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27. September 2020

Fliegende Pferde und entschuldbarer Totschlag

Eadweard Muybridge war nicht nur talentierter Entertainer, Weltreisender, Buchhändler, Fotograf und freigesprochener Mörder sondern auch der Mann der uns Hochgeschwindigkeitsaufnahmen und Bewegtbild brachte.

(Unter dieser Notiz sind keine Videos? Auf nach https://fotomenschen.net)

Datei:Muybridge horse gallop animated.gif

Image Source: Library of Congress
Music: CC-BY-NC, Countryside Summer Joyride by Kara Square
Sound Effects: Gallopp, CC0, by very.marengere / Destruction, CC-BY, by InspectorJ


Transkript

Heute geht es um fliegende Pferde. Und um den letzten Fall, in dem in Kalifornien ein geständiger Mörder trotz seiner Tat freigesprochen wurde.

Wir befinden uns im Kalifornien der 1850er Jahre. Der Goldrausch tobt durch das Land. Und das ursprünglich mal ziemlich provinzielle San Francisco war innerhalb von gerade mal 10 Jahren von knapp 400 auf über 55000 Einwohner angewachsen.

Und wer zu der Zeit an die Westküste der Vereinigten Staaten zog, der wollte ins Nirgendwo. Ans Ende der Welt. Dort, wo noch wirklich der Wilde Westen herrschte. Man wollte sein Glück finden, vielleicht mit ein bisschen Glück Gold. Auf jeden Fall sein Glück in die eigenen Hände nehmen. 

Und hier treffen wir den Buchhändler Eadweard Muybridge, oder wie er eigentlich mal bei seiner Geburt im Londoner Vorort Kingston hieß, Edward James Muggeridge. Er war mit c.a. 21 Jahren nach Amerika ausgewandert. Bei seinem ersten Stopp in New York lernt er einen Porträtfotografen kennen, der ihm die Daguerreotypie und andere Verfahren nahebringt und sich dann auf den Weg an die Westküste macht. 

Muybridge folgt ihm dann zwei Jahre später, wo besagter Freund inzwischen ein Porträtstudio betreibt, und Muybridge eröffnet eine Buchhandlung, in der er dann unter anderem auch Porträts oder Landschaftsbilder verkauft. Die Geschäfte laufen gut und so holt er seine zwei Brüder nach. Die sollen sich um seine Geschäfte kümmern, während er sich auf dem Weg nach Europa macht, um dort Bücher einzukaufen. Er macht sich auf den Weg, verpasst aber leider sein Schiff und fasst den Plan, per Kutsche nach St. Louis zu reisen und dann mit der Eisenbahn zurück nach New York, von wo aus er dann in die alte Welt übersetzen könnte. 

Und es ist genau diese Strecke, auf der dann ein folgenschwerer Unfall passiert. Eben noch saß er in einem Pferdewaggon und das nächste, was er weiß, ist, dass er neben dem zerbrochenen Gefährt auf der Straße wach wird, mit einer schweren Kopfverletzung. Er kam tatsächlich gerade noch so mit dem Leben davon und er hat monatelang damit zu kämpfen, dass er Schwindelanfälle hat und doppelt sieht.

Trotzdem beendet er wenige Wochen später seine Überfahrt nach London, wo er sich dann auch in ärztliche Behandlung begibt. Es ist ein Arzt, der ihm empfiehlt, möglichst viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Das sei gesund und therapeutisch. Und weil Edward nicht einfach nur in der Botanik unterwegs sein will, sucht er sich ein Hobby. 

Und das ist die Landschaftsfotografie. Er hat die Grundlagen der Fotografie vermutlich von seinem Freund in New York vermittelt bekommen aber jetzt studiert er das Medium ausgiebig und wird in dieser Zeit in London zu einem voll ausgebildeten, fähigen und kompetenten Landschaftsfotograf. 

Man muss sich ja vor Augen halten, dass Fotografen in der damaligen Zeit, wir sprechen von den 1870er Jahren, nicht nur Fotografie beherrschen mussten, sondern eigentlich Künstler, Techniker, Bastler und Chemiker in einem sein mussten. Man hat damals überwiegend auf sogenannte Wetplates fotografiert, das heißt, man hatte Glasplatten dabei, die mit einer chemischen Lösung bestrichen wurden, um die Silberpartikel aufzubringen, dann in einer Kamera belichtet wurden und dann innerhalb von wenigen Minuten auch durch entsprechende chemikalische Bäder entwickelt und fixiert werden mussten.

Das heißt, Fotografen bauten nicht nur ihre eigenen Kameras und ihre eigenen Objektive, sie hatten auch immer ihr eigenes Entwicklungslabor zur Hand.

Als Muybridge jedenfalls 1867 nach San Francisco zurückkehrt, beherrscht er Fotografie und sein Equipment gut genug, um sich als Fotograf selbstständig zu machen. Und es ist eine Zeit, in der sieht man in der Geschichte der Fotografie zwei große Trends. In Europa werden große Prachtbauten und Straßenzüge fotografiert. 

Und in den USA? Da entdeckt man die Wunder der Natur. Bisher hauptsächlich von Malern dargestellt, ziehen Fotografen los, um die Landschaften der Sierra Nevada und die Landschaften des späteren Yosemite Nationalparks zu dokumentieren. Diese Landschaften sind überwiegend unerschlossen und die Technik ist unhandlich, wie eben schon beschrieben. Man reist praktisch mit seinem eigenen Chemielabor. 

Und Muybridge fotografiert die gesamte Küste. Im Auftrag der unterschiedlichsten Institutionen fotografiert er nicht nur Landschaftswunder, sondern auch Schiffe, Leuchttürme, die Küstenlandschaft ganz allgemein und macht sich sogar durch Stereoskopien, also 3D Ansichten der Landschaften einen Namen. 

Stereoskopien waren damals der große Hit. Sie wurden in riesigen Stückzahlen produziert und waren so wie heutzutage vielleicht Fernsehen und Filme überall zu finden. 

Muybridge wurde durch seine Stereoskopien so bekannt, dass er den Auftrag erhielt, an eine Expedition nach Alaska teilzunehmen, was ihn zu der Selbstvermarktung als offizieller Fotograf der US-Regierung oder als Leiter fotografische Untersuchungen der Pazifikküste brachte. Ja, Bescheidenheit war jetzt nicht so unbedingt seine große Stärke. 

Überhaupt hatte Muybridge ein Talent zur Selbstvermarktung. Muybridge war jedenfalls viel unterwegs. Hätte man ihn in der Zeit jedoch gefragt, wo seine Heimat oder sein Wohnort wäre, hätte er jederzeit San Francisco angegeben.

Und da ist es auch Anfang der 70er Jahre, dass er in einem Fotostudio zwei schicksalhafte Begegnungen hat. Einmal lernte dort die 21-jährige Flora Downs kennen, die in erster Ehe unglücklich verheiratet ist. Er bezahlt ihre Scheidung und heiratet sie. Vier Jahre später sollten die beiden einen Sohn bekommen. Außerdem begegnet er in diesem Jahr dem Eisenbahnunternehmer und Politiker Leland Stanford. Ja, das ist der Stanford, von dem die berühmte Universität ihren Namen hat und der unter anderem auch Gouverneur von Kalifornien war. 

Stanford ist Pferdenah und deswegen nimmt er aktiv an einer zu der damaligen Zeit hochkochenden Diskussion unter Pferdemenschen teil. Der Frage nämlich, ob Pferde, wenn sie im vollen Galopp sind, zu irgendeinem Zeitpunkt alle vier Hufe in der Luft haben. Zu der Zeit gab es die feste Annahme, ja fast schon Überzeugung, dass das der Fall wäre. Aber beweisen oder sehen konnte das freilich niemand. Denn Pferde im Galopp sind so schnell unterwegs, dass man keine Chance hat, das mit bloßem Auge wahrzunehmen. Aber vielleicht könnte man die ja irgendwie fotografieren. 

Und so gab Stanford den Auftrag an Muybridge genau das zu versuchen. Für die damalige Zeit hatte das gleich mehrere Schwierigkeiten. Erstens musste man die Belichtungszeit von Minuten auf Millisekunden drücken, also, das Papier, auf das belichtet wurde, möglichst empfindlich machen, zweitens musste man im richtigen Moment auslösen und drittens durfte die Belichtung natürlich auch nicht mehr als Millisekunden möglich sein. Ein Hochgeschwindigkeitsverschluss musste also konstruiert werden.

Muybridge schritt mithilfe der Ingenieure aus Stanfords Eisenbahnunternehmen zur Tat, konstruierte den ersten elektronischen Zentralverschluss überhaupt und schoss ein leider heute verlorenes Bild von Stanfords Rennpferd Occident, in dem tatsächlich verwaschen, aber immerhin zweifelsfrei zu sehen war, dass alle vier Hufe in der Luft waren. Es wird übrigens behauptet, dass Stanford damit eine Wette entschieden hat und es um 25000 Dollar ging. Die Behauptung wird hin und wieder als urban myth, auf jeden Fall als nicht beweisbar beschrieben. 

Muybridge jedenfalls ging in dieser Aufgabenstellung auf. Er wollte nicht nur Pferde in der Luft, sondern den gesamten Bewegungsablauf festhalten. Er verbrachte jede freie Minute mit dieser Aufgabe. 

Seine junge Frau freilich, die hatte dafür wenig Sinn. Sie ging ins Theater, in Konzerte, nahm am gesellschaftlichen Leben teil und fand kreative Verwendung für muybridges Geld. Dem war das einerlei, aber ihm entging auch nicht, dass seine Frau gerne flirtete und dass es diverse Verehrer gab. Einer, der ihm schon vorher unangenehm aufgefallen war und den er in seine Schranken verweisen musste, war der Minenangestellte Harry Larkyns. 

Als er kurz nach der Geburt seines Sohnes Florado Helios ein Bild von seinem Sohn, auf dem hinten mit der Handschrift seiner Frau “Little Harry” geschrieben stand, fand, kam ihm allerdings Zweifel an seiner Vaterschaft. Er wendet sich an die Hebamme seiner Frau, die gleichzeitig eine Vertraute war, und stellt sie zur Rede. Und wie so oft erfährt er da Dinge, die er eigentlich gar nicht erfahren wollte. Sie bestätigte die Affäre und Muybridge nahm seinen Revolver und machte sich auf den Weg zu Larkyns.

Das war ein Trip, der wahrscheinlich mehrere Stunden gedauert hatte. Er musste erst eine Fähre, dann einen Zug und dann eine Kutsche nehmen. Auf dem Weg zu Larkyns reinigte er den Revolver und gab mehrere Testschüsse ab. Es darf also davon ausgegangen werden, dass er in vollem Bewusstsein seine Tat plante. 

Muybridge fand Larkyns beim nächtlichen Kartenspiel und sagte dann wohl, er hätte was von seiner Frau auszurichten, bevor er ihn erschoss. Er ließ sich dann widerstandslos abführen und gab bei seiner Festnahme ein umfassendes Geständnis ab. 

Muybridge saß vier Monate in Untersuchungshaft, bevor er vor Gericht gestellt wurde. Seine Frau hatte zwischenzeitlich die Scheidung eingereicht und war der Meinung, dass die Höchststrafe angemessen wäre. In Kalifornien gab es auf Mord zu der damaligen Zeit nur eine angemessene Strafe, nämlich Tod durch Hängen. 

Einer seiner Verteidiger versuchte, ihn vor dem Strang zu bewahren, indem er ihn als mental instabil darstellte. Als Nachwirkungen des Unfalls sei er verwirrt, sei er manchmal gewalttätig, aufbrausend. Und auch wenn von Muybridge bekannt war, dass er all das sein konnte, war sein Auftreten vor Gericht allerdings so eloquent, dass kein Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit herrschen konnte. Überhaupt wäre eine Verurteilung wegen geistiger Unzurechnungsfähigkeit nicht unbedingt besser gewesen. Das hatte damals dazu geführt, dass er in ein sogenanntes Irrenhaus gesteckt worden wäre. Lebenslang in so einer Anstalt eingesperrt zu sein, war damals wahrscheinlich ein ähnlich dramatisches Schicksal wie dem Tod ins Auge zu sehen. Muybridges Aussichten sahen also wirklich, wirklich schwarz aus. Entweder Exekution oder lebenslang Irrenhaus.

Es kam zu einem Schlussplädoyer, was in der Zeitung der damaligen Zeit, dem San Francisco Chronicle, als eines der eloquentesten, das man je in Kalifornien gehört hat, beschrieben worden ist. Und wie wir alle aus einschlägigen Filmen und Romanen wissen, muss man ja in den USA in so einem Fall vor allen Dingen die Jury überzeugen. 

Und das gelang in diesem Fall. Die Jury wählte den dritten Weg. Statt Todesstrafe wegen Mordes oder Wegsperren wegen Unzulänglichkeit entschied man sich für sogenannten entschuldbaren Totschlag. Oder in anderen Worten: Man war der Meinung, dass Muybridge schon recht hatte, dass er den Liebhaber seiner Frau über den Haufen geschossen hat.

Damit geht Muybridge als der letzte Fall in die kalifornische Geschichte ein, indem jemand trotz zugegebenen und zweifelsfrei festgestellten Mordes freigesprochen wurde. Muybridge ist also wieder auf freiem Fuß, aber in seinem Leben ist jetzt erst einmal der Wurm drin. Seine junge Frau stirbt wenige Monate später, sein Sohn, von dem er nicht sicher weiß, ob es überhaupt sein Sohn ist, kommt ins Waisenhaus, für das er die Kosten trägt und er verkauft sein Geschäft und macht sich auf den Weg nach Zentralamerika, um dort die Plantagenarbeiten zu fotografieren. 

Die Fotos aus dieser Zeit haben eine sehr beunruhigende Bildsprache. Manche davon sehen richtig gruselig aus, auch wenn an den Motiven selber erst einmal nichts auszusetzen ist. Er versteht sein Handwerk, er weiß, wie man fotografiert. Aber die Erlebnisse stecken noch in seinen Knochen. Und das sieht man auch seinen Bildern an.

Er fotografiert im Auftrag der Pacific Mail Steamship Company. Seit die erste transkontinentale Eisenbahnverbindung eröffnet wurde, hatten die Sorge, dass ihr Handelsmonopol fallen könnte und sie nutzten die Fotografien als Marketingkampagne. 

Muybridge findet sich neu und veröffentlicht über 400 Fotos unter dem Namen Eduardo Santiago Muybridge und vermarktet die nach seiner Rückkehr nach San Francisco ausgiebig. Sie sind so gut, dass sie ihm mehrere Ehrungen und unter anderem eine Goldmedaille einbringen. 

Er knüpft also an vorherige Erfolge an. Es sieht gut aus in seinem Leben und in seinen Geschäften. Zeit, wieder zu den Pferden zurückzukehren. Er war ja unzufrieden mit dem Ergebnis. Ein verwaschenes Bild, auf dem ein Pferd mit vier Hufen in der Luft abgebildet war, war nicht genau das, was er gerne produziert hätte. Was er nämlich machen wollte, waren Serienaufnahmen, mehrere scharfe, einzelne Aufnahmen, auf denen man die verschiedenen Stadien des Bewegungsablaufs eindeutig und klar sehen kann. 

Auch Stanford ist weiterhin an Board. Auf seinem Gelände wird eine eigens dafür angelegte Anlage konstruiert. Der Boden und die Rückwand, an der vorbeigaloppiert werden soll, wird extra hell getüncht, damit möglichst viel Licht Richtung Kamera geworfen werden kann. Außerdem wird ein Serienauslöser konstruiert. In den Weg gespannte Schnüre lösen insgesamt 24 Kameras nacheinander aus. Und die Rechnung geht auf. Muybridge macht mehrere Testläufe und als er sicher ist, dass es funktionieren wird, lädt er am 15. Juni 1878 eine Reihe von Journalisten ein, vor deren Augen er erfolgreich ein Pferd im Galopp fotografiert. Die versammelten Augenzeugen sind hin und weg.

Sie vergleichen Muybridges Leistung mit der Erfindung des Telefons. Und auch, wenn uns das heute bizarr erscheint. Eigentlich muss man sich nur mal vor Augen halten, wie wenig man damals tatsächlich über diesen Bewegungsablauf wusste. Man wusste also, die Pferde hatten die Hufe alle vier in der Luft. Aber man wusste nicht, wie genau dieser Bewegungsablauf aussah. 

Muybridge würde später in seinem Leben Vorträge halten, in denen er berühmte Kunstwerke zeigte und die Fehler in den dort dargestellten Bewegungsabläufen beschrieb. Damit hat er sich vermutlich nicht nur Freunde gemacht aber man konnte auch nicht abstreiten, dass er recht hatte. Seine Erfindung der Hochgeschwindigkeitsserienaufnahme hatte eine Analyse überhaupt erst möglich gemacht. 

Muybridge nahm diese Aufnahmen und reiste damit durch die Welt. Er war immer schon ein hervorragender Entertainer und wusste, wie man sich selbst vermarktet. Und so beschrieb er vor jedem Publikum, das sich dafür interessierte, seine Erkenntnisse. 

Damit diese Darstellung besser zur Geltung kam, entwickelte er ein Gerät, mit dem sich der Bewegungsablauf wie eine Animation an die Wand projizieren ließ. Das sogenannte Zoopraxiscope. Und es war noch nicht einmal nur gezeichnet, sondern das waren fotografierte Bewegungsabläufe. Es ist keine Übertreibung, Muybridge deswegen als den Vater des modernen Films zu bezeichnen. Stopmotionfilme und Tricktechnik. 

Die Herausforderung war, das Muybridge nicht der einzige mit Geschäftssinn war. Er hatte ja mit Stanford gepartnert und Stanford gab in dieser Zeit dann Bücher heraus, in denen er sich vollumfänglich Credit für diese Fotos gab. Und damit wurde Muybridge in Zweifel gezogen. Plötzlich glaubte man nicht mehr, dass die Bilder wirklich von ihm waren. Dieser Stanford schien ja auch glaubwürdig machen zu können, dass er die Bilder geschaffen hätte. Zur Hilfe kommt eine Universität, die University of Pennsylvania. Die beauftragen Muybridge nämlich mit Bewegungsstudien. 

Muybridge hatte bisher eigentlich nicht wissenschaftlich gearbeitet. Er war irgendwie ein Zwischending zwischen Fotograf, Bastler und Künstler. Aber eigentlich war er in erster Linie Entertainer. Er wusste einfach, was sich gut vermarkten ließ und hatte weder im Sinn, gezielte Studien zu machen noch wissenschaftlichen Anspruch. Die University of Pennsylvania wollte das ändern. 

Sie beauftragten Muybridge mit Bewegungsstudien vor einem definierten Hintergrund mit definierten Abläufen. Muybridge fotografierte also seine Bewegungsabläufe jetzt mit einem sorgfältig konstruierten Apparat vor einem Raster in einem eigens konstruierten Studio. Innerhalb von zwei Jahren entstanden so über 20000 Aufnahmen: Tiere im Laufen, Menschen beim Sport, Alltagshandlungen vor der Kamera, am Anfang meistens eher selbst und dann die verschiedensten Models, immer öfter auch gutaussehende nackte junge Damen, deren einzelne Bewegungsschritte er dann als einzelne Drucke nebeneinander und untereinander wie an einem Raster anordnete. 

Es ist die Anekdote mit dem fliegenden Pferd und die Tatsache, dass er ein geständiger Mörder mit Freispruch war, für die er am bekanntesten ist, aber den meisten Einfluss auf die Fotogeschichte und den Grundstein für das, was wir heute Film und Tricktechnik nennen, die hat er dargelegt. 

Er lernte in der Zeit übrigens auch Edison kennen und Edison sollte später dann mal behaupten, er hätte das Bewegtbild erfunden, eine Behauptung, in der sich natürlich schon wieder Geschichte wiederholt hat, Muybridge als der eigentliche Urheber musste zusehen, wie jemand anders seine Lorbeeren abgriff. Er selbst nahm es gelassen. 

Berühmt für verschiedenste fotografische Disziplinen kehrte er nach Europa zurück, wo er unter anderem auf der Weltausstellung in Paris eine ganze Halle hatte, in der er seine verschiedensten fotografischen Arbeiten ausstellen konnte. Und letztlich dann in seinen Heimatort Kingston, wo er dann 1906 an Prostatakrebs stirbt. Uns bleibt der elektronische Verschluss, das bewegte Bild, Bewegungsstudien ganz allgemein, Panoramafotografie und die auch heute immer noch sehr beeindruckenden Landschaftsaufnahmen des Pacific Northwest.

2 Responses

  1. der Ralf sagt:

    Reupload? Absicht oder ist was im Feed durcheinander geraten?

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