Blitz – Fotomenschen https://fotomenschen.kopfstim.me Geschichten über das Sehen. Tue, 14 Dec 2021 12:46:32 +0000 de hourly 1 https://fotomenschen.kopfstim.me/wp-content/uploads/sites/8/2020/08/cropped-favicon-fotomenschen-32x32.jpg Blitz – Fotomenschen https://fotomenschen.kopfstim.me 32 32 Das Leben der Anderen https://fotomenschen.kopfstim.me/das-leben-der-anderen/ Sat, 21 Aug 2021 12:45:34 +0000 ====> 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera <====

Soziale Fotografie ist heute sehr verbreitet aber zum Ende des 19. Jahrhunderts war das Genre unbekannt. In dieser Zeit arbeitet der Polizeireporter Jacob Riis. Er schreibt gegen das soziale Elend New Yorks an und beginnt irgendwann zur Illustration zu fotografieren… Herauskam eines der wenigen Fotobücher das wirklich für sich reklamieren kann die Welt verändert zu haben.

YouTube Video
Dieses Video auf YouTube ansehen.
YouTube Video
Dieses Video auf YouTube ansehen.
YouTube Video
Dieses Video auf YouTube ansehen.

Transkript

Wir glauben ja gerne, dass Fotografie die Welt verändern kann, aber in Wahrheit fällt es dann doch sehr schwer, Beispiele zu finden, wo das wirklich und nachweislich geschehen ist. Heute geht es um so ein Beispiel; um einen Mann mit einer unglaublichen Lebensgeschichte, in der alles vorkommt: Vollständiger Absturz ins Elend, Aufstieg zu Reichtum und Einfluss, eine Jahrzehnte überdauernde Liebesgeschichte, innovative Fotografie und Bilder, die die Welt verändert haben.

Der Mann, von dem ich heute erzähle, ist einer der Gründerväter der Straßenfotografie und der sozialen Fotografie. Er war ein Reporter, er selbst hätte sich nicht als Fotograf beschrieben, er hätte gesagt, er ist in erster Linie ein Autor, ein Journalist, ein Beobachter der Menschen. Es dauerte 50 Jahre, bevor man in als das erkannte, was er eigentlich war: Ein Fotograf, dessen Stil ein ganzes Genre geprägt und für grundlegende Veränderung gesorgt hatte.

Dabei dauert es tatsächlich relativ lang, bis er selbst zu seiner Berufung gefunden hatte. Jakob Riis wurde 1848 als drittes Kind von 15 in Dänemark in einen Lehrer- und Journalistenhaushalt geboren. Sein Vater wünschte sich für ihn, dass er eine akademische Laufbahn oder doch wenigstens eine Karriere als Autor anstreben würde, aber der junge Jakob hatte praktischeres im Sinn und wollte Zimmermann werden. Ein lokaler Zimmerer stellte ihn als Lehrling an und so schien die Laufbahn als Handwerker schon mal gesetzt. Seine Familie wusste auch, dass es keinen Sinn machte, ihn umzustimmen zu versuchen. Er war ein recht eigenwilliger junger Mann.

Er war bekannt für ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl und ein großes Herz. Es gibt eine überlieferte Anekdote vom damals gerade mal 12 Jahre alten Jakob, dass er einmal sein gesamtes erspartes Geld einer armen Familie angeboten hatte, wenn die im Gegenzug ihr heruntergekommenes Zuhause reinigen und aufbessern würden. Die entschieden sich, das Geschäft anzunehmen und hielten sich an die Abmachung. Als Jakobs Mutter von der Geste erfuhr, machte sie sich spontan auf den Weg und half der Familie bei den Arbeiten.

Aber zurück zu Jakob, den 16-jährigen Zimmereilehrling. Wer weiß, was später passiert wäre, hätte er sich nicht in die damals 12-jährige Tochter seines Meisters verliebt. Sie war der Verbindung eigentlich nicht abgeneigt, aber, wie man sich vorstellen kann, war weder sein Meister noch seine Familie sonderlich begeistert. Um die Situation zu bereinigen, schickt ihn sein Vater für die verbleibenden drei Jahre seiner Ausbildung in das weit entfernte Kopenhagen. Da, so hofft er, wird sich sein Sohn die Flausen aus dem Kopf schlagen und wenn er zurückkommt mit abgeschlossener Ausbildung seinen Weg gehen, wie von ihm erwartet.

Wieder hat man die Rechnung ohne Jakob gemacht, der kommt mit 19 zurück, wilder entschlossen den je, die jetzt 15-jährige Tochter zu heiraten. Sein ehemaliger Meister ist jetzt so wenig begeistert, wie er drei Jahre zuvor begeistert war und lehnt ab.

Und so beschließt Jakob in seinem Kummer und seinem Ärger, das zu tun, was gar nicht wenige junge Männer gemacht haben: nämlich in die neue Welt aufzubrechen. Er ist 21, als er sich auf den Weg in die Vereinigten Staaten macht. In seinem Gepäck hat er 40 Dollar, die seine Freunde für ihn gesammelt haben, die Überfahrt hat er aus eigener Tasche bezahlt, das waren ungefähr 50 Dollar. Und als kleines Abschiedsgeschenk steckt ihm die Frau seines ehemaligen Meisters noch etwas ganz Besonderes zu: eine Strähne von seiner großen Liebe Elisabeth. Stellt sich heraus: Nicht nur die Tochter wäre eigentlich zugeneigt gewesen, auch die Mutter hatte eigentlich nichts gegen die Verbindung. Trotzdem ist Jakob jetzt schonmal auf dem Weg und er hat natürlich auch den Anspruch, allen zu zeigen, wozu er imstande ist und sein Glück zu machen in der neuen Welt.

Jakob kommt 1870 in New York an. Es ist eine Welt im Umbruch. Nicht nur sind Millionen Menschen aufgebrochen, um in den USA ihr Glück zu versuchen, der amerikanische Bürgerkrieg hat außerdem noch dafür gesorgt, dass die Menschen vom Land in die Städte gezogen sind. Die Städte sind die Orte, an denen die Industrialisierung für Möglichkeiten und Arbeit sorgen und manche Stadt verachtfacht in dieser Zeit ihre Bevölkerung.

Jakob kommt auch in Zustände, die wir uns heute, glaube ich, gar nicht mehr vorstellen können: 1880 gibt es in New York in der Lower East Side einen Distrikt, in dem 334000 Menschen auf einer Quadratmeile untergebracht sind – die dichtest besiedelte Meile der Welt. In und um New York bilden sich Slums der übelsten Sorte. Unterkünfte, in denen 10 bis 15 Menschen in einem einzelnen kleinen Zimmer schlafen müssen, sind die Norm. Die Polizei betreibt Armenunterkünfte, Menschen, die auf der Straße eingesammelt werden, werden dorthin zwangseingeliefert, müssen dann da in ähnlich beengten Verhältnissen schlafen und hinterher 5 Cent pro Übernachtung abdrücken. 5 Cent ist für die damals oft mittellosen, armen Menschen ein Heidengeld. Denn hätten die diese 5 Cent, dann hätten die auch noch billiger schlafen können. Es gibt sogenannte 2-Cent-Kneipen, in denen man für 2 Cent einen Teller Suppe und das Recht, die Nacht dort im Sitzen zu schlafen, kaufen kann.

Jakob landet in diesem Viertel an. Er hat 40 Dollar, ist also zunächst mal ordentlich versorgt und er hat ein Empfehlungsschreiben für den dänischen Botschafter in der Tasche, sollte er Hilfe brauchen. Die ersten 20 Dollar sind leicht investiertes Geld, er kauft sich nämlich sofort einen Revolver, um sich gegen menschliche oder tierische Angreifer wehren zu können. Die anderen 20 Dollar sollen ihm über die Zeit helfen, die er braucht, um Arbeit zu finden. Jakob versucht sich als Stahlarbeiter und als Zimmerer, lernt aber schnell, dass es für Immigranten zwar viel harte Arbeit, aber wenig Bezahlung gibt.

Als er davon hört, dass Frankreich Preußen den Krieg erklärt hätte, versucht er, für Frankreich in den Krieg zu ziehen und sich einziehen zu lassen; erfolglos.

Ab hier beginnt eine kleine Odyssee für Jakob: Er versucht sich als Farmhilfe, er arbeitet als Steinmetz für ein lokales Maurerunternehmen und versucht, jede Gelegenheit zu nutzen, doch noch für Frankreich in den Krieg ziehen zu dürfen. Irgendwann hört er von Plänen einer Gruppe Freiwilliger von New York aus in den Krieg aufzubrechen und macht sich damit dann auch selbst wieder auf den Weg zurück in die große Stadt. Zu der Zeit schläft er mehr unter freiem Himmel als unter einem Dach. Er ernährt sich von Fallobst, er ist auf Almosen angewiesen und obwohl er versucht zu arbeiten verdient er kaum genug, um sich gelegentlich mal eine Unterkunft leisten zu können. Als er zurück in New York ist, stellt er fest, dass das Gerücht zwar stimmte, er aber zu spät gekommen war. In New York war es auch schwerer, einfach unter freiem Himmel zu schlafen und so schließt Jakob erste Bekanntschaften mit den von der Polizei betriebenen Unterkünften. Er ist so angewidert von den Zuständen, die er vorfindet, dass er sich wenig später wieder auf den Weg macht.

Seine wenigen Besitztümer hatte er sowieso nach und nach verkauft: Die Waffe hat er zum Beispiel schon lange nicht mehr. Und mit dem letzten Seidentaschentuch, das er noch in seiner Tasche fand, kauft er sich eine Fährkarte und macht sich auf den Weg nach Philadelphia. Auf dem Weg dahin nimmt er jede Arbeit, die sich bietet und er schafft es nach Philadelphia, wo er dann mit dem Empfehlungsschreiben, das ihm seine Eltern mitgegeben hatten, vor dem dänischen Konsul vorstellig wird, der ihn aufnimmt und zwei Wochen lang wieder aufpäppelt.

Es ist diese Zeit, in der er dann tatsächlich sowas wie ein ordentliches finanzielles Standbein aufbauen kann. Er arbeitet als Zimmermann und fängt an, so viel Geld zu verdienen, dass er sich es leisten kann, nebenher als Autor zu experimentieren. Er schreibt Artikel, die er bei lokalen Zeitungen und Magazinen einreicht, allerdings mit wenig Erfolg. Seine Themen finden nicht viel Anklang, seine Schreibe ist oft zu polemisch. Er kehrt also zurück nach New York City. Dort versucht er, mit allem möglichen Fuß zu fassen und ist einigermaßen erfolgreich als Vertreter für Bügeleisen.

Die Geschäfte laufen gut. Nicht lange und er hat Angestellte und Vertretungen in mehreren amerikanischen Bundesstaaten. Er ist der Hauptvertreter einer Bügeleisenmarke im Bundesstaat Illinois und auch in Pennsylvania ist er aktiv. Allerdings ist Jakob auch chronisch gutmütig und gutgläubig und so dauert es auch nicht lange, bis er an die falschen gerät und von Geschäftspartnern komplett über den Tisch gezogen wird.

Außerdem ereilte ihn eine Hiobsbotschaft. Elisabeth, die junge Frau, deren goldene Locke er seither in einer Schachtel immer am Herzen trägt, ist verlobt. Jakob ist am Boden zerstört und macht das, was er da anscheinend immer macht, nämlich nach New York zurückkehren. Wieder ist er ohne Finanzmittel, wieder ist er arbeitslos, wieder ist er in New York.

Allerdings hat er inzwischen Übung in der Kunst des Artikelschreibens und in New York gibt es Bedarf an Menschen, die schreiben können. Er bewirbt sich auf eine Stellenausschreibung als Redakteur beim Long Island Newspaper und kriegt den Job. Es ist ein relativ hoch dotierter Job und es ist schon fast verdächtig, dass ein Newcomer wie er diesen Job einfach so bekommt. Kaum hat er die Stelle, stellt er fest, warum das so ist: Der Besitzer der Zeitung ist ein derart ausbeuterischer und unehrlicher Geselle, dass alle anderen Kandidaten abgelehnt hatten oder ihm davongelaufen waren. Und so hält es auch Jakob gerade mal zwei Wochen in dieser Stelle.

Jetzt ist er wieder arbeitslos. Äußerlich aussehend wie ein Landstreicher, aber immer noch ganz gut vernetzt, wird ihm zugetragen, dass die New York News Association nach einem Trainee suchen würde. Jakob wäscht sich dürftig in einem Pferdetrog und macht sich auf den Weg zu dem Interview und obwohl er aussieht wie ein Landstreicher, schafft er es, die zuständigen zu überzeugen und bekommt diese Stelle. Das ist tatsächlich ein roter Faden durch die gesamte Biografie von Jakob: Wann immer er die Gelegenheit bekommt, mit Menschen zusammenzutreffen, scheint er sie davon zu überzeugen, dass sie ihr Vertrauen in ihn setzen können. Ganz egal, wie er aussah.

Jakob hatte ein besonderes Talent, zwischen den verschiedenen Schichten hin und her zu wechseln und gleichermaßen über die Reichen wie über die Ärmsten der armen schreiben zu können. Er arbeitet hart und es zahlt sich für ihn aus. Nach und nach baut er sich ein kleines Vermögen auf, kann auch schnell seine Schulden zurückzahlen und gewinnt Routine in der Arbeit eines Journalisten. Die Zeitung, bei der er arbeitet, macht ihn schnell zum Hauptredakteur, allerdings steht sie auch kurz vor dem Bankrott. Und Jakob kämpft dagegen an, wie alle anderen, die bei dieser Zeitung arbeiten.

Es ist diese Zeit, in der sich einerseits nach und nach finanzielle Stabilität für ihn einstellt, andererseits die Firma, bei der er angestellt ist, auf den Bankrott zusteuert, als ihn die Nachricht ereilt, dass daheim in Dänemark zwei seiner älteren Brüder, seine Tante und der Verlobte seiner Elisabeth gestorben waren. Jakob will nach Dänemark zurückkommen, um seine Brüder zu betrauern, aber er sieht natürlich auch die Gelegenheit, Elisabeth endgültig für sich zu gewinnen und macht ihr einen Antrag, schriftlich, per Post.

Und um zu zeigen, dass man ihm vertrauen kann und dass man auf ihm eine Existenz aufbauen kann, beschließt er, mit seinen Ersparnissen die kurz vor dem Bankrott stehende Zeitung zu kaufen und in die schwarzen Zahlen zu führen. Das schafft er zwar nicht, aber seine Zeitung ist so unbequem, dass ihm Lokalpolitiker anbieten, die Zeitung von ihm zurückzukaufen, und zwar für knapp den fünffachen Betrag, den er dafür investiert hatte. Und so war Jakob durch glückliche Fügung praktisch über Nacht zu kleinem Reichtum gekommen, der es ihm erlaubte, sorgenfrei nach Dänemark zu fahren und dort seiner Elisabeth ganz regulär den Hof zu machen. Die beiden heiraten und als das Geld dem Ende zuneigte, zogen sie wieder zurück nach New York, wo Jakob sich auf die Suche nach einer Anstellung bei einer lokalen Zeitung machte.

Es ist der New York Tribune, der ihn schließlich als Polizeireporter einstellt. Sein Büro ist gegenüber der Polizeistation, die für den damals größten Slum der Welt, die Slums von New York City, zuständig war. Jakob begleitet die Polizisten auf ihren Einsätzen und er sieht alles, was man nur an menschlichem Elend, an Gewalt und an Verbrechen zu Gesicht bekommen kann.

Und er schreibt dagegen an. Er selbst war ja oft genug als obdachloser unterwegs und hat deswegen einen persönlicheren Zugang zu vielen der Themen als so mancher seiner Leserinnen und Leser. Und eigentlich macht er sich auch keine Illusionen. Die Menschen, denen es damals gut geht, die interessiert nicht, wie es den ärmeren geht. Sie wissen nichts darüber, sie erfahren kaum etwas darüber und Artikel, die Jakob schreibt, egal, wie blumig die Sprache, egal, wie leidenschaftlich die Worte, dringen nicht durch diesen Panzer.

Anfangs wird er in seinem Schreibstil einfach nur noch melodramatischer und eindringlicher. Als er damit anscheinend nichts bewirken kann, denkt er über Zeichnungen und Skizzen nach, allerdings ist er kein besonders guter Zeichner, deswegen gibt er die Idee besonders schnell wieder auf.

Die fotografische Technik der damaligen Zeit, wir reden von den 1880ern, ist nicht geeignet, um bei schlechten Lichtverhältnissen Straßenszenen festzuhalten. Jakob ist oft nachts oder in der Dämmerung unterwegs und würde sehr gerne fotografieren, aber die Bilder sind meistens vollkommen unbrauchbar. All das ändert sich, als er 1887 von einer Erfindung der Deutschen Adolf Miethe and Johannes Gaedicke liest. Die hatten nämlich sogenanntes Blitzlichtpulver entwickelt. Das war eine Magnesiumpulvermischung, die in Patronen gefüllt wurde und mit einer Vorrichtung, die wie eine Pistole aussah, abgefeuert wurden und einen hellen Lichtblitz produzierten. Damit konnte man endlich auch nachts oder bei Dämmerung fotografieren.

Und er bringt mehrere dazu, mit ihm zusammen mit Blitzlichtpulverpatronen und Kamera bewaffnet in die Slums von New York einzudringen und Fotos zu machen. Und das Vorgehen war nicht ganz ungefährlich: Im Allgemeinen lief er durch die Stadt und wann immer er etwas fotografieren wollte, näherte er sich vorsichtig der Szene, löste den Blitz aus und lief dann so schnell er konnte mit seinem ganzen Equipment davon.

Wegen dem Risiko und den nächtlichen Arbeitsstunden blieben seine Freunde nicht lange bei der Stange und so war Jakob gezwungen, selbst zu lernen, mit den fotografischen Gerätschaften umzugehen, besonders, weil sehr, sehr deutlich wurde, dass seine Fotos eine Wirkung entfalteten, die seine Artikel nie gehabt hatten. Die Menschen sahen Bilder von Armut, die ihnen so bisher nie gezeigt worden waren. Mitglieder des Mittelstands oder der gehobenen Klassen gingen nicht in die Slums, sahen sich nicht an, wie Arbeiter lebten. Sie sahen weder den Dreck, noch das Elend, noch die Gewalt und die Brutalität, die in diesen Vierteln ihren Wohlstand mit sicherte.

Und Jakob bleibt nicht nur bei seinen Artikeln. Er verkauft Abzüge seiner Fotografien, er macht Lichtbildschauen, wo er mit einem Projektor auf einer Leinwand unter freiem Himmel Bilder projiziert. Er hält Vorträge, er schreibt Bücher. Es gibt mehrere Dinge, die er ganz konkret geändert sehen möchte. Er will, dass einzelne dieser Slumgebiete abgebaut und umgeformt werden. Er schlägt vor, Unterkünfte für die Armen zu bauen und die Slums zu Parks umzuwandeln. Und ganz besonders sind ihm die von der Polizei betriebenen Unterkünfte ein Dorn im Auge. Die Zustände dort sind fast noch elender als irgendwo in den Slums und eigentlich dienen die nur der Unterdrückung der Armen.

Es ist diese Zeit, als er den gerade frisch ernannten Polizeipräsidenten kennenlernt, ein Mann namens Theodore Roosevelt. Der hatte nämlich das Buch entdeckt, das als ein Meilenstein der sozialen Reportage und sozialen Fotografie gilt und vielleicht eines der wenigen Beispiele ist, wo Fotografie tatsächlich zu echten Änderungen beigetragen hat. Das Buch trägt den Titel „How the Other Half Lives“. Es ist eine Mischung aus Artikeln von Jakob Riis und Fotografien und Zeichnungen, die auf Fotografien basieren.

Jakob macht sich bei seinen Fotografien nicht viele Gedanken um Komposition, oft sieht er ja gar nicht, was er fotografiert. Eines seiner berühmtesten Bilder wird in einem dieser Zwei-Cent-Lokalen aufgenommen. Dort hat er zwei Cent bezahlt, die ihn zum Schlafen und Suppe essen in einem überfüllten, stickigen Raum berechtigten. Er hat sich dort hingesetzt und als dann alle eingeschlafen waren, richtet er im Dunkeln auf dem Tisch die Kamera aus, öffnet das Objektiv und feuert die Blitzlichtpistole. Man sieht, wie beengt dieser Raum ist. Das Licht wird von der Decke reflektiert, es sieht fast so aus, als würde die Cholera in diesem Raum wabern. Und man sieht die Männer, die außenrum zum Teil verschreckt, zum Teil eben gar nichts mitbekommend auf den Tischen schlafen. Solche und andere Bilder, die ohne erkennbare künstlerische Komposition daherkommen, sind manchmal gerade deswegen besonders eindrücklich.

Roosevelt wurde jedenfalls durch dieses Buch auf ihn aufmerksam, tritt mit ihm in Kontakt und die beiden Männer formen eine Freundschaft, die ihr gesamtes Leben halten wird. Später wird Jakob für Roosevelt eine Kampagnenbiografie schreiben und Roosevelt wird sagen, dass er manche Dinge nie gemacht hätte, hätte er nicht die Bilder von Jakob Riis gesehen. Eine der Maßnahmen, die er noch als Polizeipräsident ergreift, ist, die Polizeischlafunterkünfte schließen zu lassen. Der Bundesstaat New York folgt dem Beispiel der Stadt New York und diesem Beispiel folgt wiederum der Rest des Landes. Und auch sonst nutzt Roosevelt seinen Einfluss, um der Sache, für die Jakob Riis kämpft, zu helfen, und sorgt dafür, dass die wichtigste Forderung von Jakob Riis tatsächlich Wirklichkeit wird. Die elendsten der Elendsviertel werden umgebaut. Die Menschen dort bekommen die Möglichkeit, in günstigere Wohnräume umzuziehen und der Slum wird dem Boden gleich gemacht und durch einen Park ersetzt.

Jakob schreibt mehrere Bücher, einige davon beschäftigen sich ausschließlich mit den sozial benachteiligten Menschen seiner Zeit. „How the Other Half Lives“ ist das berühmte, aber es gibt auch noch „Children of the Poor“, das ist eine Art Fortsetzung mit besonderem Blick auf die Kinder und Familien. Jakob zeugt mit Elisabeth vier Kinder, eine Tochter und drei Söhne, und seine Familie bleibt eine Aktivistenfamilie. Sein jüngster Sohn steigt in seine Fußstapfen, wird auch ein Reporter und Aktivist, ein anderer geht zurück nach Dänemark und wird dort Director of Public Information in Kopenhagen und kämpft während des Ersten Weltkrieges gegen den steigenden Antisemitismus in der Region.

1905 wird seine Frau Elisabeth nach fast 30 Jahren Ehe plötzlich krank und stirbt überraschend. Für Jakob markiert das das Ende seiner Zeit in New York. Er heiratet erneut 1907 und zieht mit seiner neuen Frau nach Massachusetts auf eine Farm in Barre. Dort wird er dann bis zu seinem Tod 1914 bleiben.

Es wird fast 50 Jahre dauern, bis man ihn als den einflussreichen Fotografen anerkennt, der er war. In Rückschau stellt man fest, seine Fotos haben eine Handschrift, auch wenn er selbst sich nie Gedanken um Bildkompositionen gemacht hat, hatte er doch ein Auge für die Fotografie und die Bilder sind eindrücklich, bleiben im Gedächtnis. Und waren prägend fürs Medium: Viele, die nach ihm kamen, eiferten ihm nach. Das zu der Zeit noch junge Medium der Straßenfotografie nimmt dann einige der ästhetischen Entscheidungen von Jakob auf und deswegen sehen die Bilder auch heute noch einigermaßen modern aus. 

Und in später über ihn veröffentlichen Papern wird darüber spekuliert, dass einige der durch seine Fotos inspirierten Sozialreformen in der Region wahrscheinlich tausenden von Menschen das Leben gerettet und für das Einrichten von sanitären Anlagen und besserer Wasserqualität gesorgt haben. Alles Indizien dafür, dass Fotografien eben doch manchmal verändern können, wie Menschen ihre Welt wahrnehmen.

Jakob Riis schwankte während seines Lebens mehrmals zwischen Obdachlosigkeit und Reichtum hin und her, verlor aber nie seinen moralischen Kompass. In mancherlei Hinsicht ist seine Lebensgeschichte fast schon typisch für die Immigranten der damaligen Zeit, aber gleichzeitig auch etwas sehr Besonderes, weil er eben mehrmals ganz am Boden ankam und dann trotzdem wieder die Energie fand, sich nach oben durchzukämpfen. Und er war ein Mann, dem es nicht darauf ankam, seine Verdienste aufgezählt zu bekommen. 

Heute weiß man, dass seine Bilder unter anderem dafür gesorgt haben, dass die Wasserversorgung von New York deutlich hygienischer wurde und damit wahrscheinlich aller Einwohner Leben besserten. Es waren seine Artikel, die Politiker vor sich hertrieben, es waren seine Fotos, die für die notwendige Aufmerksamkeit sorgten und er sorgte für ein Bewusstsein für die weniger privilegierten Menschen der Gesellschaft der damaligen USA, das es vorher so nicht gegeben hatte.

]]>
Blitze unter Wasser https://fotomenschen.kopfstim.me/blitze-unter-wasser/ Sun, 18 Oct 2020 13:24:33 +0000 ====> 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera <====

Im Zeitalter von wasserdichten Action Cams die in die Hosentasche passen vergessen wir gerne mal welchen atemberaubenden Aufwand es brauchte um selbst einfache Aufnahmen unter Wasser anzufertigen.

So mussten Pioniere wie der Franzose Louis Boutan ihre komplette Technik selbst konstruieren und dabei nicht nur mit unpraktischen Verfahren sondern auch mit tonnenschwerem Equipment arbeiten.

First underwater photo
Das erste Unterwasserbild überhaupt wurde von William Thompson gemacht und war leider kaum brauchbar.

(Unter dieser Notiz ist kein Video? Auf nach https://fotomenschen.net)

YouTube Video
Dieses Video auf YouTube ansehen.

Bild: By Louis Boutan – Spiridon Manoliu’s pictures, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7291742
Sound: By HDVideoGuy, CC-NC, https://freesound.org/people/HDVideoGuy/sounds/156011/


Transkript

Fotografie, es fühlt sich komisch an das in ein Mikro zu sagen aber wenig ist so omnipräsent und banal wie die Möglichkeit ein Bild zu machen. Alles ist und wird fotografiert, es gibt Kameras, die wenn man sie in die Luft wirft auf dem Scheitelpunkt der Flugbahn ein 360° PanoramaFoto schießen, bevor sie stoßfest und sicher auf dem Boden aufschlagen. Es gibt Kameras, die können fliegen und Luftaufnahmen machen, es gibt Kameras, die sind so klein, dass sie in jede nur erdenkliche Öffnung eingeführt werden können und eingeführt wurden und moderne Kameras können bei Dunkelheit praktisch immer noch fotografieren. Und natürlich ist uns allen klar, dass das nicht immer so war, als die Fotografie eingeführt wurde, war die ein sehr aufwendiger und vor allem flüssigkeitsintensiver Prozess. 

Die Daguerreotypie oder später auch die Negativ-Verfahren, die mit feuchten Medien arbeiteten, die waren darauf angewiesen, dass der Fotograf das Medium mit dem er arbeitet zunächst einmal vorbereitet, dann mehrere Minuten lang belichtet und nachbereitet. Das heißt diese Verfahren funktionierten dort am besten wo es genau kontrollierte Umgebungsbedingungen gab und eine Dunkelkammer zur Hand war wo man dann schnell nachbearbeiten konnte. Und generell galt: Je heller, desto besser, deswegen waren erste fotografische Studios auch mobil und im freien, Portraits wurden draußen gemacht. 

Das änderte sich geringfügig als man lernte Blitze zu erzeugen, zu den Chemikalien mit denen der Fotograf sowieso schon hantierte, die übrigens meist feuergefährlich waren, kam also noch Magnesiumpulver und irgendwelche Brandapparaturen. Wer sich also zu dieser Zeit mit Fotografie beschäftigte war weit mehr als Jemand, der einfach nur gern Bilder machte. Man war wahrscheinlich eine Mischung aus Bastler, Wissenschaftler und Künstler und ich glaube so dürfte man zum Beispiel den Briten William Thompson beschreiben. 

Der lebte im Süden Englands und stellte sich irgendwann die Frage, ob es nicht möglich sein müsste mit den brandneuen fotografischen Verfahren auch Brückenschäden unter Wasser zu kommentieren. Zu der Zeit konkurrierten gerade zwei Verfahren auf dem Markt, die Daguerreotypie in der mithilfe von Quecksilberdämpfen ein Bild auf einem Silberplättchen fixiert wurden und das Wet-Plate-Kollodium Verfahren, das funktionierte so, dass man eine Glasplatte mit einer eigens dafür hergestellten Chemikalie beschichtete, die dann lichtempfindlich wurde und bei Belichtung ein Negativbild auf der Platte entstehen ließ. Stellen auf die Sonne fiel wurden also schawrz und Stellen auf die weniger Licht fiel waren durchsichtig, es war also ein Negativ-Verfahren. Der Vorteil solcher Negativ-Verfahren war, damit konnte man beliebig viele Kopien machen, dazu legte man die Glasplatte mit dem negativ auf fotoempfindliches Papier und belichtete durch. Im Ergebnis hatte man dann einen Print, also ein fertiges Foto, beliebig viele, wenn man denn wollte. 

Der Prozess war freilich auch einigermaßen aufwendig, wie gesagt, erstmal das Glasnegativ herstellen, das war nicht ewig haltbar, das heißt man musste es zeitnah zum eigentlichen Foto vorbereiten und direkt nach erfolgter Belichtung, die durchaus auch mal etwas länger dauern konnte musste das ganze natürlich entwickelt und fixiert werden. Trotzdem war der Prozess weniger aufwendig als die Daguerreotypie und hatte den Vorteil nicht nur Unikate zu produzieren. Das jedenfalls war das Verfahren mit dem William Thompson beschloß zu experimentieren, er wollte eine Unterwasseraufnahme machen und unterwasser war nunmal weniger Licht als überwasser, deswegen verlängerte sich die Belichtungszeit. Außerdem wollte er nicht mit untertauchen, Tauchanzüge wie wir sie heute kennen gab es noch nicht, also konstruierte Thompson eine Box in der die Kamera untergebracht werden sollte und einen Fernauslöser mit dem er den Verschluss öffnen und wieder schließen konnte. 

Es gab keine Erfahrungswerte was Belichtung unterwasser anging und deswegen muss er ziemlich lang rumprobiert haben. Wieder und wieder muss er auf einem Boot ein Glasnegativ vorbereitet, in eine Box gesteckt und an einem Seil ca sechs Meter in die Tiefe gelassen haben. Und irgendwann hatte er es dann, die weltweit erste Unterwasseraufnahme. Sieht relativ unscharf und unspektakulär aus aber bewies immerhin, dass es theoretisch möglich war. Thompson fand das Verfahren jedoch wenig praktikabel und die Methode blieb nicht mehr als ein kleines Experiment. Er beschrieb das Vorgehen in einem Artikel, der dann 1856 in dem “Journal of the Society of Arts” auch veröffentlicht wurde und da endet auch grob die fotografische Geschichte von Thompson. Was ich absolut faszinierend finde ist, dass Thompson seiner Zeit ca 30 Jahre voraus gewesen ist, so lang dauerte es nämlich bis jemand ernsthaft und systematisch versuchte die mit Wasserfotografie verbundenen Probleme zu lösen. 

Es gab zwar dazwischen immer wieder mal Experimente, so behauptete ein Franzose er hätte verschiedene Aufnahmen unterwasser gemacht und so weiß man nicht wirklich ob das den Tatsachen entsprach und die Deutschen experimentierten mit Fotografie auf U-Booten aber nichts davon hatte wirklich großen Bestand. Der erste wirklich dokumentierte Unterwasserfotograf, der dann auch unterwasser ernsthaft scharfe Bilder produzierte und , jawohl, auch unterwasser blitzte, war dann der Franzose Louis Boutan. Der war Vollblutwissenschaftler und im Auftrag seiner Regierung ziemlich weit herumgekommen, er hatte in Australien Beuteltiere erforscht, er hatte sich mit Weichtieren beschäftigt und kam im Jahr 1890 ans Rote Meer. Dort lernte er 1886 zu tauchen und was er da sah wollte er dokumentieren. Bis dahin hatte man Meereslebewesen an der Oberfläche fotografiert und diese Aufnahmen waren natürlich nicht vergleichbar mit den Aufnahmen, die man in ihrem natürlichen Habitat, lebendig von ihnen machen konnte oder hoffte machen zu können. Bouton begann also, wie schon Thompson vor ihm, damit ein Gehäuse für eine Kamera zu entwickeln, anders als Thompson aber wollte Bouton selber unter Wasser sein während er die Aufnahmen macht. 

Und dafür experimentierte er auch mit verschiedenen Tauchverfahren, auch die Taucherei war damals ja noch in Entwicklung. Da gab es alles, von Tauchglocken über einfache Apparaturen, die Schläuche von der Oberfläche mitführten bis hin zu Hartschalenanzügen, also praktisch tragbaren Taucherglocken. Beleuchtung war allerdings ein Problem, die ersten Aufnahmen gelangen im 1893 und brauchten in den gerade mal 3,5 bis 11 Metern Tiefe zwischen 10 und 30 Minuten Belichtungszeit. Das hieß Tiere konnte man so nicht fotografieren, außer sie blieben zufällig gerade mal 30 Minuten am gleichen Fleck aber dann waren sie sehr wahrscheinlich nicht scharf. Bouton begann also mit verschiedenen Blitztechnologien zu experimentieren, eine erste Idee war ei Boot mit einem Glasboden auszustatten und sozusagen von der Wasseroberfläche aus nach unten zu blitzen, der nächste Schritt war dann die gesamte Blitzgerätschaft in ein Tauchfass zu integrieren auf dem oben eine offene Lampe zu finden war, mit der man dann den Lichtblitz erzeugte, das Problem war nur, Chemikalische Blitze erzeugen Rauch und Rauch beschlägt Glas, das heißt die Gläser mussten unterwasser ausgetauscht werden, nachdem sie benutzt worden waren. Und das war schon ein Fortschritt, die allerersten Birnen explodierten bei der Benutzung. 

Man kann sagen in den ersten drei Jahren, ging Bouton durch die ganze Palette der Lichterzeugung und kam zum Schluss bei elektrischen Bogenlampen an. 1899 machte er damit dann die letzten seiner Aufnahmen und hat da dann Belichtungszeiten von gerade einmal 5 Sekunden. Aber der Preis für diese technische Leistung war gewaltig, diese Bogenlampen, die wurden von 60 Batterien mit je 25 Amperestunden mit Strom versorgt und waren in ein Gußeisernes Kugelgehäuse eingelassen, das Gesamtgewicht der gesamten Apparatur betrug 1,5 Tonnen aber es lohnte sich, er veröffentlichte das erste Buch über Unterwasserfotografie überhaupt. Das Werk “La Photographie Sous-Marine Et les Progrès de la Photographie”, wo er nicht nur über Unterwasserfotografie sonder über den Fortschritt von Fotografie ganz allgemein schrieb. Später gelangen ihm dann auch noch Nachtaufnahmen aus 50 Meter Tiefe, was seinen Ruf als den Unterwasserfotograf der Zeit zementierte. Seine Bilder wurden dann unter anderem auch auf der Weltausstellung 1900 in Paris ausgestellt, überhaupt schien es bei dieser speziellen Weltausstellung ein Who-is-Who der damals gängigen Fotografen zu geben und die stellten alle bis dahin unmöglich geglaubte Bilder aus, da gab es George Lorenz, der seine spektakulären Luftaufnahmen und Panoramen ausstellte und eben Bouton mit Aufnahmen unterwasser, beide mit eigens dafür entwickelter Beleuchtungstechnik. Wäre Bouton nicht Biologe gewesen, sondern Geschäftsmann und Erfinder wie George Lorenz, ich kann mir vorstellen, die beiden hätten ein ganz großartiges Team abgegeben

]]>
Flashlight Lawrence https://fotomenschen.kopfstim.me/flashlight-lawrence/ Tue, 18 Aug 2020 16:33:29 +0000 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera]]> ====> 30x Fotogeschichte(n) - Ein Lesebuch für Fotograf*innen mit und ohne Kamera <====

Was bedeutet es wenn man versucht sich auf das „Fotografisch Unmögliche“ zu spezialisieren? 1900 hieß das Luftaufnahmen, riesige Panoramen und künstliche Fotobeleuchtung.

George Lawrence war zu Lebzeiten berühmt weil er durch scheinbare Unmöglichkeiten nicht aufzuhalten war. Heute kennt ihn kaum noch jemand.

Weitere Informationen

Picture credit: By George Raymond Lawrence – Historic photo via http://www.fotoart.gr/istoria/onephotoonestory/giantcamera.htm, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7654197

Transkript

Manchmal begegnen mir Geschichten von Menschen, da wünschte ich, ich hätte eine Zeitmaschine, nicht um sie besuchen zu können, sondern um sie in die heutige Zeit holen zu können. Und sei es nur, um ihnen kurz zu zeigen, was aus ihren Ideen geworden ist. George Lawrence ist so ein Mensch. Die zwei Absätze, die die Wikipedia über George zu berichten hat, werden ihm noch nicht mal im Ansatz gerecht. Da ist so viel weggelassen, ich könnte mehrere Folgen daraus machen. Und hätte ich ihn erfolgreich ins Jahr 2020 gebracht, ich würde ihm die Panoramafunktion in modernen Smartphones, kleine portable Blitzgeräte und Drohnen mit montierten Kameras zeigen. Ich weiß, das würde ihm gefallen, denn genau das waren die Themen, mit denen er rund um 1900 weltweit berühmt geworden war.

Angenommen, wir gehen durch die Straßen einer durchschnittlichen Stadt. Köln, Berlin, München, und kommen an einem Fotogeschäft vorbei, und in diesem Geschäft hängt ein Plakat, auf dem steht, das fotografisch Unmögliche ist unsere Spezialität. Was würde ich mir darunter vorstellen? Es gibt doch bestimmt auch heute noch Dinge, die sind fotografisch unmöglich, oder? Im 20. Jahrhundert, als George R Lawrence genau diesen claim in die Auslage seines Geschäfts hing, da gabs auf jeden Fall einige Dinge, die waren fotografisch unmöglich. Fotografie war zu den Zeiten eine Industrie und trotzdem gab es deutlich spürbare Grenzen. Dinge die eben unmöglich waren. Und wenn etwas unmöglich ist, dann war es für George eine Herausforderung, nicht unbedingt eine harte Grenze.
Das hat er schon als sehr junger Mann unter Beweis gestellt, als er als Teenager zum Beispiel einen Telegraphensystem entwarf oder für seine Eltern eine automatische Waschmaschine konstruierte. Zum Fotografieren hatte er dann später, während er mit seiner ersten Frau in Chicago versuchte, in einer Wagenfabrik erfolgreich zu sein, eher zufällig gefunden. Er hatte Portraits von Fotografien abgezeichnet, und das so erfolgreich getan, dass er mit einem Fotografen zusammen ein Portraitstudio eröffnet hatte. Der stieg irgendwann aus und George wollte zu neuen Ufern aufbrechen. Das fotografisch Unmögliche eben machen.

Und fotografisch vielleicht nicht unmöglich, aber doch sehr real mit Grenzen versehen war zu der Zeit die Arbeit mit künstlichem Licht. Wir reden immer noch von einer Zeit, in der die Belichtungszeiten für Kameras noch relativ lang waren, und je heller man es haben könnte, desto besser. Wer also in geschlossenen Räumen zum Beispiel eine Veranstaltung fotografieren wollte, hatte ein Problem.
Man experimentierte auch schon seit knapp 15 Jahren mit verschiedenen explosiven Stoffen, um ein Blitzlicht zu erzeugen. Das kennt man auch aus diversen Filmen, da steht dann ein Fotograf mit deiner Platte, auf der Magnesium abgebrannt wird. Das sah in der Tat so aus, das Problem nur: Magnesium explodiert und produziert dabei eine unglaubliche Menge Rauch. In geschlossenen Räumen eine Blitzleiste zündete, hatte hinterher den gesamten Raum eingenebelt. Und deswegen war die Benutzung von solchen Blitzpulvern in geschlossenen Räumen auch feuerpolizeilich verboten.

Ja, das fotografisch unmögliche: Blitzlichtfotografie. George Lawrence experimentierte also. Nicht nur mit verschiedenen Pulvern, sondern auch mit verschiedenen Konstruktionen. Er konstruierte Blitztürme, Blitzplatten, verschiedene Pulver, sengte sich Schnurrbart und Augenbrauen ab und schaffte es mit einem Blitzlicht ein Gebäude zu sprengen. Wer kann es heute schon noch von sich behaupten, Iphonefotografie mit Blitz, Pah.
Und auch wenn man sich über den Weg lustig machen konnte, zum Schluss hatte George Lawrence den Vorläufer moderner Blitzgeräte in der Hand. Eine Schirmkonstruktion, die direkt nach Zünden des Pulvers den Rauch einfing und damit verhinderte, dass der gesamte Raum vernebelt wurde, Pulver, das einigermaßen sicher zu handhaben war, Gerätschaften, die man fernzünden konnte, all diese Entwicklungen machten ihn zum de facto Experten für künstliche Beleuchtung und schaffte es durch Demonstration seiner technischen Möglichkeiten, dass die feuerpolizeilich geltenden Beschränkungen für ihn in verschiedensten Städten der USA aufgehoben wurden und dadurch wurde er natürlich auch zum de facto Fotograf großer politischer oder gesellschaftlicher Ereignisse, die für die Presse oder auch zur Erinnerung fotografiert werden sollten.
Die Auftragsbücher füllten sich und Flashlight Lawrence, wie er damals manchmal genannt wurde, hatte bewiesen, dass er das fotografisch unmögliche möglich machen konnte. Und ab hier war das unmögliche dann häufig die Größe der Szenerie. Mehr und mehr Aufträge für größere und größere Veranstaltungen kamen rein, und so beschäftigte sich George mit Panoramafotografie.

Panoramas sind ja eigentlich Serienbilder. Man dreht die Kamera und macht mehrere nebeneinander liegende oder überlappende Aufnahmen und kombiniert die hinterher. Wenn man heute einfach nur sein Handy in die Höhe hält und irgendwie dreht und hinterher vertraut, dass moderne Computertechnik entsprechend die Einzelbilder zu einem großen Gesamtwerk kombinieren kann, war das damals zu Goerges Zeiten etwas aufwändiger.
Die Einzelbilder mussten zueinander passen, und zwar schon zum Zeitpunkt der Aufnahme. Und deswegen waren Panoramen, speziell mit Menschen darin, sehr, sehr, aufwändig. Es durfte sich ja niemand bewegen, sonst würden die Einzelbilder ja unangenehm auffallen.
George nun konstruierte Kameras, die mehrere Einzelbilder gleichzeitig aufnehmen konnten, und damit hatte er schon die nächste Mauer durchbrochen: er machte das Unmögliche möglich. Er konnte Panoramen, auch Indoorpanoramen mit Blitzlicht in einem Schuss aufnehmen.
The US Library of Congress lässt sich ein Archiv von Aufnahmen aus der damaligen Zeit abrufen und die Bilder sind schon toll. Das muss man einfach Mal neidlos anerkennen.

George war also international anerkannter Experte für künstliche Beleuchtung und für Panoramen. Oder, wie es der fotografische Laie vielleicht nennen würde: Wirklich große Aufnahmen. Und genau dieser Ruf landete ihm dann den Auftrag, für den er bis Heute bekannt ist. Es war nämlich so, dass die Betreiber der chicago and alton railroad einen neuen Zug gekauft hatten, und den sozusagen als den Höhepunkt des bis dahin möglichen Zugdesigns ansahen. Die Waggons waren symmetrisch, die Lok hatte die selbe Höhe und grundsätzliche Form wie die Waggons, der Zug war elegant und präzise, ein wirklicher Meilenstein damaligem Zugindustriedesigns.
Und das sollte entsprechend auch dokumentiert werden. Eine einzige Aufnahme sollte es werden, eine Aufnahme, auf die dieser gesamte Zug in seiner gesamten Länge passen sollte. Und das war natürlich auch in Zeiten von Panoramafotografie eine nahezu unmögliche Aufgabe, denn bei Panoramen kann man doch noch irgendwie sehen, dass das Einzelbilder sind. Und wenn die auch nur ein bisschen zeitlich versetzt sind. Naja, dann ist vielleicht doch die Bewegung schon zu viel dem Bild.
Eine Aufnahme sollte es also werden. Es musste eine Kamera her, die in der Lage war, einen gesamten Zug in einem Take zu fotografieren. Ja. Challenge accepted würde George heute wahrscheinlich sagen. Er nahm den Auftrag an.
Acht Monate dauerte die Arbeit an einer eigens zu diesem Zweck konstruierten Kamera. Die Kamera war über 600 Kilogramm schwer, ein massives Biest mit eigens dafür geschliffenen Objektivlinsen, größere Linsen als man bis dahin je in einer Kamera verbaut hatte.
Die fotografischen Platten, also die “Filme”, wenn man so möchte, waren eigens für diese Kamera konstruiert und angefertigt worden, und die mussten damals an Ort und Stelle vorbereitet und nach erfolgter Belichtung auch fixiert werden, das heißt, die Kamera allein, mit der war es nicht getan. George musste sozusagen mit seinem kompletten Studio reisen und entsprechendem Personal.
Ein ganzes Team war damit beschäftigt, diese Fotos zu machen. Zweieinhalb Minuten dauerte damals dann jede Belichtung. Der Zug parkte 6 Meilen außerhalb von Chicago, das Wetter war schön, der Himmel war klar, allerdings blies der Wind, aber es ist dann doch alles glatt gegangen.

Zu der Zeit war auch gerade Weltausstellung in Paris, 1900 eben, und diese riesengroßen Bilder waren technische Meisterwerke. Wunderwerke geradezu und deswegen wurden drei Drucke dieses Fotos zu Ausstellung geschickt. Und zunächst mal gab es dann Wirbel, dann die Organisatoren glaubten nicht, dass dieses Bild in einem Rutsch aufgenommen worden war. Sie glaubten, dass es ein clever nachretuschiertes Panorama herkömmlicher Machart gewesen wäre, und sie schickten eine Delegation, um die Kamera in Augenschein zu nehmen, bevor die das Bild tatsächlich für die Ausstellung zuließen.

Wenn man weltbekannt für die größte Kamera der Welt, der anerkannte Experte für Blitzlichtfotografie oder überhaupt künstliche Beleuchtung und weltberühmt für seine riesigen Panoramen ist, was kann man dann wohl noch als nächstes angehen, um die Grenzen der Fotografie zu durchbrechen? Klar! Es ist 1901. Warum machen wir das Ganze nicht einfach aus der Luft?
Wir sind in der Zeit, in der die Gebrüder Wright gerade damit angefangen haben, Flugzeuge zu bauen. Sie konstruierten ihren ersten Doppeldecker 1899. Luftaufnahmen gab es kaum und wenn, waren die mit Heißluftballons aufgenommen und waren garantiert keine Panoramen und waren auch, naja, beeindruckend für die damalige Zeit schon, aber nicht für heutige Betrachter.
George änderte das. In seinem ersten Experimenten, freilich, flog er noch nicht. Er baute Teleskoptürme. Von denen kann man zwar eine tolle Perspektive einfangen, aber die damalige Zeit war so luftverschmutzt, dass man auch auf einem 60 Meter hohen Turm nicht wirklich die Art Bild machen konnte, die George vorschwebte.
Es war also relativ schnell klar: er muss wirklich in die Luft. Und nur, um es nochmal in Erinnerung zu rufen: die Kameras zu dieser Zeit waren keine kleinen, handlichen Knipsen, sondern relativ großes Gerät. 20 Kilogramm waren durchaus möglich.

George konstruierte also einen Luftballon, um damit aufzusteigen. Er füllte ihn mit Gas und am 20. Juni 1901 unternahm er den ersten Versuch, über Chicago das Gelände einer Fabrik zu fotografieren. Den Ballon hatte er statt mit einem Korb mit einer Holzplatte versehen, damit er dort stabil stehen konnte, der Plan war, 1000 Fuß, so ungefähr 330 Meter, aufzusteigen und von dort aus zu fotografieren.
Über eine Stunde war George 300 Meter in der Luft, allerdings war es windig und so trieb der Ballon nach und nach ab. George beschloss also, sicherheitshalber zu landen und schaffte das auch fast. Auf halber Strecke löste sich dann das Ankerseil, er trieb richtung Lake Michigan, die Plattform löste sich und stürzte samt Fotograf, Platten und Kameraequipment rund 70 Meter ab, bevor ein Telegraf mitsamt Leitungen den Sturz bremste.
George blieb unverletzt, aber alle seine Aufnahmen waren ruiniert, die Kamera war auch nicht mehr wirklich gut zu gebrauchen.

Jeder Andere hätte da an der Stelle die Idee mit der Luftfotografie vielleicht aufgegeben. Nicht so George. Das erste, was er machte, als er wieder zurück am Arbeitsplatz war, war, einen neuen Ballon zu bestellen.
Ballons allerdings blieben auch weiterhin nicht Georges Freunde, bei einem weiteren Auftrag, wo er versuchte, Minnesota aus der Luft zu fotografieren, stürzte er wieder fast ab, als er in eine Windhose geriet, und das überzeugte ihn davon, dass Ballons vielleicht nicht das Mittel der Wahl sind.
Drachen. Drachen sind eigentlich viel, viel besser, dachte er sich. Es hatte schon Experimente von einem anderen Fotografen gegeben, Kameras mit einem Drachen in die Luft zu hieven, aber noch niemand hatte versucht, Panoramen mit Drachen aus der Luft aufzunehmen. Wie gesagt, mehr als 20 Kilo pro Kamera. George konstruierte also einen Fernauslösemechanismus, um eine an einer Drachenaufhängung hängende Kamera vom Boden aus auslösen zu können und er konstruierte sozusagen eine Art Seriendrachen, an den mehrere Kameras hängen können, sodass Panoramaaufnahmen aus der Luft möglich wurden.
Bis zu 17 Kameras konnte er in der Luft halten, meistens waren es eher so um die 10. Das muss man sich mal überlegen. 17 Kameras. Mehr als 20 Kilo pro Kamera. Wie viel Gewicht der in die Luft gehievt hat, um Aufnahmen zu machen. Und heute beschweren sich Leute, wenn Drohnen mehr als 500 Gramm auf die Waage bringen.

Die Geschichte über Luftaufnahmen über Drachen war so erfolgreich, dass der damalige US Präsident Roosevelt in Auftrag gab, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob solche Luftaufnahmen nicht auch für das Militär interessant wären. Es gab dann auch mal eine Übung, bei der George das Kommando über eine ganze Flotte der Navy hatte, mit dem Auftrag, Luftaufnahmen für militärische Zwecke zu erproben. Ja. Kann man mal machen.
Die berühmteste Luftaufnahme machte George allerdings kurz nach dem berühmten, großen Erdbeben, das San Francisco dem Erdboden gleich machte. Er hatte von dem Erdbeben über die Zeitungen erfahren und sich sofort mit seinem Team und seinem Material auf den Weg gebracht. Die Stadt war förmlich überrannt von Fotografen, aber die hatten alle das Problem, dass ihre Aufnahmen im Wesentlichen auf Höhe der Straße, von einem der wenigen Gebäude aus oder gegenüberliegend einer der Hügel auf der anderen Seite der Bay gemacht werden mussten. George hingegen mietete sich ein Boot und ließ seine Drachen aufsteigen und machte ein Panorama, das einen Großteil San Franciscos einfing und auch heute einfach mal sprachlos macht. Da stand praktisch nichts mehr. Dieses Bild machte ihn wieder mal weltberühmt.
Auch hier gab es übrigens wieder Leute, die behaupteten, sein Bild müsste fake sein. Die Detailtiefe seiner Aufnahmen, die Breite seiner Panoramen und vor allem die Position aus der er Aufnahm war damals eben wirklich unmöglich. Undenkbar. Aber George lud seine Kritiker einfach immer ein und erklärte ihnen die Konstruktion seiner selbst gefertigten Kameras, zeigte ihnen, wie er sie starten ließ und jedes Mal mussten die Leute zugestehen, dass er wirklich das unmögliche möglich gemacht hatte.
Und mit all diesen Erfahrungen, was bleibt da noch übrig? Natürlich. Afrika.

[Einspieler]
(Es spielt The Lion King – The Circle of life)

Ahem. Tschuldigung. Es ging aber tatsächlich darum, Tierherden zu fotografieren; Löwen, Elefanten, Zebras, das ganze Programm. Und wo wäre das nicht besser zu machen als aus einem Heißluftballon heraus über den Tieren schwebend, sodass die nicht davonlaufen?
Außerdem konstruierte George auch ganz herkömmliche Blitzlichtfallen. Die Idee war also die Kamera auf den Boden stellen, Blitzlicht dazu aufzubauen und sobald ein zum Beispiel Löwe ein eigens drapiertes Beutetier findet und darauf zuläuft, löst das ganze aus und fotografiert ihn.
Das Problem nur: Die Tiere liefen dann nicht weg, sondern griffen die Anlagen an. Und so musste George frustriert zusehen, wie dein sündhaft teures Equipment immer wieder von Tieren niedergetrampelt wurde. Das war also nur so semi erfolgreich.
Luftaufnahmen hatte er dann aber auch irgendwann gemacht. Und auch hier müssen wir mal kurz innehalten, um uns überlegen, was das bedeutete. Über 12000 Kilo Fotoequipment nach Afrika transportieren, ein Team von über 80 Leuten, monatelang reisen und fotografieren. Das war eine Mammutaufgabe.
Und er selbst hätte es wahrscheinlich auch nicht erfolgreich genannt. Er hatte zwar zum Schluss einige sehr originelle Aufnahmen im Kasten, aber im Grunde war das ganze eine Aneinanderreihung von Frustrationen. Jedenfalls blieb seine Afrikaexpedition das letzte große fotografische Abenteuer, das George Lawrence in Angriff nahm.

Als er aus Afrika zurückkam, war er dann wahrscheinlich auch erstmal mit deinem Privatleben beschäftigt, er trennte sich von seiner damaligen Frau und gründete, damals immerhin schon über 50, mit der knapp über 20-jährigen Claire Antoinette seine zweite Familie. Fotografie hinge wer zwar nicht ganz an den Nagel, aber er betrieb es dann nicht mehr als sein Hauptgeschäft. Stattdessen beschäftigte sich George Lawrence für den Rest seiner Karriere mit Flugtechnik.
Und George Lawrence macht nunmal keine halben Sachen. Über 100 Patente sprechen da eine klare Sprache. Ein Flugboot, das er mit deinem Partner konstruierte, war wahrscheinlich auch seiner damaligen Zeit ein kleines Bisschen voraus. Oder die Flugzeugklimaanlage, für die er ein Patent anmeldete.

So oder so, bekannt laut Wikipedia ist er einfach nur für eine der vielen Dinge, die George Lawrence in deinem Leben geschaffen hat. Die große Kamera. Und ich finde, das ist ein bisschen dünn.

]]>