteckt er sich geistesgegenwärtig zwischen Büschen und läuft, kaum, dass sie an ihm vorbei waren, weiter Richtung Terroranschlag. Er ist so weit weg von den Türmen, dass er nicht sehen kann, was am Boden geschieht. Es ist mindestens eine Häuserfront zwischen ihm und dem Geschehen, aber er hat freien Blick auf die World Trade Center Türme.</p>

<p>Und da spielen sich schreckliche Szenen ab. Es gibt Videoaufnahmen und Fotografien von Menschen, die aus den Türmen springen oder herausgerissen werden, das weiß man nicht so genau. Durch die Brände, die in den Hochhäusern herrschen, mag es zum Teil stürmische Verhältnisse geben. Oder die Menschen werden von kleineren Explosionen und Druckwellen aus den Fenstern gedrückt. Manche sehen vielleicht auch die Ereignisse kommen und denken sich, dass ein selbstbestimmter Sprung besser ist, als abzuwarten, was passiert.</p>

<p>Richard fotografiert auch hier. Mit Serienbildaufnahmen. Und es ist eine solche Aufnahme aus einer Fotoreihe bestehend aus neun Bildern um 9:41 Uhr und 15 Sekunden, die bis heute als sein berühmtestes Bild gilt. Es ist eine ungewöhnlich ruhige Aufnahme. Sie zeigt die Fassade des World Trade Centers, gleichmäßige, nach oben ziehende Linien, und einen Menschen, der parallel zu ihr Richtung Boden fällt. Man sieht nicht den Boden, man sieht nicht, woher dieser Mensch kommt, man sieht, dass er erstaunlich ruhig zu sein scheint. Später gibt es Versuche, herauszufinden, wer dieser Mann war, und man glaubt, im Wesentlichen auf zwei mögliche Personen eingegrenzt zu haben, wer auf diesem Bild eventuell zu sehen ist.</p>

<p>Die Aufnahme wird von der New York Times auf Seite sieben gedruckt, andere große Tageszeitungen am nächsten Tag veröffentlichen vollflächige Abdrucke dieses Bildes auf der Rückseite ihrer Zeitungen. Und sie alle ernten einen Aufschrei der Empörung. Dieses Bild zeigt schließlich jemanden im Augenblick des Todes, jemanden, der fällt, jemanden, der dem sicheren Ende entgegenfällt, die letzten Sekunden. Es gibt das Gerücht, dass Menschen, die aus so großer Höhe abstürzen, während dem Sturz wahrscheinlich das Bewusstsein verlieren oder sterben, aber das weiß niemand. Auch die Vorstellung, dass die Person eventuell selbstbestimmt gesprungen ist, ist kontrovers. Man hat ja zwei Personen als mögliche Identität identifiziert und einer davon stammt aus einer hochreligiösen Familie, einer Familie also, die es unvorstellbar findet, dass der Familienvater eventuell den Freitod gewählt haben soll. Eine Todsünde nach streng religiösen Ansichten.</p>

<p>Und der Aufschrei ist auch noch aus anderen Gründen wirklich seltsam. Wir reden hier immerhin von amerikanischem <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Bildjournalismus</a>. Das sind dieselben Zeitungen, die überhaupt gar kein Problem damit haben, zerbombte Städte in anderen Ländern abzudrucken und durch deren Arbeit Bilder wie zum Beispiel das berühmte &#8222;<a "/posts/das-ultimative-anti-kriegs-bild.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="51" title="Nick Út">Napalm Girl</a>&#8220; weltbekannt wurden. All diese Bilder sind selbstverständlich im allgemeinen Interesse. Kaum, dass das Bild aber jemanden zeigt, der eventuell ein Nachbar gewesen sein könnte, kaum, dass das Bild eine Aufnahme zeigt, in die sich die Betrachterinnen und Betrachter hineinversetzen können und sich die Frage stellen können, wie sie in einer ähnlichen Situation gehandelt hätten, kaum, dass es jemanden von uns zeigt, bricht das Bild angeblich mit ethischen Konventionen.</p>

<p>Und wenn man darüber nachdenkt, wird noch etwas anderes auffällig. Es gibt nämlich vom 11. September keine Bilder von Opfern. Direkt am Ort der Einsturzstelle wird das natürlich damit erklärt, dass die unter Tonnen von Material vergraben sind und zum Teil einfach auch nicht mehr sichtbar, aber das sind ja auch nicht die einzigen Opfer. Wir machen uns keine Vorstellung davon, wie viele Opfer es auch am Boden gegeben hat. Herabstürzende Bauteile, die in Autos eingeschlagen sind. Umstehende Gebäude, deren Fronten eingedrückt wurden. Menschen, denen Dinge während dem Chaos um diese Terrorstelle herum etwas zugestoßen ist. Und da ist es schon interessant, dass eine ganze Reihe professioneller Fotografinnen und Fotografen Ground Zero Fotos gemacht haben und trotzdem kaum entsprechend explizites Material zu sehen ist.</p>

<p>Aber es gibt diese Videos und es gibt dieses eine Bild, &#8222;The Falling Man&#8220;. Seit diesem Foto wird Richard Drew praktisch zu jedem größeren Jubiläum von 9/11 zu Interviews gebeten und er erzählt immer wieder, wie es zu diesem Bild kam. Die neun Fotos, die er gemacht hat, von denen acht chaotisch aussehen und dieses eine Bild zeigt jemanden in einer vermeintlich völlig ruhigen Position. Ein Foto, das die Menschen nachdenklich machte und aufwühlt und wegen seiner Einfachheit so beeindruckend ist.</p>

<p>Im 9/11 Memorial, der Gedenkstätte also, wurde dem fallenden Menschen ein eigener Raum gewidmet. Dort werden Fotos und Videos von ihnen gezeigt und um die zu sehen, muss man den Kopf in den Nacken legen, sodass man ähnlich steht, wie man gestanden hätte, wenn man diese Aufnahmen selbst gemacht hätte. Ein sehr eigentümliches Gefühl und ein Gedanke, der mich aufwühlt. Während ich mir ein völlig ruhiges und scheinbar gewaltloses Bild ansehe.</p>

<p>Die Bilddokumentation vom 11. September ist faszinierend, besonders, wenn man sie mit dem vergleicht, was wir von anderen Krisenherden und Kriegs- oder Terrorschauplätzen kennen. Da wird, finde ich, sehr schnell deutlich, dass in den meisten Krisen die Dokumentierenden, also die Fotografinnen und Fotografen, unbeteiligt sind. Und dass sich die Perspektive und die Fotografien dramatisch ändern, sobald die Menschen direkt betroffen sind. Vielleicht gilt das aber auch nur für die einzigartigen Umstände beim 11. September, bei dem die Leute nicht nur direkt betroffen waren, sondern auch die Umstände an sich ausgesprochen ungewöhnlich waren. Vielleicht stimmt ja, was Richard Drew in einem Interview gesagt hat, dass es deswegen so wenig Bilder von Opfern gab, weil es so wenig sichtbare Opfer gab.</p>

<p>Umso interessanter finde ich dann eben auch die Aufregung um dieses Bild, &#8222;The Falling Man&#8220;. Bis heute wird kontrovers diskutiert, ob das Bild überhaupt veröffentlicht werden sollte. Und es ist gerade wegen seiner Einfachheit auch ein aufwühlendes Bild. Aufwühlender als viele der ikonischen und manchmal auch viel dramatischeren Aufnahmen, die man sonst so vom 11. September 2001 sehen kann.</p>

<p>Interessant ist an dem Bild aber auch, dass es zwar von einem Profi gemacht wurde, aber im Grunde ohne bestimmte Planung. Er selbst sagt, er hat einfach draufgehalten. Er hat die Kamera in Richtung der Türme gehalten und der Rest passierte über die Serienbildfunktion seiner Kamera und den Zufall, durch den er ein Bild in genau dem richtigen Moment eingefangen hatte. Die acht anderen Bilder zeigen dieselbe Person, aber nie in einer derartigen Komposition. Nie so ruhig, nie so vermeintlich schwebend vor der Fassade, nie so in Einklang mit den stürzenden Linien. Er sagt in einem Interview, da war kein &#8222;Decisive Moment&#8220; im Spiel. Wegen seinem Job war er vor Ort. Durch sein Training hat er seine Kamera benutzt. Aber nichts an dem, wie er die Kamera benutzt hat, war in irgendeiner Form besonders.</p>

<p>Und die Kontroverse, die sah er gelassen. Er war nie im Kreuzfeuer. Der Ärger richtete sich auf die Bildredakteure, die sein Bild für Zeitungen ausgewählt hatten. Und Richard sagt, er versteht das schon irgendwie. Die Tatsache, dass die Menschen sich selbst in diese Situation denken konnten, ändert einfach, wie sie diese Bilder wahrgenommen haben. Ich frage mich allerdings seitdem, ob sie das eigentlich sollten, ob wir da nicht ganz offensichtlich mit zweierlei Maß messen.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Die Erfindung der Actioncam</title>
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            <pubDate>Thu, 02 Sep 2021 14:16:39 GMT</pubDate>
            <description>Bei dem Wort &quot;Actionkamera&quot; denkt man unweigerlich an die Marke GoPro und YouTube wäre nur halb so voll würden alle mit GoPro-Kameras aufgezeichneten Videos entfernt werden.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Bei dem Wort „Actionkamera“ denkt man unweigerlich an die Marke GoPro und YouTube wäre nur halb so voll würden alle mit GoPro-Kameras aufgezeichneten Videos entfernt werden. In dieser Folge geht es um die Gründungsgeschichte. GoPro (Wikipedia) Nick Woodman (Wikipedia, Englisch) Nick Woodman Net Worth Die geniale GoPro Geschichte in 800 Worten Nick Woodman: Das Genie hinter dem 4-Milliarden-Dollar-Erfolg von GoPro Das Erfolgsgeheimnis von Mister GoPro GoPro steigt aus dem Drohnen-Geschäft aus Transkript Nick Woodman ist ein Jahr älter als ich. Und war so ein richtiger kalifornischer Sunnyboy, irgendwie ist er eigentlich immer noch ein kalifornischer Sunnyboy, und wie man das so macht, als waschechter Kalifornier beschäftigt man sich mit Surfen, startet Unternehmen und versucht, mit Technologie die Welt zu verändern, man schafft es vielleicht auch so ein kleines, kleines Bisschen. Nick war in eine Familie mit Geschäftssinn geboren worden. Sein Vater war ein Investmentbanker, Mutter wie Vater waren gut in die Investmentszene im Silicon Valley vernetzt, die Szene also, in der Millionen an US-Dollar locker sitzen, wenn jemand mit einer guten Geschäftsidee ums Eck biegt. Oder eine schlechte Idee ziemlich gut aussehen kann. [Musikalische Einlage: Kara Square – Hanging Eleven] Nick studierte Visual Arts und Creative Writing, also weder Engineering, noch irgendein Businessthema. Und ich glaube, man kann sagen, er war von Beruf am Anfang so. In die Fußstapfen seiner Eltern tretend versuchte er sich aber auch relativ früh damit, Unternehmen zu gründen, startete zum Beispiel EmpowerAll.com, ein Unternehmen, wo er Elektronikteile verkaufen wollte. Und später dann ein Unternehmen namens FunBug, bei dem es darum ging, Geldpreise mit Spielen zu gewinnen. Beides floppte eher so. Wenn er nicht an seinen Startupideen arbeitete, verbrachte Nick jede freie Minute auf seinem Surfbrett. Nicht immer wirft er dieses Surfbrett in die Kalifornischen Gewässer: 2000 ungefähr ist er in Australien und in Indonesien auf Surftrip. Und er hätte gerne Fotos davon. Er beneidet die ganzen Profisurfer, die professionelle Kameramänner mit wasserdichtem Equipment bei sich haben, die dafür sorgen, dass sie in den Wellen gut aussehen. Amateure werden oft von Hobbyisten fotografiert und die haben dann einfache Filmkameras, die weder wasserfest sind, noch dafür geeignet, nah ranzuzoomen, ja, und deswegen sehen Surffotos von Privatleuten einfach selten spektakulär aus. Nick knipst ganz gerne mal mit den damals üblichen Point-And-Shoot-Kameras herum und hat eine Idee. Er nimmt eine einfache Kodak Kamera, bastelt ein einigermaßen dichtes Gehäuse außenherum und konstruiert ein kleines Harness, mit dem er diese Kamera an den Arm schnallen kann. Die Kamera liegt am Arm an, kann aber bei Bedarf aufgestellt werden und natürlich ist Auslösen und Bedienen ein Problem – Wenn man in den Wellen ist, hat man ja vielleicht nicht gerade die Muße, Zeit und den Überblick, um kleine Tasten zu drücken oder Rädchen zu verstellen. Und trotzdem sind die Ergebnisse sofort beeindruckend. Die Leute sind begeistert. Was eigentlich als ein kleiner Hack für sich selbst beginnt, wird schnell zu einer ausgewachsenen Geschäftsidee, denn Nick erkennt: Das könnte man verkaufen. Nick konstruiert einen Prototypen und fängt an, Geld zusammenzutragen. Will er das Ganze professionell betreiben, braucht es eine Anschubfinanzierung. Eine erste Idee tut sich noch während seiner Reise auf: In Bali begegnet ihm ein Strandverkäufer, der kleine Schmuckstücke verkauft und Nicks Freundin ist ganz hin und weg davon, wie toll diese Armbänder aussehen. Die Dinger wird man ihm daheim in Kalifornien aus den Händen reißen, denkt sich Nick, und zwar für weit mehr als die zwei Dollar, die der Strandverkäufer aufruft. Er fragt den Strandverkäufer, wie viele dieser Armbänder er ihm verkaufen könnte und fliegt mit 200 dieser Armbänder nach Hause. </itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Bei dem Wort &#8222;Actionkamera&#8220; denkt man unweigerlich an die Marke GoPro und YouTube wäre nur halb so voll würden alle mit GoPro-Kameras aufgezeichneten Videos entfernt werden. In dieser Folge geht es um die Gründungsgeschichte.  </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/GoPro" target="_blank">GoPro </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Nick_Woodman" target="_blank">Nick Woodman</a> (Wikipedia, Englisch)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://wealthygorilla.com/nick-woodman-net-worth/" target="_blank">Nick Woodman Net Worth</a></li><li><a href="https://erlebenswuerdig.de/gopro-geschichte/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die geniale GoPro Geschichte in 800 Worten</a></li><li><a href="https://web.archive.org/web/20190103005949/https://t3n.de/news/nick-woodman-genie-554468/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nick Woodman: Das Genie hinter dem 4-Milliarden-Dollar-Erfolg von GoPro</a></li><li><a href="https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article133728467/Das-Erfolgsgeheimnis-von-Mister-GoPro.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Erfolgsgeheimnis von Mister GoPro</a></li><li><a href="https://web.archive.org/web/20220404010052/https://www.azonline.de/welt/ratgeber/digitales/gopro-steigt-aus-dem-drohnen-geschaft-aus-1363866" target="_blank" rel="noreferrer noopener">GoPro steigt aus dem Drohnen-Geschäft aus</a></li></ul>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Nick Woodman ist ein Jahr älter als ich. Und war so ein richtiger kalifornischer Sunnyboy, irgendwie ist er eigentlich immer noch ein kalifornischer Sunnyboy, und wie man das so macht, als waschechter Kalifornier beschäftigt man sich mit Surfen, startet Unternehmen und versucht, mit Technologie die Welt zu verändern, man schafft es vielleicht auch so ein kleines, kleines Bisschen.</p>

<p>Nick war in eine Familie mit Geschäftssinn geboren worden. Sein Vater war ein Investmentbanker, Mutter wie Vater waren gut in die Investmentszene im Silicon Valley vernetzt, die Szene also, in der Millionen an US-Dollar locker sitzen, wenn jemand mit einer guten Geschäftsidee ums Eck biegt. Oder eine schlechte Idee ziemlich gut aussehen kann.</p>

<p>[Musikalische Einlage: Kara Square &#8211; Hanging Eleven]</p>

<p>Nick studierte Visual Arts und Creative Writing, also weder Engineering, noch irgendein Businessthema. Und ich glaube, man kann sagen, er war von Beruf am Anfang so. In die Fußstapfen seiner Eltern tretend versuchte er sich aber auch relativ früh damit, Unternehmen zu gründen, startete zum Beispiel EmpowerAll.com, ein Unternehmen, wo er Elektronikteile verkaufen wollte. Und später dann ein Unternehmen namens FunBug, bei dem es darum ging, Geldpreise mit Spielen zu gewinnen. Beides floppte eher so.</p>

<p>Wenn er nicht an seinen Startupideen arbeitete, verbrachte Nick jede freie Minute auf seinem Surfbrett. Nicht immer wirft er dieses Surfbrett in die Kalifornischen Gewässer: 2000 ungefähr ist er in Australien und in Indonesien auf Surftrip. Und er hätte gerne Fotos davon. Er beneidet die ganzen Profisurfer, die professionelle Kameramänner mit wasserdichtem Equipment bei sich haben, die dafür sorgen, dass sie in den Wellen gut aussehen. Amateure werden oft von Hobbyisten fotografiert und die haben dann einfache Filmkameras, die weder wasserfest sind, noch dafür geeignet, nah ranzuzoomen, ja, und deswegen sehen Surffotos von Privatleuten einfach selten spektakulär aus.</p>

<p>Nick knipst ganz gerne mal mit den damals üblichen Point-And-Shoot-Kameras herum und hat eine Idee. Er nimmt eine einfache <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Kamera, bastelt ein einigermaßen dichtes Gehäuse außenherum und konstruiert ein kleines Harness, mit dem er diese Kamera an den Arm schnallen kann. Die Kamera liegt am Arm an, kann aber bei Bedarf aufgestellt werden und natürlich ist Auslösen und Bedienen ein Problem &#8211; Wenn man in den Wellen ist, hat man ja vielleicht nicht gerade die Muße, Zeit und den Überblick, um kleine Tasten zu drücken oder Rädchen zu verstellen.&nbsp;</p>

<p>Und trotzdem sind die Ergebnisse sofort beeindruckend. Die Leute sind begeistert. Was eigentlich als ein kleiner Hack für sich selbst beginnt, wird schnell zu einer ausgewachsenen Geschäftsidee, denn Nick erkennt: Das könnte man verkaufen. Nick konstruiert einen Prototypen und fängt an, Geld zusammenzutragen. Will er das Ganze professionell betreiben, braucht es eine Anschubfinanzierung.&nbsp;</p>

<p>Eine erste Idee tut sich noch während seiner Reise auf: In Bali begegnet ihm ein Strandverkäufer, der kleine Schmuckstücke verkauft und Nicks Freundin ist ganz hin und weg davon, wie toll diese Armbänder aussehen. Die Dinger wird man ihm daheim in Kalifornien aus den Händen reißen, denkt sich Nick, und zwar für weit mehr als die zwei Dollar, die der Strandverkäufer aufruft. Er fragt den Strandverkäufer, wie viele dieser Armbänder er ihm verkaufen könnte und fliegt mit 200 dieser Armbänder nach Hause. Dort machen er und seine Freundin sich dann auf den Weg die Kalifornische Küste herunter und verkaufen diese Bänder für 60 Dollar das Stück. Unterm Strich verdienen sie damit über 10000 Dollar.&nbsp;</p>

<p>Mit diesen 10000 Dollarn Anschubfinanzierung taucht er jetzt bei seinen Eltern auf, zeigt denen den Prototypen, zeigt ihnen diese 10000 Dollar, die er selber beisteuert und bittet um Unterstützung. Sein Vater wirft 200000 Dollar in den Ring. Seine Mutter trägt weitere 30000 dazu bei.&nbsp;</p>

<p>Und mit 240000 lässt sich schon etwas anfangen. Nick kauft sich eine Nähmaschine, um die Harnesse zu konstruieren und macht einen Deal mit einem chinesischen Zulieferer, um Kameras zu fertigen. Sowohl die Kamera als auch das wasserfeste Gehäuse als auch das Harness sollen von dem neu gegründeten Unternehmen geliefert werden. Es folgen Verkaufsauftritte beim Fernsehsender QVC und war das Produkt am Anfang noch eine Spielerei für Hobbyisten, erregt es relativ schnell das Interesse von Semiprofis und ernsthaften Amateuren.&nbsp;</p>

<p>Und er entwickelt weiter. Die Bedienung muss vereinfacht werden, das Gehäuse muss kleiner werden, die Kamera muss kleiner werden, Film will ja weitergedreht werden und auch dafür braucht es natürlich eine entsprechende Mechanik und so wird relativ schnell klar, dass die Zukunft dieser Kamera digital sein wird.</p>

<p>Und so ist schon das dritte offizielle Produkt des Unternehmens eine Digitalkamera, eine digitale Actionkamera. Wir reden natürlich die ganze Zeit von dem einen Unternehmen, das jeder und jedem einfällt, wenn die Rede von Actionkameras ist. Ich würde sogar so weit gehen, dass eigentlich niemand Actionkamera sagt. Ähnlich, wie wir &#8222;Tempo&#8220; statt &#8222;Taschentuch&#8220; und &#8222;Uhu&#8220; statt &#8222;Klebstoff&#8220; sagen, sagt man inzwischen &#8222;GoPro&#8220; statt &#8222;Actionkamera&#8220;.&nbsp;</p>

<p>Was ursprünglich mal mit einer kleinen Knipse anfing, wurde relativ schnell zu einer ganzen Produktpalette. Spezielle Harnesse, Gehäuse, Kameras in unterschiedlichen Ausrüstungsstufen und natürlich blieb es nicht beim Fotografieren. Video wurde zur wichtigsten Funktion der GoPro Hero Kameras, die ab da dann die meistverkauften Produkte des Unternehmens waren. Und diese GoPro Hero hatte eigentlich auch nichts mehr mit den Kameras zu tun, die Nick ganz am Anfang verkaufte.&nbsp;</p>

<p>War er Anfang der 2000er aus einem VW Bus damit beschäftigt, Kameras im Wert von 3 Dollar für 30 Dollar zu verkaufen, überblickte er 2012 ein Unternehmen, das pro Quartal über 2 Millionen Kameras umsetzte. Digitalkameras, die Videostreaming über WiFi konnten, die praktisch unerschütterlich waren und die radikal veränderte, wie die Welt sich selbst und ihre Helden auf Video aufnahm.&nbsp;</p>

<p>Im Dezember 2012 dann gab das asiatische Unternehmen Foxconn bekannt, in das Unternehmen GoPro einsteigen zu wollen und kaufte fast 9% der Anteile. Der Wert des Unternehmens stieg damit schlagartig auf über 2,2 Milliarden US-Dollar und Nick Woodman, der Hauptanteilseigner des Unternehmens war, war damit über Nacht zum Milliardär geworden.&nbsp;</p>

<p>Jetzt gab es kein Halten mehr. Das Unternehmen sollte wachsen. Eine Entertainmentsparte wurde ins Leben gerufen, zu den Kameras als Kerngeschäft wollte man eben auch noch Medien verkaufen. Es ist die Zeit, in der HBO und Netflix und alle möglichen anderen Streaminganbieter um Marktanteile ringen und da wollte man bei GoPro nicht nebendran stehen. Und produzierten GoPro Nutzer nicht am laufenden Band Videomaterial? Das musste man doch irgendwie nutzen können&#8230;&nbsp;</p>

<p>Ja, konnte man nicht. Die nächste Idee war, eine GoPro Drohne auf den Markt zu bringen. Actionfilmer filmen ja auch gerne mal aus der Luft. Und Mitte der 2010er begannen Drohnen, der heiße Scheiß im Hobbyfilmbereich zu werden. Nur dachte da niemand so richtig an die GoPro Drohnen und so floppte auch diese Geschäftsidee.&nbsp;</p>

<p>Es ging auf und ab und irgendwann musste Nick Woodman anfangen, Einsparungen einzuleiten und Leute auf die Straße zu setzen. Während er sich selbst zum bestbezahlten CEO der Branche machte und über 200 Millionen Dollar auszahlte, wurde er an anderer Stelle zum schlechtesten CEO des Jahres gewählt.</p>

<p>Außerdem besannte man sich aufs Kerngeschäft: Actionkameras. Die wurden durchgehend immer gut verkauft. Auch heute noch verkauft GoPro über 600000 Kameras pro Quartal. Das muss ihnen erstmal jemand nachmachen. Und wenn man den Meldungen und Pressemitteilungen glauben darf, war sowohl 2020 als auch bisher 2021 gar kein so schlechtes Jahr für die Branche. Wobei da natürlich die Frage besteht: Was meine ich denn mit Branche? Kameras oder Personal Electronics, sprich Hobbyspielzeug, das zufällig auch noch Videos und Fotos machen kann? Und die Rede ist natürlich von Letzterem.</p>

<p>Heute ist Nick Woodman 46 Jahre alt und nur noch knapp 300 Millionen US-Dollar schwer. Und ganz egal, was man jetzt von ihm hält oder ob man ihn und seine Kameras jetzt nun gut oder schlecht findet, es war revolutionär, die Menschen in die Lage zu versetzen, sich in jeder noch so spektakulären Situation filmen zu können. Vom Urlaub über den Kindergeburtstag bis hin zum Weltrekordversuch wird heutzutage fast alles in irgendeiner Form auch immer noch mit einer GoPro aufgezeichnet. Und das ist echt nicht schlecht für jemanden, der eigentlich beim Surfen nur die Idee hatte: Wäre es nicht cool, wenn ich mich selber fotografieren könnte, während ich auf dem Surfbrett stehe.</p>

<p>Ich selbst besitze keine GoPro Kamera. Aber ich gebe zu, dass seit ich einen YouTube Kanal angefangen habe, immer wieder darüber nachdenke, ob ich mir nicht eine zulegen möchte. Denn die Dinger sind schon konkurrenzlos klein und vielseitig. Man muss nur mal eine B-Roll Aufnahme von dem berühmten YouTuber Peter MCKinnon anschauen, wo er zeigt, wie er Kaffee macht, indem er in eine Karaffe Wasser schüttet, heißes Wasser auf eine Kamera drauf. Macht das mal mit einer eurer Spiegelreflexkameras! Oder schnallt euch mal die Dinger beim Mountainbiken um den Bauch.</p>

<p>Aber egal wie, die Geschichte ist einerseits sehr typisch für das Silicon Valley. Es ist fast schon der klassische American Dream. Kalifornischer Sunnyboy hat Geschäftsidee, setzt die um, wird zum Multimilliardär, ja, oder inzwischen -millionär, und verändert die Welt und wie wir die Welt sehen mithilfe von Technologie. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch eine Geschichte von Arroganz, Selbstüberschätzung und zwischendurch auch einer gehörigen Portion Geldgier. Es fällt schon auf, an wie vielen Stellen Nick Woodman sich selbst einen ordentlichen Aufpreis gegönnt hat. Da werden Armbänder für 2 Dollar eingekauft und für 60 Dollar verkauft. Oder Kameras für 3 Dollar produziert und für 30 Dollar verkauft. Oder man macht sich selbst zum bestbezahlten CEO der Welt, während man Leute an die Luft setzen muss, weil die eigenen Geschäftsideen dann doch nicht ganz so vielseitig ausbaubar sind, wie man das so dachte. Es gibt eben kein schwarzweiß, da ist eine Menge Graustufe dazwischen. Interessant ist die Geschichte aber allemal. Denn zumindest ich wusste vor dieser Recherche relativ wenig über das Unternehmen, dessen Kameras gefühlt überall zu haben sind.<br></p>

<p class="has-small-font-size"><strong>Medien: </strong></p>

<ul class="has-small-font-size"><li><strong><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20211022190701/http://dig.ccmixter.org/files/mindmapthat/54335" target="_blank">Hanging Eleven, Kara Sq</a></strong>uare feat. Blue Wave Theory (dig.ccmixter), CC-BY</li><li>Picture by cellanr &#8211; https://www.flickr.com/photos/rorycellan/15468680845/, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36296116</li></ul>]]></content:encoded>
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        <item>
            <title>Eisenstaedts Ode an die Freude</title>
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            <pubDate>Sat, 28 Aug 2021 13:31:51 GMT</pubDate>
            <description>Der Fotojournalist Alfred Eisenstaedt hat über 2500 Fotoreportagen produziert, war 90 mal für Titelbilder des Life Magazins verantwortlich und machte einige der berühmtesten Fotografien des 20.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Der Fotojournalist Alfred Eisenstaedt hat über 2500 Fotoreportagen produziert, war 90 mal für Titelbilder des Life Magazins verantwortlich und machte einige der berühmtesten Fotografien des 20. Jahrhunderts. Umso schöner dass einige seiner ikonischsten Aufnahmen pure Freude zeigen, wie zum Beispiel das Bild „Drum Major“ aus dem Jahr 1950. The Happiest Photo Ever Made Ode to Joy Drum Major (Wikipedia – Englisch , Deutsch ) Eisenstaedt’s Ode to Joy Fotomenschen Folge 56 – Gewollte Romantik Transkript Von dem Bild, über das ich heute sprechen möchte, wird manchmal behauptet, es sei das fröhlichste Foto, das jemals gemacht worden wäre. Der Fotograf Alfred Eisenstaedt selbst nannte es einfach „Drum Major“. Weil es einen Drum Major zeigt. Unter anderem. Andere betiteln das Bild „Ode to Joy“, also „Ode an die Freude“. Alfred Eisenstaedt sind wir hier im Podcast schon mal begegnet, nämlich in Folge 34, „Gewollte Romantik“. Denn er ist der Fotograf, der am Time Square das berühmte Foto eines eine Krankenschwester küssenden Seemanns machte. Eisenstaedt war der Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie. Er war 14, als er seine erste Kamera, eine Eastman Kodak Faltkamera, geschenkt bekam. Das war im Jahr 1912. Am Anfang sah es so aus, als würde Alfred in die Fußstapfen seines Vaters treten und auch eine kaufmännische Laufbahn einschlagen, aber er hörte auch nie auf, in seiner Freizeit zu fotografieren und reichte seine Aufnahmen auch bei diversen Magazinen und Zeitungen ein. Er war 16, als er die ersten Aufnahmen verkaufte und ab da war eigentlich klar, dass er freier Fotograf werden würde. Es ist das Berlin der 20er Jahre, in dem er sich dann seinen Namen macht. Zu der Zeit werden mehr und mehr Illustrierten gegründet und Alfred Eisenstaedt hat ein Händchen dafür, Fotos zu machen, die kleine Geschichten zu erzählen scheinen. Genau die Art Material, die in diesen Illustrierten reißend Absatz finden. Er selbst sieht sich als dokumentarischer Fotograf. Neben allgemeinen Alltagsszenen fotografiert er auch berühmte Persönlichkeiten seiner Zeit. Er macht Portraits von Marlene Dietrich, George Bernard Shaw, Richard Strauss oder auch von Diktatoren wie Mussolini oder Hitler. Als die Lage in Nazideutschland zu gefährlich für ihn wird, immigriert er in die USA, tritt einer Stelle bei Associated Press an und wird dort relativ schnell zum Starreporter. Er ist quirlig, umtriebig, hat ein ständig wachsendes, sehr durchmischtes Portfolio und findet im Handumdrehen Aufträge bei so Namen wie Vogue oder Life Magazine. 90 Mal macht er Titelblätter für das Life Magazine und ist damit einer der ganz großen Fotografen der Branche. Er reist um die Welt. Er macht Kriegsreportagen, fotografiert berühmte Persönlichkeiten wie zum Beispiel John F. Kennedy im Alltag und das Material ist gefragt. Eisenstaedt ist der Autor von über 2500 Bildreportagen. Er ist ein Profi, der seine Kamera gefühlt permanent in der Hand hält. Je mehr man fotografiert und je mehr man rumkommt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass einzigartige und interessante Aufnahmen entstehen und da ist natürlich Alfred Eisenstaedt auch keine Ausnahme. Er hat viele sehr berühmte, sehr ikonische und auch sehr schöne Aufnahmen gemacht, aber das meiner Meinung nach beste Bild in seinem Portfolio, da lehne ich mich jetzt mal aus dem Fenster, entsteht in Michigan im Herbst des Jahres 1950. Alfred Eisenstaedt ist zu der Zeit on assignment. Es geht um eine landesweit berühmte Marschkapelle, die Michigan University Marching Band. Marching Bands oder Marschkapellen sind eigentlich eine Einrichtung, die das britische Militär erfunden hat und die dann in Europa in verschiedenen Militäreinheiten üblich waren. Der Grundgedanke war, Trommler auf dem Kampffeld zu haben, die dann Kommandos geben konnten und so den kämpfenden Einheiten Orientierung verschaffen. Zu Trommeln kamen Trompeten und Glockenspiele und zack, war sie geboren, die mi</itunes:summary>
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<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Der <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalist</a> <a "/tags/alfred-eisenstaedt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="31" title="Alfred Eisenstaedt">Alfred Eisenstaedt</a> hat über 2500 Fotoreportagen produziert, war 90 mal für Titelbilder des Life Magazins verantwortlich und machte einige der berühmtesten Fotografien des 20. Jahrhunderts. Umso schöner dass einige seiner ikonischsten Aufnahmen pure Freude zeigen, wie zum Beispiel das Bild &#8222;Drum Major&#8220; aus dem Jahr 1950. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://newsfeed.time.com/2013/08/21/the-happiest-photo-ever-made/" target="_blank">The Happiest Photo Ever Made</a></li><li>Ode to Joy</li><li>Drum Major (Wikipedia &#8211; <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Drum_major_(marching_band)" target="_blank">Englisch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tambourmajor" target="_blank">Deutsch</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210610073836/http://digitaljournalist.org/issue9911/friend.htm" target="_blank">Eisenstaedt&#8217;s Ode to Joy</a></li><li><a "/posts/gewollte-romantik.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fotomenschen Folge 56 &#8211; Gewollte Romantik</a></li></ul>

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<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Von dem Bild, über das ich heute sprechen möchte, wird manchmal behauptet, es sei das fröhlichste Foto, das jemals gemacht worden wäre. Der Fotograf <a "/tags/alfred-eisenstaedt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="31" title="Alfred Eisenstaedt">Alfred Eisenstaedt</a> selbst nannte es einfach &#8222;Drum Major&#8220;. Weil es einen Drum Major zeigt. Unter anderem.</p>

<p>Andere betiteln das Bild &#8222;Ode to Joy&#8220;, also &#8222;Ode an die Freude&#8220;.</p>

<p><a "/tags/alfred-eisenstaedt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="31" title="Alfred Eisenstaedt">Alfred Eisenstaedt</a> sind wir hier im Podcast schon mal begegnet, nämlich in Folge 34, &#8222;Gewollte Romantik&#8220;. Denn er ist der Fotograf, der am Time Square das berühmte Foto eines eine Krankenschwester küssenden Seemanns machte.&nbsp;</p>

<p>Eisenstaedt war der Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie. Er war 14, als er seine erste Kamera, eine Eastman <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Faltkamera, geschenkt bekam. Das war im Jahr 1912. Am Anfang sah es so aus, als würde Alfred in die Fußstapfen seines Vaters treten und auch eine kaufmännische Laufbahn einschlagen, aber er hörte auch nie auf, in seiner Freizeit zu fotografieren und reichte seine Aufnahmen auch bei diversen Magazinen und Zeitungen ein. Er war 16, als er die ersten Aufnahmen verkaufte und ab da war eigentlich klar, dass er freier Fotograf werden würde.</p>

<p>Es ist das Berlin der 20er Jahre, in dem er sich dann seinen Namen macht. Zu der Zeit werden mehr und mehr Illustrierten gegründet und Alfred Eisenstaedt hat ein Händchen dafür, Fotos zu machen, die kleine Geschichten zu erzählen scheinen. Genau die Art Material, die in diesen Illustrierten reißend Absatz finden. Er selbst sieht sich als dokumentarischer Fotograf. Neben allgemeinen Alltagsszenen fotografiert er auch berühmte Persönlichkeiten seiner Zeit. Er macht Portraits von Marlene Dietrich, George Bernard Shaw, Richard Strauss oder auch von Diktatoren wie Mussolini oder Hitler.&nbsp;</p>

<p>Als die Lage in Nazideutschland zu gefährlich für ihn wird, immigriert er in die USA, tritt einer Stelle bei Associated Press an und wird dort relativ schnell zum Starreporter. Er ist quirlig, umtriebig, hat ein ständig wachsendes, sehr durchmischtes Portfolio und findet im Handumdrehen Aufträge bei so Namen wie Vogue oder Life Magazine. 90 Mal macht er Titelblätter für das Life Magazine und ist damit einer der ganz großen Fotografen der Branche.&nbsp;</p>

<p>Er reist um die Welt. Er macht Kriegsreportagen, fotografiert berühmte Persönlichkeiten wie zum Beispiel John F. Kennedy im Alltag und das Material ist gefragt. Eisenstaedt ist der Autor von über 2500 Bildreportagen. Er ist ein Profi, der seine Kamera gefühlt permanent in der Hand hält.&nbsp;</p>

<p>Je mehr man fotografiert und je mehr man rumkommt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass einzigartige und interessante Aufnahmen entstehen und da ist natürlich Alfred Eisenstaedt auch keine Ausnahme. Er hat viele sehr berühmte, sehr ikonische und auch sehr schöne Aufnahmen gemacht, aber das meiner Meinung nach beste Bild in seinem Portfolio, da lehne ich mich jetzt mal aus dem Fenster, entsteht in Michigan im Herbst des Jahres 1950. Alfred Eisenstaedt ist zu der Zeit on assignment. Es geht um eine landesweit berühmte Marschkapelle, die Michigan University Marching Band.&nbsp;</p>

<p>Marching Bands oder Marschkapellen sind eigentlich eine Einrichtung, die das britische Militär erfunden hat und die dann in Europa in verschiedenen Militäreinheiten üblich waren. Der Grundgedanke war, Trommler auf dem Kampffeld zu haben, die dann Kommandos geben konnten und so den kämpfenden Einheiten Orientierung verschaffen. Zu Trommeln kamen Trompeten und Glockenspiele und zack, war sie geboren, die militärische Marschkapelle, heutzutage meistens zu irgendwelchen Ehrenanlässen eingesetzt.&nbsp;</p>

<p>In den USA spaltete sich dann aber aus dem militärisch geprägten Kapellen ein weiterer Trend ab und Universitäten formten ihre eigenen Marschkapellen. Deren Aufgaben sind dann nicht mehr militärisch, was die aber regelmäßig machen, ist zum Beispiel bei ja auch von Universitäten dominierten Sportveranstaltungen das Publikum anzuheizen, ähnlich wie die Cheerleader.&nbsp;</p>

<p>Die Idee dieser Marching Bands ist dann, in großen Gruppen musizierend nach einer vorgegebenen Choreografie zu marschieren. Da werden Formationen abgegangen, da werden Buchstaben abmarschiert und der Dirigent und Anführer ist der sogenannte Drum Major. Der oder die Drum Major hat dann üblicherweise einen großen, länglichen Pelzhut auf und einen metallischen Stab in der Hand, um damit zu dirigieren. Das Ganze ist natürlich einigermaßen akrobatisch, das heißt, dieser Stab wird durch die Luft gewirbelt und geworfen, gefangen, gedreht und natürlich hüpft, springt oder dreht sich auch der oder die Drum Major dabei. Auftritte von Marching Bands folgen vorgegeben Choreografien und vom Drum Major werden ausladende, dramatische Schritte und Sprünge erwartet.&nbsp;</p>

<p>An jenem Herbsttag 1950 jedenfalls fotografiert Alfred Eisenstaedt all das, was man so zu sehen erwartet, wenn man das Training einer berühmten Marching Band besucht. Am nächsten Morgen, erfährt er, trainieren speziell die Drum Major und das will er natürlich aufnehmen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;Another picture will be remembered when I&#8217;m in heaven is that picture I took at the University of Michigan. I had to do a story on the brass band and I wanted to photograph the drum major rehersing in the morning.&#8220;</p>

<p>Er haftet sich speziell an die Fersen des Head Drum Major und folgt ihm kreuz und quer über den Rasen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;When I run after and I photographed it and while I was running, all the boys from the faculties paraded with him.&#8220;</p>

<p>Er ist in vollständiger Drum Major Uniform, inklusive dem pelzigen Hut und er übt den hohen, dramatischen Schritt wieder und wieder. An der Seite der Wiese spielen einige Kinder und werden auch auf den Drum Major aufmerksam. Sie sind schätzungsweise acht bis zwölf Jahre alt und finden lustig, was sie sehen. Und beginnen, ihn nachzuahmen. Als er bei seiner Runde wieder mal näher an ihnen vorbeikommt, beschließen sie, ihm einfach nachzulaufen und nachzumachen. Und als Alfred Eisenstaedt seine Kamera hochhebt und abdrückt, ist der Drum Major im vollen Ausfallschritt mit sieben Kindern, die in unterschiedlichen lachenden, fröhlichen Posen hinter ihm herlaufen zu sehen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;People think this was a posed picture. This was never posed, not posed at all. This is a natural picture. People imitated me later, but this was not posed.&#8220;</p>

<p>Das ist ein Bild, bei dem zumindest ich sofort grinsen muss. Und es war dann dieses Bild, das aus einer im Magazin geplanten <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a> die Titelstory machte.&nbsp;</p>

<p>Drum Major machen viel mehr als einfach nur akrobatische Schritte und ein Orchester zu dirigieren, sie sind außerdem Verbindungsglied zwischen den Musikern und der Leitung der Universität oder ihrer Einheit, sie sind oft Public-Relation-Person, sie erarbeiten Choreographien, es ist eine anspruchsvolle Position, auf die man echt stolz sein kann.&nbsp;</p>

<p>Natürlich gibt es Marschkapellen und auch die Rolle des Drum Majors auch bei uns, aber ich wäre dann trotzdem relativ überrascht, wenn ich zu Beginn eines Fußballspiels ein mehrere Dutzend Personen großes Orchester auf dem Spielfeld auflaufen sehen würde. Und ich wäre noch verdutzter, wenn die dirigierende Figur plötzlich irgendwelche Sprünge macht oder übertrieben große Schritte. Aber es ist cool, anzuschauen und ohne Frage macht es Spaß, den Drum Major dabei zuzusehen, wie sie ihre Mannen und Frauen anfeuern.&nbsp;</p>

<p>Und das Foto von Alfred Eisenstaedt fängt das wie kein anderes perfekt ein. Das Foto zeigt keinen Drum Major und Kinder, es zeigt Freude. Und auch das finde ich bemerkenswert. Alfred Eisenstaedt hat sein ganzes Leben lang fotografiert und er hat viele ikonische Bilder geschaffen, aber die Bilder, die am meisten herausstehen, zeigen Momente der Freude.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Das Leben der Anderen</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/das-leben-der-anderen.html</link>
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            <pubDate>Sat, 21 Aug 2021 12:45:34 GMT</pubDate>
            <description>Soziale Fotografie ist heute sehr verbreitet aber zum Ende des 19. Jahrhunderts war das Genre unbekannt. In dieser Zeit arbeitet der Polizeireporter Jacob Riis.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Soziale Fotografie ist heute sehr verbreitet aber zum Ende des 19. Jahrhunderts war das Genre unbekannt. In dieser Zeit arbeitet der Polizeireporter Jacob Riis. Er schreibt gegen das soziale Elend New Yorks an und beginnt irgendwann zur Illustration zu fotografieren… Herauskam eines der wenigen Fotobücher das wirklich für sich reklamieren kann die Welt verändert zu haben. Jacon Riis (Wikipedia Deutsch , Englisch ) How the Other Half Lives (Digitalisat der Havard Library) Making of an American (Biografie, Digitalisat der Havard Library) Jacob Riis (International Center of Photography) Pioneering Social Reformer Jacob Riis Revealed “How The Other Half Lives” in America Jacob Riis Photographs Still Revealing New York’s Other Half (NYTimes) Wie können sie das rechtfertigen? Transkript Wir glauben ja gerne, dass Fotografie die Welt verändern kann, aber in Wahrheit fällt es dann doch sehr schwer, Beispiele zu finden, wo das wirklich und nachweislich geschehen ist. Heute geht es um so ein Beispiel; um einen Mann mit einer unglaublichen Lebensgeschichte, in der alles vorkommt: Vollständiger Absturz ins Elend, Aufstieg zu Reichtum und Einfluss, eine Jahrzehnte überdauernde Liebesgeschichte, innovative Fotografie und Bilder, die die Welt verändert haben. Der Mann, von dem ich heute erzähle, ist einer der Gründerväter der Straßenfotografie und der sozialen Fotografie. Er war ein Reporter, er selbst hätte sich nicht als Fotograf beschrieben, er hätte gesagt, er ist in erster Linie ein Autor, ein Journalist, ein Beobachter der Menschen. Es dauerte 50 Jahre, bevor man in als das erkannte, was er eigentlich war: Ein Fotograf, dessen Stil ein ganzes Genre geprägt und für grundlegende Veränderung gesorgt hatte. Dabei dauert es tatsächlich relativ lang, bis er selbst zu seiner Berufung gefunden hatte. Jakob Riis wurde 1848 als drittes Kind von 15 in Dänemark in einen Lehrer- und Journalistenhaushalt geboren. Sein Vater wünschte sich für ihn, dass er eine akademische Laufbahn oder doch wenigstens eine Karriere als Autor anstreben würde, aber der junge Jakob hatte praktischeres im Sinn und wollte Zimmermann werden. Ein lokaler Zimmerer stellte ihn als Lehrling an und so schien die Laufbahn als Handwerker schon mal gesetzt. Seine Familie wusste auch, dass es keinen Sinn machte, ihn umzustimmen zu versuchen. Er war ein recht eigenwilliger junger Mann. Er war bekannt für ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl und ein großes Herz. Es gibt eine überlieferte Anekdote vom damals gerade mal 12 Jahre alten Jakob, dass er einmal sein gesamtes erspartes Geld einer armen Familie angeboten hatte, wenn die im Gegenzug ihr heruntergekommenes Zuhause reinigen und aufbessern würden. Die entschieden sich, das Geschäft anzunehmen und hielten sich an die Abmachung. Als Jakobs Mutter von der Geste erfuhr, machte sie sich spontan auf den Weg und half der Familie bei den Arbeiten. Aber zurück zu Jakob, den 16-jährigen Zimmereilehrling. Wer weiß, was später passiert wäre, hätte er sich nicht in die damals 12-jährige Tochter seines Meisters verliebt. Sie war der Verbindung eigentlich nicht abgeneigt, aber, wie man sich vorstellen kann, war weder sein Meister noch seine Familie sonderlich begeistert. Um die Situation zu bereinigen, schickt ihn sein Vater für die verbleibenden drei Jahre seiner Ausbildung in das weit entfernte Kopenhagen. Da, so hofft er, wird sich sein Sohn die Flausen aus dem Kopf schlagen und wenn er zurückkommt mit abgeschlossener Ausbildung seinen Weg gehen, wie von ihm erwartet. Wieder hat man die Rechnung ohne Jakob gemacht, der kommt mit 19 zurück, wilder entschlossen den je, die jetzt 15-jährige Tochter zu heiraten. Sein ehemaliger Meister ist jetzt so wenig begeistert, wie er drei Jahre zuvor begeistert war und lehnt ab. Und so beschließt Jakob in seinem Kummer und seinem Ärger, das zu tun, was gar nicht wenige junge Männer gemacht haben: nämlich in die neue Welt auf</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Soziale Fotografie ist heute sehr verbreitet aber zum Ende des 19. Jahrhunderts war das Genre unbekannt. In dieser Zeit arbeitet der Polizeireporter Jacob Riis. Er schreibt gegen das soziale Elend New Yorks an und beginnt irgendwann zur Illustration zu fotografieren&#8230; Herauskam eines der wenigen Fotobücher das wirklich für sich reklamieren kann die Welt verändert zu haben. </p>

<ul><li>Jacon Riis (Wikipedia <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_August_Riis" target="_blank">Deutsch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Jacob_Riis" target="_blank">Englisch</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://iiif.lib.harvard.edu/manifests/view/drs:4137257$1i" target="_blank">How the Other Half Lives</a> (Digitalisat der Havard Library)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://iiif.lib.harvard.edu/manifests/view/drs:3197856$1i" target="_blank">Making of an American</a> (Biografie, Digitalisat der Havard Library)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.icp.org/browse/archive/constituents/jacob-riis?all/all/all/all/0" target="_blank">Jacob Riis</a> (International Center of Photography)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250613000514/https://www.smithsonianmag.com/history/pioneering-social-reformer-jacob-riis-revealed-how-other-half-lives-america-180951546/" target="_blank">Pioneering Social Reformer Jacob Riis Revealed “How The Other Half Lives” in America</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nytimes.com/2015/10/23/arts/design/jacob-riis-photographs-still-revealing-new-yorks-other-half.html" target="_blank">Jacob Riis Photographs Still Revealing New York’s Other Half</a> (NYTimes)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.fr.de/kultur/koennen-rechtfertigen-11630320.html" target="_blank">Wie können sie das rechtfertigen?</a></li></ul>

<figure><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="700" height="567" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/riis_jacob_271_1982_461405_displaysize.jpg" alt="Mehrere Männer sind in einem Innenraum versammelt; ein Mann sitzt im Vordergrund, während die anderen stehend gruppiert sind und rechts liegt ein großer Haufen Stoffe."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="569" height="700" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/riis_jacob_266_1982_419580_displaysize.jpg" alt="Menschen liegen auf dem Boden einer engen, städtischen Gasse, die von Gebäuden mit Metalltreppen und Holzstrukturen begrenzt wird."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="700" height="563" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/riis_jacob_250_1982a_431080_displaysize.jpg" alt="Mehrere Männer ruhen in einem überfüllten Innenraum, der mit Kochgeschirr und Haushaltsgegenständen gefüllt ist."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="700" height="557" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/riis_jacob_203_1982_447394_displaysize.jpg" alt="Ein älterer Mann mit Hut sitzt in einer schwach beleuchteten, überfüllten Werkstatt, die mit gestapelten Materialien und Behältern gefüllt ist."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="700" height="568" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/riis_jacob_227_1982_433095_displaysize.jpg" alt="Mehrere Personen sitzen in einem dunklen, rustikalen Lokal an Tischen und einer Theke."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="700" height="568" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/riis_jacob_183_1982_419981_displaysize.jpg" alt="Ein Schwarz-Weiß-Foto von dicht gedrängten, alten Holzhäusern mit Satteldächern vor dem Hintergrund moderner Hochhäuser."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="926" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/jacob-riis-how-the-other-half-lives-3.jpg" alt="Eine enge Gasse mit Gebäuden auf beiden Seiten, an der Wäsche zwischen den Häusern hängt und mehrere Personen zu sehen sind."/></figure></li></ul></figure>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Wir glauben ja gerne, dass Fotografie die Welt verändern kann, aber in Wahrheit fällt es dann doch sehr schwer, Beispiele zu finden, wo das wirklich und nachweislich geschehen ist. Heute geht es um so ein Beispiel; um einen Mann mit einer unglaublichen Lebensgeschichte, in der alles vorkommt: Vollständiger Absturz ins Elend, Aufstieg zu Reichtum und Einfluss, eine Jahrzehnte überdauernde Liebesgeschichte, innovative Fotografie und Bilder, die die Welt verändert haben.</p>

<p>Der Mann, von dem ich heute erzähle, ist einer der Gründerväter der <a "/tags/straßenfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="34" title="Street">Straßenfotografie</a> und der sozialen Fotografie. Er war ein Reporter, er selbst hätte sich nicht als Fotograf beschrieben, er hätte gesagt, er ist in erster Linie ein Autor, ein Journalist, ein Beobachter der Menschen. Es dauerte 50 Jahre, bevor man in als das erkannte, was er eigentlich war: Ein Fotograf, dessen Stil ein ganzes Genre geprägt und für grundlegende Veränderung gesorgt hatte.</p>

<p>Dabei dauert es tatsächlich relativ lang, bis er selbst zu seiner Berufung gefunden hatte. Jakob Riis wurde 1848 als drittes Kind von 15 in Dänemark in einen Lehrer- und Journalistenhaushalt geboren. Sein Vater wünschte sich für ihn, dass er eine akademische Laufbahn oder doch wenigstens eine Karriere als Autor anstreben würde, aber der junge Jakob hatte praktischeres im Sinn und wollte Zimmermann werden. Ein lokaler Zimmerer stellte ihn als Lehrling an und so schien die Laufbahn als Handwerker schon mal gesetzt. Seine Familie wusste auch, dass es keinen Sinn machte, ihn umzustimmen zu versuchen. Er war ein recht eigenwilliger junger Mann.</p>

<p>Er war bekannt für ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl und ein großes Herz. Es gibt eine überlieferte Anekdote vom damals gerade mal 12 Jahre alten Jakob, dass er einmal sein gesamtes erspartes Geld einer armen Familie angeboten hatte, wenn die im Gegenzug ihr heruntergekommenes Zuhause reinigen und aufbessern würden. Die entschieden sich, das Geschäft anzunehmen und hielten sich an die Abmachung. Als Jakobs Mutter von der Geste erfuhr, machte sie sich spontan auf den Weg und half der Familie bei den Arbeiten.</p>

<p>Aber zurück zu Jakob, den 16-jährigen Zimmereilehrling. Wer weiß, was später passiert wäre, hätte er sich nicht in die damals 12-jährige Tochter seines Meisters verliebt. Sie war der Verbindung eigentlich nicht abgeneigt, aber, wie man sich vorstellen kann, war weder sein Meister noch seine Familie sonderlich begeistert. Um die Situation zu bereinigen, schickt ihn sein Vater für die verbleibenden drei Jahre seiner Ausbildung in das weit entfernte Kopenhagen. Da, so hofft er, wird sich sein Sohn die Flausen aus dem Kopf schlagen und wenn er zurückkommt mit abgeschlossener Ausbildung seinen Weg gehen, wie von ihm erwartet.</p>

<p>Wieder hat man die Rechnung ohne Jakob gemacht, der kommt mit 19 zurück, wilder entschlossen den je, die jetzt 15-jährige Tochter zu heiraten. Sein ehemaliger Meister ist jetzt so wenig begeistert, wie er drei Jahre zuvor begeistert war und lehnt ab.</p>

<p>Und so beschließt Jakob in seinem Kummer und seinem Ärger, das zu tun, was gar nicht wenige junge Männer gemacht haben: nämlich in die neue Welt aufzubrechen. Er ist 21, als er sich auf den Weg in die Vereinigten Staaten macht. In seinem Gepäck hat er 40 Dollar, die seine Freunde für ihn gesammelt haben, die Überfahrt hat er aus eigener Tasche bezahlt, das waren ungefähr 50 Dollar. Und als kleines Abschiedsgeschenk steckt ihm die Frau seines ehemaligen Meisters noch etwas ganz Besonderes zu: eine Strähne von seiner großen Liebe Elisabeth. Stellt sich heraus: Nicht nur die Tochter wäre eigentlich zugeneigt gewesen, auch die Mutter hatte eigentlich nichts gegen die Verbindung. Trotzdem ist Jakob jetzt schonmal auf dem Weg und er hat natürlich auch den Anspruch, allen zu zeigen, wozu er imstande ist und sein Glück zu machen in der neuen Welt.</p>

<p>Jakob kommt 1870 in New York an. Es ist eine Welt im Umbruch. Nicht nur sind Millionen Menschen aufgebrochen, um in den USA ihr Glück zu versuchen, der amerikanische Bürgerkrieg hat außerdem noch dafür gesorgt, dass die Menschen vom Land in die Städte gezogen sind. Die Städte sind die Orte, an denen die Industrialisierung für Möglichkeiten und Arbeit sorgen und manche Stadt verachtfacht in dieser Zeit ihre Bevölkerung.</p>

<p>Jakob kommt auch in Zustände, die wir uns heute, glaube ich, gar nicht mehr vorstellen können: 1880 gibt es in New York in der Lower East Side einen Distrikt, in dem 334000 Menschen auf einer Quadratmeile untergebracht sind &#8211; die dichtest besiedelte Meile der Welt. In und um New York bilden sich Slums der übelsten Sorte. Unterkünfte, in denen 10 bis 15 Menschen in einem einzelnen kleinen Zimmer schlafen müssen, sind die Norm. Die Polizei betreibt Armenunterkünfte, Menschen, die auf der Straße eingesammelt werden, werden dorthin zwangseingeliefert, müssen dann da in ähnlich beengten Verhältnissen schlafen und hinterher 5 Cent pro Übernachtung abdrücken. 5 Cent ist für die damals oft mittellosen, armen Menschen ein Heidengeld. Denn hätten die diese 5 Cent, dann hätten die auch noch billiger schlafen können. Es gibt sogenannte 2-Cent-Kneipen, in denen man für 2 Cent einen Teller Suppe und das Recht, die Nacht dort im Sitzen zu schlafen, kaufen kann.</p>

<p>Jakob landet in diesem Viertel an. Er hat 40 Dollar, ist also zunächst mal ordentlich versorgt und er hat ein Empfehlungsschreiben für den dänischen Botschafter in der Tasche, sollte er Hilfe brauchen. Die ersten 20 Dollar sind leicht investiertes Geld, er kauft sich nämlich sofort einen Revolver, um sich gegen menschliche oder tierische Angreifer wehren zu können. Die anderen 20 Dollar sollen ihm über die Zeit helfen, die er braucht, um Arbeit zu finden. Jakob versucht sich als Stahlarbeiter und als Zimmerer, lernt aber schnell, dass es für Immigranten zwar viel harte Arbeit, aber wenig Bezahlung gibt.</p>

<p>Als er davon hört, dass Frankreich Preußen den <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> erklärt hätte, versucht er, für Frankreich in den <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> zu ziehen und sich einziehen zu lassen; erfolglos.</p>

<p>Ab hier beginnt eine kleine Odyssee für Jakob: Er versucht sich als Farmhilfe, er arbeitet als Steinmetz für ein lokales Maurerunternehmen und versucht, jede Gelegenheit zu nutzen, doch noch für Frankreich in den <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> ziehen zu dürfen. Irgendwann hört er von Plänen einer Gruppe Freiwilliger von New York aus in den Krieg aufzubrechen und macht sich damit dann auch selbst wieder auf den Weg zurück in die große Stadt. Zu der Zeit schläft er mehr unter freiem Himmel als unter einem Dach. Er ernährt sich von Fallobst, er ist auf Almosen angewiesen und obwohl er versucht zu arbeiten verdient er kaum genug, um sich gelegentlich mal eine Unterkunft leisten zu können. Als er zurück in New York ist, stellt er fest, dass das Gerücht zwar stimmte, er aber zu spät gekommen war. In New York war es auch schwerer, einfach unter freiem Himmel zu schlafen und so schließt Jakob erste Bekanntschaften mit den von der Polizei betriebenen Unterkünften. Er ist so angewidert von den Zuständen, die er vorfindet, dass er sich wenig später wieder auf den Weg macht.</p>

<p>Seine wenigen Besitztümer hatte er sowieso nach und nach verkauft: Die Waffe hat er zum Beispiel schon lange nicht mehr. Und mit dem letzten Seidentaschentuch, das er noch in seiner Tasche fand, kauft er sich eine Fährkarte und macht sich auf den Weg nach Philadelphia. Auf dem Weg dahin nimmt er jede Arbeit, die sich bietet und er schafft es nach Philadelphia, wo er dann mit dem Empfehlungsschreiben, das ihm seine Eltern mitgegeben hatten, vor dem dänischen Konsul vorstellig wird, der ihn aufnimmt und zwei Wochen lang wieder aufpäppelt.</p>

<p>Es ist diese Zeit, in der er dann tatsächlich sowas wie ein ordentliches finanzielles Standbein aufbauen kann. Er arbeitet als Zimmermann und fängt an, so viel Geld zu verdienen, dass er sich es leisten kann, nebenher als Autor zu experimentieren. Er schreibt Artikel, die er bei lokalen Zeitungen und Magazinen einreicht, allerdings mit wenig Erfolg. Seine Themen finden nicht viel Anklang, seine Schreibe ist oft zu polemisch. Er kehrt also zurück nach New York City. Dort versucht er, mit allem möglichen Fuß zu fassen und ist einigermaßen erfolgreich als Vertreter für Bügeleisen.</p>

<p>Die Geschäfte laufen gut. Nicht lange und er hat Angestellte und Vertretungen in mehreren amerikanischen Bundesstaaten. Er ist der Hauptvertreter einer Bügeleisenmarke im Bundesstaat Illinois und auch in Pennsylvania ist er aktiv. Allerdings ist Jakob auch chronisch gutmütig und gutgläubig und so dauert es auch nicht lange, bis er an die falschen gerät und von Geschäftspartnern komplett über den Tisch gezogen wird.</p>

<p>Außerdem ereilte ihn eine Hiobsbotschaft. Elisabeth, die junge Frau, deren goldene Locke er seither in einer Schachtel immer am Herzen trägt, ist verlobt. Jakob ist am Boden zerstört und macht das, was er da anscheinend immer macht, nämlich nach New York zurückkehren. Wieder ist er ohne Finanzmittel, wieder ist er arbeitslos, wieder ist er in New York.</p>

<p>Allerdings hat er inzwischen Übung in der Kunst des Artikelschreibens und in New York gibt es Bedarf an Menschen, die schreiben können. Er bewirbt sich auf eine Stellenausschreibung als Redakteur beim Long Island Newspaper und kriegt den Job. Es ist ein relativ hoch dotierter Job und es ist schon fast verdächtig, dass ein Newcomer wie er diesen Job einfach so bekommt. Kaum hat er die Stelle, stellt er fest, warum das so ist: Der Besitzer der Zeitung ist ein derart ausbeuterischer und unehrlicher Geselle, dass alle anderen Kandidaten abgelehnt hatten oder ihm davongelaufen waren. Und so hält es auch Jakob gerade mal zwei Wochen in dieser Stelle.</p>

<p>Jetzt ist er wieder arbeitslos. Äußerlich aussehend wie ein Landstreicher, aber immer noch ganz gut vernetzt, wird ihm zugetragen, dass die New York News Association nach einem Trainee suchen würde. Jakob wäscht sich dürftig in einem Pferdetrog und macht sich auf den Weg zu dem Interview und obwohl er aussieht wie ein Landstreicher, schafft er es, die zuständigen zu überzeugen und bekommt diese Stelle. Das ist tatsächlich ein roter Faden durch die gesamte Biografie von Jakob: Wann immer er die Gelegenheit bekommt, mit Menschen zusammenzutreffen, scheint er sie davon zu überzeugen, dass sie ihr Vertrauen in ihn setzen können. Ganz egal, wie er aussah.</p>

<p>Jakob hatte ein besonderes Talent, zwischen den verschiedenen Schichten hin und her zu wechseln und gleichermaßen über die Reichen wie über die Ärmsten der armen schreiben zu können. Er arbeitet hart und es zahlt sich für ihn aus. Nach und nach baut er sich ein kleines Vermögen auf, kann auch schnell seine Schulden zurückzahlen und gewinnt Routine in der Arbeit eines Journalisten. Die Zeitung, bei der er arbeitet, macht ihn schnell zum Hauptredakteur, allerdings steht sie auch kurz vor dem Bankrott. Und Jakob kämpft dagegen an, wie alle anderen, die bei dieser Zeitung arbeiten.</p>

<p>Es ist diese Zeit, in der sich einerseits nach und nach finanzielle Stabilität für ihn einstellt, andererseits die Firma, bei der er angestellt ist, auf den Bankrott zusteuert, als ihn die Nachricht ereilt, dass daheim in Dänemark zwei seiner älteren Brüder, seine Tante und der Verlobte seiner Elisabeth gestorben waren. Jakob will nach Dänemark zurückkommen, um seine Brüder zu betrauern, aber er sieht natürlich auch die Gelegenheit, Elisabeth endgültig für sich zu gewinnen und macht ihr einen Antrag, schriftlich, per Post.</p>

<p>Und um zu zeigen, dass man ihm vertrauen kann und dass man auf ihm eine Existenz aufbauen kann, beschließt er, mit seinen Ersparnissen die kurz vor dem Bankrott stehende Zeitung zu kaufen und in die schwarzen Zahlen zu führen. Das schafft er zwar nicht, aber seine Zeitung ist so unbequem, dass ihm Lokalpolitiker anbieten, die Zeitung von ihm zurückzukaufen, und zwar für knapp den fünffachen Betrag, den er dafür investiert hatte. Und so war Jakob durch glückliche Fügung praktisch über Nacht zu kleinem Reichtum gekommen, der es ihm erlaubte, sorgenfrei nach Dänemark zu fahren und dort seiner Elisabeth ganz regulär den Hof zu machen. Die beiden heiraten und als das Geld dem Ende zuneigte, zogen sie wieder zurück nach New York, wo Jakob sich auf die Suche nach einer Anstellung bei einer lokalen Zeitung machte.</p>

<p>Es ist der New York Tribune, der ihn schließlich als Polizeireporter einstellt. Sein Büro ist gegenüber der Polizeistation, die für den damals größten Slum der Welt, die Slums von New York City, zuständig war. Jakob begleitet die Polizisten auf ihren Einsätzen und er sieht alles, was man nur an menschlichem Elend, an Gewalt und an Verbrechen zu Gesicht bekommen kann.</p>

<p>Und er schreibt dagegen an. Er selbst war ja oft genug als obdachloser unterwegs und hat deswegen einen persönlicheren Zugang zu vielen der Themen als so mancher seiner Leserinnen und Leser. Und eigentlich macht er sich auch keine Illusionen. Die Menschen, denen es damals gut geht, die interessiert nicht, wie es den ärmeren geht. Sie wissen nichts darüber, sie erfahren kaum etwas darüber und Artikel, die Jakob schreibt, egal, wie blumig die Sprache, egal, wie leidenschaftlich die Worte, dringen nicht durch diesen Panzer.</p>

<p>Anfangs wird er in seinem Schreibstil einfach nur noch melodramatischer und eindringlicher. Als er damit anscheinend nichts bewirken kann, denkt er über Zeichnungen und Skizzen nach, allerdings ist er kein besonders guter Zeichner, deswegen gibt er die Idee besonders schnell wieder auf.</p>

<p>Die fotografische Technik der damaligen Zeit, wir reden von den 1880ern, ist nicht geeignet, um bei schlechten Lichtverhältnissen Straßenszenen festzuhalten. Jakob ist oft nachts oder in der Dämmerung unterwegs und würde sehr gerne fotografieren, aber die Bilder sind meistens vollkommen unbrauchbar. All das ändert sich, als er 1887 von einer Erfindung der Deutschen Adolf Miethe and Johannes Gaedicke liest. Die hatten nämlich sogenanntes Blitzlichtpulver entwickelt. Das war eine Magnesiumpulvermischung, die in Patronen gefüllt wurde und mit einer Vorrichtung, die wie eine Pistole aussah, abgefeuert wurden und einen hellen Lichtblitz produzierten. Damit konnte man endlich auch nachts oder bei Dämmerung fotografieren.</p>

<p>Und er bringt mehrere dazu, mit ihm zusammen mit Blitzlichtpulverpatronen und Kamera bewaffnet in die Slums von New York einzudringen und Fotos zu machen. Und das Vorgehen war nicht ganz ungefährlich: Im Allgemeinen lief er durch die Stadt und wann immer er etwas fotografieren wollte, näherte er sich vorsichtig der Szene, löste den Blitz aus und lief dann so schnell er konnte mit seinem ganzen Equipment davon.</p>

<p>Wegen dem Risiko und den nächtlichen Arbeitsstunden blieben seine Freunde nicht lange bei der Stange und so war Jakob gezwungen, selbst zu lernen, mit den fotografischen Gerätschaften umzugehen, besonders, weil sehr, sehr deutlich wurde, dass seine Fotos eine Wirkung entfalteten, die seine Artikel nie gehabt hatten. Die Menschen sahen Bilder von Armut, die ihnen so bisher nie gezeigt worden waren. Mitglieder des Mittelstands oder der gehobenen Klassen gingen nicht in die Slums, sahen sich nicht an, wie Arbeiter lebten. Sie sahen weder den Dreck, noch das Elend, noch die Gewalt und die Brutalität, die in diesen Vierteln ihren Wohlstand mit sicherte.</p>

<p>Und Jakob bleibt nicht nur bei seinen Artikeln. Er verkauft Abzüge seiner Fotografien, er macht Lichtbildschauen, wo er mit einem Projektor auf einer Leinwand unter freiem Himmel Bilder projiziert. Er hält Vorträge, er schreibt Bücher. Es gibt mehrere Dinge, die er ganz konkret geändert sehen möchte. Er will, dass einzelne dieser Slumgebiete abgebaut und umgeformt werden. Er schlägt vor, Unterkünfte für die Armen zu bauen und die Slums zu Parks umzuwandeln. Und ganz besonders sind ihm die von der Polizei betriebenen Unterkünfte ein Dorn im Auge. Die Zustände dort sind fast noch elender als irgendwo in den Slums und eigentlich dienen die nur der Unterdrückung der Armen.</p>

<p>Es ist diese Zeit, als er den gerade frisch ernannten Polizeipräsidenten kennenlernt, ein Mann namens <a "/tags/theodore-roosevelt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="16" title="Theodore Roosevelt">Theodore Roosevelt</a>. Der hatte nämlich das Buch entdeckt, das als ein Meilenstein der sozialen <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a> und sozialen Fotografie gilt und vielleicht eines der wenigen Beispiele ist, wo Fotografie tatsächlich zu echten Änderungen beigetragen hat. Das Buch trägt den Titel &#8222;How the Other Half Lives&#8220;. Es ist eine Mischung aus Artikeln von Jakob Riis und Fotografien und Zeichnungen, die auf Fotografien basieren.</p>

<p>Jakob macht sich bei seinen Fotografien nicht viele Gedanken um Komposition, oft sieht er ja gar nicht, was er fotografiert. Eines seiner berühmtesten Bilder wird in einem dieser Zwei-Cent-Lokalen aufgenommen. Dort hat er zwei Cent bezahlt, die ihn zum Schlafen und Suppe essen in einem überfüllten, stickigen Raum berechtigten. Er hat sich dort hingesetzt und als dann alle eingeschlafen waren, richtet er im Dunkeln auf dem Tisch die Kamera aus, öffnet das Objektiv und feuert die Blitzlichtpistole. Man sieht, wie beengt dieser Raum ist. Das Licht wird von der Decke reflektiert, es sieht fast so aus, als würde die Cholera in diesem Raum wabern. Und man sieht die Männer, die außenrum zum Teil verschreckt, zum Teil eben gar nichts mitbekommend auf den Tischen schlafen. Solche und andere Bilder, die ohne erkennbare künstlerische Komposition daherkommen, sind manchmal gerade deswegen besonders eindrücklich.</p>

<p>Roosevelt wurde jedenfalls durch dieses Buch auf ihn aufmerksam, tritt mit ihm in Kontakt und die beiden Männer formen eine Freundschaft, die ihr gesamtes Leben halten wird. Später wird Jakob für Roosevelt eine Kampagnenbiografie schreiben und Roosevelt wird sagen, dass er manche Dinge nie gemacht hätte, hätte er nicht die Bilder von Jakob Riis gesehen. Eine der Maßnahmen, die er noch als Polizeipräsident ergreift, ist, die Polizeischlafunterkünfte schließen zu lassen. Der Bundesstaat New York folgt dem Beispiel der Stadt New York und diesem Beispiel folgt wiederum der Rest des Landes. Und auch sonst nutzt Roosevelt seinen Einfluss, um der Sache, für die Jakob Riis kämpft, zu helfen, und sorgt dafür, dass die wichtigste Forderung von Jakob Riis tatsächlich Wirklichkeit wird. Die elendsten der Elendsviertel werden umgebaut. Die Menschen dort bekommen die Möglichkeit, in günstigere Wohnräume umzuziehen und der Slum wird dem Boden gleich gemacht und durch einen Park ersetzt.</p>

<p>Jakob schreibt mehrere Bücher, einige davon beschäftigen sich ausschließlich mit den sozial benachteiligten Menschen seiner Zeit. &#8222;How the Other Half Lives&#8220; ist das berühmte, aber es gibt auch noch &#8222;Children of the Poor&#8220;, das ist eine Art Fortsetzung mit besonderem Blick auf die Kinder und Familien. Jakob zeugt mit Elisabeth vier Kinder, eine Tochter und drei Söhne, und seine Familie bleibt eine Aktivistenfamilie. Sein jüngster Sohn steigt in seine Fußstapfen, wird auch ein Reporter und Aktivist, ein anderer geht zurück nach Dänemark und wird dort Director of Public Information in Kopenhagen und kämpft während des Ersten Weltkrieges gegen den steigenden Antisemitismus in der Region.</p>

<p>1905 wird seine Frau Elisabeth nach fast 30 Jahren Ehe plötzlich krank und stirbt überraschend. Für Jakob markiert das das Ende seiner Zeit in New York. Er heiratet erneut 1907 und zieht mit seiner neuen Frau nach Massachusetts auf eine Farm in Barre. Dort wird er dann bis zu seinem Tod 1914 bleiben.</p>

<p>Es wird fast 50 Jahre dauern, bis man ihn als den einflussreichen Fotografen anerkennt, der er war. In Rückschau stellt man fest, seine Fotos haben eine Handschrift, auch wenn er selbst sich nie Gedanken um Bildkompositionen gemacht hat, hatte er doch ein Auge für die Fotografie und die Bilder sind eindrücklich, bleiben im Gedächtnis. Und waren prägend fürs Medium: Viele, die nach ihm kamen, eiferten ihm nach. Das zu der Zeit noch junge Medium der <a "/tags/straßenfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="34" title="Street">Straßenfotografie</a> nimmt dann einige der ästhetischen Entscheidungen von Jakob auf und deswegen sehen die Bilder auch heute noch einigermaßen modern aus.&nbsp;</p>

<p>Und in später über ihn veröffentlichen Papern wird darüber spekuliert, dass einige der durch seine Fotos inspirierten Sozialreformen in der Region wahrscheinlich tausenden von Menschen das Leben gerettet und für das Einrichten von sanitären Anlagen und besserer Wasserqualität gesorgt haben. Alles Indizien dafür, dass Fotografien eben doch manchmal verändern können, wie Menschen ihre Welt wahrnehmen.</p>

<p>Jakob Riis schwankte während seines Lebens mehrmals zwischen Obdachlosigkeit und Reichtum hin und her, verlor aber nie seinen moralischen Kompass. In mancherlei Hinsicht ist seine Lebensgeschichte fast schon typisch für die Immigranten der damaligen Zeit, aber gleichzeitig auch etwas sehr Besonderes, weil er eben mehrmals ganz am Boden ankam und dann trotzdem wieder die Energie fand, sich nach oben durchzukämpfen. Und er war ein Mann, dem es nicht darauf ankam, seine Verdienste aufgezählt zu bekommen.&nbsp;</p>

<p>Heute weiß man, dass seine Bilder unter anderem dafür gesorgt haben, dass die Wasserversorgung von New York deutlich hygienischer wurde und damit wahrscheinlich aller Einwohner Leben besserten. Es waren seine Artikel, die Politiker vor sich hertrieben, es waren seine Fotos, die für die notwendige Aufmerksamkeit sorgten und er sorgte für ein Bewusstsein für die weniger privilegierten Menschen der Gesellschaft der damaligen USA, das es vorher so nicht gegeben hatte.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Das erfolgreichste Foto der Welt</title>
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            <pubDate>Sat, 14 Aug 2021 16:13:44 GMT</pubDate>
            <description>Das Bild mit dem Titel &quot;Bliss&quot; (Wonne) des Fotografen Charles O&#x27;Rear dürfte das meistgesehene Bild aller Zeiten sein.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Das Bild mit dem Titel „Bliss“ (Wonne) des Fotografen Charles O’Rear dürfte das meistgesehene Bild aller Zeiten sein. Man schätzt dass etwa die Hälfte der Menschheit bewusst oder unbewusst diese Aufnahme wahrgenommen haben dürften. The Story Behind the World’s Most Famous Desktop Background Bliss (Wikipedia, deutsch / englisch ) Windows XP (Wikipedia) Charles O’Rear (Wikipedia) Charles O’Rear Profil auf „The Photo Society“ »Mein Bild ist berühmter als die Mona Lisa« (SZ Magazin) Lufthansa Hires The Photographer Of Windows XP Wallpaper To Take New Pictures, And He Proves Himself Once Again Microsoft Paid ‘Bliss’ Photog $100K+ and ‘Autumn’ Photog $45 (Petapixel) „Bliss“ parodies Dieses Video auf YouTube ansehen Episodenbild: By Original scan of Charles O’Rear’s photograph, Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=4705583 Transkript Ich habe hier mehrere Bücher um mich herum, die sich mit einer Frage beschäftigen. Der Frage nämlich, welche Bilder sind die berühmtesten Bilder aller Zeiten. Da ist zum Beispiel vom Time-Magazine das Buch, das die 100 einflussreichsten Bilder aller Zeiten aufführt. Und der Taschenverlag hat ein Buch herausgegeben, namens Foto-Icons, indem berühmte Fotos und ihre Geschichten gelistet werden. Aber selbst zwischen diesen Bildern gibt es ganz eindeutige Unterschiede. Da gibt es Aufnahmen, die sogar meine Teenager kennen. Dann gibt es berühmte Bilder, die eigentlich nur in bestimmten Kulturkreisen verbreitet sind. Wenn es also Unterschiede zwischen diesen Bildern gibt, was wird dann wohl das berühmteste Bild aller Zeiten sein? Die Mondlandung? Napalm-Girl? Marilyn Monroe über dem Schacht der U-Bahn? Oder vielleicht ganz was anderes? (Musik wird abgespielt) Jetzt gibt es wahrscheinlich unterschiedliche Kriterien für erfolgreiche Fotografie. Aber halten wir doch einfach mal fest, ein berühmtes Foto sollte von vielen Menschen wiedererkannt werden. Und da dürfte es schwerfallen, das Bild des Fotografen Charles O’Rear zu schlagen. Denn angeblich hat das Bild Bliss, fast die Hälfte der Menschheit schon mal gesehen. Und falls du jetzt mit dem Namen Bliss nichts anfangen kannst, keine Sorge, ich kläre das gleich auf. Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, dass Charles keine Ahnung hatte, was für ein Bild er da machte, als er im Januar 1989 mit seinem Auto durch die hügelige Landschaft von Kalifornien fuhr. Genaugenommen war er im Napa Valley unterwegs. Und das Napa Valley hatte seit mehreren Jahren mit einer wachsenden Insektenplage zu kämpfen. Normalerweise ist das Nappa Valley in Kalifornien das Weinanbaugebiet der USA. Aber als Charles an jenem Tag durch die Hügellandschaft fuhr, war dort weit und breit nichts von Weinstöcken zu sehen. Über 50.000 Hektar Feld, waren brach, also wurden nicht bebaut. Und man hatte die kompletten Anlagen abgeräumt. Wo also normalerweise, so weit das Auge reicht, Rebstöcke zu sehen waren und entsprechende Infrastruktur verbaut war, war jetzt einfach nur eine grüne, hügelige Graslandschaft zu sehen. Der kalifornische Winter ist relativ regenreich. Und es war Januar, und es hatte gerade viel geregnet, und deswegen war das Grün auf den Hügeln saftig, wie nie. Charles war eigentlich Pressefotograf. Er hatte Auftragsarbeiten für National Geographic und für die Los Angeles Times erledigt, und zwischendurch fotografierte er auch gerne mal für bekannte, etablierte, große Stock-Agenturen, wie zum Beispiel …#00:02:47#. An jenem Januar war er allerdings privat unterwegs. Er wollte seine in San-Francisco lebende Freundin besuchen fahren. Wusste aber, er würde durch diese Hügellandschaft kommen, und hatte deswegen vorsorglich seine Mittelformatkamera eingepackt. Mittelformatkameras sind relativ große Kameras. Die Filme, die man dort einlegt, haben mehr Fläche. Und deshalb sind die Bilder in aller Regel detailreicher und schärfer. Und deswegen sagt Charles, das Bild wäre auch garantiert nicht so erfolgrei</itunes:summary>
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<p>Das Bild mit dem Titel &#8222;Bliss&#8220; (Wonne) des Fotografen Charles O&#8217;Rear dürfte das meistgesehene Bild aller Zeiten sein. Man schätzt dass etwa die Hälfte der Menschheit bewusst oder unbewusst diese Aufnahme wahrgenommen haben dürften. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.artsy.net/article/artsy-editorial-story-worlds-famous-desktop-background" target="_blank">The Story Behind the World’s Most Famous Desktop Background</a></li><li>Bliss (Wikipedia, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bliss_(Bild)" target="_blank">deutsch</a> / <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Bliss_(image)" target="_blank">englisch</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Microsoft_Windows_XP" target="_blank">Windows XP</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_O%27Rear" target="_blank">Charles O&#8217;Rear</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://thephotosociety.org/member/charles-orear/" target="_blank">Charles O&#8217;Rear Profil auf &#8222;The Photo Society&#8220;</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://sz-magazin.sueddeutsche.de/technik/mein-bild-ist-beruehmter-als-die-mona-lisa-83363" target="_blank">»Mein Bild ist berühmter als die Mona Lisa«</a> (SZ Magazin)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.demilked.com/windows-photographer-new-wallpeaper-lufthansa-charles-orear/" target="_blank">Lufthansa Hires The Photographer Of Windows XP Wallpaper To Take New Pictures, And He Proves Himself Once Again</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://petapixel.com/2017/12/23/microsoft-xp-bliss-photog-paid-100k-autumn-photog-paid-45/" target="_blank">Microsoft Paid ‘Bliss’ Photog $100K+ and ‘Autumn’ Photog $45</a> (Petapixel)</li><li><a href="https://www.google.com/search?q=bliss+wallpaper+parody&amp;tbm=isch&amp;ved=2ahUKEwiYr_L98rDyAhXDCuwKHVagBhUQ2-cCegQIABAA&amp;oq=bliss+wallpaper+parody&amp;gs_lcp=CgNpbWcQAzoFCAAQgAQ6BggAEAUQHjoGCAAQCBAeUJK6AVj5vwFg4sIBaABwAHgAgAFWiAGRA5IBATaYAQCgAQGqAQtnd3Mtd2l6LWltZ8ABAQ&amp;sclient=img&amp;ei=nuoXYZjoDMOVsAfWwJqoAQ&amp;bih=1356&amp;biw=1604" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Bliss&#8220; parodies</a></li></ul>

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<p>Episodenbild: By Original scan of Charles O&#8217;Rear&#8217;s photograph, Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=4705583</p>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Ich habe hier mehrere Bücher um mich herum, die sich mit einer Frage beschäftigen. Der Frage nämlich, welche Bilder sind die berühmtesten Bilder aller Zeiten. Da ist zum Beispiel vom Time-Magazine das Buch, das die 100 einflussreichsten Bilder aller Zeiten aufführt. Und der Taschenverlag hat ein Buch herausgegeben, namens Foto-Icons, indem berühmte Fotos und ihre Geschichten gelistet werden. Aber selbst zwischen diesen Bildern gibt es ganz eindeutige Unterschiede. Da gibt es Aufnahmen, die sogar meine Teenager kennen. Dann gibt es berühmte Bilder, die eigentlich nur in bestimmten Kulturkreisen verbreitet sind. Wenn es also Unterschiede zwischen diesen Bildern gibt, was wird dann wohl das berühmteste Bild aller Zeiten sein? Die Mondlandung? Napalm-Girl? Marilyn Monroe über dem Schacht der U-Bahn? Oder vielleicht ganz was anderes? (Musik wird abgespielt)</p>

<p>Jetzt gibt es wahrscheinlich unterschiedliche Kriterien für erfolgreiche Fotografie. Aber halten wir doch einfach mal fest, ein berühmtes Foto sollte von vielen Menschen wiedererkannt werden. Und da dürfte es schwerfallen, das Bild des Fotografen Charles O’Rear zu schlagen. Denn angeblich hat das Bild Bliss, fast die Hälfte der Menschheit schon mal gesehen. Und falls du jetzt mit dem Namen Bliss nichts anfangen kannst, keine Sorge, ich kläre das gleich auf. Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, dass Charles keine Ahnung hatte, was für ein Bild er da machte, als er im Januar 1989 mit seinem Auto durch die hügelige Landschaft von Kalifornien fuhr. </p>

<p>Genaugenommen war er im Napa Valley unterwegs. Und das Napa Valley hatte seit mehreren Jahren mit einer wachsenden Insektenplage zu kämpfen. Normalerweise ist das Nappa Valley in Kalifornien das Weinanbaugebiet der USA. Aber als Charles an jenem Tag durch die Hügellandschaft fuhr, war dort weit und breit nichts von Weinstöcken zu sehen. Über 50.000 Hektar Feld, waren brach, also wurden nicht bebaut. Und man hatte die kompletten Anlagen abgeräumt. Wo also normalerweise, so weit das Auge reicht, Rebstöcke zu sehen waren und entsprechende Infrastruktur verbaut war, war jetzt einfach nur eine grüne, hügelige Graslandschaft zu sehen. Der kalifornische Winter ist relativ regenreich. Und es war Januar, und es hatte gerade viel geregnet, und deswegen war das Grün auf den Hügeln saftig, wie nie. Charles war eigentlich Pressefotograf. </p>

<p>Er hatte Auftragsarbeiten für National Geographic und für die Los Angeles Times erledigt, und zwischendurch fotografierte er auch gerne mal für bekannte, etablierte, große Stock-Agenturen, wie zum Beispiel …#00:02:47#. An jenem Januar war er allerdings privat unterwegs. Er wollte seine in San-Francisco lebende Freundin besuchen fahren. Wusste aber, er würde durch diese Hügellandschaft kommen, und hatte deswegen vorsorglich seine Mittelformatkamera eingepackt. Mittelformatkameras sind relativ große Kameras. Die Filme, die man dort einlegt, haben mehr Fläche. Und deshalb sind die Bilder in aller Regel detailreicher und schärfer. Und deswegen sagt Charles, das Bild wäre auch garantiert nicht so erfolgreich geworden, hätte er es mit einer anderen Kamera aufgenommen. Der Film, den er eingelegt hatte, war bekannt dafür, sehr kontrastreich und sehr scharf zu sein. Er hatte ja vor, eine grüne Hügellandschaft, mit weißen Tupfwolken und kräftig blauem Himmel einzufangen. </p>

<p>Und genau das ist das Bild, das er macht. Er rollt durch die Landschaft, sieht die ungewöhnlich leergeräumten Hügel, und da sieht er die Szene vor sich, die hinterher zu seinem erfolgreichsten Foto werden sollte. Er fotografiert eine Wiese entlang, auf der kleine, gelbe Blumen als Farbtupfer zu sehen sind. Einen Hügel hinauf. Auf dem Hügel sieht man die Schatten der über ihn hinwegziehenden, weißen Tupfwolken, auf kräftig blauem Himmel. An der Aufnahme ist auffällig, wie minimalistisch sie eigentlich ist. </p>

<p>Es gibt kein herausstechendes Motiv, außer der Landschaft selbst. Farblich ist die Palette auf blau, grün und ein paar gelbe Tupfer reduziert. Es ist ausgewogen und hat sehr, sehr wenig Spannung. Und genau diese Eigenschaften machen diese Aufnahme zu dem perfekten Standard-Bildschirmhintergrund für eins der meistverkauften Betriebssysteme aller Zeiten. (Ton wird abgespielt) Aber das weiß Charles noch nicht. Damals, im Januar 1998, macht er dieses Bild. Entwickelt es nach, nach einem schönen Aufenthalt in San-Francisco, digitalisiert das Bild und lädt es zur damals größten und etabliertesten Fotoagentur der Welt, (?Chorbes) hoch. (?Chorbes) befindet sich zu der Zeit im Besitz von Bill Gates. Dessen Unternehmen, Microsoft, ist 1998 bereits damit beschäftigt, die nächste Betriebssystem-Version zu schaffen. Der Nachfolger von Windows 2000. Und dieses System war ein Paradigmenwechsel. </p>

<p>Manche Bedienelemente waren anders. Die Oberfläche selbst, polarisierte. Und man hatte beschlossen, dass selbstverständlich zu dem neunen Look, auch neue Standard-Hintergründe gehören. Und so war ein Team von Designern, auf der Suche nach dem perfekten Bildschirmhintergrund, in die Archive von (?Chorbes) abgetaucht. Und dort fanden sie die Aufnahme, die Charles hochgeladen hatte. (?Chorbes) vertrat Charles für eine ganze Reihe von Bildern, und kontaktierte Charles eben mit einem Angebot von Microsoft, dieses Bild aufzukaufen. Und damit meinten die nicht nur die Rechte an dem Bild, sondern alles. Das Negativ, sämtliche Nutzungsrechte. Sie wollten die volle Kontrolle über diese Aufnahme. Warum gerade dieses Bild, weiß Charles auch nicht.</p>

<p><strong>B1:</strong> I have no Idea, what die Engineers at Microsoft were looking for. I called them Engineers. Was it a Engineering Staff? Was it a creative Staff? I don’t know. Whoever it was, I am only guessing, were they looking for an Image that was peaceful? Were they looking for an Image, that had no Tension?</p>

<p><strong>I:</strong> Ich schätze mal, das hat eine Rolle gespielt. Außerdem war es halt auch noch ganz eindeutig so, dass dieses Bild zur neuen Designsprache von Windows XP passte. Die primären Farben in dieser Aufnahme sind identisch mit den primären Farben, die in Windows XP voreingestellt waren. Microsoft beschließt also, dieses Bild haben zu wollen und alle Rechte besitzen zu wollen. Also wird ein Preis verhandelt. Dieser Preis ist bis heute unbekannt. Aber er war deutlich jenseits der 100.000 Dollar. Und zu der Zeit, sagt man, war dieses Bild wahrscheinlich das zweitteuerste Foto, das je verkauft worden war. Es war so teuer, dass sich FedEx weigerte, die Negative von Kalifornien nach Seattle, zum Hauptsitz von Microsoft, fliegen zu lassen. Und deswegen stieg Charles O’Rear letztlich selbst mit seinen Bildern in den Flieger und machte sich auf den Weg zur Firmenzentrale, um das Negativ höchstpersönlich zu überreichen. Was für eine coole Vorstellung. Als jemand, der selbst fotografiert, finde ich, Bilder brauchen ein Publikum. Fotos sind nochmal schöner, wenn andere sie sich anschauen können. Sicherlich, manchmal reicht man selbst als Publikum. Aber die meisten von uns wollen Bilder zeigen. Ich zeige Bilder, wenn es hochkommt, mal einem paar Dutzend, vielleicht ein paar hundert Menschen. Charles flog zurück, in dem Wissen, dass sein Bild, Millionen Menschen zu Gesicht bekommen werden. Das ist schon ziemlich cool. Aber wie omnipräsent die Aufnahme tatsächlich werden würde, das war ihm zu dem Zeitpunkt auch noch nicht klar.</p>

<p><strong>I:</strong> I have seen it in the Situation Room of the White House, maybe a News Photograph. I have seen it in Shots in the Kremlin, where they would have Interviews. I don’t remember, if it was with Putin, or whoever might have been in there. And there, in the Background, was Windows XP.</p>

<p><strong>B:</strong> Er hat Bliss schon in Aufnahmen aus dem Weißen Haus, wie auch in Aufnahmen aus dem Kremlin gesehen. Charles sagt, wer in den letzten 20 Jahren aufgewachsen ist und in eine Schule gegangen ist, hat diese Aufnahme wahrscheinlich gesehen und wird sich für den Rest des Lebens daran erinnern. Vielleicht nicht bewusst, aber wenn man diesem Bild begegnet, dann weiß man, man hat es schon mal gesehen; man kennt es. Der Computerraum in der Schule war damit ausgestattet. Die Eltern hatten das System daheim. Und ich persönlich kann sagen, ich habe es viele, viele Male installiert, und dann sofort weggeklickt. Aber auf jeden Fall erstmal angeschaut. Jahre später, nachdem Windows XP auf den Markt gekommen ist, wird Charles von einer Gruppe Ingenieure aus Seattle angerufen. Sie haben gewettet. Es gibt nämlich eine Diskussion, ob das Bild eigentlich in <a "/posts/die-geschichte-der-bildmanipulation.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="55" title="Photoshop">Photoshop</a> entstanden sein, oder irgendwo in Seattle aufgenommen worden war, oder wo es denn jetzt nun her wäre. </p>

<p>Sie rufen ihn an und lernen dabei, dass dieses Bild tatsächlich in Kamera so entstanden ist. Dass es diesen Hügel wirklich gibt. Dass er nicht in Seattle, sondern in Kalifornien steht. Man weiß, dass Microsoft die Originalaufnahme leicht zugeschnitten hat. Nichts Dramatisches, nur um das Bildverhältnis ordentlich anzupassen. Immer wieder mal kann man außerdem von der Behauptung lesen, Microsoft hätte die Sättigung hochgedreht. Tatsächlich weiß man aber inzwischen von einer Analyse des Original-Negativs, dass die Farben tatsächlich im Negativ so zu sehen waren. Es ist einfach ein Effekt von dem eingesetzten Fujifilm. Das, was wir heute am Rechner machen, nämlich die Farbsättigung hochdrehen, Filter auf das Bild legen und so weiter, hat man damals einfach schon durch die Auswahl des Films gemacht. Und so ist es eben auch bei Bliss. Auf dem Negativ war das Grün wirklich so grün, und das Blau wirklich so blau. Charles lebt immer noch in der Nähe dieses Hügels. </p>

<p>Seine damalige Freundin ist jetzt seit mehreren Jahrzehnten seine Ehefrau. Und er beschäftigt sich auch fotografisch weiter mit der Landschaft, rund um sein Heim. Elf Bücher kann man kaufen, in denen er Fotografien und Texte beigesteuert hat. Alle beschäftigen sich mit den Weinanbaugebieten von Kalifornien. Keine der Aufnahmen, die man dort sieht, sind so minimalistisch wie das Bild, das Charles an Microsoft verkauft hat. Und natürlich wurden diese nicht von annähernd so vielen Leuten gesehen. Ob das jetzt die Aufnahmen erfolgreicher oder weniger erfolgreich macht, das überlasse ich jetzt mal dir. (Musik wird abgespielt) Fotomenschen. Wer weiß schon, welchen Einfluss dieses Bild auf unser kollektives Bildgedächtnis genommen hat. </p>

<p>Ich habe hier in meinem Bildarchiv eine Landschaftsaufnahme, in der ich gemähte Wiesen vor einem weißbetupften, krachend blauem Himmel fotografiert hatte. War dieses Bild vielleicht inspiriert von Bliss? Ohne dass ich es gemerkt habe? Charles selbst hat übrigens einmal in einem Interview gesagt, die meisten Fotografen werden berühmt für Bilder, die sie gemacht haben. Er aber hätte dieses Bild nicht gemacht. Er war nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hat den richtigen Moment dokumentiert. Das Bild war schon vor ihm da. Und als er das Bild gemacht hat, wusste er nicht, was daraus einmal werden würde. Und das finde ich jetzt wirklich spannend. Wäre ich nämlich in Charles Schuhen gestanden und würde dieses Foto heute machen, ich hätte es daheim beim Sichten meiner Speicherkarten einfach gelöscht. Und zwar, weil es, meiner Meinung nach, zu wenig gezeigt hätte.</p>

<p>Charles hat es einfach mit hochgeladen, zu seinen anderen Bildern, und darauf vertraut, dass Menschen, die daran interessiert sein würden, es dann auch finden würden. Das stellt irgendwie die Frage, ob wir selbst eigentlich immer beurteilen können, welche unserer Bilder denn nun gut oder gelungen sind, und welche nicht. </p>]]></content:encoded>
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            <title>Blind fotografieren</title>
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            <pubDate>Sat, 07 Aug 2021 15:16:35 GMT</pubDate>
            <description>&quot;The mind is the essence of your sight. It’s really the mind that sees.&quot; (John Dugdale)</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Fotografie heißt übersetzt „Mit Licht zeichnen“. Aber heißt das man muss dafür auch sehen können? „The mind is the essence of your sight. It’s really the mind that sees.“ (John Dugdale) Artikel zum Thema: Deutschlandfunk – Wie Blinde fotografieren Goodlive – Ein blinder Fotograf: Die Geschichte von Pete Eckert FotoTV – Hannes Wallraven – ein erblindeter Fotograf erzählt kwerfeldein – Pete Eckert - Ein blinder Fotograf The Guardian – The work of blind photographers - in pictures BBC – How a blind photographer sees the world National Geographic – Blind Photographers Push the Envelope of Expression NY Times – Visions of a Blind Photographer TIME – The Art and Heart of Blind Photographers fstoppers – Seeing Without Seeing - The Fascinating Story Of The Blind Photographer Hindustan Times – Visually impaired photographer Pranav Lal’s journey of expression TAZ – Zart und unheimlich leuchten Better Photography – Sonia Soberats Petapixel – The Surreal Light Painting Photography of a Blind Photographer DW – Die blinde Fotografin Silja Korn Weiterführendes: Retinopathia pigmentosa (Wikipedia) Sonifikation (Wikipedia) Photosounder DNA Sonification EMOP Berlin Ausstellungen – Blinde Fotograf*innen Flickr – The Seeing With Photography Collective Seeing With Photography Collective auf Instagram Hörempfehlungen: Wie siehst Du das? Der Podcast über Sehen und Nichtsehen ( Apple Podcasts link ) Photography Daily #53 – The ‚Blind Photographer!‘ (Interview mit Ian Treherne) FotografInnen : Susanne Emmermann Ian Treherne ( Webseite , Instagram) Pete Eckert (Wikipedia, Webseite ) Pranav Lal (Twitter, Webseite ) Nivi Morales ( Instagram ) Sonia Soberats ( Flickr ) Kurt Weston ( Webseite , Instagram) Silja Korn ( Webseite ) Evgen Bavčar ( Wikipedia ) Bruce Hall ( Wikipedia ) Michael Richard ( Wikipedia ) John Dugdale ( Wikipedia ) Dieses Video auf Vimeo ansehen Dieses Video auf Vimeo ansehen The Blind Photographer: 150 extraordinary photographs from around the world Transkript I: Es ist eine (?Binse), dass Menschen, die einen Sinn verlieren, diese Fähigkeit über die anderen Sinne ausgleichen. Wenn wir also unser Augenlicht verlieren, dann hören wir wahrscheinlich besser und tasten mehr. Und darum überrascht es uns auch überhaupt gar nicht, dass es blinde Musiker gibt, oder taube Maler. Aber blinde Fotografinnen ? (Musik wird abgespielt) Fotomenschen. Vielleicht mal gleich vorneweg: Der Begriff blind ist schwierig. Denn wir meinen damit ja meistens Menschen, die nicht richtig sehen können, und da gibt es ein Spektrum. Ich selbst weiß jetzt nicht genau, was die richtige Terminologie ist. Ich werde also öfters mal blind sagen. Unteranderem auch deswegen, weil in praktisch allen Artikeln und Büchern, die ich gefunden habe, für die heutige Folge, der Begriff blind, ganz selbstverständlich benutzt wurde. Und um das gleich vorwegzunehmen, jawohl, es gibt wahrscheinlich tausende von blinden Fotografinnen und Fotografen da draußen. Es gibt sogar Vereine, die Menschen beibringen, mit der Kamera umzugehen und zu fotografieren. Die erste Geschichte, die mir begegnet ist, ist von dem Inder, Pranav Lal. Er konnte noch nie sehen. Er wurde blind geboren. Und trotzdem wurde er bekannt als Indiens blinder Fotograf. Denn seine Bilder gingen durch die Presse und die Medien. Fast alle seine Aufnahmen entstehen im Freien. Die Natur ist sein Motiv. Und Pranav fotografiert mit Hilfe von Technologie. Zunächst einmal fotografiert er mit modernen, digitalen Kameras. Wichtig ist, sagt er, dass die Kamera einen ordentliche Auto-Fokus hat. Aber wie weiß Pranav, was er denn fotografiert? Dafür hat er ein zweites System für sich entdeckt. 2001 entdeckte er eine Software namens Voice. Die setzt etwas um, das nennt sich (?Soundification). Soundification ist das Darstellen beliebiger Daten durch Töne. Wenn wir uns Daten anschauen, schauen wir uns diese wahnsinnig gerne als visuelle Graphen an. Und diese G</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Fotografie heißt übersetzt &#8222;Mit Licht zeichnen&#8220;. Aber heißt das man muss dafür auch sehen können? </p>

<p>&#8222;The mind is the essence of your sight. It’s really the mind that sees.&#8220; (John Dugdale)</p>

<p><strong>Artikel zum Thema:</strong></p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.deutschlandfunk.de/workshop-wie-blinde-fotografieren-100.html" target="_blank">Deutschlandfunk &#8211; Wie Blinde fotografieren</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.mrgoodlife.net/de/life-de/ein-blinder-fotograf-die-geschichte-von-peter-eckert/" target="_blank">Goodlive &#8211; Ein blinder Fotograf: Die Geschichte von Pete Eckert</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20231204190546/https://www.fototv.de/tutorial/hannes-wallrafen-ein-erblindeter-fotograf-erzaehlt" target="_blank">FotoTV &#8211; Hannes Wallraven &#8211; ein erblindeter Fotograf erzählt</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20221004105617/https://kwerfeldein.de/2011/02/09/pete-eckert-ein-blinder-fotograf/" target="_blank">kwerfeldein &#8211; Pete Eckert - Ein blinder Fotograf</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theguardian.com/artanddesign/gallery/2016/aug/20/the-work-of-blind-photographers-in-pictures" target="_blank">The Guardian &#8211; The work of blind photographers - in pictures</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bbc.com/news/uk-england-essex-48135931" target="_blank">BBC &#8211; How a blind photographer sees the world</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nationalgeographic.com/photography/article/blind-photographer-expression" target="_blank">National Geographic &#8211; Blind Photographers Push the Envelope of Expression</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache%3Ahttps%3A%2F%2Flens.blogs.nytimes.com%2F2012%2F09%2F18%2Fvisions-of-a-blind-photographer%2F&amp;oq=cache%3Ahttps%3A%2F%2Flens.blogs.nytimes.com%2F2012%2F09%2F18%2Fvisions-of-a-blind-photographer%2F&amp;aqs=chrome..69i57j69i58.3280j0j4&amp;sourceid=chrome&amp;ie=UTF-8" target="_blank">NY Times &#8211; Visions of a Blind Photographer</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20130501180508/http:/www.time.com/time/arts/article/0,8599,1899017,00.html" target="_blank">TIME &#8211; The Art and Heart of Blind Photographers</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://fstoppers.com/education/seeing-without-seeing-fascinating-story-blind-photographer-25151" target="_blank">fstoppers &#8211; Seeing Without Seeing - The Fascinating Story Of The Blind Photographer</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.hindustantimes.com/static/groundglass/Visually-impaired-since-birth-photographer-Pranav-Lal-journey-of-expression/" target="_blank">Hindustan Times &#8211; Visually impaired photographer Pranav Lal’s journey of expression</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://taz.de/Blinde-Fotografinnen-in-Berlin/!5727822/" target="_blank">TAZ &#8211; Zart und unheimlich leuchten</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20220813184441/http://www.betterphotography.in/perspectives/great-masters/sonia-soberats/162542/" target="_blank">Better Photography &#8211; Sonia Soberats</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://petapixel.com/2012/10/01/the-surreal-light-painting-photography-of-a-blind-photographer/" target="_blank">Petapixel &#8211; The Surreal Light Painting Photography of a Blind Photographer</a></li><li>DW &#8211; Die blinde <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> Silja Korn</li></ul>

<p><strong>Weiterführendes:</strong></p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Retinopathia_pigmentosa" target="_blank">Retinopathia pigmentosa</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sonifikation" target="_blank">Sonifikation</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://photosounder.com/" target="_blank">Photosounder</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210226044440/http://dnasonification.org/tool.php" target="_blank">DNA Sonification</a></li><li>EMOP Berlin Ausstellungen &#8211; Blinde Fotograf*innen</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.flickr.com/photos/seeingwithphotography/" target="_blank">Flickr &#8211; The Seeing With Photography Collective</a></li><li>Seeing With Photography Collective auf Instagram</li></ul>

<p><strong>Hörempfehlungen:</strong></p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="http://wiesiehstdudas.de/" target="_blank">Wie siehst Du das? Der Podcast über Sehen und Nichtsehen</a> (<a rel="noreferrer noopener" href="https://podcasts.apple.com/de/podcast/wie-siehst-du-das/id1464949493" target="_blank">Apple Podcasts link</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://photowalk.show/episodes/ian-treherne-the-blind-photographer-pt1" target="_blank">Photography Daily #53 &#8211; The &#8218;Blind Photographer!&#8216; (Interview mit Ian Treherne)</a></li></ul>

<p><strong><a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">FotografInnen</a>:</strong></p>

<ul><li>Susanne Emmermann</li><li>Ian Treherne (<a rel="noreferrer noopener" href="https://iantreherne.co.uk" target="_blank">Webseite</a>, Instagram)</li><li>Pete Eckert (Wikipedia, <a rel="noreferrer noopener" href="https://peteeckert.com/" target="_blank">Webseite</a>)</li><li>Pranav Lal (Twitter, <a rel="noreferrer noopener" href="https://techesoterica.com/" target="_blank">Webseite</a>)</li><li>Nivi Morales (<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/wonkyvision/?hl=en" target="_blank">Instagram</a>)</li><li><span style="color: initial;">Sonia Soberats</span> (<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.flickr.com/photos/seeingwithphotography/sets/72157613355579108/" target="_blank">Flickr</a>)</li><li>Kurt Weston (<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.kurtweston.com/" target="_blank">Webseite</a>, Instagram)</li><li>Silja Korn (<a rel="noreferrer noopener" href="http://siljakorn.de/" target="_blank">Webseite</a>)</li><li>Evgen Bavčar (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Evgen_Bav%C4%8Dar">Wikipedia</a>)</li><li>Bruce Hall (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Bruce_Hall_(photographer)">Wikipedia</a>)</li><li>Michael Richard (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Michael_Richard">Wikipedia</a>)</li><li>John Dugdale (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/John_Dugdale_(photographer)">Wikipedia</a>)</li></ul>

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<p><a href="https://player.vimeo.com/video/227040818?dnt=1&amp;app_id=122963" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf Vimeo ansehen</a></p>

<p><a href="https://player.vimeo.com/video/69540630?dnt=1&amp;app_id=122963" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf Vimeo ansehen</a></p>

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<p><a href="https://www.amazon.de/dp/1616895233" target="_blank" rel="noopener">The Blind Photographer: 150 extraordinary photographs from around the world</a></p>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p><strong>I:</strong> Es ist eine (?Binse), dass Menschen, die einen Sinn verlieren, diese Fähigkeit über die anderen Sinne ausgleichen. Wenn wir also unser Augenlicht verlieren, dann hören wir wahrscheinlich besser und tasten mehr. Und darum überrascht es uns auch überhaupt gar nicht, dass es blinde Musiker gibt, oder taube Maler. Aber blinde <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a>? (Musik wird abgespielt) Fotomenschen. Vielleicht mal gleich vorneweg: Der Begriff blind ist schwierig. Denn wir meinen damit ja meistens Menschen, die nicht richtig sehen können, und da gibt es ein Spektrum. Ich selbst weiß jetzt nicht genau, was die richtige Terminologie ist. Ich werde also öfters mal blind sagen. Unteranderem auch deswegen, weil in praktisch allen Artikeln und Büchern, die ich gefunden habe, für die heutige Folge, der Begriff blind, ganz selbstverständlich benutzt wurde. </p>

<p>Und um das gleich vorwegzunehmen, jawohl, es gibt wahrscheinlich tausende von blinden Fotografinnen und Fotografen da draußen. Es gibt sogar Vereine, die Menschen beibringen, mit der Kamera umzugehen und zu fotografieren. Die erste Geschichte, die mir begegnet ist, ist von dem Inder, Pranav Lal. Er konnte noch nie sehen. Er wurde blind geboren. Und trotzdem wurde er bekannt als Indiens blinder Fotograf. Denn seine Bilder gingen durch die Presse und die Medien. Fast alle seine Aufnahmen entstehen im Freien. Die Natur ist sein Motiv. Und Pranav fotografiert mit Hilfe von Technologie. Zunächst einmal fotografiert er mit modernen, digitalen Kameras. Wichtig ist, sagt er, dass die Kamera einen ordentliche Auto-Fokus hat. Aber wie weiß Pranav, was er denn fotografiert? Dafür hat er ein zweites System für sich entdeckt. 2001 entdeckte er eine Software namens Voice. Die setzt etwas um, das nennt sich (?Soundification). Soundification ist das Darstellen beliebiger Daten durch Töne. </p>

<p>Wenn wir uns Daten anschauen, schauen wir uns diese wahnsinnig gerne als visuelle Graphen an. Und diese Graphen sind aber nichts anderes als eine Krücke. Sie helfen uns, einen Zusammenhang zu erfassen. Je nachdem, welchen Diagrammtyp wir verwenden, mag dieser Zusammenhang dann offensichtlicher und weniger offensichtlich sein. Allerdings sagt ja niemand, dass Daten visuell aufbereitet werden müssen. Daten können auch als Töne aufbereitet werden. So klingt zum Beispiel die menschliche DNA: (Töne werden abgespielt) Und inzwischen gibt es so einiges an Software, die auf die verschiedensten Arten auch Bilder in Töne umwandeln kann. Das kann für ungeübte Ohren auch erstmal recht anstrengend wirken. Aber hier zum Beispiel die Sonifizierung meines Podcast-Logos, mit einer Software namens Photosounder: (Töne werden abgespielt) </p>

<p>Spannend ist dabei insbesondere, dass mit etwas Übung, Menschen, die diese Software verwenden, durchaus unterscheiden können, ob sie eine dunkle, eine helle, eine Szene mit vielen Objekten, eine Szene mit wenigen Objekten sehen. Und genau so ein System macht sich Pranav zu eigen. Er hat sich ein System gebaut, bestehend aus einer Action-Cam, die er mit einem Stirnband am Kopf trägt. Einer Verbindung zu einer Software, die die Bilder, die die Action-Cam aufnimmt, direkt sonifiziert. Und sogenannten Bone-Conducting-Headphones. Also Kopfhörer, die über Knochenschall funktionieren, um diese Töne dann hören zu können. Und so läuft er durch die Gegend und hört seine Umgebung. Klingt die Umgebung nun interessant, dann nimmt er die Kamera, die er dabeihat, und hält sie grob in dieselbe Richtung. Also buchstäblich vor seine Stirnkamera, und drückt ab. </p>

<p>Moderne Kameratechnik sorgt jetzt dafür, dass scharfgeschaltet ist und die Belichtung stimmt. Pranav sorgt dafür, dass eine Szene fotografiert wurde, die ihn angesprochen hat. Und seine Mitmenschen sind davon fasziniert, wie oft dort wirklich ansprechende Kompositionen und interessante Bilder rauskommen. Sicherlich sind die Bilder nicht immer gelungen, aber bei wem sind sie das schon. Und Pranav kann mit dieser Kamera jetzt alles erleben und tun, was wir sehende Fotografinnen und Fotografen auch können. Er kann Szenen festhalten. Er kann sie sich wieder und wieder anschauen, oder anhören. Er kann mit anderen über die Aufnahmen sprechen. Er kann Bilder identifizieren, die bestimmte Stimmungen bei ihm auslösen, oder die bestimmte Stimmungen bei den Betrachterinnen und Betrachtern auslösen. Moderne, blinde Fotografinnen und Fotografen sind dabei auch nicht auf Soudification angewiesen. Es gibt auch andere Systeme, die im Endeffekt den einen Sinneseindruck in einen anderen umwandeln. So habe ich zum Beispiel mal ein Gerät gesehen, das aus einer kleinen Action-Kamera und einer Platte bestand, die die Bilder in kleine Druckpunkte umgewandelt hat. </p>

<p>Man brachte diese Platte einfach immer an derselben Stelle am Körper an, und sie modellierte sozusagen die Umrisse, die die Kamera sieht, auf die Haut. Also drückte sie mit kleinen, beweglichen Stiften auf die Haut. Unser Gehirn ist faszinierend und wahnsinnig leistungsfähig. Und Menschen, die mit solchen Gerätschaften unterwegs sind, können nach einer Weile auf die Art und Weise, Gegenständen ausweichen, ohne sie sehen zu müssen. Sie können Türen identifizieren und öffnen, Hindernissen ausweichen, und dergleichen mehr. Und natürlich wird so etwas unter Umständen auch von Fotografinnen und Fotografen benutzbar. Okay, mag einem da in den Sinn kommen, das ist nett. Aber für kommerzielle Fotografie ist so etwas wahrscheinlich nicht wirklich verwendbar, oder? </p>

<p>Und bei Pranav stimmt das. Der betreibt das Ganze in erster Linie als ein Hobby. Aber ich habe eine ganze Reihe von professionellen Fotografinnen und Fotografen entdeckt, die <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a>-Arbeiten abliefern, die in der Werbeindustrie fotografieren, und dabei wenig oder gar kein Augenlicht besitzen. Ein Beispiel ist der britische Fotograf Ian …#00:05:40#. Er leidet an einer Augenkrankheit namens Retinopathia pigmentosa. Menschen, die an dieser Krankheit leiden, verlieren über die Zeit ihre Fotorezeptoren. Betroffene sehen also zunächst ganz normal, verlieren diese Fähigkeit aber dann über die Jahre. Wie der Verlauf genau aussieht, ist unterschiedlich. Den meisten fällt im Teenageralter irgendwann auf, dass sie irgendwas nicht mehr wirklich wahrnehmen können. Also zum Beispiel stark nachtblind sind, oder einen ausgeprägten Tunnelblick haben, oder Kontraste nicht richtig wahrnehmen können. Und mit den Jahren wird es immer schlechter, bis sie schließlich gar nichts mehr sehen. Ian trifft es besonders hart, denn er wird tatsächlich mit einer ausgeprägten Hörschwäche geboren. </p>

<p>Er kann hohe Frequenzen nicht wahrnehmen, deswegen hatte er schon als Kind regelmäßig Hörhilfen getragen. Trotzdem bemerkt seine Familie nicht, wie Ian nach und nach immer weniger sieht. Er selbst ist es, dem als Vierzehnjähriger auffällt, dass er beim Spielen mit seinen Freunden im Wald eigentlich gar nicht weiß, wo er hinläuft, und seine Familie dann überzeugt, mit ihm zum Augenarzt zu gehen. Die diagnostizieren seine Krankheit, und ab jetzt weiß er, dass er wahrscheinlich mit 40 nichts mehr sehen wird. Im Augenblick hat er noch ungefähr fünf Prozent seines Augenlichts. Bei Ian ist es so, dass er einen Tunnelblick entwickelt. Das heißt, es gibt in der Mitte seines Seefeldes einen kleinen Streifen, in dem er immer noch alles sehen kann. Ian sieht es also auf sich zukommen. Und als Teenager weiß er natürlich noch nicht wirklich, wie er damit umgehen wird. </p>

<p>Aber wie er älter wird, und diese Krankheit sich immer weiter ausdehnt, stellt er fest, dass er sein Leben nicht davon definieren lassen möchte. Wie viele seiner Altersgenossen, ist Ian zu dieser Zeit begeistert vom Kino. Aber seine Begeisterung geht weit über das hinaus, was seine Altersgenossen teilen. Er interessiert sich für die Kinematographie, für die Kameraführung, für die Einstellungen, für die Farben, die er sieht, für die Kontraste. Und darüber kommt er dann irgendwann auch zur Fotografie. Er möchte festhalten, was er sieht. Er möchte festhalten, wie es sich verändert, was er sieht. Und er möchte ein Werk schaffen, das beeindruckend ist. Und so beschließt er, Fotograf zu werden. Sein Genre? <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a>. Sein Arbeitsumfeld variiert. Aber hauptsächlich arbeitet er in seinem eigenen Studio, wo er die Lichtbedingungen und die Posen seiner Models, detailliert kontrollieren kann. Ian lässt sich Zeit. Ian muss sich Zeit lassen. Er arbeitet intensiv mit seinen Models. </p>

<p>Unterhält sich lange mit ihnen. Spürt in sich hinein. Sieht sehr genau hin. Denn es ist ja nicht viel, was er wahrnehmen kann. Und auch das ist eine Binse. Je mehr Zeit wir uns mit unseren Fotografien lassen, je mehr wir darüber nachdenken, was wir tun und warum wir es tun, desto besser werden sie in aller Regel. Und bei Ian ist es nicht anders. Er fotografiert viel schwarz-weiß. Er spielt mit Dunkelheit in seinen Aufnahmen. An den Bildern sieht man den Könner. Und die Fotografie ist nicht fertig, nachdem er sie aufgenommen und am Rechner bearbeitet hat, sondern erst, wenn sie gedruckt ist und in einem handgefertigten Rahmen, gerahmt. </p>

<p>Bei Ian kommt das physikalische Objektbild und das, was er sieht und empfindet, zusammen. Und er sieht seine Zeit jetzt, als Fotograf, er noch fünf Prozent sihet, als Vorbereitung für die Zeit, wenn er gar nichts mehr sieht. Und er hat zumindest bisher nicht vor, dann mit dem Fotografieren aufzuhören. Denn während er eigentlich angefangen hatte, weil er das Gefühl hatte, es tickt eine Uhr und es muss in der Zeit, in der er noch sehen kann, möglichst viel passieren, hat er inzwischen für sich entdeckt, dass die Fotografie viel mehr für ihn eröffnet. Er sagt, Fotografie erlaubt ihm, an der Welt teilzuhaben, unabhängig davon, ob er sie sehen kann, oder nicht. Hier in seinen eigenen Worten.</p>

<p><strong>B1:</strong> Well, I think without the Camera, I think, yeah, I will be quiet cutoff. I think, having the Camera is the sort of Thing, that allows me to sort of, you know, be involved in other Peoples Worlds.</p>

<p><strong>I:</strong> Er sagt, ohne Kamera wäre er irgendwann von der Welt abgeschnitten. Aber mit der Kamera darf er sozusagen an anderer Leute Welten teilhaben. Wir haben also verschiedene Aspekte inzwischen schon beisammen, die wir als Sehende natürlich auch mit der Fotografie verbinden. Nämlich die Möglichkeit, uns auszudrücken und über das Bild mit anderen in Kontakt treten zu können. Die Möglichkeit, die Kamera dafür zu benutzen, in andere Lebenswelten einzutauchen, die Welt erfahren zu können. Trotzdem ist es oft so, dass Menschen, wenn sie ihre Sehkraft verlieren, zunächst denken, alles Visuelle ist außer Reichweite. Waren sie vorher Fotografinnen und Fotografen, hören sie damit auf. Waren sie vorher begeisterte Kinogänger oder in Gallieren zu Besuch, ist das zunächst einmal außer Reichweite. Weil das aber nicht immer so sein muss, und weil es, besonders auch in unserer digitalen Welt, Möglichkeiten gibt, kamen mit den 2000er Jahren, weltweit an verschiedensten Stellen, Initiativen und Vereine auf. Und es tauchen Bildbände und Ausstellungen auf. So konnte man letztes Jahr, im Rahmen des europäischen Monats der Fotografie, im F3 in Berlin, eine Ausstellung von Fotografinnen und Fotografen besuchen, und sah dort sogenannte Lichtmalereien.</p>

<p><strong>B2:</strong> Mein Name ist Susanne Emmermann und ich fotografiere eigentlich schon immer. Aber nachdem ich anfing zu erblinden, 92, dachte ich, das ist verloren. Und habe mich dann langsam wieder herangetastet. Und ja, bis hin zum Workshop 2017, indem wir dann mit dem (?Light-Painting), was wir jetzt praktizieren, angefangen haben.</p>

<p><strong>B3:</strong> Ja, mein Name ist Gerald (?Pirner). Ich war zunächst begeisterter Bildseher. Habe mich mit Malerei beschäftigt. War sehr intensiver Kinogänger. Dann kam meine Erblindung. Und dann war erstmal vollkommen Schluss mit allen möglichen Bildern. Und ich habe mich dann erst langsam wieder, über mein Schreiben, an die Bilder herangetastet. Habe dann, vor einigen Jahren, angefangen zu fotografieren. Jetzt irgendwie auch tatsächlich ohne Light-Painting zunächst. Bin vom Spüren ausgegangen. Kam dann, über den Film von Frank (?Amann), an das Light-Painting heran. Und fotografiere im Light-Painting Stil jetzt seit drei, vier Jahren, oder sowas.</p>

<p><strong>B4:</strong> Mein Name ist (?Silvia Korn) und ich habe vor meiner Erblindung auch schon fotografiert. Mein Vater hat uns Kinder dort herangeführt. Er hat uns gefilmt und fotografiert. Und dann bin ich mit zwölf blind geworden und habe auch geglaubt, dass ich das nicht mehr machen könnte. Und 2004 habe ich das dann wieder aufleben können, durch eine Fotografin, die blinde Menschen gesucht hat und mit ihnen fotografieren wollte. Und da hat sie mir gezeigt, wie man auch blind fotografieren kann. Und seit dem Tag an, habe ich erstmal fotografiert. Und dann habe ich auch mit Light-Painting, 2017, 2016 oder 2017 angefangen zu fotografieren. Und bin auch sehr begeistert, dass wir diese Möglichkeit jetzt haben.</p>

<p><strong>I:</strong> Light-Painting, das ist eine Technik, die von blinden Fotografinnen und Fotografen öfter angewandt wird. Die Idee ist simpel. Es ist eine Langzeitaufnahme. Das heißt, die Kamera wird in einem dunklen Raum auf ein Motiv gerichtet und belichtet ab jetzt. Und man geht mit verschiedenen Lichtquellen, zum Beispiel Taschenlampen, oder auch farbigen Reflektoren, und ähnlichem. Die Kamera zeichnet all diese Lichtbewegungen auf. Weil es aber eine Langzeitbelichtung ist, wird der Fotograf oder die Fotografin im Bild nicht sichtbar, das Motiv aber sehr wohl. Und dabei entstehen wirkmächtige Aufnahmen, die fast schon an Gemälde erinnern. Menschen, die nicht richtig oder gar nicht mehr sehen können, machen viele Dinge langsamer als wir Sehenden. </p>

<p>Sie müssen genauer hin spüren, sie müssen ihre Umgebung erfassen, sie müssen Dinge ertasten. Und Lichtmalerei gibt ihnen die Möglichkeit dazu. Es ist fast schon als würde man eine Skulptur abgehen. Und so können die Künstlerinnen und Künstler übersetzen, was sie spüren und ein Abbild ihres Erlebnisses schaffen. Und die Werke sehen großartig aus. Die sehen so toll und einzigartig aus, dass VW, im Jahr 2018, den blinden Fotografen Pete Eckert, vielleicht inzwischen der berühmteste Fotograf dieses Genres, damit beauftragte, eine Werbekampagne für den Volkswagen Arteon zu produzieren. Auch Pete leidet an Retinopathia pigmentosa. Er war ausgebildeter Bildhauer als ihn die Diagnose ereilte. Und, wie so viele andere, dachte auch er, alles, was ihn an den visuellen Künsten bis hierhin fasziniert hatte, wäre jetzt vorbei. Aber er konnte irgendwie nicht davonlassen, Kunst schaffen zu wollen. </p>

<p>Und deswegen brachte er sich bei, wie er blind eine Drehbank bedienen kann, und fing an, Holzuhrwerke zu schaffen, oder kleine Skulpturen. Es dauerte nicht lange, und das war irgendwie nicht mehr genug. Es dauerte einfach auch zu lange, bis auf diese Art, Kunst geschaffen wurde. Und es gab keine Chance, dass er jemals seinen Lebensunterhalt damit verdienen würde. Und das war sein erklärtes Ziel; Er wollte mit seinen Leidenschaften, Geld verdienen. Irgendwann passiert dann, was passieren musste: Ihm fiel eine alte Kamera in die Hand. Alte Kamera, in dem Fall eine <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> aus den 50er Jahren, haben die angenehme Eigenschaft, dass sie sehr haptisch sind. Dort sind verhältnismäßig große und wenige Bedienelemente dran. </p>

<p>Und die kann man bedienen lernen, ohne sie sehen zu müssen. Seine Frau hilft ihm dabei, die grundsätzliche Funktionalität zu verstehen. Aber er stößt trotzdem schnell an Grenzen, und wendet sich an einen lokalen Foto-Fachbetrieb. Und die bringen ihm, in schier endloser Geduld, verschiedenste Techniken bei, die er auch als Blinder beherrschen kann. Beziehungsweise entwickeln diese Techniken zusammen mit ihm. Auch hier mündet das Ganze in Ausstellungen, in Fotobücher und eben in eine Kampagne für Volkswagen, in dem er, mit Hilfe von Lichtmalerei, wirklich eindrückliche Bilder und Videos schafft. Und auch bei Pete ist der Antrieb ein sehr ähnlicher, wie bei sehenden Zeitgenossen mit Kamera. Er braucht die Bilder selbst nicht sehen können, um zu wissen, wie sie auf andere in seiner Umgebung wirken, wenn diese sie sich anschauen. </p>

<p>Wie andere professionelle Fotografinnen und Fotografen auch, hat er Assistenten, die ihm dabei helfen, die Belichtungstechnik und die Kamera selbst auszurichten. Aber das Bild schafft er, in dem er sich um sein Motiv herumtastet und mit verschiedenen Lichtquellen malt. Oft schafft er das Bild schon fertig im Kopf, noch bevor er überhaupt zur Tat schreitet. Die Tatsache, dass er früher mal sehen konnte, hilft ihm dabei natürlich ungemein. Ein stückweit, so sagt er, macht er eigentlich mit der Kamera dasselbe, was er als Bildhauer auch mit der Drehbank machen würde, nur in viel kürzerer Zeit. Und was ich ganz allgemein sehr beeindruckend finde, wenn ich mir die Bilder von ihm oder anderen blinden Fotografinnen und Fotografen anschaue, ist die Kreativität, die dort durchsticht. So mancher von uns fotografiert ja eigentlich nur, was uns sowieso im Alltag begegnet und hält dann vielleicht sogar einfach mit der Vollautomatik drauf. Daran ist auch überhaupt gar nichts auszusetzen. </p>

<p>Aber diese Fotografinnen und Fotografen, die sich herantasten, daran, was eine Fotografie für sie bedeutet, schaffen dort zum Teil Bilder, die anders sind als alles, was ich sonst so zu sehen bekomme. Sie drücken sich aus. Sie zeigen ihrer Umgebung ihre Welt. Und das, glaube ich, ist im Kern alles, worum es bei Fotografie überhaupt gehen kann. (Musik wird abgespielt) Fotomenschen. Zur heutigen Folge gibt es wirklich viel Material, was man sich anschauen kann. Ich habe so einiges an Videos und weiterführenden Links aufgeführt. Ich habe eine größere Auswahl von Fotografinnen und Fotografen in den Notizen zur Sendung hinterlegt und möchte damit möglichst viel Anlass und Gelegenheit schaffen, um in diese faszinierende Welt einzutauchen. </p>

<p>Als mir dieser erste Fall eines sehbehinderten Fotografen begegnet ist, dachte ich noch, das ist eine Kuriosität. Und je mehr ich mich dann damit beschäftigt habe, desto mehr wurde mir klar, dass so mancher von diesen Menschen näher an der Essenz des Fotografierens ist als viele Sehende, die mit Kameras durch die Gegend laufen. Wenn die Fotografie ein Weg ist, sich auszudrücken, wenn die Fotografie ein Weg ist, die Welt zu erfahren und ihr näher zu kommen, wenn sie eine Möglichkeit ist, über sich selbst und die Umgebung nachzudenken, ja, dann ist die Fotografie praktisch das perfekte Werkzeug. Und wir alle tun es. Es ist auch das ein Klischee, das Zitat, dass wir als Fotografinnen und Fotografen zuerst einmal uns selbst fotografieren. </p>]]></content:encoded>
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        <item>
            <title>Wie Jennifer Lopez Google inspirierte</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/wie-jennifer-lopez-google-inspirierte.html</link>
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            <pubDate>Fri, 30 Jul 2021 18:17:27 GMT</pubDate>
            <description>Wie kam Google eigentlich auf die Idee eine Bildersuchmaschine zu starten?</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Wie kam Google eigentlich auf die Idee eine Bildersuchmaschine zu starten? Google (Wikipedia) Infografik: Chronologie der Google Bildersuche Google Bildersuche: Fakten, Funktionen, Geschichte Vor zwanzig Jahren hat Google die Bildersuche ins Leben gerufen. Und dieses Kleid ist der Grund dafür Jennifer Lopez (Wikipedia) 20 years of fashion on Google J Lo Responsible For Google Images Green Versace dress of Jennifer Lopez (Wikipedia) The dress (Wikipedia) Grammy Awards (Wikipedia) Transkript I: Ich bin älter als das Internet. Das war ein Satz, den ich mal irgendwann zu meinen Kindern gesagt hatte, und damit meinen Status als Dinosaurier unverrückbar zementiert habe. Meine Kinder sind in einer Welt aufgewachsen, in der man ganz selbstverständlich auf eine Suchmaschine hat und die natürlich nicht nur nach Text, sondern auch nach Bildern und nach Videos suchen kann. Aber das war nicht immer so. (Musik im Hintergrund) Fotomenschen. (Musik läuft aus) Wir schreiben den 23. Februar im Jahr 2000. Es ist Zeit für die 42ten Grammy-Awards. Und wer das schon mal verfolgt hat, weiß, jede Kategorie dieses Awards hat eigene Laudatoren und Laudatorinnen. In der Kategorie Best R&amp;B Album steht der Schauspieler David Duchovny, der Mulder in der TV-Serie X-Files spielte, und Jennifer Lopez auf der Bühne. (Applaus) B1: You know, David, coming out to present the first Award is a real Honor on these Programs. B2: Well, Jennifer, this is the first Time in five or six Years, that I am sure, that nobody is looking at me. I: Er sei sich ganz sicher, sagte er, dass in diesem Augenblick niemand auf ihn schaut. Und da dürfte er recht gehabt haben. Die damals 31-jährige Jennifer stand nämlich in einem Hauch von Nichts mit ihm auf der Bühne. Ihre Brüste waren gerade so von einem halbdurchsichtigen, grünen Stoff bedeckt. Und die Menge starrte auf sie. Dabei hätte sie um ein Haar für diesen Abend etwas ganz anderes getragen. J.Lo. B1: I was nominated for a Grammy that Night. And I was filming Wedding Planer at the time, with Matthew McConaughey, and I was out in the Middle of nowhere, where we did the Horseback-Riding Scene, where the Horse loses Control. We were out doing that, and my Stylist comes in, and she is like: The Grammys tomorrow have no Time to do a Fitting. And she brings like three or four dresses. I: J.Lo war eigentlich in der Mitte der Dreharbeiten für den Film Wedding Planer zu der Zeit. Außerdem war sie für den Grammy nominiert. Es ist der Abend vor dem Grammy und es war die ganze Zeit überhaupt keine Gelegenheit, um Kleider auszuwählen. Und ihre Stylistin hat deswegen auch nur zwei oder drei Optionen dabei. Es hatte also einfach alles zu lange gedauert und es gab kaum noch Optionen. Und so kommt es, dass am Tag der Grammy-Verleihung, statt, wie normalerweise, Massen von Kleidern, nur noch zwei Kleider zur Auswahl stehen. Ein weißes und ein grünes. Jennifer Lopez‘ Stylistin ist für das weiße. Denn das grüne hatte zuvor schon Donatella Versace selbst, und auch noch ein Model auf dem Laufsteg getragen. Und auf den Grammys, da will man doch was tragen, was niemand zuvor irgendwo gesehen hat, findet sie. Allerdings, als J.Lo das grüne Dschungel-Dress anzieht, da ist allen im Raum klar, das wird das Kleid. Also allen, außer der Stylistin. Aber zumindest die Männer im Raum sind der absoluten Überzeugung, das ist das Kleid, das sie tragen muss. Das wird ihr die Aufmerksamkeit im Raum sichern. B1: And the only Concern was whether or not, my Boobs were going to pop out on Stage, or anywhere along the Way, because it was so low-cut. We literally laid double Stick down, to (?Pay-Tape), and we stuck the Dress to it. I: Die einzige Sorge, die sie bei dem Kleid hatten, war, ob ihre Brüste nicht vielleicht rausfallen könnten, auf dem Weg zur Veranstaltung, oder auf der Veranstaltung selbst, auf der Bühne, oder so. Und deswegen hat man doppelseitiges Klebeband genommen und das Kl</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Wie kam Google eigentlich auf die Idee eine Bildersuchmaschine zu starten? </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Google" target="_blank">Google</a> (Wikipedia) </li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.tagseoblog.de/google-bildersuche-chronologie-infografik" target="_blank">Infografik: Chronologie der Google Bildersuche</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bildersuche.org/google-bildersuche/" target="_blank">Google Bildersuche: Fakten, Funktionen, Geschichte</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.msn.com/de-de" target="_blank">Vor zwanzig Jahren hat Google die Bildersuche ins Leben gerufen. Und dieses Kleid ist der Grund dafür</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jennifer_Lopez" target="_blank">Jennifer Lopez</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://blog.google/products/search/20-years-fashion-google/" target="_blank">20 years of fashion on Google</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.vogue.co.uk/article/j-lo-green-versace-dress-responsible-for-google-image-search" target="_blank">J Lo Responsible For Google Images</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Green_Versace_dress_of_Jennifer_Lopez" target="_blank">Green Versace dress of Jennifer Lopez</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/The_dress" target="_blank">The dress</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Grammy_Awards" target="_blank">Grammy Awards</a> (Wikipedia)</li></ul>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p><strong>I:</strong> Ich bin älter als das Internet. Das war ein Satz, den ich mal irgendwann zu meinen Kindern gesagt hatte, und damit meinen Status als Dinosaurier unverrückbar zementiert habe. Meine Kinder sind in einer Welt aufgewachsen, in der man ganz selbstverständlich auf eine Suchmaschine hat und die natürlich nicht nur nach Text, sondern auch nach Bildern und nach Videos suchen kann. Aber das war nicht immer so. (Musik im Hintergrund) Fotomenschen. (Musik läuft aus) Wir schreiben den 23. Februar im Jahr 2000. Es ist Zeit für die 42ten Grammy-Awards. Und wer das schon mal verfolgt hat, weiß, jede Kategorie dieses Awards hat eigene Laudatoren und Laudatorinnen. In der Kategorie Best R&amp;B Album steht der Schauspieler David Duchovny, der Mulder in der TV-Serie X-Files spielte, und Jennifer Lopez auf der Bühne. (Applaus)&nbsp;</p>

<p><strong>B1:</strong> You know, David, coming out to present the first Award is a real Honor on these Programs.</p>

<p><strong>B2:</strong> Well, Jennifer, this is the first Time in five or six Years, that I am sure, that nobody is looking at me.&nbsp;</p>

<p><strong>I:</strong> Er sei sich ganz sicher, sagte er, dass in diesem Augenblick niemand auf ihn schaut. Und da dürfte er recht gehabt haben. Die damals 31-jährige Jennifer stand nämlich in einem Hauch von Nichts mit ihm auf der Bühne. Ihre Brüste waren gerade so von einem halbdurchsichtigen, grünen Stoff bedeckt. Und die Menge starrte auf sie. Dabei hätte sie um ein Haar für diesen Abend etwas ganz anderes getragen. J.Lo.&nbsp;</p>

<p><strong>B1:</strong> I was nominated for a Grammy that Night. And I was filming Wedding Planer at the time, with Matthew McConaughey, and I was out in the Middle of nowhere, where we did the Horseback-Riding Scene, where the Horse loses Control. We were out doing that, and my Stylist comes in, and she is like: The Grammys tomorrow have no Time to do a Fitting. And she brings like three or four dresses.</p>

<p><strong>I:</strong> J.Lo war eigentlich in der Mitte der Dreharbeiten für den Film Wedding Planer zu der Zeit. Außerdem war sie für den Grammy nominiert. Es ist der Abend vor dem Grammy und es war die ganze Zeit überhaupt keine Gelegenheit, um Kleider auszuwählen. Und ihre Stylistin hat deswegen auch nur zwei oder drei Optionen dabei. Es hatte also einfach alles zu lange gedauert und es gab kaum noch Optionen. Und so kommt es, dass am Tag der Grammy-Verleihung, statt, wie normalerweise, Massen von Kleidern, nur noch zwei Kleider zur Auswahl stehen. Ein weißes und ein grünes. Jennifer Lopez‘ Stylistin ist für das weiße. Denn das grüne hatte zuvor schon Donatella Versace selbst, und auch noch ein Model auf dem Laufsteg getragen. Und auf den Grammys, da will man doch was tragen, was niemand zuvor irgendwo gesehen hat, findet sie. Allerdings, als J.Lo das grüne Dschungel-Dress anzieht, da ist allen im Raum klar, das wird das Kleid. Also allen, außer der Stylistin. Aber zumindest die Männer im Raum sind der absoluten Überzeugung, das ist das Kleid, das sie tragen muss. Das wird ihr die Aufmerksamkeit im Raum sichern.</p>

<p><strong>B1:</strong> And the only Concern was whether or not, my Boobs were going to pop out on Stage, or anywhere along the Way, because it was so low-cut. We literally laid double Stick down, to (?Pay-Tape), and we stuck the Dress to it.</p>

<p><strong>I:</strong> Die einzige Sorge, die sie bei dem Kleid hatten, war, ob ihre Brüste nicht vielleicht rausfallen könnten, auf dem Weg zur Veranstaltung, oder auf der Veranstaltung selbst, auf der Bühne, oder so. Und deswegen hat man doppelseitiges Klebeband genommen und das Kleid, direkt an den Nippeln vorbei, fixiert.</p>

<p><strong>B1:</strong> So, everybody, having the same Thoughts, like „Is this Dress going to blow open?”. You know, it is so low-cut. And I guess that was fascinating for People. But there was never any Danger of that.</p>

<p><strong>I:</strong> J.Lo behauptet bis heute, ihr war nicht klar gewesen, welche Wirkung dieses Kleid auf die Leute hatte, bis zu dem Moment, wo sie damit auf dem roten Teppich war.</p>

<p><strong>B1:</strong> And we hit the red Carpet, and it was a Frenzy. The Flashes started going, in a Way, that it is not usually.&nbsp;</p>

<p><strong>I:</strong> J.Lo gewann den Grammy nicht an diesem Abend. Und sie war auch erstmal traurig darüber. Tatsächlich war das Ganze trotzdem ein Rekord-Grammy, weil Santana mit elf Grammys nach Hause gegangen ist. Allerdings, die Tatsache, dass Santana elf Grammys, und damit einen Rekord gewonnen hatte, wurde am nächsten Tag von der Presse komplett ignoriert. Das wichtigste, was alle Zeitungen abzudrucken hatten, war J.Lo in diesem grünen Kleid. Und die Welt wandte sich ans Internet und versuchte, Bilder von J.Lo in diesem Kleid zu finden. Die damals noch junge, aber schon etablierte Suchmaschine, Google, merkte das sofort auf ihren Servern. Gerüchten zufolge war es einige der wenigen Gelegenheiten, bei denen eine weltweite Suchanfrage, die Server von Google in die Knie gezwungen hatte. </p>

<p>Und weil Google damals noch keinerlei Möglichkeit hatte, um nach Video oder Fotos gezielt zu suchen, sondern einfach nur Links auf Webseiten zeigte, das aber nun mal eine Suchanfrage war, die man eigentlich nur mit einem Bild beantworten konnte, entstand aus diesem einzigartigen Grammy-Auftritt, die Idee, die Google-Bildersuche zu entwickeln. 250 Millionen Fotos konnte man dann 2001, bei der frisch gestarteten Google-Bildersuche finden. Eine Mini-kleine Zahl, verglichen mit den über 50 Milliarden Bildern, die in der heutigen Google-Bildersuche indiziert sind. Inzwischen kann man nicht nur durch Begriffe, Bilder finden. Sondern man kann auch nach Vorkommen von Bildern, oder nach ähnlichen Bildern, oder nach bestimmten Arten von Bildern suchen. Und natürlich kann man da auch, nach wie vor, von dem grünen Dschungel-Dress von Versace suchen. Inzwischen findet man dort allerdings nicht nur das ikonische Kleid und Bild von Jennifer Lopez aus dem Jahr 2000, sondern stellt fest, sie hat es nochmal getan. </p>

<p>Zum Zwanzigjährigen dieses Auftritts, hatte Donatella Versace eine aktualisierte Fassung dieses Dschungel-Dresses gemacht. Und J.Lo ließ sich das nicht nehmen, der Welt zu zeigen, wie man mit 51 Jahren aussehen kann, in einem Hauch von Nichts und doppelseitigem Klebeband. Dieses Kleid blieb nicht das einzige Kleid, das zu einer viralen Sensation im Internet wurde. So war im Jahr 2015 ein Kleid in aller Munde, bei dem sich das Internet nicht darauf einigen konnte, welche Farbe es eigentlich hatte. War es golden und weiß, oder schwarz und blau? Unklar. Und wieder glühten die Drähte. Aber dieses Mal war die Google-Bildersuche natürlich zur Stelle und konnte helfen. Auch hier gab es ganz konkret, weitreichende Folgen. So wurden mehrere Dutzend Studien und Paper geschrieben, die sich mit dem Wahrnehmungsapparat des Menschen befassten. </p>

<p>Es war zunächst einmal ein neurologisches und ein psychologisches Phänomen. Und durch die Masse an Menschen, die sich im Internet damit befassten, war eine einzigartige Datenbasis geschaffen worden, mit der man hervorragend forschen konnte. Wir glauben ja durchaus gerne mal, dass Fotografie die Welt verändern kann. Und ich finde es ja schon irgendwie lustig, dass die Mode-Fotos, die die Welt letztlich verändern, keine hochprofessionell orchestrierten und liebevoll gestalteten Mode-Shots sind, sondern mehr oder weniger Schnappschüsse, die danach Millionen Menschen im Internet beschäftigt haben. Wenn man J.Lo ist, ist Mode ein Riesending, aber auch irgendwie Alltag. Und trotzdem sticht dieser Moment auf den Grammys auch für J.Lo weit raus. </p>

<p>Und er zeigt, wie visuell unsere Kultur inzwischen geworden ist. In einer Welt ohne Fotografie, wäre ein Kleid nie so populär und bekannt geworden. In einer Welt ohne Internet, hätte sich niemand, außerhalb der Stadt, in der dieses Kleid zu sehen gewesen war, dafür interessiert. In einer Welt mit dem Internet und der Fotografie kann die Frage nach den fast rausfallenden Brüsten von J.Lo dafür sorgen, dass der weltgrößte Suchmaschinenhersteller ein komplett neues Produkt auf den Markt bringt. (Musik) Fotomenschen. </p>

<p>Wer sich jetzt selbst ein Bild von den besprochenen Kleidern machen möchte, wird natürlich, wie immer, in den Notizen zur Sendung fündig. Und wer die nicht vollständig, inklusive eingebetteter Videos, im (?Pod-Catcher) sieht, der findet sie auf Fotomenschen(.)net. Dort gibt es inzwischen auch etwas Neues. Nämlich in der Menüleiste einen Link auf den Fotomenschen YouTube-Kanal. Ich möchte ein bisschen mit Video rumprobieren. Ich möchte hin und wieder begleitendes Material zum Fotomenschen Podcast veröffentlichen. Und wer mag, wird da gelegentlich auch mal Vlogs von mir finden. Schaut gerne mal rein und lasst mich wissen, wie ihr es findet. </p>

<p>Überhaupt, Feedback ist die Währung, die mich hier am Laufen hält. Und das kann man loswerden, im Fotomenschen Twitter-Kanal, im Fotomenschen YouTube-Kanal, auf iTunes, in Form von Sternbewegungen, oder direkt im Blog, auf Fotomenschen(.)net in den Kommentaren. Und wer das Projekt unterstützen möchte, der teilt es weiter, sodass auch andere zu dem Podcast finden können. Ich höre ja immer wieder mal, dass Leute gedacht haben „Oh, nicht noch ein Foto-Podcast.“, und dann durch irgendeinen Zufall doch mal reinhören und überrascht davon sind, wie spannend sie es auch dann finden, wenn sie selbst sich nicht zu den <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> zählen. Ergo, empfehlt doch den Podcast auch gerne anderen Leuten. Also nicht nur Leuten, die sich erkennbar für Fotografie interessieren. Ansonsten noch zum Abschluss ein dickes, dickes Dankeschön an den Niels, der der Themenpate für die heutige Folge war. Und wer auch gerne Themenparte sein möchte, das ist das Ding mit dem Feedback, von dem ich es gerade hatte. Bleibt gesund. Danke für das Zuhören. Bis bald.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Teufel und Dickpic</title>
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            <pubDate>Fri, 23 Jul 2021 14:14:00 GMT</pubDate>
            <description>Wer sich portraitieren lässt tut gut daran die Fotograf:in gut auszuwählen und dann freundlich zu sein sonst kann das auch nach hinten losgehen...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Wer sich portraitieren lässt tut gut daran die Fotograf:in gut auszuwählen und dann freundlich zu sein sonst kann das auch nach hinten losgehen… Samuel Corum’s Tweet “It’s An Insult To Satan!” People Are Calling This The Best Press Photo Of Trump Ever! Samuel Corum’s Webpage Lensmagazine – Samuel Corum in an exclusive interview Time Magazine on choosing Donald Trump as person of the year 2016 Trump trolled by Time Magazine – DYIPhotography Jake Walters Webpage Jake Walters‘ Tweet Huffpost – Photographer Gets Revenge On ‘Rude’ Philip Green By Making Him Look ‘Like A Prick’ Philip Green (Wikipedia) Jake Walters on Instagram Arnold Newman’s Webpage Arnold Newman (Wikipedia) Alfried Krupp von Bohlen und Halbach LA Times – Arnold Newman, father of the environmental portrait, is back in focus on 100th birthday Examining Arnold Newman’s Environmental Portraits Transkript Every Photograph is a Self- portrait . Jede Fotografie ist ein Selbstportrait. Das ist ein Zitat des Fotografen Ralph Steiner. Und es gibt ähnliche Zitate von einer Menge berühmter Fotografien, dass wir diejenigen sind, die den Auslöser drücken, den Ausschnitt wählen, das Motiv festlegen und deswegen mehr von uns in unseren Bildern steckt, als uns vielleicht lieb sein mag. Fotomenschen. Und nicht nur das. In manchen Bildern kann man sogar erkennen, was die Fotografin oder der Fotograf im Moment des Auslösens gedacht haben mag. Und um das zu demonstrieren, habe ich heute drei Beispiele mitgebracht. Das erste Beispiel ist von Samuel (?Corum). Er war Militärfotograf, bevor er Foto Journalist wurde. Und am 9. Juli 2020 ist er im Auftrag der New York Times in Washington. Donald J. Trump, 45. Präsident der vereinigten Staaten hat angekündigt, den Dialog mit den Hinspanios im Land suchen zu wollen und zu einem Round Table Event geladen. Die Presse ist vor Ort und soll das Ganze festhalten. “We appreciate being here, we are with our great Hispanic Leader from all over the country. And (?we’re doing) really well with Hispanics. We like them, they like me. And we helped them a lot with the Jobs. Whether it’s Jobs, Education, or some of the other things.” Trump wird danach in den Rolls Garden gehen, um ein Abkommen zu unterzeichnen und eine weitere Pressekonferenz zu geben. Aber es gibt die Gelegenheit, am Ende des Round Tables ein paar Fotos zu machen. Und Samuel macht ein Porträt von Trump, das wie kein anderes zeigt, was er von diesem Präsidenten hält. Trump sitzt zwischen zwei Fahnen und hat über sich eine Lampe. Samuel macht zwei Dinge. Einmal geht er in die Knie und wartet, bis Trump den Kopf leicht gehoben hat. Wir als Betrachter haben so das Gefühl, dass die porträtierte Person uns von oben herab fast schon abwertend anschaut. Das könnte nur eine Millisekunde lang so gewesen sein, und trotzdem meinen wir, Arroganz in diesem Bild zu erkennen. Gleichzeitig fällt in dem Bild, das Samuel macht, das Licht relativ dramatisch. Die Augen von Trump wirken eingefallen. Seine Mundwinkel sind nach unten gezogen. All das macht einen harten Gesichtsausdruck und sorgt für eine geradezu düstere Stimmung. Und jetzt aber der Coup. Direkt über Trump an der Wand ist eine Lampe, wie ich sie normalerweise von Baumärkten wie dem Obi kenne. Eine dieser circa 30 Zentimeter durchmessenden, runden Milchglaslampen, die, wenn man sie einschaltet, wieso leuchtende Bälle an der Wand hängen, mit so einem Messingring außen rum. Dadurch, dass Samuel in die Knie gegangen ist, sieht man nur den unteren Teil des Messingrings. Und Trumps Kopf fragt durch die Position, die er eingenommen hat, in die Lampe hinein. Und deswegen sieht das fertige Bild aus, als hätte Samuel den Teufel persönlich im Bild festgehalten. Er postet das Bild auf seinem Twitter-Kanal. Und auch, wenn einige wenige einen Heiligenschein zu erkennen glauben, ist die Reaktion eindeutig. Und der Tweet geht viral. Auch wenn die New York Times selbst dieses Bild </itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Wer sich portraitieren lässt tut gut daran die Fotograf:in gut auszuwählen und dann freundlich zu sein sonst kann das auch nach hinten losgehen&#8230; </p>

<ul><li>Samuel Corum&#8217;s Tweet</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bandt.com.au/its-an-insult-to-satan-people-are-calling-this-the-best-press-photo-of-trump-ever/" target="_blank">“It’s An Insult To Satan!” People Are Calling This The Best Press Photo Of Trump Ever!</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="http://www.jakewalters.com/" target="_blank">Samuel Corum&#8217;s Webpage</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://lensmagazine.net/samuel-corum-an-exclusive-interview/" target="_blank">Lensmagazine &#8211; Samuel Corum in an exclusive interview</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://time.com/time-person-of-the-year-2016-donald-trump-choice/?xid=homepage&amp;pcd=hp-magmod" target="_blank">Time Magazine on choosing Donald Trump as person of the year 2016</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20240508103945/https://www.diyphotography.net/trump-trolled-time-photographic-deconstruction-man-year-2016-cover/" target="_blank">Trump trolled by Time Magazine &#8211; DYIPhotography</a></li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="http://www.jakewalters.com/" target="_blank">Jake Walters Webpage</a></li><li>Jake Walters&#8216; Tweet</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.huffingtonpost.co.uk/entry/jake-walters-philip-green-arcadia-prick_uk_5fca2733c5b6636e09248d28" target="_blank">Huffpost &#8211; Photographer Gets Revenge On ‘Rude’ Philip Green By Making Him Look ‘Like A Prick’</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Philip_Green_(Unternehmer)" target="_blank">Philip Green (Wikipedia)</a></li><li>Jake Walters on Instagram</li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://arnoldnewman.com/" target="_blank">Arnold Newman&#8217;s Webpage</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Arnold_Newman" target="_blank">Arnold Newman (Wikipedia)</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alfried_Krupp_von_Bohlen_und_Halbach" target="_blank">Alfried Krupp von Bohlen und Halbach</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.latimes.com/entertainment/arts/la-et-cm-arnold-newman-photographer-20190613-story.html" target="_blank">LA Times &#8211; Arnold Newman, father of the environmental portrait, is back in focus on 100th birthday</a></li><li><a href="https://www.nytimes.com/2018/11/26/lens/examining-arnold-newmans-environmental-portraits.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Examining Arnold Newman&#8217;s Environmental Portraits</a></li></ul>

<div><figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="596" height="959" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/image-1.png" alt="Die Bewertung zeigt fünf Sterne, das Datum 09.11.2020, den Titel „Grandios“ und einen ausführlichen Text in deutscher Sprache mit einem Smiley-Emoji am Ende."/></figure></div>

<div><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="564" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/image-564x1024.png" alt="Ein Mann in einem dunklen Anzug steht mit verschränkten Armen und wird von großen grünen Hecken im unteren Bildbereich eingerahmt." /></figure></div>

<div class="yt-facade" data-yt="vo88vlS3BtU" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_vo88vlS3BtU.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="4WoJOAj9r6w" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_4WoJOAj9r6w.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="9_EdCBhmBzc" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_9_EdCBhmBzc.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Every Photograph is a Self-<a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">portrait</a>. Jede Fotografie ist ein Selbstportrait. Das ist ein Zitat des Fotografen Ralph Steiner. Und es gibt ähnliche Zitate von einer Menge berühmter Fotografien, dass wir diejenigen sind, die den Auslöser drücken, den Ausschnitt wählen, das Motiv festlegen und deswegen mehr von uns in unseren Bildern steckt, als uns vielleicht lieb sein mag.</p>

<p>Fotomenschen.</p>

<p>Und nicht nur das. In manchen Bildern kann man sogar erkennen, was die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> oder der Fotograf im Moment des Auslösens gedacht haben mag. Und um das zu demonstrieren, habe ich heute drei Beispiele mitgebracht. Das erste Beispiel ist von Samuel (?Corum). Er war Militärfotograf, bevor er Foto Journalist wurde. Und am 9. Juli 2020 ist er im Auftrag der New York Times in Washington. Donald J. Trump, 45. Präsident der vereinigten Staaten hat angekündigt, den Dialog mit den Hinspanios im Land suchen zu wollen und zu einem Round Table Event geladen. Die Presse ist vor Ort und soll das Ganze festhalten.</p>

<p>“We appreciate being here, we are with our great Hispanic Leader from all over the country. And (?we’re doing) really well with Hispanics. We like them, they like me. And we helped them a lot with the Jobs. Whether it’s Jobs, Education, or some of the other things.”</p>

<p>Trump wird danach in den Rolls Garden gehen, um ein Abkommen zu unterzeichnen und eine weitere Pressekonferenz zu geben. Aber es gibt die Gelegenheit, am Ende des Round Tables ein paar Fotos zu machen. Und Samuel macht ein Porträt von Trump, das wie kein anderes zeigt, was er von diesem Präsidenten hält. Trump sitzt zwischen zwei Fahnen und hat über sich eine Lampe. Samuel macht zwei Dinge. Einmal geht er in die Knie und wartet, bis Trump den Kopf leicht gehoben hat. Wir als Betrachter haben so das Gefühl, dass die porträtierte Person uns von oben herab fast schon abwertend anschaut. Das könnte nur eine Millisekunde lang so gewesen sein, und trotzdem meinen wir, Arroganz in diesem Bild zu erkennen. Gleichzeitig fällt in dem Bild, das Samuel macht, das Licht relativ dramatisch. </p>

<p>Die Augen von Trump wirken eingefallen. Seine Mundwinkel sind nach unten gezogen. All das macht einen harten Gesichtsausdruck und sorgt für eine geradezu düstere Stimmung. Und jetzt aber der Coup. Direkt über Trump an der Wand ist eine Lampe, wie ich sie normalerweise von Baumärkten wie dem Obi kenne. Eine dieser circa 30 Zentimeter durchmessenden, runden Milchglaslampen, die, wenn man sie einschaltet, wieso leuchtende Bälle an der Wand hängen, mit so einem Messingring außen rum. Dadurch, dass Samuel in die Knie gegangen ist, sieht man nur den unteren Teil des Messingrings. Und Trumps Kopf fragt durch die Position, die er eingenommen hat, in die Lampe hinein. Und deswegen sieht das fertige Bild aus, als hätte Samuel den Teufel persönlich im Bild festgehalten. </p>

<p>Er postet das Bild auf seinem Twitter-Kanal. Und auch, wenn einige wenige einen Heiligenschein zu erkennen glauben, ist die Reaktion eindeutig. Und der Tweet geht viral. Auch wenn die New York Times selbst dieses Bild nicht benutzt hat, wird dieser Tweet einmal quer durch das Netz gereicht und ist an vielen, vielen Stellen zu sehen. Das Bild drückt aus, was viele zu der Zeit von Trump denken. Ich reihe mich da mit ein. Und es zeigt ganz eindeutig, was Samuel (?Corum), der Fotograf mit dem Auftrag, dieses Round Table Event zu dokumentieren, zumindest für diese eine Aufnahme sagen wollte. Es ist übrigens auch so, dass Samuel nicht der einzige war, der Trump Teufelshörner aufgesetzt hat. 2016 wird Trump vom Time Magazin zur Person oft he Year ernannt. Dafür bekommen die eine Menge (?Flak). Allerdings, das Argument, dass sie machen, ist durchaus treffend. </p>

<p>Sie sagen nämlich, dass Magazin zeichnet die Leute nicht danach aus, ob sie von vielen gemacht werden, sondern, es geht darum, wer denn in einem gegebenen Jahr die einflussreichste Person gewesen wäre. Und Trump war ziemlich einflussreich. Jedenfalls kommt zu dem Anlass Trumps Porträt auf das Cover. Und der Layouter entscheidet sich dafür, seinen Kopf genau unter das M zu setzen, womit das M von manchen als Teufelshörner gewertet wird. Ich finde, da kann man geteilter Meinung sein. Ich persönlich fand Samuels Bild wesentlich eindeutiger. Ziemlich eindeutig ist auch unser nächstes Beispiel. Fotografiert hat diesmal der Londoner Fotograf Jake Walters. Sein Hauptsujet sind Celebrities und mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik. </p>

<p>Auftraggeber sind Magazine wie GQ und Vanity Fair. Und im vorliegenden Beispiel hatte er den Auftrag, für The Guardian den bekannten Unternehmer Sir Philip Green zu fotografieren. Green ist Multimilliardär, betreibt mehrere Textilketten und Einzelhandelsunternehmen und pflegt einen wirklich ausufernden Lebensstil. Es gibt diverse Skandale um ihn, und inzwischen auch diverse Firmenpleiten. Und unter anderem pflegt er wohl einen eher raueren Umgangston. Als Jake mit seinem Assistenten bei dem Unternehmer auftaucht, hat er eigentlich vor, ein professionelles Shooting zu organisieren. Er macht den Job seit 20 Jahren. Er weiß, was notwendig ist. Allerdings, so sagt er, hat er es selten mit einem derart unfreundlichen und arroganten Klienten zu tun. Oder wie er es als Brite formuliert: „He was objectionable to me and my Assistant from the very start. So I decided right then, if I get a Chance, I’m going to do you.” Green (?fährt) sich also Jakes sauer. Und Jake beschließt, wenn es eine Möglichkeit gibt, ihm das heimzuzahlen, wird er das tun. Und die Möglichkeit ergibt sich. Ein Blick aus dem Fenster zeigt auf der Terrasse große, runde, grüne Büsche. Und er bittet Sir Green sich dort doch bitte hinzustellen. </p>

<p>Sein Assistent versteht sofort, was er vorhat und wispert ihm zu, er wird doch nicht, das geht doch nicht, das werden sie merken. Green trägt Glatze, ist aber ansonsten schon durchaus von stämmiger Statur. Er soll sich aufrecht hinstellen und die Arme verschränken, weist Jake ihn an. Auch Jake, wie zuvor Samuel, geht in die Knie und fotografiert Green von unten herauf. Das würde ihn mächtig erscheinen lassen, sagt er. Sir Green steht also mit verschränkten Armen, stolz geschwellter Brust, einer in der Sonne glänzenden Glatze, zwischen zwei großen, runden Büschen. Es ist unklar, ob sie damit davonkommen. Aber Jake macht die Fotos trotzdem. Sein Kommentar, als er das Bild später auf Instagram veröffentlicht, ist: „If it’s okay for you to act like a (?prig), it must be okay for me, to make you look like one. So I did.” Prig ist ein Slangwort für Pimmel. </p>

<p>Und tatsächlich sieht Sir Phillip Green auf dem Bild wie ein Penis aus. Das lässt sich, glaube ich, nicht anders beschreiben. Und am lustigsten finde ich ja eigentlich, dass Jake die Bilder freigeben lassen musste und der Pressestelle von Sir Phillip Green schickte. Die merkten an, dass der Anzug ja schon so ein bisschen geknittert sei und baten ihn, das entsprechend zu retuschieren. Ein Schelm, wer Absicht hinter sowas vermutet. Halten wir also fest, wer sich einen Fototermin bucht, sollte den Fotografen oder die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> auch nett behandeln. Denn die können einen gut oder eben weniger gut aussehen lassen. Und damit kommen wir zum Dritten und mit Abstand berühmtesten Beispiel in der heutigen Folge. Arnold Newman ist einer der ganz großen. </p>

<p>Er verbrachte seine gesamte Karriere damit, Porträts zu fotografieren. Und er war der erste, der bei Porträts eben nicht nur den Menschen ins Bild nahm, sondern auch die Umgebung. Und zwar die nicht nur als Deko, sondern als essenzieller Bestandteil der Bildkomposition. Newman hat einige weltberühmte Porträts geschaffen. Und er war nicht nur radikal und kreativ in seiner Komposition, sondern auch ein Meister der Bildbearbeitung, ein Meister der Beleuchtung und von unglaublicher Kreativität. Seine Spezialität waren eigentlich Künstlerporträts. Aber natürlich wurde er auch immer wieder für Porträts von berühmten Persönlichkeiten gebucht. Und so kam es 1963, dass Arnold Newman beauftragt wird, den deutschen industriellen Alfred Krupp zu fotografieren. </p>

<p>Die Krupp-Familie ist ein großes und schwieriges Thema. Aber man kann es ganz kurz zusammenfassen: ein Stück weit hat die Krupp-Familie den militärisch-industriellen Komplex erfunden. Sie haben ein Vermögen mit Stahl und Waffenproduktion gemacht. Der erste Weltkrieg, der zweite Weltkrieg war ohne die Waffen von Krupp nicht denkbar. Und das Ganze war ein Familienunternehmen. Die ganze Familie Krupp war aktiv beteiligt. Zur Zeit Hitlers leitete Friedrich Krupp das Unternehmen Krupp. Und das hieß, grausamste Ausbeutung von Kriegsgefangenen, Quellen und zu Tode schuften von Juden oder anderen von den Nazis als unwürdig erachteten Menschen. Kurz gesagt: Sklavenarbeit der übelsten Sorte. </p>

<p>Weil Vater Friedrich während der Nürnberger Prozesse aus gesundheitlichen Gründen nicht angeklagt werden konnte, wurden die Verbrechen der Familie Krupp später separat in den sogenannten Krupp-Prozessen verhandelt. Und Alfred wurde genauso wie sein Vater der Sklaverei und Plünderer schuldig befunden und zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Amerikaner begnadigten ihn nach drei Jahren und ließen ihn aus dem Gefängnis. Aber ich glaube, man kann einfach mal in den Raum stellen, der Mann war ein Naziverbrecher. Kaum war er aus dem Gefängnis draußen, übernahm er wieder die Leitung der Krupp-Werke. Und es dauerte nicht lange und er war auch wieder einer der wichtigsten und vermögenden Unternehmer Deutschlands. Newsweek wollte ihn jedenfalls porträtiert haben, von Arnold Newman. Und der? Der hat keine Lust.</p>

<p>“(?I said) no. I said, why not, I think, he was a devil. He is a … #00:09:49#.”</p>

<p>Arnold will ablehnen. Und als er gefragt wird, warum, sagt er: „Der Mann ist der Teufel.“ Arnold selbst ist jüdischer Abstammung. Er weiß sehr genau, was die Familie Krupp für Schuld auf sich geladen hat. Und er sagt außerdem in einem Interview, dass auffällig ist, wie nett der Mann wirkt, wenn man ihn kennenlernt. Dass man da fast vergessen könnte, wie seine Familie mit Menschen umgegangen ist. Newsweek verspricht ihm freie Hand bei der Bildauswahl, wenn er sich dazu bereiterklären würde, ihn zu fotografieren. Porträts, in denen man die Umgebung sieht, sind eine Spezialität Newmans. Und so beschließt er, Alfred Krupp in Essen in seinem Hauptwerk, in einer Fabrikhalle fotografieren zu wollen. Ein Podest und die dazugehörige Beleuchtung wird aufgebaut. Alfred wird vor einer Kulisse aus Zugrädern, Schienen und Zugwaggons sitzen. Man sieht die Betonpfeiler der Fabrikhalle. Und Arnold fängt an, mit ihm systematisch an den Bildern zu arbeiten. </p>

<p>Arnold Newman fotografierte im Großformat. Das heißt, die Kamera, die er verwendete, muss man sich als einen großen Kasten vorstellen, mit einem Objektiv vorne dran, und einer Decke, die er sich über den Kopf ziehen musste, damit er das Bild komponieren konnte. Arnold war auch bekannt dafür, dass er seine Bilder extrem detailliert ausarbeitete. Er war Perfektionist. Jedes Detail in Arnold Newmans Bildern hat einen Zweck. Er beleuchtet Krupp von zwei Seiten. Links und rechts steht ein Blitz. Und wie es halt so ist, das sind ja keine Digitalkameras, man sieht das fertige Bild nicht. Krupp weiß nicht, wie seine Aufnahme aussehen wird. Arnold Newman fordert ihn auf, sich etwas nach vorne zu lehnen, noch ein Stück, noch ein Stück. Den Kopf auf die verschränkten Hände legen. Ja, genau. Auf die Ellenbogen stützen. Noch ein Stück nach vorne. Er weiß genau, was er will.</p>

<p>„I didn’t do the … #00:11:40#, let him from the … #00:11:42# a little too obvious. I just had on two sides-, just working, I said, … #00:11:48#, to do kindly, just lean forward. And he went like this. And suddenly the lights worked.”</p>

<p>In dem Moment, in dem Krupp sich gerade so weit genug nach vorne beugte, wusste Arnold Newman, er hatte das Bild, dass er machen wollte. Er sagt im Interview, die Haare wären ihm zu Berge gestanden. Das, was er da vor sich hatte, drückte aus, was er beim Gedanken an Naziverbrecher empfand. Er hatte den Teufel fotografiert.</p>

<p>„I pulled the Polaroid-.“</p>

<p>Ja, er hat da eben Polaroid gesagt. Und Polaroid verbinden wir ja mit diesen kleinen Plastikkameras, die, sobald man auslöst, direkt ein Bild auswerfen, das dann auch sofort entwickelt wird. Aber Polaroid gab es nicht nur in so kleinen Formaten für Plastikkameras. Sondern, Polaroid konnte man auch für Großformatkameras verwenden. Und die großen Polaroids hatten nicht nur den Vorteil, sofort fertig zu sein, sondern waren eben auch von herausragender Qualität. Das hieß aber auch, Arnold Newman wusste sofort, dass er getroffen hatte, was er haben wollte. Anders als Krupp.</p>

<p>„Then I took several pics, black and white and color. And … #00:12:56# we would black and white (?mad).”</p>

<p>Und um ganz sicher zu gehen, machte er mehrere Auslösungen. Damals hat man sowieso verschiedene Einstellungen durchprobiert und lieber ein paar Auslösungen zu viel gehabt, als zu wenig.</p>

<p>„And it turned out to be one of my best photographs. It was my impression of a Nazi, who managed to survive. He had killed millions of people. Not all … #00:13:20#. There were doctors, there were … #00:13:24# offensive to the Nazis. And I consider that one of my more important pictures.”</p>

<p>Er betrachte dieses Bild als eines seiner wichtigsten Werke. Und es ist definitiv eins seiner eindrücklichen. Jetzt war Arnold Newman wirklich ein sehr vielseitiger Fotograf. Und sein Werk ist groß. Mit vielen, vielen bedeutenden Aufnahmen. Aber diese Aufnahme sticht raus. Das Interessante an Arnold Newman ist, dass er sich öfters darüber geäußert hat, wie er fotografiert, was er fotografiert. Warum er so fotografiert, wie er fotografiert. Und dass er eigentlich im Wesentlichen immer nur für sich selbst fotografiert und seine eigenen Gedanken festhalten möchte. Und nirgends kommt das so deutlich raus, wie in dieser gänsehautauslösenden Aufnahme eines der großen Verbrecher des letzten Jahrhunderts.</p>

<p>Fotomenschen.</p>

<p>Every Photograph is a Self-<a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">portrait</a>. Das war das Zitat, mit dem ich eingeleitet habe. Jetzt sind wir uns natürlich einig, dass Arnold Newman nicht sich selbst als Teufel darstellen wollte. Genauso wenig, wie Jake sich als der Dick sieht, als den er Sir Phillip Green fotografiert hat. Und trotzdem, wenn man sich diese drei Aufnahmen ansieht, weiß man mehr über den Fotografen hinter der Kamera, als über die Person, die dargestellt wird. Der Bildstil, die Komposition, all diese Dinge sind einzigartige Eigenschaften der Fotografin oder des Fotografen. Und wenn <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen ihr Medium richtig gut beherrschen, dann sieht man in den Bildern nicht nur ihr Spiegelbild, sondern ein kleines bisschen in ihren Kopf und in ihr Herz. Und manchmal entstehen dann Fotos, die fast schon nicht mehr falsch zu verstehen sind. Wer neugierig ist und mehr über die Fotografen erfahren möchte oder die Bilder noch mal in hochauflösend sehen, den lade ich ein, die Website zur Folge auf Fotomenschen.net zu besuchen. Da gibt es weiterführende Links, eingebettete Videos und natürlich auch Links zu den Bildern, über die ich gesprochen habe. Wer außerdem diesen Podcast über einen anderen Client als Spotify hört, konnte wahrscheinlich die Bilder auch direkt in der Software sehen. Ich habe sie zumindest eingebunden. Clients, die das unterstützen, können das dann auch direkt anzeigen. Und jetzt lieben Dank für das Zuhören. Wer das Projekt unterstützen möchte, empfiehlt es weiter. Podcasts leben von Mund-zu-Mund-Propaganda, ganz besonders natürlich auch auf Social Media. Insbesondere natürlich da auf den Kanälen, auf denen ich selbst nicht aktiv bin. Facebook ist da so ein Beispiel. Da wäre ich für unabhängige Mundpropaganda wirklich sehr, sehr dankbar. Bis bald.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Fotomensch Dirk</title>
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            <pubDate>Sun, 18 Jul 2021 17:52:46 GMT</pubDate>
            <description>50 Folgen sind ein Meilenstein der eine Sonderfolge verdient. Rückschau, Ausblick und die Frage ob in Dirks Arbeitszimmer die Zeit wirklich langsamer abläuft als überall sonst...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera 50 Folgen sind ein Meilenstein der eine Sonderfolge verdient. Rückschau, Ausblick und die Frage ob in Dirks Arbeitszimmer die Zeit wirklich langsamer abläuft als überall sonst… Linkhinweise: Die Audiodidakten Die Fotolinsen Fotomenschen auf Twitter Vielen Dank an Falk, Silke, Holger, Jürgen, Chrissy, Marius, Frauke, Simon, Andrea, Thomas, Markus, Norbert, Steffen, Lutz, Nils! (und jetzt hoffe ich niemand vergessen zu haben 🙂 ) Transkript Also ich würde sagen, I’m ready for you, babe. Krass, wie schnell 50 Episoden vorbei sein können. Heute ist Jubiläumsfolge. Und deswegen ist die Fotomenschen-Episode Nummer 50 auch anders als die anderen. Ich hatte euch ja Umfragen und Audiogrüße gebeten, und beides kam an. Für die Fragen habe ich einen ganz besonderen Gast in dieser Episode. Und für die Audiogrüße musst du einfach bis zum Schluss hören. Fotomenschen. I: Hallo und herzlich willkommen zur fünfzigsten Folge von Fotomenschen, dem ganz besonderen Podcast. Und heute mit einem tollen, besonderen Gast. Und zwar ein ganz besonderer Fotomensch, den ich persönlich schon seit 13 Jahren kenne. B: Hallo. I: Und weil das eine besondere Folge ist, hattest du ja deine Hörerinnen und Hörer gefragt, ob sie dir nicht Fragen schicken können, richtig? B: Genau. Die Idee war sozusagen, dass, nachdem ich 49-mal über alle anderen geredet habe, die mir so in den Weg gekommen sind, reden wir in der fünfzigsten, zum Jubiläum sozusagen, etwas mehr über- I: Den Fotomenschen Dirk. B: Den Fotomenschen Dirk, genau. Und da durften, wollten und haben Hörerinnen und Hörer Fragen eingeschickt. I: Ja, und da sind auch eine ganze Menge gekommen. B: Wer bist du denn überhaupt? I: Ach so. B: Vielleicht ganz kurz für alle, die sich jetzt gerade am Kopf kratzen und wundern, wen sie da hören. I: In meinem Podcast, ja? B: In deinem Podcast. I: Den ich immer von dir ausführen lasse. B: Genau. Also eigentlich ist das gar nicht mein Podcast. Eigentlich ist das ja eine Auftragsproduktion. I: Genau. Eigentlich bin ich die Verliebt-in-den-Fotomenschen-Frau. B: Oh. I: Ja. B: Wie lange hältst du es denn schon mit mir aus? I: Ja, 13 Jahre, das habe ich doch gerade gesagt. B: 13 Jahre, Wahnsinn. Mehr als 50 Episoden. I: Ja. Wir hatten sicherlich mehr als 50 Episoden. Und mehr als 1000, wie beim (?Anerzählt). Aber jetzt mal zurück zu dir. Was ich total spannend fand, weil ich dich ja seit 13 Jahren nicht anders kenne, ist, dass du immer mit einer Kamera in der Hand rumrennst. Immer ist jetzt relativ. Aber du hast schon oft eine dabei. Und das haben sich auch einige deiner Hörerinnen und Hörer gefragt. Nämlich, wie du eigentlich zu dem Thema Fotografie oder zum Fotografieren an sich gekommen bist. B: Ja, das ist schwierig. Da können wir jetzt beim (?Esschen) und beim Stöckchen anfangen. Die allererste Erinnerung, die ich habe, wo Fotografie eine Rolle gespielt hat, war tatsächlich in der Schule. Und das war eine Negativerinnerung. Es war nämlich so, dass ich in der Klasse saß und eigentlich von Fotografie kaum Ahnung hatte, außer, dass wir eine Familienkamera hatten, mit der hin und wieder Urlaube fotografiert wurden. Urlaube und Familienereignisse. Und dann saß ich in der Schule und ein Lehrer hat gefragt, wer denn in der Klasse Fotografieren wurde. Und dann habe ich gemeldet, weil, ich hatte ja auch schon mal so eine Kamera in der Hand gehabt. I: Das ist immer schlecht, wenn man sich in der Schule freiwillig meldet. B: Genau. Und da stellte sich dann schnell heraus, als der Lehrer Folgefragen stellte, dass ich keine Ahnung hatte, was er eigentlich damit meinte. Also ich hatte halt das Familienknipsen gemeint. Und der hatte dann gesagt: „Ja, das ist keine Fotografie.“ Das beendete meinen aufkeimenden Fotowillen für zehn Jahre oder so. Das Thema war dann erst mal weg und hat mich nicht mehr interessiert. Weil, ich habe ja bemerkt, das, was ich mache ist Knipsen und keine Fotografie. Zurückgekommen zum</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>50 Folgen sind ein Meilenstein der eine Sonderfolge verdient. Rückschau, Ausblick und die Frage ob in Dirks Arbeitszimmer die Zeit wirklich langsamer abläuft als überall sonst&#8230; </p>

<p>Linkhinweise:</p>

<ul><li><a href="https://audiodidakten.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Audiodidakten</a></li><li>Die Fotolinsen</li><li>Fotomenschen auf Twitter</li></ul>

<p>Vielen Dank an Falk, Silke, Holger, Jürgen, Chrissy, Marius, Frauke, Simon, Andrea, Thomas, Markus, Norbert, Steffen, Lutz, Nils! (und jetzt hoffe ich niemand vergessen zu haben 🙂 )</p>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Also ich würde sagen, I’m ready for you, babe. Krass, wie schnell 50 Episoden vorbei sein können. Heute ist Jubiläumsfolge. Und deswegen ist die Fotomenschen-Episode Nummer 50 auch anders als die anderen. Ich hatte euch ja Umfragen und Audiogrüße gebeten, und beides kam an. Für die Fragen habe ich einen ganz besonderen Gast in dieser Episode. Und für die Audiogrüße musst du einfach bis zum Schluss hören.</p>

<p>Fotomenschen.</p>

<p>I: Hallo und herzlich willkommen zur fünfzigsten Folge von Fotomenschen, dem ganz besonderen Podcast. Und heute mit einem tollen, besonderen Gast. Und zwar ein ganz besonderer Fotomensch, den ich persönlich schon seit 13 Jahren kenne.</p>

<p>B: Hallo.</p>

<p>I: Und weil das eine besondere Folge ist, hattest du ja deine Hörerinnen und Hörer gefragt, ob sie dir nicht Fragen schicken können, richtig?</p>

<p>B: Genau. Die Idee war sozusagen, dass, nachdem ich 49-mal über alle anderen geredet habe, die mir so in den Weg gekommen sind, reden wir in der fünfzigsten, zum Jubiläum sozusagen, etwas mehr über-</p>

<p>I: Den Fotomenschen Dirk.</p>

<p>B: Den Fotomenschen Dirk, genau. Und da durften, wollten und haben Hörerinnen und Hörer Fragen eingeschickt.</p>

<p>I: Ja, und da sind auch eine ganze Menge gekommen.</p>

<p>B: Wer bist du denn überhaupt?</p>

<p>I: Ach so.</p>

<p>B: Vielleicht ganz kurz für alle, die sich jetzt gerade am Kopf kratzen und wundern, wen sie da hören.</p>

<p>I: In meinem Podcast, ja?&nbsp;</p>

<p>B: In deinem Podcast.</p>

<p>I: Den ich immer von dir ausführen lasse.</p>

<p>B: Genau. Also eigentlich ist das gar nicht mein Podcast. Eigentlich ist das ja eine Auftragsproduktion.</p>

<p>I: Genau. Eigentlich bin ich die Verliebt-in-den-Fotomenschen-Frau.</p>

<p>B: Oh.</p>

<p>I: Ja.</p>

<p>B: Wie lange hältst du es denn schon mit mir aus?</p>

<p>I: Ja, 13 Jahre, das habe ich doch gerade gesagt.</p>

<p>B: 13 Jahre, Wahnsinn. Mehr als 50 Episoden.</p>

<p>I: Ja. Wir hatten sicherlich mehr als 50 Episoden. Und mehr als 1000, wie beim (?Anerzählt). Aber jetzt mal zurück zu dir. Was ich total spannend fand, weil ich dich ja seit 13 Jahren nicht anders kenne, ist, dass du immer mit einer Kamera in der Hand rumrennst. Immer ist jetzt relativ. Aber du hast schon oft eine dabei. Und das haben sich auch einige deiner Hörerinnen und Hörer gefragt. Nämlich, wie du eigentlich zu dem Thema Fotografie oder zum Fotografieren an sich gekommen bist.</p>

<p>B: Ja, das ist schwierig. Da können wir jetzt beim (?Esschen) und beim Stöckchen anfangen. Die allererste Erinnerung, die ich habe, wo Fotografie eine Rolle gespielt hat, war tatsächlich in der Schule. Und das war eine Negativerinnerung. Es war nämlich so, dass ich in der Klasse saß und eigentlich von Fotografie kaum Ahnung hatte, außer, dass wir eine Familienkamera hatten, mit der hin und wieder Urlaube fotografiert wurden. Urlaube und Familienereignisse. Und dann saß ich in der Schule und ein Lehrer hat gefragt, wer denn in der Klasse Fotografieren wurde. Und dann habe ich gemeldet, weil, ich hatte ja auch schon mal so eine Kamera in der Hand gehabt.</p>

<p>I: Das ist immer schlecht, wenn man sich in der Schule freiwillig meldet.</p>

<p>B: Genau. Und da stellte sich dann schnell heraus, als der Lehrer Folgefragen stellte, dass ich keine Ahnung hatte, was er eigentlich damit meinte. Also ich hatte halt das Familienknipsen gemeint. Und der hatte dann gesagt: „Ja, das ist keine Fotografie.“ Das beendete meinen aufkeimenden Fotowillen für zehn Jahre oder so. Das Thema war dann erst mal weg und hat mich nicht mehr interessiert. Weil, ich habe ja bemerkt, das, was ich mache ist Knipsen und keine Fotografie. Zurückgekommen zum Fotografieren bin ich dann, als die Fotografie nach und nach digitaler wurde. Ich war ja schon immer computerverliebt. Ich verdiene meine Brötchen in der IT-Branche. Und es begab sich irgendwann, dass aus der Fotografie von einer hauptsächlich über Film stattfinden Geschichte eine digitale wurde. Und ich habe auch eine der ersten im Handel erhältlichen digitalen Kameras irgendwann in die Hand gedrückt bekommen. Da konnte man eine Diskette einlegen und es hat das Bild auf Diskette gespeichert.</p>

<p>I: Eine Diskette.</p>

<p>B: Ich war vollkommen fasziniert davon. Und ich war dann lange genug nur fasziniert davon, ohne es zu kaufen, bis es dann langsam so praktikable Größen gab. So bin ich dann zum Fotografieren zurückgekommen, über die Technik. Und ich habe dann am Anfang das gemacht, was man halt so macht. Füße und Blumen fotografieren. So wie der Bastian, unser mittlerer Sohn, der, als er eine Digitalkamera in die Hand bekommen hat, eine Bildserie von 80 Fotos gemacht hat, wo du Blümchen, Blümchen mit Fuß.</p>

<p>I: Gras.</p>

<p>B: Gras, Gras mit Blümchen.</p>

<p>I: Gras mit Fuß. Mit ohne Fuß. Mit Blümchen, mit ohne Blümchen. Mit Zaun.</p>

<p>B: Ja, das ist ganz großartig. Das ist eine Serie, die wir auch heute immer noch haben. Celli: Ja.</p>

<p>B: Genauso habe ich auch angefangen. Und war dann von Anfang an fasziniert. Und von da aus wuchs sich das dann nach und nach aus. Also immer wieder, wenn dann die nächste Generation Kameras kam, habe ich halt getauscht. Dann wurden die Ansprüche größer. Mit dem Wissen, was man machen kann, stieg dann auch das Bedürfnis, die Technik anzuschaffen, die das unterstützen würde. Und als wir beide uns kennengelernt haben, war ich schon im Spiegelreflexzeitalter angekommen. Das heißt, ich hatte schon so einen Klopper mit Wechselobjektiven.</p>

<p>I: Das stimmt. Wir haben ja auch von dem Tag, an dem wir uns kennengelernt haben, Fotos. Und zwar einige davon.</p>

<p>B: Ja. Wir haben auch ganz tolle Fotos von unseren ersten Dates.</p>

<p>I: Okay. Aber zurück zu den Fragen. Jetzt geht es ja speziell um Fotomenschen, und wie gesagt, vielen Dank für die vielen, vielen Fragen. Ganz besonders dir, Frauke, du hast eine Serie an total interessanten Fragen gestellt. Zu denen komme ich noch. Aber jetzt mache ich die erst alle der Reihe nach. Der Lutz wollte zum Beispiel wissen, wie recherchierst du denn deine Themen? Und wie findest du übergeordnete Verknüpfungen und Zusammenhänge für dich?</p>

<p>B: Ich lese viel. Das kann man einfach mal so festhalten.</p>

<p>I: Das kann ich bestätigen.</p>

<p>B: Genau. Also der Fotomenschen-Podcast ist ja erst mal eine Entschuldigung für mich, Bücher zu kaufen. Das ist es tatsächlich.</p>

<p>I: Ja, seit du den machst, ist unsere Bibliothek hier, beziehungsweise deine Bibliothek, die sich aus Fotobüchern generiert, tatsächlich um ein Vielfaches angewachsen.</p>

<p>B: Ja. Es ist halt auch so, dass ich relativ früh festgestellt habe, dass das Internet, wenn man sich mit Fotogeschichte beschäftigt, ich nichts wert ist. Die Wikipedia ist, wie immer, ein guter Einstieg für alles. Aber man ist unglaublich schnell, sobald man ein bisschen unter die Oberfläche will, auf sich allein gestellt. Das Internet ist erstaunlich dünn ausgestattet, was Wissen rund um Fotogeschichte angeht. Und das habe ich relativ schnell bemerkt. Bemerkt habe ich das, weil dann irgendwann auf Bücher und nicht auf Webseiten verwiesen wurde, und ich dann zum Teil auch Namen entdeckt habe, die ich sonst nirgendwo mehr gefunden habe. Und dann habe ich halt angefangen, dass ein oder andere antiquarische Buch zu kaufen und mich da einzulesen. Und das ist halt so ein Rabbit Hole. Du fängst an, dich damit zu beschäftigen. Ich schreibe auch eine Menge Notizen auf, wenn mir Dinge begegnen, die erzählenswert scheinen. Und was du als meinen Teil der Bibliothek, als Familienbuchbestand beschreibst, ist eine wilde Mischung aus antiquarischen Büchern, aus Sachbüchern und aus Fotobildbänden. So finde ich tatsächlich meine Themen. Ich habe inzwischen mehrere Standardwerke zur Fotogeschichte. Ich habe Bücher zur Fototechnik. Ich habe Bücher, die so Sammlungen von Bildern, die man mal gesehen haben muss oder die Illustrierte Geschichte der Fotografie und Ähnliches sind. Und ich tauche durch diese Bücher. Und meistens begegnen mir da Hinweise auf irgendwelche Paper, auf Magazine. Ich begegne Namen und Geschichten, die ich interessant finde. Und sobald ich davon genug zusammen habe, habe ich sozusagen wieder eine Episode, die ich einsprechen kann. Und die Zusammenhänge, die ich aufmache, mache ich auf mit dem völlig naiven Blick dessen, der das nie studiert hat. Das heißt, ich habe nun mal keine Fotografiegeschichte studiert. Ich habe keine Fotografie an sich studiert. Ich habe mir die Technik selbst angeeignet. Ich komme mit einer völlig neutralen Faszination auf das Thema zu. Und deswegen hoffe und glaube ich, mache ich manchmal Beziehungen auf, die vielleicht nicht so alltäglich erscheinen. Ich schaue mir das nicht mit dem Blick des Kunsthistorikers an. Sondern, ich gucke mir das an und denke mir: Oh, das, was die da im 19. Jahrhundert gemacht haben, ist fast so ähnlich wie das, was wir mit Instagram heute machen. Und das ist dann auch etwas, was ich in mein Mikrofon blähe, was man dann halt in den Episoden nachhören kann. Aber die kurze Antwort ist: Viel lesen. Und zwar in Büchern, also richtig Totholz, nicht im Internet.</p>

<p>I: Ja, ohne Selbstbeleuchtung und so.</p>

<p>B: Ja, die leuchten nicht im Dunkeln.&nbsp;</p>

<p>I: Nein. Die Frauke meinte, deine Geschichten sind ja völlig unterschiedlich. Also mal redest du über die Anfänge der Fotografie, dann geht es um Rosalind Franklin. Aber nach welchen Kriterien suchst du denn deine Geschichten aus? Und da möchte ich mal kurz etwas sagen. Samstagsmorgens, wir stehen gerne später auf und frühstücken dann ausgedehnt. Samstagmorgende dienen auch oft dazu, auseinanderzufitzeln, was denn jetzt das Thema für Fotomenschen wird. Und was der Dirk dann auch gerne macht, ist, am Frühstückstisch darüber zu philosophieren, welchen Themen er gerade gedanklich nachhängt. Und meistens findet er dann seinen roten Faden, während wir darüber reden.</p>

<p>B: Ja, das ist tatsächlich schon sehr wertvoll, schon mal ein erstes Testpublikum zu haben. Vor allen Dingen gibt es Themen, die sich in meinem Kopf interessant anfühlen. Sobald ich die aber versuche jemand dann zu erzählen, bemerke ich, wie wenig Fleisch da eigentlich am Knochen ist. Oder umgekehrt. Ich entdecke beim Erzählen einen Blickwinkel, der mir nicht so ganz klar war. In der Frage von Frau gehöre ich jetzt aber auch raus, wie das zusammenpasst. Es gibt ja keinen chronologischen Rahmen in meinem Podcast. Im Prinzip erklärt sich das aus dem Anspruch, den ich habe. Wie gesagt, der Podcast hier ist in erster Linie Ausdruck meines sehr, sehr viel interessierten, leicht abzulenkenden Gehirns. Ich interessiere mich einfach für sehr viel. Und das ist sehr unterschiedlich. Und das kann mal die Zeitgeschichte rund um 1850 sein. Das kann mal etwas sein, was gestern passiert ist. Das ist ein Grund dafür, dass diese Mischung existiert. Aber der andere Grund ist, dass ich einen Podcast machen möchte, der eben für Leute, die nicht vom Fach sind, trotzdem faszinierend sein kann. Das ist ja eigentlich kein Fotografie-Podcast, sondern, eigentlich ist es ein Geschichts-Podcast. Es sind im Grunde Geschichten, die auch für Leute interessant sein könnten, die nie eine Kamera in der Hand hatten, sondern Fotos mit dem iPhone machen, oder so. Also es sollte einfach ein sehr breites Spektrum sein. Das ist mein Anspruch, den ich habe.</p>

<p>I: Ich finde auch die Geschichten immer total spannend, die du dann so samstagsmorgens beim Frühstückstisch erzählst. Oder auch unter der Woche. Ich bin jetzt nicht der Fototechniker oder will die ganze Zeit mit Kameras rumrennen. So gar nicht.</p>

<p>B: Nein, du delegierst das an mich.</p>

<p>I: Ich delegiere das, das kann ich gut.</p>

<p>B: Ja, aber das ist halt tatsächlich das Ding. Ich möchte halt etwas bauen, was für eine sehr breite Menge an Menschen interessant sein kann. Sowohl die vom Fach als auch die ohne, was aber eben niemanden ausschließt. Und deswegen versuche ich die Mischung bunt zu halten. Auch was den Kulturhintergrund angeht, auch die Spannweite der Themen. Und dann ist es so, je länger ich mich damit beschäftige, desto mehr rote Fäden entdecke ich, die ganz vom Anfang bis heute durchzuziehen sind, die uns gar nicht mehr richtig bewusst sind. Also wenn ich mir angucke, was für Diskussionen Fotografen manchmal untereinander führen, und dann entdecke, dass dieselbe Diskussion 1860 auch schon geführt wurde, zum Teil mit denselben Argumenten, dann finde ich das persönlich so faszinierend, dass ich das dann auch beides in eine Folge packen möchte und den Bogen eben auch weit genug spannen will. Und das führt dann zu der wilden Mischung, die ich da habe. Ich glaube, wenn wir dann mal bei 500 Folgen sind, kann man wahrscheinlich sehr schöne Kapitel aufmachen, die dann zusammenpassen.</p>

<p>I: Na großartig, 500. Was machen wir denn in der 500. Folge?</p>

<p>B: Zur 500. Folge mieten wir uns ein Stadion und laden alle Hörerinnen und Hörer ein.</p>

<p>I: Genau. Und dann spielen wir die Fotogeschichte nach.</p>

<p>B: Genau. Oder wir verriegeln die Türen, und dann müssen sie sich alle 500 Folgen anhören.</p>

<p>I: Welches ist denn deine Lieblingsgeschichte? Es sind jetzt 50 Folgen, da wird ja wohl die ein oder andere dabei gewesen sein.</p>

<p>B: Lieblingsgeschichte ist schwierig. Ich habe tatsächlich mehrere Episoden, die mich auch selber sehr fasziniert haben. Was mich zum Beispiel sehr fasziniert hat, ist die Geschichte von <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a> und <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a>. Also <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> ist speziell so einer dieser Fotografen, die dauernd genannt und empfohlen werden. Da muss man drüber sprechen. Er ist <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotograf</a> gewesen. Und ich war sehr davon fasziniert, als ich entdeckt habe, dass <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> gar nicht sein richtiger Name ist. Dass der Name von seiner Partnerin erfunden wurde, die auch einen Decknamen, also den Künstlernamen <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a>, angenommen hatte. Dass die beiden dieses Genre praktisch miterfunden haben. Sie haben es nicht alleine erfunden. Aber sie haben den Bildstil der damaligen Zeit, diesen Kriegsfotojournalismus geprägt. Das ist so eine dieser Geschichten, die mich wirklich sehr beschäftigt haben und immer noch beschäftigen. Daraus sind inzwischen zwei Episoden entstanden. Einmal habe ich einen Teil der Geschichte von Robert Capa erzählt. Und ich habe die Geschichte von <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a> erzählt. Gerda Taro ist ganz allgemein eine sehr faszinierende Person. also das fällt mir ein. Was mir auch einfällt ist die Geschichte der Bildmanipulation. Weil die Leute ja alle glauben, das ist etwas, was wir praktisch erst mit <a "/posts/die-geschichte-der-bildmanipulation.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="55" title="Photoshop">Photoshop</a> erfunden haben. Und das stimmt nicht. Und darüber zu recherchieren und das in eine Folge zu packen. Und von der reinen Episode her, ein all Time Favorite war für mich (?Ed Curtis). Das fällt mir da noch ein. (?Ed Curtis), der losgezogen ist und angefangen hat, die Kultur der amerikanischen Ureinwohner zu porträtieren, als ihm aufgegangen ist, dass die kurz vor dem verschwinden und zum Teil schon verschwunden waren, und dann 30 Jahre seines Lebens damit zugebracht hat, deren Kultur zu dokumentieren. Tonaufnahmen auf Wachsrolle aufgenommen hat, wunderschöne Porträts gemacht hat, die man für 15 Euro als Bildband kaufen kann. Ich fand das vollkommen faszinierend. Das sind so Geschichten, die für mich einen ganz besonderen Platz haben, die ich auch für mich selber ohne diesen Podcast nicht entdeckt hätte.</p>

<p>I: Ich fand ja den Teil über die <a "/posts/koronafotografiegeschwurbel.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="58" title="Koronafotografiegeschwurbel">Aurafotografie</a> und die Feengeschichte total abgefahren.</p>

<p>B: Ja, die vielen Geschichte ist auch wirklich-. Meine, wahrscheinlich am schönsten produzierte Folge, glaube ich, ist die Folge, die ich gemacht habe über die &#8211; wie heißt das? - (?Oktografie)? Ich glaube, das hieß (?Oktografie). Also die Idee, dass man das Bild, was ein Toter als letztes gesehen hat, auf der Netzhaut wiederfinden kann.</p>

<p>I: Aber ich finde es doch völlig faszinierend, dass Leute solche Gedanken haben und sich überlegen, das muss doch bestimmt noch irgendwie, irgendwo existieren. Und dann versuchen sich zu überlegen, naja, wie können wir das denn jetzt replizieren? Oder so. Wie können wir das denn sehen?</p>

<p>B: Ja, also speziell diese (?Oktografie)-Geschichte. Dass eine Faszinierende war, dass man auf den Gedanken gekommen ist. Das zweite Faszinierende war dann, sich zu überlegen, dass zum Teil die Polizei versucht hat, das umzusetzen so Mörder dingfest zu machen. Dann war faszinierend festzustellen, dass es auch wieder in den Siebzigern war, dass jemand wissenschaftlich nachgewiesen hat, jawohl, es geht. Aber es taugt nicht, um Bilder aufzunehmen. Also das ist dann das nächste. Es war nicht aus der Luft gegriffen. Unsere Augen können Bilder aufnehmen. Und man kann die fixieren und entwickeln. Aber die haben so eine grottige Belichtungszeit, der Mörder müsste schon echt lange stehenbleiben und gut beleuchtet sein, dass man ihn dann wiedererkennen kann. Und dem Ganzen die Krone aufgesetzt hat es damals, als ich festgestellt habe, dass es ein wissenschaftliches Experiment in Bruchsal gab. Und Bruchsal, das müssen jetzt die Hörerinnen und Hörer verstehen, das ist der Ort, aus dem meine Liebste stammt.</p>

<p>I: Da bin ich geboren.</p>

<p>B: Da bist du geboren, genau. Und in Bruchsal gab es eine Hinrichtung, eine Guillotinierung, wo der Enthauptete hinterher von Wissenschaftlern untersucht wurde, um zu sehen, ob man dieses Bild im Auge des Enthaupteten dokumentieren kann. Und damals haben sie festgestellt, es gibt gerade mal ein fünf Minuten Zeitfenster und eigentlich erkennt man nichts. Also das hat so eine Geschichte, die hat sich dann bei mir aus so einem kleinen Schnipsel aufgefächert. Das macht einen enormen Spaß.</p>

<p>I: Ich meine, ich kenne dich ja auch als Menschen, der, wenn dich etwas fasziniert, sich da auch völlig durchgräbt. Durch alles Mögliche. Und zwar bis in die Tiefen rein. Und das sieht man ja bei deinen Folgen dann auch. Die Frauke hat noch mehr Fragen gestellt, und hat dann zum Beispiel auch gemeint: Naja, du hast ja sicher für jede Folge mehr Stoff als in die 15 Minuten Podcast passen. Aber in welcher Geschichte gab es denn vielleicht ein Detail, was du dann schweren Herzens einfach hast unter den Tisch fallen lassen, weil du gedacht hast: Mensch, das passt jetzt nicht auch noch rein?</p>

<p>B: Ganz grob teilt sich das, was ich für Fotomenschen verarbeite, immer in zwei Lager. Das eine ist, dass sich einen total interessanten Fakt finde und mir denke, das wird doch eine coole Geschichte, und dann das Problem habe, dass ich, schon während ich anfangen Notizen zusammenzuschreiben feststelle, das ist eigentlich viel zu dünn. Also das trägt nicht. Das ist vielleicht ganz nett und das wäre so ein Schnipsel für eine Minute. Aber es trägt nicht. Und bei der anderen Hälfte der Geschichten habe ich dann dieses: „Uiuiui, verdammt, viel zu groß.“ Ich will ja eigentlich bei zehn bis 15 Minuten und maximal 30 Minuten sein. Und es gibt einfach Geschichten und Personen, die sind so facettenreich, da ist das Thema so riesig, dass es schwer einzufangen ist. Und da habe ich mir jetzt vorgenommen, dass ich unter Umständen mehrere Episoden dazu erzähle. Die Geschichte, die ich vorhin erwähnt habe, Gerda Taro und Robert Capa, ist ein gutes Beispiel. Das sind jetzt schon zwei Episoden, da werden wir noch ein paar Mal drüber reden. Also Robert Capa hat tatsächlich viele Facetten. Gerda Taro hat eine sehr breite, interessante Geschichte. Obwohl sie nur vier Jahre lang fotografiert hat, war die immerhin eine <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a>, die in ihrer Zeit die Welt so ein bisschen verändert hat. Und ich versuche mir das dann einfach für andere Folgen vorzumerken. Und deswegen werde ich jetzt hier auch keine Details verraten. Aber ja, das gibt es. Und manche sind dann auch für mich einfach die Herausforderung, eine konsistente Geschichte daraus zu machen. Ich habe auch so ein paar Themen, die wurden zum Teil auch schon sehr früh mal vorgeschlagen, die ich deswegen noch nicht verarbeitet habe, weil ich noch nicht wirklich für mich herausgefunden habe, wie ich dem Thema Herr werde, weil es einfach Häppchen braucht. Es braucht Kapitel, die sich in einzelne Folgen packen lassen.</p>

<p>I: Gibt es denn dabei auch irgendwelche Geschichten, für die dir noch entscheidende Details fehlen?</p>

<p>B: Reichlich. Gerade, weil ich es eben schon gesagt habe, Themen, die auch zum Teil schon vorgeschlagen worden, die auf meiner Liste stehen. Beispielsweise war der erste Vorschlag, den ich überhaupt bekommen habe, mal über eine Contessa zu sprechen, die in Irland als <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> gewirkt hat, und mit ihrem Mann zusammen das damals größte Teleskop der Region gebaut hat, wenn nicht überhaupt das größte Teleskop. Das müsste ich jetzt noch mal nachgucken. Keine Ahnung. Von der habe ich viel zu wenig Details. Da gibt es ein Buch, dass man auch tatsächlich nur sehr schwer bekommt. Dass ich irgendwann bekommen habe. In dem kann man sich ein paar dieser Fotografien von ihr anschauen. Das kann man normalerweise dort vor Ort in dem Schloss kaufen. Das kann man nämlich besichtigen. Das Schloss, das die bewohnt hat. Und die Frau hat, das kann man dem Buch entnehmen, eine Menge Sachen gemacht. Aber nichts wird darin wirklich im Detail beschrieben. Und ich komme da relativ schnell an Grenzen, wo ich denn mehr Material über sie finde. Und das ist tatsächlich ein Beispiel dafür, dass ich noch in der Recherchephase bin. Und das, obwohl das schon ein Jahr her ist, dass ich mit dem Thema von der angefangen habe. Wahrscheinlich müssten wir irgendwann nach Covid mal nach Irland fahren und dieses Schloss besichtigen.</p>

<p>I: Ohh.</p>

<p>B: Das wäre vielleicht mal eine Studienreise für Fotomenschen.</p>

<p>I: Ja, das fände ich ja ganz schrecklich. In Irland war ich noch nie. Also da steht auch noch auf meiner Liste. Da komme ich dann gerne mit. Dann können wir auch ein bisschen wandern gehen. Ich habe mal noch eine technische Frage, die der Thomas gestellt hat. Nämlich, wie viel Aufwand ist denn so eine Produktion deiner Folgen? Das ist ja eine Frage, die wir schon beim letzten Mal beim Anerzählt hatten. Und er will auch noch wissen, wie viel Zeit du so in die Recherche investierst. Naja, da kann ich schon mal sagen, je nach Thema: lange. Also lange, weil das Interesse einfach da ist. Und dann sieht man den Dirk nur mit der Nase in Fotobüchern. Aber nicht nur die Recherche interessiert ihn, sondern auch die eigentliche Produktion und die Nachbearbeitung. Ach ja, und zum Transkribieren kann ich mal sagen, wir sind ja hier ein kleines Familienunternehmen.</p>

<p>B: Du bist für die Inspiration zuständig.</p>

<p>I: Ja, ich bin für die Inspiration und für das, einfach dasitzen, Kaffee trinken und eben blöde Fragen stellen zuständig. Aber unser Sohn 2.0, der transkribiert ganz fleißig und hört sich dann durch den Podcast und schreibt das alles mit.</p>

<p>B: Und er behauptet, dass der Podcast auch spannend wäre. Und das, obwohl er sich ja eigentlich gar nicht für Fotografie interessiert.</p>

<p>I: Und man muss mal sagen, unser Sohn 2.0 wird jetzt in einer Woche 18. Also er ist noch ein Teenager.</p>

<p>B: Hashtag, wir sind so alt.</p>

<p>I: Ja.</p>

<p>B: Ja, der Aufwand. Es ist interessant, dass du den Anerzählt erwähnst. Für die Hörerinnen und Hörer, die den nicht kennen, das war sozusagen der Vorgängerpodcast von Fotomenschen. Und zwar Vorgänger insofern, dass das mein Hauptprojekt davor war. Ich habe ja insgesamt acht Podcasts. Nicht alle sind momentan aktiv. Aber ich mache das schon ein bisschen länger. Und der Anerzählt war ein tägliches Format. Da habe ich jeden Tag aufgenommen und habe mich an der Episodenzahl orientiert, da dann Themen rausgesucht und die erzählt. Und das ist tatsächlich deswegen so ein Vorgänger gewesen, weil die Episoden, die mir im Anerzählt am besten gefallen haben, waren die Episoden, die gerne auch mal was Geschichtliches bearbeiten haben, die so eine abgeschlossene Anekdote hatten, wo ich dann auch manchmal so ein bisschen Audiokino versucht habe, mit Geräuschen und so. Also das waren die Episoden, die mir persönlich am meisten Spaß gemacht haben. Und ich habe den Anerzählt, dadurch, dass das ja ein täglicher Podcast war, zum Schluss schon sehr routiniert produziert. Also es war dann tatsächlich so, wenn ich noch eine Stunde Zeit hatte, mir dachte, verdammt, heute habe ich noch keine Folge gemacht, dann war das kein Problem, in einer Stunde die Folge fertig zu haben. Ich habe ja 100 Episoden für den Anerzählt produziert. Da war ich sehr routiniert und rechnete damit, dass der Fotomenschen-Podcast zwar mehr Aufwand sein würde, aber im Wesentlichen ähnlich routiniert abläuft. Die Wahrheit ist jetzt so, dass ich nicht mehr täglich, sondern einmal die Woche produziere, und gefühlt der Aufwand ein Vielfaches ist. Das fängt mit dem Finden des Materials an. Sich durch Bücher lesen macht einen Irrsinnsspaß, aber es kostet natürlich Zeit. Sich den roten Faden zu notieren und so weiter. Und das findet im Prinzip parallel über mehrere Themen hinweg statt. Also ich habe hier elektronische Notizsammlungen in OneNote und physikalisch in diversen Notizbüchern. Und was ich halt mache, ist, mich durch meine Bücher durchlesen und die je nach Interesse durchzublättern und dabei dann Sachen zu notieren. Und immer, wenn es kritische Masse gibt für eine Podcast-Folge, steigen die sozusagen in dieser Masse an möglichen Themen auf. Und wenn dann etwas reif genug ist, dann nehme ich das auf. Und darauf verbringe ich inzwischen fast einen Wochenendtag. Also wenn ich dann sage, ich gehe jetzt mal Podcast aufnehmen, und das ist dann so mittags.</p>

<p>I: Dann ward er nicht mehr gesehen.</p>

<p>B: Genau. Ich sitze dann von eins bis um vier oder fünf hier und nehme sowohl den Podcast auf, als mache auch die Produktion. Wobei, für die Produktion selber brauche ich nur eine halbe Stunde. Die reine Aufnahme ist dann das, was zum Teil drei, vier Stunden braucht. Das liegt einfach daran, dass ich erstens mal den Podcast nicht vorschreibe. Das werde ich auch öfter mal gefragt, ob ich den eigentlich vorformuliere und dann ablese. Das kann ich nicht. Das klingt einfach grottig. Also ich muss frei reden. Aber ich produziere den halt direkt. Das heißt, ich beschreibe denselben Sachverhalt in mehreren Sätzen, bis mir der Satz auch wirklich gefällt. Und dann gehe ich weiter. Aber das ist halt tatsächlich ein etwas länglicher Prozess. Und dafür, dass ich beim Anerzählt für eine 15-Minuteneopisode manchmal nur eine halbe Stunde gebraucht habe, bis ich die gemacht habe, ist es erstaunlich, dass ich hier jetzt für 15 Minuten manchmal drei, vier Stunden brauche. Ich würde sagen, netto verbrauche ich genauso viel Zeit wie beim Anerzählt, nur halt alles konzentriert auf eine Episode, statt auf fünf Episoden pro Woche. Und es macht einen enormen Spaß.</p>

<p>I: Der Steffen hat auch noch eine Frage gestellt. Die hat jetzt wiederum gar nicht unbedingt etwas mit dem Fotomenschen-Podcast an sich zu tun. Er hat sich nämlich einfach mal interessiert, ob du professioneller Fotograf werden wolltest, und ob du glaubst, dass dir das Fotografieren genauso viel Spaß gemacht hätte, wenn das wohl dein Beruf geworden wäre.</p>

<p>B: Also ich habe schon immer wieder mal den Gedanken, möchte ich vielleicht mal eine Ausstellung machen? Wäre es nicht schön, mal ein Studio zu haben. Aber ich würde dafür meinen Broterwerb nicht aufgeben. Sondern, ich würde das gerne wie eine Liebhaberei, wie ein Hobby, wie ein Kunsthandwerk verstehen, weil ich auch erstens glaube, nicht mehr viel Geld damit verdienen zu können. Ich glaube, es sind immer weniger Leute, die wirklich ernsthaft Geld damit verdienen können. Und ich glaube auch, dass das, was sich viele unter professioneller Fotografie vorstellen, wesentlich weniger glamourös ist, als man das gerne hätte. Also ich glaube, ein professioneller Fotograf verbringt mehr Zeit mit der Buchhaltung und mit der Akquise von Aufträgen, als mit dem eigentlichen Fotografieren. Und last not least habe ich dann auch noch über die Sorge, dass es in dem Moment, wo es mein Beruf wird, mir vielleicht ein bisschen die Freude und die Faszination nimmt. Ich möchte das gerne weiterhin mit der Liebe betreiben, die ich da reinstecke. Eine ganz ähnliche Frage wird mir auch immer wieder beim Podcasting gestellt. Tatsächlich werde ich immer wieder mal gefragt, ob ich damit nicht auch irgendwie Geld verdienen wollen würde, indem ich entweder gegen Bezahlung Produktionen begleite oder Schulungen mache. Und auch, wenn mir das Spaß machen würde, hin und wieder mal eine Produktion zu begleiten und eine Schulung zu machen, würde ich das, glaube ich, lieber pro Bono machen, als dafür Geld zu nehmen. Weil, in dem Moment, wo ich das machen muss, weil mein Unterhalt davon abhängt, mache ich das nicht mehr so ganz freiwillig. Dann mache ich es nicht mehr selbstbestimmt. Dann ist das nicht mehr das, womit ich mich auslebe, wenn ich eben nicht meine Brötchen verdiene.</p>

<p>I: Ja, dann also Abschlussfrage. Lieber Dirk: Womit können wir denn die nächsten 50 Folgen rechnen?</p>

<p>B: Mit mehr wilden, bunten Geschichten. Ich finde, die 200 Jahre, die es jetzt Fotografie gibt, es sind noch nicht ganz 200 Jahre, aber so grob, sind eine unglaublich interessante Periode in der Weltgeschichte. Man kann im Rahmen von Fotografiegeschichte immer auch erzählen, was auf der Welt alles so los war. Und das ist eine faszinierende Themen- und geschichtsreiche Zeit. Wir entwickeln uns alle zu <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen. Jede und jeder fotografiert tatsächlich inzwischen. Und das ist inzwischen von etwas, das nur ganz wenige, gut betuchte, wissenschaftlich gebildete Menschen machen konnten, zu etwas geworden, was wirklich überall präsent ist. Und ich glaube, da sind einfach noch hunderttausende faszinierende Themen drin versteckt. Ich werde das so lange machen, wie ich eine Faszination drin finde. Es kann sein, dass das irgendwo mal aufhört. Aber da ist im Moment noch kein Ende absehbar.</p>

<p>I: Nein. Nein. Da muss ich dagegenhalten. Da ist wirklich kein Ende absehbar. Wie gesagt, die letzten 13 Jahre.</p>

<p>B: Ja, also worauf darf man sich freuen? Mehr davon. Mehr Geschichten. Ich würde gerne, und mir persönlich kommt das im Moment noch ein bisschen zu kurz, mehr verstehen und erzählen über die Geschichte der Fotografie in Ländern, die uns nicht so nahe liegen. Also das ist tatsächlich auffällig. Es ist auffällig, wie sehr unsere westliche Perspektive auf Fotografie von westlichen, meistens auch noch Fotografen, oft noch nicht mal Fotografinnen geprägt ist. Aber es gab relativ früh Fotografie in Indien. Es gibt Fotografie in Japan. Die fotografische Kultur in Japan ist völlig anders als unsere. Es gibt Fotografie in Afrika. All diese Kontinente, all diese Regionen, all diese Länder haben einen eigenen kulturellen und geschichtlichen Hintergrund, von dem ich noch nicht genug verstehe. Aber wenn ich in die Zukunft von Fotomenschen schaue, möchte ich deren Geschichten auch mehr erzählen. Und das ist sozusagen meine Reise, immer tiefer runter in dieses Rabbit Hole. Und ich werde Leute mitnehmen, wo immer ich kann.</p>

<p>I: Ja, toll. Ich bin mir sicher, ich bin nicht die Einzige, die sich darauf freut.</p>

<p>B: Das vielleicht auch noch mal ganz kurz. Wir haben jetzt ganz viel über Fotografie und Fotografiegeschichte und wie es zu diesem Podcast kam gesprochen. Aber vielleicht möchtest du ja mal den Hörerinnen und Hörern beschreiben, wo du jetzt hier gerade sitzt, damit sie mal wissen, wie tief in diesem Podcast-Rabbit-Hole … #00:31:45# steckt.</p>

<p>I: Also was ihr wissen müsst da draußen, als wir in dieses Haus in Frankfurt gezogen sind, da hat der Dirk dieses Zimmerchen hier gesehen und sich gedacht, ha, das könnte mein Arbeitszimmer-, ah nein. Podcast-Zimmer, ah nein, (?abends) Fotografier-Zimmer werden. Und jetzt ist es ein drei in eins. Und wenn man sich hier so umschaut, sitzt man halt zwischen, ich weiß gar nicht, wie diese Dinger heißen, so Dämmmaterial.</p>

<p>B: Genau, so Schaumstoff zum Schallschlucken.</p>

<p>I: Genau, diese Schallschlucker, die wir natürlich in rot gekauft haben. Weil, man muss es wissen, Dirks Lieblingsfarbe ist rot.</p>

<p>B: Da bin ich übrigens voll gebrainwasht worden.</p>

<p>I: Wieso?</p>

<p>B: Ich habe letztens mit unserem jüngsten Sohn zusammengesessen und wir haben alte Familienalben durchgeblättert.</p>

<p>I: Ach ja.</p>

<p>B: Dirk als Baby. Und irgendwann war mal sehr offensichtlich, dass meine Mama anscheinend auf Rot stand. Weil, ich hatte rote Klamotten, rotes Spielzeug, rote Bettwäsche. Ich wurde von klein auf auf rot trainiert.&nbsp;</p>

<p>I: Naja, also, jedenfalls weiß ich noch wie du vor mir standest und sagtest, die oder die? Und dann habe ich gesagt, na die in rot und grau. Und auf diesem ganzen Dämmmaterial sind inzwischen-, ich weiß nicht, wie viele Fotos das sind, draufgesteckt, die sich der Dirk ausgedruckt hat. Und wo sitzen wir davor? Vor natürlich zwei total hochprofessionellen Mikrofonen. Das geht ja nicht anders.</p>

<p>B: Ja. Also meine Man Cave, wie es so schön heißt, ist Podcast-, Foto- und Arbeitszimmer.</p>

<p>I: Ich könnte jetzt im Grunde meinen Arm ausstrecken und könnte einfach eine von den Kameras hier greifen.</p>

<p>B: Ja, die müssen immer in der Nähe sein.&nbsp;</p>

<p>I: Zum Streicheln wahrscheinlich.</p>

<p>B: Zum Streicheln brauche ich die, genau.</p>

<p>I: Genau.</p>

<p>B: So ist das. Ja, dann vielen lieben Dank, dass du hier unseren Hörerinnen und Hörern eine Stimme gegeben hast und mir diese Fragen gestellt hast.</p>

<p>I: Ja, ich muss mich bedanken. Weil, da waren so viele spannende Fragen dabei, das fand ich jetzt auch sehr spannend, was du darauf wohl sagen wirst. Insofern, voll aus meiner Seele gesprochen, danke an alle, die Fragen geschickt haben. Und ganz besonders, wenn ich jetzt schon mal am Mikro sitze, möchte ich meinen Onkel in Brasilien grüßen und meine Tante in Düsseldorf, die auch regelmäßig diesen Podcast hören. Und darüber freue ich mich.</p>

<p>B: Genau, wir haben ja hier ein weltweites Publikum. Andere Podcaster machen ja sowas Hörerinnen- und Hörerkarten. Vielleicht sollte ich das auch mal anfangen, dass ich so eine Karte auch mache. Mal gucken, wie weit wir da kommen.</p>

<p>I: Ja, aber weißt du, jemanden im Radio zu begrüßen war schon immer mein Traum.</p>

<p>Fotomenschen.</p>

<p>Ich liebe Fotografie. Ich liebe Podcasterei. Aber beides liebe ich hauptsächlich deswegen, weil ich ganz großartige Menschen darüber kennenlerne. Und weil mir Twitter von allen Social-Media-Kanälen am meisten liegt, findet sich die größte Community und die meiste Interaktion auch dort. Und das ist jetzt hier mal eine Einladung. Der Twitter-Kanal Foto Menschen ist viel mehr als einfach nur Begleitung von diesem Podcast-Projekt. Ich veröffentliche da regelmäßig Fotozitate. Ich erinnere an Ereignisse aus der Fotogeschichte. Und einmal täglich mache ich auch einen Vorschlag für ein Bildthema. Und die Fotosammlungen, die darunter entstehen, sind einfach nur inspirierend. Vielen lieben Dank für das Mitmachen, ihr seid große Klasse. Ja, und jetzt noch ein Stückchen weiter im Text. Es gab ja auch noch Audiogrüße.</p>

<p>B2: Ja, Kopf noch etwas weiter nach unten.</p>

<p>B3: Soll ich vielleicht?</p>

<p>B2: Nein, nein, nein. Drehe dich mehr zum Scheinwerfer.</p>

<p>B3: So besser?</p>

<p>B2: Ja, besser. Flirte mit dem Objektiv.</p>

<p>B3: Das habe ich jetzt schon 50-mal versucht, und ich bin immer noch nicht berühmt.</p>

<p>B2: Warte es ab, wenn wir erst in einem der nächsten 50 Folgen von Dirks Podcast erwähnt werden, hat sich der Stil etabliert.</p>

<p>B3: Werde ich dann berühmt?</p>

<p>B2: Ich schicke Dirk einen Abzug, der soll das beurteilen. Immer die Models, die berühmt werden wollen. Dabei hat doch der Fotograf die ganze Arbeit.</p>

<p>B3: Liebe Grüße von den Audiodidakten.</p>

<p>B2: Und herzlichen Glückwunsch zum 50.</p>

<p>Ja, die Audiodidakten. Das sind Marius und Simon, die uns alle im Podcast, Die Audiodidakten, auf ihrer Reise zur Podcasterei mitnehmen. Das macht einen enormen Spaß, sich das anzuhören. Und ich war auch schon zweimal zu Gast. Link, könnt ihr euch denken, wie immer in den Notizen zur Sendung. Ansonsten danke in das Vertrauen in die Karriereplattform Fotomenschen. Ich warte jetzt mal gespannt auf den Abzug, bevor ich das beurteile, ob es Weltruhm reicht.</p>

<p>B4: Happy Birthday an die Fotomenschen, die werden 50. Jedes Wochenende warte ich immer darauf, ob der liebe Dirk mir noch irgendwas zu einem berühmten Foto erzählen kann, wo ich eigentlich dachte, da kenne ich sowieso schon alles drüber. Oder über eine der Fotografinnen, die es in der Geschichte genauso gab, über die eigentlich sowieso viel zu wenig bekannt ist. Oder über irgendwelche Aspekte in der Fotografie, die ich so noch gar nicht kannte. Stichwort <a "/posts/der-seltsame-fall-von-william-mumler-geisterfotograf.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="11" title="Der seltsame Fall des William Mumler, Geisterfotograf">Geisterfotografie</a>. Kann aber auch sein, dass ich zwei oder drei Tage später bei irgendeinem Verlag wieder Geld ausgeben muss für irgendeinen interessanten Fotoband von einem Fotografen, den du mir empfohlen hast. Ich danke dir sehr für diesen Podcast. Und auf die nächsten 50. Tschüss.</p>

<p>Ja, lieber Jürgen. Lieben Dank für deinen Gruß. Und ja, was deine Beschwerde angeht, dass du Fotobücher kaufen musst, nachdem du von mir neugierig gemacht wurdest. Ich schätze, das heißt, mein Podcast tut genau, was er soll.</p>

<p>B5: Moin Dirk. Matthias hier vom Fotolinsen-Podcast. Wir wollen dir ganz herzlich zum ersten Geburtstag und zur 50. Folge gratulieren. Mach einfach weiter so mit deinen Fotomenschen. Wir haben natürlich eine Frage an dich. Wie schaffst du es, immer wieder so spannende und vor allem gut recherchierte Themen für deinen Podcast aufzubereiten? Wir vermuten ja, dass du irgendwo in Frankfurt ein Kellerbüro angemietet hast, und dort viele kleine Helfer für dich arbeiten. Oder müssen wir etwa unser Zeitmanagement überarbeiten? Viele Grüße, deine Fotolinsen Matthias, Holger und Chrissi.</p>

<p>Ja, die Fotolinsen. Ein unglaublich kreativer Haufen. Und meine Podcast-Kernfamilie. Ich freue mich jedes Mal, wenn mir mein Podcatcher eine neue Folge vom Foto Linsen-Podcast zeigt. Einfach, weil ich euch so gerne zuhöre. Aber auch sonst verbindet uns derselbe Spieltrieb. Als ich auf die Idee kam, sich spontan mal auf (?Fit) im (?Fitivers) zu treffen, zack, ihr wart dabei. Als ich eine virtuelle 3-D-Ausstellung entworfen habe, habt ihr sie euch angeguckt und kommentiert. Jeden Tag, wenn ein neuer Fotovorschlag auf Twitter rausrauscht, darf ich sicher sein, dass Chrissi, Holger oder Matthias einen Beitrag dazu abwerfen. Ich lese Holgers Blog mit Gewinn. Ich mag Chrissis Schwanenfotos. Und Matthias: Bienchen und Blümchen sind super. Was eure Frage angeht, das ist ganz einfach. Die Zeit in meinem Arbeitszimmer läuft einfach langsamer als überall sonst. Und dann klappt das. Oder mal ein bisschen ernsthafter geantwortet: Ich glaube, das ist eine Mischung aus, meine Kinder sind groß genug, dass ich mich nicht dauernd um sie kümmern muss, mein Job war schon immer so gebaut, dass ich viel von daheim aus arbeiten konnte und mir meine Zeit frei einteilen kann. Und nach, was sind es jetzt, acht Jahren oder so, Podcasterei, bin ich auch so routiniert, dass eine Episode aufnehmen, schneiden und veröffentlichen wirklich kein Ding mehr ist. Der ganze Rest, der entsteht sowieso in meinem ganz normalen Alltag. Ich lese einfach jeden Tag. Ich fotografiere jeden Tag. Und dann rede ich halt einfach auch gerne.</p>

<p>B6: Hallo Dirk, erst einmal herzliche Glückwünsche zur 50. Folge. Ich hoffe, mein Beitrag kommt hier rechtzeitig. Ich bin, glaube ich, mal wieder sehr knapp. Aber was mich mal interessieren würde, ob du in deiner Recherche irgendwo mal in eine Sackgasse geraten bist? Sprich, du konntest dann mit dem Thema nichts mehr anfangen. Hast vielleicht vorher was gesammelt und bist aber dann auf andere Dinge gestoßen, kam aber dann nicht mehr weiter. So weit, dass du eigentlich auch mit dem Thema nichts mehr anfangen konntest. Meine zweite Frage ist, was war denn deine schönste Episode bisher? Bis dann, ciao.</p>

<p>Ja liebe Silke. Das gibt es tatsächlich. Was mir immer wieder mal passiert ist, dass ich anfange, einen Fotograf oder einer Fotografin hinterherzurecherchieren. Denn deren Werke sind halt manchmal interessant. Aber, und das ist ein großes aber, wenn ich keine Themen finde, die so interessant sind, dass sie auch Menschen ohne Fotografiehintergrund interessiert, dann sind sie für mich Podcast nun mal nicht verwertbar. Also ich kann die Fotos großartig finden, ich kann die Person an sich sympathisch finden, aber ich brauche dann auch noch die interessante Geschichte. Und nicht jeder Lebenslauf ist an sich spannen. Also der Fotomenschen-Podcast will kein Lebenslaufpodcast sein. Und auch beim Fotografieren, finde ich, gehört mehr dazu als einfach nur, für sich genommen, eine gute Fotografie zu sein. In solchen Fällen gebe ich aber immer nur vorübergehend auf. Das heißt, solche Recherchen sind dann in Teilen in meinen Notizbüchern oder in OneNote abgelegt. Und ich könnte eventuell später wieder darauf zugreifen, wenn sich denn weitere Details ergeben oder wenn ich einen Zugang zu einer Geschichte finde. Deine zweite Frage war ja die nach der schönsten Episode, und die habe ich ja schon mal versucht zu beantworten. Es gibt Episoden, die stehen meiner Meinung nach raus. Ein Beispiel dafür ist die Episode über Napalmgirl, die ich vor fünf Wochen aufgenommen habe. Die ist, glaube ich, eine der gelungeneren und eine besondere Thematik. Die Episode um (?Leonard) Niemoy liegt mir deswegen am Herzen, weil sie viele überrascht. Weil Leute nicht wissen, dass der Darsteller von Mister <a "/posts/goettliche-weiblichkeit.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="54" title="Leonard Nimoy">Spock</a> im Raumschiff Enterprise zuerst und bis zu seinem Lebensende Fotograf war. Und die Schauspielerei einfach nur eine von den vielen kreativen Dingen war, die er gemacht hat. Die Episode gewollte Romantik, wo es um zwei nebeneinander gehaltene Kussfotos geht, mag ich sehr, denn die stellt viele sehr grundsätzliche Fragen. Und ich glaube, die Menschen sind sich nicht bewusst, was sie auf diesen Fotos eigentlich sehen. Das ist etwas, das zieht sich wie so ein roter Faden durch meinen ganzen Podcast. Die Feststellung, dass die Leute glauben, sie wissen was sie sehen. Und ein Bild sage ich ja mehr als 1000 Worte. Und in Wirklichkeit geht ohne Kontext, ohne zusätzliche Informationen, gar nichts. Ja, wie schon vorhin, nicht eine Lieblingsepisode, sondern ganz viele. Da wäre ich übrigens umgekehrt auch mal neugierig. Habt ihr denn, liebe Hörerinnen und Hörer, habt ihr eine Lieblingsepisode? Von den 50, die ich bis jetzt gemacht habe, welche stechen raus? Lasst es mich doch mal wissen. Und weil Silkes Gruß der letzte von den eingeschickten Audiogrüßen ist, hier auch nochmal gerade der Hinweis, ihr könnt es mich wissen lassen, indem ihr auf Fotomenschen.net vorbeisurft und einen Kommentar unter der Sendung hinterlasst. Oder ihr schickt mir eine E-Mail an Mail@fotomenschen.net. Oder ihr surft auf Twitter unter @Fotomenschen vorbei und beteiligt euch da an den vielen Diskussionen. Oder schreibt mich dort direkt an. Ansonsten gilt wie immer, wer den Podcast gut findet und das Projekt unterstützen möchte, empfiehlt ihn weiter. Podcasts wachsen durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Und Fotomenschen ist keine Ausnahme. Und es gibt Netzwerke, auf denen bin ich selbst überhaupt gar nicht aktiv. Etwa auf Facebook. Ja, und damit noch mal einen lieben Gruß an alle, die jetzt mitgemacht haben. Ich zähle euch jetzt nicht auf. Denn ich würde garantiert irgendjemanden vergessen. Aber ich habe mich riesig über jede einzelne der eingeschickten Fragen gefreut. Bis bald.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Queen of Street Art</title>
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            <pubDate>Sat, 10 Jul 2021 16:42:30 GMT</pubDate>
            <description>In den 70ern und 80ern war New York das Epizentrum der Jugendkultur und eine neugierige Reportagefotografin begann deren Kunst zu dokumentieren.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera In den 70ern und 80ern war New York das Epizentrum der Jugendkultur und die junge Reportagefotografin Martha Cooper begann deren Kunst zu dokumentieren. 40 Jahre später ist sie immer noch aktives Szenemitglied und ihr Lebenswerk bereiste mit ihr die Welt. Streetart (Wikipedia deutsch , englisch ) Martha Cooper (Wikipedia) Henry Chalfant (Wikipedia englisch) DONDI (Wikipedia, deutsch , englisch ) How A Theory Of Crime And Policing Was Born, And Went Terribly Wrong (NPR) Punk (Wikipedia) 1UP (Wikipedia) Berliner Sprayer im Farbrausch MARTHA COOPER &amp; NINJA K.: ONE WEEK WITH 1UP Arte Doku: Matha Cooper – Königin der Street Art Urban-Nation Artist Profile Martha Cooper auf Instagram Without Martha Cooper, There Would Be No History of New York Graffiti Graffiti of New York’s Past, Revived and Remade The history of graffiti Dieses Video auf YouTube ansehen Subway Art: (reduced format edition) (Street Graphics / Street Art) Medien: Hip Hop Life(breakin achilles mix) von shagrugge, CC-BY-NC Music Biz Today von Alex , CC-BY-NC Martha Cooper By Mikamote – Own work, CC BY-SA 3.0 Martha Cooper By Boris Niehaus – Own work, CC BY-SA 3.0 Henry Chalfant By Onda Fuenlabrada, CC BY 3.0 Transkript Das Wort Streetart beschreibt das inoffizielle Anbringen von Kunst im öffentlichen Raum. Und wenn man dazu Schriftzüge wie den eigenen Namen zählt, gibt es das wahrscheinlich schon seit – naja, immer? So hat man zum Beispiel im alten Pompeji Schriftzüge gefunden. Allerdings haben wir etwas ganz bestimmtes vor Augen, wenn wir von Street Art reden. Und das nimmt seinen Anfang in New York, so ungefähr in den Sechzigern. Und zu unserem Glück ist das eigentlich ganz gut dokumentiert. Fotomenschen. Sieht man in einem Film die New Yorker U-Bahn, und ist die U-Bahn von bis unten mit Graffiti bemalt, dann wissen wir sofort, wir befinden uns in den siebziger, achtziger Jahren. Und das liegt hauptsächlich daran, dass Rudy Giuliani in den neunziger Jahren Bürgermeister wurde. Und er war Anhänger der sogenannten Broken Windows Theorie. Deren Idee war, dass Vandalismus, der nicht entfernt, sondern geduldet wird, dazu führt, dass mehr Vandalismus stattfindet und ultimativ zu mehr Kriminalität und Verwahrlosung führen würde. In New York war das sichtbarste Zeichen von Vandalismus die von oben bis unten bemalte New Yorker U-Bahn. Und so machte man sich daran, U-Bahn-Graffiti bei Entdeckung direkt zu wieder zu entfernen. Inzwischen haben wir farbabweisende Lacke und regelmäßige Wartungsintervalle. Und deswegen sind komplett bemalte Züge inzwischen ziemlich selten geworden. Schade irgendwie, denn die Züge damals waren wirklich sehr bunt. Aber die Geschmäcker sind natürlich verschieden. Und viele fanden es einfach auch unerträglich vollgeschmiert. Und dann kam das Bild des typischen Sprayers dazu. Die vermutete man nämlich in den ärmeren Vierteln der Stadt. Und das sicher nicht ganz zu Unrecht. Das waren die Viertel der Stadt, in denen wenige wirtschaftliche Möglichkeiten auf wenige Freizeitbeschäftigungen trafen, und sich die Jugend deswegen hauptsächlich auf der Straße traf und vergnügte. Das ist die Geburtsstunde gleich mehrerer Jugendsubkulturen. Es wird sich aufgelehnt gegen die zunehmende Kommerzialisierung der Welt. Punks, Hip-Hopper, Graffiti-Künstler, sie alle lehnen sich gegen den Status quo auf. Und obwohl das alles auf der Straße und in der Öffentlichkeit passiert, wird es zunächst kaum weiter beachtet. Es sind also diese siebziger Jahre, in denen die damals Mitte 20 Jahre alte Martha Cooper mit ihrer Kamera durch die Straßen streift und versucht, interessante Themen für ihre Zeitung zu finden. Sie war Fotografin für die New York Post und unter anderem dafür zuständig, die Füllstorys zu finden. Immer, wenn noch ein bisschen Platz in der Zeitung war, konnte man dort allgemeine Kultur- oder Special Interest Storys unterbringen. Kleine Anekdoten. Die einzige Bedingung war, es musste </itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>In den 70ern und 80ern war New York das Epizentrum der Jugendkultur und die junge Reportagefotografin Martha Cooper begann deren Kunst zu dokumentieren. 40 Jahre später ist sie immer noch aktives Szenemitglied und ihr Lebenswerk bereiste mit ihr die Welt. </p>

<ul><li>Streetart (Wikipedia <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Streetart">deutsch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Street_art" target="_blank">englisch</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Martha_Cooper" target="_blank">Martha Cooper</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Henry_Chalfant" target="_blank">Henry Chalfant</a> (Wikipedia englisch)</li><li>DONDI (Wikipedia, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dondi_(Graffitik%C3%BCnstler)" target="_blank">deutsch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/DONDI" target="_blank">englisch</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.npr.org/2016/11/01/500104506/broken-windows-policing-and-the-origins-of-stop-and-frisk-and-how-it-went-wrong?t=1625925345150" target="_blank">How A Theory Of Crime And Policing Was Born, And Went Terribly Wrong (NPR)</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Punk" target="_blank">Punk</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/1UP_(Sprayer)" target="_blank">1UP</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/im-farbrausch-2100223.html" target="_blank">Berliner Sprayer im Farbrausch</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210124221636/https://www.urbanspree.com/shop/en/street-art-graffiti-books/1109-martha-cooper-ninja-k-one-week-with-1up.html" target="_blank">MARTHA COOPER &amp; NINJA K.: ONE WEEK WITH 1UP</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210402041910/https://www.arte.tv/de/videos/095805-000-A/martha-cooper-koenigin-der-street-art/" target="_blank">Arte Doku: Matha Cooper &#8211; Königin der Street Art</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://urban-nation.com/de/artist/martha-cooper/" target="_blank">Urban-Nation Artist Profile </a></li><li>Martha Cooper auf Instagram</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.insidehook.com/new-york/martha-cooper-photographer-nyc-graffiti" target="_blank">Without Martha Cooper, There Would Be No History of New York Graffiti</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nytimes.com/2010/10/27/arts/design/27graffiti.html?_r=0" target="_blank">Graffiti of New York’s Past, Revived and Remade</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210613094842/https://learnenglishteens.britishcouncil.org/skills/reading/upper-intermediate-b2-reading/history-graffiti" target="_blank">The history of graffiti</a></li></ul>

<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=76uJag4Nggg" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf YouTube ansehen</a></p>
<div class="yt-facade" data-yt="20IxPsf8aXw" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_20IxPsf8aXw.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/0500292124" target="_blank" rel="noopener">Subway Art: (reduced format edition) (Street Graphics / Street Art)</a></p>

<p>Medien: </p>

<ul style="font-size:10px"><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210917214343/http://dig.ccmixter.org/files/shagrugge/4521" target="_blank">Hip Hop Life(breakin achilles mix)</a> von shagrugge, CC-BY-NC</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210917223028/http://dig.ccmixter.org/files/AlexBeroza/38218" target="_blank">Music Biz Today von Alex</a>, CC-BY-NC</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18632325" target="_blank">Martha Cooper By Mikamote &#8211; Own work, CC BY-SA 3.0</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33858889" target="_blank">Martha Cooper By Boris Niehaus &#8211; Own work, CC BY-SA 3.0</a></li><li><a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75051328" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Henry Chalfant By Onda Fuenlabrada, CC BY 3.0</a></li></ul>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p>Das Wort Streetart beschreibt das inoffizielle Anbringen von Kunst im öffentlichen Raum. Und wenn man dazu Schriftzüge wie den eigenen Namen zählt, gibt es das wahrscheinlich schon seit &#8211; naja, immer? So hat man zum Beispiel im alten Pompeji Schriftzüge gefunden. Allerdings haben wir etwas ganz bestimmtes vor Augen, wenn wir von <a "/tags/straßenfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="34" title="Street">Street</a> Art reden. Und das nimmt seinen Anfang in New York, so ungefähr in den Sechzigern. Und zu unserem Glück ist das eigentlich ganz gut dokumentiert.</p>

<p>Fotomenschen.</p>

<p>Sieht man in einem Film die New Yorker U-Bahn, und ist die U-Bahn von bis unten mit Graffiti bemalt, dann wissen wir sofort, wir befinden uns in den siebziger, achtziger Jahren. Und das liegt hauptsächlich daran, dass Rudy Giuliani in den neunziger Jahren Bürgermeister wurde. Und er war Anhänger der sogenannten Broken Windows Theorie. Deren Idee war, dass Vandalismus, der nicht entfernt, sondern geduldet wird, dazu führt, dass mehr Vandalismus stattfindet und ultimativ zu mehr Kriminalität und Verwahrlosung führen würde. In New York war das sichtbarste Zeichen von Vandalismus die von oben bis unten bemalte New Yorker U-Bahn. Und so machte man sich daran, U-Bahn-Graffiti bei Entdeckung direkt zu wieder zu entfernen. Inzwischen haben wir farbabweisende Lacke und regelmäßige Wartungsintervalle. Und deswegen sind komplett bemalte Züge inzwischen ziemlich selten geworden. Schade irgendwie, denn die Züge damals waren wirklich sehr bunt. </p>

<p>Aber die Geschmäcker sind natürlich verschieden. Und viele fanden es einfach auch unerträglich vollgeschmiert. Und dann kam das Bild des typischen Sprayers dazu. Die vermutete man nämlich in den ärmeren Vierteln der Stadt. Und das sicher nicht ganz zu Unrecht. Das waren die Viertel der Stadt, in denen wenige wirtschaftliche Möglichkeiten auf wenige Freizeitbeschäftigungen trafen, und sich die Jugend deswegen hauptsächlich auf der Straße traf und vergnügte. Das ist die Geburtsstunde gleich mehrerer Jugendsubkulturen. </p>

<p>Es wird sich aufgelehnt gegen die zunehmende Kommerzialisierung der Welt. Punks, Hip-Hopper, Graffiti-Künstler, sie alle lehnen sich gegen den Status quo auf. Und obwohl das alles auf der Straße und in der Öffentlichkeit passiert, wird es zunächst kaum weiter beachtet. Es sind also diese siebziger Jahre, in denen die damals Mitte 20 Jahre alte Martha Cooper mit ihrer Kamera durch die Straßen streift und versucht, interessante Themen für ihre Zeitung zu finden. Sie war <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> für die New York Post und unter anderem dafür zuständig, die Füllstorys zu finden. Immer, wenn noch ein bisschen Platz in der Zeitung war, konnte man dort allgemeine Kultur- oder Special Interest Storys unterbringen. </p>

<p>Kleine Anekdoten. Die einzige Bedingung war, es musste Lokalrelevanz haben. Und auf der Suche nach solchen Geschichten lief Martha kreuz und quer durch die Stadt und fotografierte alles mögliche. Als Reportagefotografin interessierten sie die Menschen und wie die miteinander kommunizierten. Sie hatte Kunstgeschichte und Anthropologie studiert. Es ging mir also nicht in erster Linie um die Fotografie, sondern, eigentlich ging es ihr darum, Menschen dabei zu beobachten, wie sie miteinander in Kontakt treten. Auf ihren Streifzügen sieht sie immer wieder die Züge an sich vorbeiziehen, und fotografiert sie munter. Und es war einer dieser Streifzüge, als sie zum ersten Mal Break Dancer sah. Sie war von den Jugendlichen fasziniert, die da an Straßenecken tanzten. </p>

<p>Ihre Fotoeditoren interessierten sich nicht sonderlich für die Geschichte. Noch nicht mal als Füllstoff. Aber sie war fasziniert und begann, diese Jugendkultur zu fotografieren. Kinder und Jugendliche gehörten sowieso zu ihren Lieblingsmotiven. Und es dauert nicht lange, und die Kinder kennen sie. Die Frau mit der Kamera. Manche weisen sie dann auch auf andere Dinge hin, die es zu sehen gibt. Sie haben unter anderem beobachtet, wie sie immer wieder mal die Züge fotografiert. Und eines Tages weist sie eines der Kids, (?Edwin Zerrano), darauf hin, was sie da eigentlich fotografiert. Er zeigt die er nämlich seine Skizzen und erklärte ihr, dass die Schriftzüge, die auf Zügen durch die ganze Stadt gerollt wurden, nichts anderes als Namen und kurze Nachrichten waren. Und er erklärte ja, welche Styles man dort sehen konnte, welche Ideen in der Szene Bewunderung fanden. Und überhaupt, dass es eine ganze Szene von Sprayern gab, die sich nur diesem Thema widmeten. Und Martha geht auf, dass es hier ganz zweifellos um Kunst geht. Dass es eben nicht einfach nur plattes Aufbegehren gegen die Elterngeneration war, was man hier, im öffentlichen Raum beobachten konnte. Und (?Edwin) macht noch mehr. </p>

<p>Er bringt Martha Cooper mit einer damals etablierten und bekannten Sprayergruppe rund um den Graffiti-Künstler Dondi zusammen. Und ab jetzt verbringt Martha jede freie Minute damit, diese Gruppe zu begleiten. Die Kids vertrauen ihr. Sie darf mit zu den illegalen Spraytouren gehen. Sie fotografiert ihren Alltag. Sie porträtiert die Kids und zeigt ihre Kunst. Und das erst mal jahrelang unter dem Eindruck, dass sie die einzige ist, die sich überhaupt für das ganze Thema interessiert, bis ihr jemand erzählt, dass es da anscheinend noch einen Fotografen gibt, der neben ihr unterwegs ist und auch die Züge fotografiert. Sie braucht einige Monate, bis sie ihn tatsächlich ausfindig machen kann. Henry Chalfant. Wie sie, ist er fasziniert von der Streetart, die sich in New York City entwickelt. Anders als sie, interessieren ihn allerdings die Künstler weniger. Die beiden lernen sich jedenfalls kennen und tauschen sich aus. Martha ist von der riesigen Sammlung und den großartigen Aufnahmen, die Henry gemacht hatte, beeindruckt. Und Henry interessiert sich für ihre Porträts und die Szenen, die die Sprayer beim Erzeugen ihrer Kunstwerke zeigen. Für eine Weile haben die beiden so etwas wie freundliche Konkurrenz. </p>

<p>Es geht darum, wer die schönsten Graffiti fotografiert, wer die Tags festhält, die da durch die Stadt fahren. Parallel versucht Martha Artikelstrecken bei großen Magazinen einzureichen. Das ist doch eine Geschichte, die interessant ist, die erzählt werden muss. Aber es interessiert sich einfach niemand für das Thema, oder es wird als zu kontrovers wahrgenommen. Und so kommt die Idee auf, vielleicht ein Buch zu machen. Und sie fragt Henry, ob er nicht mit ihr kollaborieren möchte. Der Arbeitstitel: Art Transit. Sie stellen Beispiele zusammen, machen ein Demobuch und fangen an, die verschiedenen Verleger in der Stadt anzuschreiben. Manche können sich das ganze durchaus als interessantes Projekt vorstellen, scheuen dann aber auf den letzten Metern die Kontroverse. Andere lehnen einfach nur ab. Das Thema wäre doch langweilig und das lässt sich doch gar nicht darstellen. Die Wende kommt, als sie auf der Frankfurter Buchmesse dem britischen Verleger … #00:07:41# Hudson ihr Demobuch vorlegen. Es ist groß und schwer und wertig. Und sie werden sofort unter Vertrag genommen. </p>

<p>Es wird ein Buch in Übergröße, aber nicht, wie die üblichen Coffee Table Books als Hardcover mit großen, schweren Seiten, sondern eher wie eine Art großes Magazin produziert. Die Arbeitstitel Art Transit oder Art in Transit gefallen dem Verleger nicht. Es wird umbenannt in Subway Art. Und einige tausend Exemplare machen sich auf den Weg in die Buchhandlungen der großen Metropolen. Überwiegend sind diese Graffiti nach wie vor ein New Yorker Phänomen. Einzelne fangen an, in anderen Städten aufzutauchen. Aber so richtig ist das Phänomen noch nicht aus seiner Ursprungsstadt rausgewachsen. Henry und Master fotografieren weiter und hoffen darauf, dass das Buch ein Erfolg wird. Allerdings wird das Buch relativ selten verkauft. Und es geht die Anekdote, dass die Hälfte diese Bücher nach und nach aus den Läden gestohlen und gar nicht bezahlt werden. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Aber zunächst mal sieht es so aus, als wenn dieses Buch ein Projekt wäre, dass, wie schon andere Projekte, die Martha zuvor angestoßen hatte, zwar interessant, aber nicht wirklich lukrativ gewesen war. </p>

<p>Die ist schon nah dran, die ganze Sache einfach abzuhaken, als ihr bei einem neuen Graffiti-Künstler, den sie kennengelernt hat und anfängt zu fotografieren, eine Kopie ihres Buches in die Hände fällt. Also wirklich eine Kopie, mit einem Fotokopierer angefertigt. Manche der Tags sind mit Stiften ausgemalt, manche mit Notizen versehen. Das Buch war ganz offensichtlich wieder und wieder und wieder durchgearbeitet. Daneben waren eigene Skizzenseiten mit abgemalten Tags. Und er erzählt ihr, dass dieses Buch inzwischen Kultstatus hätte. Es stellt sich raus, das Buch Subway Art wurde zu einer Art inoffiziellen Style Bible und hatte inzwischen seinen Weg rund um den Globus gemacht. Graffiti-Künstler überall auf der Welt kopierten das Buch weiter und verteilten es. Sie lernten aus diesen fotografieren aus New York die verschiedenen Styles. Sie malten die Graffitis aus, wandeltes sie ab, erweiterten um eigene Stile. Kopierten das Ganze und reichten es weiter. Und ohne es zu merken hatte Martha etwas geschafft, was sie gar nicht angestrebt hatte. Sie hatte Kultstatus in der Szene erlangt. Künstler begannen sich, an sie zu wenden und nachzufragen, ob sie sie nicht auch mal fotografieren könnte. Streetart-Gruppen luden sie ein, mit ihr auf Tour zu gehen. </p>

<p>Waren diese Graffiti am Anfang überwiegend Schriftzeichen, kamen bald auch eine ausgefeilte Bildsprache dazu. Ganze Gemälde wurden auf Wände und Züge und Autos gesprayt. Und es gab neue Techniken. Von wiederauffüllbaren Spühflaschen bis hin zu besonders flüssigen Farben, die sich in eigens dafür umfunktionierten Feuerlöschern versprühen lassen, gab es die wildesten Konstruktionen. Und parallel wurden die ersten <a "/tags/straßenfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="34" title="Street">Street</a> Art-Künstler entdeckt und konnten auf Kommission, also im Auftrag arbeiten. Wie es halt immer so ist. Kunstformen, die zuerst als Kritik am Kommerz anfangen, werden nach und nach ganz unweigerlich auch kommerzialisiert. Punk, Hip-Hop, Streetart. Mit den ersten, offiziell anerkannten <a "/tags/straßenfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="34" title="Street">Street</a> Artists kamen dann auch die Messen und Ausstellungen. Und Martha Cooper konnte sich vor Einladungen nicht mehr retten. Und Martha ist ganz in ihrem Element. Ihr ganzes Leben lang beschäftigt sie sich mit Dokumentationsfotografie. </p>

<p>Sie fotografiert nach wie vor Kinder und Jugendliche am liebsten. Und immer wieder dazwischen die Subkulturen, die sie findet. Und ganz besonders gerne Künstler, die sich mit Streetart auseinandersetzen. Das Buch Subway Art ist inzwischen ganz offiziell eins der erfolgreichsten Fotobücher aller Zeiten. Über eine halbe Million Ausgaben sind davon inzwischen verkauft worden. Und es ist in der Szene immer noch die Bibel schlechthin. Und die Kunstform ist um die Welt gereist. Überall findet Graffiti. Und ich persönlich finde es auch schön, in einer Stadt zu wohnen, der es eine aktive Graffiti-Szene gibt. Wenn man sich hier in Frankfurt in der Stadt umsieht, erkennt man verschiedene Künstler, die im gesamten Stadtgebiet aktiv waren. Da gibt es die ganz offiziellen, großen Murals. Also die Wandgemälde, die zum Teil mehrgeschossige Häuserfassaden schmücken, die beauftragt und bezahlt wurden. Genauso wie Tags auf Zügen und Brückenpfeilern oder kleinen Aufkleberaktionen. Manchmal minikleine Tipp-Ex-Gemälde oder große, durchdachte Kunstaktionen. Wenn man durch seine Stadt läuft, stellt man auf jeden Fall irgendwann fest, dass es eine Art eigenen Fingerabdruck gibt. Die Mischung aus Künstlern, die man dort immer wieder antrifft. Dann gibt es die Ecken der Stadt, wo sich die Neulinge treffen und ihre Kunstfertigkeit dort lernen. Und es gibt die Brennpunkte, wo trotz allgegenwärtiger Kameraüberwachung immer wieder neue Kunstwerke auftauchen und man den Schaffern anscheinend nicht auf die Spur kommen kann. Dazwischen sind immer wieder die internationalen Größen, die sichtbar werden. Auch wir in Frankfurt haben unseren Banksy. Und auch wir in Frankfurt wurden schon mehr als nur einmal von One United Power, 1UP abgekürzt, besucht. 1UP ist dann auch eine Gruppe, die 2018 von Martha Cooper mit einem eigenen Bildband bedacht wird. Eine Woche durfte sie inkognito mit dieser Sprayergang unterwegs sein. Die Berliner nahmen sie mit, als wäre sie eine von ihnen. Und es gibt inzwischen sogar einen Dokumentarfilm dazu. Und der lohnt sich wirklich. Und wenn es nur zu dem Zweck ist, ein bisschen besser zu verstehen, warum Graffiti viel mehr als „nur“ Vandalismus ist.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Kunst und Können</title>
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            <pubDate>Sat, 03 Jul 2021 17:00:13 GMT</pubDate>
            <description>Viele der ersten Fotografinnen und Fotografen waren entweder Wissenschaftler oder Künstler und so gehört der Streit ob Fotografie nun dokumentierende Technik oder Kunst ist von Anfang an zu dem...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Viele der ersten Fotografinnen und Fotografen waren entweder Wissenschaftler oder Künstler und so gehört der Streit ob Fotografie nun dokumentierende Technik oder Kunst ist von Anfang an zu dem Medium. Der erste Fotograf der diese Frage zum ersten Mal und mit Überzeugung mit „Kunst!“ beantwortet ist heute kaum noch bekannt, darf aber ohne zu übertreiben als Vater der künstlerischen Fotografie bezeichnet werden… Oscar Gustave Rejlander (Wikipedia) Piktorialismus (Wikipedia) Julia Margaret Cameron (Wikipedia) Charles Darwin (Wikipedia) Kollodium-Nassplatte (Wikipedia) Allegorie (Wikipedia) Queen Victoria (Wikipedia) Lewis Carroll (Wikipedia) Darwin’s Camera: Art and Photography in the Theory of Evolution Six Degrees of Charles Darwin, and Rejlander’s Last Laugh Two Ways of Life Introducing Oscar Gustave Rejlander, The Father of Art Photography Oscar Rejlander, Practising Art Photographer Exhibition: Victorian Giants – The Birth of Art Photography Snappers who could count Queen Victoria among fans The Artword Podcast – Karen Hellman on Oscar Rejlander Oscar Rejlander’s Lachen / Weinen. Zum Vergleich zwischen emotionaler Mimik und Gestik zwischen Erwachsenen und Kindern. Auftragsarbeit für Charles Darwin The Two Ways of Life The Two Ways of Life, alternative Version Victorian Giants: The Birth of Art Photography: Julia Margaret Cameron, Lewis Carroll, Clementina Hawarden, Oscar Rejlander Transkript Kunst und Können Die 1850er Jahre in England sind für die Fotografie eine unglaublich wichtige Zeit. Es formen sich die ersten Kameraclubs, Amateurvereine, in denen Bilder besprochen werden. Und es tobt ein Streit. Es tauchen nämlich die ersten Fotografinnen und Fotografen auf, die sagen, Fotografie ist Kunst. Und das geht ja gar nicht, widersprechen vor allem die Maler. Denn erstens braucht es ja wohl kein Können, um einen Automaten dazu zu bringen, eine Szene festzuhalten, die dann zweitens ja schon existiert, also nicht ausgedacht wurde und drittens so gar nicht idealisiert. Überhaupt dieser letzte Aspekt, diese gnadenlose Darstellung der wahren Welt, das können wir uns heute überhaupt gar nicht mehr ausmalen, was für ein Paradigmenwechsel das war. Besonders die Malerei, die man in der viktorianischen Zeit gewohnt war, war sehr idealisierend. Es wurden keine Fehler im Gemälde geduldet, außer, sie waren absichtlich oder Zeichen mangelndem Könnens. Eine Fotografie bildet aber die Wirklichkeit ab und besonders die ersten Fotografinnen und Fotografen waren ja oft von akademischem und wissenschaftlichem Hintergrund und fotografierten damit auch möglichst naturgetreu. Es ist die Zeit des Kollodium-Nassplatten-Verfahrens. Und damit waren die Bilder auch tatsächlich relativ scharf und detailreich. Für die Malerinnen und Maler der damaligen Zeit wirkten die Fotografien geradezu ordinär. Sie waren beeindruckend im Ergebnis und sehr nützlich, aber im Grunde eine Art Skizzenmaschine. Die Fotografie hatte also ein gewisses Imageproblem. Und da half es auch nicht, dass die ersten Fotografien auftauchten, die klassische Gemäldeszenen nachahmten. Menschen, die in opulenten Gewändern vor Wandteppichen posierten und in denen jedes Utensil im Bild eine Bedeutung trug, das fanden viele nicht überzeugend. Das wirkte nachgemacht. Fotos, die versuchten, wie Gemälde auszusehen. Pah! Und überhaupt, Fotografien starten ja mit der existierenden Szene und man kann ja nur Dinge weglassen, während ein Maler oder eine Malerin sich eine Szene vorstellen und dann Schicht für Schicht Dinge hinzufügen kann, bis das Gemälde fertig ist. Das war eins der damals sehr weit verbreiteten Killerargumente bei der Frage ‚ist Fotografie Kunst?‘. Und das ist das Argument, das Oscar Gustave Rejlander hört, als er einem Freund eine seiner ersten Fotografien zeigt. Rejlander kam 1813 als Sohn eines schwedischen Steinmetzes auf die Welt. Er studiert Kunst in Rom und wandert dann später nach England ein.</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Viele der ersten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen waren entweder Wissenschaftler oder Künstler und so gehört der Streit ob Fotografie nun dokumentierende Technik oder Kunst ist von Anfang an zu dem Medium. Der erste Fotograf der diese Frage zum ersten Mal und mit Überzeugung mit &#8222;Kunst!&#8220; beantwortet ist heute kaum noch bekannt, darf aber ohne zu übertreiben als Vater der künstlerischen Fotografie bezeichnet werden&#8230; </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oscar_Gustave_Rejlander" target="_blank">Oscar Gustave Rejlander</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Piktorialismus" target="_blank">Piktorialismus</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Julia_Margaret_Cameron" target="_blank">Julia Margaret Cameron</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Darwin" target="_blank">Charles Darwin</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kollodium-Nassplatte" target="_blank">Kollodium-Nassplatte</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Allegorie" target="_blank">Allegorie</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Victoria_(Vereinigtes_K%C3%B6nigreich)" target="_blank">Queen Victoria</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lewis_Carroll" target="_blank">Lewis Carroll </a>(Wikipedia)</li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://journals.openedition.org/etudesphotographiques/3065" target="_blank">Darwin’s Camera: Art and Photography in the Theory of Evolution</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.lensrentals.com/blog/2012/11/six-degrees-of-charles-darwin-and-rejlanders-last-laugh/" target="_blank">Six Degrees of Charles Darwin, and Rejlander’s Last Laugh</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.metmuseum.org/art/collection/search/294822" target="_blank">Two Ways of Life</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://blog.scienceandmediamuseum.org.uk/oscar-gustav-rejlander-pioneered-combination-printing/" target="_blank">Introducing Oscar Gustave Rejlander, The Father of Art Photography</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="http://www.historywebsite.co.uk/articles/photos/Rejlander/Rejlander3.htm" target="_blank">Oscar Rejlander, Practising Art Photographer</a></li><li>Exhibition: <a rel="noreferrer noopener" href="https://artblart.com/2018/05/13/exhibition-victorian-giants-the-birth-of-art-photography-at-the-national-portrait-gallery-london-part-1/" target="_blank">Victorian Giants &#8211; The Birth of Art Photography</a></li><li>Snappers who could count Queen Victoria among fans</li></ul>

<ul><li><a href="https://podcasts.apple.com/us/podcast/23-karen-hellman-on-oscar-rejlander/id1395456573?i=1000466948748" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Artword Podcast &#8211; Karen Hellman on Oscar Rejlander</a></li></ul>

<div><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="500" height="375" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/21.jpeg" alt="Drei Porträts zeigen in historischer Kleidung einen Mann und ein Kind vor einem Vorhang."/><figcaption>Oscar Rejlander&#8217;s Lachen /  Weinen.  Zum Vergleich zwischen emotionaler Mimik und Gestik zwischen Erwachsenen und Kindern. Auftragsarbeit für Charles Darwin</figcaption></figure></div>

<div><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="529" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/13-1024x529.jpg" alt="Das Gemälde zeigt eine große Gruppe von Menschen in klassischen Gewändern, die sich in einem reich verzierten Innenraum mit Vorhängen und Bögen versammelt haben." /><figcaption>The Two Ways of Life</figcaption></figure></div>

<div><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="526" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/14-1024x526.jpg" alt="Ein großes historisches Gemälde zeigt zahlreiche Figuren, die unter Vorhängen in einer Außenkulisse zusammengekommen sind und verschiedene Posen einnehmen." /><figcaption>The Two Ways of Life, alternative Version</figcaption></figure></div>

<div><figure class="aligncenter size-large"></figure></div>

<div><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="500" height="654" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/22-1.jpg" alt="Ein großer Mann sitzt auf einer Kiste links, während eine Frau in der Mitte gestikuliert und eine dritte Person im Vordergrund kniet."/></figure></div>

<div><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="629" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/20.jpg" alt="Sepiafarbenes Porträt eines weinenden Babys in einem Studio, mit den Namen O.C. REJLANDER und NO 1 ALBERT MANSIONS VICTORIA STREET S.W. am unteren Rand des Bildes."/></figure></div>

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<p><a href="https://www.amazon.de/dp/1855147068" target="_blank" rel="noopener">Victorian Giants: The Birth of Art Photography: Julia Margaret Cameron, Lewis Carroll, Clementina Hawarden, Oscar Rejlander</a></p>

<hr/>

<p><strong>Transkript</strong></p>

<p><strong>Kunst und Können</strong></p>

<p>Die 1850er Jahre in England sind für die Fotografie eine unglaublich wichtige Zeit. Es formen sich die ersten Kameraclubs, Amateurvereine, in denen Bilder besprochen werden. Und es tobt ein Streit.</p>

<p>Es tauchen nämlich die ersten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen auf, die sagen, Fotografie ist Kunst. Und das geht ja gar nicht, widersprechen vor allem die Maler. Denn erstens braucht es ja wohl kein Können, um einen Automaten dazu zu bringen, eine Szene festzuhalten, die dann zweitens ja schon existiert, also nicht ausgedacht wurde und drittens so gar nicht idealisiert.</p>

<p>Überhaupt dieser letzte Aspekt, diese gnadenlose Darstellung der wahren Welt, das können wir uns heute überhaupt gar nicht mehr ausmalen, was für ein Paradigmenwechsel das war. Besonders die Malerei, die man in der viktorianischen Zeit gewohnt war, war sehr idealisierend. Es wurden keine Fehler im Gemälde geduldet, außer, sie waren absichtlich oder Zeichen mangelndem Könnens. Eine Fotografie bildet aber die Wirklichkeit ab und besonders die ersten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen waren ja oft von akademischem und wissenschaftlichem Hintergrund und fotografierten damit auch möglichst naturgetreu.</p>

<p>Es ist die Zeit des Kollodium-Nassplatten-Verfahrens. Und damit waren die Bilder auch tatsächlich relativ scharf und detailreich. Für die Malerinnen und Maler der damaligen Zeit wirkten die Fotografien geradezu ordinär. Sie waren beeindruckend im Ergebnis und sehr nützlich, aber im Grunde eine Art Skizzenmaschine. Die Fotografie hatte also ein gewisses Imageproblem.</p>

<p>Und da half es auch nicht, dass die ersten Fotografien auftauchten, die klassische Gemäldeszenen nachahmten. Menschen, die in opulenten Gewändern vor Wandteppichen posierten und in denen jedes Utensil im Bild eine Bedeutung trug, das fanden viele nicht überzeugend. Das wirkte nachgemacht. Fotos, die versuchten, wie Gemälde auszusehen. Pah! Und überhaupt, Fotografien starten ja mit der existierenden Szene und man kann ja nur Dinge weglassen, während ein Maler oder eine Malerin sich eine Szene vorstellen und dann Schicht für Schicht Dinge hinzufügen kann, bis das Gemälde fertig ist. Das war eins der damals sehr weit verbreiteten Killerargumente bei der Frage &#8218;ist Fotografie Kunst?&#8216;.</p>

<p>Und das ist das Argument, das Oscar Gustave Rejlander hört, als er einem Freund eine seiner ersten Fotografien zeigt. Rejlander kam 1813 als Sohn eines schwedischen Steinmetzes auf die Welt. Er studiert Kunst in Rom und wandert dann später nach England ein. Als mit der <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> das erste kommerziell erfolgreiche fotografische Verfahren die Bühne betritt, ist Rejlander immerhin schon 26 Jahre alt und ausgebildeter Maler.</p>

<p>Nicht zuletzt, weil die <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> in Großbritannien Lizenzgebühren kostet, geht hier die Entwicklung einen völlig anderen Weg. Hier wird dann auch das Kollodium-Nassplatten-Verfahren entwickelt, das erste Verfahren, das wirklich frei verfügbar war und bei dem man auf Glasplatten Negative erzeugt, die dann beliebig oft in Drucke umgewandelt werden können.</p>

<p>Rejlander ist fasziniert von der Technik und lässt sie sich von einem damals schon etablierten Fotografen zeigen. Was andere sich in mehreren Wochen Praxis zeigen lassen, lässt er sich in ungefähr 3 Stunden erklären. Er wird später aufschreiben, dass er wünschte, er hätte etwas mehr Energie und Zeit verwendet, das Verfahren wirklich von Grund auf zu lernen. So ist er später gezwungen, seine eigenen Verfahren, Tricks und Kniffe zu lernen, das ist natürlich vielleicht auch der Grund, warum er dann so erfolgreich sein wird, andererseits hat das ihm auch den Ruf eingebracht, nicht immer die Beste der möglichen Qualitätsstufen zu erreichen.</p>

<p>Anfangs sieht Rejlander die Malerei nach wie vor als die überlegene Kunstform. Er ist Portraitmaler, er macht Portraitminiaturen. Und er nutzt die Fotografie, um Skizzen zu fertigen oder Posen und Faltenwurf und Gesichter zu studieren. Besagter Freund bekommt also eine seiner ersten Fotografien zu Gesicht, eine Fotografie, die zwei Personen zeigt. Und als die beiden Männer sich so über das Bild beugen und sich darüber unterhalten, meint er abfällig, dass hier ganz offensichtlich deutlich wird, was der große Unterschied zwischen Malerei und Fotografie wäre. Denn das Bild wäre unperfekt. Zwar zeigt es zwei Personen und die in jedem nur erdenklich möglichem Detailgrad, aber als Maler hätte man für eine ausgewogene Bildkomposition eigentlich noch eine Person in die Mitte gepackt. Und die Fotografie wäre ja jetzt schon fertig. Man könne also nur eine völlig neue Fotografie erzeugen, aber nicht nachträglich eine Person einbauen.</p>

<p>Rejlander ist elektrisiert. Er hat eine Idee. Wenige Tage später verabredet er sich mit demselben Freund und bringt ein Bild mit. Der wirft einen Blick darauf und traut seinen Augen nicht. Rejlander hatte ihm bewiesen, was er für unmöglich gehalten hatte: Es war unzweifelhaft dasselbe Bild, das er wenige Tage vorher gesehen hatte, aber jetzt mit einer dritten Person zwischen den zwei anderen. &#8222;Es geht eben doch&#8220;, sagt Oscar triumphierend. &#8222;Auch Fotografen können Bilder im Kopf entstehen lassen.&#8220; Und auch Fotografen steht völlig frei, wie sie die Technik benutzen, um das fertige Bild zu erzeugen.</p>

<p>Das Medium der Fotografie ist noch ganz jung. Viele Fotografierende versuchen, herauszufinden, in welche Richtung sich alles entwickeln könnte. Und allerorten wird festgelegt, wie denn Dinge zu geschehen haben. Was ist denn gute Fotografie, was ist schlechte? Welche Techniken funktionieren? Es formt sich, aber damals wie heute klingt das natürlich dann von den Leuten, die ihre Ideen verbreiten, so, als wäre es Gesetz. Und Oscar Rejlander war diesen Einflüssen noch nicht ausreichend lange ausgesetzt, sodass ihm das wahrscheinlich im Wesentlichen egal war. Er blickt völlig frei auf das Medium und fragt sich, was er damit anfangen kann.</p>

<p>Und da lohnt es sich auch, ganz kurz darüber nachzudenken, wie Kollodium-Nassplatten-Verfahren funktionieren. Man braucht dazu natürlich zunächst mal eine Kamera, und zwar eine Kamera, die mindestens so groß ist, dass sie das Bild in der gewünschten Zielgröße aufnehmen kann. Stellen wir uns also eine Kiste vor, die hinten ein A4-großes Blatt Papier enthalten kann. Vorne ist ein Objektiv und den ganzen Kasten kann man wie eine Ziehharmonika auseinander- und wieder zusammenschieben. Das ist notwendig, um die Schärfeebene zu kontrollieren, also auf die richtige Stelle im Bild scharfschalten zu können.</p>

<p>Beim Kollodium-Nassplatten-Verfahren legt man allerdings hinten kein Papier ein, sondern man legt eine Glasscheibe ein. Die wird in einer Dunkelkammer zuerst mit Kollodium beschichtet und dann mit einer Silbernitratlösung lichtempfindlich gemacht. Die dann noch feuchte Glasscheibe muss dann in eine Kamera eingelegt werden und wird dann nach erfolgter Belichtung noch feucht fertigentwickelt.</p>

<p>Was man bekommt, ist ein Negativ, auf der Glasplatte ist also ein Bild, in dem alle hellen Teile der Szene schwarz dargestellt werden und alle dunklen Teile der Szene weiß. Weiß auf Glas heißt: An den dunklen Stellen der Szene ist das Negativ durchsichtig. Und das war die erste Idee, die Rejlander dazu brachte, Bildbestandteile miteinander zu kombinieren. Ihm ging nämlich auf, dass an diesen durchsichtigen Stellen natürlich Nahtstellen sind, die man später beim Druck nicht mehr sehen würde.</p>

<p>Der Druck ist nämlich der nächste Arbeitsschritt. Um aus dem Negativ ein Positiv, also ein fertiges Bild zu machen, nimmt man jetzt die Glasplatte, spannt sie mit einem lichtempfindlichen Papier zusammen und setzt beides der Sonne aus. Danach wird das Bild gewaschen und fixiert und fertig ist das Positivbild. Denn alle die Stellen, die im Negativ die Sonne blockieren, sind auf dem fertigen Bild ja dann weiß und alle die Stellen, die die Sonne durchlassen, werden schwarz. Je länger man das Bild in der Sonne lässt, desto dunkler eben.</p>

<p>Im ersten Schritt kommt also Rejlander auf die Idee, die verschiedenen Bildbestandteile einzeln voneinander aufzunehmen, dafür zu sorgen, dass sie von möglichst dunklen Szenenelementen umgeben sind und die dann für den Druck gezielt zusammenzumontieren.</p>

<p>Aber das war nur der Anfang. Er beginnt, mit Vergrößerungen zu experimentieren, also, salopp formuliert, positive nochmal abfotografieren, nur mit entsprechender Vergrößerung. Er deckt Teile der Negative gezielt ab, malt andere rein, spielt mit den verschiedensten Dunkelkammertechniken und montiert die Bilder zusammen, zum Teil mit sehr verblüffenden Ergebnissen.</p>

<p>Immer mit dabei und als Technikerin wahrscheinlich seine wichtigste Mitarbeiterin ist seine Frau Mary. Schon als er noch Maler war, nahm sie ihm eine Menge administrative Aufgaben ab. Jetzt als Fotograf ist sie seine Assistentin in der Dunkelkammer, sein häufigstes Fotomodell, Kundenbetreuerin und Geschäftsführerin im Hintergrund.</p>

<p>Längst nicht alle seine Fotografien sind Montagen, tatsächlich ist der hauptsächliche Kundenstamm ganz klassisch an Portraits interessiert. Rejlander hat außerdem ein persönliches Interesse an inszenierten Kinderportraits. Das ist ein Genre, das besonders im viktorianischen Zeitalter blüht und gedeiht. Kinder werden in allen möglichen Posen dargestellt und abfotografiert, oft in Gegenwart der Eltern. Und das ist auch der Grund, warum gerade aus der Zeit sehr viele Kinderportraits gerade auch von den großen Fotografinnen und Fotografen erhalten sind. Namen wie Julia Margaret Cameron sind untrennbar mit mal mehr, mal weniger inszenierten Kinder- und Säuglingsportraits verbunden.</p>

<p>Der Mathematiker, Schriftsteller und Fotograf Lewis Carroll (ja, der Lewis Carroll, der Alice im Wunderland geschrieben hat) freundet sich mit Rejlander an und fängt an, seine Kinderportraits zu sammeln. Später wird Lewis Carroll selber Kinderportraits machen und der Stil Rejlanders kommt so stark durch, dass es später manchmal nicht ganz klar sein wird, ob ein noch erhaltenes Bild eigentlich von Lewis Carroll oder von Oscar gemacht worden war. Und auch Julia Margaret Cameron wird mit ganz eindeutig von Oscar Rejlander inspirierten Gemälden berühmt. Sie verkehren in denselben Kreisen, sie kennen dieselben Leute, sie haben zum Teil dieselben Freunde und fotografieren dieselben Berühmtheiten ihrer Zeit.</p>

<p>Aber auch, wenn Oscar Rejlander hauptsächlich Portraits macht, haben manche Portraits Eigenschaften, die es zu der Zeit eigentlich gar nicht geben dürfte. So erregt zum Beispiel das Bild &#8222;The Juggler&#8220;; der Jongleur, Aufsehen, weil dort ein Jongleur zu sehen ist mit Bällen in der Luft. Und das könnte natürlich nur eine optische Illusion sein, denn mit mehreren Sekunden Belichtungszeit lassen sich Bälle in Bewegung nun mal nicht einfangen, aber das Bild sieht täuschend echt aus.</p>

<p>Zu der Zeit traut man Rejlander allerdings inzwischen schon fast alles zu. Heute nennt man Rejlander den Vater der künstlerischen und inszenierten Fotografie. Und der Grund dafür ist ein Bild, das er 1857 macht, das den Titel &#8222;The Two Ways of Life&#8220; trägt. Wenn man dieses Bild zum ersten Mal sieht, kommt es einem wie ein barockes Gemälde vor. Es ist inspiriert, im Aufbau zumindest, von einigen berühmten Malereien, die der junge Rejlander, als er in Rom Malerei studiert hat, wahrscheinlich im Original gesehen hat.</p>

<p>Und bevor ich jetzt erkläre, warum dieses Bild eine kontroverse und einen Skandal ausgelöst hat und was da weiter passiert ist, möchte ich es ganz kurz beschreiben. An der Stelle lohnt sich auch kurz der Blick auf das Handydisplay, mit etwas Glück kannst du das Bild jetzt dort sehen. Das muss von deinem verwendeten Podcatcher unterstützt werden, ansonsten besuche einfach die Website, da werde ich es auch mit einbetten.</p>

<p>Das Bild ist im Panoramaformat &#8211; das war für die damalige Zeit ungewöhnlich groß. Mit über 80 cm Breite wussten Sachkundige sofort, dass dieses Bild aus mehreren Bestandteilen bestehen musste, aber man konnte nicht sehen, aus welchen Bestandteilen.</p>

<p>Es zeigt eine Szene, in der eine Menge los ist. In der Mitte steht ein alter Mann. Er scheint einen Jüngling in die Szene hineinzubegleiten. Den Jüngling sieht man zweimal: einmal zu seiner Linken, einmal zu seiner rechten Seite. Und damit ist die Bildaufteilung auch schon klar. Links im Bild geht der Pogo ab. Diverse Todsünden werden hier bildlich dargestellt und es gibt viel nacktes Fleisch. Rechts geht es wesentlich gesitteter zu; da geht es um die Pflege von Kranken und Gebrechlichen, um die Wissenschaften und damit ist es auch klar, was das Bild darstellt, nämlich die Wahl, die der Jüngling hat, nämlich ein Leben in Tugend oder eines in Laster zu führen. Von oben hängen Theatervorhänge ins Bild. Der Mann mit dem Jüngling hat hinter sich eine Art undurchdringliches Waldstück und die zwei Optionen, das Leben zu führen, scheinen in der Stadt innerhalb von Architektur stattzufinden.</p>

<p>Das Bild strotzt nur so vor Symbolik. Allegorie war ein Riesending bei den Malern der damaligen Zeit und natürlich durfte das in einem Foto, das versuchen wollte, mit Kunst zu konkurrieren, auch nicht fehlen.</p>

<p>Oscar Gustave Rejlander stellt dieses Bild aus und begeistert und entsetzt seine Zeitgenossen. Begeistert deswegen, weil er etwas geschafft hatte, was für unmöglich gehalten worden war. Er hatte Monate an diesem Bild gearbeitet. Über 32 Negative wurden für dieses Bild zusammenmontiert und trotzdem sah es wie eine einzige Aufnahme aus. Dass es das nicht sein konnte, war sehr offensichtlich, wenn man den Jüngling sah, denn der tauchte ja zweimal auf dem Bild auf.</p>

<p>Allein den Druck zu fertigen, kostete mehrere Tage Arbeit, denn die einzelnen Bestandteile mussten zunächst vergrößert, dann zusammenmontiert und dann als ein großes Bild ausbelichtet werden. Rejlander fertigte jeden Druck neu an, das heißt, jedes Exemplar sah ein bisschen anders aus. In manchen war er selbst der alte Mann in der Mitte des Gemäldes, in anderen war es ein Schauspieler. Die Figuren variieren, es sind unterschiedliche Models, die Szenen, die Positionen.. Im Netz fand ich mindestens drei verschiedene Varianten und es macht schon Spaß, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu entdecken.</p>

<p>Diese Montage zu sehen war also beeindruckend. Es gibt ja den Satz &#8222;Kunst kommt von Können&#8220; und Können war einer der Aspekte, den man Fotografinnen und Fotografen damals abgesprochen hat. Schließlich hielten sie fest, was die Natur ihnen bot und danach war es doch &#8222;nur&#8220; Technik. Rejlander nun schaffte etwas, was nicht nur für unmöglich gehalten worden war, sondern von dem die Zeitgenossen erstmal nicht wussten, wie sie es nachmachen können. Dann war das Bild zum Bersten gefüllt mit Symbolik, das griff das zweite Argument an. Kunst entstünde nämlich zunächst im Kopf des Künstlers oder der Künstlerin. Sie muss Aussage haben. Ideen vermitteln. Gelesen werden können. Etwas vorher nicht dagewesenes, neu geschaffenes zeigen. All diese Aspekte waren in diesem Bild sehr offensichtlich vorhanden und trotzdem sah es wie eine Fotografie aus.</p>

<p>Dieser vorhin schon erwähnte schockierende Detailreichtum kam natürlich besonders auf der Hälfte des Bildes zum Tragen, wo es um die Sünden und Laster ging. Und da sind wir beim Skandal. Zwar hatte man in der viktorianischen Zeit kein Problem mit Nacktheit, Gemälde konnten gerne Frauen barbusig in allen möglichen Posen auch mal lüstern darstellen, aber die dann, sozusagen, &#8222;in the flash&#8220; zu sehen und zu wissen, dass der Fotograf die im Studio gehabt hatte, produzierte einen unerhörten Skandal. Dazu kam noch, dass alle, die dieses Bild sahen, bewusst war, dass keine Frau von Tugend sich freiwillig vor einer Kamera nackt ausziehen würde. Die Frauen im Gemälde waren also ganz offensichtlich prostituierte.</p>

<p>Es ging also hoch her. In den Fotoclubs, in den Kunstzirkeln der damaligen Zeit wurde heiß diskutiert und viele waren sich einig, dass Oscar Rejlander eigentlich fast schon zur Persona non grata erklärt werden müsste. Nur eine Person sah das damals spontan anders, eine Person, die von Anfang an begeisterte Fotografin war und deren Urteil nicht ignoriert werden konnte: Queen Victoria.</p>

<p>Sie hatte schon ab der Einführung der <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> Interesse an der Fotografie gehabt und galt als eine erfahrene Hobbyfotografin. Sie und ihr Ehemann hatten beide eine ausgebaute Dunkelkammer, beschäftigten mehrere Fotografen als Hoffotografen und gingen dem Hobby in ihrer Freizeit auch selbst mit Begeisterung nach. Außerdem traten sie als Mäzene auf und kauften Werke, die sie bemerkenswert fanden und genau das passierte mit Rejlanders schockierenden &#8222;Two Ways of Life&#8220;. Queen Victoria erfuhr davon, sah es, war begeistert und beschloss, einen Druck dieses Werkes für ihren Mann zu kaufen, als Geburtstagsgeschenk. Der war so begeistert davon, dass er es in seine private study aufhing, wo es bis zu seinem Tod blieb. Und ja, was gut genug für Queen Victoria ist, kann natürlich für alle anderen Fotografierenden nicht schlecht sein. Sie hatte sich freilich nicht dazu geäußert, ob das Werk denn jetzt Kunst wäre oder nicht, aber &#8222;Schund&#8220; konnte es natürlich jetzt auch nicht mehr sein.</p>

<p>Spannend finde ich, dass die Fragen, die damals mit so viel Hitze diskutiert und debattiert wurden, dieselben Fragen sind, die wir heute immer noch finden. Ich meine, Rejlander brauchte immerhin mehrere Tage, oder im Falle von &#8222;The Two Ways of Life&#8220; mehrere Wochen und trotzdem fragten sich Leute, ob etwas Kunst sein konnte, was eigentlich nur einen Moment festhält. Damals wie heute gibt es diese Liebe zum Vergangenen.</p>

<p>Rejlander markiert den Anfang einer Periode, die in der Fotografiegeschichte Pictorialism genannt wird, einen Trend, in dem versucht wurde, Bilder zu schaffen, die möglichst wie gemaltes aussehen oder wenigstens die Themen von Gemälden nachahmen sollten. Im einfachsten Fall waren das inszenierte Fotografien wie &#8222;The Two Ways of Life&#8220;, aber später dann wurden ausgefeilte Techniken angewandt, um die Drucke wirklich aussehen zu lassen, als wären sie Kohlezeichnungen. Da wurde auf dem Material herumgekratzt, es wurde Sepia eingefärbt, es wurden Stellen gezielt scharf oder unscharf gemacht, um den Eindruck von Pinselstrichen zu vermitteln und das Medium versuchte, nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft zu schauen. Und sei es, indem man einfach so abstrakt wurde, dass man nicht mehr genau wusste, was das Bild zeigt.</p>

<p>Und was machen wir heute? Im einfachsten Fall versuchen wir, nostalgisch so auszusehen wie die Fotografien der letzten 30 Jahre, indem wir Korn reindrehen und Filmsimulation einschalten. Andere wiederum nehmen die Mittel der Software zu Hilfe und lassen komplette Gemäldesimulationen fertigen. Da wird die Fotografie zum Ölgemälde, das Fotoobjekt zum stilisierten Pinselstrich. Oder wir nehmen <a "/posts/die-geschichte-der-bildmanipulation.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="55" title="Photoshop">Photoshop</a> und montieren wie die Wilden.</p>

<p>Und zeitgleich entdecken in jeder Generation Fotografinnen und Fotografen die Leute wieder aufs Neue, dass es einen Streit darum gibt, ob das, was sie da machen nun Kunst oder Handwerk ist. Wurde die Linie damals zwischen Malerei und Fotografie gezogen, zieht man sie heute zwischen Digital Artist und Content Creator. Ich glaube, Oscar Rejlander wäre stolz auf uns.</p>

<p>&#8222;The Two Ways of Life&#8220; war sein beeindruckendstes und in Rückschau sicherlich berühmtestes Bild, aber das kommerziell erfolgreichste war es nicht. Dafür war es einfach zu aufwendig und irgendwann stellte er auch die Produktion von Drucken für dieses Bild ein. Immer mehrere Tage in der Dunkelkammer herumzumontieren war dann einfach nicht mehr wirklich praktikabel.</p>

<p>Außerdem war er zu neuen Ufern aufgebrochen. Der berühmte Forscher Charles Darwin hatte sich bei ihm gemeldet. Charles Darwin untersuchte zu der Zeit die Emotionen von Tieren und Menschen. Es kam ihm darauf an zu dokumentieren, wie wir uns ausdrücken. Welche Gesten und Grimassen ziehen wir je nach Befindlichkeit, das wollte er festhalten. Und dafür brauchte er einen Fotografen, der in der Lage war, die verschiedensten Mimiken einzufangen. Er gab Rejlander praktisch eine Shotlist vor: wütend, traurig, fröhlich, und so weiter.</p>

<p>Emotionen hatten auch andere berühmte Zeitgenossen damals schon einzufangen versucht, aber mit dem <a "/tags/kollodium-nassplatte.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="10" title="Kollodium Nassplatte">Kollodiumnassplattenverfahren</a> mit mehreren Sekunden Belichtungszeit war das natürlich schwer, besonders, wenn man das einigermaßen spontan aussehen lassen wollte. Und Rejlander galt als jemand, der unvergleichlich gut darin war, genau diese spontanen Eindrücke festzuhalten. Nicht, weil die Bilder so spontan gewesen waren, sondern, weil er anscheinend wirklich gut darin war, mit seinen Models zu arbeiten. Er war bekannt als jemand, der lustig und charmant sein konnte und viele seiner Aufnahmen drücken einen für die Aufnahmen damaliger Zeit ungewöhnlichen Humor aus. Es gibt Bilder, wo er mit seiner Frau Mary ganz offensichtlich herumalbert und er war bekannt dafür, dass er Kinder natürlich posieren und fotografieren konnte, gut gelaunt. Das ist ja gerade bei kleinen Kindern nicht unbedingt leicht, insbesondere dann nicht, wenn man ihnen beibringen muss, dass sie dann auch noch mehrere Sekunden in einer bestimmten Position verharren müssen. Die Fotografien von Julia Margaret Cameron zeigen ja auch oft Kinder und die meisten Bilder, die ich bisher so gesehen habe, zeigen ziemlich genervte Kinder. Ich versuche, mir dann immer auszumalen, wie wohl diese Fotosessions abliefen.</p>

<p>Jedenfalls galt Rejlander als jemand, der das wie kein anderer beherrschte. Und trotzdem muss er geschluckt habe, als er in der Shotlist, die ihm Darwin überreichte, unter anderem ein weinendes Kleinkind fand. Er sollte ein Kleinkind fotografieren, das die Welt gerade geschmeidig zum Kotzen findet. Und die haben jetzt nicht unbedingt gerade Verständnis dafür, wenn sie sich ruhig halten sollen. Überhaupt vielleicht noch bei schmerzverzerrt aufgerissenem Mund.</p>

<p>Und das ist dann auch tatsächlich das berühmteste Bild, das Rejlander in seiner Karriere produziert hat. Es zeigt ein sitzendes, inbrünstig heulendes Kleinkind. Und nach einem zu der Zeit populären satirischen Roman heißt es &#8222;Ginx&#8217;s Baby&#8220;. Und es kombiniert alles, was Rejlander zu der Zeit an Fähigkeiten angesammelt hatte. Wie er das Baby zum Weinen gebracht hat, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass er zu einer ganzen Reihe Tricks griff, um diese Aufnahme überhaupt möglich zu machen. Und dass er dann in der Dunkelkammer seine malerischen Fähigkeiten herauskramte, um die doch sehr unzureichende Vergrößerung dieses weinenden Babys zu einer glaubwürdigen, großen Aufnahme zu machen. Wieder hatte er ein Bild gemacht, von dem die damaligen Kollegen dachten, es wäre so eigentlich nicht möglich und Charles Darwin hatte seine vollständige Palette an Mimikfotos, die für sich übrigens auch schon sehenswert sind, zeigen sie doch Rejlander und seine Frau Mary in den unterschiedlichsten Grimassen, von Lachen über ärgerlich bis verzweifelt bis wütend, alles dabei.</p>

<p>Während seiner 24 Jahre dauernden Karriere als Fotograf schreibt Rejlander diverse Texte, unter anderem verteidigt er eben die Fotografie und ihren Anspruch als &#8222;fine art&#8220;. Er gilt als der Vater der künstlerischen Fotografie, nicht nur, weil er als einer der ersten Aufnahmen inszenierte, die opulent waren, die originell waren, die allegorisch waren, die Gedanken transportierten, die er zunächst in seinem Kopf und seinen Skizzenbüchern formierte, bevor er sie als Fotograf festhielt, sondern auch, weil er weiterdachte und die verschiedenen Medien, die er kannte auf bis dahin ungewöhnliche Art und Weise kombinierte.</p>

<p>Er ist einer der ganz frühen Piktorialisten und berühmte Namen wie Julia Margaret Cameron oder Lewis Carroll sind so unzweifelhaft von ihm beeinflusst, dass bis heute Aufnahmen mit seinen verwechselt werden. Und trotz all des Wirbels war es auch damals schon schwierig, als Fotograf kommerziell erfolgreich zu sein. Einerseits verkauft Rejlander ja einen Druck an Queen Victoria und produziert mehrere Aufnahmen, die zu seinen Lebzeiten berühmt wurden, aber reich wird er damit nicht.</p>

<p>Als er 1875 im Alter von 62 Jahren stirbt, übernimmt seine Witwe Schulden und einen Laden, der nicht läuft. Der Fotoclub, in dem Rejlander hauptsächlich Mitglied war, die Royal Photographic Society of London fühlt sich seiner Witwe und seinem Nachlass verpflichtet und kauft einige seiner Negative. Damit gehen viele seiner Werke auch verloren oder in verschiedenen Sammlungen auf und obwohl kaum ein Fotograf so einflussreich in dieser Zeit gewesen sein dürfte wie er, verschwindet er zunächst in der Bedeutungslosigkeit. Und bis heute ist es so, dass bei seinem Namen die Leute zunächst auf Julia Margaret Cameron oder Lewis Carroll stoßen. Und das, obwohl Julia Margaret Cameron wahrscheinlich ihre Dunkelkammerfähigkeiten zum Teil mit Negativen von Rejlander geübt und gelernt hat und Lewis Carroll seinen Bildstil von seinen Bildern abgeleitet hat.</p>

<p>Was ist Kunst, was nicht, ab wann ist es Kunst, wann nicht, kommt Kunst von Können, kommt Kunst von Absicht, kommt Kunst vom Zufall, ist man Künstler, weil man sich so nennt, oder weil andere die Werke bereit sind, zu kaufen, welche Rolle spielt das Nachahmen von vorangegangenen? Bei der Produktion von diesem Podcast entdecke ich immer wieder aufs neue, dass wir seit Anbeginn der Fotografie dieselben Fragen diskutieren und eigentlich immer wieder bei denselben Positionen ankommen.</p>

<p>Rejlander jedenfalls war ein ungewöhnlich kreativer Kopf. Er war ein sehr humorvoller Mensch und er hat Dinge geschaffen, die bis heute nachwirken, ohne, dass sein Name den Ruhm erreicht hätte, den er eigentlich verdient hätte. Wir werden ihm noch öfter begegnen. Wir werden noch über Julia Margaret Cameron und über Lewis Carroll, über Clementina Hawarden oder über Queen Victoria sprechen, oder über John Herschel. Und bei keinem dieser Namen können wir es lassen, auch mal kurz über Oscar Gustave Rejlander zu sprechen.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Farbfilmpflicht</title>
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            <pubDate>Sun, 27 Jun 2021 15:15:58 GMT</pubDate>
            <description>Pressefotografen hatten jahrzehntelang die Wahl ob sie Ereignisse in Farbe oder Schwarz-Weiß festhielten.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Pressefotografen hatten jahrzehntelang die Wahl ob sie Ereignisse in Farbe oder Schwarz-Weiß festhielten. Bestand die Wahrscheinlichkeit eines Titelbildes wurde in Farbe, in allen anderen Fällen monochrom fotografiert um Kosten zu sparen. Das alles änderte sich am 22. Januar 1987. The Day That Made AP Photographers Switch to 100% Color Film Filmmaker on Dwyer: Guilty as charged? Dokumentation – Budd Dwyer, an honest man. Treasurer may have saved pension for wife R. Budd Dwyer (Wikipedia – Englisch , Deutsch ) Paul Vathis (Wikipedia, Englisch ) Paul Vathis – World Press Photo Paul Vathis Nachruf (web.archive.org) Wilt Chamberlain’s 100-point game (Wikipedia, Englisch ) Associated Press Associated Press (Wikipedia, Deutsch ) Why The Associated Press Just Switched To Sony How Digital Technology has Changed Photojournalism Getty Images and Visual China Group Partner in Exclusive Global Distribution Partnership for Extensive Visual Content Collection of Corbis Images Farbfilm (Wikipedia, Deutsch ) Kodak Kodachrome (Wikipedia, Deutsch ) Farbfotografie (Wikipedia, Deutsch ) Episodenbild: Von DerFalkVonFreyburg – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4895560 Transkript Unser kollektives Bildgedächtnis wird von der Pressefotografie dominiert. Und die eindrücklichsten sind oft die schmerzhaftesten Bilder. Tank Man. Napalm Girl . Das Hindenburgdesaster. Oder auch die neueren Fotos des versuchten Sturms auf das Capitol. Sie alle haben gemeinsam, dass sie Pressefotos sind und dass man sie über Bildagenturen wie „Associated Press“ einkaufen kann. Alles, was wir über die Welt wissen, wissen wir aus den Medien. Und die Medien bekommen ihre Bilder und Geschichten von um die Welt verteilten Nachrichtenagenturen. Die größte aller weltweiten Nachrichtenagenturen ist die „Associated Press“, deren Geschichte schon im Mai 1848 beginnt. Damals ging es weniger um Fotografie als um den zu der Zeit gerade stattfindenden Krieg zwischen USA und Mexiko. Man wollte schlicht nicht für jede Zeitung eigene Reporter runterschicken und so verständigte man sich darauf, weniger Journalisten loszuschicken und dafür dann deren Geschichten in mehreren Zeitungen gleichzeitig zu verwenden. In den 1880ern dann begann der Siegeszug der Fotografie in den Zeitungen. Und mit dem Bedarf an Fotografie stieg natürlich auch die Menge an Fotografinnen und Fotografen, die ihren Lebensunterhalt mit Pressefotografie bestritten. Pressefotografie ist nicht besonders glamourös: Die meiste Zeit verbringt man in Pressekonferenzen. Oder man wird auf organisierte Reisen hin zu Krisengebieten geschickt. Natürlich gibt es die Stars der Szene, die auf eigene Faust unterwegs sind, die aber dann meistens einen ganzen Tross von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschäftigen. Und in solchen Fällen ist es natürlich oft so, dass die Nachrichtenagenturen, bei denen sie unter Vertrag sind, für die entsprechenden Ressourcen sorgen. Es ist natürlich diese Wiederverwendung von Bildern, die Fotos dann auch ikonisch machen können. Wenn ein Bild erstmal auf hunderten von Titelseiten und auf tausenden von Nachrichtenportalen zu sehen ist, dann gibt es kein entkommen mehr, wir erinnern uns daran. Und ein Stück weit erklärt das auch, warum immer noch verhältnismäßig wenige private Aufnahmen ikonisch werden. Es ist einfach selten, dass die großen Ereignisse stattfinden, ohne, dass wenigstens eine Pressefotografin mit im Raum ist. Und wenn der oder die dann auf den Auslöser drückt, dann wird das Bild, das da geschossen wurde, nicht nur vermutlich mit besserem Equipment fotografiert als das durchschnittliche Handyfoto. Viel wichtiger ist, dass es gleich im Anschluss in ein weltweites Netzwerk gekippt wird und so wesentlich mehr Verbreitung findet. Associated Press ist als Genossenschaft organisiert, man ist also Mitglied. Es gibt über 1400 Mitgliedsorganisationen, die DPA ist ein Beispiel dafü</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Pressefotografen hatten jahrzehntelang die Wahl ob sie Ereignisse in Farbe oder Schwarz-Weiß festhielten. Bestand die Wahrscheinlichkeit eines Titelbildes wurde in Farbe, in allen anderen Fällen monochrom fotografiert um Kosten zu sparen. Das alles änderte sich am 22. Januar 1987.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210902133053/https://petapixel.com/2016/12/23/day-made-ap-photographers-switch-100-color-film/" target="_blank">The Day That Made AP Photographers Switch to 100% Color Film</a></li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.pennlive.com/editorials/2010/10/filmmaker_on_dwyer_guilty_as_c.html" target="_blank">Filmmaker on Dwyer: Guilty as charged?</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://dwyermovie.com/" target="_blank">Dokumentation &#8211; Budd Dwyer, an honest man.</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.upi.com/Archives/1987/01/23/Treasurer-may-have-saved-pension-for-wife/9732538376400/" target="_blank">Treasurer may have saved pension for wife</a></li><li>R. Budd Dwyer (Wikipedia &#8211; <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/R._Budd_Dwyer" target="_blank">Englisch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Budd_Dwyer" target="_blank">Deutsch</a>)</li></ul>

<ul><li>Paul Vathis (Wikipedia, <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Paul_Vathis" target="_blank">Englisch</a>)</li><li><a href="https://www.worldpressphoto.org/collection/photo-contest/1988/paul-vathis/4">Paul Vathis &#8211; World Press Photo</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20121019144131/https:/old.post-gazette.com/obituaries/20021211vathisobit4p4.asp" target="_blank">Paul Vathis Nachruf</a> (web.archive.org)</li></ul>

<ul><li>Wilt Chamberlain&#8217;s 100-point game (Wikipedia, <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Wilt_Chamberlain%27s_100-point_game" target="_blank">Englisch</a>)</li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.ap.org/" target="_blank">Associated Press</a></li><li>Associated Press (Wikipedia, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Associated_Press" target="_blank">Deutsch</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://alphauniverse.com/stories/why-the-associated-press-just-switched-to-sony/" target="_blank">Why The Associated Press Just Switched To Sony</a></li><li>How Digital Technology has Changed Photojournalism</li><li><a href="https://newsroom.gettyimages.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Getty Images and Visual China Group Partner in Exclusive Global Distribution Partnership for Extensive Visual Content Collection of Corbis Images</a></li></ul>

<ul><li><a "/tags/farbfilm.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="28" title="Farbfilm">Farbfilm</a> (Wikipedia, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Farbfilm" target="_blank">Deutsch</a>)</li><li><a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Kodachrome (Wikipedia, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kodak_Kodachrome" target="_blank">Deutsch</a>)</li><li>Farbfotografie (Wikipedia, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Farbfotografie" target="_blank">Deutsch</a>)</li></ul>

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<p>Episodenbild: Von DerFalkVonFreyburg &#8211; Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4895560</p>

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<p>Transkript</p>

<p>Unser kollektives Bildgedächtnis wird von der Pressefotografie dominiert. Und die eindrücklichsten sind oft die schmerzhaftesten Bilder. Tank Man. <a "/posts/das-ultimative-anti-kriegs-bild.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="51" title="Nick Út">Napalm Girl</a>. Das Hindenburgdesaster. Oder auch die neueren Fotos des versuchten Sturms auf das Capitol. Sie alle haben gemeinsam, dass sie Pressefotos sind und dass man sie über Bildagenturen wie &#8222;Associated Press&#8220; einkaufen kann.</p>

<p>Alles, was wir über die Welt wissen, wissen wir aus den Medien. Und die Medien bekommen ihre Bilder und Geschichten von um die Welt verteilten Nachrichtenagenturen. Die größte aller weltweiten Nachrichtenagenturen ist die &#8222;Associated Press&#8220;, deren Geschichte schon im Mai 1848 beginnt. Damals ging es weniger um Fotografie als um den zu der Zeit gerade stattfindenden <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> zwischen USA und Mexiko. Man wollte schlicht nicht für jede Zeitung eigene Reporter runterschicken und so verständigte man sich darauf, weniger Journalisten loszuschicken und dafür dann deren Geschichten in mehreren Zeitungen gleichzeitig zu verwenden.<br>In den 1880ern dann begann der Siegeszug der Fotografie in den Zeitungen. Und mit dem Bedarf an Fotografie stieg natürlich auch die Menge an <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen, die ihren Lebensunterhalt mit Pressefotografie bestritten. Pressefotografie ist nicht besonders glamourös: Die meiste Zeit verbringt man in Pressekonferenzen. Oder man wird auf organisierte Reisen hin zu Krisengebieten geschickt. Natürlich gibt es die Stars der Szene, die auf eigene Faust unterwegs sind, die aber dann meistens einen ganzen Tross von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschäftigen. Und in solchen Fällen ist es natürlich oft so, dass die Nachrichtenagenturen, bei denen sie unter Vertrag sind, für die entsprechenden Ressourcen sorgen.</p>

<p>Es ist natürlich diese Wiederverwendung von Bildern, die Fotos dann auch ikonisch machen können. Wenn ein Bild erstmal auf hunderten von Titelseiten und auf tausenden von Nachrichtenportalen zu sehen ist, dann gibt es kein entkommen mehr, wir erinnern uns daran. Und ein Stück weit erklärt das auch, warum immer noch verhältnismäßig wenige private Aufnahmen ikonisch werden.<br>Es ist einfach selten, dass die großen Ereignisse stattfinden, ohne, dass wenigstens eine Pressefotografin mit im Raum ist. Und wenn der oder die dann auf den Auslöser drückt, dann wird das Bild, das da geschossen wurde, nicht nur vermutlich mit besserem Equipment fotografiert als das durchschnittliche Handyfoto. Viel wichtiger ist, dass es gleich im Anschluss in ein weltweites Netzwerk gekippt wird und so wesentlich mehr Verbreitung findet.<br>Associated Press ist als Genossenschaft organisiert, man ist also Mitglied. Es gibt über 1400 Mitgliedsorganisationen, die DPA ist ein Beispiel dafür. Und diese Mitgliedsorganisationen, die beschäftigen zum Teil in Festanstellung, zum Teil als freie Mitarbeiter eine Heerschar von <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen. Damit steigt natürlich dramatisch die Chance, dass bei wichtigen Ereignissen auch die richtigen Menschen vor Ort sind, um diese zu dokumentieren.</p>

<p>Zumindest für die fest angestellten Profis gilt ein Regelwerk von Associated Press, wie die Fotos beschaffen sein müssen. Und zum Teil wird auch das Equipment gestellt. Zurzeit zum Beispiel fotografieren <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen, die bei AP unter Vertrag sind, mit Equipment von Sony. Ganz besonders Sportfotografie wird mit den Sony Alpha Kameras gemacht und garantiert sozusagen damit Sony ikonische Fotos, die sie dann wiederum in ihren Kampagnen verwenden können. Win Win.<br>Aber neben dem einzusetzenden Equipment gab es immer auch schon ganz praktische Guidelines. So dürfen AP-Fotos nur minimal bearbeitet werden. Am Kontrast zupfen oder ein bisschen zuschneiden, meinetwegen. Aber Elemente wegstempeln geht schon nicht mehr.<br>Heutzutage müssen Fotos digital und in ausreichender Auflösung und in Farbe vorliegen. Wer sich also an den alten Meistern orientiert und mit einer Messsucherkamera Fotos auf körnigem Schwarz-Weiß festhält, wird die bei Associated Press und Co. nur noch loswerden, wenn durch irgendeinen Zufall das eigene Bild das einzige verfügbare Foto von einem wichtigen Moment war.</p>

<p>Allerdings passiert auch das öfter, als man denkt. Also, dass nur ein Fotograf, eine Fotografin zufällig vor Ort ist und das einzige verfügbare Foto macht. Selbst in einer Welt, in der wir alle mit Digitalkameras in Form von Smartphones ausgestattet sind, gewinnt dann im Zweifel der professionelle Instinkt und das gekonnte Bedienen der Technik die Oberhand, sollte man als <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalist</a> zufällig gerade vor Ort sein.<br>Und so erklärt sich auch, warum die Branchenpreise, zum Beispiel der Pulitzer-Preis oder der World Press Photo Award erstaunlicherweise oft mit One-Hit Wonders gefüllt sind. Also einzelnen Bildern, die absolut ikonisch sind, für die man dann eine Fotografin oder einen Fotografen als Urheber ausmacht, von denen ist wenig weiteres Material zu geben scheint. Die haben natürlich trotzdem tausende, zehntausende, manche hunderttausende Fotos produziert, aber halt als Pressefotografen für die Presseagentur und weniger in Form von Fotobüchern oder Prints oder irgendwelchen anderen Veröffentlichungen. Heute möchte ich die Geschichte von einem dieser Fotografen erzählen; Paul Vathis.</p>

<p>Der Sohn griechischer US-Immigranten verbringt den Großteil seines Lebens in seinem Geburtsstaat Pennsylvania in den USA. 56 Jahre lang war er Fotograf für AP. Und wer ihn als Mitglied des Pressepools irgendwo bei einem Auftrag treffen würde, hätte wahrscheinlich nicht gedacht, dass er es mit einem Pulitzer-Preisträger zu tun hatte. Paul war ein guter Fotograf, aber keiner, der Fotobildbände produzierte. Aber Paul hatte ein Händchen dafür, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, oder, falls er durch den Zufall an den richtigen Ort gebracht wurde, zumindest immer eine Kamera parat zu haben.<br>So war er zum Beispiel am 2. März 1962 der einzige Pressefotograf und der einzige mit einer professionellen Kamera, als sich abzeichnete, dass das Basketballspiel, zu dem er mit seinem Sohn gegangen war, ein Rekordspiel werden würde. Der Spieler Wilt Chamberlain setzte damals nicht nur einen der ganz großen Sportrekorde in der Geschichte des Basketballs, sondern verschaffte damit der NBA endgültig den Durchbruch gegenüber den damals noch dominanten Collage Sport Leagues. Ja, und Paul war nicht nur der einzige Pressevertreter vor Ort, er war auch der einzige, der eine Kamera dabei hatte und so nutzte er die Gelegenheit, die einzigen Pressefotos von dem Event zu produzieren.<br>Das Bild, für das er dann später den Pulitzer-Preis gewinnen sollte, war ein anderes Foto. Als Pressefotograf ist er in Camp David und er macht eine Aufnahme von einem nachdenklich ins Gespräch vertieften Präsidenten Kennedy und ehemaligen Präsidenten Eisenhower, die die gerade noch frischen Ereignisse der Invasion in der Schweinebucht diskutieren. Fotografisch gibt das Bild nicht viel her. Aber die Ereignisse sind natürlich explosiv und so ist dieses Gespräch auf Augenhöhe zwischen Präsident und ehemaligen Präsidenten natürlich etwas Besonderes.</p>

<p>Das Bild ist schwarz-weiß, wie fast alle Pressefotos aus der damaligen Zeit. Und das ist ganz interessant, denn auch unsere Erinnerungen an die Epochen, die da festgehalten wurden, sind oft von Schwarzweißfotos geprägt, und das, obwohl seit den 60er Jahren eigentlich Farbfilme die meistverkauften Filme sind.<br>Die ersten Farbfilme tauchen sogar noch viel früher auf. Am Ende des 19. Jahrhunderts, in den 1890er Jahren, gibt es die ersten ernsthaften Experimente, Farbfilme zu produzieren und Farbaufnahmen werden gefertigt. Die waren natürlich weit von jeglicher Serienreife entfernt. An die kam man dann 1912 bis 1915 näher. Und 1935 wird der legendäre und später marktführende Kodachromefilm auf den Markt gebracht.<br><a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> hat zunächst die Filmbranche im Blick, schnell wird aber auch klar, dass der Markt der Kleinbildfotografie ein ebenso lukrativer ist. Die Filme lassen sich teurer verkaufen, die Entwicklung ist aufwändiger und kostet mehr Geld und somit sind auch die Margen höher. Ab 1960 ist der Großteil des verkauften Filmmaterials Farbe. Das liegt aber daran, dass die meisten Fotografien im privaten Umfeld gemacht werden.</p>

<p>Pressefotografen hingegen halten ja Ereignisse fest. Und es gilt als ausgemacht, dass man dafür eigentlich normalerweise keine Farbe braucht. Tageszeitungen werden immer noch monochrom gedruckt und selbst Magazine drucken nicht jede Seite in Farbe, sondern wechseln das gerne auch einmal ab.<br>Und so gibt Associated Press die Vorgabe aus, dass Fotos in schwarz-weiß gemacht werden, außer es besteht die Annahme, es könnte sich um Titelseitenmaterial handeln. Wenn es diesen Verdacht gibt, also, dass es eventuell zu wirklich spektakulären Bildern kommen könnte, dann haben die Profis mehr als eine Kamera dabei und in irgendeiner der Kameras befindet sich dann auch ein <a "/tags/farbfilm.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="28" title="Farbfilm">Farbfilm</a>. Solche Gelegenheiten sind aber im Alltag der meisten Pressefotografinnen und -Fotografen eher selten, denn wenn man der Pressekonferenz des lokalen Kaninchenzüchtervereins beiwohnt, wird man vermutlich keine Titelseite fotografieren. Und viele entscheiden deswegen noch bevor sie überhaupt losfahren, welches Filmmaterial sie einpacken.</p>

<p>Lokalkonferenz von einem Provinzpolitiker? Aah, vielleicht doch eher schwarz-weiß. So oder so ähnlich dachten sich das Paul und seine Kolleg<em>innen wohl am 22. Januar 1987, als sie sich auf dem Weg zur Pressekonferenz des damaligen Treasurers, Senatoren und Lokalpolitikers in Pennsylvania Budd Dwyer machten. Budd Dwyer war in einen Bestechungsskandal verwickelt. Er hätte, so der Vorwurf, einen großen staatlichen Vertrag im Tausch gegen einen 300000 Dollar Kickback an ein Unternehmen aus Kalifornien vergeben. Das Ganze zieht sich über Monate hin. Es kommt zu einer ganzen Reihe von Rechtsverfahren. Und Rechtsverfahren in den USA sind teuer, insbesondere, wenn man als Staatsbediensteter wie Dwyer gerade mal 58000 Dollar im Jahr verdient. Dwyer bietet irgendwann an, einen Lügendetektortest zu machen, aber unter der Bedingung, dass ein negatives Testergebnis bitte zum Ende des Verfahrens führen sollte, eine Bedingung, die abgelehnt wird. Er wird von einem lokalen Gericht schuldig gesprochen, ein Urteil, das er anfechtet. Am 23. Januar 1987 steht eine finale Entscheidung an und so erwarten alle, dass Dwyer in der Pressekonferenz am 22., also am Vortag, seinen Rücktritt als Treasurer erklären wird. Und sowas ist sicherlich interessant für die Lokalpresse, aber Titelseitenmaterial ist es nicht. Und deswegen packt niemand Farbfilme ein. Alle Fotograf</em>innen, auch Paul, laden ihre Kameras mit Schwarzweißfilmen.</p>

<p>Dwyer hält eine Rede, 30 Minuten lang, in der er unter anderem nochmal versucht, darzustellen, dass er sich keinerlei schuldbewusst ist, dass er das Opfer einer Schmutzkampagne ist, einer Kampagne, gegenüber der er sich wehrlos ausgeliefert sieht, eine Kampagne, die ihn zu ruinieren droht. Sein Staff und die anwesenden Journalisten sind sich sicher: Jeden Augenblick wird der angekündigte Rücktritt kommen.<br>Aber das ist der Moment, in dem das Ganze eine drastische Wendung nimmt. Dwyer greift zu einem Umschlag, aus dem er eine 357er Magnum herauszieht, das ist ein massiver Revolver. Die Leute im Raum erkennen, was er zu tun versucht und reden auf ihn ein. Dwyer sagt noch, dass die, denen das jetzt gleich zu schockierend sein wird, doch bitte schnell den Raum verlassen mögen, und es soll ihm bitte niemand zu nahe kommen, er will niemanden verletzen. Aber es ist klar, dass, wenn er nicht schnell handelt, irgendjemand auf ihn draufspringen und ihm die Waffe abnehmen wird. Und deswegen nimmt er den Revolver, steckt ihn sich in den Mund und drückt ab. Er ist sofort tot.</p>

<p>So viel also zu einer langweiligen Pressekonferenz, die kein Titelseitenmaterial wird. Genau das Gegenteil ist der Fall. In den USA ist dieser Selbstmord auf jeder Titelseite. Das Bild, das auf den Titelseiten auftaucht, ist das Schwarzweißfoto von Paul Vathis. Es zeigt Budd Dwyer mit entschlossenem Gesichtsausdruck und dem Revolver in der Hand, Sekundenbruchteile, bevor er sich den Lauf in den Mund steckt. Paul war zufällig am richtigen Ort gestanden und hatte die Kamera sowieso gerade auf ihn gerichtet. Und so hält er den Moment ohne Wiederkehr fest.<br>Es gab eine Farbfilmaufnahme dieses ganzen Moments, und zwar war eine Nachrichtenkamera mit im Raum für die lokale TV-Station. Die hatte aber nicht nur einen ungünstigeren Winkel, sondern auch schlechtere Bildqualität und so konnte man das Bild nicht für Printmedien, für Magazine und Zeitungen verwenden.</p>

<p>Trotzdem liefen diese Aufnahmen natürlich in den folgenden Wochen kreuz und quer durch die USA. Die TV-Sender spalteten sich in zwei Lager. Die Mehrzahl der Stationen entschied sich aktiv dagegen, den Schuss zu zeigen, aber natürlich gab es auch die TV-Stationen, die der Versuchung nicht widerstehen konnten, das Video in all seinen Details abzuspielen. Und so kam es in den USA gleich auch noch zu einer Medienethikdebatte, zusätzlich zu der Frage, ob Budd Dwyer durch seinen Selbstmord nun bewiesen hat, wie unschuldig er gewesen war oder wie schuldig er denn nun sein musste. Schuldig war dann auch der Urteilsspruch der nachfolgenden Verhandlungen.<br>Allerdings blieb auch ein ziemlich fader Geschmack und einiges an Fragen zurück, denn es tauchte der Verdacht auf, dass Budd Dwyer den öffentlichen Freitod gewählt hatte, um seiner Familie den finanziellen Ruin zu ersparen. Die schon aufgehäuften Verfahrenskosten waren weit mehr als er sich eigentlich leisten konnte und hätte er abgewartet, bis er endgültig schuldig gesprochen war, ein Urteil, das als sicher galt, dann hätte er jegliche Pensionsansprüche verloren. Zu der Zeit die höchsten Pensionsansprüche, die jemals in der Geschichte von Pennsylvania ausgezahlt worden waren, über 1,3 Millionen US-Dollar. Weil Budd Dwyer noch vor dem Schuldspruch aus dem Leben geschieden war, konnte seine Witwe diese Pensionskosten geltend machen und damit den finanziellen Ruin abwenden.</p>

<p>Bis heute gibt es Leute, die Zweifel an dem Schuldspruch anmelden und der Überzeugung sind, Budd Dwyer wäre eigentlich unschuldig gewesen. Die TV-Stationen gaben sich zum Teil neue Regeln in solchen Fällen. Schockierende Ereignisse wie der Freitod vor der Kamera sollten einfach nicht mehr ungefiltert ausgestrahlt werden dürfen. Und Paul Vathis war ein weiteres Mal zum Pulitzer-Preis nominiert.<br>Gewonnen hat er ihn damals nicht, aber er war der letzte Associated Press Photographer, der ein schwarz-weißes Pressebild zum Pulitzer einreichte. Denn AP gab sich mit dem Ereignis rund um Budd Dwyer neue Regeln: Egal, ob es teurer in der Entwicklung und in der Anschaffung sein würde, ab jetzt mussten Pressefotos in Farbe sein.</p>

<p>1990 dann begann nach und nach der Siegeszug der Digitalkameras. Der war am Anfang noch gemächlich, aber eben auch von Anfang an in Farbe. Die erste Digitalkamera, die für Journalistische Zwecke verwendet wurde, war in Kooperation zwischen <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> und Associated Press. 0,8 Megapixel hatte diese Kamera. Als dann rund um das Jahr 2000 die ersten digitalen Spiegelreflexkameras mit über 6 Megapixeln auf dem Markt waren, war es um die Filmkameras nach und nach geschehen &#8211; 2010 waren analoge Kameras zumindest in Pressekonferenzen komplett verschwunden. Und das ist vielleicht eine dieser wichtigen Unterscheidungen: Es gibt nach wie vor Pressefotos, die auf Film gemacht werden. Das sind aber dann keine zeitkritischen Aufträge. Und meistens sind es dann auch die Fotografinnen und Fotografen, die schon immer mit Film gearbeitet haben und schon seit ein paar Jahrzehnten im Geschäft sind.<br>Ganz allgemein hätte sich dann heute außerdem auch die Lage komplett gedreht: Die billigsten Filme und die niedrigsten Laborkosten hätten heute Farbfilme. Es sind die Schwarzweißfilme, die inzwischen zur Ausnahme werden, die von Hand anstatt automatisiert entwickelt werden müssen. Und drum mag es so sein, dass schwarz-weiß unser ikonisches Pressefotogedächtnis geprägt hat. Aber moderne Bilder, die sind nur dann noch in schwarz-weiß, wenn die Fotografinnen und Fotografen das aus künstlerischen Gründen aktiv so entschieden haben.</p>

<p>Unser kollektives Bildgedächtnis wird geprägt von Bildagenturen. Associated Press ist die größte Nachrichtenagentur der Welt und damit eine der wichtigsten Bildlieferanten. Und zusammen mit Getty und Corbis dominieren sie, welche Bilder wir sehen und welche Nachrichten wir lesen. Kleiner Infoschnipsel dazu am Rande: Corbis und Getty Images, die zwei größten reinen Bildagenturen der Welt, gehören einer chinesischen Investorengruppe. Im Grunde bekommen wir also die Bilderflut um uns herum mehr oder weniger aus ein bis zwei Händen. Und ich finde, das sollte uns, egal ob jetzt Farbe oder schwarz-weiß, wirklich zu denken geben.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Gedanken auf Polaroid</title>
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            <pubDate>Sun, 20 Jun 2021 12:41:52 GMT</pubDate>
            <description>Zwischen 1965 und 1975 kommt es zu einer Blüte der Esoterik. Uri Geller verbiegt vor laufender Kameras Löffel und in Chicago fotografiert der arbeitslose Alkoholiker Ted Serios tausende Male seine...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Zwischen 1965 und 1975 kommt es zu einer Blüte der Esoterik. Uri Geller verbiegt vor laufender Kameras Löffel und in Chicago fotografiert der arbeitslose Alkoholiker Ted Serios tausende Male seine Gedanken auf Polaroid. Ted Serios (Englisch, Wikipedia) Jule Eisenbud collection on Ted Serios and thoughtographic photography Es spukt immer noch… (Zeit Online) Weird Historian – Ted Serios, the Man Who Could Print Photos From His Mind ‘Psychic Projections’ Were a Hoax The Sceptics Dictionary – Thoughtography Hoaxes.org – Thoughtography Transkript Feenfotografie , Geisterfotografie , Aurafotografie : Die Welt der Fotografie erstreckt sich weit über das hinaus, was wir sehen können und da finde ich, müssen wir heute dringend auch einmal über Gedankenfotografie sprechen. Keine Sorge, keine Sorge, der Dirk ist jetzt nicht unter die Schwurbler gegangen, ich halte alles, was ich jetzt dann gleich erzählen werde, für liebevoll aufbereiteten Humbug, trotzdem sehr verblüffenden Humbug und Humbug, der immerhin mehrere Bücher inspirierte und auch heute noch wissenschaftlich untersucht wird. Dabei geht es um eine ziemlich steile Behauptung, nämlich, dass es Menschen geben könnte, die durch die Kraft ihrer Gedanken Fotos entstehen lassen können. Der Erste, der diese Behauptung aufgestellt hat, war ein Mann namens Ted Serios. Ted schlug sich in dem Chicago der 60er Jahre, seiner Heimatstadt, als ein sogenannter Bellhopper durch. Bellhopper, das sind Pagen, die auf Zuruf Gepäck tragen und einfache Hilfsarbeiten erledigen. Und Ted war gerade arbeitslos, als er zum Ende der 60er Jahre hin Schlagzeilen in der Lokalpresse macht, mit der Behauptung, er könnte seine Gedanken fotografieren. Ein Psychiater aus Denver, Jule Eisenbud, wird auf ihn aufmerksam und beschließt, das ganze zu untersuchen. Und schon nach den ersten Sitzungen ist Jule überzeugt, hier einer echten Sensation auf der Spur zu sein und fängt an, zum Teil sehr ausführlich geplante Experimente aufzusetzen. Wobei, ich bin mir sicher: Das, was man da Experiment nannte, ist vielleicht nicht das, was heute ein wissenschaftliches Gremium akzeptieren würde. Drei Jahre lang wird auf jeden Fall in hunderten Sitzungen diese Fähigkeit von Ted Serios unter die Lupe genommen. Es gibt Videoaufzeichnungen davon, und was da abgeht, ist schon einigermaßen bizarr. In den Videoaufzeichnungen, die man noch findet, sieht man eine Gruppe von Männern um Ted Serios herumgruppiert. Ted Serios trinkt ein Bier, einen Schnaps nach dem anderen, geht dann immer wieder auf eine bereitgehaltene Polaroidkamera zu, macht ein konzentriertes Gesicht und schreit manchmal, zuckt manchmal und brüllt: „NOW!“. Das ist dann halt immer der Moment, indem der jeweilige Kamerahalter auslöst. Die auf Polaroid gemachten Aufnahmen werden natürlich dann auch sofort gesichtet und manchmal zeigen die dann irgendetwas. Hin und wieder sind sie einfach nur schwarz, hin und wieder sind sie einfach nur weiß, manchmal aber tauchen da dann Bilder auf. Ted währenddessen trinkt weiter, raucht wie ein Schlot, flucht zwischendurch, macht dumme Witze, zieht sich auch gerne mal halb aus, und wären da nicht die Bilder, die von anwesenden Wissenschaftlern detailliert beschrieben und dokumentiert werden, könnte man das Ganze auch für eine bizarre Ein-Mann-Orgie halten. 1985 beschreibt Jule Eisenbud das Ganze in einer Fernsehsendung namens „The world of strange powers“ so: [Einspieler] Eisenbud: „When he was hot, when he was in the groove, what happened, was that first, he would start by alternating whities and blackies. Blackies is total obstruction of the light, no light getting in, whities is total overexposure, which shouldn’t have been. Then, the pictures would start getting darker and darker and darker, and then he would start to imprint parts of the people or scenes.“ Sprecher: „Like this church in germany where Ted had never been.“ Ja, also Jule Eisenbud beschreibt </itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Zwischen 1965 und 1975 kommt es zu einer Blüte der Esoterik. Uri Geller verbiegt vor laufender Kameras Löffel und in Chicago fotografiert der arbeitslose Alkoholiker Ted Serios tausende Male seine Gedanken auf Polaroid. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ted_Serios" target="_blank">Ted Serios</a> (Englisch, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://library.umbc.edu/speccoll/findingaids/coll023.php" target="_blank">Jule Eisenbud collection on Ted Serios and thoughtographic photography</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.zeit.de/1974/17/es-spukt-immer-noch" target="_blank">Es spukt immer noch…</a> (Zeit Online)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.weirdhistorian.com/ted-serios-the-man-who-could-print-photos-from-his-mind/" target="_blank">Weird Historian &#8211; Ted Serios, the Man Who Could Print Photos From His Mind</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20241210160302/https://www.chronicle.com/article/psychic-projections-were-a-hoax/" target="_blank">‘Psychic Projections’ Were a Hoax </a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.skepdic.com/thoughtography.html" target="_blank">The Sceptics Dictionary &#8211; Thoughtography</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20240205104507/http://hoaxes.org/photo_database/image/thoughtography/" target="_blank">Hoaxes.org &#8211; Thoughtography</a></li></ul>

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<p><strong>Transkript</strong></p>

<p><a "/posts/fabelhafte-feen-fotos.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="24" title="Fabelhafte Feen-Fotos">Feenfotografie</a>, <a "/posts/der-seltsame-fall-von-william-mumler-geisterfotograf.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="11" title="Der seltsame Fall des William Mumler, Geisterfotograf">Geisterfotografie</a>, <a "/posts/koronafotografiegeschwurbel.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="58" title="Koronafotografiegeschwurbel">Aurafotografie</a>: Die Welt der Fotografie erstreckt sich weit über das hinaus, was wir sehen können und da finde ich, müssen wir heute dringend auch einmal über Gedankenfotografie sprechen.</p>

<p>Keine Sorge, keine Sorge, der Dirk ist jetzt nicht unter die Schwurbler gegangen, ich halte alles, was ich jetzt dann gleich erzählen werde, für liebevoll aufbereiteten Humbug, trotzdem sehr verblüffenden Humbug und Humbug, der immerhin mehrere Bücher inspirierte und auch heute noch wissenschaftlich untersucht wird. Dabei geht es um eine ziemlich steile Behauptung, nämlich, dass es Menschen geben könnte, die durch die Kraft ihrer Gedanken Fotos entstehen lassen können.</p>

<p>Der Erste, der diese Behauptung aufgestellt hat, war ein Mann namens Ted Serios. Ted schlug sich in dem Chicago der 60er Jahre, seiner Heimatstadt, als ein sogenannter Bellhopper durch. Bellhopper, das sind Pagen, die auf Zuruf Gepäck tragen und einfache Hilfsarbeiten erledigen. Und Ted war gerade arbeitslos, als er zum Ende der 60er Jahre hin Schlagzeilen in der Lokalpresse macht, mit der Behauptung, er könnte seine Gedanken fotografieren.</p>

<p>Ein Psychiater aus Denver, Jule Eisenbud, wird auf ihn aufmerksam und beschließt, das ganze zu untersuchen. Und schon nach den ersten Sitzungen ist Jule überzeugt, hier einer echten Sensation auf der Spur zu sein und fängt an, zum Teil sehr ausführlich geplante Experimente aufzusetzen. Wobei, ich bin mir sicher: Das, was man da Experiment nannte, ist vielleicht nicht das, was heute ein wissenschaftliches Gremium akzeptieren würde.</p>

<p>Drei Jahre lang wird auf jeden Fall in hunderten Sitzungen diese Fähigkeit von Ted Serios unter die Lupe genommen. Es gibt Videoaufzeichnungen davon, und was da abgeht, ist schon einigermaßen bizarr. In den Videoaufzeichnungen, die man noch findet, sieht man eine Gruppe von Männern um Ted Serios herumgruppiert. Ted Serios trinkt ein Bier, einen Schnaps nach dem anderen, geht dann immer wieder auf eine bereitgehaltene Polaroidkamera zu, macht ein konzentriertes Gesicht und schreit manchmal, zuckt manchmal und brüllt: &#8222;NOW!&#8220;. Das ist dann halt immer der Moment, indem der jeweilige Kamerahalter auslöst.</p>

<p>Die auf Polaroid gemachten Aufnahmen werden natürlich dann auch sofort gesichtet und manchmal zeigen die dann irgendetwas. Hin und wieder sind sie einfach nur schwarz, hin und wieder sind sie einfach nur weiß, manchmal aber tauchen da dann Bilder auf. Ted währenddessen trinkt weiter, raucht wie ein Schlot, flucht zwischendurch, macht dumme Witze, zieht sich auch gerne mal halb aus, und wären da nicht die Bilder, die von anwesenden Wissenschaftlern detailliert beschrieben und dokumentiert werden, könnte man das Ganze auch für eine bizarre Ein-Mann-Orgie halten.</p>

<p>1985 beschreibt Jule Eisenbud das Ganze in einer Fernsehsendung namens &#8222;The world of strange powers&#8220; so:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Eisenbud: &#8222;When he was hot, when he was in the groove, what happened, was that first, he would start by alternating whities and blackies. Blackies is total obstruction of the light, no light getting in, whities is total overexposure, which shouldn&#8217;t have been. Then, the pictures would start getting darker and darker and darker, and then he would start to imprint parts of the people or scenes.&#8220;</p>

<p>Sprecher: &#8222;Like this church in germany where Ted had never been.&#8220;</p>

<p>Ja, also Jule Eisenbud beschreibt hier, was passierte, wenn Ted erstmal so richtig in Schwung war, also auch gut angetrunken in den meisten Fällen, da würden dann nämlich plötzlich komplett über- und unterbelichtete Polaroids auftauchen und dann irgendwann plötzlich auch noch einzelne Bilder, auf denen man Dinge erkennen kann. Manchmal schärfer, manchmal weniger scharf, manchmal auch abwechselnd, jedenfalls verblüffend, denn das waren dann zum Teil Fotos, die Ted auf Aufforderung produzierte oder Bilder von Orten, an denen er wie gesagt noch nie gewesen war und manchmal auch Fotos, die zumindest in Teilen verändert zu sein schienen. Also wo dann vielleicht mal Schriftzüge falsch waren oder ähnliches.</p>

<p>Jule Eisenbud erklärt: Das ist ähnlich wie in Träumen. Da verdrehen wir ja auch einzelne Details und so ist es eben bei diesen Thaughtographies, wie er es nennt, eben auch der Fall.</p>

<p>Eisenbud verbringt knapp drei Jahre mit Ted und macht Versuch über Versuch über Versuch und schreibt zum Schluss seine Erkenntnisse in ein Buch. &#8222;The world of Ted Serios: &#8222;thoughtographic&#8220; studies of an extraordinary mind&#8220;. Das Buch kommt raus und die Medien sind fasziniert.</p>

<p>Irgendwie war es anscheinend in der Luft zu der Zeit. Es sind jetzt inzwischen die 70er und Uri Geller verbiegt vor laufender Kamera Löffel. Warum soll dann nicht ein Amerikaner seine Gedanken auf Polaroid bannen können?&nbsp;</p>

<p>Hören wir nochmal kurz in eine diesmal auf Deutsch übersetzte Doku rein:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;Wir haben als Ziel die Darstellung eines prähistorischen Menschen gesetzt. Um Ted in Stimmung zu bringen, brachte man den Schädel und verschiedene Instrumente eines echten Urmenschen in das Versuchszimmer. Stunden vergehen. Wir knipsen hunderte von Bildern, kein Resultat. Wir werden ungeduldig. Da geschieht etwas Unerwartetes: um 18:25 entsteht ein pechschwarzes Bild. Normalerweise wäre das unmöglich, da der Raum hell erleuchtet ist. Nach einer Reihe von schwarzen Bildern zieht sich Ted bis zum Gürtel aus. Er hat bereits zwölf Flaschen Bier getrunken, flucht ununterbrochen und schwitzt. Um 19:14 zeigt sich das erste Resultat: der Oberkörper eines nackten, langhaarigen Menschen vor dem Hintergrund einer Felswand. &#8222;</p>

<p>Richtig gehört: Man musste schon Geduld mitbringen, wenn man einer Ted Serios Session beiwohnen wollte. Mehrere Stunden lang sah man ihm im Wesentlichen dabei zu, wie er sich systematisch betrank. Zwölf Flaschen Bier &#8211; Da kann ich wahrscheinlich auch Fotos auf Polaroid entstehen lassen.</p>

<p>Aber wie hat er das denn nun gemacht? Kurz nach Veröffentlichung von Eisenbuds Buch schreibt das etablierte Fotomagazin &#8222;Popular Photography&#8220; einen ausführlichen Artikel über die Fotografie von Ted Serios. Eins fällt nämlich sofort auf: Ted fotografiert meistens mit einer kleinen Plastik- oder Papierrolle, die er in der Hand hält. Er nennt es sein &#8222;gizmo&#8220;. Er hält diese Rolle vor die Kamera, während ausgelöst wird. Und genau in diesem Ding vermuten seither alle den eigentlichen Trick. Denn in dieser Rolle lässt sich natürlich unter Umständen ein Bild unterbringen und wenn man diese Rolle dann nah genug an die Kamera hält, ja, dann entstehen da unter Umständen genau die Bildeindrücke.</p>

<p>Es gibt Fotografen, die das mit einer ähnlichen Konstruktion nachmachen. Freilich können die nicht erklären, wie Ted Serios mit zwölf Bier im Kasten in der Lage sein soll, zum Teil zehn bis fünfzehn anwesende Beobachter hinters Licht zu führen und die Fotos in diesen Rollen gegebenenfalls auszutauschen oder verschwinden zu lassen. Aber wenn wir mal kurz für den Moment annehmen, dass das Fotografieren von Gedanken eigentlich ausgeschlossen ist, dann muss es fast irgendsoetwas sein, denn die Kameras berührte er in der Regel nicht. Also außer eben mit diesem Röllchen. Und weil Ted Serios ja weder an den Kameras noch später in der Dunkelkammer Veränderungen vornehmen konnte, musste es unter Umständen ja irgendwie an diesem Röllchen passiert sein.</p>

<p>Der Artikel kommt raus und Ted-Serios-Fotografien gelten als debunked. Eisenbuds Bücher liegen plötzlich wie Blei in den Regalen. Nur noch in den Spezialabteilungen für Esoterik kann man diese Bücher kaufen. Er veröffentlicht einen Gegenartikel und ruft eine Challenge aus: Wer solche Fotos produzieren kann, möge sich melden. Man sei bereit für einen fairen Wettkampf.</p>

<p>Als der bekannte Illusionist und Schwurbeldebunker James Randi sich melden will, werden ihm Bedingungen diktiert, die er nicht einhalten kann. Er soll sich in einen faradayschen Käfig setzen, nackt, und dabei betrinken. Und wenn er das macht und solche Fotos produzieren kann, dann gilt die Herausforderung als gewonnen. James überlegt kurz, &#8222;&#8230;vor laufender Kamera nackt in einem faradayschen Käfig betrinken..&#8220;, und lehnt dann dankend ab.</p>

<p>Seither spaltet sich die Welt in zwei Lager: Die einen, die behaupten, James Randi hätte Ted Serios debunked und die andere Hälfte, die sagt, das habe er nie auch nur versucht. Und ich glaube, die Wahrheit liegt irgendwie so in der Mitte. Ich vermute mal, James Randi hätte solche Fotos produzieren können, er hatte nur wenig Lust, sich nackt in einem Käfig vor Kameras abfilmen zu lassen, während er das macht.</p>

<p>Irgendwann kommt es dann zur letzten Aufnahme von Ted Serios. Bei einer der Experimentalsessions taucht ein Bild auf, das einen fallenden Vorhang zeigt. Und das soll das letzte Bild sein, das Ted Serios erzeugen kann. Es gibt noch mehrere Sitzungen, in denen aber hin und wieder auch mal Blackies und Whities produziert, aber Fotos, Fotos seiner Gedanken produziert er nicht mehr. Auch nicht, wenn er zwölf Bier getrunken hat.</p>

<p>Und hier endet auch die öffentliche Geschichte von Ted Serios. Er verschwindet so schnell, wie er aufgetaucht ist. Die Welt interessiert sich deutlich weniger für ihn, jetzt, wo er keine Photographs mehr produziert. Eisenbud und er halten noch weiter Kontakt, Eisenbud wird noch eine weitere Ausgabe seines Buches schreiben, jetzt mit einem zusätzlichen Kapitel, in dem er auf die Vorwürfe des Betruges eingeht.</p>

<p>Die Fotos werden gesammelt, einer Universitätsbibliothek gespendet und es wird weiterhin an diesen Bildern geforscht, wobei das Ganze allgemein auf das Feld der Parapsychologie und philosophischen Studien beschränkt bleibt. Denn auch, wenn Ted Serios davon träumte, eventuell Fernaufklärung für die US-Army machen zu können oder für die NASA Fotos von der Oberfläche des Mondes Ganymede zu produzieren, eine Behauptung, die Eisenbud versuchte, mit Astronomen zu beweisen, ja, selbst, wenn das ein ernsthaftes Ziel gewesen war, dann sind die Ergebnisse trotzdem zu unscharf, zu ungenau und angenehmerweise damit auch schwer beweisbar.</p>

<p>Und irgendwann hatte er dann vermutlich keine Lust mehr, vor laufender Kamera Besäufnisse zu veranstalten und &#8222;verlor&#8220; seine Fähigkeit.</p>

<p>Der ganze Spuk endet also ungefähr 1969. Eisenbud und Serios halten noch weiterhin Kontakt bis zu Eisenbuds Tod 1999, dem sieben Jahre später, am 30. Dezember 2006 dann auch Ted Serios nachfolgt.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Das ultimative Anti-Kriegs-Bild</title>
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            <pubDate>Sun, 13 Jun 2021 17:52:31 GMT</pubDate>
            <description>Am 8. Juni 1972 macht Nick Uth die Aufnahme &quot;Terror of War&quot; die ihn zum jüngsten Gewinner des Pulitzerpreises in der Kategorie Pressefoto machen sollte.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Am 8. Juni 1972 macht Nick Út die Aufnahme „Terror of War“ die ihn zum jüngsten Gewinner des Pulitzerpreises in der Kategorie Pressefoto machen sollte. Wir kennen das Bild unter „Napalm Girl“ und schreiben ihm zu den Verlauf des Krieges geändert zu haben. Heute erzähle ich die Geschichte des Bilds und gehe der Frage nach ob die Zuschreibung eigentlich stimmt… Das Episodenbild ist eine andere Aufnahme aus der Reihe Aufnahmen die an dem Tag entstand. Es zeigt den Moment des Einschlags und macht deutlich dass hier Reporter in militärischer Kleidung in zwei Reihen standen (die Personen die im Bild zu sehen sind waren Mitglieder des Presseteams vor Ort). Phan Thị Kim Phúc (Wikipedia) Nick Út (Wikipedia) The Terror of War – Die Geschichte hinter dem Foto (Prof. Gerhard Paul) The Myth Of The Girl In The Photo “Napalm Girl”: The Photo that Changed the World The Famous Pictures Collection – Vietnam Napalm Girl Transkript Je länger ich mich mit der Geschichte der Fotografie beschäftige, desto öfter kommt die Frage auf, ob Bilder die Welt verändern können. Erzählt ein Bild wirklich mehr, als 1000 Worte, wie das Sprichwort uns glauben machen will? Gilt das nicht mindestens für die berühmte Aufnahme, die Nick Ut am 08. Juni 1972 gemacht hat, die als Napalm Girl in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingegangen ist? Eigentlich heißt das Bild Terror of War. Es ist Bild Nummer sieben auf einer von mehreren Filmrollen, die Nick Ut an dem Tag vollgeschossen hat. Nick Ut war vietnamesischer Reporter für associated Press. Sein Handwerk hatte ihm sein Bruder beigebracht, der siebte in seiner Familie. Deswegen glaubt Nick Ut bis heute, dass es ein letzter Gruß seines Bruders war. Der war wenig vorher im Einsatz ums Leben gekommen. Weil Nick die Fotografie von ihm gelernt hatte und durch ihn bei associated Press arbeitete, bat die Familie den damaligen Bildredakteur, Nick auf diese Stelle zu setzen. So wurde aus Nick ein Kriegsreporter, der im Einatz fotografierte. Das Bild zeigt eine Szene aus einem Krieg , von dem wir vermutlich ganz allgemein sehr verzerrte und sehr wenige Vorstellungen haben. Die Amerikaner hatten irgendwas damit zu tun. Es gab auch die Friedensbewegung, die dagegen war, dass Amerikanische Soldaten irgendwo in Asien Babys und Frauen mit Napalm töteten. So oder ähnlich ist es vermutlich im kollektiven Gedächtnis hängen geblieben. Zurück von unserer kollektiven Erinnerung zu diesem Bild. Die Aufnahme, die von Nick Ut The Terror of War genannt wurde, kennen die meisten als Napalm Girl. Ich bin mir sicher, die meisten Hörer wissen sofort, welche Aufnahme gemeint ist. Es ist ein oft ikonisch genanntes Bild, da es so berühmt ist, dass es fast jede und jeder kennt und da ihm Macht zugesprochen wird. Es wird angenommen, dieses Bild habe die Welt verändert, den Verlauf des Vietnam Kriegs vielleicht beeinflusst. Die Aufnahme zeigt insgesamt neun Menschen, wovon fünf Kinder sind. im Zentrum sieht man besonders eindrücklich ein Mädchen, das sich komplett die Kleidung vom Leib gerissen hat und schreiend auf den Kameramann zuläuft. Es ist das damals neunjährige Mädchen Phan Thị Kim Phúc. Es hat sich die Kleidung vom Leib gerissen, da es durch den Napalm Angriff getroffen worden war und ihre Kleidung in Flammen stand. 65 Prozent ihrer Haut war verbrannt. Das sehen wir auf dem Bild nicht. Wir wissen nur, dass es Napalm Girl ist und können uns eins und eins zusammenrechnen. Durch den Rauch im Hintergrund, die vier männlichen Gestalten in militärischer Kleidung können wir uns erschließen, dass diese Szene in einem Krieg aufgenommen wurde. Der Junge vorne links im Bild schreit noch viel eindrücklicher, als das Mädchen. Als ich die Aufnahme letztlich anlässlich des Jubiläums durch Social Media laufen sah, habe ich im ersten Moment sofort an den Schrei von Munch gedacht. Man sieht im Gesicht existenzielle Angst und Schmerz und davon viel. Wir schauen uns diese Ki</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Am 8. Juni 1972 macht Nick Út die Aufnahme &#8222;Terror of War&#8220; die ihn zum jüngsten Gewinner des Pulitzerpreises in der Kategorie Pressefoto machen sollte. Wir kennen das Bild unter &#8222;Napalm Girl&#8220; und schreiben ihm zu den Verlauf des Krieges geändert zu haben. Heute erzähle ich die Geschichte des Bilds und gehe der Frage nach ob die Zuschreibung eigentlich stimmt&#8230; </p>

<p>Das Episodenbild ist eine andere Aufnahme aus der Reihe Aufnahmen die an dem Tag entstand. Es zeigt den Moment des Einschlags und macht deutlich dass hier Reporter in militärischer Kleidung in zwei Reihen standen (die Personen die im Bild zu sehen sind waren Mitglieder des Presseteams vor Ort).</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Phan_Th%E1%BB%8B_Kim_Ph%C3%BAc" target="_blank">Phan Thị Kim Phúc</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nick_%C3%9At" target="_blank">Nick Út</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://zeithistorische-forschungen.de/2-2005/4632#pgfId-1033442a" target="_blank">The Terror of War &#8211; Die Geschichte hinter dem Foto (Prof. Gerhard Paul)</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.gratitude.org/myth_of_the_girl_in_the_photo.htm" target="_blank">The Myth Of The Girl In The Photo</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="http://cronkitehhh.jmc.asu.edu/blog/2020/01/napalm-girl-the-photo-that-changed-the-world/" target="_blank">“Napalm Girl”: The Photo that Changed the World</a></li><li><a href="http://www.famouspictures.org/vietnam-napalm-girl/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Famous Pictures Collection &#8211; Vietnam Napalm Girl</a></li></ul>

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<h2>Transkript </h2>

<p>Je länger ich mich mit der Geschichte der Fotografie beschäftige, desto öfter kommt die Frage auf, ob Bilder die Welt verändern können. Erzählt ein Bild wirklich mehr, als 1000 Worte, wie das Sprichwort uns glauben machen will? Gilt das nicht mindestens für die berühmte Aufnahme, die Nick Ut am 08. Juni 1972 gemacht hat, die als Napalm Girl in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingegangen ist?&nbsp;</p>

<p>Eigentlich heißt das Bild Terror of War. Es ist Bild Nummer sieben auf einer von mehreren Filmrollen, die Nick Ut an dem Tag vollgeschossen hat. Nick Ut war vietnamesischer Reporter für associated Press. Sein Handwerk hatte ihm sein Bruder beigebracht, der siebte in seiner Familie. Deswegen glaubt Nick Ut bis heute, dass es ein letzter Gruß seines Bruders war. Der war wenig vorher im Einsatz ums Leben gekommen. Weil Nick die Fotografie von ihm gelernt hatte und durch ihn bei associated Press arbeitete, bat die Familie den damaligen Bildredakteur, Nick auf diese Stelle zu setzen.&nbsp;</p>

<p>So wurde aus Nick ein Kriegsreporter, der im Einatz fotografierte. Das Bild zeigt eine Szene aus einem <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a>, von dem wir vermutlich ganz allgemein sehr verzerrte und sehr wenige Vorstellungen haben. Die Amerikaner hatten irgendwas damit zu tun. Es gab auch die Friedensbewegung, die dagegen war, dass Amerikanische Soldaten irgendwo in Asien Babys und Frauen mit Napalm töteten. So oder ähnlich ist es vermutlich im kollektiven Gedächtnis hängen geblieben. Zurück von unserer kollektiven Erinnerung zu diesem Bild.&nbsp;</p>

<p>Die Aufnahme, die von Nick Ut The Terror of War genannt wurde, kennen die meisten als Napalm Girl. Ich bin mir sicher, die meisten Hörer wissen sofort, welche Aufnahme gemeint ist. Es ist ein oft ikonisch genanntes Bild, da es so berühmt ist, dass es fast jede und jeder kennt und da ihm Macht zugesprochen wird. Es wird angenommen, dieses Bild habe die Welt verändert, den Verlauf des Vietnam Kriegs vielleicht beeinflusst.&nbsp;</p>

<p>Die Aufnahme zeigt insgesamt neun Menschen, wovon fünf Kinder sind. im Zentrum sieht man besonders eindrücklich ein Mädchen, das sich komplett die Kleidung vom Leib gerissen hat und schreiend auf den Kameramann zuläuft. Es ist das damals neunjährige Mädchen Phan Thị Kim Phúc. Es hat sich die Kleidung vom Leib gerissen, da es durch den Napalm Angriff getroffen worden war und ihre Kleidung in Flammen stand. 65 Prozent ihrer Haut war verbrannt. Das sehen wir auf dem Bild nicht. Wir wissen nur, dass es Napalm Girl ist und können uns eins und eins zusammenrechnen.&nbsp;</p>

<p>Durch den Rauch im Hintergrund, die vier männlichen Gestalten in militärischer Kleidung können wir uns erschließen, dass diese Szene in einem <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> aufgenommen wurde. Der Junge vorne links im Bild schreit noch viel eindrücklicher, als das Mädchen. Als ich die Aufnahme letztlich anlässlich des Jubiläums durch Social Media laufen sah, habe ich im ersten Moment sofort an den Schrei von Munch gedacht. Man sieht im Gesicht existenzielle Angst und Schmerz und davon viel. Wir schauen uns diese Kinder an und können gar nicht anders, als mit ihnen mitzufühlen. Wir sehen diese Angst und den Schmerz und wollen helfen.&nbsp;</p>

<p>Als Nick Ut diese Bilder nach erfolgter Entwicklung sieht, weiß er sofort, dass Bild sieben a auf seiner Rolle ein absoluter Treffer ist. Das ist die Aufnahme, die für diesen Angriff stehen wird und die auch sein Bildredakteur in Saigon sofort an die Firmenzentrale von associated Press schicken lässt. Es ist nicht genau die Aufnahme, sondern eine leicht zugeschnittene Fassung. Die Reporter, die an der Seite mit den Kindern mitlaufen sowie die Großmutter, die einen sterbenden Säugling auf dem Arm hält, lenken nur vom Hauptmotiv des Mädchens in der Mitte ab.&nbsp;</p>

<p>Die Komposition ist wie sie im Endeffekt in den Medien landet viel mächtiger. Das Bild ist so wirkmächtig, dass fast alle führenden großen Zeitungen und Magazine dieses Bild für die Berichterstattung über den Stand im Vietnam <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> benutzen. Interessanterweise müssen, je nachdem in welchen Ländern sie sind, manche davon dafür Sondergenehmigungen beantragen. Es ist ja ein nackter Mensch darauf abgebildet. Kurz wird ein bisschen daran herumretuschiert. Es gab einen Schatten, den man mit Schamhaar hätte verwechseln können. Der wurde aus dem Bild rausgebleicht. Mein Gott. Bomben, Tote, Gewalt sind gar kein Problem. Ih, da ist ein Schamhaar, wie unangemessen. Das Bild gibt dem Krieg ein Gesicht und entsetzt die Menschen.&nbsp;</p>

<p>In diesem Jahr gewinnt Nick Ut für dieses Foto den Pulitzer Preis. Es ist das Pressefoto des Jahres. Wir wissen, wenn wir mit uns ehrlich sind auch, warum. Das Bild zeigt Kinder unter Schmerzen und Angst. Diejenigen von uns, die selber Kinder haben, schauen sich dieses Bild an und stellen sich vor, wie es so ihren eigenen Kindern furchtbarerweise gehen könnte. Das Mädchen ist nackt und sieht vollkommen hilflos aus, was durch ihre Nacktheit verstärkt wird. In der Fotografie gibt es zwei Sachen, auf die wir Menschen vorhersagbar anspringen. Das eine ist Nacktheit. Das andere ist Menschen in Gefahr oder unter Schmerzen. Dieses Foto kombiniert beides.&nbsp;</p>

<p>Nick macht mehrere Aufnahmen von dem Mädchen, kümmert sich aber relativ schnell um sie. Er gibt ihr Wasser, kühlt ihren Körper, hilft den Kindern in einen Lieferwagen von associated Press und begleitet das Mädchen ins Krankenhaus. Dort soll er seinen Status als Reporter von associated Press klargemacht haben. Das Mädchen wäre so gut wie berühmt, da die Bilder um die Welt gehen werden. So wäre es im Interesse der Ärzte und Schwestern, sich ganz besonders gut um die Kleine zu kümmern. Am nächsten Tag landet das Bild ja auch in der Weltpresse. Man wusste damals sehr wohl, was gerade der Stand im Vietnam Krieg ist. Das wissen wir heute nicht mehr, weshalb man es fast verzeihen kann, dass die meisten Menschen glauben, dieses Bild zeige einen Angriff der Amerikaner auf Vietnamesen.&nbsp;</p>

<p>Viele glauben, dieses Bild hätte für das Aufflammen der Friedensbewegung und das Ende des Vietnamkriegs gesorgt oder dazu beigetragen. Beides stimmt so nicht. Fangen wir mit dem ersten Mythos an. Wer hat da eigentlich gegen wen gekämpft? Also 1972 die Aufnahme in Südvietnam entsteht, sind die Amerikaner längst auf dem Rückzug aus Vietnam. Aus dem Vietnam Krieg, in dem die Amerikaner Kriegspartei sind, wird ein Krieg, in dem Südvietnamesen gegen Nordvietnamesen kämpfen. Genauso einen Angriff sehen wir auf diesem Bild. Es war dem Piloten auch nicht um das Dorf gegangen. Sie hatten eine außerhalb des Dorfes gelegene Befestigungsmauer angegriffen. Die Familie des Mädchens und die Kinder hatten aber beschlossen, von dem Dorf aus die Straße runter zu laufen und sie waren sozusagen zwischen die Angriffe geraten. Diese Angriffe waren der Grund, weshalb zwölf Reporter auf dieser Straße standen.&nbsp;</p>

<p>Diese Erkenntnis kommt mir in letzter Zeit immer wieder. Obwohl Kriegsreporter öfters im Rudel arbeiten und eine Art organisierte Reise an die Front unternehmen, sehen wir sie in den Bildern doch sehr selten. Kriegsreporter sind gut darin, ihre Kollegen aus den Ausschnitten rauszunehmen. So ist es auch hier der Fall. So ein Bild erzählt ganz schnell eine andere Geschichte, wenn in diesem Pulk plötzlich lauter Männer mit Kameras rumlaufen, statt den Betroffenen zu helfen. Da werde zumindest ich ganz schnell zynisch. Es gibt einen kompletten Film aus dieser Szenerie. Jemand war mit einer Filmkamera da gestanden und hat einfach draufgehalten, während Menschen eigentlich Hilfe gebraucht hätten, alles im Dienste des Journalismus und der Berichterstattung. Ein Bild sagt mehr, als 1000 Worte. Fotografen versuchen aber trotz allem immer noch auszuwählen, welche Worte das sind. Wir sind da mit zwölf Presseleuten gestanden und haben Elend fotografiert gehört nicht zu den gerne ausgedrückten Worten.&nbsp;</p>

<p>Der Mythos, das Bild zeige einen amerikanischen Angriff hält sich übrigens gerade in den USA sehr hartnäckig. Es geht so weit, dass es in den 90ern zu einer tränenreichen Entschuldigung eines Angriffspiloten im Vietnamkrieg vor laufender Kamera kam, der sich genau daran erinnern konnte, wie er diesen Angriff geflogen war und vor lauter Schuldgefühlen zum Glauben gefunden hat und jetzt als Missionar unterwegs ist und auf Gottes Gnade hofft. Wir wissen es heute wie gesagt besser. Die Amerikaner waren schon auf dem Rückzug. Das Bild hat nicht für den Rückzug und das Ende des Krieges gesorgt.&nbsp;</p>

<p>Wenn überhaupt, war dieses Bild erstmal ein Propaganda Erfolg für die kommunistischen Nordvietnamesen. Die sahen es als Beweis für die Unmenschlichkeit der Südvietnamesen. Sie hatten sogar ihre eigenen Kinder und Frauen angegriffen, nur um eine verhältnismäßig unwichtige Stellung der Nordvietnamesen zu bombardieren. In den USA war dieses Bild erstmal Wasser auf die Mühlen einer sowieso schon laufenden Maschinerie. Die Amerikaner waren ein Jahr später aus diesem Krieg verschwunden. Der Krieg ging aber mit voller Kraft weiter. wenn überhaupt trug das Bild dazu bei, dass sich die Amerikaner weigerten, den Südvietnamesen auch nur die kleinste Hilfestellung zu geben. Das Bild hatte eindeutig Eindruck gemacht und vielleicht Entscheidungen, die für den Krieg von Bedeutung waren beeinflusst. Ob es aber immer gute Entscheidungen waren und ob es die waren, die wir heute diesem Bild zuschreiben, ist schwer zu beurteilen. Im Übrigen wusste das Mädchen erstmal gar nichts von der Aufnahme. Als sie 14 Monate später das Bild von ihrem Vater gezeigt bekommt, findet sie es furchtbar.</p>

<p><strong>B:</strong> I totally avoid to look at my picture alone.</p>

<p><strong>I:</strong> Bis heute vermeidet sie es, dieses Bild anzusehen, wenn sie allein ist.</p>

<p><strong>B:</strong> My mouth, my eyes, my body. It is the worst moment of human being.</p>

<p><strong>I:</strong> Es ist der schlimmste Moment ihres Lebens. Es ist der schlimmste Moment, den Menschen durchleben können, der auf diesem Bild festgehalten ist.</p>

<p><strong>B:</strong> As a little girl I felt so embarrassed. Why was I naked and my brothers und cousin had clothes on?</p>

<p><strong>I:</strong> Besonders als junges Mädchen war es ihr unangenehm, dass sie nackt war, während ihr Bruder und Cousins Kleidung anhatten.&nbsp;</p>

<p><strong>B:</strong> I just (?cry) there. I turned my head and saw four bombs landing like that. Fire was everywhere and the fire actually burned my clothes off. I was nine. I remember that I thought: Oh my goodness. I got burned, so I will be ugly and people will see me in a different way. Of course the moment on the picture on that day changed my life forever.</p>

<p><strong>I:</strong> Sie erinnert sich, dass diese vier Bomben runterkamen, das Feuer ihr die Kleidung vom Leib gebrannt hatte. Sie machte sich als das kleine Mädchen, das sie damals war, Sorgen, ob sie jetzt nicht für ihr Leben lang hässlich sein würde. Man könnte das in dem Bild ja auch noch sehen. Mit erwachsenen Augen sieht sie das Bild inzwischen natürlich auch für seine Vorteile und die Macht, die es hat.</p>

<p><strong>B:</strong> Now I know, I have a picture, which I am not embarrassed of like before. But it is not much to me.</p>

<p><strong>I</strong>Inzwischen hat sie geheiratet und ist nach Kanada ausgewandert. Nick Ut lebt übrigens in den USA. Die beiden haben sich seither auch viele Male getroffen. Sie weiß natürlich, dass ihr dieses Bild Aufmerksamkeit gibt und dass sie eine Antikriegsikone ist und es für den Willen steht, sowas nicht zu dulden. Es gibt trotzdem diverse Interviews mit ihr, wo sie sagt, sie habe sich mehr als nur einmal gewünscht, Nick Ut hätte dieses Bild nie gemacht und es wäre nie in unser aller Gedächtnis eingegangen. Sie weiß um die Möglichkeiten und nutzt die durch das Bild kommende Berühmtheit.&nbsp;</p>

<p>Sie ist aber auch für ihr Leben definiert. Wir lassen ihr keine Wahl. Dieses Bild gehört inzwischen irgendwie uns. Die Frage stellte ich meiner Twitter Community, als zum Anlass des Jahrestags das Bild auf Twitter geteilt wurde. Das Bild gefühlt überall immer ohne die dazugehörige Geschichte zu sehen. An die erinnern wir uns, so glauben wir, ja schließlich. So maßen wir uns an, zu entscheiden, ob wir dieses Bild weiter teilen dürfen und wieviel Kontext wir dran hängen und wieviel Energie wir aufwenden, um uns selbst zu informieren. Irgendwie ist es ja Zeitgeschichte.&nbsp;</p>

<p>So teilen wir Kriegsbilder, von denen wir nicht wissen, was sie zeigen, wer da drauf ist, in welchem Jahr es war. Wir schreiben ihm eine Macht zu, die es nicht einmal hatte, als die Ereignisse ganz frisch in aller Gedächtnis waren. Da lande ich immer. Ich will so gerne glauben, dass solche Fotos mächtig sind, kriege verhindern können, Menschen zur Vernunft bringen. Wenn ich dieses Bild sehe oder ähnlich wirkmächtige Bilder aus jüngerer Vergangenheit sehe, bleibt immer der fade Beigeschmack, dass sich die Ereignisse trotzdem kaum ändern. Es ist nur ein zusätzliches Foto in der Welt, von dem wir uns rausnehmen, es einfach zu teilen, egal ob die abgebildeten Menschen jemals zugestimmt haben. (Musik) Fotomenschen.&nbsp;</p>

<p>Phan Thị Kim Phúc und Nick Ut sind beide Ikonen der Friedensbewegung und kämpfen für eine friedlichere Welt. Vielleicht ist schon das der Wert, den das Bild liefert. Es ist eine Ikone für den Frieden, ein Mahnmal, eine Erinnerung daran, dass Krieg immer auch die falschen trifft, falls es überhaupt richtige gibt. Ich lerne aus solchen Bildern, skeptisch zu bleiben, nicht mehr anzunehmen zu wissen, was mir eine Aufnahme zeigt und die Frage zu stellen, ob ich wirklich verstanden habe, wo dieses Bild entstanden ist, was es genau zeigt und was es mir warum versucht zu sagen und warum nichts anders.&nbsp;</p>

<p>Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte,. Wir vergessen immer wieder, dass wir als Betrachter die 1000 Worte auswählen, die wir hören wollen.&nbsp;</p>

<p>Wer jetzt mehr über die Ereignisse erfahren möchte, findet in der Notizen zur Folge Links zu Interviews mit allen wichtigen Beteiligten, auf meine Quellen und unter anderem zu einem Artikel von Professor Gerhard Paul, der sich sehr ausführlich mit dem Bild sowie der Geschichte und der Art und Weise der Aufnahme des Bildes beschäftigt hat. Ich hätte den Artikel nicht ohne den Hinweis von Cornelia Stenschke gefunden. Vielen Dank auch dafür. Ich weise darauf hin, wer den Verdacht hat, in den Notizen zur Sendung im eigenen Podcatcher nicht alles zu sehen, findet auf Fotomenschen.net auf jeden Fall den ganzen Rest sowie komplette Transkripte vergangener Episoden. Wer mag, kann dort gerne einen Kommentar im Blog hinterlassen oder eine Rezension auf iTunes schreiben oder mit Auf Fotomenschen auf Twitter eine Nachricht schicken. Ich freue mich über jede Rückmeldung, Themenvorschläge, andere Hinweise oder nur einen lieben Gruß. Lieben Dank wieder fürs Zuhören. Bis bald.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Der Blick aus dem Wassereimer</title>
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            <pubDate>Sat, 05 Jun 2021 17:42:47 GMT</pubDate>
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            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Wer eine Action-Cam wie z.B. die GoPro hat oder schon mal Musikvideos gesehen hat kennt den Bildeindruck von sogenannten Fisheye-Objektiven und die werden von einem Mann erfunden der eigentlich fast Priester geworden wäre sich dann aber doch für ein Physikstudium entschlossen hatte… Fischaugenobjektiv (Wikipedia) Warped Perspective – a mathematical and aesthetic journey with the fisheye Robert W. Wood (Wikipedia – englisch , deutsch ) How the fisheye lens became a staple of the music industry History of the fisheye photo album cover How to Master the Fisheye Lens for the Ultimate 90s Look Robert Wood Plays Trick On Landlady…Because He Can pioneers of invisible radiation photography Robert W. Wood: Photographing the Invisible, Debunking the Incredible A new departure in photography Transkript Es gibt Objektive, die so weitwinkelig sind, dass sie praktisch hinter sich gucken können, weshalb man sie in Marssonden, Action Kameras einbaut oder damit Musiker fotografiert. Ihre Geschichte beginnt im Jahr 1906 mit einem Eimer Wasser und einem Ausnahmetalentierten Physiker. Als Robert Wood geboren wird, ist das Medium der Fotografie schon 30 Jahre alt. Später wird er sein ganzes Leben damit zubringen, die Gesetze der Optik und damit auch der Fotografie zu studieren. Robert Wood ist eine dieser Figuren, deren Erkenntnisse und Arbeit überall um uns herum zum Einsatz kommen, die wir aber nicht kennen. Wenn man von ihnen hört, stellt man sich deswegen sehr schnell einen knochentrockenen Professor und Forscher vor. Bei Robert läge man da einigermaßen falsch. Das betrifft nicht den Forscherteil, sondern den knochentrockenen Teil. Robert Wood hat es neben seiner offensichtlichen wissenschaftlichen Brillanz so faustdick hinter den Ohren, dass es seine Streiche mehrmals in die Zeitungen der damaligen Zeit schaffen. So baut er beispielsweise einmal ein gigantisches Insektenmodell, das er im Park von Studenten auffinden lässt. Sie glauben zunächst tatsächlich, sie hätten ein gigantisches prähistorisches Insekt ausgegraben. Eine andere Anekdote erzählt, wie er über mehrere Tage hinweg seine Vermieterin verblüffte, die Schildkröten Liebhaberin war. Robert Wood zog los und kaufte eine größere Anzahl Schildkröten in unterschiedlichen Größen immer mit einem sehr ähnlichen Muster auf dem Rückenpanzer. Die Kleinste schenkte er seiner Vermieterin. Jeden Tag fand er einen Vorwand, um die Schildkröte unbemerkt gegen die nächstgrößere Schildkröte auszutauschen. Was mit einem Tier von vielleicht zehn Zentimeter Länge begann, endete mit einer Schildkröte von fast 40 Zentimeter Länge. Die Vermieterin bemerkte, dass ihr Tier ungewöhnlich schnell zu wachsen schien. Sie war aber erst so richtig verblüfft, als die Schildkröte plötzlich wieder kleiner zu werden schien. Wie oft er das Tier vorm Auffliegen schrumpfen lies ist nicht überliefert, ebenso wenig, was aus den Schildkröten wurde. Der Streich an sich ist zugegebenermaßen schon einigermaßen lustig. Robert Wood wird 1868 in Massachusetts geboren und wollte eigentlich Priester werden. Die Rocksberry Latin School sollte ihn dahin ausbilden. Für seine Familie musste es eine Überraschung gewesen sein, als er eines Abends heim kam und erklärte, er würde sein Priesterstudium an den Nagel hängen und stattdessen Physiker werden. Er hatte eine Lichterscheinung am Himmel gesehen. Das war eine seltene Form der Aurora, die er sich nicht spirituell erklärte, sondern als bis dahin unbekannte, unsichtbare Lichtquelle. Die wollte er erforschen, wofür er Physik und speziell die Gesetze der Optik studieren musste. Das tat er ab jetzt. Harvard, MIT, University of Chicago sind die Institutionen, bei denen er Abschlüsse in Physik machte, studierte und lehrte. Er arbeitete zwei Jahre lang in Berlin, kam zurück nach Wisconsin und wurde irgendwann ein Vollzeit Professor für optische Physik an der John Hopkins University. Ab da war er umtriebig. Er studi</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Wer eine Action-Cam wie z.B. die GoPro hat oder schon mal Musikvideos gesehen hat kennt den Bildeindruck von sogenannten Fisheye-Objektiven und die werden von einem Mann erfunden der eigentlich fast Priester geworden wäre sich dann aber doch für ein Physikstudium entschlossen hatte&#8230; </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fischaugenobjektiv" target="_blank">Fischaugenobjektiv</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210124151849/http://cdsinclair.org/wp-content/uploads/2020/06/hc209-creative-project.pdf" target="_blank">Warped Perspective &#8211; a mathematical and aesthetic journey with the fisheye</a></li><li>Robert W. Wood (Wikipedia &#8211; <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Robert_W._Wood" target="_blank">englisch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Williams_Wood" target="_blank">deutsch</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.popphoto.com/story/culture/how-fisheye-lens-became-staple-of-music-industry/" target="_blank">How the fisheye lens became a staple of the music industry</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.openculture.com/2019/12/the-history-of-the-fisheye-photo-album-cover.html" target="_blank">History of the fisheye photo album cover</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.shutterstock.com/blog/fisheye-lens-video-photo" target="_blank">How to Master the Fisheye Lens for the Ultimate 90s Look</a></li><li>Robert Wood Plays Trick On Landlady…Because He Can</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="http://medicalphotography.com.au/Article_04/06.html" target="_blank">pioneers of invisible radiation photography</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="http://boole.stanford.edu/Wood/" target="_blank">Robert W. Wood: Photographing the Invisible, Debunking the Incredible</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.unz.com/print/Century-1910feb-00565" target="_blank">A new departure in photography</a></li></ul>

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<h2>Transkript</h2>

<p>Es gibt Objektive, die so weitwinkelig sind, dass sie praktisch hinter sich gucken können, weshalb man sie in Marssonden, Action Kameras einbaut oder damit Musiker fotografiert. Ihre Geschichte beginnt im Jahr 1906 mit einem Eimer Wasser und einem Ausnahmetalentierten Physiker.&nbsp;</p>

<p>Als Robert Wood geboren wird, ist das Medium der Fotografie schon 30 Jahre alt. Später wird er sein ganzes Leben damit zubringen, die Gesetze der Optik und damit auch der Fotografie zu studieren. Robert Wood ist eine dieser Figuren, deren Erkenntnisse und Arbeit überall um uns herum zum Einsatz kommen, die wir aber nicht kennen. Wenn man von ihnen hört, stellt man sich deswegen sehr schnell einen knochentrockenen Professor und Forscher vor.&nbsp;</p>

<p>Bei Robert läge man da einigermaßen falsch. Das betrifft nicht den Forscherteil, sondern den knochentrockenen Teil. Robert Wood hat es neben seiner offensichtlichen wissenschaftlichen Brillanz so faustdick hinter den Ohren, dass es seine Streiche mehrmals in die Zeitungen der damaligen Zeit schaffen. So baut er beispielsweise einmal ein gigantisches Insektenmodell, das er im Park von Studenten auffinden lässt. Sie glauben zunächst tatsächlich, sie hätten ein gigantisches prähistorisches Insekt ausgegraben.&nbsp;</p>

<p>Eine andere Anekdote erzählt, wie er über mehrere Tage hinweg seine Vermieterin verblüffte, die Schildkröten Liebhaberin war. Robert Wood zog los und kaufte eine größere Anzahl Schildkröten in unterschiedlichen Größen immer mit einem sehr ähnlichen Muster auf dem Rückenpanzer. Die Kleinste schenkte er seiner Vermieterin. Jeden Tag fand er einen Vorwand, um die Schildkröte unbemerkt gegen die nächstgrößere Schildkröte auszutauschen. Was mit einem Tier von vielleicht zehn Zentimeter Länge begann, endete mit einer Schildkröte von fast 40 Zentimeter Länge.&nbsp;</p>

<p>Die Vermieterin bemerkte, dass ihr Tier ungewöhnlich schnell zu wachsen schien. Sie war aber erst so richtig verblüfft, als die Schildkröte plötzlich wieder kleiner zu werden schien. Wie oft er das Tier vorm Auffliegen schrumpfen lies ist nicht überliefert, ebenso wenig, was aus den Schildkröten wurde. Der Streich an sich ist zugegebenermaßen schon einigermaßen lustig.&nbsp;</p>

<p>Robert Wood wird 1868 in Massachusetts geboren und wollte eigentlich Priester werden. Die Rocksberry Latin School sollte ihn dahin ausbilden. Für seine Familie musste es eine Überraschung gewesen sein, als er eines Abends heim kam und erklärte, er würde sein Priesterstudium an den Nagel hängen und stattdessen Physiker werden. Er hatte eine Lichterscheinung am Himmel gesehen. Das war eine seltene Form der Aurora, die er sich nicht spirituell erklärte, sondern als bis dahin unbekannte, unsichtbare Lichtquelle. Die wollte er erforschen, wofür er Physik und speziell die Gesetze der Optik studieren musste. Das tat er ab jetzt. Harvard, MIT, University of Chicago sind die Institutionen, bei denen er Abschlüsse in Physik machte, studierte und lehrte.&nbsp;</p>

<p>Er arbeitete zwei Jahre lang in Berlin, kam zurück nach Wisconsin und wurde irgendwann ein Vollzeit Professor für optische Physik an der John Hopkins University. Ab da war er umtriebig. Er studierte überwiegens unsichtbare Lichtspektren wie Ultraviolett oder infrarot. Weil einige dieser Felder natürlich besonders für die Astronomie interessant waren, richtete er seinen Blick auch in den Nachthimmel. Auf dem Mond gibt es so ein Gebiet, das nach ihm benannt ist. Es ist ein Bereich, in dem Ultraviolettlicht besonders stark absorbiert wird. Den Effekt beobachtete Wood zuerst und konnte ihn dann durch den Schwefelgehalt in Gestein erklären.&nbsp;</p>

<p>Wood fertigte Flüssigspiegel, also Spiegel, die aus flüssigem Quecksilber bestanden. Er konstruierte damit Teleskope und beschrieb die optischen Eigenschaften solcher Konstruktionen. Er baute eine Lampe, die heute noch im medizinischen Einsatz zu finden ist. Es ist die sogenannte Wood Lamp, die hauptsächlich infrarot und Ultraviolettlicht abgibt. Er baute optische Filter, die für sichtbares Licht undurchlässig, aber für infrarot und ultraviolett durchlässig waren.&nbsp;</p>

<p>Als Professor für optische Physik beschäftigte sich Wood natürlich regelmäßig mit Aufzeichnen von Licht. Fotografie war für ihn also alltäglich, wenn auch aus wissenschaftlicher Sicht. Er nahm also diese Filter, packte sie vor Kameras und machte die ersten infrarot Aufnahmen überhaupt. Wer schon mal mit infrarot Aufnahmen experimentiert hat, weiß, dass so manches Material mit infrarot aufgenommen anders aussieht, als wir es im sichtbaren Spektrum erwarten würden. Blätter grüner Pflanzen werden beispielsweise strahlend hell, was fast aussieht, als seien sie weiß gefroren. Auch heute nennt man diesen Effekt nach Robert Wood den Wood Effekt.&nbsp;</p>

<p>Robert Wood muss damals eine wissenschaftliche Institution gewesen sein. Als es in New York zum bis dahin größten Terroranschlag in der Geschichte der vereinigten Staaten kommt, wird Wood beauftragt, den Zündmechanismus der Bombe zu rekonstruieren. Die Täter konnte man nie fassen. Der Anschlag wurde nie gänzlich aufgeklärt. Die Bombe hat er aber auftragsgemäß rekonstruiert. Er war in seiner Freizeit künstlerisch unterwegs. Er ist Koautor zweier Science Fiction Romane und illustrierte und schrieb zwei Bücher mit Kindergedichten. Als die USA in den ersten Weltkrieg eintreten, forscht Wood an Methoden, Uboote durch Ultraschall zu entdecken.&nbsp;</p>

<p>Viele dieser Phänomene wurden allerdings mit optischen Mitteln untersucht und verglichen. So verdanken wir Wood die ersten Aufnahmen von Schallwellen überhaupt. Der Mann war also eine Koryphäe. Eine der von ihm hinterlassenen Erfindungen ist das Fischaugenobjektiv. Er überlegte, was es brauchen würde, um einen kompletten Horizont auf einer Bildebene abzubilden. Wenn Licht vom einen ins andere Trägermedium übertritt, kommt es zu einer Brechung. Den Effekt haben wir alle schonmal beobachtet, wenn wir schräg neben einem Aquarium gestanden sind. Wood überlegt sich, dass dieser Effekt eigentlich dazu führen müsste, dass ein Fisch, der unter der Wasseroberfläche schwimmt den kompletten Horizont über der Wasserfläche sehen können müsste. Wie könnte er also eine Linse konstruieren, die den kompletten 180 Grad Winkel über der Wasseroberfläche einfängt und auf einer kleineren Fläche konzentriert?&nbsp;</p>

<p>Er nimmt ein Wasserbecken, eine Kamera Obscura und eine ausgefeilte Versuchsanordnung und ist erfolgreich. Die ersten Fischaugenbilder überhaupt. Den Namen hat er gleich mit geprägt, da er sich gedanklich von der Seite des Fisches unter Wasser dem Thema genähert hatte. Somit blieb es ab da bei der Bezeichnung. Die Bilder, die er macht, sehen ungewöhnlich vertraut aus, für jemanden der schonmal Aufnahmen mit Fischaugenobjektiven gesehen hat. Wer hat das nicht? Eine scheinbar kreisförmig gebogene Welt, eine tonnenförmige Verzeichnung, die besonders Gesichter grotesk zu verzerren scheint sind sichtbar. Es war ein interessantes Experiment.&nbsp;</p>

<p>Es war eine erfolgreiche Erkenntnis. Wood beschreibt die gefundenen optischen Gesetzmäßigkeiten in einem Paper und zieht weiter zum nächsten Forschungsthema. Die Wissenschaft war aber interessiert. Von 1915 bis 1930 kommen diverse Objektiv Konstruktionen auf den Markt, die ohne Wassertöpfe auskommen und sich hauptsächlich damit beschäftigen, wie man für die Forschungsfelder der Meteorologie oder Astronomie Linsensysteme bauen könnte, die den kompletten Horizont abdecken. Die da gefundenen Konstruktionen sind etwas unhandlich. Wood hatte 1906 seine Entwicklung gemacht. 1915 bis 1930 wurde daran geforscht.&nbsp;</p>

<p>Es dauert aber bis kurz vor den zweiten Weltkrieg, bis deutsche Forscher eine Objektiv Konstruktion patentieren lassen, die dem was wir heute Fischaugenobjektiv nennen schon relativ nahe kommt. Sie teilen ihre Erkenntnisse und die Patente mit einem japanischen Unternehmen namens Nikon. Ab hier tut sich erstmal nichts. Es dauert bis 1957 bis Nikon das erste Fischaugenobjektiv überhaupt auf den Markt bringt. Es ist fest mit einem dazu passenden Kamerasystem verbaut und kostet auf heutige Verhältnisse umgerechnet schlappe 27000 Euro.&nbsp;</p>

<p>Dafür kann es wirklich 180 Grad Winkel aufnehmen. Das System ist für wissenschaftliche Anwendungsfälle wie Meteorologie gedacht. Es dauert allerdings gar nicht lange, bis die ersten mit dieser Kamera gemachten journalistischen Bilder auftauchen. So veröffentlicht das Life Magazine beispielsweise Bilder von einer Senatsanhörung, die eindeutig mit diesem Fish eye Objektiv gemacht worden waren. Es ist ein rundes Bild. Man erkennt die typischen tonnenförmigen Verzerrungen. Man sieht aber auch alle Menschen, die sich in dieser Anhörung im Raum befinden.&nbsp;</p>

<p>Das gibt uns gleich einen der Hauptanwendungszwecke von Fischaugenobjektiven. Es ist die Überwachung ganzer Räume. Wer in ein beliebiges Geschäft geht und dort an der Decke eine Überwachungskamera sieht, wird meistens vermuten dürfen, dass dort ein oder mehrere Fischaugenobjektive verbaut sind. Es gibt Gopro Kameras mit fish eye Objektiven zum nachrüsten und teils schon fertig drauf geschraubt. Es gibt Objektive, die bis zu 220 Grad Bildwinkel in einem Rutsch sehen können. Wenn man nicht aufpasst, ist man also als <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> oder Fotograf noch mit im Bild, wenn man mit diesen Objektiven arbeitet.&nbsp;</p>

<p>Wir waren bei 1957. Auch wenn die Magazine die ersten Fish eye Aufnahmen veröffentlichten, war es trotzdem noch eine sehr selten verwendete Technik. Es sollte nochmal fünf weitere Jahre dauern und wurde 1962, bevor Nikon das erste Consumer Fish eye Objektiv auf den Markt brachte. Jetzt kam es in mehr und mehr Hände und wurde mehr und mehr eingesetzt. Fischaugen Objektive haben interessante Eigenschaften. Sie zeigen viel Kontext. Man sieht also viel von der Umgebung des Objektivs.&nbsp;</p>

<p>Ein anderer Effekt ist, dass die fotografierten Motive, je nachdem wo sie im Bild stehen, enorm verzerrt werden können. Objekte in der Mitte, an die man nah rangeht, werden ungewöhnlich groß dargestellt. Wenn man auf die Art Menschen fotografiert, hat man gleichzeitig den Vorteil, das Model zu vergrößern, während man die Umgebung ordentlich miteinbezieht. Das ist eigentlich das Perfekte Rezept um beispielsweise Rockmusiker zu fotografieren.&nbsp;</p>

<p>Deswegen entdecken diese Objektive besonders die Fotografen für sich, die für die damaligen Rockbands Konzertfotos und besonders Platten Covers fotografieren. Die Bilder sahen ungewöhnlich aus, fast wie auf einem Drogen Trip. Das passte in die 60er. Die Beatles, Stones, Festivals wie Woodstock, Blicke aus der und in die Menge sowie immer wieder kreisförmige Aufnahmen auf Plattencovern, Künstler deren Hände und Köpfe riesengroß wirken, die trotzdem zusammen mit ihrem gesamten Equipment ins Bild passen gab es. Richtige Fisheye Objektive produzieren ein rundes Bild.&nbsp;</p>

<p>Es wird der gesamte Horizont aufgenommen. Das Ergebnis ist kreisrund. So werden die meisten Plattencover mit solchen Aufnahmen erstmal von diesem Bild dominiert. Die Schrift wird oft außen rum angeordnet. In den 60ern entstehen buchstäblich hunderte solcher Aufnahmen. Das Fischauge ist der inoffizielle Look der damaligen Musikkultur, was von der Musikrichtung unabhängig ist. Als in den 80ern MTV an den Start ging, war natürlich klar, dass die Musikvideos mit Fischaugenobjektiven arbeiten würden. Auch wenn jedes Genre mit diesem Look klarkam, war doch ein Genre ganz besonders in your face und auf die Verzerrungen aus. Das war Hiphop.&nbsp;</p>

<p>Bis heute werden Gruppenfotos und manches Mal auch die Musikvideos mit dieser Verzerrung gemacht. Von dort aus ging es in den Rest der jungen Kultur. Es reicht, nur kurz nach Skateboard Fotos zu suchen. Die charakteristische Verzerrung von fish eye Objektiven ist da praktisch der Standard. Alles begann, als ein Optics Professor in den USA sich die Frage stelle, wie wohl ein Fisch die Welt über dem Sehr wahrnehmen würde. (Musik) Fotomenschen. Ich liebe Weitwinkel Aufnahmen. Das faszinierende am Fischaugen Objektiv ist, dass es uns einen Blick auf die Welt erlaubt, der uns eigentlich verschlossen ist. Seit den 60ern wird mit Fischaugen Objektiven fotografiert.&nbsp;</p>

<p>Spätestens seit der Gopro und den neuen ultraweitwinkelobjektiven, die an modernen Smartphones verbaut werden, sind wir gewohnt, regelmäßig ultraweitwinkelige Bilder zu sehen. Deswegen sehen fish eye Objektiv Fotos auch ungewöhnlich modern aus, selbst wenn sie 50 Jahre alt oder älter sind. ich mag die Idee, dass das alles mit einem Mann im Priester Seminar begann, der in den Himmel schaute, eine wilde Leuchterscheinung sah und davon inspiriert wurde, Physik zu studieren und hemmungslos seiner Neugierde nachzugeben.&nbsp;</p>

<p>Wer mehr über Robert Wood oder über fish eye Objektive oder über die Aufnahmen, von denen ich sie in der heutigen Folge hatte, erfahren möchte, der wird in den Notizen zur Sendung fündig. Leider zeigen nicht immer alle Apps alles an. Wenn beispielsweise keine Video Einbettungen zu sehen sind, surft einfach direkt auf der Website vorbei. Fotomenschen.net enthält alle Links und Video Einbettungen. Wer schon mal da ist, kann gerne Themenwünsche, Anregungen, Feedback da lassen. Wer das Projekt unterstützen möchte, erzählt einfach weiter, dass es mich gibt. Bis bald.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Das erste Playmate</title>
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            <pubDate>Sat, 29 May 2021 19:17:21 GMT</pubDate>
            <description>Der Playboy startete Karrieren, revolutionierte den Magazinmarkt und produzierte das fotografisches Pinup-Genre &quot;girl next door&quot; das bis heute Männerfantasien beflügelt.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Der Playboy startete Karrieren, revolutionierte den Magazinmarkt und produzierte das fotografisches Pinup-Genre „girl next door“ das bis heute Männerfantasien beflügelt. Heute schauen wir uns an wie alles begann. The story behind the photograph that made Marilyn Monroe a star How Playboy’s First Naked Centerfold Got Published After 62 Years, Playboy Will Stop Publishing Naked Pictures Google Bildersuche – Marilyn Monroe’s centerfold Google Bildersuche – Janet Pilgrim Playboy (Wikipedia) Hugh Hefner (Wikipedia) Marilyn Monroe (Wikipedia) Tom Kelley (englisch, Wikipedia) Vom Monroe-Effekt beflügelt Janet Pilgrim (englisch, Wikipedia) Rest In Peace, Janet Pilgrim, Playboy’s First Girl Next Door Dieses Video auf YouTube ansehen Transkript Im Oktober 2015 war es einen Artikel im Magazin Time wert, als Playboy nach 62 Jahren bekanntgab, in Zukunft keine Nacktbilder mehr veröffentlichen zu wollen. Ich nehme an, das war einfach nur eine Fortsetzung des Trends, dass mehr und mehr Männer den Playboy sowieso nur wegen der Artikel gelesen haben. Was ich gerade so ironisch vor mich hingesagt habe, ist tatsächlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Der Playboy war zwar schon immer ein relativ schlüpfriges Magazin, das aber auch schon immer recht lange Artikelstrecken hatte. Er war mehr Text als Bild. Man höre und staune. Natürlich staunen wir alle deswegen, weil wir beim Playboy an den Center Fold denken. Der Center Fold ist die Doppelseite, die entsteht, wenn man ein Magazin in der Mitte aufschlägt. Der Playboy war dafür berühmt, dass im Center Fold eine Nacktaufnahme des Playmates des Monats sichtbar war. Diese Aufnahmen hatten erotisch, aber nicht anzüglich zu sein. Man sollte also die nackte Frau erkennen können. Das Bild sollte aber nicht den Eindruck erwecken, sie wäre gerade im Begriff Sex zu haben oder hätte gerade Sex gehabt. Der Gründer und Verleger des Playboys Hugh Hefner hatte das Girl next door genannt und bestand darauf, dass die Fantasie aufrechterhalten sein musste, dass man solche Frauen nebenan beim Putzen oder so antreffen konnte. Wer putzt denn nicht nackt? Hugh Hefner bediente damit auf jeden Fall eine Männerfantasie, die reif war, von einem Magazin aufgegriffen zu werden. Pin up Kalender gab es schon eine ganze Weile. Es gab im prüden Amerika aber auch Gesetze, die beispielsweise verhinderten, dass Nacktfotos über den Postweg verteilt werden konnten. So konnte man pin up Kalender oder Bilder nicht bestellen, sondern musste sie in eigens dafür ausgelegten Läden und Geschäften mehr oder weniger unter der Hand kaufen. Hugh Hefner hatte also nicht das Pin up Girl erfunden. Poster attraktiver Frauen aufzuhängen war schon lange üblich. Hugh Hefner war aber der erste, der zeigte, dass man damit davonkommen konnte, ein Nacktbild in ein Magazin zu packen und das auf dem Postweg an Abonnenten zu verschicken. Seine Geschichte ist außerdem der klassische Amerikanische Traum. Hugh Hefner kommt aus einem durchschnittlichen Haushalt. Als Sohn eines Wirtschaftsprüfers in Illinois geboren ist er erst Kompanie Schreiber bei der US Army, studiert dann Psychologie, wird Werbetexter. Im Jahr 1953 ist er im Alter von 27 Jahren Vertriebsleiter einer Kinderzeitschrift. Es juckt ihn aber. Er will nicht abhängig, sondern sein eigener Herr und sein eigenes Unternehmen sein. Er träumt schon länger von einer eigenen Zeitschrift, in der er selbst den Inhalt bestimmt. Er hat Ideen, aber kein Geld. Er wendet sich an seine Familie. Sein Vater sieht aber keinen Sinn darin, eine weitere Zeitschrift zu unterstützen. Seine Mutter leiht ihm 100 Dollar, weil sie an ihren Sohn und nicht die Idee glaubt, wie er später erzählen wird. 100 Dollar entspricht ungefähr 1100 Dollar nach heutigen Maßstäben. Hugh braucht mehr Geld, um eine Zeitung zu produzieren. Er nimmt also einen Kredit auf und verkauft Teile seiner Einrichtung, um an insgesamt knapp 1000 Dollar zu kommen. Seine dama</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Der Playboy startete Karrieren, revolutionierte den Magazinmarkt und produzierte das fotografisches Pinup-Genre &#8222;girl next door&#8220; das bis heute Männerfantasien beflügelt. Heute schauen wir uns an wie alles begann. </p>

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<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=BLoJTzkhOmQ" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf YouTube ansehen</a></p>
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<h2>Transkript</h2>

<p>Im Oktober 2015 war es einen Artikel im Magazin Time wert, als Playboy nach 62 Jahren bekanntgab, in Zukunft keine Nacktbilder mehr veröffentlichen zu wollen. Ich nehme an, das war einfach nur eine Fortsetzung des Trends, dass mehr und mehr Männer den Playboy sowieso nur wegen der Artikel gelesen haben.&nbsp;</p>

<p>Was ich gerade so ironisch vor mich hingesagt habe, ist tatsächlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Der Playboy war zwar schon immer ein relativ schlüpfriges Magazin, das aber auch schon immer recht lange Artikelstrecken hatte. Er war mehr Text als Bild. Man höre und staune. Natürlich staunen wir alle deswegen, weil wir beim Playboy an den Center Fold denken. Der Center Fold ist die Doppelseite, die entsteht, wenn man ein Magazin in der Mitte aufschlägt. Der Playboy war dafür berühmt, dass im Center Fold eine Nacktaufnahme des Playmates des Monats sichtbar war.&nbsp;</p>

<p>Diese Aufnahmen hatten erotisch, aber nicht anzüglich zu sein. Man sollte also die nackte Frau erkennen können. Das Bild sollte aber nicht den Eindruck erwecken, sie wäre gerade im Begriff Sex zu haben oder hätte gerade Sex gehabt. Der Gründer und Verleger des Playboys Hugh Hefner hatte das Girl next door genannt und bestand darauf, dass die Fantasie aufrechterhalten sein musste, dass man solche Frauen nebenan beim Putzen oder so antreffen konnte. Wer putzt denn nicht nackt? Hugh Hefner bediente damit auf jeden Fall eine Männerfantasie, die reif war, von einem Magazin aufgegriffen zu werden. Pin up Kalender gab es schon eine ganze Weile.&nbsp;</p>

<p>Es gab im prüden Amerika aber auch Gesetze, die beispielsweise verhinderten, dass Nacktfotos über den Postweg verteilt werden konnten. So konnte man pin up Kalender oder Bilder nicht bestellen, sondern musste sie in eigens dafür ausgelegten Läden und Geschäften mehr oder weniger unter der Hand kaufen. Hugh Hefner hatte also nicht das Pin up Girl erfunden. Poster attraktiver Frauen aufzuhängen war schon lange üblich. Hugh Hefner war aber der erste, der zeigte, dass man damit davonkommen konnte, ein Nacktbild in ein Magazin zu packen und das auf dem Postweg an Abonnenten zu verschicken.&nbsp;</p>

<p>Seine Geschichte ist außerdem der klassische Amerikanische Traum. Hugh Hefner kommt aus einem durchschnittlichen Haushalt. Als Sohn eines Wirtschaftsprüfers in Illinois geboren ist er erst Kompanie Schreiber bei der US Army, studiert dann Psychologie, wird Werbetexter. Im Jahr 1953 ist er im Alter von 27 Jahren Vertriebsleiter einer Kinderzeitschrift. Es juckt ihn aber. Er will nicht abhängig, sondern sein eigener Herr und sein eigenes Unternehmen sein. Er träumt schon länger von einer eigenen Zeitschrift, in der er selbst den Inhalt bestimmt.&nbsp;</p>

<p>Er hat Ideen, aber kein Geld. Er wendet sich an seine Familie. Sein Vater sieht aber keinen Sinn darin, eine weitere Zeitschrift zu unterstützen. Seine Mutter leiht ihm 100 Dollar, weil sie an ihren Sohn und nicht die Idee glaubt, wie er später erzählen wird. 100 Dollar entspricht ungefähr 1100 Dollar nach heutigen Maßstäben. Hugh braucht mehr Geld, um eine Zeitung zu produzieren. Er nimmt also einen Kredit auf und verkauft Teile seiner Einrichtung, um an insgesamt knapp 1000 Dollar zu kommen. Seine damalige Frau und Kinder müssen begeistert gewesen sein.&nbsp;</p>

<p>Es gab schließlich eine gar nicht so kleine Chance, dass das ganze als Flop enden würde. Es ist eine weitere Zeitschrift, die an den Start geht und gleich danach Mangels Abonnenten und Finanzmittel auf der Strecke bleibt. Hugh Hefner kommt der Zufall zu Hilfe, für den wir jetzt kurz nach Hollywood springen. Schon in den 50ern war Hollywood der Ort, an dem der Glamour wohnte. Es gab eine wachsende Filmbranche, die eine ebenso große und schnell wachsende Schar von Stars unterhielt. Viele hofften auf den großen Durchbruch und hielten sich bis dahin mit einer Mischung aus Service Jobs, Fotomodel Aufträgen und Kompassen Rollen über Wasser und hofften darauf, entdeckt zu werden und ihren großen Durchbruch zu haben.&nbsp;</p>

<p>Gerade, als Hugh Hefner sein Magazin an den Start bringen möchte, ist eines dieser Hollywood Sternchens in einen Sex Skandal verwickelt. Sie war eine Nachwuchsschauspielerin. Eine Darstellerin, der man eine möglicherweise größere Zukunft vorhersagte, die bisher aber immer nur kleine Nebenrollen gespielt hatte. Sie hatte 1950 als am Ende des Geldes noch viel Monat übrig war, in ihrer Verzweiflung das Angebot angenommen, Nacktfotos für einen Pin up Kalender zu machen.&nbsp;</p>

<p>Der Fotograf Tom Kelly versprach in die Hand, sie würde auf den Bildern nicht erkennbar sein und er würde ihren Namen nicht verraten. Er gab ihr 50 Dollar für eine Handvoll Nacktaufnahmen, was für damalige Verhältnisse kein schlechtes Einkommen und auf jeden Fall genug war, um einen weiteren Monat die Miete aufbringen zu können. Das Model Release unterschrieb die junge Schauspielerin mit Mona Monroe. Ihr eigentlicher Name war Norma Jeane. In den darauffolgenden Jahren sollte sie unter dem Namen Marylin Monroe weltberühmt werden. Der Skandal war folgender. Der Fotograf Tom Kelly hatte die Bilder für eine Weile rumliegen lassen und sie dann für 500 Dollar an einen Verlag verkauft, der 1952 beschloss, ein Bild daraus in einen Kalender zu packen.&nbsp;</p>

<p>Die Hoffnung von Marylin, darauf nicht erkennbar zu sein, wurde nicht erfüllt. Ihre Karriere als Schauspielerin war eigentlich gerade am durchstarten. Sie hatte ihre ersten Hauptrollen gelandet. Die jetzt plötzlich auftauchenden Nacktbilder konnten tatsächlich ihre Karriere beenden. Als Reporter anfingen, nachzufragen, drängte man sie bei 20 Century Fox dazu, das ganze abzustreiten. Die zuständigen Entscheider überlegten über das komplette Zurückziehen des Vertrags mit Marylin. Seit den 20ern gab es bereits Klauseln in den Verträgen mit Schauspielerinnen und Schauspielern, die für moralische Unbedenklichkeit sorgen sollten. In solchen Fällen konnten sie herangezogen werden, um getroffene Vereinbarungen abzubrechen.&nbsp;</p>

<p>Es muss für Marylin eine schwierige Zeit gewesen sein. Sie beschließt aber, das ganze mit Schwung durchzuziehen. Auf die Frage, ob sie die Person auf den Bildern sei und ob sie da tatsächlich nichts angehabt hätte, antwortete sie, sie habe das Radio angehabt. Sie schiebt sofort nach, sie sei verzweifelt gewesen und hätte nicht gewusst, wie sie die Miete hätte bezahlen sollen. Es sei der einzige Weg gewesen, den sie aus der Misere gesehen hätte. Damit gewinnt sie nicht nur die lüsternen Blicke amerikanischer Männer, sondern gleichzeitig die Sympathie der Öffentlichkeit.&nbsp;</p>

<p>Als klar war, dass dieser Sex Skandal nicht in negative Publicity für 20 Century Fox umschlagen würde, wurde der Vertrag beibehalten und sie konnte mit den Dreharbeiten fortfahren. Dieser ganze Skandal baut sich also gerade auf. Hugh Hefner will mit einem schlüpfrigen Magazin an den Start. Er hat 1000 Dollar, die er investieren kann. Aus einem Impuls heraus kontaktiert er den Verleger des Kalenders und kauft für 500 Dollar sämtliche Rechte an den Bildern. Er gestaltet das Magazin komplett um. Titelbild ist Marylin Monroe komplett bekleidet. Center Fold ist Marylin nackt.&nbsp;</p>

<p>Man findet die Bilder online. Ich war tatsächlich etwas überrascht, wie wenig beeindruckend ich diese ersten Nacktbilder von Marylin finde. Es gibt unglaublich viele aufregende, schöne, ästhetische Aufnahmen von Marylin. Diese ersten Aufnahmen von ihr würde ich nicht dazuzählen. Was weiß ich schon von der erotischen Ästhetik der 1950er Jahre der USA. Sie war Blond, räkelte sich auf rotem Satin, war damals ein leidlich bekanntes Starlet, ein Nachwuchstalent in Hollywood.&nbsp;</p>

<p>Diese Kombination beschert den beteiligten Verlegern einen granatenmäßigen Erfolg. Der Kalender wird über neun Millionen mal verkauft. Die erste Auflage des Playboy hat über 50 Tausend Leser. Das Heft war für 50 Cent pro Ausgabe zu kaufen und löste für sich genommen nochmal einen Skandal in den USA aus. Hugh Hefner hatte trotzdem alles richtig gemacht. Der Playboy hatte ein Jahr später eine Million Käufer und war nicht mehr wegzudenken. Das ganze kann man natürlich auch für Marlin als eine Art Glücksfall einstufen. dieser Sexskandal war mit der Art und Weise, wie sie damit umging und der glücklichen Wendung, dass es die Öffentlichkeit positiv sah Grund dafür, dass sie ab jetzt gesuchtes Sexsymbol war.&nbsp;</p>

<p>Dessen war sich Marylin bewusst und spielte damit. Sobald ein Fan, Reporter in ihre Nähe kommt, eine Kamera auf sie gerichtet wird, wird aus der überlegten, nachdenklichen Norma Jeanedie verführerische, leicht naive blinde Sex Puppe Marylin Monroe. Ihr Erfolg und ihre schauspielerische Bekanntheit gibt dem startenden Magazin Playboy Schwung. Der Erfolg des Playboy gibt ihrer startenden internationalen Filmkarriere Schwung. Zwischen Hugh Hefner und Marylin gibt es jedoch keinerlei Kontakt Marylin wird später mal in einem Interview sagen, dass sie sich ihr Billigexemplar selbst kaufen musste, um zu sehen, welche Bilder denn nun für die Bildstrecke bei Playboy verwendet worden waren.&nbsp;</p>

<p>Für Hugh Hefner war gerade zu Beginn mit dem Kauf der Bilder ja erstmal alles erledigt. Lizenztechnisch war alles sauber. Später wird er mal versuchen, Kontakt zu Marylin aufzunehmen. Marylin stirbt ja schon neun Jahre später, wodurch es nie zu einem persönlichen Treffen der beiden kommt.&nbsp;</p>

<p>Ein creepy Detail ist, dass sich Hugh Hefner trotz allem derart verbunden fühlt, dass er als letzte Ruhestätte eine Gruft direkt neben Mayrlins Grab bucht und dort jetzt in Ewigkeit mit ihr verbunden neben dran liegt. Meine Herrn. Ich weiß nicht, ob ich es creepy und exzentrisch finden soll, oder darüber abheben möchte, wie wenig sich die Männer in Marylins Leben darum scherten, was sie mit ihren Bildern gemacht haben wollte. Es fängt bei dem Typen mit den Pin up Fotos an, geht über Hugh Hefner weiter. die Geschichte Marylins, die ich hier auch irgendwann mal erzählen werde, ist von sowas durchzogen. Ich glaube, man darf Zweifel anmelden, ob Marylin damals nicht hätte darauf verzichten können, dass ihre Brüste einem Millionen Publikum vorgeführt werden und dass Hugh Hefner dann eine letzte Schlagzeile auf ihrem Rücken abholt, indem er sich die Gruft nebenan sichert, da er Marylin ja so verbunden ist. Mir ist gerade ein bisschen schlecht geworden.&nbsp;</p>

<p>Weiter im Text. Wir sind am Anfang des Playboy. Der erste Überraschungserfolg und die Geburt des Center Folds. Hugh Hefner hatte versucht, den mit Marylin gelandeten Erfolg zu wiederholen. Das Center FOld wurde mit professionell fotografierten Pin ups ausgestattet. Meistens waren das Schauspielerinnen oder Pin up Models, die extra dafür gecastet wurden. Schlägt man die ersten Ausgaben des Playboys auf, wird man übrigens überrascht sein, wie eloquent die Artikel darin teils sind. Teils liegt es daran, dass man nicht viel Geld für eigene Artikel Strecken hat und deswegen alte Copy Right freie Tete lizensiert. Teils sind das durchaus Kurzgeschichten etablierter Autoren oder wirklich gute Reportagen früherer Zeiten. Wie gesagt kann man den Playboy durchaus nur wegen der Texte mögen.&nbsp;</p>

<p>Die Center Fold Girls heißen Sweethearts. Je bekannter, desto besser. So bekannt wie Marylin wurde seit Einführung bisher aber keines. Das ist der Moment, wo wir mit unserer Geschichte bei Charlaine Edith Karaluslanden. Die damals 21 jährige Blindine fängt im Playboy Office in Chicago als Büro- und Schreibkraft an. Die Anekdote, die ich jetzt erzählen werde, kann man nur als sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz einstufen. Damals hat man es freilich weggelächelt.&nbsp;</p>

<p>Charlaine fragt nach, ob sie nicht endlich einen neuen Adressograf, also ein Gerät, um damit Adressetiketten zu drucken, bekommen könnte. Hugh Hefner hört es und sagt, sie bekommt einen nigelnagelneuen Adressograf, wenn sie sich im Tausch dafür für den Playboy Center Fold nackt ausziehen würde. Ok. Das hat sie auch getan und markiert in der Geschichte des Playboy den Punkt, ab dem nicht mehr mit eigens dafür angeheuerten Models oder Schauspielerinnen gearbeitet wurde, sondern Playmates als Girl next door gecastet wurden. Charlaine tritt nicht unter ihrem eigentlichen Namen, sondern als Janette Pilgrim auf. Den Namen legt Hugh Hefner selbst fest und versteht ihn als augenzwinkernde Referenz auf die religiösen Rechte in den USA.&nbsp;</p>

<p>Janet sieht alles etwas gelassener und wird mehrmals Playmate des Monats für den Playboy werden. Sie bekommt eine Gehaltserhöhung und so etwas ähnliches wie Kultstatus in der Playboy Fangemeinde. Sie war eine Art Instant Celebrity und wurde weitere zehn Jahre in der Mitarbeiterliste im Playboy aufgeführt. Später heiratet sie, lässt sich zur Altenpflegerin ausbilden, setzt sich in Connecticut zu Ruhe und stirbt dort im Alter von 84 Jahren. Zurück bleibt die Idee des Center Fold von Playmates, der nicht professionelle Models, sondern eigens dafür gecastete Frauen von nebenan zeigt.&nbsp;</p>

<p>Es wird ein Phänomen, dass sich Frauen um diese Möglichkeit reißen. Der noch existierende Makel, als Marylin Monroe als Center Fold abgedruckt wurde, wurde nach und nach in den Hintergrund gedrängt. Auch wenn Playboy Models natürlich immer von hochprofessionellen Fotografen abgelichtet werden, mussten sie trotzdem immer aussehen, als hätte man sie praktisch gerade aus ihrer natürlichen Umgebung gerissen. Das Äquivalent mit nackten Männern scheint nie so einen Kultstatus erreicht zu haben. Das sagt auch viel über unsere Gesellschaft aus.&nbsp;</p>

<p>Ich persönlich finde, es ist kein großer Verlust, dass man im Playboy keine nackten Brüste mehr anglotzen darf. Das ist vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass man sich heute über nackte Brüste im Magazin mehr aufregt, als man es früher getan hat.</p>

<p>Der Playboy war lange Zeit das mit Abstand erfolgreichste und etablierteste Magazin seiner Art. Hugh Hefner hatte gezeigt, dass es geht und das seltene Kunststück vollbracht, Lifestyle und erotische Fotografie in einem Magazin zu kombinieren. Der Playboy geht in seiner Laufbahn durch mehrere Phasen. Es wird zwischendurch mal schmuddeliger und dann wieder intellektueller. Damit ist er natürlich Spiegel seiner Zeit. Hugh Hefner, das Playboy oder das ganze Genre, in dem es einige Exemplare gibt, kann man sehr kontrovers diskutieren. Die einen halten es fast für einen Befreiungsschlag. Es wurden Dinge normalisiert, die vorher unnötigerweise Skandale waren. Andererseits werden Frauen objektifiziert. Gerade diese Geschichten um die ersten Center Folds hinterlassen einen wirklich faden Beigeschmack. Es ist aber nicht schwarz weiß. Der Playboy hat Karrieren gestartet, Dinge normalisiert, die vorher Skandale waren und geholfen, eine Gesellschaft zur Toleranz hin zu bewegen. Dabei hat er einen Fotogenre und mehrere Karrieren gestartet, auf die wir in diesem Podcast hier garantiert noch öfter zu sprechen kommen werden. Wer jetzt mehr darüber lesen, hören, anschauen möchte, möge auf Fotomenschen.net vorbeisurfen. Es gibt Links zu Bilderstrecken. Wer schonmal da ist, kann gerne einen Kommentar im Blog hinterlassen oder weitersurfen zu einem der verschiedenen Orte, an denen man den Podcast gleich abonnieren kann, wie auf Apple Podcasts oder Google Podcasts und überall sonst, wo es gute Podcasts gibt. Bis bald.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Göttliche Weiblichkeit</title>
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            <pubDate>Sat, 22 May 2021 13:51:00 GMT</pubDate>
            <description>Was hat der Vulkanier Spock mit dem orthodoxen Judentum und einem kontroversen Bildband aus dem Jahr 2002 gemeinsam? Einen hebräischen Buchstaben!</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Was hat der Vulkanier Spock mit dem orthodoxen Judentum und einem kontroversen Bildband aus dem Jahr 2002 gemeinsam? Einen hebräischen Buchstaben! The photography of Leonard Nimoy Leonard Nimoy’s Other Legacy: His Photography and the Controversy It Caused Nimoy Photos Show People’s All-Human Personalities (NYTimes) The Full Body Project by Leonard Nimoy - in pictures Shekhina – book (englisch, Wikipedia) Schechina (Wikipedia) Leonard Nimoy (Wikipedia) Völker und Gruppierungen im Star-Trek-Universum (Wikipedia) Vulcan Salute (englisch, Wikipedia) Figure Photography Has No Boundaries ~ Leonard Nimoy and Lady Monster Transkript Göttliche Weiblichkeit Ich bin mit Leonard Nimoy in seiner Rolle als Mister Spock im Raumschiff Enterprise aufgewachsen. Trotzdem war mir nicht bewusst, dass er zuerst Fotograf und erst dann Schauspieler war. Leonard Nimoy wuchs als Sohn gläubiger Juden in Boston auf. So beginnt unsere heutige Geschichte mit einem Besuch in einer Synagoge. Er war ungefähr neun. Familie Nimoy nahm anlässlich eines religiösen Festtags am Gottesdienst in der Synagoge teil. Irgendwann kam der Moment, in dem die Priester die Gemeinde segneten. Juden haben einen Gebetsschal, den sie in solchen Momenten über ihren Kopf ziehen. (Gesang) Der Segen ging eine ganze Weile. Leonard erinnert sich, dass sein Vater irgendwann sagte, er solle seine Augen bedecken und auf gar keinen Fall schauen. (Gesang) Der neunjährige Leonard hat dann trotzdem mal gespitzelt. Was er sah, sah einigermaßen bizarr aus. Priester hatten über den Kopf gezogene Schals, beide Hände in Richtung ihrer Gemeinde gestreckt und machen die Geste, die wir heute als den Vulkanier Gruß kennen. Die Handgeste steht für den Buchstaben Shing im hebräischen Alphabet. Im hebräischen fangen einige sehr interessante Wörter mit Shing an. Shadai ist das Wort für Gott. Shalom ist das Wort für Friede. Es ist der erste Buchstabe im Wort Shechina, das für die weibliche Seite Gottes steht. Orthodoxe Juden glauben, dass in diesem Moment die weibliche Seite Gottes anwesend ist und die Gemeinde segnet. Shachina ist so energiereich, strahlend und leuchtend, dass der Anblick tödlich sein kann. Leonard Nimoy wusste nichts von alledem. Er wusste nicht, warum er nicht schauen durfte. Es hatte in der Synagoge nichts strahlendes zu sehen gegeben. Das Erlebnis blieb aber bei ihm. Als in Startreck eine Episode auf dem Programm stand, in der er auf Vulkan sein würde und zum allerersten Mal andere Vulkanier treffen würde, wünschte er sich irgendeine Vulkanier spezifische Begrüßung und Geste mit in seine Rolle bringen zu können. Da fiel ihm wieder diese Anekdote ein. Asiaten verbeugen sich voreinander. Westliche Menschen schütteln sich gern die Hände. Er schlug vor, diese Geste zu machen, was Startrecks Macher übernahmen. Das war im Endeffekt, was man heute einen viralen Hit nennen würde. Der Vulkanier Gruß zusammen mit live long and prosper, der Zeile, die sich die Vulkanier gegenseitig in ihrer eigenen Sprache in dem Moment sagen, wurde es so eine Konstante, dass es aus dem Charakter Spock, dem Vulkanier Volk in Startreck und der Popkultur allgemein nicht mehr wegzudenken ist. Damit kam natürlich die Frage auf, was ihm die Inspiration gegeben hatte, diese Geste einzuführen. Eines Tages wandte er sich an seinen Rabbi. Da erfuhr er vom göttlichen Licht der weiblichen Seite Gottes. Leonard Nimoy war Zeit seines Lebens Fotograf. Mit elf hatte er das erste Mal eine Kamera bedient und relativ früh gelernt, Filme selbst zu entwickeln und in der Dunkelkammer weiterzubearbeiten. Sein erstes Studium war ein Studium der Fotografie. Für Leonard Nimoy war Fotografie ein hochpersönliches, poetisches Medium. Er schrieb außerdem Gedichte. Seine Bilder waren oft eine Mischung aus Tagebuch und Selbstausruck. Als er diese Geschichte der weiblichen Seite Gottes und ihrer Strahlung hörte, beschloss er, daraus ein fotografisches Projekt zu </itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Was hat der Vulkanier Spock mit dem orthodoxen Judentum und einem kontroversen Bildband aus dem Jahr 2002 gemeinsam? Einen hebräischen Buchstaben!</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.cbsnews.com/pictures/the-photography-of-leonard-nimoy-star-treks-spock/" target="_blank">The photography of Leonard Nimoy</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://yahoo.com/entertainment/blogs/celeb-news/leonard-nimoy-photography-legacy-controversy-191709616.html" target="_blank">Leonard Nimoy&#8217;s Other Legacy: His Photography and the Controversy It Caused</a></li><li><a href="https://www.nytimes.com/2010/07/29/arts/design/29nimoy.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nimoy Photos Show People’s All-Human Personalities</a> (NYTimes)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theguardian.com/artanddesign/gallery/2015/mar/03/the-full-body-project-by-leonard-nimoy-in-pictures" target="_blank">The Full Body Project by Leonard Nimoy - in pictures</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Shekhina_(book)" target="_blank">Shekhina &#8211; book </a>(englisch, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schechina" target="_blank">Schechina </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Leonard_Nimoy" target="_blank">Leonard Nimoy</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.m.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lker_und_Gruppierungen_im_Star-Trek-Universum#Vulkanier" target="_blank">Völker und Gruppierungen im Star-Trek-Universum</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Vulcan_salute" target="_blank">Vulcan Salute</a> (englisch, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="http://figuremodels.org/blog/2010/03/27/figure-photography-has-no-boundaries-leonard-nimoy-and-lady-monster/" target="_blank">Figure Photography Has No Boundaries ~ Leonard Nimoy and Lady Monster</a></li></ul>

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<h2>Transkript</h2>

<p><strong>Göttliche Weiblichkeit&nbsp;</strong></p>

<p>Ich bin mit Leonard Nimoy in seiner Rolle als Mister Spock im Raumschiff Enterprise aufgewachsen. Trotzdem war mir nicht bewusst, dass er zuerst Fotograf und erst dann Schauspieler war.&nbsp;</p>

<p>Leonard Nimoy wuchs als Sohn gläubiger Juden in Boston auf. So beginnt unsere heutige Geschichte mit einem Besuch in einer Synagoge. Er war ungefähr neun. Familie Nimoy nahm anlässlich eines religiösen Festtags am Gottesdienst in der Synagoge teil. Irgendwann kam der Moment, in dem die Priester die Gemeinde segneten. Juden haben einen Gebetsschal, den sie in solchen Momenten über ihren Kopf ziehen. (Gesang)&nbsp;</p>

<p>Der Segen ging eine ganze Weile. Leonard erinnert sich, dass sein Vater irgendwann sagte, er solle seine Augen bedecken und auf gar keinen Fall schauen. (Gesang) Der neunjährige Leonard hat dann trotzdem mal gespitzelt. Was er sah, sah einigermaßen bizarr aus. Priester hatten über den Kopf gezogene Schals, beide Hände in Richtung ihrer Gemeinde gestreckt und machen die Geste, die wir heute als den Vulkanier Gruß kennen.&nbsp;</p>

<p>Die Handgeste steht für den Buchstaben Shing im hebräischen Alphabet. Im hebräischen fangen einige sehr interessante Wörter mit Shing an. Shadai ist das Wort für Gott. Shalom ist das Wort für Friede. Es ist der erste Buchstabe im Wort Shechina, das für die weibliche Seite Gottes steht. Orthodoxe Juden glauben, dass in diesem Moment die weibliche Seite Gottes anwesend ist und die Gemeinde segnet. Shachina ist so energiereich, strahlend und leuchtend, dass der Anblick tödlich sein kann.&nbsp;</p>

<p>Leonard Nimoy wusste nichts von alledem. Er wusste nicht, warum er nicht schauen durfte. Es hatte in der Synagoge nichts strahlendes zu sehen gegeben. Das Erlebnis blieb aber bei ihm. Als in Startreck eine Episode auf dem Programm stand, in der er auf Vulkan sein würde und zum allerersten Mal andere Vulkanier treffen würde, wünschte er sich irgendeine Vulkanier spezifische Begrüßung und Geste mit in seine Rolle bringen zu können. Da fiel ihm wieder diese Anekdote ein. Asiaten verbeugen sich voreinander. Westliche Menschen schütteln sich gern die Hände. Er schlug vor, diese Geste zu machen, was Startrecks Macher übernahmen.&nbsp;</p>

<p>Das war im Endeffekt, was man heute einen viralen Hit nennen würde. Der Vulkanier Gruß zusammen mit live long and prosper, der Zeile, die sich die Vulkanier gegenseitig in ihrer eigenen Sprache in dem Moment sagen, wurde es so eine Konstante, dass es aus dem Charakter Spock, dem Vulkanier Volk in Startreck und der Popkultur allgemein nicht&nbsp; mehr wegzudenken ist. Damit kam natürlich die Frage auf, was ihm die Inspiration gegeben hatte, diese Geste einzuführen.&nbsp;</p>

<p>Eines Tages wandte er sich an seinen Rabbi. Da erfuhr er vom göttlichen Licht der weiblichen Seite Gottes. Leonard Nimoy war Zeit seines Lebens Fotograf. Mit elf hatte er das erste Mal eine Kamera bedient und relativ früh gelernt, Filme selbst zu entwickeln und in der Dunkelkammer weiterzubearbeiten. Sein erstes Studium war ein Studium der Fotografie. Für Leonard Nimoy war Fotografie ein hochpersönliches, poetisches Medium. Er schrieb außerdem Gedichte. Seine Bilder waren oft eine Mischung aus Tagebuch und Selbstausruck.&nbsp;</p>

<p>Als er diese Geschichte der weiblichen Seite Gottes und ihrer Strahlung hörte, beschloss er, daraus ein fotografisches Projekt zu machen. Er würde versuchen, diese weibliche Göttlichkeit in Fotografie auszudrücken. Dem Ergebnis kann ich hier unmöglich gerecht werden. Es sind sinnliche schwarz weiß Aufnahme jüdischer Frauen, teils mit Gebetsschal, die mal mehr und mal weniger abstrakt sind und teils sehr ungewöhnliche Lichtführung haben. Als 2002 das Buch auf dem Markt erschien, entbrannte eine Kontroverse.&nbsp;</p>

<p>Nicht jede orthodoxe jüdische Gemeinde mochte die Tatsache, dass man jede Menge nacktes Fleisch in seinem Bildband sah. So hatte eine jüdische Gemeinde in Seattle Leonard Nimoy eigentlich eingeladen, sein Buch dort vorzustellen. Als sie erkannten, dass es im Buch um Gott in seiner weiblichen und teils sehr puren weiblichen Form ging, schlug man das Weglassen der Nacktbilder vor. Damit hätte Leonard Nimoy kein Problem gehabt, da es eh nur vier bis fünf Bilder betraf, in denen eine Frau komplett nackt sichtbar war. Kurz darauf kam aber der Vorschlag, vielleicht gar keine Bilder zu zeigen.&nbsp;</p>

<p>Das war doch sehr sinnlich. Weil ein Bildband ohne Bilder zu zeigen schwer vorstellbar ist, lehnte Leonard Nimoy ab und wurde deswegen ausgeladen. Das machte wiederum Schlagzeilen und ging durch die Presse. Bis heute wird kontrovers diskutiert. Die einen finden die Darstellung nackter Frauen mit männlichem Gebetsschal anrüchig. Andere verweisen darauf, dass es in jüdischer Tradition reichlich sexuelle und sinnliche Anspielungen gibt und es daher eigentlich keinen Grund gibt, dieses Werk zu verdammen. Es geht doch sehr geschmack- und respektvoll mit dem Thema um.&nbsp;</p>

<p>Manch puritanischer jüdischer Amerikaner mag dann nach den restlichen Bildprojekten Leonard Nimoys gegoogelt und beispielsweise sein full body Projekt gefunden haben. Full Body ist inzwischen Gegenstand mehrerer Ausstellungen und ist in mehreren Museen zu bewundern. Es ist ein Projekt, in dem Leonard Nimoy besonders füllige Frauen, die vor Lebenslust gerade so strotzten, aber einen Körper hatten, der in unserer Fitness besessenen Bilderkultur so gut wie nie präsentiert wird, erotisch fotografiert hat.&nbsp;</p>

<p>Eine Aufnahme dieses Projekts feiere ich ganz besonders. Er nahm ein sehr berühmtes Bild Helmut Newtons, in dem Helmut Newton gehende Business Frauen einmal bekleidet und in identischer Pose nackt nebeneinander gestellt abgebildet hatte, und zitierte sie mit seinen Models. Ich muss zugeben, dass Helmut Newtons Bild berühmter sein mag. Das von Leonard Nimoy hat aber wesentlich mehr Persönlichkeit.&nbsp;</p>

<p>Wer hätte gedacht, dass wir beim ikonischen Gruß der Vulkanier eigentlich die weibliche Seite Gottes begrüßen. Es ist irgendwie schade, dass der Fotograf Leonard Nimoy so gut wie nirgends erwähnt wird. Er starb 2015 im Alter von 83 Jahren. 72 Jahre davon hat er regelmäßig fotografiert. In den Nachrufen, die ich gesehen habe, wird ausschließlich von seiner Rolle als Mister Spock gesprochen. Seine Gedichte, Bücher, Fotografie ist mindestens genauso interessant und wird nur von dem entdeckt, der danach sucht. Um die Suche einfacher zu machen, kann man jetzt einfach bei Fotomenschen.net vorbei surfen und dort in die Notizen zur Sendung schauen. Eine Menge der heutigen Quellen sind als Video Einbettungen dort hinterlegt. Nicht jeder Podcast Client zeigt sie an. Falls in den Notizen zur Sendung kein Videolink zu sehen ist, ist es Fotomenschen.net. Für die meisten Episoden habe ich dort auch Transkripte. Sie kommen immer mit leichter Verzögerung, also ein bis zwei Wochen Nachlauf. Früher oder später kann man die Folge aber auch nachlesen, wenn man das lieber mag. Bis bald.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Die Geschichte der Bildmanipulation</title>
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            <pubDate>Sun, 16 May 2021 15:04:44 GMT</pubDate>
            <description>Es gibt Diskussionen die sind so alt wie die Fotografie selbst.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Es gibt Diskussionen die sind so alt wie die Fotografie selbst. Manche glauben mit der Diskussion um Bildmanipulation hätten wir ein neues Thema für uns entdeckt dabei haben schon die vielgelobten „alten Meister“ manipuliert was das Zeug hält. Nachtrag : In der ersten Fassung der Folge behaupte ich noch fälschlicherweise Lenin hätte Bilder manipuliert. Es war natürlich richtigerweise Stalin derjenige der politische Gegner entfernen ließ. Danke an Sylvie für den Hinweis! Lincolns Kopf und Calhouns Körper – 30 Beispiele manipulierter historischer Aufnahmen (Spiegel) 100 Photos – Abraham Lincoln photographed by Mathew Brady (Time) Fake photo of Ulysses S. Grant has fooled people for a century Edward Steichen (Wikipedia) Marked Up Photographs Show How Iconic Prints Were Edited in the Darkroom (PetaPixel) Kriegsbilder - eine Geschichte der Bildmanipulation? Stalin Erased His Enemies From History (Literally) Bilder und „historische Wahrheit“ (BPB) Geschichte der Bildbearbeitung (kwerfeldein) Thomas Knoll (Wikipedia) John Knoll (Wikipedia) The Interesting History of Adobe Photoshop Adobe Photoshop (Wikipedia) Studio Kreativkommune Folge #40 – die „out of cam“ jpeg Fotografie Erik Schlicksbier – Analoge Angelegenheiten Transkript Die Geschichte der Bildmanipulation Heute beschäftigen wir uns mit einem Thema, das so alt wie die Fotografie selbst ist. Trotzdem haben wir anscheinend immer wieder das Gefühl, das Thema komplett neu für uns zu entdecken. (Musik) Fotomenschen. Es gibt Themen in der Fotografie, über die seit jeher gestritten wird. Kann Fotografie zum Beispiel Kunst sein, wo sie doch nur festhält, was sowieso schon da ist? Nummer zwei: Ist das Manipulieren von Bildern, sei es mit Ausschnitt oder Bildbearbeitung, Irreführung des Betrachters oder legitimes Ausdrucksmittel? Nummer drei: Entsteht Fotografie im Kopf der Fotografin , in der Nachbearbeitung, bei ihrer Verwendung oder vielleicht sogar erst im Kopf der Betrachtenden? Man könnte gerade weitermachen. Wer momentan die aktuellen Nachrichten rund um das Medium verfolgt, dem wird nicht entgangen sein, dass es einen Trend zur Bildnachbearbeitung gibt. Bilder, die ursprünglich mal in schwarz weiß aufgenommen wurden, werden nach koloriert. Lächeln werden in eigentlich ernst schauende Gesichter montiert. Die Software wird kurz gesagt immer intelligenter. Kann man Bildern denn dann überhaupt noch so wie früher vertrauen? Schauen wir uns dieses früher mal ein bisschen näher an. Die Königin der Bildbearbeitungsprogramme ist ganz eindeutig Photoshop. Photoshops Geschichte beginnt 1988. Da war ich knapp 12 Jahre alt. Der Doktorand Thomas Knoll war damals wahrscheinlich ein bisschen älter. Er beschäftigte sich für sein Studium mit bildverarbeitenden Systemen. Sein Bruder arbeitete in der Zeit bei Industrial light and magic. Das war die von George Lucas gegründete Special Effects Firma. [Einspieler] I just started in ILM and I should be working (?over) a year. A few months later I was visiting Tom, who was PHD candidate at the university Mishigen. His thesis work was on vision systems. He has written all his image processing tools. It actually was kind of striking, how similar what Tom had written was, to what I had seen on the (?Pixar). When I got the (?Dem or the Pixar) it seemed so exciting. It was something I really wanted to have, but it was very expensive and exclusive. John führte bei Industrial Light and Magic mit modernster Hardware und Software kleine, dafür aber sehr teure Änderungen am Filmmaterial durch. [Einspieler] Then Tom was doing this work on his thesis on a (?Mac and tosh plus), a computer, that I had. Suddenly it seemed like it is worth in reach, that I can have a computer of my own, which can do the same sorts of things. Sein Bruder Thomas hatte für sein Studium mit handelsüblicher Standard Hardware kleine Tools zur Bildbearbeitung. Das war unter anderem ein Produkt, das er Display n</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Es gibt Diskussionen die sind so alt wie die Fotografie selbst. Manche glauben mit der Diskussion um Bildmanipulation hätten wir ein neues Thema für uns entdeckt dabei haben schon die vielgelobten &#8222;alten Meister&#8220; manipuliert was das Zeug hält.</p>

<p><strong>Nachtrag</strong>: In der ersten Fassung der Folge behaupte ich noch fälschlicherweise Lenin hätte Bilder manipuliert. Es war natürlich richtigerweise Stalin derjenige der politische Gegner entfernen ließ. Danke an <a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210517062108/https://twitter.com/rote_Fee/status/1394176064545562626" target="_blank">Sylvie</a> für den Hinweis!</p>

<ul><li><a href="https://www.spiegel.de/fotostrecke/fruehe-bildmanipulationen-fotostrecke-119928.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lincolns Kopf und Calhouns Körper &#8211; 30 Beispiele manipulierter historischer Aufnahmen</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210603162846/http://100photos.time.com/photos/abraham-lincoln-mathew-brady" target="_blank">100 Photos &#8211; Abraham Lincoln photographed by Mathew Brady</a> (Time)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.digitaljournal.com/entertainment/fake-photo-of-ulysses-s-grant-has-fooled-people-for-a-century/article/448098" target="_blank">Fake photo of Ulysses S. Grant has fooled people for a century</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Steichen" target="_blank">Edward Steichen</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210819135231/https://petapixel.com/2013/09/12/marked-photographs-show-iconic-prints-edited-darkroom/" target="_blank">Marked Up Photographs Show How Iconic Prints Were Edited in the Darkroom</a> (PetaPixel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20230609181635/https://vernetztebildmedien.wordpress.com/2016/08/25/kriegsbilder-eine-geschichte-der-bildmanipulation/" target="_blank">Kriegsbilder - eine Geschichte der Bildmanipulation?</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20211005104029/https://www.intellectualtakeout.org/blog/stalin-erased-his-enemies-history-literally/" target="_blank">Stalin Erased His Enemies From History (Literally)</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/245223/bilder-und-historische-wahrheit/" target="_blank">Bilder und &#8222;historische Wahrheit&#8220;</a> (BPB)</li><li>Geschichte der Bildbearbeitung (kwerfeldein)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Knoll_(Informatiker)" target="_blank">Thomas Knoll</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/John_Knoll" target="_blank">John Knoll</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://1stwebdesigner.com/history-of-adobe-photoshop/" target="_blank">The Interesting History of Adobe Photoshop</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Adobe_Photoshop" target="_blank">Adobe Photoshop</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://studio.kreativkommune.org/040-die-out-of-cam-jpeg-fotografie/" target="_blank">Studio Kreativkommune Folge #40 &#8211; die &#8222;out of cam&#8220; jpeg Fotografie</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://analogeangelegenheiten.de/" target="_blank">Erik Schlicksbier &#8211; Analoge Angelegenheiten</a></li></ul>

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<div><figure class="aligncenter"><a href="https://www.loc.gov/pictures/item/2003654314/"><img decoding="async" src="https://tile.loc.gov/storage-services/service/pnp/pga/02300/02353r.jpg" alt="Abraham Lincoln"/></a></figure></div>

<div><figure class="aligncenter"><a href="https://www.loc.gov/pictures/item/2003679757/"><img decoding="async" src="https://tile.loc.gov/storage-services/service/pnp/pga/02400/02499r.jpg" alt="John C. Calhoun"/></a><figcaption><br><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.loc.gov/pictures/item/2007681056/" target="_blank"><img decoding="async" src="https://tile.loc.gov/storage-services/service/pnp/ppmsca/15800/15886r.jpg" alt="General Grant at City Point"></a></figcaption></figure></div>

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<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p><strong>Die Geschichte der Bildmanipulation</strong></p>

<p>Heute beschäftigen wir uns mit einem Thema, das so alt wie die Fotografie selbst ist. Trotzdem haben wir anscheinend immer wieder das Gefühl, das Thema komplett neu für uns zu entdecken. (Musik) Fotomenschen. Es gibt Themen in der Fotografie, über die seit jeher gestritten wird. Kann Fotografie zum Beispiel Kunst sein, wo sie doch nur festhält, was sowieso schon da ist? Nummer zwei: Ist das Manipulieren von Bildern, sei es mit Ausschnitt oder Bildbearbeitung, Irreführung des Betrachters oder legitimes Ausdrucksmittel? Nummer drei: Entsteht Fotografie im Kopf der <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a>, in der Nachbearbeitung, bei ihrer Verwendung oder vielleicht sogar erst im Kopf der Betrachtenden?&nbsp;</p>

<p>Man könnte gerade weitermachen. Wer momentan die aktuellen Nachrichten rund um das Medium verfolgt, dem wird nicht entgangen sein, dass es einen Trend zur Bildnachbearbeitung gibt. Bilder, die ursprünglich mal in schwarz weiß aufgenommen wurden, werden nach koloriert. <a "/posts/pflaumen-kaese-papageienpopel.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="57" title="Lächeln">Lächeln</a> werden in eigentlich ernst schauende Gesichter montiert. Die Software wird kurz gesagt immer intelligenter. Kann man Bildern denn dann überhaupt noch so wie früher vertrauen? Schauen wir uns dieses früher mal ein bisschen näher an.&nbsp;</p>

<p>Die Königin der Bildbearbeitungsprogramme ist ganz eindeutig Photoshop. Photoshops Geschichte beginnt 1988. Da war ich knapp 12 Jahre alt. Der Doktorand Thomas Knoll war damals wahrscheinlich ein bisschen älter. Er beschäftigte sich für sein Studium mit bildverarbeitenden Systemen. Sein Bruder arbeitete in der Zeit bei Industrial light and magic. Das war die von George Lucas gegründete Special Effects Firma.&nbsp;</p>

<p>[Einspieler] I just started in ILM and I should be working (?over) a year. A few months later I was visiting Tom, who was PHD candidate at the university Mishigen. His thesis work was on vision systems. He has written all his image processing tools. It actually was kind of striking, how similar what Tom had written was, to what I had seen on the (?Pixar). When I got the (?Dem or the Pixar) it seemed so exciting. It was something I really wanted to have, but it was very expensive and exclusive.</p>

<p>John führte bei Industrial Light and Magic mit modernster Hardware und Software kleine, dafür aber sehr teure Änderungen am Filmmaterial durch.</p>

<p>[Einspieler] Then Tom was doing this work on his thesis on a (?Mac and tosh plus), a computer, that I had. Suddenly it seemed like it is worth in reach, that I can have a computer of my own, which can do the same sorts of things.</p>

<p>Sein Bruder Thomas hatte für sein Studium mit handelsüblicher Standard Hardware kleine Tools zur Bildbearbeitung. Das war unter anderem ein Produkt, das er Display nannte. Es war in der Lage, Graustufen Bilder auf einem monochromen, also schwarz weiß Monitor, darzustellen. Diese ersten Gehversuche sah John und war tief beeindruckt. Da musste keine zehntausende Euro teure Hardware werkeln. Man konnte alles mit Technik von der Stange machen. Er belaberte seinen Bruder, aus dieser kleinen Sammlung von Utilities ein Bildbearbeitungswerkzeug zu machen.&nbsp;</p>

<p>Es sollte Image Pro heißen. Den Namen hatte leider schon jemand anders reserviert. Die zweite Wahl war dann Photoshop. Photoshop 007 kam 1988 raus und erregte von Anfang an Aufmerksamkeit, da es Dinge konnte, die andere Software bis dahin nicht konnte. Die damals noch junge Firma Adobe sieht das Potential in der Lösung und kauft die Rechte an Photoshop. Das war wahrscheinlich der Tag, an dem Tom und John beide zu Millionären wurden. 34,5 Millionen US Dollar hat diese Lizenz gekostet. Am 01. Februar 1990, drei Tage vor meinem vierzehnten Geburtstag, kommt Photoshop Version 1.0 für den Mac raus. Das hat damals 300 Dollar gekostet. Verglichen mit der heutigen Plattform konnte es nichts. Verglichen mit dem bisher existierenden, war die Werkzeug Palette von Photoshop revolutionär.&nbsp;</p>

<p>Noch im selben Jahr kamen bis heute verwendete Erweiterungen wie ein Stift Tool, um in der Software nicht nur zu manipulieren, sondern direkt malen zu können. Pfade, Unterstützung für Druckfarben kamen. Ab jetzt ging es Schlag um Schlag. Photoshop wurde für jedes Genre der Bildbearbeitung so wichtig, dass es aus dem heutigen Werkzeugkasten professioneller Fotografen, Mediengestalter, Designer jeglicher Art, absolut nicht mehr wegzudenken ist. Photoshop ist für uns so wichtig, dass die Brüder John and Tom Knoll 2019 mit dem Oscar dafür ausgezeichnet werden. Der Oscar wird nämlich von der Academy für Motion Pictures and Science verliehen. In dieser Science Sparte waren die beiden die Gewinner. Man könnte 1988 also als den Startpunkt für die moderne Bildmanipulation festlegen, wären da nicht schon seit Jahrzehnten andere Meister am Werk. <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen waren sich schon immer bewusst, dass sie die Wirklichkeit darstellen.&nbsp;</p>

<p>Dass sie manipulierend eingreifen, wie das Bild im Endeffekt aussehen würde, hing sehr von der Wahl der Mittel ab, mit denen fotografiert wurde. Welche Chemikalien wurden verwendet, um den negativ Träger zu bearbeiten? Womit wurde belichtet und entwickelt? Welche Objektive kamen zum Einsatz? Welchen Bildwinkel wählte man? Man konnte all das auch als Manipulation verstehen. 1903 schreibt Edward (?Steichen), der einer der großen einflussreichen Gestalten der Fotogeschichte ist, dass Fotografien von Anfang bis Ende nur als Fake verstanden werden können. Every photograph is a fake from start to finish. Steichens große Leidenschaft galt der Fotografie als Kunst. Er organisierte Ausstellungen und war Herausgeber eines der einflussreichsten Fotomagazine aller Zeiten Camera Works, ganz zu schweigen von seinen eigenen Arbeiten.&nbsp;</p>

<p>Er war in der Bearbeitung seiner Bilder nicht zimperlich. Viele ziehen eine Linie zwischen Fotos, wie sie in der Kamera entstanden sind und später veränderten Bildern. Wenden wir uns erstmal der späteren Veränderung zu. In der digitalen Welt ist das ganz eindeutig voneinander getrennt. Ich mache das Foto in der Kamera. Wenn ich da ein J Pack erzeugt habe, bin ich schon fertig. Ich kann diese Datei weitergeben. Eine moderne Digitalkamera ist natürlich nichts anderes, als ein Computer. Eigentlich hat diese Kamera schon basierend auf den vorgenommenen Einstellungen diese Bilddaten irgendwie manipuliert und verändert. Vielleicht habe ich da auch schon Entscheidungen getroffen, die verändernden Charakter haben. Nehmen wir das alles mal auf die Seite. Das Bild ist dann tatsächlich als Produkt fertig.&nbsp;</p>

<p><a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen posten das dann gerne mit dem Hashtag SOOC oder OOC für straight out of camera auf Instagram und co und brüsten sich damit, dass sie das Gerät technisch gemeistert haben und dass sie in erster Linie auf Licht und Farbe und weniger auf Veränderung in Software geachtet haben. Diese Unterscheidung gab es so früher nicht. Mit dem fotografierten Bild war ich mit Nichten fertig. Damit hätte ich gar nichts anfangen können. Das Bild musste als nächsten Arbeitsschritt entwickelt und gedruckt werden. Das was wir heute manchmal als J Pack rumreichen, war damals das ausbelichtete Bild. Zwischen der Aufnahme in der Kamera und dem fertig in der Hand zu haltenden Bild waren eine Unzahl von Arbeitsschritten. Erstmal musste der Film entwickelt werden.&nbsp;</p>

<p>Schon die Wahl der Chemikalien, die Temperatur der Flüssigkeiten, die Dauer in den verschiedenen Bädern hatte Einfluss darauf, wie körnig, hell, dunkel, scharf, unscharf das Bild war. Das war also schon eine kreative Entscheidung. Hatte man dann den Film fertig entwickelt, kam der nächste Arbeitsschritt: Das Ausbelichten auf Fotopapier. Auch hier ist die Frage, welches Fotopapier, wie lange, welche Teile des Negativs dürfen wie lange ausbelichtet werden? Es ist diese Phase, in der Meister der Fotografie wie der berühmte Landschaftsfotograf Ansel Adams ihre wahre Meisterschaft zeigen. Er hat nicht einfach das Negativ wie es in der Kamera war genommen und einfach platt durchbelichtet. Ansel Adams entwickelte es zur Kunstform, mithilfe sogenannter Abwedeln und Nachbelichten Teile der Bilder aufzuhellen und abzudunkeln.&nbsp;</p>

<p>Ansel Adams‘ Kunst entstand in der Dunkelkammer, wenn er seine Prints fertigte. Sie entstand durch gekonnte Bildmanipulation. Wenigstens haben sie nichts hinzugefügt oder weggenommen, könnte man einwerfen. Man will naja antworten. Tatsächlich hatten schon die allerersten Landschaftsfotografen damit zu kämpfen, dass ihr eingesetztes Medium nicht in der Lage war, gleichzeitig helle Himmelsstrukturen und dunkle Landschaftsstrukturen abzubilden. Die Fotografen behalfen sich damals durch das machen mehrerer Aufnahmen. Es war eine Aufnahme des Himmels, eine Aufnahme der Landschaft. Diese wurden in der Dunkelkammer übereinandergelegt. Wer in der Fotowelt zuhause ist und in letzter Zeit eine Software namens Lumina gesehen hat, oder sich über die neuen Möglichkeiten von Photoshop, Himmel künstlich in Bilder reinzumontieren gefreut hat, der kann sich da erinnert fühlen. Das ist eigentlich genau das gleiche, nur statt mithilfe von Software handgemacht.&nbsp;</p>

<p>Die Fähigkeit, Bilder ineinanderzumontieren endete natürlich nicht bei Himmel und Landschaft. Es gibt Fotos, von denen tatsächlich erst jetzt entdeckt wurde, dass sie eigentlich Fotomontagen waren. Ein prominentes Beispiel ist der Bürgerkriegsgeneral Ulysses Grant. Ein Foto zeigt ihn angeblich, wie er 1865 auf einem Pferd seine Truppen inspiziert. Über ein Jahrhundert lang glaubte man, diese Aufnahme stamme von dem berühmten Bürgerkriegsfotografen Mathey Brady, zu dem wir gleich kommen. Der hatte nach seinem Tod seine Negative seinem Neffen (?Elsy Handy) vermacht. Der hatte begonnen, Drucke davon zu fertigen und neu zu verkaufen, wie auch diesen Druck von Julissus Grand. Heute wissen wir, dass dieser Druck so nie als Aufnahme gemacht wurde, sondern eigentlich eine Montage aus drei verschiedenen Aufnahmen ist. Es gibt die Szene im Bürgerkriegslager. Es gibt eine Aufnahme vom Pferd und den Oberkörper Grands, der draufmontiert wurde. Das hat irgendwie niemand bemerkt. Dieses Foto gibt es bis heute ohne einen weiteren Hinweis auf Manipulation. Menschen glauben, dass es so gewesen sein könnte. Man könnte sagen, dass er wahrscheinlich irgendwann mal Truppen inspiziert hat. Vermutlich hat es so ähnlich ausgesehen und überhaupt: wen interessiert es?&nbsp;</p>

<p>Ist es aber überhaupt noch Fotografie? Die Frage behalten wir im Hinterkopf und gehen nochmal zurück.&nbsp;</p>

<p>Mathew Brady ist Bürgerkriegsfotograf, der ein Fotostudio in New York am Broadway betrieb. Wir haben Februar 1860, als in diesem Studio eines der berühmtesten Porträts des späteren US Präsidenten <a "/tags/abraham-lincoln.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="56" title="Abraham Lincoln">Abraham Lincoln</a> entsteht. <a "/tags/abraham-lincoln.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="56" title="Abraham Lincoln">Abraham Lincoln</a> wird zu Protokoll geben, dass er seine Präsidentschaft Matthew Brady verdankt. Nicht mehr und nicht weniger. Zu der Zeit befand sich <a "/tags/abraham-lincoln.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="56" title="Abraham Lincoln">Abraham Lincoln</a> im Wahlkampf. Das Gerücht hatte um sich gegriffen, er sei hässlich wie die Nacht, klein, gebeugt, gedrungen, lange Finger wie ein Gnom. Damit gab es eine Menge negative Presse und negative Berichterstattung über sein angeblich furchtbares Äußeres, statt sich mit der Frage zu beschäftigen, ob er die junge Nation anführen könnte. Abraham Lincoln wusste, der einzige Weg, das zu ändern, wäre ein Gegenbeispiel zu schaffen und ein visuelles Mittel zu finden, das Volk vom Gegenteil zu überzeugen. Mathew Brady war der Mann, dem er dann sein Vertrauen schenkte. Brady schritt zur Tat. Er kürzte die Finger, sorgte dafür, dass das Bild aufrechter wirkte, verlängerte den Hals, glättete einige der Spuren in Abraham Lincolns Gesicht.&nbsp;</p>

<p>Es war allgemein ein hervorragendes Porträt, von dem ab da Zeichnungen und Prints gefertigt wurden. Es trat eindeutig den Gegenbeweis an, dass Abraham Lincoln gar nicht so hässlich war. Dieses Porträt ist interessanterweise nicht die einzige frontale Bildmanipulation, die wir kennen. Es gibt ein anderes berühmtes Bild, wo Abraham Lincoln neben einem Tisch steht. Es stammt auch aus den 1860ern und wurde von einem anderen Fotografen gefertigt. In dem Fall wurde Lincolns Kopf auf den Körper des US Politikers John Calhoun montiert. Letzterer sah sehr aufrecht und herrschaftlich aus. Lincoln wollte wohl auch so aussehen. Durch die gesamte Geschichte der Fotografie wurden Fotos mal mehr, mal weniger, verändert. Wir können gar nicht fotografieren, ohne die Wirklichkeit anzupassen.&nbsp;</p>

<p>Jede Fotografie ist mindestens eine Interpretation der Wirklichkeit. Im Grunde manipulieren wir Licht, Schatten, Ausschnitt und manchmal noch viel mehr, um ein Ergebnis zu erzeugen, das wir gut finden. Wir montieren heute <a "/posts/pflaumen-kaese-papageienpopel.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="57" title="Lächeln">Lächeln</a> in Gesichter, ändern Farben oder stempeln störende Elemente aus Bildern raus. Das konnten gekonnte Bildbearbeiter seit über 100 Jahren ohne weiteres in der Dunkelkammer nachbilden. Ein populäres Beispiel ist die Bildmanipulation, die im Auftrag Stalins stattfand, der notorisch bekannt dafür war, dass er frühere Weggefährten, die später zu seinen politischen Gegnern wurden aus historischen Fotografien entfernen ließ. Wenn es hieß, man müsse Schulbücher neu drucken, dann wurden einfach Schulbücher neu gedruckt. Wann ist sowas gut und wann unredlich? Ich persönlich glaube, dass die Linie beim Zweck der Fotografie verläuft.&nbsp;</p>

<p>Ist der Anspruch ein journalistischer, sind weniger Veränderungen akzeptabel, als wenn wir versuchen, eine künstlerische Aussage zu treffen. Qualitativ gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen einem Bild, in schwarz weiß umzuwandeln oder komplette Bildelemente aus anderen Aufnahmen einzufügen oder zu entfernen. Man konnte Fotografien jedenfalls noch nie vertrauen. Sie fühlen sich so verdammt echt an. Verändern konnte man sie aber schon immer. (Musik) Fotomenschen. Im 20. Jahrhundert galt es manchen Fotografen als verwerflich, Bilder zuzuschneiden. Um zu zeigen, dass die Bilder nicht zugeschnitten waren, druckten sie die Bilder inklusive der Stanzungen außenrum, sodass man sehen konnte, dass das Negativ unangetastet war.&nbsp;</p>

<p>Nachbelichten und abwedeln war nicht so schlimm und vor allen Dingen unvermeidlich, da man so oder so in die Dunkelkammer musste, in der eben nochmal interpretiert wurde, wie das Bild aussehen würde. Heute sind wir stolz, wenn wir straight out of camera Bilder produziert haben, solange wir es nicht ausdrucken wollen und solange uns egal ist, wie die Bilder auf unterschiedlich kalibrierten Monitoren aussehen und solange uns egal ist, dass Plattformen wie Instagram oder Facebook unterschiedliche Farbdarstellungen wählen. Aber dann ist es straight out of camera. Es ist im ernst cool.&nbsp;</p>

<p>Es ist eine Errungenschaft. So wie früher beim Film einlegen, können wir heute einen Stil in der Kamera wählen. Anders als früher beim Film müssen wir nicht mehr belichten. Wir müssen nicht mehr ausdrucken. Wenn wir wollen können wir an der Stelle fertig sein. Lieben Dank. Schaut euch an dieser Stelle Erik Schlicksbier an, der nicht nur den großartigen Podcast Studio Kreativ Kommune, sondern inzwischen auch einen weiteren Podcast Analoge Angelegenheiten macht und mich zu dieser Folge überhaupt erst inspiriert hat. Ich möchte Jürgen für eine super nette Apple Podcast Rezension und Hören statt Lesen für eine Rezension auf Podcast Adict danken. Ich freue mich immer, wenn ich von euch ein nettes Feedback bekomme, sei es im Blog auf Fotomenschen.net oder in einer der vielen Plattformen, wo man Sterne Wertungen oder Review Texte hinterlassen kann. Das ist super cool. Wer diesen Podcast gut findet und unterstützen möchte, erzählt anderen, dass es ihn gibt. Empfehlt den Podcast, besprecht den Podcast und lasst mich wissen, wenn ihr irgendwelche Themenwünsche habt. Bis bald.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Pflaumen, Käse, Papageienpopel</title>
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            <pubDate>Sun, 09 May 2021 14:05:35 GMT</pubDate>
            <description>Früher forderten Fotograf:innen ihre Kundschaft auf &quot;Prunes!&quot; (Pflaume) zu sagen damit die für die Aufnahme den Mund schlossen.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Früher forderten Fotograf:innen ihre Kundschaft auf „Prunes!“ (Pflaume) zu sagen damit die für die Aufnahme den Mund schlossen. Wann und warum tauchte dann die Erwartung auf in die Kamera zu lächeln und „Cheese!“ zu sagen? The first smile and photobomb ever photographed Mary Dillwyn (Wikipedia) Duckface (Wikipedia) Why We Say „Cheese“: Producing the Smile in Snapshot Photography (Critical Studies in Media Communication) Now You Know: Why Do People Always Look So Serious in Old Photos? (Time) Yearbook Photos Show How Smiles Have Widened Over the Decades A Rare Photo of Someone Smiling in the 19th Century Say ‘Prunes’, Not ‘Cheese’: The History of Smiling in Photographs MDL00 010 MDL00 030 Fotomenschen #31: Kodak-Momente (Die Geschichte von Kodak und George Eastman) Fotopodcast #225: Lichtblicke, der Blues und ein Workshop (oder hier direkt zu der Stelle an der Ulrike über Fotomenschen spricht 🙂 ) Transkript Schaut man sich Fotos des 19. Jahrhunderts an, wird schnell auffällig, dass es offensichtlich damals nichts zu lachen gab, denn die Leute schauen immer bierernst in die Kamera. Oder hat das vielleicht andere Gründe? Um gleich mal eins aus der Welt zu räumen: Auch im 19. Jahrhundert hatten die Menschen Spaß und wussten, wie man lacht. Betrachtet man hingegen Fotos aus der Zeit, fällt auf, wie selten das vorzukommen scheint. Das älteste Bild eines lächelnden jungen Mannes, das wir kennen, ist von 1853. Es zeigt den zum Zeitpunkt der Aufnahme 18-jährigen Willy Dillwyn. Die Dillwyns waren Fotopioniere aus Wales. Sie waren durch Heirat mit Henry Fox Talbot verwandt, dem britischen Vater der Fotografie und Willys Vater John Dillwyn Llewelyn war ein Botaniker und hat sehr früh angefangen, seine Arbeit mit fotografischen Verfahren zu dokumentieren. Fotografiert hatte allerdings Willy nicht sein Vater John, sondern seine Tante Mary. Und auf Marys Konto gehen so einige erste Aufnahmen. Sie ist zum Beispiel diejenige, die den ersten Schneemann überhaupt fotografiert. Und die erste Fotobombe. Ein Gruppenfoto, wo im Hintergrund ein Mädchen neugierig um die Ecke lugt. 1853, als Willy eben vor der Kamera lächelte, war die Fotografie bereits seit 14 Jahren in der Welt. Waren die allerersten Aufnahmen noch Aufnahmen, die manchmal Stunden Belichtungszeit brauchten, konnte man inzwischen in Sekunden belichten. Zumindest, wenn man draußen bei Tageslicht fotografierte. Im Studio sah das noch ein bisschen anders aus. Da musste man sich doch noch einigermaßen ruhig halten, um eine ordentliche Aufnahme zu machen. Und das ist auch gleich die erste Erklärung dafür, warum gerade auf alten Aufnahmen die Menschen so ernsthaft zu schauen scheinen: Ein natürliches, natürliches Lächeln wird halt schnell zur seltsamen Grimasse, wenn man es 30 Sekunden lang halten soll. Im Internet findet man dann zusätzlich noch Skizzen von Halteapparaten, die Kopfpositionen für den Fotografen fixierten und wenn man in so einen Schraubstock eingespannt ist, fällt das Lächeln vielleicht nochmal extra schwer. Ist eine naheliegende Begründung. Allerdings reicht die nicht, denn ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war eben Technik verfügbar, mit der man viel, viel schneller belichten konnte und trotzdem schauen die meisten Menschen ziemlich ernst in die Linse. Der Grund ist also ein anderer. Und den finden wir, wenn wir uns die Umstände, unter denen die meisten Aufnahmen damals entstehen, genauer anschauen. Vor der Entwicklung der Fotografie war ja die Portraitmalerei das Mittel der Wahl, um Menschen für die Ewigkeit zu dokumentieren. Und auf diesen Bildern wollte man eben nicht dümmlich lächelnd dargestellt werden, sondern gebildet, ernsthaft, machtvoll wirken. Die Fotografie nun orientierte sich an diesen Sehgewohnheiten. Und Fotografie passierte ja auch nicht zwischendurch, sondern war geplant. Es war ein Ereignis, zum Portraitfotografen zu gehen. Das kostete viel Geld und man machte es zu bes</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Früher forderten Fotograf:innen ihre Kundschaft auf &#8222;Prunes!&#8220; (Pflaume) zu sagen damit die für die Aufnahme den Mund schlossen. Wann und warum tauchte dann die Erwartung auf in die Kamera zu lächeln und &#8222;Cheese!&#8220; zu sagen?</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://diff.wikimedia.org/2015/09/18/first-smile-photobomb-wales/#:~:text=Willy%20is%20looking%20at%20something,1853%2C%20when%20he%20was%2018" target="_blank">The first smile and photobomb ever photographed</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mary_Dillwyn" target="_blank">Mary Dillwyn</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Duckface" target="_blank">Duckface </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://sites.uni.edu/fabos/seminar/readings/cheese.pdf" target="_blank">Why We Say &#8222;Cheese&#8220;: Producing the Smile in Snapshot Photography</a> (Critical Studies in Media Communication)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://time.com/4568032/smile-serious-old-photos/" target="_blank">Now You Know: Why Do People Always Look So Serious in Old Photos?</a> (Time)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250427221210/https://www.smithsonianmag.com/smart-news/yearbook-photos-show-how-smiles-have-widened-over-decades-180957437/" target="_blank">Yearbook Photos Show How Smiles Have Widened Over the Decades</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20211205205723/https://petapixel.com/2020/06/04/a-rare-photo-of-someone-smiling-in-the-19th-century/" target="_blank">A Rare Photo of Someone Smiling in the 19th Century</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210820184246/https://petapixel.com/2012/11/04/say-prunes-not-cheese-the-history-of-smiling-in-photographs/" target="_blank">Say ‘Prunes’, Not ‘Cheese’: The History of Smiling in Photographs</a></li></ul>

<figure><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="492" height="600" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/492px-Sally_and_Mrs_Reed_40950656771.jpg" alt="Zwei Frauen in historischer Kleidung sitzen zusammen für ein Porträtfoto."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="588" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/The_Snowman_No._2_40958252261.jpg" alt="Ein verblasstes Foto zeigt einen Schlitten und zwei Figuren im Schnee."/><figcaption class="blocks-gallery-item__caption">MDL00  010</figcaption></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="621" height="800" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/19thcenturysmile-621x8001-1.jpg" alt="Ein Porträt einer indigenen Frau in traditioneller Kleidung mit Perlenstickerei und Fransen, die ein drapiertes Tuch über dem Arm hält."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="372" height="544" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Willy_smiling._Mary_Dillwyn_Col._18531.jpg" alt="Porträt eines jungen Mannes in dunkler Kleidung auf einem sepiafarbenen Fotoalbum, unter dem der Name „Willy“ zu sehen ist."/><figcaption class="blocks-gallery-item__caption">MDL00  030</figcaption></figure></li></ul></figure>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" "/posts/kodak-momente.html" target="_blank">Fotomenschen #31: Kodak-Momente (Die Geschichte von Kodak und George Eastman)</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20211201161441/https://fotopodcast.de/fpc255-lichtblicke-der-blues-und-ein-workshop/" target="_blank">Fotopodcast #225: Lichtblicke, der Blues und ein Workshop</a> (oder <a href="https://web.archive.org/web/20210612120945/https://fotopodcast.de/fpc255-lichtblicke-der-blues-und-ein-workshop/?t=1%3A33%3A20" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier direkt zu der Stelle</a> an der Ulrike über Fotomenschen spricht 🙂 )</li></ul>

<div class="yt-facade" data-yt="ocUNn6KUN6k" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_ocUNn6KUN6k.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<p>Transkript</p>

<p>Schaut man sich Fotos des 19. Jahrhunderts an, wird schnell auffällig, dass es offensichtlich damals nichts zu lachen gab, denn die Leute schauen immer bierernst in die Kamera. Oder hat das vielleicht andere Gründe?</p>

<p>Um gleich mal eins aus der Welt zu räumen: Auch im 19. Jahrhundert hatten die Menschen Spaß und wussten, wie man lacht. Betrachtet man hingegen Fotos aus der Zeit, fällt auf, wie selten das vorzukommen scheint.</p>

<p>Das älteste Bild eines lächelnden jungen Mannes, das wir kennen, ist von 1853. Es zeigt den zum Zeitpunkt der Aufnahme 18-jährigen Willy Dillwyn. Die Dillwyns waren Fotopioniere aus Wales. Sie waren durch Heirat mit Henry Fox Talbot verwandt, dem britischen Vater der Fotografie und Willys Vater John Dillwyn Llewelyn war ein Botaniker und hat sehr früh angefangen, seine Arbeit mit fotografischen Verfahren zu dokumentieren. Fotografiert hatte allerdings Willy nicht sein Vater John, sondern seine Tante Mary.</p>

<p>Und auf Marys Konto gehen so einige erste Aufnahmen. Sie ist zum Beispiel diejenige, die den ersten Schneemann überhaupt fotografiert. Und die erste Fotobombe. Ein Gruppenfoto, wo im Hintergrund ein Mädchen neugierig um die Ecke lugt.</p>

<p>1853, als Willy eben vor der Kamera lächelte, war die Fotografie bereits seit 14 Jahren in der Welt. Waren die allerersten Aufnahmen noch Aufnahmen, die manchmal Stunden Belichtungszeit brauchten, konnte man inzwischen in Sekunden belichten. Zumindest, wenn man draußen bei Tageslicht fotografierte. Im Studio sah das noch ein bisschen anders aus. Da musste man sich doch noch einigermaßen ruhig halten, um eine ordentliche Aufnahme zu machen.</p>

<p>Und das ist auch gleich die erste Erklärung dafür, warum gerade auf alten Aufnahmen die Menschen so ernsthaft zu schauen scheinen: Ein natürliches, natürliches Lächeln wird halt schnell zur seltsamen Grimasse, wenn man es 30 Sekunden lang halten soll. Im Internet findet man dann zusätzlich noch Skizzen von Halteapparaten, die Kopfpositionen für den Fotografen fixierten und wenn man in so einen Schraubstock eingespannt ist, fällt das Lächeln vielleicht nochmal extra schwer. Ist eine naheliegende Begründung.</p>

<p>Allerdings reicht die nicht, denn ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war eben Technik verfügbar, mit der man viel, viel schneller belichten konnte und trotzdem schauen die meisten Menschen ziemlich ernst in die Linse.</p>

<p>Der Grund ist also ein anderer. Und den finden wir, wenn wir uns die Umstände, unter denen die meisten Aufnahmen damals entstehen, genauer anschauen. Vor der Entwicklung der Fotografie war ja die Portraitmalerei das Mittel der Wahl, um Menschen für die Ewigkeit zu dokumentieren. Und auf diesen Bildern wollte man eben nicht dümmlich lächelnd dargestellt werden, sondern gebildet, ernsthaft, machtvoll wirken. Die Fotografie nun orientierte sich an diesen Sehgewohnheiten.</p>

<p>Und Fotografie passierte ja auch nicht zwischendurch, sondern war geplant. Es war ein Ereignis, zum Portraitfotografen zu gehen. Das kostete viel Geld und man machte es zu besonderen Anlässen. Und dann grinste man eben auch nicht in die Kamera, sondern versuchte, dabei ernsthaft und dem Anlass angemessen feierlich zu schauen. Hätte man in die Kamera gegrinst, wäre der Verdacht nahegelegen, dass man entweder dement oder besoffen oder sonst irgendwie seltsam wäre.</p>

<p>Damals wie heute verstehen professionelle <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen ihre Aufgabe darin, dem Model den richtigen Weg zu weisen, sie also in eine Pose und zu einem Gesichtsausdruck zu leiten, der ihnen dann später gefallen wird. Und so, wie man heute die Leute auffordert, &#8222;cheese&#8220; zu sagen, hat man damals &#8222;prunes&#8220; gesagt, damit die Leute ihren Mund eben schließen.</p>

<p>Ja, und wo wir schon bei geschlossenen Mündern sind: Das ist dann auch noch die nächste Begründung, warum Menschen ganz allgemein kein Interesse daran hatten, auf Bildern für die Ewigkeit ihr Speisezimmer zur Schau zu stellen. Denn schief gewachsene, faulige oder ausgefallene Zähne waren auch beim Adel gar nicht selten. Ein breites Karieslächeln war damals also unter Umständen auch aus ästhetischen Gründen gar nicht erstrebenswert.</p>

<p>Wir haben also eine Mischung aus Sehgewohnheiten, kulturellen Befindlichkeiten und technischen Möglichkeiten, die dafür sorgen, dass zumindest mal im 19. Jahrhundert das Lächeln auf Fotos sehr selten ist. Menschen, die fotografiert werden, kommt einfach nicht in den Sinn, zu lächeln und <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen, die Portraits aufnehmen, kommt nicht in den Sinn, die Leute dazu aufzufordern, zu lächeln. Und bis heute gibt es messbare Unterschiede darin, wie unterschiedliche Kulturen auf die Fotosituation reagieren. Nicht jede Nationalität neigt dazu, gleich mal loszugrinsen.</p>

<p>Um das Aufkommen des Fotolächelns zu studieren, bietet es sich an, einige der üblichen Standardfotosituationen genauer unter die Lupe zu nehmen. Zum Beispiel existiert in den meisten westlichen Ländern die Tradition des Schuljahrbuchs. Und dann gibt es natürlich auch noch Hochzeitsfotos, Portraits zum 18. Geburtstag und dergleichen mehr. Speziell Jahrbuchtraditon kommt in angloamerikanischen Ländern um das Jahr 1900 auf.</p>

<p>Ein Team der University of Berkley nahm sich 38000 dieser Fotos vor und stellte fest, dass erst so ungefähr 1920 die ersten zaghaften Lächelaufnahmen auftauchen. Das Grinsen wird Jahr für Jahr breiter, wobei die Frauen einen leichten Lächelvorsprung haben, bis wir dann irgendwann anfangen, Zähne zu sehen. Und heute grinsen Studierende breiter als jemals zuvor.</p>

<p>Warum ist das so? Wer hat diese Gewohnheit geprägt? Wie kommt es, dass wir als Gesellschaft genau wissen, dass in bestimmten Situationen eine auf uns gerichtete Kamera mit der Erwartungshaltung verbunden ist, dass wir versuchen, freundlich und lächelnd zu schauen?</p>

<p>Verschiedene Studien zeigen, dass diese Erwartung zuerst in den USA aufkommt und Hand in Hand geht mit der Entwicklung der Werbung im öffentlichen Raum. Eine Firma ist da ganz besonders prägend. Eine Firma, über die wir hier auch schon mehrmals gesprochen haben. Nämlich die Firma <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a>.</p>

<p><a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> sah es als seine Aufgabe an, die Fotografie für die Massen verfügbar zu machen. Von Anfang an wurden Kameras für Kinder und Familien vermarktet. &#8222;You press the button, we do the rest&#8220; ist der berühmte Slogan der Firma <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a>. Die Idee ist, dass die Technik so einfach geworden ist, dass sogar Kinder damit spielen können. Und so günstig, dass man das jederzeit tun kann. Es kommt die Privatfotografie auf und die Familie ist der Ort, an dem auch mal herumgealbert wird. An dem es Gelegenheiten gibt, zu denen die Menschen Freude zeigen. Und die Fotos sind ja privat, das heißt, sie bleiben in der Familie und zeigen deswegen bereitwillig das Lächeln der glücklichen Familienmitglieder. Eastman Kodak befeuert das noch weiter.</p>

<p>Es ist nicht nur Kodak, sondern die gesamte Werbewelt befindet sich gerade im Umbruch. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hat Werbung in erster Linie den Kunden Angst gemacht. Ihnen wurde gesagt, was ihnen droht, wenn sie ein Produkt nicht kaufen. Beispielsweise ein Mundwasser ist die dringend notwendige Gegenmaßnahme gegen drohende soziale Verelendung.</p>

<p>Zum Ende des 19. Jahrhunderts aber dreht sich diese Perspektive. Nicht mehr Angst wird verkaufsfördernd eingesetzt, sondern es geht um die Aussicht auf Vergnügen, auf Freude. Das schlägt sich ganz besonders auch in den Werbekampagnen von Kodak nieder. Deren Kampagnen zeigen oft die sogenannten &#8222;Kodakgirls&#8220; und Situationen im Familienkreis und relativ schnell ist da auch viel Lächeln zu sehen.</p>

<p>Kodak veröffentlicht vor allen Dingen eine ganze Reihe von Büchern und regelmäßig erscheinenden Magazinen, in denen sie den Amateurfotografen wie dem Profi Tipps für Posing, gute Situationen und dergleichen gibt. &#8222;Kodakery&#8220; ist eines dieser Magazine und recht schnell wird da drin eben auch deutlich gemacht, dass glückliche Situationen, freudige Situationen, gerne auch mal Schnappschüsse im Urlaub oder zu irgendwelchen Familienfesten der ideale Platz für die Kodak sind.</p>

<p>Außerdem veranstaltet Kodak Wettbewerbe. Kodakfotografinnen und Fotografen können ihre Bilder einschicken und die Gewinner werden wiederum als Werbekampagnenmotive weiterverbreitet. Millionen sehen die Aufnahmen glücklicher Kodakmomente. Und je mehr die im öffentlichen Raum auftauchen, desto mehr Menschen gewöhnen sich an diesen Anblick und erfüllen auch diese Erwartungshaltung. Wird eine Kamera auf uns gerichtet, versuchen wir eben, glücklich auszusehen. Und schon ist es da, das Lächeln.</p>

<p>Es ist also Werbung und Marketing, das unsere Foto- und Sehgewohnheiten prägt. Und die entwickeln sich in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich schnell. Im Deutschland der 20er Jahre ist Leica das große fotografische Unternehmen. Und Leica revolutioniert die Welt der Fotografie der damaligen Zeit.</p>

<p>Die Kampagnen von Leica allerdings, die bleiben ernsthaft. Von den ersten 150 Werbekampagnen, mit denen Leica ihre Fotosparte bewirbt, zeigen nur 14 ein Lächeln. Die Deutschen sind also verhältnismäßig ernsthaft in ihren Aufnahmen. Und das sieht man auch bei Familienbildern aus der damaligen Zeit. Während in den USA schon breit gegrinst wird, schaut man bei uns noch einigermaßen seriös in die Kamera. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bricht aber auch hierzulande endgültig der Damm und auch hier wird breit gegrinst.</p>

<p>Spannend auch, dass wir kein deutsches Äquivalent für &#8222;cheese&#8220; haben, sondern das einfach auch sagen. Oder diverse lustige Alternativen finden. Wir haben zum Beispiel unsere Kids immer dazu aufgefordert, &#8222;Papageienpopel&#8220; zu sagen. Bis zum &#8222;l&#8220; sind die meistens gar nicht gekommen.</p>

<p>Spannend ist auch, dass diese Entwicklung, also, was man so macht, wenn man fotografiert oder fotografiert wird, noch nicht abgeschlossen ist. Mit dem Aufkommen der Selfiekultur sind auch neue Grimassen und neue Rituale aufgekommen. Da wird dann plötzlich statt einem Lächeln ein Duckface in die Kamera gemacht, also eine Schnute gezogen, die wohl am Anfang so ein bisschen wie ein sexy Kussmund aussehen sollte, aber zum Teil wirklich, wirklich seltsame Ausmaße annimmt. Und die Menge an Bildern, bei denen Frauen von unten nach oben schauen, nimmt zu. Auch hier wahrscheinlich das Bedürfnis, irgendwie sexy zu wirken, aber ganz eindeutig ein Trend in der Fotografie, den es vor 20 Jahren so nur in ganz bestimmten Genres gegeben hatte.</p>

<p>Interessant auch, sich die eigene Erwartungshaltung bewusst zu machen. Wir erwarten, auf alten Aufnahmen ein ernstes Gesicht zu sehen und sind dann immer so ein bisschen in unseren Sehgewohnheiten irritiert, wenn das nicht der Fall ist. Eine Aufnahme, die 2019 für 43750 Dollar verkauft wurde zeigt ein amerikanisches Indianermädchen, das breit in die Kamera lächelt. Und diese Aufnahme war so ungewöhnlich, dass Artikel darüber geschrieben wurden und das Ganze viral durch das Netz rauschte.</p>

<p>Wir erkennen also moderne Fotos auch an den Gesichtsausdrücken. Und an den Posen. Und immer, wenn dieser Stil gebrochen wird, sind wir irritiert. Und das alleine, finde ich, ist ja schon eine spannende Beobachtung.</p>

<p>Meine Kinder haben ja einen siebten Sinn und bemerken unfehlbar, wenn ich versuche, eine Kamera auf sie zu richten, um ein Foto von ihnen zu machen. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass die Grimassen, die ich da manchmal geerntet habe, nicht auch irgendwann mal zum Trend werden.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Koronafotografiegeschwurbel</title>
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            <pubDate>Sun, 02 May 2021 12:20:26 GMT</pubDate>
            <description>Niemand weiß ob es vielleicht doch einen &quot;Energiekörper&quot;, also eine sogenannte Aura gibt.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Niemand weiß ob es vielleicht doch einen „Energiekörper“, also eine sogenannte Aura gibt. Allerdings wissen wir mit einiger Sicherheit dass die üblichen Verfahren zur „Aurafotografie“ nicht geeignet sind um den eigenen Astralleib zu dokumentieren… Kirlianfotografie (Wikipedia) Energiekörper (Wikipedia) Semyon Kirlian (Wikipedia)Kir Spiritistische Fotografie (Wikipedia) The Kirlian Technique: Controlling the wild cards Was ist Kirlianfotografie? So fotografierst du eine Aura! (Pixolum) Aura Portraits Make Good Art, Bad Science (Wired) Auraphoto – Instant film aura photography system How Aura Photography Invaded Instagram Transkript Haben Menschen eine Aura? Kann man die fotografieren? Das sind Fragen, denen wir heute nachgehen und vorher ein Wort der Warnung: bloß nicht auf YouTube zu dem Thema recherchieren. Das erste Mal in einer Dunkelkammer stehen und dabei sehen, wie ein Foto Wirklichkeit wird - das ist ein magischer Moment. Zumindest nennen viele Fotografinnen und Fotografen diesen Augenblick als den Moment, in dem sie beschlossen haben: Fotografie wird ihre Leidenschaft. Und diese Faszination war schon immer Teil der Fotografie. Es ist ein Verfahren, um unsichtbares sichtbar zu machen. Selbst, wenn wir ein direktes Abbild der Umgebung aufnehmen, ist es dann doch die Vision des Fotografen, die wir sichtbar machen. Fotos sind immer dann am besten, wenn sie etwas zeigen, was wir nicht erwarten. Also einen Blickwinkel, den wir so noch nie gesehen haben, eine Farbgebung, die uns überrascht oder Dinge, die man mit bloßem Auge tatsächlich gar nicht wahrnehmen kann, wie zum Beispiel bei der Makrofotografie oder Infrarotfotografie oder Röntgenfotografie. Fotografie kann also dafür herhalten, um zu verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Um Goethe kurz zu zitieren. Und schon ganz früh beginnen Fotografinnen und Fotografen damit, eben auch die spirituelle Seite der Welt mit der Hilfe der Fotografie zu erforschen. In Episode 5 erzählte ich davon, wie angebliche Fotos von Feen die Welt begeisterten. In Episode 28 ging es um den Trend der Geisterfotografie . Beides basiert auf einer jahrhundertealten Idee, dass wir nämlich eine sichtbare und eine unsichtbare Welt haben, dass wir Menschen einen Körper und einen Geist haben. Dass wir von Energien umgeben sind, die uns und andere beeinflussen können. Und ist nicht auch Strom zum Beispiel so ein Ding? Man sieht es nicht, aber spüren kann man es und die Auswirkungen sind überall beobachtbar. Und es sind genau diese Alltagsbeobachtungen und dieser jahrhundertealte Glaube, der dafür sorgen, dass Menschen nicht mal zucken, wenn man ihnen sagt, dass man ihre Aura fotografieren kann. Und es gibt dafür auch Gerätschaften. Die findet man in den Praxen von Heilpraktikern, esoterischen Medien und ganz besonders häufig auf Esoterikmessen. Vor ein paar Jahren habe ich mir den Spaß mal gegönnt. In München war Esoterikmesse und ich hatte Zeit, also bin ich da vorbeigelaufen. Und schon am Eingang war eine Bude, wo man für gerade mal 30 € seine Aura fotografieren und für weitere 20 dann auch ausdeuten lassen konnte. Das Gerät sah, na ja, so ein bisschen kastig aus: Ein blauer, großer Kasten mit einem Spiegel und man konnte an den ausgestellten Beispielen sehen, dass die Ergebnisse dann doch recht bunt aussahen. Menschen mit umgebenden, bunten Wolken, so würde ich das jetzt mal beschreiben. Und an der Bude war Andrang. Im Fließbandverfahren ließen sich da Menschen ablichten und dann einen Termin zur Beratung zum Aura lesen zuteilen. Das Verfahren selbst, so klärte ein Plakat auf, ließ sich auf Nikola Tesla höchstselbst und ein russisches Ehepaar zurückführen. Die Theorie außen herum, also Deutungen und so weiter, war dann ein Mischmasch aus New Age Chakrenlehre und alter indischer Weisheit und neumodischem Schwurbelblabla, um Leuten Kohle aus der Nase zu ziehen. Doch was hat es mit dem Ganzen auf sich? Fangen wir </itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Niemand weiß ob es vielleicht doch einen &#8222;Energiekörper&#8220;, also eine sogenannte Aura gibt. Allerdings wissen wir mit einiger Sicherheit dass die üblichen Verfahren zur &#8222;Aurafotografie&#8220; nicht geeignet sind um den eigenen Astralleib zu dokumentieren&#8230;</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kirlianfotografie" target="_blank">Kirlianfotografie</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Energiek%C3%B6rper" target="_blank">Energiekörper </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Semyon_Kirlian" target="_blank">Semyon Kirlian</a> (Wikipedia)Kir</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritistische_Fotografie" target="_blank">Spiritistische Fotografie</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20200901022652/http://www.indian-skeptic.org/html/is_v02/2-9-9.htm" target="_blank">The Kirlian Technique: Controlling the wild cards</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.pixolum.com/blog/fotografie/kirlianfotografie" target="_blank">Was ist Kirlianfotografie? So fotografierst du eine Aura!</a> (Pixolum)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.wired.com/2011/02/aura-portraits/" target="_blank">Aura Portraits Make Good Art, Bad Science</a> (Wired)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.auraphoto.com/" target="_blank">Auraphoto &#8211; Instant film aura photography system</a></li><li><a href="https://www.theringer.com/2018/11/15/tech/aura-photography-instagram-auracam6000-christina-lonsdale-new-age" target="_blank" rel="noreferrer noopener">How Aura Photography Invaded Instagram</a></li></ul>

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<p>Transkript</p>

<p>Haben Menschen eine Aura? Kann man die fotografieren? Das sind Fragen, denen wir heute nachgehen und vorher ein Wort der Warnung: bloß nicht auf YouTube zu dem Thema recherchieren.</p>

<p>Das erste Mal in einer Dunkelkammer stehen und dabei sehen, wie ein Foto Wirklichkeit wird - das ist ein magischer Moment. Zumindest nennen viele <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen diesen Augenblick als den Moment, in dem sie beschlossen haben: Fotografie wird ihre Leidenschaft.<br>Und diese Faszination war schon immer Teil der Fotografie. Es ist ein Verfahren, um unsichtbares sichtbar zu machen. Selbst, wenn wir ein direktes Abbild der Umgebung aufnehmen, ist es dann doch die Vision des Fotografen, die wir sichtbar machen.<br>Fotos sind immer dann am besten, wenn sie etwas zeigen, was wir nicht erwarten. Also einen Blickwinkel, den wir so noch nie gesehen haben, eine Farbgebung, die uns überrascht oder Dinge, die man mit bloßem Auge tatsächlich gar nicht wahrnehmen kann, wie zum Beispiel bei der Makrofotografie oder Infrarotfotografie oder Röntgenfotografie. Fotografie kann also dafür herhalten, um zu verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Um Goethe kurz zu zitieren.</p>

<p>Und schon ganz früh beginnen <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen damit, eben auch die spirituelle Seite der Welt mit der Hilfe der Fotografie zu erforschen. In Episode 5 erzählte ich davon, wie angebliche Fotos von Feen die Welt begeisterten. In Episode 28 ging es um den Trend der <a "/posts/der-seltsame-fall-von-william-mumler-geisterfotograf.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="11" title="Der seltsame Fall des William Mumler, Geisterfotograf">Geisterfotografie</a>. Beides basiert auf einer jahrhundertealten Idee, dass wir nämlich eine sichtbare und eine unsichtbare Welt haben, dass wir Menschen einen Körper und einen Geist haben. Dass wir von Energien umgeben sind, die uns und andere beeinflussen können. Und ist nicht auch Strom zum Beispiel so ein Ding? Man sieht es nicht, aber spüren kann man es und die Auswirkungen sind überall beobachtbar.<br>Und es sind genau diese Alltagsbeobachtungen und dieser jahrhundertealte Glaube, der dafür sorgen, dass Menschen nicht mal zucken, wenn man ihnen sagt, dass man ihre Aura fotografieren kann. Und es gibt dafür auch Gerätschaften. Die findet man in den Praxen von Heilpraktikern, esoterischen Medien und ganz besonders häufig auf Esoterikmessen.</p>

<p>Vor ein paar Jahren habe ich mir den Spaß mal gegönnt. In München war Esoterikmesse und ich hatte Zeit, also bin ich da vorbeigelaufen. Und schon am Eingang war eine Bude, wo man für gerade mal 30 € seine Aura fotografieren und für weitere 20 dann auch ausdeuten lassen konnte. Das Gerät sah, na ja, so ein bisschen kastig aus: Ein blauer, großer Kasten mit einem Spiegel und man konnte an den ausgestellten Beispielen sehen, dass die Ergebnisse dann doch recht bunt aussahen. Menschen mit umgebenden, bunten Wolken, so würde ich das jetzt mal beschreiben.<br>Und an der Bude war Andrang. Im Fließbandverfahren ließen sich da Menschen ablichten und dann einen Termin zur Beratung zum Aura lesen zuteilen. Das Verfahren selbst, so klärte ein Plakat auf, ließ sich auf Nikola Tesla höchstselbst und ein russisches Ehepaar zurückführen. Die Theorie außen herum, also Deutungen und so weiter, war dann ein Mischmasch aus New Age Chakrenlehre und alter indischer Weisheit und neumodischem Schwurbelblabla, um Leuten Kohle aus der Nase zu ziehen.</p>

<p>Doch was hat es mit dem Ganzen auf sich? Fangen wir mal von vorne an. Nikola Tesla war tatsächlich einer der Urväter (unfreiwilligerweise) der Aurafotografie, denn seine Arbeit legt einen Grundstein. Denn er hat mit Hochspannung experimentiert. Und das ist vielleicht das Erste, was wir hier vielleicht mal festhalten müssen: Aurafotografie fotografiert eigentlich keine Aura, sondern Aurafotografie fotografiert Entladungen, die durch Hochspannungen entstehen.<br>Der Fachbegriff dazu ist Kirlianfotografie, benannt nach ihren Entdeckern Semjon Kirlian und seiner Frau Walentina Kirlian. Semjon war Elektriker in Russland. Es lässt sich nicht wirklich viel über ihn herausfinden, aber man weiß, dass er in seiner Jugend einen Vortrag von Nikola Tesla besucht haben soll und davon sehr beeindruckt zurückkam. Er war außerdem sehr talentiert: relativ schnell hatte er sich den Ruf erarbeitet, praktisch alles Elektrische reparieren zu können.<br>1939 war der Patient ein medizinisches Gerät. Was es genau war, das er repariert hat, konnte ich leider nicht herausfinden, aber es muss ein Gerät gewesen sein, in dem sowohl Hochspannung als auch Filmmaterial zu finden war, denn bei dieser Reparatur entdeckte Kirlian durch Zufall, dass Hochspannung auf Filmmaterial Spuren hinterließ. Das sieht großartig aus und Kirlian fängt an, mit verschiedensten Materialien und Verfahren zu experimentieren. Das Ganze wird unter verschiedenen Namen bekannt: Elektrofotografie ist noch das beschreibendste, mein persönlicher Favorit ist Koronafotografie, denn die Entladungen, die festgehalten werden, sind sogenannte Koronaentladungen.</p>

<p>Es ist dann Kirlian selbst und seine Frau, die nahelegen, dass hier aber eigentlich außerdem die Aura lebendiger Wesen sichtbar gemacht werden kann. Er fotografiert Hände, Blätter und die Ergebnisse sehen auch wirklich faszinierend aus. Er macht verschiedene Experimente, zum Beispiel fotografiert er Pflanzen, während sie verwelken. Und dokumentiert so, dass nach und nach die Korona schwächer zu werden scheint, die Aura also verblasst.<br>Newager nehmen das als eindeutiges Zeichen, dass hier das Lebendige an diesem Blatt verblasst. Nur leider, also, wenn man es jetzt mal ganz genau nimmt, lässt sich das nicht wirklich halten. Denn legt man einen Schraubenschlüssel auf ein entsprechendes Gerät, stellt man fest: Der hat auch eine Aura. Und die variiert je nach Feuchtigkeit des Trägers, des Schraubenschlüssels und der Umgebungsluft. Es ist ja also ganz naheliegend: Eine verwelkende Pflanze verliert Feuchtigkeit und damit verändert sich natürlich auch der Entladungskranz, den man beobachten kann.<br>Trotzdem ist Kirlians Verfahren ein Hit, auch wenn sich wissenschaftlich bisher kein Zusammenhang zwischen zum Beispiel Krankheiten und den Fotos herstellen ließ, hindert das die einschlägige Szene nicht daran, entsprechende Gerätschaften zu konstruieren und alle möglichen Thesen aufzustellen, wie denn die allgemeine Chakrenlehre zum Beispiel mit den beobachteten Koronaentladungen zusammenhängen könnte.</p>

<p>Allerdings hat Kirlians Verfahren immer noch einen Schönheitsfehler. Man kann zum Beispiel nur sehr schwer einen ganzen Menschen fotografieren. Da war dringend technische Innovation notwendig. Vielleicht noch gepaart mit Geschäftssinn. Und wo lässt sich mehr Innovation und Geschäftssinn finden als im Silicon Valley der 70er und 80er Jahre?<br>Damals wurden buchstäblich dutzende Unternehmen in Garagen gegründet. Und mehr als nur einmal wusste man von den Gründern, dass sie sowohl der Esoterik als auch Drogenexperimenten einigermaßen zugeneigt waren. Apple zum Beispiel. 1976. Und Steve Jobs, na ja, der hat schon das eine oder andere Stöffchen mal ausprobiert, sagen wir es mal so.</p>

<p>Steve Jobs hat jetzt nichts mit unserer Geschichte zu tun, aber die Zeit und der Ort stimmen. Es ist nämlich diese Dekade, in dem der Kalifornier Guy Coggins anfängt, sich für die Aurafotografie nach Kirlian zu interessieren. Und sofort erkennt, dass es hier einen Markt geben muss. Amerikaner haben ja mittlere Namen und Guy A. Coggins heißt tatsächlich mit Mittelnamen Aura. Also &#8222;Aura&#8220;: Manche Zufälle sind einfach zu bizarr.<br>Aber egal. Guy konstruiert ein Kamerasystem, Auracam 3000, das im Prinzip eine Doppelbelichtung auf Polaroidband ist. Das erste Bild zeigt da einfach den Menschen vor der Kamera und das zweite Bild wandelt die aufgenommenen Werte über die Elektroden in Farbwerte um, die dann innerhalb der Kamera auf das Polaroid darauf belichtet werden, mehrere Sekunden lang in der Regel. Und so ergibt sich ein Mensch in einer Farbwolke. Diese Farbwolke wird hinterher analysiert und gedeutet und zeigt angeblich die Aura.<br>Das System, inzwischen weiterentwickelt als Auracam 6000 auf dem Markt, lässt sich für schlappe 10000 Dollar erwerben und hat den Scham eines antiken Nadeldruckerumschaltgeräts. Inzwischen gibt es Teile des Systems auch voll digital, das heißt, man kann nur die Sensoren kaufen und mit der passenden Software WinAura dann am Computer eine Aura berechnen lassen. Oh, und inzwischen, man geht ja mit der Zeit, hat Guy auch ein Unternehmen gegründet, um Aura in Virtual-Realitysystemen analysieren zu können.</p>

<p>Die ganze Szene blüht und gedeiht. Es gibt eine riesige Menge an Seminaren, die buchbar sind. Es gibt Podcasts, es gibt YouTube Kanäle, Aurafotografie ist der Hit. Und sie zeigt nichts anderes als hübsch anzusehende Entladungen oder einen künstlich im Computer oder Gerät erzeugtes Farbspektrum. Damit man halt so ein bisschen esoterischer aussieht.<br>Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Aurafotografie tatsächlich keinerlei Energiekörper fotografiert. Denn fotografiert man ein Blatt zum Beispiel im Vakuum, gibt es plötzlich keine Entladungen mehr. Die brauchen nämlich diesen Träger außen rum, die feuchte Luft, über die eben kleine Blitze springen können. Es ist also leider kein Energiekörper, der fotografiert wird und es hat vermutlich auch nichts mit den Chakren oder was Schwurbler sonst noch so alles heranziehen zu tun, es ist einfach nur ein fotografisches Phänomen.<br>Und als solches lohnt sich es vielleicht, mit einer der Selbstbauanleitungen im Netz mal herumzuexperimentieren, um zum Beispiel Münzen oder Blätter oder was auch immer auch mal selbst festzuhalten. Mit einer handelsüblichen Kamera. Ganz ohne Geister-Eso-Schwurbelklimbim. Einfach so, weil es gut aussieht.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Skandalös schwanger</title>
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            <pubDate>Sat, 24 Apr 2021 17:50:17 GMT</pubDate>
            <description>Will McBride fotografiert in seinem Leben Staatsmänner, Musiker:innen, Schauspieler:innen und ganz besonders oft Jugendliche.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Will McBride fotografiert in seinem Leben Staatsmänner, Musiker:innen, Schauspieler:innen und ganz besonders oft Jugendliche. Sein berühmtestes Bild ist jedoch eine Aufnahme seiner schwangeren Frau Barbara mit dem er einen Deutschlandweiten Skandal auslöst. Will McBride (Wikipedia) Twen (Wikipedia) „In den sechziger Jahren war ich meistens schwanger“ (SZ Magazin) Süddeutsche Zeitung – Barbara Siebeck über Männer (hinter Paywall) Der Mann, der das wilde Berlin entdeckte, ist tot (WELT) Will McBride Archiv Demi’s Big Moment – Cover Story Vanity Fair August 1991 Natalie Portman has recreated THAT iconic Demi Moore pregnancy photo Serena Williams‘ Pregnancy Shoot May Never Have Happened Without Demi Moore’s Trailblazing Transkript Für das heutige Thema habe ich mich gefragt, was eigentlich passieren müsste, damit ich mich über ein Bild so richtig aufrege, damit ich es skandalös finde, denn das Beispiel, das ich mitgebracht habe, wäre heute wahrscheinlich nichts Besonderes mehr. Oder? Als Will McBride für seinen Wehrdienst nach Deutschland kam, lag das Ende des 2. Weltkrieges gerade mal 8 Jahre zurück und er hatte das Ende als Teenager erlebt, es war ihm also geschmeidig egal gewesen, oder zumindest so egal, wie einem das von Chicago aus sein konnte. Er hatte englische Literatur, Kunstgeschichte und Malerei studiert, mit knapp über 20 wollte er dann ein bisschen was sehen von der Welt. Und das Militär war da eine gute Gelegenheit. Wehrdienst also. Und Deutschland. Würzburg ist ein wirklich schöner Standort und als 1955 sein Wehrdienst endet, will er nicht so recht zurück. Also fängt er an, sich seinen Lebensunterhalt als Fotograf für Magazine zu verdienen, derer gibt es inzwischen mehrere, und so ist er unterwegs, um Reportagen und Fotostrecken zu bringen. Italien, Frankreich, Schweiz: Er kommt rum in Europa. Er fängt nochmal ein Studium in Berlin an und zieht letztlich nach München. Seine Fotos, im Reportagestil aufgenommen, zeigen eine Jugend im Aufbruch. Als er in den 60ern ein Studio in München eröffnet und anfängt, für Magazine wie „Quick“ oder „Twen“ zu arbeiten, feiert und rebelliert eine Teenagergeneration, die den Krieg vielleicht noch erlebt hat, sich aber nicht mehr wirklich an ihn erinnern kann. Es ist ein Magazin, das ganz besonders zu seinem Stil passt: das junge Bildmagazin „Twen“. Er war schon bei Gründung 1959 mit an Board als Fotoredakteur und Bildlieferant. Und „Twen“ war ein modernes Magazin. Inhaltlich ging es um die Themen, um die es in Jugendmagazinen nun mal geht. Lifestylethemen wie Mode, Musik und Urlaub waren ganz vorne, dann ging es natürlich um Sexualität und Partnerschaft und wir befinden uns am Anfang der sexuellen Revolution, das heißt, vorehelicher Sex, Homosexualität, all diese Themen waren zwar tabu, aber man konnte schon über sie reden und schreiben. Und Will MCBride passte in die Zielgruppe hinein. Er war ein Anfang Zwanziger, er fotografierte gerne Anfang Zwanziger und so passte das perfekt. Ende der 50er hatte er seine Frau Barbara kennengelernt. Und wie es bei Reportagefotografen so ist, sie war eins seiner Lieblingsbildmotive. Als sie mit seinem ersten Kind schwanger wird, macht er eine Bildstrecke für das Magazin „Twen“. Es wird eine Reportage , in der ihre Schwangerschaft und die Geburt seines Sohnes Shawn dokumentieren wird. Die Bilder sind gefühlvoll und liebevoll, es ist auch eine Geschichte, die bezeichnend ist. Hier ist ein Amerikaner, Vertreter eines Volkes also, das noch 15 Jahre zuvor mit den Deutschen im Krieg war und Barbara, eine Deutsche, die gemeinsam ihre Liebe feiern und in einer Jugendzeitschrift dokumentieren, wie sie miteinander in die Zukunft gehen. Die wichtigste Aufnahme der Reportage zeigt Barbara im 7. Monat schwanger mit einer ihrer Lieblingshosen, die sie wegen dem Babybauch nicht zumachen kann. Sie ist komplett bekleidet und schaut selbstbewusst direkt in die Kamera. Und es ist diese</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Will McBride fotografiert in seinem Leben Staatsmänner, Musiker:innen, Schauspieler:innen und ganz besonders oft Jugendliche. Sein berühmtestes Bild ist jedoch eine Aufnahme seiner schwangeren Frau Barbara mit dem er einen Deutschlandweiten Skandal auslöst.</p>

<figure><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="416" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/image1.jpg" alt="Eine Frau posiert für ein Magazin-Cover und hält die Arme über den Bauch gekreuzt, während große englische Schriftzüge im Hintergrund sichtbar sind."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="315" height="470" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/will-mcbride-barbara-mcbride-pregnant-with-shawn1.jpg" alt="Eine Frau mit dunklem Haar steht vor einer schlichten Wand und hält ihren rechten Arm über die Taille."/></figure></li></ul></figure>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Will_McBride" target="_blank">Will McBride</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Twen_(Zeitschrift)" target="_blank">Twen</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://sz-magazin.sueddeutsche.de/mode-and-accessoires/in-den-sechziger-jahren-war-ich-meistens-schwanger-77059" target="_blank">&#8222;In den sechziger Jahren war ich meistens schwanger&#8220;</a> (SZ Magazin)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.sueddeutsche.de/leben/barbara-siebeck-ueber-maenner-1.4547883?reduced=true" target="_blank">Süddeutsche Zeitung &#8211; Barbara Siebeck über Männer</a> (hinter Paywall)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/kultur/article136927287/Der-Mann-der-das-wilde-Berlin-entdeckte-ist-tot.html" target="_blank">Der Mann, der das wilde Berlin entdeckte, ist tot</a> (WELT)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20220327081711/https://www.willmcbride-archive.com/" target="_blank">Will McBride Archiv</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.vanityfair.com/style/2018/04/demi-moore-cover-story-august-1991" target="_blank">Demi&#8217;s Big Moment &#8211; Cover Story Vanity Fair August 1991</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210923083252/https://www.her.ie/celeb/natalie-portman-recreated-iconic-demi-moore-pregnancy-photo-330161" target="_blank">Natalie Portman has recreated THAT iconic Demi Moore pregnancy photo</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.kqed.org/pop/88718/serena-williams-pregnancy-shoot-may-never-have-happened-without-demi-moores-trailblazing" target="_blank">Serena Williams&#8216; Pregnancy Shoot May Never Have Happened Without Demi Moore&#8217;s Trailblazing</a></li></ul>

<div class="yt-facade" data-yt="ud50s61mU6E" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_ud50s61mU6E.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<p>Transkript</p>

<p>Für das heutige Thema habe ich mich gefragt, was eigentlich passieren müsste, damit ich mich über ein Bild so richtig aufrege, damit ich es skandalös finde, denn das Beispiel, das ich mitgebracht habe, wäre heute wahrscheinlich nichts Besonderes mehr. Oder?</p>

<p>Als Will McBride für seinen Wehrdienst nach Deutschland kam, lag das Ende des 2. Weltkrieges gerade mal 8 Jahre zurück und er hatte das Ende als Teenager erlebt, es war ihm also geschmeidig egal gewesen, oder zumindest so egal, wie einem das von Chicago aus sein konnte. Er hatte englische Literatur, Kunstgeschichte und Malerei studiert, mit knapp über 20 wollte er dann ein bisschen was sehen von der Welt. Und das Militär war da eine gute Gelegenheit. Wehrdienst also. Und Deutschland.<br>Würzburg ist ein wirklich schöner Standort und als 1955 sein Wehrdienst endet, will er nicht so recht zurück. Also fängt er an, sich seinen Lebensunterhalt als Fotograf für Magazine zu verdienen, derer gibt es inzwischen mehrere, und so ist er unterwegs, um Reportagen und Fotostrecken zu bringen. Italien, Frankreich, Schweiz: Er kommt rum in Europa. Er fängt nochmal ein Studium in Berlin an und zieht letztlich nach München.</p>

<p>Seine Fotos, im Reportagestil aufgenommen, zeigen eine Jugend im Aufbruch. Als er in den 60ern ein Studio in München eröffnet und anfängt, für Magazine wie &#8222;Quick&#8220; oder &#8222;Twen&#8220; zu arbeiten, feiert und rebelliert eine Teenagergeneration, die den <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> vielleicht noch erlebt hat, sich aber nicht mehr wirklich an ihn erinnern kann.<br>Es ist ein Magazin, das ganz besonders zu seinem Stil passt: das junge Bildmagazin &#8222;Twen&#8220;. Er war schon bei Gründung 1959 mit an Board als Fotoredakteur und Bildlieferant. Und &#8222;Twen&#8220; war ein modernes Magazin. Inhaltlich ging es um die Themen, um die es in Jugendmagazinen nun mal geht. Lifestylethemen wie Mode, Musik und Urlaub waren ganz vorne, dann ging es natürlich um Sexualität und Partnerschaft und wir befinden uns am Anfang der sexuellen Revolution, das heißt, vorehelicher Sex, Homosexualität, all diese Themen waren zwar tabu, aber man konnte schon über sie reden und schreiben. Und Will MCBride passte in die Zielgruppe hinein. Er war ein Anfang Zwanziger, er fotografierte gerne Anfang Zwanziger und so passte das perfekt.</p>

<p>Ende der 50er hatte er seine Frau Barbara kennengelernt. Und wie es bei Reportagefotografen so ist, sie war eins seiner Lieblingsbildmotive. Als sie mit seinem ersten Kind schwanger wird, macht er eine Bildstrecke für das Magazin &#8222;Twen&#8220;. Es wird eine <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a>, in der ihre Schwangerschaft und die Geburt seines Sohnes Shawn dokumentieren wird.<br>Die Bilder sind gefühlvoll und liebevoll, es ist auch eine Geschichte, die bezeichnend ist. Hier ist ein Amerikaner, Vertreter eines Volkes also, das noch 15 Jahre zuvor mit den Deutschen im <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> war und Barbara, eine Deutsche, die gemeinsam ihre Liebe feiern und in einer Jugendzeitschrift dokumentieren, wie sie miteinander in die Zukunft gehen.</p>

<p>Die wichtigste Aufnahme der <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a> zeigt Barbara im 7. Monat schwanger mit einer ihrer Lieblingshosen, die sie wegen dem Babybauch nicht zumachen kann. Sie ist komplett bekleidet und schaut selbstbewusst direkt in die Kamera. Und es ist diese Aufnahme einer schwangeren Frau, die Deutschlandweit für einen Skandal sorgt.<br>Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften schreitet ein und prüft, ob das Jugendmagazin &#8222;Twen&#8220; nicht seine Ausgaben zurückziehen muss. Erboste Briefe werden geschrieben, Kolumnen werden verfasst.<br>Der Aufreger ist übrigens nicht, dass hier eine nackte Frau gezeigt wird. Sie ist nämlich komplett angezogen. Der Aufreger ist eigentlich auch nicht der Babybauch, der Aufreger und das, was als &#8222;obszön&#8220; bezeichnet wird, ist die komplett offenstehende Jeans. Mein Gott, war man prüde damals.</p>

<p>Es wird ermittelt und natürlich gibt es auch die Gegenseite, es gibt auch Briefe der Zielgruppe, also von Zwanzigjährigen. Alle regen sich munter auf. Und beschließt am Ende, dieses Bild so stehenzulassen.<br>Es ist ein Aufreger, mit dem Will MCBride nicht gerechnet hatte, der allerdings wahrscheinlich nicht ganz unwillkommen als Marketingmaßnahme für &#8222;Twen&#8220; dastehen kann und zeigte, dass sich die Welt wirklich verändert hatte. Die moralischen Grundsätze der Vorkriegszeit galten nicht mehr. Die Jugend hatte einen anderen Blick auf die Themen. Und eine junge, schwangere, selbstbewusste Frau zu zeigen war eben nichts mehr, wogegen die Behörden einschreiten konnten.</p>

<p>Will MCBride testete die Limits der Toleranz seiner Mitmenschen allerdings noch mehrere Male: Hatte sich sein erstes Bildband noch um Adenauer gedreht und diverse politische Prominenz der damaligen Zeit gezeigt, war das nächste Buch, was ja nach dem Skandal rund um Barbaras Schwangerschaftsfoto produzierte, ein Aufklärungsbuch. &#8222;Zeig mal&#8220;, hieß es. Und ja, es ging um Kinder, die ihre Sexualität entdecken. Und weil man dort auch entsprechend junge Menschen dabei sehen kann, wie sie miteinander zärtlich umgehen, wurde ihm vorgeworfen, dass es ein Buch für Pädophile gewesen wäre.<br>Der nächste Skandal war dann, als sich Barbara und Will trennten, weil Will seine Homosexualität gestanden hatte und die jetzt auch ausleben wollte. Barbara heiratet einen Starkoch und Gourmetkritiker und Will zieht in die Toskana, wo er dann in Zukunft hauptsächlich malen, aber auch immer wieder mal fotografieren wird.</p>

<p>Fast forward. 31 Jahre später, im August 1991, starrt die Welt mit großen Augen auf das Titelblatt des US-Magazins &#8222;Vanity Fair&#8220;. Es zeigt die hochschwangere und sehr nackte Demi Moore, damals die Frau von Bruce Willis, die von einer berühmten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> Annie Leibovitz fotografiert worden war.<br>Eigentlich, so sagt Demi später im Interview, waren die Fotos ein privater Fotoshoot. Sie hatte das für sich und Bruce gemacht. Annie war eine Freundin der Familie und immer wieder mal zu Besuch gewesen und hatte ihre Kamera einfach immer dabei und so ergab sich einfach die Gelegenheit. Als sie gemeinsam die belichteten Fotos sichten, soll die Idee entstanden sein, die Bilder doch dem Vanity Fair Magazin anzubieten. Wäre es nicht großartig, wenn das das neue Titelblatt würde? Vanity Fair lässt sich darauf ein und man weiß schon, dass dieses Bild Kritik einfangen wird. Aber auch hier, wie schon damals bei dem Foto von Barbara, es lässt sich einfach nicht leugnen, es sind ästhetische Aufnahmen.</p>

<p>Hin und wieder kann man die Behauptung lesen, dass Annie Leibovitz hier eigentlich das Bild von Will MCBride, also &#8222;Barbara pregnant with Shawn&#8220;, zitiert hätte. Ah, ich weiß nicht. Für mich ist das ein ganz normaler Schwangerschaftsshot. Aber natürlich sind sich die Bilder wegen dem Aufschrei, den sie produziert haben, ähnlich. Wegen dem Tabubruch. Wegen den Nachahmerinnen und Nachahmern, die sich dann rausnahmen, was diese Bilder vorgemacht haben.<br>Denn nach Demi Moore gibt es kein Halten mehr. Die Kardashians, Mariah Carey, Beyoncé, Britney Spears, im Babybauch auf einem Cover zu posieren war plötzlich etwas Mögliches und, ich will nicht sagen selbstverständliches, aber doch auch nicht mehr überraschendes. In beiden Fällen war eine Tür aufgestoßen worden.<br>Ein Tabu wurde gebrochen, das eigentlich gar nicht hätte da sein sollen. Denn eine schwangere Frau ist nun wirklich nichts Besonderes, aber aus irgendeinem Grund war bis dahin selbstverständlich, dass Schwangerschaft nur für den privaten Gebrauch fotografiert wurde. Und die Frage, was ist privat, was ist öffentlich, was ist tabu, was darf gezeigt werden, wird in unserer Kultur regelmäßig verhandelt. Und da ist es auch eine Illusion, anzunehmen, dass es immer nach vorne geht; manchmal geht es auch rückwärts. Und so stellt sich die Frage, ob nicht doch irgendwann das Foto einer schwangeren Frau ein Skandal auslösen kann.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Leicht angeschmolzene Negative</title>
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            <pubDate>Sat, 17 Apr 2021 13:45:42 GMT</pubDate>
            <description>Robert Capa hieß eigentlich Endre Friedmann und als Gründungsmitglied von Magnum Photos und bedeutendsten Kriegsfotograf des letzten Jahrhunders hinterließ er tiefe Spuren im Medium.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Robert Capa hieß eigentlich Endre Friedmann und als Gründungsmitglied von Magnum Photos und bedeutendsten Kriegsfotograf des letzten Jahrhunders hinterließ er tiefe Spuren im Medium. In dieser Folge geht es um sein Leben und darum warum die Geschichte seines berühmtesten Fotos so nicht gewesen sein kann. Robert Capa (Wikipedia) Gerda Taro (Wikipedia) D-Day (Wikipedia) The Magnificent Eleven (Wikipedia) Debunking the Myths of Robert Capa on D-Day Der Soldat James Ryan (Wikipedia) Fotomenschen #7 – Dirk kleine Blonde (Podcast) HerStory – Gerda Taro (Podcast) Kriegsfotograf Robert Capa (Spiegel) Das Rätsel des unbekannten Soldaten (Spiegel) The falling soldier (Time – 100 Fotos) Transkript Von Anfang an schicken mir meine Hörerinnen und Hörer für den Fotomenschenpodcast Themenvorschläge und manchmal sind das Vorschläge für berühmte Fotografinnen und Fotografen. Und ein Name kam da überdurchschnittlich oft. [Einspieler] ( Robert Capa wird von mindestens 5 verschiedenen Stimmen gesagt) Ja, oder eigentlich Endre Friedmann. Und der ist eine schillernde Figur. Ein Mann, der unser Verständnis davon, was Reportagefotografie und Kriegsfotografie sind, wie kaum ein anderer geprägt hat. Und warum das so ist und was auch vielleicht nicht ganz so ist, wie es immer erzählt wird, das will ich mir heute anschauen. Wenige Fotografen sind so ikonisch wie Robert Capa . Und das hat natürlich eine ganze Reihe von Gründen. Ganz vorne ist da das Genre, das sich Robert gewählt hat. Er wurde bekannt für seine Kriegsfotografie . Das war längst nicht das einzige Genre, in dem Robert Capa unterwegs war, allerdings muss man zugeben: Für seine Reisereportagen oder die Fotostrecken über Kinder interessieren sich einfach wesentlich weniger Leute als für die berühmten Kriegsfotos aus dem Indochinakonflikt, dem Zweiten Weltkrieg oder dem Spanischen Bürgerkrieg. Dann kommt noch der Look, den Robert Capas Bilder haben. Er ist nicht der einzige, der diesen Look prägt, aber er ist einer der ersten. Und der Look ist von Technik getrieben. Die kleinen Messsucherkameras von Leica, Contax und anderen haben gerade ihre Blütezeit. Messsucherkameras im Vergleich zu allem, was man vorher hatte, sind klein, kompakt und können schnell und einfach überall hin mitgenommen werden. Und dadurch wird die Fotografie viel weniger geplant. Fotografie passiert jetzt. Im Geschehen. Und anders als mit den Kloppern, die Kameras vorher waren, sind die jetzt in Mode kommenden, kleinen Messsucherkameras so unauffällig, dass die Fotografierten oft gar nicht bemerken, dass sie festgehalten wurden. Das ganze fällt zusammen mit dem Aufkommen von immer schneller belichtbarem Film. Und der Blütezeit der Fotomagazine. Life, Time, wie sie alle heißen. Diese Magazine spielen eine Rolle, die später das Fernsehen haben wird. Sie sind das Fenster in die Welt für die Menschen. Und so geben Bildmagazine Unsummen aus, um die besten Fotostrecken, die besten Bildessays drucken zu können. Dritter technischer Baustein sind die verwendeten Objektive. Kleine Kameras verlangen nach kleinen Objektiven. Und deswegen sind die Objektive an Messsucherkameras eher weitwinklig. Und wer weit weg vom Geschehen ist, macht dann weniger eindrucksvolle Bilder. Robert Capa kann man alles vorwerfen, aber nicht, dass er nicht nah genug herangegangen wäre. Es gibt ein berühmtes Zitat von ihm, ist das Foto nicht gut genug, warst du nicht nah genug dran. Und seinen Bildern sieht man diese Philosophie an. Robert Capa trug seine Messsucherkameras in Kriegsgebiete und machte dann Fotos aus der Nähe, mitten in Kriegshandlungen. Das sind Aufnahmen, wie man sie zum Teil damals nie gesehen hatte. Bilder, die intensiv, emotional und dynamisch sind. Die uns aufrütteln. Bis heute. Diese Art der Fotografie ist zu der Zeit Robert Capas Mode und zieht sich quer durch alle Genres. So zieht ein Henri Cartier-Bresson durch Paris und hält mit ganz ähnlichen Methoden d</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p><a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> hieß eigentlich Endre Friedmann und als Gründungsmitglied von Magnum Photos und bedeutendsten <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotograf</a> des letzten Jahrhunders hinterließ er tiefe Spuren im Medium. In dieser Folge geht es um sein Leben und darum warum die Geschichte seines berühmtesten Fotos so nicht gewesen sein kann.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Capa" target="_blank">Robert Capa</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gerda_Taro" target="_blank">Gerda Taro</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Neptune" target="_blank">D-Day</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/The_Magnificent_Eleven" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Magnificent Eleven</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210620190512/https://petapixel.com/2019/02/16/debunking-the-myths-of-robert-capa-on-d-day/" target="_blank">Debunking the Myths of Robert Capa on D-Day</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Soldat_James_Ryan" target="_blank">Der Soldat James Ryan</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" "/posts/die-kleine-blonde.html" target="_blank">Fotomenschen #7 &#8211; Dirk kleine Blonde</a> (Podcast)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://herstorypod.de/podcast/gerda-taro-die-erste-kriegsreporterin/" target="_blank">HerStory &#8211; Gerda Taro</a> (Podcast)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/kriegsfotograf-robert-capa-berlin-in-der-stunde-null-a-b086849b-3d5c-4c9d-bbb6-fd53be455736" target="_blank">Kriegsfotograf Robert Capa</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/last-man-to-die-raetsel-um-kriegsfotografie-von-robert-capa-a-951037.html" target="_blank">Das Rätsel des unbekannten Soldaten</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210603162820/http://100photos.time.com/photos/robert-capa-falling-soldier" target="_blank">The falling soldier</a> (Time &#8211; 100 Fotos)</li></ul>

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<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>Von Anfang an schicken mir meine Hörerinnen und Hörer für den Fotomenschenpodcast Themenvorschläge und manchmal sind das Vorschläge für berühmte <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen. Und ein Name kam da überdurchschnittlich oft.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>(<a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> wird von mindestens 5 verschiedenen Stimmen gesagt)</p>

<p>Ja, oder eigentlich Endre Friedmann. Und der ist eine schillernde Figur. Ein Mann, der unser Verständnis davon, was <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportagefotografie</a> und <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografie</a> sind, wie kaum ein anderer geprägt hat. Und warum das so ist und was auch vielleicht nicht ganz so ist, wie es immer erzählt wird, das will ich mir heute anschauen.</p>

<p>Wenige Fotografen sind so ikonisch wie <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a>. Und das hat natürlich eine ganze Reihe von Gründen. Ganz vorne ist da das Genre, das sich Robert gewählt hat. Er wurde bekannt für seine <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografie</a>. Das war längst nicht das einzige Genre, in dem Robert Capa unterwegs war, allerdings muss man zugeben: Für seine Reisereportagen oder die Fotostrecken über Kinder interessieren sich einfach wesentlich weniger Leute als für die berühmten Kriegsfotos aus dem Indochinakonflikt, dem Zweiten Weltkrieg oder dem Spanischen Bürgerkrieg.</p>

<p>Dann kommt noch der Look, den Robert Capas Bilder haben. Er ist nicht der einzige, der diesen Look prägt, aber er ist einer der ersten. Und der Look ist von Technik getrieben. Die kleinen Messsucherkameras von Leica, Contax und anderen haben gerade ihre Blütezeit. Messsucherkameras im Vergleich zu allem, was man vorher hatte, sind klein, kompakt und können schnell und einfach überall hin mitgenommen werden. Und dadurch wird die Fotografie viel weniger geplant. Fotografie passiert jetzt. Im Geschehen. Und anders als mit den Kloppern, die Kameras vorher waren, sind die jetzt in Mode kommenden, kleinen Messsucherkameras so unauffällig, dass die Fotografierten oft gar nicht bemerken, dass sie festgehalten wurden.</p>

<p>Das ganze fällt zusammen mit dem Aufkommen von immer schneller belichtbarem Film. Und der Blütezeit der Fotomagazine. Life, Time, wie sie alle heißen. Diese Magazine spielen eine Rolle, die später das Fernsehen haben wird. Sie sind das Fenster in die Welt für die Menschen. Und so geben Bildmagazine Unsummen aus, um die besten Fotostrecken, die besten Bildessays drucken zu können.</p>

<p>Dritter technischer Baustein sind die verwendeten Objektive. Kleine Kameras verlangen nach kleinen Objektiven. Und deswegen sind die Objektive an Messsucherkameras eher weitwinklig. Und wer weit weg vom Geschehen ist, macht dann weniger eindrucksvolle Bilder. Robert Capa kann man alles vorwerfen, aber nicht, dass er nicht nah genug herangegangen wäre. Es gibt ein berühmtes Zitat von ihm, ist das Foto nicht gut genug, warst du nicht nah genug dran.</p>

<p>Und seinen Bildern sieht man diese Philosophie an. Robert Capa trug seine Messsucherkameras in Kriegsgebiete und machte dann Fotos aus der Nähe, mitten in Kriegshandlungen. Das sind Aufnahmen, wie man sie zum Teil damals nie gesehen hatte. Bilder, die intensiv, emotional und dynamisch sind. Die uns aufrütteln. Bis heute. Diese Art der Fotografie ist zu der Zeit Robert Capas Mode und zieht sich quer durch alle Genres. So zieht ein Henri Cartier-Bresson durch Paris und hält mit ganz ähnlichen Methoden die Absurditäten des Alltags fest.</p>

<p>Und dann ist die Berühmtheit Robert Capas natürlich auch noch ein Ergebnis von hervorragender Vermarktung. Und die Vermarktung nahm Robert Capa selbst in die Hand. 1947 gründet er zusammen mit 6 anderen <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen die ikonische Pressebildargentur Magnum Photos und macht damit einige der talentiertesten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen der damaligen Zeit unabhängig von den großen Bildmagazinen. Besagter Henri Cartier-Bresson ist zum Beispiel eines der Gründungsmitglieder und Robert Capa wird später auch Director von Magnum Photos sein und damit alle Hebel in der Hand halten, um sein eigenes Image in der Öffentlichkeit auszugestalten. Ungewöhnlich mutig, außerhalb der Fotografie allerdings wenig diszipliniert, ein bisschen augenzwinkernd, gerne mal einen über den Durst trinkend, spontan draufgängerisch, also genau die Art Mann, die sich spontan und freiwillig zu Kriegseinsätzen meldet, um der Welt Fotos über diese Erfahrung zu schicken.</p>

<p>Über diesen Mythos ist der echte Robert Capa kaum noch wiederzuerkennen. Und das liegt unter anderem auch daran, dass praktisch alles Biografische, was über Robert Capa bekannt ist, aus seiner eigenen Feder oder von Mitgliedern der von seiner eigenen Familie gegründeten Stiftungen und Unternehmen stammt. Man muss also oft seine Bilder für sich sprechen lassen und das sind dann dynamische Aufnahmen mit großartigem Gespür für Komposition, einem Anspruch für Authentizität und dem Bedürfnis, Menschen darzustellen.</p>

<p>Robert Capa kommt als Endre Friedmann 1918 in Ungarn auf die Welt. Endre ist politisch sensibel und als Aktivist an politischen Protesten in Ungarn beteiligt und muss deswegen im Sommer 1931 das Land verlassen. In Berlin will er Journalismus studieren und bessert sich seine Finanzen bei der Bildagentur Dephot als Assistent auf. Dort lernt er das Handwerk, das er dann als er nochmal, diesmal vor dem Hitlerregime fliehen muss, in Paris zum Einsatz bringt, um sich dort seinen Lebensunterhalt zu verdienen.</p>

<p>Paris ist zu der Zeit ein Schmelztiegel der Intelligenzija. In Europa wird damals aus Sicht der Intellektuellen der Welt ein großer Kampf ausgetragen, Faschismus gegen Freiheit, und so kommen Aktivisten, Journalisten und Künstler von überall her nach Europa. In Paris kennt Endre dann Gerta Pohorylle kennen. Auch sie ist Flüchtling aus Deutschland und versucht, sich in Paris mit Schreibarbeiten und Vermittlungsarbeiten über Wasser zu halten. Die beiden haben einen überlappenden Freundeskreis und durch ihre Arbeit bei einer Bildagentur kann Gerta Endre helfen, Aufträge zu ergattern. Die beiden werden ein Paar und Endre bringt Gerta bei, zu fotografieren.</p>

<p>Die Pariser der 30er Jahre sind nicht gerade begeistert von so vielen Fremden in der Stadt und Gerta und Endre merken das an den Preisen, die sie erzielen können. Und so hat Gerta eine Idee. Sie schlägt vor, in Zukunft die Fotografie der beiden unter einem Künstlernamen zu vermarkten. Sie würde als Agentin des berühmten amerikanischen Fotografen Robert Capa auftreten. Und die beiden sind hochgradig erfolgreich.</p>

<p>Schon der Anfang Robert Capas Karriere ist also ein einziger Mythos. Eine große Geschichte mit einer großen, tragischen Liebe. In Folge 7 mit dem Titel &#8222;Die kleine Blonde&#8220; habe ich diese Geschichte schon mal etwas ausführlicher erzählt. Sie endet leider damit, dass Gerta bei den Kriegshandlungen, die sie dokumentiert, ums Leben kommt. Und wer weiß, welchen Weg Robert eingeschlagen hätte, wenn das nicht passiert wäre.</p>

<p>Aus dieser Zeit, dem Spanischen Bürgerkrieg, gibt es ein Foto, das heute in Rückschau eines der berühmtesten Bilder von Robert Capa ist. Der gefallene Soldat. Es zeigt angeblich einen Soldaten in dem Augenblick, in dem eine Kugel sein Herz trifft. Und schon um dieses Bild dreht sich eine Kontroverse. Es ist nicht klar, ob es überhaupt den Tod eines Soldaten zeigt, ob es nicht bei einer Übung statt in Kampfhandlung aufgenommen wurde und auch der Ort, an dem es angeblich gemacht wurde, wurde immer wieder mal infrage gestellt und obendrein gibt es auch noch Menschen, die Zweifel anmelden, ob dieses Bild nicht eigentlich von jemand anders als Robert gemacht wurde.</p>

<p>Für mich spielt das alles eigentlich gar keine Rolle. Denn die Tatsache bleibt, dass dieses Bild bis heute die Menschen beschäftigt, bis heute die Gemüter erhitzt. Und es einen Krieg vermenschlicht, der bis dahin sehr abstrakt und weit entfernt war.</p>

<p>Am Ende des spanischen Bürgerkriegs ist Robert Capa ein berühmter Kriegsfotograf. Aber Kriege ist nicht das einzige, das er fotografiert. Zwar zieht er erstmal vom spanischen Bürgerkrieg weiter nach China, wo die Japaner gerade damit beschäftigt sind, das Reich zu überfallen, aber er macht auch eine <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a> über Waisenkinder, eine andere über die Tour de France und eine Reihe von Fotoessays über die Arbeiterklasse in Belgien.</p>

<p>Inzwischen hat es ihn nach England verschlagen. Dort arbeitet er als Korrespondent für Life Magazine und für diverse andere große Publikationen. Und da ist er auch, als die Alliierten endgültig in den Zweiten Weltkrieg eintreten. D-Day. Die berühmte Landung an der Normandie. Life Magazine schickt den damals berühmtesten Kriegsfotografen seiner Zeit los, Robert Capa. Vielleicht hat er sich auch freiwillig gemeldet. Sicher ist: Wer da die ersten Fotos liefern kann, hat es geschafft. Der Strand, an dem die Truppen landen würden, trug den Codenamen &#8222;Omaha Beach&#8220; und die Deutschen erwarteten diesen Angriff. Sie hatten den gesamten Küstenabschnitt befestigt. Überall waren Bunker, im Wasser waren riesige Stahlungetüme, um zu verhindern, dass man direkt anlanden konnte, das ganze Ding war eine Todesfalle.</p>

<p>Robert Capa hatte mindestens zwei, wahrscheinlich sogar mehr Kameras dabei. Er landete mit den Truppen an. In einem der ganz regulären Truppentransporter. Und für die Geschehnisse, die ich jetzt gleich kurz beschreiben werde, gibt es im Wesentlichen zwei Quellen: Nämlich einmal Robert Capa selbst, der 1947 eine kurze Biografie namens &#8222;Slightly out of focus&#8220; herausgibt und da drin eben genau diesen Tag beschreibt und John Morris, der als Bildeditor bei Life an diesem Tag dafür zuständig ist, die Bilder von Robert Capa entgegenzunehmen, zu entwickeln und von London in die USA zu schicken, damit sie in der nächsten Ausgabe von Life Magazine zusammen mit einer <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a> erscheinen können.</p>

<p>Es ist der 6. Juni 1944. Das Wetter ist nicht ideal, sagen wir mal so. Es herrscht hoher Seegang und macht die Anlandung der Truppen zusätzlich schwer. Wer den Film &#8222;Der Soldat James Ryan&#8220; gesehen hat und dort die Einstiegsszene, der kann sich wahrscheinlich ganz gut vorstellen, wie das gewesen sein muss. Die alliierten Truppen dringen so weit sie können an den Strandabschnitt vor, während im Hinterland ein Luftangriff für Verwirrung sorgen soll. Je nachdem, an welchem Strandabschnitt man da in dieser ersten Welle landet, hat man mit viel oder mit sehr viel Gegenfeuer zu kämpfen. Und die ersten Soldaten, die es nach vorne schaffen, haben einen Auftrag, nämlich die Stahlbarrieren wegzusprengen, die da im Weg liegen.</p>

<p>Robert Capa ist bei dieser allerersten Welle mit dabei. Kurz, bevor sich das Tor zum Strand öffnet, befreit er seine Contax 2 Kameras von ihrem Wasserschutz und fängt an, Fotos zu machen. Das Tor öffnet sich und er fotografiert darauf los. Ein hinter ihm stehender Soldat vermutet in ihm einen Kameraden mit plötzlicher Panikattacke und stößt ihn beherzt ins Wasser. Robert Capa schafft aber, seine Kamera über Wasser zu halten und ans Ufer zu kommen, wobei er immer wieder fotografiert. Zusammen mit einigen anderen nimmt er Deckung. Er knipst von beiden Kameras beide Filme voll. Als er seine Kamera nachladen will, zittern seine Hände so stark, dass er dazu nicht in der Lage ist und er macht sich auf den Weg zu dem Schiff, das ihn wieder zurückbringen soll.</p>

<p>90 Minuten wird er an dem Strand verbracht haben und auf dem Weg zurück entstehen Aufnahmen von Sanitätern, die verwundete Soldaten versorgen.</p>

<p>Wieder in London müssen die Fotos so schnell wie möglich ins Büro von Life Magazine kommen. Capa schickt 4 Rollen Film los an das Büro von Life in London. Der Bildeditor John Morris kaut sich schon die Nägel nach diesen Bildern ab. Die Welt wartet auf die Reportage mit den Fotos von der Landung in der Normandie. Und die Zeit drängte, denn die Bilder konnten nicht in London bleiben, sondern mussten noch in die USA verschickt werden. Der Kurier braucht so ein bisschen und so wird es 6 Uhr abends, bevor die Filme im Labor ankommen.</p>

<p>John Morris macht Druck. Er muss die Bilder ja auch noch sehen und auswählen, er möchte Kontaktabzuge haben, das Labor soll sich beeilen. Er selbst erzählt das so:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;So I told the dark room to rush, rush development so can have contacts for editing.&#8220;</p>

<p>Er hat Stress gemacht. Schnell solls gehen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;A few minutes later, an almost hysterical young lad named Dennis Banks came rushing into my office, saying: &#8218;John, the films are ruined!'&#8220;</p>

<p>Wenige Minuten später stürmt ein praktisch hysterischer Laborassistent namens Dennis Banks in John Morris Büro und schreit: &#8222;Die Filme sind ruiniert! Sie sind ruiniert!&#8220;</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;I said, &#8218;what do you mean&#8216;, he said, you were in such a hurry that I put them in the locker to dry, which was normal, but closed the doors and there was too much heat and the emultion ran&#8220;</p>

<p>Die Filme wären zum Trocknen in ein Trockengerät gepackt worden, sagt er, und er hatte die Tür geschlossen, versehentlich, und die Hitze war zu hoch eingestellt und daraufhin sind die Filme geschmolzen. Morris stürmt los. Die vielleicht wichtigsten Fotos seiner Karriere ruiniert? Er findet noch eine Rolle mit verwertbaren Fotos. 11 Bilder sind da drauf. Und diese Bilder sind dann die Bilder, die Life Magazine dann später drucken wird. Bilder, die wegen der Hitze etwas verwaschen und körniger aussehen und deswegen, da ist sich irgendwie jeder einig, auch dynamischer wirken.</p>

<p>Es sei ja ein Zettel mit dabei gewesen mit ein paar Notizen für die Aufnahmen und die sind dann die Grundlage für das Life Magazine, entsprechende Bildunterschriften zu drucken. Da ist ein Bild, in dem sich Soldaten vor feindlichem Feuer hinter den Stahlbarrikaden verbarrikadieren. Oder ein anderes Bild, in dem man einen Soldaten ans Ufer schwimmen sieht. Alle sind sich einig, dass Robert Capa unglaublichen Mut bewiesen hat, indem er vor diesen Soldaten geschwommen ist, um dieses Bild zu machen und schnell ist auch der Soldat identifiziert, der da drauf angeblich zu sehen ist.</p>

<p>Und ist das nicht eine großartige Geschichte? Das ist ziemlich genau die Geschichte, wie ich sie bisher immer wieder gehört und gelesen habe. Ich habe mir hier mal den Spaß gegönnt, loszuziehen und alle Bücher zusammenzutragen, in denen Fotos von der Normandie zusammen mit dieser Geschichte abgedruckt sind. Und ich habe inzwischen 6 Versionen von dieser Geschichte hier in meiner kleinen Minibibliothek gefunden. Plus die Variante von Robert Capa selbst in &#8222;Slightly out of Focus&#8220;, die ich als Hörbuch habe und die Interviews von John Morris. Hammer. Nur sehr wahrscheinlich so nicht ganz richtig.</p>

<p>Über 70 Jahre lang wird diese Geschichte so erzählt. Und nie ist jemandem etwas sehr offensichtliches aufgefallen: Wie viel Hitze eigentlich notwendig ist, um Filme zu schmelzen. Aber bevor wir dazu kommen; fangen wir doch mal ganz von vorne an. Wie viele Ungereimtheiten tauchen in dieser Geschichte auf, wenn man sie sich genau anschaut?</p>

<p>Der Fotograf, Autor und Journalist A. D. Coleman hat sich vorgenommen, diesen Mythos mal auf Herz und Nieren zu prüfen und hat darüber eine ganze Reihe an Artikeln geschrieben. Es fängt damit an, dass er die Beobachtung aufstellt, dass diese Geschichte ausschließlich von Leuten erzählt wird, die keine Dunkelkammererfahrung haben. Es stellen sich nämlich ein paar Fragen. Das geht schon damit los, dass John Morris behauptet, dass die gesamte Entwicklung- und Trockenaktion wenige Minuten gedauert hätte. Es geht aber dann mit dem angeblichen Unfall gleich weiter. Da sei es ja so gewesen, dass diese Trockenkammer aus Versehen geschlossen worden sei und dann zu heiß wurde, da tauchen mehrere Fragen auf:</p>

<p>Frage Nummer eins: Ja, solche Kammern sind eigentlich immer geschlossen, weil Filme, die feucht sind, Staub anziehen. Und genau das gilt es zu verhindern. Und dann ist es auch so, dass diese Kammern jetzt nicht gerade astronomisch heiß werden, denn es geht ja nur darum, Feuchtigkeit zu trocknen. Da ist keine Herdplatte darin. Ich habe hier übrigens obendrein noch ein kleines Experiment gemacht und Kodakfilm auch eine glühende Herdplatte gelegt und ich kann sagen: Die angeblich so behandelten Filme, die ja dann gar kein Bild mehr gezeigt haben sollen, na ja, das kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Weil Film schmilzt zwar und verzieht sich auch, aber ich konnte hier auf meinen Negativen nach wie vor Bilder sehen. Und zwar ordentlich. Gut, in den 40er Jahren waren die Filme vielleicht anfälliger, was weiß denn ich, aber ich glaube auch, dass meine Ceranherdplatte etwas heißer ist als das Heizelement, das üblicherweise zum Trocknen von feuchtem Film verwendet wird. Also wie heiß soll das denn bitte da drin gewesen sein, dass in wenigen Minuten 4 Rollen Film ruiniert sind?</p>

<p>An anderer Stelle wird dann auch gesagt, dass die Emulsion sich zusammengezogen hätte und deswegen sieht man an den Negativen, dass die Stanzungen mit in den belichteten Teil hereinragen. Das wäre so ein Beweis für die Hitze, die da gewirkt hat. Stimmt auch nicht. Kontakts 2 Kameras waren dafür bekannt, dass die ausgeleuchtete Kammer etwas in den Rand hineinragte, das heißt, Fotos, die mit diesen Kameras gemacht wurden, sahen eigentlich immer so aus.</p>

<p>Von da ausgehend stellte sich Coleman die Frage, was eigentlich noch seltsam an dieser Geschichte sein könnte. Und da tauchen auch mehrere Dinge auf. Die erste Frage, die einem in den Sinn kommt, ist: Warum genau wurden die Filme eigentlich per Kurier verschickt? Wenn Robert Capa doch nach London zurückkehrte, warum hat er diese Filme nicht selbst zum Entwickeln gebracht? Und wie kann es eigentlich sein, dass es Filme von vor der Landung und nach der Landung gibt, die völlig unproblematisch entwickelt worden waren? Nur die Rollen von der Landung selbst sollen ein Problem gehabt haben?</p>

<p>Und mit diesen Fragen im Kopf hat sich dann Coleman mit den Fotos näher auseinandergesetzt und versucht, den Ort zu identifizieren, an dem Robert Capa an Land gegangen ist. Seiner eigenen Schilderungen nach ist er praktisch mitten im Kampfgeschehen angelandet, gleich um 6:30. Und das kann nach Coleman eigentlich nicht sein. Es gibt mindestens ein Bild, auf dem kann man anhand sichtbarer Erkennungsmarken identifizieren, wer auf dem Foto abgebildet ist. Und die Soldaten, die dort abgebildet sind, sind weder um 6:30 angelandet, noch war es der hart umkämpfte Strandabschnitt, den Robert Capa angeblich besucht haben will. Stattdessen war es ein eher ruhiger Abschnitt. Also, ruhiger, nicht unbedingt ungefährlich, aber doch nicht so hart umkämpft wie die anderen Bereiche. Und die Leute, die angeblich laut Life Magazine Bildunterschrift hinter einem Stahlgerüst in Deckung gehen, sind auch keine Soldaten, die dort in Deckung gehen, sondern Soldaten mit dem Auftrag, diese Stahlgerüste wegzusprengen, das heißt, die sind da absichtlich und bringen Sprengladungen an. Damit ist natürlich auch der einzelne Soldat, den Robert Capa in dem berühmtesten dieser 11 Fotos aufgenommen hat und von dem man glaubte, zu wissen, wer es ist, jemand ganz anderes gewesen.</p>

<p>Fassen wir also zusammen: Es sieht so aus, als wäre Robert Capa später als angegeben und an einer anderen Stelle als behauptet zur action an Omaha Beach zugestoßen. Da war die erste Welle schon vorbei. Da waren die größten Kampfhandlungen wahrscheinlich schon erledigt. Und obendrein war es ein Stück vom Strand, an dem weniger Gegenfeuer zu erwarten war. Den Dunkelkammerunfall hat es womöglich so nie gegeben.</p>

<p>Stellt sich nur die Frage, warum John Morris das denn behauptet, da hilft es, zu wissen, dass John Morris selber eigentlich keine Ahnung hat, was so ein Fotolabor alles macht. Also entweder ist irgendein Unfall passiert und er gibt es falsch wieder, oder womöglich hat Robert Capa nie 4 Rollen Film produziert, sondern einfach nur 10 Mal abgedrückt und danach in Panik das Schiff zurückgenommen und deswegen hat John Morris einen Mythos erfunden. Vielleicht war es auch ganz anders. Die Unternehmen aber, die an dem Mythos, dem Ruhm und natürlich auch dem finanziellen Wert des Mythos Robert Capa arbeite, also Magnum Photos oder auch das international Center of Photography oder die Capa Stiftung, die haben alle kein Interesse daran, dabei zu helfen, diese Fragen abschließend aufzuklären. Denn dieser Mythos wird jedes Mal, wenn D-Day in ein rundes Jubiläum geht, aufs neue wieder und wieder erzählt.</p>

<p>Und diese Bilder sind eindrücklich. Und ähnlich wie vorhin bei dem Bild des gefallenen spanischen Soldaten denke ich mir auch hier: Es ist eigentlich egal. Klar, mit journalistischer oder dokumentarischer Ethik hat diese Anekdote wahrscheinlich nicht viel zu tun. Aber die Wahrheit ist: Diese Soldaten, die in diesen Aufnahmen gezeigt werden, haben ihr Leben an Omaha Beach riskiert. Capa hat sein Leben dort riskiert, auch wenn er es vielleicht nicht ganz so sehr riskiert hat, wie der Mythos uns glauben machen will.</p>

<p>Die Bilder sind eindrücklich, auch heute noch. Sie sind übrigens auch unscharf. Nehmt das, ihr Schärfefanatiker da draußen! Und ob die Unschärfe nun, wie er selbst in seiner Biografie schreibt, durch seine zitternden Hände zustande gekommen ist oder durch einen Laborunfall, ist doch eigentlich auch völlig egal.</p>

<p>Was bleibt, ist allerdings trotzdem die Feststellung: An Robert Capa ist praktisch nichts echt. Der Name ist erfunden, der Spanische Soldat kommt mit einer Menge Fragezeichen daher, die D-Day Fotos sind anders entstanden, als uns erzählt wird und für mich werfen sich damit Fragen auf, wie wer war Robert Capa eigentlich wirklich und wie oft schauen wir uns Bilder an, von denen wir glauben, zu wissen, was sie zeigen, die mit der Wirklichkeit nicht ganz so viel zu tun haben, oder anders formuliert: Was schauen wir uns beim Blick auf die Fotos vom D-Day an? Unsere eigenen Überzeugungen, Robert Capas Bildgestaltung oder ein Abbild der Wirklichkeit?</p>

<p>Robert Capas Werk ist sehr real. Es sind großartige Aufnahmen aus den verschiedensten Kontexten und er ist für mich ein gutes Beispiel, wie Fotografinnen und Fotografen manchmal auf ein oder zwei Dinge reduziert werden.</p>

<p>Nach dem Krieg wird Robert Capa amerikanischer Staatsbürger. 1947 kommen seine Kriegsmemoiren &#8222;Slightly out of focus&#8220;, eine Anspielung auf die zitternden Hände, die seiner Aussage nach für die Unschärfe in den D-Day Fotos verantwortlich war, auf den Markt und wird ein Bestseller. Er gründet Magnum Photos und lässt es erstmal etwas ruhiger angehen. Reisebücher, Sozialreportagen und dazwischen immer wieder wichtige Fotoessays. Er besucht Israel, wo er die dortige Unabhängigkeitsbewegung und dann die Flüchtlingsströme dokumentiert.</p>

<p>Er ist in Japan, um dort eine Reportage über Kinder zu machen, als ihm von Life Magazine ein Auftrag angetragen wird: Er soll einspringen. Ein Fotograf war ausgefallen, der in Indochina den dort herrschenden Krieg dokumentieren sollte und Capa wurde gefragt, ob er nicht dafür verfügbar wäre. Es ist sein letztes Assignment. Bei dem Versuch, eine Gruppe Soldaten beim Vormarsch zu fotografieren, tritt er auf eine Landmine.</p>

<p>Das war nun also meine Folge zu den D-Day Fotos von Robert Capa. Und in vielerlei Hinsicht ist diese Episode eine Art Fortsetzung von Folge 7, &#8222;Die kleine Blonde&#8220;, in der ich die Geschichte von <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a> erzählt habe, ohne die uns der Name Robert Capa nie untergekommen wäre. Der Mann ist ein Mythos und die Figur, die wir mit Robert Capa verbinden, existiert so nicht. Und die Geschichten, die an seinen Bildern hängen, zum Teil auch nicht.&nbsp;</p>

<p>Was bleibt, ist ein Bildstil, den Robert Capa geprägt hat. Eine Branche, die er nicht zuletzt durch die Gründung von Magnum Photos uneinholbar verändert hat. Politische Bewegungen, die er zum Teil mit seinen fantastischen Fotografien ausgelöst hat. Und ein Talent für Fotos, die uns bis heute berühren können. &#8222;Ist es nicht gut genug, bist du nicht nah genug dran&#8220;. Das ist das berühmte Zitat von ihm. An ihn selbst kommt man allerdings nur sehr sehr schwer.&nbsp;</p>]]></content:encoded>
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            <title>Der Schattenfänger</title>
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            <pubDate>Sat, 10 Apr 2021 18:50:38 GMT</pubDate>
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            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera „Shadow Catcher“ nannten die amerikanischen Ureinwohner den Mann der 30 Jahre in das ambitionierteste Fotoprojekt seiner Zeit, vielleicht aller Zeiten investierte und versuchte die Kultur und Bräuche sämtlicher noch erreichbarer Stämme zu dokumentieren. Seine Lebensgeschichte ist turbulent und brachte ihn mit den Großen seiner Zeit zusammen. Wax cylinder recordings of Native American musical traditions (Indiana University) Kikisoblu [Prinzessin Angeline] (Wikipedia) Edward S. Curtis (Wikipedia) Princess Angeline or Kikisoblu, daughter of Chief Seattle, dies on May 31, 1896 . (HistoryLink) Seattle (Wikipedia) YES! Magazine: Recordings help bring Native songs to life Die Indianerbilder des Edward Curtis (FAZ) ~ The North American Indian ~ (Edward S. Curtis, Fotografien aus der Pierpont Morgan Stiftung) Railroad Development in the Seattle/Puget Sound Region, 1872-1906 Annals of old Angeline (Washington State Library) Edward S. Curtis and The North American Indian, Spring-Summer 2018: Snake Dancer Edward S. Curtis: Enduring Legacy (THE GALLERY OF PHOTOGRAPHIC HISTORY) THE NORTH AMERICAN INDIAN (Curtis Legacy Foundation) Dieses Video auf YouTube ansehen Die Indianer Nordamerikas. Die kompletten Portfolios Short Nights of the Shadow Catcher: The Epic Life and Immortal Photographs of Edward Curtis Transkript Wir befinden uns an der Westküste der USA. Die Stadt Seattle war nach einem Indianerhäuptling benannt worden. Beziehungsweise von dem Namen eines Indianerhäuptlings inspiriert benannt worden. Denn der eigentliche indianische Name war den meisten zu schwer auszusprechen. Seattle war da deutlich einfacher. Die Pazifikküste war erst vor kurzen an das amerikanische Eisenbahnnetz angeschlossen worden. Und damit hatten sich die Tore geöffnet. Weiße Einwanderer und Siedler konnten endgültig auch den bis dahin wilden und ungezähmten pazifischen Nordwesten erobern. Wobei, ganz so ungezähmt war der Nordwesten nicht. Da hatte es ja schon Ureinwohner gegeben. Und die gab es immer noch. Wir sind allerdings in einer Zeit, in der der Rote Mannn sich nach und nach der Übermacht des Weißen Mannes gebeugt hatte. Eine ganze Reihe von Verträgen waren abgeschlossen worden. Man hatte den ursprünglichen Einwohnern des Landes Gebiete zugewisen, in die sie sich zurückzuziehen hatten. Nicht notwendiger Weise immer die besten Gebiete möchte man hinzufügen. Es ist jedenfalls diese Eisenbahnverbindung, bei der unsere Geschichte anfängt. Denn sie ist es, die den jungen Edward Curtis damals 17 Jahre alt vom fernen Wisconsin nach Seattle bringt. Sein Vater war Bürgerkriegsveteran mit nicht mehr allzu guter Gesundheit und ein evangelikaler Prediger. Man könnte also die Curtis Familie als bettelarm bezeichnen. Und deshalb stand auch nach der sechsten Klasse für den jungen Edward nicht mehr Schulbildung auf dem Programm, sondern die Aufgabe der Familie dabei zu helfen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der Umzug nach Seattle war mit der Hoffnung verbunden hier vielleicht sein Glück machen zu können. Hier gab es noch unzugewiesenes Land. Man konnte sich ein Grundstück zuweisen lassen. Und wenn man Glück hatte, war das genug für einen Neustart. Edward war schon in sehr jungen Jahren immer mit seinem Vater unterwegs gewesen, um die verschiedenen Gläubigen in seiner Gemeinde zu besuchen. Und hatte so gelernt, wie man unter freiem Himmel und mit nichts als dem, was die Natur einem bot, über die Runden kam. Die Familie Curtis hatte also nicht viele Gegenstände umzuziehen. Aber einer der Gegenstände, die sie umzog, war das Objektiv, das der Vater aus dem Krieg mitgebracht hatte. Edwards Vater selber war kein Fotograf. Und das Objektiv-? Wer weiß schon, wo dieses Objektiv aufgesammelt worden war? Aber Edward war schon als Teenager fasziniert von der Möglichkeit vielleicht Bilder aufzeichnen zu können. Und hatte sich mithilfe eines Buches „ Wilson ‘s Photographics“ eine eigene Kamera gebaut.</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>&#8222;Shadow Catcher&#8220; nannten die amerikanischen Ureinwohner den Mann der 30 Jahre in das ambitionierteste Fotoprojekt seiner Zeit, vielleicht aller Zeiten investierte und versuchte die Kultur und Bräuche sämtlicher noch erreichbarer Stämme zu dokumentieren. Seine Lebensgeschichte ist turbulent und brachte ihn mit den Großen seiner Zeit zusammen.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20240316004849/https://mdpi.iu.edu/collections/edward-s-curtis.php" target="_blank">Wax cylinder recordings of Native American musical traditions</a> (Indiana University)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kikisoblu" target="_blank">Kikisoblu [Prinzessin Angeline]</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Curtis" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Edward S. Curtis</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20070311041200/http://www.washington.historylink.org/essays/output.cfm?file_id=2493" target="_blank">Princess Angeline or Kikisoblu, daughter of Chief Seattle, dies on May 31, 1896</a>. (HistoryLink)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Seattle" target="_blank">Seattle </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://indianz.com/News/2019/12/24/yes-magazine-recordings-help-bring-nativ.asp" target="_blank">YES! Magazine: Recordings help bring Native songs to life</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.faz.net/aktuell/wissen/archaeologie-altertum/die-indianerbilder-des-edward-curtis-17031382.html" target="_blank">Die Indianerbilder des Edward Curtis</a> (FAZ)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="http://webdoc.sub.gwdg.de/ebook/ga/2004/curtis/html/einleitung.htm" target="_blank">~ The North American Indian ~</a> (Edward S. Curtis, Fotografien aus der Pierpont Morgan Stiftung)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.historylink.org/File/1683" target="_blank">Railroad Development in the Seattle/Puget Sound Region, 1872-1906</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.sos.wa.gov/legacy/images/publications/sl_venenannals/sl_venenannals.pdf" target="_blank">Annals of old Angeline</a> (Washington State Library)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://pitt.libguides.com/edwardcurtis-allabouttheland/snakedancer" target="_blank">Edward S. Curtis and The North American Indian, Spring-Summer 2018: Snake Dancer</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://robc224.wordpress.com/2020/08/07/edward-s-curtis/" target="_blank">Edward S. Curtis: Enduring Legacy</a> (THE GALLERY OF PHOTOGRAPHIC HISTORY)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.curtislegacyfoundation.org/the-north-american-indian" target="_blank">THE NORTH AMERICAN INDIAN</a> (Curtis Legacy Foundation)</li></ul>

<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=czjvrXSoSaU" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf YouTube ansehen</a></p>
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<p><a href="https://www.amazon.de/dp/3836550539" target="_blank" rel="noopener">Die Indianer Nordamerikas. Die kompletten Portfolios</a></p>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/0544102762" target="_blank" rel="noopener">Short Nights of the Shadow Catcher: The Epic Life and Immortal Photographs of Edward Curtis</a></p>

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<p>Transkript</p>

<p>Wir befinden uns an der Westküste der USA. Die Stadt Seattle war nach einem Indianerhäuptling benannt worden. Beziehungsweise von dem Namen eines Indianerhäuptlings inspiriert benannt worden. Denn der eigentliche indianische Name war den meisten zu schwer auszusprechen. Seattle war da deutlich einfacher. Die Pazifikküste war erst vor kurzen an das amerikanische Eisenbahnnetz angeschlossen worden. Und damit hatten sich die Tore geöffnet. Weiße Einwanderer und Siedler konnten endgültig auch den bis dahin wilden und ungezähmten pazifischen Nordwesten erobern. Wobei, ganz so ungezähmt war der Nordwesten nicht. Da hatte es ja schon Ureinwohner gegeben. Und die gab es immer noch. Wir sind allerdings in einer Zeit, in der der Rote Mannn sich nach und nach der Übermacht des Weißen Mannes gebeugt hatte. Eine ganze Reihe von Verträgen waren abgeschlossen worden. Man hatte den ursprünglichen Einwohnern des Landes Gebiete zugewisen, in die sie sich zurückzuziehen hatten. Nicht notwendiger Weise immer die besten Gebiete möchte man hinzufügen.</p>

<p>Es ist jedenfalls diese Eisenbahnverbindung, bei der unsere Geschichte anfängt. Denn sie ist es, die den jungen Edward Curtis damals 17 Jahre alt vom fernen Wisconsin nach Seattle bringt. Sein Vater war Bürgerkriegsveteran mit nicht mehr allzu guter Gesundheit und ein evangelikaler Prediger. Man könnte also die Curtis Familie als bettelarm bezeichnen. Und deshalb stand auch nach der sechsten Klasse für den jungen Edward nicht mehr Schulbildung auf dem Programm, sondern die Aufgabe der Familie dabei zu helfen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der Umzug nach Seattle war mit der Hoffnung verbunden hier vielleicht sein Glück machen zu können. Hier gab es noch unzugewiesenes Land. Man konnte sich ein Grundstück zuweisen lassen. Und wenn man Glück hatte, war das genug für einen Neustart. Edward war schon in sehr jungen Jahren immer mit seinem Vater unterwegs gewesen, um die verschiedenen Gläubigen in seiner Gemeinde zu besuchen. Und hatte so gelernt, wie man unter freiem Himmel und mit nichts als dem, was die Natur einem bot, über die Runden kam. Die Familie Curtis hatte also nicht viele Gegenstände umzuziehen. Aber einer der Gegenstände, die sie umzog, war das Objektiv, das der Vater aus dem <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> mitgebracht hatte. Edwards Vater selber war kein Fotograf. Und das Objektiv-? Wer weiß schon, wo dieses Objektiv aufgesammelt worden war? Aber Edward war schon als Teenager fasziniert von der Möglichkeit vielleicht Bilder aufzeichnen zu können. Und hatte sich mithilfe eines Buches „<a "/posts/das-u-boot-von-loch-ness.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="30" title="Das U-Boot von Loch Ness">Wilson</a>‘s Photographics“ eine eigene Kamera gebaut. Die funktionierte allerdings mehr schlecht als recht. So blieb das Hobby nicht hängen. Damals, als er als 14-Jähriger die Schule verlassen hatte und in Wisconsin bei der lokalen Eisenbahngesellschaft anheuerte, um Schienen zu verlegen, hatte er dann sowieso erstmal anderes im Sinn. Aber in Seattle da ging ihm dieses Objektiv und das, was er aus dem Buch gelernt hatte nicht mehr aus dem Kopf. Seattle war eine Stadt im Aufschwung. Neuer Reichtum durch die Eisenbahnverbindungen und den Goldrausch brachte die moderne Technik und den Fortschritt in die Stadt. Eine der großen Dinge der Zeit war die Fotografie. Am anderen Ende des Kontinents schickte sich zum Beispiel ein junger <a "/posts/kodak-momente.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="27" title="Kodak-Momente">George Eastman</a> gerade an mit <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> eines der einflussreichsten Unternehmen der Menschheitsgeschichte zu gründen. Für Edward stand allerdings anderes in den Karten. Sein Vater hatte immer davon geträumt eine Ziegelbrennerei zu eröffnen. Und Edward ernährte die Familie hauptsächlich durch Fischerei. 15 Kilo konnte ein Lachs aus der Region werden. Damit konnte man eine Weile lang essen. Wenn er nicht fischte, übernahm er Hilfsarbeiten oder sammelte Beeren.</p>

<p>Sein Vater war seit zwei Jahren tot, aber Edward arbeitet sich Stück für Stück nach oben. Und seine Familie mit ihm. Es war ein schwerer Unfall, der diesen Plan zum Halten brachte. Ein Sturz verletzte ihn an der Wirbelsäule. Und über ein Jahr war der 22-Jährige energiegeladene gut aussehende Edward Curtis plötzlich an das Bett gefesselt. Für seine Familie war das eine Katastrophe. Aber die Siedler damals hielten zusammen. Die Einwohner in der Region kannten sich untereinander. Und so passieren in diesem Jahr zwei Dinge. Erstens Edward lernt seine zukünftige Frau kennen. Clara Phillips. Die 16-Jährige kommt ihn regelmäßig besuchen und hilft der Familie aus. Clara kommt von einer weitgereisten Familie. Sie war in Kanada, in Pennsylvania und war belesen. Edward war fasziniert. Er teilt seine Ideen mit ihr. Sie hört ihm zu. Bald geht sie in der Curtis-Familie ein und aus. Es ist einer dieser Besuche, bei denen sie in das Haus kommt und Edward vor einen seltsam aussehenden Kasten vorfindet. Sie lässt sich zeigen, was für ein Gerät das ist. Ein Mann auf der Durchreise Richtung Goldrausch Country hatte die Kamera aus Geldnot heraus verkauft. Und Edward hatte einem spontanen Impuls folgend die Ersparnisse der Familie auf den Kopf geschlagen. Als Edward dann kurz darauf über eine Anzeige in der Zeitung davon erfährt, dass ein Porträtfotograf in der Stadt in Seattle einen Partner sucht, beschließt er einen Kredit aufzunehmen und in diese Partnerschaft zu investieren. Er würde also umziehen. Und mit kaum Ahnung von der Fotografie alles auf diese Karte setzen. Seine Familie muss begeistert gewesen sein. Und dann gab es noch einen kleinen Skandal. Denn Clara erklärte ihrer Familie sie würde mit Edward in die Stadt ziehen. Und sie würden heiraten und dort zusammen wohnen. Das alles sozusagen in einem großen Rutsch.</p>

<p>Für Edward begann jetzt eine prägende Zeit. Er lernte das Fotografieren von der Pike auf. Es gab viele Menschen mit Geld in der Stadt. Und er war einer derjenigen, der wusste, wie man Menschen mit Geld in Porträts gut aussehen lassen konnte. Es dauerte nicht lang und aus dem partnerschaftlichen Porträtstudio wurde ein von ihm allein geführtes Porträtstudio. Er war eine Größe in der Stadt. Man kannte ihn. Und er hatte eine erste Karriere als Porträtfotograf. Bald wurde ein erstes, bald ein zweites Kind geboren. Die Rechnung war aufgegangen. Das Geld begann zu fließen.</p>

<p>Wer schon mal Fotos von Seattle gesehen hat oder vielleicht sogar dort schonmal zu Besuch gewesen war, der weiß vielleicht, dass im Umland von Seattle mehrere große aktive Vulkane stehen. Riesige Berge. Bilderbuchlandschaften. Mit Seen in denen sich eisbedeckte Gipfel spiegeln. Mit riesigen Wäldern. Mit Landschaften, die einfach zu schön sind um wahr zu sein. Es ist diese Umgebung, der die Liebe von Edward und Clara gehören. Der Gipfel, den man von Seattle aus sieht, gehört zu dem Vulkan Mt. Rainier. Auch heute noch ein atemberaubend schöner Nationalpark. Und Edward wandert dort so viel, dass er als professioneller Wanderguide tätig werden kann und Leute zum Gipfel und über die Gletscher führen kann. Wenn er nicht wandert fotografiert er. Porträts. Edward gehört einer Tradition an, die sich Pictorialism nennt. Das heißt, seine Porträts versuchen mit einem leicht verträumten Look künstlerisch auszusehen. Viele werden noch im Nassplattenverfahren gemacht. Aber es ist auch die Zeit der Dryplates. Also, fotografische Verfahren, wo man mit fertigen Medien anfangen kann. Und nicht erst immer alles vorbereiten und sofort entwickeln&nbsp; muss. Fotografen der damaligen Zeit waren nicht nur Auftragsarbeiter. Sondern meistens auch damit beschäftigt Kunstwerke zu schaffen oder Postkarten zu drucken. Alles, was ein Bild haben konnte, war im Prinzip mögliche Geldquelle. Und das war wahrscheinlich auch die hauptsächliche Motivation, die Curtis dazu brachte sich mit einem Seattler Original zu beschäftigen. Denn es gab innerhalb der Stadtgrenzen eine Frau, die da eigentlich gar nicht sein durfte. Gesetze hatten es verboten, Indianern Anwesen im Stadtgebiet zu verkaufen. Oder sie auch nur unter dem eigenen Dach übernachten zu lassen. Wer anreisen wollte, brauchte eine Genehmigung das Reservat zu verlassen. Und sich in der Stadt aufzuhalten, brauchte ebenfalls entsprechende Zustimmung. Allerdings gab es Ausnahmen. Wenige, aber akzeptierte Ausnahmen. Und eine solche Ausnahme galt für die Tochter von <a "/tags/chief-seattle.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="38" title="Chief Seattle">Chief Seattle</a> höchst selbst. Sie war bekannt als Princess Angeline. Einen Namen, den ihr eine weiße Frau einmal gegeben hatte. Und der den Einheimischen leichter von der Zunge ging als ihr eigentlicher Name. Aufgewachsen als Tochter eines Fürsten, war die zur Zeit Edwards 90-Jährige geduldet und bettelarm. Sie lebte in einem Holzverschlag und verkaufte Muscheln an Touristen oder Einheimische, die sie selbst aus dem Schlamm ausgrub. Kinder machten Umwege nur um sie zu foppen und mit Steinen zu bewerfen. Wobei von Angeline überliefert wurde, dass sie dann ohne Weiteres auch mit Steinen zurückwarf und oft treffsicherer war als die Jungs. Touristen kamen in den Hafen nur, um auch mal einen Blick auf die Tochter des berühmten Indianerhäuptlings zu werfen. Und verschiedene Fotografen hatten Sie für Postkarten verewigt. Und das war auch das, was Curtis ursprünglich im Sinn hatte. Er ging an den Hafen und wollte sie fotografieren und bat sie für ihn Porträt zu sitzen. Einen Dollar würde er ihr dafür zahlen. Das war ein Tageslohn. Das war schon ordentliches Geld. So entstehen mehrere eindrucksvolle PortrÄts, die er auch in die Auslage hängt und für gutes Geld verkaufen kann. Er produziert außerdem besagte Postkarten. Aber irgendwie ist er unzufrieden. Er möchte mehr. Er möchte Angeline so zeigen, wie sie wirklich lebt. Und so fotografiert er sie auch noch beim Muschel-ausgraben und in verschiedenen anderen Situationen. Es sind seine ersten Fotos von amerikanischen Ureinwohnern. Und es werden nicht die letzten sein. Der Besuch eines Häuptlings in der Stadt zum Anlass eines Fußballspiels gibt ihm eine weitere Gelegenheit. Hier kommt noch dazu, dass Curtis sich mit dem Mann unterhält. Und damit erkennt, dass die offizielle Geschichtsschreibung, besonders in Bezug auf verschiedene Indianerstämme, nicht stimmen kann. Seine Porträts machen Wirbel. Er bekommt viel Anerkennung für die Qualität der Aufnahmen. Aber für die Geschichte, die ihm da begegnet, interessiert sich niemand. Es ist die Zeit, mit der Karl May jemand erfolgreiche Geschichten über <a "/tags/indianer.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="43" title="Indianer">amerikanische Ureinwohner</a> veröffentlicht, der selber noch nie auch nur einen Fuß auf amerikanischen Boden gesetzt hatte, geschweige denn Amerikaner getroffen hatte. Und es ist dieses Bild, des romantischen Wilden, das man auch in Edwards Bildern wieder erkennt und mit dem er erfolgreiche Verkäufe tätigt. Aber je mehr er diese Menschen fotografiert. Je mehr Geschichten er hört. Desto nachdenklicher wird er. Er trägt seine Gedanken wieder und wieder Mt. Rainier hinauf. Während er sich nach und nach einen Namen als Fotograf nicht nur der großen Persönlichkeiten, sondern auch der Ureinwohner Amerikas machte. Er gewinnt Preise. In Seattle ist man stolz auf den Sohn der Stadt. Und dieser Ruf ist natürlich gut für das Geschäft.</p>

<p>1896 markiert dann das Jahr, in dem der Name Edward Curtis nicht nur in Seattle und Umgebung, sondern US weit bekannt wird. Und zwar nicht durch seine Fotografien. Sondern, weil er den Mitgliedern einer wissenschaftlichen Expedition am Mt Rainier begegnet und ihnen aus einer Notlage hilft. Mitglied sind drei der berühmtesten Wissenschaftler der damaligen Zeit. Unter anderem ein bekannter Ethnologe. Und damit starten Freundschaften, die den ganzen weiteren Lebensweg von Edward Curtis bestimmen werden. Als Dank für seine Hilfe, laden sie ihn nämlich ein, der offizielle Fotograf einer Alaska-Expedition zu werden. Und das ist diese Expedition, bei der Edward Curtis seinen großen Plan fasst. Er erkennt nämlich, dass die verschiedenen Völker der Ureinwohner Amerikas am Sterben sind. Jedes Jahr, das verstreicht lässt weniger Stämme zurück. Und er erkennt, dass er ein Talent hat, das Vertrauen dieser Menschen zu gewinnen und mit ihnen in Kontakt zu treten. Über 80 Stämme sind in Nordamerika bekannt. Manche nur noch wenige 100 Mitglieder stark. Andere haben mehrere 10000. Manche sind wohlbekannt in Indianerreservaten untergebracht. Andere muss man aufwändig finden. Es gibt nomadisch lebende Stämme und Völker, die seit Jahrtausenden im Gebirge in Steinhäusern wohnen. Aber zwei Dinge haben sie alle gemeinsam. Ihre Geschichtsschreibung existiert kaum. Die meisten Geschichten werden mündlich weiter gegeben. Und sie sterben aus.</p>

<p>Edward fasst einen Plan. Er will diese Stämme dokumentieren. Er will sie alle besuchen. Er will sich mit ihren Ältesten hinsetzen. Er will ihre Geschichte hören. Er will ihre Lieder aufzeichnen, ihre Rituale beobachten. Er will ihre Lebensweise porträtieren und die typischen Mitglieder ihrer Gesellschaften. Er will ihnen ein Denkmal setzen. Und er will viel weiter gehen, als in Anführungsstrichen nur zu porträtieren. Während seiner Expedition nach Alaska hat er ein nagelneues Gerät zur Aufzeichnung von Tönen kennengelernt. Eine Wachsrolle wird verwendet, um Aufnahmen zu machen. Außerdem steckt der Bewegt Film in den Kinderschuhen. Und auch damit beschäftigt sich Edward. Er stellt Assistenten an und hält seine Erlebnisse und Erkenntnisse schriftlich fest. Clara ist nicht eben begeistert. Edward ist zum Teil sechs bis acht Monate am Stück unterwegs und lässt den Betrieb des Studios in Seattle und die Verkäufe in den Händen seines Cousins und Claras. Für die Kinder ist er fast schon ein Fremder. Und seine Zeit daheim in Seattle verbringt er damit seine nächsten Touren zu planen. Schnell wird auch klar, dass er sich das nicht wird leisten können. Sämtliche Einnahmen und Ersparnisse gehen drauf für seine Privatexkursionen. Und so schreibt Edward an das Smithsonian Institute. Die Institution in den USA in denen die Ethnologie zu Hause ist. Der Ort, an dem, wenn überhaupt, offizielle Gelder zur Unterstützung fließen können. Er hat keinen Erfolg. Er hat keine akademischen Titel. Er kann keine Schulbildung vorweisen. Und so wird er praktisch aus den Büros gelacht. Man findet seine Porträts durchaus schön und bemerkenswert. Aber merkt an, dass sie ja doch sehr romantisierend wären. Und manche dieser Porträts auch ganz eindeutig gestellt währen. Außerdem ist sich Edward nicht zu schade auch mal Elemente, die nicht ins Bild passen, heraus zu retuschieren. Zum Beispiel eine Uhr, die mit in einem traditionellen Tipi steht oder Ähnliches. All das sorgt dafür, dass man ihn nicht ernst nimmt. Seine Freunde von der Mt. Rainier Expedition vermitteln ihn an einen anderen einflussreichen Unterstützer. An <a "/tags/theodore-roosevelt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="16" title="Theodore Roosevelt">Theodore Roosevelt</a>. Präsident der Vereinigten Staaten. Damals in der ersten Amtszeit. Teddy Roosevelt war nicht gerade bekannt als Freund der amerikanischen Ureinwohner. Allerdings hatte ihn das Amt des amerikanischen Präsidenten auch zum Präsident dieser Menschen gemacht. Und er nahm seine Verantwortung ernst. Und so bekommt Edward eine Einladung in das Winter White House des amerikanischen Präsidenten. Er soll seine Familie fotografieren. Und ein paar Tage da bleiben. Und als inzwischen anerkannter Experte für die amerikanischen Ureinwohner Völker wollte sich <a "/tags/theodore-roosevelt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="16" title="Theodore Roosevelt">Theodore Roosevelt</a> mit ihm über genau diese Menschen und wie man ihnen helfen könnte unterhalten. Es entstehen schöne PortrÄts. Die Gespräche sind inspirierend und anregend. Und am Ende des Aufenthalts schick ihn Theodore Roosevelt mit einem glühenden Empfehlungsschreiben los. Es ist unklar, ob das überhaupt hilfreich war. Denn was Edward eigentlich brauchte, war Geld. Und Geld gab es von reichen Mäzenen. Und die waren nicht gerade eben gut auf Theodore Roosevelt zu sprechen. Aber es öffnete andere Türen. Edward nutzte seine freie Zeit, um auf Tournee zu gehen. Er hält Vorträge im ganzen Land. Er dreht den ersten Dokumentationsfilm über amerikanische Ureinwohner und präsentiert die in Lichtbildschauen. Er sammelt dabei Unterstützer-Gelder ein und verkauft Bilder. Es ist aber schnell klar, dass nichts davon ausreichen wird, um ihn vom Bankrott zu schützen oder sein Projekt weiterzubetreiben. Er brauch einen reichen Geldgeber. Und der damals reichste Geldgeber, an den man sich wenden konnte war niemand anderes als J. P. Morgan.</p>

<p>Die Vereinigten Staaten hatten es damals innerhalb weniger Jahrzehnte von einer Agrarwirtschaft zur führenden Industrienation der Erde geschafft. Und das alles ohne eine Zentralbank. Die brauchten sie nämlich nicht, denn es gab eine Privatbank, die in ihrer Macht und Reichweite ähnlich groß war. Und das war die Bank von J. P. Morgan. Der hatte einen Großteil seines Vermögens durch das Eisenbahnmonopol gemacht. Und war auch sonst für die Gründung und Zusammenlegung einiger großer amerikanischer Namen verantwortlich. Zum Beispiel General Electric. Er war der reichste und einflussreichste Mann in seiner Zeit. Und zur Zeit Edward Curtis‘ war er damit beschäftigt das Schöne und Teure zu sammeln. Kunst und Frauen waren die zwei Dinge in die er neben dem Business noch investierte. Mehrmals hintereinander machte J. P. Morgan Schlagzeilen, weil er absolute Rekordpreise für Kunst hinlegte. Und besonders hatten es ihm da Bücher und Gemälde angetan. Und so landet Eward Curtis irgendwann in seiner Verzweiflung bei J. P. Morgan. Er hat ausgerechnet, dass er ungefähr 75000 Dollar brauchen würde und das ohne ein eigenes Gehalt zu beziehen, um seine Pläne umsetzen. Und J. P. Morgan war vermutlich der einzige, der diese Art von Finanzmitteln in so ein Projekt stecken wollen würde. Es kommt zu einem Treffen. Und zunächst ist J. P. Morgan wenig begeistert. Viele wollen von ihm Geld. Und es klingt auch nicht besonders interessant für ihn. Er hat keine besonders hohe Meinung von den amerikanischen Ureinwohnern. Und im Grunde kann er ja auch jeder Zeit Gemälde und Bilder von ihnen kaufen. Aber Edward lässt sich nicht beirren. Und er gewinnt ihn mit zwei Argumenten. Das eine Argument ist, die Schönheit der Bilder. Er zeigt ihm mehrere Bilder. Und es ist die Aufnahme eines jungen Mädchens, das J. P. Morgan dann überzeugt haben soll. Und das zweite ist der Gedanke, dass Edward Curtis J. P. Morgan ein Denkmal setzen wird. Indem er ihm ein 20-Bändiges Lexikon hochwertigster Machart Produzieren wird. Niemand wird J. P. Morgan Rassismus oder Benachteiligung amerikanischer Ureinwohner unterstellen können. Wenn er gleichzeitig so ein Vorgehen finanzieren würde, sagt Curtis. Und wenn er als Mäzen auftritt, wird das nicht nur ein Denkmal für den amerikanischen Ureinwohner, sondern auch gleichzeitig ein Denkmal für J. P. Morgan werden. Morgan stimmt schließlich zu. Aber unter mehreren Bedingungen denen Edward Curtis allesamt zustimmt. J. P. Morgan wird noch mehrmals Geld nachlegen müssen. 75000 Dollar waren hochgradig optimistisch. Aber in diesem einen Moment sah es zumindest so aus, als hätte Edward sein Ziel erreicht. Er stellt zum Teil bis zu 17 Leute an. Tourguides, Übersetzer, Assistenten. Und natürlich bezahlt er auch die Ureinwohner, die für ihn Modell sitzen. Und er rennt gegen die Zeit. 16 bis 18 Stunden Tage. Bei Regen, Wind und Wetter unter freiem Himmel. Waren die Stämme am Anfang noch skeptisch, was dieser weiße Fotograf von ihnen wollte, ist es bald so, dass die sich untereinander diesem Fotografen weiterempfehlen. Und so wird er von Ritual zu Ritual zu Anlass zu Anlass gereicht. An manchen Zeremonien ist er nicht nur als Fotograf, sondern auch als Teilnehmer zugegen. Daran ist besonders interessant, dass es auch zum Teil gegen das Gesetz verstößt, was Curtis hier macht. Denn in den USA des 19. Jahrhunderts ist den Ureinwohnern zum Teil per Gesetz verboten, ihre ureigenen religiösen Rituale durchzuführen. Das gehört zu den vielen Maßnahmen, die damals ergriffen wurden, um den Roten Mann zu zähmen.</p>

<p>Irgendwann hat Clara genug von dem ganzen Zirkus. Es ist wieder einmal eine dieser Phasen, in denen fast kein Geld mehr übrig ist. Und Curtis auf Tournee geht, um Menschen davon zu überzeugen, sein Projekt zu unterstützen. Als Clara die Scheidung einreicht. Wegen Vernachlässigung. Es kommt zu einem Rosenkrieg in dem sich die ganze Familie aufsplittet. Eines der Kinder Hält zu Clara. Das andere zu Edward. Das Gericht spricht Clara, die ja die ganze Zeit die Geschäfte in Seattle geleitet hatte, die Rechte an den dort gelagerten Negativen und die Einrichtung zu. Edward stürmt daraufhin zusammen mit seiner Tochter in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Räumlichkeiten und zerschlägt alle Glasnegative, um seine Frau daran zu hindern, damit weiter Geld zu verdienen. Curtis fängt an Bücher zu schreiben. Keine wissenschaftlichen Abhandlungen, sondern populärwissenschaftliche Bücher mit deren Verkäufen er hofft sein Projekt weiter zu finanzieren. Er versenkt über 75000 Dollar in einen Dokumentarfilm. Einen der ersten Dokumentarfilme überhaupt. Für den sich aber kaum Jemand interessiert. Und der deswegen zum finanziellen Totalschaden wird. Tief verschuldet und von seiner Frau getrennt zieht er nach LA und wird dort Kameramann für den Regisseur Cecil B. DeMille, der unte randerem Filme wie „Die Zehn Gebote“ gedreht hat. Auch muss er immer wieder an Filmen mitarbeiten, in denen die Stämme, die er studierte wahlweise als Wilde oder als romantisierte Edle dargestellt werden. Das muss sich unerträglich für den Mann angefühlt haben. Immer wenn er genug Geld beisammen hat, um wieder an seinem Projekt arbeiten zu können, macht er das. Ab 1921 ist er wieder unterwegs. Und stellt 1930 den letzten seiner 20-Bändigen Lexikon Reihe fertig. Das markiert das Ende eines über 30 Jahre dauernden Fotoprojekts. Über 280 Mal ist er quer durch die USA gereist. Legte dabei rund 400000 Meilen zurück. Machte über 40000 Aufnahmen. Studierte dabei mehr als 80 Stämme in den USA, Kanada und Alaska. Schrieb 350 Mythen und Legenden und die Grundlagen von 75 verschiedenen Sprachen auf. Von den zirka 10000 Musikstücken und Gesängen, die er aufgezeichet hat, weiß man heute noch von ungefähr 270, wo sie sich befinden. Das gesamte Projekt kostete über eineinhalb Millionen Dollar. Und er konnte mit den Verkäufen des Lexikons beginnen. Durch die Auflagen J. P. Morgans waren die Lexika fast 5000 Dollar teuer und damit ein absolutes Nischenprodukt. Und so wundert es auch nicht weiter, dass er weniger als 300 Exemplare davon verkaufen konnte. Außerdem hatte er die Rechte komplett an <a "/tags/j-p-morgan.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="44" title="J.P. Morgan">J.P. Morgan</a> abgetreten. Das heißt, er übergab sämtlich Negative, alle Unterlagen und die fertigen Bücher J. P. Morgan zur weiteren Verwendung. Der lagerte den ganzen Kram ein. Und irgendwann mal verkaufte er alles für läppische 1000 Dollar an einen Buchhändler, der die Sachen dann seinerseits auch in einen Keller einlagerte.</p>

<p>1970 wurde dann dieser Keller ausgeräumt und man fand die ganzen Unterlagen. Und seit dem ist der Name Edward Curtis wieder ein Begriff. Manche seiner Aufzeichnungen widersprechen zum Teil noch heute geltende Lehrmeinungen. Und es ist ein schier grenzenloser Schatz an Erkenntnissen über Kulturen, die es heute nicht mehr gibt. Und die ohne Curtis‘ Arbeit einfach komplett verschwunden wären. Und er kombiniert in seiner Arbeit zwei sehr verschiedene Welten. Einerseits hat er sehr wohl fast schon wissenschaftlichen Anspruch. Er will exakt sein. Er will komplett beschreiben. Andererseits geht er besonders die Fotografie mit den Augen eines Künstlers an. Und ihm ist egal, welchen Status der Mensch vor seiner Kamera hat. Berühmtheiten wie der Apachen-Führer <a "/tags/geronimo.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="42" title="Geronimo">Geronimo</a> oder Theodore Roosevelt sind genau so vor seiner Kamera festgehalten worden. Einfache Hirten, Medizinmänner, Frauen beim Wasserholen oder die Landschaften in denen die Stämme ihren Alltag verbrachten. Man kann viele seiner Fotos sehen, wenn man 20 Euro in ein Buch namens „The Nordamerican Indian“ vom Taschenbuchverlag investiert. Und manche der Bilder, die ich dort fand, waren mir so vertraut, dass ich hätte schwören können, dass ich sie schonmal irgendwo gesehen hatte. Und die Art und Weise, wie er gearbeitet hat, findet sich an anderen Stellen wieder. Edward Curtis war ein Pionier des <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalismus</a>, ein Pionier der ethnografischen Fotografie, ein Pionier der Porträtfotografie und hat 30 Jahre lang einzigartige Aufnahmen einer heute komplett verschwundenen Welt gemacht.</p>

<p>Nachdem er „The Northamerican Indian“ herausgebracht hat, kehrt er nach Los Angeles zurück. Er beteiligt sich auch jetzt wieder an einigen Hollywood Filmen und fasst den Plan noch ein weiteres dokumentarisches Projekt, nämlich eine Fotoserie über den Goldrausch, anzufangen. Hat aber weder die dazu notwendigen Mittel noch die Gesundheit, um das ernsthaft anzugehen. Am 19. Oktober 1952 stirbt er an einer Herzattacke. Dieselbe Todesursache, die &nbsp;Clara 20 Jahre zuvor das Leben gekostet hatte.</p>

<p>Edward Curtis war ein getriebener. In panischer Angst er könnte zu spät kommen, und weil er oft auch zu spät kam, reiste er kreuz und quer durch die USA und investierte sein gesamtes Vermögen und sein Privatleben in ein 30 Jahre dauerndes Projekt. Ich will es gar nicht Fotografieprojekt nennen. Auch, wenn die Fotografien das Eindrücklichste Ergebnis dieser Arbeit waren. In den 80 Jahren seines Lebens schlief er mehr unter freiem Himmel und in widrigen Wetterverhältnissen, als unter dem Dach eines Hauses. Er begann seine Reise in einem Amerika, das gerade mal bis an die Westküste vorgedrungen war. Und in dem die Erinnerungen an den Bürgerkrieg und an die Kriege mit den amerikanischen Ureinwohnern noch ganz frisch waren. Er stellte die wichtigsten Weichen seines Lebens in einer Zeit, da war Amerika gerade zur führenden Industrienation der Welt aufgestiegen. Und er beendete sein Projekt im Amerika der Moderne. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges. Er gewann die Unterstützung und zum Teil Freundschaft von Männern, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Theodore Roosevelt auf der einen, J. P. Morgan auf der anderen Seite. Er war einer der Pioniere des Dokumentarfilmes. Ohne es darauf anzulegen. Und seine Arbeit prägte, wie wir bis heute amerikanisch Ureinwohner sehen und was wir über sie wissen. Seine Arbeit sieht bis heute modern aus. Selbst, wenn sie mit der Technologie des letzten Jahrhunderts gemacht wurde.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Das U-Boot von Loch Ness</title>
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            <pubDate>Sat, 03 Apr 2021 21:38:11 GMT</pubDate>
            <description>Das Ungeheuer von Loch Ness hat in der Welt der zweifelhaften Fotobeweise Celebrity-Status.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Das Ungeheuer von Loch Ness hat in der Welt der zweifelhaften Fotobeweise Celebrity-Status. Besonders auch deswegen weil es 60 Jahre dauerte bis das Foto mit dem seine Existenz „bewiesen“ wurde als Fälschung erkannt wurde. Seeungeheuer Ungeheuer von Loch Ness (Wikipedia – Deutsch , Englisch ) Robert Kenneth Wilson (Wikipedia) M. A. Wetherell (Wikipedia) Kryptozoologie (Wikipedia) On the Track of Unknown Animals (Wikipedia) List of cryptids (Wikipedia) Elwetritsch (Wikipedia) Seemonster und Uboote: Was weiß die Bundesregierung? ZDF – Mythen und Monster: Loch Ness Wie das berühmteste „Nessie“-Foto gefälscht wurde The Loch Ness Monster (Time) Transkript Nenne mir ein Fabelwesen und ich finde eine Community, die danach sucht. Das gilt buchstäblich für jegliches Wesen, das irgendwann schon mal der Gegenstand von Geschichten war. Die Liste dieser Wesen ist lang. Darauf sind altbekannte wie der Yeti genauso drauf, wie blutrünstige Würmer, die angeblich 1,20 Meter lang werden und in der Wüste Gobi leben. Örtlich ist man auch nicht festgelegt. Den Elwetritsch zum Beispiel kann man in Bayern oder der Pfalz suchen. Der Nunda kommt aus Tansania. Den gruseligen Chubacabra findet man zum Beispiel in Südamerika. Dann gibt es noch eine schier unüberschaubare Anzahl an Seemonstern, beim Kraken angefangen bis hin zum berühmtesten aller Seemonster, dem Monster von Loch Ness. Wenn man mal ganz ehrlich ist, kennen viele wahrscheinlich gar keine anderen Seemonster, als Nessie. Dabei gibt es derart viele sagenhafte Seeungeheuer, dass die Kryptozoologie eine eigene Fachrichtung, nämlich die Dragontologie ins Leben gerufen hat, nur um sich mit den verschiedenen Wasserkryptiden auseinanderzusetzen. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass die Blütezeit der Kryptozoologie mit der ersten großen Blüte der Hobby Fotografie zusammenfällt, in der eben auch das eine oder andere verwackelte, verwaschene Foto von wahlweise Spuren oder den Ungeheuern höchstselbst auftauchten. Das wichtigste Beweisfoto ist als the surgeon‘s fotograph, also das Chirurgen Foto bekannt. Das heißt so, weil der ursprüngliche Fotograf Robert Kenneth Wilson von Beruf Chirurg war, seinen Namen aber nicht in der Zeitung auftauchen sehen wollte. Erzählen wir die Geschichte vielleicht lieber von vorne. Nessie ist das Ungeheuer von Loch Ness. Loch ist schlicht und ergreifend ein anderes Wort für See. Die Seen in Schottland haben so manche Sagen, die oft auch was mit Ungeheuern zu tun haben. So hat nicht nur Loch Ness sein eigenes Ungeheuer. Sondern praktisch jeder größere See in Schottland hat eine Geschichte, die ganz ähnlich gestrickt ist. Loch Ness ist ein See in der Nähe der Stadt Inverness. Die erste Sichtung des Seeungeheuers von Loch Ness wird auf das Jahr 565 datiert. Sie taucht in der Lebensgeschichte eines irischen Missionars auf. Der soll nicht im See, sondern im Fluss Ness einem Ungeheuer begegnet sein, das versucht hatte, einen Wanderer, der des Weges gekommen war, zu fressen. Der Mönch hatten dann einfach das Kreuzzeichen in die Luft gemalt und dem Tier entgegengerufen, dass es sich in Gottes Namen von Dannen machen sollte und gefälligst keine Gottesfürchtigen Menschen fressen sollte. Davon war das Ungeheuer so beeindruckt, dass es sich sofort vom Acker machte. Die ganze Geschichte wird 100 Jahre später von einem Abt ausgeschrieben. Jeder darf jetzt selbst darüber nachdenken, wie glaubwürdig so ein Bericht ist. Über die Jahrhunderte hinweg gibt es immer wieder mal einzelne Berichte. Mal steigt ein großes Tier aus den Fluten und erschlägt Arbeiter am Ufer. Mal berichtet ein Mönch davon, dass der Loch Ness für seine schwimmenden Inseln bekannt wäre. Bisher war das Monster von Loch Ness eine Lokalsage, für die sich außerhalb von Inverness und Loch Ness selbst wahrscheinlich niemand interessiert hat. Das ändert sich am 2. Mai 1933, als zum ersten Mal eine regionale Zeitung von der Sichtung eines Ungehe</itunes:summary>
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<p>Das Ungeheuer von Loch Ness hat in der Welt der zweifelhaften Fotobeweise Celebrity-Status. Besonders auch deswegen weil es 60 Jahre dauerte bis das Foto mit dem seine Existenz &#8222;bewiesen&#8220; wurde als Fälschung erkannt wurde.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Seeungeheuer" target="_blank">Seeungeheuer</a></li><li>Ungeheuer von Loch Ness (Wikipedia &#8211; <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ungeheuer_von_Loch_Ness" target="_blank">Deutsch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Loch_Ness_Monster#Surgeon's_photograph" target="_blank">Englisch</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Kenneth_Wilson" target="_blank">Robert Kenneth Wilson</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/M._A._Wetherell" target="_blank">M. A. Wetherell</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kryptozoologie" target="_blank">Kryptozoologie </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/On_the_Track_of_Unknown_Animals" target="_blank">On the Track of Unknown Animals</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_cryptids" target="_blank">List of cryptids</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Elwetritsch" target="_blank">Elwetritsch </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bundeswehr-journal.de/2016/seemonster-und-uboote-was-weiss-die-bundesregierung/" target="_blank">Seemonster und Uboote: Was weiß die Bundesregierung?</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20220505190712/https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/-mythen-und-monster--loch-ness-100.html" target="_blank">ZDF &#8211; Mythen und Monster: Loch Ness</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.photoscala.de/2007/10/03/wie-das-beruehmteste-nessie-foto-gefaelscht-wurde/" target="_blank">Wie das berühmteste „Nessie“-Foto gefälscht wurde</a></li><li><a href="https://web.archive.org/web/20201203125634/http://100photos.time.com/photos/loch-ness-monster">The Loch Ness Monster</a> (Time)</li></ul>

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<p>Transkript</p>

<p>Nenne mir ein Fabelwesen und ich finde eine Community, die danach sucht. Das gilt buchstäblich für jegliches Wesen, das irgendwann schon mal der Gegenstand von Geschichten war. Die Liste dieser Wesen ist lang. Darauf sind altbekannte wie der Yeti genauso drauf, wie blutrünstige Würmer, die angeblich 1,20 Meter lang werden und in der Wüste Gobi leben. Örtlich ist man auch nicht festgelegt. Den Elwetritsch zum Beispiel kann man in Bayern oder der Pfalz suchen. Der Nunda kommt aus Tansania. Den gruseligen Chubacabra findet man zum Beispiel in Südamerika. Dann gibt es noch eine schier unüberschaubare Anzahl an Seemonstern, beim Kraken angefangen bis hin zum berühmtesten aller Seemonster, dem Monster von Loch Ness. Wenn man mal ganz ehrlich ist, kennen viele wahrscheinlich gar keine anderen Seemonster, als Nessie. Dabei gibt es derart viele sagenhafte Seeungeheuer, dass die Kryptozoologie eine eigene Fachrichtung, nämlich die Dragontologie ins Leben gerufen hat, nur um sich mit den verschiedenen Wasserkryptiden auseinanderzusetzen. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass die Blütezeit der Kryptozoologie mit der ersten großen Blüte der Hobby Fotografie zusammenfällt, in der eben auch das eine oder andere verwackelte, verwaschene Foto von wahlweise Spuren oder den Ungeheuern höchstselbst auftauchten. </p>

<p>Das wichtigste <a "/tags/fotobeweis.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="7" title="Fotobeweis">Beweisfoto</a> ist als the surgeon‘s fotograph, also das Chirurgen Foto bekannt. Das heißt so, weil der ursprüngliche Fotograf <a "/tags/robert-kenneth-wilson.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="47" title="Robert Wilson">Robert Kenneth Wilson</a> von Beruf Chirurg war, seinen Namen aber nicht in der Zeitung auftauchen sehen wollte. Erzählen wir die Geschichte vielleicht lieber von vorne. Nessie ist das Ungeheuer von Loch Ness. Loch ist schlicht und ergreifend ein anderes Wort für See. Die Seen in Schottland haben so manche Sagen, die oft auch was mit Ungeheuern zu tun haben. So hat nicht nur Loch Ness sein eigenes Ungeheuer. Sondern praktisch jeder größere See in Schottland hat eine Geschichte, die ganz ähnlich gestrickt ist. Loch Ness ist ein See in der Nähe der Stadt Inverness. Die erste Sichtung des Seeungeheuers von Loch Ness wird auf das Jahr 565 datiert. Sie taucht in der Lebensgeschichte eines irischen Missionars auf. Der soll nicht im See, sondern im Fluss Ness einem Ungeheuer begegnet sein, das versucht hatte, einen Wanderer, der des Weges gekommen war, zu fressen. Der Mönch hatten dann einfach das Kreuzzeichen in die Luft gemalt und dem Tier entgegengerufen, dass es sich in Gottes Namen von Dannen machen sollte und gefälligst keine Gottesfürchtigen Menschen fressen sollte. Davon war das Ungeheuer so beeindruckt, dass es sich sofort vom Acker machte. Die ganze Geschichte wird 100 Jahre später von einem Abt ausgeschrieben. Jeder darf jetzt selbst darüber nachdenken, wie glaubwürdig so ein Bericht ist. Über die Jahrhunderte hinweg gibt es immer wieder mal einzelne Berichte. Mal steigt ein großes Tier aus den Fluten und erschlägt Arbeiter am Ufer. Mal berichtet ein Mönch davon, dass der Loch Ness für seine schwimmenden Inseln bekannt wäre. </p>

<p>Bisher war das Monster von Loch Ness eine Lokalsage, für die sich außerhalb von Inverness und Loch Ness selbst wahrscheinlich niemand interessiert hat. Das ändert sich am 2. Mai 1933, als zum ersten Mal eine regionale Zeitung von der Sichtung eines Ungeheuers berichtete. Die Zeitung Inverness Currier brachte einen Artikel über Einheimische, die ein riesiges, im Loch tauchendes Tier gesichtet hätten. Dieser Artikel schlug derartige Wellen, dass es zu einer Mediensensation wurde. Londoner Zeitungen entstanden Reporter nach Schottland. Ein Zirkus soll sogar eine Summe von 20 Tausend Pfund für das Monster geboten haben. Es ist also dieses Klima, in dem mehr und mehr Menschen auf die Suche nach Spuren gehen. Bei so viel Wirbel finden sich natürlich auch findige Leute, die dabei helfen, entsprechende Beweise zu finden. Marmaduke Weatherell, Mitarbeiter der Londoner Zeitung Daily Mail war jemand, der solchen Beweisen auf den Leim ging, wenn ich das so sagen soll. Er kam nämlich mit Abdrücken zurück, die so groß waren, dass sie eigentlich nur von einem Monster stammen konnten. Die waren so gefälscht, dass sich Weatherell nicht nur zum Gespött der Leute machte, sondern auch von seinem Arbeitgeber Daily Mail öffentlich bloßgestellt wurde. Man suchte und suchte also, bis letztlich im April 1934 die endgültige Sensation gefunden war. Daily Mail hatte seinen Beweis gefunden. <a "/tags/robert-kenneth-wilson.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="47" title="Robert Wilson">Robert Kenneth Wilson</a> hatte zwei Fotos gemacht, auf denen ganz unzweifelhaft der Hals eines unbekannten Wassertieres zu sehen war. Der Daily Mail war es 100 Pfund wert. Die Bedingung, den Namen nicht zu nennen, war ihnen gerade recht. The Surgeon’s Fotograph ist das Bild, das also 60 Jahre als Beweis für die Existenz Nessies herhalten sollte und war in der Welt. </p>

<p>Wie immer gab es natürlich von Anfang an auch Zweifler. Zum Beispiel war nicht ganz klar, wie groß das Tier gewesen sein sollte, das man fotografiert hatte. Je nachdem, wie nah man an das Tier ran schnitt war es entweder ein kleines Tier über ruhigem Wasser oder ein großes Tier mit ordentlichen Wellen außen rum. Alles, das man wusste, war die Geschichte, die der Fotograf <a "/tags/robert-kenneth-wilson.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="47" title="Robert Wilson">Robert Kenneth Wilson</a> angegeben hatte. Demnach wäre er mit einem Freund Maurice Chambers zum Fischen an Loch Ness gewesen. Er hätte seine Kamer dabei gehabt, wie es seine Gewohnheit war. Als er dann dieses Tier auftauchen sah, riss er die Kamera hoch und machte mehrere Aufnahmen. Zwei waren auch scharf genug, dass sie als Beweis für die Existenz Nessies herhalten konnten. So war dann auch die Geschichte. Das Bild wurde vielfach untersucht. Es gab Zweifel an seiner Authentizität. Niemand konnte aber erklären, was da eigentlich zu sehen war. So richtig unglaubwürdig war ein Chirurg auch nicht. Er war nicht aus der Region. Er hatte ein bisschen Geld, aber auch kein Vermögen mit dem Foto verdient. Warum sollte ein Chirurg lügen? Er hatte nicht einmal Ruhm gesucht, obwohl er hätte berühmt werden können. Dieses Foto war nicht nur ein Eckstein für die Disziplin der Kryptozoologie, sondern auch gleichzeitig der Startpunkt einer Loch Ness Monster Industrie. Es gibt Nessie Merch, es gibt Nessie Entdecker Reisen, es gibt Nessie Forscher, es gibt Nessie Historical Tours, es gibt Nessie Sagen und Bücher und so weiter. Man schätzt die Nessie zu verdankenden Einnahmen, die zusätzlich in die Region fließen auf ungefähr 30 Millionen Euro jährlich. Das Foto hat definitiv geprägt, wie uns ein Seeungeher vorstellen, nämlich wahlweise wie eine große Seeschlange. Am allerliebsten aber als eine Art Dinosaurier. Das ist auch eine der beliebtesten Theorien. Ein Tier der Urzeit, ein großer Wasserdino, hat überlebt und treibt in Loch Ness sein Unwesen. Deswegen ist man irgendwann mit Sonarschiffen über den See geschippert und hat nichts gefunden. </p>

<p>60 Jahre alt war das Foto, als sich die Geschichte letztendlich aufklärte. Als Robert Kenneth Wilsons Freund Maurice Chambers stirbt, hinterlässt er diverse Aufzeichnungen und Tagebuch Einträge, die die komplette Geschichte erzählen. Spoiler Alert: An dem Foto stimmt genau nichts. Das fängt schon bei dem angeblichen Fotografen Robert Kenneth Wilson an. Der war nämlich gar nicht an der Kamera. Es fängt nochmal mit Marmaduke Weatherell an. Das war der Mann, der die Fußabdrücke gefunden hatte und sich dann öffentlich bloßstellen lassen musste. Der fand das gar nicht lustig und überlegte, wie er das dem Daily Mail heimzahlen konnte. Marmaduke Weatherell war eigentlich Filmmacher. Eins war deswegen schnell klar. Was ist besser, als Fußabdrücke? Ein <a "/tags/fotobeweis.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="7" title="Fotobeweis">Beweisfoto</a>. Es braucht dafür jemanden, der ein Talent für Skulpturen hat, wie beispielsweise der eigene Schwiegersohn Christian Sperling. Der findet den Plan großartig und konstruiert das Modell auf Basis eines Spielzeug Uboots. Sein Sohn Ian Weatherell war natürlich auch mit an Bord. Das war der Hobby Fotograf der Gruppe, der später das Foto machte. Die brachten für die eigentlichen Aufnahmen auch neue Freunde, nämlich Robert Kenneth Wilson und Maurice Chambers. Allen war klar, dass die Bilder nicht zu gut werden durften. Es musste ja spontan aussehen. Erwischt werden wollte man auch nicht. Die Gruppe Männer trifft sich also am See und beginnt, ihre Aufnahmen zu machen. Um ein Haar wäre es komplett schief gegangen. Kaum hatte man das Uboot zu Wasser gelassen und mit den ersten Aufnahmen begonnen, näherte sich ein Patrouillen Boot. So kam es, dass das original Nessie, das für das berühmte Foto Modell gestanden hat, immer noch im See sein muss. Denn Weatherell gab dem Ding einfach einen beherzten Tritt, sodass das Ding versank, bevor sie auffliegen konnten. Um endgültig Weatherells Beteiligung an dem Foto zu verschleiern, war dann Robert Wilson derjenige, der offiziell das Foto der Daily Mail anbot und damit eine Ikone geschaffen hatte. </p>

<p>Ich hatte schon an anderer Stelle erwähnt, dass mein persönlicher Test für ikonische Fotos meine Teenager Kids sind. Wenn ich denen ein Bild hinhalte, das sie kennen, dann ist es für mich zumindest ein Indiz, dass ein Foto im kollektiven Popkultur Gedächtnis gelandet ist. ich glaube, Marmaduke Weatherell war es recht. Als er das Foto gemacht hatte, konnte er nicht absehen, wie sehr es einschlagen würde. Ich finde es aber bemerkenswert, dass 60 Jahre lang diese Gruppe von fünf Männern komplett dichtgehalten hat. Die müssen über die Jahre einen Mordsspaß gehabt haben. Inzwischen hat dieses Bild ein Eigenleben, das sowieso nicht mehr einzuholen ist. Es spielt keine Rolle, dass es eigentlich ein Spielzeug Uboot ist, das hier fotografiert wurde. Nur weil das einzige Foto, das wir vom Monster von Loch Ness haben eine Trickaufnahme ist, heißt es ja nicht, dass es nicht trotzdem ein Seeungeheuer in Loch Ness geben könnte.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Gewollte Romantik</title>
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            <pubDate>Sat, 27 Mar 2021 17:34:12 GMT</pubDate>
            <description>In der heutigen Folge spreche ich über die Geschichten hinter zwei berühmten Küssen. Der eine steht für das Ende des 2. Weltkriegs, der andere für Paris als die Stadt der Liebe.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera In der heutigen Folge spreche ich über die Geschichten hinter zwei berühmten Küssen. Der eine steht für das Ende des 2. Weltkriegs, der andere für Paris als die Stadt der Liebe. Beide wurden auf Millionen Postkarten und Poster gedruckt und sind bis heute diskutierte Motive. Beide werfen Fragen auf die noch heute gelten und beide zeigen nicht das was viele zu sehen glauben… Greta Zimmer Friedman (Wikipedia) Alfred Eisenstaedt (Wikipedia) V-J Day in Times Square (Wikipedia) V-J Day in Times Square (Englische Wikipedia, ausführlicher als der dt. Beitrag) The Not so Romantic Side of the V-J Day Photograph „Das war kein romantischer Moment“ (Spiegel) Diese Frau gab den berühmtesten Kuss der Welt (Welt) Robert Doisneau (Wikipedia) Der Kuss vor dem Hôtel de Ville (Wikipedia) Das berühmteste Foto der Welt (Welt) One of history’s most romantic photographs was staged (BBC) Dirks Gespräch mit Erik vom Podcast “Studio Kreativkommune” ( Link zur Episode auf Fyyd ) Kurz erklärt – Muss ich mich mit Fotogeschichte beschäftigen? (Kwerfeldein) The Kissing Sailor: The Mystery Behind the Photo that Ended World War II Doisneau Transkript Wir haben den 14. August 1945 und es lag schon in der Luft, das Kriegsende. Den ganzen Tag schon machten Gerüchte die Runde, die Japaner hätten aufgegeben, eine Kapitulation wäre unterzeichnet worden, Verhandlungen würden gerade stattfinden und dann ist es endlich so weit. (Audio wird eingespielt) Präsident Harry Truman. (Audio läuft weiter) Das war es nun, das Ende des zweiten Weltkriegs, die Nachricht verbreitete sich in Windeseile und die Amerikaner waren im Freudentaumel. (Audio wird eingespielt) In allen Städten stürmen die Leute spontan auf die Straße und feiern, Paraden bilden sich. Aber die mit Abstand größte Feier im Land ist in New York City. Über zwei Millionen Menschen sind auf der Straße, eine von ihnen ist die Zahnarzthelferin Greta Zimmer Friedmann. Die 25-jährige Österreicherin ist zu dem Zeitpunkt zehn Jahre in den USA. Sie war 15, als ihre Eltern beschlossen hatten, dass die Situation in Österreich für eine jüdische Familie zu gefährlich würde und sie und ihre Schwester deswegen in die neue Welt verschifften. Sie blieben zurück und wurden dann von den Nazis gefangengenommen und ermordet. Greta hat das Gerücht gehört, dass das Kriegsende kurz bevorstand und sie nutzte ihre Pause, um zum nahegelegenen Times Square zu gehen, wenn denn Kriegsende war, würde ja dort gefeiert werden. Sie ist gerade auf den Times Square gegangen, da wird so aus heiterem Himmel von einem Seemann gepackt, der sie nach hinten lehnt und ihr einen festen Kuss auf die Lippe drückt. Und die Szene wird festgehalten, der damals schon bekannte Fotograf Alfred Eisenstaedt hat den Auftrag für das Life Magazine, die New Yorker beim Feiern festzuhalten. Und er und sein Kollege Victor Jorgensen sind am Times Square unterwegs und fotografieren was das Zeug hält. Alfred hatte den Auftrag am Times Square zu fotografieren und er sah schnell einen Mann, der von einem Kino aus auf ihn zulief und jede Frau in seinem Web packte und küsste. Alfred rannte durch die Menge, seine Kamera hatte eine Festbrennweite, er konnte also nicht zoomen. Blende und Verschlusszeit hatte er fix eingestellt und er verließ sich ganz auf sein Unterbewusstsein, ihm zu sagen, wo er draufhalten musste. Das war der Moment, indem er aus dem Augenwinkel etwas Weißes sah. Es ist ein bemerkenswertes Foto, es wird als eines von 14 Aufnahmen küssender Soldaten im Life Magazine abgedruckt werden, um die feiernden Soldaten darzustellen. Aber keiner dieser vielen Küsse sieht so gut aus. Da ist zum einen dieser Kontrast aus der schwarzen Uniform und dem weißen Kleid. Aber auch die Pose, ich kann mir stundenlang ansehen, wie sie dasteht, es ist die perfekte Kuss Pose. Das Foto wird zu einer Sensation, Postkarten, Poster, eines der meistreproduzierten Bilder aller Zeiten. Man kann New York nicht bes</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>In der heutigen Folge spreche ich über die Geschichten hinter zwei berühmten Küssen. Der eine steht für das Ende des 2. Weltkriegs, der andere für Paris als die Stadt der Liebe. Beide wurden auf Millionen Postkarten und Poster gedruckt und sind bis heute diskutierte Motive. Beide werfen Fragen auf die noch heute gelten und beide zeigen nicht das was viele zu sehen glauben&#8230; </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Greta_Zimmer_Friedman" target="_blank">Greta Zimmer Friedman</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Eisenstaedt" target="_blank">Alfred Eisenstaedt</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/V-J_Day_in_Times_Square" target="_blank">V-J Day in Times Square</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/V-J_Day_in_Times_Square" target="_blank">V-J Day in Times Square</a> (Englische Wikipedia, ausführlicher als der dt. Beitrag)</li><li><a href="https://www.hercampus.com/school/kutztown/not-so-romantic-side-v-j-day-photograph/">The Not so Romantic Side of the V-J Day Photograph</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/valentinstag-beruehmte-kuesse-kriegsende-1945-in-new-york-a-1252820.html" target="_blank">&#8222;Das war kein romantischer Moment&#8220;</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article158074916/Diese-Frau-gab-den-beruehmtesten-Kuss-der-Welt.html" target="_blank">Diese Frau gab den berühmtesten Kuss der Welt</a> (Welt)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Doisneau" target="_blank">Robert Doisneau</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Kuss_vor_dem_H%C3%B4tel_de_Ville" target="_blank">Der Kuss vor dem Hôtel de Ville</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/kultur/article160260220/Das-beruehmteste-Foto-der-Welt.html" target="_blank">Das berühmteste Foto der Welt</a> (Welt)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bbc.com/culture/article/20170213-the-iconic-photo-that-symbolises-love" target="_blank">One of history&#8217;s most romantic photographs was staged</a> (BBC)</li><li>Dirks Gespräch mit Erik vom Podcast “Studio Kreativkommune” (<a rel="noreferrer noopener" href="https://fyyd.de/episode/6527019" target="_blank">Link zur Episode auf Fyyd</a>)</li><li><a href="https://web.archive.org/web/20250428153637/https://kwerfeldein.de/2021/03/25/kurz-erklaert-fotogeschichte/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kurz erklärt &#8211; Muss ich mich mit Fotogeschichte beschäftigen?</a> (Kwerfeldein)</li></ul>

<p><a href="https://www.amazon.com/dp/1612510787" target="_blank" rel="noopener">The Kissing Sailor: The Mystery Behind the Photo that Ended World War II</a></p>

<p><a href="https://www.amazon.com/dp/3822816124" target="_blank" rel="noopener">Doisneau</a></p>

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<p>Transkript</p>

<p>Wir haben den 14. August 1945 und es lag schon in der Luft, das Kriegsende. Den ganzen Tag schon machten Gerüchte die Runde, die Japaner hätten aufgegeben, eine Kapitulation wäre unterzeichnet worden, Verhandlungen würden gerade stattfinden und dann ist es endlich so weit. (Audio wird eingespielt) Präsident Harry Truman. (Audio läuft weiter) Das war es nun, das Ende des zweiten Weltkriegs, die Nachricht verbreitete sich in Windeseile und die Amerikaner waren im Freudentaumel. </p>

<p>(Audio wird eingespielt) </p>

<p>In allen Städten stürmen die Leute spontan auf die Straße und feiern, Paraden bilden sich. Aber die mit Abstand größte Feier im Land ist in New York City. Über zwei Millionen Menschen sind auf der Straße, eine von ihnen ist die Zahnarzthelferin Greta Zimmer Friedmann. Die 25-jährige Österreicherin ist zu dem Zeitpunkt zehn Jahre in den USA. Sie war 15, als ihre Eltern beschlossen hatten, dass die Situation in Österreich für eine jüdische Familie zu gefährlich würde und sie und ihre Schwester deswegen in die neue Welt verschifften. Sie blieben zurück und wurden dann von den Nazis gefangengenommen und ermordet. Greta hat das Gerücht gehört, dass das Kriegsende kurz bevorstand und sie nutzte ihre Pause, um zum nahegelegenen Times Square zu gehen, wenn denn Kriegsende war, würde ja dort gefeiert werden. Sie ist gerade auf den Times Square gegangen, da wird so aus heiterem Himmel von einem Seemann gepackt, der sie nach hinten lehnt und ihr einen festen Kuss auf die Lippe drückt. Und die Szene wird festgehalten, der damals schon bekannte Fotograf <a "/tags/alfred-eisenstaedt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="31" title="Alfred Eisenstaedt">Alfred Eisenstaedt</a> hat den Auftrag für das Life Magazine, die New Yorker beim Feiern festzuhalten. Und er und sein Kollege Victor Jorgensen sind am Times Square unterwegs und fotografieren was das Zeug hält. </p>

<p>Alfred hatte den Auftrag am Times Square zu fotografieren und er sah schnell einen Mann, der von einem Kino aus auf ihn zulief und jede Frau in seinem Web packte und küsste.  Alfred rannte durch die Menge, seine Kamera hatte eine Festbrennweite, er konnte also nicht zoomen. Blende und Verschlusszeit hatte er fix eingestellt und er verließ sich ganz auf sein Unterbewusstsein, ihm zu sagen, wo er draufhalten musste. Das war der Moment, indem er aus dem Augenwinkel etwas Weißes sah. Es ist ein bemerkenswertes Foto, es wird als eines von 14 Aufnahmen küssender Soldaten im Life Magazine abgedruckt werden, um die feiernden Soldaten darzustellen. Aber keiner dieser vielen Küsse sieht so gut aus. Da ist zum einen dieser Kontrast aus der schwarzen Uniform und dem weißen Kleid. Aber auch die Pose, ich kann mir stundenlang ansehen, wie sie dasteht, es ist die perfekte Kuss Pose. Das Foto wird zu einer Sensation, Postkarten, Poster, eines der meistreproduzierten Bilder aller Zeiten. Man kann New York nicht besuchen, ohne diesem Bild nicht irgendwo zu begegnen und es wird zum Symbolbild für das ende des zweiten Weltkriegs schlechthin. </p>

<p>Wie so oft bei ikonischen Bildern, dauert es seine Zeit, bis alle erkennen, was für eine besondere Aufnahme das ist. Und <a "/tags/alfred-eisenstaedt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="31" title="Alfred Eisenstaedt">Alfred Eisenstaedt</a> hat natürlich nie mit diesem Paar gesprochen, er weiß also nicht wer auf dem Bild ist. In den Achtzigern versucht Life Magazine dann herauszufinden, wer die Menschen hinter der Aufnahme sind und startet einen Aufruf und das Pärchen meldet sich. Aber nicht nur dieses eine Pärchen. 30 Jahre lang kommt ein Paar nach dem anderen und behauptet, dieses küssende Pärchen zu sein. Final geklärt wurde das Ganze dann aber erst 2007, da kommt nämlich das Buch &#8222;The kissing Sailor&#8220; auf den Markt. Geschrieben von Lawrence Verria, erzählte es nicht nur die Geschichte dieser Aufnahme, sondern auch die Geschichte der Personen im Bild. Da gibt es nämlich eine Person, die mitfotografiert wurde, die oft vergessen wird, die hier nun auch erwähnt werden soll. Das Bild zeigt ja so einige Menschen und eine sticht besonders heraus: Links hinter dem Seemann steht eine junge Frau und grinst von Ohr zu Ohr. Und diese Frau ist die Freundin des Seemanns, mit der war er nämlich zuvor noch im Kino gewesen. Die Kinovorstellung war unterbrochen worden, als die Meldung der Kapitulation Japans ihre Runde machte. Der Seemann knutschte sich also nicht alleine quer über den Times Square, sondern hinter ihm stand seine Freundin und spätere Ehefrau. Aber hat die das nicht gestört, dass ihr Mann sich quer über den Times Square knutschte? Nein, sie sah es gelassen. </p>

<p>Da er nicht besonders wählerisch war, sondern praktisch alle geküsst hat, kann ich mir vorstellen, warum sie das gelassen sieht. Egal, sie hat ihn jedenfalls geheiratet. 69 Jahre waren die beide verheiratet. Aber vielleicht hat es Greta gestört, lassen wir die auch mal zu Wort kommen. (Audio wird eingespielt #00:06:44#) Ja dieser Tight-Grip, das fiel mir von Anfang an diesem Foto auf. Sie scheint entspannt in seinen Armen zu liegen, aber wenn man seinen linken Arm genau ansieht, hat er sie praktisch in einer Art Schraubstock gefangen, sie hatte gar keine Wahl, sie konnte nicht weg. Und was da alle so weglachen, und was heute ein ach wie romantisches Bild ist, ist natürlich auch Ausdruck einer Kultur, in der Männer sich sowas einfach rausnehmen konnten. So schön die Pose und die Komposition auch ist, dieser Griff, mit dem er sie fixiert, macht das Bild für mich unangenehm. Es zeigt eben nicht, was viele Menschen glauben. Ja, es geht um Freude, aber es geht nicht um Romantik, es geht nicht um Liebe. Und dieser Kuss? Schwierig. Aber der Kuss ist jetzt auch eine hervorragende Überleitung, denn ich habe zwei Bilder versprochen. </p>

<p>Da gehen wir jetzt in die fünfziger Jahre und wir wechseln den Kontinent, wir besuchen Paris. Und durch die Straßen läuft ein zu dem Zeitpunkt schon bekannter Fotograf, <a "/tags/robert-doisneau.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="32" title="Robert Doisneau">Robert Doisneau</a>. Und er knipst und knipst und knipst. Vor ihm ein Pärchen, es schlendert durch die Stadt. Die beiden jungen Menschen flirten heftig miteinander, sie fasst sich in die Haare, die beiden lachen viel, halten Händchen, küssen sich und turteln. Für das Paris der fünfziger Jahre eine durchaus ganz normale Szene. Während man in den USA selbst in New York noch zu prüde ist, um auch nur in der Öffentlichkeit zu küssen, außer es ist gerade der zweite Weltkrieg zu Ende gegangen, ist in Paris gefühlt praktisch alles erlaubt. Und deswegen hat das Life Magazine <a "/tags/robert-doisneau.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="32" title="Robert Doisneau">Robert Doisneau</a> damit beauftragt, eine Artikelstrecke zu bebildern, in der es um diese Entspanntheit, diese Freiheit des Leben in Frankreich gehen soll. Und Robert ist berühmt dafür, dass er ein ganz besonderes Auge hat, seine Bilder sind oft witzig, originell, gefühlvoll und er wird verglichen mit einem anderen ganz großen, Henri Cartier-Bresson. Henri und Albert sind praktisch die Väter dieses Genres. </p>

<p>Und die Vorstellung, die wir von Paris haben, stammt aus der Kamera dieser beiden Männer. An diese März oder vielleicht war es auch ein Apriltag, fotografiert Robert im Auftrag des Life Magazines turtelnde Pärchen. Und unser Pärchen biegt in die Rue du Tivoli, die Straße, in der auch das Pariser Rathaus, das Hotel de Ville zu sehen ist und küsst sich im Vorbeigehen an Straßencafés fast beiläufig. Wie schon Eisenstaedt, hat Doisneau erstmal keine Ahnung, was für einen Treffer er hier gelandet hat. Es ist für ihn ein Bild von vielen, und sieht dieses Pärchen, das sich fast beiläufig küsst, leichte Bewegungsunschärfe im Bild, die Passanten interessiert das offensichtlich rein gar nicht und man erkennt im Hintergrund das Pariser Rathaus, das Hotel de Ville. Das Bild wurde im Life Magazine veröffentlicht, zusammen mit diversen anderen und für Robert war es eins seiner 450.000 Fotografien, also nichts weiter Spektakuläres. Unsere Geschichte nimmt den Faden erst 30 Jahre später wieder auf. Robert wird gebucht, um eine Serie mit Postkarten zu bebildern und sein Publisher schlägt vor, dieses Foto für eine Postkarte und für Poster zu benutzen. Und diesmal war es eben nicht einfach nur irgendein Bild, die Aufnahme wurde zu einem globalen Phänomen, sie traf einen Nerv. Millionenfach wird das Fach auf Postkarten verschickt, Poster werden überall zum Verkauf angeboten. </p>

<p>Was bis dahin vielleicht nur irgendein Schnappschuss gewesen mag, wird urplötzlich zum großen Geschäft. Und mit dem Geschäft gibt es dann mehr und mehr Menschen, die gerne mitverdienen wollen. In den Fünfzigern gab es in Frankreich schon etwas, das in den USA bis heute noch nicht existiert, das Recht am eigenen Bild. Man darf zwar aus künstlerischen Motiven heraus im öffentlichen Raum fotografieren, sobald aber Bilder verkauft werden und dafür Geld fließt, sollte man besser abgesichert sein. Und es dauerte auch gar nicht lange, bis die ersten Forderungen auftauchen. Mehr und mehr Paare behaupten von sich, auf dieser Aufnahme zu sein und verlangen Lizenzgebühren. Als Robert vor Gericht gezerrt wird, ist der Moment für Robert gekommen, ein Eingeständnis zu machen. Diese Aufnahme, der Kuss vor dem Rathaus, war nämlich nicht so spontan, wie er aussah. Robert war Profi, bei Aufnahmen wie diesen, wo er für eine Magazinstrecke gebucht war, ging er lieber auf Nummer sicher. Statt sich dem Risiko auszusetzen, dass er von irgendwelchen Leuten vor Gericht gezogen werden konnte, verpflichtete er lieber Freunde und Bekannte, für ihn Modell zu stehen. Wobei Modellstehen darf man das eigentlich nicht nennen, er gab keinerlei Anweisungen. </p>

<p>Die Pärchen schlenderten einfach durch die Stadt und er fotografierte sie. Da half es dann, wenn die sich sowieso mochten. Als er also vor Gericht stand, musste er das einräumen und fing sich damit gleich das ein, was wir heute einen Shitstorm nennen würden. Denn die meisten wollten doch so gerne glaube, dass da eine spontane Liebesbekundung festgehalten worden war. Egal wie romantisch der Kuss aussieht, wenn er nicht echt ist, dann ist er doch nur noch halb so viel Wert, oder? Trotzdem hätte jetzt ja wenigstens der Rechtsstreit vorbei sein können. Aber zu früh gefreut, denn das Modell auf dem Bild, Francois Bornet, behauptete, er hätte sie nie bezahlt, er hätte sie also um ihr rechtmäßiges Honorar betrogen. Und so hatte er zwar den einen Prozess erfolgreich abgewendet, doch gleich den nächsten am Hals. Auch diese Geschichte bekam allerdings ein Happy End. Denn irgendwann war Robert in der Lage eine Rechnung zu produzieren, mit der er nachweisen konnte, dass er sehr wohl bezahlt hatte. Außerdem wissen wir seit dieser Anekdote, dass wir uns eigentlich um sonst aufgeregt haben. Zwar war das Pärchen gebucht für diesen Kurs, aber die beiden waren wirklich ein Paar und der Kuss war auch echt, es gab ja wie gesagt keinerlei Anweisungen. </p>

<p>Im Grunde haben sie ihr Geld beim Spazierengehen und Turteln verdient. Neun Monate hielt diese Beziehung und dann trennten sich die zwei. Und auch für Francois gab es ein Happy End, zwar hatte sie den Rechtsstreit verloren, aber auf der Publicity-Welle reitend, beschloss sie dann ihren Originaldruck des Bildes noch mit Stempel und Unterschrift von <a "/tags/robert-doisneau.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="32" title="Robert Doisneau">Robert Doisneau</a> zu verkaufen. Und dieses Bild wurde für den dreifachen Schätzpreis verkauft und brachte ihr 155.000 Euro ein. Nicht schlecht für einmal spazieren gehen und knutschen. Was haben beide Bilder gemeinsam, außer dass sie jeweils einen Kuss zeigen, ikonisch sind und millionenfach als Sinnbild für Romantik, Leidenschaft und Liebe in irgendwelchen Teenager Zimmern hängen? Genau, sie haben gemeinsam, dass sie nicht zeigen, was wir zeigen, das sie glauben. Fotografie funktioniert nicht ohne Kontext. Und beide Aufnahmen haben Probleme, mit denen auch heutige Fotografen immer noch zu kämpfen haben. Robert Doisneau versuche mit dem Bild keine journalistische Ethik aufrecht zu erhalten, trotzdem würden Straßenfotografen heute die Nase rümpfen, weil er seine Aufnahme gestellt hatte. Das Recht am eigenen Bild, auch das wird in beiden Aufnahmen verhandelt, wenn auch auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Und die Frage, was die dargestellte Handlung in der Aufnahme denn wirklich bedeutet, sowohl in der Zeit, in der die Aufnahme entstand als auch in der Zeit, in der wir sie uns anschauen. Der Soldat, der knutschend durch die Menge zieht, heute absolut unakzeptables Verhalten, damals etwas was man weggelächelt hat. Passanten fotografieren und damit Geld verdienen, etwas das schon in den Fünfzigern so problematisch war, dass Profis wie Robert lieber mit Models gearbeitet haben als mit spontanen Begegnungen. Und dann noch die Frage, ob Bilder eigentlich wirklich Geschichten erzählen können, oder wir uns das nicht vielleicht doch einfach nur einbilden.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Shirley Page und warum Farbfilm rassistisch war</title>
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            <pubDate>Sat, 20 Mar 2021 17:42:20 GMT</pubDate>
            <description>Bis in die 90er Jahr des letzten Jahrhunderts wurden Fotokarten mit jungen weißen Models als Standard für gute Bildentwicklung verwendet.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Bis in die 90er Jahr des letzten Jahrhunderts wurden Fotokarten mit jungen weißen Models als Standard für gute Bildentwicklung verwendet. Das führte dazu, dass Menschen dunkler Hautfarbe systematisch auf Fotografien schlechter dargestellt wurden. Erst mit zunehmenden Beschwerden von wichtigen Werbekunden änderte sich diese Praxis… Sind Kameras rassistisch? (DOCMA) Shirley Card (Heidelberger Kunstverein) Warum Tech-Konzerne der Gesichtserkennung abschwören (Süddeutsche Zeitung) Die Shirley-Card oder warum der Farbfilm ein Rassist war. The Racial Bias Built Into Photography (New York Times) Rassentrennung (Wikipedia) „Kodak Shirley is the Norm“: On Racism and Photography (Researchgate) Looking at Shirley, the Ultimate Norm: Colour Balance, Image Technologies, and Cognitive Equity How 20th Century Camera Film Captured a Snapshot of American Bias (Time) Digital Cameras Still Racist (The Atlatik) The Shirley Card: Racial Photographic Bias through Skin Tone (Shutterstock) Transkript Farbfotografie ist so omnipräsent, dass wir überhaupt keine Vorstellung mehr davon haben, was für ein Quantensprung es gewesen war, als Farbfilme in der Breite verfügbar wurden. Wir sprechen von den 1930er Jahren ungefähr, als sie ersten kommerziell erhältlichen Farbfilme in die Läden kamen. Und die ersten Labore in der Lage waren, nicht nur schwarz-weiß zu entwickeln, sondern auch Farbdrucke zu produzieren. Und was vielen nicht klar ist, ist, wie komplex Farbeindrücke zustande kommen. Wir glauben ja, dass wir Farbe absolut sehen. Rot ist rot ist rot. Grün ist grün ist grün. Egal in welchem Licht, egal wo wir sind. Unser Gehirn und unser Sehapparat passen sich automatisch den Lichtverhältnissen an und geben uns den Farbeindruck, den wir erwarten. Die Kamera aber ist ein technisches Gerät. Die Kamera hat keine Erwartung an Farbe. Und Farbe entsteht durch Reflexion. Reflexion von Licht, dass selbst zum Teil auch schon gefärbt ist. Bei Kerzenschein zu fotografieren produzierte rötlichere Lichter, als wenn man im Neonlicht auf den Auslöser drückt. Objekte im Tageslicht sehen anders aus als Objekte in Kunstlicht. Und dann ist es noch so, dass das eingefangene Licht unterschiedlich aussieht, je nachdem, mit welchem Film oder welchem Sensor wir es zu tun haben. Auch heute ist es noch so, dass verschiedene Kamerasysteme Farben unterschiedlich darstellen. Bei identischem Licht mit identischem Objektiv können zwei unterschiedliche Kameras unterschiedliche Farben fotografieren. Einfach, weil sie die eingefangenen Lichtwellen leicht unterschiedlich interpretieren. Moderne Kameras versuchen zusätzlich noch vollautomatisch das Licht in der Umgebung einzuschätzen und eventuell auftauchende Farbverschiebungen zu korrigieren. Man nennt das Weißabgleich. Die Idee ist sozusagen, dass reines Weiß in jeglichen Lichtverhältnissen immer als reines Weiß dargestellt werden soll. Und das macht dann einfach einen Unterschied, ob Tageslicht oder Kerzenschein reflektiert wird. Moderne Kameras erkennen den Unterschied und korrigieren die Farben im gesamten Bild entsprechend. Diese automatische Korrektur steht einem Filmfotografen nicht zur Verfügung. Da wählt der Fotograf schon mal einen bestimmten Film, je nach zu erwartender Lichtsituation. Es gibt eigens angepasste Filme für Kunstlicht. Und andere Filme, die für Tageslicht geeignet sind. Ja, und wer selbst entwickelt, der kann eventuell in der Dunkelkammer noch ein bisschen nachhelfen. Das eine oder andere, Chemiebad ein bisschen länger und der Farbeindruck wird intensiver, ein bisschen kürzer und er lässt nach. Bei Aufkommen der Farbfotografie in den 1940er Jahren wollte man allerdings nicht selbst Hand anlegen. Farbfilme waren aufwendiger zu entwickeln als es Schwarz-weiß-Filme waren. Und so war das private Entwickeln von Farbfilm eher die Ausnahme. Die meisten Fotografinnen und Fotografen gaben ihre Werke in ein Labor. Und der Prozess war hochgrad</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Bis in die 90er Jahr des letzten Jahrhunderts wurden Fotokarten mit jungen weißen Models als Standard für gute Bildentwicklung verwendet. Das führte dazu, dass Menschen dunkler Hautfarbe systematisch auf Fotografien schlechter dargestellt wurden. Erst mit zunehmenden Beschwerden von wichtigen Werbekunden änderte sich diese Praxis&#8230; </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.docma.info/blog/sind-kameras-rassistisch" target="_blank">Sind Kameras rassistisch?</a> (DOCMA)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.hdkv.de/de/leseraum/shirley-card" target="_blank">Shirley Card (Heidelberger Kunstverein)</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/microsoft-gesichtserkennung-rassismus-1.4934730" target="_blank">Warum Tech-Konzerne der Gesichtserkennung abschwören</a> (Süddeutsche Zeitung)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://digitaleleinwand.de/2015/09/21/shirley-card-farbfilm-rassist/" target="_blank">Die Shirley-Card oder warum der Farbfilm ein Rassist war.</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nytimes.com/2019/04/25/lens/sarah-lewis-racial-bias-photography.html" target="_blank">The Racial Bias Built Into Photography</a> (New York Times)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rassentrennung" target="_blank">Rassentrennung</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.researchgate.net/publication/331697039_'Kodak_Shirley_is_the_Norm'_On_Racism_and_Photography" target="_blank">&#8222;Kodak Shirley is the Norm&#8220;: On Racism and Photography</a> (Researchgate)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20220712223430/https://cjc-online.ca/index.php/journal/article/view/2196/3069" target="_blank">Looking at Shirley, the Ultimate Norm: Colour Balance, Image Technologies, and Cognitive Equity</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://time.com/5871502/film-race-history/" target="_blank">How 20th Century Camera Film Captured a Snapshot of American Bias</a> (Time)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theatlantic.com/technology/archive/2010/01/digital-cameras-still-racist/341451/" target="_blank">Digital Cameras Still Racist</a> (The Atlatik)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.shutterstock.com/blog/shirley-card-racial-photographic-bias" target="_blank">The Shirley Card: Racial Photographic Bias through Skin Tone</a> (Shutterstock)</li></ul>

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<p>Transkript</p>

<p>Farbfotografie ist so omnipräsent, dass wir überhaupt keine Vorstellung mehr davon haben, was für ein Quantensprung es gewesen war, als Farbfilme in der Breite verfügbar wurden. Wir sprechen von den 1930er Jahren ungefähr, als sie ersten kommerziell erhältlichen Farbfilme in die Läden kamen. Und die ersten Labore in der Lage waren, nicht nur schwarz-weiß zu entwickeln, sondern auch Farbdrucke zu produzieren. Und was vielen nicht klar ist, ist, wie komplex Farbeindrücke zustande kommen. Wir glauben ja, dass wir Farbe absolut sehen. Rot ist rot ist rot. Grün ist grün ist grün. Egal in welchem Licht, egal wo wir sind. Unser Gehirn und unser Sehapparat passen sich automatisch den Lichtverhältnissen an und geben uns den Farbeindruck, den wir erwarten. </p>

<p>Die Kamera aber ist ein technisches Gerät. Die Kamera hat keine Erwartung an Farbe. Und Farbe entsteht durch Reflexion. Reflexion von Licht, dass selbst zum Teil auch schon gefärbt ist. Bei Kerzenschein zu fotografieren produzierte rötlichere Lichter, als wenn man im Neonlicht auf den Auslöser drückt. Objekte im Tageslicht sehen anders aus als Objekte in Kunstlicht. Und dann ist es noch so, dass das eingefangene Licht unterschiedlich aussieht, je nachdem, mit welchem Film oder welchem Sensor wir es zu tun haben. Auch heute ist es noch so, dass verschiedene Kamerasysteme Farben unterschiedlich darstellen. Bei identischem Licht mit identischem Objektiv können zwei unterschiedliche Kameras unterschiedliche Farben fotografieren. Einfach, weil sie die eingefangenen Lichtwellen leicht unterschiedlich interpretieren. </p>

<p>Moderne Kameras versuchen zusätzlich noch vollautomatisch das Licht in der Umgebung einzuschätzen und eventuell auftauchende Farbverschiebungen zu korrigieren. Man nennt das Weißabgleich. Die Idee ist sozusagen, dass reines Weiß in jeglichen Lichtverhältnissen immer als reines Weiß dargestellt werden soll. Und das macht dann einfach einen Unterschied, ob Tageslicht oder Kerzenschein reflektiert wird. Moderne Kameras erkennen den Unterschied und korrigieren die Farben im gesamten Bild entsprechend. Diese automatische Korrektur steht einem Filmfotografen nicht zur Verfügung. Da wählt der Fotograf schon mal einen bestimmten Film, je nach zu erwartender Lichtsituation. Es gibt eigens angepasste Filme für Kunstlicht. Und andere Filme, die für Tageslicht geeignet sind. Ja, und wer selbst entwickelt, der kann eventuell in der Dunkelkammer noch ein bisschen nachhelfen. Das eine oder andere, Chemiebad ein bisschen länger und der Farbeindruck wird intensiver, ein bisschen kürzer und er lässt nach. </p>

<p>Bei Aufkommen der Farbfotografie in den 1940er Jahren wollte man allerdings nicht selbst Hand anlegen. Farbfilme waren aufwendiger zu entwickeln als es Schwarz-weiß-Filme waren. Und so war das private Entwickeln von <a "/tags/farbfilm.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="28" title="Farbfilm">Farbfilm</a> eher die Ausnahme. Die meisten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen gaben ihre Werke in ein Labor. Und der Prozess war hochgradig standardisiert. Marktführer <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> wollte nicht nur gern genau definierte Qualität bei den Filmen, sondern auch eine genau vorhersagbare Qualität bei der Entwicklung in Partnerlaboren liefern. Und man wollte sicherstellen, dass die Kunden bekamen, was sie erwartet. Hochwertige Ausdrucke in den Farben, die sie glaubten, fotografiert zu haben. Welche Farben ein Film darstellen kann, hängt von der Zusammenstellung der verwendeten Chemikalien ab. Welche Farben dargestellt werden, von der eigentlichen Entwicklung. </p>

<p>Vorgaben mussten also her. Wenn ein Film nicht alle Farben darstellen konnte, dann musste zumindest alles das dargestellt werden, was die Kundschaft haben wollte. Und wenn man sicherstellen möchte, dass jedes <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a>-zertifizierte Labor auch wirklich dieselbe Leistung erbrachte, musste eine Art Normmotiv her. Ein Bild also, dass überall gleich aussagt, wenn man sich bei allen Produktions- und Entwicklungsschritten an die Vorgaben gehalten hatte. Vorhang auf für die Shirley Card. Die Shirley Card war eine Karte, die <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> ab den vierziger Jahren standardmäßig produzierte und an Partnerbetriebe und Fotografen auslieferte. Die Shirley Card hatte ihren Namen von Shirley Page. Einer Mitarbeiterin, die für die erste derartige Karte Modell gestanden hatte. Die gutaussehende Brünette lächelte freundlich in die Kamera und warum geben von mehreren Farbfeldern, die Farbschattierungen und Hauptfarben darstellten. Und mit diesen Karten wurde dann fotografisches Equipment eingerichtet. Man konnte sie abfotografieren, man konnte sie testentwickeln. Und man konnte dann das entwickelte Ergebnis mit dem von Kodak verschickten Original vergleichen. Waren beide mehr oder weniger identisch, hatte man alles richtig eingestellt. Leider weiß man nicht viel über Shirley Page. Aber bis in die 2000er wussten <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a>, was gemeint war, wenn man sie aufforderte, mal gerade die Shirley drüber zu geben. Über die Jahre wurden auch verschiedene Models fotografiert, immer aber mit denselben grundlegenden Eigenschaften. Helle Haut, brünette Haare, Farbfelder außenrum. Und allgemein dachte man sich nicht viel dabei. </p>

<p>Das Ding war ja nur ein Hilfsmotiv. Wer bis hierher aufmerksam zugehört hat, weiß natürlich, was vermutlich das Problem war. Filme der damaligen Zeit hatten einen begrenzten Farbumfang. Einen Farbraum, der nicht die volle Breite an möglichen Schattierungen abbildete. Kodak hatte mit der Shirley Card sozusagen die Norm gesetzt. Und die Norm war eine hellhäutige, brünette Frau. Es wurde außerdem angenommen, dass die Hauptkundschaft in aller Regel weißhäutig war. Und weil Filmemulsionen, genauso wie Labore, auf diese Hauptkundschaft ausgerichtet waren, entstand der Nebeneffekt, dass weiße Menschen auf Kodak-Film besser aussahen und besser gezeichnet wurden, mit mehr Details als Mensch mit dunkler Hautfarbe. In den Fünfzigern und Sechzigern ist in den USA die Zeit des Civil Rights Movements. Afroamerikaner oder generell People of Color lehnen sich gegen das bis dahin verbreitete System der Rassentrennung auf. Und erstreiten sich gleiche Rechte, zumindest auf dem Papier. Und so häufen sich auch die Gelegenheiten, wo People of Color und Menschen weißer Hautfarbe auf denselben Bildern stehen. Zum Beispiel bei Schulfotos. Und spätestens da wurde dann auffällig, wie unterschiedlich die Filme und Labore helle und dunkle Haut behandelten. Da war es dann entweder so, dass die dunkle Haut sauber gezeichnet ist und die helle Haut nur noch ein Fleck war. Oder genau der umgekehrte Fall. Der hell heutige Mensch wurde richtig gezeichnet und People of Color mussten damit leben, im Bild praktisch nur noch ein dunkler Fleck mit weißen Zähnen zu sein. </p>

<p>Bei Kodak häuften sich also die Beschwerden, und man stellte sich erstmal taub. Labore, die um diese Probleme wussten, behelfen sich, indem sie bei entsprechender Kundschaft ihre Entwicklungsprozesse anpassten. Es gab Fotografen, die darauf spezialisiert waren, die richtige Belichtung zwischen den zwei Extremwerten zu wählen. Und auf dem Markt tauchten Filme auf, die darauf optimiert waren, dunkle Haut besonders gut darzustellen. Manch Kamerahersteller fand auch eine technische Lösung dafür. So gab es von Polaroid mit der ID2 eine Kamera, die eine eigene Taste hatte, die es erlaubte, bei dunkelhäutigen Menschen im Bild etwas stärker zu blitzen, als man bei hellhäutigen Menschen blitzen würde. Das Problem war also bekannt, aber den Kodak-Managern erstmal reichlich egal. Bis in die Achtziger dauerte es, bevor man reagierte. Denn offensichtlich war die Käuferschaft überwiegend weiß, oder wusste sich zu helfen. </p>

<p>Darf man den Artikeln glauben, die sich mit dem Thema näher auseinandersetzen, war es dann übrigens auch nicht so, dass Kodak eingesehen hatte, dass People of Color eingebunden werden müssen, sondern, es war die Beschwerde von Werbekunden, die Kodak dazu brachten, ihre Filmemulsion zu überarbeiten und neue Shirley Cards zu produzieren. Es stellte sich nämlich heraus, dass braune Farbnuancen nicht nur gut für die Darstellung von People of Color war, sondern, dass besonders Möbelhersteller und Schokoladenhersteller bei ihren Werbekampagnen darauf bestanden, dass man auch feinere Details ihrer Produkte erkennen konnte. Über 30 Jahre nach Einführung der original Kodak Farbfilme brachte Kodak also einen neuen Film auf den Markt. Den Kodak Gold Max-Film. In der dazugehörigen Werbekampagne war Kodak stolz darauf, dass man mit Kodak Gold Max auch ein dunkles Pferd in schlechten Lichtverhältnissen fotografieren konnte. </p>

<p>Ja, und nochmal zehn Jahre später nahm sich Kodak dann endlich auch dem Problem an, dass Laborstrecken immer noch auf die weiße Normkundin hin optimiert wurden und aktualisierten zu diesem Zweck ihre Shirley Card. Die neue Shirley zeigte nicht nur einen, sondern gleich drei Frauen. Zu der weißen Normfrau war noch eine Asiatin und eine Person of Color gekommen. Nicht zuletzt deswegen, und weil moderne Filme einen wesentlich größeren Farbraum abdecken, ist das Problem, dunkle und helle Haut gleichzeitig gut aussehen zu lassen, fast schon ein Relikt der Vergangenheit. Fast. Denn man muss nicht lange suchen, um festzustellen, dass auch moderne Kameratechnologie eingebaute, unabsichtliche Vorurteile hat. So gab es in der jüngeren Vergangenheit Fälle, wo Algorithmen, die auf die Erkennung von Gesichtern trainiert waren, weiße Haut besser erkannten als die Haut von People of Color. Wenn die Beleuchtung für Bühnen oder Filmsets ausgerichtet wird, wird öfters darauf optimiert, dass die Haut von Weißen besser aussieht. Das ist der Standardfall. Für die dunkle Haut von People of Color werden zusätzliche Schritte notwendig. Und wenn wir das eine als den Normalfall und das andere als die Abweichung ansehen, haben wir sozusagen eine Textbuchdefinition von eingebautem Rassismus. </p>

<p>Auch wenn es unabsichtlich ist. In den Achtzigern und Neunzigern waren die Filme von Fuji dafür bekannt, dass sie die Farbe dunkler Haut besser darstellten als das Äquivalent von Kodak. Heute gibt es Algorithmen, Kameras und Belichtungssysteme, die besser als andere darin funktionieren, dunkle Haut richtig aussehen zu lassen. Und das alles steht und fällt mit dem Bewusstsein dafür, dass es wichtig ist, beides auch mal getestet zu haben.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Beinahe Nobelpreisträgerin</title>
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            <pubDate>Sat, 13 Mar 2021 18:26:20 GMT</pubDate>
            <description>Rosalind Franklin machte das vielleicht wichtigste Foto des 20. Jahrhunderts und sicherte durch ihre Arbeit 4 Männern Nobelpreise...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Rosalind Franklin machte das vielleicht wichtigste Foto des 20. Jahrhunderts und sicherte durch ihre Arbeit 4 Männern Nobelpreise… Die Entschlüsselung der DNA Struktur Desoxyribonukleinsäure (Wikipedia) Oswald Avery (Wikipedia) Rosalind Franklin (Wikipedia) Kristallografie (Wikipedia) James Watson (Wikipedia) Foto 51 (Wikipedia) The most important photo ever taken? (BBC) Maurice Wilkins (Wikipedia) Aaron Klug (Wikipedia) Tragische Entdeckerin (Spiegel) Briefe enthüllen Zwist zwischen Forscher-Rivalen (Spiegel) Wegweisend für die Entdeckung der DNA-Struktur (Deutschlandfunk) Rosalind Franklin im HerStory Pod Rosalind Franklin im Podcast Geschichten aus der Geschichte.fm FotoFemme Podcast Dieses Video auf YouTube ansehen Transkript Desoxyribonukleinsäure, das ist ein Begriff, den habe ich in der Schule gelernt. Als mir nämlich erklärt wurde, wie das Ding mit der Vererbung funktioniert. Und es wird wohl auch in der Schule gewesen sein, als ich zum ersten Mal ein Bild dieser Doppelwendeltreppe gesehen habe, in der alles enthalten ist, was man über unseren Körper wissen muss. Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme ist dieses Wissen gerade mal knapp 70 Jahre alt. Und es fühlt sich an, als wäre es eigentlich schon immer in der Welt gewesen. Wir identifizieren Menschen mithilfe von DNA. Wir beweisen Verwandtschaftsverhältnisse. Wir verfolgen Viren. Wir entwickeln Impfstoffe auf Basis dieses Wissens. Dabei war erst 1943 klar, dass die DNA irgendwas mit Vererbung zu tun haben musste. Als nämlich der Wissenschaftler Oswald Avery experimentell nachwies, dass er Eigenschaften zwischen Bakterienstämmen mithilfe von DNA übertragen konnte. In vielerlei Hinsicht eröffnete dieses Experiment ein Rennen. Man wusste jetzt, dass die DNA zuständig für Vererbung war. Man wusste auch, dass man das beeinflussen konnte. Man wusste aber nicht, wie es genau funktionierte und warum. Und das ist jetzt der Zeitpunkt, wo ich eine Frau vorstellen möchte. Rosalind Franklin. Rosalind war 1920 in eine britisch-jüdische Bankerfamilie geboren worden. Akademisches Wissen und Ambitionen standen in der Familie Franklin in hohem Kurs. Und so wurde auch Rosalind relativ früh auf eine hervorragende Schule geschickt. Rosalind war von klein auf als überdurchschnittlich begabt aufgefallen. Sie hatte ein außergewöhnliches Gedächtnis und interessierte sich einfach immer ein bisschen mehr und ein bisschen detaillierter als ihre gleichaltrigen Spielkameraden für Dinge in ihrer Umgebung. Für sie ist schon mit 15 klar, dass sie eine wissenschaftliche Karriere einschlagen möchte. Mit 17 besteht sie die Zulassungsprüfung an der Universität Cambridge. Sie schneidet in der Chemie-Prüfung so gut ab, dass ihr die Universität ein Stipendium gibt. Und Rosalind stürzt sich vollends in ihr Studium. Sie hat außerdem eine Eigenart, die sie von ihren Kommilitonen und auch von späteren Kollegen abhebt. Sie liebt Laborarbeit. Für die meisten Wissenschaftler ist die Arbeit im Labor eher nervig. Dinge dauern lange, brauchen viel Aufwand. Aber für Rosalind ist das der Platz, an dem Wissenschaft und wissenschaftliche Erkenntnis wirklich stattfindet. Ihre Arbeit bringt sie in die Kristallografie und die physikalische Chemie. Sie beschäftigt sich also mit der inneren Struktur und dem Verhalten von Atomen und Molekülen. In ihrer Zeit in Cambridge bricht der zweite Weltkrieg aus. Als jüdische Familie verfolgen die Franklins aufmerksam und mit Schock und Schrecken, wie sich Nazi-Deutschland gegenüber ihren Landsleuten verhält, und fangen an, sich in verschiedenen Flüchtlingsorganisationen und auch persönlich zu engagieren. Rosalind forscht in dieser Zeit an der Struktur von Kohle. Arbeiten, die unter anderem zu effizienteren Gasmasken führen. Da die Deutschen im Umgang mit Giftgas nicht zimperlich sind, wird ihre Arbeit als lebensrettend angesehen. Es sind auch diese Arbeiten, die die Grundlage ihres Doktortitels in physikalischer </itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Rosalind Franklin machte das vielleicht wichtigste Foto des 20. Jahrhunderts und sicherte durch ihre Arbeit 4 Männern Nobelpreise…</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.ardalpha.de/wissen/gesundheit/james-watson-dna-dns-francis-crick-genforschung-strickleiter-gene-100.html#:~:text=Ihre%20Entdeckung%20war%20die%20Grundlage,Genforschung%20und%20Techniken%20wie%20CRISPR.&amp;text=Seit%20vielen%20Jahrzehnten%20ist%20bekannt,Francis%20Crick%20im%20Jahr%201953." target="_blank">Die Entschlüsselung der DNA Struktur</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Desoxyribonukleins%C3%A4ure" target="_blank">Desoxyribonukleinsäure </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oswald_Avery" target="_blank">Oswald Avery</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rosalind_Franklin" target="_blank">Rosalind Franklin</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kristallographie" target="_blank">Kristallografie</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/James_Watson" target="_blank">James Watson</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Foto_51" target="_blank">Foto 51</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bbc.com/news/health-18041884" target="_blank">The most important photo ever taken?</a> (BBC)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maurice_Wilkins" target="_blank">Maurice Wilkins</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aaron_Klug" target="_blank">Aaron Klug</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/rosalind-franklin-mit-entdeckerin-der-dna-bekam-keinen-nobelpreis-a-913066.html" target="_blank">Tragische Entdeckerin</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/geschichte-der-dna-entschluesselung-briefe-enthuellen-zwist-zwischen-forscher-rivalen-a-720412.html" target="_blank">Briefe enthüllen Zwist zwischen Forscher-Rivalen</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.deutschlandfunk.de/die-biochemikerin-rosalind-franklin-wegweisend-fuer-die-100.html" target="_blank">Wegweisend für die Entdeckung der DNA-Struktur</a> (Deutschlandfunk)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://fyyd.de/episode/5600466" target="_blank">Rosalind Franklin im HerStory Pod</a></li><li><a href="https://fyyd.de/episode/1865638" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rosalind Franklin im Podcast Geschichten aus der Geschichte.fm</a></li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://fyyd.de/podcast/fotofemme/0" target="_blank">FotoFemme Podcast</a></li></ul>

<figure><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="620" height="883" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Rosalind-Franklin_3438460b.jpg" alt="Schwarzweißporträt einer jungen Frau mit dunklem Haar und einem gekrägern Oberteil, die direkt in die Kamera blickt."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="446" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/rosalind-franklin-900x446-1.jpg" alt="Eine junge Frau blickt von einer Steinkante über eine weite Landschaft mit einem Backsteingebäude im Hintergrund." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="880" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/MIJ-L-FRANKLIN-0813-1024x880.jpg" alt="Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt eine Frau in einem gestreiften Kleid, die an einer Laborbank arbeitet und wissenschaftliche Geräte im Hintergrund sichtbar sind." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="450" height="540" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/3738dcfdfa0757f455af812e86695fbb.jpg" alt="Eine Frau in einem Laborkittel steht inmitten von Laborausrüstung und hält einen Glasstab."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="511" height="512" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/unnamed.jpg" alt="Zwei Männer stehen vor einer großen Tafel mit zahlreichen Diagrammen und Modellen von Flugmaschinen, wobei ein Mann mit einem Zeigstock auf die Ausstellungsstücke zeigt." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="638" height="490" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/16431_watsonnobel.jpg" alt="Eine Gruppe von Männern in Anzügen steht vor einem Gebäude und hält Papiere sowie Bücher, während im Hintergrund Pflanzen zu sehen sind."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="624" height="440" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/R_Franklin1.jpg" alt="Eine Frau sitzt in einem Club an einem Tisch mit Gegenständen und befindet sich vor einem Hintergrund mit Hinweisschildern."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="317" height="322" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Photo_51_x-ray_diffraction_image1-1.jpg" alt="Die Aufnahme zeigt eine runde Platte mit vier dunklen Flecken in Kreuzform um einen zentralen Punkt."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="745" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/default1-745x1024.jpg" alt="Eine Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt eine Frau, die draußen auf einem Stein sitzt und vor einer Kulisse aus Wald und Felswänden posiert." /></figure></li></ul></figure>

<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=kcHqqk9oj-g" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf YouTube ansehen</a></p>
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<p>Transkript</p>

<p>Desoxyribonukleinsäure, das ist ein Begriff, den habe ich in der Schule gelernt. Als mir nämlich erklärt wurde, wie das Ding mit der Vererbung funktioniert. Und es wird wohl auch in der Schule gewesen sein, als ich zum ersten Mal ein Bild dieser Doppelwendeltreppe gesehen habe, in der alles enthalten ist, was man über unseren Körper wissen muss. Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme ist dieses Wissen gerade mal knapp 70 Jahre alt. Und es fühlt sich an, als wäre es eigentlich schon immer in der Welt gewesen. Wir identifizieren Menschen mithilfe von DNA. Wir beweisen Verwandtschaftsverhältnisse. Wir verfolgen Viren. Wir entwickeln Impfstoffe auf Basis dieses Wissens. Dabei war erst 1943 klar, dass die DNA irgendwas mit Vererbung zu tun haben musste. </p>

<p>Als nämlich der Wissenschaftler Oswald Avery experimentell nachwies, dass er Eigenschaften zwischen Bakterienstämmen mithilfe von DNA übertragen konnte. In vielerlei Hinsicht eröffnete dieses Experiment ein Rennen. Man wusste jetzt, dass die DNA zuständig für Vererbung war. Man wusste auch, dass man das beeinflussen konnte. Man wusste aber nicht, wie es genau funktionierte und warum. Und das ist jetzt der Zeitpunkt, wo ich eine Frau vorstellen möchte. Rosalind Franklin. Rosalind war 1920 in eine britisch-jüdische Bankerfamilie geboren worden. Akademisches Wissen und Ambitionen standen in der Familie Franklin in hohem Kurs. Und so wurde auch Rosalind relativ früh auf eine hervorragende Schule geschickt. Rosalind war von klein auf als überdurchschnittlich begabt aufgefallen. Sie hatte ein außergewöhnliches Gedächtnis und interessierte sich einfach immer ein bisschen mehr und ein bisschen detaillierter als ihre gleichaltrigen Spielkameraden für Dinge in ihrer Umgebung. Für sie ist schon mit 15 klar, dass sie eine wissenschaftliche Karriere einschlagen möchte. Mit 17 besteht sie die Zulassungsprüfung an der Universität Cambridge. Sie schneidet in der Chemie-Prüfung so gut ab, dass ihr die Universität ein Stipendium gibt. </p>

<p>Und Rosalind stürzt sich vollends in ihr Studium. Sie hat außerdem eine Eigenart, die sie von ihren Kommilitonen und auch von späteren Kollegen abhebt. Sie liebt Laborarbeit. Für die meisten Wissenschaftler ist die Arbeit im Labor eher nervig. Dinge dauern lange, brauchen viel Aufwand. Aber für Rosalind ist das der Platz, an dem Wissenschaft und wissenschaftliche Erkenntnis wirklich stattfindet. Ihre Arbeit bringt sie in die Kristallografie und die physikalische Chemie. Sie beschäftigt sich also mit der inneren Struktur und dem Verhalten von Atomen und Molekülen. In ihrer Zeit in Cambridge bricht der zweite Weltkrieg aus. Als jüdische Familie verfolgen die Franklins aufmerksam und mit Schock und Schrecken, wie sich Nazi-Deutschland gegenüber ihren Landsleuten verhält, und fangen an, sich in verschiedenen Flüchtlingsorganisationen und auch persönlich zu engagieren. Rosalind forscht in dieser Zeit an der Struktur von Kohle. Arbeiten, die unter anderem zu effizienteren Gasmasken führen. </p>

<p>Da die Deutschen im Umgang mit Giftgas nicht zimperlich sind, wird ihre Arbeit als lebensrettend angesehen. Es sind auch diese Arbeiten, die die Grundlage ihres Doktortitels in physikalischer Chemie bilden, den sie 1945 verliehen bekommt. Zwei Jahre nach Kriegsende macht sie sich auf den Weg nach Paris. Es ist diese Zeit, in der sie anfängt, sich mit der sogenannten Kristallstrukturanalyse zu beschäftigen. Es gibt verschiedene Methoden, mit denen man auf den inneren Aufbau von Kristallen schließen kann. Eine der erfolgversprechendsten ist die sogenannte Röntgenbeugungsanalyse. Das ist nichts anderes als Fotografie, aber mithilfe von Röntgenstrahlen. Das sind elektromagnetische Strahlen, und ähnlich wie Licht kann man sie verwenden, um ein Filmmedium zu schwärzen. Das heißt, es lassen sich Abbildungen erzeugen. Die Fotos, die da erzeugt werden, basieren auf der Streuung. Röntgenstrahlen prallen sozusagen von Strukturen ab, und diese abgeprallten Strahlen fängt man dann ein. </p>

<p>Die Muster, die so sichtbar wurden, erlaubten dann Rückschlüsse auf die fotografierten Strukturen. Das war eine höchst aufwendige Methode. Belichtungen konnten über 100 Stunden dauern. Und nachdem man das Bild hatte, fing die Arbeit eigentlich erst an. Dann wurde nämlich aus dem Chemiker ein Mathematiker. Diese Bilder wurden mathematisch analysiert. Und die dazu notwendigen Berechnungen konnten durchaus auch mal über ein Jahr dauern. Und Rosalind ging in all diesen Arbeiten auf. Sie fühlte sich in Paris im Kreis ihrer Kollegen an dem Institut, an dem sie arbeitete, pudelwohl und veröffentlichte in der Zeit diverse Artikel, in der sie die Struktur verschiedener Kohlenstoffverbindungen analysierte. Die Nachkriegszeit in Frankreich war hart. Aber aus Briefen aus der Zeit weiß man, dass Rosalind glücklich war. Trotzdem wird sie von ihrer Familie bekniet, doch wieder nach England zurückzukehren. </p>

<p>So nimmt sie dann letztlich 1950 ein Stipendium des King&#8217;s College in London an, in dem es um den Aufbau einer Kristallogie-Abteilung geht. Und für Rosalind begann jetzt eine wirklich harte Zeit. Ihr war vom Leiter des Instituts zugesichert worden, dass sie eigenständig forschen würde und eine eigene Abteilung leiten würde. Der damals stellvertretende Leiter, Maurice Wilkins, wusste von diesem Arrangement nichts und hielt zunächst Rosalind Franklin für seine Assistentin. Rosalind war aber starrköpfig und fähig. Als sie ihre Arbeit im King&#8217;s College antrat, war Maurice Wilkins zwei Monate auf Reisen, und in der Zeit baute sie ein Labor auf, das trotz der begrenzten Möglichkeiten des Instituts schnell zu den besten seiner Zeit gehörte. Rosalind Franklin und Maurice Wilkins arbeiteten beide im Wesentlichen im selben Aufgabengebiet. Der Auftrag war, die Struktur der DNA zu analysieren. Man hatte vor Kurzem entdeckt, dass die Röntgenstrahlen-Diffraktion in der Lage war, Fotos von DNA-Strängen zu produzieren. Rosalind war eine anerkannte Expertin in der Methode. Maurice Wilkins wiederum war in dem Verfahren ein Anfänger. Hinzu kam, dass Rosalind nicht mal eben zimperlich war. Besonders fragile männliche Egos mussten darunter leiden, dass Rosalind den Männern in ihrer Umgebung ihre Meinung ungeschminkt ins Gesicht sagte. </p>

<p>Hinzu kam noch ein nicht unerheblicher Kulturschock. Rosalind hatte ein außerordentlich reichhaltiges Sozialleben. Sie war belesen in zwei Sprachen, hatte in Paris ausgiebig am kulturellen Leben teilgenommen und war jetzt im King&#8217;s College gelandet, wo im Wesentlichen Männer arbeiteten und überwiegend auch keine besonders hohe Meinung von ihren weiblichen Kollegen hatten. Ein jahrelanger Freund Rosalinds schreibt das so: „Wohl belesen in zwei Sprachen war sie ein zivilisiertes, intellektuelles Leben sowie Gespräche über Malerei, Lyrik, Theater und Existenzialismus gewohnt.“ Und jetzt umgaben sie Menschen, die noch nie von Sartre gehört hatten, die hauptsächlich den Evening Standard lasen und denen die Sorte Mädchen gefiel, die sich auf Fachbereichspartys betranken, von Schoß zu Schoß weitergereicht wurden und sich den BH öffnen ließen. Eieiei. Aber Rosalind bleibt am Ball. Sie glaubt sich im Auftrag, die Struktur der DNA entschlüsseln zu sollen, und arbeitet daran. Die Entschlüsselung der DNA lag auch irgendwie in der Luft. Es gab eine ganze Reihe Arbeitsgruppen, die sich genau mit dieser Aufgabe auseinandersetzten. </p>

<p>Es gab verschiedene Versuche, das Problem anzugehen. Eine sehr beliebte Methode schien zu der Zeit das Bauen von Modellen gewesen zu sein. Statt also Experimente im Labor durchzuführen, baute man Modelle von Molekülketten auf und forschte an denen. Und beide Vorgehensweisen hatten ihre Vorteile. Während Franklin im Wesentlichen Experimente durchführte, konnte man mithilfe von solchen Modellen versuchen, Theorien zu entwickeln und zu überprüfen. Zwei damals noch junge und unbekannte Wissenschaftler, die mit diesem Modellansatz arbeiteten, waren James Watson und Francis Crick. Letzterer hatte zu dem Zeitpunkt noch nicht mal seinen Doktortitel im Kasten. Und beide sahen in der Jagd nach der DNA-Struktur eine Möglichkeit, zu Ruhm zu gelangen. Sie mussten sich allerdings beeilen, das war ihnen klar. Beide standen im engen Austausch mit Maurice Wilkins vom King&#8217;s College. Also dem Mann, der mit Rosalind Franklin seinen kleinen persönlichen Machtkampf hatte. </p>

<p>Rosalinds Arbeit bestand im Wesentlichen darin, Aufnahmen per Röntgendiffraktion zu machen und dann die entstandenen Aufnahmen zu analysieren. Im Mai 1952 macht sie wieder eine solche Aufnahme. 100 Stunden lang wird belichtet. Das Ergebnis ist ungewöhnlich scharf und muss auch für Rosalind sofort als etwas Besonderes hervorgestochen haben. Auf dem Bild ist ein X zu sehen, bestehend aus einzelnen Segmenten. Und kundige Augen erkennen an dieser Aufnahme sofort, dass das Molekül, das fotografiert worden war, eine Doppelhelixstruktur haben muss. Rosalind benennt das Bild Foto 51 und legt es in eine Mappe zur späteren Bearbeitung. Sie ist dabei, ein ausführliches Paper über ihre Erkenntnisse zu schreiben, und dieses Bild wird der finale Baustein sein. Und hier fängt der Teil der Geschichte an, der sich fischig anfühlt. Rosalind Franklin hält diverse Vorträge. Und über einen solchen Vortrag erfährt Maurice Wilkins von den Aufnahmen, die sie in letzter Zeit produziert hat und die Erkenntnisse, die man darin sehen kann. Er weiß auch von der Arbeitsgruppe in Cambridge. </p>

<p>Er kopiert die Aufnahme und leitet sie an die Arbeitsgruppe weiter. Und für Watson und Crick fällt jetzt alles an den richtigen Platz. Plötzlich wissen sie, wie sie ihr Modell aufzubauen haben. Sie erkennen die Fehler in ihren bisherigen Versuchen und erkennen, dass es nicht nur eine Helix, sondern eine Doppelhelix ist. Weil aber so viele Forscher gleichzeitig an diesem Problem arbeiten, drängt die Zeit. Und es werden mit Hochdruck mehrere Paper geschrieben und Kontakt mit dem anerkannten Wissenschaftsmagazin Nature aufgenommen. Auch Rosalind Franklin wird eingeladen, sich das neu entwickelte Modell anzusehen. Sie weiß nichts davon, dass dieses Modell auf Basis ihrer Arbeit entstanden ist, erkennt aber sofort, dass die Wissenschaftler ganz offensichtlich diesmal die richtige Struktur gefunden haben. Das Paper, an dem sie gearbeitet hatte, kam zu demselben Ergebnis. Und so einigt man sich darauf, sämtliche Forschungsarbeiten gleichzeitig in der derselben Nature-Ausgabe zu veröffentlichen. Crick und Watson erwähnen Rosalind in ihren Texten, aber eher beiläufig als eine inhaltliche Inspiration. Und die Reihenfolge der Paper wird so gewählt, das Rosalinds Paper am Schluss des Magazins landet und deswegen so aussieht, als wäre es einfach nur eine experimentelle Bestätigung der Arbeiten der anderen Arbeitsgruppe gewesen. Kurzum, der Eindruck entsteht, es war die Arbeitsgruppe von Crick and Watson, die die Doppelhelixstruktur entdeckt hatte. Und weil die nicht darauf hinwiesen, welche zusätzlichen Informationen Ihnen vorgelegen hatten, wurde die Arbeit von Rosalind Franklin nicht als so bahnbrechend erkannt, wie sie tatsächlich gewesen war. Rosalind hatte zu der Zeit bereits Schritte eingeleitet, sich vom King&#8217;s College zu lösen. Unter der Bedingung, dass sie nicht weiter an der DNA-Analyse arbeiten würde, erlaubte man ihr, zum Berwick College zu wechseln. Ihr war es gerade recht. Sie hatte mit den Kollegen im King&#8217;s College mehr oder weniger abgeschlossen, obwohl sie mit einigen, unter anderem auch Mitgliedern dieser Arbeitsgruppen, in positivem Kontakt blieb, und wandte sich jetzt er Erforschung von Viren zu. </p>

<p>Es mangelte ihr auch nicht an Anerkennung. Als bekannte Kristallogin, Virenforscherin, DNA-Forscherin wurde sie international zu Vorträgen eingeladen und hatte diverse Stipendien in Aussicht, die sie unter Umständen annehmen konnte. 1956 wurde bei ihr Eierstockkrebs diagnostiziert. Unter Umständen ein Ergebnis ihrer jahrelangen Arbeit mit Röntgenstrahlung. Und sie stirbt 1958. 1962 bekommen James Watson, Francis Crick und Maurice Wilkins den Nobelpreis für die Entdeckung der Doppelhelixstruktur der DNA verliehen. Rosalinds Beitrag wird zu dem Zeitpunkt nicht gewürdigt. Die Öffentlichkeit erfährt von dem Zusammenhang erst so richtig, als James Watson sechs Jahre später sein Buch „Die Doppelhelix“ veröffentlicht. Er erwähnt in diesem Buch Rosalind Fanklins Beitrag, lässt aber an Rosalind charakterlich kein gutes Haar. Der beschriebene Vorgang selbst löst natürlich schon Kritik aus. Außerdem wirft man Watson Sexismus vor. </p>

<p>Es gibt auch Diskussionen, ob man Rosalind Franklin nicht nachträglich noch würdigen könnte, aber der Nobelpreis wird nicht posthum verliehen. James Watson ist inzwischen eine einigermaßen traurige Gestalt. 1997 gibt er ein Interview, in dem er nicht nur nahelegt, dass man per Gentest Homosexualität diagnostizieren kann, sondern gleich auch fordert, dass Frauen im Falle einer solchen Diagnose ihr Baby abtreiben dürfen sollten. Außerdem, so gibt er im selben Interview zum Besten, wären Schwarze mit einer höheren Libido und geringerer Intelligenz als Weiße ausgestattet. Kritik hagelt auf ihn nieder, und er wird von seinen Ämtern suspendiert. Als er beide Aussagen 2017 und 2019 noch mal wiederholt. 2014 macht er dann wieder Schlagzeilen als der einzige lebende Nobelpreisträger, der sich dazu entschließt, seine Medaille beim Auktionshaus Christie&#8217;s zu versteigern. </p>

<p>Damit will er nicht nur seine Geldprobleme ausräumen, sondern auch darauf hinweisen, dass er durch diese Interviews und die Kritik zu einer wissenschaftlichen Unperson geworden sei und sich ja schließlich irgendwie auch um sein Auskommen kümmern müsse. 2019 veröffentlicht PPS eine Dokumentation über James Watson. Und er äußert sich noch mal dazu, dass er Schwarze für weniger intelligent halte und im Wesentlichen deswegen der afrikanische Kontinent ihm Sorge bereite. Das sorgt dann dafür, dass diverse akademische Institutionen ihm seine Ehrentitel aberkennen. Eieiei. Einmal mehr ein Beweis dafür, dass auch Nobelpreisträger strunzeblöd sein können schätze ich. Intelligenz ist halt nicht gleichmäßig verteilt. Aber noch mal kurz zurück zu Rosalind Franklin. Es ist kein Zweifel. Wäre sie nicht frühzeitig dem Krebs erlegen, hätten wir Rosalind als Nobelpreisträgerin begrüßen dürfen. So zumindest die Überzeugung des Forschers Aaron Klug, der zuletzt mit ihr zusammengearbeitet hatte. Und 1982 in seiner eigenen Nobelpreisrede ausführlich Rosalind gedachte. </p>

<p>Auch wenn immer wieder mal gesagt wird, Rosalind Franklin wurde ihr Nobelpreis gestohlen, ist es dann wahrscheinlich doch ein wenig komplizierter. Sie wusste zwar nicht, in welchem Umfang ihre Arbeit die notwendige Inspiration geliefert hatte, um die Doppelhelixstruktur und den Aufbau der DNA final zu entschlüsseln. Aber der Beitrag der Männer, die letztlich den Preis entgegennehmen durften, wird auch aus heutiger Sicht immer noch als groß genug akzeptiert, um diesen Preis auch verdient zu haben. Einige sagen, Foto 51 wäre das vielleicht wichtigste Bild des 20. Jahrhunderts. Tatsache ist, das Bild selbst sieht nicht besonders aufregend aus. Aufgenommen auf eine kleine Glasplatte ist es nur wenige Zentimeter im Durchmesser. Und auch wenn es für das geübte Auge von ungewohnter Präzision ist, sieht es für den ungeübten Blick erst mal unscharf und verwischt aus. Es zeigt ein X und die Anzahl Segmente, und es erlaubte gleich mehrere wichtige Rückschlüsse. Und ja, wenn wir darüber nachdenken, dass zurzeit während der Corona-Pandemie Impfstoffe auf Basis von Gentechnik entwickelt wurden, dann könnte man vielleicht wirklich sagen, dass dieses Bild die vielleicht folgenschwerste und wichtigste Aufnahme des 20. Jahrhunderts gewesen war.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Kodak-Momente</title>
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            <pubDate>Sun, 07 Mar 2021 14:57:33 GMT</pubDate>
            <description>Kodak dominierte die Fotoindustrie über 100 Jahre und ihrem Gründer George Eastman fällt der Verdienst zu Fotografie von einem teuren Experten-Handwerk zu einem Massenphänomen gemacht zu haben.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Kodak dominierte die Fotoindustrie über 100 Jahre und ihrem Gründer George Eastman fällt der Verdienst zu Fotografie von einem teuren Experten-Handwerk zu einem Massenphänomen gemacht zu haben. George Eastman (Wikipedia) George Eastman House - Museum für Film und Fotografie Zeitungsartikel über George Eastman George Eastman archive (University of Rochester) Kodak (Wikipedia) Kodak DSC100 (Wikipedia) Kodak Nr. 1 (Wikipedia) Kodak Instamatik (Wikipedia) Steven Sasson (Wikipedia) Wer stellt noch Filme her? (Fotointern.ch) Was vom gelben Riesen geblieben ist (Fotointern.ch) Transkript George Eastman wird 1854 im US-Bundesstaat New York geboren. Die Eastmans waren eigentlich Farmen. Allerdings hatte der Vater außerdem im nahegelegenen Rochester eine Business-School gegründet. Und es schien auch erstmal gut zu laufen. Als er aber gesundheitliche Probleme bekam, gab die Familie die Farm auf und zog komplett nach Rochester. Und da geschah dann, was niemand erwartet hatte. George war gerade einmal acht Jahre also der Vater stirbt. Und die Familie muss feststellen, dass der Vater nicht vorgesorgt hatte. Über Nacht war die Familie Eastman also praktisch einkommenslos. Die Mutter fängt an Zimmer unterzuvermieten, um die Familie durchzubringen und die Kinder nehmen alle möglichen Jobs an. So auch der kleine George Eastman. Er verdingt sich in allen möglichen Handlangerjobs und mit 14 Jahren gibt er endgültig seine Schullaufbahn auf um als Bürobote bei einer Versicherungsfirma anzufangen. Drei Dollar pro Woche sind nicht genug Geld, um seine Familie über die Runden zu bringen. Also fängt er an, sich in Abendkursen fortzubilden und so bleibt er nicht lange Bote für eine Versicherung, sondern schafft es, sich einen Job in einer Bank zu sichern. Er ist 23 als er in Rochester in ein Fotogeschäft geht, um sich dort eine Kamera zu kaufen. Ihm war aufgefallen, dass viele seiner Kunden in irgendeiner Form mit Immobilien zu tun hatten und er dachte sich: Das wäre vielleicht ein Feld, in dem auch er tätig werden könnte. Er möchte Fotos von Grundstücken und Gebäuden machen können und dafür eine Kamera kaufen. 1877 wird in Rochester und überhaupt in den Vereinigten Staaten überwiegend im Kollodium-Nassplatten-Verfahren fotografiert. Dabei wird eine Glasplatte mit einer Chemikalie bestrichen, sodass sie lichtempfindlich wird und in noch nassem Zustand belichtet. Direkt danach muss diese Platte dann entwickelt werden, wodurch auf dieser Glasplatte ein Negativ sichtbar wird. Dieses Negativ kann man dann benutzen, um Drucke anzufertigen. Wer so fotografiert muss einiges herumschleppen. Die Kameras sind einigermaßen groß und müssen auf hölzernen Stativen angebracht werden. Die Fotografie findet auf den noch nassen Platten statt. Die muss man also vorbereiten können und weil es ja lichtempfindliches Material ist, muss das im Dunklen geschehen. Und deswegen braucht man als Fotograf ein Dunkelzelt, in dem die gesamte Vor- und Nachbereitung stattfindet. Wer also fotografiert, schleppt nicht nur die Kamera und die Glasplatten, sondern auch eine Auswahl an Chemikalien und ein Zelt mit. Hinzukommt, dass der Prozess nicht so ganz trivial ist. Und so stellt auch George Eastman fest, dass er das auf Anhieb erstmal so gar nicht hinbekommt. Er bezahlt einen lokalen Fotografen, ihn im Kollodium-Nassplatten-Verfahren zu unterweisen, aber seine Ergebnisse bleiben durchwachsen. Trotzdem vertieft er sich in sein Hobby. Er hatte in einem internationalen Fotografie-Magazin von einem alternativen Verfahren gelesen. Es gab die Möglichkeit statt mit Nassplatten mit trockenen Platten zu fotografieren. Bei diesem Verfahren nahm man sozusagen Wachspapier und machte es durch eine spezielle Beschichtung lichtempfindlich. Dieses Papier ließ sich dann wie die Glasplatten einsetzen, nur musste man im Anschluss die belichtete Schicht abziehen und dann wie vorher mit den Glasplatten eben entsprechende Bilder</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p><a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> dominierte die Fotoindustrie über 100 Jahre und ihrem Gründer George Eastman fällt der Verdienst zu Fotografie von einem teuren Experten-Handwerk zu einem Massenphänomen gemacht zu haben. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/George_Eastman" target="_blank">George Eastman</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://www.eastman.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">George Eastman House - Museum für Film und Fotografie</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://pm20.zbw.eu/folder/pe/004424" target="_blank">Zeitungsartikel über George Eastman</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20090216054701/https://www.library.rochester.edu/index.cfm?PAGE=864" target="_blank">George Eastman archive</a>&nbsp;(University of Rochester)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kodak#Einstieg_in_die_Digitalisierung" target="_blank">Kodak </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kodak_DCS_100" target="_blank">Kodak DSC100</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kodak_Nr._1" target="_blank">Kodak Nr. 1 </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kodak_Instamatic" target="_blank">Kodak Instamatik</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Steven_J._Sasson" target="_blank">Steven Sasson</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.fotointern.ch/archiv/2020/03/22/wer-stellt-noch-filme-her/" target="_blank">Wer stellt noch Filme her?</a> (Fotointern.ch)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.fotointern.ch/archiv/2020/08/16/was-vom-gelben-riesen-geblieben-ist/" target="_blank">Was vom gelben Riesen geblieben ist</a> (Fotointern.ch)</li></ul>

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<p>Transkript</p>

<p>George Eastman wird 1854 im US-Bundesstaat New York geboren. Die Eastmans waren eigentlich Farmen. Allerdings hatte der Vater außerdem im nahegelegenen Rochester eine Business-School gegründet. Und es schien auch erstmal gut zu laufen. Als er aber gesundheitliche Probleme bekam, gab die Familie die Farm auf und zog komplett nach Rochester. Und da geschah dann, was niemand erwartet hatte. George war gerade einmal acht Jahre also der Vater stirbt. Und die Familie muss feststellen, dass der Vater nicht vorgesorgt hatte. Über Nacht war die Familie Eastman also praktisch einkommenslos. Die Mutter fängt an Zimmer unterzuvermieten, um die Familie durchzubringen und die Kinder nehmen alle möglichen Jobs an. So auch der kleine George Eastman. Er verdingt sich in allen möglichen Handlangerjobs und mit 14 Jahren gibt er endgültig seine Schullaufbahn auf um als Bürobote bei einer Versicherungsfirma anzufangen. Drei Dollar pro Woche sind nicht genug Geld, um seine Familie über die Runden zu bringen. Also fängt er an, sich in Abendkursen fortzubilden und so bleibt er nicht lange Bote für eine Versicherung, sondern schafft es, sich einen Job in einer Bank zu sichern. </p>

<p>Er ist 23 als er in Rochester in ein Fotogeschäft geht, um sich dort eine Kamera zu kaufen. Ihm war aufgefallen, dass viele seiner Kunden in irgendeiner Form mit Immobilien zu tun hatten und er dachte sich: Das wäre vielleicht ein Feld, in dem auch er tätig werden könnte. Er möchte Fotos von Grundstücken und Gebäuden machen können und dafür eine Kamera kaufen. 1877 wird in Rochester und überhaupt in den Vereinigten Staaten überwiegend im Kollodium-Nassplatten-Verfahren fotografiert. Dabei wird eine Glasplatte mit einer Chemikalie bestrichen, sodass sie lichtempfindlich wird und in noch nassem Zustand belichtet. Direkt danach muss diese Platte dann entwickelt werden, wodurch auf dieser Glasplatte ein Negativ sichtbar wird. Dieses Negativ kann man dann benutzen, um Drucke anzufertigen. Wer so fotografiert muss einiges herumschleppen. Die Kameras sind einigermaßen groß und müssen auf hölzernen Stativen angebracht werden. Die Fotografie findet auf den noch nassen Platten statt. Die muss man also vorbereiten können und weil es ja lichtempfindliches Material ist, muss das im Dunklen geschehen. Und deswegen braucht man als Fotograf ein Dunkelzelt, in dem die gesamte Vor- und Nachbereitung stattfindet. Wer also fotografiert, schleppt nicht nur die Kamera und die Glasplatten, sondern auch eine Auswahl an Chemikalien und ein Zelt mit. Hinzukommt, dass der Prozess nicht so ganz trivial ist. Und so stellt auch George Eastman fest, dass er das auf Anhieb erstmal so gar nicht hinbekommt. Er bezahlt einen lokalen Fotografen, ihn im Kollodium-Nassplatten-Verfahren zu unterweisen, aber seine Ergebnisse bleiben durchwachsen. Trotzdem vertieft er sich in sein Hobby.</p>

<p>Er hatte in einem internationalen Fotografie-Magazin von einem alternativen Verfahren gelesen. Es gab die Möglichkeit statt mit Nassplatten mit trockenen Platten zu fotografieren. Bei diesem Verfahren nahm man sozusagen Wachspapier und machte es durch eine spezielle Beschichtung lichtempfindlich. Dieses Papier ließ sich dann wie die Glasplatten einsetzen, nur musste man im Anschluss die belichtete Schicht abziehen und dann wie vorher mit den Glasplatten eben entsprechende Bilder erzeugen. George haut sich die Nächte um die Ohren um dieses Verfahren zu meistern. Es funktioniert für ihn auf jeden Fall schonmal viel besser als das Nassplattenverfahren und hatte natürlich den Vorteil, dass man diese trockenen Platten daheim vorbereiten konnte und kein Zelt und keine Chemikalien mehr mitschleppen musste, wenn man fotografieren wollten. Er experimentiert und verfeinert seine Technik und erkennt, dass es für diese Art von Negativpapier einen Markt geben muss. 1880 gründet er deswegen die Eastman-Dry-Plate-Company. Seine Kunden sind Fotografen, die mobil sein müssen, die es eben leid sind, Zelt und Chemikalien herumzuschleppen. Da hilft es auch, dass im Grunde die Kameras dieselben sind. Man steckt einfach statt der Glasplatte diese Papierplatten ein. Das war es. </p>

<p>1884 legt George Eastman noch ein weiteres Patent nach. Ihm war die Neuerung eines Erfinders aufgefallen. Der Erfinder William Walker hatte Papierfilm genommen und gerollt. Mithilfe einer entsprechenden Halterung konnte man jetzt ein Magazin konstruieren, indem ein Rollfilm eingelegt wurde und einfach nach jeder Belichtung weitergedreht wurde. Eastman kauft die Rechte an dieser Technik und meldet Rollfilm auf Papierbasis zum Patent an. Nicht nur, dass <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen jetzt kein Dunkelzelt mehr mitschleppen mussten. Sie mussten noch nicht einmal ständig Platten nachlegen. Sie konnten einfach weiterdrehen. Das war natürlich einerseits großartig, andererseits blieb trotzdem der große Erfolg immer noch aus, denn die Bildqualität, die konnte nicht mithalten. Und professionelle Fotografen wussten das. Und deswegen war Eastman zu der Zeit zwar schon ein führender Hersteller von Dry-Plate-Papierfilmen, aber der Markt, den er ansprechen konnte, war überschaubar, denn außer den professionellen <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen fotografierte kaum jemand. Amateure gab es, aber nicht in ausreichender Menge. Aber Eastman gibt nicht auf. Jetzt hatte er schon das Dunkelzelt abgeschafft. Er hatte das Medium selbst leichter handhabbar gemacht. Als nächstes war die Kamera dran. </p>

<p>Die Überlegung: Wenn die Kamera leichter zu handhaben und zu transportieren wäre, dann würden unter Umständen auch mehr Fotos unterwegs gemacht und damit gäbe es auch mehr Bedarf an seinen Filmen. Und so stellt Eastman 1886 die erste von seinem Unternehmen selbst konstruierte Kamera, die Eastman-Detective-Camera, vor mit fest integrierten Rollfilmmagazin und kleiner Baugröße, also im Vergleich kleiner Baugröße, sodass man diese Kamera einfach mal so mitnehmen und unterwegs benutzen konnte. Die Brennweite entsprach so ungefähr 33 Millimeter, was ein relativ gutes Sichtfeld für Schnappschüsse und <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a>-Fotografie wäre. Und auch sonst musste man an der Kamera praktisch nichts einstellen. Man zog an einem Drahtseil, um den Verschluss aufzuziehen und drückte einen kleinen Knopf um auszulösen. Das war es dann auch schon. Dann drehte man den Film weiter. Dieser Mechanismus des Drehfilms und die Kamera selbst gewann Preise und wurde mit Aufmerksamkeit bedacht, aber kommerziell war sie ein Flop. Sie war zu teuer, die Bildqualität stimmte nicht um professionelle Ansprüche zu befriedigen und die Produktion dauerte zu lange. Aber im Grunde war schon bei dieser Kamera vieles da, was später dann zum Erfolgsrezept werden musste. George Eastman muss ungefähr zu der Zeit erkannt haben, dass er versucht, den falschen Markt zu gewinnen. Statt seine Produkte an professionelle <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen zu verkaufen, musste der Markt größer werden. Was, wenn jede Familie fotografieren könnte? Nein, jeder Mensch fotografieren könnte? </p>

<p>Wir befinden uns im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts und Fotografie ist zwar allgemein bekannt, wird aber von Spezialisten betrieben. Man geht zu besonderen Anlässen zum <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a>-Fotograf und Bilder fertigen zu lassen ist nicht nur aufwendig, sondern auch teuer. Wer selbst fotografieren will, braucht teure Ausrüstung, teure Chemikalien, eine Dunkelkammer und das notwendige Wissen. Ganz zu schweigen von dem praktischen Wissensschatz, den man nur durch Erfahrung sammeln kann. Welche Mischung funktioniert besonders gut? Wie bestreiche ich eine Glasplatte gleichmäßig? Und so weiter. Eastman hatte schon einige dieser Probleme gelöst. Trockenplatten machten vieles leichter. Rollfilm und eine einfach Kamerakonstruktion, die wenig Einstellungsmöglichkeiten erforderlich macht, auch. Inzwischen konstruierte Eastman auch Filme, die man auch bei Tageslicht einlegen konnte, weil sie einseitig lichtdicht beschichtet waren. Und er experimentierte mit Rollfilmen in Metallkapseln. Und das ist der Moment, wo ihm ein Licht aufgeht. Um Fotografie universell verfügbar zu machen fehlen zwei Dinge: Erstens, eine bezahlbare Kamera und zweitens, jemand, der die komplette Nachbearbeitung übernimmt. </p>

<p>Wenig später kommt er mit einer neuen Kamera auf den Markt, die <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Nummer eins. <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> ist dabei in Kunstwort. Georges Lieblingsbuchstabe ist der Buchstabe K. Ja, George hatte Lieblingsbuchstaben. Und er hat wohl relativ lange herumexperimentiert, um ein Wort zu finden, das einfach auszusprechen und zu merken ist, auch in unterschiedlichen Sprachen ähnlich klingt, noch nicht existiert und als Produktname für seine neue Kamera herhalten kann. Die Kodak Number One ist eine spektakulär einfache Kamera. Es ist eine sogenannte Boxkamera, sieht einfach aus wie eine Hutschachtel oder Schuhschachtel: Vorne mit einer Öffnung für das Objektiv, an der Seite einen Zugmechanismus, um den Verschluss aufzuziehen, ein Auslöser und ein Drehmechanismus um den Rollfilm ein Bild weiterzudrehen. Hundert Bilder sind schon vorgeladen. Hundert Bilder ist ein Vorrat, der reicht für damalige Verhältnisse monatelang. Und der Clou: Es ist keinerlei Spezialwissen notwendig. Hat man die hundert Fotos vollgeknipst, nimmt man die Box, schickt sie an Kodak und bekommt eine frisch geladene Kamera und die Abzüge wieder zurück. Das Ganze dauert je nach Wetterlage in Rochester, dem Firmensitz der Kodak-Company, fünf bis zehn Tage, denn die Filme werden dort mithilfe von Sonnenlicht ausbelichtet und mehr Sonne, schnellere Entwicklungszeiten. Die Kamera ist erfolgreicher als die Eastman-Detective-Camera, aber auch weit von einem kommerziellen Erfolg entfernt. Sie ist immer noch relativ aufwendig zu konstruieren und eigentlich auch immer noch zu teuer um wirklich ein Massengeschäft zu werden. Außerdem ist die Ausbelichtung der Filme immer noch relativ aufwendig. Die belichtete Schicht muss vom Papier abgezogen und auf Glasplatten übertragen werden und dann erst kann man mithilfe des Sonnenlichts die Drucke erzeugen. Aber die technische Entwicklung eilt auch hier Eastman zur Hilfe. </p>

<p>Er hört von Experimenten, Filme auf Basis des durchsichtigen Celluloids zu fertigen. Er kauft die entsprechenden Rechte und fängt an, Celluloid basierende Filme zu produzieren. Prozesse und Kameratechnik werden nach und nach besser. Die Kodak Number two, die Kodak Number three, die Kodak Number four, alle zeigen kleine Entwicklungsschritte hin zu dem, was bis heute als der Moment gilt, indem die Privatfotografie praktisch erfunden wurde: Die Kodak Brownie. Sie kommt zur Jahrhundertwende auf den Markt und ist im Grund dieselbe Art von Kamera, wie ich sie eben schon beschrieben habe. Kodak hat sich auch allgemein inzwischen einen Namen gemacht. You press the Button. We do the Rest, ist der Slogan. Und der wird jetzt kombiniert mit einer Kamera, die unerreicht günstig ist: Ein Dollar. Auf heutige Verhältnisse umgerechnet sind das 20 Dollar. Und damit kann diese Kamera wirklich jeder Haushalt kaufen. Jedes Kind soll fotografieren können, so der Gedanke. Und diese Kamera erzeugt einen Boom. Innerhalb eines Jahres verkauft Kodak über 150.000 dieser Kameras, mehr als in der zwölfjährigen Firmengeschichte zuvor. Kodaks Marketing bewirbt die Kamera hauptsächlich in den Händen von Kindern, Frauen oder Familienvätern. Und sie wird zum geflügelten Begriff, so wie man heute googelt, statt eine Suchmaschine zu bedienen, hat man damals gekodakt. </p>

<p>Ein neues Wort kommt auf: Der Schnappschuss. Denn mit diesen Boxkameras kann man nicht mehr richtig zielen. Die haben keinen Sucher. Man richtet sie grob in die richtige Richtung und drück ab. Interessanterweise sind besonders am Anfang die Bilder dann auch oft rund und nicht rechteckig. Das ist einmal mehr ein Beweis dafür, dass unsere heutigen Sehgewohnheiten einfach auch nicht mehr sind als das: Gewohnheiten. Die Kamera ist billig. Man muss nichts wissen, um damit fotografieren zu können und so entstehen mit der Kodak Brownie nicht nur neue Genres, sondern auch ein komplett neuer Bildlook. Familien fangen an, Erinnerungsfotos zu schießen und Schnappschüsse ihrer Lieben aufzubewahren. Fotoalben werden gebaut. Und bei Anlässen wie Hochzeiten oder Geburtstagen wird gewissermaßen <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a> fotografiert. Es ist die Geburt der Hochzeitsfotografie. Bis zur Brownie ist man zu einem formellen <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a> zum Fotografen gegangen im Studio. Mit der Brownie hat jeder die Möglichkeit, selbst zu fotografieren was wichtig erscheint. Die Menschen beginnen damit, Fotoreportagen ihres Alltags und der großen Ereignisse in ihrem Leben zu machen: Geburt, Tod, Hochzeiten, Geburtstage, Freude und Trauer, Urlaube, Ausflüge und Alltag. </p>

<p>Es ist eine Demokratisierung der Fototechnik und es gibt nichts mehr, das nicht fotografiert werden könnte. You press the Button. We do the Rest. Aber George Eastman ruht sich auf diesem Erfolg nicht aus. Er ist in den folgenden Jahren aggressiv damit beschäftigt, überall auf der Welt Filialen zu gründen, sich die Rechte an der Kodak zu sichern und beschützt auch den Markennamen aggressiv. Schließlich ist es ja so, dass die Grundidee und das Prinzip relativ einfach kopierbar war und so gab es auch bald alternative Angebote am Markt. Was schwer einzuholen war, war die Qualität, die Kodak liefern konnte. Man hatte einfach einen mehrere Jahrzehnte lange Wissensvorsprung rund um Abläufe aber auch technisch. Eastman hatte systematisch Patente und Techniken eingekauft und er nutzte diese rechtliche Situation jetzt um Konkurrenten aus dem Markt zu klaren, wenn notwendig. Besonders bei denen, die versuchten, den Namen Kodak in irgendeinem Zusammenhang zu verwenden, kannte er kein Pardon. Umgekehrt war er allerdings auch nicht immer zimperlich, sich Rechte anderer anzueignen. Kodak hat mit mehreren Rechtsstreitigkeiten zu kämpfen. Mal sind es Patentrechtsverletzungen, mal geht es um Antitrust, also das ausnützen einer Monopolstellung. </p>

<p>Als die Weltwirtschaftskrise zuschlägt, ist es auch für Kodak fast vorbei. Menschen, die Probleme haben, genügend Essen auf den Tisch zu bringen, geben auch weniger Geld für Hobbies wie Fotografie aus. Aber Eastman bringt seine Firma durch diese Krise und wieder hilft die technische Entwicklung. Bewegtfilme sind in den Startlöchern. Der Anfang des Kinos. Und einer der großen Pioniere des Bewegtfilms, Thomas Alva Edison investiert in Systeme auf Celluloidbasis. Und Kodak ist das einzige Unternehmen, das weltweit in der Lage ist, in ausreichender Menge Celluloid basierenden Film zu produzieren. Statt in Einzelaufnahmen wird plötzlich in Kilometern abgerechnet. Kodak wird weltweit zum größten Lieferanten jeglichen Filmmaterials und zum größten Kamerahersteller. Eastman beginnt auch früh damit, sich für <a "/tags/farbfilm.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="28" title="Farbfilm">Farbfilm</a> zu interessieren. Kodak verdient sich den Ruf als eines der innovativsten Unternehmen der Welt. Und seine Forschungsabteilungen arbeiten daran, dem Markt nach Möglichkeit immer einen Schritt voraus zu sein. Das ist auch die Zeit, in der ein später ikonischer Film, der Kodachrome, entwickelt wird und auch die Kameratechnik immer weiter vorangetrieben wird. Eastman ist inzwischen einer der reichsten Männer der Vereinigten Staaten, das klassische amerikanische Ideal vom Paketboten zum Millionär. Und er sieht sich nicht mehr als Unternehmensgründer, sondern kümmert sich um seine Legacy. Kodak wird eines der ersten Unternehmen überhaupt, das seine Mitarbeiter zum Teil in Unternehmensanteilen bezahlt, eine Krankenversicherung und eine Rentenversicherung anbietet und sich auch sonst recht umfänglich um seine Angestellten kümmert. Eastman sieht sich als Philanthrop und er sieht als sein wichtigstes philanthropisches Projekt sein Unternehmen Kodak, aber er wird auch sonst tätig. </p>

<p>Er gründet nicht eine, sondern gleich zwei Universitäten, die sich hauptsächlich der Förderung schwarzer Studenten verpflichten. Unter dem Decknamen Smith investiert er Millionen in das MIT. Er gründet Hospitäler und Zahnarztkliniken in Großbritannien, in Schweden und in den USA. Die meisten dieser Spenden geschehen anonym oder unter einem Decknamen. Er sucht keine Publicity, sondern versucht noch zu Lebzeiten aus seinem immensen Reichtum auch noch Gutes zu schaffen. Er ist so ungefähr Mitte 70, als sich seine Gesundheit rapide verschlechtert. Eine Erkrankung der Wirbelsäule sorgt dafür, dass jede Bewegung Schmerzen verursacht. Eastman war Zeit seines Lebens ein eher scheuer Zeitgenosse und hat nie geheiratet. Seit dem Tod seiner Mutter lebt er alleine in einem immens großen Anwesen und es zeichnet sich ab, dass er bald auf Hilfe angewiesen sein wird. Soweit wollte er es allerdings nicht kommen lassen. Und deswegen setzt er seinem Leben am 14. März 1932 im Alter vom 77 Jahren durch Schuss in das Herz ein Ende. Auf seinem Nachttisch hinterlässt er eine kurze Nachricht: &#8222;To my friends: my work is done. Why wait?&#8220; </p>

<p>Beerdigt wird er auf dem Gelände seines Unternehmens. Noch heute kann man dort den Eastman Memorial Park besuchen. Und mit dem Unternehmen ging es weiter bergauf. Kodak ist Markführer und Qualitätsführer in Sachen Film und der weltgrößte Hersteller von Amateurkameras. Außerdem betreibt Kodak die größten Entwicklungslabore der Welt. Eastman hatte immer fest daran geglaubt, Entwicklungsvorreiter zu sein und Kodak bleibt diesem Motto treu. Kodak verdanken wir nicht nur Meilensteine der Filmentwicklung, sondern auch Kameramarken, die bis heute ikonisch sind: Die Starmatic, die Instamatic. Der Kodak-Moment wird zum geflügelten Wort. Wenn etwas besonders erinnerungswürdig ist, dann ist es ein Kodak-Moment. Unser nächster Stopp ist im Jahr 1975, das Jahr in dem der junge Ingenieur Steve Sasson bei Kodak arbeitet und den Auftrag bekommt, eine Kamera zu konstruieren, die nicht auf Film aufnimmt, sondern elektronisch. </p>

<p>Das Ergebnis war die erste Digitalkamera der Welt und die war so beeindruckend, so ein Game-Changer, dass Kodak sie verschwinden ließ. Kodak hatte zu der Zeit über 90 Prozent Marktanteil bei Rollfilmen und die Angst der Manager und Entscheider bei Kodak war, dass eine Kamera, wie die, die sie eben konstruiert hatten, genau diesen Markt kannibalisieren würde. Sie verfolgten die Entwicklung also nicht weiter und so blieb es an ihren Wettbewerbern, diesen Bereich auszubauen. Es sind Sony-, Canon- und Nikon-Kameras, die die ersten Digitalkameras am Markt werden. Und auch, wenn Kodak irgendwann das Kodak-Digital-System entwickelt, 14 Jahre nachdem sie das Patent für die erste Digitalkamera der Welt bekommen hatten, sind sie nicht mehr die Ersten am Markt. Noch nicht einmal die Besten und es ist leider schon jetzt klar, dass sie einer zum Tode verurteilten Industrie angehören. Ein paar wenige Jahre geht es trotzdem noch aufwärts. </p>

<p>1969 erreicht Kodak einen Wert von 31 Milliarden US-Dollar und einen Umsatz von 16 Milliarden mit Rollfilmen. Kodak erkennt zu der Zeit, dass sie einen Fehler gemacht haben und versucht ihn wieder gutzumachen. Sie nutzen ihren Namen, um Digitalkameras zu bauen. Kameras, die durchaus beliebt werden beim Kunden, aber leider sind diese Kameras nicht profitabel. Aber, so überlegt man sich bei Kodak, es gibt ja eine unumstößliche Wahrheit: Fotos müssen irgendwann in Alben geklebt werden oder zumindest in Boxen verschwinden und deswegen wird es immer Ausdrucke brauchen. Wir wissen es heute besser. Damals konnte man sich nicht vorstellen, dass eine Digitalkamera eben mehr ist als einfach nur ein anderes Medium auf das fotografiert wird. Kodak investiert all seine Energie in Drucktechnik. Der schnelle Ausdruck in Kodak-Qualität wird zu einer der großen strategischen Prioritäten. Digitalkameras die man direkt an Drucker ansteckt. Und Kodak hofft damit seinen verlorenen Grund wieder wettzumachen. Wir wissen es heute besser. Myspace, Flickr, Instagram, Facebook: Nur ein verschwindend geringer Buchteil der heutigen Fotografie wird wirklich ausgedruckt und der Absturz lässt sich nicht mehr aufhalten. 2008 ist Kodak nur noch auf Platz sieben der größter Kamerahersteller hinter Kanon, Sony und Nikon. Im Januar 2012 meldet die einst stolze, marktführende Firma, die George Eastman seinerzeit gegründet hatte, offiziell Konkurs an. Heute ist Kodak nur noch ein kleiner Dienstleister für andere Unternehmen. Außerdem gibt es diverse Ableger, so zum Beispiel das Kodak-Alaris-Werk, das immer noch Filme produziert für den immer mal wieder totgesagten, aber durchaus noch aktiven, verbleibenden Filmmarkt da draußen. Es stellt sich heraus: Auch heute werden noch Kinofilme auf Film produziert, zum Teil auch große Produktionen. Tended war ein schönes Beispiel dafür. Und solche und andere Bedürfnisse werden von diesen Ablegerwerken noch gestellt.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Feuerball und Bleiballon</title>
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            <pubDate>Sat, 27 Feb 2021 20:00:11 GMT</pubDate>
            <description>Der Absturz der Hindenburg markiert das Ende der Passagierluftschifffahrt und die erste Live-Berichterstattung direkt von einem Katastrophenschauplatz.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Der Absturz der Hindenburg markiert das Ende der Passagierluftschifffahrt und die erste Live-Berichterstattung direkt von einem Katastrophenschauplatz. Das Foto das der Fotograf Sam Shere an jenem Tag aus der Hüfte schoss ging ins kollektive Gedächtnis der Menschheit ein und wurde die Vorlage für eines der meistverkauften Rockalbumcovers aller Zeiten. LZ129 – Hindenburg (Wikipedia) Zeppelin (Wikipedia) Starrluftschiff (Wikipedia) Herbert Morrison (Wikipedia) Paul von Hindenburg (Wikipedia) Ferdinand von Zeppelin (Wikipedia) Led Zeppelin (Wikipedia, offizielle Webseite ) Bilder von Sam Shere (Google Image Search) Sam Shere auf Hindenburg Wiki International Center of Photography – Crash of the Hindenburg Iconic Photos – The Hindenburg Disaster, story of Sam Shere’s picture Time Magazine – 100 Photos – Hindenburg Disaster When the designer of this iconic album cover met Led Zeppelin DW – Reportage von Herbert Morrison über die Brandkatastrophe … – MP3-Stereo The first aviation disaster caught on film Life Magazine – The photography of Sam Shere Die Katastrophe von Lakehurst beendete vor 80 Jahren die Zeppelin-Ära Transkript Bei berühmten Fotos stellt sich immer die Frage „Warum sind die eigentlich so berühmt?“. Manchmal ist es der ikonische Moment, der sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat und durch das Foto eigentlich nur noch festgehalten wird. Manchmal ist es aber auch Popkultur, die Schuld daran ist, dass wir ein Ereignis nicht vergessen. Manchmal ist es beides. Und so einen Fall haben wir heute. Es ist der 4. Mai 1937 als sich das Luftschiff mit der Kennung LZ 129 majestätisch in Frankfurt in die Höhe hebt. LZ steht für Luftschiff Zeppelin, benannt nach dem Erfinder des Konstruktionsprinzips Graf Ferdinand von Zeppelin. Und LZ 129 ist der Stolz der deutschen Luftfahrt und das modernste und größte Zeppelin der Welt. War es am Boden vertäut, war es knapp 45 Meter hoch und 269 Meter lang. Und damit war LZ 129 fast genauso groß wie die Titanic. Benannt hatte man LZ 129 nach dem 1934 verstorbenen Paul von Hindenburg, dem einzigen, je durch Direktwahl gewählten deutschen Staatsoberhaupt. Und an jenem 4. Mai 1937 brach sie zu ihrer 56. Reise auf. Das Ziel waren die USA. Die Hindenburg war Teil der deutschen Luftfahrtflotte und Verbindungen in die Vereinigten Staaten gehörten mit zum Angebot. Wollte man in die USA reisen, musste man damals noch meist mit einer Schiffsverbindung vorliebnehmen. Konnte man es sich aber leisten, war es möglich mit einer Luftschifffahrt deutlich Zeit zu sparen und mit wesentlich mehr Komfort zu reisen. 400 Dollar oder ungefähr 1000 Reichsmark kostete die einfache Strecke damals. Das sind umgerechnet auf heutige Verhältnisse in etwa 7000 Euro. Dafür reiste man allerdings auch mit allem Komfort. Passagiere hatten abgetrennte Schlafkabinen, mehrmals am Tag wurden warme Mahlzeiten serviert, es gab einen Lese- und einen Raucherraum. Reisegeschwindigkeit war ungefähr hundert km/h und man fuhr in etwa in 200 Metern Höhe majestätisch über die Landschaft. Und Zeppeline wie die Hindenburg wurden offen bewundert. Deutschland war Vorreiter in dieser Technologie. Im ersten Weltkrieg hatte man Zeppeline sogar für Luftangriffe eingesetzt, hatte sich dann aber vollständig auf zivile Anwendungsfälle konzentriert. S o hatte die Hindenburg an jenem 4. Mai nicht nur 72 Passagiere an Bord, sondern auch noch ein Auto, für jeden Passagier ungefähr 20 Kilo Gepäck und mehrere, über anderen deutschen Hauptstädten abzuwerfende Postpakete. Aber die Zeppeline der Deutschen wurden nicht nur wegen ihrer Größe und wegen ihrer Transportfähigkeiten bewundert, sondern auch deswegen, weil die Luftschifffahrt als hoch gefährlich galt. Um nämlich überhaupt aufsteigen zu können, wurden Luftschiffe mit Gas gefüllt. Gas, das leichter als Luft war. Zwei Gase kamen ganz besonders in Frage. Einmal Wasserstoff und zum zweiten Helium. Während man Wasserstoff e</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Der Absturz der Hindenburg markiert das Ende der Passagierluftschifffahrt und die erste Live-Berichterstattung direkt von einem Katastrophenschauplatz. Das Foto das der Fotograf Sam Shere an jenem Tag aus der Hüfte schoss ging ins kollektive Gedächtnis der Menschheit ein und wurde die Vorlage für eines der meistverkauften Rockalbumcovers aller Zeiten. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/LZ_129" target="_blank">LZ129 &#8211; Hindenburg</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zeppelin" target="_blank">Zeppelin</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Starrluftschiff" target="_blank">Starrluftschiff </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Morrison" target="_blank">Herbert Morrison</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_von_Hindenburg#Hindenburg_als_Reichspr%C3%A4sident" target="_blank">Paul von Hindenburg</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_von_Zeppelin" target="_blank">Ferdinand von Zeppelin</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Led_Zeppelin" target="_blank">Led Zeppelin</a> (Wikipedia, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.ledzeppelin.com/" target="_blank">offizielle Webseite</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.google.com/search?q=photographer+sam+shere&amp;tbm=isch&amp;ved=2ahUKEwjE3Y_awIrvAhWF76QKHcWZDmEQ2-cCegQIABAA&amp;oq=photographer+sam+shere&amp;gs_lcp=CgNpbWcQA1AAWABg84fBBWgAcAB4AIABAIgBAJIBAJgBAKoBC2d3cy13aXotaW1n&amp;sclient=img&amp;ei=A3Y6YITQMoXfkwXFs7qIBg&amp;bih=1363&amp;biw=1604" target="_blank">Bilder von Sam Shere</a> (Google Image Search)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://hindenburg.fandom.com/wiki/Sam_Shere" target="_blank">Sam Shere auf Hindenburg Wiki</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.icp.org/browse/archive/objects/crash-of-the-hindenburg-lakehurst-new-jersey" target="_blank">International Center of Photography &#8211; Crash of the Hindenburg</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://iconicphotos.wordpress.com/tag/sam-shere/" target="_blank">Iconic Photos &#8211; The Hindenburg Disaster, story of Sam Shere&#8217;s picture</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210603162852/http://100photos.time.com/photos/sam-shere-hindenburg-disaster" target="_blank">Time Magazine &#8211; 100 Photos &#8211; Hindenburg Disaster</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.christies.com/en/stories/archive" target="_blank">When the designer of this iconic album cover met Led Zeppelin</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.dw.com/de/reportage-von-herbert-morrison-%C3%BCber-die-brandkatastrophe-mp3-stereo/audio-38715364" target="_blank">DW &#8211; Reportage von Herbert Morrison über die Brandkatastrophe … &#8211; MP3-Stereo</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.vox.com/2019/3/1/18246602/hindenburg-first-aviation-disaster-film-photography-darkroom" target="_blank">The first aviation disaster caught on film</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.life.com/photographer/sam-shere/" target="_blank">Life Magazine &#8211; The photography of Sam Shere</a></li><li>Die Katastrophe von Lakehurst beendete vor 80 Jahren die Zeppelin-Ära</li></ul>

<div class="yt-facade" data-yt="g9bkQ7OiEdQ" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_g9bkQ7OiEdQ.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<figure><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="720" height="900" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/73189142_131180671590.jpg" alt="Ein Mann in einem Anzug steht draußen und trägt verschiedene Aufnahmegeräte in beiden Händen."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="788" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/time-100-influential-photos-sam-shere-hindenburg-disaster-26-1024x788.jpg" alt="Ein großes Luftschiff schwebt über einer industriellen Struktur und wird von einer massiven Explosion mit viel Rauch getroffen." /></figure></li></ul></figure>

<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>Bei berühmten Fotos stellt sich immer die Frage &#8222;Warum sind die eigentlich so berühmt?&#8220;. Manchmal ist es der ikonische Moment, der sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat und durch das Foto eigentlich nur noch festgehalten wird. Manchmal ist es aber auch Popkultur, die Schuld daran ist, dass wir ein Ereignis nicht vergessen. Manchmal ist es beides. Und so einen Fall haben wir heute. </p>

<p>Es ist der 4. Mai 1937 als sich das Luftschiff mit der Kennung LZ 129 majestätisch in Frankfurt in die Höhe hebt. LZ steht für Luftschiff Zeppelin, benannt nach dem Erfinder des Konstruktionsprinzips Graf Ferdinand von Zeppelin. Und LZ 129 ist der Stolz der deutschen Luftfahrt und das modernste und größte Zeppelin der Welt. War es am Boden vertäut, war es knapp 45 Meter hoch und 269 Meter lang. Und damit war LZ 129 fast genauso groß wie die Titanic. Benannt hatte man LZ 129 nach dem 1934 verstorbenen Paul von Hindenburg, dem einzigen, je durch Direktwahl gewählten deutschen Staatsoberhaupt. Und an jenem 4. Mai 1937 brach sie zu ihrer 56. Reise auf. Das Ziel waren die USA. </p>

<p>Die Hindenburg war Teil der deutschen Luftfahrtflotte und Verbindungen in die Vereinigten Staaten gehörten mit zum Angebot. Wollte man in die USA reisen, musste man damals noch meist mit einer Schiffsverbindung vorliebnehmen. Konnte man es sich aber leisten, war es möglich mit einer Luftschifffahrt deutlich Zeit zu sparen und mit wesentlich mehr Komfort zu reisen. 400 Dollar oder ungefähr 1000 Reichsmark kostete die einfache Strecke damals. Das sind umgerechnet auf heutige Verhältnisse in etwa 7000 Euro. Dafür reiste man allerdings auch mit allem Komfort. Passagiere hatten abgetrennte Schlafkabinen, mehrmals am Tag wurden warme Mahlzeiten serviert, es gab einen Lese- und einen Raucherraum. Reisegeschwindigkeit war ungefähr hundert km/h und man fuhr in etwa in 200 Metern Höhe majestätisch über die Landschaft. Und Zeppeline wie die Hindenburg wurden offen bewundert. Deutschland war Vorreiter in dieser Technologie. Im ersten Weltkrieg hatte man Zeppeline sogar für Luftangriffe eingesetzt, hatte sich dann aber vollständig auf zivile Anwendungsfälle konzentriert. S</p>

<p>o hatte die Hindenburg an jenem 4. Mai nicht nur 72 Passagiere an Bord, sondern auch noch ein Auto, für jeden Passagier ungefähr 20 Kilo Gepäck und mehrere, über anderen deutschen Hauptstädten abzuwerfende Postpakete. Aber die Zeppeline der Deutschen wurden nicht nur wegen ihrer Größe und wegen ihrer Transportfähigkeiten bewundert, sondern auch deswegen, weil die Luftschifffahrt als hoch gefährlich galt. Um nämlich überhaupt aufsteigen zu können, wurden Luftschiffe mit Gas gefüllt. Gas, das leichter als Luft war. Zwei Gase kamen ganz besonders in Frage. Einmal Wasserstoff und zum zweiten Helium. Während man Wasserstoff einfach herstellen konnte war die Produktion von Helium aufwendig. Zu dieser Zeit hatten schon die USA praktisch ein Monopol auf die Fähigkeit, Helium in großen Mengen zu produzieren. Und weil Helium eben zum Beispiel für die Luftschifffahrt so kritisch und wichtig war, hatten die USA beschlossen, Helium mit einem Exportverbot zu belegen. Aus diesem Grund wurden die Luftschiffe der Italiener, Franzosen und Deutschen mit Wasserstoff betrieben. Aber Wasserstoff ist hochexplosiv. Alle hatten deswegen auch schon schwere Luftfahrtunglücke gesehen. Nur die Deutschen schienen überlegene Konstruktionsprinzipien zu haben. Die Konstrukteure der Zeppeline waren sich ihrer Sache sicher. Wasserstoff war zwar hoch gefährlich, wenn man aber die richtigen Vorsichtsmaßnahmen ergriff war das Risiko beherrschbar. Man glaubte fest daran, dass Luftschiffe die Zukunft des interkontinentalen Verkehrs darstellten. </p>

<p>Lufthäfen wurden gebaut und Großstädte wie zum Beispiel New York bereiteten sich darauf vor, an Luftschiffnetze angeschlossen zu werden. So hatte zum Beispiel das berühmte Empire State Building keine Antenne auf dem Dach, sondern einen Mast, um Luftschiffen das Andocken zu ermöglichen. Starten, landen und andocken war allerdings nicht trivial bei den Dingern, denn die waren doch recht anfällig für Seitenwinde. Außerdem brauchte es eine ganze Menge Personal, um ein Zeppelin nach unten zu ziehen und vertäuen zu können. Wollte ein Luftschiff wie die Hindenburg landen, brauchte es am Boden um die 150 Mann Personal. Ankerseile wurden abgeworfen und Gas wurde abgelassen, um das Schiff nach und nach schwerer werden zu lassen. Vor allen Dingen war es wichtig, dass man die Vorder- und die Rückseite unter Kontrolle bekam, um zu verhindern, dass das Schiff sich unkontrolliert drehte oder gar aufsteigen konnte. Sieht man sich historische Aufnahmen einer Zeppelinlandung an, sieht es aus, als würden die Bewohner Liliputs versuchen, Gulliver zu bändigen. Und das Ganze war dabei überhaupt nicht routiniert. </p>

<p>Luftschiffe waren immer noch selten genug, dass sie sogar die lokale Presse auf den Plan riefen, wenn ihre Ankunft angekündigt worden war. Am 6.5.1937 standen deswegen in Lakehurst in New Jersey Dutzende Journalisten auf dem Landefeld und warteten gespannt, dass die Hindenburg einschweben würde. Und die ließ wirklich auf sich warten. Schlechtes Wetter über dem Meer hatte dafür gesorgt, dass die Hindenburg einen Umweg über den Pol hatte nehmen müssen. Zusätzlich sorgte schlechtes Wetter über nur Jersey dafür, dass sie fast zehn Stunden lang in der Nähe der angepeilten Landestelle kreisen musste, bevor man überhaupt daran denken konnte zu landen. Das Wetter war gewittrig und ein Zeppelin ist ein fliegender Wasserstofftank und damit anfällig für Blitze jeglicher Art. Während die Hindenburg kreist tut sich ein weiteres Problem auf. Die Crew entdeckt, dass das Schiff aus der Balance gerät. Das Heck wird schwerer. Das deutet darauf hin, dass das hinterste Segment ein Wasserstoffleck hat, also Gas entweicht. So was kommt schon mal vor. Es gibt historische Aufnahmen, wo Zeppelin- Crews die Lecks in der Hülle bei fliegenden Zeppelinen in schwindelerregender Höhe flicken. Jetzt aber ist an Flicken gerade nicht zu denken. Erstens ist das Wetter nicht gerade ideal, zweitens möchte man den Zeppelin auf den Boden bekommen und landen. Also lässt der Kapitän stattdessen Wasser ab. Ballast. Ein Vorgang, den am Boden der Radiomoderator Herbert Morrison beobachtet und kommentiert. <br>[Einspieler]</p>

<p>Das ist eine heute berühmte Radioreportage. Morrison beschreibt wie das Ankerseil abgeworfen wird <br>[Einspieler]. <br><br>Und jetzt kommt eine Minute, die Radiogeschichte geschrieben hat, denn das ist der Augenblick, in dem es passiert. …[Einspieler]. </p>

<p>Morrison wird sich wieder fangen. Er wird die <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportage</a> weiterführen, er wird Rettungskräfte interviewen und Überlebende vors Mikrofon holen. Das ist das erste Mal, dass es eine live Radioreportage von einer Katastrophe gegeben hat. Aber er ist auch nicht der einzige Journalist, der Zeuge dieses Ereignisses wird und seine Arbeit macht. Ungefähr zwei Dutzend Pressefotografen halten drauf und mindestens drei Kameracrews zeichnen die Ereignisse auf. Einer der Fotografen ist Sam Shere. Er ist im Auftrag von National News Foto vor Ort und versucht, mit seiner Speed Graphic Kamera die Ereignisse festzuhalten. Gerade als sich die Hindenburg im Anflug befindet hat er noch zwei Platten in seiner Kamera. Als sich dann die Ereignisse überschlagen hält er einfach drauf, macht ein Foto &#8211; aus der Hüfte, ohne auch nur durch den Sucher zu schauen. Auch wenn er damit nur eins von Dutzenden Bildern aufgenommen hat, ist es dann doch das Foto, das wie kein anderes für das Hindenburg- Desaster stehen soll. </p>

<p>Durch seine Veröffentlichung bei Life Magazin, als Titelblatt der New York Times, als Aufmacher in unzähligen Zeitungen prägt diese Aufnahme unsere Erinnerung dieses Absturzes. Man sieht die Hindenburg, wie sie gerade beginnt zu fallen, das Heck steht schon in Flammen, ein gewaltiger Feuerpilz steht über dem Schiff. Im Hintergrund sieht man noch das eben abgelassene Wasser den Boden vernebeln. Man sieht das Entsetzen des Bodenpersonals und die ersten Menschen, die panisch die Flucht ergreifen. Das Schiff selbst ist dramatisch durch die Explosion beleuchtet und man kann den Titelschriftzug deutlich erkennen. Same Sheres selbst sagt: “I had two shouts in my big speed graphic, but I didn´t even have time to get up to my literally shot from the hip. It was over so fast. There was nothing else to do.“ </p>

<p>Der Absturz der Hindenburg war nicht deswegen so besonders, weil er so dramatisch war, sondern weil er festgehalten worden war. Er markiert das Ende der Luftschiffära. Das Schwesterschiff der Hindenburg, LZ 130, wurde zwar noch fertiggestellt, würde aber keine Passagiere mehr transportieren. Wenig später war die Ära der sogenannten Stahl-Luftschiffe ganz allgemein zu Ende. Heute ist kein einziges Schiff dieser Bauart mehr in Benutzung. Zwei Jahre nach Absturz der Hindenburg stellt auch Deutschland den Betrieb der Stahl-Luftschiffe endgültig ein. Was aber erhalten blieb war der Spitzname Zeppelin, basierend auf der generellen Form dieser Schiffe. Die Zigarrenform, die wir auch heute manchmal bei ähnlich geformten Ballons sehen. Diese Verbindung zwischen Ballon und diesen Luftschiffen steht als Namenspate für eine der erfolgreichsten Bands aller Zeiten &#8211; Led Zeppelin. Was würde ich jetzt gerne Musik von dieser Band einspielen. Tja&#8230; GEMA&#8230; </p>

<p>Der Name der Band Led Zeppelin soll angeblich auf einem Scherz basieren. Und zwar hatte der Schlagzeuger der Band The Who gesagt, dass eine Band, die sich um den E-Gitarristen Jimmy Page formen würde, abstürzen würde wie ein bleierner Ballon. Ein Lead Balloon. Irgendwie wurde dann aus Lead Balloon und der Idee eines Absturzes Led Zeppelin. Wenn wir schon von abstürzenden Ballons reden, dann sind wir bei dem ikonischen Debütalbum einer der bekanntesten und erfolgreichsten Rockband aller Zeiten, das nichts anderes zeigt als Sam Sheres spektakuläres Katastrophenbild der abstürzenden Hindenburg. Beziehungsweise eine stilisierte Version davon. Jimmy Page höchst selbst erklärt es so: „The idea was to use the impact of this but use it&#8230; </p>

<p>Led Zeppelin war ein recht kraftvolle Rockband. Es ging ihm darum, den Impact, besonders auch des ersten Albums auch visuell darzustellen. &#8222;Fact is, that it was the right thing to do, because it is really iconic image and plus it is Led Zeppelin first album. &#8222;</p>

<p>Sie haben auch mit diesem Wortwitz gespielt, statt einem bleiernen Ballon eher eine Rakete. „I am sure, that the people know that phrase going down like a Lead Balloon and it was a play on the words if you like. &#8222;</p>

<p>Der Designer George Hardy bekommt 60 Pfund und den Auftrag, ein Album-Cover aus diesem Bild für die junge, gerade gegründete Band Led Zeppelin zu gestalten. Weder er noch Led Zeppelin waren damals übermäßig bekannt. In beiden Fällen wird sich das ändern. George Hardy hat uns einige der ikonischsten Album-Cover aller Zeiten gestaltet. Zum Beispiel Pink Floyds Dark Side of the Moon oder Technical exzessiv für Black Sabbath. Bei diesem ersten Album dachte er sich zunächst nicht viel. Deswegen wurde der Entwurf dieses Covers nach getaner Arbeit mit anderen Arbeiten verstaut. Vor ein paar Jahren jedoch zieht er in seinem Studio diesen Entwurf wieder heraus und beschließt, ihn versteigern zu lassen. Das Auktionshaus Christie&#8217;s nimmt den Originalentwurf dieses Covers in seinen online Katalog auf, da durch die Pandemie im Jahr 2020 keine persönlichen Auktionen stattfinden. Die Erwartung ist, dass man dieses Album für schätzungsweise 20.000 bis 30.000 Dollar wird verkaufen können. Verkauft wird es dann am 18. Juni 2020 für 325.000 Dollar und macht damit wieder Schlagzeilen.</p>]]></content:encoded>
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            <title>HerStory - Frauen und Fotografie</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/herstory-frauen-und-fotografie.html</link>
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            <pubDate>Fri, 19 Feb 2021 19:38:12 GMT</pubDate>
            <description>In dieser Sonderfolge habe ich Jasmin vom Podcast HerStory zu Gast.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera In dieser Sonderfolge habe ich Jasmin vom Podcast HerStory zu Gast. Wir unterhalten uns über großartige Frauen in der Geschichte der Fotografie, machen uns Gedanken darüber ob sich deren Wirken in Phasen einteilen lässt und spüren der Frage nach ob Frauen anders fotografieren als Männer. Erwähnte Fotografinnen : Anna Atkins ( Wikipedia |Bilder) Julia Margaret Cameron ( Wikipedia | Web |Bilder) Bertha Wehnert-Beckmann ( Wikipedia ) Letizia Battaglia ( Wikipedia | Web |Bilder) Anna Moneymaker ( Web |Bilder) Gerda Taro ( Wikipedia | Web | Bilder ) Margaret Bourke-White ( Wikipedia | Web ) Anita Augspurg ( Wikipedia | Web ) Dorothea Lange ( Wikipedia | Migrant Mother ) Buchempfehlung (kein Affiliate-Link): Meisterinnen des Lichts: Große Fotografinnen aus zwei Jahrhunderten Mehr starke Frauengeschichten? Auf zum HerStory Podcast ! Außerdem kann man Jasmin auf Mastodon , Twitter, ihrem Blog und Instagram finden. Transkript [Intro] Willkommen beim Fotomenschen Podcast! Du hörst die Stimme von Dirk Primbs und normalerweise würde ich an dieser Stelle die Geschichte, die nach dem Jingle folgt, kurz anteasern. Heute ist es aber anders, denn das hier ist eine Sonderfolge, eine Folge, in der der Bogen etwas weiter größer sein wird. Und vor allem eine Folge, in der ich nicht alleine vor dem Mikro sitzen werde. Ich freue mich riesig über die Gesprächspartnerin, die ich heute hier am Mikro begrüßen darf. Ich bin ja wie gesagt nicht alleine in dieser Folge, sondern ich habe mir Verstärkung geholt. Ich wollte nämlich schon etwas länger mal über die Rolle von Frauen in der Fotografie sprechen. Und mit wem kann man sich da besser drüber austauschen als mit einer Podcasterin, deren Podcast sich mit den Geschichten von beeindruckenden Frauen auseinandersetzt. Wer diesem Podcast und vielleicht auch den dazugehörigen Social Media Kanälen schon ein bisschen folgt, wird sich es denken können; die Rede ist natürlich vom HerStory Pod, und ich freue mich eben ganz besonders, die Stimme und Macherin dieses Podcasts hier zu begrüßen. Magst du uns vielleicht selber noch ein bisschen Kontext geben? [Jasmin] Ich bin Jasmin, ich bin Journalistin, hauptberuflich, und beschäftige mich da eigentlich mit Wirtschaft, Politik und auch vielen Geschichtsthemen und habe eben Geschichte schon immer so als ein Steckenpferd gehabt und habe daraus eben dann letztes Jahr die endgültige Entscheidung getroffen, nachdem ich schon länger darauf herumgedacht hatte, fiel dann endlich mal der Hammer, dass ich gesagt hab, so, jetzt mache ich damit auch mal etwas in der Freizeit und daraus ist dann HerStory entstanden, weil sich da eben meine Geschichtsliebe sehr überschnitten hat mit einem Thema, das mir wirklich immer häufiger begegnet, eben, wie sichtbar sind Frauen, nicht nur heute, sondern wirklich auch in der Geschichte und ja, die Rolle, die Frauen heute in der Gesellschaft haben und die Sichtbarkeit, die sie bekommen oder nicht bekommen, glaube ich, hängt auch viel damit zusammen, wie das historisch schon gelaufen ist und deswegen schaue ich da eben auf Frauen in der Geschichte und springe da nach Möglichkeit quer durch die Zeiten und quer durch die Kontinente und ja, knöpfe mir jede alle zwei Wochen eine neue Frau vor, die ich dann vorstelle. [Dirk] Genau, und das hat auch uns beide so ein bisschen zusammengebracht, weil HerStory ist natürlich ein, ich würde jetzt mal sagen, verwandtes Format, weil es da eben auch um die Geschichten von Menschen geht und, wie ich von dir ja weiß, immer wieder auch mal gerne um die Geschichten von Fotografinnen , denn die sind in diesem gesamten Bild, spielen die eine besondere Rolle, weil ich irgendwann den Eindruck hatte, Männer werden überbetont in der Geschichte der Fotografie, also es ist sehr, sehr einfach, sehr viele männliche Geschichten zu finden und es ist nicht der Mangel an Fotografinnen oder Fotopionierinnen, sondern es ist eher eine Darstellungsfra</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>In dieser Sonderfolge habe ich Jasmin vom Podcast <a rel="noreferrer noopener" href="https://herstorypod.de/" target="_blank">HerStory</a> zu Gast. Wir unterhalten uns über großartige Frauen in der Geschichte der Fotografie, machen uns Gedanken darüber ob sich deren Wirken in Phasen einteilen lässt und spüren der Frage nach ob Frauen anders fotografieren als Männer.</p>

<p>Erwähnte <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a>:</p>

<ul><li><a "/posts/der-welt-zum-geschenk.html">Anna Atkins</a> (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Atkins" target="_blank">Wikipedia</a>|Bilder)</li><li>Julia Margaret Cameron (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Julia_Margaret_Cameron" target="_blank">Wikipedia</a>|<a rel="noreferrer noopener" href="https://dimbola.co.uk/" target="_blank">Web</a>|Bilder)</li><li>Bertha Wehnert-Beckmann (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bertha_Wehnert-Beckmann" target="_blank">Wikipedia</a>)</li><li>Letizia Battaglia (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Letizia_Battaglia" target="_blank">Wikipedia</a>|<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/mafia-fotografin-letizia-battaglia-wenn-ich-meine-bilder-sehe-wird-mir-uebel-1463716.html" target="_blank">Web</a>|Bilder)</li><li>Anna Moneymaker (<a rel="noreferrer noopener" href="http://www.annamoneymaker.com/" target="_blank">Web</a>|Bilder)</li><li><a "/posts/die-kleine-blonde.html">Gerda Taro</a> (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gerda_Taro" target="_blank">Wikipedia</a>|<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.icp.org/browse/archive/constituents/gerda-taro?all/all/all/all/0" target="_blank">Web</a>|<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.icp.org/browse/archive/collections/gerda-taro-september-26-2007-january-6-2008" target="_blank">Bilder</a>)</li><li><a "/posts/die-beste-fotografin-der-welt.html">Margaret Bourke-White</a> (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Margaret_Bourke-White" target="_blank">Wikipedia</a>|<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/margaret-bourke-white-in-berlin-in-schwindelnder-hoehe-vor-grausigem-abgrund-12034877.html" target="_blank">Web</a>)</li><li>Anita Augspurg (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Anita_Augspurg" target="_blank">Wikipedia</a>|<a rel="noreferrer noopener" href="https://frauenmediaturm.de/historische-frauenbewegung/anita-augspurg-1857-1943/" target="_blank">Web</a>)</li><li>Dorothea Lange (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dorothea_Lange" target="_blank">Wikipedia</a>|<a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210608152448/http://100photos.time.com/photos/dorothea-lange-migrant-mother" target="_blank">Migrant Mother</a>)</li></ul>

<p>Buchempfehlung (kein Affiliate-Link): </p>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/3791383531" target="_blank" rel="noopener">Meisterinnen des Lichts: Große Fotografinnen aus zwei Jahrhunderten</a></p>

<p>Mehr starke Frauengeschichten? <a rel="noreferrer noopener" href="https://herstorypod.de/" target="_blank">Auf zum HerStory Podcast</a>! Außerdem kann man Jasmin auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://norden.social/@herstorypod" target="_blank">Mastodon</a>, Twitter, <a rel="noreferrer noopener" href="https://jasminloerchner.de/" target="_blank">ihrem Blog</a> und Instagram finden. </p>

<figure><a href="https://herstorypod.de/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/b3dd396a-23f6-4282-b5f1-dfb1766fd6b7-1024x1024.jpg" alt="Ein Marmorbüste steht neben dunklen Bücherregalen voller alter Bücher, über denen der Titel „HISTORY HER STORY“ in roter Schrift platziert ist." /></a></figure>

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<p>[Intro] Willkommen beim Fotomenschen Podcast! Du hörst die Stimme von Dirk Primbs und normalerweise würde ich an dieser Stelle die Geschichte, die nach dem Jingle folgt, kurz anteasern. Heute ist es aber anders, denn das hier ist eine Sonderfolge, eine Folge, in der der Bogen etwas weiter größer sein wird. Und vor allem eine Folge, in der ich nicht alleine vor dem Mikro sitzen werde.</p>

<p>Ich freue mich riesig über die Gesprächspartnerin, die ich heute hier am Mikro begrüßen darf. Ich bin ja wie gesagt nicht alleine in dieser Folge, sondern ich habe mir Verstärkung geholt. Ich wollte nämlich schon etwas länger mal über die Rolle von Frauen in der Fotografie sprechen. Und mit wem kann man sich da besser drüber austauschen als mit einer Podcasterin, deren Podcast sich mit den Geschichten von beeindruckenden Frauen auseinandersetzt.</p>

<p>Wer diesem Podcast und vielleicht auch den dazugehörigen Social Media Kanälen schon ein bisschen folgt, wird sich es denken können; die Rede ist natürlich vom HerStory Pod, und ich freue mich eben ganz besonders, die Stimme und Macherin dieses Podcasts hier zu begrüßen. Magst du uns vielleicht selber noch ein bisschen Kontext geben?</p>

<p>[Jasmin] Ich bin Jasmin, ich bin Journalistin, hauptberuflich, und beschäftige mich da eigentlich mit Wirtschaft, Politik und auch vielen Geschichtsthemen und habe eben Geschichte schon immer so als ein Steckenpferd gehabt und habe daraus eben dann letztes Jahr die endgültige Entscheidung getroffen, nachdem ich schon länger darauf herumgedacht hatte, fiel dann endlich mal der Hammer, dass ich gesagt hab, so, jetzt mache ich damit auch mal etwas in der Freizeit und daraus ist dann HerStory entstanden, weil sich da eben meine Geschichtsliebe sehr überschnitten hat mit einem Thema, das mir wirklich immer häufiger begegnet, eben, wie sichtbar sind Frauen, nicht nur heute, sondern wirklich auch in der Geschichte und ja, die Rolle, die Frauen heute in der Gesellschaft haben und die Sichtbarkeit, die sie bekommen oder nicht bekommen, glaube ich, hängt auch viel damit zusammen, wie das historisch schon gelaufen ist und deswegen schaue ich da eben auf Frauen in der Geschichte und springe da nach Möglichkeit quer durch die Zeiten und quer durch die Kontinente und ja, knöpfe mir jede alle zwei Wochen eine neue Frau vor, die ich dann vorstelle.</p>

<p>[Dirk] Genau, und das hat auch uns beide so ein bisschen zusammengebracht, weil HerStory ist natürlich ein, ich würde jetzt mal sagen, verwandtes Format, weil es da eben auch um die Geschichten von Menschen geht und, wie ich von dir ja weiß, immer wieder auch mal gerne um die Geschichten von <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a>, denn die sind in diesem gesamten Bild, spielen die eine besondere Rolle, weil ich irgendwann den Eindruck hatte, Männer werden überbetont in der Geschichte der Fotografie, also es ist sehr, sehr einfach, sehr viele männliche Geschichten zu finden und es ist nicht der Mangel an <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> oder Fotopionierinnen, sondern es ist eher eine Darstellungsfrage, so kam es mir vor und so kamen wir dann zusammen.</p>

<p>[Jasmin] Und ich glaube, weshalb du bei mir mit dem Podcast auch so, mit Fotomenschen auch so ins Schwarze getroffen hast, war, dass ich ja auch eine langjährige Liebe zur analogen Fotografie schon pflege und eben auch selbst immer wieder mal die Kamera in die Hand nehme. Als ich dann irgendwann Fotomenschen entdeckt habe, dachte ich so, ach, schön, weil ich nämlich auch, ich habe null Interesse daran, dass mir jemand die neuste Sony erklärt, das brauche ich nicht, weil ich mit digitaler Fotografie, mich damit wirklich auch wahnsinnig wenig beschäftige, muss ich sagen, ich finde, die analoge Technik, die hat für mich viel mehr Reiz, das ist immer eine Diskussion für sich alleine und die Geschichten dahinter, die finde ich unheimlich spannend. Also auch die männlichen Geschichten, ich blende die da nicht aus und ich finde, du hast da eben, du hast da nicht nur so eine Herangehensweise, dass du sagst, ich guck mir jetzt nur Fotografinnen und Fotografen an, sondern du guckst ja auch hinter die Geschichte von bestimmten Fotos und Formaten als solchen und da findest du immer einen schönen neuen Blick auf das Thema und deswegen, ja, so bin ich dann hängengeblieben bei deinem Podcast und dann hast du ja auch schon mal über <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a> gesprochen, die ich ja vor kurzem auch als Episode hatte, und da haben wir uns beide, glaube ich, gleichzeitig einen Keks gefreut, dass wir eine Fotografin da so somatisieren konnten. Genau.</p>

<p>[Dirk] Ja, das, also ich, weil du es gerade auch so schön erwähnt hast, ganz am Anfang wurden mir regelmäßig berühmte Fotografinnen und Fotografen vorgeschlagen, als Themen, und ich versuche immer, so ein bisschen wählerisch zu sein, welche Leute ich reinnehme, weil, nur weil jemand Fotograf war und vielleicht damit erfolgreich war, ist die Person noch nicht wirklich interessant. Ich brauche zwei Sachen: Einmal muss die Person natürlich interessant sein in dem Kontext der Fotografie aber gleichzeitig müssen diese Geschichten auch in irgendeiner Form für mich findbar und verwertbar sein, da muss ich sagen, da sind natürlich so Figuren wie <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a> atemberaubend. Also ich weiß noch, als ich die entdeckt habe und deren Leben versucht habe, zu erfassen, war ich bis ins Mark beeindruckt, was für eine Person ich da gefunden habe, eine Anfang 20-jährige, die wirklich bis heute Nachwirkungen hat, ohne, dass man ihren Namen so richtig kennt. Das war der 2. Aspekt, der mich dabei so überrascht hat, dass zwar irgendwie von 5 Fotografen, die mir vorgeschlagen werden, ist einer immer <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a>, warum auch immer scheint der einen Namen wie Donnerheil zu haben, und alleine dann festzustellen; ohne <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a> kein <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> und im Grunde fand ich ihre Geschichte fast noch interessanter, hätte die nicht so abrupt geendet, wäre die wahrscheinlich auch noch facettenreicher geworden. Und das ist das Thema, wegen dem wir uns auch zusammengefunden haben, ich habe das Gefühl, die Geschichten von Frauen in dem Medium fühlen sich ein bisschen anders an, als das, was mir über Männer aufgedrängt wird und da dachte ich halt, hast du vielleicht einen Expertenblick drauf.</p>

<p>[Jasmin] Na ja, ich bringe vielleicht ein bisschen mehr geschichtlichen Blick auf verschiedene Epochen, sodass man bestimmte Sachen vielleicht ein bisschen einordnen kann oder denen noch ein bisschen Kontext geben kann und wir haben ja neulich dazu schonmal, bevor wir auf Aufnahme gedrückt haben, haben wir ja mal ganz kurz geschnackt und sind bei dem Thema ja an so einer Art, ich will es nicht Kategorisierung nennen, vielleicht so Gruppierungen kamen uns irgendwie in den Sinn, wie man die Frauen so ein bisschen zusammenfassen kann, also das fand ich eigentlich ganz schlau, diese Idee kam damals von dir und vielleicht kannst du mal kurz sagen, was so dein Ausgangsgedanke war, wie du die gruppiert hast.</p>

<p>[Dirk] Ich habe versucht, eine Beobachtung in eine Art Struktur zu fassen, und zwar die, dass am Anfang der Fotografie scheinen mir sehr viele sehr privilegierte Menschen mit einem ausgeprägten Technikfimmel zu stehen. Also gerne auch mal Adelige, Menschen, die Freizeitreichtum haben, also die Möglichkeit, sich auszuleben und nicht davor zurückschrecken, ja dann doch ein sehr technisches Verfahren am Anfang nutzbar zu machen. Und bei dem Blick in die Bücher, die ich so habe und die Geschichten, die ich so habe, fiel mir auf, dass die Männer wie die Frauen da sehr ähnlich herangehen, also es sind eigentlich oft sehr wissenschaftlich ausgebildete Frauen, auch Frauen, die, würde ich sagen, für das klassische weibliche Rollenmodell, dass man im Kopf hat, manchmal, überraschen, also ich habe hier zum Beispiel ein Buch von einer Countess aus Irland, die ihrem Mann dabei geholfen hat, das größte Teleskop Irlands zu bauen und unter anderem die Schweißarbeiten übernommen hat und dann in ihrer Freizeit auch noch fotografiert hat. Und das ist halt so eine Rolle, in der diese Frauen waren, die überrascht, aber die erstmal dadurch auffällig ist, dass sie chronisch unterreportet wird, das heißt, ich habe eine Menge Ehepaare gehabt, wo beide fotografiert haben, aber nur der Mann irgendwie in den Geschichten auftauchte und in den Berichten auftauchte und deswegen habe ich so vorgeschlagen, die erste Phase, die Pionierphase dieser Zeit, da sind sehr viele technisch etablierte Frauen und deren Beschäftigung mit der Fotografie wird eigentlich gar nicht groß bewertet, sie wird nur nicht berichtet, also das findet einfach irgendwie statt und findet aber keinen Niederschlag in den verschiedenen Werken, die ich gefunden habe. Das geht so weit, dass manche Fotografien auch falsch zugeschrieben werden. Das war so der erste große Block.</p>

<p>Und dann fällt mir so auf, so rund um die Jahrhundertwende, also vom 19. ins 20. Jahrhundert passieren 2 Sachen, das eine; die Fotografie wird so eine Alltagsbeschäftigung für viele, also es ist die Zeit der <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie, die im Prinzip Werbung damit macht, dass es so einfach ist, dass jeder fotografieren kann, und damit fangen die Leute an, in ihrer Freizeit zu fotografieren und die Brownie wird zum Beispiel auch gezielt an Frauen vermarktet. Da kommt so ein Frauenbild mit, dass technische Sachen nichts für Frauen sind, &#8222;you press the button, we do the rest&#8220; war der Slogan der Brownie und das war so eine Freizeitbeschäftigung für Frauen wie Fahrrad fahren, also sowas, was nicht, ich mache jetzt auch hier keinen Witz, sondern Fahrrad fahren galt als so eine liederliche Freizeitbeschäftigung, wenn man so gar nichts anderes zu tun hat, und Fotografieren war so in einer Reihe damit, dass man gesagt hat, da kann man doch wenigstens die Kinder noch irgendwie fotografieren und Hobby braucht ja jede, und in der Zeit tauchen Frauengestalten in der Fotografie auf, wo ich den Eindruck habe, die lehnen sich gegen die Gesellschaft auf und nehmen sich, was ihr recht ist.</p>

<p>Die moderne Frau darf natürlich auch geschäftlich aktiv sein, aber immer dann, wenn die Frauen das dann gemacht haben, haben die in entsetzte Männergesichter geguckt und die Fotografinnen, die mir dann begegnen, sind eben Frauen wie <a "/posts/die-beste-fotografin-der-welt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="14" title="Die beste Fotografin der Welt">Margaret Bourke-White</a> zum Beispiel oder, ja, auch Gerda Taro fällt in dieses Feld, die dann manchmal auch gleich ins Extrem gehen, Kriegsreporterinnen sind oder Reportagereporterin, <a "/posts/die-beste-fotografin-der-welt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="14" title="Die beste Fotografin der Welt">Margaret Bourke-White</a>, die die einzige Fotografin on Staff im Fortune Magazine und Life Magazine war, die zum Teil bewundert wurden, dafür, dass sie etwas gemacht haben, in Anführungsstrichen, die &#8222;normale Frau&#8220; macht sowas ja nicht und das ist so eine Zeit, die scheint so eine Weile lang anzuhalten, also es gibt mehrere Jahrzehnte, wo Fotografinnen gleichzeitig ein politisches Statement damit machen, dass sie professionelle Fotografinnen sind, so wirkte das zumindest auf mich.</p>

<p>Und das fasert dann jetzt dann zum Ende des 20. Jahrhunderts in eine dritte Phase aus, wo die mehr oder weniger in demselben Umfeld unterwegs sind, also ich habe jetzt letztens zum Beispiel Statistiken gesehen; eigentlich gibt es genauso viele Fotografinnen wie Fotografen, aber es gibt halt dann ganze Branchen, in denen anscheinend Frauen unterrepräsentiert sind. Aber sie sind auf Augenhöhe, also es würde niemand mehr auf die Idee kommen, zu hinterfragen, warum eine Frau als <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografin</a> unterwegs ist, oder dass eine Frau Wildlife fotografieren kann und deswegen scheint es mir so zu sein, dass die Fotografinnen, die mir jetzt begegnen, sind dann mehr an dem Medium selbst interessiert. Also es ist weniger das politische Statement im Vordergrund, sondern mehr das, was sie damit machen, wie sie sich ausdrücken.</p>

<p>Ja, und das waren so die drei großen Bögen, die wir diskutiert haben. Jetzt die Frage: Wie sehr hast du das wiedergefunden, als du dich auf die Folge so ein bisschen mit vorbereitet hast?</p>

<p>[Jasmin] Also ich glaube, gerade bei so den ersten beiden Gruppen würde ich schon d&#8217;accord gehen, bei denen, je länger ich auf der dritten Gruppe herumgedacht habe, also, wir haben auch ursprünglich, als wir das erste Mal gesprochen haben, habe ich mir so ein paar Keywords aufgeschrieben und die erste Gruppe war so ein bisschen so die Early Adopters, also sozusagen die Pioniere, die dann wirklich mit dieser Technik die Pionierarbeit leisten, als zweite Gruppe hatte ich dann die Unabhängigen, die in die Emanzipation gehen und wie du sagst, das politische Statement und die dritte, da habe ich mir als Keyword aufgeschrieben, ich weiß gar nicht mehr warum; Künstlerinnen, also weil sie eben mit dem Medium experimentieren, sich künstlerischer damit ausdrücken und das dritte Medium finde ich, je länger man, oder die dritte Gruppe, je länger ich auf der herumdenke, umso mehr zerfasert die für mich so ein bisschen, weil eben zum Beispiel sowas wie wie kriegt man Kriegsfotografinnen in die Gruppe von, also dann kann man es nicht mehr Künstlerin nennen, dann muss man wirklich sagen, da trifft es wahrscheinlich besser, was du gesagt hast, das sind die Frauen, die das Medium, die versuchen, zu zeigen, was man mit diesem Medium alles machen kann und damit kann ich eben sowohl in der [?] sitzen und Wildlifefotografie machen als auch in Kosovo die Konflikte und die kriegerischen Auseinandersetzungen fotografieren.</p>

<p>Diese frühen Frauen, die sich mit der Technik auseinandersetzen und die oft im Gespann eines Ehepaars da, die auch aktive Rollen übernehmen, das hängt halt glaube ich auch ganz viel damit zusammen, wie natürlich das gesellschaftliche Rollenbild in dieser Zeit ist. Also die Frau ist dem Mann in der Ehe untergeordnet in so ziemlich allen Gesellschaften, gerade im europäischen Rahmen, in dieser Zeit, das ist ja auch eine Zeit, in der Frauen nicht mal das Wahlrecht haben, solche Geschichten, insofern glaube ich ist es schon im damaligen Rahmen so, dass man die Frau aus dieser Betrachtung ganz oft in so eine Assistentinnenrolle drängt. Was da aber auch mit reinspielt, wenn du sagst: &#8222;privilegiert&#8220;, ich glaube, da hängt natürlich auch mit zusammen, dass die Technik an sich ja damals auch nicht so einfach zum einen zu bekommen ist und zum anderen zum handlen, also die ganz frühen Fotografieverfahren, da sprechen wir ja noch von Nassplattenverfahren und solchen Geschichten, die sind irgendwie klobig und da brauchst du Chemie und da brauchst du eben auch eine gewisse, ich sage mal, eine gewisse chemische Grundbildung, um diese Platten überhaupt vorzubereiten und dann entwickeln zu können, sprich, ich sage mal eine einfache Bauersfrau hätte dann natürlich zum einen nicht die Grundbildung für, sozusagen, zum anderen die Materialien nicht und zum Dritten die Zeit auch gar nicht, also eine Frau, die damit beschäftigt ist, einfach ein ganz normales Leben zu führen, ihre Kinder zu erziehen, es sind ja damals auch noch alles noch wesentlich größere Familien als die heute oft ein-Kind-Familie, die haben ja noch ganz, ganz andere Sorgen, sozusagen, als überhaupt genügend Freizeit zu haben, sich so einer Beschäftigung anzunehmen und insofern glaube ich, dass eben, dass wir deshalb auf diese Frauen stoßen, die, ja, in ihren Häusern oder Appartements eigene Dunkelkammern sogar haben können und eben wirklich das in so einem, wie du schon sagst, &#8222;privilegierten Rahmen&#8220; zu betreiben, wobei ich da auch &#8222;privilegiert&#8220; ausdrücklich nicht als Abwertung verstehen würde, sondern das sind einfach die Frauen, die in der Zeit die Möglichkeit haben, sich mit diesem Medium auseinanderzusetzen. Und da entstehen auch schon wirklich ganz spannende Sachen, also da ist ja zum einen die, die kennst du ja glaube ich auch, die <a "/tags/anna-atkins.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="3" title="Anna Atkins">Anna Atkins</a>, die ja wirklich mit der Fotografie jetzt nicht, die sagt nicht, ich setze jetzt hier meinen Mann, mein Kind, wen auch immer vor die Kamera, sondern die nutzt das Verfahren, um damit ein botanisches Buch zu produzieren und das sind ganz, ganz faszinierende Aufnahmen, die die da macht und dann gibt es aber auch schon relativ früh diese Frauen, zum Beispiel die Julia Margaret Cameron, die ja diese sehr inszenierten Bilder macht und, also die inszeniert Frauen und die hat auch manchmal so kleinere Gruppenbilder wie Mann mit Kind oder Mann, Frau, Kind, die in sehr romantischen Posen inszeniert werden, die zeigt auch häufig Kinder in so Engelsposen, so richtig mit Engelsflügelchen und solchen Geschichten, also die nimmt zum einen dieses Medium, ich müsste jetzt mal, ich weiß gar nicht, ob du das aus dem Kopf weißt, ob das auch noch Nassplattenfotografie ist?</p>

<p>[Dirk] Ja, ja. Gerade Julia Margaret Cameron wurde am Anfang auch belächelt, weil die speziell am Anfang auch die Technik so lala im Griff hatte, die war ja schon deutlich über 40, als sie von einer ihrer Töchter ihre erste Kamera geschenkt bekommt und sich da Hals über Kopf hereingestürzt hat und gerade so am Anfang war das technisch auch alles nicht so einwandfrei, auch mal gerne daraufgekleckst und so, aber trotz allem ein recht aufwändiges Verfahren und mit privilegiert meinte ich übrigens etwas, das gilt auch für die Pioniere in der Männerwelt der damaligen Zeit, also mal ganz generell kann man 2 Sachen beobachten; die ersten Fotografinnen und Fotografen sind in aller Regel hochgebildet und haben die Zeit und das Geld, sich damit zu beschäftigen, das heißt, das sind entweder Menschen aus einem wissenschaftlichen Umfeld oder Familien aus einem adeligen Umfeld, die überhaupt auch nur den Luxus haben, sich fotografisch betätigen zu können, und deswegen wahrscheinlich auch oft diese Ehepaarsituation, also der eine bringt das nach Hause, die andere nimmt es auf, manchmal ist es auch so, dass die Männer aufgehört haben und die Frauen dann weitergemacht haben, auch das sieht man hin und wieder, aber mit Privileg meinte ich tatsächlich auch einfach die Freiheit zu haben und die Ausbildung zu haben, auch das ist ja damals nicht selbstverständlich, wie du sagst, so als Bäuerin hast du wahrscheinlich keine mathematische Grundausbildung gehabt, wie es jetzt, oder wissenschaftliche Grundausbildung, wie es eine</p>

<p><a "/tags/anna-atkins.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="3" title="Anna Atkins">Anna Atkins</a> von sich behaupten konnte, die Korrespondenz mit jemandem wie John Herschel geführt hat, der einer der Geistesgrößen der damaligen Zeit überhaupt war, das ist ein sehr enger Kreis von Menschen gewesen am Anfang, die kannten sich auch, zwei Drittel von denen kannten sich alle untereinander, also es ist gerade so am Anfang hast du das Gefühl, es ist so eine Gruppe, aus der das alles entsteht.</p>

<p>[Jasmin] So eine Clique, ja?</p>

<p>[Dirk] Ja genau.</p>

<p>[Jasmin] Ja, und ich glaube im Übrigen, das kann man ja auch übertragen auf beinahe jedes Feld, wo es eine technologische Neuerung gibt, dass nur ein Teil der Gesellschaft in der Lage ist, sich damit auseinanderzusetzen, weil sie zum einen die Mittel und zum anderen die Zeit dafür haben und es sind eben oft die, die den akademischen Hintergrund haben oder eben den adeligen Hintergrund, der ihnen die entsprechenden Freiheiten verschafft. Genau. Und da hast du völlig recht, das trifft natürlich auf die Männer genauso zu, insofern da, zumindest was das den wirtschaftlichen Hintergrund, sage ich mal, anbelangt und den gesellschaftlichen Hintergrund, da sind die eigentlich sehr gleich in dieser Gruppe und wen ich aber unbedingt noch erwähnen wollte, weil da hatte ich gestern so einen Moment, da wollte ich wieder, als ich gestern nochmal vorbereitet habe, das war wieder einer meiner Momente, wo ich am liebsten auf die Tischplatte gehauen hätte und gesagt hätte: &#8222;Warum kenne ich die nicht&#8220;, jetzt bin ich gespannt, ob du von ihr schonmal gehört hast, Bertha Wehnert-Beckmann, sagt dir die was?</p>

<p>[Dirk] Ne. Erzähl mehr.</p>

<p>[Jasmin] Das ist die erste Berufsfotografin Deutschlands, und da denke ich mir wieder: &#8222;Warum kennen wir die eigentlich nicht?&#8220;, also die hat halt ein eigenes Fotolabor eröffnet, die hat ursprünglich auch mit ihrem Mann, meine ich, gearbeitet, und sie haben <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> betrieben und 1845 haben die ihr Fotoatelier in Leipzig eröffnet. Der Mann ist dann relativ kurz danach verstorben und sie ist dann in die USA gegangen, hat sich dort noch so ein Stück weit weitergebildet und war da eben auch tätig und hat da so Leute wie Millard Fillmore vor die Linse bekommen, also US-Präsident, hat aber auch so die Promis der Zeit vor dem Objektiv gehabt, zum Beispiel die damals sehr berühmte Opernsängerin Jenny Lind, die hat ihr wohl auch Modell gesessen und dann kam sie aus den USA wieder nach Leipzig zurück und hat dort eben dann alleine ihr Atelier wiedereröffnet und geführt und das war dann das erfolgreichste Atelier, eigentlich, in Leipzig, also das war da die erste Adresse, wenn man Fotos braucht, dann ging man zu Bertha Wehnert-Beckmann, und da denke ich mir auch so, warum kennen wir die heute nicht? Also, wir haben die im eigenen Land, das ist hier also eine Pionierin und wenn da hörende aus Leipzig zuhören und am Ende sagen, ja Moment, wir haben doch hier den Bertha Wehnert-Beckmann-Platz oder sonstige Bereiche, zumindest in Leipzig, in denen an sie erinnert wird, dann würde ich mich da sehr darüber freuen, aber insgesamt finde ich so im gesamtdeutschen Rahmen und auch im fotografischen Rahmen, ich beschäftige mich jetzt nicht erst seit gestern mit Fotografie und trotzdem ist sie mir gestern dann erst untergekommen und das finde ich überraschend. Das ist aber auch ein Mal mehr&#8230; Ich finde es auf der einen Seite überraschend, dass ich sie erst jetzt finde, anderseits überrascht es mich gar nicht. Muss ich aus sagen, also weil es eben oft so ist, wie du eingangs gesagt hast: Die Frauen werden einfach nicht reportraitiert. Also die werden dann mehr oder minder… Also inwiefern das absichtlich passiert, dieses Vergessen, das ist auch so eine Frage, auf der man rumdenken müsste, weil ich habe ja gesagt, durch diese Zeit werden Frauen durch eine bestimmte Linse betrachtet, in einem bestimmten Rollenbild, was damals einfach nicht hinterfragt wird, und deswegen ist es wesentlich leichter, diese Frauen dann zu vergessen. Einfach, weil es auch damals schon den Zeitgenossen nicht auffällt: Ja Moment, eigentlich, die Frau ist doch als eigenständige Künstlerin, als eigenständige Fotografin irgendwie auch erwähnenswert, das ist nicht nur die Frau, die dem hier irgendwie die Chemie gereicht hat, sondern die hat da auch eigene Leistung vollbracht.</p>

<p>Und ja, die zweite Gruppe, die finde ich auch total spannend, also die Frauen, die sich dann diese Profession wählen, um sich damit zu emanzipieren, und da gibt es einfach auch ein sehr schönes, deutsches Beispiel, das ist die Frauenrechtlerin Anita Augspurg, die damals in München mit ihrer damaligen Lebensgefährtin Sophia Goudstikker ein Atelier führte und das ist damals das Atelier in München, das Atelier Elvira und da entstehen im Prinzip alle wichtigen Fotos der Frauenbewegung. Also das an und für sich sagt schon ganz, ganz viel darüber aus, wo die Fotografie in dieser Zeit steht. Und 1887 ist das, als sie dieses Atelier haben und die Sophia Goudstikker, die ist mit dem, was sie tut ebenso gut, dass sie Hoffotografin in Bayern wird, also das ist eben hier nicht mal nur so eine Frau, der man eben die <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie gibt und sagt, ja hier, musst nur noch ein Knöpfchen drücken und dann musst du dir keine Gedanken machen, sondern die weiß ganz genau, wie es läuft, ich finde, so eine Marketingstrategie, ich habe im Hauptberuf gerade eine Story gemacht, darüber, wie Frauen von Unternehmen betrachtet werden und wie Unternehmen für Frauen Marketing machen, und sowas, wo man dann irgendwie sagt, du musst nur noch auf ein Knöpfchen drücken, dich um nichts anderes mehr kümmern, weil verstehst du eh nicht, da sitze ich ja gleich auf der Palme, also…</p>

<p>[Dirk] Ich meine, das ist ja vor allen Dingen auch wirklich, also, was mir halt auch so aufgefallen ist, gerade in dieser Periode, die Frauenfiguren, die ich da gefunden habe, die fotografisch tätig sind, sind auch überwiegend dann bis ins Mark beeindruckend. Also, ich finde es sehr entlarvend, dass es dann auch wirklich die Geschichten, die man findet, immer solche Frauen sind. Nehmen wir mal, vorhin, <a "/posts/die-beste-fotografin-der-welt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="14" title="Die beste Fotografin der Welt">Margaret Bourke-White</a>, von der ich es hatte, die hat ihren Zugang zur Fotografie gefunden, indem sie angefangen hat, Industriebauten zu fotografieren, die ist in Stahlwerke gegangen und hat da fotografiert, in einer Zeit, in der die Kameratechnik das eigentlich nicht hergegeben hat, und dann hat sie angefangen, Phosphorraketen da drin zu zünden, damit sie das Licht hinbekommt, sie ist mit ihrem Equipment in dem Stahlwerk herumgeklettert, zu einer Zeit, als das Gerücht herumging, Frauen werden Ohnmächtig, wenn sie so großer Hitze ausgesetzt werden, ist die da mit ihrem doch sehr technischen Material unterwegs gewesen und hat Fotos geschaffen, die ihr danach alle Türen geöffnet haben. Also, eine <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie hat die wahrscheinlich noch nicht mal in die Hand genommen, die hat einen technischen Sachverstand an den Tag gelegt, der damals auf der Höhe der Zeit war. Und dasselbe gilt für viele von diesen Frauen und das, bei mir, als ich mich dann irgendwann damit beschäftigt habe, kam dann irgendwann die Frage auf: Haben wir nur noch die Frauen durch diesen Filter, durch diesen Wahrnehmungsfilter gelassen, die dann so oben auf dem Olymp waren, dass das praktisch nicht mehr ignorierbar war, was sie da abgeliefert haben, das war so die eine Frage, und die zweite Frage: Gab es vielleicht in der Masse an Fotografen und Fotografinnen einfach auch immer noch dasselbe Spektrum, aber in Rückschau, weil diese ganzen geschichtlichen Berichte, die entstehen ja in Rückschau und werden ja von anderen geschrieben als den Zeitgenossen, also einer Margaret Cameron der war wahrscheinlich egal, ob man ihr jetzt ihren Werken, ach ne, der war es ja gerade nicht egal, die wollte Fotografie als Kunst etablieren, aber sagen wir mal, eine <a "/tags/anna-atkins.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="3" title="Anna Atkins">Anna Atkins</a> war es egal, ob die Leute später mal sagen: Das war die Frau, die das erste Fotobuch gemacht hat, aber diesen Frauen war es wahrscheinlich nicht egal. Die haben versucht, sozusagen für diese Sichtbarkeit sich nach vorne zu kämpfen und in Rückschau frage ich mich, ob es diese Phasen überhaupt wirklich auch gab oder ob das Phasen sind, die dadurch entstehen, dass die Gesellschaft sich in ihrem Blick auf die Akteure verändert hat und dann immer andere Sachen festgehalten haben.</p>

<p>[Jasmin] Ja, ich glaube, ein Stück weit hast du da schon recht, weil das natürlich auch eine Frage ist, die man mit Blick auf Geschichte und Geschichtsschreibung generell stellen kann, also für jeden Akteur, nicht nur für Fotografinnen und Fotografen, sondern wirklich für jede und jeden, wie sich der Blick auf Ereignisse und Personen im Laufe der Zeit verändert, wann immer wir als Gesellschaft einen Wandel durchmachen und für neue Dinge sensibilisiert werden, gehen wir zurück und gucken uns Ereignisse und Personen der Vergangenheit an und gucken; gibt es da eigentlich eine ganz neue Dimension, die wir bisher noch nicht wahrgenommen haben, und dann wird Geschichte auch, im Idealfall wird Geschichte vollständiger wahrgenommen, im schlechtesten Fall wird sie ein Stück weit umgeschrieben, weil man anfängt, umzudeuten. Also ich glaube, ich würde mir da jetzt nicht anmaßen, da ein Urteil fällen zu wollen, ob wir bestimmte Fotografinnen und Fotografen vielleicht anders sehen sollten, anders sehen müssten, ich würde aber sagen, dass die Gefahr besteht, dass wir eben durch bestimmte Linsen gucken, durch bestimmte Brillen gucken und nach bestimmten Dingen suchen und dann Figuren so ein bisschen überfrachten, im schlimmsten Fall. Weil ich glaube schon, dass du recht hast: So eine Anna Atkins, die war von der Technik begeistert und die wollte mit dieser Technik etwas machen, was ihr persönlich wichtig war, die hat sich damit aber nicht zur Pionierin für alle Frauen erklärt. Das war dann in dieser 2. Gruppe in den Frauen dann so ein bisschen anders, also Anita Augspurg und Sophia Goudstikker, Anita Augspurg hat am Ende auch über diesen Beruf als Fotografin quasi ein Handbuch geschrieben und die Idee dahinter war, Frauen zu zeigen, Frauen waren ja damals wirklich eigentlich nur auf den Lehrerinnenberuf beschränkt, das war so die einzige Profession, die ihnen offenstand, in der sie wirklich Geld verdienen konnten, und abgesehen davon war es mit Emanzipation halt noch ziemlich Essig. Und die Anita Augspurg hat dann dieses Handbuch geschrieben, hat den Beruf auch nicht beschönt, also so, wie sie die Fotografie beschreibt, mit den Chemikalien und so weiter, was man da noch so, eben so &#8222;auf sich nehmen muss&#8220;, in Anführungsstrichen, sie beschönigt das nicht, das klingt jetzt auch nicht unbedingt immer so einladend, diesen Beruf jetzt zu ergreifen, aber sie sagt trotzdem: Das hier ist ein Feld, in dem ihr, seht her, wir haben es geschafft, ihr könnt das auch und das ist zumindest ein neues Feld, ein weiteres Feld, das ihr euch erschließen könnt, damit ihr eben nicht immer nur die Lehrerin sein müsst, und da schwingt dann auch schon die Idee mit, oft war es ja so, die Frauen haben erst so ein Lehrerinnenberuf ergriffen und wenn sie dann geheiratet haben, dann war Schluss mit Berufstätigkeit, dann fiel man wieder in dieses Hausfrauen- und Muttermuster zurück, oder in dieses Muster wurden sie zurückgedrängt und ja, Anita Augspurg, die hat ja, die hat sich in sowas halt nie hereindrängen lassen und hat ihr Leben sowieso, also die hat ja Frauen geliebt, die hat ihr Leben auf allen Ebenen anders gelebt, als das die Gesellschaft es damals von ihr erwartet hat, und ist damit für uns heute und für die Frauenbewegungen eine der wichtigsten Figuren geworden und hat da wahnsinnig viel Pionierarbeit geleistet. Also bei ihr, glaube ich, die kann man mit Blick darauf vielleicht gar nicht überfrachten oder im Gegenteil, man muss ihr da wirklich wahnsinnig viel Respekt zollen und auch Sophia Goudstikker, und ja, also ich glaube, so bei der einen oder anderen Frau ist die Frage, gilt für Männer da auch genauso, ist die Frage aber durchaus berechtigt: Fangen wir da vielleicht wirklich an, das so ein bisschen durch eine, in Anführungsstrichen, &#8222;Rosa Brille&#8220; zu sehen, weil wir bestimmte Dinge sehen wollen, suchen wir nach bestimmten Dingen, die uns in unserer heutigen Überzeugung bestätigen und dann legen wir einen Fokus darauf und übersehen vielleicht andere Dinge und nimmt man dadurch das Werk einer Fotografin nicht vollständig wahr, tut man ihr damit vielleicht Unrecht.</p>

<p>[Dirk] Mir fiel das zum Beispiel bei Gerda Taro auch auf: Es gibt unglaublich viele verschiedene Lesarten, wie man das denn jetzt nun beurteilt. Also, ich habe jetzt zum Beispiel das Narrativ gehört, Gerda Taro wäre eigentlich mindestens so gut wie <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a>, wenn nicht besser gewesen, Robert Capa wäre praktisch auf der Ebene eines mittel talentierten Landstreichers gewesen, wenn sie ihn nicht neu erfunden hätte und ihm mal gesagt hätte, er solle sich mal die Haare kämmen und ansonsten hat dann Robert Capa ihr Werk einfach in seinem aufgehen lassen und da wird es jetzt mal lange notwendig, dass man mal Gerda die Bühne gibt, die sie verdient hat. Das Gegenmodell ist: Zu der Zeit war das normal, dass man, wenn man als Team unterwegs war unter Umständen alles in einen Pool geworfen hat und der, der die besten Preise aufrufen konnte, dessen Name wurde dann da herangehängt und das war zu der Zeit unter Umständen dann halt einer der Männer und Robert Capa war der coolstklingende Name. Da wird so das kollaborative Element herausgenommen. Es wird so getan, als wenn Gerda Taro gar keine Wahl gehabt hätte. Ich hatte dann auch immer das Gefühl, man hat in dieser Erzählung mehr darüber erfahren, was die Leute, die diese Erzählungen vorangetrieben haben eigentlich dachten als darüber, was sie wirklich war, weil wenn ich mir so angucke, welche Geschichten ich so gefunden habe, ist die von Gerda Taro ja fast noch die respektvollste, weil es ja immerhin ein Center of Photography gibt, in der die Nachfahren von Robert Capa versuchen, ihr immer noch einen Namen zu geben, wo es Leute gibt, die werden dafür bezahlt, die Bilder von Gerda Taro zu identifizieren und separat auszustellen, da gab es andere Beispiele, wo das längst nicht so lief. Und ich habe immer das Gefühl, es kommt immer darauf an, welches Etikett die Leute heranhängen wollen, wie die Geschichte erzählt wird.</p>

<p>[Jasmin] Da würde ich dir recht geben und da finde ich auch, dass Gerda Taro dann ein sehr gutes Beispiel ist, weil, da hast du vollkommen recht, es ist da sehr leicht, da in so eine Art Übersprungshandlung zu fallen, also, wenn man eben heute behauptet, dass Robert Capa einfach ihre Bilder als seine Bilder ausgegeben hat, dann ist das schlichtweg falsch. Also es gab damals eine Abmachung zwischen den beiden und, wie du schon sagtest, Capa hat sein Profil zeitlich relativ kurz irgendwie ein, eineinhalb Jahre vor Taros Bekanntheit angefangen, aufzubauen und ja, sie hat ihm dabei geholfen, seine Bilder zu verkaufen, hat ihm da dann ein paar Tipps gegeben, aber man könnte jetzt nicht behaupten, es würde Robert Capa heute nicht geben (oder es hätte ihn nie gegeben), wäre Gerda Taro nicht dagewesen. Das würde ich nicht behaupten, weil die Bildsprache, die hat er ja alleine entwickelt, also klar, er hat sich mit Gerda Taro ausgetauscht, später, als die sich dann kannten, aber hat schon fotografiert, er war ja schon vorher in Berlin, bevor er nach Paris kam und Gerda Taro auch getroffen hat, er war auch schon ein Weilchen in der Fotografie unterwegs und hat diese Bildsprache in Frankreich mitentwickelt, kurz bevor die dann eben nach Spanien gegangen sind, um da den Spanischen Bürgerkrieg zu dokumentieren und da tut man dann ihm auch wieder ein bisschen Unrecht, wenn man dann sagt, ja ne, also Gerda, ohne die starke Frau dahinter, hätte er es ja nie geschafft, also das finde ich halt mittlerweile auch nicht mehr das richtige Framing, dann zu sagen, hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau, ne, erstens steht die nicht dahinter, sondern wenn dann steht die daneben und zweitens ist es halt nicht immer so einfach. Und in diesem Fall war es halt auch so, das sagen eben auch Zeitgenossen, dass die, die hatten eben eine Partnerschaft, nicht nur romantisch, sondern im Business haben die sich wirklich als Partner verstanden und weil eben Capa damals eben schon den Namen hatte und da irgendwie 150 Fr schon pro Bild irgendwie aufrufen konnte, was wesentlich mehr war, als die Konkurrenz und Gerda Taro zu diesem Zeitpunkt noch keine Aufnahme veröffentlicht hatte, haben die gesagt, wir verkaufen das unter dem Namen, für den wir mehr Geld bekommen, ist ja logisch, weil die mussten sich ihr Equipment und so weiter finanzieren, also du hast da völlig recht, es gibt auch manchmal einen Blick darauf, wie Leute etwas dann umdeuten wollen, weil man dann so eine Art Übersprungshandlung hat, weil man dann denkt, ach Mensch, die Frau ist irgendwie so lange ignoriert worden, dann müssen wir sie jetzt mit allen Mitteln nach vorne holen, und damit tut man aber Gerda Taro dann auch wieder Unrecht, also da blendet man auch wieder Teile ihres Selbstverständnisses aus, ihrer Persönlichkeit und auch ihrer Partnerschaft und ihrer Beziehung mit Capa. Das passiert aber, glaube ich, immer wieder und das ist relativ leicht, da hereinzufallen, weil man, ich glaube, wenn man so eine Frau entdeckt, dann ist man auch schnell so fasziniert und so begeistert, dass man denkt, Mensch, ich muss jetzt der ganzen Welt von der Frau erzählen und dann besteht immer die Versuchung, dass man vielleicht das eine oder andere erstmal ausblendet oder erstmal übergeht und eben versucht, das so ein bisschen in so ein Narrativ zu drängen. Und das ist eine Versuchung, der man immer widerstehen muss, finde ich, was aber nicht immer leicht ist, also es ist ein Balanceakt, definitiv.</p>

<p>[Dirk] Was mir da auch aufgefallen ist, es ist rund um die Zeit, in der Gerda Taro oder auch Margaret Bourke-White oder so unterwegs sind, ist es leichter, hochpolitische Frauen zu finden, die fotografieren. Also es gibt da eine ganze Reihe von Frauen, mir fällt da noch Tina Modotti ein, zum Beispiel, die zum Teil auch einen aktiven revolutionären Background haben. Also, die sozusagen Profirevolutionärinnen sind, die nicht nur jetzt versuchen, der Frauenbewegung zu dienen, sondern die sich auch im Kontext der gesellschaftlichen Umwälzungen der damaligen Zeit verstehen, und die die Fotografie wählen, weil die Fotografie ein, ich glaube, wir können uns davon heute gar keine Vorstellung mehr machen, wir haben die Fotografie so allgegenwärtig, dass wir sie ein Stück weit schon entmachtet haben, aber zu der damaligen Zeit war das richtige Foto immer noch ein unglaublich mächtiges Werkzeug, um deiner Sache Aufmerksamkeit zu verschaffen. Das war ja auch mit ein Antrieb, warum Gerda Taro fotografiert hat, aber eben nicht nur. Also, es gab eine ganze Reihe von Fotografinnen, die ich gefunden habe, die ganz eindeutig die Fotografie gewählt haben, weil es eine der mächtigsten Ausdrucksformen war, die sie finden konnten, und, weil man, vielleicht kommen wir da ja auch noch darauf, das ist so einen Verdacht, der da aufkommt, weil man Fotos zunächst mal auch nicht unbedingt sofort ansieht, wer sie gemacht hat und vielleicht dann eben auch neutraler darauf blickt, als wenn man zunächst mal mit der schaffenden Person ein Urteil verbindet, das war so ein Verdacht, der sich dann bei mir irgendwann einstellte, dass ich mir gedacht habe, wenn so ein Bild in einem Magazin abgedruckt wird, Bildmagazine waren ja zu der Zeit noch ein Riesen Verbreitungskanal, dann war es sekundär, ob das eine Fotografin oder ein Mann war, es ging erstmal um das Bild und das Bild hatte unter Umständen eine unglaubliche, gewaltige Wirkung und ja, also mir schien das so eine Hochzeit zu sein, gerade so die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts scheint so eine Menge von diesen Fotografinnen hervorgebracht zu haben.</p>

<p>[Jasmin] Ja. Ich glaube, da ist etwas dran, weil, was du gerade ansprichst, das ist natürlich ein Unterschied, also nicht jede Frau will zum Beispiel in einem schreibenden Beruf gehen und will dann einen Kommentar schreiben oder ein Meinungsstück oder einen Essay, in dem sie zu bestimmten Dingen aufruft, sage ich mal, ob das jetzt für bestimmte Rechte protestieren, für bestimmte Frauenrechte protestieren, oder sich gegen den <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> aussprechen ist. Und da ist natürlich ein Foto, also gerade, wenn es um sowas wie <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> geht, ein Medium, das sofort auf dem Punkt ist, sofort in your face, wenn du das Magazin aufschlägst und du siehst eben das Foto von einer flüchtenden Mutter, wo sich ein Kind an den Rockzipfel klammert, oder von Bombenopfern, die in den Trümmern liegen, das ist so viel schneller und hat eine so starke Wirkung, da musst du nicht 50 Worte schreiben oder 5 Zeilen, um eine Szene zu beschreiben, sondern jeder hat sie direkt vor Augen. Du hast dann eben nicht den Namen einer Frau über einem Meinungsstück stehen, in dem sie sagt, Krieg ist scheiße, sondern du hast ein Foto, das du als allererstes siehst, das diese Meinung, diese Aussage sofort transportiert. Und den Fotocredit, heutzutage liest den schon kaum noch jemand, glaube ich, und wie viele den damals wahrgenommen haben, ist eben auch die Frage. Und das kann für die eine oder andere Frau auch, kann ich mir vorstellen, einer der Gründe gewesen sein, warum sie sich in diesem Medium so wohlgefühlt haben, weil man da eben wirklich seine Meinung mir bestimmter Bildsprache, mit bestimmten Motiven ausdrücken konnte, eine Message ausdrücken konnte, unabhängig davon, ob man jetzt Frau oder Mann ist. Und ich finde das einen sehr interessanten Gedanken, ob Frauen das damals aktiv so für sich gewählt haben, wie bewusst ihnen das war, oder ob das so eine Art side effect war. Das verbindet sich jetzt wieder schön mit der Frage, auf der wir gerade herumgedacht haben: Gucken wir durch die Brille heute und sagen ah ja, die haben sich da ein Medium gewählt, weil sie damit eben so schön unabhängig sein konnten und ganz andere Nachrichten oder ihre Stimme ganz anders hörbar, oder in dem Fall, sichtbar machen konnten, oder ging es denen damals wirklich einfach nur darum, zu sagen, ich will hier Zeugin sein, bei Gerda Taro, glaube ich, war das eigentlich eher ihre Motivation, sie wollte Zeugin sein, sie wollte, dass diese Fotos jah ausdrücken, was in diesem Kampf gegen den Faschismus aus dem Spiel steht, ich glaube aber nicht, dass es für sie eine Rolle gespielt hat, ich bin jetzt hier eine Frau, von der dieses Foto dann veröffentlicht wird.</p>

<p>[Dirk] Wir reden ja jetzt im Moment auch praktisch per Definition von Frauen, die Karrierefotografinnen waren, in irgendeiner Form, also Journalistinnen oder Modefotografie oder künstlerische Fotografie auf einem sehr professionellen Level betrieben haben. Wenn wir jetzt mal kurz zu der Zeit der Brownie zurückgehen, die ja an Frauen vermarktet wurde, angenommen, die waren erfolgreich damit, dass sie die Kodak Brownie in die Hände von überwiegend Frauen gegeben haben, weil was es ja definitiv in der Zeit gab, war ein explosionsartiger Anstieg der Privatfotografie, also wir hatten gerade so den Rollfilm entwickelt, es gab soetwas wie die Brownie, plötzlich konnte man sozusagen beim Geburtstag des kleinen Zwuckels nebenher fotografieren und das hat die Bildsprache radikal verändert. Kurz danach kommen dann Reportagekameras wie die Leica, die so etwas wie Kriegsfotografie auch noch einmal auf den Kopf gestellt haben, und wenn ich jetzt mal kurz die Annahme treffe, dass der Einfluss, über den wir die Bildsprache entwickelt haben, die wir heute kennen, also diese Alltagsfotografie; Schnappschüsse, Familienfotos, die ja auch wie so eine Pendelbewegung ja auch mit der journalistischen Fotografie Hand in Hand gehen, also der eine Stil informiert über den anderen Stil, also man versucht, im Privatleben so Fotos zu machen, die so aussehen, als könnte man sie in einem Magazin drucken und die Magazine versuchen, so Fotos zu machen, dass der Normalsterbliche die Bildsprache versteht, wenn ich also kurz mal die Annahme treffe, die Brownie wäre unglaublich erfolgreich, was sie ja war, und zwar auch darin, dass es hauptsächlich Frauen waren, die damit fotografiert haben, könnte man natürlich sagen, es gibt so diesen unsichtbaren Einfluss, dass die ganze Bildsprache, die dann damals entstand, dann dominiert wurde von Frauen, die Fotos gemacht haben aber damit kein Geld verdienen wollten, sich damit nie einen Namen damit gemacht haben, aber diesen kollektiven Bildschatz nach vorne getragen haben, den wir eigentlich alle mit uns herumtragen, also wir können ja nicht unbeeinflusst ein Foto angucken, also wenn du durch deinen Instagram Feed das allererste Mal auf Instagram stoßen würdest und da hereinschauen würdest, schaust du ja mit einer Vorprägung darauf und die sitzt nun mal auf 200 Jahren Bildsprache, die sitzt auf mehr als 200 Jahren, Fototechnisch gesehen jetzt mal, so gesehen, wir reden ja jetzt nur von diesem ganz kleinen Subset der Leute, die tatsächlich so weit nach vorne gegangen sind, dass sie damit Geld verdienen wollten, eine Aussage treffen wollten und dann ja, vielleicht versucht haben, politisch aktiv zu sein mithilfe von Bildern.</p>

<p>[Jasmin] Ja, und das ist natürlich ein Bereich der Fotografinnen, der noch völlig unterbeleuchtet ist, weil man da ja in Privatarchive steigen müsste und in Familienboxen kramen, sozusagen, wenn die Fotos noch so weit zurückreichen, dass man sieht; wer hat damals die Fotos gemacht, war das der Ehemann oder war das die Ehefrau und welche Fotos sind da entstanden, aber ich glaube das wäre auch ein totaler Schatz, sich da mal wirklich hereinzugraben und zu gucken: Was ist die Bildsprache?</p>

<p>[Dirk] Da drängt sich ja sofort dann die Frage auf: Würde man den Unterschied sehen? Mal angenommen, du bekommst den Fotoschatz von Familie Müller in die Hand und du kriegst die vor dir auf den Tisch geschüttet, könntest du anhand der Fotos erkennen; welche hat die Frau Müller und welche hat der Herr Müller geschossen?</p>

<p>[Jasmin] Ich glaube, vielleicht wenn man schummelt? Wenn man guckt: Wer ist auf den Fotos, wer fehlt, aber davon abgesehen: Das ist eine total spannende Frage und ich weiß nicht, ob man die abschließend beantworten kann. Ich glaube, zum Teil könnte man Annahmen treffen, weil zum Beispiel gerade wieder in der ersten Gruppe der Frauen werden ja am Anfang auch oft bestimmte Stile der Fotografie begrenzt, wo man sagt, hier, du kannst schöne Stillleben fotografieren, du kannst ein schönes <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a> machen von Familienangehörigen, also bestimmte Stile, Reportagen und so weiter, die werden Frauen erst mal ein Stück weit verschlossen. Aber gibt es den, wenn man jetzt mal herauszoomt, gibt es den weiblichen Blick?</p>

<p>[Dirk] Das ist auch so eine Dauerdiskussion, gerade im Moment auch, also fotografieren Frauen anders als Männer und fotografieren sie andere Dinge als Männer?</p>

<p>[Jasmin] Ja, es gibt so einen Fotoband, der vor kurzem herauskam, wo, ich habe vergessen wie der heißt, es ging irgendwie so in die Richtung &#8222;der weibliche Blick&#8220;, und da gibt es vorne einen Essay darin, ich glaube &#8222;Frauen fotografieren Frauen&#8220;, der hat so einen relativ simplen Namen, man weiß aber sofort, in welche Richtung es geht und im Essay vorne darin wird unter anderem auf ein Bild von Hillary Clinton eingegangen, die gerade irgendwie am Tisch sitzt und die hat, glaube ich, ein Dokument in der Hand, an dem sie ganz konzentriert arbeitet und dann wird da irgendwie ein Vergleich gezogen mit Madonna und dem Kind, wo ich denke, uff, jetzt gehen wir auf eine Ebene, wo ich einfach nicht mehr folgen kann, wo wir wieder, da kommen wir auch wieder auf die vorherige Frage zurück, will man Dinge krampfhaft in gewisser Weise durch eine Brille sehen, also, es wird ja gerne behauptet, der weibliche Blick komme mit mehr Empathie, man sehe mehr das Menschliche, oder Frau sehe mehr das Menschliche, taste sich eben näher an die menschlichen Geschichten heran und zeige da vielleicht auch mehr Zärtlichkeiten in den Fotos und ich finde, bei manchen Beispielen, auf die man da so stößt, würde ich einfach nicht d&#8217;accord gehen, also was Leuten zum Beispiel ganz häufig einfällt, ist Dorothea Lange mit migrant mother. Es ist natürlich ganz einfach zu sagen, ja, Dorothea Lange hat eben hier diese Mutter, der die Depression in dieser Zeit ins Gesicht geschrieben steht und Dorothea Lange hat dieses Foto gemacht und dieses Foto konnte nur eine Frau machen, da bin ich mir nicht so sicher. Klar, sie hat diesen Blick dafür gehabt, sie hat die Frau ausgewählt, hat sich ihr genähert, hat mit ihr gesprochen, hat dann dieses Foto gemacht, nichtsdestotrotz, da vergisst man aber auch: Dorothea Lange war in einer ganzen Gruppe von Fotografinnen, die damals von der Regierung losgeschickt wurden, um diese Zeit zu dokumentieren und da gab es eben nicht nur Dorothea Lange, sondern da gibt es ganz viele andere Fotografinnen und Fotografen, die ähnliche Fotos machen und Dokumentation betrieben haben und es ist nun eben so, dass das Foto von Dorothea Lange sehr einprägsam ist, es ist ja auch ein besonderes Foto, es ist sehr bewegend, aber ich würde mich glaube ich nicht auf die Aussage versteifen wollen, dass dieses Foto nur eine Frau machen könnte. &#8222;Der weibliche Blick&#8220;… Ich finde das eine ganz spannende Frage und ich finde auch, da fällt man eben schnell wieder in so ein Muster, dass man dann eben auch bestimmte Dinge der Frau zuschreibt, wo ich sage, ich weiß auch nicht, ob ich mit diesen Rollenbildern, mit diesen Idealen so einhergehe und so d&#8217;accord gehe. Ne, nicht nur eine Frau kann ein sensibles Bild machen und kann einen Frauenkörper ehrlich und ungeschönt abbilden, das kann auch ein männlicher Fotograf, also ich weiß nicht, ob du bei dieser Frage zu einem Schluss gekommen bist oder überhaupt zu einem Schluss kommen kannst?</p>

<p>[Dirk] Ich glaube nicht, dass man zu einem Schluss kommen kann, aber ich habe Gedanken dazu. Also es gibt ja im Film den Begriff des Male Gaze. Gemeint ist eine Kameraführung, die praktisch eine Frau objektiviert. Also der Klassiker, den man heute immer weniger sieht, aber der natürlich in gerade speziell so Filmen aus den 70er / 80ern fällt mir das ganz, ganz deutlich auf. Der Klassiker: Wenn die Kamera der Frau, die vorbeiläuft, hinterherfährt und praktisch von den Füßen unten von den Schuhen an über den Hintern hoch zum Rücken schwenkt, das ist ein Standard Kameramove gewesen und das ist ein Beispiel gewesen, würde ich sagen, für den typischen sexistischen männlichen Blick im Film, also wo man einfach da die Frau zu einem Objekt macht und sie eben entsprechend darstellt. Und ich glaube, dieses Konzept kann man umdrehen und ich kann mir vorstellen; so im Grunde gibt es solche Prägungen in beide Richtungen, also ich vermute mal, die Menge an Männern, die glauben, wenn ich eine Frau nackt in Schwarz Weiß auf einem Fabrikboden fotografiere, habe ich Kunst geschaffen, die ist größer als das Äquivalent bei Frauen, aber es gibt diese Gruppe in beiden Lagern, ja, also es ist mal so ganz grundsätzlich und dann kannst du natürlich so eine Schicht darauflegen und kannst sagen, wir leben in einer männlich geprägten, sexistischen Gesellschaft, entsprechend positionieren, verkaufen, vertreiben sich bestimmte Bilder mehr und ich kann mir vorstellen, dass wir deswegen diesen Male Gaze öfter finden, aber, und das ist jetzt ein großes Aber, unabhängig davon, ob eine Frau oder ein Mann hinter dieser Kamera steht. Ich glaube, das ist so ein ganz grundsätzliches Missverständnis, dass Menschen gerne glauben, wenn sie Teil einer Gruppe sind, schließt es aus, dass sie gegen diese Gruppe handeln, also nach dem Muster: Wenn ich eine schwarze Hautfarbe habe, kann ich nicht Rassist sein. Blödsinn. Genauso wenig sind Frauen vom Sexismus frei, nur weil sie selber Frau sind und auf sexistische Männer deuten können, was es aber ,glaube ich, schon gibt, ist, ich glaube Frauen haben Zugang zu anderen Situationen und Gesellschaftsbereichen als Männer. Also wenn du als Frau in bestimmten Situationen bist, hast du vielleicht mit einer anderen Interaktion zu tun als Mann und ich kann mir vorstellen, dass das zu anderen Bildern führt. Also so gesehen: Ich glaube, es ist weniger der Verdienst des Geschlechts, dass es einen Unterschied gibt, ich glaube, eine Frau bedient die Kamera exakt genauso wie ein Mann und wenn eine Frau in derselben Situation ist, macht sie dieselben Fotos. Ich glaube, deine gesellschaftliche Prägung, dein Aufwachsen, deine Bildung, welche Vorlieben du vom Motiv her hast, haben einen viel größeren Einfluss darauf, als jetzt die Tatsache, ob du Brüste hast oder nicht. Das wäre mein Verdacht. Aber es ist natürlich eine glühende Diskussion, wo Leute auch mit sehr viel mehr akademischem Wissen darüber diskutieren als ich und sich da auf beiden Seiten dieser Diskussion wiederfinden, also gerade im journalistischen Bereich gibt es ja auch eine Inklusionsdebatte, im Moment, um einfach auch darauf hinzuweisen, dass, gerade bei Black Lives Matter, glaube ich, war das sehr ausgeprägt, dass man festgestellt hat: Dadurch, dass der Beruf des <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalisten</a> sehr männlich geprägt ist und obendrein auch sehr weiß geprägt ist, haben sehr viele weiße Männer die Black Lives Matter Proteste begleitet und dann war so im Prinzip so ein bisschen&#8230; Das geht noch über das Bild, glaube ich, hinaus, das geht dann einerseits darum: Hätten vielleicht schwarze oder Frauen das anders fotografiert ist vielleicht die eine Frage, aber die andere Frage ist: Sollten nicht die Betroffenen die Stimme haben und das Recht haben, selber ihre eigene Bildsprache zu benutzen, um darüber zu berichten, das ist sozusagen noch eine viel größere Schicht darüber, die über das eigentliche Foto da noch ein Stück weit hinausgeht, also eher so die Frage, die Worte an sich sind vielleicht nicht unterschiedlich, aber wer sollte denn das Recht haben, sie auszuwählen und auf Papier zu bringen und ich glaube, das ist so da eine Diskussion, die führenswert ist, immer dann, wenn man es auf das technische oder auf das Bild selber reduziert, springt das meiner Meinung nach zu kurz, also ich glaube einfach, verantwortungsvolle Männer machen genauso gute, empfindsame und auf den Punkt treffende Fotos wie Frauen und trotzdem sollte vielleicht manchmal die Frau die Kamera in die Hand gedrückt bekommen und den Auftrag, einfach, weil sie einen anderen Zugang vielleicht hat oder andere Auswahl treffen würde.</p>

<p>[Jasmin] Und ich glaube, um da noch kurz an deine Punkte anzuknüpfen, ich glaube, also was du sagst, in bestimmten Situationen haben Frauen jetzt auch wieder zwei Dinge, also zum einen haben sie vielleicht Zugang zu Situationen, zu denen Männer keinen Zugang hätten und gleichzeitig gibt es natürlich auch Situationen, in denen Frauen vom Zugang ausgeschlossen sind. Und das finden wir zum Teil dann in anderen Kulturen, weil es auch mit Religion zu tun hat, da könnte eine Frau in bestimmten männlichen Gruppen nicht fotografieren, aber sie kann zum Beispiel mit betenden Frauen fotografieren und hat da Zugang, den ein männlicher Fotograf nicht hätte. Aber ich glaube, du hast völlig recht: Eine Frau bedient eine Kamera genau so wie ein Mann sie bedient und das finde ich auch eine wahnsinnig spannende Beobachtung, an der meiner Meinung nach viel daran steckt, wir sind alle geprägt und sozialisiert von der Geburt an in der Gesellschaft, in der wir uns bewegen, wir können uns über die kritische Gedanken machen, aber natürlich gibt es immer irgendwelche Dinge, die uns gar nicht bewusst sind, wie die uns prägen, wenn wir auf die Welt schauen, wenn wir uns in dieser Welt täglich bewegen und das gilt dann auch, wenn ich meine Kamera vors Auge hebe und bestimmte Dinge, bestimmte Situationen damit abbilde und da kann ich als Frau genau so in eingefahrene Muster fallen und die so ein Stück weit bedienen, wie ein Mann das tun kann. Aber das heißt eben nicht, dass Frauen auch immer mal etwas aufbrechen können, also mir fallen zum Schluss auch noch zwei Namen noch ein, die ich einmal noch droppen würde, das wäre einmal die Letizia Battaglia, die in Italien auch einen Fotojob seit Jahrzehnten macht, den man bei Frauen vielleicht nicht unbedingt sehen will, die hat nämlich ganz lange die Mafia fotografiert und, also nicht die Mafia selbst, sondern die Auswirkungen der Mafia, also die hat eben auch genau solche schockierenden Bilder aufgenommen mit Mafiatoten in irgendwelchen kleinen italienischen Lokalen oder in den Straßen, wie man die oft von männlichen Fotografen kennt, und dann, weil du News angesprochen hast, was ich auch total spannend finde, ist, dass eine der, was mir immer wieder auffällt, wenn ich in der New York Times bin und mir da die Newsfotografie anschaue, gerade auch alles, was rund um Washington, Capitol und so weiter und sofort ist, der Name, auf den ich immer wieder stoße, ist, das scheint quasi eine von deren Hauptfotografinnen zu sein, das ist Anna Moneymaker, was ich einen wunderschönen Nachnamen finde, wo ich mich frage, ob das ein Pseudonym ist, aber ich finde es super und der kommt mir ganz, ganz oft unter und da ist mal eine Frau ganz weit vorne mit dabei und ist eben auch in deren Newsfotografie ganz vorne mit dabei und in dem Zusammenhang fällt mir auch noch ein, dass bei diesen Capitol Riots, da haben ja am Ende auch wieder über den AP Fotografen gesprochen, der in der Kammer geblieben ist und dort die Fotos gemacht hat. Letzten Endes gab es auch Frauen, die draußen mitten in dieser Horde mit ihren Fotoapparaten standen und sich in dieser Horde, in dieser gewaltbereiten Horde bewegt haben, auch offen als Presse gekennzeichnet, also wirklich unter psychischer Gefahr und die das genauso auf sich genommen haben, wie die männlichen Kollegen, die an diesem Tag reportiert haben, also das möchte ich nochmal als Wort zum Sonntag zum Schluss loslassen.</p>

<p>[Dirk] Ja, absolut. Eine Erkenntnis, glaube ich, die man herausnehmen kann, ist, im Grunde ist Fotografie tatsächlich eine sehr demokratische Tätigkeit, die offensichtlich von beiden Geschlechtern ausgeübt werden, wir haben da eine unterschiedliche Wahrnehmung darauf und sie bekommen unterschiedlichen Zugang zu manchen lukrativen Sparten der Fotografie, das, finde ich, ist auch ziemlich offensichtlich, wenn man sich so die Verteilung anguckt, aber im Grunde ist es auch eine Praxis, die in aller unserer Hände ist. Also ich finde halt auch die Tatsache, dass inzwischen jeder und jede eine Kamera in der Hand hält, ganz regelmäßig, mehrmals am Tag, ist ein sehr demokratisierender Faktor.</p>

<p>[Jasmin] Ja, absolut, da würde ich dir zustimmen.</p>

<p>[Dirk] In jedem Fall, wir werden es nicht abschließend bearbeiten können, aber das hat einen Riesen Spaß gemacht, Jasmin. Und das war ja nur an der Oberfläche kratzen. Vielen lieben Dank!</p>

<p>[Jasmin] Ja, absolut. Also, ich danke dir, ich fand es auch total spannend, den Austausch von Gedanken da zu dem Thema mal zu haben und man könnte noch so wahnsinnig viele weitere Frauen nennen, über die sprechen und sich mit ihrem Werk beschäftigen, da müssen wir, glaube ich, vielleicht irgendwann nochmal eine Anschlussfolge machen, ein Anschlussgespräch vereinbaren.</p>

<p>[Dirk] Vielleicht auch mal an einzelnen Persönlichkeiten. Also ich finde, wir haben jetzt eine wirklich schöne Liste von Frauen, deren Arbeit es wirklich wert ist, sich genauer anzuschauen, zusammengetragen und vielleicht konnten wir ja auch den Blick auf eben zum Beispiel die Pressefotografin Frau Moneymaker oder auch ähnliche Beispiele, die es bei uns sicherlich auch in unserer Alltagspresse gibt, ein bisschen schärfen, dann würde ich sagen, drücken wir jetzt mal aufs Knöpfchen. Vielen lieben Dank dir!</p>

<p>[Jasmin] Genau. Ganz lieben Dank für die Einladung, es war ja deine Idee, ich finde, eine grandiose Idee, die sehr viel Spaß gemacht hat, also das können wir sehr gerne wiederholen.</p>]]></content:encoded>
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            <pubDate>Sun, 14 Feb 2021 14:25:48 GMT</pubDate>
            <description>William Mumler machte eine Aufnahme die als erste Geistfotografie überhaupt gilt und den Trend der spiritistischen Fotografie begründete.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera William Mumler machte eine Aufnahme die als erste Geistfotografie überhaupt gilt und den Trend der spiritistischen Fotografie begründete. Außerdem machte er weltweit Schlagzeilen als er für seine Arbeit wegen Betrugsverdacht vor Gericht gestellt aber freigesprochen wurde… Geisterfotografie (Wikipedia) Geistewesen (Wikipedia) William H. Mumler (EN, Wikipedia) P.T. Barnum (Wikipedia) Amerikanischer Bürgerkrieg (Wikipedia) Die berühmtesten Geisterfotos, die jemals gemacht wurden Ist dieses Überwachungskamera-Video der Beweis, dass Geister existieren? (Pro7) Geisterbeschwörung in der Fotografie (kwerfeldein) Jeder Sechste glaubt an Geister (Süddeutsche Zeitung) Spiritualism (EN, Wikipedia) How did early photographers remember the dead? They took photos with ghosts Photographing Lincoln’s Ghost (BackStory Radio) Meet Mr. Mumler, the Man Who “Captured” Lincoln’s Ghost on Camera The Strange Case of William Mumler, Spirit Photographer (Fesler-Lampert Minnesota Heritage Books) (Fesler-Lampert Minnesota Heritage Books (Hardcover)) (English Edition) Transkript Fotografie heißt zeichnen mit Licht. Denn das Grundprinzip ist ein empfindliches Medium, auf dem Licht seine Spuren hinterlässt. Das Licht, das wir verwenden, ist meistens sichtbar, aber nicht immer. Infrarot, Ultraviolett, elektromagnetische Wellen, Röntgenstrahlen, es gibt unzählige Strahlen, die wir fotografieren können, die uns ohne die Fotografie aber völlig verborgen bleiben würden. Und es gibt noch etwas, das wir fotografieren können: die Zeit. Abläufe, die so schnell sind, dass sie unseren Augen verborgen bleiben würden, lassen sich mit Hochgeschwindigkeitsaufnahmen festhalten. Sind Abläufe zu langsam, um sie wahrzunehmen, greifen wir zur Zeitrafferaufnahme. Es muss wie ein Wunder gewesen sein, als die Fotografie im 19. Jahrhundert entdeckt wurde und plötzlich unsichtbares sichtbar gemacht hat. Und weil es ja ein technisches Verfahren war, konnte man ihre Ergebnisse auch kaum anzweifeln. Die Fotografie zeigte die Wirklichkeit, so wie sie denn nun mal war. Und so wie die Fotografie bewiesen hatte, dass Pferde im Galopp komplett zu schweben scheinen, so waren dann plötzlich auch Fotografien im Umlauf, in denen man die Geister verstorbener sah. Und warum bitte sollten ausgerechnet die nicht echt sein? Die heutige Geschichte findet statt in den USA der 1860er Jahre, nämlich in Boston und in New York. Allerdings gibt es Ausläufer der Ereignisse, die bis in die heutige Zeit reichen und die überall spielen könnten. Denn es geht um Geister und um Fotografie von Geistern. Und überhaupt an Geister zu glauben ist etwas sehr verbreitetes. In Deutschland geben in Umfragen etwa 1/6 der Menschen an, an Geister zu glauben. Und damals, in den 1860ern in den USA gab es 1/3 Geistgläubige. Damit man an Geister glauben kann, muss man eine Sache als gegeben annehmen. Nämlich, dass wir nicht nur aus Körper bestehen, sondern in uns eine Art Lebensenergie steckt. Eine Seele. Irgendetwas, was übrig bleiben kann, obwohl unser Körper gestorben ist. Wenn ich da erstmal daran glaube und dann auch noch zusätzlich daran glaube, dass Geister mit uns kommunizieren wollen, dann ist nur ein ganz kleiner Schritt notwendig, um auch zu glauben, dass man Geister fotografieren können muss. Aber warum sollten sie das wollen, fragt man sich. Und da sind wir bei einer der Kernthesen des sogenannten Spiritualismus. Der Spiritualismus war eine praktisch religiöse Bewegung, die ab 1840 überwiegend in englischsprachigen Ländern auf dem Vormarsch war. Die Grundidee war: Es gibt Geister und die wollen mit uns in Kontakt treten. Es wurden Bücher über das Thema geschrieben, es gab Fachmagazine und eine wachsende Szene an Dienstleistern. Und ab 1860 ist es die Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs. Es gab also auch eine wachsende Zahl an Toten, mit denen man hoffte, noch ein letztes Gespräch führen zu dürfen. Es ist auch eine Zeit faszinierender </itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>William Mumler machte eine Aufnahme die als erste Geistfotografie überhaupt gilt und den Trend der spiritistischen Fotografie begründete. Außerdem machte er weltweit Schlagzeilen als er für seine Arbeit wegen Betrugsverdacht vor Gericht gestellt aber freigesprochen wurde&#8230; </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geisterfotografie" target="_blank">Geisterfotografie </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geistwesen" target="_blank">Geistewesen </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/William_H._Mumler" target="_blank">William H. Mumler</a> (EN, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/P._T._Barnum" target="_blank">P.T. Barnum</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sezessionskrieg" target="_blank">Amerikanischer Bürgerkrieg</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.pocket-lint.com/the-most-famous-ghost-photographs-ever-taken/" target="_blank">Die berühmtesten Geisterfotos, die jemals gemacht wurden</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.prosieben.de/" target="_blank">Ist dieses Überwachungskamera-Video der Beweis, dass Geister existieren?</a> (Pro7)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250428144422/https://kwerfeldein.de/2012/05/17/geisterbeschwoerung-in-der-fotografie/" target="_blank">Geisterbeschwörung in der Fotografie </a>(kwerfeldein)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.sueddeutsche.de/leben/parapsychologie-wenn-der-besuch-durch-die-wand-verschwindet-1.3295124" target="_blank">Jeder Sechste glaubt an Geister</a> (Süddeutsche Zeitung)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Spiritualism#:~:text=Spiritualism%20is%20an%20informal%20religious,which%20spirits%20continue%20to%20evolve." target="_blank">Spiritualism</a> (EN, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.cbc.ca/radio/spark/377-notification-fatigue-seasonal-ghost-stories-and-more-1.4450632/how-did-early-photographers-remember-the-dead-they-took-photos-with-ghosts-1.4450642" target="_blank">How did early photographers remember the dead? They took photos with ghosts</a></li><li><a href="https://backstoryradio.org/blog/photographing-lincolns-ghost/">Photographing Lincoln&#8217;s Ghost</a> (BackStory Radio)</li><li>Meet Mr. Mumler, the Man Who “Captured” Lincoln’s Ghost on Camera</li></ul>

<figure><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="606" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/brave_2021-02-14_15-23-28-606x1024.png" alt="Das Bild zeigt links eine durchscheinende weibliche Gestalt mit erhobenem Arm und rechts das Porträt einer sitzenden Frau in dunkler Kleidung." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="604" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/brave_2021-02-14_15-23-15-604x1024.png" alt="Zwei Frauen sind in einem Porträt abgebildet: Eine ältere Frau sitzt im Vordergrund und eine jüngere Frau posiert leicht dahinter." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="619" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/brave_2021-02-14_15-23-07-619x1024.png" alt="Sepiafarbenes Porträt eines Mannes mit Bart und dunklem Mantel vor einem verblassten Hintergrundbild einer Person." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="707" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/brave_2021-02-14_15-22-56-707x1024.png" alt="Sepiafarbenes Porträt zeigt einen bärtigen Mann in Anzug, der neben einer sitzenden Frau mit hellem Kleid steht." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="717" height="404" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/brave_2021-02-14_15-22-48.png" alt="Porträt einer Frau im Profil mit dunkel gekämmtem Haar und einem gemusterten Kragen vor einem unscharfen Hintergrund." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="400" height="558" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/mumler_barnum_large.jpg" alt="Schwarzweißporträt eines älteren Mannes mit zurückweichendem Haar und Koteletten, der einen dunklen Anzug und eine Fliege trägt."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="607" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/william-mumler-607x1024.jpg" alt="Ein altes Foto zeigt eine sitzende Frau in dunkler Kleidung und links ein durchscheinendes Bild einer stehenden Frau mit erhobenem Arm." /></figure></li></ul></figure>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/B0043M4HQE" target="_blank" rel="noopener">The Strange Case of William Mumler, Spirit Photographer (Fesler-Lampert Minnesota Heritage Books) (Fesler-Lampert Minnesota Heritage Books (Hardcover)) (English Edition)</a></p>

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<p>Transkript</p>

<p>Fotografie heißt zeichnen mit Licht. Denn das Grundprinzip ist ein empfindliches Medium, auf dem Licht seine Spuren hinterlässt. Das Licht, das wir verwenden, ist meistens sichtbar, aber nicht immer. Infrarot, Ultraviolett, elektromagnetische Wellen, Röntgenstrahlen, es gibt unzählige Strahlen, die wir fotografieren können, die uns ohne die Fotografie aber völlig verborgen bleiben würden.</p>

<p>Und es gibt noch etwas, das wir fotografieren können: die Zeit. Abläufe, die so schnell sind, dass sie unseren Augen verborgen bleiben würden, lassen sich mit <a "/posts/fliegende-pferde-und-entschuldbarer-totschlag.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="23" title="Fliegende Pferde und entschuldbarer Totschlag">Hochgeschwindigkeitsaufnahmen</a> festhalten. Sind Abläufe zu langsam, um sie wahrzunehmen, greifen wir zur Zeitrafferaufnahme.</p>

<p>Es muss wie ein Wunder gewesen sein, als die Fotografie im 19. Jahrhundert entdeckt wurde und plötzlich unsichtbares sichtbar gemacht hat. Und weil es ja ein technisches Verfahren war, konnte man ihre Ergebnisse auch kaum anzweifeln. Die Fotografie zeigte die Wirklichkeit, so wie sie denn nun mal war. Und so wie die Fotografie bewiesen hatte, dass Pferde im Galopp komplett zu schweben scheinen, so waren dann plötzlich auch Fotografien im Umlauf, in denen man die Geister verstorbener sah. Und warum bitte sollten ausgerechnet die nicht echt sein?</p>

<p>Die heutige Geschichte findet statt in den USA der 1860er Jahre, nämlich in Boston und in New York. Allerdings gibt es Ausläufer der Ereignisse, die bis in die heutige Zeit reichen und die überall spielen könnten. Denn es geht um Geister und um Fotografie von Geistern. Und überhaupt an Geister zu glauben ist etwas sehr verbreitetes. In Deutschland geben in Umfragen etwa 1/6 der Menschen an, an Geister zu glauben. Und damals, in den 1860ern in den USA gab es 1/3 Geistgläubige.</p>

<p>Damit man an Geister glauben kann, muss man eine Sache als gegeben annehmen. Nämlich, dass wir nicht nur aus Körper bestehen, sondern in uns eine Art Lebensenergie steckt. Eine Seele. Irgendetwas, was übrig bleiben kann, obwohl unser Körper gestorben ist.</p>

<p>Wenn ich da erstmal daran glaube und dann auch noch zusätzlich daran glaube, dass Geister mit uns kommunizieren wollen, dann ist nur ein ganz kleiner Schritt notwendig, um auch zu glauben, dass man Geister fotografieren können muss.</p>

<p>Aber warum sollten sie das wollen, fragt man sich. Und da sind wir bei einer der Kernthesen des sogenannten Spiritualismus. Der Spiritualismus war eine praktisch religiöse Bewegung, die ab 1840 überwiegend in englischsprachigen Ländern auf dem Vormarsch war. Die Grundidee war: Es gibt Geister und die wollen mit uns in Kontakt treten. Es wurden Bücher über das Thema geschrieben, es gab Fachmagazine und eine wachsende Szene an Dienstleistern.</p>

<p>Und ab 1860 ist es die Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs. Es gab also auch eine wachsende Zahl an Toten, mit denen man hoffte, noch ein letztes Gespräch führen zu dürfen. Es ist auch eine Zeit faszinierender technologischer Entwicklungen. Die Elektrizität wird nutzbar gemacht. Die Fotografie wird erfunden. Es wird also ganz normal, dass wir von unsichtbaren Phänomenen umgeben sind, die plötzlich Auswirkungen auf unsere Realität haben können.</p>

<p>Wie schon bei der Folge über <a "/posts/fabelhafte-feen-fotos.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="24" title="Fabelhafte Feen-Fotos">Feenfotografie</a>, finde ich, lohnt es sich, das alles im Hinterkopf zu behalten. Manches, was heute vielleicht leichtgläubig wirkt, ist aus damaliger Sicht vollkommen nachvollziehbar gewesen.</p>

<p>Wir sind also im Jahr 1860. In Boston. In einer wirklich schweren Periode der amerikanischen Geschichte. Der ungefähr 28-jährige Schmuckgraveur und Hobbyfotograf William H. Mumler versucht, ein ordentliches Portraitsetup aufzubauen. Er richtet seine Kamera ein, drapiert einen Hintergrund, stellt einen Stuhl hin und macht eine Testaufnahme. Er setzt sich also so ungefähr 2 Sekunden auf den Stuhl, steht dann auf, deckt die Linse wieder ab, entnimmt die belichtete Glasplatte und geht mit ihr ins Labor.</p>

<p>William fotografiert im zu der Zeit sehr verbreiteten <a "/tags/kollodium-nassplatte.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="10" title="Kollodium Nassplatte">Kollodiumnassplattenverfahren</a>. Dabei wird eine Glasplatte genommen, mit einer Tinktur lichtempfindlich gemacht, dann in einer Kamera untergebracht, noch während sie feucht ist belichtet und auch direkt, noch im feuchten Zustand, entwickelt. Das Verfahren war im Vergleich zur <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> deutlich billiger und es hatte den Vorteil, dass man Negative erzeugte. Also eine Vorlage, aus der man dann die endgültigen Bilder beliebig oft drucken konnte.</p>

<p>William ging also mit der belichteten Glasplatte in seine Dunkelkammer und entwickelte das Bild. Und sehr zu seiner Überraschung war im fertigen Ergebnis eine weitere Person zu sehen. Obwohl er eigentlich allein in seinem Studio gewesen war, sah man auf dem Bild nicht nur ihn, sondern auch noch den Umriss einer jungen Frau.</p>

<p>Und William dachte zuerst an einen Entwicklungsfehler. Sowas kann nämlich durchaus passieren. Wenn die Glasmatte zum Beispiel mehrfach benutzt wurde, also das Vorgängerbild abgekratzt und abgeschabt wurde, aber bei der Reinigung eben nicht sorgfältig genug vorgegangen worden war. Oder man irgendeinen Fehler gemacht hatte und versehentlich dieselbe Glasplatte zweimal benutzt hatte. Dann entstanden ja unter Umständen auch solche Schattenaufnahmen. Doppelbelichtungen eben.</p>

<p>Die Wendung kam aber, als er sich die Aufnahme nochmal genauer ansah und in der zusätzlichen Gestalt seine 12 Jahre vorher verstorbene Cousine erkannte.</p>

<p>Diese Anekdote ist deswegen so wichtig, weil diese Aufnahme allgemein als die erste sogenannte Geisterfotografie überhaupt gilt. William H. Mumler hatte an diesem einen denkwürdigen Tag ein ganzes Genre erfunden. Denn nachdem er seine Cousine in der Aufnahme erkannt hatte, gab es kein Halten mehr.</p>

<p>William stand der spiritualistischen Szene relativ nahe, seine Frau war ein anerkanntes Spirituistenmedium. Sie hielt also regelmäßig Seancen oder nahm für Geld Kontakt zu verstorbenen auf. Und sie wird wahrscheinlich auch dann den Entschluss mit ermutigt haben, ein Fotostudio zu eröffnen. Ein Fotostudio, in dem man eben nicht nur von sich, sondern auch noch von verstorbenen, die einem am Herzen lagen, Bilder anfertigen lassen könnte.</p>

<p>Und der Laden brummte. Nicht nur, dass der Glaube an Geister weit verbreitet war, auch das Bedürfnis, seine Lieben noch ein weiteres Mal sehen zu können und vielleicht sogar ein Erinnerungsfoto zu bekommen, das sorgte dafür, dass der Dollar locker saß.</p>

<p>Und William nahm horrende Preise. 10 Dollar kostete so eine Portraitsitzung mindestens. Auf heutige Verhältnisse übertragen waren das 300 Dollar pro Sitzung. Seine Frau war immer mit anwesend. Allerdings behauptete William, es war schon hauptsächlich seine Anwesenheit, die dafür sorgte, dass die Geister sich auf den Glasplatten einfanden.</p>

<p>Eine Sitzung begann immer mit einem ausführlichen Gespräch. William muss gut darin gewesen zu sein, seinen Kundinnen und Kunden zusätzliche Informationen zu entlocken. Wer ihnen denn nahestünde. Wer denn wahrscheinlich auf den Aufnahmen auftauchen würde. Das waren alles wichtige Fragen.</p>

<p>William machte sich jedenfalls einen Namen. Und so fanden sich nach und nach auch prominente Kundinnen und Kunden bei ihm ein. Über seine Fotografie berichtete die spiritistische Fachpresse und nach und nach tauchten auch andere Fotografen im ganzen Land auf, die behaupteten, Geister fotografieren zu können.</p>

<p>Allerdings gab es nicht nur Gläubige, sondern auch viele Skeptiker. Sogar solche, die sich selbst als Spirituisten bezeichneten, hatten Fragen und wollten ganz sicher gehen, dass hier kein Schwindler am Werk wäre. William war sich seiner Arbeit so sicher, dass er auch Leuten vom Fach erlaubte, ihn dabei zu beobachten, wie er die Fotografien anfertigte. So bescheinigten ihm mehrere Fotografen, dass sie nicht wussten, wie er diese Geistererscheinungen auf die Glasplatten gebannt bekam. Was es aber auch gab, waren vereinzelte Stimmen, die behaupteten, sie hätten in den sogenannten Geistern, also in den Erscheinungen von Toten, Menschen wiedererkannt, die ihnen gerade noch auf der Straße begegnet seien. Und dann gab es noch den Verdacht, dass Geistfotografen in die Wohnungen ihrer Kundinnen und Kunden einbrachen und dort Bilder entwanden, aus denen sie dann später die Geistererscheinungen montieren konnten.</p>

<p>Und regelmäßig werden Geistfotografen und Medien auch als Schwindler entlarvt. Aber es ist ein erfolgreicher und wachsender Markt.</p>

<p>P.T. Barnum, seines Zeichens Zirkuspionier, Politiker und jemand, der Zeit seines Lebens mit Freakshows und allen möglichen seltsamen Darbietungen durch die Lande tourt, schreibt 1866 ein Buch mit dem Titel &#8222;Humbugs of the World &#8211; An account of humbugs, delusions, impositions, quackeries, deceits and deceivers&#8220;. P.T. Barnum gilt als Experte auf dem Gebiet: Mit seinen Freakshows, Zirkusdarbietungen und Entertainmentshows hat es schließlich auch selbst so einiges abgeliefert, was das Publikum verblüfft und überrascht hat.</p>

<p>Und er prangert in dem Buch in einem ganzen Kapitel die Geistfotografie an. P.T. Barnum prangert vor allen Dingen an, das hier mit dem Leichtglauben von Trauernden Geld gemacht werden soll. Er wendet sich auch unter anderem an William Mumler, um von dem mehrere Aufnahmen mit Geistern zu erstehen und die in seiner eigenen Ausstellung, in der er eben die im Buch erwähnten quackeries ausstellt, neben nachgemachte Geistbilder von Fotografenhand zu hängen. Da hängt dann unter anderem auch eine Aufnahme von ihm mit dem Geist von <a "/tags/abraham-lincoln.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="56" title="Abraham Lincoln">Abraham Lincoln</a>, der ihm über die Schulter schaut.</p>

<p>Ungefähr zu der Zeit, als Barnum dieses Buch herausbringt, zieht Mumler nach New York City und eröffnet auch dort ein Fotostudio für Spiritphotography. New York City hat zu der Zeit ein Betrugsproblem. Die Stadt ist notorisch bekannt dafür, dass man auf Schritt und Tritt das Risiko eingeht, über den Tisch gezogen zu werden. Und der Bürgermeister beschließt, dagegen systematisch vorzugehen.</p>

<p>William ist inzwischen über die Grenzen des Staates hinaus bekannt. Er verdient hervorragendes Geld mit seinen Geisterfotografien und hat mit mehreren Aufnahmen inzwischen auch schon Coups gelandet. Mit prominenten Portraitierten und prominenten Geistern.</p>

<p>In diese Zeit fällt auch seine vielleicht berühmteste Geistaufnahme: Er selbst behauptete ja immer: An dem Tag, als er diese Aufnahme gemacht hat, wusste er gar nicht, wer seine Kundin gewesen war. Sie war eine Frau in Trauerkleidung, wie so viele seiner Kundinnen. Sie kam in seinen Laden und wollte eine Aufnahme mit sich und ihrem toten Ehemann haben. Dass er es mit der Witwe von <a "/tags/abraham-lincoln.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="56" title="Abraham Lincoln">Abraham Lincoln</a> zu tun hatte und dass der Geist <a "/tags/abraham-lincoln.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="56" title="Abraham Lincoln">Abraham Lincoln</a> sein sollte, das ging ihm angeblich erst auf, als er Aufnahme in der Dunkelkammer entwickelte. Moment! Abraham Lincoln? Haben wir das nicht schonmal gehört?</p>

<p>Genau! P.T. Barnum hatte in seinem Museum ein nachgemachtes Geistbild. Da blickte Abraham Lincoln ihm über die Schulter. Und da stellt sich schon wirklich die Frage, ob William Mumler erst auf die Idee gekommen ist, dass er auch mal Abraham Lincoln fotografieren könnte, weil es P.T. Barnum schon gemacht hatte oder ob diese Idee einfach so naheliegend war, dass es sich von ganz allein ergab. Oder war es vielleicht der Zufall, der Mary Todd Lincoln in Mumlers Studio trieb, der dazu führte, dass Mumlers berühmtestes Foto ausgerechnet ein Echo auf das Bild von P.T. Barnum war, mit dem der nachweisen wollte, wie einfach es ist, Geistfotografien zu faken.</p>

<p>So eine Aufnahme macht auf jeden Fall Wirbel. Lincoln auf einer Aufnahme. Wow. Und deswegen berichtet man inzwischen auch nicht nur in spiritistischen Blättern über ihn, sondern sowohl die fotografische Fachpresse als auch die Tagespresse ist von ihm fasziniert und schreibt Artikel über das Phänomen der Geistfotografie.</p>

<p>Als William dann 1869 verhaftet und vor Gericht gestellt wird, verfolgt nicht nur die ganze Stadt, sondern die gesamte englischsprachige Welt die Ereignisse. Alle 5 großen New Yorker Tageszeitungen drucken komplette Zeugenaussagen, Protokolle der Gerichtsverhandlungen und zusätzliche Artikel ab. Die spiritistische Fachpresse beschäftigt sich währenddessen mit der Frage, ob Geister überhaupt fotografiert werden können. Und die fotografische Presse setzt sich mit der Frage auseinander, über welche Techniken man denn solche Fotos produzieren kann.</p>

<p>William wird vor ein Polizeigericht gestellt. Das ist ein Gericht, dass ohne Jury verurteilt. Der Prozess dauert 3 Wochen und hat unter anderem eben auch als Sensation P.T. Barnum als Experten und Zeugen der Anklage geladen.</p>

<p>Die Anklage lautet auf Betrug. Insgesamt werden 9 Verfahren von der Anklage vorgetragen, mit denen Bilder mit Geistern auf Glasplatten erzeugt werden können, die alle nichts, aber auch gar nichts mit einem echten Kontakt zur Nachwelt zu tun haben. P.T. Barnums Aussage ist dann ein echtes Highlight des gesamten Prozesses. Seine Antworten sind schnippisch, unterhaltsam, es kommt zu viel Gelächter im Saal und er betont den Unterschied zwischen gut gemachtem Entertainment, in dem das Publikum vielleicht manchmal nicht so genau weiß, was es sieht und wie es passiert und Betrug, um sich selbst zu bereichern, bei dem man Menschen zu ihrem Nachteil ausnutzt. Ein Argument, das vorgebracht wird, sind die horrenden Preise, die William verlangt. William begründet die freilich damit, dass Geister nun mal keine Lust darauf haben, zu einem Massengeschäft zu werden und deswegen hohe Preise sicherstellen, dass es ein überschaubarer, kleiner Kundenkreis bleibt. Ja, und das ist eine Möglichkeit, das zu begründen.</p>

<p>Spannend ist jedenfalls, wie schnell sich dieser Prozess gleich auf mehreren Ebenen abspielt. Da ist einmal der Vorwurf des Betrugs. Und wenn man die Berichterstattung aus dem Gerichtssaal liest, dann drängt sich der Eindruck auf, niemand zweifelt eigentlich daran, dass Mumler seine Kunden ausnimmt. Allein schon die insgesamt 9 verschiedenen Verfahren, die gezeigt werden, mit denen sich solche Geistaufnahmen erzeugen lassen oder Beispiele wie die von P.T. Barnum gebrachte Aufnahme mit Abraham Lincoln, die sehr, sehr ähnlich aussieht wie die von der Witwe von Abraham Lincoln, die zeichnen da schon ein deutliches Bild.</p>

<p>Natürlich gibt es trotzdem auch Zeugen, die fest daran glauben, dass William wirklich Geister fotografiert. Aber meistens geht es um eine ganz andere Frage, nämlich die, ob man ihm nachweisen kann, dass sein Prozess betrügerisch ist. Und da ist es jetzt nun mal so, dass es verschiedene anerkannte Fotografen gibt, die aussagen, dass sie ihm beim Erstellen der Geistfotos beobachten durften und nicht wissen, wie er es gemacht hat.</p>

<p>Und da gibt es noch eine weitere Ebene, nämlich Religion. Spiritualismus ist im Kern eine religiöse Bewegung. Es geht darum, zu glauben, dass es Geister gibt und zu glauben, dass man mit denen in Kontakt treten kann. Und ich nehme mal an, dass die Ankläger nicht damit gerechnet haben, dass sie plötzlich im Gerichtssaal die Bibel vorgelesen bekommen, in der ganz eindeutig von Geisterscheinungen die Rede war, und sich mit der Frage auseinandersetzen mussten, ob sie wirklich als Gericht behaupten wollen, dass es keine Geister gibt und damit ein Drittel der amerikanischen Bevölkerung vor den Kopf stoßen.</p>

<p>William Mumler wird zu der Überraschung vieler am Ende von einem drei Wochen dauernden Prozess freigesprochen. Heute würde man sagen wegen Mangel an Beweisen. Der Richter ist erkennbar unglücklich. Er sagt im Endeffekt, er ist nicht der Richtige, um die theologischen Fragen, die aufkamen, zu entscheiden, er ist auch sicher, dass man Geistfotografien auf die verschiedensten Arten erzeugen kann, die denen von William Mumler täuschend ähnlich sind, aber es fehlte der zweifelsfreie Nachweis, dass erstens die Personen auf den Bildern eben keine Geister waren und zweitens William getrickst hatte. Und so wird er freigesprochen.</p>

<p>Seine Karriere ist allerdings ab jetzt nicht mehr zu retten. Er wendet sich von der Geistfotografie ab und macht überwiegend ganz herkömmliche Portraits. Außerdem beschäftigt er sich mit verschiedenen fotografischen Verfahren zur leichteren Entwicklung, zum Herstellen von Negativen und hinterlässt uns das sogenannte Mumlerverfahren, ein Verfahren, das heute keine Rolle mehr spielt, aber das ein echter Beitrag zur Fotografie war.</p>

<p>Er stirbt 1884. Und in seiner Grabrede wird Geistfotografie kaum erwähnt. Die Disziplin an sich war aber nach wie vor in Verbreitung. Bis 1920 konnte man ohne Probleme einen Fotografen finden, bei dem man sich mit irgendwelchen verstorbenen Angehörigen fotografieren konnte. Sir <a "/tags/arthur-conan-doyle.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="4" title="Arthur Conan Doyle">Arthur Conan Doyle</a>, der Autor von Sherlock Holmes, schrieb noch Anfang des 20. Jahrhunderts ein ganzes Buch über Geistfotografie und war einer der prominentesten Anhänger der Disziplin.</p>

<p>Und ja, auch heute machen immer wieder mal angebliche Geistaufnahmen Schlagzeilen. Die sehen freilich viel moderner aus. Ich finde das immer sehr, sehr entlarvend, wenn man von Geistern- oder Feenfotos die ersten mit den aktuellen Exemplaren vergleicht. Offensichtlich werden Geister moderner darin, wie sie fotografiert werden wollen und inzwischen fotografiert man Geister auch lieber mit Digitalkameras als leuchtende Artefakte.</p>

<p>Aber die Zeiten, wo man 300 Dollar dafür nehmen konnte, ein Foto von einem Geist zu bekommen, die sind vorbei. Fotomanipulation ist so allgegenwärtig, dass wir Geistfotos nicht mal glauben würden, wenn sie denn jetzt plötzlich echt wären. Aber es gibt sie noch. Und bei der Recherche habe ich auch verschiedene Websites gefunden, die über die Geschichte der Geisterforschung berichtet haben, Bilder von William Mumler gezeigt haben und es ganz eindeutig ernst meinten, wenn sie diese Bilder als unerklärbare Phänomene und Beweise für die Existenz von Geistern anführten.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Mehr als nur Politikerfotos</title>
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            <pubDate>Sat, 06 Feb 2021 17:56:39 GMT</pubDate>
            <description>Der offizielle Fotograf des amerikanischen Präsidenten hat einen echten Knochenjob und macht Fotos wie sie kein Staatschef sonst veröffentlicht...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Der offizielle Fotograf des amerikanischen Präsidenten hat einen echten Knochenjob und macht Fotos wie sie kein Staatschef sonst bekommt. Inside the Capitol: A Photographer’s View of American Exceptionalism Under Siege Capitol riot: Five startling images from the siege Pressesprecher des Weißen Hauses (DE, Wikipedia) Chief Official White House Photographer (EN, Wikipedia) Yoichi Okamoto – LBJ’s Photographer (EN, Wikipedia) Cecil W. Stoughton – Kennedy’s Photographer (DE, Wikipedia) Shealah Craighead – Trump’s Fotografin (DE, Wikipedia) Pete Souza – Obama’s Fotograf (DE, Wikipedia) Biden Names White House Photographer, Deputy Press Secretary The Oldest Known Photographs of a U.S. President „Picturing the Century: 100 Years of Photography from the National Archives“: Part I and Part II The Most Iconic Photos of American Presidents Taken in the Last Century Lyndon Johnson Liked Taking His Advisors Out For Joyrides That Ended With This Terrifying Prank Daniel Biskup, „KanzlerInnen-Fotograf“ (Wikipedia) President Lyndon Johnson howls with his dog while his grandson looks on, 1968 Adam Schulz – Biden’s Presidential Photographer Jesco Denzel, „Kanzlerinnenfotograf“ Konrad R. Müller (fotografierte alle Kanzler von Adenauer bis Merkel) Instagram – Adam Schulz (Biden) Instagram – Shealah Craighead (Trump) Instagram – Pete Souza (Obama) Instagram – The White House HerStory – Der Podcast über starke Frauen der Geschichte – Gerda Taro Scheiße gebaut? Der Jugendrechtspodcast Pavido inside Studio Kreativkommune Dieses Video auf YouTube ansehen Episodenbild: By Pete Souza – White House Flickr Account, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18890184 Transkript Als es in den letzten Tagen der Trump-Präsidentschaft zum Sturm aufs Kapitol kam, wurden wir mit Fotos dieses Ereignisses praktisch überschwemmt. Aber obwohl tausende von Handyaufnahmen und Videos von diesem Ereignis existieren müssen, waren die Bilder, die wir gesehen haben, von herausragender Qualität. Ich fand das wirklich auffällig. Da war ein geschulter Blick und professionelles Equipment am Werk. Eine kurze Recherche bringt dann zum Vorschein: Es waren Pressefotografen, die diese Bilder gemacht haben. Dass das Profis waren, erkennt man auch an der unglaublichen Nähe, aus der viele dieser Aufnahmen entstanden sind. Da waren Menschen am Werk, die darauf trainiert waren, für den Moment bereit zu sein, die ihre Technik aus dem Schlaf beherrscht haben und die den richtigen Augenblick nicht nur sofort erkennen, sondern ihn auch mit schlafwandlerischer Sicherheit in Millisekunden festhalten zu wissen. Pressefotografen haben den Auftrag, Geschichte zu dokumentieren. Ihre Bilder sollen darstellen, was passiert ist, wie es sich angefühlt hat, dabei zu sein und manchmal werden die Fragen, die solche Bilder beantworten, erst lange nach den Ereignissen gestellt. An wenigen Orten ist die Ereignisdichte so hoch wie im Schlepptau des amerikanischen Präsidenten, weshalb der auch auf Schritt und Tritt von Kameras umgeben ist. Da sieht man manchmal Szenen, die ich auch schon immer bizarr fand. Zwei Staatschefs treffen sich zum Beispiel, sitzen sich gegenüber, die Presse wird ins Oval Office gelassen. Und 30 Fotografinnen und Fotografen machen in schneller Abfolge ungefähr dieselben 20 Bilder. Nicht nur, dass die alle dasselbe Bild machen, es hat auch noch denselben Aufbau wie buchstäblich hunderttausende vor ihnen. Nicht, dass die Fotografinnen und Fotografen da viel Wahl hätten: Ihnen wurde genau zugewiesen, von wo aus sie fotografieren dürfen. Mit einer Ausnahme. Eine Person mit Kamera bewegt sich völlig frei kreuz und quer durch den Raum und macht Fotos, ganz wie es ihr beliebt. Als die Presse den Raum verlassen muss, bleibt sie zurück und fotografiert weiter. Wenn das weiße Haus wenige Stunden später eine offizielle Pressemitteilung herausgibt und Fotos dazupackt, werden diese Bilder anders a</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Der offizielle Fotograf des amerikanischen Präsidenten hat einen echten Knochenjob und macht Fotos wie sie kein Staatschef sonst bekommt. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://time.com/5927198/capitol-trump-rioters-photography/" target="_blank">Inside the Capitol: A Photographer’s View of American Exceptionalism Under Siege</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bbc.com/news/in-pictures-55577824" target="_blank">Capitol riot: Five startling images from the siege</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pressesprecher_des_Wei%C3%9Fen_Hauses" target="_blank">Pressesprecher des Weißen Hauses</a> (DE, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Chief_Official_White_House_Photographer" target="_blank">Chief Official White House Photographer</a> (EN, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Yoichi_Okamoto" target="_blank">Yoichi Okamoto</a> &#8211; LBJ&#8217;s Photographer (EN, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cecil_W._Stoughton" target="_blank">Cecil W. Stoughton</a> &#8211; Kennedy&#8217;s Photographer (DE, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shealah_Craighead" target="_blank">Shealah Craighead</a> &#8211; Trump&#8217;s <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> (DE, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pete_Souza" target="_blank">Pete Souza</a> &#8211; Obama&#8217;s Fotograf (DE, Wikipedia)</li></ul>

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<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.hollywoodreporter.com/news/politics-news/biden-names-white-house-photographer-press-secretary-4116974/" target="_blank">Biden Names White House Photographer, Deputy Press Secretary</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theatlantic.com/technology/archive/2013/02/the-oldest-known-photographs-of-a-us-president/272872/" target="_blank">The Oldest Known Photographs of a U.S. President</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.archives.gov/press/press-kits/picturing-the-century.html" target="_blank">&#8222;Picturing the Century: 100 Years of Photography from the National Archives&#8220;: Part I and Part II</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210801021838/https://www.cheatsheet.com/culture/the-most-iconic-photos-of-american-presidents-taken-in-the-last-century.html/" target="_blank">The Most Iconic Photos of American Presidents Taken in the Last Century</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.businessinsider.com/lyndon-johnson-played-terrifying-prank-with-his-amphicar-2014-8?r=DE&amp;IR=T" target="_blank">Lyndon Johnson Liked Taking His Advisors Out For Joyrides That Ended With This Terrifying Prank</a></li></ul>

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<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Biskup" target="_blank">Daniel Biskup, &#8222;KanzlerInnen-Fotograf&#8220;</a> (Wikipedia)</li><li>President Lyndon Johnson howls with his dog while his grandson looks on, 1968</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.adamschultzphotography.com/" target="_blank">Adam Schulz &#8211; Biden&#8217;s Presidential Photographer</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://jescodenzel.com/" target="_blank">Jesco Denzel, &#8222;Kanzlerinnenfotograf&#8220;</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_R._M%C3%BCller" target="_blank">Konrad R. Müller (fotografierte alle Kanzler von Adenauer bis Merkel)</a></li></ul>

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<ul><li>Instagram &#8211; Adam Schulz (Biden)</li><li>Instagram &#8211; Shealah Craighead (Trump)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/p/CK6r0pAFu1q/" target="_blank">Instagram &#8211; Pete Souza (Obama)</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20191212171034/https://www.instagram.com/whitehouse/?hl=en" target="_blank">Instagram &#8211; The White House</a></li></ul>

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<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://herstorypod.de/podcast/gerda-taro-die-erste-kriegsreporterin/" target="_blank">HerStory &#8211; Der Podcast über starke Frauen der Geschichte &#8211; Gerda Taro</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://podcast.jugendrecht.org/" target="_blank">Scheiße gebaut? Der Jugendrechtspodcast</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://pavido.ninja/" target="_blank">Pavido inside</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://studio.kreativkommune.org/podcast/" target="_blank">Studio Kreativkommune</a></li></ul>

<figure><img decoding="async" src="https://i1.wp.com/www.presidentialpetmuseum.com/wp-content/uploads/2013/07/yuki-howling-with-johnson.jpg?fit=2000%2C1362&amp;ssl=1" alt="Image result for lbj howling"/><figcaption><img decoding="async" src="https://i.insider.com/53fceb6669beddac758b4569?width=1100&amp;format=jpeg&amp;auto=webp" alt="Image result for lbj amphibious car"></figcaption></figure>

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<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=zeVkHt2c6eY" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf YouTube ansehen</a></p>
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<p>Episodenbild: By Pete Souza &#8211; White House Flickr Account, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18890184</p>

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<p>Transkript</p>

<p>Als es in den letzten Tagen der Trump-Präsidentschaft zum Sturm aufs Kapitol kam, wurden wir mit Fotos dieses Ereignisses praktisch überschwemmt. Aber obwohl tausende von Handyaufnahmen und Videos von diesem Ereignis existieren müssen, waren die Bilder, die wir gesehen haben, von herausragender Qualität.</p>

<p>Ich fand das wirklich auffällig. Da war ein geschulter Blick und professionelles Equipment am Werk. Eine kurze Recherche bringt dann zum Vorschein: Es waren Pressefotografen, die diese Bilder gemacht haben. Dass das Profis waren, erkennt man auch an der unglaublichen Nähe, aus der viele dieser Aufnahmen entstanden sind. Da waren Menschen am Werk, die darauf trainiert waren, für den Moment bereit zu sein, die ihre Technik aus dem Schlaf beherrscht haben und die den richtigen Augenblick nicht nur sofort erkennen, sondern ihn auch mit schlafwandlerischer Sicherheit in Millisekunden festhalten zu wissen.</p>

<p>Pressefotografen haben den Auftrag, Geschichte zu dokumentieren. Ihre Bilder sollen darstellen, was passiert ist, wie es sich angefühlt hat, dabei zu sein und manchmal werden die Fragen, die solche Bilder beantworten, erst lange nach den Ereignissen gestellt.</p>

<p>An wenigen Orten ist die Ereignisdichte so hoch wie im Schlepptau des amerikanischen Präsidenten, weshalb der auch auf Schritt und Tritt von Kameras umgeben ist. Da sieht man manchmal Szenen, die ich auch schon immer bizarr fand. Zwei Staatschefs treffen sich zum Beispiel, sitzen sich gegenüber, die Presse wird ins Oval Office gelassen. Und 30 <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen machen in schneller Abfolge ungefähr dieselben 20 Bilder. Nicht nur, dass die alle dasselbe Bild machen, es hat auch noch denselben Aufbau wie buchstäblich hunderttausende vor ihnen. Nicht, dass die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen da viel Wahl hätten: Ihnen wurde genau zugewiesen, von wo aus sie fotografieren dürfen.</p>

<p>Mit einer Ausnahme. Eine Person mit Kamera bewegt sich völlig frei kreuz und quer durch den Raum und macht Fotos, ganz wie es ihr beliebt. Als die Presse den Raum verlassen muss, bleibt sie zurück und fotografiert weiter. Wenn das weiße Haus wenige Stunden später eine offizielle Pressemitteilung herausgibt und Fotos dazupackt, werden diese Bilder anders aussehen als alle anderen Aufnahmen von diesem Tag. Und nicht nur das: Es werden auch noch Aufnahmen dabei sein, bei denen war gar keine Presse anwesend. Manchmal sind sogar ganz private Schnappschüsse dabei. Schnappschüsse, die es erlauben, der Präsidentenfamilie sozusagen bei ihrem Alltag über die Schulter zu schauen.</p>

<p>Da gibt es also jemanden mit ungebremsten Zugang. Jemand, der oder die jeden Schritt des Präsidenten fotografieren darf und festhält. Das ist der Fotojournalistentraum schlechthin. Und den schauen wir uns heute mal ein bisschen genauer an.</p>

<p>Die Tatsache, dass eine Behörde wie das weiße Haus, denn nichts anderes ist das weiße Haus, eine offizielle Abteilung für Fotografie unterhält, ist jetzt nicht besonders überraschend, finde ich. Sowas gibt es tatsächlich in praktisch jeder Behörde und auch das Kanzleramt unterhält einen Bereich für Presse, in dem natürlich auch ein paar Fotografinnen und Fotografen angestellt sind.</p>

<p>Deren Aufgabenfelder sind vielseitig. Zum Beispiel ist es in öffentlichem Interesse, dass die Arbeit der Staatslenker und Staatslenkerinnen dokumentiert wird. Wichtige Meetings, wichtige Ereignisse sollen festgehalten werden. Und da ist es natürlich oft praktisch, nicht auf die externe Presse angewiesen zu sein. Einmal kann man so eine konsistente Qualität sicherstellen und dann sind natürlich gut gemachte Fotografien eine hervorragende Methode, um das eigene Image zu kontrollieren. Ganz zu schweigen von Gelegenheiten, bei denen es einfach nicht praktikabel ist, einen Pressecore einzuladen bzw. die Ereignisse sich vielleicht auch mal überschlagen und man froh ist, überhaupt einen Profi mit Kamera zur Hand zu haben.</p>

<p>Auch der Chief Official White House Photographer hat natürlich all diese Aufgaben und diese Motivation. Warum sein Job dann doch ein anderer ist, wird allerdings auch schnell klar, wenn man sich anschaut, wie unterschiedlich die Amerikaner im Vergleich zu uns das Amt ihres Staatschefs sehen. Im Grunde wählen die nicht den Präsidenten. Die wählen die First Family. Die ziehen dann mit ihrem ganzen Hausstand in das weiße Haus ein.</p>

<p>Und im Grunde arbeitet auch die ganze Familie dann im Auftrag des Landes mit. So hat die First Lady in der Regel ein eigenes Büro, einen eigenen Staff und einen eigenen Bereich im weißen Haus, in dem ihre Mitarbeiter arbeiten.</p>

<p>Beim Einzug in das weiße Haus legt der Präsident all jene Positionen neu fest, die über reine Logistik hinausgehen. Es mag also sein, dass Gärtner, Koch und Bedienstetenpersonal von vorherigen Administrationen berichten können. Aber alle Rollen mit einer Außenwirkung oder Entscheidungsgewalt werden vom Präsidenten neu besetzt.</p>

<p>1929 ernennt der 31. Präsident, Herbert Hoover, zum ersten Mal einen offiziellen Pressesprecher. Dessen Aufgabe war, der Öffentlichkeit die Politik des weißen Hauses nahezubringen und bei Ereignissen zu briefen. Offizielle Fotografie überließ man damals noch Militärfotografen oder eben journalistisch aktiven Pressefotografen.</p>

<p>Es dauerte noch über 30 Jahre und 4 weitere Präsidenten, bis mit John F. Kennedy der erste wirklich medienaffine Präsident im weißen Haus einzieht. Er ist der Erste, der sich und seine Familie offensiv in den Medien inszeniert und damit auch der Erste, der den Sinn hinter einem vom weißen Haus angestellten Fotografen erkennt und den ersten offiziellen White House Photographer anstellt.</p>

<p>Diese neu beschaffene Rolle ist Teil des Pressecores und der Fotograf Cecil W. Stoughton hat in vielerlei Hinsicht die Aufgabe, diese Rolle komplett neu zu erfinden. Das war gar nicht so einfach, denn Kennedy wollte sich zwar inszenieren, aber dabei nicht unbegrenzten Zugang geben. Stoughtons berühmtestes Bild ist daher auch ironischerweise kein Foto von Kennedy, sondern der Moment, in dem Lyndon B. Johnson an Board von Air Force one nach dem Tod Kennedys seinen Amtseid ablegt.</p>

<p>Lyndon B. Johnson hat zu dem Zeitpunkt schon einen Lieblingsfotografen: Yoichi Okamoto ist ein New Yorker Fotograf und hat Lyndon B. Johnson als Vizepräsident schon bei mehreren Gelegenheiten fotografiert und durch seine ungewöhnliche Bildkomposition beeindruckt. Als Lyndon B. Johnson Präsident wird, fragt er ihn, ob er nicht sein persönlicher Fotograf werden möchte und ihn begleiten will, Okamoto sagt zu, aber unter der Bedingung, unbegrenzten Zugang zu bekommen. Und es ist dieser unbegrenzte Zugang, der Okamoto eigentlich zum ersten echten Chief White House Photographer macht.</p>

<p>Ich hatte ein echtes Problem, in Deutschland ein Äquivalent zu finden. Es gibt eine unüberschaubare Anzahl von Kanzlerinnen und Kanzlerfotografen, es gibt natürlich auch offiziell beim Presseamt eingestellte Fotografinnen und Fotografen, aber niemand folgt der Kanzlerin auf Schritt und Tritt. Fotografen im Kanzleramt haben da im Wesentlichen einen Job zu tun. Die sind nicht persönliche Fotografen der Kanzlerin, sondern sie sind angestellte der Pressestelle. Und werden wahrscheinlich auch nicht ausgetauscht, sollte ein neuer Kanzler einziehen im Kanzleramt.</p>

<p>Im White House arbeiten bis zu 12 offizielle Fotografen. Deren Aufgaben sind vielseitig; zu jedem gegebenen Zeitpunkt finden im Weißen Haus diverse Veranstaltungen parallel statt. Da hat vielleicht die First Lady eine Reception und der Präsident trifft einen Staatschef. Gleichzeitig gibt es vielleicht eine Gruppe, die ins weiße Haus eingeladen wurde und sich im Rosegarden trifft, und so weiter. Da gibt es Händeschütteln zu fotografieren, es gibt persönliche Erinnerungsaufnahmen, es gibt offizielle Pressefotos, die gemacht werden. Das Weiße Haus produziert tausende von Fotos täglich.</p>

<p>All diese Aufgaben werden von der Pressestelle koordiniert. Ein Fotograf hat dann immer die Aufgabe, beim Präsidenten zu sein. Und meistens ist das immer derselbe Fotograf. Denn wenn man die ganze Zeit ungebremst anwesend sein darf, egal wie heikel die Gespräche, die geführt werden, da braucht es eine ganz besondere Vertrauensbeziehung, eine Beziehung, die man dann eben auch in den Bildern sehen kann.</p>

<p>Wie wichtig die Arbeit des Chief White House Photographers ist, sieht man auch an der Menge an Fotos, die produziert werden. Kennedys Fotograf macht in etwas mehr als 3 Jahren knapp 8000 Aufnahmen. Pete Souza, der Fotograf, der Obama durch 2 Amtszeiten hindurch begleitete, fügte dem Nationalarchiv über 2000000 Aufnahmen hinzu. In einer durchschnittlichen Woche wurden 8000 Bilder direkt aus dem Alltag des Präsidenten gemacht. In ereignisreichen Wochen konnte diese Zahl allerdings auch auf über 20000 anschwellen.</p>

<p>Souza fotografiert die Obamas händchenhaltend genauso, wie Barack Obama bei der Schneeballschlacht mit seinen Kindern, bei Reden, Wahlkampfveranstaltungen, hitzigen Diskussionen im Oval Office oder bei Meetings mit Politikern im Roosevelt Room. Er ist so allgegenwärtig, dass ihn niemand mehr beachtet. 150 Mal fliegt er mit Airforce One. Er fotografiert Obama, kurz bevor er seinen Amtseid ablegt und fotografiert ihn, als er am letzten Tag das Oval Office verlässt.</p>

<p>Natürlich sind nicht alle Bilder so glamourös, wie diese herausragenden Meilensteine. 5% der Fotos sind einfach Greetingshots. Egal, wohin der Präsident kommt, irgendwer begrüßt ihn. Und Gruppenfotos oder Handeschüttelfotos sind von unschätzbarem Wert für die Leute, die auf diesen Bildern sind.</p>

<p>Und alle Aufnahmen gehen direkt ins Nationalarchiv. Sie sind als Zeitdokumente von unschätzbarem Wert. Fotografen im Kanzleramt, Fotografen im weißen Haus, Fotografen in jeder Behörde sind sich ihrer Verantwortung bewusst, ein Archiv für die Nachwelt zu produzieren. Das ist mehr als einfach nur Pressefotografie. Man ist in einer Position, in der man history in the making festhalten darf. Es ist eine ungewöhnliche Art der Fotografie, denn es geht oft nicht in erster Linie um die Personen auf den Bildern, ganz egal, wie berühmt sie auch sein mögen, sondern es geht um die Gründe, die sie zusammenbringen. Außer natürlich die Person auf dem Bild ist der Präsident selbst.</p>

<p>Und da haben wir noch einen Unterschied zwischen Kanzlerfotografien und den Aufnahmen des amerikanischen Präsidenten. Denn von letzterem ist immer auch noch der Versuch dabei, die Menschen hinter dem Amt zu zeigen.</p>

<p>So gibt es von Lyndon B. Johnson Fotos, wie er im Oval Office mit seinem Hund zusammen heult. Das hat er wohl öfters mal gemacht. Beim ersten Mal ist der Secret Service, so geht die Anekdote, wohl mit gezogenen Waffen ins Oval Office gestürmt.</p>

<p>Von Kennedy gibt es Aufnahmen, wie er mit seinen Kindern spielt.</p>

<p>Aufnahmen, die ein Echo in Obamas Bildern finden, wenn der mit dem zum Teil sehr jungen Nachwuchs seiner Staffer spielt.</p>

<p>Und es gibt zum Teil wirklich bizarre Aufnahmen. Zum Beispiel habe ich ein Bild gefunden, wo George W. Bush anlässig des traditionellen Ostereiersuchens im Garten des weißen Hauses einen Menschen im Hasenkostüm umarmt. Es gibt auch ein Bild, wo man Obama und einen Hasenkopf von hinten sieht, das Obama mit den Worten &#8222;Die vier berühmtesten Ohren Washingtons&#8220; kommentierte.</p>

<p>Oder das Foto von Lyndon B. Johnson in einem schwimmfähigen Cabrio. Richtig gehört: LBJ besaß nämlich eines der wenigen in Serie produzierten Amphibienfahrzeuge. Das Ding sah im Wesentlichen aus wie ein Cabrio, also wie ein ganz normales Auto. Besuchte man nun Lyndon B. Johnson auf seiner privaten Ranch, konnte es passieren, von ihm zu einer Spritztour eingeladen zu werden. Um die Ranch zu besichtigen, zum Beispiel. Auf dem Gelände gab es einen Hügel, an dessen Ufer ein kleiner See angelegt war. LBJ würde also mit diesem Auto auf der einen Seite auf den Hügel hochfahren und auf der anderen Seite dann panisch behaupten, die Bremsen hätten versagt und dann ungebremst auf den See zufahren. Es soll Kabinettsmitglieder gegeben haben, die dann aus dem Auto gesprungen sind. Aus Angst, sie könnten vom untergehenden Auto mit heruntergezogen werden.</p>

<p>Ich finde jedenfalls die Vorstellung schön, dass ein Präsident solche Streiche spielt und ich finde es auch lustig, dass der Streich durchaus auch andersrum laufen kann. Pete Souza:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;Christmas at the White House is pretty fun. And this last year, for some reason, they put 4 snowmen in the rosegarden.&#8220;</p>

<p>Das Weiße Haus dekoriert natürlich zu besonderen Anlässen und Weihnachten ist so ein Anlass. Und Pete erzählt, dass beim letzten Weihnachtsfest während Obamas Amtszeit irgendwer auf die Idee gekommen war, 4 riesengroße Schneemänner in den Garten des Weißen Hauses zu stellen.</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>&#8222;It never snowed all december.&#8220;</p>

<p>Tja, geschneit hat es aber nicht.</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>&#8222;Every day the president would walk from the White House residence along the promenade and there would be the 4 snowmen. So Brian Mosteller and I, Brian was the director of oval office operations, he and I had this great idea that every day, we&#8217;d move the snowman one foot closer to the oval office.&#8220;</p>

<p>Also Pete und der Director of Oval Office Operations beschließen, diese Schneemänner jeden Tag Stück für Stück näher an das Oval Office zu bewegen.</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>&#8222;So, the day we decided we want do this, we went out there after he&#8217;d gone home for tonight and realized that they&#8217;re too heavy to pick up.&#8220;</p>

<p>Aber die waren zu schwer.</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>&#8222;So Brian, being the resourceful guy that he is, the day before we went to Hawaii for Christmas vacation he got the White House grounds Crew to help him move all 4 of the snowmen so each of them was peeking out of a different window of the Oval Office.&#8220;</p>

<p>Ja, ich schätze mal, es hat Vorteile, wenn man Director of Oval Office Operations ist. Sie gehen also her und bewegen diese 4 Schneemänner am letzten Arbeitstag des Präsidenten, bevor der nach Hawaii in den Urlaub fliegt, so ans Oval, dass durch jedes Fenster ein Schneemann schaut.</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>&#8222;My job that day was, when the president walked over from the residence, was to distract him, so he wouldn&#8217;t look in the rose garden like he did earlier on in the morning. Which is because he would see that the snowmen were missing. So, remember that picturer of him, dancing with [?]? So he walks over, I distract him, he doesn&#8217;t see that the snowmen are missing and he&#8217;s standing right where he&#8217;s dancing in that photo, talking to [?] before he walked into the Oval Office. And then he looked, just glancing into the Oval Office and there was this guy, looking right at him and he just started cracking up. So we pranked him pretty good.&#8220;</p>

<p>Pete hat während Obamas Amtszeit eine ganze Reihe wirklich sehr schöner Aufnahmen gemacht. Und die zeigen das Menschliche in diesem Amt. Und es sind Reportagefotos. Und Fotos, die ich so von deutschen Politikern bisher noch nicht gesehen habe. Schon gar nicht von Kanzlern oder Kanzlerinnen. Aber das ist vielleicht auch der Unterschied zwischen jemandem, der angestellter Fotograf für offizielle Gelegenheiten ist und den Auftrag, einen Menschen, ein Leben und sein Wirken zu dokumentieren.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Die beste Fotografin der Welt</title>
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            <pubDate>Sat, 30 Jan 2021 22:33:05 GMT</pubDate>
            <description>Margaret Bourke-White meisterte gleich mehrere Fotogenres und wurde durch ihre Furchtlosigkeit und ihr Talent zu einer Fotografin mit Celebrity-Status und Vorbild.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Margaret Bourke-White meisterte gleich mehrere Fotogenres und wurde durch ihre Furchtlosigkeit und ihr Talent zu einer Fotografin mit Celebrity-Status. Margaret Bourke-White (Wikipedia) Frau unter Feuer (Spiegel) In schwindelnder Höhe, vor grausigem Abgrund (FAZ) Badass Ladies of History: Margaret Bourke-White Portrait of Myself (English Edition) Transkript 1942, eine junge, gutaussehende Frau schleppt mehrere große, schwere Kisten vollgestopft mit Kameraequipment an Board eines Militärschiffs. In ihrer Tasche: Die hochoffizielle Genehmigung, dass sie im Auftrag des Life Magazine an der hochgeheimen Invasion in Nordafrika teilnehmen darf. Als [?] journalist. Als Fotografin will sie die Landung der Truppen festhalten. Diese Genehmigung überhaupt zu bekommen, hat sie Monate hartnäckiger Arbeit gekostet und es ist ein absolutes Novum. Noch nie wurde offiziell eine weibliche Fotografin in den Krieg geschickt. Es gibt sowieso kaum weibliche Fotografinnen . Geschweige denn weibliche Fotojournalistinnen . Der Großteil der Truppen kommt mit dem Flugzeug als Truppentransporter. Margaret Bourke-White wollte eigentlich auch in so einem Flugzeug sitzen, wurde aber in letzter Minute von einem diensthabenden Offizier davon abgehalten. „Unsere Flugzeuge haben keinen Platz für eine Frau! Nehmen Sie das Schiff.“ Ja, scheiße. Damit war es das wohl gewesen mit dem Auftrag, die Landung der Truppen zu dokumentieren, denn das Schiff braucht natürlich deutlich länger. Ihre männlichen Kollegen haben dieses Problem nicht, die fliegen selbstverständlich mit den Truppen mit. Aber sie lässt sich nicht entmutigen. Sie wird halt mit dem arbeiten, was sie vorfindet. Die Tage auf See ziehen sich endlos. 2 Tage noch, dann wird sie auch endlich da sein, so wie ihre Kollegen. [Dumpfes Knallgeräusch] Das Torpedo ist ein Volltreffer. Margaret greift in Panik noch schnell ihre Schwimmweste, versucht noch, eine Kamera mitzunehmen, aber die Dinger sind groß und schwer und so lässt sie sie zurück. Sie rennt zu dem ihr zugeteilten Rettungsboot und sieht dann, zusammen mit den anderen 16 Insassen zu, wie sich das Kriegsschiff, das sie an die Küste bringen sollte, langsam neigt und in den Fluten versinkt. Sie wird später in ihre Biografie schreiben, dass sie nie mehr Angst hatte, als in diesem Moment und außerdem grenzenlos bereute, keine kleineren Kameras mitgenommen zu haben. Was für großartige Bilder hätte sie machen können? Was für eine Killerreportage wäre das geworden? Jetzt, mit Rettung ungewiss und deutlicher Verspätung, wer weiß, ob da überhaupt noch etwas daraus wird? Solche oder ähnliche Gedanken müssen ihr durch den Kopf gegangen sein, als britische Kampfflugzeuge die Schiffbrüchigen aufspürten und die Rettung veranlassten. Und dass da nicht nur Soldaten, sondern auch eine Frau mit an Board gewesen war, eine Fotoreporterin noch dazu, war sofort eine Sensation. Als Margaret Bourke-White dann endlich an ihrem Ziel ankam, war die Geschichte schon auf dem Weg um die Welt und sie eine Berühmtheit. Die furchtlose amerikanische Kriegsreporterin, die einen Torpedoangriff überlebte, um davon berichten zu können. Das war eine Nachricht, die allen anderen die Schau stahl. Eine ihrer männlichen Kollegen begrüßt sie grimmig: „Ich sitze hier stundenlang rum und warte darauf, dass ich endlich mal zur Action darf und dann kommt da diese Tussi daher und hat auch noch das Glück, einen Torpedoangriff zu überleben.“ Aber nicht nur das, eigentlich wollte Margaret Bourke-White ja sowieso da hin, wo die Action ist. Es ging ja um die US Airforce. Also musste man ihrer Meinung nach mindestens ein Mal auch bei einem Angriff mitgeflogen sein. Bisher hatte man ja dafür die Genehmigung verweigert. Aber nach dem überstandenen Torpedoangriff hat der Befehlshaber ein Einsehen: [Einspieler] „Maggy, do you still want to go on a bombing mission?“ Er fragt sie, ob sie immer noch an einem Einsatz teilnehmen will. </itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Margaret Bourke-White meisterte gleich mehrere Fotogenres und wurde durch ihre Furchtlosigkeit und ihr Talent zu einer <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> mit Celebrity-Status. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Margaret_Bourke-White" target="_blank">Margaret Bourke-White (Wikipedia)</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/us-kriegsberichterstatterin-bourke-white-die-frau-die-auf-den-mond-wollte-a-951014.html" target="_blank">Frau unter Feuer (Spiegel)</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/margaret-bourke-white-in-berlin-in-schwindelnder-hoehe-vor-grausigem-abgrund-12034877.html" target="_blank">In schwindelnder Höhe, vor grausigem Abgrund (FAZ)</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20111008102721/http://persephonemagazine.com/2011/02/badass-ladies-of-history-margaret-bourke-white/" target="_blank">Badass Ladies of History: Margaret Bourke-White</a></li></ul>

<figure><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="717" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/original-1024x717.jpg" alt="Ein Mann steht auf einer geschwungenen, metallischen Dachstruktur mit Blick auf eine nebelverhangene Großstadt." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="559" height="559" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/1dced44560a0db80255f34ba63247049.jpg" alt="Eine Frau in Uniform sitzt im Freien mit einer Vintage-Kamera vor sich auf einem Tisch und ist von mehreren Gepäckstücken umgeben." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="416" height="594" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/bourke-white_six_stacks_otis-steel-cle.jpg" alt="Eine lange Reihe industrieller Schornsteine steht unter einem bewölkten Himmel und verjüngt sich nach hinten, wobei kleine Figuren am basischen Rauch sichtbar sind."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="882" height="680" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Ghadi.jpg" alt="Ein glatzköpfiger Mann sitzt auf einem Bett und arbeitet an Papieren, neben ihm steht eine große Speichenradkonstruktion." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="480" height="372" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/margaret-bourke-white-moscow-bombing-july-1941.jpg" alt="Mehrere Feuerwerke explodieren am Nachthimmel über einer dunklen Stadtsilhouette."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="338" height="450" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/bourke_foundry-molten-metal1.jpg" alt="Wasser fließt aus einem vertikalen Rohr in ein Becken und bildet einen Schleier aus herabstürzendem Wasser und Dampf."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="400" height="322" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/114514.jpg" alt="Eine Gruppenaufnahme zeigt viele Männer in formeller Kleidung, die nebeneinander posieren."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="1000" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/ALABAMA-CHANIN-WOMEN-WHO-INSPIRE-MARGARET-BOURKE-WHITE-PHOTO-CREDIT-TIME-MAGAZINE-1.jpg" alt="Ein junger Mensch in Uniform und Mütze blickt durch eine große Kamera, die er auf einem Geländer hält." /></figure></li></ul></figure>

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<p><a href="https://www.amazon.de/dp/B01KUGU72O" target="_blank" rel="noopener">Portrait of Myself (English Edition)</a></p>

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<p>Transkript</p>

<p>1942, eine junge, gutaussehende Frau schleppt mehrere große, schwere Kisten vollgestopft mit Kameraequipment an Board eines Militärschiffs. In ihrer Tasche: Die hochoffizielle Genehmigung, dass sie im Auftrag des Life Magazine an der hochgeheimen Invasion in Nordafrika teilnehmen darf. Als [?] journalist. Als <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> will sie die Landung der Truppen festhalten.</p>

<p>Diese Genehmigung überhaupt zu bekommen, hat sie Monate hartnäckiger Arbeit gekostet und es ist ein absolutes Novum. Noch nie wurde offiziell eine weibliche Fotografin in den <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> geschickt. Es gibt sowieso kaum weibliche <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a>. Geschweige denn weibliche <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalistinnen</a>.</p>

<p>Der Großteil der Truppen kommt mit dem Flugzeug als Truppentransporter. Margaret Bourke-White wollte eigentlich auch in so einem Flugzeug sitzen, wurde aber in letzter Minute von einem diensthabenden Offizier davon abgehalten. &#8222;Unsere Flugzeuge haben keinen Platz für eine Frau! Nehmen Sie das Schiff.&#8220;</p>

<p>Ja, scheiße. Damit war es das wohl gewesen mit dem Auftrag, die Landung der Truppen zu dokumentieren, denn das Schiff braucht natürlich deutlich länger. Ihre männlichen Kollegen haben dieses Problem nicht, die fliegen selbstverständlich mit den Truppen mit. Aber sie lässt sich nicht entmutigen. Sie wird halt mit dem arbeiten, was sie vorfindet.</p>

<p>Die Tage auf See ziehen sich endlos. 2 Tage noch, dann wird sie auch endlich da sein, so wie ihre Kollegen. [Dumpfes Knallgeräusch]</p>

<p>Das Torpedo ist ein Volltreffer. Margaret greift in Panik noch schnell ihre Schwimmweste, versucht noch, eine Kamera mitzunehmen, aber die Dinger sind groß und schwer und so lässt sie sie zurück. Sie rennt zu dem ihr zugeteilten Rettungsboot und sieht dann, zusammen mit den anderen 16 Insassen zu, wie sich das Kriegsschiff, das sie an die Küste bringen sollte, langsam neigt und in den Fluten versinkt. Sie wird später in ihre Biografie schreiben, dass sie nie mehr Angst hatte, als in diesem Moment und außerdem grenzenlos bereute, keine kleineren Kameras mitgenommen zu haben. Was für großartige Bilder hätte sie machen können? Was für eine Killerreportage wäre das geworden? Jetzt, mit Rettung ungewiss und deutlicher Verspätung, wer weiß, ob da überhaupt noch etwas daraus wird? Solche oder ähnliche Gedanken müssen ihr durch den Kopf gegangen sein, als britische Kampfflugzeuge die Schiffbrüchigen aufspürten und die Rettung veranlassten.</p>

<p>Und dass da nicht nur Soldaten, sondern auch eine Frau mit an Board gewesen war, eine Fotoreporterin noch dazu, war sofort eine Sensation. Als Margaret Bourke-White dann endlich an ihrem Ziel ankam, war die Geschichte schon auf dem Weg um die Welt und sie eine Berühmtheit. Die furchtlose amerikanische Kriegsreporterin, die einen Torpedoangriff überlebte, um davon berichten zu können. Das war eine Nachricht, die allen anderen die Schau stahl. Eine ihrer männlichen Kollegen begrüßt sie grimmig: &#8222;Ich sitze hier stundenlang rum und warte darauf, dass ich endlich mal zur Action darf und dann kommt da diese Tussi daher und hat auch noch das Glück, einen Torpedoangriff zu überleben.&#8220;</p>

<p>Aber nicht nur das, eigentlich wollte Margaret Bourke-White ja sowieso da hin, wo die Action ist. Es ging ja um die US Airforce. Also musste man ihrer Meinung nach mindestens ein Mal auch bei einem Angriff mitgeflogen sein. Bisher hatte man ja dafür die Genehmigung verweigert. Aber nach dem überstandenen Torpedoangriff hat der Befehlshaber ein Einsehen:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;Maggy, do you still want to go on a bombing mission?&#8220;</p>

<p>Er fragt sie, ob sie immer noch an einem Einsatz teilnehmen will.</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>&#8222;I do, but I don&#8217;t want to make a pest of myself, begging.&#8220;</p>

<p>Aber sie will nicht immer betteln, sagt sie.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;Well, if you&#8217;ve been torpedoed, you might as well go through everything. And he reached for the telephone and called the 97 bomb group. They were stationed then in the garden of [unverständlich] in the middle of the Sahara desert. And he told them I had permission.&#8220;</p>

<p>&#8222;Jetzt hast du ein Torpedo überlebt, jetzt kannst du den Rest auch sehen&#8220;, sagt er und greift zum Telefon und erteilt die notwendigen Genehmigungen. Und so geht Margaret Bourke-White aus dieser Anekdote mit der Genehmigung heraus, einen Bombenangriff begleiten zu dürfen. Mit Kamera. Für Life Magazine.</p>

<p>Und als ob sie zu dem Zeitpunkt nicht schon berühmt genug wäre, gilt sie jetzt als Sensation. Die erste amerikanische, akkreditierte Kriegsreporterin überhaupt. Die erste Frau, die bei einem Bombenangriff teilnehmen darf. Und die erste Fotografin, die einen Torpedoangriff überlebt. Und wie sie da hingekommen ist und was sie dann ab da noch alles gemacht hat, das erzähle ich gleich.</p>

<p>Wem die Geschichte in ihren Grundzügen bekannt vorkam, der ist vielleicht Filmfan. Alfred Hitchcock drehte nämlich den Film &#8222;Lifeboat&#8220; mit einer Geschichte, die ganz eindeutig von dieser Anekdote inspiriert war. Und ich glaub, wer sich mit der Geschichte Margaret Bourke-Whites beschäftigt, der kann wahrscheinlich gar nicht anders, als einen Film drehen zu wollen, da gibt es so viel zu entdecken, so viele firsts, so viele Stationen, die ungewöhnlich sind.</p>

<p>Geboren wird sie 1904 in der Bronx in New York. Sie hat eine ältere Schwester und einen jüngeren Bruder und erbt von ihrem Vater die Leidenschaft für Technologie, speziell Großtechnologie hat es ihr angetan, aber der Vater ist auch Hobbyfotograf und hat diverses Equipment daheim. Ihre Eltern verbindet eine Leidenschaft für die Natur und der unerschütterliche Glaube, dass man alles erreichen kann und vor nichts Angst haben sollte.</p>

<p>Von ihrem Vater übernimmt sie das Interesse an Technologie und die absolute Disziplin. Von ihrer Mutter, so schreibt sie später selber, lernte sie, sich nicht mit dem einfachen Ergebnis zufriedenzugeben. Außerdem haben die Eltern den Ehrgeiz, ihren Kindern jegliche Ängste zu nehmen und so wächst Margaret mit Reptilien und Klettereien in großer Höhe auf.</p>

<p>Zunächst sieht es so aus, als ob die Reptilien ihre Zukunft werden würden. Sie will Reptilienkunde studieren und schreibt sich in der Columbia University ein. Der Vater stirbt, kaum dass sie ein Jahr lang studiert hatte und sorgt dafür, dass die Familie deutlich weniger Finanzmittel zur Verfügung hat. Für sie ist das der Beginn einer kleinen Odyssee durch verschiedene Universitäten und nebenbei der Beginn ihrer Fotokarriere, denn sie beginnt, kleinere Aufträge entgegenzunehmen und damit ihr Einkommen aufzubessern.</p>

<p>Nach 7 verschiedenen Universitäten und diversen Kursen erwirbt sie an der Cornell University den Bachelor of Arts und zieht letztlich nach Cleveland, Ohio, wo sie dann auch ihr erstes offizielles Fotostudio eröffnet. Architektur und große Industrieanlagen haben es ihr angetan. Das war eine Liebe, die sie von ihrem Vater übernommen hatte.</p>

<p>Industrieanlagen fotografieren kann unglaublich öde sein, aber Margaret hat ein Händchen für die perfekte Perspektive. Sie findet Wiederholungen und Muster. Sie schafft es, ungewöhnliche Positionen einzunehmen und vor allem hat sie ein ungewöhnliches Talent, mit den doch in Industrieanlagen sehr schwierigen Lichtverhältnissen umzugehen.</p>

<p>Als einer ihrer ersten Klienten gewinnt sie die Otis Steel Company. Sie überzeugt den Chef, ihr die Genehmigung zu erteilen, in seinen Werken fotografieren zu dürfen. Der rechnete wahrscheinlich damit, dass sie als Fotografin zwei, drei Mal auftauchen würde und Aufnahmen machen und dann irgendwann mit einem Portfolio bei ihm auftauchte, mit der Hoffnung, er wird es ihr abkaufen. Er erteilt ihr also die Genehmigung und geht auf eine Europareise.</p>

<p>Womit er wahrscheinlich nicht gerechnet hatte, war, dass Margaret Bourke-White besessen von dem perfekten Foto war und in dem halben Jahr, in dem er auf Reisen war, praktisch jeden Tag in seine Fabriken fuhr, um dort Aufnahmen zu machen. Hier beschreibt einer ihrer Assistenten, wie sie typischerweise vorging:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;She would take a picture over and over and over again, to the point of absolute boredom. Especially with me, working with her. But also the people who had to sit still for it.&#8220;</p>

<p>Sie war Perfektionistin und irgendwann war ja auch klar, dass gerade in Stahlwerken die Lichtverhältnisse so anspruchsvoll waren, dass sie spezielles Filmmaterial und künstliche Beleuchtung brauchte. Und so fing sie an, Magnesiumfackeln mit in die Fabriken zu bringen, um zu beleuchten. Hatten die Stahlarbeiter anfangs Angst, eine Frau würde vielleicht in Ohnmacht fallen, wenn sie der Hitze ausgesetzt war oder sich in Gefahr bringen, wurde schnell klar, dass Margaret Bourke-White mit einer schlafwandlerischen Sicherheit in diesen Werken herumkletterte und für das richtige Bild vor genau gar nichts Angst hatte.</p>

<p>Es entstehen fantastische Aufnahmen. Aufnahmen, die auch heute noch modern aussehen. Und sie wird diese Aufnahmen nicht nur verkaufen, sondern es sind diese Aufnahmen, die ihr dann die ersten Türen öffnen.</p>

<p>Und ihre Arbeit ist auf vielen Ebenen vollkommen ungewöhnlich. Einmal ist es so, dass in den 1930er Jahren Frauen sowieso kaum mit Kameras unterwegs waren. Es ist die Zeit der <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie, die <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie wird speziell für Frauen beworben und zeichnet sich dadurch aus, dass man nichts einstellen muss, nichts wissen muss, &#8222;You press the button, we do the rest&#8220; war der Slogan der <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Company.</p>

<p>Und hier kommt Margaret Bourke-White, eine attraktive, junge, kleine Person und hantiert nicht nur mit Maschinen, um Fotos zu machen, sondern fotografiert auch noch bevorzugt riesige Industrieanlagen. Stahlwerke. Häfen. Schlachthöfe. Und sie ist energiegeladen und furchtlos. Und zielstrebig. Sie nötigt den Männern, die mit ihr zu tun haben, absoluten Respekt ab. Sie nimmt sich Dinge heraus und sie will erfolgreich sein. Ihre Aufnahmen sind jedenfalls außergewöhnlich genug, dass nicht nur die Otis Steel Company ihre Bilder kauft, sondern sie Ausstellungen damit bestreitet und weit über die Grenzen ihres Heimatbundesstaates bekannt wird.</p>

<p>Sie geht zurück nach New York, um dort ein Studium zu eröffnen und bekommt dort den Auftrag, das gerade im Bau befindliche Chrysler Building zu fotografieren. Auch diese Arbeiten sind ein absoluter Erfolg. Sie macht Aufnahmen, die von den Perspektiven her absolut ungewöhnlich sind; Sie klettert draußen am Dach herum und liebt die Architektur des Gebäudes. Besonders die 4 gigantischen Gargoyles, die am Dach angebracht sind, haben es ihr angetan.</p>

<p>Sie beschließt: Sie will eine der wenigen Mieterinnen in diesem Gebäude werden. Mindestens ihr Studium möchte sie im Chrysler Building haben, wenn möglich dort auch wohnen. Sie setzt sich das so sehr in den Kopf, dass sie sich als Hausmeisterin für das Gebäude bewirbt. Das ist allerdings eine Stelle, die jemandem anders zugeschlagen wird. Überhaupt sieht es eine Weile danach aus, als wenn sie noch nicht mal ihr Studio dort mieten darf, denn die Vermieter sind skeptisch: Sie ist eine junge, hochgradig attraktive, bekannte Frau. Da wird es doch mit dem Teufel zugehen, wenn die nicht irgendwann mal heiratet, Kinder kriegt und plötzlich keinen Job mehr hat und dann auch die Miete nicht mehr bestreiten kann.</p>

<p>Zumindest dieses Problem hatte sich allerdings erledigt, als Margaret Bourke-White das Angebot erhält, das neu gegründete Fortune Magazine als Fotografin zu begleiten. Sie war die einzige Frau in der gesamten Belegschaft und Fortune würde als neu gegründetes Bildmagazin die Geschichte der jungen, aufstrebenden Industriekultur in Amerika und weltweit begleiten. Ein Job wie für sie geschaffen.</p>

<p>Sie bekommt also ihr Studio mit Blick auf die Gargoyles und eine Terrasse, auf der sie eigentlich nichts zu suchen hat, auf der sie aber praktisch Besuche empfängt und in einem abgetrennten Bereich zwei kleine Alligatoren hält. Es gab ja mal eine Zeit, da wollte sie Expertin für Reptilien werden. Diese Liebe hat sie nie so richtig abgelegt.</p>

<p>Es gibt diverse Anekdoten, wo Margaret auf Geschäftsreisen nicht nur ihre Kamera, sondern auch noch Reptilieneier, die zum Schlüpfen bereit waren, von irgendwelchen Eidechsen oder anderen Tieren, dabei hatte.</p>

<p>Schlafen darf sie nicht in diesem Studio. Aber sie ist besessen von ihrer Arbeit und so verbringt sie jede freie Minute und oft Tag und Nacht mit Blick über New York City. Und sie fotografiert auch viele Male diesen Blick. Es gibt ein sehr bekanntes Foto von ihr, wo sie raus auf die Terrasse und einen der Gargoyles geklettert war, um eine Aufnahme von Manhattan zu machen, die man sonst nirgendswo so machen konnte. Ihr Assistent, in der Sicherheit des Studios, hält die Kamera auf sie und hält damit ein ikonisches Bild von ihr fest. Und dieses Bild zeigt sie in ihrem Element. Furchtlos und bereit, alles für das richtige Bild zu tun.</p>

<p>Als Mitherausgeberin, Fotografin und Autorin des Fortune Magazins reist Margaret Bourke-White jetzt um die Welt. Sie besucht Deutschland und fotografiert da die IG Farben und in Hamburg den Hafen. Und sie ist die erste westliche Fotografin, die die Genehmigung erhält, in der Sowjetunion die dort neu gebauten Industrieanlagen zu fotografieren.</p>

<p>Die Sowjetunion sah sich im Wettlauf mit den USA und hatte einen mehrere Jahrzehnte andauernden Vorsprung aufzuholen. Margaret fotografiert Großbaustellen, Dämme, Kraftwerke, gigantische Industrieanlagen und zunehmend auch die Arbeiterinnen und Arbeiter.</p>

<p>Inzwischen ist die Mitte-30-jährige eine weltweite Celebrity. Man kennt sie. Sie ist regelmäßig im Radio, um Interviews zu geben und bekannt für ihren extravaganten Lebenswandel. Wenn sie nicht gerade unterwegs ist, weiß sie, wie man sich das Leben angenehm macht. Und sie wird zu einem Vorbild für Mädchen und junge Frauen. Nicht lange und sie steht für die moderne amerikanische Frau. Die weiß, was sie will, die alles erreichen kann. So wird zumindest behauptet.</p>

<p>1936 ist auch das Jahr, in dem ein weiteres ikonisches Magazin gestartet wird: das Life Magazine. Margaret Bourke-White schreibt die erste Titelgeschichte und macht das erste Titelbild des Life Magazines.</p>

<p>1936 ist in der Mitte der Great Depression, also der Weltwirtschaftskrise. Die Not ist unter der arbeitenden Bevölkerung groß in den USA. Und Margaret sieht das. On assignment for fortune and life kommt sie im gesamten Land herum und ihre Fotografie wandelt sich: Die berühmte Industriefotografin wird zu einer gefeierten <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalistin</a>.</p>

<p>1941 reist sie im Auftrag des Life Magazine nach Moskau. Sie ist die einzige westliche Reporterin in der Stadt, als die Deutschen ihren Luftangriff auf Moskau beginnen. Als die Sirenen losheulen und sich alle in Sicherheit bringen, greift sie sich ihr Stativ und ihre Kamera und rennt auf das Dach der Botschaft, von wo aus sie einen hervorragenden Blick auf den Kreml hat. Sie vermutete, das würde das Hauptangriffsziel der deutschen Streitkräfte sein. Und sie würde fotografieren, was immer fotografierenswertes zu sehen war.</p>

<p>Heraus kommen einzigartige Kriegsaufnahmen. Und Margaret fotografiert nicht nur in der Nacht, sondern auch am nächsten Tag. Die Spuren der Zerstörung. Und ist die einzige Reporterin, die diese Aufnahmen machen konnte und in die westliche Welt zurückbrachte.</p>

<p>Als Amerika sich dazu entschließt, in den Zweiten Weltkrieg einzutreten, ist es für Margaret der Startschuss, um eine Akkreditierung als <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalistin</a> anzustreben. Und die amerikanischen Behörden stellen sich erst mal quer. Es ist schon ungewöhnlich genug, dass eine Frau eine bekannte Fotojournalistin ist. Und auch, wenn akzeptiert ist, dass Margaret Bourke-White weiß, mit Risiko umzugehen, ist es dann trotzdem noch ein Riesenschritt, sie offiziell als <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografin</a> anzuerkennen. Fotografie als Männerdomäne. Krieg als Männerdomäne. <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografie</a> als Machomännerdomäne.</p>

<p>Margaret ist zwar nicht die einzige Frau, die im Krieg fotografiert, aber sie ist die einzige Amerikanerin und sie ist die einzige, die es schließlich schafft, offiziell als Fotojournalistin mit den Truppen mitgesendet zu werden.</p>

<p>Das ist der Punkt, an dem sie sich aufmacht, um die Invasion in Nordafrika zu begleiten, einen Torpedoangriff überlebt und die Genehmigung bekommt, bei einem Bombenangriff mitzufliegen. Und auch von dieser Reise wieder einzigartige Aufnahmen mitzubringen.</p>

<p>1945 verliert Deutschland den Krieg. Und Margaret ist wieder unterwegs. Im Gefolge von General George S. Patton reist sie durch Deutschland und ist bei der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald und des Zwangsarbeiterlagers Leipzig-Thekla dabei. Sie macht mehrere berühmte Fotos zu diesen Gelegenheiten. Ihr Bild &#8222;Die lebendigen Toten von Buchenwald&#8220; von 1945 ist eine der berühmtesten und beeindruckendsten Fotografien des 20. Jahrhunderts.</p>

<p>In ihrer Biografie beschreibt sie ausführlich, wie es sich angefühlt hat, das von den Nazis angerichtete Leid zu sehen und diese Menschen zu fotografieren und die Leichenberge. Sie ist dankbar für die Kamera. Sie hält sie nicht nur beschäftigt, sondern ist wie ein Schild, das sie vor sich halten kann, um das Bild, das sich ihr bietet, aushalten zu können.</p>

<p>Auch nach dem Sieg der Alliierten fotografiert Bourke-White weiterhin für die Truppen. Im Herbst 45 erhält sie den Auftrag, die Zerstörung deutscher Städte mit Luftbildern zu dokumentieren.</p>

<p>Zu dem Zeitpunkt gilt Margaret bereits in mehreren Disziplinen als eine der besten Fotografinnen, wenn nicht die beste Fotografin der Welt. Moderne Architekturfotografie, Industriefotografie, Kriegsfotografie, <a "/tags/reportagefotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="33" title="Reportagefotografie">Reportagefotografie</a>, zwischendurch Werbefotografie und Portraits berühmter Persönlichkeiten gehören zu ihrem Portfolio. Berühmte Menschen ihrer Zeit wie Franklin D. Roosevelt, Stalin, Winston Churchill oder Marlon Brando wurden von ihr portraitiert.</p>

<p>1946 reist sie im Auftrag des Life Magazines nach Indien. Das Land ist in politischer Aufruhr. Sie hat den Auftrag, Gandhi zu fotografieren und zu interviewen. Gandhi hat wenig Lust, sich von ihr interviewen zu lassen, so lässt es ihr ausrichten, er würde sie nur als Fotografin zulassen, wenn sie lernen würde, ein Spinnrad zu bedienen. Also lernt Margaret Bourke-White, wie man ein Spinnrad bedient. Sie macht eines der bekanntesten Fotos ihrer Karriere, wenige Stunden vor der Ermordung Mahatma Gandhis fotografiert sie ihn, wie er schweigend vor einem Spinnrad sitzt.</p>

<p>Spätere Reportagereisen wird Margaret dazu nutzen, um zum Beispiel die Teilung Indiens zu dokumentieren. Sie bereist auch Südafrika während der Apartheid und nimmt am Koreakrieg als Korrespondentin teil. Korea ist auch das Land, wo ihr zum ersten Mal auffällt, dass ihre Gelenke, Arme und Beine steif sind.</p>

<p>Daheim lässt sie sich untersuchen und bei ihr wird Parkinson diagnostiziert. Es ist diese Krankheit, die sie dann Mitte der 60er dazu zwingt, ihren Beruf aufzugeben und sich zurückzuziehen. 1963 erscheint ihre Autobiografie und ist über Wochen hinweg auf den Bestsellerlisten der New York Times.</p>

<p>Sie stirbt 1971 im Alter von 67 Jahren. Sie war zwar einmal kurz verheiratet, aber Familie hatte sie nie gegründet und deswegen hinterließ sie auch keine Kinder und keinen trauernden Ehemann. Sie war Wegbereiterin für eine ganze Generation junger Reporterinnen und Fotografinnen.</p>

<p>Ihre Fotografie prägte mehrere Genres, nicht nur eines. Die meisten Fotografen versuchen, ein Genre wirklich gut zu beherrschen. Margaret Bourke-White schien zu meistern, was immer sie sich in den Kopf gesetzt hatte. Sie hatte eine Gabe, Menschen zu sehen und sie im Bild festzuhalten, wie kaum eine andere und ihre Karriere in einer der turbulentesten Zeiten der Menschheitsgeschichte bot ihr wieder und wieder die Gelegenheit, ikonische Aufnahmen zu machen. Und sie ergriff jede einzelne davon.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Baumelbeine und Höhenrausch</title>
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            <pubDate>Sat, 23 Jan 2021 18:40:15 GMT</pubDate>
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            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Die ersten Bilder der Menschheit wurden aus Dachfenstern gemacht und auch heute haben Aufnahmen aus der Vogelperspektive nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Kombiniert man das dann noch mit Jugendkultur, Social Media und moderner Kameratechnik hat man ein eigenes Fotogenre, das Rooftopping… Roofing (Wikipedia) The lure of tall buildings: A guide to the risky but lucrative world of ‘rooftoppers’ The Birth of ‚Rooftopping‘: Tom Ryaboi &amp; Almost (I’ll make ya) Famous Tom auf Instagram Celebrity Interview - Roof Topping: Standing on the Edge with Tom Ryaboi Rooftopping Photographer Tom Ryaboi Arrested on a Roof in Toronto Don’t look down: Tom Ryaboi’s photos of the craze of Rooftopping in Toronto Tall storeys: Lucinda Grange’s daredevil photography Lucinda’s Webseite Lucinda’s Insta List of selfie-related injuries and deaths (Wikipedia) Dieses Video auf YouTube ansehen Transkript Jugendkultur, Influencertum, Social Media und eine Welt, in der Aufmerksamkeit mit barem Geld aufgerechnet werden kann, das sind die Zutaten zu unserer heutigen Episode. Ich gehe schon die ganze Woche schwanger mit diesem Podcastthema. Ganz zu Anfang dachte ich, ich würde über das berühmte Foto „Lunch atop a Skyscraper“ sprechen. Das ist dieses berühmte Bild, das bei der Errichtung des Rockefeller Centers in New York gemacht wurde, bei dem 11 Stahlarbeiter auf einem offensichtlich frei in der Luft hängenden Stahlträger sitzen und Brotzeit machen. Und das ist eine faszinierende Geschichte, aber ich werde sie ein andermal erzählen. Von da aus gings weiter mit der Frage, seit wann wir eigentlich Fotos aus Hochhäusern schießen. Die allerersten Bilder, die die Fotogeschichte überhaupt kennt, sind aus Dachgeschossfenstern gemacht worden. Dachgeschossfenstern in Paris, freilich. Und die lassen sich natürlich nicht mit den Stahlträgerkonstruktionen, die in den 1850ern in den USA aufkommen, vergleichen. Natürlich kamen Fotografen in der damaligen Zeit relativ früh auf die Idee, Fotos aus der Luft machen zu wollen. Drachen, Fesselballons und hohe Gebäude genauso wie Berge waren beliebte Aussichtsplattformen. Aber der erste Fotograf, der sich einen Namen damit machte, dass er systematisch zum Beispiel in New York aus der Vogelperspektive in den Central Park und ähnliche Landmarken fotografierte, war Alvin Langdon Coburn, der das in seiner gerade mal 20 Jahre dauernden Fotografenkarriere rund um 1900 ausführlich machte. Bei der Suche nach dem ungewöhnlichen Fotomotiv wollte die Menschheit schon immer hoch hinaus. Wir mögen diese Bilder, diese Aufnahmen, die so ein leichtes Kitzeln in der Magengrube produzieren, wenn wir uns vorstellen, wie es wohl wäre, an der Stelle zu stehen, an der die Kamera steht und in den Abgrund zu schauen, den die Kamera uns zeigt. Es gibt ikonische Fotografien, die sich durch die gesamte Fotogeschichte hindurchziehen. Fotos, wo Fashionfotografie an den Stahlträgern des Eiffelturms gemacht wurde. Oder die Aufnahme von Margaret Bourke-White , die unerlaubterweise im Chrysler Building raus auf die an der Fassade angebrachten riesigen Gargoyles kletterte und von da aus Manhattan fotografieren wollte und dabei von ihrem Assistenten fotografiert wurde. Mit dem Aufkommen der Reportagekameras, der kleinen, portablen Kameras und vor allem auch des Rollfilms wurde Fotografie zu einem Volkssport. Die Menschen nahmen ihre Kameras überall hin mit. Insbesondere im Urlaub auf irgendwelche Aussichtspunkte. Und diese Bilder sind so omnipräsent, dass wir sie alle schon mal gesehen haben. Der Blick über den Central Park wird bevorzugt vom Rockefeller Center aus geschossen. Da sieht man dann das Empire State Building und hat einen unverbauten Blick über einen der größten städtischen Parks der Welt. Oder die Straßen von Dubai, gesehen von der Dachterrasse des Burj Khalifa. Man muss ein Ticket ziehen und Fotografinnen und Fotografen machen das natürlich dann auch gerne. Für dies</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Die ersten Bilder der Menschheit wurden aus Dachfenstern gemacht und auch heute haben Aufnahmen aus der Vogelperspektive nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Kombiniert man das dann noch mit Jugendkultur, Social Media und moderner Kameratechnik hat man ein eigenes Fotogenre, das Rooftopping&#8230;</p>

<figure><img decoding="async" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/Rooftopper_on_top_of_Frankfurts_Kaiserdom.jpg" alt="Ein Rooftopper auf der Spitze des Frankfurter Kaiserdoms." width="1280" height="1600" loading="lazy" decoding="async"></figure>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="740" height="479" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/image.png" alt="Eine alte gedruckte Seite mit einem Artikel über das Auge eines getöteten Mädchens und Details zu Theresa Hollander."/></figure>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Roofing" target="_blank">Roofing (Wikipedia)</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theguardian.com/cities/2017/feb/26/rooftopping-do-you-have-to-be-crazy-to-hand-off-a-skyscraper" target="_blank">The lure of tall buildings: A guide to the risky but lucrative world of ‘rooftoppers’</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://iso.500px.com/the-birth-of-rooftopping-tom-ryaboi-almost-ill-make-ya-famous/" target="_blank">The Birth of &#8218;Rooftopping&#8216;: Tom Ryaboi &amp; Almost (I&#8217;ll make ya) Famous</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20170110022416/https://www.instagram.com/roof_topper/?hl=en" target="_blank">Tom auf Instagram</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250519012713/https://www.photodoto.com/roof-topping-tom-ryaboi/" target="_blank">Celebrity Interview - Roof Topping: Standing on the Edge with Tom Ryaboi</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210417202449/https://petapixel.com/2015/02/04/rooftopping-photographer-tom-ryaboi-arrested-roof-toronto/" target="_blank">Rooftopping Photographer Tom Ryaboi Arrested on a Roof in Toronto</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.telegraph.co.uk/news/picturegalleries/howaboutthat/9049104/Dont-look-down-Tom-Ryabois-photos-of-the-craze-of-Rooftopping-in-Toronto.html?image=411" target="_blank">Don&#8217;t look down: Tom Ryaboi&#8217;s photos of the craze of Rooftopping in Toronto</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theguardian.com/artanddesign/gallery/2014/feb/18/tall-storeys-lucinda-granges-daredevil-photography" target="_blank">Tall storeys: Lucinda Grange&#8217;s daredevil photography</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="http://www.lucindagrange.com/" target="_blank">Lucinda&#8217;s Webseite</a></li><li>Lucinda&#8217;s Insta</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_selfie-related_injuries_and_deaths" target="_blank">List of selfie-related injuries and deaths (Wikipedia)</a></li></ul>

<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=3zYbOoj4a4Q" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf YouTube ansehen</a></p>
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<p>Transkript</p>

<p>Jugendkultur, Influencertum, Social Media und eine Welt, in der Aufmerksamkeit mit barem Geld aufgerechnet werden kann, das sind die Zutaten zu unserer heutigen Episode.</p>

<p>Ich gehe schon die ganze Woche schwanger mit diesem Podcastthema. Ganz zu Anfang dachte ich, ich würde über das berühmte Foto &#8222;Lunch atop a Skyscraper&#8220; sprechen. Das ist dieses berühmte Bild, das bei der Errichtung des Rockefeller Centers in New York gemacht wurde, bei dem 11 Stahlarbeiter auf einem offensichtlich frei in der Luft hängenden Stahlträger sitzen und Brotzeit machen. Und das ist eine faszinierende Geschichte, aber ich werde sie ein andermal erzählen.</p>

<p>Von da aus gings weiter mit der Frage, seit wann wir eigentlich Fotos aus Hochhäusern schießen. Die allerersten Bilder, die die Fotogeschichte überhaupt kennt, sind aus Dachgeschossfenstern gemacht worden. Dachgeschossfenstern in Paris, freilich. Und die lassen sich natürlich nicht mit den Stahlträgerkonstruktionen, die in den 1850ern in den USA aufkommen, vergleichen.</p>

<p>Natürlich kamen Fotografen in der damaligen Zeit relativ früh auf die Idee, Fotos aus der Luft machen zu wollen. Drachen, Fesselballons und hohe Gebäude genauso wie Berge waren beliebte Aussichtsplattformen. Aber der erste Fotograf, der sich einen Namen damit machte, dass er systematisch zum Beispiel in New York aus der Vogelperspektive in den Central Park und ähnliche Landmarken fotografierte, war Alvin Langdon Coburn, der das in seiner gerade mal 20 Jahre dauernden Fotografenkarriere rund um 1900 ausführlich machte.</p>

<p>Bei der Suche nach dem ungewöhnlichen Fotomotiv wollte die Menschheit schon immer hoch hinaus. Wir mögen diese Bilder, diese Aufnahmen, die so ein leichtes Kitzeln in der Magengrube produzieren, wenn wir uns vorstellen, wie es wohl wäre, an der Stelle zu stehen, an der die Kamera steht und in den Abgrund zu schauen, den die Kamera uns zeigt.</p>

<p>Es gibt ikonische Fotografien, die sich durch die gesamte Fotogeschichte hindurchziehen. Fotos, wo Fashionfotografie an den Stahlträgern des Eiffelturms gemacht wurde. Oder die Aufnahme von <a "/posts/die-beste-fotografin-der-welt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="14" title="Die beste Fotografin der Welt">Margaret Bourke-White</a>, die unerlaubterweise im Chrysler Building raus auf die an der Fassade angebrachten riesigen Gargoyles kletterte und von da aus Manhattan fotografieren wollte und dabei von ihrem Assistenten fotografiert wurde.</p>

<p>Mit dem Aufkommen der Reportagekameras, der kleinen, portablen Kameras und vor allem auch des Rollfilms wurde Fotografie zu einem Volkssport. Die Menschen nahmen ihre Kameras überall hin mit. Insbesondere im Urlaub auf irgendwelche Aussichtspunkte.</p>

<p>Und diese Bilder sind so omnipräsent, dass wir sie alle schon mal gesehen haben. Der Blick über den Central Park wird bevorzugt vom Rockefeller Center aus geschossen. Da sieht man dann das Empire State Building und hat einen unverbauten Blick über einen der größten städtischen Parks der Welt. Oder die Straßen von Dubai, gesehen von der Dachterrasse des Burj Khalifa. Man muss ein Ticket ziehen und <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen machen das natürlich dann auch gerne. Für dieses eine Foto, das niemand so schön schießen kann wie man selbst.</p>

<p>Hier in Frankfurt gibt es einen Standardshot für Fotografen vom Lindner Hotel aus, erkennbar an den vergoldeten Dachzinnen. Kostet 25€. Also, wenn man das Bild selber machen will. Wenn man es als Postkarte haben will, dann natürlich höchstens 2.</p>

<p>Wir kennen also alle diese Motive. Wir wissen, wie die entstehen. Wir waren manchmal sogar schon selbst an diesen Orten und wir wissen: Die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> war sicher meistens hinter einem eigens dafür angebrachten Zaun oder einer Glasscheibe und wir erkennen den Profi daran, dass er nicht einfach nur eine Szene fotografiert, wie sie sich nun mal zu irgendeiner gegebenen Zeit gerade dargeboten hat, sondern zu einer ganz bestimmten Zeit zum Fotografieren gegangen ist. Etwa bei Nacht, bei Abendrot, wenn die Stadt im Nebel versinkt.</p>

<p>Trotzdem sind solche Fotos natürlich beliebt. 2004 erscheint das erste Social Network mit reinem Fotobezug auf der Bildfläche: Flickr. Menschen können dort ihre Fotos teilen und anderen zeigen. Ein bisschen markiert das übrigens auch den Beginn des Influencertums. Denn was damals sofort offensichtlich wird, ist, dass beeindruckende Aufnahmen Aufmerksamkeit auf sich ziehen. 2007 wurden monatlich über 30000000 Aufnahmen auf Flickr hochgeladen. Und es gab Zeiten, da waren auf Flickr über 90000000 <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen registriert.</p>

<p>Das ist auch das Jahr, in dem sich Tom Ryaboi seine erste digitale Spiegelreflexkamera kauft und auf Flickr registriert. Am Anfang geht der auf alles los, was in seiner Umgebung fotografierenswert erscheint, besonders die Straßen von Toronto haben es ihm angetan, seiner Heimatstadt.</p>

<p>Dort geht er einem Hobby nach, das es seit knapp den 90er Jahren gibt und das &#8222;urban exploration&#8220; heißt. Da geht es um Orte, die verlassen oder verboten sind. Stillgelegte Fabrikhallen, U-Bahntunnel, verlassene Einkaufszentren, man klettert über Absperrungen und Zäune, schleicht sich nachts in Ecken der Stadt, in denen man nichts verloren hat. Und in baufälligen Gebäuden rumzuklettern ist auch nicht ganz ungefährlich. Belohnt wird man meistens mit spektakulären Aufnahmen. Stillgelegte Weltraumbahnhöfe, verlassene Malls oder vor sich hin rottende Vergnügungsparks haben einfach ihren Reiz.</p>

<p>Tom kennt also diese Szene, aber eigentlich interessiert ihn fast noch mehr ein anderer ungewöhnlicher Blick: Er möchte Toronto von oben sehen. Der Gedanke: &#8222;Wenn schon fotografieren, dann doch so fotografieren, dass man ein Bild hat, das niemand anders so machen kann&#8220;.</p>

<p>Und als Hobbyfotograf kennt man diesen Gedanken. Es gibt verschiedene Wege, wie ich ein Foto machen kann, das niemand sonst hat. Entweder, ich fotografiere etwas, zu dem nur ich Zugang habe oder ich benutze eine Technik, die wenig Verwendung findet, Infrarot, <a "/posts/der-blick-aus-dem-wassereimer.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="52" title="Fischauge">Fischauge</a>, oder ich finde eine Perspektive, die selten ist. Und welche Perspektive ist wohl seltener als der Blick von Orten aus, die für die Öffentlichkeit gesperrt sind.</p>

<p>Tom war also auf der Suche nach einer originellen Perspektive, als er an einer Hochhausbaustelle vorbeikommt. Es schien niemand da zu sein und die Absperrung war kein echtes Hindernis. Das Haus war auch noch nicht besonders hoch, 15, 16 Stockwerke vielleicht, aber für Herzklopfen und für eine großartige Perspektive hat es auf jeden Fall trotzdem gereicht. Für Tom war das auf jeden Fall nur der Anfang. Er war wie besessen von den Hochhäusern seiner Stadt. Abend für Abend griff er sich seine Kameraausrüstung und die Fotos veröffentlichte er auf Flickr.</p>

<p>Und andere taten es ihm gleich: &#8222;Urban exploration&#8220; war der Anfang, Rooftopping war der richtig coole shit. Shanghai, Hongkong, Toronto, New York, überall wo es Hochhäuser gab, gab es junge Menschen, die versuchten, mit ihrer Kamera im Gepäck auf die Dächer von Wolkenkratzern zu kommen. Der Reiz war das Verbotene und der Reiz war es, das Ganze zu dokumentieren und zu veröffentlichen. Wie Graffitikünstler wollten die Rooftopper zwar Spuren hinterlassen, aber trotzdem natürlich anonym bleiben. Berühmt werden, ohne dass man wusste, wer sie waren.</p>

<p>Im Stil waren die Fotos immer noch sehr ähnlich zu dem, was man bis dahin oft aus solchen hohen Höhen gesehen hatte. Skylineshots, Nachtaufnahmen von Hochhäusern und so weiter. Wer es sich leisten konnte, hatte nicht nur eine Spiegelreflexkamera, sondern auch teure Optiken dabei. Je weitwinkliger, desto besser.</p>

<p>Und es ist so ein Objektiv und so eine Kamera, die Tom und eine Freundin an einem Sommertag mit auf einen der höchsten Wolkenkratzer im financial District Torontos nahmen. Sie machen verschiedene Fotos und Aufnahmen davon, wie sie ganz nah an der Kante sitzen und beginnen, mit Weitwinkelobjektiven ihre über dem Abgrund baumelnden Füße zu fotografieren. Abends kehren sie gut gelaunt nach Hause zurück und Tom setzt sich an seinen Computer und bearbeitet die Aufnahmen des Tages.</p>

<p>Ein Bild gefällt ihm besonders. Es zeigt den Blick auf seine Schuhe, ein Bein frei über dem Abgrund baumelnd, unter ihnen die Straßen von Toronto. Er hellt das Bild leicht auf, bearbeitet die Farben, dreht am Kontrastregler, irgendetwas fehlt noch&#8230; Er spiegelt das Bild. Plötzlich guckt man nicht mehr an sich selbst die Beine herunter, sondern es sieht so aus, als würde man eigentlich schon über dem Abgrund schweben und auf die Beine, kurz vor dem Absturz, blicken. Er ist zufrieden mit dem Ergebnis und postet das Bild auf Flickr. Als Titel schreibt er dazu: &#8222;I&#8217;ll make ya famous&#8220; und geht ins Bett.</p>

<p>Als er am nächsten Morgen aufsteht, stellt er fest, dass sein Bild über Nacht ein Internetphänomen geworden war. Über 25000 Views auf Flickr und Reddit. Schon in der ersten Nacht. In den ersten zwei Tagen über 50000 Views. Diskussionen kamen auf, ob das Bild denn echt sein könnte oder gephotoshoppt war. Wenige Tage später lief seine E-Mail Inbox voll mit Anfragen von BBC, RTL, National Geographic USA und vielen anderen mehr. Mit der Aufmerksamkeit ergaben sich natürlich auch sofort Karriereoptionen. Menschen boten ihm Jobs an und er begann, Lizenzgebühren dafür zu verlangen, dass sein Foto vervielfältigt werden durfte und er begann, Fotos und Videos zu produzieren, die mehr von seinen Rooftopabenteuern zeigten. Ohne freilich zu verraten, wer er denn war. &#8222;Rooftopper&#8220; nannte er sich. Und eine Weile bestand sein Leben daraus, Sicherheitskräften und der Polizei zu entgehen.</p>

<p>Es ist nämlich eine Straftat, unerlaubt auf irgendwelche Hochhausdächer zu klettern. Die gesamte Szene ist also damit beschäftigt, vor den Behörden davonzulaufen. Und damit ist das auch praktisch ausschließlich eine Jugendszene. Und kaum jemand klettert auf Rooftops ohne Kameras und ohne fotografischen Hintergrund.</p>

<p>Was Tom begonnen hatte, fand dann Massenweise Nachahmer. In Shanghai alleine gibt es eine Community von über 300 Rooftoppern. Und war die erste Generation Rooftopper noch damit zufrieden, einfach einen spektakulären Blick mit Füßen im Bild einzufangen, reicht das heute schon längst nicht mehr. Die Fotos wurden immer spektakulärer und immer akrobatischer. Rooftopper klettern auf Masten, um sich dort dann freihändig hinzustellen, während eine Drohne sie umkreist und filmt. Sie machen Klimmzüge am Dachsims, frei hängend über dem Abgrund. Sie schlagen Rad und Purzelbaum an der Hauskante oder springen meterweit von Sims zu Sims. Alles immer für den spektakulären Shot.</p>

<p>Hunderttausende Follower geben ihnen recht. Gar nicht wenige von denen verdienen ihren kompletten Lebensunterhalt damit, dass sie regelmäßig für eine wachsende Fangemeinde spektakuläre, atemberaubende Fotos produzieren. Fotos, die davon leben, dass sie nicht nur beängstigend aussehen, weil wir uns immer auch vorstellen, wie es wäre, wenn wir in diesem Bild jetzt da stehen würden, sondern oft auch den Kitzel des Illegalen mitbringen.</p>

<p>Und was 2007 noch relativ sicher begann, hat dann auch bald die ersten Todesopfer gefordert. Denn mit der Anzahl Nachahmern stieg natürlich auch die Anzahl derer, die nicht sportlich genug waren oder sich überschätzten. Und so findet man im Netz inzwischen auch Videos von Klimmzugmachern, die es nicht mehr aufs Dach schaffen. Und die Wikipedia führt eine Liste von durch Selfies verursachten Todesfälle. Und da sind Rooftopper oder Menschen, die zum Beispiel im Gebirge in den Abgrund stürzen, während sie versuchen, ein spektakuläres Foto von sich zu machen, eine der größten Gruppen.</p>

<p>Ich konnte nicht herausfinden, was aus Tom jetzt geworden ist. Er hat irgendwann mal einen Großteil seiner Fotos aus den entsprechenden Kanälen entfernt und hat das Feld anderen überlassen. Aber er geht definitiv in die Geschichte der Fotografie als derjenige ein, der als erstes weltweit mit einem Foto von über dem Abgrund baumelnden Beinen bekannt geworden ist. Und das ist eine dieser Standardaufnahmen, die jede Rooftopperin und jeder Rooftopper heute mindestens macht, aber eigentlich nicht mehr spektakulär genug ist.</p>

<p>Die Szene splittet sich inzwischen in verschiedene Untergruppen auf: Es gibt die Akrobatischen, die wilde Stunts am Abgrund machen, aber es gibt auch künstlerischere Fotografien. Alles, was es so an Bildgebender Technik gibt, wird verwendet, um originelle, nie gesehene Bilder zu machen, oder schon gesehene Bilder noch spektakulärer auszugestalten.</p>

<p>Professionelle Rooftopper verdienen ihr Geld, wie alle Influencer, mit Product Placements, mit Werbung mit speziellen Produkten, die ihren Namen oder ihren Brand weitertransportieren, alles, was eben dazu geeignet ist, um aus Aufmerksamkeit Geld zu machen.</p>

<p>Und interessant ist, dass in dieser Branche offensichtlich auch eine Menge Frauen unterwegs sind. Es gibt viele Rooftopperinnen, gerade unter den berühmten. Oder Pärchen, die gemeinsam um die Welt jetten und Hochhäuser erklimmen.</p>

<p>So wie zum Beispiel Lucinda Grange, die außerdem noch durch einen ungewöhnlichen Bildlook heraussticht. So lässt sie sich zum Beispiel im kleinen Schwarzen auf dem Chrysler Building auf einem der Gargoyles fotografieren. Oder schleicht sich an bewaffneten Sicherheitskräften vorbei und klettert auf die Pyramiden von Gizeh.</p>

<p>Die Szene ist also längst noch nicht an ihrem Ende angekommen. Ganz im Gegenteil. Sie wird bunter und bunter. Und was als reine Jugendbewegung begann, wird vielleicht sogar nach und nach zu einer eigenständigen Kunstform.</p>

<p>Konnte Tom noch einigermaßen unbehelligt auf die Hochhäuser Torontos kommen, ist es inzwischen übrigens so, dass Sicherheitskräfte schon beim geringsten Verdacht, man könnte ein Rooftopper sein, einschreiten. Mein Sohn Benjamin und ich sind mal in der Frankfurter Innenstadt von Sicherheitskräften gestellt worden, als wir auf der Suche nach einer öffentlichen Parkgarage, aus der wir vielleicht fotografieren konnten, versehentlich in einen Privatbereich der Commerzbank gekommen waren. Wir waren eigentlich nur hineingegangen, und als uns klar wurde, dass wir nicht mehr auf öffentlichem Grund waren, auch wieder herausgegangen und trotzdem sahen wir uns plötzlich zwei grimmig schauenden Sicherheitsbeamten gegenüber. Die meinten dann mit Blick auf unsere Kameras, dass wir ja Rooftopper sein könnten, auch wenn ich schon ein bisschen alt für dieses Hobby wäre. Danke auch, Jungs.</p>

<p>Mir aber egal, ich ziehe jetzt Coolnessfaktor daraus, dass ich beim Sicherheitsteam der Commerzbank als potenzieller Rooftopper registriert bin. Sie ließen uns nämlich auch wissen, dass beim nächsten Mal, wenn sie uns auf den Kameras erkennen würden, sofort die Polizei gerufen werden würde. Geil, oder? Fast so gut, wie wirklich da raufgestiegen zu sein.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Wenn Präsidenten Elche reiten</title>
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            <pubDate>Sat, 16 Jan 2021 18:23:03 GMT</pubDate>
            <description>Theodore Roosevelt hatte ein schier unglaubliches Leben mit einer Dichte an Ereignissen die ihresgleichen sucht.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Theodore Roosevelt hatte ein schier unglaubliches Leben mit einer Dichte an Ereignissen die ihresgleichen sucht. Außerdem hinterließ er eine Spur aus Fotografien, unter anderem eine Aufnahme in der er auf einem Elchbullen durch einen See schwimmt… Photo Of The Day: The True Story Behind That Picture Of Teddy Roosevelt Riding A Moose 5 Unbelievable Times Teddy Roosevelt Cheated Death Theodore Roosevelt (Wikipedia) Roosevelt Pursues the Boat Thieves Presidential Photographers Transkript Ich habe einen Lieblings-USPräsidenten und das ist nicht Barack Obama . Es ist ein Mann, dessen Leben so bizarr vollgepackt ist, kein Drehbuchautor hätte sich getraut, so eine Geschichte vorzuschlagen. Und die meisten Stationen sind fotografisch belegt, denn Präsident Theodore Roosevelt fotografierte nicht nur selbst, sondern war außerdem noch eine fotogene Berühmtheit in einer Zeit, in der die Kameratechnik in großen Sprüngen nach vorne schritt und nach und nach die Presse das Medium für sich eroberte. Er wird am 27. Oktober 1858 in eine reiche Familie in New York City geboren und er bekam den Namen seines Vaters. Und Theodore Roosevelt Senior war ein niederländischer, in die USA ausgewanderter, erfolgreicher Geschäftsmann. Der reist viel durch die Welt und nimmt seinen Sohn mit. Und so lernt klein Theodore Italienisch, Französisch, Deutsch, Englisch kann er sowieso schon, ein bisschen Niederländisch. Aber es war auch von Anfang an klar, dass klein Theodore talentierter als die Meisten seiner Altersgenossen und erfolgreicher als seine Altersgenossen war. So schreibt er mit 9 sein erstes Buch, ein Buch über Zoologie. Das ist übrigens ein Alter, in dem ich eine leere Arzneimittelflasche genommen habe, mit Wasser gefüllt hatte und dann behauptete, ich hätte eine neue Medizin gegen praktisch alles namens Dirkinium erfunden. Teddy Roosevelt schreibt mit 9 eben wie gesagt ein Buch. Und dieses Buch ist nicht nur über Zoologie, sondern enthält und dokumentiert Forschungen, die er angestellt hat, die sogar das Feld der Zoologie weiter brachten. Waren jetzt keine großen Sachen, aber hey, er war 9. Und er macht das, obwohl er nicht ganz gesund ist. Er hat eine Krankheit, die hin und wieder dazu führt, dass er Atemnot bekommt. Das hindert ihn aber nicht daran, im Alter von 11 Jahren der jüngste Mensch zu sein, der den Mont Blanc bestiegen hat. 1876 tritt er ein Studium in Harvard an. Ihn interessieren besonders die naturwissenschaftlichen Themen. Später wird er noch ein Studium der Rechtswissenschaften an der Columbia University antreten und abbrechen. Aber bleiben wir erstmal in Harvard. Da schreibt er nämlich ein Buch über Seekrieg und Seetaktik, das bis in die heutige Zeit Gültigkeit hat. Es ist auch diese Zeit, in der ungefähr sein Vater stirbt. Und wäre das nicht tragisch genug, stirbt wenige Jahre darauf seine Mutter und gerade mal 11 Stunden nach seiner Mutter verstirbt seine Frau am Kindbett. Verständlicherweise reicht das dicke, um Theodore aus der Bahn zu werfen. Er schmeißt erstmal alles hin und beschließt, auf Reisen zu gehen, um seinen Kopf freizubekommen. Wohin? Der wilde Westen ist vielleicht gar nicht so schlecht. North Dakota. Kurz nach dem Tod seines Vaters hatte Theodore damit begonnen, sich in der Politik zu engagieren und ein Mal Politiker, immer Politiker. Auch in der Wildnis von North Dakota braucht man schließlich Amtsträger und so wird er 1886 zum Sheriff von Billings County ernannt. Theodore Roosevelt hatte Geld. Und so hat er dort auch mit einer Ranch und entsprechenden Cowboys einen wahrscheinlich ganz ordentlichen Hausstand gehabt. Der frisch gebackene Sheriff hat auch gleich seinen ersten Fall in der Hand. Und der betrifft ihn auch direkt selbst: Es ist Frühjahr. Der Winter ist noch nicht weg. Es hat noch deutliche Minusgrade und der little Missouri ist nach wie vor mit Eisschollen bedeckt. Gleichzeitig ist der Missouri eine wichtige Verkehrsstraß</itunes:summary>
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<p><a "/tags/theodore-roosevelt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="16" title="Theodore Roosevelt">Theodore Roosevelt</a> hatte ein schier unglaubliches Leben mit einer Dichte an Ereignissen die ihresgleichen sucht. Außerdem hinterließ er eine Spur aus Fotografien, unter anderem eine Aufnahme in der er auf einem Elchbullen durch einen See schwimmt&#8230; </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://allthatsinteresting.com/teddy-roosevelt-riding-moose" target="_blank">Photo Of The Day: The True Story Behind That Picture Of Teddy Roosevelt Riding A Moose</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://allthatsinteresting.com/teddy-roosevelt-cheating-death" target="_blank">5 Unbelievable Times Teddy Roosevelt Cheated Death</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Theodore_Roosevelt" target="_blank">Theodore Roosevelt</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nps.gov/thro/learn/historyculture/roosevelt-pursues-boat-thieves.htm" target="_blank">Roosevelt Pursues the Boat Thieves</a></li><li><a href="https://www.trsite.org/blog/2019/10/08/presidential-photographers" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Presidential Photographers</a></li></ul>

<figure><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="725" height="1024" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/President_Roosevelt_-_Pach_Bros-725x1024.jpg" alt="Schwarzweißporträt eines Mannes mit dunklen Haaren, einer Brille und einem Schnurrbart, der formelle Kleidung trägt." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="700" height="546" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/teddy-roosevelt-riding-moose-1.jpg" alt="Ein Mann steht im Wasser neben mehreren Wasservögeln vor einer Waldkulisse."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="209" height="226" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/TR_Age_11_Paris.jpg" alt="Schwarz-Weiß-Porträt eines jungen Mannes mit hellen Haaren, der einen Anzug und eine Fliege trägt."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="737" height="1000" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/teddy-roosevelt-speech-case.jpg" alt="Ein dunkler Hut liegt auf einem alten Dokument mit handschriftlichem Text."/></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="645" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/teddy-roosevelt-rough-riders.jpg" alt="Eine große Gruppe von Männern in Uniform sitzt und steht im Freien vor einer großen Flagge." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="526" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/teddy-roosevelt-guarding-prisoners.jpg" alt="Eine Gruppe von Menschen befindet sich im Freien zwischen Bäumen und einem Feld; links sitzt ein Mann mit Gewehr, während weitere Personen in der Mitte und rechts stehen oder sitzen, neben einem Hund." /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="727" height="1000" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/teddy-roosevelt-young-hunter.jpg" alt="Ein Mann in fransiger Kleidung und einem dunklen Hut sitzt mit einem Gewehr vor einem gemalten Waldhintergrund."/></figure></li></ul></figure>

<div class="yt-facade" data-yt="Do89pViPkvU" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_Do89pViPkvU.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<p>Transkript</p>

<p>Ich habe einen Lieblings-USPräsidenten und das ist nicht <a "/posts/mehr-als-nur-politikerfotos.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="12" title="Mehr als nur Politikerfotos">Barack Obama</a>. Es ist ein Mann, dessen Leben so bizarr vollgepackt ist, kein Drehbuchautor hätte sich getraut, so eine Geschichte vorzuschlagen. Und die meisten Stationen sind fotografisch belegt, denn Präsident <a "/tags/theodore-roosevelt.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="16" title="Theodore Roosevelt">Theodore Roosevelt</a> fotografierte nicht nur selbst, sondern war außerdem noch eine fotogene Berühmtheit in einer Zeit, in der die Kameratechnik in großen Sprüngen nach vorne schritt und nach und nach die Presse das Medium für sich eroberte.</p>

<p>Er wird am 27. Oktober 1858 in eine reiche Familie in New York City geboren und er bekam den Namen seines Vaters. Und Theodore Roosevelt Senior war ein niederländischer, in die USA ausgewanderter, erfolgreicher Geschäftsmann. Der reist viel durch die Welt und nimmt seinen Sohn mit. Und so lernt klein Theodore Italienisch, Französisch, Deutsch, Englisch kann er sowieso schon, ein bisschen Niederländisch.</p>

<p>Aber es war auch von Anfang an klar, dass klein Theodore talentierter als die Meisten seiner Altersgenossen und erfolgreicher als seine Altersgenossen war. So schreibt er mit 9 sein erstes Buch, ein Buch über Zoologie. Das ist übrigens ein Alter, in dem ich eine leere Arzneimittelflasche genommen habe, mit Wasser gefüllt hatte und dann behauptete, ich hätte eine neue Medizin gegen praktisch alles namens Dirkinium erfunden.</p>

<p>Teddy Roosevelt schreibt mit 9 eben wie gesagt ein Buch. Und dieses Buch ist nicht nur über Zoologie, sondern enthält und dokumentiert Forschungen, die er angestellt hat, die sogar das Feld der Zoologie weiter brachten. Waren jetzt keine großen Sachen, aber hey, er war 9.</p>

<p>Und er macht das, obwohl er nicht ganz gesund ist. Er hat eine Krankheit, die hin und wieder dazu führt, dass er Atemnot bekommt. Das hindert ihn aber nicht daran, im Alter von 11 Jahren der jüngste Mensch zu sein, der den Mont Blanc bestiegen hat.</p>

<p>1876 tritt er ein Studium in Harvard an. Ihn interessieren besonders die naturwissenschaftlichen Themen. Später wird er noch ein Studium der Rechtswissenschaften an der Columbia University antreten und abbrechen. Aber bleiben wir erstmal in Harvard. Da schreibt er nämlich ein Buch über Seekrieg und Seetaktik, das bis in die heutige Zeit Gültigkeit hat.</p>

<p>Es ist auch diese Zeit, in der ungefähr sein Vater stirbt. Und wäre das nicht tragisch genug, stirbt wenige Jahre darauf seine Mutter und gerade mal 11 Stunden nach seiner Mutter verstirbt seine Frau am Kindbett.</p>

<p>Verständlicherweise reicht das dicke, um Theodore aus der Bahn zu werfen. Er schmeißt erstmal alles hin und beschließt, auf Reisen zu gehen, um seinen Kopf freizubekommen. Wohin? Der wilde Westen ist vielleicht gar nicht so schlecht. North Dakota.</p>

<p>Kurz nach dem Tod seines Vaters hatte Theodore damit begonnen, sich in der Politik zu engagieren und ein Mal Politiker, immer Politiker. Auch in der Wildnis von North Dakota braucht man schließlich Amtsträger und so wird er 1886 zum Sheriff von Billings County ernannt. Theodore Roosevelt hatte Geld. Und so hat er dort auch mit einer Ranch und entsprechenden Cowboys einen wahrscheinlich ganz ordentlichen Hausstand gehabt.</p>

<p>Der frisch gebackene Sheriff hat auch gleich seinen ersten Fall in der Hand. Und der betrifft ihn auch direkt selbst: Es ist Frühjahr. Der Winter ist noch nicht weg. Es hat noch deutliche Minusgrade und der little Missouri ist nach wie vor mit Eisschollen bedeckt. Gleichzeitig ist der Missouri eine wichtige Verkehrsstraße. Und so hat auch Teddy Roosevelt mehrere Boote.</p>

<p>Und unsere Geschichte beginnt damit, dass ihm eines dieser Boote von drei Dieben gestohlen wird. Als Sheriff will man das natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Und so nimmt Theodor mit zwei seiner Bediensteten die Verfolgung in einem anderen Boot auf. Es geht flussabwärts, direkt in die Wildnis. Es ist eine Region, in der Berglöwen jagen. In der zweistellige Minusgrade sind. Und das einsetzende Frühjahrestauwetter sorgt für reißende Strömung und hohe Wasserstände.</p>

<p>Theodore und seine Männer haben Gewehre dabei und etwas Werkzeug und zur Zerstreuung hat Theodor noch geistesgegenwärtig eine Ausgabe von Anna Karenina in seine Tasche geworfen. Die wird er dann im folgenden auch ausreichend brauchen, denn er hat viel Zeit an der Hand.</p>

<p>Das Erste, was nämlich passiert, ist, dass ihn dieses zweite Boot, mit dem sie die Verfolgung aufgenommen haben, von denselben Dieben auch noch gestohlen wird. Die wiegen sich auch in Sicherheit, denn Theodore und seine zwei Begleiter sind so weit ab von jeglicher Zivilisation, dass an einen Fußmarsch zurück nicht zu denken ist. Es ist eigentlich fast sicher, dass die in der Wildnis erfrieren werden. Wenn die Berglöwen sie nicht vorher bekommen.</p>

<p>Allerdings hatten die Diebe da die Rechnung ohne Theodore gemacht. Der schafft es nämlich, mit seinen zwei Cowboys zusammen genügend Holz zusammenzutragen, dass sie sich selber ein Boot bauen können und mit diesem Boot nehmen sie dann nochmals die Verfolgung der Diebe auf. Und überraschen die. Die haben nämlich jetzt nicht mehr damit gerechnet, ihrem Sheriff nochmal zu begegnen.</p>

<p>Mit den Dieben im Schlepptau sind die jetzt auch ziemlich langsam, früher hat man ja gern mal kurzen Prozess gemacht, speziell der Sheriff könnte ja sogar rechtlich einwandfrei einfach an Ort und Stelle die Erschießung anordnen, aber Roosevelt beschließt, mit ihnen so nicht nur den Rückweg anzutreten, sondern sie in die nächstgrößere Stadt zu bringen. Und um das kurz in Perspektive zu setzen: Das war eine acht-Tagesreise mit den Booten zurück und dann ein 36-Stunden-Gewaltmarsch zur nächsten größeren Stadt. Immer, wenn sie Pause machten, las Roosevelt in Anna Karenina. Und, weil Roosevelt unter anderem auch eine Kamera mitgenommen hatte, gibt es Fotos von diesen drei Dieben und Sheriff Theodore Roosevelt, wie er mit Gewehr im Anschlag Wache hält.</p>

<p>Wer mir 9 sein erstes Buch schreibt, in Harvard ein Militärbuch verfasst und danach von New York in den Westen reist, um dort Sheriff zu werden, ja, den hält es nicht lang. 4 Jahre später befindet sich Roosevelt wieder an der Ostküste. Dort hat es ihn in die Navy verschlagen. Und in die nationale Politik. Es ist das Jahr 1898, als sich die USA an der Schwelle zum <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> mit Spanien befinden.</p>

<p>Ja, und Theodore Roosevelt hat mal wieder Lust auf Veränderung. Er legt seine Position als Secretary of the Navy nieder und schließt sich einem Kavallerieregiment namens &#8222;Rough riders&#8220; an. Die sind eine wilde Mischung aus reichen Playboys, irgendwelchen Schlägertypen und ehemaligen Cowboys. Er kämpft an den verschiedensten Schauplätzen, wird unter anderem auf Kuba mehrmals beinahe getötet und wird vom Schicksal in die Schlacht von San Juan Hill, eine der wichtigsten Schlachten in dieser Auseinandersetzung, gespült. Es ist diese Schlacht, die ihn endgültig berühmt machen wird. Obwohl ich mich frage, ob der nicht einfach nur versucht hat, sich selbst umzubringen.</p>

<p>Als ihm nämlich die Sache nicht schnell genug vorangeht, springt er auf ein Pferd, schreit seinen Kameraden zu, dass sie ihm folgen sollten und reitet im vollen Galopp auf die gegnerischen Reihen zu. Der Gegner feuert aus allen Rohren auf ihn, verfehlt ihn aber, während er bemerkt, dass ihm bis auf zwei, drei Nasen niemand hinterher geritten ist. Er dreht also um, reitet zurück, schreit seine Kameraden an, sie sollten ihm doch gefälligst folgen, reitet mit dem Pferd dann in Stacheldraht, wodurch er gezwungen wird, abzuspringen und stürmt dann ein zweites Mal zu Fuß, diesmal mit mehreren seiner Mitkämpfer im Schlepptau, denselben Hügel hinauf. Auf dem Hügel angekommen erschießt er gleich auch den ersten gegnerischen Soldaten, ja, und ganz allgemein war diese Überraschungsoffensive dann doch recht erfolgreich. Eine Aktion, die ihm dann später eine medal of honor einbringt.</p>

<p>Es gibt übrigens Berichte, wonach Theodore Roosevelt zu der Zeit Malaria gehabt haben soll, also vielleicht ist er ja im Fieberdelirium da raufgerannt, wer weiß das schon.</p>

<p>Nach dem Spanisch-Amerikanischen <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> arbeitet er weiter an seiner politischen Karriere und wird am 4. März 1901 Vizepräsident der Vereinigten Staaten. Gerade mal 6 Monate später wird ein Attentat auf den Amtsinhaber MCKinley verübt und macht damit Theodore Roosevelt mit gerade mal 42 Jahren zum bis dahin jüngsten Präsidenten. 8 Jahre, also two terms, bleibt er in dieser Position.</p>

<p>Damals war es übrigens noch nicht Gesetz in den USA, dass man sich nur zwei Mal als Präsident aufstellen lassen durfte. Er verzichtet zunächst auf eine dritte Kandidatur und überlässt seinem Konkurrenten William Taft das Feld. 1912 entscheidet er sich aber um. Weil aber seine eigene Partei, die Republikaner, seine Kandidatur diesmal nicht unterstützen, tritt Theodore Roosevelt nicht als Kandidat der Republikaner oder der Demokraten, sondern der Progressiven an.</p>

<p>In den USA haben die Parteien ja Maskottchen. Die Republikaner haben einen Elefanten und die Demokraten haben einen Esel als Maskottchen. Die progressive Partei, für die Theodore Roosevelt antrat, hatten auch ein Maskottchen: Einen Elchbullen. Und da sind wir jetzt bei einem sehr ungewöhnlichen Foto angekommen: Die Aufnahme zeigt Theodore Roosevelt, wie er einen doch beeindrucken großen Elch reitet, während der offensichtlich durch einen Fluss oder See schwimmt. Und das ist ein Bild, das in den USA jedes Kind kennt. Dagegen verblasst doch Putin, der oben ohne auf einem ganz ordinären, eigentlich nicht mal besonders großen Pferd sitzt, oder?</p>

<p>Die Aufnahme wird am 8. September 1912 im New York Tribune veröffentlicht. Zusammen mit zwei anderen Aufnahmen: Das eine Bild zeigt den Kandidaten der Republikaner, William Howard Taft, wie er einen Elefanten reitet, das zweite Bild zeigt den Kandidaten der Demokraten, Woodrow <a "/posts/das-u-boot-von-loch-ness.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="30" title="Das U-Boot von Loch Ness">Wilson</a>, auf einem Esel, und das dritte zeigt Theodore Roosevelt mit dem Moose, also dem Elch. Es war also ein Wahlkampffoto.</p>

<p>Und es war leider auch nicht echt. Auch wenn echte Theodore Roosevelt Fans es immer noch glauben wollen, dass er wirklich auf einem Elch ritt, war es eine Fotomanipulation. Das Fotostudio &#8222;Underwood &amp; Underwood&#8220; nahm dazu ein Bild von Theodore Roosevelt auf einem Pferd und ein Foto eines schwimmenden Elches und kombinierte die geschickt. Wer sich das linke Bein genau ansieht, kann an den Wellen erkennen, dass es eine Manipulation ist.</p>

<p>Es ging turbulent zu damals. Roosevelts Partei sorgte für eine Spaltung der Republikaner. Und es war ein harter Wahlkampf. Die Kandidaten eilen von Redetermin zu Redetermin. Und damals hat man noch wirklich lang und ausführlich gesprochen.</p>

<p>Wir befinden uns jetzt mental bei einer solchen Wahlkampfveranstaltung. Theodore Roosevelt nimmt noch ein Bad in der Menge und soll eine Rede halten. Wir alle kennen doch diese Filme, oder? Wo der Held von einem Bösewicht angegriffen wird. Im letzten Augenblick, alles scheint schon gewonnen zu sein, kommt jemand und schießt ihm in die Brust. Der Held geht zu Boden, alle um ihn rum verzweifeln und gerade, als wir fast schon glauben, dass er vielleicht doch gestorben ist, stellt sich raus, dass die Kugel von einem Zigarettenetui, einer Münze, einer Bibel oder was auch immer zufällig in der Tasche unseres Helden steckte, aufgefangen war. Und wir verdrehen die Augen. Ein Film, der sich sowas leistet, kann das nicht ernst meinen.</p>

<p>Außer es ist eine Doku über Theodore Roosevelts Leben. Denn genau das passiert an diesem schicksalshaften Tag. Theodore Roosevelt hat ein Stahlbrillenetui und eine gefaltete Version seiner Rede, 50 Seiten immerhin, in seiner Brusttasche und beide nehmen genug Wucht aus der Patrone, dass die zwar in seinen Brustkorb eindringt, ihn aber nicht umbringt. Ja, und was uns nicht umbringt, härtet ab, würde ich sagen, und deswegen, richtig, lässt sich Roosevelt auch nicht von seiner Rede abhalten. Mit der Kugel im Brustkorb steigt er aufs Rednerpodium und hält, wie geplant, seine 90-minütige Wahlkampfrede.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;I believe again, that the american people are, as of all, capable of self control and the learning by their mistakes.&#8220;</p>

<p>Und erst danach macht er sich auf den Weg ins Krankenhaus, wo die Ärzte beschließen, die Kugel an ihrem Platz zu lassen. Das ist beeindruckend.</p>

<p>Er gewinnt die Wahl übrigens diesmal nicht. Es wird ein anderer Roosevelt sein, der später dann drei Terms hat, ein Enkel. Ich könnte jetzt hier noch viel, viel länger erzählen, was Roosevelt noch alles erreicht hat. Zum Beispiel, dass er der erste Amerikaner war, der den Friedensnobelpreis bekommen hat. Dass er einer der vier Präsidentenköpfe an Mount Rushmore ist. Dass natürlich der Stoffteddy den Namen ihm zu Ehren trägt.</p>

<p>Aber für den Zweck des Fotomenschen Podcast bleibt einfach mal festzuhalten, dass Theodore Roosevelt nicht nur beeindruckend als Persönlichkeit war, sondern auch der Präsident, der als erster umfassend mit Fotografie spielte. Es gibt von jeder wichtigen Station seines Lebens gute und detaillierte Fotografien. Er selbst fotografierte auch. Und bis heute kennen viele Amerikaner Bilder, die entweder Theodore Roosevelt zeigen oder von ihm gemacht wurden. Und das ist über hundert Jahre später eine reife Leistung.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Fliegende Katzen im Wasserschwall</title>
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            <pubDate>Fri, 08 Jan 2021 16:24:41 GMT</pubDate>
            <description>Philippe Halsman schaffte es 101 mal mit seinen Fotografien auf das Titelblatt des Time Magazines und wurde berühmt durch Portraits springender Prominenter, surreale Fotografien und seine...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Philippe Halsman schaffte es 101 mal mit seinen Fotografien auf das Titelblatt des Time Magazines und wurde berühmt durch Portraits springender Prominenter, surreale Fotografien und seine Kollaboration mit dem Surrealisten Salvador Dali. Philippe Halsman (Wikipedia) Leda Atomica (Wikipedia) In Voluptas Mors Behind the scenes of In Voluptas Mors (Huff. Post) Silence of the lamps and In Voluptas Mors Philippe Halsman’s Jumpology Transkript Ein Eimer Wasser, ein Stuhl, drei Katzen und ein springender Maler sind die Zutaten für eins meiner absoluten Lieblingsbilder. Und ein guter Grund, um über das Werk eines Fotografen zu sprechen, dessen Arbeit sich anschauen sollte, wer wirklich originelle Portraits machen möchte. Philippe Halsman wurde am 2. Mai 1906 als Sohn einer Rektorin und eines Zahnarztes in Riga in Litauen geboren. Wie es sich für eine wohlhabende jüdische Familie gehört, genießt er eine umfassende Ausbildung, zu der mehrere Sprachen, Verständnis für Kunst und Reisen ins europäische Nachbarland gehören. Er hat gute Noten und freie Auswahl, welche Uni er denn nun besuchen möchte und er entscheidet sich für ein Elektroingenieursstudium an der TU Dresden. Als er da 1924 sein Studium aufnimmt, hat er schon solide Kenntnisse in der Fotografie. Er begann 1921, mit der Kamera seines Vaters Freunde und Familie zu fotografieren. Und während er in Dresden studiert, verdient er sich als Fotograf ein kleines Zubrot. Es ist das Jahr 1928, als sein Leben eine dramatische Wendung nimmt: Bei einer gemeinsamen Wanderung in den Alpen kommt sein Vater tragisch ums Leben und Philippe wird dafür vor Gericht gestellt und mit einer Teilschuld zwei Jahre in das Gefängnis gesteckt. Das ist eine Geschichte, in der zum ersten Mal deutlich wird, welchen illustren Bekanntenkreis die Familie Halsman und Philippe Halsman speziell zu der Zeit schon hatte: Das sind Leute wie Albert Einstein und Thomas Mann, die sich für seine Freilassung stark machen und erreichen, dass er 1931 nach Paris zu seiner Familie reisen kann. Paris ist es auch, wo er dann sein erstes, wirklich ernsthaft betriebenes Fotostudio eröffnet, 1932 in Montparnasse. Und es war von Anfang an die Portraitfotografie , die es ihm angetan hatte. Dabei ging es ihm nicht nur darum, Menschen abzulichten, er strebte an, etwas über die Psychologie, über das innerste des Portraitierten darzustellen. Dafür sei es wichtig, schreibt er später, dass das Bild absolut technisch einwandfrei ist. Es muss scharf bis ins Detail sein und so kamen die kleinen Reportagekameras, die damals zunehmend in Mode kamen, nie für ihn infrage. Er fotografierte im Groß- und Mittelformat. Er ging sogar so weit, dass er seine eigene Kamera konzeptionierte und sich eigens anfertigen ließ. Das ist übrigens etwas, das liest man hauptsächlich von den Fotografen des 19. Jahrhunderts, denn damals hat mancher sich eine Kamera selbst gebaut, weil es die nun Mal nicht von der Stange zu kaufen gab. Die Fotografinnen und Fotografen, die das im 20. Jahrhundert noch machen, tun das nicht, weil es grundsätzlich nicht genügend Auswahl am Markt gäbe, sondern, weil sie Anforderungen haben, die mit dieser Auswahl nicht abgedeckt werden können. Philippe Halsman wird über seine Karriere hinweg mehrere Kameras konstruieren und die sind selbstverständlich heute teure Sammlerstücke. Aber zurück zu seinen Fotografien: Er erarbeitet sich schnell den Ruf, einer der besten Portraitfotografen Frankreichs zu sein und Magazine wie die Vogue beauftragen ihn, damit Titelbilder und Fotostrecken zu produzieren. Seine Bilder unterscheiden sich deutlich von dem, was damals fotografisch üblich war. Zum Beispiel war die Mode damals ein leicht weicher Fokus auf dem Bild und das Spiel mit Unschärfe, während Philipe Halsmans Bilder von Vorne bis Hinten detailreich und knackscharf fotografiert waren. Als Hitler seinen Vormarsch in Europa begann, bemühte sich Philippe Halsman um Vis</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Philippe Halsman schaffte es 101 mal mit seinen Fotografien auf das Titelblatt des Time Magazines und wurde berühmt durch Portraits springender Prominenter, surreale Fotografien und seine Kollaboration mit dem Surrealisten Salvador Dali. </p>

<figure><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/8b/Salvador_Dali_A_%28Dali_Atomicus%29_09633u.jpg/1920px-Salvador_Dali_A_%28Dali_Atomicus%29_09633u.jpg" alt="Ein Mann spritzt Wasser in eine Gruppe von Katzen, die im Spritzwasser springen, während verschiedene Stühle und ein Tisch im Hintergrund sichtbar sind."/></figure>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Philippe_Halsman" target="_blank">Philippe Halsman</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Leda_Atomica" target="_blank">Leda Atomica</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.wikiart.org/en/philippe-halsman/voluptas-mors-1951" target="_blank">In Voluptas Mors</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.huffpost.com/entry/dali-in-voluptas-mors_n_4373479?guccounter=1" target="_blank">Behind the scenes of In Voluptas Mors</a> (Huff. Post)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20230730014356/https://verbicidemagazine.com/2013/11/10/silence-of-the-lambs-skull-film-dali-photo/" target="_blank">Silence of the lamps and In Voluptas Mors</a></li><li><a href="https://photofocus.com/inspiration/on-photography-philippe-halsman-jumpology/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Philippe Halsman&#8217;s Jumpology</a></li></ul>

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<p>Transkript</p>

<p>Ein Eimer Wasser, ein Stuhl, drei Katzen und ein springender Maler sind die Zutaten für eins meiner absoluten Lieblingsbilder. Und ein guter Grund, um über das Werk eines Fotografen zu sprechen, dessen Arbeit sich anschauen sollte, wer wirklich originelle Portraits machen möchte.</p>

<p>Philippe Halsman wurde am 2. Mai 1906 als Sohn einer Rektorin und eines Zahnarztes in Riga in Litauen geboren. Wie es sich für eine wohlhabende jüdische Familie gehört, genießt er eine umfassende Ausbildung, zu der mehrere Sprachen, Verständnis für Kunst und Reisen ins europäische Nachbarland gehören. Er hat gute Noten und freie Auswahl, welche Uni er denn nun besuchen möchte und er entscheidet sich für ein Elektroingenieursstudium an der TU Dresden. Als er da 1924 sein Studium aufnimmt, hat er schon solide Kenntnisse in der Fotografie. Er begann 1921, mit der Kamera seines Vaters Freunde und Familie zu fotografieren. Und während er in Dresden studiert, verdient er sich als Fotograf ein kleines Zubrot.</p>

<p>Es ist das Jahr 1928, als sein Leben eine dramatische Wendung nimmt: Bei einer gemeinsamen Wanderung in den Alpen kommt sein Vater tragisch ums Leben und Philippe wird dafür vor Gericht gestellt und mit einer Teilschuld zwei Jahre in das Gefängnis gesteckt. Das ist eine Geschichte, in der zum ersten Mal deutlich wird, welchen illustren Bekanntenkreis die Familie Halsman und Philippe Halsman speziell zu der Zeit schon hatte: Das sind Leute wie <a "/tags/albert-einstein.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="2" title="Einstein">Albert Einstein</a> und Thomas Mann, die sich für seine Freilassung stark machen und erreichen, dass er 1931 nach Paris zu seiner Familie reisen kann.</p>

<p>Paris ist es auch, wo er dann sein erstes, wirklich ernsthaft betriebenes Fotostudio eröffnet, 1932 in Montparnasse. Und es war von Anfang an die <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portraitfotografie</a>, die es ihm angetan hatte. Dabei ging es ihm nicht nur darum, Menschen abzulichten, er strebte an, etwas über die Psychologie, über das innerste des Portraitierten darzustellen. Dafür sei es wichtig, schreibt er später, dass das Bild absolut technisch einwandfrei ist. Es muss scharf bis ins Detail sein und so kamen die kleinen Reportagekameras, die damals zunehmend in Mode kamen, nie für ihn infrage.</p>

<p>Er fotografierte im Groß- und Mittelformat. Er ging sogar so weit, dass er seine eigene Kamera konzeptionierte und sich eigens anfertigen ließ. Das ist übrigens etwas, das liest man hauptsächlich von den Fotografen des 19. Jahrhunderts, denn damals hat mancher sich eine Kamera selbst gebaut, weil es die nun Mal nicht von der Stange zu kaufen gab. Die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen, die das im 20. Jahrhundert noch machen, tun das nicht, weil es grundsätzlich nicht genügend Auswahl am Markt gäbe, sondern, weil sie Anforderungen haben, die mit dieser Auswahl nicht abgedeckt werden können.</p>

<p>Philippe Halsman wird über seine Karriere hinweg mehrere Kameras konstruieren und die sind selbstverständlich heute teure Sammlerstücke.</p>

<p>Aber zurück zu seinen Fotografien: Er erarbeitet sich schnell den Ruf, einer der besten Portraitfotografen Frankreichs zu sein und Magazine wie die Vogue beauftragen ihn, damit Titelbilder und Fotostrecken zu produzieren. Seine Bilder unterscheiden sich deutlich von dem, was damals fotografisch üblich war. Zum Beispiel war die Mode damals ein leicht weicher Fokus auf dem Bild und das Spiel mit Unschärfe, während Philipe Halsmans Bilder von Vorne bis Hinten detailreich und knackscharf fotografiert waren.</p>

<p>Als Hitler seinen Vormarsch in Europa begann, bemühte sich Philippe Halsman um Visa für sich und seine Familie und bekam die zunächst auch für seine Frau und seine Kinder. Als Hitler Frankreich überfiel, stand seins noch aus und so floh er in den Süden von Paris und tauchte zunächst unter. Wieder sind es seine Freunde; Thomas Mann, <a "/tags/albert-einstein.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="2" title="Einstein">Albert Einstein</a> und First Lady Eleanor Roosevelt, die ihm ein Notfallvisum beschaffen und die Ausreise in die USA ermöglichen.</p>

<p>Dort setzt er seine fotografische Arbeit fort, was ihm ultimativ einen Auftrag für das Live Magazine einbringt. Das Live Magazine wird ihn Zeit seines Lebens begleiten. Er wird 1979 als Rekordhalter sterben: 101 Mal Titelblatt des Time Magazines.</p>

<p>Und darunter sind Bilder, die wir vermutlich alle wiedererkennen. Und das liegt unter anderem daran, dass seine Portraits in der Regel überraschen. Da haben die Portraitierten Posen, die wir so noch nie gesehen haben oder Accessoires wurden fotografiert, die wir nicht in einem <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a> erwarten würden, oder Philippe Halsman spielt mit Technik.</p>

<p>Er war ein Meister der Beleuchtung und der Trickfotografie. In einer Zeit, in der es kein <a "/posts/die-geschichte-der-bildmanipulation.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="55" title="Photoshop">Photoshop</a> gab, in der die meisten Tricks in Kamera stattfinden mussten.</p>

<p>Und jetzt zu dem Bild mit den Katzen und dem Wasser und dem Maler. Die Rede ist von einem Bild, das den Titel &#8222;Dalí Atomicus&#8220; trägt und das vielleicht berühmteste <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a> des Malers Salvador Dalí ist.</p>

<p>Dalí und Halsman verbindet zu dem Zeitpunkt, als dieses Foto gemacht wird, schon eine jahrelange Freundschaft. Dalí ist Maler, Halsman ist Fotograf. Dalí interessiert sich nicht fürs Fotografieren und Halsman hat kein Interesse daran, Maler zu sein. Aber beide zusammen werden über Jahre hinweg eine produktive Kollaboration pflegen, die zu mehreren Büchern und herausragenden Fotografien führt.</p>

<p>Die Bildidee stammt aus einem Gemälde von Salvador Dalí, &#8222;Leda Atomica&#8220;. Leda ist die mythologische Königin von Sparta und das Bild zeigt sie mit einem Schwan auf einem Podest, das in der Luft schwebt. Die Gegenstände, die man in der Luft sieht, schweben alle. Und das war die Kernidee, mit der Philippe und Salvador spielten, als sie dann das Gemälde &#8222;Dalí Atomicus&#8220; planten. Wer das Bild nicht kennt: Ich packe eine Kopie davon in die Notizen zur Sendung. Und es ist wirklich wert, sich das kurz anzuschauen.</p>

<p>Ich versuche, es trotzdem mal zu beschreiben: In dem Bild sieht man mehrere schwebende Gegenstände, drei fliegende Katzen, einen frei in der Luft stehenden Schwall Wasser und einen schwebenden Salvador Dalí, der an einer schwebenden Leinwand malt. Das einzige, was sich berührt, sind die Katzen und das Wasser.</p>

<p>Und das Bild entstand in über acht Stunden und in mehr als 26 Aufnahmen. Seine Tochter beschreibt das Ganze so:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;My father took invisible wires and hung the aisle, the little stool and the picture of Leda Atomica&#8217;s and my mother held the chair.&#8220;</p>

<p>Ja, wir befinden uns in einem Studio in New York. Und nicht nur war Dalí und drei Assistenten, sondern die ganze Familie damit beschäftigt, dieses Bild zu erzeugen. Verschiedene Möbelstücke waren mit dünnen Drähten, also &#8222;invisible wire&#8220;, so aufgehangen, dass sie in der Fotografie so aussehen würden, als ob sie frei schwebten. Von der Seite her war ein Stuhl, der ins Bild ragte und dann war die Idee, dass von Links her ein Schwall Wasser durchs Bild geht, während von Rechts drei Katzen ins Bild fliegen und Salvador Dalí musste natürlich springen,</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>&#8222;Philippe would count to four: &#8218;one, two, three&#8216; and the assistants threw the cats and the water and on &#8218;four&#8216; Dalí jumped.&#8220;</p>

<p>Die Assistenten waren für das Werfen der Katzen und das Wasser zuständig. Halsman würde zählen: &#8222;Eins, zwei, drei&#8220;, Wasser und Katzen wurden geworfen und auf &#8222;vier&#8220; sprang Dalí in die Höhe.</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>&#8222;My job at the time was to catch the cats and take to the bathroom and dry them off with a big towel. My father would run upstairs, where the dark room was, developed the film, printed, run downstairs, and he said: not good, bad composition, this was wrong, that was wrong, it took 26 tries to do this.&#8220;</p>

<p>Halsman drückte ab und während seine Assistenten und seine Familie sich damit beschäftigten, die garantiert nicht begeisterten Katzen zu fangen und wieder zu trocknen und den Boden zu reinigen, rannte Philippe schnell in die Dunkelkammer, entwickelte das Bild, betrachtete das Ergebnis und kam zurück, mit weiteren Instruktionen.</p>

<p>Es gibt ein ganz fantastisches Buch, das heißt Magnum Contact Sheets, in dem man die komplette Serie, die von Philippe Halsman für dieses Bild gemacht wurde, abgebildet ist, mit den Notizen. Und da sieht man mal den Stuhl, der leider das Gesicht von Salvador Dalí verdeckt. Oder die Katzen, die den Wasserstrahl verfehlen. Oder der Wasserstrahl, der leider Dalí und nicht die Katzen trifft, und so weiter.</p>

<p>Mindestens 26, vielleicht auch 28 Versuche waren notwendig, bis das finale Bild, das berühmt werden sollte, im Kasten war. &#8222;Dalí Atomicus&#8220;. Die armen Katzen.</p>

<p>Philippe und Salvador Dalí haben nicht nur dieses originelle Portrait von ihm gemacht, sondern es gibt eine ganze Bandbreite von Salvador-Dalí-Portraits aus Philippes Kamera. In einer Fotoreihe, die er &#8222;Dalí&#8217;s Mustache&#8220; nannte und für die er auch einen Bildband herausgab, fotografiert er 36 Mal Portraits von Salvador Dalís Bart. Und jedes sieht ganz grundsätzlich anders aus. Und ja, auch wenn man immer Salvador Dalí sieht, geht es ganz eindeutig um diesen Bart.</p>

<p>Dann gab es auch noch ein Bild, das einen handfesten Skandal auslöste und nicht weniger ikonisch ist. Das Bild ist lateinisch &#8222;Voluptas Mors&#8220; betitelt und das übersetzt sich grob in das Wort &#8222;Todesvergnügen&#8220; oder &#8222;Vergnügen des Todes&#8220;. Und es zeigt einen in Frack und Zylinder posierenden Salvador Dalí im Vordergrund und einen aus nackten Frauen geformten Totenschädel im Hintergrund. Speziell dieser Totenschädel ist so ikonisch, dass er auch diverse Male kopiert wurde oder weitere Verwendung gefunden hat. Zum Beispiel in dem Filmposter vom &#8222;Schweigen der Lämmer&#8220;. Wer sich die Totenkopfmotte dort ansieht, wird feststellen, dass die Designer als Totenkopf genau diese 7 nackten Frauen aus &#8222;Voluptas Mors&#8220; genommen haben.</p>

<p>Philippe Halsman war auf jeden Fall ein origineller Fotograf. Seine Bilder überraschen unter anderem auch deswegen, weil er oft Menschen fotografierte, die schon viele tausende Male fotografiert worden waren. Er tourt während seiner Karriere um die Welt und fotografiert das Who&#8217;s who der damaligen Gesellschaft. Es gibt berühmte Portraits von <a "/tags/albert-einstein.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="2" title="Einstein">Albert Einstein</a>, von Thomas Mann, von Churchill, der Windsource und die meisten seiner Aufnahmen haben das gewisse Etwas.</p>

<p>In seinen Portraitsitzungen hatte er außerdem ein kleines Ritual: Wenn die Arbeit nämlich getan war, bat er seine Models, kurz nochmal für ihn in die Luft zu springen. Halsmans &#8222;jumping portraits&#8220; begründen nicht nur einen Trend, der sich bis heute fortsetzt, sie sind auch eine Bildreihe, die immer noch sehenswert ist. Oder wer hat schonmal den Duke und die Duchess von Windsor in die Höhe springen sehen? Und auch ein weiteres ikonisches Portrait stammt aus dieser Reihe, nämlich Marylin Monroe, die mit Enthusiasmus und Begeisterung im vollen Schwung in die Höhe springt.</p>

<p>Diese Portraits sind faszinierend und ja, sie sind anders. Und Philippe Halsman erklärt das so, dass man beim Springen nicht mehr daran denken kann, wie man für die Kamera aussehen möchte. Man ist mit Springen beschäftigt. Und da kommt dann eben ein kleines Stück vom wahren Selbst zum Vorschein, das man in dem Augenblick fotografieren kann. So behauptet Philippe. Und wir? Wir glauben ihm das jetzt einfach so.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Silhouetten und Scherenschnitte</title>
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            <pubDate>Fri, 01 Jan 2021 16:55:28 GMT</pubDate>
            <description>Kurz bevor wir Menschen fotografisch festhalten konnten kamen massentaugliche Portraittechniken auf die als Vorläufer gelten können.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Kurz bevor wir Menschen fotografisch festhalten konnten kamen massentaugliche Portraittechniken auf die als Vorläufer gelten können. Eine davon ist die nach einem französischen Beamten benannte Silhouette. Étienne de Silhouette (Wikipedia) Schattenriss (Wikipedia) Physionotrace (Wikipedia) Martha Ann Honeywell (Wikipedia) “Done Without Hands”: Meet Martha Ann Honeywell, the Silhouette Artist Who Captivated 19th-Century America Podcast zu Martha Ann Honeywell Transkript Ein französischer Adeliger, eine Künstlerin ohne Arme und eine Fototechnik, mit der wir alle aufgewachsen sind, für die es inzwischen eigene Apps gibt. Das ist der Bogen, den ich heute spannen möchte. Wenn ich als Teenager die Kamera von meiner Familie in die Hand gedrückt bekommen habe, gab es meistens eine ganze Reihe guter Ratschläge, die da mitkamen. Füße nicht abschneiden, das Motiv nach Möglichkeit nicht genau in der Mitte platzieren und, ganz besonders wichtig, nie gegen die Sonne fotografieren. Wenn man nämlich gegen die Sonne fotografiert, riskiert man, dass die hellen Teile sehr sehr hell und die dunklen Teile sehr sehr dunkel sind. Man hat also unter Umständen anstatt das Gesicht eines Familienmitglieds nur noch eine Silhouette auf dem Bild. Und dieser Effekt war erstmal nicht intuitiv. Wenn wir durch die Welt laufen und uns umschauen sehen wir ja keine Silhouetten, zumindest nicht bewusst, sondern unsere Augen justieren sich je nach Lichtsituation und worauf wir schauen passend, sodass wir eigentlich immer Details wahrnehmen. Die Silhouetten in den Fotos waren also ein Zeichen der Überforderung unserer Filme mit der Lichtsituation. Der Film konnte schlicht den Unterschied zwischen den hellsten und den dunkelsten Teilen des Bildes nicht korrekt abbilden. Wir als Fotografinnen und Fotografen mussten uns durch die Einstellungen an er Kamera, die Wahl des richtigen Films und die Richtung, in die wir fotografierten, entscheiden, ob wir den Effekt nun haben wollten oder nicht. Ja, für Familienschnappschüsse wollte man den Effekt im Allgemeinen nicht haben und eigentlich wussten wir auch alle nicht, was wir hätten tun müssen, um den Effekt absichtlich zu vermeiden, also hat man einfach nicht in die Sonne, sondern mit der Sonne im Rücken fotografiert und gut war. Ja, und was damals total ungewollt war, versuchte ich dann Jahre später mühsam zu lernen. Ich lief mit einer modernen digitalen Kamera durch die Stadt und versuchte, Passanten gegen das Sonnenlicht zu fotografieren. Ich wollte harte Schatten und ich wollte Silhouetten und ich verfluchte meine Kamera, deren Automatik entweder die korrekte Belichtung für mein Fotoobjekt einstellte oder einfach manchmal zu gut war. Da waren dann die dunklen Stellen immer noch nicht ganz dunkel. Ich hatte also nicht genug unterbelichtet. Irgendwann hatte ich das Prinzip aber verstanden und wusste, wie ich Silhouetten erzeuge. Das ist was, das mach ich bis heute gern. Als jemand, der gerne auf der Straße und in Deutschland fotografiert, empfiehlt es sich sowieso meistens, dass Menschen auf Fotos nicht erkannt werden können, Silhouetten sind da ein sehr praktikables Mittel und sie sehen gut aus. Silhouetten kann man nicht nur fotografisch erzeugen. Das deutsche Synonym für Silhouette ist nicht umsonst Scherenschnitt. Hier in Frankfurt kann man manchmal in der Zeil, also unserer lokalen Einkaufspassage mobile Künstler sehen, die mit einer Schere und Papier durch die Straßen laufen und Passanten für wenig Geld einen Scherenschnitt ihres Profils anbieten. Und das Ergebnis fasziniert hauptsächlich deswegen, weil wir sofort denselben Effekt erkennen, den wir von Fotos gewohnt sind. Diese Profile sehen erstaunlich akkurat aus. Die Technik selbst kommt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Rund um 1750 entstand sie als eine günstige Alternative zur Portraitmalerei. Zu der Zeit gab es große gesellschaftliche Umbrüche. Diese total irre Idee, dass jeder</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Kurz bevor wir Menschen fotografisch festhalten konnten kamen massentaugliche Portraittechniken auf die als Vorläufer gelten können. Eine davon ist die nach einem französischen Beamten benannte Silhouette.</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%89tienne_de_Silhouette" target="_blank">Étienne de Silhouette</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schattenriss" target="_blank">Schattenriss </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Physionotrace" target="_blank">Physionotrace </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Martha_Ann_Honeywell" target="_blank">Martha Ann Honeywell</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="http://behindthescenes.nyhistory.org/done-without-hands-meet-martha-ann-honeywell-silhouette-artist-captivated-19th-century-america/" target="_blank">“Done Without Hands”: Meet Martha Ann Honeywell, the Silhouette Artist Who Captivated 19th-Century America</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://dishist.org/wp-content/uploads/2018/12/Edited-Conversation-with-Laurel3.mp3" target="_blank">Podcast zu Martha Ann Honeywell</a></li></ul>

<div class="yt-facade" data-yt="juLiMYU5v7I" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_juLiMYU5v7I.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<p>Transkript</p>

<p>Ein französischer Adeliger, eine Künstlerin ohne Arme und eine Fototechnik, mit der wir alle aufgewachsen sind, für die es inzwischen eigene Apps gibt. Das ist der Bogen, den ich heute spannen möchte.</p>

<p>Wenn ich als Teenager die Kamera von meiner Familie in die Hand gedrückt bekommen habe, gab es meistens eine ganze Reihe guter Ratschläge, die da mitkamen. Füße nicht abschneiden, das Motiv nach Möglichkeit nicht genau in der Mitte platzieren und, ganz besonders wichtig, nie gegen die Sonne fotografieren. Wenn man nämlich gegen die Sonne fotografiert, riskiert man, dass die hellen Teile sehr sehr hell und die dunklen Teile sehr sehr dunkel sind. Man hat also unter Umständen anstatt das Gesicht eines Familienmitglieds nur noch eine Silhouette auf dem Bild.</p>

<p>Und dieser Effekt war erstmal nicht intuitiv. Wenn wir durch die Welt laufen und uns umschauen sehen wir ja keine Silhouetten, zumindest nicht bewusst, sondern unsere Augen justieren sich je nach Lichtsituation und worauf wir schauen passend, sodass wir eigentlich immer Details wahrnehmen. Die Silhouetten in den Fotos waren also ein Zeichen der Überforderung unserer Filme mit der Lichtsituation. Der Film konnte schlicht den Unterschied zwischen den hellsten und den dunkelsten Teilen des Bildes nicht korrekt abbilden. Wir als <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen mussten uns durch die Einstellungen an er Kamera, die Wahl des richtigen Films und die Richtung, in die wir fotografierten, entscheiden, ob wir den Effekt nun haben wollten oder nicht. Ja, für Familienschnappschüsse wollte man den Effekt im Allgemeinen nicht haben und eigentlich wussten wir auch alle nicht, was wir hätten tun müssen, um den Effekt absichtlich zu vermeiden, also hat man einfach nicht in die Sonne, sondern mit der Sonne im Rücken fotografiert und gut war.</p>

<p>Ja, und was damals total ungewollt war, versuchte ich dann Jahre später mühsam zu lernen. Ich lief mit einer modernen digitalen Kamera durch die Stadt und versuchte, Passanten gegen das Sonnenlicht zu fotografieren. Ich wollte harte Schatten und ich wollte Silhouetten und ich verfluchte meine Kamera, deren Automatik entweder die korrekte Belichtung für mein Fotoobjekt einstellte oder einfach manchmal zu gut war. Da waren dann die dunklen Stellen immer noch nicht ganz dunkel. Ich hatte also nicht genug unterbelichtet.</p>

<p>Irgendwann hatte ich das Prinzip aber verstanden und wusste, wie ich Silhouetten erzeuge. Das ist was, das mach ich bis heute gern. Als jemand, der gerne auf der Straße und in Deutschland fotografiert, empfiehlt es sich sowieso meistens, dass Menschen auf Fotos nicht erkannt werden können, Silhouetten sind da ein sehr praktikables Mittel und sie sehen gut aus.</p>

<p>Silhouetten kann man nicht nur fotografisch erzeugen. Das deutsche Synonym für Silhouette ist nicht umsonst Scherenschnitt. Hier in Frankfurt kann man manchmal in der Zeil, also unserer lokalen Einkaufspassage mobile Künstler sehen, die mit einer Schere und Papier durch die Straßen laufen und Passanten für wenig Geld einen Scherenschnitt ihres Profils anbieten. Und das Ergebnis fasziniert hauptsächlich deswegen, weil wir sofort denselben Effekt erkennen, den wir von Fotos gewohnt sind. Diese Profile sehen erstaunlich akkurat aus.</p>

<p>Die Technik selbst kommt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Rund um 1750 entstand sie als eine günstige Alternative zur Portraitmalerei. Zu der Zeit gab es große gesellschaftliche Umbrüche. Diese total irre Idee, dass jeder Mensch ein Recht darauf hätte, sein persönliches Glück zu suchen, selbst dann, wenn man nicht einem privilegierten Stand angehört, die war gerade neu in der Welt und es formte sich eine Art Mittelstand, also eine Schicht der Bevölkerung, die sich nach und nach Wohlstand erarbeitete und auch eine gewisse Stellung anmaßte, aber keine Adeligen waren.</p>

<p>Und ganz, wie wir heute versuchen, den schönen und reichen nachzueifern, eiferte man damals den Adeligen nach. Und was machten Adelige unter anderem? Sie ließen Bilder von sich malen. Denn wer so richtig wichtig ist, muss natürlich auch dokumentiert werden.</p>

<p>Der Spaß war aber ganz schön teuer und deswegen sprießten allerlei Alternativen zur Portraitgemäldemalerei aus dem Boden. Je genauer die Person auf dem Bild zu erkennen war, desto besser und je weniger Aufwand in so einem Bild steckte, desto billiger. Und so kamen Schattenmalereien auf.</p>

<p>Es wurden sogar eigene Gerätschaften konstruiert. Man setzte sich in eine Art Stuhl mit einer Trennwand zwischen sich und dem Künstler und einer Lichtquelle auf der anderen Seite. So wurde es möglich, innerhalb von wenigen Minuten einen Schattenriss abzuzeichnen. Wem selbst dafür die Mittel fehlten, der griff dann auf die genauso in der Zeit aufkommenden Scherenschneider zurück.</p>

<p>Frankreich ist damals die Hochburg dieser Technik. Im ganzen Land sind Portraitkünstler unterwegs, die mit der Technik des Schattenrisszeichnens oder dem Scherenschnitt Portraits anfertigen. Aber es gibt auch viele, die die Technik als Hobby für sich entdeckt haben. Und da kommen wir jetzt bei dem Franzosen Étienne de Silhouette an.</p>

<p>Er war ein sehr gebildeter Mann, der in privilegierte Verhältnisse geboren war. Relativ früh bereist er Europa, besonders Großbritannien und studiert die dortige Wirtschaft und das britische Finanzsystem. Und er übersetzt staatsphilosophische Schriften aus dem Englischen und dem Spanischen, immer besonders auch mit Fokus auf deren Finanzsysteme. Dadurch wird er relativ früh zu einem parlamentarischen Berater und der Herzog von Orleans ernennt ihn zu seinem Sekretär.</p>

<p>Von da aus geht die Karriere steil weiter: Die Finanzangelegenheiten der französisch-britischen Kooperation in Kanada oder rund um die Kolonie am Mississippi führen schließlich dazu, dass er am 4. März 1759 auf Empfehlung des Marquise de Pompadour unter König Ludwig den XV. zu einer Art Finanzminister ernannt wird. Und das ist kein leichter Job, denn Frankreich hat gerade den Siebenjährigen <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> hinter sich und die Finanzen sind, naja, prekär.</p>

<p>Étienne muss also Geld einsparen und er setzt den Rotstift an und führt Steuern ein. Stellt sich raus: Adelige von der Zeit waren von der Steuer befreit, die Kirche übrigens auch, Beamte bekamen üppige Pensionen und es gab noch die ein oder andere Gold- und Silberreserve. Er strich also die Steuerprivilegien, kürzte die Bezüge der Beamten und fing an, die Reserven einzuschmelzen. Man kann sich vorstellen, wie viele Freunde er sich damit gemacht haben muss.</p>

<p>Er wurde also ausführlich kritisiert, gerne auch in Form von Karikaturen. Und weil man von ihm wusste, dass er als Hobby Scherenschnitte hatte und Scherenschnitte als eine Art billiger Abklatsch professioneller Portraits galten, wurde er auch gerne mal als Scherenschnitt dargestellt. Und es dauerte gar nicht lange und die Phrase à la Silhouette wurde als Synonym für Billigware ein geflügeltes Wort.</p>

<p>Wie umstritten und verhasst der Mann war, zeigt sich auch in der Geschwindigkeit, in der er sein Amt wieder los war. Gerade mal 8 Monate später warf man ihn wieder aus seinem Amt. Étienne de Silhouette zog sich auf das Schloss seiner Familie zurück und widmete sich seinen Schriften. Er verschwand aus der Geschichte und starb 8 Jahre später. Sein Name blieb trotzdem ein geflügeltes Wort. Jetzt, weil er ja eine Schattenexistenz führte.</p>

<p>Über die Jahre schliff sich dann der Bezug zur Person ab und nach und nach nannte man Scherenschnitte einfach nur noch Silhouetten.</p>

<p>Die Methode wurde auch weiter perfektioniert: Mithilfe der vorhin schon erwähnten spezialisierten Apparaturen wurden Silhouetten fast schon halbautomatisch gefertigt. In Minutenschnelle war da ein Umriss gezeichnet. Und wer etwas mehr Geduld mitbrachte, konnte diesen Umriss auch noch weiter ausschmücken lassen. Bis in die 1850er Jahre die <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> schnell genug geworden war, um Portraits zu erlauben, war die Silhouette die schnellste Form, ein präzises Bild einer Person zu fertigen.</p>

<p>Beides wurde damals auf sehr ähnliche Art und Weise angeboten, sowohl in Europa als auch in Nordamerika reisen Fotografen und Silhouettenkünstler durch die Lande. Sie zogen schlicht von Stadt zu Stadt, schlugen dort immer für eine begrenzte Zeit ihr Lager auf, bewarben ihre Dienstleistungen dann in den lokalen Nachrichten und Anschlagstafeln und zogen weiter, sobald die Nachfrage zurückging.</p>

<p>Eine der berühmtesten Silhouettekünstlerinnen ist Martha Ann Honeywell. Fast 60 Jahre lang reist sie kreuz und quer durch die USA und kommt bis nach Europa. Regelmäßig wird über sie in Zeitungen berichtet. Ihre Auftritte kosten Eintritt und sind trotzdem immer ausverkauft. Das liegt allerdings nicht nur an ihrer zweifellos atemberaubenden Kunstfertigkeit, sondern in erster Linie wahrscheinlich an ihrem Aussehen. Martha Ann Honeywell ist nämlich schwerbehindert auf die Welt gekommen. Ihr fehlen beide Hände und Unterarme und sie hat nur einen Fuß mit drei Zehen.</p>

<p>Ihre Geschichte beginnt in entweder New Hampshire oder New York, so genau weiß man das nicht mehr, als ihre Eltern bemerken, dass die Nachbarschaft zum Teil nur deswegen in ihren Laden zum Einkaufen kommen, um ihre Tochter zu sehen. Daraus konnte sich, so die Überlegung, eine Möglichkeit ergeben, wie ihre ansonsten doch sehr abhängige Tochter später, nach ihrem Tod, einen Lebensunterhalt verdienen könnte.</p>

<p>Und so wird berichtet, dass Martha im Alter von 12/13 Jahren zum ersten Mal vor Publikum Kunsthandwerk durchführt. Zu dem Repertoire gehören Zeichnungen, Stickereien und eben Scherenschnittarbeiten. Die Kalkulation ihrer Eltern geht auf. Die Leute rennen Martha die Bude ein, um ihre Scherenschnitte und Stickereien kaufen und, vor allen Dingen, deren Entstehung beobachten zu dürfen. Und als sie auf Tour geht, taucht fast immer auch Presse auf, sie ist immer auch ein Medienereignis.</p>

<p>Wenige Sekunden, so wird berichtet, braucht Martha, um eine akkurate Silhouette auszuschneiden. Und einer ihrer Hauptacts ist eine Art symmetrisches cutout, in dessen Mitte sie das Vater Unser schreibt.</p>

<p>Über ihre 60 Jahre dauernde Karriere hinweg muss sie tausende solcher 1Silhouetten und Dekostücke gemacht haben. Darum vermutet man auch, dass mehrere hundert davon eigentlich noch erhalten sein müssten. Aber wirklich dokumentiert sind zurzeit gerade mal ein paar dutzend. Denen sieht man aber eine atemberaubende Kunstfertigkeit an. Eine Kunstfertigkeit, die schon beeindruckend wäre, wenn man sie mit Händen an den Tag legt. Wenn man aber weiß, dass mit Mund geschnitten und mit einzelnen Zehen balanciert wurde, kann man nur noch staunen.</p>

<p>Die Geschichte von Étienne de Silhouette oder Martha Ann Honeywell sind eine Art Vorgeplänkel. Menschen haben sich schon immer selbst dargestellt, aber es ist ihre Zeit, in denen das ein Massenphänomen wird. Jede und jeder, die sich es leisten können, wollen ihre Silhouetten ausgeschnitten, ihre Portraits gezeichnet oder gemalt haben. Und als die Fotografie so richtig abhebt werden Gemälde und Silhouetten die Vorlagen, an denen sich Portraitfotografen orientieren.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Weihnachtsfrieden im 1. Weltkrieg</title>
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            <pubDate>Fri, 25 Dec 2020 15:02:47 GMT</pubDate>
            <description>Der spontane Weihnachtsfrieden an der Westfront des 1. Weltkriegs ist eine (leider) einmalige und ikonische Begebenheit aus dem 1.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Der spontane Weihnachtsfrieden an der Westfront des 1. Weltkriegs ist eine (leider) einmalige und ikonische Begebenheit aus dem 1. Weltkrieg die wir dank der aufkommenden Kompaktkameras überliefert bekommen haben… Weihnachtsfrieden (Wikipedia) Leben und Leben lassen (Wikipedia) Erster Weltkrieg (Wikipedia) The Story of the WWI Christmas Truce (Smithonian Mag) Der Weihnachtsfrieden von 1914 (DW) Das Weihnachtswunder von 1914 (Deutschlandfunk) Musik: Silent Night (Holy Night) by Alexander Nakarada | https://www.serpentsoundstudios.com Music promoted by https://www.free-stock-music.com Attribution 4.0 International (CC BY 4.0) https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ Transkript Es ist Weihnachten. Und auch die heutige Folge wird von Weihnachten handeln. Von einem Ereignis nämlich, von dem wir durch ein Foto und einen Brief wissen und das man als einzigartig bezeichnen kann. Wir haben alle davon in der Schule gelernt. Es ist der 28. Juli 1914, als ein folgenschweres Ereignis die Weltgeschichte veränderte. Das Attentat von Sarajewo, bei dem der österreich-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau ums leben kommen, löst einen Monat später die Kriegserklärung Österreich-Ungarns gegen Serbien aus und ist damit der Beginn des Ersten Weltkriegs. Was als Regionalkonflikt beginnt, wird sehr schnell ein kontinentaler und schließlich ein Weltkrieg mit Russland, Frankreich, Großbritannien, Deutschland als Kriegsparteien. Aber besonders am Anfang scheint das Ganze relativ schnell voranzuschreiten. Noch im August verspricht Kaiser Wilhelm der II. seinen Soldaten, dass sie schon im Herbst wieder daheim sein würden. Die marschieren zügig voran, bis sie dann in Belgien von britischen Soldaten gestoppt werden. Es werden Gräben ausgehoben und der Stellungskrieg, von dem wir alle in der Schule gelernt haben, beginnt. Es ist die Westfront, an der erbittert gekämpft wird. Und die Gräben, in denen die Soldaten sich aufhalten, haben noch nicht den „Standard“ (in Anführungsstrichen), den wir dann später im Ersten Weltkrieg sehen werden. Noch rechnet niemand damit, lange aufgehalten zu werden. Der November zieht vorbei, es wird Dezember. Es wird nass in Flandern. Und die Situation für die Soldaten wird sehr schnell sehr unangenehm. Im Prinzip schläft man in Schlammlöchern, die ständig nachgegraben werden müssen. Das Grundwasser liegt in der Region sehr nah an der Oberfläche, das bedeutet, die Gräben sind zum Teil knietief mit Wasser gefüllt. Auf beiden Seiten. Die Deutschen und die Briten sind sich zum Teil nur wenige Meter gegenüber. Und an den Gräben zu arbeiten bedeutet eigentlich immer, sich dem gegnerischen Feuer auszusetzen. Weil man aber auf beiden Seiten weiß, wie aussichtslos die Lage tatsächlich ist, lässt man sich hin und wieder „gewähren“. Leben und leben lassen. Wenn zum Beispiel mittags Feuer gemacht wird, um Essen zu garen, wird nicht mit Granatenbeschuss auf die Rauchsäulen reagiert, sondern die Soldaten erlauben sich gegenseitig eine kurze Verschnaufpause. Wenn man Gräben nachbessern muss, kann man irgendwann tatsächlich sogar den Kopf über den Graben heben, ohne Angst haben zu müssen, von der gegnerischen Seite erschossen zu werden. Ja, und es ist Dezember, es wird also irgendwann Weihnachten. Von Zuhause werden Päckchen an die Front geschickt: kleine Geschenke, um das Leben in den Gräben erträglicher zu machen. Es wird Heiligabend und was wäre Heiligabend ohne einen Christbaum? [Einspieler] „Soon after dusk on the 24th, the germans put up lanterns on the top of their trenches and started singing. Firing seized on both sides and both, german and english, ventured out on top of their trenches. Am nächsten Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, trafen sich kleine Gruppen von beiden Seiten im Niemandsland zwischen den feindlichen Linien.“ Das sind die Worte des Soldaten Grigg. Er und ein Kamerad namens Turner hatten von dem spontanen Waffen</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Der spontane Weihnachtsfrieden an der Westfront des 1. Weltkriegs ist eine (leider) einmalige und ikonische Begebenheit aus dem 1. Weltkrieg die wir dank der aufkommenden Kompaktkameras überliefert bekommen haben&#8230; </p>

<figure><img loading="lazy" decoding="async" width="470" height="251" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/20111223095103Andrew-and-Grigg-new-years-truce-world-war-i-1.jpg" alt="Eine Gruppe von Männern in dunkler Kleidung posiert zusammen für ein Porträtfoto."/></figure>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsfrieden_(Erster_Weltkrieg)" target="_blank">Weihnachtsfrieden </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Leben_und_leben_lassen_(Erster_Weltkrieg)" target="_blank">Leben und Leben lassen</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg" target="_blank">Erster Weltkrieg</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250612192000/https://www.smithsonianmag.com/history/the-story-of-the-wwi-christmas-truce-11972213/" target="_blank">The Story of the WWI Christmas Truce</a> (Smithonian Mag)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.dw.com/de/der-weihnachtsfrieden-von-1914/a-17307989" target="_blank">Der Weihnachtsfrieden von 1914</a> (DW)</li><li><a href="https://www.deutschlandfunk.de/erster-weltkrieg-das-weihnachtswunder-von-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Weihnachtswunder von 1914</a> (Deutschlandfunk)</li></ul>

<div class="yt-facade" data-yt="VdGxPq7eN1I" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_VdGxPq7eN1I.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<p class="has-small-font-size">Musik: <br><em>Silent Night (Holy Night) by Alexander Nakarada |<a href=" https://www.serpentsoundstudios.com"> https://www.serpentsoundstudios.com</a><br>Music promoted by <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.free-stock-music.com" target="_blank">https://www.free-stock-music.com</a><br>Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)<br><a rel="noreferrer noopener" href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/" target="_blank">https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</a></em></p>

<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>Es ist Weihnachten. Und auch die heutige Folge wird von Weihnachten handeln. Von einem Ereignis nämlich, von dem wir durch ein Foto und einen Brief wissen und das man als einzigartig bezeichnen kann.</p>

<p>Wir haben alle davon in der Schule gelernt. Es ist der 28. Juli 1914, als ein folgenschweres Ereignis die Weltgeschichte veränderte. Das Attentat von Sarajewo, bei dem der österreich-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau ums leben kommen, löst einen Monat später die Kriegserklärung Österreich-Ungarns gegen Serbien aus und ist damit der Beginn des Ersten Weltkriegs.</p>

<p>Was als Regionalkonflikt beginnt, wird sehr schnell ein kontinentaler und schließlich ein Weltkrieg mit Russland, Frankreich, Großbritannien, Deutschland als Kriegsparteien. Aber besonders am Anfang scheint das Ganze relativ schnell voranzuschreiten. Noch im August verspricht Kaiser Wilhelm der II. seinen Soldaten, dass sie schon im Herbst wieder daheim sein würden. Die marschieren zügig voran, bis sie dann in Belgien von britischen Soldaten gestoppt werden. Es werden Gräben ausgehoben und der Stellungskrieg, von dem wir alle in der Schule gelernt haben, beginnt.</p>

<p>Es ist die Westfront, an der erbittert gekämpft wird. Und die Gräben, in denen die Soldaten sich aufhalten, haben noch nicht den &#8222;Standard&#8220; (in Anführungsstrichen), den wir dann später im Ersten Weltkrieg sehen werden. Noch rechnet niemand damit, lange aufgehalten zu werden. Der November zieht vorbei, es wird Dezember. Es wird nass in Flandern. Und die Situation für die Soldaten wird sehr schnell sehr unangenehm. Im Prinzip schläft man in Schlammlöchern, die ständig nachgegraben werden müssen. Das Grundwasser liegt in der Region sehr nah an der Oberfläche, das bedeutet, die Gräben sind zum Teil knietief mit Wasser gefüllt. Auf beiden Seiten.</p>

<p>Die Deutschen und die Briten sind sich zum Teil nur wenige Meter gegenüber. Und an den Gräben zu arbeiten bedeutet eigentlich immer, sich dem gegnerischen Feuer auszusetzen. Weil man aber auf beiden Seiten weiß, wie aussichtslos die Lage tatsächlich ist, lässt man sich hin und wieder &#8222;gewähren&#8220;. Leben und leben lassen. Wenn zum Beispiel mittags Feuer gemacht wird, um Essen zu garen, wird nicht mit Granatenbeschuss auf die Rauchsäulen reagiert, sondern die Soldaten erlauben sich gegenseitig eine kurze Verschnaufpause. Wenn man Gräben nachbessern muss, kann man irgendwann tatsächlich sogar den Kopf über den Graben heben, ohne Angst haben zu müssen, von der gegnerischen Seite erschossen zu werden.</p>

<p>Ja, und es ist Dezember, es wird also irgendwann Weihnachten. Von Zuhause werden Päckchen an die Front geschickt: kleine Geschenke, um das Leben in den Gräben erträglicher zu machen. Es wird Heiligabend und was wäre Heiligabend ohne einen Christbaum?</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;Soon after dusk on the 24th, the germans put up lanterns on the top of their trenches and started singing. Firing seized on both sides and both, german and english, ventured out on top of their trenches. Am nächsten Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, trafen sich kleine Gruppen von beiden Seiten im Niemandsland zwischen den feindlichen Linien.&#8220;</p>

<p>Das sind die Worte des Soldaten Grigg. Er und ein Kamerad namens Turner hatten von dem spontanen Waffenstillstand gehört und waren den Deutschen entgegengegangen. Turner hatte eine Kamera dabei und machte ein paar Schnappschüsse. Und einer davon lag dem Brief bei. 9 Männer schauen ernst in die Kamera. Einer davon mit Pickelhaube und einer Zigarette im Mund. Und dieser eine Mann mit Pickelhaube, dessen Identität unklar ist, ist, was dieses Bild so ikonisch macht, denn durch die Pickelhaube wird klar: Das ist ein deutscher Soldat, die anderen sind Briten. Keiner der Männer lächelt. Keiner berührt den anderen. Aber sie stehen relativ nah beieinander.</p>

<p>Das sind Männer, die noch wenige Stunden vorher erbittert aufeinander geschossen haben und jetzt spontan ihre Waffen niedergelegt haben. In gebrochenem Deutsch und gebrochenem Englisch unterhalten sie sich über ihre Bräuche. Sie singen zusammen, sie tauschen kleine Geschenke aus und sie essen gemeinsam.</p>

<p>Solche spontanen Waffenruhen gibt es verschiedene an der gesamten Front. Nicht die ganze Front versinkt in Waffenruhe, es gibt immer wieder Stellen, an denen weitergekämpft wird. Aber es gibt mehrere spontane Waffenruhen, von denen wir wissen. Es gibt mindestens ein Fußballspiel, das spontan am 26. zwischen britischen und deutschen Soldaten stattfindet. Wer jetzt nun gewonnen hat, ist nicht überliefert und wahrscheinlich auch nicht wichtig. Es werden Knöpfe und Mützen ausgetauscht, als Souvenirs, als Andenken, als Tauschwährung.</p>

<p>Und das Ganze ist so bemerkenswert, dass es zu einer weltweiten Sensation wird. Speziell die britische Presse berichtet ausführlich darüber. Und ich finde, es zeigt auch, wie idiotisch Kriege sind.</p>

<p>Den Befehlshabern bleiben diese Ereignisse freilich nicht verborgen. Zwar lässt man die Soldaten über die Weihnachtsfeiertage gewähren, trifft dann aber trotzdem Maßnahmen, um zukünftige spontane Waffenruhen zu verhindern und tauscht die jeweiligen Befehlshaber auf beiden Seiten aus.</p>

<p>Heute wissen wir, wie erbittert und jahrelang dieser <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> weiter toben wird. Mit seinen knapp 25 Millionen toten spottet dieser Konflikt jeder Beschreibung und im Grunde kennt der Erste Weltkrieg am Ende nur Verlierer.</p>

<p>Aber diese Geschichte vom spontanen Weihnachtsfrieden und die Bilder, die von diesem Ereignis erhalten geblieben sind, sind absolut bemerkenswert. Und bleiben leider auch einzigartig. Derartiges hat sich, soweit wir das wissen, später dann nicht mehr wiederholt.</p>

<p>Seit Kameras klein genug sind, sind sie überall, wo Menschen sind. Deswegen zeichnen Kameras auch die schönsten, aber eben auch die grausamsten Momente unserer Geschichte auf. Von der Geschichte heute wissen wir nur, weil Soldaten heim geschrieben und Bilder mitgeschickt haben. Und diese Bilder zeigen, wie kompliziert wir Menschen manchmal sind. Da verbrüdern sich Todfeinde für wenige Stunden und nutzen die Gelegenheit, ein gemeinsames Erinnerungsfoto zu schießen. Menschheit in a Nutshell.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Fotograf:innen wider Willen</title>
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            <pubDate>Sat, 19 Dec 2020 16:25:16 GMT</pubDate>
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            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Posthum entdeckte Fotograf:innen scheinen ein Ding zu sein… wie lange noch? ‘Russian Vivian Maier’ Becomes a Star 20 Years After Her Death Masha Ivashintsova Photography Masha Ivashintsova (Wikipedia) Masha Ivashintsova auf Instagram Leningrad’s Lost Photographer Interview: Woman Discovers Over 30,000 Secret Photos Left Behind by Her Mother Jack Sharp Jack Sharp auf Instagram Reddit Community r/forgottenfilm Kodak Brownie Camera (Wikipedia) Leica Camera AG (Wikipedia) Vivian Maier (Wikipedia) Vivian Maier offizielle Webseite Vivian Maier auf Instagram Transkript Für die heutige Episode habe ich mich mit Fotografinnen und Fotografen beschäftigt, deren Arbeit erst nach ihrem Tod bekannt geworden ist. Und die wahrscheinlich zu ihren Lebzeiten nicht zugestimmt hätten, wenn man ihre Arbeiten verbreitet hätte. Das waren keine Künstlertypen. Sie entwickelten nicht selber und hätten selbst ihrem Hobby kaum Bedeutung beigemessen. Heute würden sie wahrscheinlich mit einem IPhone fotografieren und ein Album mit Bildern füllen, das sie vielleicht mit ein paar Freunden teilen. Das war es aber dann schon. Meine Großelterngeneration ist vermutlich die erste Generation, für die es normal war, mit Babyalltagsfotos aufzuwachsen. Es sind Kameras wie die Kodak Brownie, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf den Markt kommen, die so einfach zu bedienen sind, dass man nichts von Fotografie verstehen muss, um Fotos damit zu machen. Und es mangelte ja nie an der Fotobegeisterung. Schon bei der Vorstellung der Daguerreotypie waren Tags danach dutzende von begeisterten Wissenschaftlern damit beschäftigt, ihre eigenen Daguerreotypien aus ihren eigenen Dachfenstern zu schießen. Die Idee, Bilder festhalten zu können, war von Anfang an magisch, aber nicht jedermann und jederfrau hatte Lust (oder die Fähigkeiten), sich eigene Kameras zu bauen, eigene Linsen zu besorgen oder die Chemie zu meistern, die notwendig war, um zum Beispiel im Kollodium-Nassplattenverfahren zu fotografieren. Und deswegen war die Fotografie am Anfang oder in den ersten Jahrzehnten ihrer Existenz eine Beschäftigung für Menschen mit Zeit, Geld, technischem Sachverstand oder dem Beruf Fotograf. Bilder zu machen war also möglich, aber es war einigermaßen aufwändig, weswegen zwar jede Familie vermutlich Familienbilder hatte, aber die eben dann gezielt vom Fotografen anfertigen ließ. Mit der Erfindung des Rollfilms und einfacher Kameras wie der Kodak Brownie änderte sich das. Man konnte daheim fotografieren. Man konnte den ganzen Kram in ein spezialisiertes Geschäft schicken und fertige Bilder zurückbekommen. Und damit wurde der Alltag zum Fotoobjekt. Und wenn ich das alles so erzähle, dann wird dadurch hoffentlich eins klar: Warum fotografiert wird, hängt immer auch von den technischen Möglichkeiten ab. Am Anfang wurde viel aus wissenschaftlichem Antrieb und zu Dokumentationszwecken fotografiert. Oft ging es den Fotografinnen und Fotografen auch darum, herauszufinden, wie Dinge denn aussahen, wenn man sie mit einem fotografischen Verfahren auf Papier oder Glasplatte bannte. Und relativ früh gab es auch einen Zwiestreit zwischen der Malerei und der Fotografie. Maler rümpften die Nase, denn es war in ihren Augen ja völlig aufwandsbefreit, ein Foto zu machen, während sie sich ja Stunden, manchmal Tage mit ihren Gemälden beschäftigten. Für Maler waren Fotografien oft nichts anderes als Hilfsmittel um bessere Gemälde malen zu können. Fotografen wiederum versuchten, das Gegenteil zu beweisen. Sie versuchten, zu zeigen, dass es mehr brauchte als einfach nur die Beherrschung der Technik, um sinnvolle, gehaltvolle Fotografien zu erzeugen. Und ganz zu Anfang sprechen wir auch von einer Zeit, in der die Bilder, die Menschen schon mal gesehen hatten, oft gemalte Bilder waren. Und entsprechend sahen dann auch künstlerische Fotografien ein bisschen so aus, als würden sie versuchen, wie Gemälde auszusehen. Mit Rollfilm und</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Posthum entdeckte Fotograf:innen scheinen ein Ding zu sein… wie lange noch?</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20200416235249/https://petapixel.com/2019/12/16/russian-vivian-maier-becomes-a-star-20-years-after-her-death/" target="_blank">‘Russian Vivian Maier’ Becomes a Star 20 Years After Her Death</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://mashaivashintsova.com/" target="_blank">Masha Ivashintsova Photography</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Masha_Ivashintsova" target="_blank">Masha Ivashintsova</a> (Wikipedia)</li><li>Masha Ivashintsova auf Instagram</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.rferl.org/a/leningrad-photographer-never-showed-her-photos-of-soviet-life-to-anyone-years-later-relatives-discovered-her-work/29088470.html" target="_blank">Leningrad&#8217;s Lost Photographer</a></li><li><a href="https://mymodernmet.com/masha-ivashintsova-photography/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Interview: Woman Discovers Over 30,000 Secret Photos Left Behind by Her Mother</a></li></ul>

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<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Brownie_(camera)" target="_blank">Kodak Brownie Camera</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Leica_Camera" target="_blank">Leica Camera AG</a> (Wikipedia)</li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Vivian_Maier" target="_blank">Vivian Maier</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210811184539/https://vivianmaier.com/" target="_blank">Vivian Maier offizielle Webseite</a></li><li>Vivian Maier auf Instagram</li></ul>

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<p>Transkript</p>

<p>Für die heutige Episode habe ich mich mit <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen beschäftigt, deren Arbeit erst nach ihrem Tod bekannt geworden ist. Und die wahrscheinlich zu ihren Lebzeiten nicht zugestimmt hätten, wenn man ihre Arbeiten verbreitet hätte. Das waren keine Künstlertypen. Sie entwickelten nicht selber und hätten selbst ihrem Hobby kaum Bedeutung beigemessen. Heute würden sie wahrscheinlich mit einem IPhone fotografieren und ein Album mit Bildern füllen, das sie vielleicht mit ein paar Freunden teilen. Das war es aber dann schon.</p>

<p>Meine Großelterngeneration ist vermutlich die erste Generation, für die es normal war, mit Babyalltagsfotos aufzuwachsen. Es sind Kameras wie die <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf den Markt kommen, die so einfach zu bedienen sind, dass man nichts von Fotografie verstehen muss, um Fotos damit zu machen.</p>

<p>Und es mangelte ja nie an der Fotobegeisterung. Schon bei der Vorstellung der <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> waren Tags danach dutzende von begeisterten Wissenschaftlern damit beschäftigt, ihre eigenen Daguerreotypien aus ihren eigenen Dachfenstern zu schießen. Die Idee, Bilder festhalten zu können, war von Anfang an magisch, aber nicht jedermann und jederfrau hatte Lust (oder die Fähigkeiten), sich eigene Kameras zu bauen, eigene Linsen zu besorgen oder die Chemie zu meistern, die notwendig war, um zum Beispiel im Kollodium-Nassplattenverfahren zu fotografieren.</p>

<p>Und deswegen war die Fotografie am Anfang oder in den ersten Jahrzehnten ihrer Existenz eine Beschäftigung für Menschen mit Zeit, Geld, technischem Sachverstand oder dem Beruf Fotograf. Bilder zu machen war also möglich, aber es war einigermaßen aufwändig, weswegen zwar jede Familie vermutlich Familienbilder hatte, aber die eben dann gezielt vom Fotografen anfertigen ließ.</p>

<p>Mit der Erfindung des Rollfilms und einfacher Kameras wie der <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie änderte sich das. Man konnte daheim fotografieren. Man konnte den ganzen Kram in ein spezialisiertes Geschäft schicken und fertige Bilder zurückbekommen. Und damit wurde der Alltag zum Fotoobjekt.</p>

<p>Und wenn ich das alles so erzähle, dann wird dadurch hoffentlich eins klar: Warum fotografiert wird, hängt immer auch von den technischen Möglichkeiten ab. Am Anfang wurde viel aus wissenschaftlichem Antrieb und zu Dokumentationszwecken fotografiert. Oft ging es den <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen auch darum, herauszufinden, wie Dinge denn aussahen, wenn man sie mit einem fotografischen Verfahren auf Papier oder Glasplatte bannte.</p>

<p>Und relativ früh gab es auch einen Zwiestreit zwischen der Malerei und der Fotografie. Maler rümpften die Nase, denn es war in ihren Augen ja völlig aufwandsbefreit, ein Foto zu machen, während sie sich ja Stunden, manchmal Tage mit ihren Gemälden beschäftigten. Für Maler waren Fotografien oft nichts anderes als Hilfsmittel um bessere Gemälde malen zu können.</p>

<p>Fotografen wiederum versuchten, das Gegenteil zu beweisen. Sie versuchten, zu zeigen, dass es mehr brauchte als einfach nur die Beherrschung der Technik, um sinnvolle, gehaltvolle Fotografien zu erzeugen. Und ganz zu Anfang sprechen wir auch von einer Zeit, in der die Bilder, die Menschen schon mal gesehen hatten, oft gemalte Bilder waren. Und entsprechend sahen dann auch künstlerische Fotografien ein bisschen so aus, als würden sie versuchen, wie Gemälde auszusehen.</p>

<p>Mit Rollfilm und Kameras wie der Brownie kam die Fotografie in die Hände von jederfrau und jedermann. Und damit änderte sich dramatisch, wie die Bilder aussahen. Bilder, die gestellt waren und an die Malerei der damaligen Zeit erinnerten wurden verdrängt von Alltagsschnappschüssen, von Perspektiven, die keiner absichtlich so geplant hätte.</p>

<p>Und mit diesen Aufnahmen änderten sich unsere Sehgewohnheiten. Und der Grund, warum Menschen fotografierten. Mehr und mehr wurden Fotos zu einer Art visuellem Tagebuch. Fotos wurden jetzt nicht nur zu wichtigen Anlässen gemacht, sondern zum Beispiel auch, um den Urlaub zu dokumentieren. Und auch hier sehen wir die Entwicklung in der Technik, gespiegelt von der Entwicklung in unseren Sehgewohnheiten und den Fotografiegewohnheiten.</p>

<p>1914 wird die Firma Leica gegründet. 1920 die Firma Rollei. Und beide Firmen sind berühmt für ihre Kameras. Besonders die Leica begründet das, was wir heute &#8222;Kleinbildformat&#8220; nennen. Kleine, kompakte Kameras, Präzisionsgeräte, die es zum ersten Mal möglich machten, Reportagen zu fotografieren, die Kamera immer dabei zu haben und auf kleine Rollen Film Alltagsszenen festzuhalten. Unauffällig.</p>

<p>Tausende Fotografien entstehen in der damaligen Zeit. Und Magazine beginnen, Fotoessays abzudrucken. Unsere Urgroßeltern sehen diese Bilder. Die sind praktisch omnipräsent. Jedes wichtige Ereignis wird über solche Bilder kommuniziert. Und natürlich fangen dann die Hobbyfotografinnen und Fotografen an, einen ähnlichen Stil an den Tag zu legen. Die Kameras von Leica und anderen konkurrierenden Herstellern werden zu Verkaufsschlagern. Noch nie war es so einfach, Bilder zu erzeugen, noch nie war es so einfach, so ein Ding immer dabei zu haben, und so werden die Menschen zu <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalisten</a>. Zu <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalisten</a>, die Reportagen ihrer eigenen Lebensgeschichte festhalten. Und es beginnt die Blütezeit eines Fotogenres, das bis Heute zu einem der wichtigsten Bereiche der Fotografie zählt: der <a "/tags/straßenfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="34" title="Street">Street Photography</a>, der <a "/tags/straßenfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="34" title="Street">Straßenfotografie</a>.</p>

<p>Der Fotografie nämlich, in der man mit einer Kamera (oder heute mit dem Smartphone) Alltagsszenen festhält. Da ist es dann von den fotografischen Vorlieben abhängig, was genau festgehalten wird. Manche Fotograf*innen sind darauf spezialisiert, skurriles und lustiges festzuhalten. Andere fotografieren besonders dramatische Ereignisse gerne. Wieder andere gehen auf die Suche nach besonderen oder originellen Szenen in der Menge. Es gibt das Subgenre der Straßenportraits, es gibt Szenen, in denen es eigentlich nur auf die Geometrie oder das Spiel mit Licht und Schatten ankommt.</p>

<p>Egal wie, es fängt damit an, dass Kameras so handlich, schnell und günstig zu haben sind, dass man sie wirklich immer dabei haben kann und nicht nur Spezialpersonal mit diesen Kameras herumläuft, sondern eben auch, in Anführungsstrichen, &#8222;ganz normale Menschen&#8220;.</p>

<p>Hinzu kommt, dass es einen enormen Spaß macht, mit den Kameras der damaligen Zeit zu fotografieren. Ich habe hier mehrere alte Kameras. Und manchmal habe ich das Gefühl, ich müsste den Film, den ich gerade vollfotografiert habe, nicht mal unbedingt entwickeln lassen, um Spaß an dem Hobby zu haben.</p>

<p>Und so geht es tausenden. Die Welt wird geflutet mit Bildern. Das ist ein Trend, der bis heute anhält. Schon in meiner Jugend hatte ich das Gefühl, dass ich mehr Bilder im Haus habe, als ich jemals bei klarem Verstand anschauen wollen würde und auch nur anschauen könnte.</p>

<p>35mm Rollfilm war damals das hauptsächliche Medium der Wahl. 36 Aufnahmen pro Rolle konnte man machen und 2003 war Peak Rollfilm. Da wurden weltweit 930 Millionen Rollen Film verkauft. Fotografiert wurde da fast alles. Was es allerdings eher seltener gab, war, dass Leute ihr Essen fotografierten. Das kam schon mal vor, aber ich erinnere mich sehr gut daran, dass meine Eltern eigentlich nur dann Essen fotografiert haben, wenn es einen besonderen Anlass gab. Zum Beispiel ein Buffet zum Anlass eines 60. Geburtstags. Oder das Weihnachtsessen. Ich kann mir immer noch verwackelte Fotos von Gänsepastete anschauen, wenn ich das will, ich muss nur ein altes Fotoalbum aus dem Schrank nehmen. Aber es war die Ausnahme. Heute gibt es Leute, die machen praktisch nichts anderes, als jeden Tag ihre Mahlzeiten auf Instagram hochzuschießen.</p>

<p>Und wo wir schon beim Thema sind: Wir leben in einer Welt, in der es diverse soziale Netzwerke gibt und fast alle haben gemeinsam, dass sie eine besondere Betonung auf das Tauschen von Bildern legen. Allerdings gibt es den Fotokönig unter den sozialen Netzwerken: Instagram. Instagram sieht pro Sekunde 995 neue hochgeladene Bilder. Und das sind, ich erspar dir die Rechnerei, aufs Jahr gesehen in etwa genauso viele Fotos wie die Menschheit 2003 insgesamt auf Rollfilm gepackt hat. Nur, dass Instagram eine von mehreren Plattformen ist. Und nur, dass bei den meisten Kanälen für jedes hochgeladene Foto es wahrscheinlich 20 andere in den Galerien und Fotoalben ihrer Besitzer auf den Smartphones fliegen.</p>

<p>Und wieder folgen unsere Fotografiegewohnheiten der Technik. Meine Eltern hätten ihre Fotos niemals fremden Menschen gezeigt. Die waren der Familie vorbehalten. Sicherlich, Familie musste dann auch mal durch einen Diasabend durch oder sich mit einem Fotoalbum auf die Couch setzen und erzählen lassen, was so besonders an dem speziellen, verwackelten Berg Panorama war, das man dort eingeklebt hatte, aber es wäre niemandem auch nur im Entferntesten in den Sinn gekommen, beliebigen Leuten Bilder unter die Nase zu halten, in der Erwartung, dass die Begeisterung zeigen.</p>

<p>Das ist aber die Welt, in der wir heute Leben. Immer weniger Menschen fotografieren nur für sich selbst. Sie fotografieren auch für ein Publikum. Klar sind das dann oft Freunde und Bekannte, aber speziell auf Medien wie Instagram zeigen wir die Bilder dann auch wildfremden. Und wer in den letzten 20 Jahren geboren wurde, hat einen praktisch lückenlosen Schatz an Fotos auf der Festplatte, vom Babyalter bis zum letzten Frühstück.</p>

<p>Und das bringt mich wieder zurück zur Eingangsfrage: &#8222;Warum fotografieren wir?&#8220;. Immer öfter wird fotografiert, um das Leben zu dokumentieren. Um sich an Alltag zu erinnern. Um vielleicht auch festzuhalten, wie wir uns über die Jahre verändern, mit wem wir welche Erlebnisse geteilt haben.</p>

<p>Das ist allerdings auch eine Art der Fotografie, die endet mit uns. Ich habe vor kurzem Mal einen Artikel über digitale Amnesie gelesen. Da wurde darauf hingewiesen, dass unmengen persönlicher Bilder regelmäßig verloren gehen, weil Menschen nicht mehr wissen, wo sie sie abgespeichert haben. Da gibt es Bilder, die nur auf Handys liegen und bei Verlust des Handys verloren gehen. Da gibt es Bilder, die auf Cloudaccounts synchronisiert sind und wenn der Fotograf oder die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> sterben mit ausbleiben von Zahlungen vollautomatisch gelöscht werden. Oder passwortgeschützte Bildsammlungen, an die niemand mehr rankommt. Oder Bildersammlungen, die auf Computerfestplatten liegen, die irgendwann ausgemustert werden. Wir produzieren so viele Bilder, dass sie fast schon ihren Wert verloren haben.</p>

<p>Und die Welt teilt sich plötzlich in zwei Lager: Die nämlich, die versuchen, mit ihren Fotografien Publikum zu erreichen und unter Umständen Geld zu verdienen und die, die einen Berg an Fotografien erzeugen, die uns kollektiv egal sind. Natürlich gab es auch in den letzten Jahrzehnten immer schon Berge von Fotos, die uns kollektiv egal waren. Was interessieren auch die Bilder von Oma und Opa beim Skifahren? Oder besagtes Buffet vom 60järigen Geburtstag des Großonkels?</p>

<p>Aber eigentlich erstreckte sich das früher nur auf die Alltagsfotografie. Aber da gab es ja auch noch diese Anderen. Diese Fotografinnen und Fotografen, die Fotografie als Hobby betrieben. Die eben nicht nur ihren Alltag, sondern auch die Menschen um sich herum, die Szenen, die sie sahen, fotografierten und festhielten. Manchmal nur des Fotgrafierens willens.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;You know these moments on antique&#8217;s rows shows when someone discovers that the painting they bought at a flea market is worth 100000 dollars? Well, this next story is kind of like that. Except, the chicago man who found this unexpected treasure also found himself with a huge responsibility because he may have discovered one of the finest street photographers of the mid 20th century. A chicago nanny by the name of Vivian Maier.&#8220;</p>

<p>Wenn man einfach mal beliebige Leute fragt, ob sie berühmte Fotografen benennen können, dann gibt es wenige Namen, die da immer wieder aufkommen. Da wäre einmal Helmut Newton, es gibt ja in heutigen Buchhandlungen kaum noch Fotobildbände, aber Helmut Newton mit seinen Nacktfotos ist da garantiert vertreten, das könnte vielleicht einer der Gründe dafür sein, warum ihn auch noch viele kennen, oder an Sam Adams, der tatsächlich durch seine Schwarz-Weiß-Landschaftsfotografien absoluten Kult- und Berühmtheitsstatus erreicht hat. Aber schon der verblasst nach und nach. Die heutige Generation hat den Namen vermutlich schon nicht mehr gehört.</p>

<p>Und dann gibts da noch Vivian Maier. Und die hauptsächlich aus zwei Gründen: Ein Mal fasziniert uns die Geschichte. Vivian Maier war nämlich schon längst tot, als ihre Bilder entdeckt wurden und sie war eine Nanny, also ein Kindermädchen, die in ihrer Freizeit fotografiert hatte, und nie auch nur ein Bild veröffentlicht hatte. Das Ganze war ein Zufallsfund und die Bilder stellten sich heraus als spektakulär gut. Aber spektakulär gute Fotos werden täglich irgendwo gefunden, ohne dass wir uns dafür interessieren. Im Fall von Vivian Maier kam noch dazu, dass die Medien fasziniert waren von der Geschichte. Es gab also ausreichend Berichte und sogar ein Dokumentarfilm wurde gedreht.</p>

<p>Ja, und deswegen kennen den Namen auch noch so ein paar.</p>

<p>Vivian Maier heißt eigentlich Vivian Dorothy Maier und wird am ersten Februar 1926 in New York geboren. Und man weiß verdammt wenig über sie. Ihr deutsch klingender Name kommt daher, dass ihr Vater aus Österreich eingewandert war. Ihre Mutter war aus Frankreich und ihre Eltern hatten sich in New York kennengelernt. Der Vater verlässt die Familie als Vivian 4 ist. Vivians Mutter arbeitet als Haushaltshilfe und Kindermädchen für die wohlhabenden Familien New Yorks. Dadurch haben Vivian und ihre Familie regelmäßigen Umgang mit gebildeten und reichen Kreisen, sind sich aber jederzeit bewusst, dass sie dort nicht dazugehören.</p>

<p>Dieser Lebensstil, dieses &#8222;sich um die Kinder anderer kümmern&#8220; wird dann später Vivians Leben bestimmen. Das ist ihr Beruf. Sie wird eine Nanny werden. 1949 bringt sie der Tod ihrer Großmutter nach Frankreich, wo sie sich ein Mal um die Nachlassformalitäten kümmern muss und dort ihre Liebe zur Fotografie entdeckt. Sie wird nie wieder aufhören zu fotografieren. Über 100000 Bilder wird sie innerhalb von 40 Jahren machen.</p>

<p>Vivian Maier heiratet nicht, zieht aber diverse Male um. Der Großteil ihrer Fotografien wird in Chicago und New York gemacht. Aber allgemein gehört Fotografie zu ihrem Alltag. Jeder freie Tag ist mit Fotografie gefüllt. Anfangs hauptsächlich mit einer Rolleiflex, einer Kamera, die für die damaligen Verhältnisse unglaublich leicht und leistungsfähig war und auf Rollfilm belichtete. Ihre Bilder werden meistens nicht belichtet, sie bleiben unbelichtet, sie sammelt sie in Kartons.</p>

<p>Überhaupt sammelt Vivian so einiges in Kartons. Von ihr ist bekannt, dass sie obsessiv Zeitungen behält und sie in ihrer Wohnung stapelt und ihr Leben in Kartons verpackt. Man würde vermutlich heute von jemandem mit Messisyndrom sprechen. Sie hat nie besonders viel Geld gemacht und war auch nie verheiratet, immer alleinstehend, kinderlos. Über ihre Familie weiß man nicht viel, ihr Bruder ist verschollen, es wird vermutet, dass er nach einer Drogenkarriere vermutlich obdachlos war und irgendwo unerkannt verstorben war.</p>

<p>Zwischen Ende der 90er und den ersten Jahren des neuen Jahrtausends war Vivian Maier dann auch selbst einige Jahre obdachlos. Drei ehemalige Schützlinge beschließen, ihr unter die Arme zu greifen und sich um sie zu kümmern. Sie stellen ihr ein Appartement zur Verfügung und bezahlen ihre Rechnungen. 2008 rutscht Vivian Maier auf Glatteis aus und zieht sich eine Kopfverletzung zu, von der sie sich nicht mehr erholt. Im Frühjahr 2009 stirbt sie dann praktisch mittellos und ohne familiären Beistand mit 83 Jahren in einem Pflegeheim.</p>

<p>Würde die Geschichte jetzt hier enden, hätten wir nie von Vivian Maier gehört und nie von ihr erfahren. Aber wer vorhin beim Einspieler aufgepasst hat, weiß ganz grob, wie es weitergeht. Als sich abzeichnete, dass Vivian kein Geld mehr hatte, um sich eine Wohnung zu leisten, lagerte sie große Teile ihrer Fotografien und ihres Hausstands überhaupt ein. Und diese Bilder, die waren noch eingelagert, als Vivian starb. Solche Dienstleister lagern ein, solange Rechnungen bezahlt werden. Und sobald die Zahlungen ausbleiben, werden die Hausstände versteigert. Und der Nachlass landet in den Händen verschiedener Männer:</p>

<p>Ron Slattery ersteigert für 250 US-Dollar eine eigentlich eher kleine Position von ungefähr 1.200 unentwickelten Filmen. Er fängt an, die Aufnahmen zu entwickeln und macht einige der Bilder von Vivian Maier in einem Internetblog zugänglich.</p>

<p>Und dann ist da der Makler John Maloof, Vorsetzender des Jefferson Park historical society clubs in Chicago, der als Hobbyhistoriker an einem Buch über die Gegend arbeitet und auf der Suche nach geeignetem historischen Bildmaterial ist. Er gibt knapp 400 Dollar aus und hat 30.000 Abzüge und Negative. Stellte sich heraus, dass er die Bilder für sein Buchprojekt nicht verwenden konnte, und deswegen begann er, nach und nach einzelne dieser Bilder auf EBay zu versteigern. Das war wenig lukrativ und irgendwann wurde er mal von jemandem mit Fotosachverstand darauf hingewiesen, auf was für einem Schatz er da eigentlich saß.</p>

<p>Maloof fing also an, den Bestand von Vivian Maier nach und nach aufzukaufen. Es dauerte nicht lang und er bekam Kontakt zu einem dritten Mann. Jeffrey Goldstein, der insgesamt über 17.500 Negative und 2.000 Abzüge und eine ganze Reihe von Filmen aus dem Nachlass gekauft hatte.</p>

<p>Nicht lange und Maloof sah sich als eine Art &#8222;Nachlassverwalter&#8220; von Vivian Maier. Er nahm es sich zur Aufgabe, diese Fotografin der Welt bekannt zu machen. Er fängt an, Teile des Nachlasses aufzukaufen, bei Auktionen mitzubieten, beginnt ein Internetprojekt, beginnt ein Filmprojekt, das unter anderem zu der Dokumentation &#8222;Vivian Maier &#8211; A photographer found&#8220; führt.</p>

<p>Mit der Bekanntheit von Vivian Maier und dem plötzlichen Erfolg und der Sichtbarkeit wird auch schnell klar, dass da wirklich Geld zu holen ist und so fangen dann diverse Parteien auch an, sich munter untereinander zu streiten, wer denn nun die Urheberrechte hätte, und so läuft seit 2014 ein in den USA ein Rechtsstreit darüber, wer denn jetzt nun die Rechte an dem Nachlass haben soll.</p>

<p>Und ich finde, das ganze Thema wirft eine ganze Reihe spannender Fragen auf:</p>

<p>Erstens: Wem gehören eigentlich die Fotos von Vivian Maier? Man kann jetzt natürlich sagen: Maloof hat uns eine Fotografin geschenkt. Die Bilder sind großartig. Ich habe hier ein Bildband mit Aufnahmen aus ihrem Nachlass und die sind spektakulär gut. Sie ist genau dem Hobby nachgegangen, das ich eingangs umschrieben habe. Mit einer kleinen, kompakten Kamera hat sie das Leben in ihrer Umgebung fotografisch festgehalten. Sie war Hobbystreetphotographer und sie hat ein unglaubliches Auge für Szenen auf der Straße gehabt. Wunderschöne Portraits, liebevoll gestaltete Szenen und ihre Bilder wecken eine Zeit zum Leben, die unglaublich ikonisch ist.</p>

<p>Gleichzeitig hat sie selbst diese Bilder aber nie veröffentlicht und wäre sie noch am Leben könnte man vermuten, dass sie eventuell einer Veröffentlichung nicht zugestimmt hätte. Freilich könnte sie vielleicht berühmt und reich sein aber das schien irgendwie nie ihr Antrieb.</p>

<p>Würde Vivian Maier heute leben, würde sie wahrscheinlich nicht mit einer Rolleiflex auf Film fotografieren, sondern schlicht und ergreifend hobbymäßig mit ihrem Telefon ihr Leben festhalten. Und damit wäre nach ihrem Tod auch schlicht und ergreifend ihr Cloudaccount und ihr Telefonaccount geschlossen worden und die Bilder wären weg.</p>

<p>Und das bringt mich zu einer zweiten Beobachtung: Ausgehend von Vivian Maier habe ich nämlich recherchiert und habe mir die Frage gestellt: Gibt es das eigentlich öfter? Und die Antwort ist: Jawoll. Das gibt es öfter. Man könnte sogar sagen, fast regelmäßig.</p>

<p>Da gibt es ein Mal den großen Bereich der professionellen Fotografie. Stirbt jemand, dessen Beruf Fotografie war, geht meistens sein Werk an seine Erben über und waren diese Bilder ausreichend bekannt oder der Fotograf ausreichend prominent wird da meistens dann auch Geld daraus gemacht, das heißt, das Werk wird noch weiter kuratiert, noch weiter veröffentlicht.</p>

<p>Aber die meine ich gar nicht, sondern ich meine eine andere Art der nachträglichen Entdeckung. Menschen nämlich, die als Hobby Fotografie haben aber eigentlich von ihrer Umwelt nicht als Fotografen gesehen werden und nach ihrem Tod dann entdeckt werden, meistens durch ihre Erben. Und das gibt es regelmäßig.</p>

<p>Ich folge auf Instagram zum Beispiel jemandem, der die Negativsammlung seines Großvaters geerbt hat und die jetzt nach und nach auf Instagram veröffentlicht, eine Stiftung gegründet hat, vorhat, Bücher zu produzieren und behauptet, dass die Bilder von der Qualität eines Henri Cartier-Bresson oder einer Vivian Maier seien. Und ja, die Bilder sind schön. Sie sind faszinierend. Sie zeigen jemanden, der eine reichhaltiges Leben mit vielen Reisen hatte und der seine Reportagekamera genutzt hat, um sein Leben zu dokumentieren. Der Mann war Physiker, hat beim MIT gearbeitet, war dann in der Schweiz, um beim Zern zu arbeiten und hatte ein interessantes Leben mit vielen interessanten Fotos.</p>

<p>Oder wie wäre es mit der russischen Vivian Maier, Masha Ivashintsova? Masha lebte in St.Petersburg oder damals, wie es noch hieß, Leningrad und dokumentierte ihr Leben, das Leben auf der Straße und das Leben ihrer berühmten Freunde. Sie selbst sah sich nicht selbst als Fotografin, sie sah sich als jemand, der Fotografie als tägliches Hobby betrieb. Für sie war Fotografie wie Tagebuch schreiben. Sie hatte ihre Kamera praktisch permanent und ständig in der Hand und fotografierte ihre Umgebung. Der Gedanke, ihre Bilder zu veröffentlichen, kam Masha nie, denn sie war von berühmten Fotografen, Poeten und erfolgreichen Männern umgeben und hielt ihr eigenes Talent im Vergleich für so gering, dass eine Veröffentlichung sich gar nicht lohnen würde.</p>

<p>Geboren im Jahr 42 lebt sie durch eine durchaus turbulente und aufregende Zeit hindurch. Sie war ursprünglich in eine adelige Familie geboren worden, die aber während der bolschewistischen Revolution alles verloren hatten. In Leningrad lernt sie Künstler und Dichter kennen und landet im künstlerischen Untergrund. Sie arbeitet als Theaterkritikerin, als Buchhändlerin und nimmt Jobs im Sicherheitsdienst oder als Aufzugsmechanikerin an. Sie malt, dichtet, fotografiert, aber immer nur für sich selbst. Wegen ihrem unangepassten Lebenswandel wird sie von der UDSSR irgendwann in eine Nervenheilanstalt zwangseingewiesen, um sie für die Gesellschaft gefügiger zu machen. Diese Zeit prägt und bricht sie fast.</p>

<p>Als sie im Jahr 2000 im Alter von 58 Jahren stirbt, hinterlässt sie als Familie nur ihre Tochter, die sich um ihren Nachlass kümmert. Beim Renovieren ihrer Wohnung findet sie auf dem Dachboden einen Karton mit 30000 Rollen unentwickelten Films. Sie selbst kümmert sich nicht ums Entwickeln, das ist eine Arbeit, die ihr Mann übernimmt. Der weist sie dann auch irgendwann darauf hin, welche Schätze er in diesen Aufnahmen gefunden hat. Nach und nach sichten sie die Aufnahmen und als klar wird, welche Qualität diese Bilder haben, gründen sie ein Internetprojekt und eine Stiftung.</p>

<p>An einer Dokumentation über das Leben von Masha wird zurzeit gearbeitet. Und ich freue mich schon darauf. Denn im Vergleich klingt Mashas Leben fast noch interessanter als Vivians. Aber auch hier stellt sich natürlich die Frage: Gäbe es solche Bilder, hätte Masha im Zeitalter des Internets und von Instagram fotografiert? Vermutlich nicht. Vielleicht hätten wir die Bilder aber auch schon längst wahrgenommen, wir hätten sie gesehen, weil in Instagram im Hier und Jetzt fotografiert wird und natürlich Bilder auch sofort auftauchen können. Auf der anderen Seite haben viele dieser Aufnahmen ihre Relevanz ja erst in Rückschau: Dadurch, dass auf die Zeit, in der Masha fotografiert hat (oder auch Vivian) aus dem Jahr 2020 heraus ganz anders blicken.</p>

<p>Ich glaube ja, wir erleben jetzt die letzten so entdeckten Fotografinnen und Fotografen. Das wird jetzt aufhören. Denn keiner fotografiert mehr auf Film. Niemand wird mehr auf dem Dachboden 30000 Rollen unentwickelten Film finden. Und wenn, werden wir die nicht mehr entwickeln können. Und so wird nach und nach dieses Genre des unbekannten Starfotografens aufhören. Die Faszination für alte Fotos wird bleiben, aber wir werden nur noch kuvertierte Bilder sehen, keine Zufallsfunde mehr. Nur Bilder, die mal jemand ausgesucht hat. Entweder, weil die dann im Internet veröffentlicht wurden und irgendjemand Kopien gemacht hat oder weil die Fotografinnen und Fotografen sowieso schon bekannt waren und es geschafft haben, zu Lebzeiten ein Publikum aufzubauen.</p>

<p>Die elektronische Welt wird kurzlebiger. Menschen schreiben keine Briefe mehr, handgeschriebene Tagebücher werden seltener, Fotografie auf Film wird in 10 bis 20 Jahren auch ausgestorben sein und mit dem Verschwinden von solchen physikalischen Spuren werden auch Zufallsfunde wie Vivian oder Masha nach und nach der Vergangenheit angehören.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Tierische Luftüberwachung</title>
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            <pubDate>Sun, 13 Dec 2020 15:50:15 GMT</pubDate>
            <description>Julius Neubronner war ein Frankfurter Apotheker und liebte Fotografie. Anfang des 20. Jahrhunderts wird er berühmt durch seine einzigartigen Luftaufnahmen...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Julius Neubronner war ein Frankfurter Apotheker und liebte Fotografie. Anfang des 20. Jahrhunderts wird er berühmt durch seine einzigartigen Luftaufnahmen… Themenpate: https://twitter.com/panchromaholic/status/1302610788553830400 Brieftaubenfotografie (Wikipedia) Julius Neubronner (wikipedia) Julius Neubronner and his flying photographers (Google Arts &amp; Culture) Julius Neubronner’s miniature pidgeon camera &amp; photography collection Hier folgen noch ein paar Videos. Wer die nicht sieht schaut einfach bei https://fotomenschen.net vorbei: Transkript Heute beschäftigen wir uns mit Luftaufnahmen. Ein guter Freund von mir macht das als Hobby: Aufnahmen von atemberaubender Schönheit. Und wenn der arbeitet, klingt das ungefähr so: [Drohne ist zu hören]. Das hat zugegebenermaßen den akustischen Scham eines Zahnarztbesuchs aber so klingen moderne Drohnen nun mal. Mit der heutigen Episode werden wir uns aber in eine Zeit begeben, in der klang das noch so: [Taubengegurre, Gegacker und Metallteile sind zu hören]. Die heutige Episode handelt hauptsächlich in meiner Wahlheimat: im schönen Frankfurt. Und im Umland Frankfurts. Und handelt am Anfang des 20. Jahrhunderts. Und das ist eine Zeit, in der in Frankfurt eine Menge in Bewegung ist. Frankfurt war damals schon wie heute eine Bankenmetropole und ist Hochtechnologiestandort. 1909 zum Beispiel wird in Frankfurt die erste Fluggesellschaft der Welt gegründet. Und auch fotografisch war Frankfurt auch von Anfang an ganz weit vorne mit dabei. Daguerres Vorstellung der Daguerreotypie hatte eine Begeisterung ungeahnten Ausmaßes ausgelöst und in Frankfurt eröffnete ein Portraitstudio nach dem anderen und Privatleute kauften oder bauten sich Kameras, mit denen sie ihre eigenen Experimente durchführen konnten. Inzwischen fotografierte man auf Papier oder auf Glasplatte und die Belichtungszeiten waren deutlich kürzer geworden. Einer der vielen begeisterten Frankfurter Fotohobbyisten war Julius Neubronner. Er stammte aus einer Apothekerfamilie, die eine Apotheke im Stadtteil Kronberg betrieb. Die Mutter stammte aus einer Schauspielerfamilie, der Vater hatte Kontakte zu dem bekannten Maler Anton Burger und alles in allem war die Familie Neubronner dann doch recht gut vernetzt, könnte man sagen. In diese Familie wird Julius jedenfalls am 8. Februar 1852 geboren. Noch als Teenager entdeckt er seine Faszination für die damals noch sehr junge Fotografie. Er findet eine Kamera, die damals sein Vater noch von Hand gebaut hatte, schafft es aber nicht, damit irgendwelche Bilder zu produzieren. Letztlich pumpt er sich von einer Dienstmagd das Geld, um die erste wirklich funktionierende Kamera zu erstehen. Das Problem war nur: Seine Eltern wussten davon nichts und als die Arbeitgeber der Dienstmagd kündigten, musste Julius plötzlich einen nicht unerheblichen Geldbetrag aufbringen. Das Ganze wird damals Gegenstand eines Gerichtsverfahrens. Man kann also sagen, das Erste, womit Julius so richtig aktenkundig wird, ist seine Leidenschaft für die Fotografie. Er schlägt trotzdem zunächst mal eine Apothekerlaufbahn ein. Als Kaiser Friedrich III. im Dreikaiserjahr 1888 stirbt, beschließt seine Witwe, in der Nachbarschaft von Kronberg ein Witwenschloss zu errichten. Und Julius hatte nun ganz schlagartig den Rang eines Hofapothekers. Es ermöglicht ihm unter anderem, eine zweite Niederlassung näher an diesem Witwenschloss zu errichten, wodurch seine Apotheke nicht nur für die Versorgung der Kaiserin verantwortlich war, sondern sich auch noch um das eben so in der Nähe liegende Lungensanatorium Falkenstein kümmerte. Seine Kunden jedenfalls hatten meist wenig Geduld, manche Dinge waren ja auch mal dringend, und deswegen begann Neubronner, auch mit Brieftauben zu experimentieren. In 75g-Häppchen lieferten die Zutaten aus dem entfernten Frankfurt an, oder Bestellungen, die er dann vorbereiten konnte, noch bevor der Bote zur Abholung eintraf. Es war</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Julius Neubronner war ein Frankfurter Apotheker und liebte Fotografie. Anfang des 20. Jahrhunderts wird er berühmt durch seine einzigartigen Luftaufnahmen&#8230;</p>

<p>Themenpate:</p>

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<figure><img decoding="async" src="https://the-public-domain-review.imgix.net/collections/dr-julius-neubronner-s-miniature-pigeon-camera/43712736175_bd187efce3_h.jpg?w=600" alt="Pigeon aerial photo9"/></figure>

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<figure><img decoding="async" src="https://the-public-domain-review.imgix.net/collections/dr-julius-neubronner-s-miniature-pigeon-camera/43712732775_2c4b4d7b61.jpg?w=600" alt="Pigeon aerial photo11"/></figure>

<p>Hier folgen noch ein paar Videos. Wer die nicht sieht schaut einfach bei https://fotomenschen.net vorbei:</p>

<div class="yt-facade" data-yt="dKv1bBdXhK8" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_dKv1bBdXhK8.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<div class="yt-facade" data-yt="CwpxiRDUtkI" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_CwpxiRDUtkI.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>Heute beschäftigen wir uns mit Luftaufnahmen. Ein guter Freund von mir macht das als Hobby: Aufnahmen von atemberaubender Schönheit. Und wenn der arbeitet, klingt das ungefähr so: [Drohne ist zu hören]. Das hat zugegebenermaßen den akustischen Scham eines Zahnarztbesuchs aber so klingen moderne Drohnen nun mal. Mit der heutigen Episode werden wir uns aber in eine Zeit begeben, in der klang das noch so: [Taubengegurre, Gegacker und Metallteile sind zu hören].</p>

<p>Die heutige Episode handelt hauptsächlich in meiner Wahlheimat: im schönen Frankfurt. Und im Umland Frankfurts. Und handelt am Anfang des 20. Jahrhunderts. Und das ist eine Zeit, in der in Frankfurt eine Menge in Bewegung ist. Frankfurt war damals schon wie heute eine Bankenmetropole und ist Hochtechnologiestandort. 1909 zum Beispiel wird in Frankfurt die erste Fluggesellschaft der Welt gegründet.</p>

<p>Und auch fotografisch war Frankfurt auch von Anfang an ganz weit vorne mit dabei. Daguerres Vorstellung der <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> hatte eine Begeisterung ungeahnten Ausmaßes ausgelöst und in Frankfurt eröffnete ein Portraitstudio nach dem anderen und Privatleute kauften oder bauten sich Kameras, mit denen sie ihre eigenen Experimente durchführen konnten. Inzwischen fotografierte man auf Papier oder auf Glasplatte und die Belichtungszeiten waren deutlich kürzer geworden.</p>

<p>Einer der vielen begeisterten Frankfurter Fotohobbyisten war Julius Neubronner. Er stammte aus einer Apothekerfamilie, die eine Apotheke im Stadtteil Kronberg betrieb. Die Mutter stammte aus einer Schauspielerfamilie, der Vater hatte Kontakte zu dem bekannten Maler Anton Burger und alles in allem war die Familie Neubronner dann doch recht gut vernetzt, könnte man sagen.</p>

<p>In diese Familie wird Julius jedenfalls am 8. Februar 1852 geboren. Noch als Teenager entdeckt er seine Faszination für die damals noch sehr junge Fotografie. Er findet eine Kamera, die damals sein Vater noch von Hand gebaut hatte, schafft es aber nicht, damit irgendwelche Bilder zu produzieren. Letztlich pumpt er sich von einer Dienstmagd das Geld, um die erste wirklich funktionierende Kamera zu erstehen. Das Problem war nur: Seine Eltern wussten davon nichts und als die Arbeitgeber der Dienstmagd kündigten, musste Julius plötzlich einen nicht unerheblichen Geldbetrag aufbringen. Das Ganze wird damals Gegenstand eines Gerichtsverfahrens.</p>

<p>Man kann also sagen, das Erste, womit Julius so richtig aktenkundig wird, ist seine Leidenschaft für die Fotografie. Er schlägt trotzdem zunächst mal eine Apothekerlaufbahn ein.</p>

<p>Als Kaiser Friedrich III. im Dreikaiserjahr 1888 stirbt, beschließt seine Witwe, in der Nachbarschaft von Kronberg ein Witwenschloss zu errichten. Und Julius hatte nun ganz schlagartig den Rang eines Hofapothekers. Es ermöglicht ihm unter anderem, eine zweite Niederlassung näher an diesem Witwenschloss zu errichten, wodurch seine Apotheke nicht nur für die Versorgung der Kaiserin verantwortlich war, sondern sich auch noch um das eben so in der Nähe liegende Lungensanatorium Falkenstein kümmerte.</p>

<p>Seine Kunden jedenfalls hatten meist wenig Geduld, manche Dinge waren ja auch mal dringend, und deswegen begann Neubronner, auch mit Brieftauben zu experimentieren. In 75g-Häppchen lieferten die Zutaten aus dem entfernten Frankfurt an, oder Bestellungen, die er dann vorbereiten konnte, noch bevor der Bote zur Abholung eintraf. Es war so ungefähr 1903, als ihm zum ersten Mal der Gedanke kam, dass man ja mit Brieftauben nicht nur Medikamente, Rezeptbestellungen oder Zutaten schicken könnte, sondern vielleicht auch eine Kamera, wenn sie denn nur klein genug wäre.</p>

<p>Gesagt, getan. Julius Neubronner war sowieso film- und fotoenthusiastisch. Zwischen 1902 und 1920 nahm er unter anderem dutzende Filme auf. Er konnte also gut einschätzen, was technisch machbar war. Das Problem bei der Fotografie via Brieftaube war das Gewicht der Materialien. Jetzt sind Kameras nicht unbedingt superschwer. Wenn man sie aufs Wesentliche reduziert und leichte Materialien wählt, kommt man unter 100g. Das Problem wird dann eher ein mechanisches: Wie bringt man einen Zeitauslöser unter und findet sich ein Weg, mit dem man vielleicht mehr als eine Aufnahme machen kann?</p>

<p>Neubronner war auch nicht der Erste, der Tauben mit Film in die Luft schickt. Rund um 1870, zum deutsch-französischen <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a>, transportiert beispielsweise die Pariser Taubenpost pro Flug bis zu 50000 auf Mikrofilm belichtete Telegramme. Und 1889 sitzt der Chef des Ballon-Korps (ja, sowas gabs), Alexander von Kowanko, mit einer Kamera und einer eigens dafür gebauten Dunkelkammer in einem Ballon, um damit Luftaufnahmen zu machen, die er dann an Ort und Stelle entwickelte und fixierte, um sie dann anschließend per Brieftaube zu Boden zu schicken.</p>

<p>Um die Jahrhundertwende gab es also diverse Versuche, Luftaufnahmen zu machen. Es gab Menschen, die aus Ballons fotografierten, es gab Luftschiffe, und Männer wie George Lawrence konstruierten Drachen, von denen aus sie ihre Aufnahmen machen konnten. Aber jedes dieser Verfahren hatte seine eigenen Nachteile: Entweder waren sie sehr aufwändig (wer hat schon ein <a "/posts/feuerball-und-bleiballon.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="35" title="Feuerball und Bleiballon">Luftschiff</a> zu Hand) oder sehr langsam (z.B. Ballons) oder je nach Anwendungsfall auch zu auffällig. Wer Militäraufklärung betreiben möchte, will vielleicht nicht mit einem <a "/posts/feuerball-und-bleiballon.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="35" title="Feuerball und Bleiballon">Zeppelin</a> über dem Schlachtfeld herumfliegen.</p>

<p>Kurz gesagt: Julius Neubronner versucht, alle Vorteile auf ein System zu bringen, indem er Brieftauben trainiert, ein Gewicht bis zu 75g zu tragen und eine Kamera konstruiert, die genau diese 75g auch einhält. Brieftauben haben übrigens gar keine Lust, 75g Gewicht herumtragen. Auch, wenn man sie darauf trainiert hat. Und das hat fotografisch einen Vorteil, denn das bedeutet, eine Brieftaube macht nicht viele Umwege, sondern fliegt ihren heimatlichen Taubenschlag direkt an.</p>

<p>1903 hatte er die Idee, 1907 hatte er ein erstes Patent eingereicht. Das kaiserliche Patentamt hielt seine Idee erst mal für Humbug und für undurchführbar, aber als er dann 1908 Bilder vorweisen konnte wurde ihm sein Patent genehmigt.</p>

<p>1909 nimmt Neubrunner dann an der internationalen fotografischen Ausstellung in Dresden teil und kurz danach auch noch bei der ersten internationalen Luftschifffahrtsausstellung in Frankfurt, wo er dann seine Taubenfotografie vorführte. Die Tauben kamen an, mit ihren Fotos im Gepäck und Neubronner entwickelte und druckte sie an Ort und Stelle, sodass Besucher sich Postkarten mit den Luftbildern mitnehmen konnten.</p>

<p>Wer sich mit Brieftauben auskennt, der weiß, da gibt es ein Problem. Die wechseln ihren Taubenschlag nicht mal eben so. Im Grunde wollen die immer wieder an denselben Ort. Und die sind da ganz schön festgelegt. Neubronner versuchte, dieses Problem mit einem mobilen Taubenschlag in den Griff zu bekommen. Und der sieht auch auf Fotos einigermaßen bizarr aus. Nämlich wie eine Kutsche mit einem Teil, der fest montiert ist, in dem sich die Dunkelkammer befindet, und einem per Hebebühne in die Luft abhebbaren Teil, der dann den Taubenschlag enthält.</p>

<p>Das heißt, Neubronner hatte richtig erkannt: wenn die Tauben immer an denselben Ort zurückfliegen, dann werden vielleicht die Luftaufnahmen relativ langweilig und eintönig. Man muss also den Taubenschlag bewegen können. Und dieser bewegliche Taubenschlag, der war ein wichtiger Bestandteil seiner Brieftaubenfotografie.</p>

<p>Im Ersten Weltkrieg gab es dann auch Experimente, ob man nicht die Luftaufklärung via Brieftaube damit durchführen konnte. Weil Brieftauben haben auch noch den Vorteil, dass sie von Schlachtgetöse relativ unbeeindruckt sind.</p>

<p>Neubronner konstruierte nicht nur diesen Taubenschlag, sondern baut auch gleich mehrere verschiedene Kameraarten. Machte das erste patentierte Modell gerade mal zwei Bilder, kamen dann Modelle dazu, die bis zu 12 Aufnahmen machten. Und mein persönlicher Favorit ist eine Kamera, mit der sich Stereoaufnahmen produzieren ließen. Also 3D-Bilder aus der Perspektive einer fliegenden Brieftaube.</p>

<p>Die weitere Entwicklung wurde durch den Ersten Weltkrieg erst mal verlangsamt und gestoppt. Man versuchte, die Brieftaubenfotografie zur Luftaufklärung zu nutzen, scheiterte aber an diesem mobilen-Taubenschlagproblem. Und so waren Brieftauben auch im Ersten Weltkrieg hauptsächlich für die Kommunikation und weniger für die Aufklärung im Einsatz.</p>

<p>Das war aber noch nicht das Ende dieses Genres. 1930 experimentiert das deutsche Militär wieder mit Brieftauben. Diesmal versucht man, das Problem mit dem Taubenschlag anders in den Griff zu bekommen: Man trainiert Schäferhunde. Die sollen eben nah an das Zielgebiet laufen und dort die Tauben mit ihren Kameras fliegen lassen. So richtig erfolgreich war auch dieses Experiment nicht. Aber wie so oft: die Experimente mit der Brieftaubenfotografie, die gehen bis in die Neuzeit. 1970 hat anscheinend die CIA noch Experimente mit aus Flugzeugen ausgesetzten Tauben durchgeführt.</p>

<p>Und heute, in Zeiten der GoPro, ist das natürlich völlig banal, einer Taube irgendeine kleine Actionkamera umzuhängen und sich dann an den Luftaufnahmen zu erfreuen, aber es macht auch niemand mehr, denn eine kleine, ferngesteuerte Quadcopterdrohne ist einfach viel, viel effizienter und dann eben auch noch kontrollierbar.</p>

<p>Julius Neubronner ist trotzdem ein Pionier der <a "/tags/luftfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="22" title="Luftfotografie">Luftfotografie</a> und ausgestopfte Exemplare seiner Tauben samt Modellen der Kameras findet man in den verschiedensten Museen, nicht zuletzt im online begehbaren CIA-Museum oder zum Beispiel im Schweizer Fotoapperatemuseum, die außerdem noch ein Archiv von c.a. 1000 Aufnahmen aus der Zeit haben.</p>

<p>Auf YouTube findet man keine Taubenaufnahmen. Aber man findet die Amateurvideos, die Neubronner gemacht hat. Da kann man ihm beim Spielen mit seinen Enkeln oder beim Spaziergang mit seiner Familie oder beim Zaubern mithilfe von Fototricktechnik beobachten. Denn eigentlich war Neubronner ein Fotonerd. Filme und Fotos waren eine Leidenschaft. Und der ging er bis zu seinem Tod nach.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Der Welt zum Geschenk...</title>
            <link>https://fotomenschen.kopfstim.me/posts/der-welt-zum-geschenk.html</link>
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            <pubDate>Sun, 06 Dec 2020 20:38:30 GMT</pubDate>
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            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Die eine Hälfte der Geschichte hatten wir bereits erzählt: Daguerre der der Welt die Fotografie schenkt. Die andere Hälfte erzählen wir heute – wie nämlich am Ende ein britisches Verfahren den Durchbruch schaffte… Anna Atkins (Wikipedia) Anna Atkins – MoMA Cyanotypes of British Algae by Anna Atrkins (1843) (The Public Domain Review) Anna Atkins: Die Botanikerin, die die erste Fotografin wurde (Unter dieser Zeile müsste ein Video sein. Wenn nicht, dann auf nach https://fotomenschen.net ) Willhelm Henry Fox Talbot (wikipedia) John Herschel (Wikipedia) The pencil of nature (Wikipedia) Frederick Scott Archer (Wikipedia) Kollodium Nassplatte – eine Einführung und besondere Tücken für den Fotografen Transkript Die Briten und die Franzosen verbindet eine Hassliebe. Ja, und die zieht sich auch durch die Geschichte der Fotografie und ist vielleicht der Grund, dass das erfolgreichste aller Fotografieverfahren und die Erfindung des Fotobuches in Großbritannien statt in Frankreich stattfand. Und das, obwohl doch Frankreich der Welt die Fotografie zum Geschenk gemacht hatte. Die Geschichte der Fotografie wird ja gerne mal folgendermaßen erzählt: Da gab es diese Gruppe an Franzosen, Niépce, Bayard und Daguerre . Die hatten alle grob zur selben Zeit die Ideen zu unterschiedlichen Verfahren, den Einfall von Licht auf diversen Medien festzuhalten. Daguerre war dann der, der von den dreien den größten Geschäftssinn besaß und gleichzeitig auch das beeindruckendste produzierte, nämlich das Fotografieren auf Metallplatten, und zwar in einer bis dahin nie gesehenen Detailtiefe. Dieses Verfahren wurde dann der französischen Akademie der Wissenschaften vorgestellt, die französische Regierung kaufte es und machte es der Welt zum Geschenk. Der ganzen Welt? Aber nein. Da gab es eine Insel, nicht allzu weit von Frankreichs Küste entfernt, die Großbritannien genannt wurde. Und in Großbritannien hatte Daguerre noch vor dieser Vorstellung vor der Akademie der Wissenschaften ein Patent eingereicht, mit der Idee, durch Lizenzgebühren Einnahmen erzielen zu können. Vielleicht war der Gedanke aber auch ein anderer. Denn, wenn man es mal nüchtern betrachtet, hatte Daguerre es ja geschafft, dass der französische Staat sein Verfahren lizenziert, abgekauft und dann weiter verschenkt hatte. Vielleicht wollte er was Ähnliches in Großbritannien schaffen. Aber egal, was die Motivation gewesen sein mag, Tatsache war: Daguerreotypie durfte man überall auf der Welt umsonst anwenden, außer eben in Großbritannien. Die Briten brauchten es aber nicht, denn die Briten hatten ihre eigenen Erfinder und ihre eigenen, in Anführungsstrichen, Väter und Mütter der Fotografie. Und im Vergleich waren die Briten auch wesentlich wissenschaftlicher unterwegs. Daguerre selbst war ja Maler und Bastler, wenn man so möchte. Er verdiente sein Geld mit großen begehbaren Gemälden, Dioramen, und suchte nach Methoden, um ähnlich faszinierendes Bildmaterial zu erzeugen. Hippolyte Bayard war Beamter. In Großbritannien hingegen sind es Astronomen, Botaniker und Chemiker, die nach und nach die verschiedenen Puzzleteile zusammensetzen, aus denen ein fotografischer Prozess besteht. Was sind denn diese Puzzleteile? Nummer eins: Irgendein Licht empfindliches Medium muss her. Nummer zwei: So toll, wie es ist, wenn Licht sich auf dem Medium verewigt, irgendwie muss man diese Reaktion wieder stoppen können. Nummer drei ist die Erkenntnis, dass man mit einer Camera obscura und einer Linse Licht bündeln und damit die Belichtungszeit drücken kann und gleichzeitig Kontrolle über den Bildausschnitt bekommt. Und Nummer vier ist dann die Vervielfältigung. Daguerres Bilder waren Einzelstücke, Silberplättchen mit einem fertig fixierten Bild. Wollte man davon Drucke anfertigen, war der Prozess, der dafür notwendig wurde, sehr, sehr aufwendig und bedeutete einen signifikanten Qualitätsverlust. Das Verfahren, das in Großbritannien hingegen </itunes:summary>
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<p>Die eine Hälfte der Geschichte hatten wir bereits erzählt: <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> der der Welt die Fotografie schenkt. Die andere Hälfte erzählen wir heute &#8211; wie nämlich am Ende ein britisches Verfahren den Durchbruch schaffte&#8230;</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Atkins" target="_blank">Anna Atkins</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250110193501/https://www.moma.org/artists/231" target="_blank">Anna Atkins &#8211; MoMA</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://publicdomainreview.org/collection/cyanotypes-of-british-algae-by-anna-atkins-1843" target="_blank">Cyanotypes of British Algae by Anna Atrkins</a> (1843) (The Public Domain Review)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://fahrenheitmagazine.com/arte/visuales/anna-atkins-la-botanica-que-fue-la-primera-mujer-fotografa" target="_blank">Anna Atkins: Die Botanikerin, die die erste Fotografin wurde</a></li></ul>

<p>(Unter dieser Zeile müsste ein Video sein. Wenn nicht, dann auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

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<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/William_Henry_Fox_Talbot" target="_blank">Willhelm Henry Fox Talbot</a> (wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/John_Herschel" target="_blank">John Herschel </a>(Wikipedia)</li><li><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/The_Pencil_of_Nature" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The pencil of nature</a> (Wikipedia)</li></ul>

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<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Frederick_Scott_Archer" target="_blank">Frederick Scott Archer</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://www.schlicksbier.com/kollodium-nassplatte-eine-einfuehrung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kollodium Nassplatte &#8211; eine Einführung und besondere Tücken für den Fotografen</a></li></ul>

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<p>Transkript</p>

<p>Die Briten und die Franzosen verbindet eine Hassliebe. Ja, und die zieht sich auch durch die Geschichte der Fotografie und ist vielleicht der Grund, dass das erfolgreichste aller Fotografieverfahren und die Erfindung des Fotobuches in Großbritannien statt in Frankreich stattfand. Und das, obwohl doch Frankreich der Welt die Fotografie zum Geschenk gemacht hatte.</p>

<p>Die Geschichte der Fotografie wird ja gerne mal folgendermaßen erzählt: Da gab es diese Gruppe an Franzosen, Niépce, Bayard und <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a>. Die hatten alle grob zur selben Zeit die Ideen zu unterschiedlichen Verfahren, den Einfall von Licht auf diversen Medien festzuhalten. <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> war dann der, der von den dreien den größten Geschäftssinn besaß und gleichzeitig auch das beeindruckendste produzierte, nämlich das Fotografieren auf Metallplatten, und zwar in einer bis dahin nie gesehenen Detailtiefe. Dieses Verfahren wurde dann der französischen Akademie der Wissenschaften vorgestellt, die französische Regierung kaufte es und machte es der Welt zum Geschenk.&nbsp;</p>

<p>Der ganzen Welt? Aber nein. Da gab es eine Insel, nicht allzu weit von Frankreichs Küste entfernt, die Großbritannien genannt wurde. Und in Großbritannien hatte Daguerre noch vor dieser Vorstellung vor der Akademie der Wissenschaften ein Patent eingereicht, mit der Idee, durch Lizenzgebühren Einnahmen erzielen zu können.&nbsp;</p>

<p>Vielleicht war der Gedanke aber auch ein anderer. Denn, wenn man es mal nüchtern betrachtet, hatte Daguerre es ja geschafft, dass der französische Staat sein Verfahren lizenziert, abgekauft und dann weiter verschenkt hatte. Vielleicht wollte er was Ähnliches in Großbritannien schaffen. Aber egal, was die Motivation gewesen sein mag, Tatsache war:&nbsp; Daguerreotypie durfte man überall auf der Welt umsonst anwenden, außer eben in Großbritannien.&nbsp;</p>

<p>Die Briten brauchten es aber nicht, denn die Briten hatten ihre eigenen Erfinder und ihre eigenen, in Anführungsstrichen, Väter und Mütter der Fotografie. Und im Vergleich waren die Briten auch wesentlich wissenschaftlicher unterwegs.</p>

<p>Daguerre selbst war ja Maler und Bastler, wenn man so möchte. Er verdiente sein Geld mit großen begehbaren Gemälden, Dioramen, und suchte nach Methoden, um ähnlich faszinierendes Bildmaterial zu erzeugen. Hippolyte Bayard war Beamter. In Großbritannien hingegen sind es Astronomen, Botaniker und Chemiker, die nach und nach die verschiedenen Puzzleteile zusammensetzen, aus denen ein fotografischer Prozess besteht.</p>

<p>Was sind denn diese Puzzleteile?&nbsp;</p>

<p>Nummer eins: Irgendein Licht empfindliches Medium muss her.&nbsp;</p>

<p>Nummer zwei: So toll, wie es ist, wenn Licht sich auf dem Medium verewigt, irgendwie muss man diese Reaktion wieder stoppen können.&nbsp;</p>

<p>Nummer drei ist die Erkenntnis, dass man mit einer Camera obscura und einer Linse Licht bündeln und damit die Belichtungszeit drücken kann und gleichzeitig Kontrolle über den Bildausschnitt bekommt. Und&nbsp;</p>

<p>Nummer vier ist dann die Vervielfältigung. Daguerres Bilder waren Einzelstücke, Silberplättchen mit einem fertig fixierten Bild. Wollte man davon Drucke anfertigen, war der Prozess, der dafür notwendig wurde, sehr, sehr aufwendig und bedeutete einen signifikanten Qualitätsverlust.&nbsp;</p>

<p>Das Verfahren, das in Großbritannien hingegen zur selben Zeit entwickelt wurde, das produzierte vielleicht nicht ganz so hochauflösende Fotos wie die Daguerreotypie, aber dafür produzierte man eben Bilder auf Papier statt auf Silber und statt dem fertigen Foto hatte man ein Negativ, das man hinterher im Anschluss beliebig oft reproduzieren konnte. Und das war mit Sicherheit auch einer der Gründe, warum das später dann den Siegeszug durch die Welt antreten sollte.</p>

<p>Tatsächlich war es so, dass die Daguerreotypie gerade mal 15 Jahre in Europa und vielleicht 30 bis 40 Jahre in der neuen Welt, in den USA, erfolgreich war. Danach waren es die Erfindungen aus Großbritannien, die letztlich den Grundstock dafür legten, wie wir bis ins Jahr 2005 hauptsächlich fotografierten.&nbsp;</p>

<p>Und drei Namen sind aus dieser Geschichte nicht wegzudenken. Einmal war da der berühmte Astronom John Herschel, der hatte ein Verfahren entwickelt, um seine astronomischen Beobachtungen automatisch festhalten zu können, das Cyanotypie genannt wurde. Es produzierte tiefblaue Bilder, hatte aber den Vorteil, supereinfach in Anwendung zu sein. Man tränkte ein Papier in Chemikalien, wodurch es lichtempfindlich wurde und setzte es dann Licht aus. Sterne sind Lichtpunkte, aber man kann natürlich auch andere Gegenstände auf dieses Papier legen und das Papier dann zum Beispiel in die Sonne packen.&nbsp;</p>

<p>Das Ergebnis nannte man damals photogenic drawing oder Lichtzeichnungen. Es war dann auch John Herschel, der irgendwann anfing, von Fotografien zu sprechen.</p>

<p>John Herschel war im regen Austausch mit den Wissenschaftlern der damaligen Zeit. Er gehörte zu einem erlauchten, hoch aktiven Kreis von Wissenschaftlern und Gelehrten. Zu seinen engeren Freunden gehörte John Children, seines Zeichens Botaniker, unter anderem Vorsitzender der botanischen Gesellschaft in London und einer der Mitarbeiter des gerade mal frisch gegründeten British Museums.</p>

<p>John Children hatte eine Tochter, Anna.&nbsp;</p>

<p>Anna hatte ihre Mutter nie kennengelernt, da die kurz nach ihrer Geburt gestorben war. Aber sie war wirklich sehr eng mit ihrem Vater und der gab seine Faszination für Biologie und speziell Botanik an seine Tochter weiter. Und so lief schon die kleine Erna durch die Botanik und katalogisierte Farne und Blumen. Und wie damals nicht unüblich war der Bleistift und die Zeichnung eines ihrer Hauptwerkzeuge.&nbsp;</p>

<p>Cyanotypie kam da gerade recht und schnell stellte sich raus, dass sogar mehr möglich war. Manche Teile der Pflanzen waren teildurchlässig und das sah man natürlich dann auch auf den Cyanotypes. Und Anna schritt zur Tat. Systematisch begannen sie, Farne und Pflanzen in ihrer Umgebung zu sammeln, zu katalogisieren und Cyanotypien zu fertigen. Sie sammelte die Bilder und begleitende Texte in eigenen Alben und begann, die regelmäßig herauszugeben. Zwischen 1843 und 1851 veröffentlichte sie dreizehn Teile. Später dann gab es eine Gesamtausgabe, in der es dann 14 Seiten Text und 389 Seiten gefüllt mit Cyanotypien gab. Anna brach auch mit einigen Konventionen der damaligen botanischen Wissenschaftswelt. Sie nahm eigene Katalogisierungen, eigene Typisierungen vor und sortierte die Pflanzen anders.&nbsp;</p>

<p>Überhaupt waren diese Alben (heute würde man sie Fotobücher nennen) deutlich künstlerischer, als man von wissenschaftlichen Arbeiten damals erwartete. Viele der Cyanotypien sehen auch mit heutigen Augen immer noch fantastisch aus. Und es ist keine Übertreibung zu sagen, dass <a "/tags/anna-atkins.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="3" title="Anna Atkins">Anna Atkins</a> mit diesen ersten Alben nicht nur Wissenschaftsgeschichte und Kunst geschaffen hat, sondern das Fotobuch als Medium überhaupt erfunden hat.</p>

<p>Und sie war die erste Frau, die fotografisch gearbeitet hat, und zwar parallel zu all den sogenannten Vätern der Fotografie. Einer, der sie als Einfluss auch erwähnt, ist der dritte Name, auf den es uns heute ankommt. Willhelm Henry Fox Talbot.&nbsp;</p>

<p>Talbot verdankt seiner Mutter eine privilegierte Kindheit. Sie ist eine hochgebildete Frau, deren Geschäftssinn es zu verdanken ist, dass sich der Schuldenberg, den ihr ihr erster Mann bei seinem Tod hinterlassen hatte, in ein beeindruckendes Vermögen verwandelt hatte. Sie und ihr zweiter Ehemann bereisen mit dem kleinen Willhelm Henry nicht nur die Welt, sondern sorgen auch dafür, dass eine fundierte, wissenschaftliche Ausbildung erhält.&nbsp;</p>

<p>Talbot ist auch einer dieser unglaublich beeindruckenden Universalgelehrten. Er ist Botaniker, Ethymologe, beschäftigt sich mit der Geschichte des assyrischen Reiches und seit 1833 arbeitet er an verschiedenen fotografischen Verfahren, die er zunächst photogenic drawing nennt. Also Zeichnen mit Licht. Ganz ähnlich John Herschels Cyanotypie. Es wird also ein Papier empfindlich gemacht und es werden Gegenstände draufgelegt. Für Talbot ist das allerdings nur ein erster Schritt. Eigentlich möchte er mit einer Camera Obscura arbeiten. Die hatte er für verschiedenste Zwecke schon als Zeichenhilfe benutzt. Er hatte eine Camera Obscura genommen, die auf eine Platte ein Bild projizierte und versucht, dieses Bild abzuzeichnen.&nbsp;</p>

<p>Und er versuchte einfach, diese zwei Methoden zu kombinieren. Die photogenic drawings hatten damals noch den Nachteil, dass die Empfindlichkeit anhielt und dass sie sehr lange belichtet werden mussten. In einer Camera Obscura dauerte es zum Teil Stunden, bis ein Bild sichtbar wurde und dann war das Problem, dass das Papier ja immer noch empfindlich war. Es würde also weiter nachdunkeln. Man musste irgendwie dafür sorgen, dass dieser Prozess gestoppt wurde. Und dann waren die Bilder auch nicht wirklich detailreich oder scharf. Das war alles relativ verwaschen.&nbsp;</p>

<p>Aber Talbot war Wissenschaftler. Er arbeitete es systematisch an dem Problem. Und in seiner Korrespondenz mit seinem Freund Herschel fand man dann auch die eine oder andere Lösung. So entdeckte er dank Herschel beispielsweise verschiedene Möglichkeiten, um den Belichtungsprozess zu stoppen.&nbsp;</p>

<p>Irgendwann kam dann der große Durchbruch. Als Talbot nämlich entdeckte, dass das Licht seine Spuren auf dem Papier schon hinterlassen hatte, obwohl man es mit bloßem Auge noch nicht sehen konnte. Das sogenannte latente Bild, das man dann chemisch hervorholen konnte, sorgte dafür, dass die Belichtungszeiten von Stunden zu Minuten und schließlich zu Sekunden wurden. Nach und nach wurde auch der Detailgrad besser und letztlich hatte Talbot ein Verfahren, das er Calotypie nannte, mit dem man Fotos produzieren konnte, die wir auch heute noch als Fotos gelten lassen würden.&nbsp;</p>

<p>Inzwischen drangen Gerüchte nach England, ein Franzose hätte eine Möglichkeit entdeckt, die Bilder der Camera Obscura festzuhalten. Talbot machte sich Sorgen, dass das eventuell dasselbe Verfahren sein könnte, an dem er jetzt schon jahrelang arbeitete und trug eilig seine Ergebnisse zusammen und stellte sie der Royal Academy of Sciences vor.</p>

<p>Seine bisherigen Entdeckungen hatte er der Welt jeweils zum Geschenk gemacht. Diese Methode ließ er allerdings patentieren, eigentlich weniger aus eigenem Antrieb, sondern eher auf Zureden seiner Freunden und Verwandten. Es kostete also Lizenzgebühren, wollte man Calotypie verwenden.&nbsp;</p>

<p>Als Daguerre dann sein Verfahren vorgestellt hatte war wahrscheinlich erstmal die Erleichterung groß. Allerdings war die rechtliche Situation etwas seltsam, denn Daguerre hatte ja in Großbritannien ein Patent angemeldet und Harvard hatte auch sein Verfahren entsprechend sichern lassen. Und so war es ein wirklich teurer Spaß, wenn man in Großbritannien Bilder produzieren wollte. Oder auch sonst in der Welt. Entweder waren die Silberplatten und die Apparaturen, die notwendig waren, um Daguerreotypien zu fertigen teuer oder Lizenzgebühren für Calotypien oder Daguerreotypien, je nachdem wo man denn nun war, trieben die Kosten in die Höhe. Und natürlich hielten die Entdecker ihre jeweiligen Entdeckungen für die bessere Methode.&nbsp;</p>

<p>Talbot produziert ein Fotobuch, eigentlich gedacht als eine Art Broschüre, mit der er für seine Methode Werbung machen wollte und erklärte darin, was zur Entwicklung der Calotypie geführt hatte, welche Einflüsse ihn dahin gebracht hatten und welche Anwendungsgebiete es gab. Dieses (wahrscheinlich) zweite Fotobuch der Geschichte erwähnt dann auch <a "/tags/anna-atkins.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="3" title="Anna Atkins">Anna Atkins</a> Arbeit, denn Talbot war ja selber auch Botaniker und das fotografische Dokumentieren von Pflanzen war dann auch eine der Beispiele, die er in seinem Buch aufführte. Und überhaupt ein Buch zu produzieren war sehr naheliegend, denn der Buchdruck oder generell der Druck war natürlich das eine herausragende Merkmal, die eine Stärke, die die Calotypie gegenüber der Daguerreotypie hatte.&nbsp;</p>

<p>Weil der Spaß aber durch die Lizenzgebühren nicht ganz billig war, gab es eine Menge Leute, die versuchten, eine alternative Methode zu finden. Und so dauerte es gerade mal bis zu dem Jahr 1850, bis mit dem sogenannten &#8222;Wet Collodium Prozess&#8220; eine Methode auf den Markt kam, die die Vorteile der Calotypie mit ein paar der Vorteilen der Daguerreotypie zu kombinieren schien. Die Methode war von einem scheuen Briten namens Frederick Scott Archer entwickelt worden und benutzte Glas statt Papier als negativträger. Scott Archer wollte kein Geld damit verdienen. Er meldete kein Patent an. Damit fühlten sich die Fotografen der Zeit im Recht, dieses Verfahren einfach anwenden zu können.&nbsp;</p>

<p>Talbot sah das anders. In seinen Augen war das Verfahren identisch zu der Calotypie, nur dass eben statt Papier Glas verwendet wurde. Und so zog er gegen einen der Fotografen wegen ausstehenden Lizenzgebühren vor Gericht. Das Gericht hingegen sah das anders. Es urteilte, dass Talbots Patent für fotografische Verfahren auf Papier Gültigkeit hätte und der Wet Collodium Prozess wäre ja auf Glas und damit was anderes. Und das markiert dann auch das Ende der Daguerreotypie und im Großen und Ganzen der Fotografie auf Papiernegative. Aber im Grunde muss man sagen: Das Gericht hatte keine Ahnung oder hat absichtlich nicht hingesehen.</p>

<p>Denn das Verfahren ist sehr wohl sehr ähnlich zu dem von Talbot. Aber für die Fotografie an sich war das natürlich ein Segen. Ab jetzt konnte man frei von Lizenzgebühren hochwertige Negative produzieren und davon hochwertige Abzüge fertigen. Ab hier war die Entwicklung dann auch vorgezeichnet. Aus dem wet plates wurden dry plates und das Glas als Negativ wurde irgendwann von Zelluloid als negativ abgelöst und damit, mit Rollfilm also, fotografieren Analogfotografen noch heute. Aber auf Silber fotografiert seit knapp 150 Jahren so gut wie niemand mehr.</p>

<p>Wenn man sich mit der frühen Geschichte Fotografie beschäftigt, gibt&#8217;s eine Menge erste Male. Und auch wenn Daguerre der erste war, der ein kommerziell erfolgreiches fotografisches Verfahren etabliert hatte, es ist die Arbeit von Talbot, Atkins, Scott Archer und John Herschel, die tatsächlich bis heute noch Bestand hat. Wer sich ein Buch über die Filme von Quentin Tarantino kauft, hat einen Nachfolger der Arbeit von <a "/tags/anna-atkins.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="3" title="Anna Atkins">Anna Atkins</a> in der Hand. Und Quentin ist dafür bekannt, dass es seine Filme auf Zelluloid aufnimmt, also nicht digital. Und das ist Technologie, die sich zu Archer und Talbot zurückverfolgen lässt. Festhalten lässt sich jedenfalls, dass rund um die 1850er Jahre die Idee der Fotografie &#8222;Public Domain&#8220;, also, für jeden zugänglich wurde. Also eigentlich, könnte man sagen, hat Scott Archer die Fotografie der Welt zum Geschenk gemacht.</p>]]></content:encoded>
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            <title>The British Bulldog</title>
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            <pubDate>Sat, 28 Nov 2020 16:00:01 GMT</pubDate>
            <description>Ikonische Fotografien werden manchmal durch spontane Eingebung und einzigartige Persönlichkeiten geboren. Als am 30.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Ikonische Fotografien werden manchmal durch spontane Eingebung und einzigartige Persönlichkeiten geboren. Als am 30. Dezember 1941 der Kriegs-Premierminister Sir Winston Churchill auf den damals noch unbekannten jungen Fotografen Yousuf Karsh traf war genau so ein Moment. Für Churchill wurde diese Aufnahme zur definierenden Charakterstudie und für Karsh war sie der Beginn einer jahrzehntelangen Karriere. Yousuf Karsh Webseite Yousuf Karsh (Wikipedia) Who’s Who (Wikipedia) Winston Churchill (Wikipedia) Yousuf Karsh Portraits at the National Portrait Gallery Winston Churchill 70 years ago: ‘Some chicken! Some neck!’ Winston Churchill Quotes (Unter dieser Zeile müsste ein Video sein. Wenn nicht, dann auf nach https://fotomenschen.net ) Bild: Von digitalisiert von: BiblioArchives / LibraryArchives – Flickr: Sir Winston Churchill, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41991931 Transkript Man nannte ihn den „Lion of the West“ oder den „Bulldog of the West“. Er war wahrscheinlich damals der Leader of the free World. Sir Winston Churchill, der britische Premierminister, der Großbritannien und in einem gewissem Sinne eigentlich die Alliierten durch den Zweiten Weltkrieg führte. Und dieses Image hat eine Menge mit einer ganz bestimmten berühmten Fotografie zu tun, dem Foto von Churchill nämlich, das ganz oben steht, wenn man bei der Google-Bildersuche nach Winston Churchill sucht. Winston Churchill ist einer dieser gigantischen Persönlichkeiten, der ich unmöglich gerecht werden kann. Zu dem Zeitpunkt, zu dem unsere heutige Episode stattfinden wird, war Winston Churchill gerade ein Jahr Premierminister, und er hatte sich hervorgetan als unnachgiebig gegenüber dem Hitlerregime. Er hatte sich jeglichen Verhandlungen rundheraus verweigert und hatte stattdessen eine Anti-Deutschland-Allianz zwischen der Sowjetunion, den USA und Großbritannien geschmiedet. Zu dem Zeitpunkt bereits 67 Jahre alt, hatte er eine politische Karriere mit allen Höhen und Tiefen, eine Offizierskarriere und eine Karriere als Autor verschiedener Werke hinter sich. Viel später, im Jahr 1953, würde Sir Winston Churchill übrigens den Nobelpreis für Literatur bekommen. Er war also wortgewaltig. Das zeichnet sich auch ab, wenn man sich mit ihm beschäftigt und diese unendliche Menge an Churchillzitaten durchblättert. Im Dezember 1941 befindet Churchill sich auf Nordamerikareise. Kanada ist seit 1939 mit Deutschland im Krieg . Die USA waren erst kürzlich eingetreten und Churchill bespricht Pläne und trommelt die Unterstützer zusammen. Und am 30. Dezember macht er Halt im kanadischen Ottawa. [Einspieler] „Members of the Canadian Parliament! Hear Mr.Churchill’s Speech during which he pays Tribute to canadian soldiers on active service.“ „In two months, when the invasion season returns, the canadian army may be engaged in one of the most prideful battles the world has ever seen. We’ll not ask if the rules of the game should me modified, if any, we shall never descend to the german and japanese level. But if anybody likes to play rough we can play rough, too.“ Die Rede war ein voller Erfolg, immer wieder unterbrochen von tosendem Applaus und Gelächter. Winston Churchill wusste genau, wie man ein Publikum abholt. Er bereitete seine Reden ausführlich und detailliert vor. Und so hat er nicht nur eine oder zwei, sondern wahrscheinlich dutzende historischer Reden gehalten. Und immer wieder mal wird gesagt, dass Churchills Reden signifikant dazu beigetragen hatten, dass während den harten Kriegsjahren die Alliierten und natürlich ganz besonders die Briten immer wieder zu ihrem Durchhaltewillen zurückfanden. Diese Rede in Ottawa jedenfalls, am 30. Dezember 1942, lief großartig. Churchill war mit sich zufrieden. Er trat von dem Rednerpult ab und entspannte sich mit einer Zigarre und einem Glas Johnnie Walker, beides Vorlieben, für die er bekannt und berühmt war. Es gibt kaum ein Foto v</itunes:summary>
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<p>Ikonische Fotografien werden manchmal durch spontane Eingebung und einzigartige Persönlichkeiten geboren. Als am 30. Dezember 1941 der Kriegs-Premierminister Sir Winston Churchill auf den damals noch unbekannten jungen Fotografen Yousuf Karsh traf war genau so ein Moment. Für Churchill wurde diese Aufnahme zur definierenden Charakterstudie und für Karsh war sie der Beginn einer jahrzehntelangen Karriere. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://karsh.org/" target="_blank">Yousuf Karsh Webseite</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yousuf_Karsh" target="_blank">Yousuf Karsh</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Who%E2%80%99s_Who" target="_blank">Who&#8217;s Who</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Winston_Churchill" target="_blank">Winston Churchill</a> (Wikipedia)</li><li>Yousuf Karsh Portraits at the National <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portrait</a> Gallery</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://winstonchurchill.org/publications/churchill-bulletin/bulletin-043-jan-2012/winston-churchill-70-years-ago-some-chicken-some-neck/" target="_blank">Winston Churchill 70 years ago: ‘Some chicken! Some neck!’</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.goodreads.com/author/quotes/14033.Winston_S_Churchill" target="_blank">Winston Churchill Quotes</a></li></ul>

<p>(Unter dieser Zeile müsste ein Video sein. Wenn nicht, dann auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

<div class="yt-facade" data-yt="ZQaIPxuhWMc" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_ZQaIPxuhWMc.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<div class="yt-facade" data-yt="R0bANcJeySU" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_R0bANcJeySU.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<p class="has-small-font-size">Bild: Von digitalisiert von: BiblioArchives / LibraryArchives &#8211; Flickr: Sir Winston Churchill, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41991931</p>

<hr/>

<p>Transkript</p>

<p>Man nannte ihn den &#8222;Lion of the West&#8220; oder den &#8222;Bulldog of the West&#8220;. Er war wahrscheinlich damals der Leader of the free World. Sir Winston Churchill, der britische Premierminister, der Großbritannien und in einem gewissem Sinne eigentlich die Alliierten durch den Zweiten Weltkrieg führte. Und dieses Image hat eine Menge mit einer ganz bestimmten berühmten Fotografie zu tun, dem Foto von Churchill nämlich, das ganz oben steht, wenn man bei der Google-Bildersuche nach Winston Churchill sucht.</p>

<p>Winston Churchill ist einer dieser gigantischen Persönlichkeiten, der ich unmöglich gerecht werden kann. Zu dem Zeitpunkt, zu dem unsere heutige Episode stattfinden wird, war Winston Churchill gerade ein Jahr Premierminister, und er hatte sich hervorgetan als unnachgiebig gegenüber dem Hitlerregime. Er hatte sich jeglichen Verhandlungen rundheraus verweigert und hatte stattdessen eine Anti-Deutschland-Allianz zwischen der Sowjetunion, den USA und Großbritannien geschmiedet.&nbsp;</p>

<p>Zu dem Zeitpunkt bereits 67 Jahre alt, hatte er eine politische Karriere mit allen Höhen und Tiefen, eine Offizierskarriere und eine Karriere als Autor verschiedener Werke hinter sich. Viel später, im Jahr 1953, würde Sir Winston Churchill übrigens den Nobelpreis für Literatur bekommen. Er war also wortgewaltig. Das zeichnet sich auch ab, wenn man sich mit ihm beschäftigt und diese unendliche Menge an Churchillzitaten durchblättert.&nbsp;</p>

<p>Im Dezember 1941 befindet Churchill sich auf Nordamerikareise. Kanada ist seit 1939 mit Deutschland im <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a>. Die USA waren erst kürzlich eingetreten und Churchill bespricht Pläne und trommelt die Unterstützer zusammen. Und am 30. Dezember macht er Halt im kanadischen Ottawa.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;Members of the Canadian Parliament! Hear Mr.Churchill&#8217;s Speech during which he pays Tribute to canadian soldiers on active service.&#8220; &#8222;In two months, when the invasion season returns, the canadian army may be engaged in one of the most prideful battles the world has ever seen. We&#8217;ll not ask if the rules of the game should me modified, if any, we shall never descend to the german and japanese level. But if anybody likes to play rough we can play rough, too.&#8220;</p>

<p>Die Rede war ein voller Erfolg, immer wieder unterbrochen von tosendem Applaus und Gelächter. Winston Churchill wusste genau, wie man ein Publikum abholt. Er bereitete seine Reden ausführlich und detailliert vor. Und so hat er nicht nur eine oder zwei, sondern wahrscheinlich dutzende historischer Reden gehalten. Und immer wieder mal wird gesagt, dass Churchills Reden signifikant dazu beigetragen hatten, dass während den harten Kriegsjahren die Alliierten und natürlich ganz besonders die Briten immer wieder zu ihrem Durchhaltewillen zurückfanden.&nbsp;</p>

<p>Diese Rede in Ottawa jedenfalls, am 30. Dezember 1942, lief großartig. Churchill war mit sich zufrieden. Er trat von dem Rednerpult ab und entspannte sich mit einer Zigarre und einem Glas Johnnie Walker, beides Vorlieben, für die er bekannt und berühmt war. Es gibt kaum ein Foto von Churchill, wo er nicht eine Zigarre oder ein Whiskyglas oder beides in der Hand hält. Das wusste auch der junge kanadische Fotograf Yousuf Karsh, der beauftragt worden war, ein Foto von Churchill zu machen.&nbsp;</p>

<p>Yousuf Karsh hatte sich zu dem Zeitpunkt in Kanada bereits einen Namen als Porträtfotograf gemacht. Er war als Jugendlicher als Flüchtling aus Syrien nach Kanada ausgewandert und hatte dort dann das Fotografenhandwerk im Fotostudio seines Onkels gelernt.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;I came from Armenia after the massacre of the Armenians by the Turks. I came to Canada with the hope that an Uncle of mine, Nakash, would help to facilitate my being as a physician but I end up being a photographer and I&#8217;m very happy about it.&#8220;</p>

<p>Ja, eigentlich wollte er also Arzt werden, aber hat sich dann spontan in die Fotografie verliebt und blieb dabei. Karsh war besonders gut darin, Porträts von Menschen zu machen, die gleichzeitig kleine Geschichten erzählten. Man sah mehr als einfach nur ein Foto eines berühmten Menschen. Seine Porträts zeigten immer auch die Persönlichkeit, den Menschen, die Umstände, in denen das Bild entstand.&nbsp;</p>

<p>Zu dem Zeitpunkt dieser Churchillrede in Ottawa war Karsh eben schon bekannt für seine Porträts und hatte verschiedenste Celebrities vor der Kamera gehabt. Deswegen dauerte der technische Aufbau auch gar nicht lang. In einem Nebenraum hatte er Belichtung und Kamera bereits stehen und wartete darauf, dass jemand Churchill vorbeibringen würde. Der wusste nichts von dem Ganzen. Er war zwar gut gelaunt, aber im Grunde ließe sich auch ungern fotografieren. Und deswegen war das auch keine willkommene Überraschung, als man ihm im Nebenraum mitteilte, dass er noch für ein Porträt posieren sollte.</p>

<p>&#8222;Meinetwegen, wenn&#8217;s sein muss. Der Fotograf hat fünf Minuten.&#8220;, soll er gesagt haben. Er kommt also in den Raum, mit seiner Zigarre in der Hand, stellt sich vor die Kamera und schaut den Fotografen an. Der versucht es erst höflich, sagt &#8222;Sir, we prepared an ash tray for you.&#8220;, denn er wusste, dass er nicht schon wieder ein Foto mit Winston Churchill mit Zigarre in der Hand machen wollte. Winston Churchill ignoriert das, und es ist der Moment, für den Yousuf K. später berühmt wird.&nbsp;</p>

<p>Er nimmt nämlich sein Belichtungsmesser und geht vor zu Winston Churchill, misst kurz nochmal das Licht nach, nimmt ihm dann die Zigarre aus dem Mund, geht zurück zur Kamera und drückt ab. Und der Blick, den Churchill in diesem Bild hat, ist unbezahlbar. Und Yousuf Karsh hatte bekommen, was er fotografieren wollte. Ein Porträt von Churchill, wo Churchill unnachgiebig, grimmig, willens, das Notwendige zu tun aussieht und eben nicht das typische Churchillporträt, wo er mittelmäßig gut gelaunt mit Zigarre in der Hand in die Kamera schaut. Er ging dann nicht auf den Fotografen los, übrigens, sondern verstand durchaus, was der Sinn der Aktion gewesen war. Er wollte das aber auch nicht so stehen lassen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;And after this defined image he gave me he straightened up, he said: &#8222;You can take another one.&#8220;</p>

<p>Es gibt also noch ein zweites, deutlich freundlicheres Porträt aus demselben Fotoshooting. Berühmt wurde Yousuf allerdings für das erste.&nbsp;</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>&#8222;What is extraordinary about this photograph, it was a symbol of the determination and the British Bulldog. And one of your former commentator colleges, when he saw the saw this <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">portrait</a> of Churchill, he said: &#8222;Ah. He is the man who marshalled the english language and sent it into battle when we had little else.&#8220;&#8220;</p>

<p>Es gibt eine Art Standardwerk, das berühmte Persönlichkeiten listet, das &#8222;Who is Who&#8220;. Und das &#8222;Who is Who&#8220; des 20.Jahrhunderts listet 100 berühmte Persönlichkeiten. Als Yousuf Karsh 2002 stirbt, hat er mehr als die Hälfte dieser Persönlichkeiten porträtiert und ist selbst der einzige Fotograf, der auf dieser Liste geführt wird. Hemingway, der Papst, die britische Königsfamilie oder eben Winston Churchill. Seine Portraits zeigen nicht nur Berühmtheiten, sondern geben uns das Gefühl, den wahren Menschen in der Aufnahme erkennen zu können. Und selbst wenn das natürlich manchmal nur eine Illusion ist, gibt es doch nur sehr wenige, die diese Kunst bei Porträts so virtuos beherrschten wie Yousuf Karsh. So gesehen schon ganz gut, dass in der British Bulldog nicht gleich an Ort und Stelle verschlungen hat.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Mug Shots a la Bertillon</title>
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            <pubDate>Sun, 22 Nov 2020 16:27:54 GMT</pubDate>
            <description>Die polizeiliche und forensische Fotografie gehört zu den großen Bereichen der Fotografie überhaupt.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Die polizeiliche und forensische Fotografie gehört zu den großen Bereichen der Fotografie überhaupt. Tatortbilder, Beweisfotos und Portraits Verdächtiger gehören heute zum Alltag was aber längst nicht schon immer so war. Ein Bild und seine Geschichte: Mann am Kreuz (Spiegel) Geschichte der biometrischen Datenerfassung Alphonse Bertillon (Wikipedia) Bertillonage (Wikipedia) Attentat auf Abraham Lincoln (Wikipedia) Hanging the Lincoln Conspirators; A photographic timeline The Grisly, Fascinating History of Crime Photography (Wired) 30 famous mugshots you’ve never seen before What Is Outlook 2010 People Pane And How To Disable It Bild: Von Alphonse Bertillon (1853-1914) – Michel Frizot, Serge July, Christian Phéline, Jean Sagne : Identités : de Disderi au photomaton, éditions Photo Copies – Centre National de la Photographie, Paris, 1985, p.61., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10074659 Transkript In einer Welt, in der jeder und jede von uns Fotograf sein kann und auf jeden Fall schon fotografiert hat, ist es schwierig, die rein professionellen Ecken ausfindig zu machen, in denen Fotografie nur noch Mittel zum Zweck ist. Die sogenannte forensische Fotografie ist so ein Bereich. Vom Beginn der Fotografie an war eins völlig klar: Es gab unendlich viele Anwendungsfälle dieser neuen Kulturtechnik. Schon die Väter der Fotografie (es waren alles Väter) schlugen die unterschiedlichsten Richtungen ein. Wir hatten die wissenschaftliche Anwendung, also das systematische Dokumentieren z.B. von Gegenständen oder Architektur, aber gleichzeitig hatten wir den Versuch, Aufnahmen zu schaffen, die wie klassische Gemälde aussahen. Und wo wir schon bei klassischen Gemälden sind: Da wissen wir ja, oft sind da Nackte drauf zu sehen. Und auch das zog natürlich sofort in die Fotografie ein, genauso wie es relativ früh Versuche gab, über fotografische Verfahren Geld zu fälschen. Wie es so oft ist: Eine neue Technologie wird eingeführt. Es herrscht eine gewisse Gesetzlosigkeit und die wird zunächst von den Menschen der Gesellschaft ausgenutzt, die von Gesetzlosigkeit Vorteile haben. Ihnen dicht auf der Spur: Die Polizeiarbeit. Allerdings ist die Polizeiarbeit zu der Zeit noch sehr, sehr jung. 1839, als die Daguerreotypie , also das erste kommerziell erfolgreiche fotografische Verfahren der Welt zum Geschenk gemacht wird, ist die Polizeistation in London gerade mal zehn Jahre alt. Die ganze Disziplin der Kriminalistik hat gerade mal 40 Jahre auf dem Buckel. Denn die erste Polizeidienststelle überhaupt geht auf einen Parlamentsbeschluss der Stadt Glasgow aus dem Jahr 1800 zurück. Damals hat man sich eingestanden, dass das bisherige System von Freiwilligen, unbezahlten Konstablern oder Söldnern nicht dazu geeignet ist, um wirklich Recht und Ordnung durchzusetzen. Und so beschloss man, einen neuen Berufsstand zu schaffen. Und es funktionierte zwar so gut, dass es überall nachgemacht wurde, aber es war natürlich weder abgestimmt noch überall auf demselben Qualitätsniveau. Aber zwei Probleme hatten alle Polizeidienststellen gemeinsam: Erstens mussten sie Menschen finden können und zweitens mussten sie zur Aufklärung von Verbrechen Beweise dokumentieren und Hinweise festhalten können. Die ersten Kriminalisten versuchten sich da meistens im Karteikartensystem. Je nachdem, wer mit einem jeweiligen System angefangen hatte, waren die dann gerne mal alphabetisch nach Tatort, nach Jahreszahl, nach Namen der Verdächtigen, was auch immer, sortiert und in dem Berg an Daten, den ein durchschnittlicher Polizeialltag produzieren kann, eigentlich nicht mehr auffindbar. Wenn es um die Fahndung von Menschen ging, kam noch dazu, dass die Beschreibung von Personen nicht standardisiert war. Man blickte also recht früh hoffnungsfroh auf die ersten fotografischen Aufnahme- und dann auch später Druckverfahren. Die Daguerreotypie war da relativ unhandlich, denn sie produziert</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Die polizeiliche und forensische Fotografie gehört zu den großen Bereichen der Fotografie überhaupt. Tatortbilder, Beweisfotos und Portraits Verdächtiger gehören heute zum Alltag was aber längst nicht schon immer so war. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/geschichte/alphonse-bertillon-und-die-vermessung-der-verbrecher-a-1142837.html" target="_blank">Ein Bild und seine Geschichte: Mann am Kreuz</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.deutsches-spionagemuseum.de/2020/07/16/geschichte-der-biometrischen-datenerfassung-1-koerpermasse-fingerabdruecke" target="_blank">Geschichte der biometrischen Datenerfassung</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alphonse_Bertillon" target="_blank">Alphonse Bertillon</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bertillonage" target="_blank">Bertillonage </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Attentat_auf_Abraham_Lincoln" target="_blank">Attentat auf Abraham Lincoln</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210417071116/https://coololdphotos.com/hanging-the-lincoln-conspirators/" target="_blank">Hanging the Lincoln Conspirators; A photographic timeline</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.wired.com/2015/12/burden-of-proof-exhibition-crime-photography/" target="_blank">The Grisly, Fascinating History of Crime Photography</a> (Wired)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210411042042/https://www.history101.com/30-famous-mugshots-youve-never-seen-before/" target="_blank">30 famous mugshots you’ve never seen before</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.addictivetips.com/windows-tips/what-is-outlook-2010-people-pane-and-how-to-disable-it/" target="_blank">What Is Outlook 2010 People Pane And How To Disable It</a></li></ul>

<figure><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/40/Bertillon%2C_Alphonse%2C_fiche_anthropom%C3%A9trique_recto-verso.jpg/1920px-Bertillon%2C_Alphonse%2C_fiche_anthropom%C3%A9trique_recto-verso.jpg" alt="Ein historisches Identifikationsformular für M. Bertillon mit zwei Porträts von ihm und zahlreichen Feldern für Messungen und Beschreibungen."/></figure>

<div><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="471" height="415" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/image-2.png" alt="Zwei Porträts einer Person nebeneinander und darunter eine Benutzeroberfläche eines Computers, die die Meldung „There are no items to show in this view.“ anzeigt."/></figure></div>

<div><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="582" height="212" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/image-1.png" alt="Fünf gelbe Sterne, das Datum 09.11.2020, der Titel „Grandios“ und ein deutscher Textbeitrag mit einem Emoji am Ende."/></figure></div>

<p class="has-small-font-size">Bild: Von Alphonse Bertillon (1853-1914) &#8211; Michel Frizot, Serge July, Christian Phéline, Jean Sagne&nbsp;: Identités&nbsp;: de Disderi au photomaton, éditions Photo Copies &#8211; Centre National de la Photographie, Paris, 1985, p.61., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10074659</p>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>In einer Welt, in der jeder und jede von uns Fotograf sein kann und auf jeden Fall schon fotografiert hat, ist es schwierig, die rein professionellen Ecken ausfindig zu machen, in denen Fotografie nur noch Mittel zum Zweck ist. Die sogenannte forensische Fotografie ist so ein Bereich.</p>

<p>Vom Beginn der Fotografie an war eins völlig klar: Es gab unendlich viele Anwendungsfälle dieser neuen Kulturtechnik. Schon die Väter der Fotografie (es waren alles Väter) schlugen die unterschiedlichsten Richtungen ein. Wir hatten die wissenschaftliche Anwendung, also das systematische Dokumentieren z.B. von Gegenständen oder Architektur, aber gleichzeitig hatten wir den Versuch, Aufnahmen zu schaffen, die wie klassische Gemälde aussahen. Und wo wir schon bei klassischen Gemälden sind: Da wissen wir ja, oft sind da Nackte drauf zu sehen. Und auch das zog natürlich sofort in die Fotografie ein, genauso wie es relativ früh Versuche gab, über fotografische Verfahren Geld zu fälschen.&nbsp;</p>

<p>Wie es so oft ist: Eine neue Technologie wird eingeführt. Es herrscht eine gewisse Gesetzlosigkeit und die wird zunächst von den Menschen der Gesellschaft ausgenutzt, die von Gesetzlosigkeit Vorteile haben. Ihnen dicht auf der Spur: Die Polizeiarbeit.&nbsp;</p>

<p>Allerdings ist die Polizeiarbeit zu der Zeit noch sehr, sehr jung. 1839, als die <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a>, also das erste kommerziell erfolgreiche fotografische Verfahren der Welt zum Geschenk gemacht wird, ist die Polizeistation in London gerade mal zehn Jahre alt. Die ganze Disziplin der Kriminalistik hat gerade mal 40 Jahre auf dem Buckel.&nbsp;</p>

<p>Denn die erste Polizeidienststelle überhaupt geht auf einen Parlamentsbeschluss der Stadt Glasgow aus dem Jahr 1800 zurück. Damals hat man sich eingestanden, dass das bisherige System von Freiwilligen, unbezahlten Konstablern oder Söldnern nicht dazu geeignet ist, um wirklich Recht und Ordnung durchzusetzen. Und so beschloss man, einen neuen Berufsstand zu schaffen. Und es funktionierte zwar so gut, dass es überall nachgemacht wurde, aber es war natürlich weder abgestimmt noch überall auf demselben Qualitätsniveau.</p>

<p>Aber zwei Probleme hatten alle Polizeidienststellen gemeinsam: Erstens mussten sie Menschen finden können und zweitens mussten sie zur Aufklärung von Verbrechen Beweise dokumentieren und Hinweise festhalten können.&nbsp;</p>

<p>Die ersten Kriminalisten versuchten sich da meistens im Karteikartensystem. Je nachdem, wer mit einem jeweiligen System angefangen hatte, waren die dann gerne mal alphabetisch nach Tatort, nach Jahreszahl, nach Namen der Verdächtigen, was auch immer, sortiert und in dem Berg an Daten, den ein durchschnittlicher Polizeialltag produzieren kann, eigentlich nicht mehr auffindbar. Wenn es um die Fahndung von Menschen ging, kam noch dazu, dass die Beschreibung von Personen nicht standardisiert war. Man blickte also recht früh hoffnungsfroh auf die ersten fotografischen Aufnahme- und dann auch später Druckverfahren.&nbsp;</p>

<p>Die <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> war da relativ unhandlich, denn sie produzierte Einzelstücke auf Metall, noch dazu Einzelstücke auf Metall, die relativ empfindlich waren und gut gelagert werden wollten. Trotzdem fingen vor allen Dingen in den USA relativ früh Porträtstudios an, ihre Dienste auch in der Nähe von Polizeistationen anzubieten.</p>

<p>Als er Mitte der 1850er Papierbasierende Negativverfahren die Fotografie eroberten, also die Möglichkeit auftauchte, Fotos zu machen und beliebig oft zu vervielfältigen, hob auch die Zusammenarbeit zwischen Fotografen und Polizeidienststellen ab. So fing man zum Beispiel in den USA an, Alben von Tatverdächtigen anzulegen. Die sahen besonders anfangs allerdings noch verdammt ähnlich aus wie klassische reguläre Porträts aus derselben Zeit.&nbsp;</p>

<p>Erst nach und nach bürgerten sich bestimmte Konventionen ein. Zu dem anfangs fast ausschließlichen Frontalporträt kam eine Seitenaufnahme, manche der Verdächtigen hielten Schilder mit weiteren Informationen hoch oder man achtete darauf, dass die Hände im Bild waren, weil man glaubte, an den Händen Verdächtige zusätzlich identifizieren zu können. Es bildeten sich also einzelne Konventionen raus.</p>

<p>Verdächtige fotografieren war ein Ding. Aber was war mit der Tatortfotografie? Die gab&#8217;s anfangs nicht. Die ersten Tatortfotos sind deshalb auch nicht von Polizisten gemacht worden, sondern von Privatleuten oder Reportern. Die Polizei konzentrierte sich auf das schriftliche Festhalten der Beobachtungen. Zum Teil lag das daran, weil Gerichte der damaligen Zeit Fotografien als Beweise eher skeptisch sahen.&nbsp;</p>

<p>Das sollte sich allerdings mit einem Ereignis ändern, das die Welt erschütterte.</p>

<p>Am 14. April 1865 wird der 16. Präsident der Vereinigten Staaten, <a "/tags/abraham-lincoln.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="56" title="Abraham Lincoln">Abraham Lincoln</a>, bei einem Theaterbesuch von einem bekannten Schauspieler von hinten in den Kopf geschossen. Er stellt sich schnell raus: Das Ganze war eine Verschwörung und eine landesweite Suche nach den Tätern kommt in Gang.&nbsp;</p>

<p>Und für uns ist dieser Moment deswegen wichtig, weil die Behörden zu dem damaligen Zeitpunkt zum ersten Mal verfügen, dass nicht nur die Verdächtigen mit Fotografien gesucht werden sollen, sondern auch gleichzeitig der Tatort und später dann auch die Hinrichtung der Täter fotografisch festgehalten werden soll. Hatte man bisher die Fotografie nur gelegentlich als eines von vielen Werkzeugen in der Polizeiarbeit benutzt, war es ab jetzt ein Standardwerkzeug, immer noch sehr unterschiedlich eingesetzt, aber sowohl im Polizeialltag als auch dann später vor Gericht deutlich akzeptierter als vorher. Schließlich hatte man jetzt weltweit davon gehört, dass die Fotografie eine wichtige Rolle spielte in der Aufklärung dieses Verbrechens.</p>

<p>Ob Alphonse Bertillon von der Ermordung Lincolns gehört hatte, kann ich nur spekulieren. Er war zu dem Zeitpunkt gerade mal zwölf Jahre alt. Er war der mittlere Sohn eines Akademikerhaushalts, sein Vater war anerkannter Arzt, Statistiker und Präsident der anthropologischen Gesellschaft in Paris. Und wäre damit nicht in einer Familie mit Beziehungen und Geld gelandet, wahrscheinlich hätten wir nie von ihm gehört. Denn aus der Zeit berichtet man von zahllosen Schulverweisen und davon, dass er in erster Linie faul, starrsinnig und jähzornig gewesen sei.&nbsp;</p>

<p>Trotzdem schafft er es irgendwann, seinen Abschluss zu machen und bekommt nach einem kleinen Zwischenspiel als Sprachlehrer in England von seinem Vater eine Stelle als kleiner Schreibtischbeamter bei der Polizei in Paris vermittelt.</p>

<p>Und in dieser Position hat er mit dem Karteikartensystem der Pariser Polizei zu tun, die, so erkennt er sofort, absolut ungeeignet sind, um damit irgendwas praktisch anzufangen. Das Problem war nicht, dass es keine Fotos gab, die gabs. Das Problem war, dass die in alphabetischer Reihenfolge abgelegt waren und damit konnte man sie natürlich schlecht wiederfinden. Außerdem war die Sprache, in der eine Aufnahme beschrieben wurde, nicht standardisiert. Man könnte mich z.B. als großgewachsenen, in unrasierten Mittelblonden Mann beschreiben und damit hat dann jede und jeder von uns ein Bild im Kopf aber garantiert keine ausreichende Beschreibung, um mich in der Menge wiederzufinden.&nbsp;</p>

<p>Bertillon schlägt also vor, dieses Ablagesystem zu ändern. Statt alphabetischer Reihenfolge schlägt er Messungen vor. Verdächtige sollen nicht einfach nur fotografiert werden, sondern auf eine genau vorgegebene Art und Weise fotografiert werden. Und während sie fotografiert werden, sollen bis zu 11 verschiedene Messungen vorgenommen werden. Die Annahme dabei: Es gibt bestimmte Eigenschaften, die ändern sich auch über die Jahre hinweg nicht mehr. Und selbst dann, wenn man nur genügend solche Merkmale festhält und sammelt, dann hat man irgendwann eine so kleine Fehlerwahrscheinlichkeit, dass man Menschen ausreichend genug beschrieben hat.&nbsp;</p>

<p>Die Körpermaße, die er zur Messung vorschlägt, sind Körperlänge, Armspannweite, Sitzhöhe, Kopflänge, Kopfbreite, Länge des rechten Ohres, Breite des rechten Ohres, das wurde dann später durch die Jochbeinbreite ersetzt, Länge des linken Fußes, Länge des linken Mittel- und Kleinfingers und Länge des linken Unterarms. Er legte genau fest, wie diese Messungen vorgenommen werden mussten und wie sie festgehalten wurden. Außerdem wurde fotografiert und für diese Fotografien definierte Bertillon genau, in welcher Lichtsituation, mit welchem Hintergrund diese Aufnahmen stattzufinden hatten.&nbsp;</p>

<p>Bertillon war derjenige, der zum ersten Mal eine Messskala in den Hintergrund packte. Bertillon war derjenige, der definierte, welche Aufnahmen in welcher Reihenfolge welche Details zu zeigen hatten. Und wenn man diese Liste von 11 Messungen vor Augen hat, dann kann man das Ganze auch für ganz schön durchgeknallt halten.</p>

<p>Und genau das tat sein Chef. Er riet ihm doch mal im lokalen Sanatorium für geistig Kranke nachzufragen, ob die ihm helfen könnten und drohte ihm mit Rauswurf, sollte er nochmal mit der Idee um die Ecke biegen.&nbsp;</p>

<p>Sein Vater hingegen sah sich die Methode an und als ausgebildeter Statistiker verstand er, worum es seinem Sohn dabei ging. Als Bertillon ein Wechsel der Vorgesetzten ins Haus stand, war seine Chance gekommen. Sein Vater intervenierte und sorgte dafür, dass sein Sohn die Erlaubnis erhielt, seine Methode in praktischen Versuchen zu testen.&nbsp;</p>

<p>Er bekam zwei Mitarbeiter und einen Raum. Und drei Monate Zeit. Im November 1882 begann er mit dem Vermessen und Dokumentieren der ersten Verdachtsfälle. Im Februar 83, kurz vor Ende des Testlaufs, hatte er 1800 Karteikarten angelegt, die nach diesen statistischen Kriterien sortiert waren und nicht mehr nach Alphabet. Seine Kritiker beobachteten das Ganze mit Erheiterung und hielten es für unmöglich, dass er mit dem System auch nur einen Verdächtigen identifizieren konnte.</p>

<p>Und fast sah es so aus, als würden sie Recht behalten. Es war tatsächlich schon Februar, als Bertillon mit seinem System erfolgreich den ersten rückfälligen Straftäter anhand seiner Körpermaße identifizieren konnte. Das war so überraschend, dass man erstmal die Testphase verlängerte. Er sollte weitere Monate daran arbeiten und er bekam weiteres Personal zugeteilt. Bis zum Ende des Jahres hatte er 49 Identifizierungen nachgewiesen und mit wachsendem Datenbestand wurde das System immer erfolgreicher. 1888 gründete die Pariser Polizei dann den ersten polizeilichen Erkennungsdienstlich überhaupt und beförderte Bertillon zu seinem ersten Leiter.</p>

<p>Das System wurde nach ihm Bertillonage genannt und bestand nicht nur aus den Anweisungen, wie denn die Fotografien oder die Messungen vorzunehmen wären, sondern auch eigens dafür konstruierte Apparaturen. So gab es eine fotografische Apparatur, nur um diese, wie man heute ja sagt, Mugshots aufzunehmen. Und das Verfahren trat einen weltweiten Siegeszug an. In den USA, in Deutschland, in Spanien, in Russland, überall wurde das Verfahren eingeführt und angewendet.</p>

<p>Allerdings hatte das Verfahren natürlich auch Nachteile. Die Genauigkeit, die hing davon ab, wie präzise die Messungen vorgenommen wurden. Und so war die Erfolgsquote außerhalb der Pariser Dependance sehr, sehr unterschiedlich.&nbsp;</p>

<p>Und dann gab es auch nach und nach konkurrierende Verfahren. In Bertillons System wurden Verdächtige mithilfe der Maße identifiziert und dann per <a "/tags/fotobeweis.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="7" title="Fotobeweis">Fotobeweis</a> überführt. Aber es gab die Diskussion, ob dieser letzte <a "/tags/fotobeweis.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="7" title="Fotobeweis">Fotobeweis</a> nicht vielleicht durch Fingerabdrücke ersetzt werden konnte. Die waren nicht nur einfach zu erfassen, sondern hatten auch den Vorteil, dass man sie oft an Tatorten fand.&nbsp;</p>

<p>Und wo wir schon beim Bereich der forensischen Fotografie sind: Es gab inzwischen einen kompletten spezialisierten Bereich der Beweisfotografie, in der unter anderem natürlich Fingerabdrücke oder Abdrücke jeglicher Art eine große Rolle spielten. Bertillon zweifelte an, dass Fingerabdrücke geeignet wären, denn er glaubte nicht, dass man sie systematisch ablegen und damit auch wiederfinden konnte. Da sollte er sich natürlich geirrt haben, wie wir heute wissen.&nbsp;</p>

<p>Noch zu seinen Lebzeiten trat die Bertillonage immer mehr in den Hintergrund und wurde nach und nach von Fingerabdrücken als biometrisches Erkennungsmerkmal abgelöst.</p>

<p>Was aber erhalten blieb, waren die präzisen Methoden von Alphonse Bertillon. Er hatte nicht nur fotografische Apparate konstruiert, sondern eben auch definiert, dass Fotos im Polizeibetrieb aus einem genau definierten Abstand zu machen wären, dass Skalen mit ins Bild gelegt werden mussten, und zwar nicht nur bei Mugshots im Hintergrund, sondern auch zum Beispiel bei Tatortfotografien. Und so sind selbst moderne Ablage- und Fotosysteme immer noch von Prinzipien beeinflusst, die damals Alphonse Bertillon ins Leben rief. Und insbesondere die Mugshots, die würde er auch heute immer noch wiedererkennen.</p>

<p>In Vorbereitung für die heutige Episode bin ich dann auch im Internet unterwegs gewesen und habe nach berühmten Mugshots gesucht. Und es ist schon erstaunlich, wie viele Berühmtheiten irgendwann mal mit der Polizei in Kontakt kamen und da dann polizeiliche Aufnahmen hinterlassen mussten. Da gibt&#8217;s Aufnahmen von Fred Astaire, von Jane Fonda, von Mick Jagger oder von Bill Gates.&nbsp;</p>

<p>Besonders das Bild von Bill Gates finde ich witzig. Da war er in New Mexico festgenommen worden, weil er mit einem Porsche ohne Führerschein zu schnell gefahren war. In dem Foto, das die Polizei von ihm machte, grinst er frech in die Kamera und verewigte diese Aufnahme dann später in dem Microsoft E-Mail-Programm Outlook: Legt man dort nämlich einen neuen Kontakt an, wird einem links als Platzhalterbild eine <a "/posts/silhouetten-und-scherenschnitte.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="18" title="Silhouetten und Scherenschnitte">Silhouette</a> genau dieses Mugshots gezeigt.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Das Bild im Auge des Mordopfers</title>
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            <pubDate>Sun, 15 Nov 2020 17:04:22 GMT</pubDate>
            <description>Die Fotografie machte im 19. Jahrhundert zuvor unsichtbares sichtbar und hielt fest was man verloren glaubte.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Die Fotografie machte im 19. Jahrhundert zuvor unsichtbares sichtbar und hielt fest was man verloren glaubte. War es da nicht auch vorstellbar, Verbrechen anhand der letzten „Aufnahme“ ihrer Augen aufklären zu können? Optographie (Wikipedia) Willhelm Kühne (Wikipedia) Was sich vor dem Tod in die Netzhaut brennt (Spiegel) Wenn sich das Bild des Mörders im Auge des Opfers einbrennt (RNZ) How to develop a picture from a corpse’s eye (strangeremains) Dead Men’s Eyes: A History of Optography Jack the ripper and Optography How Forensic Scientists Once Tried to “See” a Dead Person’s Last Sight (Smithsonian Magazine) Theresa Hollander’s case told through newspaper scans – Search Results (Illinois Digital Newspaper Collection) Museum of Optography Theresa Hollander Bildquelle: By Wilhelm Friedrich Kühne (March 28, 1837 - June 10, 1900) – The College of Optometrists, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25926283 Soundquelle: soundsnap.com Transkript Unsere Folge beginnt mit einem Mordfall, in Chicago. Es ist ein kalter und winterlicher Februar Abend, als die 20 jährige Teresa Hollaender sich auf den Heimweg macht. Zusammen mit einem Freund und einer Freundin nimmt sie erst die Straßenbahn und geht dann ein kurzes Stück über den Friedhof Richtung Elternhaus. Es ist dunkel und kalt und deswegen ist da zu der Zeit auch wirklich niemand unterwegs. Deswegen gibt es für die nachfolgenden Geschehnisse auch keine Zeugen. Als ihre Eltern anfangen, sich Sorgen zu machen, macht sich der Vater auf den Weg, nach seiner Tochter zu suchen und geht den Weg ab, den sie normalerweise einschlagen würde. Und natürlich findet er sie auch mit einem Holzknüppel zu Tode geprügelt. Außer ihre Leiche und dem Knüppel gibt es aber keine weiteren Zeugen, weil Teresa mit weit aufgerissenen Augen gefunden worden war. Macht der ortsansässige Augenoptiker einen ungewöhnlich klingenden Vorschlag? Es gäbe nämlich die Theorie, so teilt er den Behörden mit, dass sich der letzte Blick im Augenblick des Todes praktisch einbrennt und man mit fotografischen Verfahren dieses Bild wieder zum Vorschein bringen konnte. Im Falle von Teresa war man sich ziemlich sicher, dass die vermutlich als letztes ihren Mörder gesehen haben musste. Und deswegen genehmigte die Staatsanwaltschaft in diesem Fall, das Auge des Opfers zu öffnen und eine Aufnahme anzufertigen, in der Hoffnung darauf, Hinweise auf den Mörder finden zu können. Ein Bild wird gemacht. Und als es zu ersten Festnahmen und dann einem Prozessauftakt kommt, wird viel über dieses Bild gemunkelt. Man hätte den Mörder da drinnen gesehen oder doch zumindest genügend Hinweise, um den Angeklagten mit vier befreundeten Anthony Patras verurteilen zu können. Naja, kam dann doch anders. Anthony Petras wird nicht nur einmal, sondern gleich zweimal angeklagt und beide Male freigesprochen. Als dann später ähnliche Morde geschehen, für die dann Petras auch noch ein Alibi hatte, war der Verdacht dann endgültig ausgeräumt. Und das Foto, das wirklich gemacht worden war, zeigte leider überhaupt gar nichts Verwertbares. Aber es zeigte etwas und das ist jetzt vielleicht die Stelle, an der ich eins aufklären muss. Es ist tatsächlich wissenschaftliche Erkenntnis, dass unsere Augen, da sie ja chemisch funktionieren, Bilder festhalten. Und jawohl, man kann diese Bilder fotografisch fixieren. Und im Jahr 1914, als Teresa erschlagen worden war, da war das tatsächlich schon ein relativ alter Hut. Die Geschichte der sogenannten Orthographie, so nennt man diese Disziplin nämlich, beginnt im Jahr 1878 mit dem deutschen Forscher Wilhelm Friedrich Kühne. Der forscht in Heidelberg und war Physiologe und Enzym Forscher, und in der Eigenschaft begann er 1877, sich mit der chemischen Beschaffenheit der Retina auseinanderzusetzen. Ein Jahr zuvor hatte, ein Physiologe namens Franz Boll, die These aufgestellt, dass es ein Sehpigment gäbe, das unter Einfluss v</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Die Fotografie machte im 19. Jahrhundert zuvor unsichtbares sichtbar und hielt fest was man verloren glaubte. War es da nicht auch vorstellbar, Verbrechen anhand der letzten &#8222;Aufnahme&#8220; ihrer Augen aufklären zu können? </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Optographie" target="_blank">Optographie </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_K%C3%BChne" target="_blank">Willhelm Kühne</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://www.spiegel.de/fotostrecke/optographie-was-sich-vor-dem-tod-in-die-netzhaut-brennt-fotostrecke-57058.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Was sich vor dem Tod in die Netzhaut brennt</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.rnz.de/kultur/magazin_artikel,-Optographie-Wenn-sich-das-Bild-des-Moerders-im-Auge-des-Opfers-einbrennt-_arid,451060.html" target="_blank">Wenn sich das Bild des Mörders im Auge des Opfers einbrennt</a> (RNZ)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://strangeremains.com/2016/05/14/how-to-develop-pictures-from-a-corpses-eyes/" target="_blank">How to develop a picture from a corpse’s eye</a> (strangeremains)</li><li>Dead Men’s Eyes: A History of Optography</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.jack-the-ripper-tour.com/generalnews/photographing-the-eyes/#:~:text=Optography%2C%20or%20the%20idea%20that,debunked%20as%20a%20forensic%20method." target="_blank">Jack the ripper and Optography</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250428184935/https://www.smithsonianmag.com/smart-news/how-forensic-scientists-once-tried-see-dead-persons-last-sight-180959157/" target="_blank">How Forensic Scientists Once Tried to “See” a Dead Person’s Last Sight</a> (Smithsonian Magazine)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://idnc.library.illinois.edu/cgi-bin/illinois?a=d&amp;d=STR19150227.2.2&amp;e=-------en-20--1--img-txIN---------" target="_blank">Theresa Hollander&#8217;s case told through newspaper scans &#8211; Search Results</a> (Illinois Digital Newspaper Collection)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="http://www.museumofoptography.net/Home.html" target="_blank">Museum of Optography</a></li></ul>

<div><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="353" height="419" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/image.png" alt="Ein gescanntes Zeitungsartikel mit der Überschrift „Photo of Slain Girl&#x27;s Eye“ und einem Text über Details eines Falles, der Namen wie Theresa Hollander erwähnt."/></figure></div>

<div><figure class="aligncenter"><a href="https://web.archive.org/web/20210415151241/https://explore.chicagocollections.org/image/chicagohistory/71/k64b34f/"><img decoding="async" src="https://portal-ccc.s3.amazonaws.com/media/images/chicagohistory/71/k64b34f.jpg" alt="[Hollander murder case, Photograph of Theresa Hollander]"/></a><figcaption>Theresa Hollander</figcaption></figure></div>

<p class="has-small-font-size">Bildquelle: By Wilhelm Friedrich Kühne (March 28, 1837 - June 10, 1900) &#8211; The College of Optometrists, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25926283</p>

<p class="has-small-font-size">Soundquelle: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.soundsnap.com/" id="soundsnap.com" target="_blank">soundsnap.com</a></p>

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<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Unsere Folge beginnt mit einem Mordfall, in Chicago. Es ist ein kalter und winterlicher Februar Abend, als die 20 jährige Teresa Hollaender sich auf den Heimweg macht. Zusammen mit einem Freund und einer Freundin nimmt sie erst die Straßenbahn und geht dann ein kurzes Stück über den Friedhof Richtung Elternhaus. Es ist dunkel und kalt und deswegen ist da zu der Zeit auch wirklich niemand unterwegs. Deswegen gibt es für die nachfolgenden Geschehnisse auch keine Zeugen. Als ihre Eltern anfangen, sich Sorgen zu machen, macht sich der Vater auf den Weg, nach seiner Tochter zu suchen und geht den Weg ab, den sie normalerweise einschlagen würde. Und natürlich findet er sie auch mit einem Holzknüppel zu Tode geprügelt. Außer ihre Leiche und dem Knüppel gibt es aber keine weiteren Zeugen, weil Teresa mit weit aufgerissenen Augen gefunden worden war. Macht der ortsansässige Augenoptiker einen ungewöhnlich klingenden Vorschlag? Es gäbe nämlich die Theorie, so teilt er den Behörden mit, dass sich der letzte Blick im Augenblick des Todes praktisch einbrennt und man mit fotografischen Verfahren dieses Bild wieder zum Vorschein bringen konnte. Im Falle von Teresa war man sich ziemlich sicher, dass die vermutlich als letztes ihren Mörder gesehen haben musste. Und deswegen genehmigte die Staatsanwaltschaft in diesem Fall, das Auge des Opfers zu öffnen und eine Aufnahme anzufertigen, in der Hoffnung darauf, Hinweise auf den Mörder finden zu können.</p>

<p>Ein Bild wird gemacht. Und als es zu ersten Festnahmen und dann einem Prozessauftakt kommt, wird viel über dieses Bild gemunkelt. Man hätte den Mörder da drinnen gesehen oder doch zumindest genügend Hinweise, um den Angeklagten mit vier befreundeten Anthony Patras verurteilen zu können. Naja, kam dann doch anders. Anthony Petras wird nicht nur einmal, sondern gleich zweimal angeklagt und beide Male freigesprochen. Als dann später ähnliche Morde geschehen, für die dann Petras auch noch ein Alibi hatte, war der Verdacht dann endgültig ausgeräumt. Und das Foto, das wirklich gemacht worden war, zeigte leider überhaupt gar nichts Verwertbares. Aber es zeigte etwas und das ist jetzt vielleicht die Stelle, an der ich eins aufklären muss. Es ist tatsächlich wissenschaftliche Erkenntnis, dass unsere Augen, da sie ja chemisch funktionieren, Bilder festhalten. Und jawohl, man kann diese Bilder fotografisch fixieren. Und im Jahr 1914, als Teresa erschlagen worden war, da war das tatsächlich schon ein relativ alter Hut. Die Geschichte der sogenannten Orthographie, so nennt man diese Disziplin nämlich, beginnt im Jahr 1878 mit dem deutschen Forscher Wilhelm Friedrich Kühne. Der forscht in Heidelberg und war Physiologe und Enzym Forscher, und in der Eigenschaft begann er 1877, sich mit der chemischen Beschaffenheit der Retina auseinanderzusetzen.</p>

<p>Ein Jahr zuvor hatte, ein Physiologe namens Franz Boll, die These aufgestellt, dass es ein Sehpigment gäbe, das unter Einfluss von Licht verblassen würde. Und das, so meinte Boll, geht eigentlich nur bei lebendigen Organismen, und sobald der Tod eintritt, kommt dieser Prozess zum Erliegen. Mit dieser Frage beschäftigte sich jedenfalls Wilhelm Kühne und experimentierte zu dem Zweck mit entnommenen Retinas. Und da tauchte natürlich die Frage auf, ob sich der Ablauf bei lebendigem Gewebe und totem Gewebe unterscheiden würde. Und zu diesem Zweck untersuchte Wilhelm Friedrich Kühne Hasen. Er fixierte Versuchstiere, sodass die gezwungen waren, ein Fenster in seinem Labor anzusehen, bevor er sie tötete und die Retina untersuchte, und stellte dabei dann fest, dass sich tatsächlich das Bild dieses Fensters in der Netzhaut eingebrannt hatte. Konkret ist es so, dass Sehpurpur unter Lichteinfall zerfällt und dann eine gewisse Zeit braucht, um sich wieder aufzubauen. Wie gesagt, dem Mann ging es eigentlich nicht wirklich ums Fotografieren oder um das Festhalten von Bildern in toten Augen. Er hat sich mit dem Mechanismus des Sehens an sich befasst, aber die Phantasie der Menschen war natürlich sofort grenzenlos angeregt. Denn seine Erkenntnisse demonstriert er unter anderem eben mit Aufnahmen dieser Hasen Retinas, in denen man die Fenster Muster sehen konnte. Wilhelm Kühne zog thematisch weiter. Der Verdauungstrakt und Diabetes waren Themen, mit denen er sich weiter beschäftigte. Aber mit seinen Erkenntnissen in der Welt dauert es natürlich nicht lange, bis die ersten die Frage stellten, ob man nicht in den Augen von Toten die Bilder ihrer Mörder sehen konnte.</p>

<p>Wilhelm sah das skeptisch und der Hauptgrund für seine Skepsis war die Belichtungszeit, die es brauchte. Klar hat der Sehpurpur praktisch so eine nach Regenerationszeit und jawohl, man kann das nutzen, um ein Bild sozusagen zu fixieren. Aber man müsste seinen Mörder schon erstaunlich lange erstaunlich ruhig anschauen. Der müsste auch so ein bisschen ruhig halten, um ein Bild von ihm auf der Netzhaut festhalten zu können. Und dann müsste das Auge idealerweise in weniger Minuten entnommen und untersucht werden. Denn der Effekt hält eben auch nicht lange an. Aber es gab eine Menge Unwissen. Denn die Frage, wie lange denn ein Bild im Auge des Menschen erhalten bleibt und ob man denn nun das letzte Bild wirklich sehen könne, kann man ja nicht mal eben so beantworten. Man kann ja nicht wild irgendwelche Leute umbringen, um in die Augen zu entnehmen und zu untersuchen. Außer man sucht sich einen zum Tode Verurteilten. Das ist der nächste Stopp unserer heutigen Folge. Der 16. November 1880. Da wird nämlich der 31 jährige wegen Kindsmord verurteilte Ehrhard Gustav Reif zur Guillotine geführt. Seine Hinrichtung ist ein wissenschaftliches Experiment. Er soll nämlich nicht nur für seine Tat büßen, sondern die Behörden haben genehmigt, dass sein Auge eben genau auf die Frage hin, was die Retina im Augenblick des Todes denn nun wirklich festgehalten hatte, untersucht werden darf und was man damals erkennt, ist, das Bild ist wenig brauchbar. Der Eindruck auf der Netzhaut hält ungefähr 5 Minuten. Es ist sehr schwer zu fotografieren und zu fixieren und im Allgemeinen auch nicht identifizierbar, einfach zu verwaschen. Man sieht aber zweifelsfrei, dass etwas da ist.</p>

<p>Jetzt leben wir ja in einer Zeit, in der es dramatische Erkenntnis, Gewinne und Entwicklungen gab. Die Industrialisierung brachte praktisch jeden Tag ein neues Wunder und deswegen wurde man von solchen Erkenntnissen auch nicht entmutigt. Die Forensiker bei den verschiedenen Polizeibehörden, die rieben sich schon die Hände, denn man hatte die Hoffnung, dass es irgendwann vielleicht ja dann Mittel und Wege geben könnte, wie man den einen oder anderen Mord mit einem gezielten Foto aufklären könnte.<br>Und so fängt man, so wird zumindest überliefert, auch während den Ermittlungen im Jack the Ripper Fall an, die Augen einzelner Mordopfer fotografisch festzuhalten. Wie wir wissen, hat auch das nicht viel gebracht. Was diese Beispiele allerdings zeigen, ist, dass das Verfahren an sich für möglich gehalten wurde. Theresa und Jack the Ripper sind nur prominente Beispiele für eine ganze Reihe von Fällen, in denen man versucht hat, Hinweise über solche Aufnahmen zu bekommen. Und das Ganze ist natürlich auch verständlich, denn es ist ja wirklich schwer auseinanderzuhalten, was jetzt gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis und was vielleicht dann doch nur Wunschdenken ist. Das hindert aber weder die Presse noch die Kriminalistik, noch die phantastische Literatur der damaligen Zeit wild mit der Idee zu spielen. Tatsächlich ist die Idee auch heute immer wieder in Filmen und Büchern zu sehen. Was seinerzeit Jules Verne begann, setzt heute Doctor Who fort, heute freilich mit gesicherter Erkenntnis. 1975 wird nämlich der Augenarzt Evangelos Alexandre des an der Heidelberger Universität Augenklinik vom Kriminologen gebeten, das Ganze doch nochmal systematisch und konkret zu untersuchen. Er entwickelt dann auch ein Verfahren, wie man Bilder der Iris tatsächlich fixieren kann. Man sieht also was. Und jawohl! Das hängt von dem ab, was wir vor unserem Auge wahrgenommen haben. Allerdings tritt er auch gleichzeitig den Beweis an, dass das nie dafür taugen wird. Forensische Untersuchungen durchzuführen. Damit nehme ich irgendetwas wirklich ausreichend sichtbar wird, muss es Kontraststark, möglichst hell und möglichst über einen längeren Zeitraum bewegungsunfähig sein. Dann kann man das freilich fixieren und sich angucken und wiedererkennen. Aber für Mordfälle oder eigentlich jede Art der praktischen Anwendung ist das Verfahren der Optographie leider oder Gott sei Dank völlig ungeeignet.</p>]]></content:encoded>
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            <pubDate>Sun, 08 Nov 2020 18:25:28 GMT</pubDate>
            <description>Die fotografische Karriere von Lennart Nilsson beginnt mit Celebrityfotos und endet mit Aufnahmen von Viren und Zellen. Seine Aufnahmen kennen wir alle.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Die fotografische Karriere von Lennart Nilsson beginnt mit Celebrityfotos und endet mit Aufnahmen von Viren und Zellen. Seine Aufnahmen kennen wir alle. Viren – auf frischer Tat ertappt Lennart Nilsson (Wikipedia) Lennart Nilsson (Wikipedia, Englisch) SARS-CoV (Wikipedia) Fotografien von Lennart Nilsson (Google Suche) Die berühmte Life Reportage „Drama of Life Before Birth“ (Englisch, Life Magazine) The photographer who made the invisible visible (Englisch) You’ve Seen the Photos - Now Here’s the Story Behind Them Behind The Lens: An Interview with Lennart Nilsson Rasterelektronenmikroskop (Wikipedia) Voyager I (Wikipedia) Voyager Golden Record (Wikipedia) The 116 photos NASA picked to explain our world to aliens (Vox) Voyager – The Golden Record (NASA) Images on the Golden Record (NASA) (Unter dieser Zeile müsste ein Video sein. Wenn nicht, dann auf nach https://fotomenschen.net ) Dieses Video auf YouTube ansehen Bild: lennartnilsson.com Transkript Als der Schwede Lennart Nilsson 2017 im Alter von 95 Jahren starb, hatte er nicht eine, sondern mindestens drei erfolgreiche Fotografenkarrieren hinter sich. Erfolgreicher Kriegsfotograf , Celebrityreportagefotograf, Fotojournalist , Makrofotograf, Produzent eines der meistverkauften Fotobücher der Erde und einer von 116 Fotografen, deren Werke mit der Raumsonde Voyager auf die Reise ins unendliche Weltall geschickt wurden. Woher wissen wir, wie der Coronavirus aussieht und wie fotografiert man so ein Ding? Das ist der Einstieg zur heutigen Folge. Aber auch wirklich nur das. Nur der Einstieg. Ich hab es jetzt praktisch schon vorweggenommen. Wir wissen, wie der Coronavirus aussieht, weil wir eine Aufnahme davon haben. Ob man das ein Foto nennen kann, könnte man jetzt diskutieren. Denn die Aufnahme an sich wird nicht mit Lichtwellen gemacht, sondern unter dem Rasterelektronenmikroskop. Und das heißt, die Bilder, die wir dann haben, sind sozusagen Aufnahmen einer Aufnahme. Aber so eng wollen wir es gar nicht nehmen. Eine normale Aufnahme funktioniert ja so, dass wir eine Camera obscura, also einen dunklen Kasten haben, vor den heutzutage meistens ein mehr oder weniger kompliziertes Linsensystem, das man Objektiv nennt, geschraubt wird. Und durch diese Öffnung wird ein Bild in den Kasten, auf den Sensor oder Film projiziert. So ein Sensor besteht aus einzelnen Punkten, die lichtempfindlich sind. So ein Film enthält Salzkristalle, die lichtempfindlich sind. Und je nachdem wie viel Licht auf den Sensor oder diese Salzkristalle fällt, wird das Bild als unterschiedlich hell oder dunkel wahrgenommen. Ein Rasterelektronenmikroskop funktioniert ganz grundsätzlich anders. Die Objekte sind so klein, dass wir sie mit Licht nicht ausleuchten können. Stattdessen wird bei einem Rasterelektronenmikroskop ein gebündelter Elektronenstrahl erzeugt und auf unser Fotoobjekt geschossen. Wenn der Elektronenstrahl nun auf die Oberfläche trifft, werden sogenannte Sekundärelektronen weggesprengt. Die kann man nun einsammeln. Dieser Strahl nun tastet jetzt die gesamte Oberfläche wie an einem Raster ab. Deswegen auch Rasterelektronenmikroskop. Und jedes Mal, wenn er stehenbleibt, sammelt eben der Detektor die Elektronen, die wegspritzen, sozusagen, ein und berechnet daraus die Helligkeit. So entsteht das Bild im Rasterelektronenmikroskop. Und diese Aufnahmen sind super faszinierend. Sie zeigen Dinge, die wir noch nie vorher gesehen haben, haben aber trotzdem eine durchgehende Schärfe und wirken fotorealistisch und dreidimensional auf uns. Außerdem sind diese Aufnahmen schwarzweiß. Immer. Farbe ist schließlich eine Wellenlängenänderung im reflektierten Licht und das, was wir da sehen, hat ja kein Licht reflektiert. Rasterelektronenmikroskope sind außerdem relativ große Apparaturen. Das liegt unter anderem daran, dass man die Objekte, die man fotografieren möchte, in einem Vakuum lagern muss. Und da braucht es dann eine Vakuumpumpe.</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Die fotografische Karriere von Lennart Nilsson beginnt mit Celebrityfotos und endet mit Aufnahmen von Viren und Zellen. Seine Aufnahmen kennen wir alle. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/2011/viren-auf-frischer-tat-ertappt-100.html" target="_blank">Viren &#8211; auf frischer Tat ertappt</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lennart_Nilsson_(Fotograf)" target="_blank">Lennart Nilsson</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Lennart_Nilsson" target="_blank">Lennart Nilsson</a> (Wikipedia, Englisch)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/SARS-CoV" target="_blank">SARS-CoV</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.google.com/search?q=Lennart+Nilsson&amp;sxsrf=ALeKk02ly8XoL-lxvY6TNHS1TL2SkngFMw:1604847360021&amp;source=lnms&amp;tbm=isch&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwj28b-mmvPsAhUP8hQKHeUSBmQQ_AUoAXoECCMQAw&amp;biw=1563&amp;bih=1363#imgrc=2k_WEtCWDDrR8M" target="_blank">Fotografien von Lennart Nilsson</a> (Google Suche)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210603162720/http://100photos.time.com/photos/lennart-nilsson-fetus" target="_blank">Die berühmte Life Reportage &#8222;Drama of Life Before Birth&#8220;</a> (Englisch, Life Magazine)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20211102200955/https://www.lennartnilsson.com/en/lennart-nilsson-2/" target="_blank">The photographer who made the invisible visible</a> (Englisch)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.ncregister.com/blog/you-ve-seen-the-photos-now-here-s-the-story-behind-them" target="_blank">You’ve Seen the Photos - Now Here’s the Story Behind Them</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.pbs.org/wgbh/nova/odyssey/nilsson.html" target="_blank">Behind The Lens: An Interview with Lennart Nilsson</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rasterelektronenmikroskop" target="_blank">Rasterelektronenmikroskop </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Voyager_1#Voyager_Golden_Record" target="_blank">Voyager I</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Voyager_Golden_Record" target="_blank">Voyager Golden Record</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.vox.com/2015/11/11/9702090/voyager-golden-record-pictures" target="_blank">The 116 photos NASA picked to explain our world to aliens</a> (Vox)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://science.nasa.gov/mission/voyager/voyager-golden-record-overview/" target="_blank">Voyager &#8211; The Golden Record</a> (NASA) </li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://science.nasa.gov/gallery/images-on-the-golden-record/#missing_images" target="_blank">Images on the Golden Record</a> (NASA)</li></ul>

<p>(Unter dieser Zeile müsste ein Video sein. Wenn nicht, dann auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=IkxxEG_iqTk" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf YouTube ansehen</a></p>
<div class="yt-facade" data-yt="uXjXx63Nb6k" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_uXjXx63Nb6k.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<p>Bild: <a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20211102200955/https://www.lennartnilsson.com/en/lennart-nilsson-2/" target="_blank">lennartnilsson.com</a></p>

<hr/>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Als der Schwede Lennart Nilsson 2017 im Alter von 95 Jahren starb, hatte er nicht eine, sondern mindestens drei erfolgreiche Fotografenkarrieren hinter sich. Erfolgreicher <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotograf</a>, Celebrityreportagefotograf, <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalist</a>, Makrofotograf, Produzent eines der meistverkauften Fotobücher der Erde und einer von 116 Fotografen, deren Werke mit der Raumsonde Voyager auf die Reise ins unendliche Weltall geschickt wurden.</p>

<p>Woher wissen wir, wie der Coronavirus aussieht und wie fotografiert man so ein Ding? Das ist der Einstieg zur heutigen Folge. Aber auch wirklich nur das. Nur der Einstieg.</p>

<p>Ich hab es jetzt praktisch schon vorweggenommen. Wir wissen, wie der Coronavirus aussieht, weil wir eine Aufnahme davon haben. Ob man das ein Foto nennen kann, könnte man jetzt diskutieren. Denn die Aufnahme an sich wird nicht mit Lichtwellen gemacht, sondern unter dem Rasterelektronenmikroskop. Und das heißt, die Bilder, die wir dann haben, sind sozusagen Aufnahmen einer Aufnahme. Aber so eng wollen wir es gar nicht nehmen.</p>

<p>Eine normale Aufnahme funktioniert ja so, dass wir eine Camera obscura, also einen dunklen Kasten haben, vor den heutzutage meistens ein mehr oder weniger kompliziertes Linsensystem, das man Objektiv nennt, geschraubt wird. Und durch diese Öffnung wird ein Bild in den Kasten, auf den Sensor oder Film projiziert. So ein Sensor besteht aus einzelnen Punkten, die lichtempfindlich sind. So ein Film enthält Salzkristalle, die lichtempfindlich sind. Und je nachdem wie viel Licht auf den Sensor oder diese Salzkristalle fällt, wird das Bild als unterschiedlich hell oder dunkel wahrgenommen.&nbsp;</p>

<p>Ein Rasterelektronenmikroskop funktioniert ganz grundsätzlich anders. Die Objekte sind so klein, dass wir sie mit Licht nicht ausleuchten können. Stattdessen wird bei einem Rasterelektronenmikroskop ein gebündelter Elektronenstrahl erzeugt und auf unser Fotoobjekt geschossen. Wenn der Elektronenstrahl nun auf die Oberfläche trifft, werden sogenannte Sekundärelektronen weggesprengt. Die kann man nun einsammeln. Dieser Strahl nun tastet jetzt die gesamte Oberfläche wie an einem Raster ab. Deswegen auch Rasterelektronenmikroskop. Und jedes Mal, wenn er stehenbleibt, sammelt eben der Detektor die Elektronen, die wegspritzen, sozusagen, ein und berechnet daraus die Helligkeit. So entsteht das Bild im Rasterelektronenmikroskop.</p>

<p>Und diese Aufnahmen sind super faszinierend. Sie zeigen Dinge, die wir noch nie vorher gesehen haben, haben aber trotzdem eine durchgehende Schärfe und wirken fotorealistisch und dreidimensional auf uns. Außerdem sind diese Aufnahmen schwarzweiß. Immer. Farbe ist schließlich eine Wellenlängenänderung im reflektierten Licht und das, was wir da sehen, hat ja kein Licht reflektiert.</p>

<p>Rasterelektronenmikroskope sind außerdem relativ große Apparaturen. Das liegt unter anderem daran, dass man die Objekte, die man fotografieren möchte, in einem Vakuum lagern muss. Und da braucht es dann eine Vakuumpumpe. Dann muss natürlich dieser Elektronenstrahl erzeugt werden und er muss gebündelt werden, also mit einer Art magnetischer Linse geformt werden.&nbsp;</p>

<p>Ja, und all diese Gerätschaften brauchen nicht nur eine Menge Strom, sondern auch einiges an Platz und sind deswegen auch etwas aufwändiger. Aus all diesen Gründen findet man Rasterelektronenmikroskope hauptsächlich in der Forschung; in der Materialforschung, in der Biologie, überall dort, wo man eben kleinste Strukturen sichtbar machen möchte.&nbsp;</p>

<p>Aber auf diesen Anwendungszweck sind die nicht beschränkt. In der gesamten Geschichte der Fotografie oder der bildgebenden Verfahren war es immer auch so, dass neben Technikern und Wissenschaftlern sofort auch Amateure und Künstler zu den neuen Technologien griffen und damit zum Teil Spektakuläres schufen.</p>

<p>Und damit sind wir jetzt beim Fotomenschen heutigen Folge. Lennart Nilsson. Das ist nämlich der Mann, dem wir die ersten Aufnahmen des Aids-Virus und 2003 im zarten Alter von 81 Jahren das erste Bild des Sars-Virus verdanken. Und Lennart ist kein Wissenschaftler, sondern <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalist</a>. Da hatte ich nun mal meine Antwort.&nbsp;</p>

<p>Allerdings war Lennart dann der Jackpot. Als ich nämlich nach Bildern von ihm suchte, erwartete ich mikroskopische Aufnahmen. Womit ich aber nicht rechnete, waren Aufnahmen des schwedischen Königshauses, Fotos von der Eisbärenjagd in Spitzbergen, Insekten in Großaufnahme. Reise und <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografie</a> oder die Bilder, für die er eigentlich berühmt ist, nämlich spektakuläre Farbaufnahmen von ungeborenem Leben.&nbsp;</p>

<p>Und die Bilder kamen mir verdammt bekannt vor. Ein kurzer Blick ins Bücherregal, stimmt. Da steht ein Buch, das heißt &#8222;Ein Kind entsteht&#8220;. Ich glaube, dieses Buch haben verdammt viele Eltern daheim. Witzigerweise hatte ich dieses Buch überhaupt nicht mehr auf dem Radar. Ich habe über dieses Buch noch nicht einmal als Fotobildband nachgedacht denn es ist ja eigentlich für werdende Eltern gemacht und soll illustrieren, wie sich das Kind nach und nach entwickelt. Aber natürlich ist das ein Bildband, sogar einer der meistverkauften Bildbände der Welt. Und es sind Fotos, mit denen Lennart Nilsson Fotogeschichte geschrieben hat. Bis heute gibt es wenige Aufnahmen, die technisch besser sind als das, was er da abgeliefert hat.</p>

<p>Er war zwar nicht der erste, der Nahaufnahmen von Embryos gemacht hatte, aber keiner hatte diese technische Perfektion mit atemberaubender Bildästhetik kombiniert.&nbsp;</p>

<p>Das Ganze war 1965 im Auftrag des Live Magazines entstanden. Denen hatte Lennart ursprünglich eine Bildstrecke über Embryos angeboten und die Bildredakteure des Live Magazines sind hielten die Vision für großartig aber eigentlich im Grunde nicht umsetzbar.&nbsp;</p>

<p>Was er dann allerdings lieferte, verschlug ihnen die Sprache und Live Magazine produzierte eine Ausgabe mit einem Fotoessay und legte eine der Aufnahmen auf das Titelblatt und wurde so zur meistverkauften Ausgabe ihrer Firmengeschichte. Die Hefte wurden von den Regalen gerissen. Bis zu diesen Aufnahmen hatte die Öffentlichkeit keine Vorstellung davon, wie ein Embryo im Mutterleib aussah.</p>

<p>Zu dem Zeitpunkt war Lennart Nilsson eigentlich schon ein etablierter Fotograf: Mit seinen Fotoessays war er regelmäßig im berühmten Fotomagazin vertreten, sein Buch über schwedische Celebrities verkaufte sich gut aber es waren diese Aufnahmen, die für ihn eine lebenslange Passion werden sollten. Was mit diesem Artikel im Life Magazine begann wurde zu einem über 10 Jahre dauernden Fotoprojekt, mit dem das Buch &#8222;Ein Kind entsteht&#8220; bestückt wurde.&nbsp;</p>

<p>Und das Thema zieht sich ab jetzt wie ein roter Faden durch sein weiteres Schaffen. Ihm hatte es das Leben an sich, die Schönheit des Lebens von den kleinsten Zellen bis zu den großen Strukturen angetan. Und immer wieder macht er scheinbar Unmögliches möglich. In der Dokumentation &#8222;The Miracle of Life&#8220; verfolgt man, wie in einem Dokumentationsfilm, die Entstehung des Lebens, vom Spermium bis zur Geburt, nicht in Fotos, sondern in Bewegtbild.&nbsp;</p>

<p>Über die Jahre wird Lennart mit allen möglichen Preisen bedacht und er erhält Ehrendoktorwürden. Das schwedische Karolinska Institute macht ihn zum Ehrendoktor der Medizin, in der technischen Universität Braunschweig wird ihm der Ehrendoktor in Philosophie überreicht, er wird der erste Preisträger des später renommierten Hasselblad International Awards und seine Dokus gewinnen Emmy Awards. Bis heute gehören seine Embryofotos zu den meist vervielfältigten.&nbsp;</p>

<p>Und wäre ich Lennart Nilsson gewesen, dann hätte mich eine Kopie meiner Aufnahmen ganz besonders stolz gemacht. Die Aufnahme nämlich, die sich inzwischen in circa 19 Millionen Kilometern Entfernung an Bord der Voyager Raumsonde befindet.</p>

<p>Das Voyager-Programm ist ein Sattelitenforschungsprogramm der NASA. 1977 startete die erste von zwei Sonden und das Ziel war einfach, Daten über das Sonnensystem zu gewinnen und dann geradeaus in den interstellaren Raum zu fliegen. Und weil wir ja nicht so wirklich wissen, ob wir alleine im Weltraum sind und unsere Sonden vielleicht irgendwann mal auf andere Lebensformen stoßen, hat man eine Nachricht mit an Bord gepackt.&nbsp;</p>

<p>Auf einer Kupferplatte, die von Gold überzogen wurde, wurden Bilder und Audioaufnahmen zusammen mit einer eingravierten Bedienungsanleitung, nennen wir es mal so, mit an Bord gegeben. Ein Forscherteam wählte Musik und Bilder aus und 116 Fotografien gingen auf die Reise. Unter ihnen eines der Embryobilder von Lennart Nilsson.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Einmal Mond und zurück</title>
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            <pubDate>Sun, 01 Nov 2020 19:52:41 GMT</pubDate>
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            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Noch bevor man den Begriff „Fotografie“ kannte wurden Aufnahmen des Monds gemacht und einige der ersten Bilder waren derart gut, dass sie über 100 Jahre unübertroffen blieben… bis man hinflog um aus der Nähe zu fotografieren. Earthrise (Wikipedia) Apollo 8 (Wikipedia) Henry Draper (wikipedia) John Adams Whipple (Wikipedia) Lunar Orbiter Image Recovery Project (Englisch, Wikipedia) The Hackers Who Recovered NASA’s Lost Lunar Photos (Englisch, Wired) Blue Marble (Wikipedia) This is the Oldest Surviving Photo of the Moon (Lights In The Dark) Time Magazine – 100 photos – Earthrise We choose to go to the Moon (Englisch, Wikipedia) 50 years ago, The Lunar Orbiter Program (NASA) John Adams Whipple – The Moon John Adams Whipple – The Moon (MoMa)# Check Out These Vintage Astronomical Photos by Henry Draper (Forbes) Apollo Audio (NASA) Videos (falls der Podclient die Videoeinbettungen nicht zeigt, einfach auf https://fotomenschen.net vorbeisurfen): Bildquellen: Von NASA – http://grin.hq.nasa.gov/ABSTRACTS/GPN-2000-001588.htmlDownloaded from: https://www.flickr.com/photos/pingnews/289087808/, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2686367 By NASA/LOIRP – http://www.nasa.gov/topics/moonmars/features/LOIRP/http://www.nasa.gov/centers/ames/news/releases/2008/08_99AR.html, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5220446 Von William Anders – NASA Apollo Archive (http://www.hq.nasa.gov/office/pao/History/alsj/a410/AS8-13-2329HR.jpg), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=99097 Von NASA/Bill Anders – http://www.hq.nasa.gov/office/pao/History/alsj/a410/AS8-14-2383HR.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=306267 Von NASA/Apollo 17 crew; taken by either Harrison Schmitt or Ron Evans – https://web.archive.org/web/20160112123725/http://grin.hq.nasa.gov/ABSTRACTS/GPN-2000-001138.html (image link); see also https://www.nasa.gov/multimedia/imagegallery/image_feature_329.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=43894484 Audioquellen: Kennedy, Speech at Rice University, Public Domain, verfügbar auf wikimedia commons Diverse NASA Sounds, verfügbar unter CC Lizenz auf https://www.hq.nasa.gov/alsj/alsj-ApolloAudio.html Transkript Die Geschichte der Fotografie beginnt mit einem Wettlauf, obwohl die einzelnen Prinzipien auf denen Fotografie basierte zum Teil schon mehrere Jahrhunderte bekannt waren, kommt innerhalb von weniger als zehn Jahren alles so zusammen, dass mehrere fotografische Verfahren gleichzeitig oder mehr oder weniger gleichzeitig entwickelt werden. Zum Teil kennen sich die, sagen wir mal, Väter der Fotografie auch untereinander und befinden sich im Austausch. Ein besonderer Tag ist dann der 19 August 1839, das ist der Tag an dem Louis Daguerre sein nach ihm selbst Daguerreotypie genanntes Verfahren der französischen Akademie der Wissenschaften vorführt, die dann beschließt, diese Weltverändernde Technologie der Welt zum Geschenk zu machen. Louis Daguerre war zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre damit beschäftigt dieses Verfahren auszufeilen und er hatte viele, viele Experimente hinter sich. Man kann wohl sagen, dass er so ziemlich alles versucht hatte zu fotografieren, was er mit seinen eigenen Augen sehen konnte. Der Mond ist das zweithellste Objekt in unserem Himmel und natürlich hatte er versucht Aufnahmen davon zu machen. Dabei stellte er allerdings etwas fest, was auch heutige Fotografen immer wieder feststellen: Schöne Aufnahmen vom Mond sind gar nicht trivial anzufertigen. Einmal ist es so, dass der Mond wirklich, wirklich hell ist, wenn man also nicht aufpasst nimmt man einen hellen Fleck auf, statt der detaillierten Kraterlandschaft, die man sich vielleicht vorgestellt hat, außerdem ist der Mond wirklich weit, weit weg und damit sind Besitzer von Teleskopen im Vorteil. Teleskope waren damals allerdings schwer zu bekommen, Astronomen s</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Noch bevor man den Begriff &#8222;Fotografie&#8220; kannte wurden Aufnahmen des Monds gemacht und einige der ersten Bilder waren derart gut, dass sie über 100 Jahre unübertroffen blieben&#8230; bis man hinflog um aus der Nähe zu fotografieren. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Earthrise" target="_blank">Earthrise </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Apollo_8" target="_blank">Apollo 8</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Draper" target="_blank">Henry Draper</a> (wikipedia)</li><li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/John_Adams_Whipple" target="_blank" rel="noreferrer noopener">John Adams Whipple</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Lunar_Orbiter_Image_Recovery_Project" target="_blank">Lunar Orbiter Image Recovery Project</a> (Englisch, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.wired.com/2014/04/lost-lunar-photos-recovered-by-great-feats-of-hackerdom-developed-at-a-mcdonalds/" target="_blank">The Hackers Who Recovered NASA&#8217;s Lost Lunar Photos</a> (Englisch, Wired)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Blue_Marble" target="_blank">Blue Marble </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://lightsinthedark.com/2016/03/23/this-is-the-oldest-surviving-photo-of-the-moon/#:~:text=Daguerre%20himself%20reportedly%20captured%20a,the%201850s%20by%20John%20A." target="_blank">This is the Oldest Surviving Photo of the Moon</a> (Lights In  The Dark)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210603195752/http://100photos.time.com/photos/nasa-earthrise-apollo-8" target="_blank">Time Magazine &#8211; 100 photos &#8211; Earthrise</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/We_choose_to_go_to_the_Moon" target="_blank">We choose to go to the Moon</a> (Englisch, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nasa.gov/centers-and-facilities/johnson/50-years-ago-the-lunar-orbiter-program/" target="_blank">50 years ago, The Lunar Orbiter Program</a> (NASA)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.metmuseum.org/art/collection/search/262301" target="_blank">John Adams Whipple &#8211; The Moon</a></li><li>John Adams Whipple &#8211; The Moon (MoMa)#</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.forbes.com/sites/kionasmith/2018/03/07/check-out-these-vintage-astronomical-photos-by-henry-draper/" target="_blank">Check Out These Vintage Astronomical Photos by Henry Draper </a>(Forbes)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nasa.gov/history/alsj/" target="_blank">Apollo Audio</a> (NASA)</li></ul>

<figure><img decoding="async" src="https://collectionapi.metmuseum.org/api/collection/v1/iiif/262301/1835514/main-image" alt="The Moon, John Adams Whipple (American, Cambridge, Massachusetts 1822 - 1891 Grafton, Massachusetts), Salted paper print from glass negative "/><figcaption><img decoding="async" src="https://thumbor.forbes.com/thumbor/960x0/https%3A%2F%2Fblogs-images.forbes.com%2Fkionasmith%2Ffiles%2F2018%2F03%2F3468247343_eeddc14cc7_b.jpg" alt="This is one of over 1500 images of the Moon that Henry Draper took from his Hudson observatory in... [+] 1863."></figcaption></figure>

<figure><img decoding="async" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/First_View_of_Earth_from_Moon.jpg" alt="Datei:First View of Earth from Moon.jpg" width="3061" height="1215" loading="lazy" decoding="async"><figcaption><img decoding="async" src="https://d2g8igdw686xgo.cloudfront.net/19699494_1498527418.5622.png" alt="Fundraiser by Dennis Ray Wingo : Moon 1966-67: Lunar Photographs"></figcaption></figure>

<figure><img decoding="async" src="https://web.archive.org/web/20221017081537/https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/dc/AS8-13-2329.jpg/1920px-AS8-13-2329.jpg" alt="undefined"/></figure>

<figure><img decoding="async" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/NASA-Apollo8-Dec24-Earthrise.jpg" alt="Datei:NASA-Apollo8-Dec24-Earthrise.jpg" width="2400" height="2400" loading="lazy" decoding="async"><figcaption><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/archive/9/97/20200925182919%21The_Earth_seen_from_Apollo_17.jpg/1280px-The_Earth_seen_from_Apollo_17.jpg" alt="undefined"></figcaption></figure>

<p>Videos (falls der Podclient die Videoeinbettungen nicht zeigt, einfach auf <a "/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://fotomenschen.net</a> vorbeisurfen):</p>

<div class="yt-facade" data-yt="6a41qYeDTPQ" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_6a41qYeDTPQ.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<p>Bildquellen: </p>

<ul><li>Von NASA &#8211; http://grin.hq.nasa.gov/ABSTRACTS/GPN-2000-001588.htmlDownloaded from: https://www.flickr.com/photos/pingnews/289087808/, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2686367</li><li>By NASA/LOIRP &#8211; http://www.nasa.gov/topics/moonmars/features/LOIRP/http://www.nasa.gov/centers/ames/news/releases/2008/08_99AR.html, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5220446</li><li>Von William Anders &#8211; NASA Apollo Archive (http://www.hq.nasa.gov/office/pao/History/alsj/a410/AS8-13-2329HR.jpg), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=99097</li><li>Von NASA/Bill Anders &#8211; http://www.hq.nasa.gov/office/pao/History/alsj/a410/AS8-14-2383HR.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=306267</li><li>Von NASA/Apollo 17 crew; taken by either Harrison Schmitt or Ron Evans &#8211; https://web.archive.org/web/20160112123725/http://grin.hq.nasa.gov/ABSTRACTS/GPN-2000-001138.html (image link); see also https://www.nasa.gov/multimedia/imagegallery/image_feature_329.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=43894484</li></ul>

<p>Audioquellen: </p>

<ul><li>Kennedy, Speech at Rice University, Public Domain, verfügbar auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:President_Kennedy%27s_Speech_at_Rice_University.ogv" target="_blank">wikimedia commons</a></li><li>Diverse NASA Sounds, verfügbar unter CC Lizenz auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nasa.gov/history/alsj/" target="_blank">https://www.hq.nasa.gov/alsj/alsj-ApolloAudio.html</a></li></ul>

<hr/>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Die Geschichte der Fotografie beginnt mit einem Wettlauf, obwohl die einzelnen Prinzipien auf denen Fotografie basierte zum Teil schon mehrere Jahrhunderte bekannt waren, kommt innerhalb von weniger als zehn Jahren alles so zusammen, dass mehrere fotografische Verfahren gleichzeitig oder mehr oder weniger gleichzeitig entwickelt werden.</p>

<p>Zum Teil kennen sich die, sagen wir mal, Väter der Fotografie auch untereinander und befinden sich im Austausch. Ein besonderer Tag ist dann der 19 August 1839, das ist der Tag an dem Louis <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> sein nach ihm selbst <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> genanntes Verfahren der französischen Akademie der Wissenschaften vorführt, die dann beschließt, diese Weltverändernde Technologie der Welt zum Geschenk zu machen. Louis <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> war zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre damit beschäftigt dieses Verfahren auszufeilen und er hatte viele, viele Experimente hinter sich. Man kann wohl sagen, dass er so ziemlich alles versucht hatte zu fotografieren, was er mit seinen eigenen Augen sehen konnte. Der Mond ist das zweithellste Objekt in unserem Himmel und natürlich hatte er versucht Aufnahmen davon zu machen.&nbsp;</p>

<p>Dabei stellte er allerdings etwas fest, was auch heutige Fotografen immer wieder feststellen: Schöne Aufnahmen vom Mond sind gar nicht trivial anzufertigen. Einmal ist es so, dass der Mond wirklich, wirklich hell ist, wenn man also nicht aufpasst nimmt man einen hellen Fleck auf, statt der detaillierten Kraterlandschaft, die man sich vielleicht vorgestellt hat, außerdem ist der Mond wirklich weit, weit weg und damit sind Besitzer von Teleskopen im Vorteil. Teleskope waren damals allerdings schwer zu bekommen, Astronomen schliffen sich ihre Linsen und bauten ihre Gerätschaften oft selbst. Erste Daguerrotypisten waren aber nicht immer notwendigerweise Astronomen, Daguerre selbst war Maler und Geschäftsmann, er hatte sein Geld mit Dioramen, also großen begehbaren Bild Illusionen gemacht. Damit war er handwerklich geschickt und offensichtlich auch ein begabter Mechaniker und Chemiker aber die Astronomie und das Schleifen von Linsen war jetzt vielleicht nicht sein Hauptsujet und darum klappt die Aufnahme des Mondes auch nicht. Wir haben die Aufnahme nicht mehr, dass wir uns ein eigenes Bild machen könnten, Zeitgenossen berichten davon, dass es ein verwackelter heller Fleck war und mehr nicht.&nbsp;</p>

<p>Kaum war das Verfahren allerdings in der Welt wurde überall natürlich damit experimentiert, die älteste noch erhaltene Aufnahme unseres Trabanten stammt aus New York, Henry Draper machte dieses Bild und es ist heute zwar noch erhalten aber in einem wirklich traurigen Zustand, da kann man gerade mal noch erkennen, was da fotografiert worden war. Allerdings muss der Detailgrad bei unbeschädigten Bild nach wie vor sehr beeindruckend gewesen sein. Die schönsten Aufnahmen aus der Zeit stammen aus dem Jahr 1850 und wurden von John Whipple angefertigt. Es sind nicht die einzigen Aufnahmen, die wir aus diesem groben Zeitraum kennen aber sie zeigen den Mond in seiner ganzen Schönheit und in einem atemberaubendem Detailreichtum. Überhaupt ist ja das Besondere an der Fotografie, dass sie ihre erste EInführung mit der Daguerreotypie hatte, eine Technik, die auch bis heute Rekord Auflösungen möglich macht und einen Detailgrad zeigt, der eigentlich kaum einzuholen ist. Und was uns die Aufnahme auch zeigt ist,dass von Anfang an Astronomen von den aufkommenden fotografischen Verfahren fasziniert sind, sogar die Bezeichnung Fotografie stammt aus der Feder eines der berühmtesten Astronomen der Geschichte: John Herschel. Der war der Erste, der eine Aufnahme, die mit Licht gemacht wurde als Fotografie bezeichnete, also als “Zeichnen mit Licht”. Von Anfang an also fotografierten wir den Himmel und immer wieder aufs neue den Mond, von den ersten wirklich scharfen Aufnahmen, die Daguerrotepisten angefertigt hatten wurden dann auch Mondkarten und wissenschaftliche Papiere gefertigt. Und mit den Karten, die zu der Zeit entstanden waren, arbeitete man sogar noch in den 1960er Jahren und das war natürlich die Zeit, in der wir versucht haben zum Mond zu kommen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“ But why, some say, the moon? Why choose this as our goal? And they may well ask why climb the highest mountain? Why, 35 years ago, fly the Atlantic?We choose to go to the moon. We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard, [&#8230;]”</p>

<p>Und wir? Wir werden die Generation sein, die den nächsten Menschen auf dem Mond zujubeln darf und wir werden Bildmaterial haben in nie geahnter Auflösung und das interessante ist, so wie die Apollo Mission damals am Anfang auf Daguerreotypie zurückgreifen musste, obwohl die Technologie zur damaligen Zeit schon andere Mittel kannte, so müssen wir heute bei der Planung der nächsten Mondmission zum Teil auf Bildmaterial zurückgreifen, dass in den 1960ern entstanden ist.</p>

<p>Wir sind also im NASA-Headquarter, es ist klar, der Wettlauf zum Mond hat begonnen, die NASA weiß, die Mission ist, noch vor den Russen eine Raumsonde auf dem Mond zu landen und damit die technologische Überlegenheit zu demonstrieren. Nur wo, ist die Frage. Und zur Planung stehen ausschließlich Aufnahmen zur Verfügung, die von der Erde aus gemacht worden waren und das reichte nunmal nicht. Vorhang auf für die fünf sogenannten “Lunar Orbiter Missionen”, fünf Satelliten, die 1966 und 67 nacheinander zum Mond geschickt wurden, immer mit dem Auftrag den Mond zu umkreisen und dabei Aufnahmen der Oberfläche zu machen. Jede einzelne dieser Missionen kostete ein Vermögen und es war nicht vorgesehen, dass diese Satelliten wieder zurückkamen. Stattdessen umkreisten sie den Mond in immer engeren Bahnen und stürzten irgendwann ab. In dieser Zeit machten sie Aufnahmen der Oberfläche&#8230;auf Film. Und dieser Film musste an Bord der Raumsonde jeweils entwickelt werden, wofür ein eigen von <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> bereitgestelltes Verfahren zum EInsatz kam, und dann als entwickeltes Bild abgescannt und als Datenpakete zurück an die Erde gefunkt werden.&nbsp;</p>

<p>Auf der Erde speicherte man die Daten auf Band, was man allerdings auch noch haben wollte, war natürlich das eigentliche Bild und deswegen wurden diese einzelnen Pakete jeweils auf handelsüblichen 35mm Filmen belichtet. Man hat also so eine Art Lichtkanone gehabt, mit der man so getan hat, als würde man dieses Bild nochmal fotografieren, nur eben auf handelsüblichem Film, der musste dann natürlich nochmal entwickelt werden und dann hatte man ja nur diese einzelnen Bildausschnitte, die hat man dann aneinander geklebt. Das Besondere an diesen Aufnahmen war jedenfalls, dass noch nie ein menschliches Objekt so nah an der Mondoberfläche fotografieren konnte, deswegen war der Detailgrad unübertroffen, außerdem kannte die Menschheit bis dahin den Mond nur von einer Seite, die Rückseite war uns völlig unbekannt, noch nie hatte ein Mensch die Rückseite des Mondes gesehen und diese Aufnahmen waren die ersten Bilder dieser bisher unbekannten Seite. Und obwohl die zusammengestückelten Aufnahmen Streifen hatten und wirklich nicht besonder eindrücklich aussahen, wurde ein Bild aus der Reihe dieser Aufnahmen sofort weltberühmt:&nbsp;</p>

<p>Ein Blick von der Mondoberfläche aus, an den Horizont gerichtet und am Horizont aufgehend &#8211; die Erde</p>

<p>Dieses Bild wurde so berühmt, dass es sogar Briefmarken damit gab, noch nie hatten wir unseren eigenen Planeten aus dem Weltall gesehen. Es war die erste einer Reihe von Aufnahmen, die uns unseren Platz im Universum zeigte. Zum Zeitpunkt der Aufnahme wärmten sich die Beatles gerade für ein Konzert auf, in Vietnam wurde gekämpft und der Menschheit wurde bewusst, dass es langsam ernst wird, dass wir wirklich versuchen langsam auf dem Mond zu landen. Und weil es ein Wettlauf mit den Russen war, galt es keine Zeit zu verlieren, die größte Rakete, die die Menschheit je gebaut hat, und das stimmt übrigens bis heute, und es wurden Menschen auf die Reise zum Mond geschickt, zunächst mal nur um ihn zu Umkreisen und heil wieder auf der Erde zu landen.</p>

<p>[Einspieler]:</p>

<p>“The engines are on 4&#8230;3&#8230;2&#8230;1&#8230;0&#8230;We have &#8230;We have commenced&#8230;We have lift off. Lift off at 7:51am Eastern standard time[&#8230;]”</p>

<p>Und da treffen wir jetzt einen anderen Fotomenschen, den Astronauten Bill Anders.</p>

<p>Hatte die NASA anfangs noch keinen Gedanken daran verschwendet ihren Astronauten Kameras mitzugeben, gehörte es zur Zeit von Apollo 8 bereits zum Standard-Training der Astronauten Kameras im Weltraum richtig zu bedienen.</p>

<p>Ich werde irgendwann eine eigen Folge rund um diese Kameras machen aber nur ganz grundsätzlich, man hatte sich für Hasselblad als Partner entschieden und es gab eigens für das Space Program modifizierte Kameras und sowohl Farb- als auch Schwarz/Weißfilme, damit die Crew von Apollo 8 Aufnahmen der Landestelle und der Mondoberfläche machen konnte.</p>

<p>[Einspieler]:</p>

<p>“Houston, what does the moon look like from 60 miles over-</p>

<p>&nbsp;ok Houston, the moon is essentially grey, no colour[&#8230;]”</p>

<p>Drei Tage hatte der Flug zum Mond gedauert und ich frage mich, wie sich das angefühlt haben muss, nie war jemand so weit weg von zuhause.</p>

<p>[Einspieler]:</p>

<p>“It was the fourth orbit when we finally came to a position where we saw the Earth”</p>

<p>Das war die Stimme von James Lovell, dem dritten Astronauten an Bord, drei Umkreisungen hatten sie hinter sich und waren bei ihrer vierten, als sie die Erde am Horizont aufgehen sahen. Und dass ist auch der Moment in dem Bill Anders zur Kamera greift und die Aufnahme der Erde macht, die bis heute unter dem Namen “Earthrise” bekannt ist und eine der berühmtesten Aufnahmen aus dem Space Program überhaupt ist.&nbsp;</p>

<p>Nicht der erste “Earthrise” der fotografiert worden war aber der erste in Farbe und der erste von Menschenhand. Und wir haben Aufnahmen dieses Augenblicks:</p>

<p>[Einspieler]:</p>

<p>“Oh my god, look at that picture over there. It’s the Earth coming up&#8230; wow that’s pretty. You got a colour film Jim? &#8211; And then Anders asked me for colour film and Anders does take several pictures and I say 2/15 at F11[&#8230;]”</p>

<p>Die NASA wird eine dieser Aufnahmen auswählen um sie zu veröffentlichen und der Anblick der Erde wie sie am Horizont des Mondes aufgeht, so ähnlich freilich wie diese schwarz-weiß Aufnahmen aber dann doch noch viel viel prägnanter. Es wird daheim nicht nur sofort zur Ikone, sondern wird von vielen auch als Geburtsstunde der Umweltbewegung vermutet. Es war einfach so klar wie klein unsere Heimat im Vergleich zu allem anderen tatsächlich war. Bevor wir unsere Geschichte fertig erzählt haben, haben wir noch zwei Stopps. Und einer davon ist nochmal auf dem Mond. Das Apollo Programm sollte noch mehrere Erfolgreiche Missionen hinter sich bringen. 12 Menschen betraten den Mond, immer auch mit Kameras dabei. Hier ein bisschen Audio von der Apollo 17 Mission, das ist die Mission, wo man dann auch mit Rover auf der Oberfläche herum gecruised ist.</p>

<p>[Einspieler]:</p>

<p>”I was strolling on the Moon one day&#8230;merry month of May&#8230;When much to my surprise, a pair of bonny eyes…,sorry about that guys but today may be december”</p>

<p>Und auf dieser Mission wurde natürlich auch ein berühmtes Foto geschossen, sonst hätte ich es ja nicht erwähnt, und zwar das Bild “Blue Marble”. Auch Blue Marble hat wahrscheinlich schon jeder von uns gesehen, das ist die Erde in Großaufnahme, in komplettaufnahme, in ihrer totalen, das Bild bei dem Astronauten immer gerne darauf hinweisen, wie dünn die Atmosphäre im Vergleich zum Rest des Planeten ausfällt, wie zerbrechlich die Erde dort wirkt. Apollo 17 sollte das letzte Mondlandeprogramm sein, wir haben Satelliten zum Mond geschickt, wir sind um ihn herum gekreist, wir haben Sonden überall im Sonnensystem verteilt aber zum Mond sind wir bisher noch nicht zurückgekehrt. Zurück also zur Erde, ich sprach ja von den Lunar Orbiter Missionen, den Missionen also mit denen die ersten hochauflösenden Aufnahmen aus der Nähe gemacht worden waren, die Rohdaten dieser Missionen befanden sich auf riesigen Bändern, die in noch riesigeren, schrankgroßen Abspielgeräten abgespielt werden mussten und das Zeug brauchte gefühlt erstmal niemand mehr und es nahm außerdem eine Menge Platz weg, als das</p>

<p>Apollo Programm also eingestellt wurde beschloß die NASA also den ganzen Krempel einzulagern.</p>

<p>Man hatte keine Verwendung mehr dafür aber wer weiß das schon so genau. 20 Jahre lang, über 1500 Bänder, in Maryland bei Spezialisten, sowas kostet eine Menge Geld und meisten gibt es Verträge, die meisten irgendwann einmal enden und so auch hier, 20 Jahre lang war alles eingelagert gewesen, als es wieder zurück an NASA ging und die Frage auftauchte: Was nun tun mit dem ganzen Krempel? In NASA&#8217;s Jet propulsion laboratory wurde die Archivistin Nancy Evans damit betraut genau diese Frage zu beantworten. Wir haben 1986 und eigentlich weiß niemand mehr so wirklich wie die Daten auf den Bändern abgespeichert waren und die Geräte hatten auch schon so ihre Probleme, Nancy hätte also auch beschließen können den ganzen Krempel entsorgen zu lassen aber wie sie selber sagt: das konnte sie einfach nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren. Ihr kam ein Zufall zur Hilfe, denn es stellte sich zur selben Zeit heraus, dass die NASA die Originalaufnahmen, also die Bilder, die die Techniker zusammengeklebt und benutzt hatten um die Mondlandung zu planen nicht mehr auffinden konnte.&nbsp;</p>

<p>Die NASA lagerte also die Bänder ein, immerhin etwas, und Nancy kümmerte sich nun um die Geräte, die waren schon auf dem Gebrauchtmarkt verschwunden und die Geräte, die die NASA speziell benutzt hatte, die gab es tatsächlich kaum, denn außer der NASA benutzte dieses spezielle Format so gut wie niemand. Nancy machte sich trotzdem auf die Suche und fand Geräte und lagerte die in ihrer heimatlichen Garage ein und da lagerten die bis ungefähr 2007, Nancy war inzwischen keine Archivarin mehr, sie hatte eine alternative karriere angestrebt, auf ihrem Pferdehof kümmerte sie sich um Tiere, sie hatte ein Buch veröffentlicht zum Thema Veterinärakupunktur und hatte ihre NASA Vergangenheit praktisch hinter sich gelassen.&nbsp;</p>

<p>Und das ist der Moment, in dem Dennis Wingo sich bei ihr meldet. Dennis Wingo betreibt eine Firma, Skycorp, und er war schon seit seinem Studium besessen davon, die verschollenen Apollo Aufnahmen zu finden. Und als er Nancy gefunden hat muss sich das wie der Jackpot angefühlt haben, denn Nancy hatte die Geräte mit denen sich die Bänder, die bei der NASA eingelagert waren entziffern lassen würden. Jetzt musste man freilich die Formate nochmal verstehen und die Geräte mussten gangbar gemacht werden aber alles das traute sich der selbsternannte “Techno-Archaeologist” zu, wenn es denn noch Sponsoren geben würde, die ihn dabei unterstützen. Jetzt muss man eines verstehen, das Kamera Equipment an Bord der Lunar Orbiter war tatsächlich Top of the Pops, das waren hochwertige, großformatige Aufnahmen, die&nbsp;</p>

<p>tatsächlich auch erstaunlich hochauflösend gescannt worden waren. Die Tatsache, dass die Öffentlichkeit von dem Lunar Orbiter Programm nur so minderwertige Bilder gesehen hatte lag nicht daran, dass das Ausgangsmaterial so schlecht war, sondern lag daran, dass es mit sehr begrenzten Mitteln für einen sehr begrenzten Zweck ausbelichtete.&nbsp;</p>

<p>Könnte man das Material mit modernen Mitteln nochmal analysieren, würde sich wesentlich bessere Ergebnisse erzielen lassen, so die Hoffnung. Aber Behaupten kann man viel, man muss ja erstmal liefern, es gab also wenig Hoffnung, ohne einen Beweis erbracht zu haben, irgendeine finanzielle Unterstützung zu bekommen. Aber wo NASA dann schon gewillt war zu helfen, war dabei einen Platz für das Projekt für das Projekt zu finden, gegenüber des NASA Geländes hatte ein McDonald’s gerade seine Pforten geschlossen und so wurde dem frisch gegründeten Projekt angeboten, doch alle Gerätschaften und Bänder dorthin zu bringen, das Team war begeistert, die neue Basis wurde eben mal in “McMoon” umgetauft und nach einigen Renovierungsarbeiten und umbauten war der Ort fertig um den neu gegründeten Projekt ein Zuhause zu bieten. Trotzdem gab es natürlich immer noch nicht unlimited Funding, das ganze war am Anfang aus eigener Tasche und zum Teil aus Spenden finanziert und so gab es einen gewissen Erfolgsdruck. Und da schlug dann der Zufall zu, schon wieder, denn eines der ersten Bilder, das das Team unter die Lupe nahm, stellte sich als die berühmte Aufnahme des Erdaufgangs heraus. Und da lohnt sich wirklich ein Blick in die Notizen zur Sendung um die beiden Aufnahmen mal zu vergleichen: die Aufnahme, die 1967 der Weltöffentlichkeit gezeigt wurde und da schon Begeisterung auslöste und die Aufnahme, die die Technik von 2008 produzieren konnte, ein Unterschied wie Tag und Nacht. Und das war ein so überzeugendes Ergebnis, dass sie den Auftrag bekamen auch die restlichen Bilder zu bearbeiten. Und die brachten sogar neue wissenschaftliche Erkenntnisse, hier Dennis Wingo in seinen eigenen Worten:</p>

<p>[Einspieler]:</p>

<p>“We had three questions in our project: Can you bring the tapes back, we did it, can you refurbish the drives, we did it, is the data any better than what we already had from a parallel film record, we answered all of those in the affirmative. We put it together like this, we assembled the final image, now this was our next image&#8230;this was called the image of the century by the live magazine.”</p>

<p>Das Lunar Orbiter Image Recovery Project, wie es sich nennt, operiert immer noch aus McMoon heraus, die grobe Erfassung aller BIlddaten war 2014 abgeschlossen und sind jetzt im sogenannten NASA Planetary DAta System für die Forschungs Öffentlichkeit verfügbar. Und mit Ausnahme der Aufnahmen, die wir direkt von der Oberfläche des Mondes gemacht haben, bestehen diese Bilder immer noch den Test der Zeit, selbst moderne Digitalkameras haben keine höhere Auflösung und manchmal sogar eine schlechtere dynamic Range, also ein schlechteres Verhältnis zwischen den hellsten und dunkelsten Punkten auf der Aufnahme. Und hätte Nancy Evans die Geräte zum lesen der Bänder nicht in ihrer Garage eingelagert, dann wären die Daguerreotypien aus dem Jahr 1850 immernoch die ungeschlagenen Auflösung Könige. Selbst die Aufnahmen, die wir auf dem Mond stehend von unserem Heimatplaneten gemacht haben, wären nicht besser.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Die Erfindung des Foto-Handys</title>
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            <pubDate>Fri, 23 Oct 2020 20:04:05 GMT</pubDate>
            <description>Das erste von einer Handykamera stammende Bild wurde auf einer Entbindungsstation aufgenommen...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Das erste von einer Handykamera stammende Bild wurde auf einer Entbindungsstation aufgenommen… Der Vater des Foto-Handys (Spiegel) Die Geschichte der Digitalkamera The first camera phone was sold 20 years ago, and it’s not what you might expect From J-Phone to Lumia 1020: A complete history of the camera phone Casio QV-10 Casio QV-10, the first consumer LCD digital camera, lauded as ‚essential‘ to tech history Time – The Most Influential Images of All Time: 100 Photographs Philippe Kahn (Englisch, Wikipedia) Happy Birthday, camera phone, your papa is proud of you! (IEEE) (Unter dieser Zeile müsste ein Video sein. Wenn nicht, dann auf nach https://fotomenschen.net ) Dieses Video auf Vimeo ansehen Bild: By Philippe Kahn – Released to public domain as noted here, which states, „All images released to the public domain.“, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15288272 Transkript Mein erstes Handy war ein Telefon von Motorola und das konnte genau ein Ding, nämlich telefonieren, und das noch nicht mal besonders gut. Damit konnte man nicht im Internet surfen, man konnte damit nicht navigieren und fotografieren schon gar nicht. Und damals, im Jahr 1995, vermisste das auch noch niemand. Damals fotografierte man mit Filmkameras. Der Höhepunkt der Filmfotografie war noch nicht erreicht. Das wurde erst im Jahr 2000 passieren und das, was heute das Internet nennen, war gerade mal zwei, vielleicht drei Jahre alt. Es gab noch kein Google. Es gab noch kein Facebook. Wir hatten ja nichts damals. Entschuldigung. Und ich verbrachte zu der Zeit jede freie Minute an meinem Computer, um mir selber Programmieren beizubringen. Und zwar mit der Programmiersprache Turbo Pascal der Firma Borland. Die Programmiersprache Turbo Pascal war für die Entwicklung der modernen Programmiersprachen super einflussreich aber eigentlich hat es mit der Geschichte heute nur am Rande zu tun. Ich erwähne das hauptsächlich aus zwei Gründen: Zum einen wurde die Firma Borland 1982 von Philippe Kahn gegründet und der wird jetzt gleich sehr, sehr wichtig werden. Zum anderen will ich einfach nur unterstreichen, dass ich erstens ein alter Sack und zweitens ein totaler Nerd bin. Ich sympathisiere also mit Philippe Kahn, er wäre zu der Zeit damals einer meiner Helden gewesen. Ich hätte gewusst, wer der Mann ist. Ich hätte gewusst: Philip Khan ist der Typ, der Borland gegründet hat und dann die Firma Starfish Software und dann LightSurf und dann Fullpower Technologies. Im Grunde war Philippe Kahn ein Vollblutnerd, der verstanden hatte, wie man technologische Entwicklungen zu Geld macht. Und er war ein Bastler, das, obwohl er im Jahr 1997 unsere Geschichte jetzt einsteigt, sein zweites Multimillionen-Dollar-Unternehmen gegründet hatte. Es ist der 11. Juni 1997. Er und seine hochschwangere Frau sind zu Hause und warten darauf, dass die Wehen einsetzen. Die Tasche fürs Krankenhaus ist gepackt, unter anderem natürlich mit dabei eine Kamera. Und weil er nun mal ein Techentrepreneur aus dem Silicon Valley ist auch nicht irgendeine Kamera, sondern der heißeste Scheiß, den man zu der Zeit haben konnte. Eine Casio QV-10. Das ist die Kamera, die die Digitalkamerarevolution gestartet hat. Die erste für Konsumenten erschwingliche Digitalkamera. 800 Dollar war so ungefähr der Kaufpreis. Unglaubliche 320 mal 240 Punkte Auflösung. Das sind ungefähr ein viertel Megapixel. Zum Vergleich: meine Handykamera hier hat 64 Megapixel, das sind 256-mal so viel. Als die Wehen bei seiner Frau einsetzen greift er also diese Tasche nebst Kamera und weil man ja nie so genau wissen kann, wie lange man dann nun im Krankenhaus eigentlich nur wartet, hat er auch noch seine Arbeitstasche mit seinem Laptop dabei. Muss ich erwähnen, dass auch Laptops damals weder besonders üblich noch besonders klein waren? Er nahm den Kram jedenfalls mit, weil er zu der Zeit an einem kleinen Projekt arbeitete, mit dem er den Versand groß</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Das erste von einer Handykamera stammende Bild wurde auf einer Entbindungsstation aufgenommen&#8230;</p>

<div><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="320" height="240" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/First_camera_phone_picture.gif" alt="Nahaufnahme eines schlafenden Säuglings, das in helles Tuch eingewickelt ist."/></figure></div>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/netzwelt/mobil/erfindung-mit-nebenwirkungen-der-vater-des-foto-handys-a-484976.html" target="_blank">Der Vater des Foto-Handys</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.digitalkameramuseum.de/de/geschichte" target="_blank">Die Geschichte der Digitalkamera</a><br></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.androidauthority.com/first-camera-phone-anniversary-993492/" target="_blank">The first camera phone was sold 20 years ago, and it’s not what you might expect</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.digitaltrends.com/mobile/camera-phone-history/" target="_blank">From J-Phone to Lumia 1020: A complete history of the camera phone</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.digitalkameramuseum.de/en/cameras/item/casio-qv-10" target="_blank">Casio QV-10</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theverge.com/2012/9/14/3330924/first-lcd-digital-camera-casio-qv-10" target="_blank">Casio QV-10, the first consumer LCD digital camera, lauded as &#8218;essential&#8216; to tech history</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210715142844/http://100photos.time.com/" target="_blank">Time &#8211; The Most Influential Images of All Time: 100 Photographs</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Philippe_Kahn" target="_blank">Philippe Kahn (Englisch, Wikipedia)</a></li><li><a href="https://spectrum.ieee.org/happy-birthday-camera-phone-your-papa-is-very-proud-of-you" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Happy Birthday, camera phone, your papa is proud of you! (IEEE)</a></li></ul>

<p>(Unter dieser Zeile müsste ein Video sein. Wenn nicht, dann auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

<p><a href="https://player.vimeo.com/video/221117048?dnt=1&amp;app_id=122963" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf Vimeo ansehen</a></p>

<p class="has-small-font-size">Bild: By Philippe Kahn &#8211; Released to public domain as noted here, which states, &#8222;All images released to the public domain.&#8220;, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15288272</p>

<hr/>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Mein erstes Handy war ein Telefon von Motorola und das konnte genau ein Ding, nämlich telefonieren, und das noch nicht mal besonders gut. Damit konnte man nicht im Internet surfen, man konnte damit nicht navigieren und fotografieren schon gar nicht. Und damals, im Jahr 1995, vermisste das auch noch niemand.</p>

<p>Damals fotografierte man mit Filmkameras. Der Höhepunkt der Filmfotografie war noch nicht erreicht. Das wurde erst im Jahr 2000 passieren und das, was heute das Internet nennen, war gerade mal zwei, vielleicht drei Jahre alt. Es gab noch kein Google. Es gab noch kein Facebook. Wir hatten ja nichts damals. Entschuldigung.</p>

<p>Und ich verbrachte zu der Zeit jede freie Minute an meinem Computer, um mir selber Programmieren beizubringen. Und zwar mit der Programmiersprache Turbo Pascal der Firma Borland. Die Programmiersprache Turbo Pascal war für die Entwicklung der modernen Programmiersprachen super einflussreich aber eigentlich hat es mit der Geschichte heute nur am Rande zu tun.&nbsp;</p>

<p>Ich erwähne das hauptsächlich aus zwei Gründen: Zum einen wurde die Firma Borland 1982 von Philippe Kahn gegründet und der wird jetzt gleich sehr, sehr wichtig werden. Zum anderen will ich einfach nur unterstreichen, dass ich erstens ein alter Sack und zweitens ein totaler Nerd bin. Ich sympathisiere also mit Philippe Kahn, er wäre zu der Zeit damals einer meiner Helden gewesen. Ich hätte gewusst, wer der Mann ist. Ich hätte gewusst: Philip Khan ist der Typ, der Borland gegründet hat und dann die Firma Starfish Software und dann LightSurf und dann Fullpower Technologies.&nbsp;</p>

<p>Im Grunde war Philippe Kahn ein Vollblutnerd, der verstanden hatte, wie man technologische Entwicklungen zu Geld macht. Und er war ein Bastler, das, obwohl er im Jahr 1997 unsere Geschichte jetzt einsteigt, sein zweites Multimillionen-Dollar-Unternehmen gegründet hatte.</p>

<p>Es ist der 11. Juni 1997. Er und seine hochschwangere Frau sind zu Hause und warten darauf, dass die Wehen einsetzen. Die Tasche fürs Krankenhaus ist gepackt, unter anderem natürlich mit dabei eine Kamera.&nbsp;</p>

<p>Und weil er nun mal ein Techentrepreneur aus dem Silicon Valley ist auch nicht irgendeine Kamera, sondern der heißeste Scheiß, den man zu der Zeit haben konnte. Eine Casio QV-10.&nbsp;</p>

<p>Das ist die Kamera, die die Digitalkamerarevolution gestartet hat. Die erste für Konsumenten erschwingliche Digitalkamera. 800 Dollar war so ungefähr der Kaufpreis. Unglaubliche 320 mal 240 Punkte Auflösung. Das sind ungefähr ein viertel Megapixel. Zum Vergleich: meine Handykamera hier hat 64 Megapixel, das sind 256-mal so viel.</p>

<p>Als die Wehen bei seiner Frau einsetzen greift er also diese Tasche nebst Kamera und weil man ja nie so genau wissen kann, wie lange man dann nun im Krankenhaus eigentlich nur wartet, hat er auch noch seine Arbeitstasche mit seinem Laptop dabei. Muss ich erwähnen, dass auch Laptops damals weder besonders üblich noch besonders klein waren?</p>

<p>Er nahm den Kram jedenfalls mit, weil er zu der Zeit an einem kleinen Projekt arbeitete, mit dem er den Versand großer Dateien vereinfachen wollte. Statt z. B. Bilder als E-Mail-Anhängsel rumzuschicken wollte er an einer zentralen Stelle das Bild ablegen und nur einen Link darauf per E-Mail verschicken.&nbsp;</p>

<p>Kahn greift sich also Tasche, Telefon, Laptop und wirft sich mit seiner Frau ins Auto, um schnellstmöglich ins Krankenhaus zu fahren. Weil er sich nicht an die Höchstgeschwindigkeit hält wird er unterwegs noch aufgehalten und weil der Polizist ihm nicht glaubt, dass er auf dem Weg zur Entbindungsstation ist, bekommt er ein Ticket, aber hey, egal. Jedenfalls sitzt er dann da.&nbsp;</p>

<p>Wer selbst schon mal in der Situation war, weiß es vielleicht. Bei den allermeisten Menschen vergeht zwischen den ersten Wehen und der Geburt einiges an Zeit. Zeit, die es totzuschlagen gilt. Ein Glück, dass er seinen Krempel dabei hat. Vielleicht, so der Gedanke, könnte er irgendwie eine Verbindung zu den Computer bei ihm daheim in der Küche herstellen und von da aus dann ein paar Testdateien verschicken.&nbsp;</p>

<p>Heutzutage hat man Data auf seinem Handy oder WiFi im Krankenhaus. Philippe Kahn und seine Frau hatten ein Handy, eine Kamera und einen Laptop. Laptop und Handy konnte er miteinander verbinden. Aber Kamera und Laptop waren Problem, denn er hatte kein passendes Kabel dabei und Kamera und Handy wäre natürlich noch viel praktischer aber dafür existierte gar kein passendes Kabel.&nbsp;</p>

<p>Und jetzt kommt ein ziemlich unterhaltsamer Twist in dieser Anekdote. Denn woran erkennt man, dass man mit einem Vollblutnerd verheiratet ist? Genau. Wenn der im Kofferraum einen Lötkolben dabei hat. Und woran erkennt man, dass die Frau dieselbe Art von Nerd ist? Genau. Wenn sie ihm dabei zuhört, wie er über das mangelnde Kabel flucht und ihn daran erinnert, dass er doch einen Lötkolben dabei hat und es wird doch genügend Kabel im Auto geben müsste, aus denen man so ein Kabel machen könnte.&nbsp;</p>

<p>Philippe Kahn läuft also runter zu seinem Auto, holt sich den Lötkolben, nimmt den Seitenschneider, schneidet Kabel aus seiner Autostereoanlage heraus und bastelt auf der Entbindungsstation, während seine Frau am Wehenschreiber hängt, ein Verbindungskabel, um Handy, Laptop und Kamera so miteinander zu verbinden, dass er ein Foto aufnehmen, es nach Hause zu seinem Computer schicken und direkt per E-Mail an Freunde und Familie verteilen kann.&nbsp;</p>

<p>Ich meine, bei der Entbindung fotografieren war sowieso der Plan. Das Foto danach an Freunde und Familie weiterzuverteilen auch. Wäre doch cool, wenn man das noch gleich durch die Software daheim durchrutschen lassen kann. So oder so ähnlich war der Gedanke.</p>

<p>Als seine Frau Sonja zur Entbindung gefahren wird, ist alles bereit. Im Kreissaal hat Philippe Laptop, Kamera, Handy und diverse Kabel zur Hand, um das große Ereignis zu dokumentieren. Später in Interviews erzählt er von der kindlichen Freude des Doktors, der von der Apparatur so fasziniert war, dass man ihn daran erinnern musste, dass es da noch eine Entbindung gab, um die er sich kümmern musste.&nbsp;</p>

<p>Und irgendwann ist es dann so weit. Philippes Tochter Sofia kommt am 11. Juni 1997 in Santa Cruz in Kalifornien auf die Welt und er kriegt sie in den Arm gelegt und macht ein Foto von ihr. 15 Minuten später geht dieses Foto an c.a. 2000 Freunde und Familie. Die ist nämlich um den ganzen Erdball verteilt.</p>

<p>Seine Frau ist Südkoreanern, er ist aus Frankreich, sie leben in den USA. Die E-Mail mit dem Foto Sofias geht also um die Welt. Und es bleibt natürlich auch nicht bei dem Bild. Wie sich das für stolze Eltern gehört gibt es diverse Schnappschüsse der müden, aber glücklichen Familie.</p>

<p>Und die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten. Neben den zu erwartenden Glückwünschen kommen dann allerdings auch sehr, sehr schnell hunderte Rückfragen. Denn die Leute sehen, dass die Bilder anscheinend 15 Minuten alt sind, wenn sie bei ihnen in ihren Emailinboxen ankommen und fragen, wie er das denn bitte geschafft hat. Zu der damaligen Zeit musste man ja normalerweise sein Foto mit der Digitalkamera machen, die dann irgendwann an den Computer anschließen, die Bilder übertragen, die übertragenen Bilder in eine E-Mail packen, die E-Mail versenden et cetera. 15 Minuten, das war praktisch Echtzeit. Und als Philippe sieht, was dieser kleine Hack für eine Resonanz hat, geht ihm ein Licht auf.&nbsp;</p>

<p>Interessanterweise ist trotzdem nicht Philippe Kahn derjenige, der die ersten wirklich kommerziell verfügbaren Fotokameras auf den Markt bringt. Der Preis geht an mindestens drei, wenn nicht sogar vier verschiedene Firmen, die alle von sich behaupten können, in irgendeiner Art und Weise die ersten gewesen zu sein. Das Ganze spielt sich dann zwischen dem Jahr 1998 und 2000 ab. Verschiedene Geräte kommen auf den Markt mit verschiedenen Möglichkeiten, die alle mehr oder weniger dieselbe Idee haben, nämlich eine Kamera und ein Telefon zusammenzubringen.&nbsp;</p>

<p>Die Idee der Software hingegen, die führte Kahn und seine Frau zur Gründung ihres nächsten Unternehmens, ein Multimedia Messaging Unternehmen, das dann später von Verisign gekauft werden sollte.</p>

<p>Und bis heute beschäftigt sich dieses Powerpärchen damit, Technologie zu entwickeln. Über 230 Patente werden Phillip Khan zugeschrieben und das Spektrum reicht von Hardwarebasteleien bis hin zu modernsten AI-Tools. Und habe ich schon erwähnt, dass die beiden schon mit Borland einen bleibenden Eindruck auf die Geschichte der IT hinterlassen haben?&nbsp;</p>

<p>Aber ich muss auch zugeben, es ist schon spektakulär cool, die Wartezeit bis zur Entbindung damit zu überbrücken, dass man ein Kameratelefon hin MCGyvert, um dann mit einem Babyschnappschuss in die Geschichte der Fotografie einzugehen. Das ist auch der Grund, warum das Time Magazine völlig zurecht das Bild von Baby Sofia Kahn in der Liste der 100 einflussreichsten Fotografien aller Zeiten führt.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Blitze unter Wasser</title>
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            <pubDate>Sun, 18 Oct 2020 13:24:33 GMT</pubDate>
            <description>Im Zeitalter von wasserdichten Action Cams die in die Hosentasche passen vergessen wir gerne mal welchen atemberaubenden Aufwand es brauchte um selbst einfache Aufnahmen unter Wasser anzufertigen.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Im Zeitalter von wasserdichten Action Cams die in die Hosentasche passen vergessen wir gerne mal welchen atemberaubenden Aufwand es brauchte um selbst einfache Aufnahmen unter Wasser anzufertigen. So mussten Pioniere wie der Franzose Louis Boutan ihre komplette Technik selbst konstruieren und dabei nicht nur mit unpraktischen Verfahren sondern auch mit tonnenschwerem Equipment arbeiten. Louis Boutan (Wikipedia) Of underwater photography history and prerequisites Geschichte des Tauchens (Wikipedia) Unterwasserfotografie (Wikipedia) William Thompson- 100 years of underwater photography? Kollodium Nassplatte (Wikipedia) Frederick Scott Archer (Wikipedia) Weltausstellung Paris (Wikipedia) The world’s first underwater photograph Das erste Unterwasserbild überhaupt wurde von William Thompson gemacht und war leider kaum brauchbar. (Unter dieser Notiz ist kein Video? Auf nach https://fotomenschen.net ) Bild: By Louis Boutan – Spiridon Manoliu’s pictures, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7291742 Sound: By HDVideoGuy, CC-NC, https://freesound.org/people/HDVideoGuy/sounds/156011/ Transkript Fotografie, es fühlt sich komisch an das in ein Mikro zu sagen aber wenig ist so omnipräsent und banal wie die Möglichkeit ein Bild zu machen. Alles ist und wird fotografiert, es gibt Kameras, die wenn man sie in die Luft wirft auf dem Scheitelpunkt der Flugbahn ein 360° PanoramaFoto schießen, bevor sie stoßfest und sicher auf dem Boden aufschlagen. Es gibt Kameras, die können fliegen und Luftaufnahmen machen, es gibt Kameras, die sind so klein, dass sie in jede nur erdenkliche Öffnung eingeführt werden können und eingeführt wurden und moderne Kameras können bei Dunkelheit praktisch immer noch fotografieren. Und natürlich ist uns allen klar, dass das nicht immer so war, als die Fotografie eingeführt wurde, war die ein sehr aufwendiger und vor allem flüssigkeitsintensiver Prozess. Die Daguerreotypie oder später auch die Negativ-Verfahren, die mit feuchten Medien arbeiteten, die waren darauf angewiesen, dass der Fotograf das Medium mit dem er arbeitet zunächst einmal vorbereitet, dann mehrere Minuten lang belichtet und nachbereitet. Das heißt diese Verfahren funktionierten dort am besten wo es genau kontrollierte Umgebungsbedingungen gab und eine Dunkelkammer zur Hand war wo man dann schnell nachbearbeiten konnte. Und generell galt: Je heller, desto besser, deswegen waren erste fotografische Studios auch mobil und im freien, Portraits wurden draußen gemacht. Das änderte sich geringfügig als man lernte Blitze zu erzeugen, zu den Chemikalien mit denen der Fotograf sowieso schon hantierte, die übrigens meist feuergefährlich waren, kam also noch Magnesiumpulver und irgendwelche Brandapparaturen. Wer sich also zu dieser Zeit mit Fotografie beschäftigte war weit mehr als Jemand, der einfach nur gern Bilder machte. Man war wahrscheinlich eine Mischung aus Bastler, Wissenschaftler und Künstler und ich glaube so dürfte man zum Beispiel den Briten William Thompson beschreiben. Der lebte im Süden Englands und stellte sich irgendwann die Frage, ob es nicht möglich sein müsste mit den brandneuen fotografischen Verfahren auch Brückenschäden unter Wasser zu kommentieren. Zu der Zeit konkurrierten gerade zwei Verfahren auf dem Markt, die Daguerreotypie in der mithilfe von Quecksilberdämpfen ein Bild auf einem Silberplättchen fixiert wurden und das Wet-Plate-Kollodium Verfahren, das funktionierte so, dass man eine Glasplatte mit einer eigens dafür hergestellten Chemikalie beschichtete, die dann lichtempfindlich wurde und bei Belichtung ein Negativbild auf der Platte entstehen ließ. Stellen auf die Sonne fiel wurden also schawrz und Stellen auf die weniger Licht fiel waren durchsichtig, es war also ein Negativ-Verfahren. Der Vorteil solcher Negativ-Verfahren war, damit konnte man beliebig viele Kopien machen, dazu legte man die Glasplatte mit dem negativ auf fo</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Im Zeitalter von wasserdichten Action Cams die in die Hosentasche passen vergessen wir gerne mal welchen atemberaubenden Aufwand es brauchte um selbst einfache Aufnahmen unter Wasser anzufertigen. </p>

<p>So mussten Pioniere wie der Franzose Louis Boutan ihre komplette Technik selbst konstruieren und dabei nicht nur mit unpraktischen Verfahren sondern auch mit tonnenschwerem Equipment arbeiten. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Boutan" target="_blank">Louis Boutan</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20090215115925/http://divemar.com/divermag/archives/dec96/gilbert1_dec96.html" target="_blank">Of underwater photography history and prerequisites</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Tauchens" target="_blank">Geschichte des Tauchens</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Unterwasserfotografie" target="_blank">Unterwasserfotografie </a>(Wikipedia)</li><li>William Thompson- 100 years of underwater photography?</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kollodium-Nassplatte" target="_blank">Kollodium Nassplatte</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Frederick_Scott_Archer" target="_blank">Frederick Scott Archer</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Weltausstellung_Paris_1900" target="_blank">Weltausstellung Paris</a> (Wikipedia)</li><li><a href="https://www.filmsnotdead.com/the-worlds-first-underwater-photograph/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The world&#8217;s first underwater photograph</a></li></ul>

<figure><img decoding="async" src="https://web.archive.org/web/20210206213635/https://divingalmanac.com/wp-content/uploads/2017/03/Thompson_William_2.jpg" alt="First underwater photo"/><figcaption>Das erste Unterwasserbild überhaupt wurde von William Thompson gemacht und war leider kaum brauchbar.  </figcaption></figure>

<p>(Unter dieser Notiz ist kein Video? Auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

<div class="yt-facade" data-yt="uJHyWD3CpwY" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_uJHyWD3CpwY.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<p class="has-small-font-size">Bild: By Louis Boutan &#8211; Spiridon Manoliu&#8217;s pictures, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7291742<br>Sound: By HDVideoGuy, CC-NC, https://freesound.org/people/HDVideoGuy/sounds/156011/</p>

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<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Fotografie, es fühlt sich komisch an das in ein Mikro zu sagen aber wenig ist so omnipräsent und banal wie die Möglichkeit ein Bild zu machen. Alles ist und wird fotografiert, es gibt Kameras, die wenn man sie in die Luft wirft auf dem Scheitelpunkt der Flugbahn ein 360° PanoramaFoto schießen, bevor sie stoßfest und sicher auf dem Boden aufschlagen. Es gibt Kameras, die können fliegen und Luftaufnahmen machen, es gibt Kameras, die sind so klein, dass sie in jede nur erdenkliche Öffnung eingeführt werden können und eingeführt wurden und moderne Kameras können bei Dunkelheit praktisch immer noch fotografieren. Und natürlich ist uns allen klar, dass das nicht immer so war, als die Fotografie eingeführt wurde, war die ein sehr aufwendiger und vor allem flüssigkeitsintensiver Prozess.&nbsp;</p>

<p>Die <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> oder später auch die Negativ-Verfahren, die mit feuchten Medien arbeiteten, die waren darauf angewiesen, dass der Fotograf das Medium mit dem er arbeitet zunächst einmal vorbereitet, dann mehrere Minuten lang belichtet und nachbereitet. Das heißt diese Verfahren funktionierten dort am besten wo es genau kontrollierte Umgebungsbedingungen gab und eine Dunkelkammer zur Hand war wo man dann schnell nachbearbeiten konnte. Und generell galt: Je heller, desto besser, deswegen waren erste fotografische Studios auch mobil und im freien, Portraits wurden draußen gemacht.&nbsp;</p>

<p>Das änderte sich geringfügig als man lernte Blitze zu erzeugen, zu den Chemikalien mit denen der Fotograf sowieso schon hantierte, die übrigens meist feuergefährlich waren, kam also noch Magnesiumpulver und irgendwelche Brandapparaturen. Wer sich also zu dieser Zeit mit Fotografie beschäftigte war weit mehr als Jemand, der einfach nur gern Bilder machte. Man war wahrscheinlich eine Mischung aus Bastler, Wissenschaftler und Künstler und ich glaube so dürfte man zum Beispiel den Briten William Thompson beschreiben.&nbsp;</p>

<p>Der lebte im Süden Englands und stellte sich irgendwann die Frage, ob es nicht möglich sein müsste mit den brandneuen fotografischen Verfahren auch Brückenschäden unter Wasser zu kommentieren. Zu der Zeit konkurrierten gerade zwei Verfahren auf dem Markt, die <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> in der mithilfe von Quecksilberdämpfen ein Bild auf einem Silberplättchen fixiert wurden und das Wet-Plate-Kollodium Verfahren, das funktionierte so, dass man eine Glasplatte mit einer eigens dafür hergestellten Chemikalie beschichtete, die dann lichtempfindlich wurde und bei Belichtung ein Negativbild auf der Platte entstehen ließ. Stellen auf die Sonne fiel wurden also schawrz und Stellen auf die weniger Licht fiel waren durchsichtig, es war also ein Negativ-Verfahren. Der Vorteil solcher Negativ-Verfahren war, damit konnte man beliebig viele Kopien machen, dazu legte man die Glasplatte mit dem negativ auf fotoempfindliches Papier und belichtete durch. Im Ergebnis hatte man dann einen Print, also ein fertiges Foto, beliebig viele, wenn man denn wollte.&nbsp;</p>

<p>Der Prozess war freilich auch einigermaßen aufwendig, wie gesagt, erstmal das Glasnegativ herstellen, das war nicht ewig haltbar, das heißt man musste es zeitnah zum eigentlichen Foto vorbereiten und direkt nach erfolgter Belichtung, die durchaus auch mal etwas länger dauern konnte musste das ganze natürlich entwickelt und fixiert werden. Trotzdem war der Prozess weniger aufwendig als die <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> und hatte den Vorteil nicht nur Unikate zu produzieren. Das jedenfalls war das Verfahren mit dem William Thompson beschloß zu experimentieren, er wollte eine Unterwasseraufnahme machen und unterwasser war nunmal weniger Licht als überwasser, deswegen verlängerte sich die Belichtungszeit. Außerdem wollte er nicht mit untertauchen, Tauchanzüge wie wir sie heute kennen gab es noch nicht, also konstruierte Thompson eine Box in der die Kamera untergebracht werden sollte und einen Fernauslöser mit dem er den Verschluss öffnen und wieder schließen konnte.&nbsp;</p>

<p>Es gab keine Erfahrungswerte was Belichtung unterwasser anging und deswegen muss er ziemlich lang rumprobiert haben. Wieder und wieder muss er auf einem Boot ein Glasnegativ vorbereitet, in eine Box gesteckt und an einem Seil ca sechs Meter in die Tiefe gelassen haben. Und irgendwann hatte er es dann, die weltweit erste Unterwasseraufnahme. Sieht relativ unscharf und unspektakulär aus aber bewies immerhin, dass es theoretisch möglich war. Thompson fand das Verfahren jedoch wenig praktikabel und die Methode blieb nicht mehr als ein kleines Experiment. Er beschrieb das Vorgehen in einem Artikel, der dann 1856 in dem “Journal of the Society of Arts” auch veröffentlicht wurde und da endet auch grob die fotografische Geschichte von Thompson. Was ich absolut faszinierend finde ist, dass Thompson seiner Zeit ca 30 Jahre voraus gewesen ist, so lang dauerte es nämlich bis jemand ernsthaft und systematisch versuchte die mit Wasserfotografie verbundenen Probleme zu lösen.&nbsp;</p>

<p>Es gab zwar dazwischen immer wieder mal Experimente, so behauptete ein Franzose er hätte verschiedene Aufnahmen unterwasser gemacht und so weiß man nicht wirklich ob das den Tatsachen entsprach und die Deutschen experimentierten mit Fotografie auf U-Booten aber nichts davon hatte wirklich großen Bestand. Der erste wirklich dokumentierte Unterwasserfotograf, der dann auch unterwasser ernsthaft scharfe Bilder produzierte und , jawohl, auch unterwasser blitzte, war dann der Franzose Louis Boutan. Der war Vollblutwissenschaftler und im Auftrag seiner Regierung ziemlich weit herumgekommen, er hatte in Australien Beuteltiere erforscht, er hatte sich mit Weichtieren beschäftigt und kam im Jahr 1890 ans Rote Meer. Dort lernte er 1886 zu tauchen und was er da sah wollte er dokumentieren. Bis dahin hatte man Meereslebewesen an der Oberfläche fotografiert und diese Aufnahmen waren natürlich nicht vergleichbar mit den Aufnahmen, die man in ihrem natürlichen Habitat, lebendig von ihnen machen konnte oder hoffte machen zu können. Bouton begann also, wie schon Thompson vor ihm, damit ein Gehäuse für eine Kamera zu entwickeln, anders als Thompson aber wollte Bouton selber unter Wasser sein während er die Aufnahmen macht.&nbsp;</p>

<p>Und dafür experimentierte er auch mit verschiedenen Tauchverfahren, auch die Taucherei war damals ja noch in Entwicklung. Da gab es alles, von Tauchglocken über einfache Apparaturen, die Schläuche von der Oberfläche mitführten bis hin zu Hartschalenanzügen, also praktisch tragbaren Taucherglocken. Beleuchtung war allerdings ein Problem, die ersten Aufnahmen gelangen im 1893 und brauchten in den gerade mal 3,5 bis 11 Metern Tiefe zwischen 10 und 30 Minuten Belichtungszeit. Das hieß Tiere konnte man so nicht fotografieren, außer sie blieben zufällig gerade mal 30 Minuten am gleichen Fleck aber dann waren sie sehr wahrscheinlich nicht scharf. Bouton begann also mit verschiedenen Blitztechnologien zu experimentieren, eine erste Idee war ei Boot mit einem Glasboden auszustatten und sozusagen von der Wasseroberfläche aus nach unten zu blitzen, der nächste Schritt war dann die gesamte Blitzgerätschaft in ein Tauchfass zu integrieren auf dem oben eine offene Lampe zu finden war, mit der man dann den Lichtblitz erzeugte, das Problem war nur, Chemikalische Blitze erzeugen Rauch und Rauch beschlägt Glas, das heißt die Gläser mussten unterwasser ausgetauscht werden, nachdem sie benutzt worden waren. Und das war schon ein Fortschritt, die allerersten Birnen explodierten bei der Benutzung.&nbsp;</p>

<p>Man kann sagen in den ersten drei Jahren, ging Bouton durch die ganze Palette der Lichterzeugung und kam zum Schluss bei elektrischen Bogenlampen an. 1899 machte er damit dann die letzten seiner Aufnahmen und hat da dann Belichtungszeiten von gerade einmal 5 Sekunden. Aber der Preis für diese technische Leistung war gewaltig, diese Bogenlampen, die wurden von 60 Batterien mit je 25 Amperestunden mit Strom versorgt und waren in ein Gußeisernes Kugelgehäuse eingelassen, das Gesamtgewicht der gesamten Apparatur betrug 1,5 Tonnen aber es lohnte sich, er veröffentlichte das erste Buch über Unterwasserfotografie überhaupt. Das Werk “La Photographie Sous-Marine Et les Progrès de la Photographie”, wo er nicht nur über Unterwasserfotografie sonder über den Fortschritt von Fotografie ganz allgemein schrieb. Später gelangen ihm dann auch noch Nachtaufnahmen aus 50 Meter Tiefe, was seinen Ruf als den Unterwasserfotograf der Zeit zementierte. Seine Bilder wurden dann unter anderem auch auf der Weltausstellung 1900 in Paris ausgestellt, überhaupt schien es bei dieser speziellen Weltausstellung ein Who-is-Who der damals gängigen Fotografen zu geben und die stellten alle bis dahin unmöglich geglaubte Bilder aus, da gab es George Lorenz, der seine spektakulären Luftaufnahmen und Panoramen ausstellte und eben Bouton mit Aufnahmen unterwasser, beide mit eigens dafür entwickelter Beleuchtungstechnik. Wäre Bouton nicht Biologe gewesen, sondern Geschäftsmann und Erfinder wie George Lorenz, ich kann mir vorstellen, die beiden hätten ein ganz großartiges Team abgegeben</p>]]></content:encoded>
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            <title>Len(n)a, The First Lady of the Internet</title>
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            <pubDate>Sun, 11 Oct 2020 17:51:10 GMT</pubDate>
            <description>Diesmal geht es um die Geschichte die jedes Foto auf unseren Handies mit einem schwedischen Playmate verbindet.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Diesmal geht es um die Geschichte die jedes Foto auf unseren Handies mit einem schwedischen Playmate verbindet. Wired – Finding Lena, the Patron Saint of JPegs A Nude ‘Playboy’ Photo Has Been a Mainstay in Testing Tech for Decades Lena, the First Lady of the Internet (VICE) Len(n)a Testbild (Wikipedia) Lena Forsén, neé Söderberg (English, Wikipedia) Vom Playmate zur First Lady (Spiegel) Schärfstes Farbbild der Welt zeigt schwedisches Playmate (Spiegel) „Losing Lena“ – sehr sehenswerte 30 minütige Dokumentation auf Facebook Watch Losing Lena Webseite Bildquelle: By Original full portrait : „ Playmate of the Month“. Playboy Magazine. November 1972, photographed by Dwight Hooker.This 512×512 electronic/mechanical scan of a section of the full portrait : Alexander Sawchuk and two others[1] – The USC-SIPI image database, Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=20658476 Transkript Na, heute schon ein Foto gemacht? Wahrscheinlich, wenn die Antwort jetzt gerade ja war, waren das Dateien im JPEG Format. Ja und heute werde ich erzählen, was das mit dem Playboy zu tun hat. Zwei Bildformate dominieren die moderne Technologiewelt. Das JPEG und das GIF. Beide lösen für sich ein ganz bestimmtes Problem besonders gut, nämlich die Frage, wie ganz bestimmte Inhalte am besten platzsparend abgespeichert werden können. Bis es soweit war, dass man an dieser Stelle angekommen war, sind allerdings Jahre von Forschung und Jahre von Tests nötig gewesen. Und die nehmen ihren Anfang irgendwo in den 60er, 70er Jahren. Das ist die Zeit, in der Computer mehr und mehr auch grafische Aufgaben erledigen und damit die Notwendigkeit entsteht, ordentliche, austauschbare Grafikformate zu entwickeln und sich deswegen entsprechende Arbeitsgruppen formen. Manche Universität leistet sich gar einen kompletten eigenen Arbeitsbereich, der sich mit Signal- und Imageprocessing beschäftigt. So zum Beispiel die University of Southern California. Und wie alle derartigen Gruppen beschäftigten die sich mit zwei Dingen: 1. Bilder bearbeiten, 2. Bilder abspeichern. Jetzt gab es natürlich ein Problem. Man musste ja mit irgendwas testen. Und anders als heute gab es damals noch keine unendliche Auswahl von Testfotografien. Wenn man also ein Testbild brauchte, um zum Beispiel einen Algorithmus zu prüfen, ja, dann musste man für ein entsprechendes Testbild sorgen, also ein Foto nehmen und es scannen. Ja, und dann gab es da diesen denkwürdigen Tag 1973, an dem genau diese Aufgabe anstand und einer der Mitarbeiter der Arbeitsgruppe in der University of Southern California es für eine gute Idee hielt, den zufällig herumliegenden Playboy zu nehmen und da drin ein geeignetes Bild auszusuchen. Eins mit schönen, gleichmäßigen Flächen, wo die Farben nicht so wild durcheinander sind. Zum Beispiel dem Centerfold. Wer mit dem Begriff Centerfold jetzt nichts anfangen kann, kein Problem, gemeint ist das doppelseitige Poster in der Mitte jedes Playboys, das das Playmate des Monats in unserem Beispiel des Monats November 1972 zeigt. Miss November 1972 war die Schwedin Lena Söderberg. Die war zu der Zeit in den USA als au pair für ein Familienmitglied und hatte wie die meisten 21-jährigen chronische Geldprobleme. Weil sie aber wirklich hübsch war, begann sie zu modeln. Katalogfotos, Werbung für Schmuck und später, nachdem sie nach New York umgezogen sein sollte, würde sie auch als Kodak Girl Werbung für Kameras und Fotografie machen. Es war jedenfalls das Jahr 1972, der Anfang ihrer Modelkarriere, in dem sie dann auch einen Fotografen kennenlernte, der Nacktbilder für den Playboy machte. Für welches Magazin der jetzt nun genau diese Bilder machte, war Lena freilich egal. Das Geld war gut und sie hatte sowieso kein Problem damit, sich für ästhetische Fotos auszuziehen. Schweden war auch schon damals etwas entspannter mit Nacktheit als die Amerikaner. Zurück zu unserer Arbeitsgruppe. Die waren happy mit den E</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Diesmal geht es um die Geschichte die jedes Foto auf unseren Handies mit einem schwedischen <a "/posts/das-erste-playmate.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="53" title="Playboy">Playmate</a> verbindet. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.wired.com/story/finding-lena-the-patron-saint-of-jpegs/" target="_blank">Wired &#8211; Finding Lena, the Patron Saint of JPegs</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://onezero.medium.com/a-nude-playboy-photo-has-been-a-mainstay-in-testing-tech-for-decades-b8cdb434dce1" target="_blank">A Nude ‘Playboy’ Photo Has Been a Mainstay in Testing Tech for Decades</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.vice.com/en/article/meet-lenna-the-first-lady-of-the-internet-2/" target="_blank">Lena, the First Lady of the Internet</a> (VICE)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lena_(Testbild)" target="_blank">Len(n)a Testbild</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Lena_Fors%C3%A9n" target="_blank">Lena Forsén, neé Söderberg</a> (English, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/politik/vom-playmate-zur-first-lady-a-b2c451d2-0002-0001-0000-000008719750?context=issue" target="_blank">Vom Playmate zur First Lady</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/schaerfstes-farbbild-der-welt-zeigt-playmate-lena-soederberg-a-849622.html" target="_blank">Schärfstes Farbbild der Welt zeigt schwedisches Playmate</a> (Spiegel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/codelikeagirlau/videos/985614161797010/" target="_blank">&#8222;Losing Lena&#8220; &#8211; sehr sehenswerte 30 minütige Dokumentation</a> auf Facebook Watch</li><li><a href="https://www.losinglena.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Losing Lena</a> Webseite</li></ul>

<p class="has-small-font-size">Bildquelle: By Original full <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">portrait</a>: &#8222;<a "/posts/das-erste-playmate.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="53" title="Playboy">Playmate</a> of the Month&#8220;. <a "/posts/das-erste-playmate.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="53" title="Playboy">Playboy</a> Magazine. November 1972, photographed by Dwight Hooker.This 512&#215;512 electronic/mechanical scan of a section of the full <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">portrait</a>: Alexander Sawchuk and two others[1] &#8211; The USC-SIPI image database, Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=20658476</p>

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<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Na, heute schon ein Foto gemacht? Wahrscheinlich, wenn die Antwort jetzt gerade ja war, waren das Dateien im JPEG Format. Ja und heute werde ich erzählen, was das mit dem Playboy zu tun hat.</p>

<p>Zwei Bildformate dominieren die moderne Technologiewelt. Das JPEG und das GIF. Beide lösen für sich ein ganz bestimmtes Problem besonders gut, nämlich die Frage, wie ganz bestimmte Inhalte am besten platzsparend abgespeichert werden können. Bis es soweit war, dass man an dieser Stelle angekommen war, sind allerdings Jahre von Forschung und Jahre von Tests nötig gewesen. Und die nehmen ihren Anfang irgendwo in den 60er, 70er Jahren. Das ist die Zeit, in der Computer mehr und mehr auch grafische Aufgaben erledigen und damit die Notwendigkeit entsteht, ordentliche, austauschbare Grafikformate zu entwickeln und sich deswegen entsprechende Arbeitsgruppen formen.</p>

<p>Manche Universität leistet sich gar einen kompletten eigenen Arbeitsbereich, der sich mit Signal- und Imageprocessing beschäftigt. So zum Beispiel die University of Southern California. Und wie alle derartigen Gruppen beschäftigten die sich mit zwei Dingen: 1. Bilder bearbeiten, 2. Bilder abspeichern.</p>

<p>Jetzt gab es natürlich ein Problem. Man musste ja mit irgendwas testen. Und anders als heute gab es damals noch keine unendliche Auswahl von Testfotografien. Wenn man also ein Testbild brauchte, um zum Beispiel einen Algorithmus zu prüfen, ja, dann musste man für ein entsprechendes Testbild sorgen, also ein Foto nehmen und es scannen. Ja, und dann gab es da diesen denkwürdigen Tag 1973, an dem genau diese Aufgabe anstand und einer der Mitarbeiter der Arbeitsgruppe in der University of Southern California es für eine gute Idee hielt, den zufällig herumliegenden Playboy zu nehmen und da drin ein geeignetes Bild auszusuchen. Eins mit schönen, gleichmäßigen Flächen, wo die Farben nicht so wild durcheinander sind.</p>

<p>Zum Beispiel dem Centerfold. Wer mit dem Begriff Centerfold jetzt nichts anfangen kann, kein Problem, gemeint ist das doppelseitige Poster in der Mitte jedes Playboys, das das Playmate des Monats in unserem Beispiel des Monats November 1972 zeigt. Miss November 1972 war die Schwedin Lena Söderberg.&nbsp;</p>

<p>Die war zu der Zeit in den USA als au pair für ein Familienmitglied und hatte wie die meisten 21-jährigen chronische Geldprobleme. Weil sie aber wirklich hübsch war, begann sie zu modeln. Katalogfotos, Werbung für Schmuck und später, nachdem sie nach New York umgezogen sein sollte, würde sie auch als <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Girl Werbung für Kameras und Fotografie machen. Es war jedenfalls das Jahr 1972, der Anfang ihrer Modelkarriere, in dem sie dann auch einen Fotografen kennenlernte, der Nacktbilder für den Playboy machte. Für welches Magazin der jetzt nun genau diese Bilder machte, war Lena freilich egal. Das Geld war gut und sie hatte sowieso kein Problem damit, sich für ästhetische Fotos auszuziehen. Schweden war auch schon damals etwas entspannter mit Nacktheit als die Amerikaner.</p>

<p>Zurück zu unserer Arbeitsgruppe. Die waren happy mit den Ergebnissen und sie dokumentierten und demonstrierten ihre Arbeit und reichten damit auch in schöner Regelmäßigkeit Lenas Bild weiter. Und so wurde Lena dann, ohne es zu wissen, zum Vorzeigeobjekt in diesem Imaging Lab. Und nicht nur da. Die Algorithmen, die Arbeit, die Leute, die beteiligt waren. Die zogen ja auch weiter.&nbsp;</p>

<p>Jetzt darf er sich das nicht so vorstellen, als würden da dauernd Nacktbilder herumgereicht werden. Die Arbeitsgruppe hatte ja das obere Drittel des Centerfolds genutzt und es war nichts anderes als ein Porträt von Lena. Für den unwissenden Betrachter zeigte das Bild einfach eine junge brünette Frau, die über eine nackte Schulter hinweg Richtung Betrachter blickt.&nbsp;</p>

<p>Und dann kam es so, wie es kommen musste. Wenn immer dasselbe Testbild verwendet wird, wird es irgendwann zu einer Art de facto STANDARD. Und so wurde Lena in Lehrbüchern abgedruckt, in Informatikveröffentlichungen als Beispielbild gezeigt, verwendet, um neue Algorithmen mit den Ergebnissen der alten Algorithmen zu vergleichen und so weiter. Lena wurde eine Art kleine Berühmtheit.&nbsp;</p>

<p>Der Playboy bekam natürlich auch irgendwann mal Wind davon, dass eins ihrer Bilder zirkulierte und ist auch dafür bekannt, normalerweise relativ hart einzuschreiten. Hier war es dann allerdings so, dass es anscheinend so viele Verstöße gab, dass die Rechtsabteilung des Playboy irgendwann aufgab. Ganz offiziell hat der Playboy irgendwann mal beschlossen, dieses Bild nicht zu ahnden, weil es eine Art kulturelles Phänomen wäre und man deswegen beschlossen hatte, das zuzulassen, dass dieses Bild verwendet wird.&nbsp;</p>

<p>Ist wahrscheinlich auch einfach verdammt gute Werbung für den Playboy, kann ich mir vorstellen. Denn in der ganzen Zeit konnte man, wenn man wollte, sehr wohl rausfinden und wissen, woher dieses Bild stammt.</p>

<p>Lena hat es dann irgendwann auch mal erfahren und hatte damit wahrscheinlich auch erst einmal kein Problem. Es wurde ihr auch über die Jahre immer wieder mal Verehrung zuteil und man lud sie ein, z.B. zum 50-jährigen Jubiläum der für Bildverarbeitung zuständigen Arbeitsgruppe im i triple e. Da machten dann Informatiker mit ihrer Selfies und sie bekam eine Plakette überreicht auf der stand &#8222;First Lady of the Internet&#8220;. Denn sie konnte von sich behaupten, dass das erste überhaupt im Internet kopierte JPEG vermutlich ihr Bild gezeigt hatte. Das ist grundsätzlich jetzt schon mal cool.</p>

<p>Allerdings machten sich dann ab den 90ern auch immer mehr kritische Stimmen Luft, denn man kann ja mal festhalten, dass es ja trotzdem noch ein Centerfold ist. Und stellen wir uns doch mal für einen Moment vor, wie es sich angefühlt haben muss, wenn man als eins von wenigen Mädchen in einer Klasse mit ganz vielen Jungs sitzt, um sagen wir mal zum Beispiel über künstliche Intelligenz oder Bildverarbeitung oder was auch immer zu sprechen und dann feststellt, dass das Foto, das als Beispiel verwendet wird, ein Centerfold, ein Nacktbild also ist. Wenn also eine Horde unter Umständen auch noch pubertierende Jungs Nacktfotos von Frauen googeln, während man selber als Mädchen dazwischen sitzt, kann man sich finde ich auch mal ausgeschlossen fühlen.&nbsp;</p>

<p>Und das ist tatsächlich so ein Hauptproblem. Gerade diese Beiläufigkeit, diese Folgenlosigkeit, mit der so ein Bild jahrzehntelang als Testfoto erhielt, gab dann doch einigen zu denken. Und es war sogar noch 2012 so, dass eine Arbeitsgruppe aus Singapur der Welt schärfstens Farbfoto mit einem Foto von Lena demonstrierte. Deswegen gründete sich irgendwann eine Initiative mit dem Ziel, die Nutzung von Lena als Standardbeispielfoto abzulösen. Es ist ja längst nicht mehr so, dass wir nicht ausreichend Beispielfotos hätten, mit denen man Algorithmen testen kann. Und in immer mehr Szenarien brauchen wir auch diese Vergleichbarkeit gar nicht, die damals ebenso hochgehalten wurde.&nbsp;</p>

<p>Lena selbst unterstützt deswegen die Aktion Losing Lena. Denn sie möchte nicht mit einen Beitrag dazu leisten, dass Frauen und Mädchen sich von der Informatik oder generell den Stem Field Wissenschaften ausgeschlossen fühlen.&nbsp;</p>

<p>Die Welt ist nämlich hoffentlich nicht mehr so chauvinistisch, wie sie unter Umständen in den 70er Jahren noch war. Und auch wenn man Lena jetzt nicht aus der Geschichte streichen muss, finde ich es dann doch wichtig, dass wir Dinge heute vielleicht anders machen würden und vor allen Dingen auch anders bewerten als damals.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Einsteins Sonnenfinsternis</title>
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            <pubDate>Fri, 02 Oct 2020 08:37:35 GMT</pubDate>
            <description>1919 findet eine bis heute berühmte Sonnenfinsternis statt die Albert Einstein über Nacht zu einem internationalen Popidol machen sollte.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera 1919 findet eine bis heute berühmte Sonnenfinsternis statt die Albert Einstein über Nacht zu einem internationalen Popidol machen sollte. Histoclips – Albert Einstein (Video, Deutsch) Albert Einstein (Wikipedia) Albert Einstein – Meine Relativitätstheorie (SWR2) Das Eddington Experiment (Englisch, Wikipedia) Die Spezielle Relativitätstheorie (Wikipedia) Die Allgemeine Relativitätstheorie (Wikipedia) Sir Arthur Stanley Eddington (Wikipedia) Sir Frank Dyson (Wikipedia) Warum streckte Einstein auf dem berühmten Foto die Zunge heraus? (Planet Wissen) Diese Erfindungen wären ohne Albert Einstein undenkbar (ingenieur.de) Albert Einstein, das Jahrhundert-Genie (Planet Wissen) The man who made Einstein world-famous (BBC) The Story Behind Albert Einstein’s Iconic Tongue Photo Arthur Sasse (Wikipedia) Einstein’s tongue – a picture from the past (The Guardian) (Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach https://fotomenschen.net ) Image Source: By ESO/Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl/F. W. Dyson, A. S. Eddington, &amp; C. Davidson – https://www.eso.org/public/images/potw1926a/, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=80091497 Transkript Das Bild um das es mir heute geht entsteht am 29 Mai 1919 und zu dem Zeitpunkt kennt Albert Einstein außerhalb der Physiker Gemeinde kein Mensch. Dabei hatte er durchaus schon eine bemerkenswerte Karriere hinter sich. Ursprünglich wollte Einstein offenbar einmal Lehrer werden und zwar für Physik und Mathematik, obwohl er die Mathematik eher lästig fand und während dem Studium hauptsächlich durch Abwesenheit glänzte. Der gebürtige Ulmer lebte und studierte damals in der Schweiz und 1901 während er versuchte sich als Hauslehrer durchzuschlagen wurde er deswegen auch schweizer Staatsbürger. 1903 wechselt er seinen Beruf und wird Angestellter beim Patentamt in Bern. In dieser gesamten Zeit als Hauslehrer und als Angestellter beim Patentamt hatte sich Einstein mit verschiedenen physikalischen Problemen beschäftigt und deswegen veröffentlicht er 1905 mehrere seiner wichtigsten Papiere überhaupt, da ist nämlich einmal seine Dissertation, dann eine Arbeit zum photoelektrischen Effekt für die er später dann auch noch den Nobelpreis bekommen sollte und zwei weitere Papiere, die man heute zusammengefasst als spezielle Relativitätstheorie kennt mit der berühmten Formel E=mc². All diese Unterlagen machten ihn jetzt nicht bekannt, legten aber die Grundlage für seine Karriere als Physiker. Und die bringt ihn 1913 nach Berlin, wo er Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Direktor des Kaiser-Wilhelm Institut für Physik ist. In der Zeit veröffentlicht Einstein seine allgemeine Relativitätstheorie, die auf den Kopf stellt was man bisher als gesichert angesehen hatte, nämlich die newtonsche Gravitationsgesetze. Unter Newton nahm man an, dass Gravitation so ähnlich funktioniert wie Magnetismus, d.h. der Körper erzeugt ein Feld, dass sozusagen Anziehung erzeugt. Einstein stellte diese Annahme grundsätzlich in Frage, er behauptete Gravitation ist nichts anderes als der Effekt, den wir beobachten, wenn Masse den Raum krümmt, je größer die Masse, desto größer der Effekt. Es gab auch mehrere Vorhersagen, basierend auf dieser Erkenntnis, z.B., dass Gravitation auch, wenn sie den stark genug wäre, Licht ablenken würde. Und zwar stärker abzulenken, als es von den newtonschen Gesetzen zu erwarten wäre. Was man also tun müsste wäre, ein sehr massereiches Objekt vor Sternen vorbeiziehen zu lassen und die Position dieser Sterne zu notieren, die würde sich nämlich in der Nähe des Objekts verändern und so könnte man nachprüfen ob die Vorhersagen von Einsteins Theorie mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Jetzt gibt es nur ein Problem, das einzige Objekt im Sonnensystem, dass genug Masse hat um so ein Experiment durchzuführen ist die Sonne und wenn man Richtung Sonne schaut, sieht man leider die umliegenden Sterne nicht mehr. Das i</itunes:summary>
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<p>1919 findet eine bis heute berühmte Sonnenfinsternis statt die <a "/tags/albert-einstein.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="2" title="Einstein">Albert Einstein</a> über Nacht zu einem internationalen Popidol machen sollte. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.youtube.com/watch?v=Ptco_8IRnmY" target="_blank">Histoclips &#8211; Albert Einstein</a> (Video, Deutsch)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Einstein" target="_blank">Albert Einstein</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210321174013/https://www.swr.de/swr2/wissen/broadcastcontrib-swr-31500.html" target="_blank">Albert Einstein &#8211; Meine Relativitätstheorie</a> (SWR2)</li><li><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Eddington_experiment" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Eddington Experiment</a> (Englisch, Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Spezielle_Relativit%C3%A4tstheorie" target="_blank">Die Spezielle Relativitätstheorie</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Relativit%C3%A4tstheorie" target="_blank">Die Allgemeine Relativitätstheorie</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Stanley_Eddington" target="_blank">Sir Arthur Stanley Eddington</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Dyson" target="_blank">Sir Frank Dyson</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.planet-wissen.de/geschichte/persoenlichkeiten/albert_einstein_das_jahrhundert_genie/pwiewissensfrage320.html#:~:text=Warum%20streckte%20Einstein%20auf%20dem,M%C3%A4rz%201951%20in%20Princeton" target="_blank">Warum streckte Einstein auf dem berühmten Foto die Zunge heraus?</a> (Planet Wissen)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/rekorde/diese-erfindungen-waeren-albert-einstein-undenkbar/" target="_blank">Diese Erfindungen wären ohne Albert Einstein undenkbar</a> (ingenieur.de)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.planet-wissen.de/geschichte/persoenlichkeiten/albert_einstein_das_jahrhundert_genie/index.html" target="_blank">Albert Einstein, das Jahrhundert-Genie</a> (Planet Wissen)</li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.bbc.com/news/science-environment-48369980" target="_blank">The man who made Einstein world-famous</a> (BBC)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://allthatsinteresting.com/albert-einstein-tongue-photo" target="_blank">The Story Behind Albert Einstein’s Iconic Tongue Photo</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Arthur_Sasse" target="_blank">Arthur Sasse</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theguardian.com/artanddesign/picture/2014/mar/14/albert-einstein-tongue-photography" target="_blank">Einstein&#8217;s tongue &#8211; a picture from the past</a> (The Guardian)</li></ul>

<p>(Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

<div class="yt-facade" data-yt="q_7iuPZHSOU" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_q_7iuPZHSOU.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<p class="has-small-font-size">Image Source: By ESO/Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl/F. W. Dyson, A. S. Eddington, &amp; C. Davidson &#8211; https://www.eso.org/public/images/potw1926a/, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=80091497</p>

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<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Das Bild um das es mir heute geht entsteht am 29 Mai 1919 und zu dem Zeitpunkt kennt <a "/tags/albert-einstein.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="2" title="Einstein">Albert Einstein</a> außerhalb der Physiker Gemeinde kein Mensch. Dabei hatte er durchaus schon eine bemerkenswerte Karriere hinter sich. Ursprünglich wollte Einstein offenbar einmal Lehrer werden und zwar für Physik und Mathematik, obwohl er die Mathematik eher lästig fand und während dem Studium hauptsächlich durch Abwesenheit glänzte. Der gebürtige Ulmer lebte und studierte damals in der Schweiz und 1901 während er versuchte sich als Hauslehrer durchzuschlagen wurde er deswegen auch schweizer Staatsbürger. 1903 wechselt er seinen Beruf und wird Angestellter beim Patentamt in Bern.&nbsp;</p>

<p>In dieser gesamten Zeit als Hauslehrer und als Angestellter beim Patentamt hatte sich Einstein mit verschiedenen physikalischen Problemen beschäftigt und deswegen veröffentlicht er 1905 mehrere seiner wichtigsten Papiere überhaupt, da ist nämlich einmal seine Dissertation, dann eine Arbeit zum photoelektrischen Effekt für die er später dann auch noch den Nobelpreis bekommen sollte und zwei weitere Papiere, die man heute zusammengefasst als spezielle Relativitätstheorie kennt mit der berühmten Formel E=mc².</p>

<p>All diese Unterlagen machten ihn jetzt nicht bekannt, legten aber die Grundlage für seine</p>

<p>Karriere als Physiker. Und die bringt ihn 1913 nach Berlin, wo er Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Direktor des Kaiser-Wilhelm Institut für Physik ist. In der Zeit veröffentlicht Einstein seine allgemeine Relativitätstheorie, die auf den Kopf stellt was man bisher als gesichert angesehen hatte, nämlich die newtonsche Gravitationsgesetze.</p>

<p>Unter Newton nahm man an, dass Gravitation so ähnlich funktioniert wie Magnetismus, d.h. der Körper erzeugt ein Feld, dass sozusagen Anziehung erzeugt.</p>

<p>Einstein stellte diese Annahme grundsätzlich in Frage, er behauptete Gravitation ist nichts anderes als der Effekt, den wir beobachten, wenn Masse den Raum krümmt, je größer die Masse, desto größer der Effekt.</p>

<p>Es gab auch mehrere Vorhersagen, basierend auf dieser Erkenntnis, z.B., dass Gravitation auch, wenn sie den stark genug wäre, Licht ablenken würde. Und zwar stärker abzulenken, als es von den newtonschen Gesetzen zu erwarten wäre. Was man also tun müsste wäre, ein sehr massereiches Objekt vor Sternen vorbeiziehen zu lassen und die Position dieser Sterne zu notieren, die würde sich nämlich in der Nähe des Objekts verändern und so könnte man nachprüfen ob die Vorhersagen von Einsteins Theorie mit der Wirklichkeit übereinstimmen.&nbsp;</p>

<p>Jetzt gibt es nur ein Problem, das einzige Objekt im Sonnensystem, dass genug Masse hat um so ein Experiment durchzuführen ist die Sonne und wenn man Richtung Sonne schaut, sieht man leider die umliegenden Sterne nicht mehr. Das ist also der Stand der Dinge 1915, es ist diese Zeit, in der ein Professor der Astronomie, Sir Arthur Stanley Eddington, von den Theorien Einsteins erfährt und sofort erkennt, was die allgemeine Relativitätstheorie denn für Auswirkungen hätte, wenn sie denn wahr wäre. Erfahren hat er von der Theorie durch, sagen wir mal, eine Art Kettenbrief, ein gemeinsamer Bekannter von Eddington und EInstein hatte mehrere Briefe an verschiedene Institute abgeschickt um darauf hinzuweisen welche mögliche Bedeutung diese Arbeit von Einstein haben könnte.</p>

<p>Es ist der Erste Weltkrieg. Auf den Weltmeeren werden Schiffe von deutschen U-Booten versenkt und gerade in Großbritannien hat man zum Teil wirklich anderes im Sinn, als sich die Arbeiten deutscher theoretischer Physiker anzuschauen. Ja manch einer mag schon deswegen nicht draufschauen, weil es ja der Feind ist. Nicht so Eddington. Er glaubt, Wissenschaft ist wichtiger und größer als Politik oder <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a>.</p>

<p>Und so beginnt er mit der Arbeit an einem Versuchsaufbau, mit dem sich die Theorien Einsteins erhärten ließen. Es geht nämlich sehr wohl einen Moment, in dem man Richtung Sonne schauen und gleichzeitig den Nachthimmel sehen kann. Während einer totalen Sonnenfinsternis ist genau das möglich. Und eine Sonnenfinsternis als Kandidat war auch schnell gefunden. Am 29. Mai 1919 wären nämlich in Brasilien und an der Küste Afrikas geradezu perfekte Bedingungen. Allein jetzt gab&#8217;s noch ein nicht ganz unwesentliches Problem. Dieses Experiment war ganz schön teuer. Es mussten Teleskope konstruiert, Fotoapparate gebaut, Expeditionen ausgerüstet werden. Und das alles während einem Weltkrieg, während dem es wirklich nicht sicher war, über die großen Ozeane zu schippern. Ein Bekannter von Eddington, nämlich Sir Dyson, war der Leiter der Königlichen Astronomischen Gesellschaft und hilft bei der Sicherung der Finanzmittel. Es werden zwei Expeditionen ausgestattet, eine, um eben in Brasilien Aufnahmen zu machen, die andere fährt an die Küste Afrikas. Und schon während der Vorbereitungen war das ganze Projekt mehrmals auf Messers Schneide, nicht zuletzt auch, weil es fast so aussah, als würden Streiks von Schiffahrtsverbänden in letzter Minute noch dafür sorgen, dass man nicht mehr aufbrechen konnte. Und auch die Überfahrt war eigentlich nur deswegen sicher, weil gerade rechtzeitig ein Waffenstillstand vereinbart worden war. Die Weltpresse verfolgt die gesamten Vorbereitungen aufmerksam. Isaac Newton vs die moderne theoretische Physik, so lässt sich das wohl zusammenfassen. Als dann also Eddington mit den Aufnahmen zurückkehrt und nach wochenlanger Auswertung bekannt geben kann:Jawohl, Einsteins Theorie stimmt. Er hatte recht mit seinen Vorhersagen war das im Rahmen einer Pressekonferenz und eine weltweite Sensation. Die Royal Society bezeichnet das Ganze als Triumph des menschlichen Geistes. Die Times titelt Revolution in Science und der Name <a "/tags/albert-einstein.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="2" title="Einstein">Albert Einstein</a> war ab da weltberühmt, und zwar nicht nur bei Physikern.</p>

<p>Praktisch über Nacht wurde er zu einem internationalen Celebrity. All das, inklusive der Vorbereitungen des Experiments, passiert übrigens unter Abwesenheit Albert Einsteins. Tatsächlich hatte nur der gemeinsame Freund, der in den Niederlanden lebte und damit in einem neutralen Land Kontakt zu beiden. Aber Einstein verfolgte das Ganze tatsächlich eher aus der Distanz. Für Eddington war das Ganze wenig überraschend einer der großen Momente seiner Karriere. Er würde später zu einem der führenden Experten zur Allgemeinen Relativitätstheorie und schrieb das erste Lehrbuch zum Thema. Seine wachsende Bekanntheit nutzte Einstein, um die ganze Welt zu bereisen. Er besuchte Lehrveranstaltungen und hielt Vorträge, bekam Ehrendoktorwürde und akzeptierte schließlich von der Princeton University einen Lehrauftrag. Für eine Weile würde er halbjährlich wechseln zwischen Berlin und New Jersey und jeweils dort dann lehren. Inzwischen wusste man auch so einiges über Einsteins Ansichten. Er war Sozialist und Pazifist und hatte das bei mehreren Gelegenheiten wörtlich und schriftlich niedergelegt. Damit war natürlich dem NS-Regime ein Dorn im Auge. Die zwang ihn wie andere aus der Akademie der Wissenschaften auszutreten und leiteten schließlich eine Straf Ausbürgerung ein. Ab jetzt hatte Einstein seinen Wohnsitz in den USA, das Land, in dem er dann irgendwann auch die Staatsbürgerschaft anstrebte und bekam. Zeit seines Lebens forschte er an den großen Themen der Wissenschaft und äußerte sich immer wieder auch politisch. Als Wissenschaftler fühlte er sich mitverantwortlich für die großen Themen der Zeit. In der Öffentlichkeit prägte sich nach und nach das Bild von ihm als dem prototypischen schrulligen Professor ein. Einstein spricht ein ganz furchtbares Deutsch Englisch.</p>

<p>[Einspieler:]</p>

<p>.”The common language of science. The first step to what’s language was to link accoustical or otherwise commutable science to sense impressions. Most likely all sociable animals have arrived at this primitive kind of communication.”</p>

<p>Außerdem kleidet er sich einigermaßen nachlässig und hat meistens wirre Haare. Bei öffentlichkeitswirksamen Auftritten macht ihn das natürlich auch zu einem beliebten Pressefoto Objekt. Und da sind wir jetzt bei dem anderen berühmten Foto, das mit daraus gestreckten Zunge. Es ist Albert Einsteins 72. Geburtstag und er ist auch so einigermaßen genervt von der Presse um ihn herum. Diverse Fotografen und Journalisten wollen sich mit ihm unterhalten und Fotos von ihm und es soll mal hier posieren und da posieren. Und die meiste Zeit ist er einigermaßen mürrisch unterwegs. Der Abend neigt sich dem Ende zu und Einstein macht sich auf den Weg nach Hause. Das Auto ist umlagert von Fotografen, unter ihnen auch der Agentur Fotograf <a "/tags/arthur-sasse.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="5" title="Arthur Sasse">Arthur Sasse</a> ruft “Professor Please smile for your birthday picture.” Und Albert Einstein dreht sich ihm zu, streckt die Zunge aus und schaut dann wieder weg. Im Originalfoto sitzt er bereits im Auto mit seinen zwei Begleitern, Misses Aydelotte und Mister Aydelotte links und rechts von sich. Wahrscheinlich dachte Einstein, er würde den Shot von Arthur Sehers ruinieren. Der war allerdings schnell genug, im Gegensatz zu all seinen Kollegen und schickte auch später einen Druck an Einstein. Im Grunde hätte da die Geschichte vorbei sein können. Aber Albert Einstein fand dieses Bild so lustig, dass er anfing, Nachdrucke davon zu bestellen und als Postkarten und Poster und Bilder zu verschenken. Nachdem Einstein sowieso schon den Ruf weg hatte. Schrullig bis bizarr zu sein, passte dieses Bild perfekt und trat jetzt den Siegeszug durch die Presse an. Das Bild ist heute so berühmt wie damals eine der großen Fotoikonen der Menschheit.</p>

<p>[Einspieler:]</p>

<p>“This picture of Einstein sticking out his tongue selling for almost 75.000$ this week. It’s one of just 9 prints.”</p>

<p>Es existieren noch neun original Abzüge dieses Bildes. Und wer zufällig 75 000 Dollar übrig hat, kann ja mal sein Glück versuchen. Halten wir also fest Das berühmteste Bild von Einstein mag das mit der Zunge sein, aber das Bild, das Einstein über Nacht zum weltweiten Celebrity gemacht hat, war ein Foto einer Sonnenfinsternis. Und das finde ich jetzt mal wirklich sehr cool.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Fliegende Pferde und entschuldbarer Totschlag</title>
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            <pubDate>Sun, 27 Sep 2020 18:15:15 GMT</pubDate>
            <description>Eadweard Muybridge war nicht nur talentierter Entertainer, Weltreisender, Buchhändler, Fotograf und freigesprochener Mörder sondern auch der Mann der uns Hochgeschwindigkeitsaufnahmen und Bewegtbild...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Eadweard Muybridge war nicht nur talentierter Entertainer, Weltreisender, Buchhändler, Fotograf und freigesprochener Mörder sondern auch der Mann der uns Hochgeschwindigkeitsaufnahmen und Bewegtbild brachte. Eadweard Muybridge ( Wikipedia ) Leland Stanford ( Wikipedia ) Category:Eadweard Muybridge animations ( Wikipedia ) Eadward Muybridge Left Foot Hop ( Deutsch, fotohits.de ) Eadweard Muybridge at Google Arts &amp; Cultur e How Eadweard Muybridge Gave Us the Moving Image ( artsy.net ) Mastering Motion ( widewalls.ch ) Wer war Eadweard Muybridge? (kwerfeldein) (Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach https://fotomenschen.net ) Murder in Motion: The Strange Life of Photographer (and Murderer) Eadweard Muybridge Image Source: Library of Congress Music: CC-BY-NC, Countryside Summer Joyride by Kara Square Sound Effects: Gallopp , CC0, by very.marengere / Destruction , CC-BY, by InspectorJ Transkript Heute geht es um fliegende Pferde. Und um den letzten Fall, in dem in Kalifornien ein geständiger Mörder trotz seiner Tat freigesprochen wurde. Wir befinden uns im Kalifornien der 1850er Jahre. Der Goldrausch tobt durch das Land. Und das ursprünglich mal ziemlich provinzielle San Francisco war innerhalb von gerade mal 10 Jahren von knapp 400 auf über 55000 Einwohner angewachsen. Und wer zu der Zeit an die Westküste der Vereinigten Staaten zog, der wollte ins Nirgendwo. Ans Ende der Welt. Dort, wo noch wirklich der Wilde Westen herrschte. Man wollte sein Glück finden, vielleicht mit ein bisschen Glück Gold. Auf jeden Fall sein Glück in die eigenen Hände nehmen. Und hier treffen wir den Buchhändler Eadweard Muybridge, oder wie er eigentlich mal bei seiner Geburt im Londoner Vorort Kingston hieß, Edward James Muggeridge. Er war mit c.a. 21 Jahren nach Amerika ausgewandert. Bei seinem ersten Stopp in New York lernt er einen Porträtfotografen kennen, der ihm die Daguerreotypie und andere Verfahren nahebringt und sich dann auf den Weg an die Westküste macht. Muybridge folgt ihm dann zwei Jahre später, wo besagter Freund inzwischen ein Porträtstudio betreibt, und Muybridge eröffnet eine Buchhandlung, in der er dann unter anderem auch Porträts oder Landschaftsbilder verkauft. Die Geschäfte laufen gut und so holt er seine zwei Brüder nach. Die sollen sich um seine Geschäfte kümmern, während er sich auf dem Weg nach Europa macht, um dort Bücher einzukaufen. Er macht sich auf den Weg, verpasst aber leider sein Schiff und fasst den Plan, per Kutsche nach St. Louis zu reisen und dann mit der Eisenbahn zurück nach New York, von wo aus er dann in die alte Welt übersetzen könnte. Und es ist genau diese Strecke, auf der dann ein folgenschwerer Unfall passiert. Eben noch saß er in einem Pferdewaggon und das nächste, was er weiß, ist, dass er neben dem zerbrochenen Gefährt auf der Straße wach wird, mit einer schweren Kopfverletzung. Er kam tatsächlich gerade noch so mit dem Leben davon und er hat monatelang damit zu kämpfen, dass er Schwindelanfälle hat und doppelt sieht. Trotzdem beendet er wenige Wochen später seine Überfahrt nach London, wo er sich dann auch in ärztliche Behandlung begibt. Es ist ein Arzt, der ihm empfiehlt, möglichst viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Das sei gesund und therapeutisch. Und weil Edward nicht einfach nur in der Botanik unterwegs sein will, sucht er sich ein Hobby. Und das ist die Landschaftsfotografie. Er hat die Grundlagen der Fotografie vermutlich von seinem Freund in New York vermittelt bekommen aber jetzt studiert er das Medium ausgiebig und wird in dieser Zeit in London zu einem voll ausgebildeten, fähigen und kompetenten Landschaftsfotograf. Man muss sich ja vor Augen halten, dass Fotografen in der damaligen Zeit, wir sprechen von den 1870er Jahren, nicht nur Fotografie beherrschen mussten, sondern eigentlich Künstler, Techniker, Bastler und Chemiker in einem sein mussten. Man hat damals überwiegend auf sogenannte Wetp</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Eadweard Muybridge war nicht nur talentierter Entertainer, Weltreisender, Buchhändler, Fotograf und freigesprochener Mörder sondern auch der Mann der uns Hochgeschwindigkeitsaufnahmen und Bewegtbild brachte.</p>

<ul><li>Eadweard Muybridge (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eadweard_Muybridge#Vortragsreisen_durch_Europa_und_Animal_Locomotion" target="_blank">Wikipedia</a>)</li><li>Leland Stanford (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Leland_Stanford" target="_blank">Wikipedia</a>)</li><li>Category:Eadweard Muybridge animations (<a rel="noreferrer noopener" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Eadweard_Muybridge_animations" target="_blank">Wikipedia</a>)</li><li>Eadward Muybridge Left Foot Hop (<a href="https://www.fotohits.de/themen/report/serie-ein-bild-und-seine-geschichte/eadweard-muybridge/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Deutsch, fotohits.de</a>)</li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://artsandculture.google.com/entity/eadweard-muybridge/m0gc57" target="_blank">Eadweard Muybridge at Google Arts &amp; Cultur</a>e</li><li>How Eadweard Muybridge Gave Us the Moving Image (<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.artsy.net/article/artsy-editorial-eadweard-muybridge-moving-image" target="_blank">artsy.net</a>)</li><li>Mastering Motion (<a rel="noreferrer noopener" href="https://blog.artsper.com/en/" target="_blank">widewalls.ch</a>)</li><li>Wer war Eadweard Muybridge? (kwerfeldein)</li></ul>

<p>(Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

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<p><a href="https://www.amazon.de/dp/1512116955" target="_blank" rel="noopener">Murder in Motion: The Strange Life of Photographer (and Murderer) Eadweard Muybridge</a></p>

<div><figure class="aligncenter"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e6/Muybridge_horse_gallop_animated.gif" alt="Datei:Muybridge horse gallop animated.gif"/></figure></div>

<p class="has-small-font-size">Image Source: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.loc.gov/photos/?q=Eadweard+Muybridge" target="_blank">Library of Congress</a><br>Music: CC-BY-NC, <a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20221205110240/http://dig.ccmixter.org/files/mindmapthat/56281" target="_blank">Countryside Summer Joyride by Kara Square</a><br>Sound Effects: <a rel="noreferrer noopener" href="https://freesound.org/people/vero.marengere/sounds/450325/" target="_blank">Gallopp</a>, CC0, by very.marengere / <a rel="noreferrer noopener" href="https://freesound.org/people/InspectorJ/sounds/352513/" target="_blank">Destruction</a>, CC-BY, by InspectorJ</p>

<hr/>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Heute geht es um fliegende Pferde. Und um den letzten Fall, in dem in Kalifornien ein geständiger Mörder trotz seiner Tat freigesprochen wurde.</p>

<p>Wir befinden uns im Kalifornien der 1850er Jahre. Der Goldrausch tobt durch das Land. Und das ursprünglich mal ziemlich provinzielle San Francisco war innerhalb von gerade mal 10 Jahren von knapp 400 auf über 55000 Einwohner angewachsen.</p>

<p>Und wer zu der Zeit an die Westküste der Vereinigten Staaten zog, der wollte ins Nirgendwo. Ans Ende der Welt. Dort, wo noch wirklich der Wilde Westen herrschte. Man wollte sein Glück finden, vielleicht mit ein bisschen Glück Gold. Auf jeden Fall sein Glück in die eigenen Hände nehmen.&nbsp;</p>

<p>Und hier treffen wir den Buchhändler Eadweard Muybridge, oder wie er eigentlich mal bei seiner Geburt im Londoner Vorort Kingston hieß, Edward James Muggeridge. Er war mit c.a. 21 Jahren nach Amerika ausgewandert. Bei seinem ersten Stopp in New York lernt er einen Porträtfotografen kennen, der ihm die <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerreotypie</a> und andere Verfahren nahebringt und sich dann auf den Weg an die Westküste macht.&nbsp;</p>

<p>Muybridge folgt ihm dann zwei Jahre später, wo besagter Freund inzwischen ein Porträtstudio betreibt, und Muybridge eröffnet eine Buchhandlung, in der er dann unter anderem auch Porträts oder Landschaftsbilder verkauft. Die Geschäfte laufen gut und so holt er seine zwei Brüder nach. Die sollen sich um seine Geschäfte kümmern, während er sich auf dem Weg nach Europa macht, um dort Bücher einzukaufen. Er macht sich auf den Weg, verpasst aber leider sein Schiff und fasst den Plan, per Kutsche nach St. Louis zu reisen und dann mit der Eisenbahn zurück nach New York, von wo aus er dann in die alte Welt übersetzen könnte.&nbsp;</p>

<p>Und es ist genau diese Strecke, auf der dann ein folgenschwerer Unfall passiert. Eben noch saß er in einem Pferdewaggon und das nächste, was er weiß, ist, dass er neben dem zerbrochenen Gefährt auf der Straße wach wird, mit einer schweren Kopfverletzung. Er kam tatsächlich gerade noch so mit dem Leben davon und er hat monatelang damit zu kämpfen, dass er Schwindelanfälle hat und doppelt sieht.</p>

<p>Trotzdem beendet er wenige Wochen später seine Überfahrt nach London, wo er sich dann auch in ärztliche Behandlung begibt. Es ist ein Arzt, der ihm empfiehlt, möglichst viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Das sei gesund und therapeutisch. Und weil Edward nicht einfach nur in der Botanik unterwegs sein will, sucht er sich ein Hobby.&nbsp;</p>

<p>Und das ist die Landschaftsfotografie. Er hat die Grundlagen der Fotografie vermutlich von seinem Freund in New York vermittelt bekommen aber jetzt studiert er das Medium ausgiebig und wird in dieser Zeit in London zu einem voll ausgebildeten, fähigen und kompetenten Landschaftsfotograf.&nbsp;</p>

<p>Man muss sich ja vor Augen halten, dass Fotografen in der damaligen Zeit, wir sprechen von den 1870er Jahren, nicht nur Fotografie beherrschen mussten, sondern eigentlich Künstler, Techniker, Bastler und Chemiker in einem sein mussten. Man hat damals überwiegend auf sogenannte Wetplates fotografiert, das heißt, man hatte Glasplatten dabei, die mit einer chemischen Lösung bestrichen wurden, um die Silberpartikel aufzubringen, dann in einer Kamera belichtet wurden und dann innerhalb von wenigen Minuten auch durch entsprechende chemikalische Bäder entwickelt und fixiert werden mussten.</p>

<p>Das heißt, Fotografen bauten nicht nur ihre eigenen Kameras und ihre eigenen Objektive, sie hatten auch immer ihr eigenes Entwicklungslabor zur Hand.</p>

<p>Als Muybridge jedenfalls 1867 nach San Francisco zurückkehrt, beherrscht er Fotografie und sein Equipment gut genug, um sich als Fotograf selbstständig zu machen. Und es ist eine Zeit, in der sieht man in der Geschichte der Fotografie zwei große Trends. In Europa werden große Prachtbauten und Straßenzüge fotografiert.&nbsp;</p>

<p>Und in den USA? Da entdeckt man die Wunder der Natur. Bisher hauptsächlich von Malern dargestellt, ziehen Fotografen los, um die Landschaften der Sierra Nevada und die Landschaften des späteren Yosemite Nationalparks zu dokumentieren. Diese Landschaften sind überwiegend unerschlossen und die Technik ist unhandlich, wie eben schon beschrieben. Man reist praktisch mit seinem eigenen Chemielabor.&nbsp;</p>

<p>Und Muybridge fotografiert die gesamte Küste. Im Auftrag der unterschiedlichsten Institutionen fotografiert er nicht nur Landschaftswunder, sondern auch Schiffe, Leuchttürme, die Küstenlandschaft ganz allgemein und macht sich sogar durch Stereoskopien, also 3D Ansichten der Landschaften einen Namen.&nbsp;</p>

<p>Stereoskopien waren damals der große Hit. Sie wurden in riesigen Stückzahlen produziert und waren so wie heutzutage vielleicht Fernsehen und Filme überall zu finden.&nbsp;</p>

<p>Muybridge wurde durch seine Stereoskopien so bekannt, dass er den Auftrag erhielt, an eine Expedition nach Alaska teilzunehmen, was ihn zu der Selbstvermarktung als offizieller Fotograf der US-Regierung oder als Leiter fotografische Untersuchungen der Pazifikküste brachte. Ja, Bescheidenheit war jetzt nicht so unbedingt seine große Stärke.&nbsp;</p>

<p>Überhaupt hatte Muybridge ein Talent zur Selbstvermarktung. Muybridge war jedenfalls viel unterwegs. Hätte man ihn in der Zeit jedoch gefragt, wo seine Heimat oder sein Wohnort wäre, hätte er jederzeit San Francisco angegeben.</p>

<p>Und da ist es auch Anfang der 70er Jahre, dass er in einem Fotostudio zwei schicksalhafte Begegnungen hat. Einmal lernte dort die 21-jährige Flora Downs kennen, die in erster Ehe unglücklich verheiratet ist. Er bezahlt ihre Scheidung und heiratet sie. Vier Jahre später sollten die beiden einen Sohn bekommen. Außerdem begegnet er in diesem Jahr dem Eisenbahnunternehmer und Politiker Leland Stanford. Ja, das ist der Stanford, von dem die berühmte Universität ihren Namen hat und der unter anderem auch Gouverneur von Kalifornien war.&nbsp;</p>

<p>Stanford ist Pferdenah und deswegen nimmt er aktiv an einer zu der damaligen Zeit hochkochenden Diskussion unter Pferdemenschen teil. Der Frage nämlich, ob Pferde, wenn sie im vollen Galopp sind, zu irgendeinem Zeitpunkt alle vier Hufe in der Luft haben. Zu der Zeit gab es die feste Annahme, ja fast schon Überzeugung, dass das der Fall wäre. Aber beweisen oder sehen konnte das freilich niemand. Denn Pferde im Galopp sind so schnell unterwegs, dass man keine Chance hat, das mit bloßem Auge wahrzunehmen. Aber vielleicht könnte man die ja irgendwie fotografieren.&nbsp;</p>

<p>Und so gab Stanford den Auftrag an Muybridge genau das zu versuchen. Für die damalige Zeit hatte das gleich mehrere Schwierigkeiten. Erstens musste man die Belichtungszeit von Minuten auf Millisekunden drücken, also, das Papier, auf das belichtet wurde, möglichst empfindlich machen, zweitens musste man im richtigen Moment auslösen und drittens durfte die Belichtung natürlich auch nicht mehr als Millisekunden möglich sein. Ein Hochgeschwindigkeitsverschluss musste also konstruiert werden.</p>

<p>Muybridge schritt mithilfe der Ingenieure aus Stanfords Eisenbahnunternehmen zur Tat, konstruierte den ersten elektronischen Zentralverschluss überhaupt und schoss ein leider heute verlorenes Bild von Stanfords Rennpferd Occident, in dem tatsächlich verwaschen, aber immerhin zweifelsfrei zu sehen war, dass alle vier Hufe in der Luft waren. Es wird übrigens behauptet, dass Stanford damit eine Wette entschieden hat und es um 25000 Dollar ging. Die Behauptung wird hin und wieder als urban myth, auf jeden Fall als nicht beweisbar beschrieben.&nbsp;</p>

<p>Muybridge jedenfalls ging in dieser Aufgabenstellung auf. Er wollte nicht nur Pferde in der Luft, sondern den gesamten Bewegungsablauf festhalten. Er verbrachte jede freie Minute mit dieser Aufgabe.&nbsp;</p>

<p>Seine junge Frau freilich, die hatte dafür wenig Sinn. Sie ging ins Theater, in Konzerte, nahm am gesellschaftlichen Leben teil und fand kreative Verwendung für muybridges Geld. Dem war das einerlei, aber ihm entging auch nicht, dass seine Frau gerne flirtete und dass es diverse Verehrer gab. Einer, der ihm schon vorher unangenehm aufgefallen war und den er in seine Schranken verweisen musste, war der Minenangestellte Harry Larkyns.&nbsp;</p>

<p>Als er kurz nach der Geburt seines Sohnes Florado Helios ein Bild von seinem Sohn, auf dem hinten mit der Handschrift seiner Frau &#8222;Little Harry&#8220; geschrieben stand, fand, kam ihm allerdings Zweifel an seiner Vaterschaft. Er wendet sich an die Hebamme seiner Frau, die gleichzeitig eine Vertraute war, und stellt sie zur Rede. Und wie so oft erfährt er da Dinge, die er eigentlich gar nicht erfahren wollte. Sie bestätigte die Affäre und Muybridge nahm seinen Revolver und machte sich auf den Weg zu Larkyns.</p>

<p>Das war ein Trip, der wahrscheinlich mehrere Stunden gedauert hatte. Er musste erst eine Fähre, dann einen Zug und dann eine Kutsche nehmen. Auf dem Weg zu Larkyns reinigte er den Revolver und gab mehrere Testschüsse ab. Es darf also davon ausgegangen werden, dass er in vollem Bewusstsein seine Tat plante.&nbsp;</p>

<p>Muybridge fand Larkyns beim nächtlichen Kartenspiel und sagte dann wohl, er hätte was von seiner Frau auszurichten, bevor er ihn erschoss. Er ließ sich dann widerstandslos abführen und gab bei seiner Festnahme ein umfassendes Geständnis ab.&nbsp;</p>

<p>Muybridge saß vier Monate in Untersuchungshaft, bevor er vor Gericht gestellt wurde. Seine Frau hatte zwischenzeitlich die Scheidung eingereicht und war der Meinung, dass die Höchststrafe angemessen wäre. In Kalifornien gab es auf Mord zu der damaligen Zeit nur eine angemessene Strafe, nämlich Tod durch Hängen.&nbsp;</p>

<p>Einer seiner Verteidiger versuchte, ihn vor dem Strang zu bewahren, indem er ihn als mental instabil darstellte. Als Nachwirkungen des Unfalls sei er verwirrt, sei er manchmal gewalttätig, aufbrausend. Und auch wenn von Muybridge bekannt war, dass er all das sein konnte, war sein Auftreten vor Gericht allerdings so eloquent, dass kein Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit herrschen konnte. Überhaupt wäre eine Verurteilung wegen geistiger Unzurechnungsfähigkeit nicht unbedingt besser gewesen. Das hatte damals dazu geführt, dass er in ein sogenanntes Irrenhaus gesteckt worden wäre. Lebenslang in so einer Anstalt eingesperrt zu sein, war damals wahrscheinlich ein ähnlich dramatisches Schicksal wie dem Tod ins Auge zu sehen. Muybridges Aussichten sahen also wirklich, wirklich schwarz aus. Entweder Exekution oder lebenslang Irrenhaus.</p>

<p>Es kam zu einem Schlussplädoyer, was in der Zeitung der damaligen Zeit, dem San Francisco Chronicle, als eines der eloquentesten, das man je in Kalifornien gehört hat, beschrieben worden ist. Und wie wir alle aus einschlägigen Filmen und Romanen wissen, muss man ja in den USA in so einem Fall vor allen Dingen die Jury überzeugen.&nbsp;</p>

<p>Und das gelang in diesem Fall. Die Jury wählte den dritten Weg. Statt Todesstrafe wegen Mordes oder Wegsperren wegen Unzulänglichkeit entschied man sich für sogenannten entschuldbaren Totschlag. Oder in anderen Worten: Man war der Meinung, dass Muybridge schon recht hatte, dass er den Liebhaber seiner Frau über den Haufen geschossen hat.</p>

<p>Damit geht Muybridge als der letzte Fall in die kalifornische Geschichte ein, indem jemand trotz zugegebenen und zweifelsfrei festgestellten Mordes freigesprochen wurde. Muybridge ist also wieder auf freiem Fuß, aber in seinem Leben ist jetzt erst einmal der Wurm drin. Seine junge Frau stirbt wenige Monate später, sein Sohn, von dem er nicht sicher weiß, ob es überhaupt sein Sohn ist, kommt ins Waisenhaus, für das er die Kosten trägt und er verkauft sein Geschäft und macht sich auf den Weg nach Zentralamerika, um dort die Plantagenarbeiten zu fotografieren.&nbsp;</p>

<p>Die Fotos aus dieser Zeit haben eine sehr beunruhigende Bildsprache. Manche davon sehen richtig gruselig aus, auch wenn an den Motiven selber erst einmal nichts auszusetzen ist. Er versteht sein Handwerk, er weiß, wie man fotografiert. Aber die Erlebnisse stecken noch in seinen Knochen. Und das sieht man auch seinen Bildern an.</p>

<p>Er fotografiert im Auftrag der Pacific Mail Steamship Company. Seit die erste transkontinentale Eisenbahnverbindung eröffnet wurde, hatten die Sorge, dass ihr Handelsmonopol fallen könnte und sie nutzten die Fotografien als Marketingkampagne.&nbsp;</p>

<p>Muybridge findet sich neu und veröffentlicht über 400 Fotos unter dem Namen Eduardo Santiago Muybridge und vermarktet die nach seiner Rückkehr nach San Francisco ausgiebig. Sie sind so gut, dass sie ihm mehrere Ehrungen und unter anderem eine Goldmedaille einbringen.&nbsp;</p>

<p>Er knüpft also an vorherige Erfolge an. Es sieht gut aus in seinem Leben und in seinen Geschäften. Zeit, wieder zu den Pferden zurückzukehren. Er war ja unzufrieden mit dem Ergebnis. Ein verwaschenes Bild, auf dem ein Pferd mit vier Hufen in der Luft abgebildet war, war nicht genau das, was er gerne produziert hätte. Was er nämlich machen wollte, waren Serienaufnahmen, mehrere scharfe, einzelne Aufnahmen, auf denen man die verschiedenen Stadien des Bewegungsablaufs eindeutig und klar sehen kann.&nbsp;</p>

<p>Auch Stanford ist weiterhin an Board. Auf seinem Gelände wird eine eigens dafür angelegte Anlage konstruiert. Der Boden und die Rückwand, an der vorbeigaloppiert werden soll, wird extra hell getüncht, damit möglichst viel Licht Richtung Kamera geworfen werden kann. Außerdem wird ein Serienauslöser konstruiert. In den Weg gespannte Schnüre lösen insgesamt 24 Kameras nacheinander aus. Und die Rechnung geht auf. Muybridge macht mehrere Testläufe und als er sicher ist, dass es funktionieren wird, lädt er am 15. Juni 1878 eine Reihe von Journalisten ein, vor deren Augen er erfolgreich ein Pferd im Galopp fotografiert. Die versammelten Augenzeugen sind hin und weg.</p>

<p>Sie vergleichen Muybridges Leistung mit der Erfindung des Telefons. Und auch, wenn uns das heute bizarr erscheint. Eigentlich muss man sich nur mal vor Augen halten, wie wenig man damals tatsächlich über diesen Bewegungsablauf wusste. Man wusste also, die Pferde hatten die Hufe alle vier in der Luft. Aber man wusste nicht, wie genau dieser Bewegungsablauf aussah.&nbsp;</p>

<p>Muybridge würde später in seinem Leben Vorträge halten, in denen er berühmte Kunstwerke zeigte und die Fehler in den dort dargestellten Bewegungsabläufen beschrieb. Damit hat er sich vermutlich nicht nur Freunde gemacht aber man konnte auch nicht abstreiten, dass er recht hatte. Seine Erfindung der Hochgeschwindigkeitsserienaufnahme hatte eine Analyse überhaupt erst möglich gemacht.&nbsp;</p>

<p>Muybridge nahm diese Aufnahmen und reiste damit durch die Welt. Er war immer schon ein hervorragender Entertainer und wusste, wie man sich selbst vermarktet. Und so beschrieb er vor jedem Publikum, das sich dafür interessierte, seine Erkenntnisse.&nbsp;</p>

<p>Damit diese Darstellung besser zur Geltung kam, entwickelte er ein Gerät, mit dem sich der Bewegungsablauf wie eine Animation an die Wand projizieren ließ. Das sogenannte Zoopraxiscope. Und es war noch nicht einmal nur gezeichnet, sondern das waren fotografierte Bewegungsabläufe. Es ist keine Übertreibung, Muybridge deswegen als den Vater des modernen Films zu bezeichnen. Stopmotionfilme und Tricktechnik.&nbsp;</p>

<p>Die Herausforderung war, das Muybridge nicht der einzige mit Geschäftssinn war. Er hatte ja mit Stanford gepartnert und Stanford gab in dieser Zeit dann Bücher heraus, in denen er sich vollumfänglich Credit für diese Fotos gab. Und damit wurde Muybridge in Zweifel gezogen. Plötzlich glaubte man nicht mehr, dass die Bilder wirklich von ihm waren. Dieser Stanford schien ja auch glaubwürdig machen zu können, dass er die Bilder geschaffen hätte. Zur Hilfe kommt eine Universität, die University of Pennsylvania. Die beauftragen Muybridge nämlich mit Bewegungsstudien.&nbsp;</p>

<p>Muybridge hatte bisher eigentlich nicht wissenschaftlich gearbeitet. Er war irgendwie ein Zwischending zwischen Fotograf, Bastler und Künstler. Aber eigentlich war er in erster Linie Entertainer. Er wusste einfach, was sich gut vermarkten ließ und hatte weder im Sinn, gezielte Studien zu machen noch wissenschaftlichen Anspruch. Die University of Pennsylvania wollte das ändern.&nbsp;</p>

<p>Sie beauftragten Muybridge mit Bewegungsstudien vor einem definierten Hintergrund mit definierten Abläufen. Muybridge fotografierte also seine Bewegungsabläufe jetzt mit einem sorgfältig konstruierten Apparat vor einem Raster in einem eigens konstruierten Studio. Innerhalb von zwei Jahren entstanden so über 20000 Aufnahmen: Tiere im Laufen, Menschen beim Sport, Alltagshandlungen vor der Kamera, am Anfang meistens eher selbst und dann die verschiedensten Models, immer öfter auch gutaussehende nackte junge Damen, deren einzelne Bewegungsschritte er dann als einzelne Drucke nebeneinander und untereinander wie an einem Raster anordnete.&nbsp;</p>

<p>Es ist die Anekdote mit dem fliegenden Pferd und die Tatsache, dass er ein geständiger Mörder mit Freispruch war, für die er am bekanntesten ist, aber den meisten Einfluss auf die Fotogeschichte und den Grundstein für das, was wir heute Film und Tricktechnik nennen, die hat er dargelegt.&nbsp;</p>

<p>Er lernte in der Zeit übrigens auch Edison kennen und Edison sollte später dann mal behaupten, er hätte das Bewegtbild erfunden, eine Behauptung, in der sich natürlich schon wieder Geschichte wiederholt hat, Muybridge als der eigentliche Urheber musste zusehen, wie jemand anders seine Lorbeeren abgriff. Er selbst nahm es gelassen.&nbsp;</p>

<p>Berühmt für verschiedenste fotografische Disziplinen kehrte er nach Europa zurück, wo er unter anderem auf der Weltausstellung in Paris eine ganze Halle hatte, in der er seine verschiedensten fotografischen Arbeiten ausstellen konnte. Und letztlich dann in seinen Heimatort Kingston, wo er dann 1906 an Prostatakrebs stirbt. Uns bleibt der elektronische Verschluss, das bewegte Bild, Bewegungsstudien ganz allgemein, Panoramafotografie und die auch heute immer noch sehr beeindruckenden Landschaftsaufnahmen des Pacific Northwest.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Die kleine Blonde</title>
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            <pubDate>Sun, 20 Sep 2020 18:59:00 GMT</pubDate>
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            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Die spanischen Soldaten nannten sie „die kleine Blonde“ und meinten das mit tiefem Respekt, denn die gerade mal 1,50m große Gerda Taro lief nur mit einer Leica bewaffnet an vorderster Front neben ihnen her in der unerschütterlichen Überzeugung mit ihrer Kamera die Welt verändern zu können. Gerda Taro (Wikipedia) Das Auge der Freiheit (Die Zeit) Diplomarbeit Universität Wien, „Pressefotografie im Spanischen Bürgerkrieg“ (PDF) „Augenzeuge des Krieges“ – Robert Capa &amp; der mexikanische Koffer (NZZ) Der Spanische Bürgerkrieg (Wikipedia) Gerda Taro, first woman war photographer to die in the field (Magnum) Who Is Gerda Taro? Facts and Quotes About the War Photographer Celebrated in a Google Doodle (Newsweek) Man finds deathbed photo of war photographer Gerda Taro (Petapixel) International Center of Photography – The Mexican Suitcase Videos (falls im Podcatcher nicht sichtbar, auf https://fotomenschen.net ): Dieses Video auf YouTube ansehen Bücher: Das Mädchen mit der Leica: Roman Gerda Taro, Fotoreporterin: Mit Robert Capa im Spanischen Bürgerkrieg. Die Biografie Dokumentation: The Mexican Suitcase Episodenbild: Von Anonym – icp.org, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4236537 Transkript Der Spanische Bürgerkrieg von 1936 bis 39 war eine Art Generalprobe für den Zweiten Weltkrieg. Es war der erste Großkonflikt, bei dem auch Fotografen mit tragbaren Kleinbildkameras teilnahmen. Diese Kameras waren ein relativ neues Phänomen. 1914 bringt Leica die erste Kamera dieser Art auf den Markt und die neue Möglichkeit, gleichzeitig am Geschehen teilhaben zu können und es trotzdem festzuhalten, revolutioniert buchstäblich die Fotografie. Neugegründete Nachrichtenmagazine wies Time-Magazin sorgen außerdem dafür, dass die von Fotojournalisten geschossenen Fotos Essays ein Millionenpublikum finden. Es ist auch die Zeit, in der der Faschismus sich überall in Europa ausbreitet und besonders natürlich auch durch das Wirken der Nazis in eine Menge Menschen, insbesondere jene jüdischer Abstammung innerhalb Europas auf der Flucht. Und besonders Intellektuelle und Künstler zieht es natürlich in Europas Hauptstädte und da zuallererst Paris. Es ist dieses Paris, indem man zu der Zeit Picasso, Ernest Hemingway, Willy Brandt und so manchen anderen damals oder heute großen Namen antreffen kann. In Paris findet man zu der Zeit auch eine Menge Schriftsteller, Journalisten und Fotografen. Oder anders formuliert: Es gibt eine Unmenge an Menschen, die versuchen, mit einer Schreibmaschine oder einer Kamera irgendwie über Wasser zu bleiben. Eine von ihnen war die 23 jährige Gerta Pohorylle, die war wie viele deutsche Juden vor den Nazis auf der Flucht, hatte sie doch in Leipzig Flugblätter gegen die Partei Hitlers verteilt und war dort mit den Behörden in Konflikt geraten. Und bevor man sie dann endgültig festsetzte, hatte sie sich nach Frankreich abgesetzt. Die blonde Gerda sah so ein bisschen aus wie Natalie Portman, sprach drei Sprachen fließend und war gleichzeitig Charmebolzen und Energiebündel. Sie erledigte Schreibarbeiten für französische Medienhäuser und Fotoagentur und lernte über diese Arbeit und den damit kommenden Bekanntenkreis den Fotografen Endre Ernő Friedmann kennen. Wie Gerta war er wegen den Nazis aus Deutschland weggegangen. Wie sie war er ein mit20er und auch ihm sagt man ein gewinnendes Wesen und unglaublich viel Charme nach. Gerda und Endre teilen bald Tisch und Bett miteinander und versuchen ihr Glück gemeinsam. Er als Pressefotograf, sie als seine Agentin. Das Problem nur Auch wenn die Franzosen nicht so radikal wie die Deutschen zu der Zeit waren, waren sie trotzdem der vielen Migranten und Flüchtlinge einigermaßen überdrüssig. Und wenn man versuchte, ohne Aufenthaltsgenehmigung mit einem fremdartig klingenden Namen gute Aufträge zu ergattern oder ordentliche Preise zu erzielen, da hatte man es schwer. Und so hatte Gerda damals zwei gr</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Die spanischen Soldaten nannten sie &#8222;die kleine Blonde&#8220; und meinten das mit tiefem Respekt, denn die gerade mal 1,50m große <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a> lief nur mit einer Leica bewaffnet an vorderster Front neben ihnen her in der unerschütterlichen Überzeugung mit ihrer Kamera die Welt verändern zu können. </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gerda_Taro" target="_blank">Gerda Taro</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.zeit.de/2014/05/gerda-taro-kriegsfotografin" target="_blank">Das Auge der Freiheit</a> (Die Zeit)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://utheses.univie.ac.at/detail/24430" target="_blank">Diplomarbeit Universität Wien, &#8222;Pressefotografie im Spanischen Bürgerkrieg&#8220;</a> (PDF)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nzz.ch/augenzeuge_des_krieges-ld.520202" target="_blank">&#8222;Augenzeuge des Krieges&#8220; &#8211; Robert Capa &amp; der mexikanische Koffer</a> (NZZ)</li><li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Spanischer_B%C3%BCrgerkrieg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Spanische Bürgerkrieg</a> (Wikipedia)</li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.magnumphotos.com/newsroom/politics/gerda-taro-first-woman-war-photographer-to-die-in-the-field/" target="_blank">Gerda Taro, first woman war photographer to die in the field</a> (Magnum)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.newsweek.com/who-gerda-taro-facts-and-quotes-about-war-photographer-celebrated-google-1051114" target="_blank">Who Is Gerda Taro? Facts and Quotes About the War Photographer Celebrated in a Google Doodle</a> (Newsweek)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20201109032403/https://petapixel.com/2018/01/19/man-finds-deathbed-photo-war-photographer-gerda-taro/" target="_blank">Man finds deathbed photo of war photographer Gerda Taro</a> (Petapixel)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20220419133731/https://www.icp.org/exhibitions/the-mexican-suitcase-traveling-exhibition" target="_blank">International Center of Photography &#8211; The Mexican Suitcase</a></li></ul>

<div><figure class="aligncenter"><img decoding="async" src="https://i1.wp.com/www.die-anstifter.de/wp-content/uploads/2020/07/Taro-100.jpg?resize=200%2C300&amp;ssl=1" alt="Image result for gerda taro"/></figure></div>

<p>Videos (falls im Podcatcher nicht sichtbar, auf <a "/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://fotomenschen.net</a>): </p>

<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=R8_CQsr7ydU" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf YouTube ansehen</a></p>
<div class="yt-facade" data-yt="y66AVpNbj6s" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_y66AVpNbj6s.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="KympSgVknO4" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_KympSgVknO4.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="JL5IDvlFLOQ" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_JL5IDvlFLOQ.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<div class="yt-facade" data-yt="Yxv6an_Lx6k" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_Yxv6an_Lx6k.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="480" height="360"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

<p>Bücher:</p>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/3827013984" target="_blank" rel="noopener">Das Mädchen mit der Leica: Roman</a></p>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/3894454660" target="_blank" rel="noopener">Gerda Taro, Fotoreporterin: Mit Robert Capa im Spanischen Bürgerkrieg. Die Biografie</a></p>

<p>Dokumentation:</p>

<p><a href="https://www.amazon.de/dp/B0716M58FF" target="_blank" rel="noopener">The Mexican Suitcase</a></p>

<p>Episodenbild: Von Anonym &#8211; icp.org, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4236537</p>

<hr/>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Der Spanische Bürgerkrieg von 1936 bis 39 war eine Art Generalprobe für den Zweiten Weltkrieg. Es war der erste Großkonflikt, bei dem auch Fotografen mit tragbaren Kleinbildkameras teilnahmen. Diese Kameras waren ein relativ neues Phänomen. 1914 bringt Leica die erste Kamera dieser Art auf den Markt und die neue Möglichkeit, gleichzeitig am Geschehen teilhaben zu können und es trotzdem festzuhalten, revolutioniert buchstäblich die Fotografie. Neugegründete Nachrichtenmagazine wies Time-Magazin sorgen außerdem dafür, dass die von <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalisten</a> geschossenen Fotos Essays ein Millionenpublikum finden. Es ist auch die Zeit, in der der Faschismus sich überall in Europa ausbreitet und besonders natürlich auch durch das Wirken der Nazis in eine Menge Menschen, insbesondere jene jüdischer Abstammung innerhalb Europas auf der Flucht. Und besonders Intellektuelle und Künstler zieht es natürlich in Europas Hauptstädte und da zuallererst Paris. Es ist dieses Paris, indem man zu der Zeit Picasso, Ernest Hemingway, Willy Brandt und so manchen anderen damals oder heute großen Namen antreffen kann. In Paris findet man zu der Zeit auch eine Menge Schriftsteller, Journalisten und Fotografen.</p>

<p>Oder anders formuliert: Es gibt eine Unmenge an Menschen, die versuchen, mit einer Schreibmaschine oder einer Kamera irgendwie über Wasser zu bleiben.</p>

<p>Eine von ihnen war die 23 jährige Gerta Pohorylle, die war wie viele deutsche Juden vor den Nazis auf der Flucht, hatte sie doch in Leipzig Flugblätter gegen die Partei Hitlers verteilt und war dort mit den Behörden in Konflikt geraten. Und bevor man sie dann endgültig festsetzte, hatte sie sich nach Frankreich abgesetzt. Die blonde Gerda sah so ein bisschen aus wie Natalie Portman, sprach drei Sprachen fließend und war gleichzeitig Charmebolzen und Energiebündel. Sie erledigte Schreibarbeiten für französische Medienhäuser und Fotoagentur und lernte über diese Arbeit und den damit kommenden Bekanntenkreis den Fotografen Endre Ernő Friedmann kennen. Wie Gerta war er wegen den Nazis aus Deutschland weggegangen. Wie sie war er ein mit20er und auch ihm sagt man ein gewinnendes Wesen und unglaublich viel Charme nach. Gerda und Endre teilen bald Tisch und Bett miteinander und versuchen ihr Glück gemeinsam. Er als Pressefotograf, sie als seine Agentin. Das Problem nur Auch wenn die Franzosen nicht so radikal wie die Deutschen zu der Zeit waren, waren sie trotzdem der vielen Migranten und Flüchtlinge einigermaßen überdrüssig. Und wenn man versuchte, ohne Aufenthaltsgenehmigung mit einem fremdartig klingenden Namen gute Aufträge zu ergattern oder ordentliche Preise zu erzielen, da hatte man es schwer. Und so hatte Gerda damals zwei großartige Ideen. Der erste Gedanke Zwei Fotografen produzieren mehr Bilder als einer. Endre hatte ihr inzwischen beigebracht, mit seiner Leica zu fotografieren. Und Gerda war Feuer und Flamme. Sie hatte die Fotografie schon immer gemocht. Selber zu fotografieren hieß damals übrigens nicht nur Fotos zu machen, sondern besonders für die mit wenig Geld. Hieß das auch im eigenen Labor zu entwickeln. Oder besser gesagt im eigenen Badezimmer. Der zweite Gedanke hatte mit den niedrigen Honoraren zu tun. Damals gab es nämlich eine Zweiklassengesellschaft. Die Fotografen, deren Namen man kannte, machten weit mehr Geld als die namenlose Heerscharen Pressefotografen, die irgendwie versuchten, von der Hand im Mund zu leben. Und zur letzteren gehörte Gerda Andres. Es war einfach auch sehr offensichtlich, dass sie gar keine andere Wahl hatten, als Fotos für niedrige Preise zu verkaufen. Ein wohlklingender Name musste also her. Und so beschloss Gerda, dass sie sich als Agentin für den amerikanischen Star Fotograf <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> ausgeben würde.</p>

<p>[Einspieler:]</p>

<p>“Friedmann klingt zu jüdisch, also wird aus Endré Friedmann, <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> in Anlehnung an den Hollywood-Regisseur Frank Capra. Und aus Gerta Pohorylle wird <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a>, eine Verneigung vor Greta Garbo. Die beiden glauben fest, dass ihre neuen Namen der Schlüssel zur Verwirklichung ihrer Träume sind. Gerda weiß mittlerweile genau, was die Fotoagenturen wollen. Sie ist bereit, alles für ihren Geliebten zu tun.”</p>

<p>Dieser Teil der Geschichte wird übrigens gerne mal falsch erzählt. Da wird behauptet, Gerda hätte praktisch Endres umgestaltet zu <a "/tags/robert-capa.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="49" title="Robert Capa">Robert Capa</a> Das mag später mal dann so der Fall gewesen sein, aber am Anfang war die Idee tatsächlich die, dass beide Fotos schießen und dann als angebliches Werk von Robert Capa vermarktet würden. Und die Rechnung ging auf schon die Honorare der ersten Aufträge für Robert Capa waren dreimal so hoch wie alles, was Endres und Gerd vorher einfahren konnten. Das ging auch eine ganze Weile gut aber natürlich passierte dann, was passieren musste. Der ganze Schwindel flog auf. Und das war auch der Moment, in dem Endre endgültig zu Robert Capa wurde. Gerta und Endre waren talentierte Fotografen und deswegen hatte sich Robert Capa inzwischen einen ordentlichen Namen gemacht. Die Aufträge kamen also auch weiterhin rein. Inzwischen war das Jahr 1933 und die Welt hielt den Atem an. Als der spanische General Franco beschloss, die demokratisch gewählte Regierung in Spanien mit einem Militärputsch abzusetzen. Und es war damals weit mehr als einfach nur eine Regierung, die zu kippen drohte. Der Spanische Bürgerkrieg wurde gesehen als der Vormarsch des Faschismus. Die intellektuelle Elite in Europa ging davon aus, dass, wenn Franco erfolgreich sein würde, nichts mehr den Faschismus aufhalten könnte. Und viele von ihnen beschlossen deswegen nach Spanien zu reisen, einmal um das spanische Volk zu unterstützen. Es war ja tatsächlich so, dass die Bürger Spaniens sich gegen den Faschismus zur Wehr setzten oder wenigstens doch zu dokumentieren. Und auch Gerda und Robert machten sich auf den Weg. Wir machen uns da heute glaube ich, gar keine Vorstellung mehr, von wie mächtig damals Fotografie gewesen sein muss. Foto Magazine wie das Time Magazine waren gerade erst gegründet worden. Die Menschen waren noch nicht von endlosen Fotos und Videos abgestumpft. Vom <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> hatte man gelesen und gehört. Ganz selten mal was davon gesehen.</p>

<p>Gleichzeitig fand in Spanien Unglaubliches statt. Hitlers Luftwaffe bombardierte Städte, um Franco zu unterstützen und es wurde auf das Verbissenste gekämpft. Im Ersten Weltkrieg gab es Millionen Opfer, aber das waren alles Soldaten. Im Spanischen Bürgerkrieg gab es über eine halbe Million Tote und die meisten davon Zivilisten. Und zwischen ihnen: Journalisten, Künstler, Intellektuelle und eben auch Fotografen. Es ist diese Zeit, wo sich Gerda und Robert einen Ruf wie Donnerhall erarbeiten. Sie gehen dahin, wo der Kampf wirklich tobt, an die Front. Sie laufen mit den Soldaten über die Schlachtfelder. Sie fotografieren nicht nur aus der Ferne das Geschehen, sondern von mittendrin. Von Robert Capa ist ein Zitat überliefert: “If you pictures and good enough,, you aren’t close enough.”- Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran.&nbsp;</p>

<p>Und damit meint er nicht nur physikalisch nah genug, sondern auch emotional nah genug. Und Gerta ist fast noch besser in dieser Disziplin als Robert. Ein blondes, ein Meter fünfzig großes Persönchen, dem spanische Soldaten Respekt zollen für ihren Mut. Auch hier fotografieren sie beide unter dem Namen Robert Capa. Die Bilder werden gemeinsam vermarktet. Ihr Ziel ist es, mit den Fotos die Öffentlichkeit aufzurütteln. Das Schicksal der Spanier bekannt zu machen und unter Umständen den Verlauf des Krieges zu beeinflussen. Sie machen Fotos, wie sie die Welt noch nie gesehen hat. Es gibt mindestens drei große Kunstwerke, die man auf den Spanischen Bürgerkrieg zurückführen kann. Ernest Hemingway schreibt nach den Eindrücken des Spanischen Bürgerkriegs den Roman “Wem die Stunde schlägt”. Picasso, geprägt von der Bombardierung der Stadt Guernica, erschafft ein Gemälde, das schon bei der ersten Ausstellung ein Millionenpublikum anzieht und als eine der großen Anti-Kriegsikonen der Menschheit beschrieben wird. Und Robert Capa hält einen spanischen Milizionär in der Sekunde, in der er erschossen wird, fest und wird mit diesem Bild weltberühmt.</p>

<p>Um dieses Bild sollte später noch viel gestritten werden. Und ich glaube, das verdient mal eine eigene Episode. Tatsache aber ist auch hier fotografierten Endre und Gerta gemeinsam. Und beide fotografieren längst nicht mehr, um damit Geld zu verdienen, sondern sind eigentlich Aktivisten in diesem <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a>. Gerda sagt einmal:” Wenn du mal daran denkst, wie viele Menschen wir kennen, die in diesem Krieg gestorben sind, dann ist es unsolidarisch, noch am Leben zu sein.” Ihre Bilder Strecken sind gefragt und unter dem Namen Robert Capa wird ein Fotoessay nach dem anderen veröffentlicht. Und auch Gerda kennt man zu der Zeit durchaus. Sie ist nicht nur eine von wenigen Krieg&#8217;s Fotografen. Sie ist die einzige <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Kriegsfotografin</a>. Und mit ihren zu dem Zeitpunkt gerade mal knapp 27 Jahren nötigt ihr Mut jedem Respekt ab. Sie war auch längst nicht immer mit Robert gemeinsam unterwegs. Manche Einsätze bestritten die beiden auch getrennt voneinander allein. So auch im Juli 1937.</p>

<p>[Einspieler:]</p>

<p>“The News tells that Franco is preparing a major offensive and he intends it to be his decisive blow. He believes his attack will end this savage spanish war.”</p>

<p>Sie waren an die brunete Front geeilt, wo eine Offensive der republikanischen Armee gegen die Nationalisten tobte. Sie fotografierte diese Offensive, unter anderem auch die verheerenden Luftangriffe der deutschen Legion Condor. Wie immer ist sie ganz vorne mit dabei. Als die Situation brenzlig wird, beschließt sie, mit einem Rotkreuz Fahrzeug aus der Gefahrenzone zu fahren. Sie darf sich hinten auf ein Trittbrett stellen und zusammen mit einem Kollegen versucht sie, in Sicherheit zu kommen. Es ist dieser Moment, in dem sich ein weiterer Luftangriff von Legion Condor ankündigt. Der LKW kommt ins Schlingern. Gerda fällt von dem Trittbrett und wird von einem republikanischen Panzer überrollt. Sie kommt schwerverletzt ins Krankenhaus, wird dort noch notoperiert und stirbt aber in der Nacht. Ihre letzten Worte sind überliefert, als “wo sie meine Kameras”. Die waren freilich tatsächlich verschollen. Aber die Fotos, die sie an den Tagen und an diesem Tag geschossen hatte, die wurden tatsächlich wenige Tage später veröffentlicht. Und so war <a "/tags/gerda-taro.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="50" title="Gerda Taro">Gerda Taro</a> nicht nur die erste Kriegsfotografin überhaupt, sondern auch gleichzeitig die erste <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a>, die im Krieg im Einsatz ums Leben kam. Gerade drei Jahre vorher hatte Endre Friedmann ihr das Fotografieren und Entwickeln von Bildern beigebracht und ihr damit das Werkzeug in die Hand gedrückt, mit dem sie die Kriegsfotografie und <a "/tags/fotojournalismus.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="13" title="Fotojournalismus">Fotojournalismus</a> für immer verändern sollte. Robert Capa erfuhr von ihrem Tod im Wartezimmer eines Zahnarztes aus der Zeitung. Und so wie ihr Tod Nachrichtenwert hatte, war auch ihre Beerdigung alles andere als gewöhnlich.</p>

<p>[Einspieler:]</p>

<p>“Gerda wird nach Paris überführt und an ihrem Geburtstag auf dem Pierre Lachaise beigesetzt. Sie ist 27 Jahre alt geworden. Der Trauerzug wird zu einer gigantischen Demonstration gegen den Faschismus.”</p>

<p>Robert Capa sollte ab da nicht mehr aufhören, Kriege zu fotografieren. Den spanischen Bürgerkrieg fotografierte er bis zu seinem Ende. Und später sollte er uns die berühmtesten Fotos des Zweiten Weltkriegs überhaupt, die verwaschenen, verwackelten Bilder von der Landung in der Normandie bescheren. Fotos übrigens, für die er beinahe gestorben wäre. Aber auch die Geschichte, will ich zu einem anderen Anlass erzählen. Wir bleiben noch ein bisschen länger bei Gerda. Die hatte nämlich zusammen mit Robert und zusammen mit einem Fotografen, den wir als Jim kennen, nämlich David Seymour, tausende von Fotos im Spanischen Bürgerkrieg geschossen. Und als Robert und Jim zum Ende des Kriegs hin überstürzt das Land verlassen mussten, packten die diese negative ,4500 an der Zahl, in drei Boxen und gaben sie in die Hände eines befreundeten Generals zur Aufbewahrung. Und wie das mit Kriegen so ist, schließlich fing ja dann auch der Zweite Weltkrieg an. Sie sorgen für Verwirrungen und Dinge gehen verloren. Und so waren auch diese drei Boxen komplett verschollen. Unter ihnen Aufnahmen wie die von dem Tag, an dem der gefallene Soldat fotografiert wurde und unzählige andere Ereignisse. Mexiko hatte damals großzügig Spanier auf der Flucht aufgenommen und ihnen die Möglichkeit gegeben, komplett überzusiedeln. Und das war ein Angebot, das viele Spanier angenommen hatten. Heute ist es so, dass praktisch jeder Spanier und eine große Zahl Mexikaner Familiengeschichte mit dem Spanischen Bürgerkrieg verbindet. Wie wir jedenfalls heute wissen traten auch diese drei Boxen, die zur Aufbewahrung abgegeben worden waren, eine Reise nach Mexiko an und waren dann dort einfach weiter verschollen, lagen auf einem Dachboden, bis sie 2007 endlich wieder auftauchten. Robert Capas Bruder hatte das International Center for Photography gegründet, dass sich unter anderem damit beschäftigt, das Erbe von Gerda Taro und Robert Capa zu verwalten. Freilich kennt Gerda kaum jemand, jeder hingegen kennt Robert Capa. Taros Biografin sagt, das hat im wesentlichen drei Gründe, Erstens sie ist eine Frau, Zweitens sie war Jüdin, Drittens sie starb und die Bilder die sie mit Robert gemeinsam veröffentlicht hatte ließen sich nichtmehr unbedingt zweifelsfrei zuordnen.</p>

<p>Das kam damals sowieso öfter vor. Insbesondere natürlich auch, wenn Negative zusammengeworfen werden oder verschütt gehen. Das Mexican Suitcase, wie man die drei Boxen, die 2007 auftauchten, inzwischen nennt, hat da allerdings wirklich Licht ins Dunkel gebracht. Denn viele von den Negativen lassen sich nun Gerda oder Robert Capa zuordnen. Die beiden haben auch relativ oft dieselben Szenen fotografiert und so ist es nochmal ein zusätzlicher Informationsgewinn. Die Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven beobachten zu können. Das International Center Photography hat sich jetzt zur Aufgabe gemacht, die Fotos in dem Mexican Suitcase regelmäßig auszustellen. Und natürlich sind da dann Gerdas Bilder, soweit man sie zuordnen kann, eindeutig gekennzeichnet. Über 80 Jahre nach ihrem Tod, für Robert Capa war Gerda Taro die Liebe seines Lebens. Gerda Taro sollte die einzige längere Beziehung, die er eingehen würde, bleiben. Und auch er sollte Jahrzehnte später im Einsatz sterben. In Indochina fotografierte er den Vietnamkrieg und stirbt durch eine Antipersonenmine, als er versucht, mit seiner Kamera in der Hand näher an die Szene, die er fotografieren wollte, zu kommen.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Revolutionär, Minister, Popikone?</title>
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            <pubDate>Sun, 13 Sep 2020 16:47:03 GMT</pubDate>
            <description>Das berühmteste Bild des 20. Jahrhunderts ist das Portraits eines kubanischen Revolutionärs... Das sagt eigentlich alles über diese Zeit.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Che Guevara ist ein Held der Linken und gilt vielen als das Sinnbild der Entschlossenheit. Er war im Laufe seines Lebens ein Taugenichts, wurde dann Revolutionär, später dann wichtigster Minister in der Regierung Kubas, schließlich wieder Revolutionär und war unter anderem für seinen Versuch bekannt den dritten Weltkrieg anzuzetteln um dadurch eine sozialistische Weltrevolution zu ermöglichen… Kein einfacher Mensch und ein Bild, das inzwischen ein Eigenleben entwickelt hat. Guerrillero Heroico (Wikipedia – in deutsch , in englisch ) Alberto Korda ( Wikipedia ) Che Guevara (Wikipedia – in deutsch , in englisch ) Kubanische Revolution (Wikipedia) „Ein Schnappschuss für die Ewigkeit“ (Tagesschau) Die 68er Bewegung (Wikipedia) Fokustheorie (Wikipedia) „Breshnew, Che und Honecker: Die Rolex-Revolutionäre“ (koenau.de) Che Guevara the photographer (Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach https://fotomenschen.net ) Dieses Video auf YouTube ansehen Dieses Video auf YouTube ansehen Dieses Video auf YouTube ansehen The Retrospective Iconicity of ‘Guerrillero Heroico’ In Che Guevara: Revolutionary and Icon, Hannah Charlton makes this observation: Walk through any major metropolis around the globe and it is likely that you will come across an image of Che Guevara…this single image of a face may be the most reproduced image in the history of photography. It has been endlessly mutated, transformed and morphed- and as such tells the history of the last forty years of visual, popular culture (qtd in Ziff, 2006:1) Bild: Von Alberto Korda – Museo Che Guevara, Havana Cuba, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6816940 Transkript “Natürlich ist es immer Glück”, sagte Henri Cartier-Bresson, einer der berühmtesten Fotografen des 20. Jahrhunderts, bekannt für seine spontanen Schnappschüsse im öffentlichen Straßenleben von Paris, New York oder wo immer er sich gerade aufhielt. Er glaubte an den sogenannten decisive Moment, den Augenblick, in dem alles zusammentrifft und der Fotograf nur noch festhalten muss, was sich ihm und seiner Kamera bietet. Und genau so schoss auch Alberto Díaz Gutiérrez am 5. März 1960 das berühmteste Foto des 20.Jahrhunderts. Orientieren wir uns erst einmal. 1960, was war das für eine Zeit? Wir befinden uns mitten im Vietnamkrieg. Der dauerte nämlich von 1955 bis 75. Das heißt, es war absolut noch kein Ende in Sicht. Und dieses andere berühmte Bild, das von Nick Ut, dem Mädchen, das vor einem Napalmangriff davonläuft, von dem immer wieder mal behauptet wird, es hätte zum Ende des Vietnamkriegs beigetragen, ja, dieses Bild wurde noch gar nicht geschossen. In den USA ist Dwight D. Eisenhower Präsident und Richard Nixon sein Vize. Ja, und Deutschland wird von Konrad Adenauer regiert. Wir befinden uns in der Nachkriegszeit und der große Konflikt, der die Ängste der Menschen dominiert, ist der Kalte Krieg . Und wir leben in revolutionären Zeiten. Im Jahr 1959 hatte die kubanische Revolution erfolgreich das Regime von Batista niedergeschlagen und es gab den Verdacht, dass es sich eigentlich um eine marxistische Revolution gehandelt haben könnte. Und wenn es eine Bedrohung gab, vor der die Amerikaner zu der Zeit wirklich, wirklich Angst hatten, dann war es der Vormarsch der Sowjetunion. Die USA hatten ein Waffenembargo über Kuba verhängt und die CIA Zentrale in Miami war mit praktisch nichts anderem mehr beschäftigt als Agenten nach Kuba einzuschleusen und dort Anschläge zu verüben. Und es ist genau diese Gemengelage, die zu den folgenden Ereignissen führen. [Einspieler] 4. März 1960. La Cubre, ein französischer Frachter, explodiert im Hafen von Havanna. Das Schiff war in einem der Docks im alten Havanna vertäut worden, direkt hinter der Altstadt in der Bucht. Und es flog in die Luft. Es gab zwei Explosionen. Über 100 Leute wurden getötet. Niemand wusste wirklich, wie viele. Sie waren unkenntlich verbrannt. Die kubanische Re</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Che Guevara ist ein Held der Linken und gilt vielen als das Sinnbild der Entschlossenheit. Er war im Laufe seines Lebens ein Taugenichts, wurde dann Revolutionär, später dann wichtigster Minister in der Regierung Kubas, schließlich wieder Revolutionär und war unter anderem für seinen Versuch bekannt den dritten Weltkrieg anzuzetteln um dadurch eine sozialistische Weltrevolution zu ermöglichen&#8230; Kein einfacher Mensch und ein Bild, das inzwischen ein Eigenleben entwickelt hat.</p>

<ul><li>Guerrillero Heroico (Wikipedia &#8211; <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Guerrillero_Heroico" target="_blank">in deutsch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Guerrillero_Heroico" target="_blank">in englisch</a>)</li><li>Alberto Korda (<a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alberto_Korda" target="_blank">Wikipedia</a>)</li><li>Che Guevara (Wikipedia &#8211; <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Che_Guevara" target="_blank">in deutsch</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Che_Guevara" target="_blank">in englisch</a>)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kubanische_Revolution" target="_blank">Kubanische Revolution</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20090406013036/http://www.tagesschau.de/ausland/cheguevara32.html" target="_blank">&#8222;Ein Schnappschuss für die Ewigkeit&#8220;</a> (Tagesschau)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/68er-Bewegung" target="_blank">Die 68er Bewegung</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fokustheorie" target="_blank">Fokustheorie </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.koenau.de/2018/10/breshnew-che-und-honecker-die-rolex.html" target="_blank">&#8222;Breshnew, Che und Honecker: Die Rolex-Revolutionäre&#8220;</a> (koenau.de)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://parasolphotography.wordpress.com/2012/04/19/che-guevara-the-photographer/" target="_blank">Che Guevara the&nbsp;photographer</a></li></ul>

<p>(Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=46ILtqpGHkU" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf YouTube ansehen</a></p>
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<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://salford-repository.worktribe.com/#page=303" target="_blank">The Retrospective Iconicity of ‘Guerrillero Heroico’</a><br>In Che Guevara: Revolutionary and Icon, Hannah Charlton makes this observation:<br>Walk through any major metropolis around the globe and it is likely that you will come across an image of Che Guevara…this single image of a face may be the most reproduced image in the history of photography. It has been endlessly mutated, transformed and morphed- and as such tells the history of the last forty years of visual, popular culture (qtd in Ziff, 2006:1)</li></ul>

<p>Bild: Von Alberto Korda &#8211; Museo Che Guevara, Havana Cuba, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6816940</p>

<hr/>

<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>“Natürlich ist es immer Glück”, sagte Henri Cartier-Bresson, einer der berühmtesten Fotografen des 20. Jahrhunderts, bekannt für seine spontanen Schnappschüsse im öffentlichen Straßenleben von Paris, New York oder wo immer er sich gerade aufhielt. Er glaubte an den sogenannten decisive Moment, den Augenblick, in dem alles zusammentrifft und der Fotograf nur noch festhalten muss, was sich ihm und seiner Kamera bietet. Und genau so schoss auch Alberto Díaz Gutiérrez am 5. März 1960 das berühmteste Foto des 20.Jahrhunderts.</p>

<p>Orientieren wir uns erst einmal. 1960, was war das für eine Zeit? Wir befinden uns mitten im Vietnamkrieg. Der dauerte nämlich von 1955 bis 75. Das heißt, es war absolut noch kein Ende in Sicht. Und dieses andere berühmte Bild, das von Nick Ut, dem Mädchen, das vor einem Napalmangriff davonläuft, von dem immer wieder mal behauptet wird, es hätte zum Ende des Vietnamkriegs beigetragen, ja, dieses Bild wurde noch gar nicht geschossen. In den USA ist Dwight D. Eisenhower Präsident und Richard Nixon sein Vize. Ja, und Deutschland wird von Konrad Adenauer regiert. Wir befinden uns in der Nachkriegszeit und der große Konflikt, der die Ängste der Menschen dominiert, ist der Kalte <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a>.&nbsp;</p>

<p>Und wir leben in revolutionären Zeiten. Im Jahr 1959 hatte die kubanische Revolution erfolgreich das Regime von Batista niedergeschlagen und es gab den Verdacht, dass es sich eigentlich um eine marxistische Revolution gehandelt haben könnte. Und wenn es eine Bedrohung gab, vor der die Amerikaner zu der Zeit wirklich, wirklich Angst hatten, dann war es der Vormarsch der Sowjetunion. Die USA hatten ein Waffenembargo über Kuba verhängt und die CIA Zentrale in Miami war mit praktisch nichts anderem mehr beschäftigt als Agenten nach Kuba einzuschleusen und dort Anschläge zu verüben. Und es ist genau diese Gemengelage, die zu den folgenden Ereignissen führen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>4. März 1960. La Cubre, ein französischer Frachter, explodiert im Hafen von Havanna.</p>

<p>Das Schiff war in einem der Docks im alten Havanna vertäut worden, direkt hinter der Altstadt in der Bucht. Und es flog in die Luft. Es gab zwei Explosionen. Über 100 Leute wurden getötet. Niemand wusste wirklich, wie viele. Sie waren unkenntlich verbrannt.</p>

<p>Die kubanische Regierung war sich sofort sicher. Das war ein Anschlag der Amerikaner. Das ist ein Vorwurf, der bis heute zwar immer noch plausibel erscheint, aber tatsächlich nie bewiesen wurde.&nbsp;</p>

<p>Die Explosion hat in der Nähe der Stützpunkte der revolutionären Medienanstalten stattgefunden. Es gab also sofort eine direkte Übertragung in alle Welt und das prominente Personal der kubanischen Revolution war natürlich auch sofort vor Ort. Wobei damals außerhalb Kubas tatsächlich eigentlich nur Fidel Castro so richtig bekannt war.&nbsp;</p>

<p>Und der ließ sofort Staatstrauer anordnen, noch gleich am 5. März und eine große Kundgebung ansetzen. Eingeleitet von einem Trauermarsch, einer Bestattungszeremonie und dann einer Rede mitten in Havanna, die in alle Welt übertragen werden sollte. Fidel Castro war schon damals berühmt für seine Reden und auch berühmt dafür, dass die unglaublich lang waren. Zwischen Kuba und den USA tobte er Medienkrieg und natürlich war das auch eine der ganz großen Gelegenheiten, um diesen Medienkrieg weiter voranzutreiben. Fotografen, Kameraleute, Pressemenschen aus aller Welt waren vor Ort.&nbsp;</p>

<p>Und Prominenz war anwesend. Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir waren zufällig in der Stadt auf Einladung der Regierung und waren damit natürlich auch prominente Teilnehmer dieser Kundgebung.&nbsp;</p>

<p>Unter all diesem Medienrummel gab es einen Fotografen, der war besonders, der genoss das Vertrauen und die Freundschaft Fidel Castros. Er arbeitete für eine revolutionäre Tageszeitung in Kuba, aber im Grunde war er so etwas wie der Privatfotograf von Fidel. Wo immer Castro war, war auch dieser Fotograf. Sein Name, Alberto Díaz Gutiérrez oder wie er eigentlich bekannt geworden war, Korda. Und Korda hatte praktisch freien Zugang. Ihn kannte jeder, eigentlich als Fashionfotograf gestartet war Korda sozusagen der Starfotograf der kubanischen Revolution.&nbsp;</p>

<p>Er selbst hat es in einem Interview mal so formuliert: Er hätte mit der Fotografie begonnen, um schöne Frauen kennenzulernen und hat dann eine wunderschöne Revolution gefunden. Und die hatte nun mal ihre Stars, auch wenn man außerhalb von Kuba eigentlich nur Fidel wirklich kannte.&nbsp;</p>

<p>Aber es gab natürlich auch die lokalen Stars, die Revolutionsführer, die Kommandanten, die auch die Regierung stellten und allen voran mit am bekanntesten auf Kuba war Ernesto Che Guevara.</p>

<p>Am nächsten Tag marschierten Che Fidel, Raúl Sartre und Simone de Beauvoir, die gerade in Havanna waren und auch teilnahmen, die Straße an den Docks entlang, hielten sich an den Händen und wurden dabei fotografiert.</p>

<p>Che war nicht nur einer der bekanntesten Mitglieder der Regierung, sondern auch eins der mächtigsten. Er führte das Industrieministerium und die Landesbank und war schlicht und ergreifend damit betraut, die kubanische Wirtschaft zu verstaatlichen.&nbsp;</p>

<p>Und dann gab es diesen Moment, als sie an einer Bühne stoppten und zur Menschenmenge sprachen, die sich versammelt hatte.</p>

<p>Korda war ein fantastischer Fotograf, der aus der Welt der Werbefotografie kam. Er schoss einige Fotos von der Bühne, als er ganz plötzlich fühlte, das waren seine eigenen Worte, er fühlte, dass er ganz unerwartet das Bild von Che vor seiner Linse hatte. In der reflexartigen Reaktion eines Fotografen drückte er unverzüglich ab und schoss das Foto.</p>

<p>Ihn durchfuhr eine Art Schauer und er erstarrte. Das Bild, das er aufgenommen hatte, ist dieses unglaublich berühmte Bild von Che, auf dem er aussieht, als würde er in die Geschichte selbst schauen. Mit diesem Blick des unbeirrbar Revolutionären, der über die Gegenwart hinaus sieht. Es wirkt wie das Bild eines Heiligen. Man sieht Macht, Energie, Entschlossenheit und zur gleichen Zeit große physische Schönheit wie bei einer prophetischen Verkündigung.&nbsp;</p>

<p>Da war sie nun, die Aufnahme, die später weltberühmt werden sollte. Zu dem Zeitpunkt freilich war sie das noch nicht. Das Bild war einigermaßen unscharf und es gab prominentere Fotografierte, die bei derselben Kundgebung eben auch anwesend gewesen waren. Das Bild wird freilich trotzdem in der lokalen Presse verwendet. Der Siegeszug um die Welt, den die Aufnahme später antreten sollte, der war nicht einmal im Ansatz absehbar. Guerillero Heroico, wie Korda sein Bild genannt hatte, zeigte zu der Zeit schlicht und ergreifend einfach nur einen Minister auf Kuba, der zugegebenermaßen charismatischer als viele andere war und vielleicht auch einen etwas ungewöhnlichen Lebenslauf vorweisen konnte, aber so spannend zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich auch noch nicht war.&nbsp;</p>

<p>Und das ist jetzt, glaube ich, ein ganz guter Moment, um einfach mal ganz kurz zu beschreiben, wer Che eigentlich war. Che ist eigentlich nur ein Spitzname. Sein eigentlicher Name war Ernesto Guevara und er war ein Argentinier. Dort hatte er als Sohn einer bürgerlichen, gut gestellten Familie Medizin studiert, dieses Studium auch abgeschlossen, und hatte sich relativ früh der kubanischen Revolution unter der Leitung Fidel Castros angeschlossen.&nbsp;</p>

<p>Wofür er wirklich bekannt war waren mehrere Eigenschaften. Einmal war Che Guevara jemand, der sehr meinungsstark war. Er hatte eine Vision, er hatte eine konkrete Vorstellung davon, wie Dinge zu sein haben, und er verfolgte sie mit aller Energie, die ihm zur Verfügung stand. Es wird ihm nachgesagt, dass er als Anführer der Revolutionäre unglaublich charismatisch gewesen sei. Die Leute wären an seinen Lippen gehangen und ihm praktisch blind gefolgt. Da mag es auch eine Rolle gespielt haben, dass sehr, sehr viele der Soldaten in seinen Kampfgruppen wohl unglaublich jung gewesen sein sollen. Junge Teenager, oder wenn man es mal so formulieren will, Kindersoldaten.&nbsp;</p>

<p>Che war jedenfalls bekannt dafür, dass er mit einem an Selbstmord grenzenden Mut immer ganz nach vorne rannte und in erster Reihe mitkämpfte. Genauso war er allerdings auch bekannt dafür, dass er launisch sein konnte und gnadenlos war. Liest man Beschreibungen seines Lebens von Fans durch, dann erkennt man, dass er praktisch schon mit zehn schwere Literatur gelesen hat und brillant war.&nbsp;</p>

<p>Liest man dieselben Beschreibungen von Menschen, die ihn kritischer sehen, dann tauchen Anekdoten auf, wie z.B. dass er dafür bekannt war, nur einmal in der Woche seine Kleidung zu wechseln und sich nur sehr, sehr selten zu waschen. Und wenn man seine Taten während der Revolution und danach ansieht, dann kann man eigentlich gar nicht anders, als festzustellen, dass Che Guevara viel, viel Blut an den Händen hatte. Während der Revolution exekutierte er Verräter zum Teil selbst. Nach der Revolution war er dafür zuständig, die Prozesse, die oft auch in Todesurteile mündeten, von Handlangern des Battistaregimes zu überblicken. Und da dann eben auch die Exekution anzuordnen.&nbsp;</p>

<p>Und in seinen Schriften kann man nachlesen, dass er fest davon überzeugt war, dass ein dritter Weltkrieg notwendig war, um die sozialistische Revolution weltweit voranzutreiben. So Kleinigkeiten wie dass er Russland besuchte und da ein Blumenkranz am Grab Stalins niederlegte, unterstreichen dieses Bild tatsächlich einfach nur noch.</p>

<p>Gleichzeitig sei Che Guevara aber ein durch und durch ethischer Mensch gewesen und er war eben wild entschlossen zu tun, was notwendig war. Er hatte die Theorie, dass es nur sehr wenige Menschen brauchte, um ein Land in eine erfolgreiche (was immer da erfolgreich heißt) Revolution zu stürzen.&nbsp;</p>

<p>Und so legte er irgendwann alle seine Ämter auf Kuba nieder und setzte sich ab, um im Kongo genau diese Sache voranzutreiben. Richtig verstanden, im Kongo.&nbsp;</p>

<p>Das Problem freilich war, dass Che Guevara zu dem Zeitpunkt dann schon allmählich bekannt wie ein bunter Hund war und in die Geheimdienste der Welt auf Schritt und Tritt folgten. Deswegen konnte er im Kongo viel weniger an vorderster Front kämpfen, wie er sich das vielleicht ausgemalt haben könnte, sondern musste sich im Hintergrund halten. Und da war dann wohl eher so eine Art Revolutionsconsultant.&nbsp;</p>

<p>Überhaupt war im Kongo die Revolution noch viel unorganisierter, als die auf Kuba schon gewesen war. Und in seinen Tagebüchern notiert er deswegen auch das ein oder andere an Beobachtungen, was man heute vielleicht mal als rassistisch oder zumindest doch sehr abfällig bezeichnen könnte.&nbsp;</p>

<p>Der Kongo war aber nicht der einzige Stopp für Che Guevara. Später dann versuchte er, genau das Gleiche auch nochmal in Bolivien zu erreichen.&nbsp;</p>

<p>Auch dort ging es ihm darum, eine Revolution in Bolivien auszulösen. Und sowohl im Kongo als auch in Bolivien war die größere Idee, dass sobald diese Länder erst erstmal in der Revolution untergegangen wären, der Kampf sich auf die benachbarten Länder und schließlich auf den ganzen Kontinent ausdehnen würde. Von ihm ist der Satz überliefert, dass er nicht nur ein Vietnam, sondern zwei, drei, fünf, viele Vietnams anzetteln möchte, sodass zum Schluss sozusagen die sozialistische Weltrevolution als Dritter Weltkrieg daherkäme.&nbsp;</p>

<p>Es ist auch bekannt, dass er die Stationierung von Atomwaffen auf Kuba sehr begrüßte und hoffte, mit Hilfe dieser Atomwaffen den <a "/tags/kriegsfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="19" title="Krieg">Krieg</a> in die USA tragen zu können. Er soll rasend gewesen sein, als sich diese Pläne letztlich zerschlagen haben.&nbsp;</p>

<p>Bolivien jedenfalls sollte Sheets letzter Revolutionsversuch bleiben. Er wird gefasst und im Land hingerichtet. Kleines, süffisantes Detail: an seinem Arm trug er eine Rolex.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Am 9. Oktober 1967, einen Tag nach seiner Festnahme, wird er erschossen. Sein Leichnam wird zur Schau gestellt. Die Presse verewigt ihn Christus gleich. Um Fingerabdrücke zu erstellen, werden Che Guevara die Hände amputiert und eingewickelt in die Tageszeitung an die CIA verschickt. Wie eine Siegestrophäe.&nbsp;</p>

<p>Wait. What?</p>

<p>[Einspieler geht weiter]</p>

<p>Wahrer Sieger aber ist der Mythos.&nbsp;</p>

<p>Er wurde zum Symbol des revolutionären Kampfes weltweit, und das war absolut wahr. In den USA. In Frankreich. Das war überall wahr.</p>

<p>Und jetzt kommen zwei Ereignisse zusammen. Einmal war es so, dass ein findiger Geschäftsmann, nämlich der kommunistische italienische Verleger Giacomo Feltrinelli, auf der Suche nach einem guten Bild von Che Guevara war, in Erwartung, dass mit dem Ende der Revolution in Bolivien unter Umständen eine schöne Gelegenheit auftauchen könnte, Geld mit so einem Bild zu verdienen.&nbsp;</p>

<p>Er wollte also ein Symbolbild. Ja, und er stößt auf Korda, dessen Aufnahme, und lässt sich von Korda die Aufnahme übergeben. Korda hat damals keinen Vertrag oder Ähnliches mit ihm abgeschlossen, hat ihm einfach das Bild gegeben. Und Feltrinelli reist mit diesem Bild im Gepäck ab.&nbsp;</p>

<p>Und kaum dass bekannt war, dass Che Guevara hingerichtet worden war, nutzt er dieses Bild, um Geld damit zu verdienen. Ein anderer Mann, der versucht, die Ereignisse für sich zu nutzen, ist Fidel Castro. Der sucht nach einer Möglichkeit, seinen Mitstreiter zu ehren, aber auch die mediale Schlacht damit weiter voranzutreiben und stößt auf dieselbe Aufnahme.&nbsp;</p>

<p>Zu der Zeit war Che schon ein globales Symbol für den Widerstand. Die Jugend sah ihn als einen Guerillakämpfer, der als ihr Idol herhalten kann. Jemand unangepasstes mit festen Überzeugungen bereit, zum Äußersten zu gehen, um für diese Überzeugungen zu kämpfen. Dieses Bild von Che Guevara plus die Ereignisse, die zu seinem Tod führen, sind die perfekte Mischung.</p>

<p>Und so sieht man kurz nach seinem Tod die Aufnahme, die Korda berühmt machen sollte. Überall. Auf Demonstrationen, auf T-Shirts, auf Magazinen, auf Plakatwänden, als Graffiti, schlicht allgegenwärtig.&nbsp;</p>

<p>Feltrinelli wurde reich mit diesem Bild. Korda hatte keinen Vertrag und hat keinen Cent an Lizenzgebühren eingenommen und nimmt das allerdings mit sozialistischer Gelassenheit. Allein die Tatsache, dass Che vor allerlei kommerzielle Karren gespannt wurde, gefiel ihm nicht immer. So behauptete Daimler Benz, revolutionäre Technik einzusetzen und machte Che Guevara zu einem Kampagnengesicht.&nbsp;</p>

<p>Ich selbst weiß sogar, wann ich Che zum ersten Mal gesehen habe. Also genau dieses Bild, Guerillero Heroico. Das prangte nämlich als Aufkleber auf meinem allerersten Auto. Das hatte da nicht ich hingeklebt, sondern das war schon so, als ich das Auto gebraucht kaufte. Und ich fand es nett, sah gut aus und ließ es da ohne wirklich zu wissen, wen ich denn da als Konterfei durch die Gegend fuhr und auch heute hab ich ein Chebildnis hier im Haus.</p>

<p>Naja, nicht ganz Che, sondern John Bellucci, genauso dargestellt wie das berühmte Bild des berühmten Revolutionsführers und ich amüsiere mich über die Ironie, die da drinsteckt.</p>

<p>Jedenfalls ist dieses Bild tatsächlich unsterblich. Selbst wenn die Leute, die das Konterfei von Ernesto Che Guevara durch die Gegend tragen, längst nicht mehr wissen, wofür dieser Mann kämpfte und wofür er stand und welche Ideen er vertrat. Ich habe Artikel gefunden von 2019, wo es ein Skandal gab, dass der Fanclub der Eintracht Frankfurt Che Guevara Flaggen im Stadion geschwenkt hat. Man kann in keine moderne Stadt laufen ohne nicht irgendwo ein Graffiti von Che zu sehen und es gibt kaum eine Demonstration linksorientierter Aktivisten, bei denen Che Guevara nicht als Frontfigur herhalten muss.</p>

<p>Wer sich aber mit dem man näher beschäftigt, stellt fest, die Wahrheit ist kompliziert. Mir fiel auf jeden Fall auf, dass auf den allermeisten Aufnahmen ein lächelnder Che zu sehen ist. Auch bei den TV-Auftritten wirkt er immer latent amüsiert. Es könnte sowieso nichts erschüttern. Und als hätte er alles schon mal irgendwie gehört. Und irgendwie strotzt die Geschichte von Che und die Geschichte von Korda und die Geschichte diese Aufnahme nur so vor Ironie.&nbsp;</p>

<p>Korda, der 2001 an Herzschlag in Paris stirbt, laut seiner Tochter mit einer 22 jährigen Prostituierten im Zimmer, der hätte sich nicht denken können, damals, bei dieser Kundgebung, dass er das berühmteste Foto des 20. Jahrhunderts geschossen hatte. Und Che würde sich sicher sehr, sehr wundern, wenn er noch am Leben wäre. Dass sein Bild, ausgerechnet sein Bild, nicht nur das Logo der Linken und Revolutionäre geworden ist oder ganz Kuba pflastert, sondern gleichzeitig eine Ikone des kapitalistischen Westens, mit dem sich jeder vom Punk bis zum Nazi schmückt, aber trotzdem keines der Ziele, für die Che gekämpft hat und zum Schluss auch starb, näher an die Umsetzung gekommen ist. Speziell das heutige Kuba würde Che glaube ich sehr sehr verwundern.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Fabelhafte Feen-Fotos</title>
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            <pubDate>Fri, 04 Sep 2020 10:34:03 GMT</pubDate>
            <description>In dieser Episode geht es um Beweisfotos der besonderen Art und um eine Kontroverse, die 60 Jahre anhielt.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Es gibt Menschen, die glauben Feen und andere Naturgeister existieren wirklich und so wundert man sich nicht, dass irgendwann auch Beweisfotos auftauchten, die ihre Existenz belegten… Aber was hat das mit Sherlock Holmes zu tun? Die Feen von Cottingley (Wikipedia) Theosophie (Wikipedia) Fee (Wikipedia) Naturgeister: Unterschied Elfen und Feen erklärt (Focus) Elfen, Feen, Zwerge gibt es die in unserer Welt? (psygrenz.de) The Cottingley Fairies (Wikipedia, englisch) The full story of the Cottingley fairy hoax The Cottingley fairy hoax of 1917 is a case study in how smart people lose control of the truth Short biography of Frances Griffiths Sir Arthur and the Fairies (Public Domain Review) Sir Arthur Conan Doyle „The Coming of the Fairies“ (archive.org, enthält alle Bilder) (Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach https://fotomenschen.net ) Bildquelle: archive.org Sound: „Eh surprised“ by owly-bee Transkript Es gab mal eine Zeit vor Photoshop da war es ganz klar, dass alles, was ich fotografieren lässt auch wirklich existiert. Das fängt bei Urlaubsfotos an und hört bei kriminalistischen Beweisbildern auf. Und manchmal zeigen Fotografien neben schier unglaubliches. Zum Beispiel Feen. Feen sind Naturgeister. Kleine, meistens weibliche Figuren, die oft als wunderschön beschrieben werden, magische Kräfte haben, sich sichtbar und unsichtbar machen können und in der einen oder anderen Form fast überall auf der Welt in Sagen vorkommen. Name und Grundidee leitet sich wohl schon von den römischen Schicksalsgöttinnen ab aber das, was wir heute unter Feen verstehen ist wahrscheinlich im Wesentlichen aus keltischen Volkssagen entstanden. Und wie das oft so ist, der Übergang zwischen Sage und Literatur und angenommener Wirklichkeit ist manchmal fließend. So gibt es auf Island ein staatlich anerkanntes Feenmedium, eine Frau, die sich damit beschäftigt z. B. bei Straßen sicherzustellen, dass man nicht aus Versehen die neue Autobahntrasse quer durch ein Feenwohngebiet zieht. Und natürlich sind auch die einschlägigen spirituellen Regalmeter in der Buchhandlung unseres Vertrauens, gefüllt mit Literaturen nicht nur zu Feen, sondern auch Einhörnern, Engeln und was sonst noch alles gibt. Und da sind natürlich auch oft mal Bilder darin zu sehen, die angebliches oder tatsächliches zeigen. Freilich sind wir uns heute alle bewusst, dass mit Photoshop jeder noch so absurde Bildeindruck erzeugt werden kann. Wir glauben solchen Fotos also nur begrenzt. Anders war das im Jahr 1917. Zu der Zeit war Deutschland noch ein Kaiserreich und in Großbritannien herrschte King Edward the seventh über ein Viertel der Welt. Die Fotografie war zu der Zeit schon 100 Jahre alt und jeder Haushalt, der so ein bisschen was auf sich hielt, hatte sehr wahrscheinlich eine Kamera im Haus. Ja und was immer diese Kamera festhielt, war natürlich die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. [Einspieler] “Das Jahr 1917. Zwei Mädchen in England fotografieren sich gegenseitig. Das Ergebnis: eine Sensation. Die Bilder gehen um die Welt, denn sie zeigen fabelhafte Wesen.” Die beiden Mädchen sind die 16-jährige Elsie Wright und die damals gerade mal 9-jährige Frances Griffiths, die bei Elsie zu Besuch war. Die beiden Mädchen spielen viel gemeinsam und meistens halten sich bei einem nahegelegenen, kleinen Bach auf. Als die Eltern fragen, was denn an dem Bach so faszinierend wäre, geben die Mädchen zur Antwort, dass da Feen wohnen. Der Vater glaubt das jetzt nicht so ganz aber er willigt ein, ihnen seine Kamera zu leihen, damit sie Fotos machen können. Ja und die beiden kommen tatsächlich mit Aufnahmen von Feen wieder also Bilder, auf denen sie zu sehen sind und kleine Wesen mit Flügelchen. Der Vater denkt sich nicht viel dabei, hält das ganze für einen geschickten Trick und damit ist das Thema auch erstmal durch. Zwei Jahre lang ist das Thema dann erst mal durch. Solange nämlich bis Elsies Mutter anfängt, z</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Es gibt Menschen, die glauben Feen und andere Naturgeister existieren wirklich und so wundert man sich nicht, dass irgendwann auch Beweisfotos auftauchten, die ihre Existenz belegten&#8230; Aber was hat das mit Sherlock Holmes zu tun?</p>

<figure><img decoding="async" src="https://the-public-domain-review.imgix.net/essays/sir-arthur-and-the-fairies/8970056301_fc37167f90_o.jpg?fit=max&amp;w=1200&amp;h=850" alt=""/></figure>

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<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cottingley_Fairies" target="_blank">Die Feen von Cottingley</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Theosophie" target="_blank">Theosophie </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fee" target="_blank">Fee</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://praxistipps.focus.de/naturgeister-unterschied-elfen-und-feen-erklaert_108298" target="_blank">Naturgeister: Unterschied Elfen und Feen erklärt</a> (Focus)</li><li><a href="https://www.psygrenz.de/schiebeler/elfen/elfen.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Elfen, Feen, Zwerge gibt es die in unserer Welt?</a> (psygrenz.de)</li></ul>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Cottingley_Fairies" target="_blank">The Cottingley Fairies</a> (Wikipedia, englisch)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://hoaxes.org/photo_database/image/the_cottingley_fairies/" target="_blank">The full story of the Cottingley fairy hoax</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://qz.com/911990/the-cottingley-fairy-hoax-of-1917-is-a-case-study-in-how-smart-people-lose-control-of-the-truth" target="_blank">The Cottingley fairy hoax of 1917 is a case study in how smart people lose control of the truth</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20250117114046/https://collection.sciencemuseumgroup.org.uk/people/ap28805/griffiths-frances" target="_blank">Short biography of Frances Griffiths</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://publicdomainreview.org/essay/sir-arthur-and-the-fairies" target="_blank">Sir Arthur and the Fairies</a> (Public Domain Review)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://archive.org/details/cu31924028957599" target="_blank">Sir Arthur Conan Doyle &#8222;The Coming of the Fairies&#8220;</a> (archive.org, enthält alle Bilder)</li></ul>

<p>(Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

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<p class="has-small-font-size">Bildquelle: <a rel="noreferrer noopener" href="https://archive.org/details/cu31924028957599" target="_blank">archive.org</a><br>Sound:<a rel="noreferrer noopener" href="https://freesound.org/people/owly-bee/sounds/415363/" target="_blank"> &#8222;Eh surprised&#8220; by owly-bee</a></p>

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<p class="has-large-font-size">Transkript</p>

<p>Es gab mal eine Zeit vor <a "/posts/die-geschichte-der-bildmanipulation.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="55" title="Photoshop">Photoshop</a> da war es ganz klar, dass alles, was ich fotografieren lässt auch wirklich existiert. Das fängt bei Urlaubsfotos an und hört bei kriminalistischen Beweisbildern auf. Und manchmal zeigen Fotografien neben schier unglaubliches. Zum Beispiel Feen.</p>

<p>Feen sind Naturgeister. Kleine, meistens weibliche Figuren, die oft als wunderschön beschrieben werden, magische Kräfte haben, sich sichtbar und unsichtbar machen können und in der einen oder anderen Form fast überall auf der Welt in Sagen vorkommen.</p>

<p>Name und Grundidee leitet sich wohl schon von den römischen Schicksalsgöttinnen ab aber das, was wir heute unter Feen verstehen ist wahrscheinlich im Wesentlichen aus keltischen Volkssagen entstanden. Und wie das oft so ist, der Übergang zwischen Sage und Literatur und angenommener Wirklichkeit ist manchmal fließend.</p>

<p>So gibt es auf Island ein staatlich anerkanntes Feenmedium, eine Frau, die sich damit beschäftigt z. B. bei Straßen sicherzustellen, dass man nicht aus Versehen die neue Autobahntrasse quer durch ein Feenwohngebiet zieht. Und natürlich sind auch die einschlägigen spirituellen Regalmeter in der Buchhandlung unseres Vertrauens, gefüllt mit Literaturen nicht nur zu Feen, sondern auch Einhörnern, Engeln und was sonst noch alles gibt. Und da sind natürlich auch oft mal Bilder darin zu sehen, die angebliches oder tatsächliches zeigen.</p>

<p>Freilich sind wir uns heute alle bewusst, dass mit <a "/posts/die-geschichte-der-bildmanipulation.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="55" title="Photoshop">Photoshop</a> jeder noch so absurde Bildeindruck erzeugt werden kann. Wir glauben solchen Fotos also nur begrenzt.</p>

<p>Anders war das im Jahr 1917. Zu der Zeit war Deutschland noch ein Kaiserreich und in Großbritannien herrschte King Edward the seventh über ein Viertel der Welt. Die Fotografie war zu der Zeit schon 100 Jahre alt und jeder Haushalt, der so ein bisschen was auf sich hielt, hatte sehr wahrscheinlich eine Kamera im Haus. Ja und was immer diese Kamera festhielt, war natürlich die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“Das Jahr 1917. Zwei Mädchen in England fotografieren sich gegenseitig. Das Ergebnis: eine Sensation. Die Bilder gehen um die Welt, denn sie zeigen fabelhafte Wesen.”</p>

<p>Die beiden Mädchen sind die 16-jährige Elsie Wright und die damals gerade mal 9-jährige Frances Griffiths, die bei Elsie zu Besuch war. Die beiden Mädchen spielen viel gemeinsam und meistens halten sich bei einem nahegelegenen, kleinen Bach auf. Als die Eltern fragen, was denn an dem Bach so faszinierend wäre, geben die Mädchen zur Antwort, dass da Feen wohnen. Der Vater glaubt das jetzt nicht so ganz aber er willigt ein, ihnen seine Kamera zu leihen, damit sie Fotos machen können.</p>

<p>Ja und die beiden kommen tatsächlich mit Aufnahmen von Feen wieder also Bilder, auf denen sie zu sehen sind und kleine Wesen mit Flügelchen. Der Vater denkt sich nicht viel dabei, hält das ganze für einen geschickten Trick und damit ist das Thema auch erstmal durch.</p>

<p>Zwei Jahre lang ist das Thema dann erst mal durch. Solange nämlich bis Elsies Mutter anfängt, zu regelmäßigen Treffen der lokalen theosophischen Gesellschaft zu gehen.&nbsp;</p>

<p>Solche Gruppen waren damals relativ weit verbreitet. Die Menschen waren damals auf der Suche nach allerlei spirituellen Wahrheiten. Indische Spiritualität mischte sich mit was man aus heutiger Sicht einfach nur Okkultismus nennen kann und nicht alles, was damals als Lehrmeinung vertreten wurde, war notwendigerweise wissenschaftlich begründet.&nbsp;</p>

<p>Das war ja auch eine Zeit, in der ständig Wunder wahr zu werden schienen. Man konnte mit Menschen reden, die nicht da waren, riesige Maschinen wurden konstruiert, Naturgewalten, die als unbeherrschbar galten, wurden nach und nach eingehegt und man hat nicht mal eine Augenbraue hochgezogen, wenn anerkannte Denker wie z. B. CG Jung sich offen mit Tarot und anderen okkultistischen Praktiken auseinandersetzen.Einfach unter der Annahme, es könnt ja was dran sein.&nbsp;</p>

<p>Philosophen jedenfalls sahen die Welt als eine Vielgötter- und Vielgeisterwelt an und da fiel natürlich Elsies Mutter dieser Fotoscherz wieder ein, den sie immer irgendwie auch für möglicherweise echt gehalten hatte. Sie geht also heim, sucht die Fotos raus, geht zum nächsten Treffen und legt dem Gruppenleiter die Bilder vor. Und fragt, ob das vielleicht ein Beweis für die Existenz von Naturgeistern sein könnte.&nbsp;</p>

<p>Der ist sich nicht sicher und holt sich deswegen Rat bei einem Fotografen. Ja, und der schaut doch darauf und sagt: &#8222;Ich wüsste beim besten Willen nicht, wie ich so ein Foto künstlich herstellen sollte. Das müssen echte kleine Wesen mit Flügelchen sein.&#8220; Wer sich die Fotos anschaut, wird mir wahrscheinlich zustimmen, dass das kein besonders kompetenter Fotograf gewesen sein kann.&nbsp;</p>

<p>Aber für die Mitglieder dieses Schwurbelzirkels war das natürlich eine absolute Sensation. Ab jetzt wurden Vorträge gehalten, in denen diese Bilder als Beweise gezeigt wurden.</p>

<p>Ein solcher Vortrag wird es wohl auch gewesen sein, den damals Sir <a "/tags/arthur-conan-doyle.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="4" title="Arthur Conan Doyle">Arthur Conan Doyle</a>, der Mann, der Sherlock Holmes erfunden hat, auf dieses Feenphänomen aufmerksam machte. Freilich könnte man sagen, Sir <a "/tags/arthur-conan-doyle.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="4" title="Arthur Conan Doyle">Arthur Conan Doyle</a> wollte eigentlich, dass das Ganze die Wahrheit zeigt. Aber er wollte natürlich auch den Anschein vermeiden, dass er sich sehr, sehr leicht überzeugen lässt. Deswegen gab er die Bilder einen Gutachter der Firma <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a>.&nbsp;</p>

<p><a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> war damals schon einen riesen Name. Die hatten die <a "/tags/kodak.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="25" title="Kodak">Kodak</a> Brownie erfunden, die erste Schnappschusskamera, die praktisch in jedem Haushalt zu finden war, kann man mal so sagen, mit Rollfilm und Knipsmechanismus, mit dem wirklich auch jedes Kind umzugehen wusste, das heißt, wenn die es nicht wussten, wer dann.&nbsp;</p>

<p>Und das Gutachten fiel durchwachsen aus. Also im Endeffekt wussten die jetzt spontan auch nicht, wie diese Aufnahmen entstanden sein könnten, aber schlossen aus, dass es echt ist, mit der Begründung; wenn es keine Feen gibt dann müssen diese Aufnahmen ja wohl auch fake sein. Ja, und Sir <a "/tags/arthur-conan-doyle.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="4" title="Arthur Conan Doyle">Arthur Conan Doyle</a> dachte sich dann:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“Once you’ve eliminated the impossible, whatever remains, however improbable, must be the truth.”</p>

<p>Und er wollte mehr Fotos von Feen. Er stattete die Kinder mit Kameraequipment aus und besuchte sie regelmäßig, bis die dann endlich noch ein Bild produzierten.</p>

<p>Übrigens war die Fotografie von Feen nicht das einzige Fotoprojekt, mit dem sich Sir Arthur Conan Doyle beschäftigte. Es sind z. B. auch Spiritfotografien, also Geistfotografien von ihm erhalten, die er von einem damals anerkannten Medium machen ließ.</p>

<p>Es war also durchaus so einiges an Fotogeschwurbel unterwegs, das einfach dadurch auch in der Welt blieb, weil die Menschen zu der Zeit kein Verständnis dafür hatten, wie Fotografien tatsächlich entstanden und welche Möglichkeiten der Manipulation es auch gab.</p>

<p>Schließlich veröffentlicht Conan Doyle einen Artikel in seinem Hausmagazin, dem Magazin, das auch Sherlock Holmes seinerzeit begründete, The Strand Magazine. “Epochales Ereignis! Feen fotografiert!”, stand da zu lesen.</p>

<p>Und das war der Startpunkt einer Kontroverse. Die Welt teilt sich auf in Leute, die das für eine Sensation und Leute, die das für absoluten Humbug hielten.</p>

<p>Conan Doyle ließ sich jedenfalls nicht beirren und irgendwann, nach mehreren Artikeln, schrieb er sogar ein Buch über den Fall. 1922 erschienen es in den Läden. “the coming of the fairies”. Sir Arthur Conan Doyle blieb bis zu seinem Tod von dieser Geschichte überzeugt. Er starb in dem sicheren Wissen, es gab Feen und die waren damals fotografiert worden.</p>

<p>Es gab auch immer wieder mal Wellen, in denen diese Bilder als Beweis und Diskussionsmaterial herhielten. 1940, in den Fünfzigern, in den Sechzigern, immer wieder gingen diese Bilder durch die Medien. Es wurden mehrere Bücher veröffentlicht und die beiden Mädels bestanden auch lange Zeit darauf, dass diese Fotografien authentisch und echt seien.</p>

<p>Heute wissen wir das besser. Und zwar aus ganz vielen Gründen. Aber wirklich überraschend ist, dass es bis 1978 gedauert hat, bis jemand sich ernsthaft damit beschäftigt hat, den Beweis zu führen, dass diese Bilder nicht echt sein können.</p>

<p>Und dieser Beweis hatte mehrere Bausteine. Einmal hat sich z. B. der Bühnenmagier und Skeptiker James Randi damit beschäftigt und gezeigt, woran man sehen kann, dass diese Bilder nicht echt sein können. Beispielsweise sieht man auf den Fotos den Bach, an dem die Mädchen gespielt haben. Und dieser Bach ist, weil das ganze ja eine Langzeitbelichtung war, verwischt. Gleichzeitig sind aber die Feen erstaunlich scharf zu sehen. Für kleine Wesen, die die ganze Zeit rumflattern und nicht auf der Stelle bleiben ist es schon erstaunlich.</p>

<p>Der finale Nagel in den Sarg der Geschichte war aber, als man 1978 die Vorlagen für die Feen fand, in einem Kinderbuch namens “princess Mary&#8217;s Gift Book”. Da waren sie abgedruckt und von dort hatten die Mädchen die Feen auch ausgeschnitten, um kleine Feenfigürchen vor der Kamera rumwedeln zu lassen. Über all die Jahre jedenfalls kochte die Diskussion immer wieder hoch und über all die Jahre wurden immer wieder auch die zwei Cousinen dazu befragt, ob das nun Fake sei, wie sie es denn gemacht hätten und als dann irgendwann mal auch feststand, dass es tatsächlich keine echten Aufnahmen sein können, mussten sich die beiden natürlich beschimpfen lassen, dass das ganze ja Betrug gewesen sei und ob sich nicht schämen würden.</p>

<p>Hier zum Beispiel ein Originalton von Elsie, ausgestrahlt in der BBC:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“It was very embarrassing, because, I mean, two village kids and a brilliant man like Conan Doyle, we could only just keep quiet.”</p>

<p>Was sie da sagt, kann ich mir gut vorstellen. Wenn jemand wie Conan Doyle so massiv Wirbel macht, ja, dann gehst du als so ein Mädel vielleicht eher vorsichtig ran und widersprichst ihm auch nicht so richtig frontal. Die beiden sind ja nicht herumgelaufen und haben das Ganze beworben, sie haben es nur nie abgestritten.</p>

<p>Wobei, das stimmt auch nur zum Teil. Elsie hat irgendwann offen zugegeben, dass das Ganze eigentlich gestellt war. Francis hingegen, die jüngere der Beiden, damals 9 Jahre alt, war absolut überzeugt davon, dass sie mindestens mal einen Gnom, vielleicht aber auch die Feen gesehen hat. Sie gab zu, dass die Bilder der Feen zum Teil, also, getürkt waren, aber das hieß ja jetzt nicht, dass alle Bilder gefaket waren und das hieß auch nicht, dass es gar keine Feen gäbe, sondern nur, dass es eben diese Bilder waren.</p>

<p>Hinzu kommt, dass die Leute eigentlich an diese Feen glauben wollten. Hier nochmal Elsie:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“The people keep insulting me, don’t you feel ashamed that you’ve made all these poor people look fooled, they believed in you. But I don’t because I wanted to believe.”</p>

<p>Ja. Sie sagt, sie schämt sich nicht dafür, dass die Leute ihr geglaubt haben, denn die Leute ließen ihr gar keine andere Chance, sie wollten es ja glauben. Und sie belegt das ganz anschaulich mit einem der fünf berühmten Bilder.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“Look at this photograph. … .That leg doesn’t belong to that fairy. And somebody pointed it out in the newspaper.”</p>

<p>Ja, man sieht eigentlich sofort, dass mit dieser speziellen Fee irgendwas nicht stimmt. Der Fuß ist falsch. Und damals hat das jemand auch dann angemerkt. In einem Artikel zu den Feen.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“And one of the dear believers said: “Well fairies aren’t like humans, they haven’t got bodies like we have, like, the skeleton, the arms and legs, they sort of put it together with swords and sometimes it doesn’t come out right.”</p>

<p>Ja, und dann ist dann sofort jemand herbeigesprungen und hat erklärt, ja, Feen sind nunmal nicht so wie Menschen, die haben keine Knochen und so, die Gestalt ist sozusagen aus Gedanken materialisiert und manchmal stimmt das dann halt einfach nicht. Eine sehr bequeme Erklärung für so einen anatomischen Fehler.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“We didn’t have to tell a lie about it at all because always someone came out and justified.”</p>

<p>Ja, da hat sie sicherlich recht. Die Menschen wollen so etwas glauben und das ist auch heute noch so. Immer wieder tauchen Fotos auf, die als Beweis für Bigfoot, <a "/posts/das-u-boot-von-loch-ness.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="30" title="Das U-Boot von Loch Ness">Nessie</a> oder auch ganz banale Dinge wie welche Menschen zu welcher Zeit an welchem Ort angeblich gewesen sein sollten herhalten müssen. Es gibt Fotos von Außerirdischen und es gibt Fotos von Geistern. Und für jedes Bild gibt es auch eine Gruppe an Menschen, die das unbedingt glauben wollen. Aber über Feen. Über Feen sind wir doch jetzt drüber, oder?</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>“The Fairymania they inspired seems like another age. However, a hundred years on, belief has not disappeared. A professor of arts, John Hyatt, took these pictures of, what he thought, were insects. When he displayed them people from around the world were convinced; he’d photographed fairies.”</p>

<p>Richtig gehört. Es gibt einen Kunstprofessor da draußen, der hat Fotos von Feen gemacht. Und der stellt die nicht nur aus, sondern von überall in der Welt schicken Menschen ihre eigenen Feenfotos ein. Die sehen jetzt freilich irgendwie anders aus als die Cottingley fairies damals: Ein bisschen kunstvoller, verwischt, Bewegungsunschärfe, sie sind kleiner aber irgendwie, irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass das zwar moderner, aber eigentlich immer noch genau das Gleiche ist.</p>

<p>Und wie damals, wie in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, finden sich auch heute Menschen, die da unbedingt dran glauben wollen.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Laufsteggeschichten</title>
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            <pubDate>Sat, 29 Aug 2020 18:00:51 GMT</pubDate>
            <description>Powerfrauen beherrschen die Fashionbranche. Schon immer.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Ohne Fotografie keine Modebranche, ohne Models keine Mode, ohne Business keine Models? Heute besuchen wir die Anfänge einer Branche mit Milliardenumsätzen… Lady Duff-Gordon, die Erfinderin des Catwalks und erste internationale Modeschöpferin der Geschichte (Wikipedia) Virginia Oldioni, die Erfinderin der Fashion Photography (Wikipedia) Die Geschichte der Fashionweek (welt-der-mo.de) History of Runway Fashion (Eluxe Magazine) 50 Glamorous Facts About The Countess Of Castiglione, The First Model (Factinate.com) The Scandalous, Narcissistic 19th-Century Countess Who Became Her Own Muse (Vice) The Countess da Castiglione (Biografie auf der Webseite d. Metropolitain Museum of Art) Germany’s next top model (Wikipedia) Heidi Klum (Wikipedia) Librivox Audiobuch „Letters from Egypt by Lady Lucie Duff-Gordon“ (Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach https://fotomenschen.net ) Dieses Video auf YouTube ansehen Bildquelle: Von Arnold Genthe – Dieses Bild ist unter der digitalen ID agc.7a15137 in der Abteilung für Drucke und Fotografien der US-amerikanischen Library of Congress abrufbar.Diese Markierung zeigt nicht den Urheberrechtsstatus des zugehörigen Werks an. Es ist in jedem Falle zusätzlich eine normale Lizenzvorlage erforderlich. Siehe Commons:Lizenzen für weitere Informationen., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1748122 Transkript Es ist schwer zu ignorieren, wenn man Fotomenschen spricht, dass es eine ganze Branche gibt, die im Grunde nichts anderes macht, als Fotografie zu produzieren. Na, schon eine Ahnung? Genau: Mir geht es heute um die Modebranche, eine Branche, mit der ich persönlich so gar nichts am Hut habe und eine Branche, die auch ein Fotogenre hervorgebracht hat, die Fashion Fotografie, mit der ich zumindest nicht viel anfangen kann. In Sachen Fotografie schränke ich das so ein bisschen ein, weil es gibt natürlich Modefotos, die nichts anderes sind als Studiofotografie mit Konzept. Aber das ist mir für heute auch erstmal egal. Wir reden nämlich gar nicht über die Fotografinnen und Fotografen in der Modebranche, sondern über alle anderen, die da irgendwo damit beschäftigt sind, Bilder für die Massen zu produzieren. Nichts anderes ist die Modebranche meiner Meinung nach: im Grunde arbeitet da eine Heerschar von Menschen an genau einem Ziel: Bilder zu produzieren von Mode, um Menschen dazu zu bringen, auch in der nächsten Modesaison Geld für Lifestyle auszugeben. Denn Mode erstreckt sich ja nicht nur auf Kleidung, sondern auf so viel mehr. Am unteren Ende der Skala haben wir da natürlich den Fließbandbetrieb, mit dem praktisch Katalogbilder für Webseiten produziert werden, und am oberen Ende der Skala haben wir dann die Stars und Sternchen und das Celebritypersonal, das Veranstaltungen wie die Fashionweek bestückt. Und irgendwann zu diesem Personal zu gehören, das ist der Traum vieler. Wer möchte nicht einen Job haben, der einen regelmäßig um die Welt jetten lässt, mit den Reichen und Superreichen zusammenbringt und dabei auch noch Geld wie blöd verdienen. Das ist der Traum, den die Fernsehshow Germany’s next Topmodel vermarktet. Heidi Klum und ihre Mädchen. Da wird regelmäßig gecastet, es werden peinliche Spielchen gemacht und im Endeffekt die Wichtigkeit der Fotografie nur noch weiter betont. Wir sehen in jeder Folge diverse Fotoshootings und weiter im Rennen ist nur, wer von der Moderatorin Heidi Klum ein Foto überreicht bekommt. GNTM ist dabei eine wirklich interessante Konstruktion. da ist nicht nur Heidi Klum als Moderatorin und als Hauptjurorin unterwegs, nein, auch der späteren Modelvertrag der identifizierten Talente wird von der Heidi Klum Model Agency vertrieben und Heidi betreibt nicht nur diese eine Sendung, sondern sie hat noch drei andere Sendungen nach ganz ähnlicher Machart, wo sie als Moderatorin und als Jurorin teilnimmt und eben auch kräftig mitverdient. Man könnte sagen, die einzige die si</itunes:summary>
            <content:encoded><![CDATA[

<p>
====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
</p>
<p>Ohne Fotografie keine Modebranche, ohne Models keine Mode, ohne Business keine Models? Heute besuchen wir die Anfänge einer Branche mit Milliardenumsätzen&#8230; </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lucy_Christiana_Duff_Gordon" target="_blank">Lady Duff-Gordon, die Erfinderin des Catwalks und erste internationale Modeschöpferin der Geschichte</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Virginia_Oldoini" target="_blank">Virginia Oldioni, die Erfinderin der Fashion Photography</a> (Wikipedia)</li><li>Die Geschichte der Fashionweek (welt-der-mo.de)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://eluxemagazine.com/culture/articles/the-history-of-runway-fashion/#:~:text=Although%20the%20modern%20catwalk%20originated,the%20exclusive%20with%20the%20mass" target="_blank">History of Runway Fashion</a> (Eluxe Magazine)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.factinate.com/people/facts-countess-castiglione/" target="_blank">50 Glamorous Facts About The Countess Of Castiglione, The First Model</a> (Factinate.com)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.vice.com/en/article/the-scandalous-narcissistic-19th-century-countess-castiglione/" target="_blank">The Scandalous, Narcissistic 19th-Century Countess Who Became Her Own&nbsp;Muse</a> (Vice)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.metmuseum.org/essays/the-countess-da-castiglione" target="_blank">The Countess da Castiglione</a> (Biografie auf der Webseite d. Metropolitain Museum of Art)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Germany%E2%80%99s_Next_Topmodel" target="_blank">Germany&#8217;s next top model </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Heidi_Klum" target="_blank">Heidi Klum</a> (Wikipedia)</li><li>Librivox Audiobuch <a rel="noreferrer noopener" href="https://librivox.org/letters-from-egypt-by-lady-lucie-duff-gordon/" target="_blank">&#8222;Letters from Egypt by Lady Lucie Duff-Gordon&#8220;</a></li></ul>

<p>(Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

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<p class="has-small-font-size">Bildquelle: Von Arnold Genthe &#8211; Dieses Bild ist unter der digitalen ID agc.7a15137 in der Abteilung für Drucke und Fotografien der US-amerikanischen Library of Congress abrufbar.Diese Markierung zeigt nicht den Urheberrechtsstatus des zugehörigen Werks an. Es ist in jedem Falle zusätzlich eine normale Lizenzvorlage erforderlich. Siehe Commons:Lizenzen für weitere Informationen., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1748122</p>

<p class="has-large-font-size"><strong>Transkript</strong></p>

<p>Es ist schwer zu ignorieren, wenn man Fotomenschen spricht, dass es eine ganze Branche gibt, die im Grunde nichts anderes macht, als Fotografie zu produzieren.</p>

<p>Na, schon eine Ahnung? Genau: Mir geht es heute um die Modebranche, eine Branche, mit der ich persönlich so gar nichts am Hut habe und eine Branche, die auch ein Fotogenre hervorgebracht hat, die Fashion Fotografie, mit der ich zumindest nicht viel anfangen kann. In Sachen Fotografie schränke ich das so ein bisschen ein, weil es gibt natürlich Modefotos, die nichts anderes sind als Studiofotografie mit Konzept. Aber das ist mir für heute auch erstmal egal.</p>

<p>Wir reden nämlich gar nicht über die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografinnen</a> und Fotografen in der Modebranche, sondern über alle anderen, die da irgendwo damit beschäftigt sind, Bilder für die Massen zu produzieren. Nichts anderes ist die Modebranche meiner Meinung nach: im Grunde arbeitet da eine Heerschar von Menschen an genau einem Ziel: Bilder zu produzieren von Mode, um Menschen dazu zu bringen, auch in der nächsten Modesaison Geld für Lifestyle auszugeben. Denn Mode erstreckt sich ja nicht nur auf Kleidung, sondern auf so viel mehr.</p>

<p>Am unteren Ende der Skala haben wir da natürlich den Fließbandbetrieb, mit dem praktisch Katalogbilder für Webseiten produziert werden, und am oberen Ende der Skala haben wir dann die Stars und Sternchen und das Celebritypersonal, das Veranstaltungen wie die Fashionweek bestückt. Und irgendwann zu diesem Personal zu gehören, das ist der Traum vieler. Wer möchte nicht einen Job haben, der einen regelmäßig um die Welt jetten lässt, mit den Reichen und Superreichen zusammenbringt und dabei auch noch Geld wie blöd verdienen.</p>

<p>Das ist der Traum, den die Fernsehshow Germany&#8217;s next Topmodel vermarktet. Heidi Klum und ihre Mädchen.</p>

<p>Da wird regelmäßig gecastet, es werden peinliche Spielchen gemacht und im Endeffekt die Wichtigkeit der Fotografie nur noch weiter betont. Wir sehen in jeder Folge diverse Fotoshootings und weiter im Rennen ist nur, wer von der Moderatorin Heidi Klum ein Foto überreicht bekommt.</p>

<p>GNTM ist dabei eine wirklich interessante Konstruktion. da ist nicht nur Heidi Klum als Moderatorin und als Hauptjurorin unterwegs, nein, auch der späteren Modelvertrag der identifizierten Talente wird von der Heidi Klum Model Agency vertrieben und Heidi betreibt nicht nur diese eine Sendung, sondern sie hat noch drei andere Sendungen nach ganz ähnlicher Machart, wo sie als Moderatorin und als Jurorin teilnimmt und eben auch kräftig mitverdient. Man könnte sagen, die einzige die sich mit Germany&#8217;s next Topmodel ihren Traum verwirklicht ist Heidi Klum, aber das mal nur so am Rande erwähnt.</p>

<p>Na und, möchte jetzt einwerfen, vielleicht ist der Deal ja trotzdem fair, weil für die teilnehmenden Mädels ist ja die Karriere trotzdem möglich. Vielleicht werden die ja alle Supermodels. Vielleicht sollte man GNTM mehr als so eine Art, naja, Talentschmiede sehen.</p>

<p>Fragen wir doch mal jemanden, der das wissen muss: Karl Lagerfeld, seines Zeichens Designer und Star der Szene. Karl. Wie ist denn das?</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Moderator: “Ich zeige Ihnen eine junge Dame, ein Foto einer jungen Dame, und Sie sagen mir freundlicherweise, ob diese Dame, mal sehen, wo wir es kriegen, da kriegen wir es eingeblendet, ganz klein, da oben können Sie es ein bisschen größer sehen, ob diese Dame Chancen hätte im internationalen Modelbusiness.”</p>

<p>Karl: ”Das kann man aus solchem, nicht sehr gutem Bild nicht unbedingt sagen.”</p>

<p>Moderator: ”Das ist die Siegerin der letzten Staffel von Germany&#8217;s next Topmodel”</p>

<p>Karl: “Erst mal muss sie sich bewegen, damit man sehen kann, was ihre Figur ist, wie sie damit umgeht, und das Gesicht und ist sie gut geschminkt, ist sie gut frisiert, ist sie nicht billig geschminkt, wissen Sie, bei so Wettbewerben, das ist halt, nun wirklich, das hat mit richtiger Mode nichts zu tun. Wissen Sie, das gehört in der Mode und auch für die Musik, das sind Berufe, das ist nicht, weil sie sagen, ich möchte das werden, dass sie es werden, das ist eine Sache, die total auf Ungerechtigkeit basiert ist. Sie können nicht sagen, oder eine Mutter sagt: ‘Meine Tochter soll die neue Claudia Schiffer werden’. Ne! Das gibt es nicht. Der Wille genügt da nicht. Wenn da etwas ist, wo ein Potential ist, kann das passieren, aber das ist ein ziemlich seltener Fall.”</p>

<p>Moderator: “Und Mode ist ungerecht, sagen Sie? Heißt das nur für die Models oder heißt das, dass Mode auch ungerecht ist für die&#8230; “</p>

<p>Karl: “Nein nein nein nein. (&#8230;) Sie können nicht sagen, ich werde jetzt Designer und das muss klappen und wenn das nicht klappt ist die Welt schuld und nicht Sie, das ist etwas, wo man keine Regeln kennt, wo man was bringen muss und das ist etwas, was jedem logischen Konzept entgeht.”</p>

<p>Moderator: “Aber dass Sie einer der größten Stars dieser Branche sind, das ist gerecht.”</p>

<p>Karl: “Ja gut äh, die haben sich an mich gewöhnt.”</p>

<p>(Gelächter aus dem Publikum)</p>

<p>Halten wir also fest: es ist sicherlich kein Zufall, dass Heidi erfolgreich ist mit dem Konzept. Und ja, Heidi hat es vielleicht auch ein bisschen mit ihrem Staat als Modelgesicht zu tun gehabt, aber danach wahrscheinlich einfach nur mit dem wirtschaftlichen Buisnesstalent ihrer Familie und ihr selbst. Die TeilnehmerInnen, die sind dann einfach mal Schwungmasse.</p>

<p>Gesichter, hübsche Gesichter zugegeben, die vor Kameras posieren.</p>

<p>Aber war das eigentlich schon immer so? Die Frage stellte ich mir und hab mal angefangen in der Geschichte des Genres zu graben. Irgendwann muss es ja das erste Model vor der Kamera gegeben haben. Und irgendjemand muss ja auch diesen unsäglichen Laufsteg erfunden haben, über den seit Jahrzehnten irgendwelche mehr oder weniger prominenten Modeidole staksen. Allein dass man so ein Ding Catwalk nennt im Englischen finde ich schon eine echte Zumutung, aber da bin ich vielleicht auch Kind meiner Zeit.</p>

<p>Es wird schwer zu datieren sein, wer zum ersten Mal auf die Idee gekommen ist, Frauen in neue Kleidung zu stecken, um sie vor potenziellen Käuferinnen und Käufern herumlaufen zu lassen. Die Idee, die muss ja Jahrhunderte alt sein. Man weiß aber erstaunlicherweise relativ genau, wer das wahrscheinlich zum ersten Mal professionalisiert und in eine Form gebracht hat, die wir heute wiedererkennen würden.</p>

<p>Um diese Person zu treffen, müssen wir nach London und zwar ungefähr in das Jahr 1890. Es ist zu der Zeit als das Modeatelier ‘the Maison Lucile’ die feine Gesellschaft Großbritanniens im Sturm erobert. La maison lucille war spezialisiert auf romantische und feminine Mode.</p>

<p>Ihre Besitzerin war die alleinerziehende Lucy Christiana Sutherland. Gerade frisch nach erster Ehe geschieden, hatte sie eine Schneiderei eröffnet, um sich und ihre Tochter versorgen zu können.</p>

<p>Und Luciles Mode war fantasievoll und manchmal gewagt. Beispielsweise wird die Erfindung des geschlitzten Rocks auf sie zurückgeführt.</p>

<p>Um ihre Kollektionen an die Frau und den Mann zu bringen, hatte Lucile relativ früh damit begonnen, Modeschauen zu organisieren, also zwanglose treffen, bei denen sie Getränke und Snacks reichte und sich die zukünftigen Kundinnen und Kunden in die jeweiligen Stücke anschauen konnten. Und weil es einfach viel, viel besser ist, wenn jemand diese Stücke auch vorführt und damit anschaulich macht, wie gut man darin aussehen könnte, war Lucile dann auch tatsächlich die erste, die einen Catwalk konstruierte, professionelle Models anheuerte und ihre Mode direkt vorführen ließ.</p>

<p>Ihre Models rekrutierte Lucille unter Tänzerinnen. Einige davon waren tatsächlich für ihren Tanz bekannt, sie waren also schon Celebrities oder Prominenz, bevor sie über den Catwalk von Lucille stapften.</p>

<p>Sie hatte inzwischen ihren zweiten Ehemann kennengelernt, Sir Cosmo Edmund Duff-Gordon the fifth, der seinerzeit dann dafür sorgte, dass Lucille ordentlich finanziert war und nach und nach in die gesamte High Society der damaligen Zeit eingeführt wurde. Das und die Tatsache, dass die Tänzermodels natürlich auch die Mode von Lucy trugen, sorgte dafür, dass Lady Duff-Gordon, wie sie jetzt hieß, in aller Munde war und ihre Mode sich praktisch wie von selbst verkaufte.</p>

<p>So war sie nicht nur eine der ersten Modedesignerinnen und die Erfinderin des Catwalks, sondern baut ihr Modeimperium weiter aus und war auch das erste Modelabel, das Niederlassungen in London, Paris, New York und Chicago eröffnete.</p>

<p>Man kann mit Fug und Recht sagen, dass Lady Duff-Gordon eine echte Powerfrau war und damals in höchsten Kreisen verkehrte.</p>

<p>Da schlug sich auch nieder, dass sie selbstverständlich 1912 als First Class Passagierin an der Jungfernfahrt der Titanic nach New York teilnahm. Sie wurde gerettet, kam zurück und baute ihr Imperium weiter aus.</p>

<p>Auf sie geht zurück, dass bei diesen Modenschauen dann auch Musik und Tanz mit integriert wurde und ganz allgemein aus dieser Verkaufsveranstaltung eigentlich fast schon sowas wie eine Art Modetheaterstück wurde. Wie gesagt, eine echte Powerfrau.</p>

<p>Interessant ist, dass zu der damaligen Zeit Fotografie bei diesen Veranstaltungen noch keine große Rolle gespielt zu haben scheint. Es gibt zwar Aufnahmen von einzelnen dieser Models, es gibt auch ein paar Filme, die man im Netz dazu findet, aber für Lucy war einfach viel, viel wichtiger, dass die Käufer im Raum waren und nicht, dass das Ganze gefilmt und verteilt wurde.</p>

<p>Fashionfotografie und Mode verkaufen waren damals noch zwei verschiedene Dinge: Wenn man sich schon fotografieren ließ und vielleicht sogar hauptsächlich des Äußeren willen, dann war das damals in erster Linie eine Inszenierung. Und um die Anfänge dieser Idee zu beobachten, müssen wir uns von London verabschieden und nach Paris reisen.</p>

<p>Und da treffen wir dann die Konkubine Napoleons des dritten, Virginia Oldoini. Wie der Name schon nahelegt ist sie Italienerin, genau genommen Contessa di Castiglione.</p>

<p>Und Virginia war skandalträchtig. Schon ihre Ankunft in Paris war ein Skandal. Sie sah atemberaubend aus und war praktisch sofort die gespiele Napoleons des 3. und am königlichen Hof. Das gefiel jetzt ihrem damaligen Ehemann nicht so wirklich. Virginia freilich war das egal.</p>

<p>Virginia war damals der Star am Hof. Sie sprach vier Sprachen fließend und ist überliefert als eine unglaublich charmante und energiegeladene Gastgeberin. Außerdem war sie bekannt für ihre extravagante Kleidung. Einmal kam sie gekleidet als Queen of hearts. Jedes Mal kam sie auf jeden Fall anders gekleidet und ihre Kleidung, ja über die, sprach man. Und ahmte sie nach.</p>

<p>Während ihrer Affäre mit Napoleon dem dritten war sie außerdem auch des Öfteren, naja, will ich mal sagen, Geheimdiplomatin in Charme-Offensive, wurde sie doch regelmäßig an andere Königshöfe eingeladen oder auch mal für, naja, sagen wir mal, besondere Verhandlungen losgeschickt. Es gab diverse Konflikte in Europa und der eine oder andere, so sagt man, ist vielleicht auch durch ihr Wirken im Hintergrund anders ausgegangen.</p>

<p>Damals jedenfalls, wir reden von der Mitte des 19. Jahrhunderts, hatte natürlich jeder kaiserliche und königliche Hof, der was auf sich hielt, einen Hoffotografen: da macht er Hof Napoleons III natürlich auch keine Ausnahme. Und die schönste Frau am Hof, die saß natürlich auch irgendwann vor der Kamera.</p>

<p>1856 saß sie für den Hoffotografen Pierre-Louis Pierson Modell und das war der Anfang einer Leidenschaft, die sie bis zu ihrem Tod verfolgen sollte. Mit Pierson machte sie über 400 Porträts und interessant ist an diesen Bildern, dass überliefert ist, dass sie die treibende Kraft hinter diesen Aufnahmen ist. Das heißt der Fotograf, der hat einfach nur die Aufgabe, den technischen Teil im Griff zu haben. Und er darf natürlich die Kulisse aufstellen. Sie ist die Regisseurin. Sie ist diejenige, die die Kleidung auswählt, die Szenerie beschreibt, die Bildidee beschreibt und dirigiert. Und sie ist bekannt als absolute Perfektionistin. Aufnahmen wurden so oft wiederholt bis auch das kleinste Detail sitzt.</p>

<p>Und manche der Aufnahmen waren für die damalige Zeit auch frivol. So gibt es Aufnahmen ihrer nackten Füße. Auf Bildern wo ihre nackten Füße also vom Knie abwärts zu sehen sind, ja, da sieht man dann meistens ihren Kopf nicht. Das ist ja fast schon Pornografie!</p>

<p>Über die Jahre werden ihre Aufnahmen dann immer dunkler und skurriler. So lässt sie sich durchaus auch mal in einem Sarg fotografieren oder in Trauerkleidung. Es sind jedenfalls dramatische, gestellte und manchmal auch Konzeptfotografien, die damals entstehen.</p>

<p>Und sie sind für die Zeit ungewöhnlich. Es geht um das Äußere, um die Inszenierung, um die Kleidung, die sie trägt oder eben nicht trägt, um die Person, die sie darstellt und wie die am besten Szene zu setzen ist. Und so ist sie als Erfinderin der Fashion Fotografie in die Geschichte eingegangen.</p>

<p>Interessant finde ich ja das Fashion Photography und die Fotografie von Mode während Modenschauen zwei sich ergänzende aber dann doch unterschiedliche Disziplinen zu sein scheinen. Man kann natürlich Fashion Fotograf sein und sich überhaupt gar nicht für Models auf dem Laufsteg interessieren. Und umgekehrt.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Karl Lagerfeld: “Ja, wissen Sie, Heidi Klum, ich kenn sie nicht. Ich finde, dass die deutsche Vogue tolle Bilder von ihr gemacht hat, so gut kann ich sie mir gar nicht vorstellen. Dieser junge Fotograf, wie heißt er, Francesco Carrozzini, hat unglaublich tolle Bilder von dieser Heidi Klum gemacht, die ich nicht kenne. Auch Claudia kennt die auch nicht. Die war nie in Paris, die kennen wir nicht.”</p>

<p>Die war nie in Paris, die kennen wir nicht. Damit bezieht sich Karl Lagerfeld auf eine der Big Four. Mit Big Four sind die vier großen Fashion Weeks gemeint: New York, Paris, London und Mailand. Und, Heidi? Naja, die ist eben nie über eine dieser vier Laufstege gelaufen und schon gar nicht über den in Paris. Sie macht halt “nur” Werbung. Aber zumindest laut Joop hat sie was es braucht.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Joop: Nacher, in diesem Modelberuf, ist fast keiner schön genug, um die große Karriere zu machen. Guck mal: Heidi musste schon so schön sein, wie sie ist, um so weit zu kommen.</p>

<p>Das, glaube ich, ist ein Irrtum. Mit Schönheit hat es nur am Rande was zu tun. Vielleicht war das mal ein Türöffner für Heidi, aber dann, dann ist es Geschäftssinn und Durchhaltevermögen, das für Heidi, für Lucille oder auch für Virginia den Unterschied gemacht hat. Und Heidi, was sagst du dazu?</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Heidi: “Ich habe heute leider kein Foto für dich.”</p>

<p>Na Gott sei Dank.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Lebe Deinen Traum...</title>
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            <pubDate>Mon, 24 Aug 2020 08:57:39 GMT</pubDate>
            <description>Mark Reay ist Model, Schauspieler und Fotograf in New York und lebt ein überraschendes Doppelleben.</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Mark Reay ist Model, Schauspieler und Fotograf in New York und lebt ein überraschendes Doppelleben. Notizen zur Sendung: Das geheime Doppelleben des obdachlosen Models (Welt) Homme Less Documentary (IMDB) The fashion photographer who was homeless for six years (The Guardian) Mark’s Webseite Mark auf IMDB „Homme Less“ komplett auf Vimeo on Demand (Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach https://fotomenschen.net ) Dieses Video auf Vimeo ansehen Weitere Hörempfehlung – „ Unter freiem Himmel „: Episodenbild: homme-less.com Transkript Vor einigen Monaten hab ich einen Podcast entdeckt, der auch eine absolute Hörempfehlung ist, namens unter freiem Himmel. Dort erzählt ein ehemals Obdachloser, wie leicht es auch in Deutschland ist, die Obdachlosigkeit zu geraten. Da spricht er freilich von Obdachlosen, wie wir sie alle kennen. Menschen, denen man schon von weitem ansieht, dass sie Probleme haben. Was aber, wenn es noch eine weitere Art von Obdachlosigkeit gäbe? Was, wenn jemand oberflächlich gesehen alles im Griff zu haben scheint, Beruf, teure Elektronik, einen gepflegten Anzug trägt, aber nachts dann unter freiem Himmel schlafen muss? Der österreichische Dokumentarfilmer Thomas Wirthensohn hat 2014 mit dem Film “Homme less” eine Dokumentation veröffentlicht, die genauso einen Fall beschreibt; er folgt zwei Jahre lang Mark Reay, einem Mann, der aussieht wie George Clooney und in New York versucht, mit Schauspielerei, Modelling und Fotografie durchzukommen. Nun ganz im Ernst: Man sieht Mark Reay nicht an, dass er auf der Straße lebt. Das ist ihm auch wichtig. Von dem wenigen Geld, was er im Monat zur Verfügung hat, investiert er 120 Dollar Monat für Monat für seine Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Das sichert ihm nicht nur einen Platz im Spind, wo er seine Habseligkeiten unterbringen kann, es sorgt auch dafür, dass er sich regelmäßig im Warmen körperlich betätigen kann. Das hält ihn gesund und außerdem gibt es im Fitnessstudio natürlich Duschen und die Möglichkeit, Sachen zu waschen, sodass Mark auch tagsüber immer aussieht, wie aus dem Ei gepellt. Und Mark ist ein gutes Beispiel für die Art von Geschichten, die wir uns gerne gegenseitig erzählen. Wäre er erfolgreich, wäre er das klassische Beispiel für eine inspirierende Stargeschichte. Der Mann, der schon früh wusste, dass er Fotograf und Schauspieler werden wollte. Den nichts aufhielt. Der dranblieb. Der früh dann schon aufbrach, um Europa als Backpacker zu bereisen, dort dann erste Modeljobs annahm und fotografieren begann und dann den großen Durchbruch erlebte und jetzt als Millionär in Kalifornien lebt. Naja, dieser letzte Teil, der hat halt nie stattgefunden. Mark modelte zum Beispiel für Brands wie Versace, aber wer nicht als Kampagnengesicht gebucht wird, der verdient tatsächlich in der Branche wenig mehr als die Spesen. Dafür hat er dann einen relativ teuren Lifestyle mit Menschen, die wesentlich mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen. Aber besonders am Anfang ging das schon. Er kam immer so bei plus minus null raus. Das war auch die Zeit, in der Mark anfing, die Schauspielschule zu besuchen, in seine Karriere zu investieren, erste Rollen als Extra bei irgendwelchen Produktionen annehmen konnte und anfing zu fotografieren. Das war eigentlich in erster Linie ein Hobby. Zwar hatte er Zugriff auch Models und war natürlich auch immer wieder Mal auf Veranstaltungen, auf denen es interessant ist, zu fotografieren, aber im Wesentlichen hatte er Spaß an der Kamera, bis er irgendwann mal auf die Idee kam, und das scheint eine sehr amerikanische Idee sein; damit muss man doch auch irgendwie Geld verdienen können. Mark überlegte sich einige coole Fotoprojekte: Dinge, von denen er glaubte, damit könnte der große Durchbruch in Reichweite kommen, und eine der Ideen, die er hatte, war, nach Südfrankreich zu reisen, dorthin, wo die reichen und Superreichen Urlaub machen und seine Dienste als privater Fo</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Mark Reay ist Model, Schauspieler und Fotograf in New York und lebt ein überraschendes Doppelleben.</p>

<p>Notizen zur Sendung: </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.welt.de/vermischtes/article145026868/Das-geheime-Doppelleben-des-obdachlosen-Models.html" target="_blank">Das geheime Doppelleben des obdachlosen Models</a> (Welt)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.imdb.com/title/tt4164462/" target="_blank">Homme Less Documentary</a> (IMDB)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.theguardian.com/fashion/2015/aug/06/homeless-model-mark-reay-odd-double-life-never-been-lonely" target="_blank">The fashion photographer who was homeless for six years</a> (The Guardian)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20201022211931/http://www.markreay.net/index.html" target="_blank">Mark&#8217;s Webseite</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.imdb.com/name/nm4788482/" target="_blank">Mark auf IMDB</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://vimeo.com/ondemand/hommeless" target="_blank">&#8222;Homme Less&#8220; komplett auf Vimeo on Demand</a></li></ul>

<p>(Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

<p><a href="https://player.vimeo.com/video/96111593?dnt=1&amp;app_id=122963" target="_blank" rel="noopener">Dieses Video auf Vimeo ansehen</a></p>

<div class="yt-facade" data-yt="ORuMJntcgd4" role="button" tabindex="0" aria-label="Play YouTube video"><img class="yt-thumb" loading="lazy" src="https://fotomenschen.kopfstim.me/assets/yt_ORuMJntcgd4.jpg" alt="YouTube video thumbnail" width="1280" height="720"><span class="yt-play" aria-hidden="true"></span></div>

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<ul><li>Weitere Hörempfehlung &#8211; &#8222;<a href="https://fyyd.de/podcast/unter-freiem-himmel-obdachlos-in-berlin/0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Unter freiem Himmel</a>&#8222;:</li></ul>

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<p class="has-small-font-size">Episodenbild: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.homme-less.com" target="_blank">homme-less.com </a></p>

<p class="has-large-font-size"><strong>Transkript</strong></p>

<p>Vor einigen Monaten hab ich einen Podcast entdeckt, der auch eine absolute Hörempfehlung ist, namens unter freiem Himmel. Dort erzählt ein ehemals Obdachloser, wie leicht es auch in Deutschland ist, die Obdachlosigkeit zu geraten. Da spricht er freilich von Obdachlosen, wie wir sie alle kennen. Menschen, denen man schon von weitem ansieht, dass sie Probleme haben. Was aber, wenn es noch eine weitere Art von Obdachlosigkeit gäbe? Was, wenn jemand oberflächlich gesehen alles im Griff zu haben scheint, Beruf, teure Elektronik, einen gepflegten Anzug trägt, aber nachts dann unter freiem Himmel schlafen muss?</p>

<p>Der österreichische Dokumentarfilmer Thomas Wirthensohn hat 2014 mit dem Film “Homme less” eine Dokumentation veröffentlicht, die genauso einen Fall beschreibt; er folgt zwei Jahre lang Mark Reay, einem Mann, der aussieht wie George Clooney und in New York versucht, mit Schauspielerei, Modelling und Fotografie durchzukommen.</p>

<p>Nun ganz im Ernst: Man sieht Mark Reay nicht an, dass er auf der Straße lebt. Das ist ihm auch wichtig. Von dem wenigen Geld, was er im Monat zur Verfügung hat, investiert er 120 Dollar Monat für Monat für seine Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Das sichert ihm nicht nur einen Platz im Spind, wo er seine Habseligkeiten unterbringen kann, es sorgt auch dafür, dass er sich regelmäßig im Warmen körperlich betätigen kann. Das hält ihn gesund und außerdem gibt es im Fitnessstudio natürlich Duschen und die Möglichkeit, Sachen zu waschen, sodass Mark auch tagsüber immer aussieht, wie aus dem Ei gepellt.</p>

<p>Und Mark ist ein gutes Beispiel für die Art von Geschichten, die wir uns gerne gegenseitig erzählen. Wäre er erfolgreich, wäre er das klassische Beispiel für eine inspirierende Stargeschichte. Der Mann, der schon früh wusste, dass er Fotograf und Schauspieler werden wollte. Den nichts aufhielt. Der dranblieb. Der früh dann schon aufbrach, um Europa als Backpacker zu bereisen, dort dann erste Modeljobs annahm und fotografieren begann und dann den großen Durchbruch erlebte und jetzt als Millionär in Kalifornien lebt.</p>

<p>Naja, dieser letzte Teil, der hat halt nie stattgefunden. Mark modelte zum Beispiel für Brands wie Versace, aber wer nicht als Kampagnengesicht gebucht wird, der verdient tatsächlich in der Branche wenig mehr als die Spesen. Dafür hat er dann einen relativ teuren Lifestyle mit Menschen, die wesentlich mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen.</p>

<p>Aber besonders am Anfang ging das schon. Er kam immer so bei plus minus null raus. Das war auch die Zeit, in der Mark anfing, die Schauspielschule zu besuchen, in seine Karriere zu investieren, erste Rollen als Extra bei irgendwelchen Produktionen annehmen konnte und anfing zu fotografieren. Das war eigentlich in erster Linie ein Hobby. Zwar hatte er Zugriff auch Models und war natürlich auch immer wieder Mal auf Veranstaltungen, auf denen es interessant ist, zu fotografieren, aber im Wesentlichen hatte er Spaß an der Kamera, bis er irgendwann mal auf die Idee kam, und das scheint eine sehr amerikanische Idee sein; damit muss man doch auch irgendwie Geld verdienen können.</p>

<p>Mark überlegte sich einige coole Fotoprojekte: Dinge, von denen er glaubte, damit könnte der große Durchbruch in Reichweite kommen, und eine der Ideen, die er hatte, war, nach Südfrankreich zu reisen, dorthin, wo die reichen und Superreichen Urlaub machen und seine Dienste als privater Fotograf anzubieten. Die Idee wäre sozusagen, die Superreichen nehmen ihn mit auf einen ihrer Urlaubstrips und er würde für die Urlaubserinnerungen sorgen.</p>

<p>Klingt großartig, muss ich sagen. Praktisch Luxusurlaub und gleichzeitig dem Hobby Fotografie nachgehen, was könnte da nur schiefgehen. Naja, so ziemlich alles.</p>

<p>Als Mark seine Ersparnisse endgültig verbraucht hatte, war dann in der Nähe von Saint-Tropez das Ende seiner Finanzen erreicht und da schlief er dann zum ersten Mal unter freiem Himmel.</p>

<p>Damals hat er auch entdeckt, dass das Äußere einen riesen Unterschied macht: solange er darauf achtet, dass er ordentlich aussieht, konnte immer noch am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Manchmal kaufte er sich billigen Roséwein im Supermarkt, schlich sich dann mit dem Wein in der Tasche in eine der fancy Bars in Saint-Tropez, klaute sich ein Glas vom Tresen, setzte sich einfach an irgendeinen Tisch und trank dann Wein mit den Reichen und Superreichen, ohne dass irgendjemand jemals auf die Idee gekommen wäre, er gehörte da irgendwie nicht hin.</p>

<p>Und das ist natürlich auch ein Rezept dem er in New York folgt: Sein Äußeres ist schon wichtig. Und sieht ja einem Anzug niemand an, dass er auf der öffentlichen Herrentoilette gewaschen wurde.</p>

<p>Lassen wir es uns doch mal kurz von ihm selbst erzählen:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Mark: “Like, I’m really in touch with the… Kinda the basics of life and uh… I mean but I also like the finer things. I mean, these shoes, I think they’re really beautiful and they look like money, but I got them for just under 200 bucks. But at least I give the impression like I’m doing okay, I’m well off and uh.. You know… I am doing okay, I’m physically fit and most of the time I’m happy, uh…&nbsp; (sighs)&nbsp; Most of the time.“</p>

<p>Das Absurde ist ja, wenn man sich diese Dokumentation ansieht; Mark hat ja durchaus Einkommen. Er fotografiert für ein Magazin als Staff Photographer auf Veranstaltungen wie der Fashion Week, er wird eingeladen zu allen möglichen sozialen Ereignissen, manchmal als Fotograf, manchmal als Teilnehmer, weil man ihn halt kennt, er fotografiert Models auf der Straße, er fotografiert für Stock Agencies, er selbst hat immer wieder Engagements als Schauspieler und modelt auch durchaus selber noch. Aber die 30000 $, die da im Jahr so grob für ihn zusammenkommen, reichen nun mal nicht, um sich in New York tatsächlich auch ein Dach überm Kopf zu gönnen und es ist anscheinend diese Karriere, die in da dann festhält.</p>

<p>Vermutlich hat er das Gefühl, er kann einfach nichts anderes oder er will einfach nichts anderes, er will einen Lebensstil pflegen können, der ihn in der Stadt bleiben lässt und er möchte fotografieren, schauspielern und modeln. Das ist irgendwie auch eine sehr, sehr amerikanische Idee, dieses pursue your dreams. Da kommt er dann später auch mal selber darauf.</p>

<p>Wenn er dann müde genug ist, vom Bilder editieren bei Starbucks, fotografieren auf der Straße oder bei den verschiedenen Terminen, die er einzuhalten hat, ja, dann versucht er, sich zu seinem Schlafplatz durchzuschlagen. Ein Freund gab ihm mal einen Wohnungsschlüssel, um, während er im Urlaub war, seine Wohnung zu benutzen und diesen Schlüssel hat er noch. Und diesen Schlüssel benutzt er nicht, um bei dem Freund in der Wohnung zu schlafen, sondern, in dem Mietshaus aufs Dach zu kommen. Dort hat er sich eine Ecke zurechtgelegt, in der er unter einer Plane Nacht für Nacht schläft.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Mark: “So I’m a little nervous right now because I’m about to enter my friend’s building.” (he quietly walks into the building. He waits for a little while and listens.) (whispers) “I don’t hear any footsteps so that’s good. So the thing is I have a key to this building because it’s my friend’s place and he gave me a key to use to get into his apartment when he’s away on long trips to… “ (he opens a door) “Here comes the money” (he walks faster and opens the door to the rooftop) “I hate when that happens, when I’m on the fourth floor and I hear someone leaving, then I have to run down all these steps and then I have to climb back up again.. “</p>

<p>Über sechs Jahre hat er da oben gelebt, bevor dieser Dokumentarfilm in die Kinos kam. Und dieses Leben, ich weiß gar nicht, ich würde ihn so viel fragen wollen.</p>

<p>Eine Frage, die ich ihm stellen wollen würde, ist, ob ihn Optimismus, also der unverbesserliche Glaube, dass es irgendwann mal funktionieren muss, bei diesem Leben gehalten hat, oder Verzweiflung. Also konnte er nicht anders oder hatte das Gefühl nicht anders zu können oder wollte er nicht anders. Ich meine im Film kommt er manchmal tatsächlich auch recht depressiv rüber, wobei da auch viel Zweckoptimismus mitschwingt.</p>

<p>Wir werden einfach auch von unserer Umgebung dahin gedrängt, selber Verantwortung für uns zu übernehmen. Wir sind die Schmiede unseres Glücks. Wenn alles super funktioniert, dann haben wir natürlich dafür gesorgt, dass es funktioniert. Wenn es schiefgeht, ja, dann haben wir es auch irgendwie selbst versaut. Folge deinen Träumen. Bleib einfach dran. Zusammen mit dieser unerschütterlichen Annahme, es muss immer alles irgendwie auch in Geld verwandelbar sein.</p>

<p>Ich bin ja leidenschaftlicher Podcaster und leidenschaftlicher Fotograf und bei beiden wurde ich immer wieder mal gefragt, ob ich damit nicht auch Geld verdiene oder wenn ich schon nicht Geld verdiene irgendwann mal Geld verdienen will. Nein will ich nicht, aber ich habe natürlich auch eine Luxussituation. Ich habe ein geregeltes Einkommen. Ich verdiene Geld. Ich kann es mir leisten, als Liebhaberei in Mikrofone zu sprechen und meine Kameras spazieren zu tragen.</p>

<p>Für Mark ist es sicherlich nicht so einfach. Da ist sein ehemaliges Hobby die vielleicht einzige Möglichkeit, hin und wieder mal ein bisschen Geld zu verdienen oder zu versuchen, seinen Traum wahr werden zu lassen.</p>

<p>Hier noch ein letztes Mal Mark im Originalton. Vielleicht eine der Stellen, die mir am stärksten in Erinnerung geblieben sind.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Mark: “You know, Joseph Campbell I’m a big fan of and he talks about [Unterständlich]<strong> </strong>and how to live your life better and his mantra for living well is ‘follow your bliss and when you do that, if you’re on the right path, unseen hands will open closed doors for you’. So, I follow my bliss, several, you know, professions and those unseen hands have yet to open the lucrative doors. And being a little cynical, I am, I kind of amended his phrase. ‘Follow your bliss but be prepared to live your nightmare’.”</p>

<p>Ja. Joseph Campbells Originalzitat war geringfügig anders. Ich glaube die Idee ist ähnlich, Joseph Campbell sagte nämlich &#8222;Wenn du auf den richtigen Weg bist, werden dir unsichtbare Hände zu Hilfe kommen”.</p>

<p>Und das ist natürlich 1A Survival Bias. Wir interessieren uns nicht für die Leute, die es nicht schaffen, wir konzentrieren uns auf die, die es schaffen. Und natürlich hat ein Joseph Campbell immer das Gefühl gehabt, auf dem richtigen Weg zu sein und für ihn haben sich durch unsichtbare Hilfe Türen geöffnet.</p>

<p>Und das bezieht sich auf alle Aspekte im Leben. Für jeden weltbekannten Musiker gibt es tausende und abertausende, die vielleicht sogar bessere Musiker wären aber nicht bekannt geworden sind, denen des Leben irgendwelche Steine in den Weg gelegt hat.</p>

<p>Dieser Spruch stimmt vielleicht einfach gar nicht. Vielleicht stimmt dieser Spruch nur für die, die es durch irgendwelche absurden Zufälle nach oben geschafft haben und dann in Rückschau das Gefühl haben, alles lief wie am Schnürchen.</p>

<p>Mark hat nicht sehr viel online über sich. Ich habe nach der Dokumentation mal geguckt, was ich noch alles finden kann, ich habe ein paar Interviews gefunden, die jetzt allerdings im jüngsten Fall schon mehr als drei Jahre alt sind, aber zumindest damals schien Mark von dem Dach runter zu sein. Der Film hat seiner Geschichte natürlich eine gewisse Aufmerksamkeit gegeben und ich glaube, dass das wahrscheinlich endlich auch mal eine dieser unsichtbaren Hände waren, die ihm geholfen haben.</p>

<p>Und mich lässt das ganze eben mit einer Frage zurück: sind solche Geschichten amerikanische Geschichten oder gibt es das bei uns vielleicht auch? Kann man eventuell auf der Straße Menschen begegnen, die ganz normal und vielleicht sogar fröhlich aussehen, deren Leben aber unter freiem Himmel stattfindet, weil sie sich kein Dach über dem Kopf leisten können? Und dann noch diese andere Frage: warum glauben wir eigentlich, es müsste alles immer irgendwie auch zu Geld machbar sein?</p>]]></content:encoded>
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            <title>Flashlight Lawrence</title>
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            <pubDate>Tue, 18 Aug 2020 16:33:29 GMT</pubDate>
            <description>Schon mal per Blitzfoto ein Haus gesprengt?</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Was bedeutet es wenn man versucht sich auf das „Fotografisch Unmögliche“ zu spezialisieren? 1900 hieß das Luftaufnahmen, riesige Panoramen und künstliche Fotobeleuchtung. George Lawrence war zu Lebzeiten berühmt weil er durch scheinbare Unmöglichkeiten nicht aufzuhalten war. Heute kennt ihn kaum noch jemand. Weitere Informationen George R. Lawrence (Wikipedia) Sammlung der Bilder von Lawrence in der US Library of Congress „Photography Genius: George R. Lawrence &amp; „The Hitherto Impossible“ San Francisco in ruins (Wikimedia Commons) Der Mann mit der Riesenkamera (Spiegel) Picture credit: By George Raymond Lawrence – Historic photo via http://www.fotoart.gr/istoria/onephotoonestory/giantcamera.htm , Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7654197 Transkript Manchmal begegnen mir Geschichten von Menschen, da wünschte ich, ich hätte eine Zeitmaschine, nicht um sie besuchen zu können, sondern um sie in die heutige Zeit holen zu können. Und sei es nur, um ihnen kurz zu zeigen, was aus ihren Ideen geworden ist. George Lawrence ist so ein Mensch. Die zwei Absätze, die die Wikipedia über George zu berichten hat, werden ihm noch nicht mal im Ansatz gerecht. Da ist so viel weggelassen, ich könnte mehrere Folgen daraus machen. Und hätte ich ihn erfolgreich ins Jahr 2020 gebracht, ich würde ihm die Panoramafunktion in modernen Smartphones, kleine portable Blitzgeräte und Drohnen mit montierten Kameras zeigen. Ich weiß, das würde ihm gefallen, denn genau das waren die Themen, mit denen er rund um 1900 weltweit berühmt geworden war. Angenommen, wir gehen durch die Straßen einer durchschnittlichen Stadt. Köln, Berlin, München, und kommen an einem Fotogeschäft vorbei, und in diesem Geschäft hängt ein Plakat, auf dem steht, das fotografisch Unmögliche ist unsere Spezialität. Was würde ich mir darunter vorstellen? Es gibt doch bestimmt auch heute noch Dinge, die sind fotografisch unmöglich, oder? Im 20. Jahrhundert, als George R Lawrence genau diesen claim in die Auslage seines Geschäfts hing, da gabs auf jeden Fall einige Dinge, die waren fotografisch unmöglich. Fotografie war zu den Zeiten eine Industrie und trotzdem gab es deutlich spürbare Grenzen. Dinge die eben unmöglich waren. Und wenn etwas unmöglich ist, dann war es für George eine Herausforderung, nicht unbedingt eine harte Grenze. Das hat er schon als sehr junger Mann unter Beweis gestellt, als er als Teenager zum Beispiel einen Telegraphensystem entwarf oder für seine Eltern eine automatische Waschmaschine konstruierte. Zum Fotografieren hatte er dann später, während er mit seiner ersten Frau in Chicago versuchte, in einer Wagenfabrik erfolgreich zu sein, eher zufällig gefunden. Er hatte Portraits von Fotografien abgezeichnet, und das so erfolgreich getan, dass er mit einem Fotografen zusammen ein Portraitstudio eröffnet hatte. Der stieg irgendwann aus und George wollte zu neuen Ufern aufbrechen. Das fotografisch Unmögliche eben machen. Und fotografisch vielleicht nicht unmöglich, aber doch sehr real mit Grenzen versehen war zu der Zeit die Arbeit mit künstlichem Licht. Wir reden immer noch von einer Zeit, in der die Belichtungszeiten für Kameras noch relativ lang waren, und je heller man es haben könnte, desto besser. Wer also in geschlossenen Räumen zum Beispiel eine Veranstaltung fotografieren wollte, hatte ein Problem. Man experimentierte auch schon seit knapp 15 Jahren mit verschiedenen explosiven Stoffen, um ein Blitzlicht zu erzeugen. Das kennt man auch aus diversen Filmen, da steht dann ein Fotograf mit deiner Platte, auf der Magnesium abgebrannt wird. Das sah in der Tat so aus, das Problem nur: Magnesium explodiert und produziert dabei eine unglaubliche Menge Rauch. In geschlossenen Räumen eine Blitzleiste zündete, hatte hinterher den gesamten Raum eingenebelt. Und deswegen war die Benutzung von solchen Blitzpulvern in geschlossenen Räumen auch feuerpolizeilich verboten. J</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Was bedeutet es wenn man versucht sich auf das &#8222;Fotografisch Unmögliche&#8220; zu spezialisieren? 1900 hieß das Luftaufnahmen, riesige Panoramen und künstliche Fotobeleuchtung. </p>

<p>George Lawrence war zu Lebzeiten berühmt weil er durch scheinbare Unmöglichkeiten nicht aufzuhalten war. Heute kennt ihn kaum noch jemand.</p>

<p>Weitere Informationen</p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/George_R._Lawrence" target="_blank">George R. Lawrence</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.loc.gov/collections/panoramic-photographs/?q=George+R.+Lawrence" target="_blank">Sammlung der Bilder von Lawrence in der US Library of Congress</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20240413025045/https://www.jstor.org/stable/40193519" target="_blank">&#8222;Photography Genius: George R. Lawrence &amp; &#8222;The Hitherto Impossible&#8220;</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/George_R._Lawrence#/media/Datei:San_Francisco_in_ruin_edit2.jpg" target="_blank">San Francisco in ruins</a> (Wikimedia Commons)</li><li><a href="https://www.spiegel.de/geschichte/george-r-lawrence-fotograf-mit-riesenkamera-a-951044.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Mann mit der Riesenkamera</a> (Spiegel)</li></ul>

<p style="font-size:10px">Picture credit: By George Raymond Lawrence &#8211; Historic photo via <a rel="noreferrer noopener" href="http://www.fotoart.gr/istoria/onephotoonestory/giantcamera.htm" target="_blank">http://www.fotoart.gr/istoria/onephotoonestory/giantcamera.htm</a>, Public Domain, <a rel="noreferrer noopener" href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7654197" target="_blank">https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7654197</a></p>

<p class="has-large-font-size"><strong>Transkript</strong></p>

<p>Manchmal begegnen mir Geschichten von Menschen, da wünschte ich, ich hätte eine Zeitmaschine, nicht um sie besuchen zu können, sondern um sie in die heutige Zeit holen zu können. Und sei es nur, um ihnen kurz zu zeigen, was aus ihren Ideen geworden ist. George Lawrence ist so ein Mensch. Die zwei Absätze, die die Wikipedia über George zu berichten hat, werden ihm noch nicht mal im Ansatz gerecht. Da ist so viel weggelassen, ich könnte mehrere Folgen daraus machen. Und hätte ich ihn erfolgreich ins Jahr 2020 gebracht, ich würde ihm die Panoramafunktion in modernen Smartphones, kleine portable Blitzgeräte und Drohnen mit montierten Kameras zeigen. Ich weiß, das würde ihm gefallen, denn genau das waren die Themen, mit denen er rund um 1900 weltweit berühmt geworden war.</p>

<p>Angenommen, wir gehen durch die Straßen einer durchschnittlichen Stadt. Köln, Berlin, München, und kommen an einem Fotogeschäft vorbei, und in diesem Geschäft hängt ein Plakat, auf dem steht, das fotografisch Unmögliche ist unsere Spezialität. Was würde ich mir darunter vorstellen? Es gibt doch bestimmt auch heute noch Dinge, die sind fotografisch unmöglich, oder? Im 20. Jahrhundert, als George R Lawrence genau diesen claim in die Auslage seines Geschäfts hing, da gabs auf jeden Fall einige Dinge, die waren fotografisch unmöglich. Fotografie war zu den Zeiten eine Industrie und trotzdem gab es deutlich spürbare Grenzen. Dinge die eben unmöglich waren. Und wenn etwas unmöglich ist, dann war es für George eine Herausforderung, nicht unbedingt eine harte Grenze.<br>Das hat er schon als sehr junger Mann unter Beweis gestellt, als er als Teenager zum Beispiel einen Telegraphensystem entwarf oder für seine Eltern eine automatische Waschmaschine konstruierte. Zum Fotografieren hatte er dann später, während er mit seiner ersten Frau in Chicago versuchte, in einer Wagenfabrik erfolgreich zu sein, eher zufällig gefunden. Er hatte Portraits von Fotografien abgezeichnet, und das so erfolgreich getan, dass er mit einem Fotografen zusammen ein Portraitstudio eröffnet hatte. Der stieg irgendwann aus und George wollte zu neuen Ufern aufbrechen. Das fotografisch Unmögliche eben machen.</p>

<p>Und fotografisch vielleicht nicht unmöglich, aber doch sehr real mit Grenzen versehen war zu der Zeit die Arbeit mit künstlichem Licht. Wir reden immer noch von einer Zeit, in der die Belichtungszeiten für Kameras noch relativ lang waren, und je heller man es haben könnte, desto besser. Wer also in geschlossenen Räumen zum Beispiel eine Veranstaltung fotografieren wollte, hatte ein Problem.<br>Man experimentierte auch schon seit knapp 15 Jahren mit verschiedenen explosiven Stoffen, um ein Blitzlicht zu erzeugen. Das kennt man auch aus diversen Filmen, da steht dann ein Fotograf mit deiner Platte, auf der Magnesium abgebrannt wird. Das sah in der Tat so aus, das Problem nur: Magnesium explodiert und produziert dabei eine unglaubliche Menge Rauch. In geschlossenen Räumen eine Blitzleiste zündete, hatte hinterher den gesamten Raum eingenebelt. Und deswegen war die Benutzung von solchen Blitzpulvern in geschlossenen Räumen auch feuerpolizeilich verboten.</p>

<p>Ja, das fotografisch unmögliche: Blitzlichtfotografie. George Lawrence experimentierte also. Nicht nur mit verschiedenen Pulvern, sondern auch mit verschiedenen Konstruktionen. Er konstruierte Blitztürme, Blitzplatten, verschiedene Pulver, sengte sich Schnurrbart und Augenbrauen ab und schaffte es mit einem Blitzlicht ein Gebäude zu sprengen. Wer kann es heute schon noch von sich behaupten, Iphonefotografie mit Blitz, Pah.<br>Und auch wenn man sich über den Weg lustig machen konnte, zum Schluss hatte George Lawrence den Vorläufer moderner Blitzgeräte in der Hand. Eine Schirmkonstruktion, die direkt nach Zünden des Pulvers den Rauch einfing und damit verhinderte, dass der gesamte Raum vernebelt wurde, Pulver, das einigermaßen sicher zu handhaben war, Gerätschaften, die man fernzünden konnte, all diese Entwicklungen machten ihn zum de facto Experten für künstliche Beleuchtung und schaffte es durch Demonstration seiner technischen Möglichkeiten, dass die feuerpolizeilich geltenden Beschränkungen für ihn in verschiedensten Städten der USA aufgehoben wurden und dadurch wurde er natürlich auch zum de facto Fotograf großer politischer oder gesellschaftlicher Ereignisse, die für die Presse oder auch zur Erinnerung fotografiert werden sollten.<br>Die Auftragsbücher füllten sich und Flashlight Lawrence, wie er damals manchmal genannt wurde, hatte bewiesen, dass er das fotografisch unmögliche möglich machen konnte. Und ab hier war das unmögliche dann häufig die Größe der Szenerie. Mehr und mehr Aufträge für größere und größere Veranstaltungen kamen rein, und so beschäftigte sich George mit Panoramafotografie.</p>

<p>Panoramas sind ja eigentlich Serienbilder. Man dreht die Kamera und macht mehrere nebeneinander liegende oder überlappende Aufnahmen und kombiniert die hinterher. Wenn man heute einfach nur sein Handy in die Höhe hält und irgendwie dreht und hinterher vertraut, dass moderne Computertechnik entsprechend die Einzelbilder zu einem großen Gesamtwerk kombinieren kann, war das damals zu Goerges Zeiten etwas aufwändiger.<br>Die Einzelbilder mussten zueinander passen, und zwar schon zum Zeitpunkt der Aufnahme. Und deswegen waren Panoramen, speziell mit Menschen darin, sehr, sehr, aufwändig. Es durfte sich ja niemand bewegen, sonst würden die Einzelbilder ja unangenehm auffallen.<br>George nun konstruierte Kameras, die mehrere Einzelbilder gleichzeitig aufnehmen konnten, und damit hatte er schon die nächste Mauer durchbrochen: er machte das Unmögliche möglich. Er konnte Panoramen, auch Indoorpanoramen mit Blitzlicht in einem Schuss aufnehmen.<br>The US Library of Congress lässt sich ein Archiv von Aufnahmen aus der damaligen Zeit abrufen und die Bilder sind schon toll. Das muss man einfach Mal neidlos anerkennen.</p>

<p>George war also international anerkannter Experte für künstliche Beleuchtung und für Panoramen. Oder, wie es der fotografische Laie vielleicht nennen würde: Wirklich große Aufnahmen. Und genau dieser Ruf landete ihm dann den Auftrag, für den er bis Heute bekannt ist. Es war nämlich so, dass die Betreiber der chicago and alton railroad einen neuen Zug gekauft hatten, und den sozusagen als den Höhepunkt des bis dahin möglichen Zugdesigns ansahen. Die Waggons waren symmetrisch, die Lok hatte die selbe Höhe und grundsätzliche Form wie die Waggons, der Zug war elegant und präzise, ein wirklicher Meilenstein damaligem Zugindustriedesigns.<br>Und das sollte entsprechend auch dokumentiert werden. Eine einzige Aufnahme sollte es werden, eine Aufnahme, auf die dieser gesamte Zug in seiner gesamten Länge passen sollte. Und das war natürlich auch in Zeiten von Panoramafotografie eine nahezu unmögliche Aufgabe, denn bei Panoramen kann man doch noch irgendwie sehen, dass das Einzelbilder sind. Und wenn die auch nur ein bisschen zeitlich versetzt sind. Naja, dann ist vielleicht doch die Bewegung schon zu viel dem Bild.<br>Eine Aufnahme sollte es also werden. Es musste eine Kamera her, die in der Lage war, einen gesamten Zug in einem Take zu fotografieren. Ja. Challenge accepted würde George heute wahrscheinlich sagen. Er nahm den Auftrag an.<br>Acht Monate dauerte die Arbeit an einer eigens zu diesem Zweck konstruierten Kamera. Die Kamera war über 600 Kilogramm schwer, ein massives Biest mit eigens dafür geschliffenen Objektivlinsen, größere Linsen als man bis dahin je in einer Kamera verbaut hatte.<br>Die fotografischen Platten, also die “Filme”, wenn man so möchte, waren eigens für diese Kamera konstruiert und angefertigt worden, und die mussten damals an Ort und Stelle vorbereitet und nach erfolgter Belichtung auch fixiert werden, das heißt, die Kamera allein, mit der war es nicht getan. George musste sozusagen mit seinem kompletten Studio reisen und entsprechendem Personal.<br>Ein ganzes Team war damit beschäftigt, diese Fotos zu machen. Zweieinhalb Minuten dauerte damals dann jede Belichtung. Der Zug parkte 6 Meilen außerhalb von Chicago, das Wetter war schön, der Himmel war klar, allerdings blies der Wind, aber es ist dann doch alles glatt gegangen.</p>

<p>Zu der Zeit war auch gerade Weltausstellung in Paris, 1900 eben, und diese riesengroßen Bilder waren technische Meisterwerke. Wunderwerke geradezu und deswegen wurden drei Drucke dieses Fotos zu Ausstellung geschickt. Und zunächst mal gab es dann Wirbel, dann die Organisatoren glaubten nicht, dass dieses Bild in einem Rutsch aufgenommen worden war. Sie glaubten, dass es ein clever nachretuschiertes Panorama herkömmlicher Machart gewesen wäre, und sie schickten eine Delegation, um die Kamera in Augenschein zu nehmen, bevor die das Bild tatsächlich für die Ausstellung zuließen.</p>

<p>Wenn man weltbekannt für die größte Kamera der Welt, der anerkannte Experte für Blitzlichtfotografie oder überhaupt künstliche Beleuchtung und weltberühmt für seine riesigen Panoramen ist, was kann man dann wohl noch als nächstes angehen, um die Grenzen der Fotografie zu durchbrechen? Klar! Es ist 1901. Warum machen wir das Ganze nicht einfach aus der Luft?<br>Wir sind in der Zeit, in der die Gebrüder Wright gerade damit angefangen haben, Flugzeuge zu bauen. Sie konstruierten ihren ersten Doppeldecker 1899. Luftaufnahmen gab es kaum und wenn, waren die mit Heißluftballons aufgenommen und waren garantiert keine Panoramen und waren auch, naja, beeindruckend für die damalige Zeit schon, aber nicht für heutige Betrachter.<br>George änderte das. In seinem ersten Experimenten, freilich, flog er noch nicht. Er baute Teleskoptürme. Von denen kann man zwar eine tolle Perspektive einfangen, aber die damalige Zeit war so luftverschmutzt, dass man auch auf einem 60 Meter hohen Turm nicht wirklich die Art Bild machen konnte, die George vorschwebte.<br>Es war also relativ schnell klar: er muss wirklich in die Luft. Und nur, um es nochmal in Erinnerung zu rufen: die Kameras zu dieser Zeit waren keine kleinen, handlichen Knipsen, sondern relativ großes Gerät. 20 Kilogramm waren durchaus möglich.</p>

<p>George konstruierte also einen Luftballon, um damit aufzusteigen. Er füllte ihn mit Gas und am 20. Juni 1901 unternahm er den ersten Versuch, über Chicago das Gelände einer Fabrik zu fotografieren. Den Ballon hatte er statt mit einem Korb mit einer Holzplatte versehen, damit er dort stabil stehen konnte, der Plan war, 1000 Fuß, so ungefähr 330 Meter, aufzusteigen und von dort aus zu fotografieren.<br>Über eine Stunde war George 300 Meter in der Luft, allerdings war es windig und so trieb der Ballon nach und nach ab. George beschloss also, sicherheitshalber zu landen und schaffte das auch fast. Auf halber Strecke löste sich dann das Ankerseil, er trieb richtung Lake Michigan, die Plattform löste sich und stürzte samt Fotograf, Platten und Kameraequipment rund 70 Meter ab, bevor ein Telegraf mitsamt Leitungen den Sturz bremste.<br>George blieb unverletzt, aber alle seine Aufnahmen waren ruiniert, die Kamera war auch nicht mehr wirklich gut zu gebrauchen.</p>

<p>Jeder Andere hätte da an der Stelle die Idee mit der <a "/tags/luftfotografie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="22" title="Luftfotografie">Luftfotografie</a> vielleicht aufgegeben. Nicht so George. Das erste, was er machte, als er wieder zurück am Arbeitsplatz war, war, einen neuen Ballon zu bestellen.<br>Ballons allerdings blieben auch weiterhin nicht Georges Freunde, bei einem weiteren Auftrag, wo er versuchte, Minnesota aus der Luft zu fotografieren, stürzte er wieder fast ab, als er in eine Windhose geriet, und das überzeugte ihn davon, dass Ballons vielleicht nicht das Mittel der Wahl sind.<br>Drachen. Drachen sind eigentlich viel, viel besser, dachte er sich. Es hatte schon Experimente von einem anderen Fotografen gegeben, Kameras mit einem Drachen in die Luft zu hieven, aber noch niemand hatte versucht, Panoramen mit Drachen aus der Luft aufzunehmen. Wie gesagt, mehr als 20 Kilo pro Kamera. George konstruierte also einen Fernauslösemechanismus, um eine an einer Drachenaufhängung hängende Kamera vom Boden aus auslösen zu können und er konstruierte sozusagen eine Art Seriendrachen, an den mehrere Kameras hängen können, sodass Panoramaaufnahmen aus der Luft möglich wurden.<br>Bis zu 17 Kameras konnte er in der Luft halten, meistens waren es eher so um die 10. Das muss man sich mal überlegen. 17 Kameras. Mehr als 20 Kilo pro Kamera. Wie viel Gewicht der in die Luft gehievt hat, um Aufnahmen zu machen. Und heute beschweren sich Leute, wenn Drohnen mehr als 500 Gramm auf die Waage bringen.</p>

<p>Die Geschichte über Luftaufnahmen über Drachen war so erfolgreich, dass der damalige US Präsident Roosevelt in Auftrag gab, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob solche Luftaufnahmen nicht auch für das Militär interessant wären. Es gab dann auch mal eine Übung, bei der George das Kommando über eine ganze Flotte der Navy hatte, mit dem Auftrag, Luftaufnahmen für militärische Zwecke zu erproben. Ja. Kann man mal machen.<br>Die berühmteste Luftaufnahme machte George allerdings kurz nach dem berühmten, großen Erdbeben, das San Francisco dem Erdboden gleich machte. Er hatte von dem Erdbeben über die Zeitungen erfahren und sich sofort mit seinem Team und seinem Material auf den Weg gebracht. Die Stadt war förmlich überrannt von Fotografen, aber die hatten alle das Problem, dass ihre Aufnahmen im Wesentlichen auf Höhe der Straße, von einem der wenigen Gebäude aus oder gegenüberliegend einer der Hügel auf der anderen Seite der Bay gemacht werden mussten. George hingegen mietete sich ein Boot und ließ seine Drachen aufsteigen und machte ein Panorama, das einen Großteil San Franciscos einfing und auch heute einfach mal sprachlos macht. Da stand praktisch nichts mehr. Dieses Bild machte ihn wieder mal weltberühmt.<br>Auch hier gab es übrigens wieder Leute, die behaupteten, sein Bild müsste fake sein. Die Detailtiefe seiner Aufnahmen, die Breite seiner Panoramen und vor allem die Position aus der er Aufnahm war damals eben wirklich unmöglich. Undenkbar. Aber George lud seine Kritiker einfach immer ein und erklärte ihnen die Konstruktion seiner selbst gefertigten Kameras, zeigte ihnen, wie er sie starten ließ und jedes Mal mussten die Leute zugestehen, dass er wirklich das unmögliche möglich gemacht hatte.<br>Und mit all diesen Erfahrungen, was bleibt da noch übrig? Natürlich. Afrika.</p>

<p>[Einspieler]<br>(Es spielt The Lion King &#8211; The Circle of life)</p>

<p>Ahem. Tschuldigung. Es ging aber tatsächlich darum, Tierherden zu fotografieren; Löwen, Elefanten, Zebras, das ganze Programm. Und wo wäre das nicht besser zu machen als aus einem Heißluftballon heraus über den Tieren schwebend, sodass die nicht davonlaufen?<br>Außerdem konstruierte George auch ganz herkömmliche Blitzlichtfallen. Die Idee war also die Kamera auf den Boden stellen, Blitzlicht dazu aufzubauen und sobald ein zum Beispiel Löwe ein eigens drapiertes Beutetier findet und darauf zuläuft, löst das ganze aus und fotografiert ihn.<br>Das Problem nur: Die Tiere liefen dann nicht weg, sondern griffen die Anlagen an. Und so musste George frustriert zusehen, wie dein sündhaft teures Equipment immer wieder von Tieren niedergetrampelt wurde. Das war also nur so semi erfolgreich.<br>Luftaufnahmen hatte er dann aber auch irgendwann gemacht. Und auch hier müssen wir mal kurz innehalten, um uns überlegen, was das bedeutete. Über 12000 Kilo Fotoequipment nach Afrika transportieren, ein Team von über 80 Leuten, monatelang reisen und fotografieren. Das war eine Mammutaufgabe.<br>Und er selbst hätte es wahrscheinlich auch nicht erfolgreich genannt. Er hatte zwar zum Schluss einige sehr originelle Aufnahmen im Kasten, aber im Grunde war das ganze eine Aneinanderreihung von Frustrationen. Jedenfalls blieb seine Afrikaexpedition das letzte große fotografische Abenteuer, das George Lawrence in Angriff nahm.</p>

<p>Als er aus Afrika zurückkam, war er dann wahrscheinlich auch erstmal mit deinem Privatleben beschäftigt, er trennte sich von seiner damaligen Frau und gründete, damals immerhin schon über 50, mit der knapp über 20-jährigen Claire Antoinette seine zweite Familie. Fotografie hinge wer zwar nicht ganz an den Nagel, aber er betrieb es dann nicht mehr als sein Hauptgeschäft. Stattdessen beschäftigte sich George Lawrence für den Rest seiner Karriere mit Flugtechnik.<br>Und George Lawrence macht nunmal keine halben Sachen. Über 100 Patente sprechen da eine klare Sprache. Ein Flugboot, das er mit deinem Partner konstruierte, war wahrscheinlich auch seiner damaligen Zeit ein kleines Bisschen voraus. Oder die Flugzeugklimaanlage, für die er ein Patent anmeldete.</p>

<p>So oder so, bekannt laut Wikipedia ist er einfach nur für eine der vielen Dinge, die George Lawrence in deinem Leben geschaffen hat. Die große Kamera. Und ich finde, das ist ein bisschen dünn.</p>]]></content:encoded>
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            <title>Einmal Selfie und zurück.</title>
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            <pubDate>Sun, 16 Aug 2020 19:27:08 GMT</pubDate>
            <description>Das Selfie ist eine Kulturtechnik unserer Zeit und trotzdem schon mehrere Jahrhunderte alt...</description>
            <itunes:summary>====&gt; 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera Angeblich posten rund 60% aller Nutzerinnen und Nutzer von Instagram regelmäßig Fotos von sich selbst, sogenannte Selfies. Die bildliche Selbstdarstellung wurde natürlich nicht erst durch Social Media populär, tatsächlich haben schon die Maler des Mittelalters und der Renaissance gerne ihr eigenes Antlitz in ihre Arbeiten geschmuggelt und dann war es bald nur noch eine Frage der Zeit bis die ersten gezielten Selbstportraits gemalt wurden. So wage ich in der heutigen Folge eine Reise von A wie Albrecht Dürer bis K wie Kardashian 🙂 Weitere Informationen: Robert Cornelius (Wikipedia) Daguerrotypie (Wikipedia) Joseph Nicéphore Niépce (Wikipedia) Das 2. Selfie kam von Hippolyte Bayard (Wikipedia) Reader’s Digest – 14 mind-blowing facts about selfies Das Ich als Kunstwerk: vom Selbstporträt zum Selfie Camera Obscura (Wikipedia) Daguerrotypes mit über 140,000 Megapixel (!) Australian man ‚invented the selfie‘ (Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach https://fotomenschen.net ) Transkript der Episode: “Picture – or it didn’t happen”. Das ist ein Spruch, der Freunde dazu auffordern soll, einen Schnappschuss zu teilen. Wir leben in durch und durch visuellen Zeiten; Niemand wird bestreiten, dass es noch nie so wichtig war wie dieser Tage, eine Kamera in Griffweite zu haben. Zumindest scheinen wir das so wahrzunehmen. Wir fotografieren alles und jeden, und auch gerne Mal uns selbst. Das sogenannte “Selfie”, ja manch einer ruft sogar eine “Selfie Culture” aus, millionen und abermillionen Selfies werden regelmäßig auf den großen Social Media Kanälen veröffentlicht. [Einspieler] Hi, I’m Kim Kardashian West and I’m gonna give you a little tutorial on how to take the perfect selfie. If you don’t have a mirror in front of you to really figure out your pose and your angle, make sure that your lighting is amazing, because you wanna blow out everything you don’t wanna see and highlight all the good things that you do. Moderne Smartphones haben sogar mehr als eine Kamera, eine extra zu dem Zweck um Selfies aufnehmen zu können. Die “front-facing-Camera”. Das Wort “Selfie” wurde angeblich von einem Australier erfunden, der hat sich bei der Geburtstagsparty eines Freundes die Lichter ausgeschossen und anschließend aufs Gesicht gelegt. Das Internet, freilich, gab’s zu der Zeit schon und so machte er ein Foto, bei dem man die Lippe nicht scharf, dankenswerterweise aber im Hintergrund die Steckdose supergut erkennen kann, und schrieb dazu, dass es ihm leid täte, dass der Fokus falsch sitzt, es wäre ja nur ein Selfie. Und damit war das Wort in der Welt. Damit stellt sich jetzt natürlich die Frage, was ist denn nun ein Selfie? [Einspieler] Hi, ich bins wieder, eure Jayjay, und ganz viele haben mich gefragt ob ich sagen kann was “Selfie” is, und weil ihr das alle nicht wisst sag ich euch das jetzt. Äh ja. Jetzt mal wirklich: [Einspieler] Selfies sind Selbstportraits, die du mit einem Smartphone in deiner eigenen Hand aufnimmst, daher auch der Name “Selfie”, das kommt vom englischen “self portrait ”. Also ein Bild, dass ich selbst von mir anfertige. Und wenn wir es so generisch halten, dann ist natürlich das Selfie schon hunderte von Jahren alt. Schon in Mittelalter hatten Maler damit begonnen, ihre eigenen Gesichter gelegentlich in ihre Gemälde zu schmuggeln, da saß dann unter den Jüngern Jesu plötzlich mit der Maler am Tisch. Ab dem 15. Jahrhundert werden zunehmend auch Gemälde von Malern bekannt und es gibt mehrere, die sind berühmt geworden, dafür, dass sich die jeweiligen Künstler besonders treffend selbst dargestellt haben. Und damit könnte man sagen: Die Renaissance-Maler sind die Urgroßväter moderner Selfies. Daran sollte man auf jeden Fall denken, wenn Man das nächste Mal mit der Frontkamera auf sich selbst abdrückt. Wir können aber auch auf jeden Fall festhalten, dass die Definition “Selbstportrait” vielleicht nicht so ganz tragfähig ist, wenn wir über Selfies r</itunes:summary>
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====> <a href="/buch" target="_blank">30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera</a> <====
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<p>Angeblich posten rund 60% aller Nutzerinnen und Nutzer von Instagram regelmäßig Fotos von sich selbst, sogenannte Selfies. </p>

<p>Die bildliche Selbstdarstellung wurde natürlich nicht erst durch Social Media populär, tatsächlich haben schon die Maler des Mittelalters und der Renaissance gerne ihr eigenes Antlitz in ihre Arbeiten geschmuggelt und dann war es bald nur noch eine Frage der Zeit bis die ersten gezielten Selbstportraits gemalt wurden. </p>

<p>So wage ich in der heutigen Folge eine Reise von A wie Albrecht Dürer bis K wie Kardashian 🙂 </p>

<p>Weitere Informationen: </p>

<ul><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Cornelius" target="_blank">Robert Cornelius</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Daguerreotypie" target="_blank">Daguerrotypie </a>(Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Nic%C3%A9phore_Ni%C3%A9pce" target="_blank">Joseph Nicéphore Niépce</a> (Wikipedia)</li><li>Das 2. Selfie kam von <a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hippolyte_Bayard" target="_blank">Hippolyte Bayard</a> (Wikipedia)</li><li>Reader&#8217;s Digest &#8211; <a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20240807132439/https://www.rd.com/list/selfie-facts/" target="_blank">14 mind-blowing facts about selfies</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.dw.com/de/das-ich-als-kunstwerk-vom-selbstportr%C3%A4t-zum-selfie/a-18812939" target="_blank">Das Ich als Kunstwerk: vom Selbstporträt zum Selfie</a></li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Camera_obscura" target="_blank">Camera Obscura</a> (Wikipedia)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://web.archive.org/web/20210302085636/https://www.rochester.edu/news/photos/daguerreotype.html" target="_blank">Daguerrotypes mit über 140,000 Megapixel</a> (!)</li><li><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/australiaandthepacific/australia/10459115/Australian-man-invented-the-selfie-after-drunken-night-out.html#:~:text=Australia%20has%20proudly%20laid%20claim,at%20a%2021st%20birthday%20party." target="_blank">Australian man &#8218;invented the selfie&#8216;</a></li></ul>

<p>(Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach <a "/">https://fotomenschen.net</a>)</p>

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<p class="has-large-font-size"><br>Transkript der Episode: </p>

<p>“Picture &#8211; or it didn’t happen”. Das ist ein Spruch, der Freunde dazu auffordern soll, einen Schnappschuss zu teilen. Wir leben in durch und durch visuellen Zeiten; Niemand wird bestreiten, dass es noch nie so wichtig war wie dieser Tage, eine Kamera in Griffweite zu haben. Zumindest scheinen wir das so wahrzunehmen. Wir fotografieren alles und jeden, und auch gerne Mal uns selbst. Das sogenannte “Selfie”, ja manch einer ruft sogar eine “Selfie Culture” aus, millionen und abermillionen Selfies werden regelmäßig auf den großen Social Media Kanälen veröffentlicht.</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Hi, I’m Kim Kardashian West and I’m gonna give you a little tutorial on how to take the perfect selfie. If you don’t have a mirror in front of you to really figure out your pose and your angle, make sure that your lighting is amazing, because you wanna blow out everything you don’t wanna see and highlight all the good things that you do.</p>

<p>Moderne Smartphones haben sogar mehr als eine Kamera, eine extra zu dem Zweck um Selfies aufnehmen zu können. Die “front-facing-Camera”.&nbsp;</p>

<p>Das Wort “Selfie” wurde angeblich von einem Australier erfunden, der hat sich bei der Geburtstagsparty eines Freundes die Lichter ausgeschossen und anschließend aufs Gesicht gelegt. Das Internet, freilich, gab’s zu der Zeit schon und so machte er ein Foto, bei dem man die Lippe nicht scharf, dankenswerterweise aber im Hintergrund die Steckdose supergut erkennen kann, und schrieb dazu, dass es ihm leid täte, dass der Fokus falsch sitzt, es wäre ja nur ein Selfie. Und damit war das Wort in der Welt.</p>

<p>Damit stellt sich jetzt natürlich die Frage, was ist denn nun ein Selfie?</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Hi, ich bins wieder, eure Jayjay, und ganz viele haben mich gefragt ob ich sagen kann was “Selfie” is, und weil ihr das alle nicht wisst sag ich euch das jetzt.</p>

<p>Äh ja. Jetzt mal wirklich:</p>

<p>[Einspieler]</p>

<p>Selfies sind Selbstportraits, die du mit einem Smartphone in deiner eigenen Hand aufnimmst, daher auch der Name “Selfie”, das kommt vom englischen “self <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">portrait</a>”.</p>

<p>Also ein Bild, dass ich selbst von mir anfertige. Und wenn wir es so generisch halten, dann ist natürlich das Selfie schon hunderte von Jahren alt. Schon in Mittelalter hatten Maler damit begonnen, ihre eigenen Gesichter gelegentlich in ihre Gemälde zu schmuggeln, da saß dann unter den Jüngern Jesu plötzlich mit der Maler am Tisch. Ab dem 15. Jahrhundert werden zunehmend auch Gemälde von Malern bekannt und es gibt mehrere, die sind berühmt geworden, dafür, dass sich die jeweiligen Künstler besonders treffend selbst dargestellt haben.&nbsp;</p>

<p>Und damit könnte man sagen: Die Renaissance-Maler sind die Urgroßväter moderner Selfies. Daran sollte man auf jeden Fall denken, wenn Man das nächste Mal mit der Frontkamera auf sich selbst abdrückt.&nbsp;</p>

<p>Wir können aber auch auf jeden Fall festhalten, dass die Definition “Selbstportrait” vielleicht nicht so ganz tragfähig ist, wenn wir über Selfies reden, wir reden ja schon über eine ganz bestimmte Art des Selbstportraits, nämlich fotografisch festgehaltene Selbstportraits, die dürfen auch zunehmend immer mehr verfremdet sein, im Zeitalter von Snapchat-Filtern kann man sich da künstliche Hüte aufsetzen, die Augen vergrößern, die Haut verjüngen, was immer uns einfällt, das heißt es muss auch noch nicht mal mehr fotografisch authentisch sein, aber wir reden ja schon von einem fotografischen Prozess. Niemand greift zu Pinsel und Leinwand, um sein Selfie zu malen und dann zu veröffentlichen, wir snappen es.</p>

<p>Und damit sind wir bei der Geschichte der Fotografie angekommen. Eine Geschichte, die eigentlich ziemlich kurz ist. 200 Jahre. Grob. 1820 &#8211; 1840 war die Geburtsstunde der modernen Fotografie.&nbsp;</p>

<p>Dieser große Zeitraum ist mit Absicht gewählt, weil es tatsächlich ein bisschen Definitionsfrage ist, was man denn nun als den Startpunkt der modernen Fotografie ansieht. Manches Prinzip, das auch heute immer noch Kameras verwenden, kannte man schon seit der Antike. Die sogenannte “Camera obscura”, also die “versteckte Kammer”, von der eben auch unsere heutige Kamera ihren Namen hat, war ein Raum oder zumindest eine Holzkiste, in die ausschließlich durch ein kleines Löchlein Licht drang. Und es war eben auch schon wirklich lange bekannt, dass sich durch dieses Loch Bilder projizieren auf die Rückwand besagter Kammer oder Kiste ließen. Allein dieses Bild war vorübergehend. Nur so lange wie genügend Licht und genügend Szenerie existierte, konnte man dieses Bild bewundern und bestaunen. Es gab solche Kameras auch begehbar. Manche wurden als Apparatur verwendet, um Pläne zu zeichnen oder die Perspektive von Gebäuden korrekt abzubilden, es war also ein Werkzeug im Künstlerbedarf.</p>

<p>Man hatte schon erkannt, dass es Chemikalien und Stoffe gab, die lichtempfindlich waren, und so musste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn man nicht irgendwie einen Weg finden könnte, ein Bild das in der Camera obscura sichtbar wird irgendwie auf einem dieser Stoffe festzuhalten.</p>

<p>In die Geschichte eingehen sollte dann der Franzose Joseph Niépce. 1826 gelang ihm das, was auch heute noch als die erste jemals durchgeführte und auch nach wie vor erhaltene Fotografie gilt. Acht Stunden lang belichtete er in einem Verfahren, dass er Heliographie nannte, eine lichtempfindliche Asphaltschicht, die hinterher mit Lavendelöl entwickelt wurde. Nicht nur wegen der langen Belichtungszeit war dieses Verfahren noch nicht so richtig praxistauglich, auch das Ergebnis muss man schon mit modernen Mitteln fassen, um wirklich zu erkennen, was man auf dem Bild festgehalten hatte. Trotzdem: Ein Anfang war gemacht.</p>

<p>Zu der Zeit stand Joseph Niépce mit einem Maler namens Louis <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> in Kontakt und tauschte sich über die Möglichkeiten, die Entwicklung eventuell kommerziell nutzbar zu machen aus. <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> übernahm die Methoden von Niépce und stellte eigene Forschungen an. Niépce starb 1833 und hat damit nie den späteren Durchbruch von <a "/tags/daguerrotypie.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="6" title="Daguerrotypie">Daguerre</a> miterlebt.&nbsp;</p>

<p>Der entwickelte nämlich ein Verfahren, dass er dann ganz bescheiden “Daguerreotypie” nannte, und mit dem es möglich wurde, in wenigen Minuten hochdetailauflösende Bilder auf Silberplatten zu belichten. 1839 veröffentlichte er dieses Verfahren und die Rechte wurden auf die Initiative eines Physikers von der französischen Regierung erworben. Sie zahlten ab dann eine lebenslange Rente an Daguerre und an den Sohn von Niépce. Allerdings war es natürlich so, dass mit dem Namen Daguerreotypie Daguerre derjenige war, der als Urvater der Fotografie in die Geschichte einging. Und die hob jetzt so richtig ab.</p>

<p>Das Verfahren war für damalige Verhältnisse absolut revolutionär. Die Menschen konnten nicht glauben, was sie auf diesen Plättchen sehen konnten. Es war auch für heutige Verhältnisse hochauflösend, was damals abgeliefert wurde. Ordentliche Linsen vorausgesetzt konnte man Bilder erzeugen in diesem Verfahren, die mehrere hundert Megapixel groß wären, würde man sie heute scannen.</p>

<p>Wenige Jahre später wurden jedes Jahr mehrere millionen Daguerreotypien angefertigt und unter das Volk gebracht. Es begann eine Zeit, in der ein moderner Haushalt ohne Daguerreotypien nicht denkbar war. Die gabs auch in 3D. Es gab Leute, die Daguerreotypien in entsprechend verschobenen Ansichten fotografieren, sodass man die mit einer entsprechenden Vorrichtung dreidimensional betrachten konnte, natürlich, wie sollte es anders sein, auch gerne mal für pornografische Darstellungen benutzt.</p>

<p>Auch das, eine Technologie, die jetzt mit VR Brillen wieder zurück zu uns findet, war halt eben doch alles schon mal irgendwie da.</p>

<p>Die Daguerreotypie wurde jedenfalls ein Massenverfahren, und jetzt, jetzt ist es wieder an der Zeit, dass wir wieder zu unserem Selfie zurückkommen, denn, was es natürlich damit auch gab, war Fotografen, die das Verfahren perfektionierten und berühmt damit wurden.</p>

<p>Und damit sind wir bei einem weiteren Pionier der frühen Fotografie. Robert Cornelius. Er war der Sohn niederländischer Immigranten in die USA. Geboren 1809 in Philadelphia und besuchte eine private Schule. Besonders interessierte ihn damals die Chemie. 1831 begann er dann, für seinen Vater zu arbeiten und beschäftigte sich mit Versilberungen und dem Polieren von Metall und das machte er so gut, dass er kurz darauf von einem anderen Fotografiepionier, Joseph Saxton, beauftragt wurde, eine silberne Platte herzustellen, für eine Daguerreotypie, die die damalige central high school in Philadelphia in Auftrag gegeben hatte.&nbsp;</p>

<p>Und Robert Cornelius war hooked. Die Daguerreotypie bediente alles, wofür er sich begeistern konnte. Metallurgie, Chemie, und so beschloss er, seine Talente dafür einzusetzen, die Daguerreotypie zu perfektionieren und er eröffnete zwei der ersten Fotostudios überhaupt, um damit dann auch Bilder anzufertigen. Und natürlich konnte man super Landschaften und Gebäude fotografieren, aber wie viel schöner wäre es denn, wenn man Menschen fotografieren könnte.</p>

<p>Und so begann er, damit zu experimentieren, die Entwicklungs- und Belichtungszeit zu drücken und Apparaturen zusammenzustellen, mit denen man reproduzierbar Menschen fotografieren konnte. Damals waren die verschiedenen Materialien noch nicht so lichtempfindlich wie heute, das heißt, man brauchte entsprechend viel Beleuchtung, Portraits wurden also auch gerne mal draußen gemacht. Und so war das auch mit dem Bild, das er dann 1839 fotografierte.&nbsp;</p>

<p>Wer schon mal mit einer Großformatkamera hantiert hat, hat vermutlich auch eine ganz gute Vorstellung davon, wie das wohl ausgesehen haben muss. Robert Cornelius hat zunächst&nbsp; in seinem Heimstudio die Silberplatte vorbereitet, in einer Dunkelkammer, die musste nämlich behandelt und lichtempfindlich gemacht werden und dann lichtdicht in einem Magazin verstaut werden. Dann trug er die Camera obscura ins Freie, positionierte einen Stuhl davor und ließ vermutlich jemanden darauf sitzen, um in aller Ruhe die Szene komponieren zu können, also, die Kamera richtig auszurichten. Nun wurde das Magazin, das er vorbereitet hatte, in die Kamera eingelegt, also eingeschoben, und ab jetzt war alles aufnahmebereit. Aufnahmedauer wahrscheinlich c.a. 5-8 Minuten, das heißt Robert Cornelius konnte ganz gemütlich von der Kamera vorne den Deckel abnehmen, zu dem Stuhl gehen, sich hinsetzen, und musste dann für mehrere Minuten bewegungslos ausharren, bevor er wieder aufstand, zurückging und den Deckel wieder vor die Öffnung der Camera obscura anbrachte.</p>

<p>Und da war es nun. Der welterste Selfie. Ein junger Mann mit zerzaustem Haar, der unsicher und vielleicht ein bisschen neugierig in die Kamera blickt. <a "/posts/pflaumen-kaese-papageienpopel.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="57" title="Lächeln">Lächeln</a> hat man auf damaligen Bildern nach Möglichkeit vermieden, denn wer kann schon ein <a "/posts/pflaumen-kaese-papageienpopel.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="57" title="Lächeln">Lächeln</a> mehrere Minuten lang halten, ohne dass es irgendwann wie eine Grimasse aussieht, und so lächelt auch Robert nicht in diesem Bild.</p>

<p>Ich finds ja grad schon so ein bisschen passend, dass das erste Selfie der Geschichte ausgerechnet von einem Amerikaner geschossen sein soll. Ab da gab es dann jedenfalls kein Halten mehr. Portraits waren natürlich eine der Hauptanwendungen der neu perfektionierten Technologie und Robert Cornelius betrieb mehrere Jahre lang mehrere Fotostudios, bevor er sich wieder dem Geschäft seiner Familie, dem Verkaufen und Entwickeln von Gas- und Beleuchtungsmitteln eben, zuwandte. Wahrscheinlich, weil man damit dann doch noch ein bisschen mehr Geld verdienen konnte.</p>

<p>Es gibt übrigens noch einen anderen Selfie-Kandidat, der kurz danach einen, nennens wir mal, “Protestselfie” erstellt hat. Es war nämlich jemand, der von sich auch behauptete, die Technologie perfektioniert zu haben, Daguerreotypien herzustellen, der Franzose Hippolyte Bayard. Der hatte dann seine Verfahren der französischen Akademie der Wissenschaften angeboten und war abgelehnt worden, was er als derart große Schmach ansah, dass er ein Protestselfie aufnahm, ein Selfie, auf dem er sich als Ertrunkenen darstellte, und dieses Selfie dann mit einem Protest-Text versah und einschickte.</p>

<p>Naja, ein bisschen melodramatisch, der Mann, damit schlägt sich auch der Bogen zu den modernen Selfies. Die gehen ja auch von völlig banal bis zu überdramatisiert. Von alltäglich zu künstlerisch. Die alltäglichen Selfies, die wir alle machen, vielleicht manchmal noch in Kombination mit den Selfies, die Celebrities machen, von denen mehrere absoluten Kult- und Berühmtheitsstatus erreicht haben. Kim Kardashian hat so viele Selfies von sich angefertigt, dass sie irgendwann sogar ein Buch anfertigte, statt einer Biografie nur mit ihren Selfies ausgekleidet, und damit die Bestsellerliste der New York Times eroberte.</p>

<p>Aber es gibt natürlich auch ernsthafte Selfie-Kandidaten. Andy Warhol hat eine ganze Menge Selfies gemacht. Der Künstler IYY hat Selfies von sich veröffentlicht. Und die <a "/tags/fotografin.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="8" title="Fotografin">Fotografin</a> Cindy Sherman erkundet mithilfe des Selfies nicht nur alternative Identitäten, sondern auch ihr persönlichstes Innerstes. Überhaupt gibt es Künstler, die behaupten, das Selfie wäre sozusagen die hohe Kunst der <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portraitfotografie</a>, denn anders als bei der herkömmlichen <a "/tags/portrait.html" data-internallinksmanager029f6b8e52c="45" title="Portrait">Portraitfotografie</a> hat der Fotograf beim Selfie ja wirklich intimes Wissen, intimstes Wissen über das Model.</p>

<p>Und trotzdem sind Selfies nicht jedermanns Sache. Es gibt zwar eine riesige Zahl Menschen, die sich gerne selbst fotografieren, aber längst nicht jeder mag den Selfie-Trend. Und auch wenn es uns nicht so vorkommen mag, nicht jedes Bild da draußen ist ein Selfie. Insgesamt sind tatsächlich nur 4 % der auf Instagram veröffentlichten Bilder Selfies. Der Rest teilt sich dann auf Gebäude, Urlaubsszenen, irgendwelche Gruppenfotos, Essen und was sonst noch an sujet existiert auf, jedenfalls sind wir dann doch nicht so egozentrisch, wie man meinen möchte, wenn man Kim Kardashian und co. als Maßstab annimmt.</p>

<p>Und wenig überraschend ist es dann auch noch so, dass es Unterschiede zwischen den Generationen und den Kulturen gibt. Eine interessante Statistik, die ich gefunden habe, stammt von der Zeitschrift “Time”, die 2014 den Hashtag #Selfie auf Instagram analysierte, und eine Rangliste erarbeitete, in welchen Städten denn die meisten Selfies geschossen würden. Kenngröße war Selfies pro 100.000 Einwohner. Was ich ganz interessant fand war, dass Makati City und New York die zwei Städte mit den meisten Selfies waren, aber in den Top 100 keine einzige deutsche Stadt vorkam. Und schon die Italiener und Franzosen musste man in der Liste echt suchen.</p>

<p>Egal wie, wir stehen auf den Schultern von Giganten. Das nächste Mal, wenn wir unser Handy hochreißen, um ein Selfie von uns zu fotografieren, einfach kurz innehalten und daran denken, dass wir in einer Linie zu Albrecht Dürer stehen. Oder zu Kim Kardashian. Je nachdem, wie man die Sache nun auslegen möchte.</p>

<p style="font-size:10px">Bild: By Robert Cornelius &#8211; This image is available from the United States Library of Congress&#8217;s Prints and Photographs divisionunder the digital ID cph.3f04912.This tag does not indicate the copyright status of the attached work. A normal copyright tag is still required. See Commons:Licensing for more information., Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6350177</p>]]></content:encoded>
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