Playboy – Fotomenschen https://fotomenschen.kopfstim.me Geschichten über das Sehen. Tue, 14 Dec 2021 12:39:13 +0000 de hourly 1 https://fotomenschen.kopfstim.me/wp-content/uploads/sites/8/2020/08/cropped-favicon-fotomenschen-32x32.jpg Playboy – Fotomenschen https://fotomenschen.kopfstim.me 32 32 Das erste Playmate https://fotomenschen.kopfstim.me/das-erste-playmate/ Sat, 29 May 2021 19:17:21 +0000 ====> 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera <====

Der Playboy startete Karrieren, revolutionierte den Magazinmarkt und produzierte das fotografisches Pinup-Genre „girl next door“ das bis heute Männerfantasien beflügelt. Heute schauen wir uns an wie alles begann.

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Transkript

Im Oktober 2015 war es einen Artikel im Magazin Time wert, als Playboy nach 62 Jahren bekanntgab, in Zukunft keine Nacktbilder mehr veröffentlichen zu wollen. Ich nehme an, das war einfach nur eine Fortsetzung des Trends, dass mehr und mehr Männer den Playboy sowieso nur wegen der Artikel gelesen haben. 

Was ich gerade so ironisch vor mich hingesagt habe, ist tatsächlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Der Playboy war zwar schon immer ein relativ schlüpfriges Magazin, das aber auch schon immer recht lange Artikelstrecken hatte. Er war mehr Text als Bild. Man höre und staune. Natürlich staunen wir alle deswegen, weil wir beim Playboy an den Center Fold denken. Der Center Fold ist die Doppelseite, die entsteht, wenn man ein Magazin in der Mitte aufschlägt. Der Playboy war dafür berühmt, dass im Center Fold eine Nacktaufnahme des Playmates des Monats sichtbar war. 

Diese Aufnahmen hatten erotisch, aber nicht anzüglich zu sein. Man sollte also die nackte Frau erkennen können. Das Bild sollte aber nicht den Eindruck erwecken, sie wäre gerade im Begriff Sex zu haben oder hätte gerade Sex gehabt. Der Gründer und Verleger des Playboys Hugh Hefner hatte das Girl next door genannt und bestand darauf, dass die Fantasie aufrechterhalten sein musste, dass man solche Frauen nebenan beim Putzen oder so antreffen konnte. Wer putzt denn nicht nackt? Hugh Hefner bediente damit auf jeden Fall eine Männerfantasie, die reif war, von einem Magazin aufgegriffen zu werden. Pin up Kalender gab es schon eine ganze Weile. 

Es gab im prüden Amerika aber auch Gesetze, die beispielsweise verhinderten, dass Nacktfotos über den Postweg verteilt werden konnten. So konnte man pin up Kalender oder Bilder nicht bestellen, sondern musste sie in eigens dafür ausgelegten Läden und Geschäften mehr oder weniger unter der Hand kaufen. Hugh Hefner hatte also nicht das Pin up Girl erfunden. Poster attraktiver Frauen aufzuhängen war schon lange üblich. Hugh Hefner war aber der erste, der zeigte, dass man damit davonkommen konnte, ein Nacktbild in ein Magazin zu packen und das auf dem Postweg an Abonnenten zu verschicken. 

Seine Geschichte ist außerdem der klassische Amerikanische Traum. Hugh Hefner kommt aus einem durchschnittlichen Haushalt. Als Sohn eines Wirtschaftsprüfers in Illinois geboren ist er erst Kompanie Schreiber bei der US Army, studiert dann Psychologie, wird Werbetexter. Im Jahr 1953 ist er im Alter von 27 Jahren Vertriebsleiter einer Kinderzeitschrift. Es juckt ihn aber. Er will nicht abhängig, sondern sein eigener Herr und sein eigenes Unternehmen sein. Er träumt schon länger von einer eigenen Zeitschrift, in der er selbst den Inhalt bestimmt. 

Er hat Ideen, aber kein Geld. Er wendet sich an seine Familie. Sein Vater sieht aber keinen Sinn darin, eine weitere Zeitschrift zu unterstützen. Seine Mutter leiht ihm 100 Dollar, weil sie an ihren Sohn und nicht die Idee glaubt, wie er später erzählen wird. 100 Dollar entspricht ungefähr 1100 Dollar nach heutigen Maßstäben. Hugh braucht mehr Geld, um eine Zeitung zu produzieren. Er nimmt also einen Kredit auf und verkauft Teile seiner Einrichtung, um an insgesamt knapp 1000 Dollar zu kommen. Seine damalige Frau und Kinder müssen begeistert gewesen sein. 

Es gab schließlich eine gar nicht so kleine Chance, dass das ganze als Flop enden würde. Es ist eine weitere Zeitschrift, die an den Start geht und gleich danach Mangels Abonnenten und Finanzmittel auf der Strecke bleibt. Hugh Hefner kommt der Zufall zu Hilfe, für den wir jetzt kurz nach Hollywood springen. Schon in den 50ern war Hollywood der Ort, an dem der Glamour wohnte. Es gab eine wachsende Filmbranche, die eine ebenso große und schnell wachsende Schar von Stars unterhielt. Viele hofften auf den großen Durchbruch und hielten sich bis dahin mit einer Mischung aus Service Jobs, Fotomodel Aufträgen und Kompassen Rollen über Wasser und hofften darauf, entdeckt zu werden und ihren großen Durchbruch zu haben. 

Gerade, als Hugh Hefner sein Magazin an den Start bringen möchte, ist eines dieser Hollywood Sternchens in einen Sex Skandal verwickelt. Sie war eine Nachwuchsschauspielerin. Eine Darstellerin, der man eine möglicherweise größere Zukunft vorhersagte, die bisher aber immer nur kleine Nebenrollen gespielt hatte. Sie hatte 1950 als am Ende des Geldes noch viel Monat übrig war, in ihrer Verzweiflung das Angebot angenommen, Nacktfotos für einen Pin up Kalender zu machen. 

Der Fotograf Tom Kelly versprach in die Hand, sie würde auf den Bildern nicht erkennbar sein und er würde ihren Namen nicht verraten. Er gab ihr 50 Dollar für eine Handvoll Nacktaufnahmen, was für damalige Verhältnisse kein schlechtes Einkommen und auf jeden Fall genug war, um einen weiteren Monat die Miete aufbringen zu können. Das Model Release unterschrieb die junge Schauspielerin mit Mona Monroe. Ihr eigentlicher Name war Norma Jeane. In den darauffolgenden Jahren sollte sie unter dem Namen Marylin Monroe weltberühmt werden. Der Skandal war folgender. Der Fotograf Tom Kelly hatte die Bilder für eine Weile rumliegen lassen und sie dann für 500 Dollar an einen Verlag verkauft, der 1952 beschloss, ein Bild daraus in einen Kalender zu packen. 

Die Hoffnung von Marylin, darauf nicht erkennbar zu sein, wurde nicht erfüllt. Ihre Karriere als Schauspielerin war eigentlich gerade am durchstarten. Sie hatte ihre ersten Hauptrollen gelandet. Die jetzt plötzlich auftauchenden Nacktbilder konnten tatsächlich ihre Karriere beenden. Als Reporter anfingen, nachzufragen, drängte man sie bei 20 Century Fox dazu, das ganze abzustreiten. Die zuständigen Entscheider überlegten über das komplette Zurückziehen des Vertrags mit Marylin. Seit den 20ern gab es bereits Klauseln in den Verträgen mit Schauspielerinnen und Schauspielern, die für moralische Unbedenklichkeit sorgen sollten. In solchen Fällen konnten sie herangezogen werden, um getroffene Vereinbarungen abzubrechen. 

Es muss für Marylin eine schwierige Zeit gewesen sein. Sie beschließt aber, das ganze mit Schwung durchzuziehen. Auf die Frage, ob sie die Person auf den Bildern sei und ob sie da tatsächlich nichts angehabt hätte, antwortete sie, sie habe das Radio angehabt. Sie schiebt sofort nach, sie sei verzweifelt gewesen und hätte nicht gewusst, wie sie die Miete hätte bezahlen sollen. Es sei der einzige Weg gewesen, den sie aus der Misere gesehen hätte. Damit gewinnt sie nicht nur die lüsternen Blicke amerikanischer Männer, sondern gleichzeitig die Sympathie der Öffentlichkeit. 

Als klar war, dass dieser Sex Skandal nicht in negative Publicity für 20 Century Fox umschlagen würde, wurde der Vertrag beibehalten und sie konnte mit den Dreharbeiten fortfahren. Dieser ganze Skandal baut sich also gerade auf. Hugh Hefner will mit einem schlüpfrigen Magazin an den Start. Er hat 1000 Dollar, die er investieren kann. Aus einem Impuls heraus kontaktiert er den Verleger des Kalenders und kauft für 500 Dollar sämtliche Rechte an den Bildern. Er gestaltet das Magazin komplett um. Titelbild ist Marylin Monroe komplett bekleidet. Center Fold ist Marylin nackt. 

Man findet die Bilder online. Ich war tatsächlich etwas überrascht, wie wenig beeindruckend ich diese ersten Nacktbilder von Marylin finde. Es gibt unglaublich viele aufregende, schöne, ästhetische Aufnahmen von Marylin. Diese ersten Aufnahmen von ihr würde ich nicht dazuzählen. Was weiß ich schon von der erotischen Ästhetik der 1950er Jahre der USA. Sie war Blond, räkelte sich auf rotem Satin, war damals ein leidlich bekanntes Starlet, ein Nachwuchstalent in Hollywood. 

Diese Kombination beschert den beteiligten Verlegern einen granatenmäßigen Erfolg. Der Kalender wird über neun Millionen mal verkauft. Die erste Auflage des Playboy hat über 50 Tausend Leser. Das Heft war für 50 Cent pro Ausgabe zu kaufen und löste für sich genommen nochmal einen Skandal in den USA aus. Hugh Hefner hatte trotzdem alles richtig gemacht. Der Playboy hatte ein Jahr später eine Million Käufer und war nicht mehr wegzudenken. Das ganze kann man natürlich auch für Marlin als eine Art Glücksfall einstufen. dieser Sexskandal war mit der Art und Weise, wie sie damit umging und der glücklichen Wendung, dass es die Öffentlichkeit positiv sah Grund dafür, dass sie ab jetzt gesuchtes Sexsymbol war. 

Dessen war sich Marylin bewusst und spielte damit. Sobald ein Fan, Reporter in ihre Nähe kommt, eine Kamera auf sie gerichtet wird, wird aus der überlegten, nachdenklichen Norma Jeanedie verführerische, leicht naive blinde Sex Puppe Marylin Monroe. Ihr Erfolg und ihre schauspielerische Bekanntheit gibt dem startenden Magazin Playboy Schwung. Der Erfolg des Playboy gibt ihrer startenden internationalen Filmkarriere Schwung. Zwischen Hugh Hefner und Marylin gibt es jedoch keinerlei Kontakt Marylin wird später mal in einem Interview sagen, dass sie sich ihr Billigexemplar selbst kaufen musste, um zu sehen, welche Bilder denn nun für die Bildstrecke bei Playboy verwendet worden waren. 

Für Hugh Hefner war gerade zu Beginn mit dem Kauf der Bilder ja erstmal alles erledigt. Lizenztechnisch war alles sauber. Später wird er mal versuchen, Kontakt zu Marylin aufzunehmen. Marylin stirbt ja schon neun Jahre später, wodurch es nie zu einem persönlichen Treffen der beiden kommt. 

Ein creepy Detail ist, dass sich Hugh Hefner trotz allem derart verbunden fühlt, dass er als letzte Ruhestätte eine Gruft direkt neben Mayrlins Grab bucht und dort jetzt in Ewigkeit mit ihr verbunden neben dran liegt. Meine Herrn. Ich weiß nicht, ob ich es creepy und exzentrisch finden soll, oder darüber abheben möchte, wie wenig sich die Männer in Marylins Leben darum scherten, was sie mit ihren Bildern gemacht haben wollte. Es fängt bei dem Typen mit den Pin up Fotos an, geht über Hugh Hefner weiter. die Geschichte Marylins, die ich hier auch irgendwann mal erzählen werde, ist von sowas durchzogen. Ich glaube, man darf Zweifel anmelden, ob Marylin damals nicht hätte darauf verzichten können, dass ihre Brüste einem Millionen Publikum vorgeführt werden und dass Hugh Hefner dann eine letzte Schlagzeile auf ihrem Rücken abholt, indem er sich die Gruft nebenan sichert, da er Marylin ja so verbunden ist. Mir ist gerade ein bisschen schlecht geworden. 

Weiter im Text. Wir sind am Anfang des Playboy. Der erste Überraschungserfolg und die Geburt des Center Folds. Hugh Hefner hatte versucht, den mit Marylin gelandeten Erfolg zu wiederholen. Das Center FOld wurde mit professionell fotografierten Pin ups ausgestattet. Meistens waren das Schauspielerinnen oder Pin up Models, die extra dafür gecastet wurden. Schlägt man die ersten Ausgaben des Playboys auf, wird man übrigens überrascht sein, wie eloquent die Artikel darin teils sind. Teils liegt es daran, dass man nicht viel Geld für eigene Artikel Strecken hat und deswegen alte Copy Right freie Tete lizensiert. Teils sind das durchaus Kurzgeschichten etablierter Autoren oder wirklich gute Reportagen früherer Zeiten. Wie gesagt kann man den Playboy durchaus nur wegen der Texte mögen. 

Die Center Fold Girls heißen Sweethearts. Je bekannter, desto besser. So bekannt wie Marylin wurde seit Einführung bisher aber keines. Das ist der Moment, wo wir mit unserer Geschichte bei Charlaine Edith Karaluslanden. Die damals 21 jährige Blindine fängt im Playboy Office in Chicago als Büro- und Schreibkraft an. Die Anekdote, die ich jetzt erzählen werde, kann man nur als sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz einstufen. Damals hat man es freilich weggelächelt. 

Charlaine fragt nach, ob sie nicht endlich einen neuen Adressograf, also ein Gerät, um damit Adressetiketten zu drucken, bekommen könnte. Hugh Hefner hört es und sagt, sie bekommt einen nigelnagelneuen Adressograf, wenn sie sich im Tausch dafür für den Playboy Center Fold nackt ausziehen würde. Ok. Das hat sie auch getan und markiert in der Geschichte des Playboy den Punkt, ab dem nicht mehr mit eigens dafür angeheuerten Models oder Schauspielerinnen gearbeitet wurde, sondern Playmates als Girl next door gecastet wurden. Charlaine tritt nicht unter ihrem eigentlichen Namen, sondern als Janette Pilgrim auf. Den Namen legt Hugh Hefner selbst fest und versteht ihn als augenzwinkernde Referenz auf die religiösen Rechte in den USA. 

Janet sieht alles etwas gelassener und wird mehrmals Playmate des Monats für den Playboy werden. Sie bekommt eine Gehaltserhöhung und so etwas ähnliches wie Kultstatus in der Playboy Fangemeinde. Sie war eine Art Instant Celebrity und wurde weitere zehn Jahre in der Mitarbeiterliste im Playboy aufgeführt. Später heiratet sie, lässt sich zur Altenpflegerin ausbilden, setzt sich in Connecticut zu Ruhe und stirbt dort im Alter von 84 Jahren. Zurück bleibt die Idee des Center Fold von Playmates, der nicht professionelle Models, sondern eigens dafür gecastete Frauen von nebenan zeigt. 

Es wird ein Phänomen, dass sich Frauen um diese Möglichkeit reißen. Der noch existierende Makel, als Marylin Monroe als Center Fold abgedruckt wurde, wurde nach und nach in den Hintergrund gedrängt. Auch wenn Playboy Models natürlich immer von hochprofessionellen Fotografen abgelichtet werden, mussten sie trotzdem immer aussehen, als hätte man sie praktisch gerade aus ihrer natürlichen Umgebung gerissen. Das Äquivalent mit nackten Männern scheint nie so einen Kultstatus erreicht zu haben. Das sagt auch viel über unsere Gesellschaft aus. 

Ich persönlich finde, es ist kein großer Verlust, dass man im Playboy keine nackten Brüste mehr anglotzen darf. Das ist vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass man sich heute über nackte Brüste im Magazin mehr aufregt, als man es früher getan hat.

Der Playboy war lange Zeit das mit Abstand erfolgreichste und etablierteste Magazin seiner Art. Hugh Hefner hatte gezeigt, dass es geht und das seltene Kunststück vollbracht, Lifestyle und erotische Fotografie in einem Magazin zu kombinieren. Der Playboy geht in seiner Laufbahn durch mehrere Phasen. Es wird zwischendurch mal schmuddeliger und dann wieder intellektueller. Damit ist er natürlich Spiegel seiner Zeit. Hugh Hefner, das Playboy oder das ganze Genre, in dem es einige Exemplare gibt, kann man sehr kontrovers diskutieren. Die einen halten es fast für einen Befreiungsschlag. Es wurden Dinge normalisiert, die vorher unnötigerweise Skandale waren. Andererseits werden Frauen objektifiziert. Gerade diese Geschichten um die ersten Center Folds hinterlassen einen wirklich faden Beigeschmack. Es ist aber nicht schwarz weiß. Der Playboy hat Karrieren gestartet, Dinge normalisiert, die vorher Skandale waren und geholfen, eine Gesellschaft zur Toleranz hin zu bewegen. Dabei hat er einen Fotogenre und mehrere Karrieren gestartet, auf die wir in diesem Podcast hier garantiert noch öfter zu sprechen kommen werden. Wer jetzt mehr darüber lesen, hören, anschauen möchte, möge auf Fotomenschen.net vorbeisurfen. Es gibt Links zu Bilderstrecken. Wer schonmal da ist, kann gerne einen Kommentar im Blog hinterlassen oder weitersurfen zu einem der verschiedenen Orte, an denen man den Podcast gleich abonnieren kann, wie auf Apple Podcasts oder Google Podcasts und überall sonst, wo es gute Podcasts gibt. Bis bald.

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Len(n)a, The First Lady of the Internet https://fotomenschen.kopfstim.me/lenna-the-first-lady-of-the-internet/ Sun, 11 Oct 2020 17:51:10 +0000 ====> 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera <====

Diesmal geht es um die Geschichte die jedes Foto auf unseren Handies mit einem schwedischen Playmate verbindet.

Bildquelle: By Original full portrait: „Playmate of the Month“. Playboy Magazine. November 1972, photographed by Dwight Hooker.This 512×512 electronic/mechanical scan of a section of the full portrait: Alexander Sawchuk and two others[1] – The USC-SIPI image database, Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=20658476


Transkript

Na, heute schon ein Foto gemacht? Wahrscheinlich, wenn die Antwort jetzt gerade ja war, waren das Dateien im JPEG Format. Ja und heute werde ich erzählen, was das mit dem Playboy zu tun hat.

Zwei Bildformate dominieren die moderne Technologiewelt. Das JPEG und das GIF. Beide lösen für sich ein ganz bestimmtes Problem besonders gut, nämlich die Frage, wie ganz bestimmte Inhalte am besten platzsparend abgespeichert werden können. Bis es soweit war, dass man an dieser Stelle angekommen war, sind allerdings Jahre von Forschung und Jahre von Tests nötig gewesen. Und die nehmen ihren Anfang irgendwo in den 60er, 70er Jahren. Das ist die Zeit, in der Computer mehr und mehr auch grafische Aufgaben erledigen und damit die Notwendigkeit entsteht, ordentliche, austauschbare Grafikformate zu entwickeln und sich deswegen entsprechende Arbeitsgruppen formen.

Manche Universität leistet sich gar einen kompletten eigenen Arbeitsbereich, der sich mit Signal- und Imageprocessing beschäftigt. So zum Beispiel die University of Southern California. Und wie alle derartigen Gruppen beschäftigten die sich mit zwei Dingen: 1. Bilder bearbeiten, 2. Bilder abspeichern.

Jetzt gab es natürlich ein Problem. Man musste ja mit irgendwas testen. Und anders als heute gab es damals noch keine unendliche Auswahl von Testfotografien. Wenn man also ein Testbild brauchte, um zum Beispiel einen Algorithmus zu prüfen, ja, dann musste man für ein entsprechendes Testbild sorgen, also ein Foto nehmen und es scannen. Ja, und dann gab es da diesen denkwürdigen Tag 1973, an dem genau diese Aufgabe anstand und einer der Mitarbeiter der Arbeitsgruppe in der University of Southern California es für eine gute Idee hielt, den zufällig herumliegenden Playboy zu nehmen und da drin ein geeignetes Bild auszusuchen. Eins mit schönen, gleichmäßigen Flächen, wo die Farben nicht so wild durcheinander sind.

Zum Beispiel dem Centerfold. Wer mit dem Begriff Centerfold jetzt nichts anfangen kann, kein Problem, gemeint ist das doppelseitige Poster in der Mitte jedes Playboys, das das Playmate des Monats in unserem Beispiel des Monats November 1972 zeigt. Miss November 1972 war die Schwedin Lena Söderberg. 

Die war zu der Zeit in den USA als au pair für ein Familienmitglied und hatte wie die meisten 21-jährigen chronische Geldprobleme. Weil sie aber wirklich hübsch war, begann sie zu modeln. Katalogfotos, Werbung für Schmuck und später, nachdem sie nach New York umgezogen sein sollte, würde sie auch als Kodak Girl Werbung für Kameras und Fotografie machen. Es war jedenfalls das Jahr 1972, der Anfang ihrer Modelkarriere, in dem sie dann auch einen Fotografen kennenlernte, der Nacktbilder für den Playboy machte. Für welches Magazin der jetzt nun genau diese Bilder machte, war Lena freilich egal. Das Geld war gut und sie hatte sowieso kein Problem damit, sich für ästhetische Fotos auszuziehen. Schweden war auch schon damals etwas entspannter mit Nacktheit als die Amerikaner.

Zurück zu unserer Arbeitsgruppe. Die waren happy mit den Ergebnissen und sie dokumentierten und demonstrierten ihre Arbeit und reichten damit auch in schöner Regelmäßigkeit Lenas Bild weiter. Und so wurde Lena dann, ohne es zu wissen, zum Vorzeigeobjekt in diesem Imaging Lab. Und nicht nur da. Die Algorithmen, die Arbeit, die Leute, die beteiligt waren. Die zogen ja auch weiter. 

Jetzt darf er sich das nicht so vorstellen, als würden da dauernd Nacktbilder herumgereicht werden. Die Arbeitsgruppe hatte ja das obere Drittel des Centerfolds genutzt und es war nichts anderes als ein Porträt von Lena. Für den unwissenden Betrachter zeigte das Bild einfach eine junge brünette Frau, die über eine nackte Schulter hinweg Richtung Betrachter blickt. 

Und dann kam es so, wie es kommen musste. Wenn immer dasselbe Testbild verwendet wird, wird es irgendwann zu einer Art de facto STANDARD. Und so wurde Lena in Lehrbüchern abgedruckt, in Informatikveröffentlichungen als Beispielbild gezeigt, verwendet, um neue Algorithmen mit den Ergebnissen der alten Algorithmen zu vergleichen und so weiter. Lena wurde eine Art kleine Berühmtheit. 

Der Playboy bekam natürlich auch irgendwann mal Wind davon, dass eins ihrer Bilder zirkulierte und ist auch dafür bekannt, normalerweise relativ hart einzuschreiten. Hier war es dann allerdings so, dass es anscheinend so viele Verstöße gab, dass die Rechtsabteilung des Playboy irgendwann aufgab. Ganz offiziell hat der Playboy irgendwann mal beschlossen, dieses Bild nicht zu ahnden, weil es eine Art kulturelles Phänomen wäre und man deswegen beschlossen hatte, das zuzulassen, dass dieses Bild verwendet wird. 

Ist wahrscheinlich auch einfach verdammt gute Werbung für den Playboy, kann ich mir vorstellen. Denn in der ganzen Zeit konnte man, wenn man wollte, sehr wohl rausfinden und wissen, woher dieses Bild stammt.

Lena hat es dann irgendwann auch mal erfahren und hatte damit wahrscheinlich auch erst einmal kein Problem. Es wurde ihr auch über die Jahre immer wieder mal Verehrung zuteil und man lud sie ein, z.B. zum 50-jährigen Jubiläum der für Bildverarbeitung zuständigen Arbeitsgruppe im i triple e. Da machten dann Informatiker mit ihrer Selfies und sie bekam eine Plakette überreicht auf der stand „First Lady of the Internet“. Denn sie konnte von sich behaupten, dass das erste überhaupt im Internet kopierte JPEG vermutlich ihr Bild gezeigt hatte. Das ist grundsätzlich jetzt schon mal cool.

Allerdings machten sich dann ab den 90ern auch immer mehr kritische Stimmen Luft, denn man kann ja mal festhalten, dass es ja trotzdem noch ein Centerfold ist. Und stellen wir uns doch mal für einen Moment vor, wie es sich angefühlt haben muss, wenn man als eins von wenigen Mädchen in einer Klasse mit ganz vielen Jungs sitzt, um sagen wir mal zum Beispiel über künstliche Intelligenz oder Bildverarbeitung oder was auch immer zu sprechen und dann feststellt, dass das Foto, das als Beispiel verwendet wird, ein Centerfold, ein Nacktbild also ist. Wenn also eine Horde unter Umständen auch noch pubertierende Jungs Nacktfotos von Frauen googeln, während man selber als Mädchen dazwischen sitzt, kann man sich finde ich auch mal ausgeschlossen fühlen. 

Und das ist tatsächlich so ein Hauptproblem. Gerade diese Beiläufigkeit, diese Folgenlosigkeit, mit der so ein Bild jahrzehntelang als Testfoto erhielt, gab dann doch einigen zu denken. Und es war sogar noch 2012 so, dass eine Arbeitsgruppe aus Singapur der Welt schärfstens Farbfoto mit einem Foto von Lena demonstrierte. Deswegen gründete sich irgendwann eine Initiative mit dem Ziel, die Nutzung von Lena als Standardbeispielfoto abzulösen. Es ist ja längst nicht mehr so, dass wir nicht ausreichend Beispielfotos hätten, mit denen man Algorithmen testen kann. Und in immer mehr Szenarien brauchen wir auch diese Vergleichbarkeit gar nicht, die damals ebenso hochgehalten wurde. 

Lena selbst unterstützt deswegen die Aktion Losing Lena. Denn sie möchte nicht mit einen Beitrag dazu leisten, dass Frauen und Mädchen sich von der Informatik oder generell den Stem Field Wissenschaften ausgeschlossen fühlen. 

Die Welt ist nämlich hoffentlich nicht mehr so chauvinistisch, wie sie unter Umständen in den 70er Jahren noch war. Und auch wenn man Lena jetzt nicht aus der Geschichte streichen muss, finde ich es dann doch wichtig, dass wir Dinge heute vielleicht anders machen würden und vor allen Dingen auch anders bewerten als damals.

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